Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Ellar mit Hausen (Westerwald) und Lahr (Gemeinde Waldbrunn, Kreis Limburg-Weilburg) 
sowie Waldernbach (Gemeinde Mengerskirchen, Kreis Limburg-Weilburg)
Jüdische Geschichte / Synagoge

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Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
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Zur Geschichte der Synagoge   
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Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version
(oben: Siegel der israelitischen Gemeinde Ellar, Quelle: Arnsberg Bilder S. 48)        
    
In Ellar bestand eine kleine jüdische Gemeinde bis 1938/39. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 17. Jahrhunderts zurück. 1635/36 wird erstmals ein jüdischer Einwohner genannt. 1723 werden je zwei Schutzjuden(familien) in Ellar, Frickhofen und Langendernbach genannt. Weitere jüdische Familien lebten in Lahr, Hausen und Waldernbach. Die in diesen Orten lebenden jüdischen Familien schlossen sich nach 1717 zu einer jüdischen Gemeinde mit Sitz in Ellar zusammen. 1789 lebten in Ellar drei jüdische Familien, die überwiegend vom Viehhandel lebten. Im 19. Jahrhunderts bemühten sich die Gemeinden Frickhofen und Langendernbach darum, von Ellar selbständig zu werden, was jedoch behördlicherseits untersagt wurde, da die Gemeinde Ellar ohne die Filialgemeinden nicht mehr lebensfähig gewesen wäre. 

Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1807 in Ellar eine Familie mit sechs Kindern sowie eine Witwe, in Lahr drei Familien mit zusammen sechs Kindern, in Hausen zwei Familien mit sechs Kindern, in Waldernbach eine Familie mit sechs Kindern (der Familienvater war als Krämer tätig); 
in Ellar 1843 11 jüdische Einwohner (2,0 % von insgesamt 552 Einwohnern), 1871 30 (4,3 % von 705), 1875 vier jüdische Familien (drei mit Namen Liebmann sowie Lehrer Schloß), 1885 25 jüdische Einwohner (3,6 % von 693), 1895 35 (5,2 % von 670), 1905 27 (4,0 % von 669), 1912 29 jüdische Einwohner. 
  
Mit allen Filialorten umfasste die jüdische Gemeinde Ellar 1843 insgesamt 124 Mitglieder.  
  
An Einrichtungen bestanden eine Synagoge (s.u.), eine jüdische Schule, ein rituelles Bad sowie ein Friedhof. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war (1875 wird Lehrer Schloß genannt). Die jüdische Gemeinde gehörte zum Rabbinatsbezirk Weilburg beziehungsweise nach dessen Auflösung zum Bezirksrabbinat (Bad) Ems - Weilburg.     
  
Um 1924, als noch 20 jüdische Einwohner gezählte wurden,  waren die Gemeindevorsteher Hermann Stern, einer der Herren Liebmann und Siegfried Kaiser. Zur jüdischen Gemeinde in Ellar gehörten damals auch die in (Stein-)Neukirch und (wie bereits im 19. Jahrhundert) Hausen lebenden jüdischen Einwohner. 1932 waren die beiden Gemeindevorsteher Louis Liebmann (1. Vors.) und Theodor Liebmann. Damals erhielten noch zwei schulpflichtige jüdische Kinder am Ort Religionsunterricht, vermutlich durch einen auswärtigen jüdischen Lehrer.  
  
1933 gab es noch drei jüdische Familien mit 16 Personen in Ellar. Beim Novemberpogrom 1938 fuhren Nationalsozialsten mit LKWs in Ellar vor, richteten die Scheinwerfer auf die jüdischen Wohnhäuser, bearbeiteten dann die Türen mit Stangen und Knüppeln, schlugen die Fenster ein und plünderten die Wohnungen. Die Häuser des Theodor Liebmann (mit Lebensmittelhandlung), des Louis Liebmann und der Berta Bock geb. Liebmann, die Synagoge und der jüdische Friedhof sowie Wohnhaus und Textilgeschäft des Heimann Liebmann in Hausen wurden verwüstet. Nach den USA wanderten aus: Familie Theodor Liebmann (November 1938), und Familie Heimann Liebmann (Kurt 1936, Heinz 1936, Heimann und Frau Nov. 1938). Im August 1939 zogen die Familie Bock nach Aachen und die Familie Louis Liebmann nach Mainz. Regina Liebmann und Berta Liebmann geb. Levi sind im Konzentrationslager Theresienstadt umgekommen.    
   
Von den in Ellar geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Hermann Bock (1912), Moritz Bock (1903), Amalie Kahn geb. Liebmann (1878), Berta Liebmann geb. Levi (), Emanuel Liebmann (1886), Heimann Liebmann (1864), Herbert Liebmann (1923), Hermann Liebmann (1884), Josef Liebmann (1891), Leopold Albert Liebmann (1891), Louis Liebmann (1888), Minna Liebmann geb. Ehrenfeld (1898), Regina Liebmann (1860), Jenny Löwenstein geb. Bock (1906), Irma Manasse geb. Liebmann (1897), Lina Schwarz geb. Liebmann (1886), Franziska Seligmann geb. Liebmann (1885), Sara Strauß geb. Lippnau (1868), Frieda Wallenstein geb. Liebmann (1892).    
     
Seit November 2011 erinnert auf dem jüdischen Friedhof in Ellar ein Denkmal an die aus Ellar in der NS-Zeit ermordeten und vertriebenen Juden.      
     
     
     
Aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
 
Aus dem jüdischen Gemeindeleben  
Spendensammlung für Jakob Stein in Ellar (1868)   

Ellar Israelit 25111868.jpg (35870 Byte)Ergebnisse von Spendensammlungen in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 25. November 1868: "Für den leidenden Jakob Stein in Ellar bei Hadamar. M.E. Löwenberg in Wunstorf 1 Thaler. - Ungenannter in Mainz 1 Gulden. - Durch H. Lichnowski gesammelt beim Abschiede des A. Gundelfinger in Hürben 3 Gulden, Unbenannt 30 Kreuzer, zusammen 3 Gulden, 30 Kreuzer."   

    
    
   
 
Zur Geschichte der Synagoge            
     
Am Anfang des 18. Jahrhunderts konnte ein Betsaal (beziehungsweise eine Synagoge) im Haus der Familie Joseph Liebmann am Bornweg (Hauseigentümer bis nach 1933) eingerichtet werden. Nach 1800 bemühten sich die jüdischen Familien von Frickhofen und Langendernbach um Gründung einer eigene Gemeinde und die Einrichtung eines eigenen Betsaales, was jedoch von den Behörden untersagt wurde. Auch wäre die Gemeinde Ellar ohne die Filialorte nicht mehr lebensfähig gewesen. Nach die Gemeinden Frickhofen und Langendernbach nach 1885 ihre eigenen Gottesdienste abhielten, konnten in Ellar immer seltener Gottesdienste abgehalten werden. Bereits einige Jahre vor 1933 wurde die Synagoge überhaupt nicht mehr benutzt, das Gebäude wurde abgebrochen. 
    
    
Adresse/Standort der Synagoge                 
   
   
Fotos 

Tafel zur Erinnerung an die Geschichte 
der jüdischen Gemeinde am Eingang 
zum jüdischen Friedhof 
Ellar Friedhof 203.jpg (90947 Byte)  
     


     
Links und Literatur

Links:  

Website der Gemeinde Waldbrunn 

Zur Seite zum jüdischen Friedhof in Ellar (interner Link)   

Literatur:  

Paul Arnsberg: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang - Untergang - Neubeginn. 1971. Bd. I S. 154-156. 
ders.: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Bilder - Dokumente. S. 48. 
Keine Artikel bei Thea Altaras: Synagogen in Hessen. Was geschah seit 1945? 1988 und dies.: Das jüdische Rituelle Tauchbad und: Synagogen in Hessen. Was geschah seit 1945 Teil II. 1994.   
Studienkreis Deutscher Widerstand (Hg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933-1945. Hessen II Regierungsbezirke Gießen und Kassel. 1995 S. 141. 
Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany Volume III: Hesse -  Hesse-Nassau - Frankfurt. Hg. von Yad Vashem 1992 (hebräisch) S. 365-366.   
Peter-Josef Mink: Die jüdische Gemeinde Ellar. Kissel-Verlag. Beselich-Heckholzhausen 2007.  

    
     


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Ellar (now part of Waldbrunn village) Hesse-Nassau. Established around 1740, the Jewish community numbered 35 (5 % of the total) in 1895. By 1933 it was on the point of disbanding. After Kristallnacht (9-10 November 1938), when they had to take refuge in the village head's home, the last 13 Jews fled.   
   
     

                   
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Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 18. April 2014