Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Emmendingen mit Kenzingen (Kreisstadt, Baden-Württemberg) 
Jüdische Geschichte / Betsaal/Synagoge bis 1938/40 

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Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)     
       
In Emmendingen bestand eine jüdische Gemeinde bis 1938. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 17./18. Jahrhundert zurück. Nach der Chronik konnten sich nach dem Dreißigjährigen Krieg die ersten Juden in der Stadt niederlassen (um 1660/70). 1680 wurde Jud Löwel Pächter der Münze und des städtischen Salzhandels-Monopols. 1716 erhielten fünf aus dem schweizerischen Thurgau vertriebene Familien von Markgraf Wilhelm einen Schutzbrief*. 1738 lebten bereits 14 jüdische Familien in der Stadt. 1743 kamen aus Stühlingen vertriebene Familien dazu. 1775 war die Zahl der jüdischen Familien auf acht zurückgegangen, bis 1819 waren es wieder 19 Familien. 
  
*Anmerkung von Günter Boll (Mitteilung vom 17.10.2011) : "Nach jahrelangen genealogischen Recherchen in den einschlägigen Archiven bin ich zu der Überzeugung gelangt, dass die Behauptung Adolf Lewins, "die Vertriebenen der Schweiz", die nach 1715 Aufnahme in der baden-durlachischen Markgrafschaft Hochberg (Emmendingen ...) und den oberbadischen Herrschaften Badenweiler (Müllheim) und Rötteln (Lörrach) fanden, seien aus dem Thurgau ausgewiesene Flüchtlinge gewesen, nicht haltbar ist. Plausibler erscheint deren Herkunft aus rechts- und linksrheinischen Judenwohnorten am Hochrhein (Stühlingen, Tiengen, Horheim ...) und im Surbtal (Endingen, Lengnau) oder aus dem Solothurner Gebiet (Dornach ...). Beweisgültige Indizien dafür gibt es allerdings nicht."
   
Die jüdischen Familien siedelten sich im 18./19. Jahrhundert sowohl im Stadtgebiet wie seit 1728 in der Vor- und Unterstadt Niederemmendingen (vor allem in der Karl-Friedrich-Straße) an. 
    
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1801 158 jüdische Einwohner, 1825 204 (9,4 % von insgesamt 2.165 Einwohnern), 1842 210, 1875 Höchstzahl mit 406 Personen erreicht (11,6 % von insgesamt 3.487 Einwohnern), 1880 239 (9,1 % von 2.617), 1895 379 (7,5 % von 5.133), 1900 369 (5,9 % von 6.219), 1910 351 (4,2 % von 8,379). Zur jüdischen Gemeinde in Emmendingen gehörten auch die in Kenzingen lebenden jüdischen Personen (1924 25 Personen, 1932 19 Personen).

An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde einen Betsaal (1727), dann eine Synagoge (s.u.). Nach dem Bau einer neuen Synagoge wurde die alte Synagoge Kirchstraße 11 nach 1823 zu einem Gemeindehaus mit Kantorenwohnung und Gemeindesaal umgebaut. In ihm befand sich 1830 auch die jüdische Konfessionsschule, später wurde diese (bis zur Aufhebung 1872) in die Karl-Friedrich-Straße 62 verlegt. Lehrer im 19. Jahrhundert waren u.a. ein Lehrer Auerbach (vgl. bei den Anzeigen unten M. Auerbach), nach 1862 K. Bodenheimer. Um 1840 richtete die jüdische Gemeinde ein rituelles Bad am Mühlenbach ein. Es wurde bis etwa 1900 benutzt, danach diente das kleine Badhaus dem Synagogendiener als Wohnung. Nach der Wiederentdeckung 1988 wurde die Mikwe von dem damals gegründeten Verein für jüdische Geschichte und Kultur Emmendingen restauriert und in dem Gebäude 1997 das Jüdische Museum der Stadt eingerichtet (Standort: Schlossplatz 7). Ein älterer Friedhof bestand seit 1717, ein neuer Friedhof seit 1899. Die jüdische Gemeinde gehörte seit 1827 zum Rabbinatsbezirk Breisach, dessen Amtssitz 1885 nach Freiburg i.Br. verlegt wurde.

Die jüdischen Bürger trugen seit dem 19. Jahrhundert in hohem Maß zur wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung Emmendingens bei.
 
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde: Ludwig Goldschmidt (geb. 13.12.1886 in Emmendingen, gef. 13.3.1918), Unteroffizier Alfred Kahn (geb. 1.8.1894 in Emmendingen, gef. 28.10.1916), Moritz Meyer (geb. 30.7.1879 in Emmendingen, gef. 21.8.1917), Vizefeldwebel Otto Veit (geb. 16.1.1891 in Emmendingen, gef. 10.10.1914, Bericht zu seiner Beisetzung siehe unten), Ludwig Weil (geb. 24.9.1888 in Mergentheim, gef. 14.10.1916), Unteroffizier Otto Emil Weil (geb. 1.1.1889 in Emmendingen, gef. 30.7.1915), Unteroffizier Otto H. Weil (geb. 22.9.1891 in Emmendingen, gef. 22.8.1918), David Wolfsbruck (geb. 14.4.1894 in Randegg, gef. 1.9.1916). Ihre Namen stehen auf dem Kriegerdenkmal 1914/18. Außerdem ist gefallen Unteroffizier Prof. Dr. Rudolf Kahn (geb. 24.8.1886 in Emmendingen, vor 1914 in Freiburg wohnhaft, gef. 2.5.1915).  

Um 1924, als 364 jüdische Gemeindeglieder gezählt wurden (4,1 % von 8.835 Einwohnern), waren die Vorsteher der Gemeinde: Simon Veit, Max Wertheim, Isaak Hobel, Emanuel Schwarz, Emil Dreyfuß und Alexander Günzburger. Als Kantor war Hermann Marx angestellt, als Synagogendiener war Alexander Kahn tätig, als Gemeindeschreiber der Hauptlehrer Isaak Hobel, als Gemeinderechner Meier Markus. Isaak Hobel erteilte an öffentlichen Schulen 28 jüdischen Kindern den Religionsunterricht. An jüdischen Vereinen und Wohlfahrtseinrichtungen bestanden der Israelitische Wohltätigkeitsverein "Bikur Cholim" (bzw. Kranken- und Sterbeverein, gegründet ca. 1825; 1924 unter Leitung von Leopold Veit und Berthold Weil, 1932 nur Berthold Weil, 1932 100 Mitglieder), der Israelitische Frauenverein (gegründet 1896, Zweck und Arbeitsgebiet: Kranken- und Wöchnerinnenfürsorge, 1924/32 unter Leitung von Frau H. Goldschmidt, 1932 111 Mitglieder), der Verein Brith scholom (1924 unter Leitung von Leopold Veit mit 73 Mitgliedern, 1932 Leitung Gustav Wertheimer), der Synagogenchorverein (1924 unter Leitung von Ludwig Wertheimer mit 120 Mitgliedern, 1932 Leiter Alfred Odenheimer), die Almosenkasse der Israelitischen Gemeinde (gegründet ca. 1825, Ziel und Arbeitsgebiet: Unterstützung Hilfsbedürftiger, 1932 Leiter Isidor Weil), die Wanderfürsorgestelle (Ziel: Unterstützung von Durchwanderern, 1932 Leiter Kantor Joseph Bandel), der Jugendbund (1932 Leiter Kantor Joseph Bandel), der Reichsbund jüdischer Frontsoldaten (1932 Leiter Herr Hobel) sowie eine Ortsgruppe des Central-Vereins (1932 Leiter Rechtsanwalt Dreifuß). Im Schuljahr 1931/32 erhielten 33 Kinder der Gemeinde Religionsunterricht. 
1932
waren die ersten beiden Gemeindevorsteher (der Vorstand bestand aus fünf Personen) Alfred Odenheimer (1. Vors.), Rechtsanwalt Emil Dreifuß (2. Vors.), als Schriftführer war weiterhin Hauptlehrer Isaak Hobel tätig. Zur Repräsentanz gehörten 20 Personen, die Vorsteher waren Berthold Weil (1. Vors.), Gustav Wertheimer (2. Vors.) und Max I. Weil (3. Vors.). 
  
An ehemaligen, bis nach 1933 bestehenden Dienstleistungs-, Handels- und Gewerbebetrieben sind bekannt: Rosshandlung Isidor Bloch (Karl-Friedrich-Straße 65), Kolonialwarenhandlung Max Bloch (Karl-Friedrich-Straße 36), Rechtsanwalt Emil Dreifuß (Karl-Friedrich-Straße 21), Textilgeschäft Theodor Geismar (Karl-Friedrich-Straße 53), Haushaltwaren Hermann Falk (Theodor-Ludwig-Straße 11), Metzgerei Leopold Goldschmidt (Karl-Friedrich-Straße 17), Viehhandlung Max Goldschmidt (Karl-Friedrich-Straße 38), Viehhandlung Albert Günzburger und Gasthaus "Ochsen“, später Zigarrenfabrik Günzburger & Co. (Karl-Friedrich-Straße 40), Viehhandlung Hermann Günzburger (Karl-Friedrich-Straße 47), Weinhandlung Hugo Günzburger (Goetheplatz 2), Viehhandlung Israel Philipp Günzburger (Karl-Friedrich-Straße 9; bis heute mit Initialen und Wappenstein dieser Fam. Günzburger), Viehhandlung Max Günzburger (Brunnenstraße 16), Sackfabrik Günzburger & Haas (Steinstraße 2), Gasthaus "Zum Schwanen“, Inh. Wwe. Rosa Haas (Karl-Friedrich-Straße 19), Branntwein-Brennerei Max Heilbrunner (Moltkestraße 8), Branntwein-Brennerei, Likörfabrik und Weinhandlung Heilbrunner & Co. (Franz-Josef-Baumgartner-Straße 12), Branntwein-Brennerei, Likörfabrik und Weinhandlung Heilbronner & Moch (Franz-Josef-Baumgartner-Straße 13), Weißwarengeschäft Geschw. Kahn (Lammstraße 12), Lumpensortieranstalt und Altwaren Gebr. Kahn (Haselmatten 7), Kaufhaus S. Knopf (Theodor-Ludwig-Straße 1), Schuhvertrieb A. Löwenthal (Hochburgerstraße 39), Kaufhaus M. Nachmann (Eckhaus Marktplatz/Kirchstraße ), Arzt Dr. Julius Neuburger (Karl-Friedrich-Straße 24), Viehhandlung Hermann Pickard (Mundinger Straße 6, abgebrochen), Viehhandlung Simon Pickard (Karl-Friedrich-Straße 55), Arzt Dr. Wilhelm Reutlinger (Franz-Josef-Baumgartner-Straße 4), Herrenmode-Artikel, Textil- und Aussteuergeschäft Emanuel Schwarz, dann Benjamin Weil (Markgrafenstraße 2), Textilgeschäft Siegfried Schwartz (Lammstraße 14), Metzgerei Albert Veit (Markgrafenstraße 8), Viehhandlung Arthur und Louis Veit (Karl-Friedrich-Straße 32), Viehhandlung Julius Veit (Karl-Friedrich-Straße 63, abgebrochen), Lebensmittel- und Futterartikelhandlung Louis Veit und Viehhandlung Arthur Veit (Theodor-Ludwig-Straße 4), Futtermittelhandlung Samuel Veit (Mundinger Straße 13), Metzgerei Samuel Veit (Karl-Friedrich-Straße 39), Viehhandlung Adolf Weil (Karl-Friedrich-Straße 50), Häute-, Fell- und Rauchwaren-Großhandlung Benedikt Weil & Söhne (Markgrafenstraße 4), Schuhgeschäft Ludwig Wolf und Zigarren-Großhandlung Emil Weil (Markgrafenstraße 45), Bäckerei Fritz Weil (Karl-Friedrich-Straße 1), Aussteuer- und Textilgeschäft Hermann E. Weil (Kirchstraße 9), Weinhandlung Hugo Weil (Karl-Friedrich-Straße  7), Mehlgroßhandlung J. Weil (Hochburgerstraße 4), Lebensmittel-Großhandlung Max Benedikt Weil (Landvogteistraße 6), Viehhandlung Adolf Samuel Weil (Mundinger Straße 8), Feinkost-, Wein- und Zigarrenhandlung Sophie Weinstock (Markgrafenstraße 26), Erste Badische Wein- und Edelbranntwein-Brennerei, Klosterbrennerei GmbH Wertheimer & Cie., Inh. J.M. Wertheimer (Klostergasse 6; eine der führenden Weinbrennereien Deutschlands und die größte Edelbranntwein-Brennerei des Schwarzwaldes), Rechtsanwalt Robert Wertheimer (Marktplatz 4).   
  
Zum Zeitpunkt der nationalsozialistischen Machtergreifung 1933 lebten 296 jüdische Personen in der Stadt (3,1 % von 9,514). Bis 1934/37 nahm die Zahl auf Grund des Zuzuges von umliegenden Landgemeinden trotz der auch in Emmendingen zunehmenden Repressalien und der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts noch nicht ab (1934 348 jüdische Einwohner, 1936 413, 1937 287). 1935 bis zur Aufhebung am 24. April 1937 bestand wieder eine jüdische Volksschule, da den Kindern der Besuch der allgemeinen Schulen nicht mehr möglich war. Am 1. Januar 1938 wurden noch 138 jüdische Einwohner gezählt. Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge zerstört (s.u.), das israelitische Gemeindehaus demoliert, die Friedhöfe geschändet, die Schaufenster jüdische Geschäfte eingeworfen. Von den nach Dachau verschleppten jüdischen Männern wurde Israel Günzburger ermordet. Anfang 1939 wurden die letzten 13, bis dahin noch bestehenden jüdischen Firmen und Geschäfte aufgelöst. Bis Anfang 1940 konnten etwa zwei Drittel der jüdischen Einwohner Emmendingens emigrieren (etwa 100 nach Nordamerika) 
Die letzten 71 jüdischen Gemeindeglieder wurden am 22. Oktober 1940 nach Gurs deportiert.       
    
Von den in Emmendingen geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"):  Leo Alpern (1903), Rosa(lie) Beer geb. Günzburger (1888), Emilie Bergheimer geb. Bloch (1883), David Bloch (1863), Friedrich Bloch (1888), Richard Bloch (1887), Sofie Bloch (1882), Friederike (Rika) Bodenheimer geb. Sinsheimer (1857), Siegfried Bodenheimer (1868), Peter Bradt (1913), Melanie Breisacher (1903), Berta Brummer geb. Liebhold (1895), Emil Dreifuß (1865), Emma Dreifuss geb. Veit (1858), Mathilde Dreifuß (1885), Rosa Dreifuss geb. Günzburger (1876), Marie Fonteyn geb. Weil (1914), Liesel Freundlich geb. Seligmann (1923), Marie Fröhlich geb. Goldschmidt (1880), Ida Fürst geb. Wertheimer (1891), Alfred Geismar (1925), Emma Geismar geb. Blum (1874), Hedwig Geismar geb. Günzburger (1888), Max Geismar (1884), Salomon Geismar (1875), Johanna Goldberg (1896), Olga Goldberg (1868), Hilda Grünebaum geb. Weil (1888), Alfred Günzburger (1894), Hermann Günzburger (1886), Israel Günzburger (1857), Jakob Günzburger (1883), Johanna Günzburger I (1886), Johanna Günzburger II (1883), Julius Günzburger (1875), Max Günzburger (1881), Richard Günzburger (1903), Siegfried Günzburger (1885), Sophie Günzburger geb. Günzburger (1879), Sophie Günzburger (1882), Walter Günzburger (1917), Fanny Haas (1897), Frieda Haas geb. Veit (1897), Julius Haas (1874), Sofie Haas (1872), Thekla Haas (), Hilda Haberer geb. Wurmser (1886), Siegfried Hauser (1881), Nanette Heilbronner geb. Bernheim (1859), Ludwig Herz (1872), Isack Hobel (1887), Melitta Hobel geb. Gundelfinger (1886), Babette Hochstätter (1869), Leo Hofeler (1897), Betty Hofmann (1912), Mathilde Kahn geb. Hirsch (1871), Elsa Kohlmann geb. Günzburger (1889), Selma Kraus (1887), Ida Levistein (1874), Fanny Levy (1899), Ida Lion geb. Günzburger (1885), Siegfried Maier (1897), Thekla Mannheimer geb. Haas (1894), Elsa Mayer (1909), Emil Mayer (1874), Hermine Mayer geb. Greilsheimer (1879), Lydia Mayer (1902), Martha Mayer (1907), Max Mayer (1873), Balbine Moch geb. Weil (1867), Leopold Moch (1885), Stefanie Moch geb. Heilbrunner (1891), Else Müller (1909), Luise Nahm (1900), Albert Neumann (1869), Emma Olesheimer geb. Weil (1857), Henriette Pickard geb. Günzburger (1860), Ida Reiss (1860), Camilla (Kamilla) Roos geb. Pickard (1888), Hermine Roos geb. Günzburger (1882), Hermann Ross (1888), Lina Ruben (1896), Gertrud Schloss geb. Haas (1899), Hilda Schustermann (1907), Emma Schwab (1885), Elsa Ullmann geb. Heilbrunner (1889), Lise Ullmann (1859), Anna Valfer geb. Weil (18794), Flora Veit (1897), Samuel Veit (1866), Simon Veit (1851), Anna Weil geb. Heim (1880), Arthur Weil (1887), Elias Weil (1877), Elise Weil geb. Heim (1878), Elsa Weil geb. Wurmser (1890), Erich Weil (1910), Flora Weil geb. Höchstetter (1892), Frieda Weil (1877), Fritz Weil (1909), Heinz Weil (1923), Ida Weil geb. Veit (1876), Irma Weil (1909), Jette Weil geb. Veit (1854), Julius Weil I (1873), Julius Weil II (1873), Julius Weil III (1884), Lina Weil (1867), Lina Weil geb. Mai (1896), Luise Weil (1877), Marie Weil (1914), Max Weil (1878), Moritz Weil I (1855), Moritz Weil II (1873), Rosa Weil geb. Veit (1857), Rolf Weinstock (1920), Sofie Weinstock geb. Heilbrunner (1884), Jakob Wendel (1876), Lina Wendel geb. Weil (1880), Flora Wertheimer (1867), Sofie Wertheimer geb. Günzburger (1877), Lina Wolff geb. Günzburger (1885), Ludwig Wolf (1864).  
  
  
Nach 1945: Zur Neubegründung einer Gemeinde kam es in Emmendingen durch den Zuzug jüdischen Emigranten aus den GUS-Ländern im Februar 1995 (vgl. nächste Seite). 
     
     
     
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
 
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer / Kantoren  
Ausschreibungen der Stelle des Vorbeters  und Schochet 1877
Anmerkung: auf Grund der Größe der Gemeinde waren bereits in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts die Ämter des Lehrers, Kantors und Schochet auf zwei Personen verteilt. Neben dem jüdischen Elementarlehrer war der Kantor angestellt, der zugleich das Amt des Schächtens innehatte. Die Stelle wurde sowohl in der orthodox-jüdischen Zeitschrift "Der Israelit", als auch in der liberalen "Allgemeinen Zeitung des Judentums" ausgeschrieben, was von einer liberalen Grundeinstellung der jüdischen Gemeinde zeugt.

Emmendingen Israelit 09051877.jpg (60247 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 9. Mai 1877: "Kantorstelle. Bei der hiesigen Israelitischen Gemeinde ist die Stelle eines Kantors und Schächters bis zum 1. Juli dieses Jahres zu besetzen. Fixen Gehalt Mark 1.200 und der Schächterdienst trägt ca. 800-900 Mark ein. Musikalische gebildete Bewerber, nicht über 35 Jahre alt, welche die Fähigkeit besitzen, Religionsunterricht zu erteilen, mit Chor vorzubeten, sowie die Synagogengesänge einzuüben, werden bevorzugt.
Reisekosten werden nur demjenigen vergütet, welchem die Stelle übertragen wird. Emmendingen (Baden), im April 1877. J. Wertheimer, Vorsteher".  
  
Emmendingen AZJ 15051877.jpg (50269 Byte)Anzeige mit demselben Text wie oben in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 15. Mai 1877.  

     
Auszeichnung für Hauptlehrer Jakob Wolfsbruck (1914)        

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 6. März 1914: "Aus Karlsruhe wird geschrieben: Der Oberrat hat für das Jahr 1914 folgende Fanny Weil'sche Tugendpreise verliehen: im Betrage von 500 Mark dem Hauptlehrer Jakob Wolfsbruck an der Volksschule in Emmendingen; im Betrage von 300 Mark der Frau Rosa Wachenheimer Witwe in Schmieheim, der Frau Regine Seelig in Mannheim und der Frau Malchen Kälbermann in Großeicholzheim."         

    
    
Besondere Ereignisse im jüdischen Gemeinde- und Vereinsleben  
Die Tagung des "Allgemeinen Landesvereins im Großherzogtum Baden zur Verbesserung der inneren und äußeren Zustände des Juden" (1847)  

Emmendingen AZJ 04101847.jpg (175502 Byte) Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 4. Oktober 1847: "Mannheim, 20. September (1847). Ich sende Ihnen anbei zwei Bekanntmachungen, um deren Abdruck ich Sie ersuche. W. 
Allgemeiner Landesverein im Großherzogtum Baden zur Verbesserung der inneren und äußeren Zustände der Juden.
Die Mitglieder des allgemeinen Landesvereins, der Lokalvereine und Alle, welche sich für den geistigen, politischen und sozialen Forschritt unserer Glaubensgenossen interessieren, werden zu einer Generalversammlung auf Dienstag, den 28. September, Morgens 8 Uhr nach Emmendingen im Breisgau eingeladen. 
Tagesordnung: 1) Besprechung über die in Betreff der bürgerlichen Gleichstellung an die hohe Regierung und an die Landstände einzureichenden Petitionen. 2) Besprechung über die gewerblichen Verhältnisse unserer Glaubensgenossen. 3) Eingabe an den großherzoglichen Oberrat wegen Berufung einer allgemeinen Synode. 4) Besprechung über die Frage: Inwiefern den in den Versammlungen deutscher Rabbiner gefassten Beschlüssen Geltung in unserm Großherzogtum verschafft werden könne?
Mannheim, den 1. September 1847. Der geschäftsleitende Ausschuss: Dr. Ladenburg. Eller. Lenel, Mai. Wagner. 

Bekanntmachung. Nachdem in Folge diesseitiger Bekanntmachung vom 24. Juni dieses Jahres die Mitglieder der Rabbinerversammlung in Betreff der für die vierte Versammlung festzusetzenden Zahl ihre Stimmen anher abgegeben haben, sieht sich der unterzeichnete Ausschuss zu folgender Veröffentlichung veranlasst: Von den Mitgliedern der dritten Rabbinerversammlung haben zwölf in schriftlicher Mitteilung ihr Bedauern ausgedrückt, dass es ihnen, nachdem die Versammlung am bestimmten Termine nicht abgehalten werden konnte, amtliche Verhältnisse unmöglich machen, an einer noch im Laufe des Jahres 1847 abzuhaltenden Versammlung sich zu beteiligen. In Berücksichtigung dieser Äußerungen glaubt nun der unterzeichnete Ausschuss sein Mandat nicht zu überschreiten und im Sinne der übrigen verehrlichen Mitglieder zu handeln, wenn er hiermit erklärt, dass die vierte Rabbinerversammlung auf nächstes Jahr verschoben und vom 17. Juli 18548 eröffnet werden soll. 
Mannheim 26. August 1847. Der Ausschuss für die vierte Rabbinerversammlung: Wagner, A. Adler, S. Adler, Formstecher, Stein."
  
Emmendingen AZJ 24011848.jpg (121782 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 24. Januar 1848: "Aus Baden, im Januar. Erst jetzt liegt das gedruckte Protokoll der dritten Generalversammlung des 'allgemeinen Landesvereins in Baden für die Verbesserung der inneren und äußeren Zustände der Juden', gehalten zu Emmendingen am 28. September vorigen Jahres, uns vor und erfreut durch die sichtlich wachsende Teilnahme, die dieser Verein genießt. 115 Mitglieder hatten sich am gedachten Tage versammelt. Die Versammlung beauftragt einstimmig den Ausschuss, weitere Schritte bei Regierung und Ständen zur Erlangung der bürgerlichen Gleichstellung zu tun. Die geringeren Fortschritte in gewerblicher Beziehung wurden in der Diskussion teils im Mangel an Freizügigkeit, teils in manchen Religionssatzungen, in den vielen Feiertagen, der Entfernung der Kohanim aus dem Hause bei Sterbefällen in derselben Häuserreihe, teils in nicht genügender Sachkenntnis gefunden. Der dritte Gegenstand der Beratung war eine Eingabe an den Oberrat wegen Berufung einer allgemeinen Synode, welche aus den sämtlichen Rabbinen des Landes, einer doppelten Anzahl von Laien, welche die Gemeinden wählen, und den Mitgliedern des Oberrats bestehen soll. Der vierte Gegenstand wurde ebenfalls mit einer an Einhelligkeit grenzenden Majorität angenommen, und lautete: 'eine Eingabe an den Oberrat abzufassen, in der das Gesuch gestellt wird, die Beschlüsse der deutschen Rabbinerversammlung einer badischen Synode zur Begutachtung vorzulegen, von denen in Betreff der Kultus-, Sabbat- und Festtagsfragen, sowie der Trauergebräuche als die wichtigsten zuerst zur Behandlung gebracht werden mögen.' - Die Diskussionen waren durchgängig sehr belebt und anziehend, und wurden einige vortreffliche Reden gehalten, sowie die Vorberichte und Eingaben sehr gut abgefasst sind. Allerdings ist die Wirksamkeit des Vereins in den gedachten Gegenständen nur eine sehr bedingte, da die Erfüllung einerseits von Regierung und Ständen, andererseits von dem Oberrat abhängig ist, - allein die kräftige Aussprache dessen, was in einer Mehrzahl der badischen Juden liegt, und die Erweckung von Fragen in Tausenden, die sonst um die wichtigsten Angelegenheiten sich nicht kümmern, und teilnahmslos ihren Weg gehen, ist schon Verdienst und Wirksamkeit genug."

    
Initiative zur Gründung eines jüdischen Sterbekassenvereins (1872)  

Emmendingen Israelit 21021872.jpg (123771 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 21. Februar 1872: "Aus Baden. Die Synagogenräte der Gemeinden Altdorf, Breisach, Ettenheim, Emmendingen, Freiburg, Ihringen, Kippenheim, Müllheim, Schmieheim erließen an die israelitischen Gemeinden Badens einen Aufruf, in welchem sie dieselben zum Beitritte zu der Gründung eines jüdischen Sterbekassenvereins auffordern, dessen Aufgabe sei, den Hinterlassenen eines jeden Familienvaters, - reich oder arm - der Mitglied rubr. Vereins war, eine Summe von 1000 Gulden auszuzahlen und zwar innerhalb 30 Tage nach dem Sterbefall. 
Dieses Projekt wurde von einem Amerikaner, Herrn Jonas Weil aus New York, geborener Emmendinger, welcher Mitglied eines ähnlichen amerikanischen Vereins 'Bene Beris' in New York ist, unter Mithilfe des Herrn Hauptlehrer Bodenheimer in Emmendingen, bei nachfolgenden Gemeinden schon zur Ausführung gebracht; nämlich in: Emmendingen, Freiburg, Breisach, Schmieheim, Kippenheim, Altdorf, Ettenheim, Ihringen, Müllheim, zusammen mit mehr als 500 Mitgliedern.  
In Baden wohnen ungefähr 25.000 Israeliten, welche ca. 5.000 Familienväter repräsentieren. Treten von diesen 5.000 auch nur 4.000 diesem nicht genug hoch zu schätzenden Sterbekassenvereine bei, so würde ein Beitrag von 15 Kreuzer bei jeglichem Sterbefalle dieser 4.000 Mitglieder hinreichen, der Witwe oder den Waisen die erkleckliche Summe von 1.000 Gulden auszahlen zu können. 
Der New Yorker Verein, der 4.200 Mitglieder zählt, hat nach statistischen Zusammenstellungen bisher höchstens 20 Sterbefälle pro Jahr und würde nach dieser Annahme 5 Gulden als jährlicher Beitrag zur sofortigen Ausbezahlung der 1000 Gulden schon hinreichen.   
Die Statuten dieses Vereins sollen am Sonntag, den 25. Februar dieses Jahres, in Freiburg von den Delegierten der betreffenden Gemeinden beraten und endgültig festgesetzt werden."   

     
Gründung eines "Sterbekasse-Vereins" (1872)  

Emmendingen Israelit 01051872.jpg (64910 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 1. Mai 1872: "Emmendingen (Baden). Wir haben schon vor einiger Zeit mitgeteilt, dass auf Veranlassung der Herren Jonas Weil aus New York und Hauptlehrer Bodenheimer in Emmendingen ein ‚Sterbekasse-Verein’ gegründet worden und dessen Wohltaten sich womöglich über sämtliche Israeliten Badens erstrecken sollen. – Inzwischen hat in Freiburg eine Delegiertenversammlung badischer Israeliten stattgefunden, in welcher die Statuten entworfen wurden. Sobald der Verein 2.000 Mitglieder zählt, wird er seine Tätigkeit beginnen. Der Verein wird den Hinterlassenen eines Mitgliedes ein Minimum von 500 Gulden und ein Maximum von 1.000 Gulden auszahlen."

 
Gründung eines "Vereins zur Förderung des Handwerkes und der technischen Berufsarten unter den Israeliten des Großherzogtums Baden" (1890)  

Emmendingen Israelit 12011891.jpg (99535 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 12. Januar 1891: "Ein schönes Zeichen der Anhänglichkeit an die Glaubensgenossen in der Heimat ist dem ‚Verein zur Förderung des Handwerks und der technischen Berufsarten unter den Israeliten des Großherzogtums Baden’ (Abteilung Freiburg i. Br.) von dem in New York lebenden, aus Emmendingen in Baden stammenden Herrn Jonas Weil zugegangen. Derselbe übersandte unterm 2. Dezember 1890 dem Vorstande einen Wechsel über 225 Mark und zugleich eine Liste derjenigen Herren, welche sich auf seine Fürsprache zu einem jährlichen Mitglieder-Beitrage von 1 bis 5 Dollars bereit erklärt haben. Wir veröffentlichen gern die Namen dieser hochherzigen Geber, deren Beispiel vielfache Nachahmung verdient. Es zeichneten folgende Herren: Rafael Sturmann, Barnett Sturmann, Hyman Wittkower, Wm. Prager, R. Bromberger, P. Hirschfield, Ralph Prager, Lesser Prager, Samuel Wornecker, A.S. Kalischer, Josef Morris, H. Batt, J. Crook, Isac Phillipps, S. Rothschild, Emil Mayer, M. Rothschild, A Wolf, N. Loewy, A. Alex. Loewy, A. Beller, S. Beller, E. Frank, Mayer Finn, M. Kahn, A. Kalischer, S. Jarmulowsky, J. Weil, Edm. Weil, J. Rinaldo, Max Aronson, Isidor Rosenthal, M. Grünstein, Plaut, je 1 Dollar, S. und D.S. Korn, Grabenheimer je 2 Dollar, M. Goldschmidt und Familie, B. Meyer, J. Weil je 5 Dollar, sämtlich in New York, S. Stein in Jersey-City 1 Dollar."

    
Pressearbeit gegen den Antisemitismus (1891) 

Emmendingen AZJ 20111891.jpg (54824 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 20. November 1891: "Emmendingen (Baden), den 30. Oktober. Angesichts der Bestrebungen, das Gift des Antisemitismus auch im Badischen Lande zu verbreiten, ist es erfreulich und wahrhaft wohltuend, in dem hier erscheinenden ‚Hochberger Boten’ einen Artikel zu finden, der das Treiben dieser Patrioten klar charakterisiert und scharf verurteilt. Die Israeliten hiesiger Stadt, sowie des Badischen Oberlandes, wo der ‚Hochberger Bote’ sehr verbreitet und gern gelesen wird, wissen Herrn A. Dölter, dem Redakteur des genannten Blattes, Dank für seine Beurteilung der Judenfrage, umso mehr, als diese Beurteilung von einem Manne herrührt, der seit vielen Jahren einer der eifrigsten Führer der hiesigen nationalliberalen Partei ist."

  
Einweihung des Kriegerdenkmals zu Ehren der Kriegsteilnehmer 1870/71 (1897)  

Emmendingen Israelit 21101897.jpg (179739 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 21. Oktober 1897: "Aus Baden, 3. Oktober (1897). Am Sonntag, den 26. September wurde in der Stadt Emmendingen zu Ehren der dortigen, eingeborenen Krieger vom Jahre 1870/71 ein Kriegerdenkmal unter größeren Festlichkeiten enthüllt. Mit dieser Enthüllung wurde auch eine besondere Ehrung der noch lebenden Emmendinger Kriegsveteranen aus jenen denkwürdigen Kämpfen verbunden, indem jedem derselben, worunter sich auch zwei Israeliten befinden, nämlich Dr. med. Bloch aus Freiburg i.Br. und Hauptlehrer Weil aus Eichstetten, vom Bürgermeister der Stadt Emmendingen eine geschmackvoll geprägte, silberne Erinnerungsmedaille angesichts Hunderter von Festteilnehmer öffentlich überreicht wurde. Aber auch der bereits verstorbenen Kämpfer von 1870/71 sollte nicht vergessen werden, indem auf den Friedhöfen der verschiedenen Konfessionen zu Ehren der dort ruhenden Krieger eine würdige Gedächtnisfeier veranstaltet wurde. Auf dem jüdischen Friedhofe, auf welchem zwei derselben beerdigt sind, wurde diese Feier am Sonntagvormittag, dem Tag vor Rosch Haschana (Neujahrsfest) abgehalten. Zu diesem Zwecke begaben sich der ganze Emmendinger Militärverein mit seiner Fahne, sämtlichen Veteranen, eine Abordnung des Stadt- und Synagogenrates und eine große Anzahl jüdischer Einwohner in feierlichem Zuge auf den jüdischen Friedhof. Dort hielt der Kriegsveteran, Herr Hauptlehrer Weil von Eichstetten, eine feierliche Ansprache an die Versammelten, in welcher derselbe in gediegenen Worten die schöne, sinnreiche Bedeutung dieser Gedenkfeier hervorhob. Hierauf begab sich derselbe auf die Gräber der beiden verstorbenen Krieger und widmete jedem derselben einen kurzen, ehrenden Nachruf, welchem ein von Herrn Kantor Goldberg laut und feierlich vorgetragenes, hebräisches Gebet folgte. Nachdem Herr Hauptlehrer Weil noch ein kurzes Schlusswort an die Versammelten gerichtet, in welchem dieselben ermahnt wurden, sobald der Ruf des obersten Kriegsherrn an seine Krieger wieder ergehen sollte, mit gleicher Treue und mit demselben tapferen Kampfesmute, wie die beiden Verstorbenen, seiner Fahne zu folgen mit Gott für Fürst und Vaterland, schieden die Versammelten mit sichtbarer Rührung und Befriedigung über den äußerst würdigen Verlauf dieser Erinnerungsfeier. Dieser Akt wahrer Pietät und echter Toleranz auf einem jüdischen Friedhofe ist gewiss ein erfreulicher Lichtblick in unserer gegenwärtigen, viel bewegten Zeit der schwersten, konfessionellen Anfeindungen und gereicht seinen Veranstaltern, ganz besonders aber den zahlreichen, nichtjüdischen Teilnehmern zu hohen Ehre."

 
Gesangsfest des oberbadischen Synagogenchor-Verbandes in Emmendingen (1904)  

Emmendingen Israelit 30051904.jpg (266635 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. Mai 1904: "4. Gesangsfest des oberbadischen Synagogenchor-Verbandes. Bericht von Lazar Schön. Emmendingen, 26. Mai (1904). 
Bevor wir auf die nähere Berichterstattung dieses Gesangsfestes eingehen, wollen wir die Leser mit den Zielen dieser Feste bekannt machen.
Seit dem Jahre 1897 besteht der Verband oberbadischer Synagogenchöre und hat sich derselbe die Aufgabe gestellt, die Würde und Weihe des Gottesdienstes zu mehren und die Andacht durch gefühlvoll vorgetragene Chöre zu heben. Schon in den Jahren 1897, 1899 und 1901 fanden solche Verbandsfeste in den Gemeinden Offenburg, Kippenheim und Freiburg statt und neuerdings am 22. Mai dieses Jahres in Emmendingen als viertes Gesangsfest des oberbadischen Synagogenchor-Verbandes. Das Programm war glücklich gewählt und war die Reihenfolge der verschiedenen Arrangements folgende: vormittags 10 Uhr: Hauptprobe für die Gesamtchöre im Saalbau zum ‚Drei König’. Vormittags 10 Uhr 30 Min: Generalversammlung der Vorstände der Verbandsvereine und der hierzu eingeladenen Gäste im Rathause. Nachmittags 1 ¼ Uhr: Aufführung synagogaler Gesänge im Saalbau zum ‚Drei König’. Nachmittags 4 Uhr: Festessen im Bautz’schen Gartensaal. Nachmittags 7 Uhr: Bankett mit darauf folgender gesellschaftlicher Unterhaltung im Saalbau zum ‚Drei König’.
Gegen 11 Uhr versammelten sich die Gäste im Saalbau zum ‚Drei König’, wo laut Programm die Hauptprobe für die Gesamtchöre, ferner die Generalversammlung der Vorstände der Verbandsvereine stattfand.   
Nachmittags um 2 Uhr war der in badischen Landesfarben prachtvoll geschmückte Saalbau bis auf den letzten Platz besetzt - ungefähr 900 - 1000 Gäste, Damen und Herren - an der Zahl, galt es doch den weihevollen, Herz und Gemüt ergreifenden synagogalen Gesängen zu lauschen! Ein Zeichen, wie die Juden in Baden von ihren christlichen Mitbürgern geehrt und geschätzt werden, beweist schon die Tatsache, dass auch die Herren Geheimer Regierungsrat Salzer, Oberamtsrichter Schiedelseder, Oberbauinspektor Bürgerlin und Notar Welcker und noch diverse andere als Vertreter der christlichen Konfessionen anwesend waren. 
Unter der Leitung des Kantors Herrn M. Goldberg begannen die synagogalen Gesänge mit 'Matowu', das von dem Gesamtchor, bestehend aus den Chören der Gemeinden Bühl, Eichstetten, Freiburg, Kippenheim, Nonnenweier, Offenburg und Emmendingen in wirklich erhebender Weise vorgetragen wurde. 
Die Chöre der genannten Gemeinden sangen auch einzeln und konnte man sich dabei mit freudiger Genugtuung überzeugen, dass der Gesang von den oberbadischen Verbandsvereinen in einer Weise gepflegt wird, wie es ihnen nur zur Ehre gereichen kann. Der große Applaus, der verdiente Beifall, den die Sänger ernten konnten, bewies ihre meisterhafte Schulen und ihre großen Leistungen, - und wahrlich, selbst der schärfste Kritiker musste verlegen sein, da alles aufs herrlichste gelungen ist. Der Beachtung wohl wert ist dabei die Tatsache, dass der Synagogenchor von Bühl für ein Landesfest einen zu schwierigen Gesang gewählt hatte, wir meinen, für einen intimen Künstlerkreis hätte er eine noch weit bessere verständnisvollere Wirkung abgegeben. Herrn Kantor M. Goldberg aber, in ihm ist alle Ehre und aller Ruhm verkörpert; feiern wir ihn als einen genialen Künstler, und die Verkünder seiner Kunst sind damit in ihm und mit ihm in gleicher Weise geehrt!
Nach Erledigung dieses zu aller Zufriedenheit ausgefallenen Teils des Programms ging man daran, bei einem solennen Fest wohl nach dem geistigen Genuss, auch den Körper zu seinem Rechte kommen zu lassen. Zu diesem Zwecke versammelten sich die Gäste allgemach im Bautz'schen Gartensaal, wo der Vorsteher der jüdischen Gemeinde, Herr Heinrich Weil, die Gäste herzlich willkommen hieß. Im Namen der Stadt begrüßte dann Herr Gemeinderat Philipp Günzburg die Festversammlung, nicht ohne gleichzeitig die Versicherung abzugeben, dass sie alles aufbieten werde, um den Gästen angenehme Stunden zu verschaffen und frohe Erinnerungen zu hinterlassen. 
Der Verbandspräsident, Herr Simon Veit, begrüßte dann in schwungvollen Worten die Gäste namens der Verbandsleitung und sprach den Herren Vertretern, den Sängern und Sängerinnen, die zum Gelingen des Festes beigetragen haben, den herzlichsten Dank aus. Ferner gedachte der Redner in pietätvoller Weise des Komponisten Sulzer, dessen hundertster Geburtstag in diesem Jahre gefeiert wurde. 
Besonders der zweite Teil der wohl durchdachten Rede ist hervorzuheben, in welchem Herr Veit die soziale Stellung der Juden unter der glorreichen Regierung Seiner königlichen Hoheit des Großherzogs Friedrich von Baden besprach, dessen Liberalität er ebenso feierte, wie er die Wohltat hervorhob, die den Juden von diesem tiefedlen Fürsten zuteil wurde. 'Darum - so zitiert der Herr Redner - schlagen unsere Herzen in Liebe und Dankbarkeit dem edelsten Fürsten entgegen, 
Emmendingen Israelit 30051904a.jpg (211562 Byte)und unseren Widersachern zum Trotz wollen wir beweisen, dass auch der der Religion seiner Väter anhängliche Jude mit allen Fasern seines Herzens zugleich ein guter Deutscher, ein guter Patriot sein kann.' Das waren Worte, aus dem Herzen Aller gesprochen, und der große Applaus, der nicht enden wollende Beifall, mit dem seine Rede und das Hoch auf den Beschützer aller Konfessionen - Großherzog Friedrich - aufgenommen wurde, sprach alles aus. Freude und Dankbarkeit las man aus aller Augen und die frohe Stimmung klang aus in die Hymne: 'Heil unserm Fürsten, Heil!'. 
Darauf ergriff Harr Kantor Goldberg das Wort, von dessen öfters mit stürmischem Beifall aufgenommenen Rede wir Folgendes hervorheben: In kurzen Zügen entwarf er ein Bild von der segensreichen Tätigkeit des Großherzoglichen Oberrats für die Israeliten in Baden, hob besonders die Besteuerungsordnung hervor, die Verteilung der allgemeinen Kirchensteuer, durch welche die großen und leistungsfähigen Gemeinden an den Lasten der kleinen tragen helfen, die Gründung der Synode; ferner verbreitete sich der Redner über die Schaffung der Pensionskasse für Religionslehrer und Kantoren Badens. Herr Kantor Goldberg erklärte ferner, dass, während in anderen Ländern Kantoren, die wehmutsvoll ausrufen müssen - es ist mir die Kehle verdorrt, ich habe meinen einzigen Reichtum, mein einziges Juwel, mein ganzes Hab und Gut auf den Altar des Judentums niedergelegt, ich bin machtlos, ich kann nicht weiter: Die Stimme, mein Brot, erstarb mir im Munde! - keinen Anspruch auf Pensionierung haben und in Folge dieses Mangels Witwen und Waisen nur zu oft völlig brotlos werden, Baden eine rühmliche - vorbildliche - Ausnahme mache. Der Oberrat sei eine Institution, wie sie seit der Diaspora der Israeliten in solcher Vollkommenheit in keinem Lande zu finden wäre. (Na, Na! Red.). Mit einem Hoch auf die Anwesenden schloss Herr Goldberg seine meisterhafte Rede. Minutenlanger Applaus ist die verdiente Anerkennung. darnach ergriffen noch die Herrn Rabbiner Dr. Levi - Freiburg, Hauptlehrer Wolfsbruck und Rechtsanwalt Dreifuß das Wort. 
In dem auf 8 Uhr Abends angesetzten Bankett waren alle wieder vollzählig erschienen. Herr Präsident Veit hieß die Erschienen abermals willkommen und gedachte in seiner Ansprache der verdienstvollen Arbeit der Dirigenten und namentlich des Verbandsdirigenten, Herrn Goldberg. Der Raum gestattet uns nicht auf die einzelnen Leistungen der Chöre nochmals näher einzugehen, ebenso nicht auf die Vorträge des Herrn Bruchsaler und Frau Dreifuß aus Bühl, nur die Tüchtigkeit des Herrn Wormser in Müllheim wollen wir noch hervorheben. Bei Beginn seiner Solos lauscht in atemloser Stille alles seinem Gesange und geht unser Urteil dahin, dass er mit dem besten Opernsänger konkurrieren könnte. Warmer Beifall belohnte das Können dieses Tüchtigen. Nicht unerwähnt dürfen wir schließlich die Rede der Herrn Notars Welker (Christ) lassen, der manche Gedanken zum Ausdruck brachte, um die uns viele beneiden werden. Ein wahrer Genuss sei ihm geboten worden, würdig derer, welche die Festlichkeit veranstaltet, würdig derer, die ihre Kunst in den Dienst der Allgemeinheit gestellt hätten. Er entrollte im Folgenden ein Bild der glorreichsten Zeit der Geschichte unseres Volkes. Bis 12 Uhr wurde das Bankett fortgesetzt. 
Denjenigen, die außerdem in öffentlicher Form aufgetreten sind, oder sonst wie ihr Schärflein zum würdigen Verlauf beigetragen haben, wenigstens ein herzlicher Dank, nachdem es uns nicht möglich ist, alles bis ins detail zu berichten. Nur unsern Goldberg möchten wir auch noch als Dichter präsentieren und unsern Bericht mit seinem Refrain schließen: 'Ihr lieben Gäste von Nah und Weit. Willkommen! Zum Feste rufen wir heut. Denkt nicht der Sorgen, die's Fest mit sich bracht', Schön ist der Morgen nach stürmischer Nacht, Und zieht ihr von dannen in des Schwarzwalds Höh'n. So denket vom Feste: 'Es war doch so schön!'"
  
Emmendingen AZJ 17061904.jpg (271658 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 17. Juni 1904: "Sulzburg, 8. Juni (1904). Das vierte oberbadische Synagogenchorfest fand am Pfingstsonntag in Emmendingen statt. Daran beteiligten sich außer dem festgebenden Vereine die Synagogenchöre von Bühl, Eichstetten, Freiburg, Kippenheim, Nonnenweier und Offenbarung, im ganzen sieben Vereine mit 150 Sängern. Freundlich glänzte die Maiensonne über dem schmucken Städtchen, als außer diesen Sängern noch Hunderte von Gesangsfreunden von nah und fern zur Beteiligung herbeiströmten. Nach vorangegangener Hauptprobe und Generalversammlung, die in dem vom Gemeinderate bereitwilligst zur Verfügung gestellten Rathaussaale stattfand, begann gegen 2 Uhr in dem reich verzierten Saalbau zum Dreikönig in Anwesenheit von über 800 Zuhörern, worunter die Vorstände des großherzoglichen Bezirksamts und Amtsgerichts, sowie andere höhere Beamte waren, die Aufführung der synagogalen Gesänge. Von mächtiger, erhebender Wirkung waren insbesondere die Gesamtchöre, welche von Kantor Goldberg aus Emmendingen trefflich geleitet wurden. Unter den Einzelchören leisteten naturgemäß die der Stadtgemeinden das beste. Dabei rangen Freiburg, Bühl, Emmendingen und Offenburg um die Palme. Freiburg verdient umso höhere Anerkennung, da die unmittelbar vorher eingetretenen jugendlichen Sänger sich prächtig bewährten. Bühl ragte durch die schönen und gut geschulten Damenstimmen hervor. Auch die Chöre der Landgemeinden hatten weder Mühe noch Opfer gescheut, um ihrerseits zum Gelingen des Ganzen beizutragen. Unter ihnen verdient Kippenheim ehrende Anerkennung. Bei den Solisten glänzten namentlich die Kantoren Sommer - Freiburg, sodann Bruchsaler- Bühl und Goldberg - Emmendingen. Als Solistin bewährte sich wieder Frau Dreyfuß-Hauser aus Bühl. In andächtiger Stille lauschten die Gäste dem zweistündigen Konzerte, das einen ebenso schönen als würdigen Verlauf nahm. An das Konzert schloss sich ein überaus zahlreich besuchtes Festessen. Dabei hielten Vorsteher Weil, Gemeinderat Günzburger, Vereinspräsident Veit, Kantor Goldberg, Rechtsanwalt Dreifuß und Hauptlehrer Wolfsbruck - sämtlich aus Emmendingen . beifällig aufgenommene Begrüßungsreden. Hauptredner war Konferenzrabbiner Dr. Levin aus Freiburg, der als Delegierter des Großherzoglichen Oberrats dem Feste anwohnte. Auch bei dem nachfolgenden Bankett fehlte es nicht an Reden, worunter die des Großherzoglichen Notars Welcker aus Emmendingen hervorzuheben ist. Durch launige Knittelverse erfreute Kantor Goldberg die Gäste. Innig und verständnisvoll trugen Frau Dreyfuß-Hauser und Kantor Bruchsaler - Bühl ein Duett aus 'Jakob und seine Söhne' vor. Auch Kantor Wormser - Müllheim bewährte sich als trefflicher Sänger. 'Es war doch schön!' So lautete der Kehrreim des flott gesungenen Liedes, mit welchem Emmendingens Synagogenchor das Bankett einleitete. Und in der Tat war das Fest so schön, dass alle Teilnehmer in dankbarer, freudiger Erinnerung auf dasselbe zurückblicken können. Bei aller Anerkennung bleibe indessen folgendes nicht unerwähnt; die Auswahl der Chöre ist nach der Verwendbarkeit im Gottesdienst zu treffen, und bei einigen Vereinen ist auf die Reinheit des Tones und der Aussprache, sowie auf die Anforderung der hebräischen Sprachlehre sorgfältiger zu achten. Dies sind kleine Flecken an dem Gesangsgemälde, dessen Glanz und Schönheit darum nicht minder leuchtend bleiben."

   
Ein zionistischer Abend in Emmendingen (1925)   

Emmendingen JuedRundschau 02011925.jpg (116885 Byte)Artikel in der "Jüdischen Rundschau" vom 2. Januar 1925: "Emmendingen. Im Auftrage der Zionischen Ortsgruppe Freiburg sprach am 11. Dezember im neutralen Jüdischen Jugendbund Emmendingen in einer großen öffentlichen Versammlung Herr Jakob Dränger aus Frankfurt am Main über: ‚Die Judenfrage am Scheidewege’. Ausgehend von der geschichtlichen Entwicklung wies Herr Dränger auf die verschiedenen Epochen im Judentum hin und beschäftigte sich insbesondere mit der neuesten Epoche des jüdischen Volkes, die er als die nationale bezeichnete. Die Judenheit steht heute am Scheideweg. Der eine Wegweiser zeigt nach Palästina und bedeutet nationale Renaissance, und der andere weist nach Europa und bedeutet nationalen Untergang. Es hängt nur von uns ab, ob wir die Bedeutung der großen geschichtlichen Tage, welche wir augenblicklich erleben, rechtzeitig erfassen. Der Referent betonte insbesondere, dass die in den letzten Jahren erfolgte Belebung der Judenheit nur durch die revolutionäre Kraft des Zionismus gelungen sei, der den Kernpunkt der Judenfrage erfasste, während andere jüdische Ideologien keinen Mut zur Wahrheit haben. Die lebendig-frischen Ausführungen des Herrn Dränger wurden bis zum letzten Augenblick mit größter Aufmerksamkeit angehört und hinterließen einen starken Eindruck. Nach dem Vortrag fand eine rege Diskussion statt, woran sich die Herrn Kantor Marx und Weil einerseits – und auf der anderen Seite die Herren Kahn und Voß beteiligten. Im Schlusswort fasste Herr Dränger seinen Standpunkt in sehr treffenden Worten zusammen und erinnerte nochmals an die Wichtigkeit der Produktivierung der jüdischen Jugend, was bisher noch keiner Bewegung in diesem Maße gelungen sei wie der zionistischen, da nur sie der Jugend ein Ideal, Erez-Israel, gegeben hat. Der Abend kann als voller Erfolg und als guter Anfang für die zionistische Arbeit in Emmendingen gebucht werden."

  
  
Über Personen und besondere Persönlichkeiten aus der jüdischen Gemeinde   
     
Gantprozess über das Vermögen des Gemeindevorstehers Lazar Bloch (1819)       

Anzeige im "Großherzoglich Badischen Anzeige-Blatt für den See-Kreis" von 1819 S. 566  (Quelle: Stadtarchiv Donaueschingen): "Untergerichtliche Aufforderungen und Kundmachungen. Schuldenliquidationen.  
Emmendingen
.  [Ganterkenntnis]. Gegen den bisherigen Judenvorsteher Lazar Bloch dahier ist der Gantprozess erkannt, und zur Liquidation seiner Schulden, sowie zum Versuche eines Nachlas- und Stundungs-Vertrags, ist Tagfahrt auf Dienstag, den 15. künftigen Monats Juni anberaumt worden.  Es werden daher alle, welche aus irgendeinem Rechtsgrunde an gedachten Lazar Bloch oder dessen Söhne, Elias und Josua Bloch, die mit demselben in Handelsgemeinschaft standen, eine Forderung zu machen haben, aufgefordert, ihre Ansprüche an besagtem Tage, des Morgens um 8 Uhr, vor Großherzoglichem Amtsrevisorate, unter Vorlegung der Beweisurkunden, anzugeben und richtig zu stellen, über Vorzugsrechte zu verhandeln, und sich über den gemacht werdenden Vorschlag zu Abschließung eines Nachlas- und Stundungsvertrags zu erklären; unter dem Rechtsnachteile, im Ausbleibungsfall von der Gantmasse ausgeschlossen zu werden. 
Zugleich werden diejenigen, welche in die Masse etwas schuldig sind, benachrichtigt, dass sie, bei Vermeidung doppelter Zahlung, ihre Schuldigkeit an Niemanden anders, als an den bestellten Güterpfleger, Uhrenmacher Berblinger, bezahlen dürfen.
Emmendingen, den 15. Mai 1819. Großherzoglich Badisches Bezirksamt."                
 

 

 Gantprozess über das Vermögen von Moses Weil (1821) - Anzeige 
im "Großherzoglichen Badischen Anzeige-Blatt für den See-Kreis" 
vom 31. März 1821 (Quelle: Stadtarchiv Donaueschingen
Zum Lesen bitte Textabbildung anklicken    
    
Gantprozess über das Vermögen von Handelsmann Ascher Levi
 Reiß  (1824)
- Anzeige im "Großherzoglich Badischen 
Anzeige-Blatt für den See-Kreis" vom 17. Juli 1824 
(Quelle: Stadtarchiv  Donaueschingen) 
Zum Lesen bitte Textabbildung anklicken 

       
Der Kriegsdienstpflichtige Moses Bloch hat sich nicht gemeldet und wird schwer bestraft (1840)     

Anzeige im "Großherzoglich Badischen Anzeige-Blatt für den See-Kreis" von 1841 S. 31 (Quelle: Stadtarchiv Donaueschingen): "Emmendingen [Straferkenntnis]. Nachdem sich Moses Bloch von Emmendingen, Gefreiter bei großherzoglichem Leib-Infanterieregiment auf öffentliche Aufforderung vom 29. September dieses Jahres nicht gestellt hat, so wird derselbe der Desertion für schuldig erkannt, in die gesetzliche Geldstrafe von 1.200 fl. verurteilt, des Ortsbürgerrechts für verlustig erklärt und auf Betreten weitere persönliche Bestrafung gegen ihn vorbehalten. Emmendingen, den 22. Dezember 1840. Großherzogliches Oberamt. Rettig."     

    
Einberufung von Kriegsdienstpflichtigen (1841)    

Anzeige im "Großherzoglich Badischen Anzeige-Blatt für den See-Kreis" von 1841 S. 259 (Quelle: Stadtarchiv Donaueschingen): "Emmendingen [Konskriptionspflichtige]. Nachstehende, zur Ergänzungskonskription pro 1841 gehörige, bei der Aushebungstagfahrt nicht erschienene Konskribierte werden hiermit aufgefordert, sich binnen 4 Wochen von heute an dahier zu stellen, widrigens sie als Refractärs behandelt werden, und die gesetzliche Strafe gegen sie erkannt wird. 
Aus der Altersklasse von 1837.   
.... Loos Nr. 175 Abraham Weil von Eichstetten....  
Altersklasse von 1838   
Loos Nr. 98 Elias Bloch von da (Emmendingen).  
Aus der Altersklasse 1839  
Loos Nr. 130 Jakob Hirsch von Niederemmendingen... "  

    
Die Untersuchung gegen Marx Bloch von Emmendingen wegen Diebstahl an Salomon Bloch von Kirchen endet "klagfrei" (1847)   

Anzeige im "Großherzoglich Badischen Anzeige-Blatt für den See-Kreis" vom 8. Januar 1848 (Quelle: Stadtarchiv Donaueschingen): "Lörrach [Urteil] In Untersuchungssachen gegen Marx Bloch von Emmendingen, wegen Diebstahls, wird auf amtspflichtiges Verhör zu Recht erkannt: 'Marx Bloch sei der angeschuldigten Entwendung von 27 fl. baren Geldes zum Nachteil des Salomon Bloch von Kirchen für klagfrei zu erklären und mit den Untersuchungskosten zu verschonen.'  V.R.W. 
Dessen zur Urkunde ist gegenwärtiges Urteil nach der Verordnung des großherzoglichen badischen Hofgerichts des Oberrheinkreises ausgefertigt und mit dem größeren Gerichtsinsiegel versehen worden. 
So geschehen Freiburg, den 22. Oktober 1847  Woll. (L.S.) Buisson. Kohlhagen."     

     
Das hebräische Lesebüchlein von Lehrer M. H. Dreifuß (Endingen) wird in der Buchdruckerei von M. Auerbach in Emmendingen verlegt (1859)    

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 10. Oktober 1859: "Aus Süddeutschland, im September. In der Buchdruckerei des Herrn M. Auerbach zu Emmendingen erscheint die zweite Auflage des Chanuch Nearim, erstes hebräisches Lesebüchlein von M. G. Dreifus, Lehrer zu Endingen im Aargau (Schweiz). Es enthält dasselbe: 1) Übungen im mechanischen Lesen des Hebräischen. 2) Lesestücke in jüdisch-deutscher Schrift (Druck). 3) Sprachübungen über das Gegenstands-, Für-, Zahl- und Zeitwort. - Das ganze Büchlein ist das Resultat vieljähriger Erfahrungen und sind die Übungen aus den Bedürfnissen der Schule hervorgegangen. Was nun den ersteren Teil betrifft, so ist es die Absicht des Verfassers, auch in diesem Fache Gründlichkeit zu erzielen. Er will über das mechanische Lesen nicht baldmöglichst hinwegeilen, sondern durch vielseitige Übungen von dem Leichteren zum Schwereren, dem Einfachen zum Zusammengesetzten, durch Wiederholung des schon Vorgenommenen in neuer Form und Darstellung soll ein lückenloser Kurs im mechanischen Lesen gegeben werden, der den Schüler zum fertigen Lesen befähigt.  
Die jüdisch-deutschen Lesestücke sind ganz der Fassungskraft der Kinder von 7-9 Jahren angemessen und bestehen teils aus schon bekannten, teils aus von dem Verfasser erdichteten Stücken.  
Die Sprachübungen enthalten zunächst Wörter zum Memorieren, Gegenstands-, Eigenschafts- und Zeitwort in planmäßiger Ordnung aller Begriffe aus dem Anschauungskreise des Kindes. Die folgenden Sprachübungen haben sodann den Zweck, den Grundstein zur hebräischen Formenlehre zu legen und den Schüler zu befähigen, mit einiger Kenntnis der Sprachformen an die Übersetzung des Pentateuchs gehen zu können, damit er nicht, wie es noch häufig geschieht, mit bewusstlos mechanischer Routine die Übersetzung des Hebräischen betreibe - was so mancher jüdische Schulmann mit dem Ausdruck faktotischer Methode zu beschönigen sucht. Ohne synthetisch analytische Übungen kein wahres und klares Verständnis der Sprache! Die Übungsstücke sind so eingerichtet, dass jedes Stück eine neue Form einübt und dabei Vorhergehendes wiederholt. Das Büchlein wird von denjenigen Lehrern, welche es benutzen, als praktisch zweckmäßig betrachtet. Es empfiehlt sich noch besonders durch seinen billigen Preis steif broschiert zu 12 Kr."     

 
Der Bezirksälteste Breisacher wurde zum Mitglied des Oberrates (der Israeliten Badens) ernannt (1859)      

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 17. Oktober 1859: "Die Ernennung des Herrn Bezirksälltesten Breisacher in Emmendingen, einem Manne von ungewöhnlicher wissenschaftlicher Bildung und klarer Anschauung, zum Oberratsmitglied verspricht eine wohltätige Bewegung in die Oberländer Judenheit sowohl als auch in sein Kollegium zu bringen, welche sich durch eine im Laufe dieses Monats noch abzuhaltende Versammlung der jüdischen Notabeln des badischen Oberlandes bereits bemerkbar machte; sind wir einmal aus der bisherigen Stagnation herausgetreten, so ist von unserer erleuchteten Regierung gewiss Abhilfe zu erwarten".      

  
Zum Tod und der Beisetzung des aus Emmendingen stammenden Jacob A. Auerbach (1887)
Jacob A. Auerbach (1810 Emmendingen - 1887 Frankfurt am Main), Theologe und Pädagoge; seit 1865 Direktor des Julius-Flersheim’schen Instituts in Frankfurt; verfasste zahlreiche Schriften pädagogischer, historischer und theologischer Art.

Emmendingen AZJ 10111887.JPG (141317 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 10. November 1887: "Die 'Frankfurter Zeitung' berichtet: Heute Vormittag kurz nach 11 Uhr verschied ohne vorausgegangene Krankheit plötzlich in Folge eines Schlaganfalles Herr Dr. Jacob Auerbach. Er war am 14. November 1819 geboren, erreichte also fast das 78. Jahr. Sein Geburtsort war Emmendingen im Großherzogtum Baden. Nachdem er das Pädagogium in Karlsruhe besucht hatte, bezog er die Universität Heidelberg, musste aber sein Studium aus Mangel an Mitteln unterbrechen. Von seinem Vetter, dem Dichter Berthold Auerbach, wurde er bald wieder zur Vollendung seiner Studien nach Heidelberg gerufen; die Freundschaftsbanden, die sich damals zwischen den jungen Leuten knüpften und durch Verschwägerung noch verstärkt wurden, dauerten fürs ganze Leben. 1835 wurde er als jüdischer Religionslehrer nach Wiesbaden berufen; dort lernte er den Rabbiner Dr. Abraham Geiger kennen, schätzen und lieben. Verwandtschaftliche Bande vereinigten später die beiden Männer. 1836 wurde Auerbach Hauslehrer in der Niedermann’schen Familie in Wien, 1843 berief ihn die hiesige israelitische Gemeinde an das Philanthropin als Religionslehrer und Prediger im Andachtssaal (gemeinsam mit Dr. J.M. Jost). 1848 wurde ihm der hebräische Unterricht am Gymnasium übertragen. 1879 wurde er pensioniert und bei dieser Gelegenheit auch von der Staatsregierung durch Verleihung des Rothen Adler-Ordens ausgezeichnet. Literarisch war Auerbach durch Aufsätze im Schulprogramm und in verschiedenen jüdischen wissenschaftlichen Zeitschriften tätig. Er gab die Schul- und Hausbibel, biblische Erzählungen etc. für jüdische Kreise heraus; auch beteiligt er sich eifrig an verschiedenen Rabbiner-Versammlungen (an der Rabbiner-Versammlung zu Frankfurt und an der Synagoge zu Augsburg, Red.). Eine seiner letzten Veröffentlichungen waren die Briefe Berthold Auerbach’s an ihn, die er sichtete und in zwei Bänden publizierte. Sein scharfer Verstand, sein klarer Geist, seine liebenswürdige Milde ließen ihn auch im maurerischen Kreise die höchsten Würden und ungeteilte Anerkennung erringen. Auerbach war von allen, die ihn kannten, geehrt und geliebt. – Die Beerdigung findet Donnerstag 9 Uhr Morgens statt."
  
Emmendingen AZJ 17111887.jpg (185573 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 17. November 1887: "Frankfurt am Main, 8. November (1887). Der unerwartete Tod Dr. Jacob Auerbachs hat unter der großen Schar seiner ehemaligen Schüler die tiefste Trauer hervorgerufen. Jacob Auerbach war das Ideal eines Religionslehrers. Mit welch goldenen Worten hat er selbst den Beruf eines solchen Lehrers geschildert. Ihm ist, sagt er, eine ebenso schöne als schwierige Aufgabe gesetzt. Er soll dem Kinde die unvergleichlich herrliche, vom höchsten Glanze des Idealen umflossene und doch wieder sich durchaus auf realem Boden erhebende Wunderwelt der Bibel eröffnen, damit er sich ganz in sie einleben und von ihr erfüllt werde. Dem Jüngling aber will er neben dem poetischen Gehalt der heiligen Bücher besonders den reichen Schatz ihrer ethischen Lehren, ihre tiefen und ewigen Wahrheiten vor Augen führen.
Von solchen Ideen geleitet, wirkte der hohe Mann. Keine Fülle des positiven Materials gab er seinen Schülern, sondern getreu dem Grundsatze, dass die Religions- wie alle Bildung in die Tiefe gehen soll, ‚mehr einzelne, in sich abgeschlossene, aber lebenswahre Bilder’, wie sie die Hand des Künstlers liefert und ‚die in ihrer individuellen Gestaltung gleichsam das Ganze, dessen Teile sie sind, vorahnend aufnehmen lassen.’
Er wählt einige Stellen der heiligen Schrift aus, am liebsten aus den Psalmen, aus den nachbiblischen Sprüchen. Er erklärt ihren Inhalt, er vergleicht sie mit anderen.
So wird dem Schüler der Sinn klar, oder er erhält wenigstens eine Ahnung von der unendlichen Tiefe der geistigen und sittlichen Welt, die sich hier offenbart.
Wir erinnern uns, wie er immer wieder und nie genug über den Satz redete: Die Frommen aller Religionen gelangen zur ewigen Seligkeit. Die Gleichberechtigung der Menschen also und deren Wert nach ihrem freien sittlichen Streben hebt er mit Nachdruck hervor. Diese Grundlagen aller echten menschlichen Frömmigkeit, diese ewigen Wahrheiten, zu welchen, wie Abraham Geiger so schön sagt, die ganze Menschheit sich hinanringen soll, das waren die Grundlagen seines Unterrichts in der Religion. Er übte sein Lehramt nur im Allerheiligsten aus, ein Lehramt nicht des Buchstabens, sondern des Geistes.
In den Herzen seiner Schüler aber hat sich der Verewigte durch diese ideale Art des Unterrichtens, durch seine Herzensgüte und Milde und gewiss auch durch den Zauber seiner ehrwürdigen Erscheinung ein festes und unzerstörbares Denkmal gebaut. Auch er durfte so mit Horaz sagen: Exegi momumentum aere perennius (= ‚Ich habe ein Denkmal erschaffen, dauerhafter als Erz’). Dr.jur.L.W."
   
Emmendingen AZJ 17111887c.jpg (133678 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 17. November 1887: "Bonn, 13. November. Man schreibt aus Frankfurt am Main vom 3. November: Das Leichenbegängnis des Herrn Dr. Jakob Auerbach fand heute früh unter außerordentlich zahlreicher Beteiligung statt. Vor dem Leichenwagen schritten die obersten Klassen der Realschule der israelitischen Gemeinde; den Freunden, Kollegen, früheren Schülern und Logenmitgliedern schloss sich eine große Zahl von Equipagen an. Am Sarge sprach zuerst Herr Rabbiner Dr. Brüll, um des Verstorbenen Verdienste um die Wissenschaft des Judentums und den geistigen Fortschritt seiner Glaubensgenossen, seine trefflichen Charaktereigenschaften und sein schönes Familienleben zu beleuchten. Herr Direktor Dr. Baerwald legte namens der Realschule der israelitischen Gemeinde einen Kranz mit rot-weißer Schleife nieder, idem er Auerbachs Tätigkeit als Lehrer vorzugsweise schildert. Herr Gymnasialdirektor Reinhardt spendete einen Kranz namens des Lehrerkollegiums des Gymnasiums: er zollte dem wissenschaftlichen Streben und dem liebevollen, lauteren Wesen des Verschiedenen hohe Anerkennung. Namens der Julius- und Amalie Flersheim’schen Stiftung widmete Herr Dr. Krakauer eine Palme, Dr. Rießer einen Kranz namens der Rießer-Stiftung; dann folgten die Logen zum ‚Frankfurter Adler’ (Herr Ernst Rosenberg), Karl zum Lindenberg (Herr Lincker), Sokrates zur Standhaftigkeit (Herr Dr. Laquer) und die Großloge des eklektischen Bundes, der 14 hiesige und auswärtige Logen umfasste (Herr Benjamin Reges): Am Grabe angelangt wurde die Leiche von den Tönen eines Hornquartetts empfangen. Seitens der Loge zur aufgehenden Morgenröte spendete Herr Rabbiner Dr. Plaut dem verstorbenen, verdienstvollen Altmeister die üblichen Rosen. Abermals ertönten die Klänge der Hörner und das Grab Auerbachs wurde geschlossen."

  
Über Jonas Weil und sein Wirken in New York (1893)   

Emmendingen Israelit 13041893.jpg (226853 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 13. April 1893: "New York, im März. (Die Zichron Ephraim-Synagoge und das Lebanon-Hospital). Es wird unsere Glaubensbrüder im deutschen Reiche gewiss interessieren, zu erfahren, dass hier an der Spitze der Orthodoxie ein Deutscher, Herr Jonas Weil aus Emmendingen in Baden steht. Derselbe kam vor ungefähr 30 Jahren nach Amerika, um sich hier eine Existenz zu gründen. Das Glück war ihm besonders günstig und er erwarb sich Vermögen und Ehren. Er war mehrere Jahre Kultusvorstand einer der ehrenwertesten Gemeinde, der 57. Str. Synagoge. Dieser edle Menschenfreund hat es für notwendig gefunden, auch im oberen Teil der Stadt eine Synagoge im großartigen Stil erbauen zu lassen und hat er dazu nicht nur mehr als fünfzig Tausend Dollar gespendet, sondern trägt bis heute noch fast ganz allein mit nie ermattender Kraft die große Arbeitskraft der Gemeinde. Unter seiner Leitung und unter der Beihilfe seines Schwiegersohnes, Herrn Rabbiner Dr. Drachman wird der jüdische Religionsunterricht in jeder Beziehung gepflegt. Die Krone zu dem Allen hat sich dieser edle Jehudi damit aufgesetzt, dass er ein imposantes Bauwerk in der 150. Str. für ein jüdisches Hospital erbauen ließ, wo streng Koscher Küche geführt und allen Nationalitäten und Religionen kostenfrei liebevolle Pflege und Behandlung zuteil werden soll. Auch da spendete Herr Weil ca. fünfzehn Tausend Dollar. Am 22. Februar, am Washingtons-Geburtstage, hat die Einweihungsfeier stattgefunden und haben sich zahlreiche Förderer dieses wohltätigen Unternehmens eingefunden. Nachdem die Erschienenen die zahlreichen und schmucken Räume des Hospitals in Augenschein genommen hatten, versammelte man sich in dem großen Saale des Riesenbaues, der bis auf das letzte Plätzchen gefüllt war. Präsident Herr Jonas Weil betrat die Rednertribüne und sprach mit herzlichen Worten die besten Wünsche und Hoffnungen für das Wachsen und Gedeihen des Unternehmens aus. Es folgte nun eine Reihe weiterer Reden u.a. von den Herren Rabbiner Dr. Klein, Rev. Dr. Drachmann, Dr. Samuel Lloyd, Register Ferdinand Levy und Superintendent Dr. G. Liebermann. Ein Damenkomitee, meistens aus christlichen Damen bestehend, hatte sich gebildet, das zum Besten des Libanon-Hospitals ein großes Fair veranstaltete und damit mehr als Dollar 2.000 erzielte. Schließlich erachte ich es als eine angenehme Pflicht der aufopfernden Tätigkeit des Board of Directors zu gedenken. In erster Reihe ist es der geachtete und hochgeschätzte Vizepräsident Herr N. Peabody, ein Jehudi in des Wortes edelster Bedeutung. Seinen Bemühungen und seiner Opferfreudigkeit ist es hauptsächlich zuzuschreiben, dass dieser imposante Bau für seinen jetzigen Zweck dasteht, denn Herr Peabodi hat dem Spitale durch Sammlungen nicht weniger als zwanzig Tausend Dollars zugeführt. Herr Dr. Samuel Lloyd, ein edler Amerikaner, schenkte 50 Betten samt Zubehör. Herr Ferdinand Sultzberger liefert das Koscher-Fleisch für drei Jahre gratis. Ph. Kraus."
  
Die von Jonas Weil finanzierten Einrichtungen heute: 
New York ParkEastSyn.jpg (22581 Byte)Park East Synagogue New York (gegründet 1890 als Congregation Zichron Ephraim) 
 
Website mit Seite zu ihrer Geschichte mit Nennung von Jonas Weil)   
Foto: Quelle
New York Lebanon.jpg (15985 Byte)Bronx-Lebanon Hospital Center (Website)
  

  
Auszeichnung für den Bäcker Jonas Weil für den Dienst in der Feuerwehr (1893)  

Emmendingen Israelit 16111893.jpg (28842 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 16. November 1893: "Aus Baden. Seine Königliche Hoheit der Großherzog hat eine Anzahl Feuerwehrleute für 25jährige Dienste mit Medaillen dekoriert, darunter finden sich folgende Glaubensgenossen: Jonas Weil, Bäcker in Emmendingen, Elias Dreifuß, Handelsmann in Kuppenheim, Isidor Lindemann, Medizinalrat in Mannheim, Baruch Wolf, Handelsmann in Oestringen, Karl Blum, Kaufmann in Sinsheim."

   
Emanuel Schwarz als Soldat im Gefecht (1914)  

Emmendingen Frf IsrFambl 11091914.jpg (32899 Byte)Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 11. September 1914: "Emmendingen. Emanuel Schwarz, der als Unteroffizier in dem schweren Gefecht bei Mülhausen mitbeteiligt war, wurde mit einem Gefreiten des Abends von einer sechs Mann starken französischen Patrouille überfallen. Die beiden schossen vier Mann nieder und nahmen die anderen zwei gefangen."

       
Beisetzung des "im Kampf für das Vaterland gestorbenen" Otto Veit (1914)       

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom  13. November 1914: "Emmendingen, 6. November (1914). Ein großer Leichenzug bewegte sich vom hiesigen Bahnhof zu dem israelitischen Gottesacker hinauf, um die sterbliche Hülle des im Kampf für das Vaterland gestorbenen Otto Veit zur letzten Ruhe zu geleiten. Dem Leichenwagen voran marschierte die Stadtmusikkapelle, die in den hiesigen Lazaretten untergebrachten Verwundeten (soweit sie marschieren können), der Kriegerverein, die Sanitätskolonne, der Jugendverein, die Sängerrunde Hochberg und der Turnverein. Den Leichenwagen begleitete als Ehrenwache eine Abteilung Landsturmleute der Bahnhofswache und hinter den Angehörigen folgte ein großer Zug sonstiger Leidtragender. In zu Herzen gehenden Worten gedachte Rabbiner Dr. Zimels aus Freiburg der hervorragenden Eigenschaften des Verstorbenen und hob besonders dessen soldatische Tugenden hervor, die ihn bei seinen Vorgesetzten beliebt machten und ihm rasche Beförderung zum Vizefeldwebel der Reserve und Offizierstellvertreter brachten. Für sein tapferes Verhalten vor dem Feinde wurde er mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet. Während der Sarg hinabgesenkt wurde, präsentierte die Ehrenwache und krachten drei Salven als letzter militärischer Gruß. Auch die Stadtgemeinde hatte ihren Sohn durch einen Kranz mit Schleife in den städtischen Farben geehrt."         

 
Über den aus Emmendingen stammenden Mediziner Emil Bloch (1847 in Emmendingen - 1920)
Der Freiburger, aus Emmendingen stammende HNO-Arzt richtete 1899 die Universitätsohrenklinik in Freiburg ein; nachstehend ein Artikel über ihn aus der Jewish Encyclopedia, der noch zu seinen Lebzeiten geschrieben wurde.

Emmendingen Jewishencyclopedia Bloch.jpg (105515 Byte)"Bloch, Emil: German otologist; born at Emmendingen, Baden, Dec. 11, 1847. He was educated at the universities of Heidelberg, Würzburg, Vienna, and Freiburg in Baden; being graduated from the last-named as doctor of medicine in 1871. After a postgrauduate course at the University of Berlin and in hospitals in London, he established himself as a pgysician in Freiburg. In 1886 he took up the study of laryngology and rhinology under Hack, and of otology under Thiry at the University of Freiburg. In the following year he became assistant to Thiry, which position he held till 1892, when, ob the death of the latter, he became his successor as chief physician at the otological dispensary and privat-docent at the university. In 1894 Bloch was appointed assistant professor of otology; and under his sipervision the clinic for this branch of medicine was opened in 1899.
Bloch is the author of the following works and papers: 'Untersuchungen zur Physiologie der Nasenatmung.' Wiesbaden 1888; 'Pathologie und Therapie der Mundatmung', ib. 1889; 'Sprachgebrechen', ib. 1891; 'Über das Biaurale Hören' in: 'Zeitschrift für Ohrenheilkunde', 1893; 'Die Methode der Centripetalen Pressionen und die Diagnose der Stapesfixation', ib. 1894; 'Einheitliche Bezeichnung der Otologischen Punktionsprüfungsmethode und ihre Ergebnisse', Wiesbaden 1898.
Bibliography: Pagel, Biographisches Lexikon, s.v., Vienna 1901. F.T.H."

      
      
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen    
Hinweis auf zwei in Emmendingen erschienene Publikation (1860)  
Anmerkung: beim Herausgeber M. Auerbach dürfte es sich um den damals in Emmendingen tätigen Lehrer Auerbach handeln.   

Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom  3. April 1860: "Bibelverse in hebräischer und deutscher Sprache, zu Dr. Büdingers Leitfaden beim Unterricht in der israelitischen Religion, herausgegeben von M. Auerbach. 2te Auflage. Emmendingen 1859. geb. 5 Ngr.    
Dreifus, erstes hebräisches Lesebüchlein für israelitische Schulen. 2te Aufl. Emmendingen 1860. broch. 4 Ngr."      

 
Lehrlingsgesuche des Eisenwarengeschäftes Moritz Günzburger (1891 / 1901 / 1904)  

Emmendingen Israelit 11051891.jpg (39528 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. Mai 1891: "Lehrlings-Gesuch!  
Für mein gemischtes Eisenwarengeschäft suche zum baldigen Eintritt einen Lehrling unter günstigen Bedingungen. Kost und Logis im Hause. 
Moritz Günzburger, Emmendingen (Baden)."
 
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 28. November 1901: "Lehrlingsgesuch
Für mein Stab- und Kurzeisenwaren-Geschäft suche ich zum sofortigen oder späteren Eintritt einen Lehrling mit guter Schulbildung. Günstige Bedingungen. 
Moritz Günzburger, Eisenhandlung, Emmendingen, Baden."        
 
Emmendingen Israelit 17021904.jpg (40323 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. Februar 1904: "Lehrling
Für mein Stab-, Kurzwaren- und Maschinen-Geschäft suche ich zum sofortigen oder späteren Eintritt einen Lehrling unter günstigen Bedingungen. 
Moritz Günzburger,
Emmendingen (Baden)." 

    
Anzeige der Wursterei Albert Veit (1924)  

Emmendingen CV-Ztg 24011924.jpg (38868 Byte)Anzeige in der "CV-Zeitung" (Zeitschrift des Central-Vereins) vom 24. Januar 1924: 
"Prima Wurstwaren (Thüringer Art) 
empfiehlt zu billigsten Tagespreisen (
Wiederverkäufer erhalten Engrospreise) 
Albert Veit 
Wursterei 
Emmendingen (Baden). 
Telephon Nr. 175."   

      
Anzeige der Dampfbrennerei M. Heilbrunner (1924)   

Anzeige in der "CV-Zeitung" (Zeitschrift des "Central-Vereins") vom 24. Juli 1924: 
"Schwarzwälder Kirschwasser  Zwetschenwasser  
Mirabell-  Heidelbeergeist  
Weinbrände  Edelliköre. 
M. Heilbrunner  
Emmendingen
i.B.  
Dampfbrennerei   
Rührige Vertreter gesucht."    

   
   
Weitere Dokumente 
  

Schreiben an den 
Synagogenrat Emmendingen -
 Wiederbesetzung der Stelle 
des Bezirksältesten (1868) 
(aus der Sammlung von Hansjörg Schwer,
 Waldshut-Tiengen)   
D Emmendingen 170a.jpg (96304 Byte) D Emmendingen 170.jpg (129493 Byte)
Hinweis von Hansjörg Schwer: "An dem Brief
 ist interessant, dass er als 4 Kr-Nachnahme
 geschickt wurde. Das wurde früher entweder
 von armen Leuten praktiziert, die das Porto
 nicht zahlen konnten und somit erstattet
 bekamen. Oder von Personen /
 Organisationen, die das Porto nicht zahlen
 wollten (z.B. aus Geiz, Verärgerung, oder wie
 eventuell hier wegen einer Mahnung) und es
 sich durch die Nachnahme zurückerstatten
 ließen. 
Das Schreiben wurde versandt von 
Breisach
nach Emmendingen am 
7. Dezember 1868: Umschlag:
"An / den Synagogenrath / Emmendingen

Nachnahme Porto 3 cr
Tax 1
erhlten: vier Kr 4 cr
BzRbt Breisach
Weihs
 
Inhalt:
Bezirkssynagoge Breisach / den 7. Dez 1868
die Wiederbesezung des durch / Ableben 
des Oberraths Breisacher / in Emmendingen
 erledigten / Stelle eines Bezirksältesten (?)
 /betr.

Es wird der Synagogenrath / Emmendingen die Erledigung / der anbr. betrf. Zuschrift hermit (?) / erinnert, mit Frist v. 3 Tagen.
Weihs"  
     
     
Geschäftskarte der 
Holzhandlung Simon Veit (1912) 
(aus der Sammlung von Peter Karl Müller,
 Kirchheim / Ries)   
Emmendingen Dok 20139.jpg (166612 Byte) Emmendingen Dok 20139s.jpg (144635 Byte)

Die Geschäftskarte der Holzhandlung Simon Veit (Emmendingen) wurde verschickt am 30. Oktober 1912 an Herrn A. Zimber, Sägewerk in Krozingen. Zur Person: Simon Veit wurde 1851 als Sohn des Handelsmanns David Veit von Niederemmendingen geboren. Ab 1880 leitete leitete er mit die Geschicke der Israelitischen Gemeinde Emmendingen. 50 Jahre - bis 1930 - übte er das Amt des Gemeindevorstehers aus. Ein Sohn von Simon Veit, dem die Flucht nach Brasilien gelang, versuchte noch seinen Vater zur Ausreise zu bewegen, jedoch ohne Erfolg. Simon Veit wurde am 22. Oktober 1940 zusammen mit den letzten noch in Emmendingen gebliebenen jüdischen Mitbürgern nach Gurs deportiert. wo er unter den dort herrschenden unmenschlichen Zuständen sein Leben verlor.
Zu seinem ehrenden Gedenken erhielt das Gemeindehaus der israelitischen Gemeinde am 12. Februar 2006 den Namen "Simon-Veit-Haus".
Quellen: www.juedische-allgemeine.de/article/view/id/5592;    www.badische-zeitung.de/emmendingen/im-vorhof-zur-hoelle-auschwitz--36837326.html 
http://ijonathan.de/juedgemem/?page_id=8    www.badische-seiten.de/emmendingen/simon-veit-haus.php.  

      
   
 
Sonstiges        
Erinnerungen an die Auswanderungen im 19. Jahrhundert: 
Grabstein in New York für 
Babette Weil (ca. 1796 - 1870), Frau von Gumbel Weil aus Emmendingen    
Anmerkung: das Grab befindet sich in einem jüdischen Friedhof in NY-Brooklyn.      

Emmendingen NY Cyprus 1755.jpg (108580 Byte)   Grabstein in deutsch: 
"Hier ruht Babette Weil
Frau des sel. Gumbel Weil 
aus Emmendingen  Grossherzogtum Baden, 
gest. am 22 August 1870 im Alter von 74 Jahren. 
An Seele rein, an Tagen reich, 
weilt nun ihr verklärter Geist im Himmelreich".   

     

Emmendingen Gurs BK 020.jpg (181257 Byte)Grabstein im Friedhof des ehemaligen Internierungslagers Gurs für (zweite Reihe rechts) 
Moritz Weil aus Emmendingen  (lt. Grabstein 1884 - 1941)  
lt. Gedenkbuch wurde aus Emmendingen nach Gurs deportiert und ist dort umgekommen: 
Moritz Weil, geb. 13. Mai 1855 in Emmendingen, am 12. Januar 1941 in Gurs umgekommen. 
Es wurden noch zwei andere Personen mit Name Moritz Weil aus Emmendingen nach Gurs deportiert, doch wurden diese später in Auschwitz ermordet.    

     
     
     
Zur Geschichte des Betsaales / der Synagoge     
   
1727 wurde ein Betsaal in dem vom jüdische Händler Moses Gydeon gekauften Haus Kirchstraße 11 eingerichtet. 1754 wird dieses Haus als "Judenschule" bezeichnet, es gehörte inzwischen Model Weil. Neben Gottesdiensten und Zusammenkünften finden hier auch die religiösen Unterweisungen der Kinder statt. 1763 wurde das Haus zur Synagoge umgebaut.    
   
Für die wachsende jüdische Gemeinde wurde die bisherige Synagoge nach wenigen Jahrzehnten zu klein. Nach Verhandlungen mit der Stadt und dem Oberrat der Israeliten Badens konnte 1823 direkt vor dem Haus der bisherigen Synagoge eine neue Synagoge erbaut werden. Die alte Synagoge diente seitdem als Gemeindehaus mit Kantorenwohnung, Gemeindesaal und Unterrichtsräumen. Seit 1830 war die jüdische Konfessionsschule hier untergebracht, später wurde diese in die Karl-Friedrich-Straße 62 verlegt (bis zur Aufhebung der Konfessionsschulen 1872). 1869 wurde die Synagoge erstmals renoviert, vergrößert und mit einem würdevollen Festakt neu eingeweiht.  
       
Neue Beleuchtung in der Synagoge - die alten Leuchter werden zum Kauf angeboten (1886)         

Emmendingen Israelit 28101886.jpg (60085 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 28. Oktober 1886: "Bekanntmachung
Wegen Einführung der Gasbeleuchtung in unserer Synagoge werden drei Kronleuchter als Kristallglas entbehrlich und zwar einer mit 36 Kerzen und zwei mit je 18 Kerzen, ferner circa 12-16 zweiarmige, vergoldete Wandleuchter. Sämtliche sind von neuester Konstruktion und moderner Facon, da sie erst vor wenigen Jahren neu angeschafft wurden. Reflektanten wollen sich baldigst an Unterzeichneten werden, der zu näherer Auskunft bereit ist. 
Emmendingen in Baden. 
Heinrich Weil
, Vorsteher."

1899 berichtete die "Allgemeine Zeitung des Judentums" von einer besonderen Feier in der Emmendinger Synagoge. Der New Yorker Philanthrop Jonas Weil, der aus Emmendingen stammte, hatte der Gemeinde eine Torarolle gestiftet, die am 1. Juli 1899 offiziell übergeben wurde. Der feierliche Gottesdienst wurde mitgestaltet vom Emmendinger Synagogen-Männerchor unter Leitung von Kantor Goldberg. Bezirksrabbiner Dr. Adolf Lewin aus Freiburg hielt die Festpredigt und sprach das Weihegebet. Der Frauenverein der Gemeinde hatte für die neue Tora einen Mantel im Atelier J. Bloch in Straßburg anfertigen lassen. Am Nachmittag war die Gemeinde noch im Gasthaus zum Engel zu einem Bankett zusammen.  
      
Spende einer Torarolle für die jüdische Gemeinde durch den aus Emmendingen stammenden Jonas Weil (New York, 1899)

Emmendingen AZJ 14071899.jpg (133747 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 14. Juli 1899: "Emmendingen, Baden, 4. Juli (1899). Eine wahrhaft erhebende Feier beging die hiesige israelitische Gemeinde am vergangenen Samstag. Der bekannte Philanthrop Herr Jonas Weil in New York, ein geborener Emmendinger und Ehrenmitglied unserer Religionsgemeinde, stiftete derselben eine Torarolle, welche am letzten Samstag dem Kultus übergeben wurde. Eingeleitet wurde die Feier durch das Lied: ‚Harre meine Seele’ von Cäsar Malau, vorgetragen vom hiesigen Synagogen-Männerchor, unter Leitung des Herrn Kantor Goldberg; darauf hielt der Bezirksrabbiner Herr Dr. A. Lewin eine in Form und Inhalt gleich meisterhafte Predigt, welcher ein Sologesang des Opernsängers Herrn Alfred Goltz aus Nürnberg folgte. Hierauf wurden sämtlich ‚Sforim’, 9 an der Zahl, ausgehoben und der neuen Tora, welche im Gemeindezimmer in einem improvisierten ‚Hechal’ aufgestellt war, entgegen getragen. In feierlichem Zuge durch eine Allee prächtiger Bäume und Blumen wurde nun das ‚Sefar’ unter einem Baldachin in die Synagoge gebracht. Kantor Goldberg rezitierte ‚S’u Sch’orim’ und der Synagogenchor sang darauf ‚Machet die Tore weit’ von J. Heinr. Lützel. Die Torarollen wurden eingehoben und der Herr Rabbiner sprach ein ergreifendes Weihegebet. Der Wochenabschnitt wurde aus der neuen Tora gelesen, zu welchem alle in der Synagoge anwesenden verheirateten Männer gerufen wurden, wobei ca. 250 Mark an Spenden für die Wohltätigkeitsvereine fielen. Der hiesige Frauenverein hat für die neue Tora ein Mäntelchen im Atelier des Herrn J. Bloch, Straßburg, anfertigen lassen. Nachmittags vereinigten sich die Familien im Gasthaus zum Engel zu einem Bankett, und manches Glas feurigen Kaiserstühlers wurde auf das Wohl des edlen Stifters, der neben seinem segensreichen Wirken in der neuen Welt seiner Vaterstadt und seines Heimatortes in so schöner und pietätvoller Weise gedenkt, geleert."

Eine der eindrücklichsten Veranstaltungen in der Geschichte der Emmendinger jüdischen Gemeinde war am 8. Juni 1904. Damals wurde das vierte oberbadische Synagogenchorfest in der Stadt veranstaltet. Daran beteiligten sich die sieben Synagogenchöre aus Bühl, Eichstetten, Emmendingen, Freiburg, Kippenheim, Nonnenweier und Offenburg mit zusammen 150 Sängern. Hunderte von Gesangsfreunden strömten in die Stadt, um dem Ereignis beizuwohnen. Die Veranstaltungen waren in dem vom Gemeinderat zur Verfügung gestellten Rathaussaal und in dem mit über 800 Zuhörern besetzten Saalbau zum Dreikönig. Kantor Goldberg leitete den Gesamtchor. Während des zweistündigen Hauptkonzertes wurden synagogale Chorgesänge teilweise von den einzelnen Chören, teilweise gemeinsam oder unter Begleitung von Solisten vorgetragen. Bei einem nachfolgenden Bankett war Rabbiner Dr. Adolf Lewin (Freiburg) Hauptredner (siehe Berichte oben). 
      
Einweihung des Gefallenendenkmals in der Synagoge (1920)

Emmendingen AZJ 23071920.jpg (93833 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 23. Juli 1920: "Emmendingen, 16. Juli (1920). Seinen gefallenen und im Kriege verstorbenen Kameraden setzte der hiesige Jüdische Jugendbund ein ehrendes und bleibendes Denkmal. Der Initiative des Vorstandes des Jugendbundes, Herrn Berthold Weil, ist es zu danken, dass in der Gemeinde die Mittel zusammengebracht wurden für eine prachtvolle, künstlerisch in Muschelkalk ausgeführte Gedenkplatte. Dieselbe wurde an der Ostwand in der Synagoge angebracht und am 11. dieses Monats der Gemeinde übergeben. Leider viel zu umfangreich musste die Tafel ausgeführt werden, vierzehn Namen tüchtiger und begabter junger Männer zeugen davon, dass unsere Religionsgemeinde dem Weltkrieg ihren Tribut gezollt hat. Die Übergabe war mit einem Gedächtnisgottesdienst verbunden, dem Vertreter der Bezirks- und Stadtverwaltung beiwohnten. Nach prächtig vorgetragenen Orgelstücken, Chören und Solis übergab der Vorsitzende des Jugendbundes, Herr Berthold Weil, mit einer markigen Ansprache die Tafel dem Synagogenrat in Obhut, der sie mit Worten der Dankbarkeit durch Herrn Rechtsanwalt Dreifuß übernehmen ließ. Im Mittelpunkt der Feier stand die Weihepredigt des Herrn Bezirksrabbiners Dr. Zimels, die auf alle Beteiligten einen tiefen Eindruck machte. Der Vorstand des Jugendbundes hat den Tag der Weihe dieser Gedenktafel für alle Zeit als Jahrzeitstag für die Gefallenen bestimmt."

Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge verwüstet, gesprengt und abgebrochen. 
   
Bei Hundsnurscher/Taddey s. Lit. S. 76 ist zu lesen: "Am 10. November 1938 wurden auf Anordnung der Kreisleitung die Angehörigen der SA und der SA-Reserve in Zivil zur Synagoge befohlen, wo auf Befehl des uniformierten Bürgermeisters und SA-Sturmbannführers die Synagoge aufgebrochen, alle Einrichtungsgegenstände mit Äxten zerschlagen und vor der Synagoge aufgestapelt wurden. Das israelitische Gemeindehaus wurde in gleicher Weise demoliert. Einer der Haupttäter lief dabei mit Chorhemd und Zylinder als Rabbiner verkleidet herum und eiferte die Schuljugend zur Mithilfe an... Der Haufen von zertrümmerten Bänken, von Gebetbüchern und anderen Ritualien wurde schließlich angezündet. Die Synagoge wurde am Abend fachmännisch gesprengt". 
  
Zu diesen Angaben erhielten wir folgende Mitteilung von Kreisarchivar Gerhard A. Auer, Emmendingen (vom 2.8.2011): "Der damalige Bürgermeister Hirt ist weder in Uniform aufgetreten, noch hat er sich an der Zerstörung der Synagoge beteiligt. Gemeint ist vermutlich der Sturmbannführer Hauser, er war stellvertretender Bürgermeister. Aber: in seinem Prozess konnte er zumindest für das Gericht glaubhaft machen, dass er das Kommando bei der Synagogenzerstörung nicht übernahm, sondern dass die Initiative von der Kreisleitung, Kreisleiter Glas, ausging. - Die Sachlage ist insgesamt so komplex, dass sie nicht in ein paar wenigen Sätzen beschrieben werden kann. Aber eindeutig ist, dass sich Bürgermeister Hirt nicht an der Synagogenzerstörung beteiligt hat."  
    
Die Sprengung der Synagoge wurde der jüdischen Gemeinde mit 4.179,45 RM in Rechnung gestellt. Da die Gemeinde diesen Betrag nicht bezahlen konnte, wurde vom Synagogenrat der Stadt angeboten, das Synagogengrundstück als Gegenleistung zu übernehmen. Die Stadt nahm dieses Angebot an; das Gemeindehaus Kirchstraße 11 wurde ebenfalls enteignet. 1941 wurde dieses Gebäude in ein Mehrfamilienhaus umgewandelt. 1945 wurde das Haus von der französischen Besatzungsmacht beschlagnahmt und der Israelitischen Landesgemeinde Südbaden übergegeben. Diese verkaufte das Haus 1954 der Stadt zum Preis von 14.000 Mark, da damals nicht damit gerechnet werden konnte, dass jemals wieder Juden in Emmendingen ansässig sein werden. 
 
1968, 1988 und 1999 wurden an dem – jahrelang als Parkplatz genutzten - Standort der Synagoge Gedenktafeln angebracht. Bei der Erneuerung des Synagogenplatzes 1994 wurden die Umrisse der zerstörten Synagoge markiert. 
  
Zur neuen Gemeinde siehe folgende Seite.          
      
      
      
Fotos 
Historische Fotos: 
(Quellen: Foto alte Synagoge: Jüdische Gemeinde Emmendingen; Fotos neue Synagoge: Foto Hirsmüller, Emmendingen)

Synagoge_Emmendingen.jpg (69039 Byte) Emmendingen Synagoge 130.jpg (53663 Byte)   
Alte Synagoge in Emmendingen 
(Kirchstraße 11) 
Der Schlossplatz in Emmendingen, 
links der Mitte die neue Synagoge
   
     
Emmendingen Synagoge 001.jpg (67496 Byte) Emmendingen Synagoge 002.jpg (77956 Byte) Emmendingen Synagoge 003.jpg (69382 Byte)
Neue Synagoge 
Emmendingen 
Innenansicht mit 
Blick zum Toraschrein 
Toraschrein 
(Ausschnitt aus Foto links) 

  
Fotos nach 1945/Gegenwart:  

Fotos um 1985:
(Fotos: Hahn)
     
Emmendingen Synagoge 102.jpg (49913 Byte) Emmendingen Synagoge 100.jpg (53293 Byte) Emmendingen Synagoge 101.jpg (135109 Byte)
Der Synagogenplatz  Gedenkstätte für die Synagoge  Die 1968 angebrachte Gedenktafel 
       

 Fotos 2003
(Hahn, Aufnahmedatum: 23.3.2003) 

ajem14.jpg (81771 Byte) 

ajem13.jpg (70511 Byte) 

  Auf dem Platz der ehemaligen, 
1938 zerstörten  Synagoge 
Gedenktafeln für die 
ehemalige Synagoge 
     

ajem15.jpg (69692 Byte) 

ajem12.jpg (102057 Byte) 

ajem11.jpg (74818 Byte) 

Metalltafel auf dem 
ehemaligen Synagogenplatz 
Gedenktafel für die 1938 
zerstörte Synagoge 
Weitere Gedenktafel 
  

     
     
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte    

Mai 2010: Auch in der neu konzipierten stadtgeschichtlichen Sammlung wird an die jüdische Geschichte erinnert 
Zitate aus einem Bericht von Sylvia-Karina Jahn in der "Badischen Zeitung" vom 14. Mai 2010 (Artikel, Hervorhebungen unten durch den Webmaster): "Museumsbesuch soll Spaß machen. Ein Rundgang durch die stadtgeschichtliche Sammlung vermittelt Geschichte komprimiert, unterhaltsam und überraschend. 
'Es geht um den Augengenuss.' So beschreibt Hans-Jörg Jenne, Fachbereichsleiter Kultur bei der Stadtverwaltung, das neue Konzept für die stadtgeschichtliche Sammlung, die heute, Samstag, zum ersten Mal nach drei Jahren wieder geöffnet hat. Soll heißen: Texte werden sparsam und nur ergänzend verwendet und auf jegliche Form der elektronischen Präsentation wurde verzichtet. Statt dessen steht das Exponat, das Original im Mittelpunkt – und das Ergebnis lohnt nicht nur einen Besuch. Denn in den sieben Themenräumen erwartet die Besucher so manche Überraschung und nicht jede auf den ersten Blick.
Es lohnt sich also, zu stöbern und zu staunen, oft auch sich zu erinnern...    (In der Bürgerstube findet sich) ein lebensgroßes Porträt von Kaiser Wilhelm. In der Ausstellung scheint der wohlwollend auf einen "Bollerwagen de Luxe" zu blicken, wie Jenne das pompöse Spielzeug nennt. Doch das kaiserliche Bild schmückte kein großbürgerliches Wohnzimmer, sondern die Realschule (in der es auch beschädigt wurde, aber von Soldaten, nicht von Schülern!) Der Schule war es von einem jüdischen Bürger gestiftet worden – und wieder ist die Vernetzung da. Der letzte Raum ist dem Nationalsozialismus gewidmet. Raum? Nein, eher ein schwarzer Schlauch. Drückende Enge empfängt den Besucher, "wählt Hitler" schreit ein feuerrotes Plakat von der Wand. Volksempfänger und Gasmaske grüßen, Fotos zeugen von Maiaufmärschen, vom Krieg (das eindrucksvolle Bild, als Soldaten zum Frankreichfeldzug durch die dörflichen Gassen zogen, stamme übrigens aus einer Lörracher Mülltonne, sagt Jenne), von Zwangsarbeitern, wobei die Ostarbeiter in den Haselmatten untergebracht waren. Ihre letzte noch stehende Baracke nutzen die Eisenbahnfreunde.
Die gekennzeichneten Ausweise der jüdischen Mitbürger markieren die Ausgrenzung als Anfang der grausamen Vernichtungsaktionen und der Blick durchs Fenster fällt auf den Grundriss der in der Reichspogromnacht zerstörten Synagoge – und weist vielleicht so manchem den Weg ins jüdische Museum nebenan. In der Stadtgeschichte haben die Nazis weitere Spuren hinterlassen: Ein drehbares Straßenschild zeigt, dass die netten Blumennamen in der 'Gartenstadt' Bleiche einst die Namen von Nazi-'helden' trugen, das Originalschild ist gar mit einem Hakenkreuz versehen..."
Info: Besuchszeitung des Museums der Stadt sonntags und mittwochs von 14 bis 17 Uhr."  
 
Oktober 2012: Erinnerung an die Deportation der jüdischen Patienten der ehemaligen Heil- und Pflegeanstalt Emmendingen   
Artikel von Dagmar Barber in der "Badischen Zeitung" vom 23. Oktober 2012: "Mit den Fäden der Vergangenheit die Zukunft weben
Premiere im Psychiatriezentrum: Milton Matz' Stück 'Frühstück im Regency' berührt, macht betroffen und nachdenken..." 
Link zum Artikel: Mit den Fäden der Vergangenheit die Zukunft weben (veröffentlicht am Di, 23. Oktober 2012 auf badische-zeitung.de)   auch eingestellt als pdf-Datei  
 
November 2013: Auf Grund von Bedenken aus der jüdischen Gemeinde wird noch kein Beschluss zu "Stolpersteinen" in Emmendingen gefasst   
Artikel von Gerhard Walser: Stolpersteine sind nicht erwünscht (veröffentlicht am Mi, 27. November 2013 auf badische-zeitung.de) 
 
Juni 2014: Werner Bloch zu Besuch in Emmendingen    
Artikel von Marco Kupfer in der "Badischen Zeitung" vom 28. Juni 2014:  
Link zum Artikel: Eine Synagoge als letzter Wunsch (veröffentlicht am Sa, 28. Juni 2014 auf badische-zeitung.de)  
 

  
   

Links und Literatur

Links:

Website der Stadt Emmendingen
  
Jüdische Gemeinde Emmendingen
  

Literatur:

Franz Hundsnurscher/Gerhard Taddey: Die jüdischen Gemeinden in Baden. 1968. S. 74-77.
Ernst Hetzel: Die Anfänge der jüd. Gemende in Emmendingen, in: Emmendinger Heimatkalender 1969. S. 41-44.
Karl Zeis: Die israelitische Privatschule in Emmendingen, in: Emmendinger Heimatkalender 1970, S. 46-47.
nach 1971 fanden sich mehrere Jahre in den Artikeln "Kleines Emmendinger Einwohnerlexikon" im Emmendinger Heimatkalender Charakterisierungen jüdischer Mitbürger).
Karl Günther: Jüdische Familien in der Unterstadt (Nieder-Emmendingen), in: Nieder-Emmendingen – Erinnerungen an ein Dorf. 1983. S. 37-39 
ders.: Laubhütten in Nieder-Emmendingen, in: Emmendinger Heimatkalender 1992. S. 44-48.
Klaus Teschemacher: Juden in Emmendingen von 1716-1862 und Hubert Schilling, Juden in Emmendingen von 1862-1933, in: "s’Eige zeige" Jahrbuch des Landkreises Emmendingen für Kultur und Geschichte 3/1989 S. 117-137.
Hans-Jörg Jenne: Amtliches von der Vertreibung der Juden aus Emmendingen und Gerhard A. Auer: Persönliches von der Vertreibung der Juden aus Emmendingen, in: "s’Eige zeige" 3/1989 S. 139-175.
Gerhard Behnke: Das Geheimnis der Versöhnung ist Erinnerung. Dokumentation zum Besuch der ehemaligen jüdischen Mitbürger Emmendingens. 1989.
Karl Günther: Juden aus Ihringen und Eichstetten auf dem alten jüdischen Friedhof in Emmendingen, in: "s'Eige zeige" 5/1991. S. 75-98.
ders.: Nieder-Emmendinger Juden auf dem alten jüdischen Friedhof in Emmendingen, in: "s'Eige zeige"  6/1992 S. 21-39.
ders.: Emmendinger Juden auf dem alten jüdischen Friedhof in Emmendingen, Teil 1: Von den Anfängen bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts, in: "s'Eige zeige" 7/1993 S. 27-63.
ders.: Emmendinger Juden auf dem alten jüdischen Friedhof in Emmendingen, Teil 2: Vom Beginn des 19. Jahrhunderts bis zur Schließung des Friedhofs im Jahr 1899, in: "s'Eige zeige" 8/1994 S. 47-107.
ders.: Jechiel, Sohn des Mose Eli - Daniel Heilbronn. Aus den Anfängen der Jüdischen Gemeinde in Emmendingen, in: Emmendinger Heimatkalender 1990. S. 88-93.
ders.: Symbole auf jüdischen Grabsteinen, am Beispiel des alten jüdischen Friedhofes in Emmendingen. in: Emmendinger Heimatkalender 1991. S. 57-63.
Rosemarie Schwemmer: Die jüdischen Friedhöfe in Emmendingen. Manuskript. 1989.
Hannelore Künzl: Die Mikwe zu Emmendingen. Gutachten 1990. Hochschule für Jüdische Studien Heidelberg.
Carola Grasse/ Helmut R. Merz/Christa Rutz: Jüdisches Leben in Emmendingen. Orte, Schauplätze, Spuren. Reihe: Orte jüdischer Kultur. Haigerloch 2001.
Joseph Walk (Hrsg.): Württemberg - Hohenzollern - Baden. Reihe: Pinkas Hakehillot. Encyclopedia of Jewish Communities from their foundation till after the Holocaust (hebräisch). Yad Vashem Jerusalem 1986. S. 244-247.  
synagogenbuch-1.jpg (32869 Byte)Joachim Hahn / Jürgen Krüger: "Hier ist nichts anderes als Gottes Haus...". Synagogen in Baden-Württemberg. Band 1: Geschichte und Architektur. Band 2: Orte und Einrichtungen. Hg. von Rüdiger Schmidt, Badische Landesbibliothek, Karlsruhe und Meier Schwarz, Synagogue Memorial, Jerusalem. Stuttgart 2007.  
Emmendingen Lit 2011a.jpg (31634 Byte)Stadtgeschichte Emmendingen. Band II. ISBN 978-3-9811180-1-8. 34.90 €   
Darin S. 589-724 ein ausführlicher Beitrag zur jüdischen Geschichte von Karl Günther; Zitat aus einem Artikel zur Buchvorstellung in der "Badischen Zeitung" von Sylvia-Karina Jahn vom 26. Oktober 2011: "Karl Günther ist der wohl profundeste Kenner der jüdischen Gemeinde in Emmendingen, die 2016 vor 300 Jahren gegründet wurde. Sie zählte zu den größeren Gemeinden, gab es doch Mitte des 19. Jahrhunderts in Emmendingen 12,5 Prozent Juden. Günther befasst sich eingehend mit der Synagoge, deren Zerstörung seine Mutter miterlebt hat. 1938 war das, die 4000 Reichsmark für Verwüstung und Sprengung musste die jüdische Gemeinde aufbringen, über den Verkauf ihrer Grundstücke. 3000 Reichsmark wären ihr noch geblieben, aber die hat die Gemeinde nie gesehen. Und als der Sohn in den 60er-Jahren erste Artikel zum Thema in der Badischen Zeitung veröffentlichte, habe das hässliche Kommentare ausgelöst; ebenso, dass er das Honorar für eine erste Gedenktafel stiftete. "Es wäre angemessen, die Synagoge wieder zu errichten", sagte Günther und nannte den Platz einen sensiblen Ort, der Gradmesser sei für den Umgang mit diesem Kapitel Emmendinger Vergangenheit." 

Synagogen Lit 201305.jpg (108213 Byte)Christiane Twiehaus: Synagogen im Großherzogtum Baden (1806-1918). Eine Untersuchung zu ihrer Rezeption in den öffentlichen Medien. Rehe: Schriften der Hochschule für jüdische Studien Heidelberg. Universitätsverlag Winter Heidelberg 2012. 
Zur Synagoge in Emmendingen S. 195-197.  

Michaela Schmölz-Häberlein: Kleinstadtgesellschaft(en). Weibliche und männliche Lebenswelten im Emmendingen des 18. Jahrhunderts (VSWG-Beihefte Bd. 220). Stuttgart 2012. (Habilitationsschrift).
dies.: Ausbildung – Arbeit – Angehörige: Lebenszyklische und ökonomisch-politische Anlässe für jüdische Mobilität und Migration im 18. Jahrhundert am Oberrhein, in: Jahrbuch für Regionalgeschichte 27 (2009), S. 51-66. 
dies.: Vom Westfälischen Frieden bis zum Ende des Alten Reiches, in: Geschichte der Stadt Emmendingen Bd. 1. Von den Anfängen bis zum Ende des Alten Reiches, hrsg. von Hans-Jörg Jenne u.a., Emmendingen 2006, S. 279-456.
dies.: Täufer, Juden und ländliche Gemeinden im badischen Oberamt Hochberg im 18. Jahrhundert. In: Nachbarn, Gemeindegenossen und die anderen. Minderheiten und Sondergruppen im Südwesten des Reiches während der Frühen Neuzeit, hrsg. von André Holenstein und Sabine Ullmann (Oberschwaben - Geschichte und Kultur Bd. 12). Tübingen 2004. S. 275-299.  
dies.: Zwischen Integration und Ausgrenzung: Juden in der oberrheinischen Kleinstadt Emmendingen 1680-1800, in: Landjudentum im deutschen Südwesten während der frühen Neuzeit, hrsg. von Rolf Kießling und Sabine Ullmann (Colloquia Augustana Bd. 10). Berlin 1999. S. 363-397.   
dies.: Ehrverletzung als Strategie? Zum sozialen Kontext von Injurien in der badischen Kleinstadt Emmendingen, 1650-1800. In: Devianz, Widerstand und Herrschaftspraxis in der Vormoderne. Studien zu Konflikten im südwestdeutschen Raum, hrsg. von Mark Häberlein (Konflikte und Kultur - Historische Perspektiven Bd. 2). Konstanz 1999. S. 131-149.    

    
     


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Emmendingen  Baden. Jews were present in the mid-16th century, and after expulsion in the early 17th century a few returned after the Thirty Years War (1618-1648). None seem to have been living there at the end of the century. A new settlement was established in 1716 through the efforts of the Court Jew Josef Guenzburger. A cemetery, the oldest in Upper Baden, was opened in 1717 and a synagogue was dedicated in 1823. In 1801 the Jewish population reached 158 and in 1875 the peak of 406 (total 3,487). In 1830-72 a Jewish elementary school was in operation. Jews continued to earn their livelihood mainly from the cattle trade and at the outset of the 20th century, 65 % were so engaged. In the same period the Wertheimer distillery became the largest in the state. The Jewish population dropping somewhat after 1925 with an exodus to the big cities, totaled 296 in 1933, including new settlers fleeing the Nazi persecutions. By October 1938, 147 had left, 100 of them emigrating. Another 111 (86 emigrating) left after Kristallnacht (9-10 November 1938), when the synagogue and two cemeteries were wrecked and Jews were taken to the Dachau concentration camp. The last 66 Jews were deported to the Gurs concentration camp in October 1940, while 19 Jews who had previously left the city were also deported from their places of refuge. In all, 23 survived the camps. In addition, the Germans murdered 25-30 patients at the local Jewish insance asylum.  
    
      

                   
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Stand: 28. Juni 2014