Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


Eingangsseite

Aktuelle Informationen

Jahrestagungen von Alemannia Judaica

Die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft

Jüdische Friedhöfe 

(Frühere und bestehende) Synagogen

Übersicht: Jüdische Kulturdenkmale in der Region

Bestehende jüdische Gemeinden in der Region

Jüdische Museen

FORSCHUNGS-
PROJEKTE

Literatur und Presseartikel

Adressliste

Digitale Postkarten

Links

 

  
zurück zur Übersicht "Synagogen in der Region"  
zurück zur Übersicht "Synagogen in Hessen"  
zu den "Synagogen im Wetteraukreis"    
   

Bad Nauheim (Wetteraukreis)
Jüdische Geschichte / Synagoge  

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Zur Geschichte des Betsaals der Synagoge   
Fotos / Darstellungen  
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte 
Links und Literatur    

Es besteht eine weitere Seite mit Texten und Bildern zur Geschichte der jüdischen Gemeinde und der jüdischen Kureinrichtungen  
  
  
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version
   
In (Bad) Nauheim lebten jüdische Personen/Familien bereits im Mittelalter. Bereit 1303 könnte eine jüdische Ansiedlung bestanden haben, doch ist die Quellenlage unklar. Ein sicherer Nachweis besteht erst aus dem Jahr 1464. Damals beanspruchte Markgraf Albrecht Achilles von Brandenburg von der Nauheimer Judenschaft den dritten Pfennig und den Goldenen Opferpfennig. Die Nauheimer Judenschaft bestand damals aus zwei bis drei Familien. 1485 setzte sich Graf Philipp von Hanau für einen Nauheimer Juden ein, der vom Landgrafen von Hessen gefangen war. Auch in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts lebten einige jüdische Personen in Nauheim.  
   
Seit dem 18. Jahrhundert ließen sich wieder jüdische Familien nieder (1710 16 jüdische Einwohner, 1734 eine jüdische Familie, zusammen 7 Personen; 1754 21 jüdische Einwohner). Ihre Zahl blieb bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts hinein zunächst gering (1827: 7 jüdische Familien, 1835 23, 1861 26 Personen), um mit dem Aufstieg Bau Nauheims als Stadt (seit 1854) und weltbekanntes Kurzentrum seit Ende des 19. Jahrhunderts stark zuzunehmen (1900/1905 119 Personen, 1910 164). Eine selbständige jüdische Gemeinde wurde mit der Einrichtung eines eigenen Betsaales (s.u.) um 1830 gegründet. Erster Gemeindevorsteher war Samuel Rosenthal (bis 1833). Ihren Lebensunterhalt verdienten die Nauheimer Juden zunächst als Viehhändler und Metzger; 1828 werden sie noch als "arme Leute" bezeichnet. 
   
Mit dem Aufschwung Nauheims zum weltbekannten Badeort im Laufe des 19. Jahrhunderts kamen alsbald aus einer weiten Umgebung auch jüdische Kurgäste in den Sommermonaten nach Bad Nauheim. Dazu zogen immer mehr auch jüdische Ärzte, Pflegepersonal und Angestellte im Bereich der Gastronomie in die Stadt. Um 1890 waren unter den jüdischen Ärzten Dr. August Schott, Prof. Theodor Schott, Dr. Sigurd Benjamin Gräupner und der Geheime Medizinalrat Prof. Dr. Isidor Groedel (Groedel war Arzt der letzten deutschen Kaiserin). 1876 wurde ein Unterstützungsverein für arme Kurbedürftige gegründet. Die Statuten wurden u.a. von den Ärzten Dr. August Schott und Dr. Isidor Groedel unterzeichnet. Um 1880 wurden pro Jahr ca. 1.000 jüdische Kurgäste gezählt, zu einem großen Teil streng orthodoxer Prägung. Sogar aus Rumänien, Russland oder Ägypten wurden Gäste registriert. Manche von ihnen starben während der Kur und wurden auf den jüdischen Friedhöfen von Bad Nauheim beigesetzt.   
  
Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts entstanden verschiedene jüdische Kureinrichtungen und Kurheime. Die bekanntesten waren in den folgenden Jahrzehnten:

Das Israelitische Männerheim: gegründet 1875 (eigener Verein); 1925 ca. 30 Plätze. Bäderkuren, besonders für Herzkranke; geöffnet vom 1. Mai bis 1. Oktober. 1925 Vorsitzender S. Salomon; Arzt Dr. May, Bad Nauheim. Anschrift: Frankfurter Str. 58.  
Das Israelitische Frauenheim: gegründet 1902 (eigener Verein); 1925 ca. 40 Plätze. Bäderkuren, besonders für Herzkranke; geöffnet vom 1. Mai bis 1. Oktober. 1925 Vorsitzender Moses Michael Mainz, Frankfurt; Leitender Arzt: Dr. Herz. Leiterin: Schwester Rebekka Lehmann. Anschrift. Frankfurter Str. 65.
Bad Nauheim Kinderheilstaette 01.jpg (65849 Byte)Die Israelitische Kinderheilstätte : 1925 ca. 70 Plätze für Jungen und Mädchen im Alter von 4 bis 15 Jahren. Kuren für Herzkranke, Liegekuren usw., geöffnet vom 1. Mai bis 1. Oktober. 1925 Vorsitzender Michael Moses Mainz, Frankfurt; leitender Arzt: Dr. Hirsch, Mannheim, Leiterin Helene Kopp. Anschrift: Frankfurter Str. 103. 
(Bild links erhalten von Peter Karl Müller, Kirchheim/Ries, zahlreiche weitere Abbildungen siehe ergänzende Seite zu Bad Nauheim

Diese Einrichtungen waren meist von Frankfurter jüdischen Kreisen initiiert worden, teilweise auch getragen durch Frankfurter Stiftungen (u.a. von Baronin Edmund von Rothschild). Anfang der 1930er-Jahre praktizierten etwa 50 jüdische Ärzte und Zahnärzte in Bad Nauheim. In der Stadt gab es insgesamt 17 jüdische Hotels und Pensionen.
  
Die jüdische Gemeinde in Bad Nauheim, zu der seit 1875 auch die in Steinfurth gehörenden jüdischen Einwohner gehörten, hatte an Einrichtungen eine Synagoge (unterschiedliche Bauten, s.u.), eine Religionsschule, ein rituelles Bad und einen Friedhof. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter (Kantor) und Schochet fungierte. Die Gemeinde war zunächst dem Rabbinat Hanau, seit 1869 dem Provinzialrabbinat Gießen, schließlich dem orthodoxen Provinzialrabbinat in Gießen zugeteilt. 
 
Im Ersten Weltkrieg starben an den Fronten die jüdischen Gemeindeglieder: Sally Bär (geb. 10.9.1886 in Griedel, gef. 28.8.1914), Gefreiter Ludwig Bodenheimer (geb. 23.4.1879 in Waibstadt, gef. 23.8.1918), Unteroffizier Karl Theodor Hoddes (geb. 11.5.1894 in Gießen, gef. 27.1.1915), Wilhelm Sandel (geb. 23.1.1898 in Bad Nauheim, gef. 27.4.1918), Martin Straus (geb. 26.1.1895 in Bad Nauheim, gef. 23.10.1914) und Wilhelm Straus (geb. 30.9.1897 in Bad Nauheim, gef. 17.11.1916). 1921 wurde in der Synagoge eine Gedenktafel für die Gefallenen aus der jüdischen Gemeinde angebracht (siehe Bericht unten). 
   
Um 1925, als etwa 250 Personen zur jüdischen Gemeinde ("Israelitische Religionsgemeinde Bad Nauheim") gehörten (ca. 1,7 % der Gesamteinwohnerschaft von etwa 15.000 Personen), gehörten dem Vorstand der jüdischen Gemeinde an: Emil Rosenthal, Jonas Loeb, Isidor Baumblatt, Louis Löser und Berthold Rosenthal. Dr. Hirschfeld aus Gießen war Rabbiner der Gemeinde. Hermann Oppenheimer war als Lehrer und Kantor tätig. Er gab damals insgesamt 17 Kindern an den öffentlichen Schulen Religionsunterricht. An jüdischen Vereinen bestanden außer den für die Kureinrichtungen zuständigen Vereinen eine Chewra Kadischa (Wohlfahrtspflege, Bestattungswesen), ein Frauenverein (Ziel: Unterstützung Hilfsbedürftiger), ein Männerverein (Ziele: Unterstützung Hilfsbedürftiger und Obdachlosenfürsorge), eine "Brüderschaft" und eine "Jüdische Arbeitsgemeinschaft". Auch eine Gemeindebibliothek war vorhanden. Bis 1932 war die Zahl der jüdischen Einwohner auf etwa 300 gestiegen. Dem Vorstand gehörten weiterhin an die Herren Emil Rosenthal, Berthold Rosenthal und Jonas Loeb. Lehrer und Kantor war inzwischen Karl Bettmann, nachdem 1929 Hermann Oppenheimer nach 50-jähriger Tätigkeit in den Ruhestand verabschiedet worden war. Karl Bettmann blieb bis zu seiner Auswanderung 1939 in Bad Nauheim.   
    
Nach 1933 nahm die Zahl der jüdischen Einwohner vorübergehend bis auf 350 Personen zu. Von diesen sind in den folgenden Jahren etwa 250 Personen ausgewandert (insbesondere in die USA). 1940/41 wurden die noch hier lebenden jüdischen Einwohner in das jüdische Altersheim an der Frankfurter Straße eingewiesen. Von hier wurden sie im September 1942 deportiert: 23 Personen in polnische Lager, 79 (meist ältere) Personen nach Theresienstadt. Mehrere der jüdischen Einwohner starben nach 1933 an Suizid.   
  
Von den in Bad Nauheim geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Elfriede Abraham (1903), Fanny Abraham geb. Cohn (1862), Emil Adler (1880), Senta Adler (1921), Martha Asch geb. Oppenheimer (1866), Rosa Balschöwski geb. Lewinski (1885), Minna Bamberger geb. Strauss (1886), Adolf Bauer (1883), Frieda Bauer geb. Levi (1884), Emma Baumblatt geb. Mohrenwitz (1874), Isidor Baumblatt (1870), Adele (Adelheid) Bettmann geb. Rotschild (1872), Jakob Bettmann (1873), Joseph Bettmann (geb. ?), Frieda Bodenheimer geb. Gutkind (1883), Billa Cahn geb. Liebmann (1895), Herrmann Cahn (1865), Carry (Zarri) Cohn geb. Herz (1883), Leo Cohn (1877), Samuel Collin (1866), Hedwig Eckstein geb. Grünebaum (1889), Heinz Eckstein (1928), Marben Eckstein (1884), Martin Eckstein (1926), Siegfried Eckstein (1884), Ella Ehrlich (geb. ?), Gustav Ehrlich (geb. ?), Sarko Ehrmann (1882), Karoline Eichhorn geb. Gottselig (1902), Hermine Elias geb. Loeb (1872), Siegmund Engel (1873), Meta Eschwege geb. Oppenheimer (1882), Jakob Frank (1889), Klothilde (Kloti) Frank geb. Hessenberger (1895), Sophie Frank (1926), Edith Gerson (1896), Edith Grünfeld (geb. ?), Hanni Goldschmidt (geb. ?), Hermann Goldschmidt (1865), Emilie Grünebaum (1860), Hilda Grünebaum (1931), Lina Grünebaum (1864), Ruth Grünebaum (1931), Sofie Grünebaum (1858), Max Hammerschlag (1876), Moses Hammerschlag (1876), Nanny Hammerschlag geb. Stern (1882), Rosa Hammerschlag geb. Falkenstein (1875), Eva Hausmann (1916), Leopold Hermann (1859), Mathilde Hermann geb. Salomon (1863), Hedwig Hirsch geb. Elsberg (1871), Rosa Jakob (1858), Hermann Kahn (1865), Recha Kahn geb. Loeb (1878), Berthold Kann (1863), Mathilde Kann geb. Speier (1872), Henriette Katz geb. Arnstein (1869), Karl Katz (1877), Kathinka Katz geb. Wetterhahn (1876), Mayer Katz (1873), Hedwig Kaufmann (1924), Ida Kaufmann geb. Levy (1893), Rosalie Kaufmann geb. Sichel (1858), Gertrude Kendziorek geb. Baumblatt (1901), Herta Klarer geb. Levy (1890), Josef Klebe (1873), Julie Koch geb. Bloch (1875), Josef Koffler (1886), Adolf Krämer (1874), David Lamm (1866), Hannchen Lamm geb. Andorn (1875), Minna Lamm (1868), Rebekka Lamm geb. Kaufmann (1856), Henriette (Henni) Laudon geb. Eulau (1902), Gertrud Lazarus (1906), Ida Lehmann (1880), Regina Lehmann (1881), Berta Lewi geb. Schönfeld (1868), Johanna Levy (1877), Johanna Levy (1878), Therese Levy (1870), Helene Lewinsky (1875), Hermann Liebmann (1865), Rosa Lilienfeld (1863), Cäcilie (Cilly) Lion geb. Rosenthal (1871), Felix Löb (1875), Ida Loeb geb. Loeb (1907), Kaufmann Loeb (1866), Clara Löwenstein geb. Arnstein (1875), Leopold Löwenstein (1884), Paula Löwenstein geb. Scheuer (1895), Richard Löwenthal (1870), Isaak Mainzer (1877), Karl Markus (1880), Fanny Mayer geb. Oppenheimer (1851), Hannchen Mayer geb. Lichtenstein (1868), Henriette Mayer (1868), Louis Mendelsohn (1888), Regine Metzger geb. Meier (1864), Henriette Meyer (1868), Willy Meyer (1906), Johanna Minkus geb. Reinhardt (1870), Bella Nussbaum geb. Katz (1894), Felix Nussbaum (1892), Sußme (Susanne) Nussbaum (1891), Moritz Oppenheimer (1879), Rosa Reinberg (1863), Karoline Rosenfeld geb. Gruber (1870), Arthur Rosenthal (1904), Berthold Rosenthal (geb. ?), Erna Rosenthal geb. Katz (1906), Herta Rosenthal geb. Löwenthal (1894), Ruth Rosenthal (1934), Sally Rosenthal (1876), Hermann Rosner (1908), Regina Rossmann (1921), Berta Rothschild (1878), Fanny Rothschild (1866), Frieda Maria Rothschild geb. Nussbaum (1867), Hans Rothschild (1931), Michael Rothschild (1869), Selma Rothschild geb. Wetterhahn (1875), Leopold Rottenberg (1918), Rebecca Rottenberg (1912), Samson Rottenberg (1914), Silvia Rottenberg (1916), Meta Schloss (1904), Karoline Schloss geb. Haas (1873), Emmy Schönewald geb. Anschel (1884), Felix Schönewald (1871), Emma Schuster geb. Mayer (1873), Hermann Schuster (1871), Leo Seewald (1930), Frieda Siew geb. Lewinski (1880), Klara Simon geb. Kugelmann (1857), Rebekka Simon geb. Schönfeld (1863), Sophie Sommer (1868), Albert Spiegel (1879), Irene Spiegel (1924), Paula Spiegel geb. Kahn (1888), Ruth Karola Spiegel (1937), Aron Stern (1872), Auguste Stern (1868), Berta Stern geb. Meier (1871), Mathilde Stern (1865), Minna Stern geb. Flörsheim (1904),  Jenny Straus geb. Levi (1893), Bertha Strauss geb. Grünbaum (1870), Else Strauss (1920), Jettchen Strauss geb. Katz (1875), Johanna Strauss geb. Mayer (1866), Martha Strauss geb. Straus (1890), Moritz Strauss (1888), Nanni Wallach geb. Rosenthal (1868), Wilhelm Wallenstein (1901), Recha Wartensleben geb. Rosenthal (1874), Jeanette Wertheim (1859), Sara Wertheim geb. Löwenstein (1865), Levi (Löb) Wetzstein (1872), Honet Wolf (1861), Margot Wolf geb. Wolf (1918), Gerda Worms geb. Strauss (1895), Jettchen Ziegelstein (1883), Susanne Ziegelstein geb. Süsskind (1853).  

Hinweis auf die Website: "Das Holocaust-Erinnerungsmal in Bad Nauheim": www.holocaustdenkmal-badnauheim.de   
In Bad Nauheim soll 2016 am Rande des Kurparks ein Erinnerungsmal mit den Namen von 270 Bad Nauheimer Holocaust-Opfer errichtet werden.  

 
  
  
Nach 1945    
  
Eine neue jüdische Gemeinde wurde in Bad Nauheim bereits am 27. April 1945 durch jüdische "Displaced Persons" (DPs, zumeist Überlebende von KZs) begründet. Der erste Gemeindevorsitzende der 1945-46 aus etwa 300 Personen bestehenden Gemeinde war Nachman Kaplan. Im September 1947 entstand ein "Kibbuz" zur Ausbildung in handwerklichen und landwirtschaftlichen Berufen in den Räumen der Gebäude Frankfurter Straße 103 und 108. Bis 1949 wanderten fast alle DPs nach Israel oder in die USA aus, der Kibbuz wurde aufgelöst. 1949 bis 1953 war unklar, ob die Gemeinde weiter bestehen konnte. Doch stabilisierte sich die Anzahl der jüdischen Einwohner Bad Nauheims in den 1950er- und 1960er-Jahren auf etwa 130 - 150 Personen (aus Bad Nauheim und dem Gebiet des Altkreises Friedberg). In den 1950er-Jahren bestand auch eine jüdische Schule. In den Sommermonaten kamen damals durchschnittlich etwa 400 jüdische Kurgäste nach Bad Nauheim, nachdem auch ein jüdisches Kurhotel wieder eröffnet wurde. Durch Zuwanderung von jüdischen Personen seit den 1970er-, verstärkt seit den 1990er-Jahren nahm die Zahl der jüdischen Einwohner Bad Nauheims weiter zu. Nach Stand Juni 2012 hat die jüdische Gemeinde über 300 Mitglieder. Durch ihre Aktivitäten ermöglicht die Gemeinde jüdisches Leben im Wetteraukreis durch Gottesdienste, Sprach- und Religionsunterricht und einen Chor. Informationsseite
Vorsitzender der jüdischen Gemeinde Bad Nauheim ist derzeit (2012) Monik Mlynarski. 
     
Bad Nauheim ist Sitz des Deutschen Koordinierungsrats der Gesellschaften für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit und der Buber-Rosenzweig-Stiftung; im Jahre 2005 fand die bundesweit beachtete Verleihung der Buber-Rosenzweig-Medaille an den Dirigenten Daniel Barenboim im Bad Nauheimer Kurtheater statt.
     
     
     
Zur Geschichte des Betsaales / der Synagoge          
    
Bis Ende der 1820er-Jahren war die Zahl der jüdischen Einwohner Nauheims zu gering für die Einrichtung eines eigenen Betsaales. Man besuchte die Gottesdienste im kurhessischen Friedberg
  
Ein erster Betsaal in Nauheim wurde 1828 auf Antrag von Samuel Rosenthal durch das Kreisamt in Hanau genehmigt. So konnten seit 1830/31 die Nauheimer Juden im Haus Burgstraße 20 zu Gebet und Gottesdienst zusammenkommen. Erster Kantor der Gemeinde war nach 1830 David Kohn aus Posen. Noch in den 1830er-Jahren war es auf Grund der kleinen Zahl der jüdischen Familien in Nauheim oft schwer die zum Gottesdienst nötige Zehnzahl der jüdischen Männer zusammenzubekommen. Immer wieder holte man Verstärkung aus Friedberg.
   
Nach der Mitte des 19. Jahrhunderts erwies sich der Betsaal als zu klein für die zunehmende Zahl jüdischer Einwohner und Kurgäste. 1865 legte die Gemeinde nach verschiedenen Schwierigkeiten und lang andauernden Verhaltungen die Pläne für den Neubau einer Synagoge bei den Behörden vor. 
   
Die Regierung der Provinz Hanau bemerkte zu dem ersten Entwurf, der gotische Formen zeigte (einfachste Spitzbogenfenster und schlichtes Maßwerk; siehe Skizze unten): "...jedoch ist die Erwägung der Synagogengemeinde noch anheim zu stellen, ob es nicht angemessen erscheint, die neue Synagoge in einem dem israelitischen Kultus entsprechenden Stile, etwa dem maurischen, als in dem vorzugsweise für christliche Kirchen zur Anwendung kommenden gotischen Stile auszuführen". Die Pläne wurden daraufhin verändert. Das Synagogengebäude wurde in einem Mischstil aus klassizistischen, romanischen und in Andeutungen maurischen Formen erbaut.
 
1866/67 wurde die Synagoge zwischen Karlstraße und Alicestraße erbaut (Alicestraße 12), in der 50 Männer und 40 Frauen Platz fanden. Um 1890 kamen in die Synagoge auch die Ritualien der aufgelösten Synagoge im benachbarten Steinfurth

1921 wurde in der Synagoge eine Gedenktafel für die im Ersten Weltkrieg gefallenen sieben Gemeindeglieder angebracht:   
    
Eine Gedenktafel für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges wird angebracht (1921)     

Bad Nauheim AZJ 22071921.jpg (53814 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 22. Juli 1921: "Aus Nauheim wird geschrieben: In dem passend ausgeschmückten Gotteshause der Jüdischen Gemeinde wurde mit einer stimmungsvollen Trauerfeier eine Gedenktafel für sieben im Weltkriege gefallene Gemeindemitglieder enthüllt. Herr Provinzialrabbiner Dr. Hirschfeld aus Gießen hielt eine groß angelegte, gedankenreiche Gedächtnisrede, die ihres tiefen Eindruckes auf die versammelten Gemeindemitglieder und Vertreter der Behörden nicht verfehlte."  
   
Bad Nauheim Israelit 14071921.jpg (42628 Byte)Derselbe Bericht erschien in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 14. Juli 1921.  

Nach dem Bau der neuen Synagoge (1929) wurde die alte Synagoge Bad Nauheims verkauft und abgebrochen.
 
Bereits in der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg bestanden Pläne zum Bau einer neuen Synagoge. 1908 wurde ein Synagogenbaufond gegründet. 1914 stellte die Stadt der jüdischen Gemeinde kostenlos ein Grundstück zum Bau einer neuen Synagoge zur Verfügung:  

Bad Nauheim Frf IsrFambl 12061914.jpg (18459 Byte)Meldung im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 12. Juni 1914: "Bad Nauheim. Die Stadt überwies der jüdischen Gemeinde in der Karlstraße unentgeltlich einen Bauplatz für den Synagogen-Neubau."

Der Ausbruch des Ersten Weltkrieges und die Inflationszeit verzögerten den Baubeginn. Im Juni 1920 konnte immerhin durch das Gemeindeglied Louis Löb ein Grundstück zum Bau der neuen Synagoge in der Karlstraße erworben werden. Doch erst 1926 waren die Voraussetzungen gegeben, an eine Ausführung der Pläne zu denken. Ende 1926 erfuhr die jüdische Öffentlichkeit über den Stand der Planungen: 

Bad Nauheim Israelit 23121926.jpg (23395 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 23. Dezember 1926: Bad Nauheim, 2. Dezember (1926). Die hiesige israelitische Religionsgemeinde beabsichtigt, im nächsten Jahre eine neue Synagoge zu erbauten. Die Kosten werden sich auf 150.000 Mark belaufen. Für diesen Betrag hat die Stadt auf Antrag die Bürgschaft übernommen. 

Die neue Synagoge wurde 1928 bis 1929 durch den Frankfurter Architekten Richard Kaufmann aus Frankfurt am Main errichtet. Die Finanzierung war möglich, da die Eheleute Baruch und Esther Kaufmann aus München ein zinsloses Darlehen von drei Dritteln der Baukosten (das waren 40.000 Goldmark) vorstreckten. In der Synagoge wurde für das Ehepaar Kaufmann eine Gedenktafel angebracht. Bereits zur Einweihung am 16. August 1929 waren auch die Gedenktafeln für die Gefallenen aus der alten Synagoge angebracht worden. Die Einweihung selbst nahm der orthodoxe Provinzialrabbiner Dr. Leo Hirschfeld aus Gießen vor.  
    
Beginn des Synagogenbaus (1928)       

Artikel in der "Jüdischen Wochenzeitung für Kassel, Kurhessen und Waldeck" vom 12. Oktober 1928:             

Grundsteinlegung für die neue Synagoge (1928)      

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 1. November 1928: 
"Grundsteinlegung der neuen Synagoge zu Bad Nauheim. 
Eine ansehnliche Festgemeinde und zahlreiche Zuschauer hatten sich Mittwoch am Bauplatz der neuen Synagoge am Bethaus und in der Karlstraße zur Grundsteinlegung der neuen Synagoge eingefunden, zu der der Vorstand der hiesigen Religionsgemeinde eingefunden hatte. 
Die Weihestunde begann mit der Verlesung einer Urkunde durch den Vorsitzenden der israelitischen Religionsgemeinde Bad Nauheim, Stadtverordneter Emil Rosenthal, die folgenden Wortlaut hat: 
"Heute, am 3. Oktober 1928, wird der Grundstein zu diesem Gotteshaus gelegt. Die frühere Synagoge einer etwa 160 Jahre alten Kultusgemeinde wurde im Jahre 1865 Alicenstraße 12 errichtet. Der stets zunehmende Fremdenverkehr bracht auch immer mehr unserer Glaubensgenossen nach Bad Nauheim, die hier Genesung suchten. Schon lange Jahre konnte die alte Synagoge dem Zustrom glaubenstreuer Juden nicht mehr genügenden Platz bieten. Im Jahre 1908, unter der Vorstandschaft von J. Loeb und J. Baumblatt wurde ein Fond gegründet, um Mittel für den Neubau anzusammeln. Durch den Weltkrieg 1914/18 und die nachfolgende Inflation wurden die Gelder aber entwertet und der Neubau musste verschoben werden. Im Juni 1920 kaufte der damalige Vorstand, L. Loeb, J. Baumblatt und B. Rosenthal, den Platz, auf dem die Synagoge jetzt erbaut wird. Durch die großherzige Tat des Herrn A. Kaufmann, München, unserer Gemeinde 40.000 Mark auf fünf Jahre ohne Zinsen zu leihen, konnte dem Projekt unter Zuhilfenahme von vorhandenen Mitteln und Anleihen näher getreten werden. Pläne und Berechnungen wurden entworfen, und nachdem der Vorstand die ungefähre Bausumme festgestellt hatte, wurde der Diplomingenieur R. Kaufmann, Frankfurt am Main, beauftragt, die Pläne auszuarbeiten, nach denen nunmehr mit Gottes Hilfe der Rohbau durch den Maurermeister J.B. Hofmann, Bad Nauheim, ausgeführt wird.' 
Provinzial-Rabbiner Dr. Hirschfeld - Gießen hielt darauf eine tief ergreifende Festansprache, in der er ausführte, alle Völker und STämme strebten nach dem einen großen Gott, zu dessen Ruhm und Ehre auch dieses Haus erbaut werde. Der Redner sprach zum Schluss dem Vorstand der Israelitischen Gemeinde und der Israelitischen Gemeinde selbst Dank dafür aus, dass sie diesen Bau ermöglicht hätten. Er dankte weiter den Vertretern von Staat und Stadt, in deren Obhut das Haus nach seiner Fertigstellung komme. Herr Rabbiner Dr. Hirschfeld vollzog dann die drei Hammerschläge, ebenso Religionslehrer Oppenheimer und Maurermeister J.B. Hofmann, unter dessen Leitung der Bau ausgeführt wird. Von den Gästen führten zum Schluss noch Hammerschläge aus: Bürgermeister Dr. Ahl, Bad- und Kurdirektor von Boehmer, Regierungsrat Dr. Grosholz, Pfarrer Schäfer als Vertreter der evangelischen Gemeinde und Beigeordneter Kissel im Namen der katholischen Religionsgemeinde und der Vertreter der Friedberger Israelitischen Gemeinde, Seligmann. Damit schloss der weihevolle Festakt."   
 
Einweihung der Synagoge (1929)   
Bad Nauheim CV 23081929.jpg (29938 Byte)Die Zeitung des Central-Vereins (CV, Ausgabe vom 23. August 1929) enthielt nur einen kurzen Artikel zur Einweihung der Synagoge: "Am 16. August fand in Bad Nauheim unter Teilnahme aller Kreise der Bevölkerung und der Behörden die Einweihung der neugebauten Synagoge statt. Alle Ansprachen gipfelten in dem Wunsch nach der Befriedung des religiösen und politischen Lebens. Namens des Hauptvorstandes und Landesverbandes überbrachte unser Syndikus Dr. Marx (Frankfurt) Grüße und Glückwünsche."
 
Bad Nauheim Israelit 22081929a1.jpg (150485 Byte)Ausführlich berichtete die Zeitschrift "Der Israelit" in der Ausgabe vom 22. August 1929 über die Feierlichkeiten zur Einweihung der neuen Synagoge: 
"Eine neue Synagoge in Bad Nauheim: Bad Nauheim hat nun eine neue Synagoge, in strengster Sachlichkeit und schönster Zweckmäßigkeit, erbaut vom Architekten Richard Kaufmann in Frankfurt a.M. Ein langjähriger Traum der Gemeinde Bad Nauheim ist damit in Erfüllung gegangen. In ihrer Anlage bildet die Synagoge auch einen Schmuck der Stadt. Überall in der Welt, wo man im jüdischen Kreise das Heilbad Nauheim kennt und liebt, wird die Kunde von diesem neuen Gotteshause anstelle des alten Baues, der im Sommer die Beter längst nicht mehr fassen konnte, große Freude auslösen. Wie das Gotteshaus selbst, so schön und sachgemäß sind die Nebenbauten errichtet, wie Schulzimmer, Beratungszimmer, kleine Wintersynagoge. Besondere Erwähnung verdient das Tauchbad, das bei allem modernen Komfort genauestens nach den Vorschriften des Gesetzes errichtet wurde.
Bad Nauheim Israelit 22081929a2.jpg (166986 Byte)Die Einweihungsfeierlichkeiten. Punkt 11 Uhr waren am Freitag die geladenen Gäste neben den Gemeindemitgliedern in der alten Synagoge zu einer kleinen schlichten Abschiedsfeier versammelt. Anknüpfend an den Satz des Wochenabschnittes wesacharta ät kol haderech ("und so sollst gedenken des ganzen Weges, den dich geführt der Ewige, dein Gott...5. Mose 8,2 aus der Lesung des Wochenabschnittes zu Schabbat Nachamu, 17. August 1929, der ganze Wochenabschnitt umfasst 5. Mose 3,23-7,11) schilderte Herr Provinzialrabbiner Dr. Hirschfeld, Gießen, in markanten Worten, was das alte Gotteshaus in den 63 Jahren seines Bestehens der Gemeinde gewesen ist. Die guten Geister werden ins neue Haus mit übernommen werden. Ein Licht erlischt, ein neues Licht strahlt auf. 
Mit dem Gesang des Herrn Kantor wurden nun die sieben Torarollen ausgehoben. Draußen stimmte die Kapelle feierliche Weisen an, und nun bewegte sich der Zug der Toraträger unter einem Baldachin, gefolgt von den Gästen und Teilnehmern die Karlstraße hinauf bis zur neuen Synagoge.
Vor dem Portale fand die feierliche Schlüsselübergabe unter sinnigen Reden und Glückwünschen statt. Frl. Grete Rosenthal sprach einen kurzen Prolog. Es sprachen dann der Herr Kreisdirektor, der das neue Gotteshaus dem Schutz der Stadt und Gemeinde empfahl, sodann der Herr Bürgermeister von Bad Nauheim, Dr. Ahl, der den Frieden unter den Konfessionen pries. Herr Architekt Kaufmann betonte, er sei froh und stolz darauf, hier ein Werk für die eigene Gemeinschaft vollführt zu haben. Mit Weihesprüchen öffnete nun Herr Provinzialrabbiner die Synagoge. Vierhundert Menschen nahmen unten und oben in den bequemen Sitzen Platz. Eine große Anzahl von der anstürmenden Menge konnte auf polizeiliche Vorschrift keinen Einlass mehr finden.
In der Synagoge leitete ein Knabenchor vor der Synagoge Börneplatz, Frankfurt a.M. unter der Führung des Herrn Dr. Ehrenreich, die Feier mit einem brausenden baruch haba ("Gesegnet ist, der da kommt...") ein. Es folgten das Anzünden des Ewigen Lichtes und unter den Klängen des ana d' die sieben Rundgänge mit den Torarollen. Nach weiteren Gesängen und dem Einheben der Torarollen bestieg Herr Provinzialrabbiner Dr. Hirschfeld die Kanzel zu seiner Festpredigt. 
Bad Nauheim Israelit 22081929a3.jpg (170472 Byte)Den Universalismus und die Welthoffnung des Judentums unterstrich der Redner in Anknüpfung an bekannte Stellen aus Lehre und Propheten. Abraham sah Gott auf dem Berge, Isak auf dem Felde und Jakob im jüdischen Hause. Diese drei Begriffe geistvoll klärend, erläuterte der Festredner das jüdische Gotteshaus in seiner letzten Bedeutung als Stätte der Andacht, der Lehre und des Weltfriedens. Er hatte zum Schluss ehrende Worte für den nach 50jähriger Wirksamkeit in den Ruhestand tretenden Herrn Kantor Oppenheimer, dem auch der Chowertitel verliehen wurde, zugleich ermunternde Worte der Begrüßung für dessen Nachfolger, der vor kurzem erst das dreifache heilige Amt in Bad Nauheim antrat. Ehrend gedachte er auch des Seniors im Vorstande, des Herrn Louis Löb, der unermüdlich für das Wohl der Gemeinde arbeitet und dessen Initiative und Tatkraft nicht zum geringsten Teile zur Bewerkstelligung des Synagogenbaues beigetragen haben. Ein Gebet für Gemeinde und Stadt, Israel und Gemeinschaft schloss die Weihepredigt. 
Vom Vorstande ergriff nun Herr Rosenthal das Wort, um in Anknüpfung an die von Rechtsanwalt Dr. Stahl abgefasste Festschrift noch Einiges aus der Geschichte der Gemeinde Nauheim und der Entstehungsgeschichte der Synagoge mitzuteilen. Er dankte dem Architekten, sowie allen, die am Bau mitwirkten, insbesondere edlen Stiftern in München, die mit der Überlassung eines ansehnlichen zinslosen Kapitals den bau ermöglichten. Der Gefallenentafel sei der erste Ehrenplatz in der Synagoge angewiesen, da man deren Opfer für Vaterland und Gemeinschaft stets eingedenk sein wolle, als einer Mahnung zu Frieden und Eintracht unter allen Menschen.
Es kamen nun noch zu Worte die Herren Kommerzienrat Kronenberger in Mainz für den Verband Israelitischer Gemeinden in Jessen. Dr. Marx, Frankfurt a. Main für den "Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens" und Redakteur s. Schachnowitz, Frankfurt a.M. für eine Anzahl Frankfurter Freunde der Gemeinde Bad Nauheim. Mit dem Gesang Schalom raw schloss die Feier gegen zwei Uhr mittags.
Freitag abend und Samstag morgen hatten die Gottesdienste in der neuen Synagoge durch die Festpredigten des Herrn Rabbiner und die überaus starke Beteiligung der Gemeinde und der Kurgäste ein festliches Gepräge.
Korrektor zu obigem Bericht:
Bad Nauheim Israelit 29081929.jpg (20538 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 29. August 1929: "Synagogeneinweihung in Bad Nauheim. Bei der Ehrung, die in der Festpredigt von der Kanzel herab Herrn Löb geworden, muss es statt Louis Löb richtig heißen: Herrn 'Jonas Löb'." 
  
Bad Nauheim GBldIsrGemFfm 091929.jpg (28389 Byte)Mitteilung im "Gemeindeblatt für die Israelitische Gemeinde Frankfurt" September 1929: "Bad Nauheim. Die Israelitische Gemeinde weihte am 16. August ihr von Architekt Richard Kaufmann, Frankfurt am Main erbautes neues Gotteshaus ein."
 
Ein weiterer Bericht liegt aus der "Jüdischen Wochenzeitung für Kassel, Kurhessen und Waldeck" vor:    
Artikel in der "Jüdischen Wochenzeitung für Kassel, Kurhessen und Waldeck" vom  23. August 1929: 
Zum Lesen bitte Textabbildung anklicken      

   
Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge von SA-Leuten geschändet und die Inneneinrichtung völlig demoliert. Ein bereits in den Innenräumen gelegtes Feuer wurde offenbar von einigen Männern gelöscht. Von Käthe Bettmann, der Frau des Kantors, liegt folgender Bericht vor (zitiert nach Studienkreis s. Lit. S. 311):
 
"Als ich am anderen Tag zur Synagoge und zu unserer Wohnung ging, fand ich ein Bild der Zerstörung vor. Die Scheiben in der Synagogen waren eingeschlagen, Türen aufgebrochen, Mobiliar mit Äxten zerstückelt, Lebensmittel, die ich vorsorglich versteckt hatte, lagen zerstreut und aufgebrochen auf dem Boden. Es war ein furchtbarer Anblick ... Den Schreibtisch meines Mannes hatte man mit Äxten entzweigeschlagen... Frau Rößler, die keine Jüdin war, eine immer hilfsbereite Frau, hatte mir den Hergang der Ereignisse erzählt... Es war der Rektor W. der gegenüberliegenden Volksschule, der den Schülern sogar die Äxte gegeben haben soll und sie aufgehetzt hat, alles kleinzuschlagen... Was sollen die Kinder bei dem schon gelernt haben?"
 
Während der Zeit des Zweiten Weltkrieges wurde das Synagogengebäude als Lager für Schrott und Schwermetalle zweckentfremdet. Nach dem Einmarsch der amerikanischen Truppen am 29. März 1945 beschloss der Stadtrat die "Räumung und Reinigung" der Synagoge der ehemalige Nazigrößen. Bereits am 27. April 1945 - noch vor der Kapitulation - fand in der Synagoge erstmals wieder ein Gottesdienst statt mit jüdischen Soldaten des XIX. Corps. Die Einweihung erfolgte durch Chaplain Samuel Binder. Auch fünf frühere jüdische Einwohner Bad Nauheims nahmen am Gottesdienst teil.  
       
Wiedereinweihung der Synagoge (1945)

Bad Nauheim JuedWelt 13071945.jpg (152071 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Jüdische Welt" vom 13. Juli 1945: "Die neue Synagoge von Nauheim. Unser Bild zeigt die von amerikanischen Soldaten wieder hergestellte Synagoge von Bad Nauheim. Da in Nauheim keine jüdischen Einwohner übrig geblieben sind, wird das Gotteshaus vorläufig nur von den jüdischen Jungens des XIX. Corps besucht. Die Einweihung erfolgt durch Assistant Corps Chaplain Samuel Binder."

   
Die jüdische Gemeinde Nauheims besteht bis zur Gegenwart. 1988 gehörten ihr etwa 100 Gemeindeglieder an, 2012 - nach Integration der seit Beginn der 1990er-Jahre zugezogenen jüdischen Personen aus den GUS-Staaten - etwa 350 aus Bad Nauheim und dem gesamten Wetteraukreis. Das Synagogengebäude mit seinen 150 Plätzen im Erdgeschoss und 100 Sitzplätzen für Frauen auf der Empore bietet auch den in der Stadt immer wieder anwesenden jüdischen Kurgästen ausreichend Platz. 
  
Die Synagoge wurde um 1960 und 1988/89 umfassend renoviert. Auch das rituelle Tauchbad (Mikwe) wurde erneuert. Das Gebäude steht unter Denkmalschutz 
  
2012/13 stand eine erneute umfassende Renovierung an. Dabei waren vor allem Dach (einschließlich Holzarbeiten im Dachraum) und Fassade (Fenster) zu renovieren. Wiederum war auch eine Wiederherstellung der Mikwe im Untergeschoss vorzunehmen, die seit Jahren nicht mehr benutzt werden konnte. Es wurde mit Kosten von etwa 400.000 € gerechnet. Die Arbeiten an der Fassade wurden im September 2013 abgeschlossen.  
   
Vorsitzender der jüdischen Gemeinde ist seit 1986 (Stand 2014) Monik Mlynarski. Er wurde im Oktober 2014 zum Ehrenbürger der Stadt Bad Nauheim ernannt.  
   
   
Adressen / Standorte der Synagogen

1828-1867 Betsaal Burgstraße 20  
1867-1929 Synagoge zwischen Karlstraße und Alicestraße (Alicestraße 12)
1929 bis zur Gegenwart: Karlstraße 34. 

  
  
Fotos      

Die alte Synagoge 1867 - 1929
(Quelle: Hammer-Schenk s. Lit.  Teil II Abb. 169-170 und Arnsberg Bilder s. Lit.)
  
Bad Nauheim Synagoge 162.jpg (40772 Byte) Bad Nauheim Synagoge 161.jpg (125285 Byte) Nauheim Synagoge a010.jpg (37229 Byte)
Erster Entwurf 1866 - nicht ausgeführt Die 1867 erbaute Synagoge
   
      Bad Nauheim Synagoge 02.jpg (23653 Byte)
      
     
   
Die neue Synagoge 1929 bis zur Gegenwart
(geschändet 1938, neu eingeweiht 1945)
 
Bad Nauheim Synagoge 05.jpg (43606 Byte) Nauheim Synagoge q010.jpg (43352 Byte)   Bad Nauheim Synagoge 173.jpg (54240 Byte)
Die Synagoge kurz nach 
der Einweihung 1929
   
(Quelle: Hammer-Schenk 
s.Lit. Abb. 491 
und Arnsberg Bilder s.Lit.)
  Die Einweihung der Synagoge am 
3. Oktober 1929 - Übergabe des
 Schlüssels durch Grete Rosenthal, die
 einen Prolog gesprochen hatte 
(Quelle: Arnsberg Bilder s.Lit.)
     
     
Bad Nauheim Synagoge 1945.jpg (99676 Byte) Bad Nauheim JuedWelt 13071945.jpg (151959 Byte) Nauheim Synagoge p.jpg (160923 Byte)
Karlstraße mit 
Synagoge 1945
Amerikanische Soldaten vor der Synagoge
 1945 (Quelle: Zeitschrift "Jüdische Welt"
 vom 13.7.1945)
Amerikanische Soldaten in der 
Synagoge in Bad Nauheim 1945 
(Quelle: Arnsberg Bilder s.Lit.).
   
      
Die Synagoge in den 1980er-Jahren (Quelle: Schwarz s.Lit. S. 311)
Bad Nauheim Synagoge 151.jpg (50626 Byte) Bad Nauheim Synagoge 152.jpg (65388 Byte) Bad Nauheim Synagoge 150.jpg (79367 Byte)
       
Die Synagoge im Frühjahr 2008 
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 18.4.2008)
 
Bad Nauheim Synagoge 150.jpg (118789 Byte) Bad Nauheim Synagoge 151.jpg (106434 Byte) Bad Nauheim Synagoge 152.jpg (128530 Byte)
Die Synagoge aus unterschiedlichen Blickrichtungen
 
Bad Nauheim Synagoge 156.jpg (104213 Byte) Bad Nauheim Synagoge 155.jpg (110074 Byte) Bad Nauheim Synagoge 157.jpg (131764 Byte)
Der Eingang zur Synagoge Hinweistafel Davidstern an der Synagoge
     
Bad Nauheim Synagoge 153.jpg (90093 Byte) Bad Nauheim Synagoge 154.jpg (143866 Byte)   Bad Nauheim Synagoge 240.jpg (40177 Byte)
Blick von Osten Davidstern über 
dem Toraschrein
  Innenaufnahme (Quelle: Website der Jüdischen Gemeinde Bad Nauheim)
   
     
     
Mahnmal im alten städtischen Friedhof
(Fotos: Thomas Schwab, Bad Nauheim)
   
Bad Nauheim Mahnmal 180.jpg (164175 Byte) Bad Nauheim Mahnmal 181.jpg (173251 Byte) Bad Nauheim Mahnmal 182.jpg (162219 Byte)
Die Fotos des Mahnmales wurden noch vor der Entfernung der Trauerweide 
(siehe Pressebericht unten) erstellt (Fotos vom 27.7.2007)
      
Bad Nauheim Mahnmal 183.jpg (171782 Byte) Bad Nauheim Mahnmal 184.jpg (140813 Byte) Bad Nauheim Mahnmal 186.jpg (114728 Byte)
Blick auf die Trauerweide mit Mahnmal im Spätherbst 2009
(Fotos vom 21.11.2009) 
Inschriftentafel des Mahnmales
(Foto vom 4.3.2011)
     
   Bad Nauheim Mahnmal 185.jpg (182251 Byte)   
   Das Mahnmal ohne Trauerweide
(Foto: 15.5.2010)
 
     

    
    
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte  

November 2009: Die Trauerweide beim Denkmal für die jüdischen NS-Opfer musste gefällt werden   
Artikel in der "Wetterauer Zeitung" vom 1. Dezember 2009:  "Alter Friedhof: Trauerweide ist verschwunden
Bad Nauheim
(bk). Die Trauerweide und der Gedenkstein für die jüdischen Opfer der NS-Tyrannei bildeten auf dem Alten Friedhof in der Kernstadt bislang ein stimmiges Ensemble. Seit einigen Tagen ist der Baum verschwunden. 
Ein stimmiges Ensemble bildeten bis vor Kurzem die Trauerweide und der Gedenkstein für die jüdischen NS-Opfer. (Foto: pv) 
Grund ist ein Gutachten mit klarer Aussage: Die Weide sei nicht mehr zu retten gewesen. Wie aus einem Schreiben von Hans-Martin Herrmann, Fachdienstleiter Grünflächenplanung im Rathaus, an die Bürgerinitiative Alter Friedhof/ Historischer Bürgerpark hervorgeht, habe sich der Fäulnisprozess nicht mehr stoppen lassen. Es hätten sich bereits die ersten Pilzfruchtkörper am Stammfuß gezeigt.
Aus Sicherheitsgründen habe der Baum deshalb gefällt werden müssen. Als Ersatz hat die Verwaltung eine mindestens 35 Jahre alte Hänge-Buche ausgewählt, die dieser Tage gesetzt werden soll. Der Baum hat nach Angaben Herrmanns eine Höhe von vier bis fünf Metern und eine Kronenbreite von mindestens zwei Metern. »Wir sind sicher, dass dieser Baum einen würdigen Ersatz darstellen wird«, heißt es in dem Schreiben an die BI."
 
Juni 2012: Eine umfassende Sanierung des Synagogengebäudes ist notwendig   
Artikel in der "Wetterauer Zeitung" vom 1. Juni 2012: "Sanierung der Synagoge startet Mitte Juni. 
Bad Nauheim
(ihm). Die Synagoge in der Karlstraße 34 ist sanierungsbedürftig. Schon seit längerem haben die Verantwortlichen Instandsetzungsschritte im Auge. Mitte Juni startet voraussichtlich der erste Bauabschnitt, 2013 folgt Abschnitt zwei..."  
Link zum Artikel       
Weiterer Artikel von Detlef Sundermann in der "Frankfurter Rundschau" vom 12. Juli 2012: "Synagoge in Bad Bauheim - Synagoge wird saniert..."
Link zum Artikel      
Weiterer Artikel von Jens Joachim in der "Frankfurter Allgemeinen" vom 11. Juli 2012: "400.000 Euro Kosten. Bad Nauheimer Synagoge wird erneuert...."   
Link zum Artikel   
 
Juli 2012: Zum Stand der Sanierungsarbeiten  
Artikel von Mike Marklove (HR Studio Gießen) in der Website hr-online.de vom 28. Juli 2012: "Neuer Glanz für die Synagoge. 
Die Synagoge von Bad Nauheim ist ein markantes Beispiel für den Bauhaus-Stil in den 1920er Jahren. Sie ist eines der letzten jüdischen Gotteshäuser, die in Deutschland vor dem Holocaust errichtet wurden. Zurzeit wird sie saniert. 
Manfred de Vries, Michael Finkelstein und Monik Mlynarski vom Vorstand der Jüdischen Gemeinde stehen vor der eingehüllten Rückseite der Synagoge und begutachten die bisherigen Arbeiten. Gerade herrscht hier ein wenig Ruhe; sonst ist hier regelmäßig Baulärm zu hören. Neben den Außenarbeiten steht vor allem die Wiederherstellung der Mikwe, einem Ritualtauchbad, im Vordergrund...." 
Link zum Artikel     
 
August 2012: Zuschuss des Landkreises für die Sanierungsmaßnahmen    
Artikel im "Kreis-Anzeiger" vom 20. August 2012: "Zuschuss zur Erhaltung eines Kulturdenkmals. Landrat Joachim Arnold: Bad Nauheimer Synagoge soll wieder ursprüngliches Erscheinungsbild bekommen..."  
Link zum Artikel      
 
Oktober 2014: Monik Mlynarski wird Ehrenbürger in Bad Nauheim    
Artikel in der "Wetternauer-Zeitung" vom 15. Oktober 2014: "Brückenbauer: Monik Mlynarski neuer Ehrenbürger der Stadt
Bad Nauheim
(gk). Monik Mlynarski, Vorsteher der jüdischen Gemeinde in Bad Nauheim, ist zum neuen Ehrenbürger der Stadt ernannt worden. In einer feierlichen Zeremonie überreichte ihm Bürgermeister Armin Häuser am Montagabend die Urkunde..."
Link zum Artikel     



Links und Literatur
  

Links: 

Website der Stadt Bad Nauheim  
Website der jüdischen Gemeinde Bad Nauheim   
Informationsseite zur jüdischen Gemeinde Bad Nauheim beim Zentralrat der Juden in Deutschland  
Zur Seite über die jüdischen Friedhöfe in Bad Nauheim (interner Link) 
Webportal HS 010.jpg (66495 Byte)Webportal "Vor dem Holocaust" - Fotos zum jüdischen Alltagsleben in Hessen mit Fotos zur jüdischen Geschichte in Bad Nauheim 
Website zum Holocaust-Denkmal in Bad Nauheim www.holocaustdenkmal-badnauheim.de   

Kontaktadresse (Angaben nach Website der Stadt Bad Nauheim):

Jüdische Gemeinde Bad Nauheim, Karlstr. 34, 61231 Bad Nauheim, Tel.: 06032/5605, Fax: 06032/938956, E-Mail    Website  
Führung durch die Synagoge jeden 3. Dienstag im Monat, 15.00 Uhr, Frau Judith Schwarzenberg, Tel. 06032/3676, Fax 06032/32187   

Quellen:  

Hinweis auf online einsehbare Familienregister der jüdischen Gemeinde Bad Nauheim 
In der Website des Hessischen Hauptstaatsarchivs (innerhalb Arcinsys Hessen) sind die erhaltenen Familienregister aus hessischen jüdischen Gemeinden einsehbar: 
Link zur Übersicht (nach Ortsalphabet) https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/llist?nodeid=g186590&page=1&reload=true&sorting=41              
Zu Bad Nauheim sind vorhanden (auf der jeweiligen Unterseite zur Einsichtnahme weiter über "Digitalisate anzeigen"):    
HHStAW 365,606    Geburts-, Trau- und Sterberegister der Juden von Bad Nauheim  1829 - 1916: Geburtsregister 1830 - 1875, Trauregister 1830 - 1875,  Sterberegister 1829 - 1916
 https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v837124    

 Literatur:  

Germania Judaica Bd. II,2 S. 570; III,2 S. 927-928.
Rudolf Stahl: Festschrift zur Einweihung der neuen Synagoge. Geschichte der Nauheimer Juden. Bad Nauheim. 1929.
Paul Arnsberg: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang - Untergang - Neubeginn. 1971. Bd. 2 S. 103-111.
ders.: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Bilder - Dokumente. S. 153-154.  
Stefan Kolb: Die Geschichte der Bad Nauheimer Juden. Bad Nauheim 1987.  
Thea Altaras: Synagogen in Hessen. Was geschah seit 1945? 1988 S. 181-182.  
dies.: Das jüdische Rituelle Tauchbad und: Synagogen in Hessen. Was geschah seit 1945 Teil II. 1994. S. 147.  
Harold Hammer-Schenk: Synagogen in Deutschland. Geschichte einer Baugattung im 19. und 20. Jahrhundert. Teil I S. 241-243.248.530-531.544. Teil II Abb. 169.170.491.492.  
Studienkreis Deutscher Widerstand (Hg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933-1945. Hessen I Regierungsbezirk Darmstadt. 1995 S. 311ff-   
Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany Volume III: Hesse -  Hesse-Nassau - Frankfurt. Hg. von Yad Vashem 1992 (hebräisch) S. 84-90.    
Hans-Peter Schwarz (Hrsg.): Die Architektur der Synagoge. Stuttgart 1988. S. 311-313.    
Monica Kingreen: Israelitische Kinderheilstätte und Jüdische Bezirksschule. In: Frankfurter Straße 103. Festschrift aus Anlass der 100-jährigen Nutzung des Gebäudes Frankfurter Straße 103. Bad Nauheim 1999. S. 7-33.  
dies.: Die jüdischen Kurheime in Bad Nauheim. Eine Serie in 7 Teilen, in: Frankfurter Rundschau, Lokalbeilage Wetteraukreis Oktober 1997 bis Januar 1998. 
Jim G. Tobias: Wo deutsche, österreichische, russische Kaiserinnen und jüdische Kinder sich erholten. Ein religiöses Children's Center im hessischen Kurort Bad Nauheim. Artikel in haGalil.com vom 10.4.2014.  
ders.: Jüdischer Neubeginn in Bad Nauheim. Artikel in haGalil vom 6.7.2014.  

    
      


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Bad Nauheim  Hesse. The first Jews living in the medieval village of Nauheim were expelled in the Black Death persecutions of 1348-49 and again in 1539. Unfair taxation known as Schutzgeld or "protection money" retarded the community's growth until 1830. The discovery of medicinal waters, however, transformed Nauheim into an expanding health resort (renamed "Bad" Nauheim) and led to the opening of guest houses for Jews visiting the spa. The community, numbering 67 (2,5 % of the total) in 1880, grew to 119 in 1900 after many Jewish physicians, lawyers, and businessmen took up residence there. They opened 11 kosher hotels and seven other establishments that served visitors seeking a cure for their ailments. Between 1880 and 1935, the number of Jewish physicians rose to 50. Their successful treatment of heart desease enhanced the renown of Nad Nauheim and attracted patients from all over the worls. From 1875 the community enabled poor Jews to be treated free of charge and a large children's clinic was opened in 1893. Religiously Orthodox, the community numbered 290 (3 %) in 1925. It maintained a flourishing social and cultural life, with branches of major organizations (e.g., the Central Union [C.V.], Jewish War Veterans Association, and German Zionist Organization). A new synagogue was designed in 1929 by Richard Kaufmann. Chiefly for economic reasons, the municipality endeavored to curb antisemitism. Even after the Nazis came to power, it told readers of a British medical journal that Jews were "still welcome" in Bad Nauheim, Following the anti-Jewish boycott of 1 April 1933, however, Jews (particularly doctors) started to emigrate. On K (9-10 November 1938) the Nazis organized a pogrom, but a chance visit of a French medical delegation preserved to synagogue from total destruction. Of the Jews living there in 1933-39, 139 emigrated; 190 moved elsewhere in Germany; about ten committed suicide; and 96 were eventually deported. The revived community numbered 100 in 1988.
   
 

                   
vorherige Synagoge  zur ersten Synagoge nächste Synagoge   

             

 

Senden Sie E-Mail mit Fragen oder Kommentaren zu dieser Website an Alemannia Judaica (E-Mail-Adresse auf der Eingangsseite)
Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 06. Mai 2016