Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Wehrheim mit Kransberg (Stadt Usingen) (Hochtaunuskreis)
Jüdische Geschichte / Synagoge

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer   
Aus dem jüdischen Gemeindeleben   
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen     
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen   
Links und Literatur   

   Hinweis: die Publikation "Aus der Wehrheimer Geschichte Nr. 9" (siehe Lit.) konnte noch nicht eingearbeitet werden.    

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)     
   
In Wehrheim bestand eine jüdische Gemeinde bis 1938. Seit wann Juden am Ort lebten (von 1372 bis 1814 hatte Wehrheim Stadtrechte), ist nicht bekannt. Ein erster Nachweis liegt von 1662 vor. Die Entstehung der Gemeinde dürfte in das 18. Jahrhundert zurückgehen.   

Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1830 acht jüdische Familien, 1843 37 jüdische Einwohner, 1871 37 (2,6 % von insgesamt 1.420 Einwohnern), 1885 37 (2,8 % von 1.330), 1905 40, (2,7 % von 1.457), 1910 22 (1,4 % von 1.548). 

Die jüdischen Familienvorstände waren als Viehhändler, Metzger und Kaufleute tätig. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden von ihnen einige Läden beziehungsweise Handlungen am Ort eröffnet (vgl. unten die Anzeigen von 1884 / 1887 der Bäckerei Hirsch und des Manufakturwaren- und Eisengeschäftes von Alex Hirsch).    
   
1845 wird als Gemeindevorsteher Samuel Hirsch genannt. Unter seinen Nachfolgern war Alexander Hirsch (gest. 1886), dann Mayer Hirsch (1886 bis 1889), danach bis zuletzt Adolf Sternberger.    
  
An Einrichtungen bestanden eine Synagoge (s.u.), eine jüdische Schule (Religionsschule) und ein Friedhof. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war (siehe Ausschreibung der Stelle von 1871 unten). Von 1842 bis 1852 unterrichtete Lehrer Samuel Emden die jüdischen Kinder in Wehrheim; der Religionsunterricht fand meist gemeinsam mit den Kindern der Umgebung (Usingen, Anspach usw.) statt. Ab 1890 war der Amtssitz des Lehrers in Usingen. Die Gemeinde gehörte zum Rabbinatsbezirk Weilburg, später Bad Ems - Weilburg.      
 
Um 1924, als zur Gemeinde noch 14 Personen gehörten (0,9 % von insgesamt 1.552 Einwohnern, dazu 11 Personen in Kransberg in vier Familien), war Gemeindevorsteher der bereits genannte Adolf Steinberger (bis zur Auflösung der Gemeinde).     

1933 lebten noch 15 jüdische Personen in Wehrheim (0,9 % von insgesamt 1.639 Einwohnern, in fünf Familien; dazu neun Personen in Kransberg). Die Namen der jüdischen Familien in Wehrheim waren: Steinberger (zwei Personen), Leopold (zwei), Katz (vier), Flörsheimer (zwei) und Rosenberg (drei). In den Jahren nach 1933 ist ein Teil der jüdischen Gemeindeglieder auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts, der zunehmenden Entrechtung und der Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert. Die Familien Katz und Rosenberg konnten in die USA emigrieren.  
  
Von den in Wehrheim geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Settchen Herz geb. Hirsch (1866), Hugo Hermann Hirsch (1874), Jeanette Hirsch geb. Bendheim (1861), Karl Hirsch (1868), Selma Hirsch geb. Hirsch (1872), Siegfried Hirsch (1878), Hedwig Höxter geb. Katz (1892).    
    
An Hugo Herrmann Hirsch, der mit seinen Brüdern 1906 nach Frankfurt-Höchst verzog (Mitinhaber der Lebensmittelgroßhandlung Hugo Hirsch) und 1941 nach Kaunas (Kowno in Litauen) deportiert und ermordet wurde, erinnert in Höchst in der Königsteiner Straße 36 ein "Stolperstein".  
    
    
Zur jüdischen Geschichte in Kransberg 

Zur jüdischen Gemeinde in Wehrheim gehörten auch die in Kransberg lebenden jüdischen Personen. Bereits 1346 wird ein "Jacob von Cranichsberg" als Geldverleiher genannt, der ein Rechtsgeschäft unter Bürgschaft des Juden Anselm von Kronberg in die Frankfurter Gerichtsbücher eintragen ließ (Germania Judaica II,1 S. 452).  Auch im 19./20. Jahrhundert lebten einige jüdische Familien am Ort. 1843 waren es sechs jüdische Einwohner (Familie von Hirsch Goldschmidt), 1905 neun,  1924 elf, 1933 neun, 1937 in vier Familien gleichfalls neun Personen am Ort, darunter zwei Kinder:  

Artikel im "Gemeindeblatt für die Israelitische Gemeinde Frankfurt" vom Juni 1937 S. 20: "Cransberg, früher Cranichsberg, wo schon 1346 Jacob von Cransberg als Geldverleiher erscheint, und wo jetzt noch vier Familien mit neun Seelen, darunter zwei Kinder wohnen."     

Als am 30. März 1945 eine amerikanische Kampftruppe Kransberg besetzte, war unter den Soldaten ein ehemaliger Kransberger Jude: Theo Goldschmidt. Seine Familie war vor dem Krieg noch rechtzeitig nach Amerika emigriert (Quelle: Wikipedia-Artikel zu Kransberg).  
 
Von den in Kransberg geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945": Auguste Goldschmidt geb. Stern (1863), Markus Max Goldschmidt (1868), Josef Seckbach (1911), Max Seckbach (1898).  
  
  
  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
 
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer      
Ausschreibung der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet 1871 

Wehrheim Israelit 20121871.jpg (49293 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 20. Dezember 1871: "Lehrer-Gesuch. In den Gemeinden Wehrheim und Usingen (Nassau) ist die Stelle eines israelitischen Religionslehrers vakant. Fixer Gehalt 300 Gulden nebst circa 100 Gulden Nebenakzidenzien inklusive 100 Gulden Nebenakzidenzien inklusive Vorbeterlohn.  
Die Stelle kann sofort besetzt werden und wollen sich Bewerber innerhalb 4 Wochen an den Unterzeichneten wenden. 
Wehrheim, den 1. Dezember 1871. Alex Hirsch, Kultusvorsteher".   

     
    
Aus dem jüdischen Gemeindeleben      
Kurze Gemeindebeschreibung (1937!)  

Wehrheim GblIsrGF Juni1937 20.jpg (45838 Byte)Artikel im "Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt" vom Juni 1937 S. 20: "Wehrheim. 1600 Seelen, 13 Juden. Alter Ort, 1043 Wirren, 1372 Stadt, gehört durch vier Jahrhunderte mehreren Herrschaft zugleich, ist seit 1803 nassauisch, seit 1866 preußisch. - Die Gemeinde baute vor etwa hundert Jahren ihre kleine, zwischen den Häusern eingeklemmte Synagoge, in der wenigstens an den hohen Feiertagen noch Gottesdienst ist. Der Friedhof, eine 1/4 Stunde südöstlich, rechts von der Straße nach Köppern. 1900 noch 35 Seelen, heute drei Familien mit drei Kindern. Nun in einer guten Stunde der Landstraße nach bis Usingen."     

    
    
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen 
Anzeige des Manufaktur- und Eisengeschäftes von Alex Hirsch (1884)  

Wehrheiim Israelit 02101884.jpg (44120 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 2. Oktober 1884: "Für mein am Samstag und Festtagen streng geschlossenes Manufaktur- und Eisengeschäft suche ich sofort einen angehenden Commis, der auch nebenbei Landkundschaft mit Muster zu besuchen hat. Freie Station im Hause.  
Alex Hirsch, Wehrheim bei Bad Homburg."     

  
Lehrlingsgesuch der Bäckerei Hirsch (1887)  

Wehrheim Israelit 07071887.jpg (23940 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom  7. Juli 1887: "Für meine Bäckerei ein kräftiger Lehrling gesucht. Schabbat und Feiertag geschlossen. Bäcker Hirsch, Wehrheim."     

    
    
    
Zur Geschichte der Synagoge             
   
Zunächst war ein Betraum in einem der jüdischen Häuser in der Hauptstraße vorhanden (nach Angaben von 1845 "seit unvordenklichen Zeiten"). 
 
Mitte des 19. Jahrhunderts (um 1845) wurde die Synagoge in einem noch erhaltenen Haus am Untertor eingerichtet. Beim Synagogengebäude handelt es sich um ein zweigeschossiges Fachwerkhaus in "L"-Form. Im linken Teil (kleiner Schenkel des "L") befand sich die Synagoge, im rechten Gebäudeteil war von der jüdischen Gemeinde an Gemeindeglieder vermietet. Vermutlich war auch ein Schulraum untergebracht.   
  
Auf Grund der zurückgehenden Zahl der jüdischen Einwohner in Wehrheim konnten nur bis 1914 Gottesdienste abgehalten werden. 
       
Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge nicht zerstört. Die Kultusgegenstände waren bereits nach Frankfurt gebracht worden. Das Gebäude wurde zu einem Wohnhaus umgebaut. 
 
Im Rahmen der Dorferneuerung "Alt-Wehrheim" wurde das ehemalige Synagogengebäude Ende der 1980er-Jahre umfassend renoviert. Dabei ist das Fachwerk freigelegt worden. Eine Gedenktafel wurde am Gebäude angebracht.     
  
  
Adresse/Standort der Synagoge     Ecke Untergasse/Untertor 11  (1932: Untergasse 148).    
  
  
Fotos
(Quelle: Arnsberg Bilder S. 197 (um 1970); Altaras 1988 S. 146 (September 1985); Altaras 1994 S. 133; 2007² S. 324 ()   

Das ehemalige Synagogengebäude
um 1970 (Foto links) und 
im September 1985 (Foto rechts)  
Wehrheim Synagoge 111.jpg (78863 Byte) Wehrheim Synagoge 110.jpg (70665 Byte)
Die Synagoge befand sich im oben links abgebildeten Teil des L-förmigen Gebäudes 
(auf rechtem Foto der links vorspringende Gebäudeteil)  
     
Nach der Renovierung Ende der 1980er-Jahre: das ehemalige Synagogengebäude      
Wehrheim Synagoge 122.jpg (45262 Byte) Wehrheim Synagoge 120.jpg (61522 Byte) Wehrheim Synagoge 121.jpg (87679 Byte)
Die Gedenktafel  
  
Blick auf das Gebäude nach 
Freilegung des Fachwerkes  
 Kellerfenster mit zwei Davidsternen 
im Gitter  
     
      
Neue Fotos werden noch ergänzt; über Zusendungen freut sich der Webmaster der "Alemannia Judaica"; Adresse siehe Eingangsseite.    

  
  
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte 

November 2009: Gedenken zum 70. Jahrestag des Novemberpogroms  
 Wehrheim Gedenken 2008.jpg (43493 Byte) Wehrheim Gedenken 2008a.jpg (97766 Byte) Links: Einladung zum Gedenken "Reichspogromnacht - 70 Jahre" 
im "Gemeindemagazin" der Katholischen Gemeinden von Wehrheim im November 2008, Quelle.   
   
  

      

     
Links und Literatur

Links:

Website der Gemeinde Wehrheim 

Website des Geschichts- und Heimatvereins Wehrheim e.V.  

Webportal HS 010.jpg (66495 Byte)Webportal "Vor dem Holocaust" - Fotos zum jüdischen Alltagsleben in Hessen mit Fotos zur jüdischen Geschichte in Kransberg 

Literatur:  

Paul Arnsberg: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang - Untergang - Neubeginn. 1971. Bd. II S. 350-352.    
ders.: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Bilder - Dokumente. S. 197.  
Die jüdische Kultusgemeinde in Wehrheim. Reihe: Aus der Wehrheimer Geschichte Nr. 9 (hrsg. vom Geschichts- und Heimatverein Wehrheim). 1988. S. 1-64. Inhalt: Rückblick: Geschichte der Juden in Deutschland  -  Juden in Naussau  -  Judenemanzipation und Antisemitismus  -  Alte jüdische Familien in Wehrheim  -  Der Übergang zur jüngsten Vergangenheit  -  Vorsteher und Vorstehergehilfen in Wehrheim  -  Die alten Judenbäder  -  Der Kampf des Jessel Manche  -  Die Totenhöfe in Wehrheim und Anspach  -  Jüdische Lehrer in Wehrheim  -  Die jüdischen Familien in Wehrheim und ihre Berufe  -  Die Judengesetzgebung  -  Besitzauflösung und Auswanderung.   
Thea Altaras: Synagogen in Hessen. Was geschah seit 1945? 1988 S. 145-146.  
dies.: Das jüdische Rituelle Tauchbad und: Synagogen in Hessen. Was geschah seit 1945 Teil II. 1994. S. 133-134.   
dies.: Neubearbeitung der beiden Bände. 2007² S. 324.   
Studienkreis Deutscher Widerstand (Hg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933-1945. Hessen I Regierungsbezirk Darmstadt. 1995 S. 195.    
Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany Volume III: Hesse -  Hesse-Nassau - Frankfurt. Hg. von Yad Vashem 1992 (hebräisch) S. 482-483.  
Anna Heinzel / Julia Westhoff: Vom Weggehen und Ankommen. Die Geschichte der Wehrheimer Juden zur Zeit des Dritten Reiches. Maschinenschriftliche Schülerarbeit ca. 2003.   

   
    


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Wehrheim  Hesse-Nassau. Jews lived there from about 1650, engaging in the cattle trade and numbering 30 in 1744. Affiliated with the Bad Ems rabbinate, they opened a new synagogue in 1850 but dwindled to 15 in 1933. By October 1938 the remaining Jews hat emigrated to the United States. 
     
      

                   
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Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 29. Dezember 2016