Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Hadamar (Kreis Limburg-Weilburg)
mit Thalheim (Gemeinde Dornburg) und Elz (beide Kreis Limburg-Weilburg) 
Jüdische Geschichte / Synagoge

Übersicht:

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Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)
  
In Hadamar bestand eine jüdische Gemeinde bis 1938/42. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 17./18. Jahrhunderts zurück. Bereits 1651 lebten acht jüdische Familien jüdische Personen in Hadamar und Umgebung (1666 sieben Familien). 
  
Genaue Zahlen liegen aus dem 19. Jahrhundert vor: 1807 wurden 11 jüdische Familien gezählt: 26 Erwachsene und 34 Kinder. Zu Hadamar zählten auch die in Thalheim lebenden jüdischen Personen (1807 eine Familie mit 11 Personen, vgl. unten den Hilferuf von 1903 für eine in Th. lebende arme jüdische Familie). Zu Beginn des 19. Jahrhunderts lebten die Juden in Hadamar noch in sehr schlechten wirtschaftlichen Verhältnissen. Ihren Lebensunterhalt verdienten sie als Kleinhändler, Trödler oder als Viehhändler. Erst seit den 1830er-Jahren besserten sich die wirtschaftlichen Verhältnisse zumindest bei einem Teil der jüdischen Familien, sodass an den Bau einer Synagoge gedacht werden konnte (s.u.). 1842 lebten 15 jüdische Familien in der Stadt, in Thalheim waren es vier Familien; die höchste Zahl jüdischer Einwohner wurde 1885 mit 106 Personen erreicht (4,5 % von insgesamt 2.357 Einwohnern). 
 
An Einrichtungen hatte die Gemeinde eine Synagoge, eine Religionsschule, ein rituelles Bad und einen Friedhof. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Religionslehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war (vgl. Ausschreibungen der Stelle unten). 1843 wird als Teilnehmer einer Lehrerkonferenz des Rabbinatsbezirkes Diez in Limburg Lehrer Kahn aus Hadamar genannt. Längere Zeit war Adolf Oppenheimer Lehrer in der Gemeinde: er konnte 1908 sein 25-jähriges Ortsjubiläum feiern (siehe Artikel unten). Die Gemeinde wurde, nachdem sie bis 1860 unter Dr. Salomon Kahn Sitz eines Bezirksrabbinates war, in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts dem Rabbinatsbezirk Weilburg zugeteilt (in den 1920er-Jahren wurden die Rabbinatsbezirk Bad Ems und Weilburg vereinigt). 
 
1905 wurden 80 jüdische Gemeindeglieder gezählt (davon 14 in Thalheim). 

Im Ersten Weltkrieg fielen aus Hadamar die jüdischen Gemeindeglieder Louis Honi (geb. 27. November 1886 in Ober Netphen, gef. 26. September 1914), Salomon Kahn (geb. 20. Januar 1882 in Hadamar, gef. 17. Juni 1918), Arthur Liebmann (geb. 28. Juli 1891 in Hadamar, gef. 8. Juli 1915) und Leopold Seligmann (geb. 21. Februar 1895 in Blessenbach, gef. 5. Oktober 1915). 
  
Um 1925, als etwa 70-80 Personen zur jüdischen Gemeinde gehörten (2,3 % von insgesamt etwa 3.000 Einwohnern), bildeten den Gemeindevorstand die Herren Hermann Honi, Max Neuhaus und Hermann Aron. Als Lehrer und Kantor wirkte Adolf Oppenheimer (gestorben 1930). Er unterrichtete damals 7 schulpflichtige jüdische Kinder. An jüdischen Vereinen gab es insbesondere : den Männer-Wohltätigkeitsverein und den Frauen-Wohltätigkeitsverein. Angeschlossen an die Gemeinde Hadamar waren auch die in Elz lebenden jüdischen Personen. 1932 ist als Gemeindevorsteher nur Hermann Honi genannt. Lehrer, Kantor und Schochet war inzwischen Carl Hartogsohn (aus Emden, 1933 nach Frankfurt, bis 1936 in Groß-Gerau). Im Schuljahr 1932/33 hatte er 14 jüdische Kinder in Religion zu unterrichten.
 
Nach 1933 ist ein Teil der jüdischen Gemeindeglieder (1933: 80 bis 100 Personen) auf Grund der zunehmenden Entrechtung und der Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert. 15 verzogen innerhalb Deutschlands, vor allem nach Frankfurt, einige konnten auswandern. Elf jüdische Personen emigrierten nach Holland beziehungsweise nach Belgien. Drei von ihnen wurden von dort aus verschleppt und deportiert. Beim Novemberpogrom 1938 wurden jüdische Häuser und Wohnungen demoliert; ein Teil der jüdischen Männer wurde in "Schutzhaft" genommen. 1942 wurden die letzten 20 noch verbliebenen jüdischen Einwohner in die Vernichtungslager deportiert. 
  
Von den in Hadamar geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945", ohne die jüdischen "Euthanasie"-Opfer):  Albert Aron (1871), Artur Aron (1892), David Einhorn (1932), Else Frank geb. Rosenthal (1896), Brunhilde Honi (1925), Julius Honi (1886), Renate Honi geb. Nordhäuser (1891), Johanna Jonas geb. Mange (1886), Betti Jüngster geb. Oppenheimer (1893), Frieda Kahn geb. Strauss (1897), Helene (Hella) Kahn (1914), Max Kahn (1891), Moise Latinik (1898), Rosa Kahn (1898), Susanne Kahn (1928), Jenni Katzenstein geb. Rosenthal (1877), Rebecca (Rica) Lebrecht geb. Rosenthal (1880), Brigitte Liebmann (1924), Emma Liebmann (1876), Ernst Liebmann (1894), Irma Liebmann geb. Isemberg (1896), Leopold Liebmann (1882), Julie Ida Löwenwarter geb. Salmony (1867), Rosalie Meyer geb. Siegel (1876), Ferdinand Nachmann (1877), Ida Nachmann geb. Hohenstein (1877), Adolf Neuhaus (1892), Frieda Neuhaus (1893), Ilse Neuhaus (1924), Helene (Hela) Neuhaus geb. Kahn (1914), Klara Neumann geb. Neuhaus (1890), Irma Nordhäuser geb. Neuhaus (1895), Ludwig Nordhäuser (1924), Max Nordhäuser (1882), Hermann Oppenheimer (1868), Julius Reich (1909), Berta Rosenthal (1899), Ellen Esther Rosenthal (1930), Hugo Rosenthal (1881), Johanna Rosenthal geb. Eisenthal (1875), Siegmund Rosenthal (1867), Franziska Schönberg geb. Strauss (1873), Leopold Schönberg (1877), Otto Schönberg (1907), Hilde Stern (1904), Berta Strauss geb. Kron (1883), Eugen Strauss (1908), Hedwig Strauss geb. Kahn (1894), Helmut Strauss (1912), Julius Strauss (1875), Siegfried Winkelstein (1895).     
Eine Verlegung von "Stolpersteinen" in Hadamar für die Opfer der Shoa ist geplant (Stand: Mai 2014). 
  
Aus Thalheim sind umgekommen: Paula Back geb. Hecht (1883), Moritz Blumenthal (1879), Siegmund Blumenthal (1872), Flora Billa Cahn geb. Liebmann (1895), Henriette Goldschmidt geb. Königsberger (1862), Hans Höfel (1927), Albert David Kahn (1891), Max Rosenthal (1892), Robert Rosenthal (1888), Emmy Strauss geb. Rosenthal (1894), Erna Treidel geb. Hecht (1892).      
Hinweis: es kommt in den Listen teilweise zu Verwechslungen mit Talheim (Kreis Heilbronn) und Thalheim / Neidenburg / Ostpreußen. 
   
Zu den "Euthanasie"-Verbrechen in der ehemaligen Anstalt Hadamar, der über 10.000 Menschen zum Opfer fielen, darunter auch viele jüdische Personen, siehe Website der Gedenkstätte Hadamar  
   
   
   
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
 
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer
Ausschreibungen der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet 1861 / 1862 / 1864 / 1874 / 1882 

Hadamar Israelit 12061861.jpg (27183 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 12. Juni 1861: "Die israelitische Kultusgemeinde Hadamar. Herzogtum Nassau, sucht einen Religionslehrer, welcher zugleich das Amt eines Vorbeters übernehmen muss. Hierauf Reflektierende wollen sich an den Vorstand der Gemeinde, unter Einsendung ihrer Zeugnisse, wenden."
 
Hadamar AZJ 24061862.jpg (37145 Byte)Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 24. Juni 1862: "Die hiesige israelitische Kultusgemeinde sucht bis zum 1. September dieses Jahres einen Religionslehrer, welcher zugleich das Vorbeteramt übernehmen muss. Hierauf Reflektierende wollen sich franco an den Unterzeichneten wenden. Hadamar, im Juni 1862. Simon Wolf."
 
Hadamar Israelit 14121864.jpg (39090 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 14. Dezember 1864: "Die hiesige israelitische Kultusgemeinde sucht zum baldigen Eintritte einen Religionslehrer, der auch zugleich das Vorbeteramt zu übernehmen hat. Fixes Salair beträgt Gulden 350. Hierauf Reflektierende wollen sich an den Unterzeichneten wenden. 
Hadamar
, den 4. Dezember 1864. Simon Wolf, Mitglied des Vorstandes."
 
Hadamar AZJ 12051874n.jpg (48648 Byte)Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 12. Mai 1874: "Die hiesige Religionslehrer- und Vorbeterstelle wird Ende August dieses Jahres vakant. Die jährliche Besoldung beträgt 250 Taler. Da hier nur wenige Kinder zu unterrichten sind, so ist dem Bewerber Zeit geboten, durch Privatunterricht sein Einkommen zu vermehren. Hierauf Reflektierende wollen sich an den Unterzeichneten wenden. 
Hadamar
in Nassau, im April 1874. Wolf, Kultusvorsteher."
 
Hadamar Israelit 28061882.jpg (55247 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 28. Juni 1882: "Am 15. August dieses Jahres wird in hiesiger israelitischer Kultusgemeinde die Stelle eines Lehrers, Vorbeters und Schächters vakant, mit einem Fixum von Mark 900, wobei als Schächter ebenfalls noch auf Mark 300 gerechnet werden kann; noch weitere Nebenverdienste sind in Aussicht. Doch mögen sich nur solche melden, welche mit guten Zeugnissen und Prüfungsattesten versehen sind. Auf portofreie Anfragen erteilt Auskunft
der Kultusvorstand zu Hadamar (Provinz Nassau)." 

   
25-jähriges Jubiläum von Adolf Oppenheimer als Lehrer und Kantor in Hadamar (1908)  

Hadamar Israelit 26111908.jpg (47071 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 26. November 1908: "Hadamar, 18. November (1908). Am 1. Dezember dieses Jahres begeht der Lehrer der hiesigen Gemeinde, Herr Oppenheimer, das Jubiläum seiner 25jährigen Wirksamkeit als Lehrer und Kantor unserer Gemeinde. Die Gemeinde verdankt dem Jubilar das Aufblühen ihrer Religionsschule, sowie ihres religiösen Lebens überhaupt und hat sich Herr Oppenheimer durch sein schlichtes, freundliches Wesen und seine treue Pflichterfüllung die Wertschätzung Aller erworben."

  
40-jähriges Jubiläum von Lehrer Adolf Oppenheimer (1924)  

Artikel in der "CV-Zeitung" (Zeitschrift des "Central-Vereins") vom 17. Januar 1924: "Unser langjähriger Vertrauensmann für Hadamar in Hessen, Herr Lehrer A. Oppenheimer, konnte unter Anteilnahme der ganzen Gemeinde am 1. Dezember sein 40-jähriges Jubiläum feiern. Wir sprachen unserem treuen Mitarbeiter unsere herzlichsten Glückwünsche aus." 

     
     
Aus dem jüdischen Gemeinde- und Vereinsleben
Gründung des Vereines zur Unterstützung bedrängter russischer Juden (1882)   

Hadamar Israelit 22021882.jpg (65312 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 22. Februar 1882: "Hadamar, 15. Februar 1882. Infolge Ihres Artikels in Nr. 6 des Israelit: ‚Unsere Glaubensgenossen in Russland’ hat sich in hiesiger Gemeinde ein Verein zur Unterstützung der bedrängten Brüder in Russland gebildet. Die Mitglieder zahlen einen wöchentlichen Beitrag (Isch kematnat Jodo, d.i.: jeglicher nach dem, was seine Hand geben kann, 5. Mose 16,17) und werden diese Gelder monatlich an eine größere Sammelstelle gesendet. Hoffentlich werden andere Gemeinden ein Gleiches tun, da nur bei vereinten Kräften, wenn Jeder sein Scherflein beiträgt, es möglich wird, den armen, schwer Heimgesuchten etwas Linderung zu verschaffen."

    
40-jähriges Bestehen des Jüdischen Frauenvereins und Bildung einer Ortsgruppe des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten (1931) 

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. Februar 1931: "Hadamar, 5. Februar (1931). Anlässlich des 40-jährigen Bestehens des Jüdischen Frauenvereins hatten sich die Mitglieder desselben am Samstag, 24. Januar zu einer schlichten Feier zusammengefunden. Mit Rücksicht auf die wirtschaftliche Lage, sah man von einer großen Feier ab. Herr Lehrer und Kantor Karl Hartogsohn überbrachte die Glückwünsche der Gemeinde und gedachte in seiner Rede besonders der Verdienste des Vereins. Anschließend trug Frau Franziska Neuhaus in humorvollen Reimen vor. Der wohl gelungene Abend wird den Besuchern noch lange in Erinnerung bleiben."  
 
Artikel in der "Jüdisch-liberalen Zeitung" vom 18. Februar 1931: "Hadamar. (Jubiläum des jüdischen Frauenvereins.) Das vierzigjährige Bestehen des Israelitischen Frauenvereins wurde von den Beteiligten durch eine schlichte Feier begangen. Lehrer und Kantor Hartogsohn überbrachte die Glückwünsche der Gemeinde und betonte das segensreiche Wirken des Vereins. Eine gemütliche Zusammenkunft folgte der offiziellen Feier. - Hier hat sich eine Ortsgruppe des Reichsbundes Jüdischer Frontsoldaten gebildet, nachdem Dr. Walter Stern aus Mainz dazu die Anregung gab. Der Vorstand der auch die Frontkämpfer von Frickhofen und Langendernbach umfassenden Ortsgruppe besteht aus dem Herren Adolf Neuhaus, Hermann Honi, Emanuel LIebmann, Hadamar, und Rosenthal, Frickhofen".      

    
   
Spendenaufrufe  
Aufruf zu Spenden für die arme jüdische Witwe Moses Prag (1878)  

Hadamar Israelit 30011878.jpg (73587 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. Januar 1878: "Aufruf
Es wohnt am hiesigen Platze die arme jüdische Frau Moses Prag Witwe mit zwei sehr kränklichen Töchtern, und ist diese bedauernswerte Familie auch im höchsten Grad verschämt arm. Eine Tochter derselben ist bereits schon mehrere Wochen durch anhaltendes Kränkeln ans Bett gefesselt, und wissen die Unterzeichneten, dass die Armut sehr tief greifend ist. 
Jede milde Gabe wird dieselbe mit Dank annehmen. 
Die Wahrheit dieser Angabe wird auf Anfragen Herr Bezirksrabbiner Dr. Wormser in Weilburg bezeugen*, auch Gaben für diese Armen in Empfang nehmen. Hadamar, 10. Januar Jos. A. Rosenbaum. D.A. Hohenstein. 
(*Bescheinigung liegt bei uns zur Einsicht offen. Die Expedition)."

  
Hilferuf des Lehrers Adolf Oppenheimer für eine in Thalheim in Not befindliche jüdische Familie (1903)    

Hadamar Israelit 05031903.jpg (76965 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. März 1903: "Not! Hilferuf! Not!  
In dem benachbarten Orte Th. wohnt eine der ärmsten jüdischen Familien, bestehend aus drei weiblichen, erwerbsunfähigen Personen, von denen zwei über 60 resp. 70 Jahre alt sind. Diese Armen besitzen ein kleines Häuschen, ihr einziges Obdach, das dem Einsturze nahe ist, und polizeilicherseits geschlossen, beziehungsweise niedergelegt werden soll, wenn es nicht bald einer gründlichen Renovierung unterzogen wird. Es sind etwa 7-800 Mark erforderlich um die Reparatur vornehmen zu können und richte ich daher an alle edeldenkende, mitleidsvolle Glaubensgenossen die dringende Bitte, ihr Scherflein dazu beizutragen, um das einzige Obdach diesen Ärmsten der Armen erhalten zu können. Zur Annahme und Weiterbeförderung von Spenden ist der  Unterzeichnete gerne bereit und wird über den Empfang an dieser Stelle quittiert. Adolf Oppenheimer, Lehrer."

   
   
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde      
Zum Tod des Landrabbiners Samuel Salomon Wormser (1858)  

Hadamar AZJ 03051858.JPG (291769 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 3. Mai 1858: (abgekürzt, teilweise freier zitiert) "Vom Rhein, im April 1858. In unserer an echter Frömmigkeit und talmudischer Gelehrsamkeit so armen Zeit ist der Verlust großer Männer doppelt schmerzlich... Einen wehmütigen Nachruf verdient wohl mit Recht der leider am 30. März laufenden Jahres zu Hadamar im Herzogtum Nassau erfolgte rasche Hintritt des ehrwürdigen Landrabbiners Herrn Samuel Salomon Wormser von Langenschwalbach, welcher deshalb die ganze Gemeinde tief erschütterte und das schöne Fest (Chag, gemeint hier das Pessachfest, an dem Rabbiner Wormser starb) zur Trauer (Ewal) ihr umwandelte. Einer berühmten Rabbinerfamilie entstammend und jüngster Sohn des Oberrabbiners zu Fulda (geb. am 17. Januar 1770), entfaltete er in noch sehr jugendlichem Alter große, durch seltene Geistesgaben geförderte talmudische Gelehrsamkeit, was seine zahlreichen Diplome von Fürth, Mannheim, Bonn, Frankfurt und von anderen Orten beurkunden. Schon vom Jahre 1804 an, wo er sich nach Limburg an der Lahn verheiratete, fungierte er als Rabbiner in wichtigen Angelegenheiten; jedoch erst mit dem Jahre 1811 wurde er definitiv mit allen Ehren und Würden staatlich als Landrabbiner der Grafschaft Katzenellenboden angestellt und zwar mit dem anfänglichen Wohnsitz zu Nastätten und dann zu Langenschwalbach. Am letztgenannten Badeorte hatte der verklärte Nestor bis zu seiner auf seinen Antrag im Jahre 1848 wegen Ablebens seiner Frau erfolgte Pensionierung segensreich gewirkt. Von dieser Zeit an lebte er an den Wohnorten seines einzigen Sohnes, des zu Hadamar wohnenden Bezirksrabbiners Dr. Wormser, welcher die höchste Freude seines Mannes- und Greisenalters war. Bis zu seinem letzten Lebenstage Erew Pessach (Vortag des Pessachfestes) – an welchem er großer Schwäche wegen das Bett nicht verlassen konnte – heiter, gesund und im vollen Besitze seiner eminenten Geisteskräfte und sich fortwährend mit Tora und Gebet beschäftigend: 'sein Auge war nicht getrübt und seine Säfte nicht geschwunden' (5. Mose 34,7), blieb auch sein Aussehen jugendlich frisch und sein herrliches Auge verdunkelte sich nicht eher, als bis um Mitternacht – Leil Erew Pessach (Nacht vor dem Pessachfest) es sich auf ewig schloss! Ach, dieser Trauerfall, obgleich als eine gute Heimkehr und mit einem Kuss durch den Mund Gottes erfolgt, kam immer noch zu früh, und sehr lange noch wird diese seltene patriarchalische Erscheinung nah und fern vermisst werden. Denn nicht nur beklagen wir in dem Verklärten eine unersetzliche Zeder in dem sehr gelichteten Libanon des alten Judentums, als vielmehr einen Charakter, der heutigen Tages wohl schwerlich wieder zu finden sein dürfte. Streng orthodox übte er seine religiösen Pflichten sowie alle Tugenden und namentlich Gerechtigkeit nur im Verborgenen; er war dabei als großer Menschenkenner leutselig und liebenswürdig, schonend gegen alle Menschen, die er eben dadurch zur Gottesfurcht und Tugend hinzuleiten verstand. Das 'und viele brachte er von Sünde zurück' (Maleachi 2,6) fand im vollsten Sinne des Wortes auf diesen treuen Hirten seine Anwendung, der gleich seinem berühmte Bruder HaRaw HaGaon Raw Sekel - das Andenken an den Gerechten ist zum Segen - in Fulda stets in bescheidener Zurückgezogenheit gewirkt hatte. Sein überaus zahlreich besuchtes Leichenbegängnis fand am ersten Tage der Halbfeiertage, den 1. April statt, und sprach der Sohn des Verewigten tief ergreifende, von Tränen fast erstickte Worte. – ... Auf dem Friedhofe angelangt, sprach derselbe noch einiges über Verse 22 und 23 des 9. Kapitels in Jeremias, um den Lebenswandel des verklärten Frommen zur Nachahmung anzuempfehlen und schloss mit einem Gebet – auf dass Seine Seele sich freuen möge eines ewigen Glückseligkeit im Lande des ewigen Lebens. 'Aber die Verständigen werden glänzen wie der Glanz des Himmels, und die, welche viele zur Gerechtigkeit führten, wie die Sterne, immer und ewig' (Daniel 12,3). 
Ja, Dein Gedächtnis lebt in Segen 
Bei der Mit- und Nachwelt freudig fort.  
Überall tritt uns Dein Bild entgegen, 
Allen warst Du ja sein sichrer Hort."
   
Zum Sohn von Landrabbiner Wormser - Dr. Salomon Samuel Wormser - s.u. bei der Synagogengeschichte   

     
Suizid des Schriftstellers Gustav Salmony aus Hadamar (1894)     

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 19. Januar 1894: "Süddeutsche Blätter berichten von zwei Selbstmorden. Der Schriftstelle Gustav Salmony aus Hadamar hat in einem hinterlassenen Briefe angegeben, er nehme sich das Leben, weil er mit seinen 'dramatischen Arbeiten nirgends landen' könne und daher auf die 'schriftstellerische Karriere verzichten' müsse. - In Würzburg hat sich der jüdische Buchhändler Goldstein im Alter von 72 Jahren erschossen. Sein Spezialgeschäft war katholische Theologie."          

 
Goldene Hochzeit von Moses Rosenthal und Frau (1915)  

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. Juli 1915: "Am Sonntag, den 4. Juli feierten die Eheleute Moses Rosenthal und Frau die Goldene Hochzeit in selten geistiger und körperlicher Frische. Aus Nah und Fern kamen Verwandte und Bekannte herbeigeeilt und überaus zahlreich waren die Gratulationen, welche telegraphisch und schriftlich einliefen. Die Feier in der Synagoge verlief sehr würdig. Herr Lehrer Oppenheimer begrüßte in schöner Ansprache das Jubelpaar und hob hervor, dass die Eheleute es verstanden haben, ihre Kinder als fromme, gute Jehudim zu erziehen. Alsdann sprach der erste Vorsteher der Gemeinde, Herr H. (Hermann) Oppenheimer, im Namen der Gemeinde und überbrachte gleichzeitig im Auftrage des königlichen Landrats dessen Glückwünsche. Im Auftrage Seiner Majestät des Kaisers überreichte er alsdann die goldene Ehejubiläums-Medaille. Hierauf sprach der Bürgermeister Dr. Decher im Auftrage der Stadt. Mit einem Schlussgesang schloss die schöne Feier."  

    
70. Geburtstag von Hermann Oppenheimer (1936)   
Anmerkung: Hermann Oppenheimer (geb. 28.7.1866 in Blessenbach, umgekommen Februar 1943 im Ghetto Theresienstadt) war der Sohn von Zaddok (Heinrich) Oppenheimer. 1892 heiratete er Hermine (Hannchen) geb. Rosenthal (geb. 1864 in Willmenrod, gestorben in Hadamar), eine Tochter von Löw Rosenthal und Betty geb. Strauss. Die beiden hatten zwei Töchter: Betty (Betti, Elisabeth, 1893 Hadamar - ermordet 1942, war verheiratet mit Sally/Sali Jüngster aus Hadamar, 1883 - ermordet 1942) und Sidonie (1895 Hadamar - ?).  

Tann Israelit 23071936.jpg (21389 Byte) Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 23. Juli 1936: "Tann, 15. Juli (1936). Herr Hermann Oppenheimer, langjähriger Kultusvorsteher der Gemeinde Hadamar (Kreis Limburg) begeht am 28. Juli seinen 70. Geburtstag. Möge es dem verdienten Jubilar vergönnt sein, noch recht lange Jahre gesund und glücklich im Kreise seiner Kinder und Enkelkinder zu leben. (Alles Gute) bis 120 Jahre."   

  
Über die Familie Schönberg  
Siehe Beitrag von Martina Hartmann-Menz: Franziska, Otto und Bertha Schönberg aus Hadamar. Dokumentation 07/2016. Als pdf-Datei eingestellt.   
   
   
   
Zur Geschichte der Synagoge             
   
Zunächst wurden die Gottesdienst in der Betstube eines jüdischen Privathauses gefeiert. Dieser hatte allerdings nur 29 Plätze, sodass bei der steigenden Zahl der jüdischen Einwohner eine neue Synagoge spätestens in dem 1830er-Jahren dringend geboten erschien. 1839 konnte mit dem Bau einer Synagoge begonnen werden. Die Pläne hatte ein Werkmeister namens Hilleritz ausgefertigt. Am 25. Juni 1841 wurde die Synagoge mit einem großen Fest für den ganzen Ort eingeweiht. Hierzu liegt ein Bericht in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 11. September 1841 vor. Interessanterweise wurde dabei ein Bericht aus einer nichtjüdischen "Allgemeinen Kirchenzeitung" übernommen:  

Hadamar AZJ 11091841a.jpg (97006 Byte)Hadamar. Die Allgemeine Kirchenzeitung enthält folgende Korrespondenz: Hadamar. Am 25. Juni dieses Jahres fand hier die feierliche Einweihung der neuen israelitischen Synagoge statt. Aus dem engen Raume des bisherigen Bethauses bewegte sich der Zug mit Musik nach dem neuen Gotteshause; voran zog mit ihrem Lehrer die Schar der festlich geschmückten israelitischen Jugend, der sich auch mehrere Kinder aus der christlichen Elementarschule angeschlossen hatten; dann folgte, unter einem blauen Traghimmel einherschreitend, der zur Einweihung berufene Rabbiner Herr Dr. S. Wormser von Schwalbach, umgeben von den Mitgliedern der Gemeinde, welche die Pergamentrollen des Gesetzes trugen, und begleitet von einem zahlreichen Gefolge seiner Glaubensgenossen aus der Stadt und vom Lande. In dem festlich mit Blumengewinden verzierten, anständig und würdevoll eingerichteten Tempel hatten sich die Behörden des herzoglichen Amtes, der Stadtvorstand, die christliche Geistlichkeit und besonders mehrere Landpfarrer, die Lehrer des Pädagogs und viele Honoratioren und Bürger der Stadt eingefunden. -
Hadamar AZJ 11091841b.jpg (111973 Byte)Nach den üblichen Gebeten und Choralgesängen hielt der Rabbine Dr. Wormser vor dem Altare über 1. Chronik 29,15.16 (nach Luthers Übersetzung 1. Chronik 30,15.16, in der Vulgata I. Paralopom. 29,15.16) die Einweihungsrede, worin er nach einer geistigen Auffassung der mosaischen Lehre über die Bestimmung des Gotteshauses und insbesondere über die echte Gottesverehrung im Geiste und in der Wahrheit sich verbreitete, eine Rede, die jeden Gebildeten ansprechen musste, weil die Wahrheiten, die sie ans Herz legte, aus dem Herzen stammen und ewig Segen stiften, indem sie das Band des Friedens um die Herzen aller Gottesverehrer schlingen. Die gediegene Rede schloss mit einem Gebete, worin Segenswünsche für unsern Herzog und das herzogliche Haus, für das Vaterland, für die Stadt Hadamar, die israelitische Gemeinde, die Vorsteher derselben und die Gründer des Gotteshauses ausgesprochen wurden . - Dem jungen Prediger, der sich auch der gelehrten Welt durch eine lateinische Abhandlung über die heiligen Schriften der Hebräer und durch eine Trauerrede auf den höchstseligen Herzog Wilhelm von Nassau bekannt gemacht hat, reichen wir freundlich die Hand und wünschen, dass er bei einer vielleicht bald zu erwartenden neuen Organisation der israelitischen Religionsverhältnisse eine seinen Talenten entsprechende Stellung erhalten möge; weil wir die Überzeugung hegen, dass er, wenn er in diesem Geiste zu lehren und zu schreiben fortfährt, nicht nur im Dienste der Synagoge für die Bildung seiner Glaubensgenossen, sondern auch im Dienste der Menschheit für das Reich der Wahrheit segensvoll wirken werde.

Dr. Salomon Wormser, der zur Einweihung der Synagoge in Hadamar die Weiherede gesprochen hatte und dafür auch in nichtjüdischen Kreise hoch gelobt wurde, war Sohn des Landrabbiners von Langenschwalbach, Samuel Salomon Wormser. Er war als Religionslehrer in Schwalbach tätig, ab 1843 mit dem Titel "Bezirksrabbiner" in Diez, zuständig für Limburg, Diez und Hadamar. Er setzte sich stark für Reformen ein. 1852 verlegte er den Rabbinatssitz von Diez nach Hadamar, wo er bis 1860 wohnte. 1853 wird er für seine Reformbemühungen in Hadamar in einem Artikel der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" (Ausgabe vom 5. September 1853) sehr gelobt. Der Artikel gibt weitere Einblick in das damalige jüdische Gemeindeleben in den Zeiten in Hadamar.  

Hadamar AZJ 05091853x.jpg (200050 Byte)"... Unser Synagogenleben bietet wie überall - nichts Ganzes. So viel Rabbinate, so viele Liturgien, nirgends Einheit, nirgends Übereinstimmung; der eine Rabbiner reformiert und sichtet, der andere lässt's beim Alten und das benimmt ihnen allen den Kredit bei ihren Gemeinden. Ich bin überzeugt, dass wenn unsere vier nassauischen Rabbiner über eine allgemeine Kultus- und Liturgieordnung im Sinne eines vernünftigen Fortschritts sich einigten - sie würden die Mehrheit der Gemeinden für sich haben und selbst die Gegner würden sich fügen. Am meisten hat hierin Dr. Wormser in Hadamar Dr. Wormser in Hadamar getan, in dessen Bezirk schon seit 1845 eine zeitgemäße, verbesserte Kultusreform eingeführt ist und auch überall Eingang gefunden hat. So sehr dieser Mann auf seinem früheren Domizil - Diez - angefeindet war, so beliebt ist er jetzt in Hadamar, und da sein Wirken jetzt wie früher sich gleich blieb, so ist dies der beste Beweis, dass an dem frühern Missverhältnis lediglich jene Gemeinde die Schuld trug. Selbst von einem echt religiösen Sinne belebt, dabei mit umfassender talmudischer und philosophischer Gelehrsamkeit ausgerüstet, wirkt sein Auftreten, begünstigt durch eine würdevolle pastorale Persönlichkeit, überall belehrend und erbauend und namentlich sind es die Lehrer, die ihm für seine Opferwilligkeit, für seine Hingebung zu ihrem schwere Berufe zu Danke verpflichtet sind. Seine jetzige Gemeinde - Hadamar - erkennt dies aber auch an. Das sind einfache aber biedere Leute, die ohne großes Aufsehen zu machen, gerne zu allem Guten die Hand bieten, mit bedeutenden Opfern sich erst vor wenigen Jahren eine sehr schöne neue Synagoge bauten und sowohl in- als außer(halb) derselben einen wahrhaft religiösen Sinn an den Tag legen. Im ganzen gibt es bei den nassauischen Juden noch viel braches Feld anzubauen, da der schon so oft gerügte Indifferentismus auch hier immer mehr Boden gewinnt, und er wird nicht abnehmen, wenn in der Synagoge alles beim Alten gelassen wird. Sehen wir daher, was uns die Zukunft bringen wird, und ist dies etwas Erhebliches, was die Leser dieser Blätter interessieren könnte, so soll es ihnen nicht vorenthalten werden."

Die Synagoge in Hadamar hatte 82 Männer- und 42 Frauenplätze. Äußerlich auffallend ist ihr Stil mit den stark gotisierenden Fenster- und Portalrahmungen, da der gotische Baustil bei Synagogen als der "typisch deutsche Baustil" nur selten vorkommt.
  
1892 konnte mit einem Fest für die ganze Stadt das 50jährige Bestehen der Synagoge gefeiert werden. Bezirksrabbiner Dr. Lewinsky aus Weilburg hielt die Festrede.
   
50-jähriges Bestehen der Synagoge (1892)  

Hadamar Israelit 04071892.jpg (123931 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 4. Juli 1892: "Hadamar. In unserer Zeit, in welcher die Wogen des Antisemitismus so hoch gehen, ist es besonders erfreulich von einem Akt wahrer Toleranz und Humanität berichten zu können. – Der erste Tag des heiligen Schabuotfestes war für die hiesige israelitische Gemeinde ein besonderer Freudentag, galt es doch an demselben das 50jährige Bestehen unseres Gotteshauses zu feiern. Bereits am Morgen hatten die Bürger unserer Stadt ohne Unterschied der Konfession den Straßen ein Festgewand angelegt, als sichtbares Zeichen, dass der Klassen- und Rassenhass, der auch in unserer Provinz sich geltend macht, in ihrer Mitte keinen Boden gefunden. Die öffentlichen Gebäude, wie das Rathaus, Kloster, Konvikt u.a.m. sowie eine überaus große Anzahl von Privathäusern prangten im Flaggenschmuck. Um 10 Uhr begann in der herrlich geschmückten Synagoge der Festgottesdienst. Herr Bezirksrabbiner Dr. Lewinsky aus Weilburg hielt die Festrede, in welcher er es verstand, durch seinen wohl durchdachten, formvollendeten Vortrag die gesamte Zuhörerschaft zu fesseln. Die Rede wird auf allgemeinen Wunsch dem Drucke übergeben werden.
Zu dem Festgottesdienst waren die Räte der Stadt, an deren Spitze der Bürgermeister Mathi, die Geistlichkeit und noch viele andere achtbare Mitbürger erschienen. Es nahm daher Herr Rabbiner Dr. Lewinsky in seiner Rede Veranlassung mit herzlichen Dankesworten für den bekundeten Akt der Toleranz den innigen Wunsch auszusprechen, dass, wie bisher, auch fürderhin, der friedlich, humane Geist in Hadamars Mauern weilen möge! Vorbeter und Chor trugen die Festgesänge meisterhaft vor."

Beim Novemberpogrom 1938 wurde in den Morgenstunden des 10. November durch einen SS-Trupp aus Limburg (SS-Sturm 7/78: Teil des SS-Sturmbannes II/78 in Limburg) in der Synagoge Feuer gelegt. Nachbarn konnten den Brand jedoch löschen. Die Inneneinrichtung wurde im Verlauf des Tages unter anderem durch Schulkinder geschändet und verwüstet. 
 
Nach 1945: 1953 wurde das Synagogengebäude, das sich schon damals in einem schlechten baulichen Zustand befand, von der JRSO, einer Treuhandgesellschaft für jüdisches Vermögen, als Atelier an den Scherenschnittkünstler Engert verkauft, der es jedoch mit zunehmendem Alter nicht mehr unterhalten konnte. Nachdem das Haus bereits gravierende Schäden aufwies, gelang es der Stadt im Jahr 1980, die ehemalige Synagoge zu kaufen und nach historischem Vorbild zu restaurieren. Am 6. September 1982 wurde sie als Gedenk- und Erinnerungsstätte eröffnet und wird seitdem für Gedenkfeiern, Ausstellungen und Vortragsveranstaltungen genutzt (Kontakt siehe unten bei "Hinweise". Eine mit Hilfe des Hessischen Hauptstaatsarchivs erarbeitete Dokumentation informiert über die Geschichte der jüdischen Gemeinde Hadamar).   
   
   
Adresse/Standort der SynagogeEhemalige Synagoge Hadamar, Nonnengasse 6, 65589 Hadamar (gegenüber dem St.-Anna-Krankenhaus)     
   
   
Hinweise: 

Führungen (auch im Zusammenhang mit Stadtführungen) durch die Synagoge können über die Stadtverwaltung beziehungsweise das Fremdenverkehrsamt vereinbart werden. 
Kurzinformationen zu Bau und Einrichtung der Synagoge sind kostenlos erhältlich. 
Der Eintritt ist frei. 
Öffnungszeiten nach Vereinbarung. 
Informationen/Kontakt über den Träger: Magistrat der Stadt Hadamar, Rathaus, Untermarkt 1, 65589 Hadamar, Telefon: 06433/89112, Fax: 06433/89155, E-MailAnsprechpartner: Jürgen Lanio (Hauptamt); Stadtführungen (mit Synagoge) über das Fremdenverkehrsamt der Stadt, Telefon 06433/89157 (um rechtzeitige Anfrage wird gebeten).  

  
  
Fotos  
  

Das Gebäude der ehemaligen Synagoge im Frühjahr 2006        
Hadamar Synagoge 130.jpg (73929 Byte) Hadamar Synagoge 131.jpg (69867 Byte) Hadamar Synagoge 133.jpg (63810 Byte)
Blick auf das Synagogengebäude von der vorbeiführenden Nonnengasse 
    
    Hadamar Synagoge 132.jpg (64250 Byte)    
   Hinweistafeln   
        
Das Gebäude der ehemaligen Synagoge im Sommer 2009 
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 23.08.2009)  
  
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Blick auf das Synagogengebäude von der vorbeiführenden Nonnengasse
     
Hadamar Synagoge 173.jpg (65561 Byte) Hadamar Synagoge 174.jpg (155590 Byte) Hadamar Synagoge 172.jpg (52759 Byte)
Hinweistafel  Verziertes Steinpostament 
mit Vase 
Fenster auf der Ostseite, ehemals 
über dem Toraschrein 
  
        
Hadamar Synagoge 178.jpg (60010 Byte) Hadamar Synagoge 175.jpg (56419 Byte) Hadamar Synagoge 176.jpg (56990 Byte)
Nördliche Traufseite mit 
drei Spitzbogenfenstern  
Eingangstür mit Spitzbogenfenster 
 
      
   Hadamar Synagoge 177.jpg (75831 Byte)  
  Westliche Seite; die Fenster gehörten
 zum Gemeindeversammlungsraum
 
     

   
   
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte  

November/Dezember 2010: Ausstellung in der Synagoge "Damals - Dort"      
Artikel in der "Frankfurter Neuen Presse" vom 13. November 2010 (Artikel): "'Damals – Dort': Ausstellung in Synagoge
Hadamar.
Am Gedenktag zur Reichspogromnacht eröffnete in der ehemaligen Synagoge in Hadamar die Ausstellung 'Damals – Dort'. Gezeigt werden Objekte des Holocaustüberlebenden Dr. Martin Kieselstein, der gemeinsam mit seiner Schwiegertochter und seiner Enkelin Maja (Foto) zur Eröffnung aus Israel anreiste. Die Gedenkstätte Hadamar hat die Ausstellung, die noch bis zum 5. Dezember geöffnet ist, in Kooperation mit der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Limburg und dem Verein zur Förderung der Gedenkstätte Hadamar organisiert..."    
   
Januar 2011: Gedenkfeier zum Holocaust-Gedenktag     
Artikel von König (koe) in der "Nassauischen Neuen Presse" vom 28. Januar 2011 (Artikel): 
"Gedenken an die Opfer. Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit hatte in die Synagoge geladen
Allein aus Hadamar wurden 50 Juden ermordet: Anlässlich des Holocaust-Gedenktages hatte die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit zu einer Gedenkfeier eingeladen. 
Hadamar. 
  Erfolglos kämpften zwei tragbare Heizgeräte gegen die eisige Kälte in der kleinen Synagoge an. Die zahlreichen Gäste, die zur Gedenkfeier erschienen waren, ließen ihre Mäntel an und saßen dick eingemummt in der ehemaligen Gebetsstätte. Aus Respekt vor der Tradition des Ortes setzten mehrere männliche Besucher aber eine Kippa, die traditionelle jüdische Kopfbedeckung, auf. Die Stimmung ist andächtig und ruhig, aber trotz der Temperaturen keineswegs kühl..."      
  
Mai 2014: Die Verlegung von "Stolpersteinen" ist auch in Hadamar geplant  
Artikel in der "Nassauischen Neuen Presse" vom 6. Mai 2014: "Stolpersteine in Hadamar Steine gegen das Vergessen
Die Aktion 'Stolpersteine' setzt nun auch in Hadamar Denkmäler: Am Donnerstag, 22. Mai, laden Bürger aus der Fürstenstadt um 19 Uhr in die Gedenkstätte Hadamar ein, um über die Verlegung der Steine zu sprechen.
Hadamar. Vertreterinnen und Vertreter der beiden Kirchen und der Gedenkstätte Hadamar unterstützen das Projekt, das an die Opfer des Nationalsozialismus vor Ort erinnern soll..."  
Link zum Artikel   
Weiterer Artikel in der "Naussauischen Neuen Presse" vom 27. Mai 2014: "Stolpersteine auch für Hadamar?"  
Link zum Artikel   
Weiterer Artikel in der "Frankfurter Neuen Presse" vom 1. Juli 2014: "Stolpersteine sollen an Nazi-Opfer erinnern
Link zum Artikel     
 
November 2014: Stadtrundgang zum Gedenken an die Pogromnacht 1938   
Artikel von Christof Hüls in der "Frankfurter Neuen Presse" vom 7. November 2014: "Reichspogromnacht Im Spiegel der dunklen Zeitgeschichte
Fast einhundert Menschen nahmen am Mittwochabend am Stadtrundgang im Gedenken an die Reichspogromnacht teil. Die Hadamarer setzten damit ein Zeichen, dass sie nicht vergessen wollen, was am 9. November 1938 auch in der Fürstenstadt passierte...
Link zum Artikel   
 
Februar 2015: Fotos und weitere Dokumente gesucht   
Aufruf in der "Nassauischen Neuen Presse" vom 26. Februar 2015: "Gedenkstätte sucht historische Fotos und Postkarten
Hadamar. Die Gedenkstätte Hadamar und die AG „Stolpersteine“ in Hadamar suchen historische Fotos und Postkarten aus der Zeit vom 19. Jahrhundert bis Anfang der 1950er Jahre. Im Rahmen der AG „Stolpersteine“ werden zusätzliche Materialien für die Verlegung der Stolpersteine im Herbst gesucht. Dabei geht es insbesondere um Fotos und möglicherweise Dokumente zu den jüdischen Mitbürgern, die in Hadamar lebten. Die Gedenkstätte Hadamar interessiert sich besonders für Fotos und Postkarten, auf denen die Gebäude der ehemaligen Heil- und Pflegeanstalt bzw. des Klosters zu sehen sind. Gern werden auch Fotos und weitere Dokumente zu den ehemaligen Angestellten oder Patienten entgegengenommen.
Die Initiatoren bitten um eine leihweise Überlassung; falls gewünscht, übernimmt die Gedenkstätte Hadamar die Fotos auch gern in ihrem Bestand und garantiert damit eine fachgerechte Aufbewahrung und Zugänglichkeit.
Kontakt: Philipp Erk, Telefon: 0 64 33/91 71 72, E-Mail".     

     
     
Links und Literatur

Links:

Website der Stadt Hadamar mit Seite zur Synagoge, weitere Seite   

Gedenkstätte Hadamar 

Informationsseite der Landeszentrale für politische Bildung in Hessen über die Synagoge Hadamar  

Seite auf der Website der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit in Limburg "Auf den Spuren Hadamarer Juden"   

Webportal HS 010.jpg (66495 Byte)Webportal "Vor dem Holocaust" - Fotos zum jüdischen Alltagsleben in Hessen mit Fotos zur jüdischen Geschichte in Hadamar 

Literatur:  

Paul Arnsberg: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang - Untergang - Neubeginn. 1971. Bd. S. 310-313.
ders.: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Bilder - Dokumente. S. 81.
Thea Altaras: Synagogen in Hessen. Was geschah seit 1945? 1988 S. 93-94.
dies.: Das jüdische Rituelle Tauchbad und: Synagogen in Hessen. Was geschah seit 1945? Teil II. 1994. S. 
Studienkreis Deutscher Widerstand (Hg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933-1945. Hessen I Regierungsbezirk Darmstadt. 1995 S. 130-134.
Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany Volume III: Hesse -  Hesse-Nassau - Frankfurt. Hg. von Yad Vashem 1992 (hebräisch) S. 422-424.
Maria Mathi: Wenn nur der Sperber nicht kommt! Hadamar 1955.
Peter Paul Schweitzer: Das Schicksal der Hadamarer Juden. Die israelitische Gemeinde Hadamar und ihre Synagoge. Hrsg.: Magistrat der Stadt Hadamar. 2. Aufl. Hadamar 1989. 
ders.: Juden im nassauischen Hadamar. Augstieg und Untergang. CD-Rom. Hrsg.: Magistrat der Stadt Hadamar 2006. 
Enthält die Geschichte der Hadamarer Juden, viele Originaltexte, detaillierte Darstellungen der jüdischen Einwohner mit Lebensdaten, -läufen und Stammbäumen.  
Monica Kingreen: Jüdische Kranke als Patienten der Landesheilanstalt Hadamar (1909-1940) und als Opfer der Mordanstalt Hadamar (1941-1945), in: Uta George, Georg Lilienthal, Volker Roelcke, Peter Sandner, Christina Vanja (Hg.): Hadamar - Heilstätte-Tötungsanstalt-Therapiezentrum, Marburg 2006, S. 189-215. 
Egelsbach usw Lit 020.jpg (149631 Byte)Andrea von Treuenfeld: In Deutschland eine Jüdin, eine Jeckete in Israel. Geflohene Frauen erzählen ihr Leben. Gütersloher Verlagshaus 2011.  
In diesem Buch findet sich S. S. 86-93 die Lebensgeschichte von Herta Proter, geboren als Herta Liebmann am 30. Mai 1912 in Hadamar (Vorfahren aus Ellar), lebte später in Qiryat Motzkin (Israel). 
Martina Hartmann-Menz: Franziska, Otto und Bertha Schönberg aus Hadamar. Dokumentation 2017. Eingestellt als pdf-Datei (Beitrag wurde als Grundlage erstellt für die in 2017 zu verlegenden "Stolpersteine" für die drei Mitglieder der Familie Schönberg)    
dies.: Die Kaufmannsfamilie Rosenthal aus Hadamar. Dokumentation 2017. Eingestellt als pdf-Datei (Beitrag wurde als Grundlage erstellt für die in 2017 zu verlegenden "Stolpersteine" für vier Mitglieder der Familie Rosenthal; Siegmund Rosenthal war Kultusvorsteher der jüdischen Gemeinde Hadamar).
dies.: Familie Klein aus Frankfurt. Dokumentation 2017. Eingestellt als pdf-Datei (die Tochter Selma Klein war in der Landesheil- und Pflegeanstalt Hadamar untergebracht. Für sie ist in den Akten belegt, dass sie die Hadamarer Synagoge besuchte. Selma Klein war in den 1930er-Jahren als Hausmädchen bei einer jüdischen Familie in Hadamar tätig. Mit Blick auf die sozialen Verhältnisse der Hadamarer Familien jüdischer Herkunft ist mit höchster Wahrscheinlichkeit anzunehmen, dass sie bei Familie Rosenthal arbeitete. Selma Klein war zwar jüdischer Herkunft, die Systematik der Verfolgung jedoch ist die der Verfolgung sogenannter "Asozialer").  
dies.:  Arthur Aron aus Hadamar. Dokumentation 2017. Eingestellt als pdf-Datei.        

     
       


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Hadamar  Hesse-Nassau. Established in the 17th century, the Jewish community built a synagogue in 1841 and numbered 100 (5 % of the total) in 1842. Salomon Wormser, the district rabbi (1852-1860), tried to promote Reform Judaism but met with strong opposition. Numbering 80 (3 %) in 1925, the community also had members in Hausen and Langendernbach. On Kristallnacht (9-10 November 1938), the synagogue's interior was destroyed. Of the 68 Jews who lived there in 1933, 29 left (17 emigrating), four committed suicide, and 27 were deported (1942). 
The psychiatric hospital in Hadamar war turned into a Nazi "euthanasia" center housing a gas chamber and crematoria which was used in Januar-August 1941 to eliminate 10.000 mentally ill, retarded, or incurable people - some of them Jews, including the children of misc marriages.  
      
        

                   
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Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 04. September 2017