Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Weilburg (Kreisstadt, Kreis Limburg-Weilburg)
Jüdische Geschichte / Synagoge   
(erstellt unter Mitarbeit von Joachim Warlies, Weilburg)   

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Aus der Geschichte des Rabbinates 
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer   
Einzelne Berichte aus dem jüdischen Gemeinde- und Vereinsleben   
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde   
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen     
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen  
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte   
Links und Literatur   

  

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)    
Anmerkung: die Texte zum 19./20. Jahrhundert wurden von Joachim Warlies erstellt; auch die Fotos zum Boykott 1933 wurden von ihm zur Verfügung gestellt.    
       
In Weilburg bestand eine jüdische Gemeinde bis 1938/40. 
  
Bereits im Mittelalter lebten vermutlich einige Juden in der Stadt (Stadtrechte seit 1295). Zwischen 1340 und 1347 wird in Frankfurter Gerichtsbüchern mehrfach Jud Kalmann von Weilburg genannt.  
 
Seit dem 17. und dem 18. Jahrhundert nahm die Zahl der jüdischen Einwohner in der Stadt langsam zu.   

Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1842 67 jüdische Einwohner (2,9 % von insgesamt 2.309 Einwohnern), 1871 117 (4,3 % von 2.714), 1885 220 (6,0 % von 3.697), 1895 171 (4,7 % von 3.643), 1905 143 (3,7 % von 3.828), 1910 119 (3,0 % von 4.002). Mitte des 19. Jahrhunderts gehörten auch die in einigen umliegenden Orten lebenden jüdischen Personen zur Gemeinde in Weilburg: um 1845 waren es drei Familien mit 17 Personen in Löhnberg, zwei Familien mit 16 Personen in Merenberg und eine Familie in Waldhausen.  
  
Die jüdischen Familienvorstände verdienten im 17./18. Jahrhundert ihren Lebensunterhalt vor allem als Metzger, Viehhändler und Hausierer. Im 19. Jahrhundert betrieben viele jüdischen Familienvorsteher weiterhin Handel - teilweise mit Läden und offenen Handlungen - Viehhandel, Felle, Därme, Lederwaren, Textilien. Es gab ein Apfelweinkelterei, eine Likörfabrik, Metzgerei, Altwarenhandlung, Seifenfabrik und anderes mehr. Seit der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts gab es einige für das wirtschaftliche Leben der Stadt nicht unbedeutende jüdische Gewerbebetriebe. Es gab jüdische Ärzte und Rechtsanwälte.     
   
An Einrichtungen bestanden eine Synagoge (s.u.), eine jüdische Schule, ein rituelles Bad und einen Friedhof. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war. Erstmals wurde im Jahre 1825 ein Lehrer für die Weilburger Juden bestellt. Nach der Einrichtung der Synagoge (1843, s.u.) waren zahlreiche Lehrer in Weilburg tätig. Der Religionsunterricht für Kinder und Heranwachsende wurde in zwei Abteilungen erteilt: Kinder von 8 bis 10 Jahren sowie Schüler von 10 bis 14 Jahren. Für den Besuch der Schule wurde in den 1920er-Jahren ein gestaffeltes Schulgeld (17 - 26 RM jährlich) erhoben. 1922/23 zählte man 15 schulpflichtige Kinder, 1926 sechs und 1932/33 wieder elf schulpflichtige Kinder. Als Lehrer werden genannt: um 1895 Lehrer Fröhlich, um 1901/03 Lehrer Lehmann, um 1907 Leopold Kahn, ab 1913 bis 1938 (Wegzug nach Frankfurt Ende Oktober 1938) Siegmund Bravmann (letzter Lehrer der Gemeinde). 
  
Weilburg war seit 1843 Sitz eines Bezirksrabbinates. 1925 wurde der Rabbinatsbezirk Weilburg mit Bad Ems vereinigt; der Rabbinatssitz war seitdem in Bad Ems. Bezirksrabbiner in Weilburg waren: 
-  1843 bis 1844: Dr. Samuel Süßkind (geb. 1811 in Kirchheimbolanden, gest. 1894 in Frankfurt am Main): war nach seiner Zeit in Weilburg von 1844 bis 1884 Rabbiner in Wiesbaden.
-  1844 bis 1860: Abraham Treuenfels: war nach seiner Zeit in Weilburg von 1860 bis zu seinem Tod 1879 Rabbiner in Stettin.
-  1860 bis 1880: Dr. Salomon Wormser (geb. 1814 in Limburg, gest. 1887 in Frankfurt); war 1843 Bezirksrabbiner in Diez a.d. Lahn (1852 Verlegung des Rabbinatssitzes nach Hadamar); 1860 Bezirksrabbiner in Weilburg unter Beibehaltung seiner Funktionen im Rabbinat Diez, das nicht mehr besetzt wurde; 1880 Ruhestand.     
-  1880 bis 1887: Dr. Israel Goldschmidt (geb. 1849 in Diósberény, Ungarn, gest. 1924 in Offenbach): war nach seiner Zeit in Weilburg von 1887 bis 1890 Rabbiner in Hoppstädten (Fürstentum Birkenfeld), danach von 1890 bis 1919 in Offenbach.   
-  1887 bis 1890 Dr. Samuel Hirsch Margulies (geb. 1858 in Brzezany/Galizien, gest. 1922 in Florenz): war nach seiner Zeit in Weilburg Rabbiner in Florenz (Oberrabbiner und Rektor des Rabbinerseminars ebd.); aktiv in der Zionistischen Weltorganisation.  
-  1890 bis 1892: Dr. Abraham Lewinsky (geb. 1866 in Loslau/Oberschlesien, 1884 bis 1891 Studium in Breslau, gest. 1941 in Mainz): war nach seiner Zeit in Weilburg von 1892 bis 1935 Landrabbiner in Hildesheim; vgl. Kennkarte unten
-  1893 bis 1924: Dr. Emil Elias Landau (geb. 1842 in Klasno-Wielitzka, Galizien, gest. 1924 in Weilburg): war 1882 bis 1892 Schulrektor in Zürich, danach in Weilburg; nach seinem Tod 1924 wurde das Rabbinat Weilburg mit Ems vereinigt.    
 
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde Julius Cahn (geb. 4.5.1893 in Weilburg, gef. 4.12.1914) und Sally Moses (geb. 23.5.1878 in Frankfurt am Main, gef. 10.5.1917). Bertold Jessel nahm aus Leutnant am Ersten Weltkrieg teil und wurde als Feldluftschiffer mit dem EK I ausgezeichnet. Außerdem sind gefallen: Unteroffizier Harry Rudolf Bauer (geb. 19.11.1886 in Weilburg, vor 1914 in Gießen wohnhaft, gef. 8.12.1914), Moritz Bauer (geb. 17.1.1880 in Weilburg, vor 1914 in Nauenburg wohnhaft, gef. 3.7.1916).   
     
In den 1920er-Jahren zählte die jüdische Gemeinde ca. 100 Mitglieder: 1925 105, 1928 103, 1930 88. In den Jahren zwischen 1918 und 1932 standen folgende Männer als Kultusvorsteher an der Spitze der Israelitischen Kultusgemeinde Weilburg: 1907 – 1926 Nathan Reifenberg, 1926 – 1931 Leopold Michel, 1931 – 1932 Julius Bauer. 
   
Auch die in Löhnberg (1924 6, 1932 10), Merenberg (1924 8, 1932 8), Blessenbach (1932 2) und Laubuseschbach (1932 1) lebenden jüdischen Personen gehörten weiterhin – wie bereits im 19. Jahrhundert – zur Gemeinde in Weilburg.
   
Aus den Mitteilungen im Amtlichen Mitteilungsblatt des Oberlahnkreises geht hervor, dass in der Synagoge am Freitagabend einmal und am Samstag jeder Woche dreimal Gottesdienst gehalten wurde. Im Synagogengebäude, das einen Betsaal, ein Lesezimmer und die Lehrerwohnung enthielt, wurde außerdem jüdischer Religionsunterricht für Kinder und Heranwachsende erteilt. Für den Besuch der Schule wurde ein gestaffeltes Schulgeld (17 – 26 RM jährlich) erhoben. Aus den Einnahmen an Schulgeld kann geschlossen werden, dass 1921/22 und 1922/23 höchstens 15 Kinder die jüdische Religionsschule besuchten, 1926 zählte die Religionsschule nur noch 6 Schüler. Seit dem 1.11.1913 war Siegmund Bravmann von der Gemeinde als Lehrer für die Religionsschule angestellt, er war zugleich auch der Kantor und der Schächter der Gemeinde. Darüber hinaus besorgte er die Verwaltungsgeschäfte der Gemeinde. 
   
Als öffentlich-rechtliche Körperschaft hatte die Gemeinde das Recht, eine Gemeindesteuer zu erheben, deren Höhe sie selbst festsetzte. Die Gemeindesteuer, deren Höhe erheblichen Schwankungen unterworfen war, bildete die Haupteinnahme der Gemeinde. Der größte Posten unter den Ausgaben waren die Personalkosten: Lehrer Bravmann wurde allein von der Gemeinde bezahlt; außerdem ging bis 1924 ein Teil des Gehalts von Bezirksrabbiner Dr. Landau zu Lasten der Gemeinde, weil dieser in Weilburg wohnte. Nach dessen Tod musste die Gemeinde einen Teil der Rente von Frau Landau aufbringen. Die wirtschaftliche Lage der Gemeinde verschlechterte sich in den zwanziger Jahren kontinuierlich. Im Rechnungsjahr 1921/22 konnte die Gemeinde noch alle Ausgaben von eigenen Einnahmen bestreiten und sogar einen Überschuss erwirtschaften. Im Rechnungsjahr 1931/32 dagegen war die Gemeinde bei der Finanzierung ihrer Aufgaben auf öffentliche Zuschüsse angewiesen: Mehr als ein Drittel ihrer Einnahmen (!) bestanden aus Zuschüssen - vom Preußischen Landesverband Jüdischer Gemeinden sowie vom preußischen Minister für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung.
   
Innerhalb der Gemeinde gab es an jüdischen Vereinen: den Israelitischen Wohltätigkeitsverein (1924 unter Leitung von Hermann Reifenberg, 1932 unter Leitung von Rechtsanwalt Zellner), den Armenunterstützungsverein (1924 unter Leitung von Michel Hofmann), den Israelitischen Frauenverein (1932 unter Leitung von Frau Bauer; Zweck und Arbeitsgebiet. Wohltätigkeit) und den Verein für jüdische Geschichte und Literatur (1924 unter Leitung von Rechtsanwalt Zellner). 1932 waren die Gemeindevorsteher Julius Bauer (1. Vors.), Sigmund Arnstein (2. Vors.). An Ausschüssen gab es den Steuerausschuss (1932 unter Vorsitz von Julius Bauer).

1918 – 1932: Soziologische Struktur, wirtschaftliche Lage: Es kann als gesichert gelten, dass die meisten Weilburger Juden ihren Lebensunterhalt als selbständige Kaufleute und Händler verdienten. Folgende jüdische Männer waren als Viehhändler tätig: Julius Bauer, Max Forst, Michel Hofmann (zusammen mit Sohn Berthold und Schwiegersohn Albert Liechtenstein) und Levi Jessel. Andere handelten mit Fellen, Därmen und Lederwaren: Adolf Besmann, Max Falk, Max Geismar, Moses Löwenberg, Salli Liebermann, Leopold Michel und Hermann Rothschild. Wieder andere betrieben Textilgeschäfte: Siegmund Arnstein (zusammen mit Schwiegersohn Adolf Wallach), Otto Dreyfus, die Geschwister Berthold, Louis und Flora Jessel, Julie Baum, Bertha Cahn, Alfred Rothschild und Walter Salomon. Außerdem gab es noch folgende Firmen mit jüdischen Inhabern: Max Adler (Apfelweinkelterei), Leopold Forst (Futtermittel), Henriette Joel (Altwarenhandlung), Theodor Kirchberger (Lebensmittelgroßhandlung), Hermann Reifenberg (Likörfabrik), Albert Schwarz (Metzgerei), Alexander Stern (Futtermittel) und Josef Sternberg (Eisenwaren).
Es gab einen jüdischen Arzt (Dr. Hans Bauer) und einen jüdischen Rechtsanwalt (Julius Zellner).
Mehr als die Hälfte der Familien besaß ein eigenes Haus. Dennoch können nur einige der Weilburger Juden, an damaligen Maßstäben gemessen, als wohlhabend bezeichnet werden. Die Mehrheit hat größere Reichtümer nicht erwerben können. Die Wirtschaftkrise Ende der zwanziger und zu Beginn der dreißiger Jahre erfasste auch die jüdischen Firmen, einige gingen in Konkurs. Auch wurden in dieser Zeit vermehrt Hypotheken aufgenommen.

1918 – 1932: Tätigkeit in Vereinen und öffentlichen Ehrenämtern: Jüdische Mitglieder fanden sich in fast allen städtischen Vereinen, z. B. im Männergesangverein Liederkranz, im Turnverein, in der Freiwilligen Feuerwehr, im Ruderverein. Namentlich werden nachfolgend nur die Juden erwähnt, die in ihren Vereinen eine herausgehobene Stellung hatten. Siegmund Arnstein war Mitbegründer und Förderer des Gesangvereins "Weilburger Doppelquartett". Charlotte Kirchberger war von 1914 bis 1932 stellvertretende Vorsitzende des Krankenpflegevereins. Nathan Reifenberg war zeitweilig Kassierer des Museumsvereins sowie Ehrenmitglied der Freiwilligen Feuerwehr. Ebenfalls als Kassierer war Adolf Wallach für den Radfahrerverein 1891 tätig. 1905 gehörte Berthold Jessel zu den Mitbegründern des Weilburger Rudervereins, von 1924 bis 1926 war er dessen Vorsitzender; 1932 wählte ihn der Kur- und Verkehrsverein zu seinem Vorsitzenden. Theodor Kirchberger war Ehrenmitglied der Weilburger Bürgergarde und hielt alljährlich Ansprachen bei der Weilburger Kirmes.
  
Der durchweg (klein)bürgerlichen Struktur der jüdischen Gemeinde entsprach denn auch ein bürgerliches politisches Verhalten. Soweit dies heute überhaupt noch feststellbar ist, tendierte die überwiegende Mehrheit zur bürgerlichen Mitte, vor allem zur Deutschen Demokratischen Partei (DDP). Theodor Kirchberger war Ehrenmitglied der DDP, auch Berthold Jessel gehörte der DDP an. Nathan Reifenberg gehörte als Mitglied der DDP von 1919 bis 1924 der Stadtverordnetenversammlung an und bekleidete darüber hinaus das repräsentative Amt des Stadtverordnetenvorstehers.
Das einzige jüdische Mitglied der SPD in Weilburg, Rechtsanwalt Zellner, gehörte von 1929 bis 1933 dem Magistrat als ehrenamtlicher Magistratsschöffe an. Zellners Ehefrau Helene war dagegen Mitglied der DDP!  
         
Ab 1933: Niedergang, Diskriminierung, Boykott, Ausgrenzung: Dass sich für die jüdischen Weilburger die Lebensumstände grundlegend zu verändern begannen, zeigte sich zum ersten Mal deutlich am 1. April 1933. An diesem Tag wurde in Weilburg – wie auch im übrigen Deutschland – eine Boykottaktion gegen jüdische Geschäfte durchgeführt. Die von dieser Aktion erhalten gebliebenen Fotos zeigen SA-Männer vor jüdischen Geschäften in der Langgasse, in der Marktstraße, in der Mauerstraße, in der Neugasse und auf dem Marktplatz, die u. a. die Aufschrift trugen: 'Deutsche! Der Weltjude will Eure Vernichtung! Wehrt Euch!' 

Weilburg Boykott 1933a.jpg (149399 Byte) Weilburg Boykott 1933b.jpg (178259 Byte) Weilburg Boykott 1933c.jpg (159639 Byte) Weilburg Boykott 1933d.jpg (124125 Byte) Weilburg Boykott 1933e.jpg (166237 Byte)
Boykottaktion: vor dem
 Kaufhaus Walter Salomon 
(Neugasse) 
vor der Handlung von
Leopold Michel 
(Marktplatz) 
vor der Handlung 
Rothschild  
(Marktstraße)
vor dem Kaufhaus 
Jessel 
(Mauerstraße 4) 
vor der Schuh- und 
Lederhandlung Max Geismar
 (Langgasse)

Von 1933 an verschlechterte sich die wirtschaftliche Lage der jüdischen Geschäfte zusehends, sie wurden in immer stärkerem Maße von den Käufern gemieden. Da die meisten Geschäfte über größere finanzielle Reserven ohnehin nicht verfügten, blieben die Folgen nicht aus. Einige Geschäfte gingen in Konkurs, andere schlossen von selbst. Vier Häuser verfielen der Zwangsversteigerung, weil ihre Eigentümer nicht mehr in der Lage waren, ihren Verpflichtungen nachzukommen.
Anfang 1938 gab es in Weilburg nur noch zwei jüdische Geschäfte: das Textilgeschäft Arnstein/Wallach und das Ledergeschäft Falk, die aber ihren Geschäftsbetrieb im Laufe des Jahres 1938 auch einstellten; die Firma Falk beendete ihren Geschäftsbetrieb im Juli 1938. Beim Geschäft Arnstein/Wallach erfolgte dieser Schritt Ende des Jahres 1938 wegen der erzwungenen 'Arisierung'.
   
Für die in Weilburg verbleibenden Juden veränderte sich nicht nur die wirtschaftliche Situation. Die vielfältigen Maßnahmen des NS-Staates gegen die Juden wurden in Weilburg noch verstärkt durch weitere gezielte Verletzungen, Demütigungen und Schikanen, die den Juden das Leben zusätzlich schwerer machten: 
Schon 1933 begann die Druckerei des Weilburger Tageblatts damit, Schilder mit der Aufschrift 'Juden sind hier nicht erwünscht!' zu drucken. Im Laufe der Jahre legten sich viele Geschäfte und Lokale in Weilburg dieses Schild zu.
Im Frühjahr 1933 wurden in allen Weilburger Vereinen neue Vereinsführer 'gewählt'. Dabei verloren die noch in Vorständen tätigen Juden (Ch. Kirchberger und B. Jessel) ihre Ämter. In der Folgezeit schlossen die Vereine ihre jüdischen Mitglieder aus oder legten ihnen den Vereinsaustritt nahe bzw. ließen sie nicht mehr am Vereinsleben teilnehmen.
1935 wurde die Beflaggung jüdischer Häuser anlässlich der Weilburger Kirmes verboten. 1937 wurde den Juden das Betreten des Weilburger Schlossgartens untersagt.
Im Weilburger Tageblatt, das bereits 1932 zum 'Kampfblatt' der NSDAP geworden war, herrschte seit 1933 ein betont aggressiv-antisemitischer Berichtsstil vor. So wurde immer wieder lautstark und unübersehbar zum Boykott jüdischer Geschäfte aufgerufen. Und ab 1935 verstärkte die Zeitung diese Linie noch und machte die Juden zur Zielscheibe antisemitischer Artikel, die in unregelmäßigen Abständen im lokalen Teil der Zeitung erschienen. Durch diese sollten die Weilburger Juden weiter eingeschüchtert und all jenen gedroht werden, die – allen Boykottaufrufen zum Trotz – immer noch in jüdischen Geschäften kauften. Die Artikel waren im gewöhnlichsten Nazi-Jargon abgefasst, darin wurden die Weilburger Juden u. a. beschimpft als 'plattfussbehaftete Nichtarier', 'plattnasiges Semitenvolk' und 'Libanontiroler'.
  
All diese Maßnahmen verstärkten die Auswirkungen der allgemeinen Judenpolitik des NS-Staates, sie hatten vor allem gravierende Auswirkungen im Zusammenleben der Weilburger Bevölkerung zur Folge. Die Juden wurden aus der Gesellschaft verdrängt. 'Sie verschwanden nach und nach aus dem Stadtbild', so umschrieb vor vielen Jahren eine alte Weilburgerin im Rückblick die sich damals vollziehenden Veränderungen.
Die starke soziale Kontrolle, der alle Einwohner unterlagen, beförderte diese Veränderungen zusätzlich.
 
Zwar führten nicht alle Geschäfte und Lokale das Schild 'Hier sind Juden nicht erwünscht!' (oder später das Schild 'Deutsches Geschäft'), und nicht alle Weilburger brachen nach 1933 ihre Kontakte zu jüdischen Freunden und Bekannten vollständig ab, und noch immer gab es Kunden, vor allem aus den umliegenden Dörfern, die noch lange in jüdischen Geschäften kauften und die Boykottaufrufe nicht befolgten – aber insgesamt wurde der Alltag für die Weilburger Juden ab 1933 zunehmend bedrückender, vor allem gekennzeichnet durch eine fortschreitende Isolierung und Vereinsamung. Hinzu kamen erhebliche wirtschaftliche Probleme.
    
Novemberpogrom 1938: Am Nachmittag des 10. November 1938 brach der Pogrom mit voller Gewalt über die wenigen noch in Weilburg lebenden Juden herein, die dem organisierten Überfall hilflos ausgeliefert waren. Es wurden Wohnungen sowie ein Geschäft in den folgenden Häusern verwüstet: Limburger Str. 35 (Max Forst), Bahnhofstraße 5 (Familie Sternberg), Niedergasse 6 (Familie Falk) und Niedergasse 10 (Familien Arnstein/Wallach).
Vor allem die Niedergasse bot ein Bild der Verwüstung: Die Schaufensterscheiben des Geschäfts Arnstein/Wallach waren zertrümmert worden, Glassplitter, Schaufenster- und Ladeninhalt sowie Teile der Wohnungseinrichtung bedeckten die Straße. Auch auf dem rückwärtigen Hof des Anwesens Arnstein/Wallach lagen verstreut aufgeschnittene Betten, Porzellan und Möbelstücke. 
An den Gewalttätigkeiten in der Niedergasse waren nicht wenige Täter beteiligt. Das Landgericht Limburg stellte 1946 in einem Urteil fest, dass sich in der Niedergasse 'eine Menschenmenge öffentlich zusammengerottet hat und mit vereinten Kräften … Gewalttätigkeiten beging.' Die Aktionen wurden von Zeugen beobachtet, darunter auch von Nachbarn. Es fanden sich vermutlich schnell Schaulustige ein, auch dann noch, als die Aktionen schon beendet waren.
Obwohl nicht wenige Personen Zeugen der Aktionen waren, bleibt das übermittelte Bild von den Geschehnissen bis heute (2012) unvollständig. Nur drei der Täter sind namentlich bekannt und in den Gerichtsakten aufgeführt, es handelte sich um Weilburger NS-Aktivisten. Alle anderen Beteiligten sind bis heute unbekannt.
Die Beseitigung der auf der Niedergasse verstreuten Glasscherben hatte Frau Wallach zu bezahlen: Das beauftragte Fuhrunternehmen stellte für eine Fuhre Glasscherben 4 RM in Rechnung.
Anscheinend war ursprünglich geplant, auch das Haus Bogengasse 2 zu verwüsten, in dem sich jahrzehntelang die Synagoge befunden hatte und das im September 1938 an einen Weilburger Kaufmann verkauft worden war. Nur wenige Stunden vor der geplanten Aktion wurde der neue Besitzer angerufen und nach den aktuellen Besitzverhältnissen für das Haus Bogengasse 2 befragt. Er informierte den unbekannt gebliebenen Anrufer darüber, dass sich das Haus nicht mehr im Besitz der jüdischen Gemeinde Weilburg befinde und mittlerweile an ihn übergegangen sei. Daraufhin unterblieb die geplante Zerstörungsaktion.
   
Auch Weilburger Juden wurden im Rahmen des Novemberpogroms in Konzentrationslager verschleppt, und zwar Jakob Erich Simon (Dachau), Max Falk und Adolf Wallach (beide Buchenwald). Auch die früher in Weilburg ansässigen Juden Hans Adler, Dr. Hans Bauer, Karl Beck, Siegmund Bravmann, Max Geismar und Adolf Joel durchlitten eine mehrwöchige KZ-Haft.
  
Zur Judenvermögensabgabe, die nach dem Novemberpogrom allen deutschen Juden als so genannte 'Sühneleistung' auferlegt worden war, wurden sechs Weilburger Juden (R. Arnstein, A. Wallach, Ch. Kirchberger, T. Sternberg, M. Falk, C. Niedrée) herangezogen. Diese zahlten insgesamt 47.500 RM an Judenvermögensabgabe.
  
Bis 1939: Auswanderung: Schon wenige Wochen nach dem 30. Januar 1933 wanderten die ersten Weilburger Juden aus, zunächst nur direkt von Weilburg, später auch von anderen Städten und Gemeinden aus. Bis zum Kriegsausbruch 1939 verließen insgesamt 64 Weilburger Juden Deutschland. Die meisten wanderten aus nach den USA (25), nach Palästina (14) sowie nach Südamerika (12). Die meisten Auswanderungen zählte man in den Jahren 1933, 1938 und 1939, etwa ein Drittel der Ausgewanderten emigrierte bereits im Jahre 1933.
Eine sichere Zufluchtsstätte vor dem NS-Regime stellten nur die überseeischen Gebiete sowie Palästina dar, nicht aber europäische Länder. Für die vier Weilburger Juden Else Cahn, Selma Jessel sowie die Geschwister Ludwig und Sophie Stern, die nach den Niederlanden auswanderten, wurde das Exil zur Falle. Sie wurden deportiert und ermordet. 
Vier Auswanderer (Hans Adler, Dr. Hans Bauer, Siegmund Bravmann und Jakob Erich Simon) durchlitten die Schrecken einer mehrwöchigen KZ-Haft, bevor sie Deutschland noch verlassen konnten.
In ihrer neuen Heimat waren die Auswanderer nicht immer willkommen, oft nur geduldet, und mussten sich – meist unter harten Bedingungen – eine neue Existenz aufbauen.
Zur Geschichte der Auswanderung gehört aber auch die Erinnerung daran, dass nicht alle geplanten Auswanderungen glückten. Nach den vorliegenden Unterlagen beabsichtigten noch, Cilla Niedrée (England), die Eheleute Falk mit Tochter Ilse Simon (Brasilien), die Eheleute Wallach mit Tochter Irene (USA) sowie Toni Sternberg (Brasilien) auszuwandern. Hierfür hatten sie teilweise schon sehr konkrete Vorbereitungen getroffen: So hatte die Familie Wallach bereits im Dezember 1938 2000 RM für die Schiffspassage nach den USA bezahlt, und Cilla Niedrée war schon die Mitnahme des Umzugsgutes genehmigt worden. Ihre Auswanderungsabsichten kreuzten sich mit dem Kriegsausbruch 1939, und vor allem deswegen zerschlugen sich ihre Pläne, obwohl die Auswanderung von Juden offiziell erst im Oktober 1941 verboten wurde.  
  
Weilburg Devisenakte Falk 010.jpg (154698 Byte)Ausplünderung der Juden sowie Beschlagnahmung des Eigentums der Deportierten – Beispiel Familie Max Falk:  
(Abbildung links: Deckblatt der Devisenakte von Max Falk. Zunächst wurde 1939 die Weilburger Adresse eingetragen, später (1940) wurde die Frankfurter Adresse (Bäckerweg 60) nachgetragen. Als Falk deportiert worden war, wurde mit rotem Stift der Vermerk "evakuiert" am oberen Rand des Deckblatts eingetragen; Akte im Hessischen Hauptstaatsarchiv Wiesbaden). . 
Nachdem amtlich bekannt war, dass das Ehepaar Falk zusammen mit Tochter und Schwiegersohn auswandern wollte, erließ die Zollfahndungsstelle Frankfurt/Main am 09.03.1939 eine 'vorläufige Sicherungsanordnung' gegen Falk, der am 27.06.1939 eine 'endgültige Sicherungsanordnung' durch die Devisenstelle Frankfurt, Abteilung S, folgte. Die Devisenstelle legte eine Akte für Falk an.
Die beiden Sicherungsanordnungen waren inhaltlich identisch:
• Falks Bankkonten bei der Kreissparkasse in Weilburg und beim Postscheckamt Ffm. wurden 'gesichert' gemäß §§ 59 – 62 des Devisengesetzes. Falk durfte ab sofort nicht mehr frei über diese Konten verfügen, sondern musste Überweisungen, z. B. zur Begleichung von Rechnungen, über die Kreissparkasse bei der Devisenstelle beantragen. Erst nach Zustimmung der Devisenstelle durfte die Kreissparkasse die Überweisungen tätigen.
• Um seinen Lebensunterhalt bestreiten zu können, wurde Falk gestattet, einen monatlichen 'Freibetrag' in Höhe von 250 RM ohne Antrag von seinem Konto abzuheben. Auf Falks Einspruch wurde dieser Betrag auf 350 RM angehoben.
• Falk wurde aufgetragen, die noch erheblichen Außenstände seiner Firma einzutreiben und der Devisenstelle hierüber monatlichen Bericht zu erstatten. Die Begleichung der Rechnungen durfte nur per Überweisung erfolgen.
Es wurden bei der Kreissparkasse Weilburg zunächst zwei Sicherungskonten eingerichtet; eines davon wurde bald wieder aufgelöst, und es verblieb nur noch das Sicherungskonto Nr. 355. Auch als das Ehepaar Falk mit Tochter im März 1940 nach Frankfurt umgezogen war, wurde das Konto Nr. 355 bei der Kreissparkasse Weilburg beibehalten. Über dieses Konto wurde auch der Verkauf des Hauses Niedergasse 6 abgewickelt. Mit Vertrag vom 03.04.1940 verkaufte Falk das Haus zum Preis von 30000 RM. Der Landrat setzte mit Bescheid vom 14.06.1940 den ausgehandelten Verkaufspreis 'auf die Höhe des Verkehrswertes', nämlich 27050 RM, herab. Unterlagen über die Bewegungen auf dem Konto Nr. 355 liegen nicht mehr vor, doch kann als gesichert gelten, dass u. a. die folgenden Beträge vom Konto überwiesen wurden:
• 6500 RM Judenvermögensabgabe, die vom Finanzamt Weilburg festgesetzt worden war,
• 1764,88 RM 'Wertzuwachssteuer' an das Landratsamt Weilburg.
Am 22.11.1941 wurde das Ehepaar Falk mit Tochter Ilse von Frankfurt nach Kowno deportiert und am 25.11.1941 zusammen mit allen anderen Verschleppten dort erschossen. Die Gestapo Frankfurt übersandte wenig später der Devisenstelle Frankfurt die Liste mit den Namen der am 22.11.1941 deportierten Juden, denn für die weitere Abwicklung der Angelegenheit, für das 'Vermögen von nach dem Osten deportierten Juden', war zunächst die Devisenstelle zuständig. Ein Mitarbeiter der Devisenstelle mit dem Namenskürzel 'Mö' teilte mit Verfügung vom 08.01.1942 der Kreissparkasse in Weilburg mit, dass das Vermögen von Max und Ida Falk 'zugunsten des Deutschen Reiches eingezogen ist. Damit ist jede Verfügung über sämtliche Vermögenswerte dieser Personen unzulässig, sofern sie nicht durch das für die Einziehung im Bezirk Groß-Frankfurt zuständige Finanzamt Frankfurt a. M. – Außenbezirk erfolgt.' In der Devisenstelle wurde auf dem Deckblatt der Akte von Max Falk sowie in der entsprechenden Karteikarte der Vermerk 'evakuiert' eingetragen. Durch die 'Evakuierung' war die Sicherungsanordnung 'erledigt', die Akte konnte weggelegt werden. Auf Anordnung des (zuständigen) Finanzamts Frankfurt wurde das Konto Nr. 355 am 28.04.1942 gelöscht und der Restbestand von 2626,55 RM an das Finanzamt Frankfurt überwiesen.
  
Die Ausplünderung aller Weilburger Juden durch das (Groß-)Deutsche Reich (Übersicht): Die nachstehende Darstellung versucht, eine Übersicht über alle Vorgänge zu geben, die die legalisierte Ausplünderung Weilburger Juden durch das (Groß-)Deutsche Reich betreffen. Deren Opfer waren alle Juden, die deportierten ebenso wie die ausgewanderten. Wegen der lückenhaften Quellenlage kann hier nur ein ungefährer Überblick gegeben werden, und es werden dabei nicht nur gesicherte Sachverhalte dargestellt, sondern auch offene Fragen präsentiert.
1. Einigermaßen gesicherte Angaben sind vor allem über die zur Judenvermögensabgabe herangezogenen Personen möglich, weil über diese verschiedene Unterlagen, vor allem Devisenakten, überliefert sind. Bei diesen 6 Personen ergibt sich folgendes Bild:
• Es wurden insgesamt 47500 RM an Judenvermögensabgabe bezahlt.
• Der Nominalwert der beschlagnahmten Wertpapierdepots belief sich auf ca. 22000 RM.
• Die Gesamthöhe der beschlagnahmten Bankguthaben betrug ca. 32000 RM.

Bis Ende 1942 hatte das Großdeutsche Reich also (mindestens) ca. 100000 RM an Bankguthaben bzw. Vermögenswerten von nur 6 Personen eingezogen.
2. Über die Höhe der gezahlten 'Dego-Abgabe' und der 'Reichsfluchtsteuer' können dagegen fast keine Aussagen getroffen werden. Lediglich 2 Zahlungen der 'Dego-Abgabe' (S. Bravmann und L. Michel) sind nachweisbar, und über gezahlte 'Reichsfluchtsteuer' liegen überhaupt keine Unterlagen vor.
S. Bravmann und musste 550 RM und L. Michel 1061 RM an 'Dego-Abgabe' entrichten. Diese beträchtlichen Abgaben für wenig Umzugsgut legen den Schluss nahe, dass auch die anderen ausgewanderten Weilburger Juden erhebliche Zahlungen an 'Dego-Abgabe' leisten mussten und dem Staat entsprechend hohe Einnahmen verschafften.
3. Auch über den Verbleib des Vermögens der Israelitischen Kultusgemeinde Weilburg können nur wenige gesicherte Angaben gemacht werden: Ein Konto bei der Kreissparkasse in Weilburg wies am 30.10.1938 einen Kontostand von 800 RM auf.
Im Sommer des gleichen Jahres verkaufte die Kultusgemeinde ihre Synagoge (Einheitswert des Gebäudes 3640 RM) an einen Weilburger Kaufmann. Der Kaufpreis von vermutlich mehreren tausend Reichsmark wurde auf ein Sicherungskonto bei der Kreissparkasse überwiesen. Auch beim Verkauf eines Teils des Friedhofs im Jahre 1939 wurde in gleicher Weise verfahren: Von dem Erlös von 750 RM behielt das Großdeutsche Reich 100 RM als 'Ausgleichszahlung' ein, und die restlichen 650 RM wurden auf ein Sicherungskonto bei der Kreissparkasse überwiesen.
Spätestens ab März 1940, als die letzten Juden Weilburg verließen, gab es keine Israelitische Kultusgemeinde Weilburg mehr. Das Konto bei der Kreissparkasse wurde vermutlich danach aufgelöst und das Restguthaben an die 'Reichsvereinigung der Juden, Bezirksstelle Hessen-Nassau in Frankfurt am Main', überwiesen. Über die Höhe dieses Restguthabens können keine Angaben gemacht werden. Auch der jüdische Friedhof Weilburg ging – zumindest formal – an die Reichsvereinigung über.
Mit der Auflösung der Reichsvereinigung am 10.06.1943 verfiel deren gesamtes Vermögen dem Großdeutschen Reich. Und die Verwaltung des jüdischen Friedhofs Weilburg oblag danach dem Finanzamt Weilburg, zu einer entsprechenden Grundbuchumschreibung kam es allerdings bis zum Kriegsende nicht mehr.
4. Auf Antrag des Finanzamts Weilburg wurden im April 1944 die Häuser Limburger Str. 35 (Einheitswert 13000 RM) und Langgasse 14 (Einheitswert 3210 RM) auf das Großdeutsche Reich, Reichsfinanzverwaltung, umgeschrieben. Grundlage der Beschlagnahmung war die Elfte Verordnung zum Reichsbürgergesetz vom 25.11.1941. Die rechtmäßigen Eigentümer waren deportiert worden.
5. Aber auch Kleinstbeträge wurden vom Großdeutschen Reich nicht verschmäht: Im Frühjahr 1943 beschlagnahmte das Finanzamt Weilburg bei der Volksbank Weilburg vier Restguthaben von ausgewanderten Weilburger Juden in Höhe von 145,50 RM. Im Sommer 1944 ließ die Gestapo Frankfurt vier Überseekoffer 'sicherstellen', die Cilla Niedrée gehört hatten und die im Hause ihres früheren Ehemannes Hermann Niedrée abgestellt gewesen waren. Der Inhalt der Koffer bestand vor allem aus Wäsche und Kleidung. 
6. Gänzlich ungeklärt sind die nachstehenden Sachverhalte:
• Im Zuge der so genannten 'Arisierung' musste das Geschäft Arnstein/Wallach zum 31.12.1938 seinen Betrieb einstellen. Die Waren der bei der 'Arisierung' aufzulösenden Geschäfte durften nicht an den Endverbraucher verkauft werden, sondern mussten 'der zuständigen Fachvereinigung oder Zweckvereinigung' angeboten werden. An welche Firma bzw. Firmen des Geschäfts Arnstein/Wallach 'übergegangen' sind und zu welchem 'Preis', ist unbekannt. Diese Feststellung trifft auch zu für die Waren der Firma Falk (Lederwarengroß- und Einzelhandel), die bereits im Juli 1938 ihren Betrieb einstellte.
• Ungeklärt ist auch der Verbleib des Hausrats der Juden, die im März 1940 von Weilburg nach Frankfurt zogen. Es ist unbekannt, wie die Wohnungen zurückgelassen wurden. Wurde ein Unternehmen mit der Durchführung des Umzugs beauftragt, das allen Hausrat nach Frankfurt schaffte. (In Frankfurt wurde der Hausrat deportierter Juden später öffentlich versteigert.) Oder ließen die Juden ihren Hausrat einschließlich der Möbel größtenteils in Weilburg zurück und beschränkten sich auf die Mitnahme von Koffern u. ä.? Wer hat sich aber dann der Möbel und des übrigen Hausrats 'angenommen'?: eine Gliederung der örtlichen NSDAP? die Stadtverwaltung Weilburg oder das Finanzamt Weilburg?
• Ab März 1940 stand das Haus Limburger Str. 35, das zuletzt 7 Juden – Einzelpersonen und Familien – beherbergt hatte, zunächst leer, es war nicht verkauft worden. Die rechtmäßige Eigentümerin, Cäcilie Forst, war auch nach Frankfurt gezogen und wurde von dort im Jahre 1942 deportiert.
Es ist bis heute (2012) ungeklärt, wer ab März 1940 die Verwaltung des Hauses besorgt hat. Wer hat darüber entschieden, welche neuen Mieter einquartiert wurden? Wer hat die Miethöhe festgesetzt? Wer hat die Mieten vereinnahmt?
Fragen über Fragen, auf die es bis heute keine Antwort gibt.     
   
Von den in Weilburg geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"; überarbeitet und ergänzt durch Joachim Warlies): Rosa Arnstein geb. Kleeblatt (1872), Franziska Baer (1902), Auguste Bauer (1912), Franziska Baum (1873), Karl Beck (1905), Bertha Cahn geb. Scheuer (1868), Else Johanna Cahn (1898), Betty Cohn geb. Treuenfels (1858), Julius Ehrlich (1882), Meta Ehrlich geb. Stumpf (1900), Berta Eisner geb. Joel (1874), Rosa Ettlinger geb. Sternberg (1884), Ida Falk geb. Stumpf (1875), Max Falk (1879), Zessi (Cäcilie) Forst (1897), Max Geismar (1884), Hedwig Geismar geb. Günzburger (1888), Alfred Geismar (1925), Johanna Günzburger (1886), Edgar Herz (1877), Werner Erwin Robert Herz (1901), Else Heymann geb. Jessel (1879), Arnold Jessel (1885), Clothilde Jessel (12889), Flora Jessel (1884), Julius Jessel (1877), Julius Jessel (1880), Louis Jessel (1873), Selma Jessel (1882), Adolf Joel (1901), Emil Joel (1897), Ida Juda (1868), Rosa Kass geb. Feist (1871), Clementine Katzenstein geb. Bauer (1876), Charlotte Kirchberger (1857), Melanie Kleineibst (1883), Lina Levano geb. Bauer (1884), Johanna Löwenberg (1870), Ida Mendel geb. Wolk (1886), Auguste Moses (1913), Franziska Moses geb. Michel (1872), Cäcilie (Klara, Cilla) Niedrée geb. Arnstein (1899), Feodor Potolowsky (1895), Dora Rosenbaum geb. Sternberg (1891), Auguste (Gusti) Rothschild geb. Joel (1899), Hermann Rothschild (1897), Marion Rothschild (1929), Ruth Rothschild (1934), Arthur Salomon (1900), Ottilie Salomon geb. Kaiser (1901), Walter Salomon (1893), Amalie Salomon geb. Rosenthal (1891), Hannelore Salomon (1923), Lutz Salomon (1895), Ilse Simon geb. Falk (1913), Auguste Stern geb. Loeb (1881), Clara Stern geb. Jessel (1884), Ludwig Stern (1903), Sophie Stern (1898), Gertrud Sternberg (1891), Gustav Sternberg (1887), Susanne Sternberg (1895), Toni Stiefel geb. Sternberg (1893), Auguste Strauß geb. Marcus (1873), Selma Voss geb. Joel (1896), Adolf Wallach (1892), Frieda Wallach geb. Arnstein (1896), Irene Brigitte Wallach (1924), Toni Wolfgang geb. Feist (1875).                       
   
Eine Gedenktafel zur Erinnerung an das Schicksal der jüdischen Einwohner der Stadt befindet sich auf dem jüdischen Friedhof. An der Ostseite der Schlosskirche von Weilburg befinden sich seit 1988 Tontafeln mit den Namen der aus Weilburg vertriebenen und ermordeten Juden.     
     
     
     
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
 
Aus der Geschichte des Rabbinates 
Ausschreibungen der Stelle des Bezirksrabbiners 1887 / 1890 / 1892 

Weilburg Israelit 17021887.jpg (69459 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. Februar 1887: "Durch meine Ernennung zum Landrabbiner von Birkenfeld wird meine hiesige Stelle als Stadt- und Bezirksrabbinat von Weilburg zum 1. Mai dieses Jahres vakant. Mit dieser Stelle ist ein Fixum von Mark 2.200 als Anfangsgehalt und ein Nebeneinkommen von 4-500 Mark verbunden. Bewerber wollen sich unter Beilegung der Abschriften ihrer Zeugnisse an den Herrn Kultus-Vorsteher G. Reifenberg hier wenden.  
Weilburg, 7. Februar 1887. Dr. J. Goldschmidt."      
  
Weilburg Israelit 21021887.jpg (62308 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 21. Februar 1887: "Weilburg an der Lahn. Die hiesige Stadt- und Bezirks-Rabbinats-Stelle, mit welcher ein fixer Gehalt von Mark 2.200 und ein Nebeneinkommen von ca. Mark 500 verbunden ist, wird per 1. Mai dieses Jahres vakant.  
Reflektanten auf diese Stelle wollen sich unter Mitteilung ihrer bisherigen Wirksamkeit baldgefälligst an den unterzeichneten Kultusvorsteher wenden.  
Weilburg a.d.L., Februar 1887. G. Reifenberg."      
    
Weilburg Israelit 01051890.jpg (47454 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 1. Mai 1890: "Vakanz
Infolge Berufung unseres seitherigen Rabbiners nach Florenz ist mit dem 1. September dieses Jahres die Stelle eines Bezirksrabbiners dahier zu besetzen. Meldungen sind mit Angabe der seitherigen Wirksamkeit an den unterzeichneten Vorstand zu richten. 
Weilburg a.d. Lahn. G. Reifenberg."
   
Weilburg Israelit 11081892.jpg (46642 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. August 1892: "Durch Berufung des Herrn Dr. Levinsky als Landrabbiner nach Hildesheim, wird die hiesige Bezirksrabbinerstelle zum 1. November dieses Jahres fei. Das Einkommen beträgt fixum Mark 2.800 sowie Mark 4-600 weitere Nebeneinkommen. Qualifizierte Bewerber wollen sich unter Angabe bisheriger Wirksamkeit alsbald wenden an Vorstand G. Reifenberg, Weilburg a. Lahn."

 
Rabbinatseinteilung 1843 und Übertragung des Rabbinates an Dr. Samuel Süßkind   

Weilburg AZJ 21081843.jpg (83521 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 21. August 1843: "Wiesbaden, im August. Vor einigen Tagen hat unsere hohe Landesregierung die Rabbinatsbezirkseinteilung geordnet, und die Theologen für dieselben bestimmt. Nämlich…   3) Weilburg, Runkel, Mennerod (gemeint: Rennerod), Herborn und Usingen dem Dr. Süßkind…"

 
Rabbiner Treuenfels interessiert sich für die Rabbinatsstelle in Darmstadt (1859)      

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 30. Mai 1859: "In Darmstadt werden bereits Probepredigten gehalten. Den 14. dieses Monats predigte dort der gelehrte Rabbiner Treuenfels aus Weilburg; soviel man hört, wird das Land von der Stadt nicht getrennt werden" (sc. das Rabbinat Darmstadt soll nach dieser Mitteilung nicht geteilt werden zwischen einem Stadt- und einem Landrabbinat).    

 
Rabbiner Dr. Israel Hildesheimer entzieht seinem Schüler Rabbiner Dr. Goldschmidt die Autorisation (1884)   

Weilburg Israelit 29051884.jpg (83152 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 29. Mai 1884: "Erklärung
Nachdem Bezirksrabbiner Dr. J. Goldschmidt in Weilburg öffentlich erklärt hat, dass das Vorhandensein einer Orgel in einer Synagoge für ihn kein Hindernis zur Annahme eines Rabbiantes sei, und dass die Orgelfrage 'längst aufgehört habe, eine besondere Bedeutung zu haben', er also den Isur (das Verbot), welchen die maßgebendsten rabbinischen Autoritäten darüber absolut ausgesprochen, negiert, entsage ich hiermit jeder Verantwortung für seine Horaa... (rabbinische Zertifikation), und erkläre das ihm von mir seinerzeit ausgestellte Schriftstück als durch diese Wandlung seiner Grundsätze und diese rabbinische Entscheidung für hinfällig.  
Berlin, im Ijar 5644. Rabbiner Dr. Israel Hildesheimer."      

     
Rabbiner Dr. Silberstein (Wiesbaden) vertritt während der Vakatur das Rabbiner in Weilburg (1890)      

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 25. Juli 1890: "Das Bezirksrabbinat Weilburg ist nach dessen Erledigung interimistisch dem Herrn Bezirksrabbiner von Wiesbaden, Dr. Silberstein, durch den Königlichen Regierungs-Präsidenten übertragen worden."       

  
Dr. Abraham Lewinsky wird zum Rabbiner gewählt (1890)   

Mitteilung in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 29. August 1890: "Herr Dr. A. Lewinsky, Zögling des Breslauer Seminars, ist zum Rabbiner in Weilburg gewählt worden."      

   
Abschiedsfeier für Bezirksrabbiner Dr. A. Lewinsky (1892)  

Weilburg AZJ 28101892.jpg (120693 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 28. Oktober 1892: "Weilburg a. Lahn, 18. Oktober (1892). Am vergangenen Simchas-Tora-Feste veranstaltete die hiesige israelitische Gemeinde zu Ehren ihres nach Hildesheim als Landrabbiner mit dem Beginn des nächsten Monats berufenen Bezirksrabbiners Dr. A. Lewinsky eine solenne Abschiedsfeier, welche Zeugnis ablegte von der großen Beliebtheit, der sich Herr Dr. Lewinsky trotz der kurzen zeit seiner hiesigen Amtstätigkeit allerseits zu erfreuen hatte. Zur Verherrlichung der Feier trugen insbesondere die unter der Regie unseres Kantors aufgeführten Theaterstücke, Duette und lebenden Bilder bei. Im Namen der Lehrer des Bezirks sprach Herr Lehrer und Kantor Fröhlich, für die Gemeinde Herr Oppenheimer in einem selbst gedichteten Festprolog. Die Grüße seiner früheren Kollegen und Vereinsbrüder übermittelte Herr Dr. L. Posner, z.Z. Vorsitzender des Literaturvereins jüdischer Theologen zu Breslau. Herzliche und warm empfundene Worte des Dankes richtete der Gefeierte an die vollzählig erschienenen Gemeindemitglieder, welche ein hierauf folgender Festball bis zum frühen Morgen zusammenhielt. Der Weggang des Herrn Dr. L.- wird hier allgemein bedauert. – Hinsichtlich der Neubesetzung des hiesigen Rabbinats ist zu berichten, dass von den zahlreichen Bewerbern drei Kandidaten bereits Probepredigten abhielten. Auf Ersuchen des Vorstandes hielt am Sabbat Bereschit der oben genannte Rabbinatskandidat, Hörer des jüdisch-theologischen Seminars zu Breslau, eine Gastpredigt, die so großen Beifall fand, dass einer sofortigen definitiven Wahl zum hiesigen Bezirksrabbiner nur die noch nicht erfolgte Absolvierung der theologischen Studien im Wege stand."
 
Weilburg Israelit 24101892.jpg (109456 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 24. Oktober 1892: "Weilburg an der Lahn. Am vergangenen Simchas-Thora-Feste veranstaltete die hiesige israelitische Gemeinde zu Ehren ihres nach Hildesheim als Landrabbiner berufenen, mit dem Beginne des nächsten Monats scheidenden Bezirksrabbiner Dr. A. Lewinsky eine solenne Abschiedsfeier, welche Zeugnis ablegte von der großen Beliebtheit, der sich Dr. Lewinsky trotz der kurzen Zeit seiner hiesigen Amtstätigkeit allerseits zu erfreuen hat. Herzliche und warm empfundene Worte des Dankes richtete der Gefeierte an die vollzählig erschienenen Gemeindemitglieder. Der Weggang des Dr. Lewinsky wird allgemein bedauert.  
Hinsichtlich der Neubesetzung des hiesigen Rabbinats ist zu berichten, dass von den zahlreichen Bewerbern drei Kandidaten bereits Probepredigten abhielten. Auf Ersuchen des Vorstandes hielt am Schabbat Bereschit Herr Dr. L. Posner eine Gastpredigt, die so großen Beifall fand, dass einer sofortigen definitiven Wahl zum hiesigen Bezirksrabbiner nur die noch nicht erfolgt Absolvierung der theologischen Studien des Kandidaten im Wege stand. F."  

 
Dr. Elias Landau wurde zum Rabbiner gewählt (1893)  

Weilburg Israelit 26011893.jpg (15056 Byte)Mitteilung in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 26. Januar 1893: "Weilburg. Herr Dr. E. Landau aus Zürich wurde zum Stadt- und Bezirks-Rabbiner dahier erwählt."    

  
Dr. Landau wirbt für seine Knaben-Pension (1899 / 1901 / 1902 / 1903)  

Weilburg Israelit 02111899.jpg (43808 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 2. November 1899: "Knaben-Pension. 
Weilburg a. Lahn, Hessen-Nassau. Luftkurort, Königliche Gymnasium, Landwirtschaftschule. 
Auch schwächere Schüler finden Aufnahme, Vorbereitung, Nachhilfe und Beaufsichtigung.
Bezirksrabbiner Dr. Landau."
   
Weilburg Israelit 21021901.jpg (41675 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 21. Februar 1901: Knaben-Pension 
Weilburg a. Lahn. Hessen-Nassau. Luftkurort, Königliches Gymnasium, Landwirtschaftsschule. 
Auch schwächere Schüler finden Aufnahme, Vorbereitung, Nachhilfe und Beaufsichtigung.  
Bezirksrabbiner Dr. Landau."      
 
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. September 1901: "Knaben-Pension 
Weilburg a. Lahn. Hessen-Nassau. Luftkurort, Königliches Gymnasium, Landwirtschaftsschule. 
Auch schwächere Schüler finden Aufnahme, Vorbereitung, Nachhilfe und Beaufsichtigung.  
Bezirksrabbiner Dr. Landau."   
  
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 6. November 1902: "Knaben-Pension  
Weilburg a. Lahn, Hessen-Nassau. Luftkurort, Königliches Gymnasium. Landwirtschaftsschule. 
Auch schwächere Schüler finden Aufnahme, Vorbereitung, Nachhilfe und Beaufsichtigung. 
Bezirksrabbiner Dr. Landau."     
  
Weilburg Israelit 15011903.jpg (46020 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 15. Januar 1903: "Knaben-Pension  
Weilburg a. Lahn, Hessen-Nassau. Luftkurort, königliches Gymnasium, Landwirtschaftsschule. 
Auch schwächere Schüler finden Aufnahme, Vorbereitung, Nachhilfe und Beaufsichtigung. 
Bezirksrabbiner Dr. Landau."    

      
Beförderung des Sohnes des Bezirks-Rabbiner, Dr. Heinrich Landau zum Reserveoffizier (1903)
   

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 19. November 1903: "Weilburg. Der Sohn unseres Herrn Bezirks-Rabbiners, Dr. Heinrich Landau, ist zum Reserveoffizier befördert worden. Er ist der vierte Jude, der es in der preußischen Armee zum Reserveoffizier gebracht hat."   


   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer  
Ausschreibungen der Stelle des Religionslehrers und Vorbeters 1867 / 1877 / 1879 / 1887 / 1881 / 1907           

Weilburg AZJ 24121867.jpg (33942 Byte)Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 24. Dezember 1867: "Die Religionslehrer- und Vorbeterstelle bei hiesiger israelitischer Kultusgemeinde ist vakant und kann sofort besetzt werden. Der Gehalt ist vorläufig auf 400 Gulden bar per anno fixiert. 
Reflektanten belieben ihre Anträge franco an den unterzeichneten Vorsteher zu richten. 
Weilburg (Nassau), 15. Dezember 1867. L. Kirchberger."
  
Weilburg Israelit 03011877.jpg (61612 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 3. Januar 1877: "Zum ersten April 1877 ist die hiesige israelitische Religionslehrer- und Kantorstelle mit einem Jahresgehalt von 1.500 Mark anderweitig zu besetzen. Unverheiratete, gut qualifizierte, möglichst musikalisch gebildete Bewerber, welche sich über ihre Leistungsfähigkeit, seitherige Tätigkeit und Führung genügend ausweisen können, belieben sich baldigst an den unterzeichneten Vorstand der Kultusgemeinde zu wenden. Weilburg a.d. Lahn, 25. Dezember 1876. D. Dreyfuß."
 
Weilburg Israelit 21111877.jpg (64382 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 21. November 1877: "Offene Lehrer- und Kantorstelle. 
Zum 1. Februar kommenden Jahres ist die hiesige israelitische Religionslehrer und Kantorstelle mit einem fixen Jahresgehalt von 1.500 Mark, zu besetzen. Gut qualifizierte, möglichst musikalisch gebildete Bewerber wollen sich unter Einsendung ihrer Zeugnisse an den unterzeichneten Vorstand wenden. - Polen und Russen finden keine Berücksichtigung.  
Weilburg (Provinz Hessen-Nassau), 17. November 1877. D. Dreyfus."   
 
Weilburg Israelit 02011879.jpg (56255 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 2. Januar 1879: "Die Stelle eines Religionslehrers und Kantors der israelitischen Gemeinde zu Weilburg ist pr. 1. April 1879 zu besetzen. Jährliches Gehalt 1.200 Mark. Bei befriedigenden Leistungen ist eine baldige Gehaltserhöhung von einigen hundert Mark in Aussicht gestellt. Bewerber (nur orthodoxer Richtung) belieben ihre Zeugnisse an den unterzeichneten Vorstand zu richtigen. 
Weilburg a.L., 1. Januar 1879. S. Steinthal."
 
 
Weilburg Israelit 12051887.jpg (72766 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 12. Mai 1887: "Weilburg a.d. Lahn
Die hiesige Kantor-, Religionslehrer- und Schächterstelle ist zum 1. Juli oder 1. August dieses Jahres anderweitig zu besetzen. Das Einkommen beträgt, bei freier Familienwohnung, Fixum Mark 700. Ertrag der Schechita (einschließlich Nebeneinkommen Mark 900. Qualifizierte Bewerber wollen sich unter Darlegung ihrer bisherigen Wirksamkeit alsbald an den unterzeichneten Vorsteher wenden. G. Reifenberg."
 
Weilburg Israelit 08061881.jpg (87497 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. Juni 1881: "Die hiesige Vorbeter- und Schächterstelle, verbunden mit der Erteilung des Religionsunterrichts für die untere Klasse, welche früher in dieser Zeitschrift pr. 1. Februar ausgeschrieben war, wird erst am 1. Juli laufenden Jahres vakant. 
Das mit dieser Stelle verbundene Einkommen beträgt pro Jahr: 
a. Fixum Mark 700.  
b. die Einkünfte für den Schächterdienst belaufen sich auf Mark 500. 
 
c. freie, geräumige Familienwohnung und sonstige Nebenverdienste nicht ausgeschlossen. 
Verheiratete, mit einer angenehmen Stimme begabte Bewerber wollen sich alsbald unter Vorlage der Kopie ihrer Zeugnisse an den unterzeichneten Vorsteher wenden. Reisevergütung erhält nur derjenige, welcher engagiert wird. 
Weilburg a.d. Lahn, Mai 1881. S. Steinthal."
 
Weilburg Israelit 21021907.jpg (78264 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 21. Februar 1907: "Die hiesige Lehrer-, Kantor- und Schächterstelle ist baldigst zu besetzen. Das Einkommen beträgt neben freier Wohnung Mark 1.800 - 2.000. Seminaristisch gebildete Lehrer mit guten Stimmmitteln wollen ihre Gesuche unter Beifügung von Zeugnissen dem unterzeichneten Vorsteher einreichen. 
Weilburg a.d. Lahn
, 10. Februar 1907. N. Reifenberg."    

  
Lehrer Emanuel J. Wormser wirbt für seine Pension (1874)  

Weilburg AZJ 21041874.jpg (73357 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 21. April 1874: "Junge Israeliten, welche das hiesige rühmlichst bekannte Gymnasium zu besuchen beabsichtigen, können bei Unterzeichnetem gute vollständige Pension mit schöner Wohnung gegen mäßiges Honorar erlangen, und wird auf Verlangen Nachhilfe in den Lehrgegenständen, sowie gründlicher Unterricht im hebräischen, im Französischen und im Englischen zugesichert. Referenzen werden gefälligst erteilen: Herr Bankier Emanuel Schwarzschild in Frankfurt a.M. sowie der hiesige Bezirksrabbiner Herr Dr. Wormser. 
Weilburg, im April 1874. Emanuel J. Wormser, Lehrer."  

  
6. Jahres-Versammlung des "Vereins der israelitischen Lehrer Nassaus" in Weilburg (1895)
     

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 5. Juli 1895: "Bericht über die 6. Jahres-Versammlung des 'Vereins der israelitischen Lehrer Nassaus.'  
In dem lieblichen Weilburg tagte am 9. Juni dieses Jahres die leider sehr schwach besuchte Versammlung der israelitischen Lehrer Nassaus. Um 11 1/2 Uhr wurde die Sitzung im Schullokale der israelitischen Gemeinde mit einer von Herrn Lehrer Fröhlich - Weilburg ca. 1/2 Stunde andauernden Lehrprobe im Konzentrationsunterricht eröffnet. Hierauf begaben sich sämtliche Anwesende, durch den Besuch zweier Vorsteher Weilburgs, Herrn Nathan Reifenberg und Herrn A. Stern - Löhnberg sowie auch durch den des ehemaligen Vorstehers Herrn G. Reifenberg beehrt, in den Saal des 'Pariser Hofs'.  
Hier begrüßte unser verehrter Vorsitzender Herr Lomnitz - Limburg die Anwesenden, unter denen sich auch unsere drei allseitig geschätzten Herrn Bezirksrabbiner Dr. Landau - Weilburg, Dr. Silberstein - Wiesbaden und Dr. Weingarten - Ems befanden, in einer gediegenen, zu Herzen gehenden Ansprache, welche in einem Hoch auf seine Majestät gipfelte, in das alle Präsenten begeistert einstimmten. 
Zunächst wurden mittelst einer eingehenden Debatte einige interne Vereinsangelegenheiten zur allgemeinen Befriedigung erledigt. Alsdann trug man dem Magen Rechnung. 
Nachdem sich alle Anwesenden an einem so schmackhaften wie billigen, durch Frau Fröhlich hergerichteten Mahle zur Genüge gelabt hatten, erfreute uns Herr Fröhlich durch seinen in jeder Beziehung vorzüglichen Vortrag über: 'Konzentration im jüdischen Religionsunterricht'. Wenn nun auch Einer oder der Andere, namentlich Herr W. Frank - Westerburg, in der Lehrprobe verschiedenes zu tadeln fand, so verdient dieselbe dennoch, wie allseitig anerkannt wurde, als eine gute bezeichnet zu werden. Was nun den Vortrag anlangt, so dürfte es vielen Berufsgenossen erwünscht erscheinen, wenn derselbe durch Drucklegung eine weite Verbreitung erlangte. Nach Erledigung dieser nicht nur interessanten und belehrenden Angelegenheit ging man zum wichtigsten Punkte der Tagesordnung: 'Die Bildung eines Verbandes der israelitischen Lehrervereine Deutschlands', über. Diesbezüglich entspann sich nun eine Debatte, in der die Geister aufeinander platzten.
Nachdem das pro et contra von allen Seiten reiflich erwogen, einigte man sich schließlich zur Entsendung eines Delegierten in Person des Herrn Fröhlich - Weilburg nach Berlin. So sehr die schwache Beteiligung seitens der Herren Kollegen auch zu bedauern war, so lobenswert und ehrend hingegen war der Besuch der Herren Bezirksrabbinen, die so rege Anteil an unseren Versammlungen nehmen und weder Mühe noch Zeit scheuen, zur Förderung der Religionsschule das ihnen Möglich beizutragen. Möge das Beispiel unserer Herren Rabbiner dem Teile der Lehrer Nassaus, der dem Vereine so wenig Interesse widmet, eine Sprache reden, die ein pflichttreuer Lehrer nicht unbeachtet lassen kann, damit die nächstjährige Versammlung beweise, dass die für einen besseren besuch unserer Konferenzen gegebenen Anregungen, insbesondere die von den Herren Bezirksrabbinen beantragten Reiseentschädigungen seitens der Kultusgemeinden, auf fruchtbaren Boden gefallen sind. Zum Schluss noch die Bemerkung, dass ein Gegenstand der Tagesordnung entfallen musste, weil es der Referent für gut befand weder zu erscheinen noch sein Nichterscheinen anzuzeigen. Als Ort für die nächste Versammlung (Sonntag nach Pfingsten kommenden Jahres) wurde auf Vorschlag des Herrn Dr. Landau - Ems gewählt.   Tages-Ordnung: 1. Vortrag über die Wichtigkeit des Pentateuch-Unterrichtes in der Religionsschule, Referent: Herr Dr. Weingarten - Ems.  2. Lehrprobe über Konzentration des Unterrichts in der Religionsschule. Referent: Thalheimer -         

   
Anzeige von Lehrer Lehmann (1901)
    

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. Juni 1901:
 "Suche sofort einen Vertreter, als Kantor und Schochet
Lehrer Lehmann
, Weilburg a. Lahn."    

  
 Rabbiner Dr. Landau möchte den Lehrer Lehmann im Schächten überprüfen (1907)    

Weilburg FrfIsrFambl 11011907.jpg (121431 Byte)Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 11. Januar 1907: "Köln. Das hiesige 'Israelitische Gemeindeblatt' ... berichtet von Weilburg: Herr Bezirksrabbiner Dr. Landau hatte den israelitischen Religionslehrer Lehmann in Weilburg aufgefordert, sich bei ihm im Schächterfach einer Nachprüfung zu unterziehen. Herr Lehmann glaubte zu einer solchen Nachprüfung nicht verpflichtet zu sein, da er eine solche Prüfung vor einem anderen Rabbiner bereits früher einmal abgelegt hatte. Er weigerte sich daher beharrlich, sich der Prüfung zu unterziehen, auch schon deshalb, weil er auf Grund früher ergangener Entscheidungen gesetzlich dazu nciht verpflichtet sei. Der Bezirksrabbiner erwirkte hierauf bei dem Landrate eine Verfügung, die dem Lehrer das weitere Schächten bei einer Strafe bis zu 60 Mark verbot, und Lehmann wurde darauf in zwei Fällen mit Mark 5 und 6 bestraft. Hiergegen legte er Berufung ein und machte zu seiner Verteidigung geltend, er habe der Vorschrift des § 8a der Regierungs-Polizei-Verordnung genügt, die den Befähigungsnachweis im Schächterfache vom zuständigen Bezirksrabbiner verlangt. Diesen Nachweis besitze er, da er im Jahre 1896 eine Schächterprüfung bestanden habe. Wiederholungsprüfungen werden nach der Verordnung von 27. Mai 1902 nicht verlangt. Das Schöffengericht erkannte auf Freisprechung des Lehrers."      

   
     
Einzelne Mitteilungen aus dem jüdischen Gemeinde- und Vereinsleben  

Auf dem Weg zur Gleichstellung (1848)  

Weilburg AZJ 27031848.jpg (44768 Byte)Nachbemerkung zu einem Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 27. März 1848: "N.S. Soeben erfahren wir, dass von der Stadt Weilburg bereits eine Adresse an die Stände abgegangen ist, die unter anderem auch die volle Gleichstellung aller Kulten beantragt. Wiesbaden hat ein Gleiches getan, in Diez soll, sicherem Vernehmen nach, dasselbe geschehen. Nur rüstig ans Werk! Das Prinzip ist ja bereits zugestanden. Es handelt sich also bloß um das Wie? Gott gebe, dass unsere Sache sich günstig wende! Man kann dann stolz darauf sein, ein Nassauer zu heißen."   

   
Antijüdische Aussagen des katholischen Pfarrers von Weilburg vor Gericht (1857)   

Weilburg Jeschurun Sep1857.JPG (224884 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Jeschurun" vom September 1857: "Weilburg, im Herzogtum Nassau, 25. Juli (1857). Als vor einigen Tagen die hiesige Garnison die Leiche eines alten Kameraden zur Ruhestätte begleitete, hielt der katholische Ortsgeistliche eine Grabrede, die einen Passus enthielt, der nicht bloß sogleich bei den Zuhörern, sondern auch nachher durch die Stadt hin viel Sensation und Entrüstung erregt hat. Nachdem nämlich der Redner den Entschlafenen einen gut katholischen Christen, glücklich gepriesen, dass er nun bei Gott sei, fügte er bedauernd hinzu, 'in welcher schrecklichen Lage sich die Juden und die getauften und ungetauften Heiden auf dem Sterbebette befinden müssten, wenn sie sich vergegenwärtigten, dass ihnen der Himmel nicht beschieden sei.' Das hiesige Publikum ist soweit in der Logik, dass es herauszubringen vermöchte, was für Unglückliche unter den 'getauften Heiden' neben den Juden und ungetauften Heiden den Katholiken gegenüber zu verstehen sind, und stellte sich den obigen Satz des christlichen Predigers auf dem Friedhofe dahin fest, dass alle Akatholiken, Juden, Protestanten und Heiden, nicht in den Himmel kämen. - Tags darauf hielt ein christlicher Hauptmann vor seiner Kompanie, die er gestern auf den Kirchhof geführt, auch eine Rede. Er rief einen in der Kompanie befindlichen Juden vor und ließ ihm das 'Handbuch für den Unterricht der Soldaten der herzoglichen nassauischen Infanterie' herbeiholen, aus dem er alsdann selbst den § 16 verlas: 'Der Soldat soll sich eines religiösen Lebenswandels befleißigen; er soll wohl bedenken, dass die Religion in schweren Lagen seine Stütze sein wird. Die Kirche, zu welcher er gehört, soll er besuchen. Soldaten verschiedener Konfessionen sollen sich ihres Glaubens wegen nicht entzweien; Spöttereien über religiöse Gebräuche dürfen nie vorkommen.' Darauf fuhr er fort: 'Ich habe Euch versammelt und diesen § des Gesetzes vorgelesen, weil gestern der Pfarrer auf dem Kirchhofe gesagt, die Juden kämen nicht in den Himmel (die Heiden gehen uns hier nichts an); ich will Euch warnen, dass Keiner sich erlaubt, den Juden N. der Kompanie in irgendeiner Weise wegen seiner Religion zu verspotten oder ihm zu sagen, er käme nicht in den Himmel. Wer sich das untersteht zu sagen, der erhält 4 Tage scharfen Arrest, mag's auch der Pfarrer auf dem Kirchhofe gesagt haben. Ihnen (zu dem Israeliten gewendet) sage ich, Sie kommen in den Himmel, wenn Sie ordentlich und brav bleiben. Dem Schurken aber bleibt der Himmel verschlossen, welch Standes und Glaubens er auch sei.' Die Rede des Kriegsmannes in der Kaserne soll bei den Soldaten mehr Glauben gefunden haben, als die des Mannes im Friedenskleide auf dem Acker des Friedens. Der Jude N. aber ist guten Muts und meint, seine Religion sage dasselbe, wie die seines Herrn Hauptmanns (F.J.)".     
 
Weilburg Jeschurun Dez1857.JPG (218285 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Jeschurun" vom Dezember 1857: "Weilburg, 18. November (1857). Der katholische Pfarrer Noll dahier hat dem Hauptmann von Ziegesar (über dessen wackeres Auftreten gegen die intoleranten Reden dieses Geistlichen wir im Beiblatte zum 1. September berichtet) in seinen von Berlin ihm zugesandten Ehrenbecher Wermut gießen wollen; er hat, als sich kaum die Kunde dieser Auszeichnung verbreitet, gegen Herrn von Ziegesar auf Grund der Rede, welche dieser mit Rücksicht auf des Pfarrers mehrfach in diesen Blättern besprochene intolerante Grabrede vor seiner Kompanie gehalten, bei dem Militärgerichte eine Klage wegen Ehrenkränkung eingereicht. Es konnte dem Herrn von Ziegesar sowie allen Freunden der Wahrheit nur erwünscht sein, dass der Pfarrer Noll der Wahrheit einen Dienst geleistet und durch seine Klage Gelegenheit gegeben hat, den Sinn jeder katholischen Grabrede gerichtlich festzustellen, da man sich zu einer öffentlichen Widerlegung der über diese Sache in den exklusiv katholischen Blättern verbreiteten schmähenden und leugnerischen Artikel unmöglich herablassen konnte, klar und deutlich erwiesen worden, dass er die erwähnten, von ihm geleugneten Worte, den Juden sowie den getauften und ungetauften Heiden (worunter man die Protestanten und die Heiden verstand) sei der Himmel verschlossen, allerdings dem Sinne nach gesprochen hat. Weitergehende Aussagen der Zeugen wollen wir aus Schonung für den Geistlichen hier verschweigen. Hauptmann von Ziegesar ist heute, wie von Anfang an vorauszusehen, von dem Gerichte einstimmig freigesprochen worden. Pfarrer Noll schloss seine Anklage gegen Herrn von Ziegesar damit, dass er dem Gerichte zur Erwägung gab, ob nicht das Verfahren des Herrn von Ziegesar vor seiner Kompanie die Lockerung der Disziplin zur Folge habe, die Untergrabung jeder, der geistlichen und weltlichen Autorität in und außer der Kaserne, zuletzt Zuchtlosigkeit, Anarchie, Revolution. Man erschrickt vor diesen mythischen Ungeheuern, die der Geistliche da heraufbeschwört, erinnert sich aber doch bald, dass das nur so die gewöhnlichen Phantasmen sind, die eine wohlbekannte Partei, die sich so gerne für eine konservative ausgibt, den ängstlichen Gemütern im Gefolge derer zu zeigen pflegt, die sie in ihrem Tun und Treiben nicht gewähren lassen wollen; dagegen ist dem Pfarrer Noll, wie wir wissen, in der gerichtlichen Verhandlung nachgewiesen worden, wie seine Handlungsweise auf dem Friedhofe als ein Angriff auf im Staate anerkannte Religionen, auf die Religion des Landesfürsten und obersten Kriegsherrn, von den verderblichsten Folgen sein könne, wenn man ihr nicht rechtzeitig entgegentrete. Und das getan zu haben, bleibt das unbestrittene Verdienst des Herrn von Ziegesar. (F.J.)." 
 
Weilburg Israelit 30111857.JPG (107449 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. November 1857: "Nassau. Weilburg, 18. November (1857). Der wegen Ehrenkränkung von dem hiesigen katholischen Geistlichen, Pfarrer Noll, angeklagte Hauptmann Freiherr von Ziegesar wurde heute von einem ganz besetzten Kriegsgericht einstimmig freigesprochen. Von den vierzehn Richtern gehörten, so viel bekannt wurde, neun der katholischen Kirche an. Die Klage der Herrn Pfarrers war hervorgerufen durch eine kurze Ansprache, welche der genannte Hauptmann an seine Soldaten gehalten hatte. Nachdem der genannte Geistliche im Juli an dem Grabe eines braven Unteroffiziers von den 'Juden und getauften und ungetauften Heiden' behauptet hatte, dass ihnen der Himmel nicht beschieden sei, nahm Herr von Ziegesar Veranlassung, seinen Leuten zu sagen (er hatte einen Juden in der Kompanie), dass, wer brav sei, in den Himmel komme, wes Standes und Glaubens er auch sei etc. Indessen konnte der Herr Pfarrer weder beweisen, dass er die betreffenden Worte an dem Grabe nicht gesprochen (zwölf Zeugen standen gegen ihn), noch dass Herr von ZIegesar sich ehrenrühriger Ausdrücke gegen ihn vor der Kompanie bedient habe. (Mittelrheinische Zeitung)."  

 
Gründung eines neuen Vereins in der Gemeinde (gemeint ist der Synagogen-Gesangverein; 1893)  

Weilburg Israelit 16101893.jpg (46912 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 16. Oktober 1893: "Weilburg, 9. Oktober (1893). Gestern wurde dahier ein Verein gegründet, der den Zweck hat: 1., den Gottesdienst durch Chorgesang zu verschönern; 2., seinen Mitgliedern Gelegenheit zu geben, durch Anschaffung von mehreren jüdischen Zeitschriften sich mit den Vorgängen im jetzigen jüdischen leben bekannt zu machen und 3., die gesellige Annäherung der Mitglieder durch öftere Veranstaltungen von Abendunterhaltungen zu fördern. Wir wünschen diesem Vereine ein fröhliches Gedeihen."   

 
Mitteilungen aus den jüdischen Vereinen (1895)  

Weilburg Israelit 31011895.jpg (160643 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 31. Januar 1895: "Weilburg, 28. Januar (1895). Am 30. vorigen Monats hielt der Verein zur Unterstützung armer durchreisender Israeliten seine diesjährige ordentliche Generalversammlung ab. Der Vorsitzende Herr Dr. Landau und der Rendant Lehrer Fröhlich erstatteten ihren Jahresbericht, dem wir entnehmen, dass die Kasse durch Jahresbeiträge Mark 710, durch Spenden Mark 18 einnahm, wozu der vorjährige Bestand von Mark 20,95 kommt, sodass die Gesamteinnahme Mark 748,95 beträgt. Verausgabt wurden an 378 durchreisende und im Bezirke wohnende Arme und zwar an 339 Männer und 39 Frauen Mark 678,50, sodass sich ein Bestand von Mark 70,45 ergab. Bei der Neuwahl des Vorstandes wurden die Herren Dr. Landau und Lehrer Fröhlich per Akklamation wiedergewählt. - Am Chanukkafeste veranstaltete der Synagogen-Gesangverein unter der Leitung seines Dirigenten Lehrer Fröhlich eine Abendunterhaltung. Herr Dr. Landau sprach über die alten Parteien im Judentum. Die Fülle des wissenschaftlichen Materials vom Vortragenden in allgemein verständlicher Weise behandelt, verfehlte nicht ihre tiefe Wirkung auf die zahlreich erschienenen Zuhörer, welche dem Redner wohlverdienten Beifall zollten. Hierauf folgten Chorgesang, Deklamationen, Lieder-, Klavier- und Violinvorträge, bei denen die in dankenswerter Weise Mitwirkenden den reichsten Beifall ernteten. Eine hübsche Gabenverlosung bildete den Schluss der Feier.   
Vor Kurzem wurde dahier ein Frauenverein ins Leben gerufen, dem heute schon 38 Mitglieder angehören. Zweck dieses Vereins ist, die religiösen Liebesdienste bei sterbenden Glaubensschwestern, die dem Verein angehörten, sowie auch bei unbemittelten Nichtmitgliedern bis zu ihrer Bestattung verrichten zu lassen, und für die Unterstützung und Pflege hiesiger armer Patientinnen Sorge zu tragen."      

   
Vereinsfeiern des Israelitischen Frauenvereins und des Israelitischen Wohltätigkeitsvereins (1903) 
  

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 2. April 1903: "Weilburg an der Lahn. Eine würdige Purimfeier wurde innerhalb unserer Kultusgemeinde begangen. Am Samstag, den 14. März abends, versammelte sich auf Veranlassung des hiesigen israelitischen Frauenvereins der größte Teil unserer Gemeinde im Hotel zum 'Deutschen Haus'. Nachdem der Frauenverein die jährliche Generalversammlung mit ihrem geschäftlichen teil abgehalten hatte, folgten zwei Theaterstücke, ausgeführt von der Schuljugend unter Leitung des Lehrers Lehmann und einiger jungen Damen und Herren, die beide allgemeine Anerkennung fanden.   
-  Am Sonntag, den 15. März feierte der hiesige israelitische Wohltätigkeitsverein sein 25-jähriges Stiftungsfest. Nach Verrichtung des Abendgebetes fand zunächst im Lehrzimmer die statutengemäße Generalversammlung statt. Der langjährige, würdige Vorsitzende, Herr Dr. Dreyfus, gab in kurzer, wohlgelungener Rede einen Über- und Rückblick über den Zweck und die Leistungen des Vereins. Herr Kultusvorsteher Nathan Reifenberg dankte Herrn Dreyfus für seine selbstlose und treffliche Vereinsleitung. Die Mitglieder bekundeten ihren Dank durch ein dreifaches Hoch auf Herrn Dreyfus. Nach Erledigung des geschäftlichen Teiles vereinigten sich die Vereinsmitglieder im gleichen Lokal zu einem gemeinschaftlichen Abendessen. Herr und Frau Lehrer Lehmann übernahmen das Arrangement desselben. Es herrschte eine fröhliche Stimmung. Herr Bezirksrabbiner Dr. Landau hielt die Festrede. In kurzen, kernigen Worten hob derselbe den Zweck des Vereins hervor und betonte, wie bis jetzt der Verein seiner Aufgabe vollkommen gerecht wurde. Dass bei einer Sudas Mizwoh auch wirklich Mizwot geschehen, bekundeten die Mitglieder dadurch, dass sie auch der Armen gedachten. Durch eine Sammlung und den Erlös der Versteigerung des Tischgebetes wurden die Mittel aufgebracht, einer armen Familie unserer Gemeinde auf Pessach Mazzos und Fleisch zu beschaffen. An dieser Stelle sei Herr und Frau Lehrer Lehmann für das Zustandekommen der schönen Feier der Dank ausgesprochen. Möge das innige Verhältnis zwischen Lehrer und Gemeinde sich noch recht lange erhalten. Ebenso möge in unserer Gemeinde auch ferner der Sinn für das religiöse Leben rege bleiben."     

   
Gemeindebeschreibung (1936!)
  

Artikel im "Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt" vom Oktober 1936 S. 31: "Weilburg. 3.800 Einwohner, Mönchsniederlassung, gegründet von Konrad I., dann nassauisch lange Zeit Residenz der Fürsten Nassau-Weilburg und des Herzogtums Nassau. Seit 1866 preußisch. Im 17. Jahrhundert Juden als Metzger, Viehhändler, Hausierer, Die Konzession für eine Strumpffabrik, die nur einheimische Arbeiter beschäftigen sollte, wird noch 1753 dem Juden Joel versagt. Er soll hausieren. Als Musiker sieht man Juden gerne im Schloss, so bei einem großen Fest 1791 den weitbekannten Jecheskel aus Runkel mit seinen '5 Judenmusikern'. 1906 setzt der Weilburger Löw Herz, dessen Söhne schon das Weilburger Gymnasium besucht hatten, gemeinsam mit Wolf Breidenbach, dem Kasseler Hoffaktur, die Aufhebung des Juden-Leibzolles für Nassau durch. - Den Rabbinatssitz Weilburg hatte u.a. auch der spätere Oberrabbiner und Rektor des Rabbiner-Seminars in Florenz, Samuel Hirsch Margulies inne. Heute gehört Weilburg zum Bezirksrabbinat Ems. (Lehrer Bravmann). Gemeindehaus. Dieses ritterliche, dann herzogliche Gebäude aus dem 17. Jahrhundert, 1875 (sc. falsch für 1845) von der Gemeinde erworben, Bogengasse 2, enthält u.a. die Synagoge, einen schönen ruhigen Raum, früher Speisesaal, mit Galerie für Musik, heute Frauengalerie. Eine Torarolle mit prächtigem Silber aus dem 16. Jahrhundert stammt aus Limburg. - Der älteste Friedhof, heute Garten hinter dem Hotel 'Lord', der neue Friedhof auf der Höhe der Frankfurter Straße mit romantischer Aussicht auf Taunus und Westerwald. - Das berühmte Weilburger Schloss, riesiger Renaissance-Barock-Bau mit dem berühmten 'Dornröschen-Hof'. - Durch den herbstschönen Westerwald (Rotes Dreieck) in 3 Stunden, an der alten Raubritterburg Schadeck vorbei, nach Runkel..."

    
    
Berichte über einzelne Personen aus der Gemeinde
 

Ernennung von Dr. H. Herz zum Medizinalrat (1843) 

Weilburg AZJ 13111843.jpg (103262 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 13. November 1843: "Herzogtum Nassau, 19. Oktober. Der Geist, der durch das Wirken unserer Landesregierung weht, zeigt sich immer heller und deutlicher. Wie sie es mit alten, zeitwidrigen Vorurteilen halte, davon gibt sie täglich erfreulichere Beweise. Einer der neuesten ist die Ernennung des Dr. H. Herz in Weilburg zum Medizinalrat für den dortigen Bezirk. Es ist dies eine der ersten Stellen, die ein Mediziner bekleiden kann und ist dadurch das Prinzip ausgesprochen, dass ein Jude Staatsdiener werden kann. Diese Anerkennung vieljähriger Verdienste hat nicht nur in loco, sondern auch in Wiesbaden bei allen Konfessionen die freudigste Sensation gemacht, was den stärksten Beweis liefert, mit welchem Unrecht man sich von gewissen Seiten her auf das Vorurteil der Masse beruft. Als Herr Dr. H., der schon einige und zwanzig Jahre lang den Gehalt eines Assistenten bezog, vor mehreren Jahren seinen Aufenthaltsort mit Wiesbaden vertauschen wollte, kam die Stadt Weilburg bei dem Herzog ein, dass man, um ihn dort zu halten, ihm eine Gehaltszulage gewähren möchte, und es geschah. So bewegt man sich in unserem Herzogtum geräuschlos, aber sicher auf der Bahn des Fortschritts weiter."

 
Medizinalrat Dr. Herz wird zum Obermedizinalrat ernannt (1857)  

Weilburg Jeschurun Aug1857.JPG (86230 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Jeschurun" vom August 1857:  "Aus dem Herzogtum Nassau, 13. Juli (1857). Je mehr man in unseren Zeiten dem oft künstlich gemachten und gleichsam vom Zaune gebrochenen konfessionellen Hader begegnet, umso erfreulicher (heißt es in einer Mitteilung des 'Frankfurter Journals') muss es jedem Menschenfreunde sein, zu erfahren, wie man bei uns keineswegs der Richtung huldigt, welche die Staatsangehörigen nach ihrer Konfession berücksichtigt. So sehen wir im Gegenteil, wie, soviel als irgend möglich, bei Anstellung der Elementarlehrer die beiden christlichen Konfessionen mit gleicher Rücksicht behandelt werden. Ganz besonders erfreut es uns, dass hier auch bei Israeliten persönliches Verdienst gewürdigt und belohnt wird. So erfahren wir aus dem Verordnungsblatt Nr. 12 vom 1. Juli, dass der israelitische Medizinalrat Dr. Herz in Weilburg, ein Mann, der sich in langjährigem Staatsdienst durch sein gewissenhaftes, segensreiches Wirken die Anerkennung Aller, die ihn kennen, erworben hat, von dem Herzog von Nassau zum Obermedizinalrat ernannt worden ist."   

 
Zum Tod von Aron Stern (1892)  

Weilburg Israelit 07041892.jpg (185793 Byte) Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. April 1892: "Weilburg a.d. Lahn, 4. April (1892). Die hiesige israelitische Gemeinde hat einen sehr schmerzlichen Verlust zu beklagen. Einer ihrer edelsten und besten Männer weilt nicht mehr in ihrer Mitte.   
Nach kurzem Krankenlager schied am vergangenen Freitag (Erew Schabbat Kodesch) Herr Aron Stern nach zurückgelegtem 69. Lebensjahre von uns. Der Verstorbene vereinigte in sich die herrlichsten Tugenden und schönsten Eigenschaften. Er zeichnete sich nicht nur durch seine strenge Redlichkeit, Mildtätigkeit, Gastfreundschaft und seinen Gemeinsinn aus, er war auch ein wahrhafter, ernst frommer Jehudi, der kein Opfer und keine Hingebung scheute, wo es galt, eine göttliche Weisung zu üben und ein religiöses Werk auszuführen. Zu den besonderen Vorzügen des Seligen gehörte dessen Gottesdienst. Trotz des weiten Weges, den er bis zum Gotteshause hatte, vermochten ihn weder strenge Winterkälte noch beschwerliche Sommerhitze von dessen Besuch morgens und abends abzuhalten, und er war immer einer der ersten und einer der letzten (in der Synagoge).   
Der leider für uns so früh Entschlafene erfreute sich des Vertrauens und der allgemeinen Achtung seiner Mitbürger, die Gemeinde Gießen, deren Mitglied er bis vor 5 Jahren war, worauf er hierher zog, um seinen Lebensabend im Hause seiner Tochter zu beschließen - gab ihm einen kleinen Beweis dadurch, dass sie ihn in den Vorstand wählte, als dessen Mitglied er seine Amtspflichten treu und gewissenhaft erfüllte. Auch nach seinem Tod fanden seine Verdienste eine Anerkennung durch das Geleite, welches ihm die ganze Gemeinde, Freunde und Bekannte von Nah und Fern, von allen Konfessionen, zur letzten Ruhestätte gegeben.   
An seiner Bahre sprach unser Herr Rabbiner Dr. Lewinsky wegen des Monats Nissan nur wenige, aber tief ergreifende Worte. Er verglich ihn mit dem Hohenpriester Aron, von dem unsere Weisen sagen: 'er liebte den Frieden und jagte dem Frieden nach und stiftete den Frieden zwischen einem Menschen und seinem Nächsten' (Sanhedrin 6b).   
Möge der Allgütige den tief gebeugten Hinterbliebenen Trost senden und möge unsere Gemeinde das Andenken des seltenen Ehrenmannes durch Nachahmung seiner leuchtenden Beispiel zu würdigen ernst bestrebt sein. 'es gehe vor ihm her seine Gerechtigkeit und die Herrlichkeit des Ewigen gesellt sich zu ihm".         

  
Goldene Hochzeit von Gottschalk Reifenberg und seiner Frau (1897)  

Weilburg AZJ 25081897.jpg (119164 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 25. August 1897: "Weilburg, im Juni. Am 20. vorigen Monats feierten hier Herr Gottschalk Reifenberg und Gemahlin das Fest der goldenen Hochzeit. Beide, der Jubilar wie die Jubilarin, erfreuen sich noch großer Rüstigkeit und Geistesfrische. Herr Reifenberg war während eines Dezenniums erster Vorsteher der hiesigen Kultusgemeinde, welches Amt er mit Rücksicht auf sein Alter im Jahre 1893 niederlegte. Während seiner Amtsverwaltung machte sich Herr Reifenberg recht verdient um das israelitische Gemeinwesen; besonders ist es ihm zu verdanken, dass der jüdische Friedhof mit einer festen Mauer umgeben wurde. Von der Achtung, die das Jubelpaar genießt, zeugen die zahlreichen Gratulanten aus allen Gesellschaftskreisen unserer Stadt. Der Herr Bürgermeister und ein Mitglied des Magistrats überbrachten die Glückwünsche der städtischen Behörden. Am Nachmittag fand die Einsegnung des Jubelpaares durch den Bezirksrabbiner Dr. Landau statt, worauf der Landrat Freiherr von der Golz die Medaille zum goldenen Ehejubiläum unter einer herzlichen Ansprache überreichte und die Gratulationszuschrift aus dem kaiserlichen Zivilkabinett vorlas. Möge es dem Biederpaare vergönnt sein, auch die diamantene und eiserne Hochzeit in voller Frische zu feiern."

 
Auszeichnung für Synagogenrat D. Dreyfus und seiner Gattin (1898) 

Weilburg AZJ 09091898.jpg (23789 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 9. September 1898: "Synagogenrat D. Dreyfus in Weilburg und seiner Gemahlin wurde die Centenarmedaille verliehen. Dreyfus ist bereits im Besitze des Kronenordens 4. Klasse."
 
Mitteilung in der Zeitschrift Der Israelit" vom 5. September 1898: "Weilburg a. Lahn. Herrn Synagogenrat D. Dreyfus und seiner Gemahlin wurde die Centenarmedaille verliehen. Herr Dreyfus ist bereits im Besitze des Kronenordens 4. Klasse."    

    
Beförderung von Dr. Heinrich Landau, Sohn des Bezirksrabbiners (1903)  

Weilburg FrfIsrFambl 06111903.jpg (26343 Byte)Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 6. November 1903: "Weilburg a.L. Dr. med. Heinrich Landau, Sohn des Herrn Bezirks-Rabbiners Dr. E. Landau zu Weilburg a.L. wurde nach Vollendung seiner dienstlichen Übungen zum Sanitätsoffizier der Reserve befördert."
 
Weilburg Israelit 02111903.jpg (27437 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 2. November 1903: "Weilburg a.L.  Dr. med. Heinrich Landau, Sohn des Herrn Bezirks-Rabbiner Dr. E. Landau zu Weilburg a.L. wurde nach Vollendung seiner dienstlichen Übungen zum Sanitätsoffizier der Reserve befördert."

    
Der Makler Adam Kohn wird zunächst auf dem christlichen Friedhof beigesetzt (1905)        

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 26. Mai 1905:  "In Weilburg war am 23. vorigen Monats der 61-jährige Makler Adam Kohn gestorben. Die israelitische Kultusgemeinde hat nun nach der Frankfurter 'Kleinen Presse' die Bestattung der Leiche auf ihrem Friedhof verweigert, indem sie erklärte, Kohn habe seit etwa sechs Jahren keine Kultussteuern mehr bezahlt. Die Leiche wurde vorläufig auf dem christlichen Friedhofe beigesetzt."      


Zum Tod von Dr. Heinrich  Landau (1908)  

Weilburg FrfIsrFambl 04121908.jpg (35662 Byte)Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 4. Dezember 1908: "Weilburg. In große Trauer wurde unser Rabbiner versetzt. Sein einziger Sohn, der praktische Arzt Dr. Landau in Berlin, starb plötzlich infolge Leuchtgasvergiftung. Der Fall ist umso tragischer, als der Verunglückte erst einige Tage vorher sich verlobt hatte."

  
Hofrat Hermann Herz wird ausgezeichnet (1911) 

Weilburg FrfIsrFambl 22121911.jpg (20605 Byte)Mitteilung im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 22. Dezember 1911: "Weilburg. Hofrat Hermann Herz, Bankier des fürstlichen Hauses Solms-Braunfels, erhielt den Roten Adlerorden 4. Klasse."   

  
  
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen  
Lehrlingssuche der Seifenfabrik R. Sternberg (1887)  

Weilburg Israelit 26051887.jpg (46686 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 26. Mai 1887: "Ich suche einen braven, wohlerzogenen und kräftigen Lehrling aus achtbarer Familie, welcher Lust hat, die Seifensiederei zu erlernen. Eintritt am 1. Juli. Kost und Logis im Hause. Schabbat und Feiertag geschlossen. R. Sternberg, Seifenfabrik, Weilburg a.d. Lahn."   

   
Anzeige von Jacob Kahn (1890)  

Weilburg Israelit 24111890.jpg (40005 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 24. November 1890: "Da meine 2 1/2 jährige Lehrzeit in einem Eisengeschäfte bis Weihnachten abgelaufen ist, so suche per 1. Januar Stellung in ähnlicher Branche, und zwar in einem Samstags und jüdische Feiertage geschlossenen Geschäft. 
Erkundigungen wolle man bei Jos. Sternberg in Weilburg a.L. einziehen. Jacob Kahn."  

    
Anzeigen des Stabeisen- und Eisenwarengeschäftes Jos. Sternberg (1890 / 1897 / 1902) 

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 4. Dezember 1890: "In mein Guss- und Eisengeschäft, welches Schabbat und Feiertag geschlossen, suche einen kräftigen Jungen mit guten Schulkenntnissen und von achtbarer Familie als Lehrling. Kost und Logis im Hause. 
Josef Sternberg
, Weilburg."    
   
Weilburg Israelit 21101897.jpg (33099 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 21. Oktober 1897: "Für mein an Samstagen und israelitischen Feiertagen geschlossenes Stabeisen- und Eisenwarengeschäft suche zum baldigen Eintritt einen Lehrling mit guter Schulbildung.   Jos. Sternberg, Weilburg a. Lahn."  
 
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 6. November 1902: "Suche per 1. Januar 1903 einen kräftigen 
Lehrling
 
für mein Guss-, Eisen- und Maschinengeschäft. Kost und Logis im Hause. Samstags und Feiertage geschlossen. Bedingung: 3 Jahre Lehrzeit und keinerseits Vergütung. 
Jos. Sternberg
, Weilburg a.d. Lahn."    

  
Anzeige des Manufakturwaren- und Konfektions-Geschäftes Alexander Joel (1901)
   

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 20. Mai 1901: "Lehrling 
für mein Manufakturwaren- und Konfektions-Geschäft per sofort gesucht. 
Alexander Joel,
Weilburg a.d. Lahn."   

   
Anzeige von Frau Alexander Joel (1901)      

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 31. Oktober 1901: 
"Braves Mädchen
welches Küche und Hausarbeit gründlich versteht, für einen kleinen, religiösen Haushalt sofort gesucht
Frau Alexander Joel, Weilburg a.d. Lahn."          

 
Anzeige des Manufaktur- und Konfektionsgeschäftes R. Arnstein (1906)   

Anzeige im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 25. Mai 1906: "Lehrling aus achtbarer Familie in unserer Manufaktur- und Konfektionsgeschäft per sofort gesucht. 
R. Arnstein, Weilburg
."   

   
Anzeige von Frau H. Rothschild (1912)    

Anzeige im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 2. August 1912: 
"Fleißiges, tüchtiges Mädchen
nicht rituell, das alle Hausarbeit gründlich versteht, baldigst gesucht. Für grobe Arbeit Hilfe vorhanden. 
Frau H. Rothschild, Weilburg a. Lahn
."          

    
Verlobungsanzeige von Bertie Fröhlich und Sigmund Bravmann (1922)       

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 27. April 1922: "Statt Karten: 
Bertie Fröhlich - Sigmund Bravmann, Lehrer. Verlobte. Thüngen in Unterfranken - Weilburg an der Lahn. 
5. Tag von Pessach 5682 (= 17. April 1922)". 

           

Kennkarten aus der NS-Zeit            
               
Am 23. Juli 1938 wurde durch den Reichsminister des Innern für bestimmte Gruppen von Staatsangehörigen des Deutschen Reiches die Kennkartenpflicht eingeführt. Die Kennkarten jüdischer Personen waren mit einem großen Buchstaben "J" gekennzeichnet. Wer als "jüdisch" galt, hatte das Reichsgesetzblatt vom 14. November 1935 ("Erste Verordnung zum Reichsbürgergesetz") bestimmt. 
Hinweis: für die nachfolgenden Kennkarten ist die Quelle: Zentralarchiv zur Erforschung der Geschichte der Juden in Deutschland: Bestände: Personenstandsregister: Archivaliensammlung Frankfurt: Abteilung IV: Kennkarten, Mainz 1939" http://www.uni-heidelberg.de/institute/sonst/aj/STANDREG/FFM1/117-152.htm. Anfragen bitte gegebenenfalls an zentralarchiv@uni-hd.de       
 
 Kennkarten zu Personen, 
die
einen besonderen Bezug
 zu Weilburg haben
 
 Weilburg KK MZ Rabbiner Lewinsky Abraham.jpg (94295 Byte)  Weilburg KK MZ Vyth Rieka.jpg (83514 Byte)  
  KK (Mainz 1939) für Rabbiner Dr. Abraham Lewinsky ( KK (Mainz 1939) für Rieka Vyth geb. Jessel 
(geb. 20. Februar 1882 in Weilburg) 
  
 

         
         
         
         
Zur Geschichte der Synagoge   
   
Im Jahre 1811 schrieb der Hofrat und Stadtschultheiß Stutz in einem Bericht an die Herzoglich Nassauische Landesregierung, dass 'die hiesigen Juden' ihre 'gottesdienstliche Versammlung' in einem ihrer Privathäuser hielten. Damals lebten fünf jüdische Familien in Weilburg. Zuletzt, vor der Errichtung einer Synagoge, diente das Privathaus des Raphael Herz (1773 - 1844), das an der Ecke Marktplatz/Schwanengasse gelegen war, diesem Zweck. Der Gebets- und Versammlungsraum der jüdischen Gemeinde befand sich im oberen Stock, in einer Stube mit zwei Fenstern zur Schwanengasse. Von dieser Männersynagoge war ein schmaler Raum durch ein Gitterwerk als Frauensynagoge abgetrennt und hatte ebenfalls ein Fenster zur Schwanengasse, so dass der gesamte Raum ungetrennt drei Fenster hatte. Diese Räumlichkeiten erwiesen sich jedoch schon bald als zu klein, nicht zuletzt deswegen, weil auch Juden aus Löhnberg und Waldhausen dem Gottesdienst beiwohnen wollten. Deswegen regte Raphael Herz schon 1831 den Bau einer Synagoge in Weilburg an. 
  
Bis die ersten konkreten Schritte zum Bau einer Synagoge getan wurden, sollten noch über zehn Jahre vergehen. Wahrscheinlich wurde die Einrichtung einer Synagoge in Weilburg durch die Neuordnung der jüdischen Unterrichts- und Kultusverhältnisse im Herzogtum Nassau entscheidend befördert: Durch das Generalreskript vom 3. Februar 1843 wurden im Herzogtum Nassau vier Rabbinatsbezirke zur Beaufsichtigung des jüdischen Kultus- und Religionsunterrichts gebildet, darunter auch der Rabbinatsbezirk Weilburg, der die Ämter Weilburg, Runkel, Rennerod, Herborn und Usingen umfasste. Weilburg wurde damit Sitz eines Bezirksrabbiners, dem, neben den geistlichen Verrichtungen an seinem Wohnsitz, vor allem die Aufsicht über den Kultus- und Religionsunterricht in allen jüdischen Gemeinden seines Bezirks oblag. 

Im August 1843, also nur wenige Monate nach der Einrichtung des Rabbinatsbezirks Weilburg, berichtete Amtmann Schenk der Herzoglich Nassauischen Landesregierung in Wiesbaden, 'die hiesige Judengemeinde' habe einen Teil der ehemaligen Rezeptur gekauft, um darin eine Synagoge und eine Wohnung für den Prediger einzurichten. Das Gebäude, so Schenk, sei geeignet, und die Gemeinde könne so schnell zu einer Synagoge 'gelangen'. Schenk empfahl deshalb 'gehorsamst', den Ankauf zu gestatten; am 22. September 1843 erfolgte die Genehmigung durch die Landesregierung. Bei der von Amtmann Schenk erwähnten Rezeptur handelte es sich um das Gebäude Bogengasse 2/4. Das Gebäude war 1783 - 1785 als Husarenkaserne erbaut worden und diente als Wohn- und Dienstgebäude. Bereits 1803 wurde die Kaserne von den Husaren geräumt und zum Amts- und Renteihaus umgebaut, diesem Zweck diente es bis 1841. 1829 erwarb der Bierbrauer Karl Rosenkranz das Gebäude. 
   
Die jüdische Gemeinde erwarb von ihm den Gebäudeteil Nr. 2, der durch Umbaumaßnahmen im Innern vom Gebäudeteil Nr. 4 abgetrennt wurde. Das entsprechende Dekret mit detaillierten Plänen erging am 16. Dezember 1843. Die Kosten für den An kauf des Gebäudeteils sowie für die Umbauarbeiten wurden allein von der jüdischen Gemeinde Weilburg getragen und stellten für diese eine erhebliche Belastung dar. Deswegen wurde hierfür ein Kostenplan aufgestellt, der am 16. März 1844 genehmigt wurde. Die Gemeinde verkaufte ihr 'altes Schulhaus' (Standort unbekannt), da es 'nunmehr entbehrlich geworden' sei. Und sie nahm bei der Herzoglich Nassauischen Landeskreditkasse Wiesbaden einen Kredit von 4000 fl. auf, der am 05.11.1844 gegen Schuldschein, bei einer Annuität von 6 %, zur Auszahlung gelangte. 
Die Einschätzung von Amtmann Schenk, dass die Gemeinde in der Bogengasse 'schnell zu einer Synagoge gelangt', erwies sich als zutreffend: Denn die in dem Gebäude Bogengasse 2 auszuführenden Umbau- bzw. Ausbauarbeiten waren in recht kurzer Zeit abgeschlossen. Die Außenfassade blieb unverändert. Bereits am 9. Mai 1845, 18 Uhr, konnte die Synagoge eingeweiht werden. An diesem Tage zählte die Synagogengemeinde Weilburg insgesamt 93 Mitglieder: in Weilburg 54 sowie in den 'Filialorten' Löhnberg, Waldhausen und Merenberg insgesamt 39 Mitglieder.
    
Folgende Änderungen waren im Inneren des Gebäudes vorgenommen worden: Der ehemalige Speisesaal wurde zur Synagoge ausgebaut, die Galerie der Musiker wurde zur Frauenempore. Außerdem erhielt die Synagoge eine Orgel. Zu den wertvollen Kultgegenständen gehörte u. a. eine Torarolle mit prächtigem Silber aus dem 16. Jahrhundert, die aus Limburg stammte. Außerdem wurden eine Lehrerwohnung und ein Lehrzimmer eingerichtet. Die Synagogengemeinde Weilburg hatte damit ein Gemeindezentrum erhalten, das in den kommenden Jahrzehnten für Gottesdienste und für den Religionsunterricht sowie für andere Zwecke der Gemeinde genutzt wurde. Mit der Einrichtung einer Orgel wurden auch weitere Reformen des gottesdienstlichen Lebens durchgeführt:  
         
In Weilburg durchgeführte Reformen des gottesdienstlichen Lebens (1847)  

Weilburg Isr19Jh 07021847.jpg (100196 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit des 19. Jahrhunderts" vom 7. Februar 1847 (innerhalb eines längeren Abschnittes über gottesdienstliche Reformen): "So sind in sehr vielen und namentlich in den Orten, wo der Rabbinatssitz ist, eine große Zahl von Piutim gestrichen. In Weilburg und Wiesbaden und, wie wir hören, auch in einzelnen anderen Gemeinden dieser beiden Bezirke, sind sämtliche Piutum mit Ausnahme derjenigen des Neujahrstages und Versöhnungstages, aus der Liturgie ausgeschieden und das deutsche Element, das auch an den gewöhnlichen Sabbaten nie fehlt, dafür eingeführt. Der ganz vorzügliche Choralgesang in diesen Gemeinden wird in Weilburg durch die eingeführte Orgel noch erhöht, während in Wiesbaden bloß der, bald zu beseitigende Mangel an Raum die Anwendung der Orgel bisher verhinderte. Die Konfirmation der sämtlichen Knaben und Mädchen ist bereits vollständig in das religiöse Leben übergegangen und wurzelt in demselben. Der heilige Akt der Kopulation (Trauung), wird auf die würdigste, unserer Zeit angemessene Weise vollzogen. Es wird jeden Sabbat gepredigt. Eine sanitätspolizeiliche Verfügung ward auf Anregung der Rabbinen bereits im Jahre 1844 erlassen, wodurch die Mohalim (Beschneider) unter die Aufsicht der herzoglichen Medizinalbeamten gestellt sind und die Meziza (sc. Absaugung des Blutes) abgeschafft ist."  

Aus der Einrichtung der Synagoge ergaben sich für die Kultusgemeinde Weilburg finanzielle Folgelasten, die in den nachfolgenden Jahrzehnten alljährlich anfielen: Dazu gehörten vor allem, neben den Kosten für die Unterhaltung des Gebäudes, Personalausgaben. Die Gemeinde musste einen Teil des Gehalts des Bezirksrabbiners übernehmen, weil dieser seinen Wohnsitz in Weilburg hatte, und die Lehrer wurden ausschließlich von der Gemeinde bezahlt. Im Rechnungsjahr 1921/22 betrug der Anteil der Personalkosten an den Gesamtausgaben der Gemeinde ca. 80 Prozent, im Rechnungsjahr 1931/32 immerhin noch knapp 70 Prozent. Die Haupteinnahmequelle der Gemeinde bildete die Gemeindesteuer, deren Höhe die Gemeinde selbst jährlich neu festsetzte. Zu Beginn der zwanziger Jahre waren diese Einnahmen noch ausreichend, um alle Ausgaben aus eigener Kraft bestreiten zu können. Gegen Ende der zwanziger Jahre gingen die Einnahmen aus der Gemeindesteuer jedoch deutlich zurück, und die Gemeinde konnte nur noch mittels Zuschüssen ihren Haushalt ausgleichen. Sie erhielt Zuschüsse vom Preußischen Landesverband Jüdischer Gemeinden sowie staatliche Mittel. Die Gemeinde wurde so zunehmend abhängig von diesen Zuschüssen, die im Rechnungsjahr 1931/32 mehr als ein Drittel ihrer Einnahmen ausmachten.
In den Haushaltsplänen der Kultusgemeinde Weilburg findet sich der Einnahmeposten 'Miete für Kirchenstühle', der auf eine Besonderheit der Weilburger Synagogenordnung verweist: Für einen nummerierten Platz im Schiff der Synagoge war eine einmalige Abgabe von 68,27 RM zu zahlen, dazu noch ein jährliches Standgeld von 3,50 RM. Das Aufrufen zur Thora war nur den Inhabern dieser reservierten Plätze gestattet. Alle anderen Teilnehmer der Gottesdienste nahmen im Chor der Synagoge Platz. Die Ursprünge dieser Regelung reichen bis in die Zeit des Herzogtums Nassau zurück.
Aus den Einnahmen der 'Miete für Kirchenstühle' kann geschlossen werden, dass es etwa 50 bis 60 nummerierte Plätze in der Synagoge gab.

   
50-jähriges Jubiläum der Synagoge (1895)  

Weilburg Israelit 04021895.jpg (70511 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 4. Februar 1895: "Weilburg. Im Monat Mai dieses Jahres begeht die hiesige Gemeinde das 50-jährige Jubiläum ihrer Synagoge. In der am letzten Sonntag abgehaltenen außerordentlichen Generalversammlung wurde der Beschluss gefasst, dieses Fest durch Abhaltung eines Festgottesdienstes mit Festpredigt in der zu dekorierenden Synagoge zu begehen und außerdem eine Abendunterhaltung zu veranstalten.
Im Erscheinen begriffen ist, im Verlag von S. Calvary und Cie. in Berlin, 'die gegensinnigen Wörter im Alt- und Neuhebräischen', sprachvergleichend dargestellt von Dr. E. Landau, Bezirksrabbiner dahier. Bereits sind 5 Bögen dieses wissenschaftlichen Werkes im Druck erschienen."    
  
Weilburg Israelit 23051895.jpg (199713 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 23. Mai 1895: "Weilburg, 11. Mai (1895). Am heutigen Tage feierte die hiesige israelitische Gemeinde das Fest des fünfzigjährigen Bestehens ihrer Synagoge. Es war erfreulich, bei dieser Gelegenheit zu sehen, dass die Hetzereien des Antisemitismus, der ehedem durch Dr. Böckel und seine Apostel hier und in der Umgegend eifrig gepflegt wurde, den konfessionellen Frieden nicht gestört und den Geist gesunder Eintracht in der hiesigen Bürgerschaft nicht berührt haben. An der gottesdienstlichen Feier, die um 10 Uhr morgens in der festlich geschmückten Synagoge stattfand, beteiligten sich außer den beiden evangelischen Geistlichen und den Spitzen der kommunalen Behörden noch manche Bürger christlicher Konfession, und gewiss wäre die Beteiligung eine noch größere gewesen, wenn die Synagoge genügenden Raum geboten hätte. Nach dem weihevollen Einleitungsgesang Mah towu ertönte das herrliche Jubelmotette: 'Wenn Gott der Herr das Haus nicht bauet! von dem trefflich geschulten Chore. Gleich darauf hielt Herr Rabbiner Dr. Landau die Festpredigt, der als Text die Worte des Propheten Jesaja Kpt. 61, Vers 1: 'Der Geist des Herrn etc.' zugrunde gelegt waren. In trefflicher Rede, die sowohl nach Form und Inhalt gleich ausgezeichnet war, schilderte der Festredner die Bedeutung des Jubeljahres und die der Synagoge. Hierauf setzte der Chor mit der erhabenen Hymne: 'O Ew'ger' ein, nach welcher das Gebet für den Landesherrn folgt. Den Schluss der synagogalen Feier bildete der Gesang des Psalm 150, komponiert von F. Lux, Mainz, der in jauchzendem Jubel das Fest ausklingen ließ.  
War der Vormittag der religiösen Freude gewidmet, so gehörte der Abend des Jubeltages der weltlichen Freude. In dem Görtz'schen Saale, dem größten Vergnügungs-Etablissement dahier, fand eine Abendunterhaltung statt, und gerade dieser Teil der Feier zeigte erst deutlich, welch erfreulich gutes Einvernehmen hier zwischen den Bekennern der verschiedenen Konfessionen herrscht. Der Saal war bis auf den letzten Platz besetzt. Mit Stolz kann Herr Lehrer Fröhlich, der Arrangeur des ganzen Festes, auf den Erfolg dieser Abendunterhaltung zurückschauen. Es schien fast, als seien es keine Dilletanten, sondern wirkliche Künstler, die hier auftraten. Jeder gab das Beste, was er geben konnte, man konnte auf eine fortlaufende Kette von Greffen blicken. Die hiesige Gemeinde kann mit Genugtuung auf diesen ihren Jubeltag zurückblicken; denn er verlief in glänzender Weise ohne jeden Misston. Möge auch fernerhin das Verhältnis unterer Mitbürger verschienenen Glaubens so angenehm mit einander bleiben, wie es bisher war."   
   
Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 24. Mai 1895: "Weilburg, 17. Mai (1895). Hier beging die israelitische Gemeinde das Fest des fünfzigjährigen Bestehens ihrer Synagoge. Es war erfreulich, bei dieser Gelegenheit zu sehen, dass die Hetzereien des Antisemitismus, der ehedem durch Dr. Böckel hier und in der Umgegend eifrig gepflegt wurde, den konfessionellen Frieden nicht gestört und den Geist gesunder Eintracht in der hiesigen Bürgerschaft nicht berührt haben. An der gottesdienstlichen Feier, die um 10 Uhr in der festlich geschmückten Synage stattfand, beteiligten sich außer den beiden evangelischen Geistlichen und den Spitzen der kommunalen Behörden noch manche Bürger christlicher Konfession, und gewiss wäre die Beteiligung eine noch größere gewesen, wenn die Synagoge genügenden Raum geboten hätte. Nachdem der Einleitungsgesang 'Ma towu' und die Jubelmotette 'Wenn Gott, der Herr, das aus nicht bauet' verklungen war, hielt Herr Rabbiner Dr. Landau die ergreifende Festpredigt. Am Abend fand eine gemütliche Abendunterhaltung mit nachfolgendem Balle in dem größten Saale Weilburgs statt."     

Aus den 'Kirchlichen Nachrichten' des Amtlichen Mitteilungsblatts des Oberlahnkreises ist zu entnehmen, dass in den 1920er-Jahren am Freitagabend einmal und am Samstag jeder Woche dreimal Gottesdienst gehalten wurde.   
   
Über die Verhältnisse der Israelitischen Kultusgemeinde Weilburg ab 1933 liegen nur wenige gesicherte Daten vor: Ab Mai 1933 erschienen im Amtlichen Mitteilungsblatt des Oberlahnkreises keine Ankündigungen mehr über Gottesdienste in der Synagoge. Lehrer Bravmann blieb zunächst Angestellter der Gemeinde, doch es ist ungeklärt, über welche Einnahmen die Gemeinde noch verfügen konnte. Wie lange noch Gottesdienst gehalten wurde, ist auch ungeklärt. Ebenso, wie lange noch Religionsunterricht erteilt wurde. Lehrer Bravmann wurde später zwangsweise in den Ruhestand versetzt. Und zum 31. Oktober 1938 löste sich die Gemeinde formell auf, offensichtlich freiwillig. Von einem Gemeindeleben konnte angesichts ständig schrumpfender Mitgliederzahlen schon längst keine Rede mehr sein. Bravmann zog an diesem Tag mit seiner Ehefrau nach Frankfurt am Main um.
   
Im September 1938 wurde das Synagogengebäude an einen Weilburger Kaufmann verkauft und in den darauf folgenden Monaten zu einem Wohnhaus umgebaut, diesem Zweck dient es heute noch. Durch den Verkauf entging das Gebäude entging beim Novemberpogrom 1938 der bereits geplanten Zerstörung. 
    
Im November 1938 wanderte der Kaufmann Leopold Michel, der am Marktplatz ein Geschäft betrieben hatte, nach Palästina aus. Das Verzeichnis, in dem er detailliert sein gesamtes Umzugsgut auflisten musste, enthält auch '9 jüdische Gebetsbücher'. Vermutlich verbirgt sich hinter dieser Bezeichnung die Thora der Weilburger Synagoge. Nach Aussagen seines Enkels Ori Michel wird diese Thora heute in einer Synagoge in Israel verwahrt. Über den Verbleib der anderen Kultgegenstände ist dagegen nichts bekannt.   
     
   
 
Adresse/Standort der Synagoge
     Bogengasse 2    
     
     
Fotos
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 23.8.2009)   

Das Gebäude der Synagoge von 1845 bis 1938 (ehemalige Husarenkaserne)
Weilburg Synagoge 203.jpg (68669 Byte) Weilburg Synagoge 200.jpg (66254 Byte) Weilburg Synagoge 202.jpg (83612 Byte)
Blick auf den Gebäudekomplex der ehemaligen "Husarenkaserne"; im Gebäudeteil mit der
 Nr. 2 befand sich das jüdische Gemeindezentrum mit Synagoge, Schule, Lehrerwohnung.
Die Hinweistafel
   
        

   
   
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte  
   

1988: Der 50. Wiederkehr der Reichspogromnacht wurde Ende Oktober/Anfang November 1988 in vielfältiger Weise gedacht: Im Weilburger Tageblatt erschien eine zwölfteilige Zeitungsserie "Weilburger Juden, Namen und Schicksale", die eingehend über das Schicksal der Weilburger Juden berichtete und in der erstmals für die Öffentlichkeit viele neue Dokumente, vor allem Fotos, präsentiert wurden; in der vollbesetzten katholischen Kirche fand ein ökumenischer Gottesdienst statt, bei der der evangelische Pfarrer Reiter die Predigt hielt; am 9. November fand eine Kranzniederlegung an den Gedenktafeln im jüdischen Friedhof statt. Und am frühen Abend des gleichen Tages wurde eine Gedenktafel enthüllt. Diese Tafel war das Gemeinschaftswerk einer katholischen Jugendgruppe unter Leitung der damaligen Pastoralreferentin Frau Ackva. Die Tafel bestand aus vielen kleinen Tontäfelchen, in die die Namen aller Weilburger Juden eingeritzt waren, die zwischen 1918 und 1940 in Weilburg gelebt hatten. Die Täfelchen waren von den Jugendlichen ganz individuell gestaltet worden und unterschieden sich in Größe, Form, Schrift und Farbe. Die Gedenktafel wurde an der Rückseite der Weilburger Schlosskirche angebracht.
  
2011: Die Gedenktafel an der Weilburger Schlosskirche war über 20 Jahre ein Anziehungspunkt für viele Besucher und ein Ort stiller Erinnerung. Über 20 Jahre war sie aber auch den wechselnden Witterungseinflüssen ausgesetzt und wurde im Laufe dieser langen Jahre schadhaft und brüchig, sodass sich die evangelische Kirchengemeinde im Jahre 2010 entschloss, die Tafel abzunehmen und durch eine neue zu ersetzen.
Das Konzept für die neue Tafel war weitgehend identisch mit dem für die alte Tafel. Wieder sollten Tontäfelchen mit den Namen aller jüdischen Weilburger zwischen 1918 und 1940 erstellt werden. Diesmal aber sollten die Tontäfelchen in einem Schaukasten Platz finden, der in unmittelbarer Nähe zur Schlosskirche aufgestellt werden sollte. 
Zum alten und neuen Konzept gehörte auch, dass auch diesmal eine Gruppe junger Menschen die Täfelchen erstellten sollte. Schülerinnen und Schüler der (damaligen) Klasse 9 b des Gymnasium Philippinum Weilburg und ihre Geschichtslehrerin Frau Klass konnten für dieses Vorhaben gewonnen werden. Und die Töpfermeisterin Frau Lisken stellte sich als sachkundige Beraterin für die Tonarbeiten uneigennützig zur Verfügung. 
So entstanden 44 sehr unterschiedlich gestaltete Tontäfelchen. Am frühen Abend des 27. Januar 2011 wurde die neue Gedenktafel eingeweiht  
    
Weilburg Gedenktafel 196.jpg (226201 Byte) Weilburg Gedenktafel 195.jpg (173028 Byte) Weilburg Gedenktafel 197.jpg (316639 Byte)
oben: Artikel im "Weilburger Tageblatt" vom 29. Januar 2011: "Gedenktafel
 erinnert an jüdische Vergangenheit. Neugestaltetes Exemplar vor Weilburger
 Schlosskirche eingeweiht..." Zum Lesen bitte Textabbildung anklicken.   
Die Gedenktafel vor der
  Weilburger Schlosskirche 
Die 44 Tontäfelchen mit 
Namen von früheren jüdischen
 Einwohnern der Stadt 
   
   
Februar 2011: Neue Gedenktafel für ermordete jüdische Weilburger    
Artikel von Manfred Horz in der "Nassauischen Neuen Presse" vom 7. Februar 2011 (Artikel): 
"Neue Gedenktafel erinnert an ermordete Weilburger. 
Namen von jüdischen Bürgern auf Tontäfelchen verewigt – Schüler des Gymnasiums schrieben einfühlsame Texte
Die Klasse 9 b des Gymnasiums Philippinum, die Künstlerin Elke Lisken aus Mengerskirchen, Joachim Warlies und die Evangelische Kirchengemeinde Weilburg haben eine neue Gedenktafel für die jüdischen Weilburger geschaffen, die von den Nazis ermordet wurden. Die Tafel wurde bei einer Gedenkfeier enthüllt...".   
   
Dazu ein Kommentar von Rudolf Müller Bürgerinitiative "Alt-Weilburg" e. V. : "Gedenktafel als Hintergrundinstallation eines Pkw-Parkplatzes!?
Leider konnte man sich bei der Stadtverwaltung Weilburg bisher nicht dazu durchringen, den vor der Erinnerungstafel befindlichen Pkw-Parkplatz aufzuheben oder zumindest eine Abtrennung zu installieren, mit der das Parken unmittelbar vor der Erinnerungstafel verhindert wird.
Da dort ein unbesetzter Parkplatz die absolute Ausnahme darstellt, ist es gegenwärtig einem Betrachter nicht möglich, sich der Erinnerungstafel angemessen zu nähern und vor der Tafel steht man – falls überhaupt machbar – eingezwängt zwischen dieser und einer Pkw-Stoßstange.
Es hatte bis 1988 gedauert, bevor die erste Gedenktafel für jüdische Weilburger einen Platz in der Stadt fand. Wegen der daran aufgetretenen Witterungsschäden wurde mit viel Engagement und im Bewusstsein der Verantwortung gegenüber den Opfern eine Tafel neu geschaffen. Es wäre angemessen und stünde den Verantwortlichen im Rathaus gut an, der Gedenktafel nun auch Raum zu geben und sie nicht zur Hintergrundinstallation eines Pkw-Parkplatzes zu degradieren. Bürgerinitiative "Alt-Weilburg" e. V. Rudolf Müller"  
 
September/Oktober 2011: "Ausstellung "Unter Davids Stern" im Kleinen Kabinett des Bergbau- und Stadtmuseums Weilburg am Schlossplatz 
Dazu Presseartikel von Dieter Nobbel in mittelhessen.de vom 29.9.2011: "Ausstellung 'Unter Davids Stern'. Der ehemalige Münchner Bürgermeister Winfried Zehetmeier stellt in Weiburg aus.  Link zum Artikel.     
 

  
         
Links und Literatur

Links:  

Website der Stadt Weilburg   
Zur Seite über den jüdischen Friedhof in Weilburg (interner Link)   

Quellen:   

Hinweis auf online einsehbare Familienregister der jüdischen Gemeinde Weilburg   
In der Website des Hessischen Hauptstaatsarchivs (innerhalb Arcinsys Hessen) sind die erhaltenen Familienregister aus hessischen jüdischen Gemeinden einsehbar: 
Link zur Übersicht (nach Ortsalphabet) https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/llist?nodeid=g186590&page=1&reload=true&sorting=41              
Zu Weilburg sind vorhanden (auf der jeweiligen Unterseite zur Einsichtnahme weiter über "Digitalisate anzeigen"):    
HHStAW 365,810  Familienverzeichnis sowie Geburts-, Trau- und Sterberegister der Juden von Weilburg 1818 - 1876; enthält ein Verzeichnis der jüdischen Familien in der Kultusgemeinde Weilburg mit Angaben zum Personenstand samt statistischem Überblicke, aufgestellt 1845; enthält jüdisches Geburtsregister  1818 - 1874 und jüdisches Trauregister  1820 - 1874 sowie jüdisches Sterberegister 1818 - 1876; enthält auch Angaben zu Personen aus Löhnberg, Merenberg, Waldhausen; dazu auch ein Hinweis auf die Einweihung der Synagoge in Weilburg 1845  https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v131332         

Literatur:  

Joachim Warlies: Die Juden in Weilburg von 1918 bis 1940. Wiss. Hausarbeit. Gießen 1965. 
ders.: Weilburger Juden, Namen und Schicksale. Zeitungsserie im Weilburger Tageblatt (04.11.-18.11.1988). 
ders.: Weilburger Juden im 20. Jahrhundert. Erschienen in: Vom Sedantag bis zur Stunde Null, Beiträge zur Weilburger Geschichte von 1900 bis 1945. Weilburg 1996. 
ders.: Namen, Schicksale, Erinnerungen. Zeitungsserie im Weilburger Tageblatt (03.11.-16.11.1998). 
ders.: Weilburger Juden. Zeitungsserie im Weilburger Tageblatt (30.10.-09.11.2008). 
Paul Arnsberg: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang - Untergang - Neubeginn. 1971. Bd. II S. 352-355.  
Thea Altaras: Synagogen in Hessen. Was geschah seit 1945? 1988 S. 99.   
dies.: Das jüdische Rituelle Tauchbad und: Synagogen in Hessen. Was geschah seit 1945 Teil II. 1994. S. 85 (keine weiteren Informationen).
dies. Neubearbeitung der beiden Bände 2007 ² S. 232-233. 
Edith Dietz: Erinnerungen an meinen Onkel Berthold Jessel. In: SACHOR. Beiträge zur Jüdischen Geschichte und zur Gedenkstättenarbeit in Rheinland-Pfalz Heft Nr. 8 - 3/94 (4. Jahrgang) S. 59-61. Online eingestellt (pdf-Datei).    
Studienkreis Deutscher Widerstand (Hg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933-1945. Hessen I Regierungsbezirke Gießen und Kassel. 1995 S. 141-142.    
Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany Volume III: Hesse -  Hesse-Nassau - Frankfurt. Hg. von Yad Vashem 1992 (hebräisch) S. 464-465. 
Eugen Caspary/Hans-Helmut Hoos: Die Stadt und ihre Juden. In: Weilburg an der Lahn - 700 Jahre Stadtrechte Weilburg. Weilburg 1995 S. 241-293.  
Hans-Helmut Hoos: Die Stadt Weilburg und ihre Juden. In: Nassauische Annalen 110 1999. S. 237-264. 
Weilburg LIt 025.jpg (82925 Byte)"Jüdische Weilburger im 20. Jahrhundert". Katalog zur gleichnamigen Ausstellung im Bergbau- und Stadtmuseum der Stadt Weilburg an der Lahn vom 6.-30. November 2009. Hrsg.: Stadt Weilburg an der Lahn. Redaktion: Joachim Warlies. ISBN 978-3-00-029318-4. 
Mit Nachtrag: Jüdische Weilburger im 20. Jahrhundert. Ergänzungen und Aktualisierungen zum Katalog nach dem Wissensstand vom November 2011.  
Hinweis: Der Katalog enthält nicht nur alle Texte und alle Exponate der Ausstellung, sondern darüber hinaus weitere Texte und Dokumente. Er diente nicht nur als Handreichung für die Ausstellung, sondern er vermittelt auch in seiner Gesamtheit eine zusammenhängende Darstellung der Geschichte der Weilburger Juden im 20. Jahrhundert.  

    
    


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Weilburg Hesse-Nassau. The Jewish community, established after 1700, was the seat of a district rabbinate (1843-1924) and numbered 220 (6 % of the total) in 1885. Shemuel Hirsch Margulies, its fifth incumbent (1887-1890), became chief rabbi of Florence and head of Italy's rabbinical college. Jews earned their living in the cattle and textile trade, and opened an elegant synagogue in 1845. Jews served on the town council. Affiliated with the rabbinate of Bad Ems, the community numbered 81 in  1933. Nazi persecution, attaining its height on Kristallnacht (9-10 November 1938), forced all the Jews to leave by mid-1939. In all, 58 emigrated, three committed suicide, and 38 perished in Nazi camps.  
    
      

                   
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Stand: 18. Mai 2016