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Usingen mit
Eschbach (Stadt Usingen) und Grävenwiesbach (Hochtaunuskreis)
Jüdische Geschichte / Synagoge
Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english
version)
In Usingen bestand eine jüdische
Gemeinde bis 1938/40. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 18. Jahrhunderts
zurück. Bereits um 1600 lebten einzelne Juden / jüdische Familien in der Stadt:
1602 wird Isak Nehem aus Usingen genannt. Aus der Zeit zwischen 1651 und
1742 gibt es Archivakten über Judenordnungen in Usingen. 1732 wurde eine
besondere Nassau-Usingische Judenordnung erlassen.
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie
folgt: 1801 31 jüdische Einwohner (in sechs Familien, fünf
Alleinstehende), 1842 32, 1867/68 acht jüdische Familien, 1871 27 jüdische
Einwohner (1,5 % von insgesamt
1.798 Einwohnern), 1885 43 (2,3 % von 1.844), 1895 87 (4,6 % von 1.900), 1905 89
(4,7 % von 1.896). Zur jüdischen Gemeinde gehörten auch die in Eschbach,
Grävenwiesbach, später (nach 1920) auch die in
Anspach mit Rod am Berg und Schmitten lebenden jüdischen
Personen. In Eschbach wurden gezählt: 1843 14 jüdische Einwohner (vgl. unten
die Berichte von 1843 über die engagierten Herren Moses Rosenberg und Salomon
Hirschberg), 1867/68 vier
Familien, 1905 zehn jüdische Einwohner; in Grävenwiesbach: 1843 25 jüdische
Einwohner.
Als Vorsteher der Judenschaft in Usingen wird 1834 Elkan Hirsch genannt; er war
Inhaber eines Seifensiedergeschäftes.
Die Namen der jüdischen Familien in Usingen waren u.a. Baum, Gutenstein,
Hirsch, Hirschberg, Lilienstein, Oppenheimer, Rosenberg, Rosenthal, Stern. In
der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden von jüdischen Personen mehrere
Handlungen und Geschäfte am Ort eröffnet. Es gehörten jüdischen
Gewerbetreibenden in der Folgezeit: zwei Kaufhäuser (Baum, Lilienstein), ein
Manufakturwaren- und Konfektionsgeschäft (Hirsch, siehe Anzeige von 1884
unten). eine
Apfelweinkelterei, Likörfabrik und Weingroßhandlung (Rosenberg, siehe
Anzeige von 1890 unten), eine
Landesproduktenhandlung (Lilienstein), zwei Viehhandlungen (Rosenthal, Stern),
ein Metzger (Gutenstein).
An Einrichtungen bestanden eine Synagoge (s.u.), eine jüdische
Schule, ein rituelles Bad. Die Toten der Gemeinde wurden zunächst auf dem
jüdischen Friedhof in Grävenwiesbach,
nach 1884 auf dem damals neu angelegten jüdischen Friedhof in Usingen
beigesetzt. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde
war ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig
war (vgl. Ausschreibungen der Stelle unten).
Allerdings war erst ab etwa 1890 Usingen Sitz eines Lehrers, davor wohnte
der Lehrer für die Gemeinden der Umgebung in Wehrheim
(von 1842 bis 1852 Lehrer Samuel Emden; vgl. auch unten das Engagement von Lehrer M. Goldschmidt für die verarmte Familie
in Eschbach 1883/84). Als Lehrer war in
Usingen von 1892 bis 1938 tätig: Gustav Blum (1908 auf einer Lehrerkonferenz im Limburg
genannt). Die Gemeinde gehörte zum Rabbinatsbezirk Weilburg beziehungsweise
später Bad Ems - Weilburg.
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde: aus Usingen Paul
Gutenstein (geb. 30.7.1898 in Usingen, gef. 1.9.1918) und Unteroffizier Emil
Hirsch (geb. 26.7.1879 in Usingen, gef. 18.4.1917), aus Eschbach Adolf Simon
(geb. 3.12.1896 in Eschbach, vor 1914 in Landau, Pfalz wohnhaft, gef.
9.4.1917). Der spätere erste Gemeindevorsitzende Moritz Rosenberg war im Ersten
Weltkrieg als Offizier eingesetzt und wurde mit dem EK I ausgezeichnet. Die Namen der jüdischen Gefallenen
wurden nach 1933 vom Ehrenmal entfernt; nach 1945 wurden die Namen wieder in den
Stein gemeißelt.
Um 1924, als in der Stadt 77 jüdische Personen lebten (4,0 % von insgesamt
1.956), waren die Gemeindevorsteher die Herren Baum und Hirsch. Als Lehrer und
Kantor war der bereits genannte Gustav Blum tätig. An jüdischen Vereinen
gab es u.a. einen Unterstützungsverein (Chewroth, 1924 unter
Leitung von Jos. Lilienstein mit 15 Mitgliedern, 1932 unter Leitung von Otto
Lilienstein; Zweck und Arbeitsgebiet: Unterstützung Hilfsbedürftiger), eine Ortsgruppe
des "Central-Vereins" (1932 unter Leitung von Julius Hirsch) und
einen "Verein zur Abwehr des Antisemitismus" (1932 unter
Leitung von Julius Hirsch). Zur jüdischen Gemeinde gehörten neben den bereits
genannten Orten Eschbach und Grävenwiesbach inzwischen auch
die in Schmitten lebenden jüdischen
Personen. 1932 waren die Gemeindevorsteher Moritz Rosenberg (1. Vors.), Julius
Hirsch (2. Vors.), Leopold Stern (3. Vors.). Im Schuljahr 1931/32 unterrichtete
Lehrer Gustav Blum 13 Kinder in Religion.
1933 lebten 71 jüdische Personen in Usingen; insgesamt gehörten zur
jüdischen Gemeinde (mit den in Eschbach, Grävenwiesbach, Schmitten,
Anspach
und Rod am Berg lebenden Gemeindegliedern) 120 Personen. In
den folgenden Jahren ist ein Teil der
jüdischen Einwohner auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts,
der zunehmenden Entrechtung und der
Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert. Bis 1938 sind 31 jüdische
Einwohner aus Usingen verzogen, 28 sind ausgewandert (20 in die USA, sieben nach
Frankreich, eine Person nach Palästina), sieben Personen sind noch am Ort
verstorben. Beim Novemberpogrom 1938 brachen SA-Leute und aufgestachelte
Jugendliche gewaltsam in die Häuser jüdischer Familien ein und verwüsteten
die Wohnungen; die noch vorhandenen jüdischen Geschäfte (u.a. von Julius
Hirsch) wurden geplündert. Die
jüdischen Einwohner wurden buchstäblich aus dem Ort geprügelt.
Von den in Usingen geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Rosa Baum geb.
Gutenstein (1875), Helma Blumenfeld geb. Lilienstein (1887), Walter
Briefwechsler (1930), Ida Adele Frühauf geb. Blum (1894), Aaron Adolf
Gutenstein (1864), Alfred Gutenstein (1888), Emil Gutenstein (1890), Gustav
Gutenstein (1891), Sofie Gutenstein (1894), Lina Herz geb. Gutenstein (1888),
Julius Lilienstein (1884), Otto Lilienstein (1891), Robert Lilienstein (1922),
Cäcilie May geb. Rosenberg (1892), Hermann Oppenheimer (1878), Karl Rosenberg
(1882), Willy Rosenberg (1884), Betti Simon geb. Fuld (1901), Hans Simon (1926),
Herbert Simon (1923), Berthold Stern (1900), Kurt Eli Stern (1933).
Seit 1992 befindet sich vor der ehemaligen reformierten Kirche (Alter
Marktplatz 23) ein Gedenkstein mit der Inschrift: "Zum Gedenken an
unsere jüdischen Mitbürger, die unter der Diktatur in Deutschland von
1933-1945 umkamen."
Aus Eschbach sind umgekommen: Johanna Simon geb. Mayer (1887), Lieselotte
Simon (1921), Moritz Simon (1877), Walter Simon (1915; im Alter von 24 Jahren im
KZ Buchenwald am 13.1.1939 ermordet).
Aus Grävenwiesbach sind umgekommen: Isidor Lilienstein (1876), Siegmund
Strauß (1886).
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer
Ausschreibungen der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet 1871 und
1892
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 20. Dezember 1871:
"Lehrer-Gesuch.
In den Gemeinden Wehrheim und Usingen (Nassau) ist die Stelle eines
israelitischen Religionslehrers vakant. Fixer Gehalt 300 Gulden nebst
circa 100 Gulden Nebenakzidenzien inklusive Vorbeterlohn.
Die Stelle kann sofort besetzt werden und wollen sich Bewerber innerhalb 4
Wochen an den Unterzeichneten wenden.
Wehrheim, den 1. Dezember 1871. Alex Hirsch, Kultusvorsteher". |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. Juni 1892:
"Die Stelle eines Religionslehrers, Kantors und Schochets der
Kultusgemeinde Usingen (Hessen-Nassau) mit drei Filialorten soll per 1.
Juli neu besetzt werden. Gehalt einschließlich Nebeneinkommen ca. 1.100
Mark. Offerten erbeten an den
Vorsteher Z. Rosenberg,
Usingen". |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 21. Juli 1892:
"Die Stelle eines Religionslehrers, Vorbeters und Schochets in der
israelitischen Gemeinde Usingen (Nassau) mit drei Filialorten ist
neu zu besetzen. Gehalt inklusive Nebeneinkommen 1.100
Mark.
Für jüngere Lehrer, die sich weiter ausbilden wollen, bietet das hiesige
Lehrer-Seminar beste Gelegenheit.
Reflektanten beliebten ihre Offerten mit Zeugnissen einzusenden an den
Kultusvorsteher Z. Rosenberg,
Usingen." |
Berichte aus dem jüdischen Gemeindeleben
Engagement der Eschbacher Juden Moses Rosenberg und Salomon Hirschberg aus
Eschbach im Blick auf die rechtliche Gleichstellung (1843)
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. August 1843:
"Aus dem Herzogtum Nassau, 17. Juli (Frankfurter Journal). Während
vieler Orten sich Stimmen zu Gunsten Israels erheben, verdienst in diesem
Blatte nicht unerwähnt gelassen zu werden, dass auch in Nassau's Landen
unter den Israeliten der Wunsch nach bürgerlicher Gleichstellung der
Juden rege geworden ist. Folgender Vorgang hat die nähere Veranlassung zu
dieser Aufregung gegeben. Schon früher, durch das höchste Edikt vom 18.
Juni 1841, teilweise aus ihren bisherigen Steuerverhältnissen
herausgehoben und unter Aufhebung des herkömmlichen Schutzgeldes in den
Staatsabgaben den christlichen Landesuntertanen völlig gleichgestellt,
waren die Israeliten des Herzogtums durch eine neuere hohe Regiminalverfügung vom 18. Januar dieses Jahres, unter Aufhebung des zu
den Gemeindekassen zu bezahlenden sogenannten Beisassengeldes, auch zu den
Gemeindesteuerergebungen beitragspflichtig erkannt und ihnen die weitere Verbindlichkeit
der Teilnahme bei allen Gemeindefronden neu auferlegt
worden, unter der Bewilligung, dass sie nun auch alle Gemeindenutzungen
mitgenießen sollten außer Losholz, wo sie es nicht schon früher gehabt,
und Geldverteilungen aus den Gemeindekassen und unentgeltlicher Benutzung
von Gemeindeallmenden, welche zur Verteilung kommen. Da die
Gemeindefronden insbesondere beim Wegbau und zu Waldkulturen sehr
bedeutend sind, so sind die Israeliten des Herzogtums durch jene nur in
Hinsicht der Staats- und Gemeindelasten sie den christlichen Untertanen
gleichstellende Regiminalverfügung offenbar im Nachteil und wahrhaft
bedrückt, wenn sie nicht auch an allen Gemeindenutzungen und namentlich
am Losholz teilnehmen sollen. Die Israeliten Moses Rosenberg und
Salomon Hirschberg zu Eschbach, Amts Usingen, sich der Sache ihres
Volks annehmend, haben darum in einer unterm 26. März dieses Jahres
höchsten Orts eingegebenen Vorstellung Seine Herzogliche Durchlaucht
untertänigst gebeten: 'Durch einen Akt höchster Gnade und hochherziger
Gesinnung die Verhältnisse der Juden in Höchstdero Landen allergnädigst
dahin verbessern zu wollen, dass ihnen völlige bürgerliche
Gleichstellung mit den christlichen Landesuntertanen und mit ihrer
Verbindlichkeit des Beitrags zu allen Gemeindelasten auch
der |
unbeschränkte Bezug aller Gemeindenutzungen und namentlich des Losholzes
verliehen werde.' Und hierauf auf die bürgerliche Gleichstellung der
Israeliten im Allgemeinen übergehend, haben beide Supplikanten
nachstehende, auch anderwärts beherzigenswerte Worte zur höchsten
Kenntnis Seiner Durchlaucht gebracht: 'Nicht wir untertänigste
Supplikanten allein lassen unsere Wünsche um Verbesserung der Zustände
Israels vor den erhabenen Fürstenstuhl Eurer Herzoglichen Durchlaucht
gelangen; auch die Israeliten anderer Gemeinden des Herzogtums, hoffen
wir, werden gleiche Wünsche und gleiche untertänigste Bitte vor Eurer
Durchlaucht oder Höchstdero Behörden gelangen lassen. Ja, aller Orten
der Erde, wo Israel seine Hütten aufgeschlagen, ja über den ganzen Erdenrund
ist unter Israels Nachkommen das Streben zur Wiederaufrichtung Israels
rege geworden und, begünstigt von der Teilnahme edler Herzen unter allen
Nationen, die einstige und endliche Wiederaufrichtung unseres
tiefgefallenen Volks so umso zuversichtlicher zu hoffen. Wohl ihrer noch
viele vom Samen Israels bringen durch ihre Gesinnung, durch ihren Wandel
keine Ehre ein in Israel. Sie gehören zu denen ihres Volks, die, wenn
auch strenge an den Satzungen ihrer Väter haltend, durch den Wucher, dem
sie sich ergeben, oder durch andere Bevorteilung ihrer Nebenmenschen, eine
Schande ihres Geschlechts, eine Plage des Landes sind, worin sie geduldet
werden. Aber nicht ihnen, die in Verstocktheit wandeln, nicht ihnen bürde
man deshalbige Schuld auf. Denn ihre jetzige Verderbtheit ist einzig nur
die Folge aller der Ungerechtigkeiten und Verfolgungen, aller der
Schmacht, mit denen unser Volk Jahrhundert hindurch von seinen
christlichen Mitmenschen überhäuft worden war. Stelle man nur Israels
Geschlecht seinen christlichen Mitbürgern in Allem völlig gleich,
verleihe man ihm eben die Rechte und Freiheiten, wie diese sie
unverkümmert genießen: und ebenso treu wie die christlichen Untertanen
werden auch Israels Nachkommen treu in ihren Pflichten gegen den Staat und
seinen Fürsten erfunden werden. Und gewiss wird dann Israels Geschlecht
auch seine alten Vorurteile stets mehr aufgeben und in Ausübung edlen
Gemeinsinnes und jeglicher bürgerlichen Tugend, wie sie nur von
christlichen Staatsbürgern bezeiget werden, sich auszuzeichnen streben.
Denn ist |
nicht
jetzt schon in Eurer Durchlaucht Landen die Mehrzahl der Juden durch
bürgerliche Tugenden ausgezeichnet, wie sie in eben dem Maße nicht bei
den christlichen Untertanen so allgemein erfunden werden? Sind die Juden
nicht fast durchgängig tätig, erwerbsam, sparsam, nüchtern, ihre Eltern
ehrend und selbst sogar in vielem Bezug sittlicher, wie nicht so
durchgängig die Christen der verschiedenen Konfessionen? Und welches Volk
ist unser allen es betroffenen Verfolgungen dem Gesetze seines Gottes mit
größerer Treue anhänglich geblieben, als das der Juden? Da aber, wo ein
Volk noch solche Vorzüge besitz, da sollte es der Verbesserung seines
bürgerlichen Zustandes jedenfalls nicht länger für unreif oder gar für
unwürdig erachtet, und, anstatt es von seinem Falle aufzurichten, durch
hohe Verfügungen, wie die erwähnte Regiminalverfügung, in seinem
abgesonderten Verhältnis noch länger erhalten werden. Und zutrauensvoll
hoffen wir daher von Eurer Herzoglichen Durchlaucht gnädige Willfahrung
unserer untertänigsten Bitte und verharren in tiefster Ehrfurcht.' - Eine
höchste Entschließung auf diese Eingabe ist zur Zeit noch nicht erfolgt,
sie soll aber, gleichwie diese öffentliche Mitteilung, umso mehr zur
allgemeinen Kenntnis durch Veröffentlichung in diesem Blatte gebracht
werden, als von der anerkannten hochherzigen Gesinnung unseres
hochgeehrten Herzogs nur gnädige Willfahrung der Wünsche Höchstdero
israelitischen Landesuntertanen zu erwarten ist." |
Spendenaufrufe für eine in Not befindliche jüdische
Familie in Eschbach (1883/84)
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit"
vom 3. Januar 1884: "Aufruf! (hebräisch und deutsch:) 'Heil
dem Manne, der sich des Armen annimmt; am Tage des Unglücks rettet auch
ihn der Herr!'
In dem eine Stunde von hier gelegenen Eschbach wohnt eine jüdische
Familie, deren seitheriger Ernährer durch eine Krankheit geistesschwach,
und dessen einziger, verheirateter Sohn, der im Vereine mit dem Vater die
ganze Familie stets ehrenhaft ernährte, durch eine nötig gewordene
Operation schwer krank danieder liegt und noch lange, lange Zeit arbeitsunfähig
sein wird. Das unbedeutende Vermögen ist durch die Schicksalsschläge
nach und nach aus freien Stücken verkauft worden, da die
Schwerheimgesuchten im Vertrauen auf Gott immer besseren Zeiten
entgegensahen, und darum ohne fremde Hilfe auszukommen wünschten. Leider
hat sich diese Hoffnung nicht bestätigt und die Lage der unglücklichen
Familie wird immer trostloser und trüber. Sollte ausreichende Hilfe nicht
bald, ganz bald erscheinen, so steht die arme Schar am Rande des
unabweisbaren Verderbens. Darum liebe Glaubensgenossen, helfet den
Bedrängten, so es noch Zeit ist!
Ich bin bereit, Gaben in Empfang zu nehmen und solche an die unglückliche
Familie zu besorgen!
Wehrheim bei Bad Homburg, 30. Dezember 1883. M. Goldschmidt, Lehrer.
Obige Schilderung beruht auf der reinsten Wahrheit.
Eschbach bei Usingen, 31. Dezember 1883. Der Bürgermeister: Schmidt.
Auch wir sind bereit, Gaben in Empfang zu nehmen und weiter zu befördern.
Die Expedition des 'Israelit'." |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 14. Juli 1884: "Wiederholter
Hilferuf!
Im Januar laufenden Jahres erlaubte ich mir, in Anbetracht einer
unglücklichen jüdischen Familie, an das Zartgefühl Israels in diesem
weitverbreiteten Blatte einen Ruf um Abhilfe des vorhandenen Notstandes zu
erlassen, ohne dass jedoch mein Zweck noch Wunsch erreicht worden wäre,
da die Gaben in gar zu kärglichem Maße flossen. Möge solches wohl
seinen Grund darin haben, dass die Zeiten nicht sehr brillant, die
Wohltätigkeit Israels jedoch ununterbrochen in Anspruch genommen wird.
Dennoch aber kann ich nicht umhin, ohne für die Unglücklichen in
Eschbach bei Usingen, wo der dereinstige Versorger des Hauses
geistesschwach und zur Arbeit unfähig, und der einzige Sohn des Hauses an
den Folgen einer Operation gestorben, wiederholt um Beistand und Hilfe zu
rufen. Bitte, teure Glaubensgenossen, helfet auf einige Zeit ausreichend,
und der liebe Gott Hilfe auch Euch in allen Lagen des Lebens. Gedenket der
Gedrückten und sorget durch Einsendung milder Gaben, die ich ehestens an
ihren Ort gelangen lassen werde, dafür, dass den armen Glaubensgenossen
ein erträglicheres Los werde, als sie seither hatten. Den früheren
Gebern wiederholten Dank, und an die bei der Sache Zurückgebliebenen den
Wunsch um recht freudige Beteiligung.
Wehrheim bei Bad Homburg, am 29. Juni 1884. M. Goldschmidt,
Lehrer.
Obige Angabe bescheinige als auf Wahrheit beruhend
Eschbach bei Usingen, 29. Juni 1884. Der Bürgermeister Schmidt.
Wir sind bereit, weitere Gaben in Empfang zu nehmen und
weiterzubefördern. Die Expedition des 'Israelit'." |
Erste Ergebnisse der Spendensammlung für die in Not geratene
jüdische Familie (1884)
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom
24. März 1884: "Für die bedrängte israelitische Familie zu Eschbach
bei Usingen, sind auf Aufruf in Nr. 1 des 'Israelit' beim Unterzeichneten
wie folgt eingegangen: A. Friedmann, Malchow 1, H. Weiß, Nordenstadt 3,
W. Oppenheimer, Usenborn 4, Gebr. Adler, Rüsselsheim 2, Anonym von Hanau
2, Kantor Cahn von Müllheim 3, Israelitischer Unterstützungsverein,
Worms 4, ein alter Nassauer in Frankfurt am Main 10, Herz Kaufmann,
Ladenburg 5, ungenannt von Helchingen (Hechingen?) 0,50, David
Oppenheimer, Hattersheim 6, Künstler Burghaßloch 10 Mark. Indem ich den
freundlichen Gebern für gesandte Gaben innigst dankte, bitte ich zugleich
Alle, die an dem Schicksal der Schwerheimgesuchten teilnehmen, um
Zusendung weiterer Gaben, da das herannahende hl. Pessachfest
solches besonders wünschenswert erscheinen lässt. Wehrheim, am 2.
Februar 1884. M. Goldschmidt, Lehrer." |
Gemeindebeschreibung von Usingen (1937!)
Artikel
im "Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt"
vom Juni 1937 S. 20. "Usingen. 2000 Einwohner, 50 jüdische
Seelen. - Usingen erhielt 1466 Stadtrechte und ist damit die jüngste
Stadt des deutschen Mittelalters. Lebendige Entwicklung ist erst merkbar,
seit Walrad von Nassau-Usingen es zur Residenz machte, 1660 das Schloss
erbaute, den Hofgarten und die Neustadt als Hugenottenkolonie anlegte.
Neuer Rückgang, als Fürst Karl die Regierung nach Wiesbaden und die
Residenz nach Biebrich verlegte. Auch das paritätische Lehrerseminar,
an dem auch eine Reihe jüdischer Lehrer seine Ausbildung empfing, ist
verlegt. - Die Juden im Gebiete Nassau-Usingen unterliegen im allgemeinen
den Gesetzen wie die anderer nassauischer Gebiete. Kleine Nuancen: 1844
wird den Rabbinern des Gebietes das Prädikat 'Ehrwürden' amtlich
zugebilligt. Seit demselben Jahr allgemeine Wehrpflicht auch für Juden.
1852 erscheint die neue 'Synagogen- und Kultusordnung', aber erst 1861
wird der mittelalterliche Judeneid vor Gericht abgeschafft! Die jüdische
Gemeinde der Stadt ist erst seit etwa 1890 Lehrersitz (vorher saß
der Lehrer des Bezirks in Wehrheim). Fast diese ganze Zeit hindurch lehrt
und wirkt hier und in der ganzen Umgebung in Treue Lehrer Gustav Blum.
Seine Gemeinde hat um 1900 ca. 70, 1909 96, 1913 88, 1937 50 Seelen,
darunter zwei schulpflichtige und zwei jüngere Kinder. Die Synagoge
in der Glaubergasse ist 1885/86 erbaut, hat etwa 60 Plätze, einige alte
Torarollen, deren Herkunft und Alter aber nicht festzustellen sind, und
eine Gedenktafel für die drei Gefallenen der Gemeinde. Der Friedhof
links der Straße nach Oberlauken, 20 Minuten von Usingen. - In der Nähe
Reste zum Teil alter Judensiedlungen, alle auf schönen Wegen zu
erreichen. Kransberg, früher Cranichsberg, wo schon 1346 Jakob von
Cranichsberg als Geldverleihen erscheint, und wo jetzt noch vier Familien
mit neun Seelen, darunter zwei Kinder wohnen. Eschbach, zwei
Familien mit sechs Seelen. Grävenwiesbach mit sieben Seelen, zwei
Stunden nordwestlich von Usingen. Noch weitere 1 1/2 Stunden südwestlich
von Grävenwiesbach der nach Wolfenhausen führende sehr alte und einsame
Judenpfad. - Wie wandern von Usingen südwestlich in zwei Stunden nach Anspach: 2030 Einwohner. Die hiesigen Juden bildeten einst..." |
Berichte zu einzelnen Personen/Familien aus der
jüdischen Gemeinde
92. Geburtstag von Wolf Lilienstein (1911)
Mitteilung
im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 17. November
1911: "Usingen. Der hiesige Einwohner Wolf Lilienstein feierte
den 92. Geburtstag." |
Über den in Usingen geborenen Rechtswissenschafter
Gerald Gunther (geb. Günther Gutenstein, 1927-2002)
Günther Gutenstein - später
Gerald Gunther - ist am 26. Mai 1927 in Usingen geboren. Seine
Vater konnte mit der Familie Anfang November 1939 in die USA emigrieren,
wo Gerald Rechtswissenschaft studierte (Brooklyn College, Columbia
University sowie Harvard Law School). Nach Beendigung
des Studiums war er zwei Jahre beim höchsten amerikanischen Gerichtshof
tätig (US Supreme court). Er war von 1956 bis 1962 als Professor
(für
Verfassungsrecht) an der Columbia University New York und danach Professor an der
Stanfort University California. Gunter war langjähriger
Schriftleiter der "Harvard Law Review". Er starb am 30. Juli
2002. Nachruf auf ihn in "Proceedings of the American
Philosophical Society Vol. 148 No. 4 December 2004" (pdf-Datei,
von hier auch das Foto). |
| Hinweis: Biographie
in den Stanford News Services: "Gerald Gunther, who was born in Germany, came to the United States in 1938 at age 11. He earned academic degrees from Brooklyn College (A.B. 1949), Columbia University (M.A. 1950) and Harvard Law School (LL.B. 1953), where he was note editor of the Harvard Law Review.
Gunther's 1953-54 clerkship with Judge Hand was followed by a 1954-55 clerkship at the U.S. Supreme Court with Chief Justice Earl Warren. Gunther served on the law faculty of Columbia University from 1956 to 1962, when he joined the Stanford faculty. He has been the William Nelson Cromwell Professor of Law since 1972." |
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Nachrufe
auf Gerald Gunther u.a. auch in "Stanford
Report" vom 1. August 2002 und in der "New
York Times" vom 1. August 2002.
Im Artikel des "Stanford Report" werden auch genannt: Gunthers
Frau Barbara sowie die Söhne Daniel Gunther (San Francisco) und Andrew
Gunther (Santa Cruz) sowie der Bruder Herbert Gutenstein (Riverdale, N.Y.). |
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen
Anzeige des Manufaktur- und Konfektionsgeschäftes Emanuel
Hirsch (1884)
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit"
vom 10. März 1884: "Für mein Sabbat und Feiertage geschlossenes
Manufaktur- und Konfektionsgeschäft suche einen Lehrling mit guter
Handschrift.
Emanuel Hirsch, Usingen." |
Lehrlingsgesuche der Weinhandlung und Likörfabrik Z. Rosenberg & Söhne
(1890)
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit"
vom 12. Mai 1890: "Lehrlings-Gesuch.
Wir suchen zum sofortigen Eintritt für unsere Weinhandlung und
Liqueurfabrik einen mit den nötigen Schulkenntnissen versehenen Lehrling,
dem [wir] unter günstigen Bedingungen Kost und Logis im Hause gewähren.
Z. Rosenberg & Söhne, Usingen." |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 25. Dezember 1890:
"Wir suchen per 1. Januar für unsere Weinhandlung und Liqueur-Fabrik
einen Lehrling unter günstigen Bedingungen. Kost und Logis im
Hause.
Z. Rosenberg & Söhne, Usingen." |
Anzeige des Manufakturwaren-, Konfektions-, Möbel- und
Bettengeschäftes Raphael Baum (1903)
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit"
vom 2. Juli 1903:
"Suche zum sofortigen Eintritt einen Lehrling mit guten
Schulzeugnissen bei freier Station.
Raphael Baum, Usingen,
Manufakturwaren, Konfektion, Möbel und Betten." |
Zur Geschichte der Synagoge
Eine Synagoge war in Usingen bereits Anfang des 19. Jahrhunderts
vorhanden, wobei es sich vermutlich um einen Betraum in einem der jüdischen
Wohnhäuser gehandelt hat. 1852 wurde eine neue Synagogen- und Kultusordnung
erlassen. 1877 war die Synagoge in einem so baufälligen Zustand, dass sie nicht
mehr renoviert werden konnte.
1885/86 wurde ein neues Synagogengebäude erricht. Dazu hatte die
Gemeinde eine ehemalige Scheune erworben, die zu einem Synagoge umgebaut werden
konnte. Im Gebäude gab es 40 Plätze für Männer und 18 für Frauen. Die
Gemeindeglieder in Anspach und Rod am Berg hatten einen eigenen
Betraum.
Einige Jahre später gab es Pläne für einen Neubau einer Synagoge, die jedoch
nicht verwirklicht wurden:
Plan für einen Synagogenneubau (1900)
Meldung
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 22. Februar 1900:
"Usingen. Die hiesige israelitische Gemeinde will in der Nähe des 'Hoheberg'
eine neue Synagoge bauen lassen, da die Raumverhältnisse der alten sich
als unzulänglich erweisen." |
Etwa 50 Jahre war die Usinger Synagoge Mittelpunkt des
jüdischen Gemeindelebens am Ort.
Nachdem im September 1938 die Fenster
der Synagoge eingeschlagen und die Inneneinrichtung verwüstet worden waren,
wurde die Synagoge von den noch in der Stadt lebenden jüdischen Personen
aufgegeben. Am 5. November 1938 wurde das Gebäude durch den letzten
Gemeindevorsteher Julius Hirsch verkauft. Die neuen Besitzer bauten das Synagogengebäude zu
einem Wohnhaus um.
Auch nach 1945 blieb das Gebäude erhalten, wurde aber durch verschiedene
Umbauten als ehemalige Synagoge unkenntlich gemacht. 1965 wurden zwei
Inschriften - Teile des Toraschreines - in einem Schutthaufen gefunden (Angabe
bei Arnsberg).
Am Grundstückseingang des im Hinterhof liegenden Synagogengebäudes befindet
sich seit September 1991 eine Gedenktafel mit der Inschrift: "In diesem Gebäude befand
sich vom Beginn des 19. Jahrhunderts bis 1938 die Synagoge der Usinger
Juden".
Adresse/Standort der Synagoge: Klaubergasse
8
Fotos
(Quelle: Innenaufnahmen aus Arnsberg, Bilder S.
192; Fotos 1982/85 aus Altaras s.Lit.; neuere Fotos: Hahn, Aufnahmedatum
8.4.2010)
Historische
Innenaufnahmen
der Synagoge |
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Blick zum Toraschrein
über den Tora-Lesepult |
Blick zur Frauenempore;
erkennbar ist der
schöne Kronleuchter des Betsaales |
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| Nach 1945 |
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Das Gebäude im März 1982:
erkennbar
am Ostgiebel das Rundfenster (früher
über dem Toraschrein
siehe Foto oben)
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Nach einem Umbau ist auch das
Rundfenster
am Ostgiebel verschwunden - die baulichen
Erinnerungen sind
vollkommen beseitigt
(Foto vom September 1985) |
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| Das
ehemalige Synagogengebäude und die Gedenktafel im Frühjahr 2010 |
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Rechts das
ehemalige Synagogengebäude |
Gedenktafel
mit Inschrift: "In diesem Gebäude befand sich von Beginn des 19.
Jahrhunderts bis 1938 die Synagoge der Usinger Juden. In Erinnerung an
unsere jüdischen Mitbürger - der Magistrat der Stadt Usingen"
(Hinweis: beim Foto rechts ist durch Bildbearbeitung die Inschrift besser
lesbar gemacht) |
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Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Paul Arnsberg: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang -
Untergang - Neubeginn. 1971. Bd. II S. 317-319. |
 | ders.: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Bilder -
Dokumente. S. 192. |
 | Thea Altaras: Synagogen in Hessen. Was geschah seit
1945? 1988 S. |
 | dies.: Das jüdische Rituelle Tauchbad und: Synagogen in
Hessen. Was geschah seit 1945 Teil II. 1994. S. 133. |
 | dies.: Neubearbeitung der beiden Bücher 2007² S.
323-324. |
 | Studienkreis Deutscher Widerstand (Hg.):
Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der
Verfolgung 1933-1945. Hessen I Regierungsbezirk Darmstadt. 1995 S.
192-193. |
 | Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish
Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany Volume
III: Hesse - Hesse-Nassau - Frankfurt. Hg. von Yad Vashem 1992
(hebräisch) S. 359-360.
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Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the
Holocaust".
First published in 2001 by NEW
YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad
Vashem Jerusalem, Israel.
Usingen
Hesse-Nassau. Although Jews lived there from the 17th century, numbering 31 in
1801 and opening their third synagogue in 1886, they only won recognition as an
independent community in 1868. Affiliated with the rabbinate of Bad
Ems, the community- which also had members in five neighboring villages -
grew to 126 in 1933. Its synagogue lay in ruins and the community had virtually
disbanded pritor to Kristallnacht (9-10 November 1938), when SA troops
and Hitler-Youth organized a pogrom. No Jews remained in Usingen by 1940, 28
having emigrated (mostly to the United States).

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