Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Königsfeld (Eifel) mit Dedenbach und Schalkenbach (Kreis Ahrweiler)
Jüdische Geschichte / Synagoge

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen   
Links und Literatur   

   

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde                    
    
In Königsfeld (Stadtrechte seit 1336) lebten Juden vermutlich bereits im späten Mittelalter. Der Stadtherr Gerhard von Landskron hatte 1336 von Kaiser Ludwig dem Bayer das Privileg erhalten, "stets zwölf Juden in seinem Gebiet zu halten und zu geleiten". Urkundliche Nachweise über die Niederlassung jüdischer Personen in der Stadt gibt es jedoch erst seit dem 16. Jahrhundert. U.a. erhielt 1599 Jude Seligmann mit Frau und Gesinde gegen Zahlung von jährlich drei Goldgulden das Wohnrecht in Königsfeld.   
Auch aus dem 17. und 18. Jahrhundert gibt es Nachweise jüdischer Familien in der Stadt (1678/79 Jud Jakob, 1693 Jud Wolf, 1693-1709 Jud Süßkindt, 1694-1708 Jud Gottschalk, 1709 Jud Schlaun).

In Dedenbach lebten jüdische Personen mindestens seit dem 18. Jahrhundert. Nach einem Dokument von 1763 besuchten sie damals die Synagoge (bzw. die Betstube) in Niederzissen. Auch 1830 gehörten die hier lebenden Juden zur Synagogengemeinde Niederzissen. Als damals in Niederzissen ein neuer Vorsteher gewählt wurden, wählten Abraham Gottschalk aus Dedenbach und Lewi Gottschalk aus Königsfeld mit. In Schalkenbach werden 1861 vier jüdische Einwohner genannt. Auf dem Königsfelder Friedhof sind aus Schalkenbach Abraham Gottschalk (gest. 1871) und Babetta Gottschalk geb. Fernich (gest. 1886) beigesetzt.

Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner in Königsfeld wie folgt: 1808 19 jüdische Einwohner (in der Mairie Königsfeld, d.h. mit Dedenbach und eventuell auch Schalkenbach 33), 1849 21, 1853 und 1856 17 jüdische Einwohner in vier Haushaltungen), 1871 22. 1850 werden in einer Steuerliste folgende Namen genannt: Lewi Gottschalk, Karolina Veit, Abraham Gottschalk, Sara Gottschalk, Schantta Gottschalk, Gudula Bärmann, Gottschalk Bärmann, Gudula Israel, Bernhard Gottschalk, Simon Gottschalk). Die Juden verdienten ihren Lebensunterhalt als umherziehende Händler (mit Vieh oder Waren); einer hatte eine Handlung in der Stadt.
   
Auf Grund der geringen Zahl der jüdischen Einwohner war ein eigenständiges jüdisches Gemeindeleben lange nicht möglich. 1830 zählten die jüdischen Einwohner aus Königsfeld und Dedenbach noch zur Gemeinde Niederzissen. 1847 wurde ein Synagogenbezirk Königsfeld gegründet, zu dem nun auch die Juden aus Dedenbach und Schalkenbach gehörten. 
    
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge beziehungsweise eine Betstube (s.u., am Ort 'Jüdeschull' genannt). Diese Betstube wurde auch für den Religionsunterricht der jüdischen Kinder aus Königsfeld, Degenbach und Schalkenbach verwendet. Auch ein rituelles Bad sowie ein Friedhof waren vorhanden. Einen eigenen Lehrer (zugleich Vorbeter, Schochet) hatte die Königsfelder jüdische Gemeinde möglicherweise Mitte des 19. Jahrhunderts nach Bildung des Synagogenbezirkes Königsfeld, ansonsten wurden die jüdischen Kinder wohl durch auswärtige Lehrer (Niederzissen) in Religion unterrichtet und der Vorbeterdienst durch Gemeindeglieder besorgt.  
      
Nach 1933 ist ein Teil der jüdischen Gemeindeglieder (1933: ca. 14 Personen) auf Grund der zunehmenden Entrechtung und der Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert. Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Betstube der Gemeinde geschändet und die Inneneinrichtung völlig zerstört. Die Häuser der jüdischen Familien waren in Königsfeld vom Pogrom nicht betroffen. 
       
Von den in Königsfeld geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945", verglichen mit Warnecke s.Lit. ): Helene Berger geb. Gottschalk (1896), Hermann Berger (1895), Karl Berger (1926), Esther Berger (1929), Berta Borg (1898), Leopold Borg (1862), Alfred Ermann (1891), Hilde Ermann (1922), Julia Ermann geb. Gottschalk (1897), Gerta Gottschalk (1923), Günther Gottschalk (1933), Johanna Gottschalk (1922), Karl Gottschalk (1891), Manfred Gottschalk (1937), Margot Gottschalk (1935), Simon Gottschalk (1867), Therese Gottschalk geb. Gottschalk (1899), Johannette Haber geb. Gottschalk (1897), Wilhelm Levy (1860), Klara Meier geb. Gottschalk (1894), Melanie Süssmann geb. Weiss (1890), Lina Tobias geb. Gottschalk (1905), Luise Weisner geb. Gottschalk (1893), Sibilla Weisner geb. Gottschalk (1886). 
    
Von den in Dedenbach geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945", verglichen mit den Angaben bei Warnecke s.Lit. S. 79): Alexander Gottschalk (1871), Berta Gottschalk (1899), Carolina Gottschalk (1856), Henriette Gottschalk (1896), Hermann Gottschalk (1877), Karoline Gottschalk (1860), Hubertine Herze geb. Gottschalk (1875), Eva Kahn geb. Gottschalk (1883).
     
Aus Schalkenbach sind keine Namen bekannt.  
     
     
     
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde  
     
Berichte zur Geschichte der jüdischen Gemeinde in Königsfeld und Filialorten wurden in jüdischen Periodika des 19./20. Jahrhunderts noch nicht gefunden. 
     
     
     
Zur Geschichte der Synagoge               
     
Das Bethaus der kleinen jüdischen Gemeinde stand in der Hauptstraße. Es wurde spätestens Anfang oder Mitte des 1840er-Jahre eingerichtet. 1847 ist bei der Bildung neuer Synagogenbezirke davon die Rede, "dass es seit einigen Jahren aber in Königsfeld ein eigenes Bethaus gab". Es wurde auch von den Juden aus Dedenbach besucht. Das Gebäude gehörte Bermann Gottschalk. Er hatte im Erdgeschoss eine Stallung eingerichtet. Nach der Beschreibung des Bürgermeisters Adam von 1856 war das Bethaus ein einfaches Holzfachwerkgebäude (mit Mörtel beworfen) und einem Ziegeldach. 
     
Über 90 Jahre war das Bethaus Zentrum des jüdischen Gemeindelebens in Königsfeld und wurde nicht nur zu Gottesdienst und Gebet, sondern auch für den Unterricht und Gemeindeversammlungen verwendet. In den 1930er-Jahren gehörte das Bethaus Mathilde (genannt: Mal) Gottschalk.
    
Über die Ereignisse beim Novemberpogrom 1938 liegt ein Bericht eines Zeitzeugen vor (zitiert nach Landesamt s.Lit. S. 219 und Warnecke s.Lit. S. 80-81): "Vier oder fünf SA-Männer schlugen die Tür zur 'Jüdeschull', wie das Gebäude in Königsfeld genannt wurde, ein. Im Betsaal, der sich im ersten Stockwert des unscheinbaren Gebäudes befand, wurden die Fenster zertrümmert, das Mobiliar zerschlagen und zusammen mit der Tora und den Gebetbüchern etc. auf die Straße geworden. Drei oder vier ortsbekannte Königsfelder Nationalsozialisten standen währenddessen auf der Straße und sahen zu. Sie wurden jedoch nicht aktiv... Die zerbrochenen Bänke und Stühle sowie die Kultgegenstände wurden von der Straße zu einem Platz hinter dem Spritzenhäuschen im Bungert gebracht und dort verbrannt." 1939 verkaufte die Besitzerin Mathilde Gottschalk das Gebäude für 400 RM an eine Nachbarin. In den folgenden Jahren wurde es zweckentfremdet als Gebäude der Feldgendarmerie (gegen Kriegsende), als Eisenwarenlager und Getreidespeicher. 1965 wurde das Gebäude abgebrochen, das Grundstück neu bebaut. 
   
   
Adresse/Standort der SynagogeHauptstraße (100 m unterhalb der Kirche)   
   

   
Fotos    

Historische Aufnahmen
(Quelle: Warnecke (Hg.) s.Lit. S. 76.81)
Koenigsfeld Synagoge 012.jpg (81289 Byte) Koenigsfeld Synagoge 013.jpg (97404 Byte)
  Blick entlang der Hauptstraße, rechts in der Mitte das jüdische Bethaus
   
   Koenigsfeld Synagoge 010.jpg (70666 Byte) Koenigsfeld Synagoge 011.jpg (89068 Byte)
   Das Bethaus Anfang der 1960er-Jahre am Tag des Schützenfestes
       
      
Standort des ehemaligen jüdischen
 Bethauses und Erinnerungen an 
die jüdische Geschichte
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 31.8.2007)
Koenigsfeld Synagoge 180.jpg (76253 Byte) Koenigsfeld Synagoge 181.jpg (79540 Byte)
  Hauptstraße heute mit dem an Stelle des Bethauses erbauten 
Wohn- und Geschäftshauses  
   
Koenigsfeld Stadt 183.jpg (73145 Byte) Koenigsfeld Stadt 184.jpg (68039 Byte) Koenigsfeld Stadt 182.jpg (66207 Byte)
Ehemaliges jüdisches Haus Krumme Gasse 1 mit Hinweistafel: "Zeugnis jüdischer Geschichte in Königsfeld - Fachwerkhaus aus dem 19. Jahrhundert: Bis 1906 wurde das Anwesen vom Juden Bernart Gottschalk bewohnt. 
Auch gegenüber waren bis 1938 viele Gebäude im jüdischen Besitz. Dort lag auch das religiöse Zentrum mit Bethaus und der Stätte, wo nach jüdischem Ritual geschlachtet wurde." 
      

    
     

Links und Literatur  

Links:   

Website der Stadt Königsfeld (Eifel)  
Seite zum jüdischen Friedhof in Königsfeld (interner Link)  

Literatur:  

Kreis Ahrweiler Bu01.jpg (30887 Byte)Hans Warnecke (Hg.): Zeugnisse jüdischen Lebens im Kreis Ahrweiler. Bad Neuenahr-Ahrweiler 1998. S. 74-87: Abschnitt zu "Königsfeld, Dedenbach und Schalkenbach" vom Karl Heinz Kurth. 
Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz/Staatliches Konservatoramt des Saarlandes/ Synagogue Memorial Jerusalem (Hg.): "...und dies ist die Pforte des Himmels". Synagogen in Rheinland-Pfalz und dem Saarland. Mainz 2005. S. 219 (mit weiteren Literaturangaben).  

    
     

                   
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Stand: 11. Oktober 2017