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Baden-Württemberg)
Jüdische Geschichte / Betsaal/Synagoge bis 1938/40
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Museum Emmendingen
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jüdischen Gemeinde in Emmendingen
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jüdischen Friedhof Emmendingen
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jüdischen Friedhof Emmendingen
Übersicht:
| Aktuell:
Jüdisches Lehrhaus Emmendingen - Programm Winter/Frühjahr 2010 (Programmflyer,
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Aktuelle
Veranstaltung am
Samstag, 30. Januar 2010, 19:00 Uhr in
Emmendingen, Simon-Beit-Haus, Kirchstraße 11, Gemeindesaal: "wohin
wird uns das Schicksal schleudern, uns ist oft so bang...."
Lesung auf den Briefen einer badisch-jüdischen Familie 1938-1946. Es
lesen Mitglieder der Alemannia Judaica aus Sulzburg. Musikalische
Umrahmung durch Bella Khasminska am Akkordeon.
Weitere Informationen links Textabbildung anklicken |
| Aktuell:
Jüdisches Lehrhaus Emmendingen - Programm Winter/Frühjahr 2010 (Programmflyer,
pdf-Datei) |
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english
version)
In Emmendingen bestand eine jüdische Gemeinde bis 1938.
Ihre Entstehung geht in die Zeit des 17./18. Jahrhundert zurück. Nach der
Chronik konnten sich nach dem Dreißigjährigen Krieg die ersten Juden in der
Stadt niederlassen (um 1660/70). 1680 wurde Jud Löwel Pächter der
Münze und des städtischen Salzhandels-Monopols. 1716 erhielten fünf aus dem
schweizerischen Thurgau vertriebene Familien von Markgraf Wilhelm einen
Schutzbrief. 1738 lebten bereits 14 jüdische Familien in der Stadt. 1743 kamen
aus Stühlingen vertriebene Familien
dazu. 1775 war die Zahl der jüdischen Familien auf 8 zurückgegangen, bis 1819
waren es wieder 19 Familien.
Die jüdischen Familien siedelten sich im 18./19. Jahrhundert
sowohl im Stadtgebiet wie seit 1728 in der Vor- und Unterstadt Niederemmendingen
(vor allem in der Karl-Friedrich-Straße) an.
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner
wie folgt: 1801 158 jüdische Einwohner, 1825 204 (9,4 % von insgesamt 2.165
Einwohnern), 1842 210, 1875 Höchstzahl mit 406 Personen erreicht (11,6 % von
insgesamt 3.487 Einwohnern), 1880 239 (9,1 % von 2.617), 1895 379 (7,5 % von
5.133), 1900 369 (5,9 % von 6.219), 1910 351 (4,2 % von 8,379). Zur jüdischen
Gemeinde in Emmendingen gehörten auch die in Kenzingen lebenden jüdischen
Personen (1924 25 Personen, 1932 19 Personen).
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde einen Betsaal (1727),
dann eine Synagoge (s.u.). Nach dem Bau einer neuen Synagoge wurde die alte Synagoge
Kirchstraße 11 nach 1823 zu einem Gemeindehaus mit Kantorenwohnung und Gemeindesaal umgebaut. In ihm befand sich 1830 auch die jüdische
Konfessionsschule, später wurde diese (bis zur Aufhebung 1872) in die
Karl-Friedrich-Straße 62 verlegt (Lehrer im 19. Jahrhundert waren u.a. ein
Lehrer Auerbach, nach 1862 K. Bodenheimer). Um 1840 richtete die jüdische Gemeinde ein
rituelles Bad am Mühlenbach ein. Es wurde bis etwa 1900 benutzt, danach diente das kleine Badhaus dem Synagogendiener als Wohnung. Nach der Wiederentdeckung 1988 wurde die Mikwe von dem damals gegründeten Verein für jüdische Geschichte und Kultur Emmendingen restauriert und in dem Gebäude 1997 das Jüdische Museum der Stadt eingerichtet (Standort: Schlossplatz 7).
Ein älterer Friedhof bestand seit
1717, ein neuer Friedhof seit 1899.
Die jüdische Gemeinde gehörte seit 1827 zum Rabbinatsbezirk Breisach,
dessen Amtssitz 1885 nach Freiburg i.Br. verlegt wurde.
Die jüdischen Bürger trugen seit dem 19. Jahrhundert in hohem Maß zur
wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung Emmendingens bei.
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde: Ludwig
Goldschmidt (geb. 13.12.1886 in Emmendingen, gef. 13.3.1918), Unteroffizier Alfred
Kahn (geb. 1.8.1894 in Emmendingen, gef. 28.10.1916), Moritz Meyer (geb.
30.7.1879 in Emmendingen, gef. 21.8.1917), Vizefeldwebel Otto Veit (geb.
16.1.1891 in Emmendingen, gef. 10.10.1914), Ludwig Weil (geb. 24.9.1888 in
Mergentheim, gef. 14.10.1916), Unteroffizier Otto Emil Weil (geb. 1.1.1889 in
Emmendingen, gef. 30.7.1915), Unteroffizier Otto H. Weil (geb. 22.9.1891 in
Emmendingen, gef. 22.8.1918), David Wolfsbruck (geb. 14.4.1894 in Randegg, gef.
1.9.1916). Ihre Namen stehen auf dem Kriegerdenkmal
1914/18. Außerdem ist gefallen Unteroffizier Prof. Dr. Rudolf Kahn (geb.
24.8.1886 in Emmendingen, vor 1914 in Freiburg wohnhaft, gef. 2.5.1915).
Um 1924, als 364 jüdische Gemeindeglieder gezählt wurden (4,1 % von
8.835 Einwohnern), waren die Vorsteher der Gemeinde: Simon Veit, Max Wertheim,
Isaak Hobel, Emanuel Schwarz, Emil Dreyfuß und Alexander Günzburger. Als
Kantor war Hermann Marx angestellt, als Synagogendiener war Alexander Kahn
tätig, als Gemeindeschreiber der Hauptlehrer Isaak Hobel, als Gemeinderechner
Meier Markus. Isaak Hobel erteilte an öffentlichen Schulen 28 jüdischen
Kindern den Religionsunterricht. An jüdischen Vereinen und
Wohlfahrtseinrichtungen bestanden der Israelitische Wohltätigkeitsverein
"Bikur Cholim" (bzw. Kranken- und Sterbeverein, gegründet
ca. 1825; 1924 unter Leitung von Leopold Veit und Berthold Weil, 1932 nur
Berthold Weil, 1932 100 Mitglieder), der Israelitische Frauenverein
(gegründet 1896, Zweck und Arbeitsgebiet: Kranken- und Wöchnerinnenfürsorge,
1924/32 unter Leitung von Frau H. Goldschmidt, 1932 111 Mitglieder), der Verein
Brith scholom (1924 unter Leitung von Leopold Veit mit 73 Mitgliedern, 1932
Leitung Gustav Wertheimer), der Synagogenchorverein (1924 unter Leitung
von Ludwig Wertheimer mit 120 Mitgliedern, 1932 Leiter Alfred Odenheimer), die Almosenkasse
der Israelitischen Gemeinde (gegründet ca. 1825, Ziel und Arbeitsgebiet:
Unterstützung Hilfsbedürftiger, 1932 Leiter Isidor Weil), die Wanderfürsorgestelle
(Ziel: Unterstützung von Durchwanderern, 1932 Leiter Kantor Joseph Bandel), der
Jugendbund (1932 Leiter Kantor Joseph Bandel), der Reichsbund
jüdischer Frontsoldaten (1932 Leiter Herr Hobel) sowie eine Ortsgruppe des Central-Vereins
(1932 Leiter Rechtsanwalt Dreifuß). Im Schuljahr 1931/32 erhielten 33
Kinder der Gemeinde Religionsunterricht.
1932 waren die ersten beiden Gemeindevorsteher (der Vorstand bestand aus
fünf Personen) Alfred Odenheimer (1. Vors.), Rechtsanwalt Emil Dreifuß (2.
Vors.), als Schriftführer war weiterhin Hauptlehrer Isaak Hobel tätig. Zur
Repräsentanz gehörten 20 Personen, die Vorsteher waren Berthold Weil (1.
Vors.), Gustav Wertheimer (2. Vors.) und Max I. Weil (3. Vors.).
An ehemaligen, bis nach 1933 bestehenden Dienstleistungs-, Handels- und Gewerbebetrieben sind bekannt: Rosshandlung Isidor Bloch
(Karl-Friedrich-Straße 65), Kolonialwarenhandlung Max Bloch (Karl-Friedrich-Straße
36), Rechtsanwalt Emil Dreifuß (Karl-Friedrich-Straße 21), Textilgeschäft Theodor Geismar
(Karl-Friedrich-Straße 53), Haushaltwaren Hermann Falk (Theodor-Ludwig-Straße
11), Metzgerei Leopold Goldschmidt (Karl-Friedrich-Straße 17), Viehhandlung Max Goldschmidt
(Karl-Friedrich-Straße 38), Viehhandlung Albert Günzburger und Gasthaus "Ochsen“, später Zigarrenfabrik Günzburger & Co.
(Karl-Friedrich-Straße 40), Viehhandlung Hermann Günzburger (Karl-Friedrich-Straße
47), Weinhandlung Hugo Günzburger (Goetheplatz 2), Viehhandlung Israel Philipp Günzburger
(Karl-Friedrich-Straße 9; bis heute mit Initialen und Wappenstein dieser Fam. Günzburger), Viehhandlung Max Günzburger
(Brunnenstraße 16), Sackfabrik Günzburger & Haas (Steinstraße 2), Gasthaus
"Zum Schwanen“, Inh. Wwe. Rosa Haas
(Karl-Friedrich-Straße 19), Branntwein-Brennerei Max Heilbrunner (Moltkestraße
8), Branntwein-Brennerei, Likörfabrik und Weinhandlung Heilbrunner & Co.
(Franz-Josef-Baumgartner-Straße 12), Branntwein-Brennerei, Likörfabrik und Weinhandlung Heilbronner & Moch
(Franz-Josef-Baumgartner-Straße 13), Weißwarengeschäft Geschw. Kahn (Lammstraße
12), Lumpensortieranstalt und Altwaren Gebr. Kahn (Haselmatten 7), Kaufhaus S. Knopf
(Theodor-Ludwig-Straße 1), Schuhvertrieb A. Löwenthal (Hochburgerstraße 39), Kaufhaus M. Nachmann (Eckhaus
Marktplatz/Kirchstraße ), Arzt Dr. Julius Neuburger (Karl-Friedrich-Straße
24), Viehhandlung Hermann Pickard (Mundinger Straße 6, abgebrochen), Viehhandlung Simon Pickard
(Karl-Friedrich-Straße 55), Arzt Dr. Wilhelm Reutlinger
(Franz-Josef-Baumgartner-Straße 4), Herrenmode-Artikel, Textil- und Aussteuergeschäft Emanuel Schwarz, dann Benjamin Weil
(Markgrafenstraße 2), Textilgeschäft Siegfried Schwartz (Lammstraße 14), Metzgerei Albert Veit
(Markgrafenstraße 8), Viehhandlung Arthur und Louis Veit (Karl-Friedrich-Straße
32), Viehhandlung Julius Veit (Karl-Friedrich-Straße 63, abgebrochen), Lebensmittel- und Futterartikelhandlung Louis Veit und Viehhandlung Arthur Veit
(Theodor-Ludwig-Straße 4), Futtermittelhandlung Samuel Veit (Mundinger Straße
13), Metzgerei Samuel Veit (Karl-Friedrich-Straße 39), Viehhandlung Adolf Weil
(Karl-Friedrich-Straße 50), Häute-, Fell- und Rauchwaren-Großhandlung Benedikt Weil & Söhne
(Markgrafenstraße 4), Schuhgeschäft Ludwig Wolf und Zigarren-Großhandlung Emil Weil
(Markgrafenstraße 45), Bäckerei Fritz Weil (Karl-Friedrich-Straße 1), Aussteuer- und Textilgeschäft Hermann E. Weil
(Kirchstraße 9), Weinhandlung Hugo Weil (Karl-Friedrich-Straße 7), Mehlgroßhandlung J. Weil
(Hochburgerstraße 4), Lebensmittel-Großhandlung Max Benedikt Weil (Landvogteistraße
6), Viehhandlung Adolf Samuel Weil (Mundinger Straße 8), Feinkost-, Wein- und Zigarrenhandlung Sophie Weinstock
(Markgrafenstraße 26), Erste Badische Wein- und Edelbranntwein-Brennerei,
Klosterbrennerei GmbH Wertheimer & Cie., Inh. J.M. Wertheimer (Klostergasse
6; eine der führenden Weinbrennereien Deutschlands und die größte
Edelbranntwein-Brennerei des Schwarzwaldes), Rechtsanwalt Robert Wertheimer (Marktplatz 4).
Zum Zeitpunkt der nationalsozialistischen Machtergreifung 1933 lebten 296
jüdische Personen in der Stadt (3,1 % von 9,514). Bis 1934/37 nahm die Zahl auf
Grund des Zuzuges von umliegenden Landgemeinden trotz der auch in Emmendingen
zunehmenden Repressalien und der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts noch nicht
ab (1934 348 jüdische Einwohner, 1936 413, 1937 287). 1935 bis zur Aufhebung am
24. April 1937 bestand wieder eine jüdische Volksschule, da den Kindern der
Besuch der allgemeinen Schulen nicht mehr möglich war. Am 1. Januar 1938 wurden
noch 138 jüdische Einwohner gezählt. Beim Novemberpogrom 1938 wurde die
Synagoge zerstört (s.u.), das israelitische Gemeindehaus demoliert, die
Friedhöfe geschändet, die Schaufenster jüdische Geschäfte eingeworfen. Von
den nach Dachau verschleppten jüdischen Männern wurde Israel Günzburger
ermordet. Anfang 1939 wurden die letzten 13, bis dahin noch bestehenden
jüdischen Firmen und Geschäfte aufgelöst. Bis Anfang 1940 konnten etwa zwei
Drittel der jüdischen Einwohner Emmendingens emigrieren (etwa 100 nach
Nordamerika)
Die letzten 71 jüdischen Gemeindeglieder wurden am 22. Oktober 1940 nach Gurs
deportiert.
Von den in Emmendingen geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Leo Alpern (1903),
Rosa(lie) Beer geb. Günzburger (1888), Emilie Bergheimer geb. Bloch (1883),
David Bloch (1863), Friedrich Bloch (1888), Richard Bloch (1887), Sofie Bloch
(1882), Friederike (Rika) Bodenheimer geb. Sinsheimer (1857), Siegfried
Bodenheimer (1868), Peter Bradt (1913), Melanie Breisacher (1903), Berta Brummer
geb. Liebhold (1895), Emil Dreifuß (1865), Emma Dreifuss geb. Veit (1858),
Mathilde Dreifuß (1885), Rosa Dreifuss geb. Günzburger (1876), Marie Fonteyn
geb. Weil (1914), Liesel Freundlich geb. Seligmann (1923), Marie Fröhlich geb.
Goldschmidt (1880), Ida Fürst geb. Wertheimer (1891), Alfred Geismar (1925),
Emma Geismar geb. Blum (1874), Hedwig Geismar geb. Günzburger (1888), Max
Geismar (1884), Salomon Geismar (1875), Johanna Goldberg (1896), Olga Goldberg
(1868), Hilda Grünebaum geb. Weil (1888), Alfred Günzburger (1894), Hermann
Günzburger (1886), Israel Günzburger (1857), Jakob Günzburger (1883), Johanna
Günzburger I (1886), Johanna Günzburger II (1883), Julius Günzburger (1875),
Max Günzburger (1881), Richard Günzburger (1903), Siegfried Günzburger
(1885), Sophie Günzburger geb. Günzburger (1879), Sophie Günzburger (1882),
Walter Günzburger (1917), Fanny Haas (1897), Frieda Haas geb. Veit (1897),
Julius Haas (1874), Sofie Haas (1872), Thekla Haas (), Hilda Haberer geb.
Wurmser (1886), Siegfried Hauser (1881), Nanette Heilbronner geb. Bernheim
(1859), Ludwig Herz (1872), Isack Hobel (1887), Melitta Hobel geb. Gundelfinger
(1886), Babette Hochstätter (1869), Leo Hofeler (1897), Betty Hofmann (1912),
Mathilde Kahn geb. Hirsch (1871), Elsa Kohlmann geb. Günzburger (1889), Selma
Kraus (1887), Ida Levistein (1874), Fanny Levy (1899), Ida Lion geb. Günzburger
(1885), Siegfried Maier (1897), Thekla Mannheimer geb. Haas (1894), Elsa Mayer
(1909), Emil Mayer (1874), Hermine Mayer geb. Greilsheimer (1879), Lydia Mayer
(1902), Martha Mayer (1907), Max Mayer (1873), Balbine Moch geb. Weil (1867),
Leopold Moch (1885), Stefanie Moch geb. Heilbrunner (1891), Else Müller (1909),
Luise Nahm (1900), Albert Neumann (1869), Emma Olesheimer geb. Weil (1857),
Henriette Pickard geb. Günzburger (1860), Ida Reiss (1860), Camilla (Kamilla)
Roos geb. Pickard (1888), Hermine Roos geb. Günzburger (1882), Hermann Ross
(1888), Lina Ruben (1896), Gertrud Schloss geb. Haas (1899), Hilda Schustermann
(1907), Emma Schwab (1885), Elsa Ullmann geb. Heilbrunner (1889), Lise Ullmann
(1859), Anna Valfer geb. Weil (18794), Flora Veit (1897), Samuel Veit (1866),
Simon Veit (1851), Anna Weil geb. Heim (1880), Arthur Weil (1887), Elias Weil
(1877), Elise Weil geb. Heim (1878), Elsa Weil geb. Wurmser (1890), Erich Weil
(1910), Flora Weil geb. Höchstetter (1892), Frieda Weil (1877), Fritz Weil
(1909), Heinz Weil (1923), Ida Weil geb. Veit (1876), Irma Weil (1909), Jette
Weil geb. Veit (1854), Julius Weil I (1873), Julius Weil II (1873), Julius Weil
III (1884), Lina Weil (1867), Lina Weil geb. Mai (1896), Luise Weil (1877),
Marie Weil (1914), Max Weil (1878), Moritz Weil I (1855), Moritz Weil II (1873),
Rosa Weil geb. Veit (1857), Rolf Weinstock (1920), Sofie Weinstock geb.
Heilbrunner (1884), Jakob Wendel (1876), Lina Wendel geb. Weil (1880), Flora Wertheimer
(1867), Sofie Wertheimer geb. Günzburger (1877), Lina Wolff geb. Günzburger
(1885), Ludwig Wolf (1864).
Nach 1945:
Zur Neubegründung einer Gemeinde kam es in Emmendingen
durch den Zuzug jüdischen Emigranten aus den GUS-Ländern im Februar 1995
(vgl. nächste Seite).
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Aus der Geschichte
der jüdischen Lehrer / Kantoren
Ausschreibungen der Stelle des Vorbeters und Schochet 1877
Anmerkung: auf Grund der Größe der Gemeinde
waren bereits in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts die Ämter des Lehrers,
Kantors und Schochet auf zwei Personen verteilt. Neben dem jüdischen
Elementarlehrer war der Kantor angestellt, der zugleich das Amt des Schächtens
innehatte. Die Stelle wurde sowohl in der orthodox-jüdischen Zeitschrift
"Der Israelit", als auch in der liberalen "Allgemeinen Zeitung
des Judentums" ausgeschrieben, was von einer liberalen Grundeinstellung der
jüdischen Gemeinde zeugt.
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 9. Mai 1877:
"Kantorstelle. Bei der hiesigen Israelitischen Gemeinde ist die
Stelle eines Kantors und Schächters bis zum 1. Juli dieses Jahres zu
besetzen. Fixen Gehalt Mark 1.200 und der Schächterdienst trägt ca.
800-900 Mark ein. Musikalische gebildete Bewerber, nicht über 35 Jahre
alt, welche die Fähigkeit besitzen, Religionsunterricht zu erteilen, mit
Chor vorzubeten, sowie die Synagogengesänge einzuüben, werden bevorzugt.
Reisekosten werden nur demjenigen vergütet, welchem die Stelle
übertragen wird. Emmendingen (Baden), im April 1877. J. Wertheimer,
Vorsteher". |
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Anzeige
mit demselben Text wie oben in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums"
vom 15. Mai 1877. |
Besondere
Ereignisse im jüdischen Gemeinde- und Vereinsleben
Die Tagung des "Allgemeinen Landesvereins im
Großherzogtum Baden zur Verbesserung der inneren und äußeren Zustände des
Juden" (1847)
Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 4.
Oktober 1847: "Mannheim, 20. September (1847). Ich sende Ihnen anbei
zwei Bekanntmachungen, um deren Abdruck ich Sie ersuche. W.
Allgemeiner Landesverein im Großherzogtum Baden zur Verbesserung der
inneren und äußeren Zustände der Juden.
Die Mitglieder des allgemeinen Landesvereins, der Lokalvereine und Alle,
welche sich für den geistigen, politischen und sozialen Forschritt
unserer Glaubensgenossen interessieren, werden zu einer Generalversammlung
auf Dienstag, den 28. September, Morgens 8 Uhr nach Emmendingen im
Breisgau eingeladen.
Tagesordnung: 1) Besprechung über die in Betreff der bürgerlichen
Gleichstellung an die hohe Regierung und an die Landstände
einzureichenden Petitionen. 2) Besprechung über die gewerblichen
Verhältnisse unserer Glaubensgenossen. 3) Eingabe an den
großherzoglichen Oberrat wegen Berufung einer allgemeinen Synode. 4)
Besprechung über die Frage: Inwiefern den in den Versammlungen deutscher
Rabbiner gefassten Beschlüssen Geltung in unserm Großherzogtum
verschafft werden könne?
Mannheim, den 1. September 1847. Der geschäftsleitende Ausschuss: Dr. Ladenburg.
Eller. Lenel, Mai. Wagner.
Bekanntmachung. Nachdem in Folge diesseitiger Bekanntmachung vom
24. Juni dieses Jahres die Mitglieder der Rabbinerversammlung in
Betreff der für die vierte Versammlung festzusetzenden Zahl ihre Stimmen
anher abgegeben haben, sieht sich der unterzeichnete Ausschuss zu
folgender Veröffentlichung veranlasst: Von den Mitgliedern der dritten
Rabbinerversammlung haben zwölf in schriftlicher Mitteilung ihr Bedauern
ausgedrückt, dass es ihnen, nachdem die Versammlung am bestimmten Termine
nicht abgehalten werden konnte, amtliche Verhältnisse unmöglich machen,
an einer noch im Laufe des Jahres 1847 abzuhaltenden Versammlung sich zu
beteiligen. In Berücksichtigung dieser Äußerungen glaubt nun der
unterzeichnete Ausschuss sein Mandat nicht zu überschreiten und im Sinne
der übrigen verehrlichen Mitglieder zu handeln, wenn er hiermit erklärt,
dass die vierte Rabbinerversammlung auf nächstes Jahr verschoben und vom
17. Juli 18548 eröffnet werden soll.
Mannheim 26. August 1847. Der Ausschuss für die vierte
Rabbinerversammlung: Wagner, A. Adler, S. Adler, Formstecher, Stein." |
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Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 24. Januar 1848:
"Aus Baden, im Januar. Erst jetzt liegt das gedruckte
Protokoll der dritten Generalversammlung des 'allgemeinen Landesvereins in
Baden für die Verbesserung der inneren und äußeren Zustände der
Juden', gehalten zu Emmendingen am 28. September vorigen
Jahres, uns vor und erfreut durch die sichtlich wachsende Teilnahme, die
dieser Verein genießt. 115 Mitglieder hatten sich am gedachten Tage
versammelt. Die Versammlung beauftragt einstimmig den Ausschuss, weitere
Schritte bei Regierung und Ständen zur Erlangung der bürgerlichen
Gleichstellung zu tun. Die geringeren Fortschritte in gewerblicher
Beziehung wurden in der Diskussion teils im Mangel an Freizügigkeit,
teils in manchen Religionssatzungen, in den vielen Feiertagen, der
Entfernung der Kohanim aus dem Hause bei Sterbefällen in derselben
Häuserreihe, teils in nicht genügender Sachkenntnis gefunden. Der dritte
Gegenstand der Beratung war eine Eingabe an den Oberrat wegen Berufung
einer allgemeinen Synode, welche aus den sämtlichen Rabbinen des Landes,
einer doppelten Anzahl von Laien, welche die Gemeinden wählen, und den
Mitgliedern des Oberrats bestehen soll. Der vierte Gegenstand wurde
ebenfalls mit einer an Einhelligkeit grenzenden Majorität angenommen, und
lautete: 'eine Eingabe an den Oberrat abzufassen, in der das Gesuch
gestellt wird, die Beschlüsse der deutschen Rabbinerversammlung einer
badischen Synode zur Begutachtung vorzulegen, von denen in Betreff der
Kultus-, Sabbat- und Festtagsfragen, sowie der Trauergebräuche als die
wichtigsten zuerst zur Behandlung gebracht werden mögen.' - Die
Diskussionen waren durchgängig sehr belebt und anziehend, und wurden
einige vortreffliche Reden gehalten, sowie die Vorberichte und Eingaben
sehr gut abgefasst sind. Allerdings ist die Wirksamkeit des Vereins in den
gedachten Gegenständen nur eine sehr bedingte, da die Erfüllung
einerseits von Regierung und Ständen, andererseits von dem Oberrat
abhängig ist, - allein die kräftige Aussprache dessen, was in einer
Mehrzahl der badischen Juden liegt, und die Erweckung von Fragen in
Tausenden, die sonst um die wichtigsten Angelegenheiten sich nicht
kümmern, und teilnahmslos ihren Weg gehen, ist schon Verdienst und
Wirksamkeit genug." |
Initiative zur Gründung eines jüdischen Sterbekassenvereins (1872)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 21. Februar 1872:
"Aus Baden. Die Synagogenräte der Gemeinden Altdorf,
Breisach, Ettenheim,
Emmendingen, Freiburg, Ihringen,
Kippenheim, Müllheim,
Schmieheim erließen an die
israelitischen Gemeinden Badens einen Aufruf, in welchem sie dieselben zum
Beitritte zu der Gründung eines jüdischen Sterbekassenvereins
auffordern, dessen Aufgabe sei, den Hinterlassenen eines jeden
Familienvaters, - reich oder arm - der Mitglied rubr. Vereins war, eine
Summe von 1000 Gulden auszuzahlen und zwar innerhalb 30 Tage nach dem
Sterbefall.
Dieses Projekt wurde von einem Amerikaner, Herrn Jonas Weil aus New York,
geborener Emmendinger, welcher Mitglied eines ähnlichen
amerikanischen Vereins 'Bene Beris' in New York ist, unter Mithilfe des
Herrn Hauptlehrer Bodenheimer in Emmendingen, bei nachfolgenden
Gemeinden schon zur Ausführung gebracht; nämlich in: Emmendingen,
Freiburg, Breisach,
Schmieheim, Kippenheim,
Altdorf, Ettenheim,
Ihringen, Müllheim,
zusammen mit mehr als 500 Mitgliedern.
In Baden wohnen ungefähr 25.000 Israeliten, welche ca. 5.000
Familienväter repräsentieren. Treten von diesen 5.000 auch nur 4.000
diesem nicht genug hoch zu schätzenden Sterbekassenvereine bei, so würde
ein Beitrag von 15 Kreuzer bei jeglichem Sterbefalle dieser 4.000
Mitglieder hinreichen, der Witwe oder den Waisen die erkleckliche Summe
von 1.000 Gulden auszahlen zu können.
Der New Yorker Verein, der 4.200 Mitglieder zählt, hat nach statistischen
Zusammenstellungen bisher höchstens 20 Sterbefälle pro Jahr und würde
nach dieser Annahme 5 Gulden als jährlicher Beitrag zur sofortigen
Ausbezahlung der 1000 Gulden schon hinreichen.
Die Statuten dieses Vereins sollen am Sonntag, den 25. Februar dieses
Jahres, in Freiburg von den Delegierten der betreffenden Gemeinden beraten
und endgültig festgesetzt werden." |
Gründung eines "Sterbekasse-Vereins" (1872)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 1. Mai 1872: "Emmendingen
(Baden). Wir haben schon vor einiger Zeit mitgeteilt, dass auf
Veranlassung der Herren Jonas Weil aus New York und Hauptlehrer
Bodenheimer in Emmendingen ein ‚Sterbekasse-Verein’ gegründet worden
und dessen Wohltaten sich womöglich über sämtliche Israeliten Badens
erstrecken sollen. – Inzwischen hat in Freiburg eine
Delegiertenversammlung badischer Israeliten stattgefunden, in welcher die
Statuten entworfen wurden. Sobald der Verein 2.000 Mitglieder zählt, wird
er seine Tätigkeit beginnen. Der Verein wird den Hinterlassenen eines
Mitgliedes ein Minimum von 500 Gulden und ein Maximum von 1.000 Gulden
auszahlen." |
Gründung eines "Vereins zur Förderung des
Handwerkes und der technischen Berufsarten unter den Israeliten des
Großherzogtums Baden" (1890)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 12. Januar 1891: "Ein schönes
Zeichen der Anhänglichkeit an die Glaubensgenossen in der Heimat ist dem
‚Verein zur Förderung des Handwerks und der technischen Berufsarten
unter den Israeliten des Großherzogtums Baden’ (Abteilung Freiburg i.Br.)
von dem in New York lebenden, aus Emmendingen in Baden stammenden Herrn
Jonas Weil zugegangen. Derselbe übersandte unterm 2. Dezember 1890 dem
Vorstande einen Wechsel über 225 Mark und zugleich eine Liste derjenigen
Herren, welche sich auf seine Fürsprache zu einem jährlichen
Mitglieder-Beitrage von 1 bis 5 Dollars bereit erklärt haben. Wir
veröffentlichen gern die Namen dieser hochherzigen Geber, deren Beispiel
vielfache Nachahmung verdient. Es zeichneten folgende Herren: Rafael
Sturmann, Barnett Sturmann, Hyman Wittkower, Wm. Prager, R. Bromberger, P.
Hirschfield, Ralph Prager, Lesser Prager, Samuel Wornecker, A.S.
Kalischer, Josef Morris, H. Batt, J. Crook, Isac Phillipps, S. Rothschild,
Emil Mayer, M. Rothschild, A Wolf, N. Loewy, A. Alex. Loewy, A. Beller, S.
Beller, E. Frank, Mayer Finn, M. Kahn, A. Kalischer, S. Jarmulowsky, J.
Weil, Edm. Weil, J. Rinaldo, Max Aronson, Isidor Rosenthal, M. Grünstein,
Plaut, je 1 Dollar, S. und D.S. Korn, Grabenheimer je 2 Dollar, M.
Goldschmidt und Familie, B. Meyer, J. Weil je 5 Dollar, sämtlich in New
York, S. Stein in Jersey-City 1 Dollar." |
Pressearbeit gegen den Antisemitismus (1891)
Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 20. November 1891: "Emmendingen
(Baden), den 30. Oktober. Angesichts der Bestrebungen, das Gift des
Antisemitismus auch im Badischen Lande zu verbreiten, ist es erfreulich
und wahrhaft wohltuend, in dem hier erscheinenden ‚Hochberger Boten’
einen Artikel zu finden, der das Treiben dieser Patrioten klar
charakterisiert und scharf verurteilt. Die Israeliten hiesiger Stadt,
sowie des Badischen Oberlandes, wo der ‚Hochberger Bote’ sehr
verbreitet und gern gelesen wird, wissen Herrn A. Dölter, dem Redakteur
des genannten Blattes, Dank für seine Beurteilung der Judenfrage, umso
mehr, als diese Beurteilung von einem Manne herrührt, der seit vielen
Jahren einer der eifrigsten Führer der hiesigen nationalliberalen Partei
ist." |
Einweihung des Kriegerdenkmals zu Ehren der Kriegsteilnehmer 1870/71 (1897)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 21. Oktober 1897: "Aus Baden,
3. Oktober (1897). Am Sonntag, den 26. September wurde in der Stadt
Emmendingen zu Ehren der dortigen, eingeborenen Krieger vom Jahre 1870/71
ein Kriegerdenkmal unter größeren Festlichkeiten enthüllt. Mit dieser
Enthüllung wurde auch eine besondere Ehrung der noch lebenden Emmendinger
Kriegsveteranen aus jenen denkwürdigen Kämpfen verbunden, indem jedem
derselben, worunter sich auch zwei Israeliten befinden, nämlich Dr. med.
Bloch aus Freiburg i.Br. und Hauptlehrer Weil aus Eichstetten, vom
Bürgermeister der Stadt Emmendingen eine geschmackvoll geprägte,
silberne Erinnerungsmedaille angesichts Hunderter von Festteilnehmer
öffentlich überreicht wurde. Aber auch der bereits verstorbenen Kämpfer
von 1870/71 sollte nicht vergessen werden, indem auf den Friedhöfen der
verschiedenen Konfessionen zu Ehren der dort ruhenden Krieger eine
würdige Gedächtnisfeier veranstaltet wurde. Auf dem jüdischen
Friedhofe, auf welchem zwei derselben beerdigt sind, wurde diese Feier am
Sonntagvormittag, dem Tag vor Rosch Haschana (Neujahrsfest)
abgehalten. Zu diesem Zwecke begaben sich der ganze Emmendinger
Militärverein mit seiner Fahne, sämtlichen Veteranen, eine Abordnung des
Stadt- und Synagogenrates und eine große Anzahl jüdischer Einwohner in
feierlichem Zuge auf den jüdischen Friedhof. Dort hielt der
Kriegsveteran, Herr Hauptlehrer Weil von Eichstetten, eine feierliche
Ansprache an die Versammelten, in welcher derselbe in gediegenen Worten
die schöne, sinnreiche Bedeutung dieser Gedenkfeier hervorhob. Hierauf
begab sich derselbe auf die Gräber der beiden verstorbenen Krieger und
widmete jedem derselben einen kurzen, ehrenden Nachruf, welchem ein von
Herrn Kantor Goldberg laut und feierlich vorgetragenes, hebräisches Gebet
folgte. Nachdem Herr Hauptlehrer Weil noch ein kurzes Schlusswort an die
Versammelten gerichtet, in welchem dieselben ermahnt wurden, sobald der
Ruf des obersten Kriegsherrn an seine Krieger wieder ergehen sollte, mit
gleicher Treue und mit demselben tapferen Kampfesmute, wie die beiden
Verstorbenen, seiner Fahne zu folgen mit Gott für Fürst und Vaterland,
schieden die Versammelten mit sichtbarer Rührung und Befriedigung über
den äußerst würdigen Verlauf dieser Erinnerungsfeier. Dieser Akt wahrer
Pietät und echter Toleranz auf einem jüdischen Friedhofe ist gewiss ein
erfreulicher Lichtblick in unserer gegenwärtigen, viel bewegten Zeit der
schwersten, konfessionellen Anfeindungen und gereicht seinen
Veranstaltern, ganz besonders aber den zahlreichen, nichtjüdischen
Teilnehmern zu hohen Ehre." |
Gesangsfest des oberbadischen Synagogenchor-Verbandes in
Emmendingen (1904)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. Mai 1904:
"4. Gesangsfest
des oberbadischen Synagogenchor-Verbandes. Bericht von Lazar Schön.
Emmendingen, 26. Mai (1904).
Bevor wir auf die nähere Berichterstattung
dieses Gesangsfestes eingehen, wollen wir die Leser mit den Zielen dieser
Feste bekannt machen.
Seit dem Jahre 1897 besteht der Verband oberbadischer Synagogenchöre und
hat sich derselbe die Aufgabe gestellt, die Würde und Weihe des
Gottesdienstes zu mehren und die Andacht durch gefühlvoll vorgetragene
Chöre zu heben. Schon in den Jahren 1897, 1899 und 1901 fanden solche
Verbandsfeste in den Gemeinden Offenburg, Kippenheim und Freiburg statt
und neuerdings am 22. Mai dieses Jahres in Emmendingen als viertes
Gesangsfest des oberbadischen Synagogenchor-Verbandes. Das Programm war
glücklich gewählt und war die Reihenfolge der verschiedenen Arrangements
folgende: vormittags 10 Uhr: Hauptprobe für die Gesamtchöre im Saalbau
zum ‚Drei König’. Vormittags 10 Uhr 30 Min: Generalversammlung der
Vorstände der Verbandsvereine und der hierzu eingeladenen Gäste im
Rathause. Nachmittags 1 ¼ Uhr: Aufführung synagogaler Gesänge im
Saalbau zum ‚Drei König’. Nachmittags 4 Uhr: Festessen im Bautz’schen
Gartensaal. Nachmittags 7 Uhr: Bankett mit darauf folgender
gesellschaftlicher Unterhaltung im Saalbau zum ‚Drei König’.
Gegen 11 Uhr versammelten sich die Gäste im Saalbau zum ‚Drei König’,
wo laut Programm die Hauptprobe für die Gesamtchöre, ferner die
Generalversammlung der Vorstände der Verbandsvereine stattfand.
Nachmittags um 2 Uhr war der in badischen Landesfarben prachtvoll
geschmückte Saalbau bis auf den letzten Platz besetzt - ungefähr 900 -
1000 Gäste, Damen und Herren - an der Zahl, galt es doch den weihevollen,
Herz und Gemüt ergreifenden synagogalen Gesängen zu lauschen! Ein
Zeichen, wie die Juden in Baden von ihren christlichen Mitbürgern geehrt
und geschätzt werden, beweist schon die Tatsache, dass auch die Herren
Geheimer Regierungsrat Salzer, Oberamtsrichter Schiedelseder,
Oberbauinspektor Bürgerlin und Notar Welcker und noch diverse andere als
Vertreter der christlichen Konfessionen anwesend waren.
Unter der Leitung des Kantors Herrn M. Goldberg begannen die synagogalen
Gesänge mit 'Matowu', das von dem Gesamtchor, bestehend aus den Chören
der Gemeinden Bühl, Eichstetten, Freiburg, Kippenheim, Nonnenweier,
Offenburg und Emmendingen in wirklich erhebender Weise vorgetragen
wurde.
Die Chöre der genannten Gemeinden sangen auch einzeln und konnte man sich
dabei mit freudiger Genugtuung überzeugen, dass der Gesang von den oberbadischen
Verbandsvereinen in einer Weise gepflegt wird, wie es ihnen nur zur Ehre
gereichen kann. Der große Applaus, der verdiente Beifall, den die Sänger
ernten konnten, bewies ihre meisterhafte Schulen und ihre großen
Leistungen, - und wahrlich, selbst der schärfste Kritiker musste verlegen
sein, da alles aufs herrlichste gelungen ist. Der Beachtung wohl wert ist
dabei die Tatsache, dass der Synagogenchor von Bühl für ein Landesfest
einen zu schwierigen Gesang gewählt hatte, wir meinen, für einen intimen
Künstlerkreis hätte er eine noch weit bessere verständnisvollere
Wirkung abgegeben. Herrn Kantor M. Goldberg aber, in ihm ist alle Ehre und
aller Ruhm verkörpert; feiern wir ihn als einen genialen Künstler, und
die Verkünder seiner Kunst sind damit in ihm und mit ihm in gleicher
Weise geehrt!
Nach Erledigung dieses zu aller Zufriedenheit ausgefallenen Teils des
Programms ging man daran, bei einem solennen Fest wohl nach dem geistigen
Genuss, auch den Körper zu seinem Rechte kommen zu lassen. Zu diesem
Zwecke versammelten sich die Gäste allgemach im Bautz'schen Gartensaal,
wo der Vorsteher der jüdischen Gemeinde, Herr Heinrich Weil, die Gäste
herzlich willkommen hieß. Im Namen der Stadt begrüßte dann Herr
Gemeinderat Philipp Günzburg die Festversammlung, nicht ohne gleichzeitig
die Versicherung abzugeben, dass sie alles aufbieten werde, um den Gästen
angenehme Stunden zu verschaffen und frohe Erinnerungen zu
hinterlassen.
Der Verbandspräsident, Herr Simon Veit, begrüßte dann in schwungvollen
Worten die Gäste namens der Verbandsleitung und sprach den Herren
Vertretern, den Sängern und Sängerinnen, die zum Gelingen des Festes
beigetragen haben, den herzlichsten Dank aus. Ferner gedachte der Redner
in pietätvoller Weise des Komponisten Sulzer, dessen hundertster
Geburtstag in diesem Jahre gefeiert wurde.
Besonders der zweite Teil der wohl durchdachten Rede ist hervorzuheben, in
welchem Herr Veit die soziale Stellung der Juden unter der glorreichen
Regierung Seiner königlichen Hoheit des Großherzogs Friedrich von Baden
besprach, dessen Liberalität er ebenso feierte, wie er die Wohltat
hervorhob, die den Juden von diesem tiefedlen Fürsten zuteil wurde.
'Darum - so zitiert der Herr Redner - schlagen unsere Herzen in Liebe und
Dankbarkeit dem edelsten Fürsten entgegen, |
und
unseren Widersachern zum Trotz wollen wir beweisen, dass auch der der
Religion seiner Väter anhängliche Jude mit allen Fasern seines Herzens
zugleich ein guter Deutscher, ein guter Patriot sein kann.' Das waren
Worte, aus dem Herzen Aller gesprochen, und der große Applaus, der nicht
enden wollende Beifall, mit dem seine Rede und das Hoch auf den
Beschützer aller Konfessionen - Großherzog Friedrich - aufgenommen
wurde, sprach alles aus. Freude und Dankbarkeit las man aus aller Augen
und die frohe Stimmung klang aus in die Hymne: 'Heil unserm Fürsten,
Heil!'.
Darauf ergriff Harr Kantor Goldberg das Wort, von dessen öfters mit
stürmischem Beifall aufgenommenen Rede wir Folgendes hervorheben: In
kurzen Zügen entwarf er ein Bild von der segensreichen Tätigkeit des
Großherzoglichen Oberrats für die Israeliten in Baden, hob besonders die
Besteuerungsordnung hervor, die Verteilung der allgemeinen Kirchensteuer,
durch welche die großen und leistungsfähigen Gemeinden an den Lasten der
kleinen tragen helfen, die Gründung der Synode; ferner verbreitete sich
der Redner über die Schaffung der Pensionskasse für Religionslehrer und
Kantoren Badens. Herr Kantor Goldberg erklärte ferner, dass, während in
anderen Ländern Kantoren, die wehmutsvoll ausrufen müssen - es ist mir
die Kehle verdorrt, ich habe meinen einzigen Reichtum, mein einziges
Juwel, mein ganzes Hab und Gut auf den Altar des Judentums niedergelegt,
ich bin machtlos, ich kann nicht weiter: Die Stimme, mein Brot, erstarb
mir im Munde! - keinen Anspruch auf Pensionierung haben und in Folge
dieses Mangels Witwen und Waisen nur zu oft völlig brotlos werden, Baden
eine rühmliche - vorbildliche - Ausnahme mache. Der Oberrat sei eine
Institution, wie sie seit der Diaspora der Israeliten in solcher
Vollkommenheit in keinem Lande zu finden wäre. (Na, Na! Red.). Mit einem
Hoch auf die Anwesenden schloss Herr Goldberg seine meisterhafte Rede.
Minutenlanger Applaus ist die verdiente Anerkennung. darnach ergriffen
noch die Herrn Rabbiner Dr. Levi - Freiburg, Hauptlehrer Wolfsbruck und Rechtsanwalt
Dreifuß das Wort.
In dem auf 8 Uhr Abends angesetzten Bankett waren alle wieder vollzählig
erschienen. Herr Präsident Veit hieß die Erschienen abermals willkommen
und gedachte in seiner Ansprache der verdienstvollen Arbeit der Dirigenten
und namentlich des Verbandsdirigenten, Herrn Goldberg. Der Raum gestattet
uns nicht auf die einzelnen Leistungen der Chöre nochmals näher
einzugehen, ebenso nicht auf die Vorträge des Herrn Bruchsaler und Frau
Dreifuß aus Bühl, nur die Tüchtigkeit des Herrn Wormser in Müllheim
wollen wir noch hervorheben. Bei Beginn seiner Solos lauscht in atemloser
Stille alles seinem Gesange und geht unser Urteil dahin, dass er mit dem
besten Opernsänger konkurrieren könnte. Warmer Beifall belohnte das
Können dieses Tüchtigen. Nicht unerwähnt dürfen wir schließlich die
Rede der Herrn Notars Welker (Christ) lassen, der manche Gedanken zum
Ausdruck brachte, um die uns viele beneiden werden. Ein wahrer Genuss sei
ihm geboten worden, würdig derer, welche die Festlichkeit veranstaltet,
würdig derer, die ihre Kunst in den Dienst der Allgemeinheit gestellt
hätten. Er entrollte im Folgenden ein Bild der glorreichsten Zeit der
Geschichte unseres Volkes. Bis 12 Uhr wurde das Bankett fortgesetzt.
Denjenigen, die außerdem in öffentlicher Form aufgetreten sind, oder sonst wie
ihr Schärflein zum würdigen Verlauf beigetragen haben, wenigstens ein
herzlicher Dank, nachdem es uns nicht möglich ist, alles bis ins detail
zu berichten. Nur unsern Goldberg möchten wir auch noch als Dichter
präsentieren und unsern Bericht mit seinem Refrain schließen: 'Ihr
lieben Gäste von Nah und Weit. Willkommen! Zum Feste rufen wir heut.
Denkt nicht der Sorgen, die's Fest mit sich bracht', Schön ist der Morgen
nach stürmischer Nacht, Und zieht ihr von dannen in des Schwarzwalds
Höh'n. So denket vom Feste: 'Es war doch so schön!'" |
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Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 17. Juni
1904: "Sulzburg, 8. Juni (1904). Das vierte oberbadische
Synagogenchorfest fand am Pfingstsonntag in Emmendingen statt.
Daran beteiligten sich außer dem festgebenden Vereine die Synagogenchöre
von Bühl, Eichstetten, Freiburg, Kippenheim, Nonnenweier und Offenbarung,
im ganzen sieben Vereine mit 150 Sängern. Freundlich glänzte die
Maiensonne über dem schmucken Städtchen, als außer diesen Sängern noch
Hunderte von Gesangsfreunden von nah und fern zur Beteiligung
herbeiströmten. Nach vorangegangener Hauptprobe und Generalversammlung,
die in dem vom Gemeinderate bereitwilligst zur Verfügung gestellten
Rathaussaale stattfand, begann gegen 2 Uhr in dem reich verzierten Saalbau
zum Dreikönig in Anwesenheit von über 800 Zuhörern, worunter die
Vorstände des großherzoglichen Bezirksamts und Amtsgerichts, sowie
andere höhere Beamte waren, die Aufführung der synagogalen Gesänge. Von
mächtiger, erhebender Wirkung waren insbesondere die Gesamtchöre, welche
von Kantor Goldberg aus Emmendingen trefflich geleitet wurden. Unter den
Einzelchören leisteten naturgemäß die der Stadtgemeinden das beste.
Dabei rangen Freiburg, Bühl, Emmendingen und Offenburg um die Palme.
Freiburg verdient umso höhere Anerkennung, da die unmittelbar vorher
eingetretenen jugendlichen Sänger sich prächtig bewährten. Bühl ragte
durch die schönen und gut geschulten Damenstimmen hervor. Auch die Chöre
der Landgemeinden hatten weder Mühe noch Opfer gescheut, um ihrerseits
zum Gelingen des Ganzen beizutragen. Unter ihnen verdient Kippenheim
ehrende Anerkennung. Bei den Solisten glänzten namentlich die Kantoren
Sommer - Freiburg, sodann Bruchsaler- Bühl und Goldberg - Emmendingen.
Als Solistin bewährte sich wieder Frau Dreyfuß-Hauser aus Bühl. In
andächtiger Stille lauschten die Gäste dem zweistündigen Konzerte, das
einen ebenso schönen als würdigen Verlauf nahm. An das Konzert schloss
sich ein überaus zahlreich besuchtes Festessen. Dabei hielten Vorsteher
Weil, Gemeinderat Günzburger, Vereinspräsident Veit, Kantor Goldberg,
Rechtsanwalt Dreifuß und Hauptlehrer Wolfsbruck - sämtlich aus
Emmendingen . beifällig aufgenommene Begrüßungsreden. Hauptredner war
Konferenzrabbiner Dr. Levin aus Freiburg, der als Delegierter des
Großherzoglichen Oberrats dem Feste anwohnte. Auch bei dem nachfolgenden
Bankett fehlte es nicht an Reden, worunter die des Großherzoglichen
Notars Welcker aus Emmendingen hervorzuheben ist. Durch launige
Knittelverse erfreute Kantor Goldberg die Gäste. Innig und
verständnisvoll trugen Frau Dreyfuß-Hauser und Kantor Bruchsaler - Bühl
ein Duett aus 'Jakob und seine Söhne' vor. Auch Kantor Wormser -
Müllheim bewährte sich als trefflicher Sänger. 'Es war doch schön!' So
lautete der Kehrreim des flott gesungenen Liedes, mit welchem Emmendingens
Synagogenchor das Bankett einleitete. Und in der Tat war das Fest so
schön, dass alle Teilnehmer in dankbarer, freudiger Erinnerung auf
dasselbe zurückblicken können. Bei aller Anerkennung bleibe indessen
folgendes nicht unerwähnt; die Auswahl der Chöre ist nach der
Verwendbarkeit im Gottesdienst zu treffen, und bei einigen Vereinen ist
auf die Reinheit des Tones und der Aussprache, sowie auf die Anforderung
der hebräischen Sprachlehre sorgfältiger zu achten. Dies sind kleine
Flecken an dem Gesangsgemälde, dessen Glanz und Schönheit darum nicht
minder leuchtend bleiben." |
Ein zionistischer Abend in Emmendingen (1925)
Artikel
in der "Jüdischen Rundschau" vom 2. Januar 1925: "Emmendingen. Im
Auftrage der Zionischen Ortsgruppe Freiburg sprach am 11. Dezember im
neutralen Jüdischen Jugendbund Emmendingen in einer großen öffentlichen
Versammlung Herr Jakob Dränger aus Frankfurt am Main über: ‚Die
Judenfrage am Scheidewege’. Ausgehend von der geschichtlichen
Entwicklung wies Herr Dränger auf die verschiedenen Epochen im Judentum
hin und beschäftigte sich insbesondere mit der neuesten Epoche des
jüdischen Volkes, die er als die nationale bezeichnete. Die Judenheit
steht heute am Scheideweg. Der eine Wegweiser zeigt nach Palästina und
bedeutet nationale Renaissance, und der andere weist nach Europa und
bedeutet nationalen Untergang. Es hängt nur von uns ab, ob wir die
Bedeutung der großen geschichtlichen Tage, welche wir augenblicklich
erleben, rechtzeitig erfassen. Der Referent betonte insbesondere, dass die
in den letzten Jahren erfolgte Belebung der Judenheit nur durch die
revolutionäre Kraft des Zionismus gelungen sei, der den Kernpunkt der
Judenfrage erfasste, während andere jüdische Ideologien keinen Mut zur
Wahrheit haben. Die lebendig-frischen Ausführungen des Herrn Dränger
wurden bis zum letzten Augenblick mit größter Aufmerksamkeit angehört
und hinterließen einen starken Eindruck. Nach dem Vortrag fand eine rege
Diskussion statt, woran sich die Herrn Kantor Marx und Weil einerseits –
und auf der anderen Seite die Herren Kahn und Voß beteiligten. Im
Schlusswort fasste Herr Dränger seinen Standpunkt in sehr treffenden
Worten zusammen und erinnerte nochmals an die Wichtigkeit der
Produktivierung der jüdischen Jugend, was bisher noch keiner Bewegung in
diesem Maße gelungen sei wie der zionistischen, da nur sie der Jugend ein
Ideal, Erez-Israel, gegeben hat. Der Abend kann als voller Erfolg und als
guter Anfang für die zionistische Arbeit in Emmendingen gebucht
werden." |
Über
Personen und besondere Persönlichkeiten aus der jüdischen Gemeinde
Zum Tod und der Beisetzung des aus Emmendingen stammenden
Jacob A. Auerbach (1887)
Jacob A. Auerbach (1810 Emmendingen - 1887
Frankfurt am Main), Theologe und Pädagoge; seit 1865 Direktor des
Julius-Flersheim’schen Instituts in Frankfurt; verfasste zahlreiche Schriften
pädagogischer, historischer und theologischer Art.
Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 10. November 1887: "Die
‚Frankfurter Zeitung’ berichtet: Heute Vormittag kurz nach 11 Uhr
verschied ohne vorausgegangene Krankheit plötzlich in Folge eines
Schlaganfalles Herr Dr. Jacob Auerbach. Er war am 14. November 1819
geboren, erreichte also fast das 78. Jahr. Sein Geburtsort war Emmendingen
im Großherzogtum Baden. Nachdem er das Pädagogium in Karlsruhe besucht
hatte, bezog er die Universität Heidelberg, musste aber sein Studium aus
Mangel an Mitteln unterbrechen. Von seinem Vetter, dem Dichter Berthold
Auerbach, wurde er bald wieder zur Vollendung seiner Studien nach
Heidelberg gerufen; die Freundschaftsbanden, die sich damals zwischen den
jungen Leuten knüpften und durch Verschwägerung noch verstärkt wurden,
dauerten fürs ganze Leben. 1835 wurde er als jüdischer Religionslehrer
nach Wiesbaden berufen; dort lernte er den Rabbiner Dr. Abraham Geiger
kennen, schätzen und lieben. Verwandtschaftliche Bande vereinigten
später die beiden Männer. 1836 wurde Auerbach Hauslehrer in der
Niedermann’schen Familie in Wien, 1843 berief ihn die hiesige
israelitische Gemeinde an das Philanthropin als Religionslehrer und
Prediger im Andachtssaal (gemeinsam mit Dr. J.M. Jost). 1848 wurde ihm der
hebräische Unterricht am Gymnasium übertragen. 1879 wurde er pensioniert
und bei dieser Gelegenheit auch von der Staatsregierung durch Verleihung
des Rothen Adler-Ordens ausgezeichnet. Literarisch war Auerbach durch
Aufsätze im Schulprogramm und in verschiedenen jüdischen
wissenschaftlichen Zeitschriften tätig. Er gab die Schul- und Hausbibel,
biblische Erzählungen etc. für jüdische Kreise heraus; auch beteiligt
er sich eifrig an verschiedenen Rabbiner-Versammlungen (an der
Rabbiner-Versammlung zu Frankfurt und an der Synagoge zu Augsburg, Red.).
Eine seiner letzten Veröffentlichungen waren die Briefe Berthold Auerbach’s
an ihn, die er sichtete und in zwei Bänden publizierte. Sein scharfer
Verstand, sein klarer Geist, seine liebenswürdige Milde ließen ihn auch
im maurerischen Kreise die höchsten Würden und ungeteilte Anerkennung
erringen. Auerbach war von allen, die ihn kannten, geehrt und geliebt. –
Die Beerdigung findet Donnerstag 9 Uhr Morgens statt." |
| |
Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 17. November 1887: "Frankfurt
am Main, 8. November (1887). Der unerwartete Tod Dr. Jacob Auerbachs hat
unter der großen Schar seiner ehemaligen Schüler die tiefste Trauer
hervorgerufen. Jacob Auerbach war das Ideal eines Religionslehrers. Mit
welch goldenen Worten hat er selbst den Beruf eines solchen Lehrers
geschildert. Ihm ist, sagt er, eine ebenso schöne als schwierige Aufgabe
gesetzt. Er soll dem Kinde die unvergleichlich herrliche, vom höchsten
Glanze des Idealen umflossene und doch wieder sich durchaus auf realem
Boden erhebende Wunderwelt der Bibel eröffnen, damit er sich ganz in sie
einleben und von ihr erfüllt werde. Dem Jüngling aber will er neben dem
poetischen Gehalt der heiligen Bücher besonders den reichen Schatz ihrer
ethischen Lehren, ihre tiefen und ewigen Wahrheiten vor Augen führen.
Von solchen Ideen geleitet, wirkte der hohe Mann. Keine Fülle des
positiven Materials gab er seinen Schülern, sondern getreu dem
Grundsatze, dass die Religions- wie alle Bildung in die Tiefe gehen soll,
‚mehr einzelne, in sich abgeschlossene, aber lebenswahre Bilder’, wie
sie die Hand des Künstlers liefert und ‚die in ihrer individuellen
Gestaltung gleichsam das Ganze, dessen Teile sie sind, vorahnend aufnehmen
lassen.’
Er wählt einige Stellen der heiligen Schrift aus, am liebsten aus den
Psalmen, aus den nachbiblischen Sprüchen. Er erklärt ihren Inhalt, er
vergleicht sie mit anderen.
So wird dem Schüler der Sinn klar, oder er erhält wenigstens eine Ahnung
von der unendlichen Tiefe der geistigen und sittlichen Welt, die sich hier
offenbart.
Wir erinnern uns, wie er immer wieder und nie genug über den Satz redete:
Die Frommen aller Religionen gelangen zur ewigen Seligkeit. Die
Gleichberechtigung der Menschen also und deren Wert nach ihrem freien
sittlichen Streben hebt er mit Nachdruck hervor. Diese Grundlagen aller
echten menschlichen Frömmigkeit, diese ewigen Wahrheiten, zu welchen, wie
Abraham Geiger so schön sagt, die ganze Menschheit sich hinanringen soll,
das waren die Grundlagen seines Unterrichts in der Religion. Er übte sein
Lehramt nur im Allerheiligsten aus, ein Lehramt nicht des Buchstabens,
sondern des Geistes.
In den Herzen seiner Schüler aber hat sich der Verewigte durch diese
ideale Art des Unterrichtens, durch seine Herzensgüte und Milde und
gewiss auch durch den Zauber seiner ehrwürdigen Erscheinung ein festes
und unzerstörbares Denkmal gebaut. Auch er durfte so mit Horaz sagen:
Exegi momumentum aere perennius (= ‚Ich habe ein Denkmal erschaffen,
dauerhafter als Erz’). Dr.jur.L.W." |
|
Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 17. November 1887: "Bonn,
13. November. Man schreibt aus Frankfurt am Main vom 3. November: Das
Leichenbegängnis des Herrn Dr. Jakob Auerbach fand heute früh unter
außerordentlich zahlreicher Beteiligung statt. Vor dem Leichenwagen
schritten die obersten Klassen der Realschule der israelitischen Gemeinde;
den Freunden, Kollegen, früheren Schülern und Logenmitgliedern schloss
sich eine große Zahl von Equipagen an. Am Sarge sprach zuerst Herr
Rabbiner Dr. Brüll, um des Verstorbenen Verdienste um die Wissenschaft
des Judentums und den geistigen Fortschritt seiner Glaubensgenossen, seine
trefflichen Charaktereigenschaften und sein schönes Familienleben zu
beleuchten. Herr Direktor Dr. Baerwald legte namens der Realschule der
israelitischen Gemeinde einen Kranz mit rot-weißer Schleife nieder, idem
er Auerbachs Tätigkeit als Lehrer vorzugsweise schildert. Herr
Gymnasialdirektor Reinhardt spendete einen Kranz namens des
Lehrerkollegiums des Gymnasiums: er zollte dem wissenschaftlichen Streben
und dem liebevollen, lauteren Wesen des Verschiedenen hohe Anerkennung.
Namens der Julius- und Amalie Flersheim’schen Stiftung widmete Herr Dr.
Krakauer eine Palme, Dr. Rießer einen Kranz namens der Rießer-Stiftung;
dann folgten die Logen zum ‚Frankfurter Adler’ (Herr Ernst Rosenberg),
Karl zum Lindenberg (Herr Lincker), Sokrates zur Standhaftigkeit (Herr Dr.
Laquer) und die Großloge des eklektischen Bundes, der 14 hiesige und
auswärtige Logen umfasste (Herr Benjamin Reges): Am Grabe angelangt wurde
die Leiche von den Tönen eines Hornquartetts empfangen. Seitens der Loge
zur aufgehenden Morgenröte spendete Herr Rabbiner Dr. Plaut dem
verstorbenen, verdienstvollen Altmeister die üblichen Rosen. Abermals
ertönten die Klänge der Hörner und das Grab Auerbachs wurde
geschlossen." |
Über Jonas Weil und sein Wirken in New York (1893)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 13. April 1893: "New
York, im
März. (Die Zichron Ephraim-Synagoge und das Lebanon-Hospital). Es wird
unsere Glaubensbrüder im deutschen Reiche gewiss interessieren, zu
erfahren, dass hier an der Spitze der Orthodoxie ein Deutscher, Herr Jonas
Weil aus Emmendingen in Baden steht. Derselbe kam vor ungefähr 30 Jahren
nach Amerika, um sich hier eine Existenz zu gründen. Das Glück war ihm
besonders günstig und er erwarb sich Vermögen und Ehren. Er war mehrere
Jahre Kultusvorstand einer der ehrenwertesten Gemeinde, der 57. Str.
Synagoge. Dieser edle Menschenfreund hat es für notwendig gefunden, auch
im oberen Teil der Stadt eine Synagoge im großartigen Stil erbauen zu
lassen und hat er dazu nicht nur mehr als fünfzig Tausend Dollar
gespendet, sondern trägt bis heute noch fast ganz allein mit nie
ermattender Kraft die große Arbeitskraft der Gemeinde. Unter seiner
Leitung und unter der Beihilfe seines Schwiegersohnes, Herrn Rabbiner Dr.
Drachman wird der jüdische Religionsunterricht in jeder Beziehung
gepflegt. Die Krone zu dem Allen hat sich dieser edle Jehudi damit
aufgesetzt, dass er ein imposantes Bauwerk in der 150. Str. für ein
jüdisches Hospital erbauen ließ, wo streng Koscher Küche
geführt und allen Nationalitäten und Religionen kostenfrei liebevolle
Pflege und Behandlung zuteil werden soll. Auch da spendete Herr Weil ca.
fünfzehn Tausend Dollar. Am 22. Februar, am Washingtons-Geburtstage, hat
die Einweihungsfeier stattgefunden und haben sich zahlreiche Förderer
dieses wohltätigen Unternehmens eingefunden. Nachdem die Erschienenen die
zahlreichen und schmucken Räume des Hospitals in Augenschein genommen
hatten, versammelte man sich in dem großen Saale des Riesenbaues, der bis
auf das letzte Plätzchen gefüllt war. Präsident Herr Jonas Weil betrat
die Rednertribüne und sprach mit herzlichen Worten die besten Wünsche
und Hoffnungen für das Wachsen und Gedeihen des Unternehmens aus. Es
folgte nun eine Reihe weiterer Reden u.a. von den Herren Rabbiner Dr.
Klein, Rev. Dr. Drachmann, Dr. Samuel Lloyd, Register Ferdinand Levy und
Superintendent Dr. G. Liebermann. Ein Damenkomitee, meistens aus
christlichen Damen bestehend, hatte sich gebildet, das zum Besten des
Libanon-Hospitals ein großes Fair veranstaltete und damit mehr als Dollar
2.000 erzielte. Schließlich erachte ich es als eine angenehme Pflicht der
aufopfernden Tätigkeit des Board of Directors zu gedenken. In erster
Reihe ist es der geachtete und hochgeschätzte Vizepräsident Herr N.
Peabody, ein Jehudi in des Wortes edelster Bedeutung. Seinen Bemühungen
und seiner Opferfreudigkeit ist es hauptsächlich zuzuschreiben, dass
dieser imposante Bau für seinen jetzigen Zweck dasteht, denn Herr Peabodi
hat dem Spitale durch Sammlungen nicht weniger als zwanzig Tausend Dollars
zugeführt. Herr Dr. Samuel Lloyd, ein edler Amerikaner, schenkte 50
Betten samt Zubehör. Herr Ferdinand Sultzberger liefert das
Koscher-Fleisch für drei Jahre gratis. Ph. Kraus." |
Die von Jonas Weil finanzierte Einrichtungen heute:
|
Park East Synagogue New York
(gegründet 1890 als Congregation Zichron Ephraim)
Website mit Seite
zu ihrer Geschichte mit Nennung von Jonas Weil)
Foto:
Quelle |
Bronx-Lebanon
Hospital Center (Website)
|
Auszeichnung für den Bäcker Jonas Weil für den
Dienst in der Feuerwehr (1893)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 16. November 1893: "Aus Baden.
Seine Königliche Hoheit der Großherzog hat eine Anzahl Feuerwehrleute
für 25jährige Dienste mit Medaillen dekoriert, darunter finden sich
folgende Glaubensgenossen: Jonas Weil, Bäcker in Emmendingen, Elias
Dreifuß, Handelsmann in Kuppenheim, Isidor Lindemann, Medizinalrat in
Mannheim, Baruch Wolf, Handelsmann in Oestringen, Karl Blum, Kaufmann in
Sinsheim." |
Emanuel Schwarz als Soldat im Gefecht (1914)
Artikel
im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 11. September 1914:
"Emmendingen. Emanuel Schwarz, der als Unteroffizier in dem schweren
Gefecht bei Mülhausen mitbeteiligt war, wurde mit einem Gefreiten des
Abends von einer sechs Mann starken französischen Patrouille überfallen.
Die beiden schossen vier Mann nieder und nahmen die anderen zwei
gefangen." |
Über den aus Emmendingen stammenden Mediziner Emil
Bloch (1847 in Emmendingen - 1920)
Der Freiburger, aus Emmendingen stammende HNO-Arzt richtete 1899 die
Universitätsohrenklinik in Freiburg ein; nachstehend ein Artikel über ihn aus
der Jewish Encyclopedia, der noch zu seinen Lebzeiten geschrieben wurde.
"Bloch,
Emil: German otologist; born at Emmendingen, Baden, Dec. 11, 1847. He was
educated at the universities of Heidelberg, Würzburg, Vienna, and
Freiburg in Baden; being graduated from the last-named as doctor of
medicine in 1871. After a postgrauduate course at the University of Berlin
and in hospitals in London, he established himself as a pgysician in
Freiburg. In 1886 he took up the study of laryngology and rhinology under
Hack, and of otology under Thiry at the University of Freiburg. In the
following year he became assistant to Thiry, which position he held till
1892, when, ob the death of the latter, he became his successor as chief
physician at the otological dispensary and privat-docent at the university.
In 1894 Bloch was appointed assistant professor of otology; and under his
sipervision the clinic for this branch of medicine was opened in 1899.
Bloch is the author of the following works and papers:
'Untersuchungen zur Physiologie der Nasenatmung.' Wiesbaden 1888;
'Pathologie und Therapie der Mundatmung', ib. 1889; 'Sprachgebrechen', ib.
1891; 'Über das Biaurale Hören' in: 'Zeitschrift für Ohrenheilkunde',
1893; 'Die Methode der Centripetalen Pressionen und die Diagnose der
Stapesfixation', ib. 1894; 'Einheitliche Bezeichnung der Otologischen
Punktionsprüfungsmethode und ihre Ergebnisse', Wiesbaden 1898.
Bibliography: Pagel, Biographisches Lexikon, s.v., Vienna 1901. F.T.H." |
Anzeigen jüdischer
Gewerbebetriebe
Lehrlingsgesuche des Eisenwarengeschäftes Moritz
Günzburger (1891)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. Mai 1891: "Lehrlings-Gesuch!
Für mein gemischtes Eisenwarengeschäft suche zum baldigen Eintritt einen
Lehrling unter günstigen Bedingungen. Kost und Logis im Hause.
Moritz Günzburger, Emmendingen (Baden)." |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. Februar 1904: "Lehrling.
Für mein Stab-, Kurzwaren- und Maschinen-Geschäft suche ich zum
sofortigen oder späteren Eintritt einen Lehrling unter günstigen
Bedingungen. Moritz Günzburger, Emmendingen (Baden)." |
Anzeige der Wursterei Albert Veit
(1924)
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in der "CV-Zeitung" (Zeitschrift des Central-Vereins) vom 24.
Januar 1924:
"Prima Wurstwaren (Thüringer Art)
empfiehlt zu billigsten Tagespreisen (
Wiederverkäufer erhalten Engrospreise)
Albert Veit
Wursterei
Emmendingen (Baden).
Telephon Nr. 175." |
Zur Geschichte des Betsaales / der Synagoge
1727 wurde ein Betsaal in
dem vom jüdische Händler Moses Gydeon gekauften Haus Kirchstraße 11
eingerichtet. 1754 wird dieses Haus als "Judenschule" bezeichnet, es gehörte
inzwischen Model Weil. Neben Gottesdiensten und Zusammenkünften finden hier
auch die religiösen Unterweisungen der Kinder statt. 1763 wurde das Haus zur
Synagoge umgebaut.
Für die wachsende jüdische Gemeinde wurde die bisherige
Synagoge nach wenigen Jahrzehnten zu klein. Nach Verhandlungen mit der Stadt und
dem Oberrat der Israeliten Badens konnte 1823 direkt vor dem Haus der
bisherigen Synagoge eine neue Synagoge erbaut werden. Die alte Synagoge diente
seitdem als Gemeindehaus mit Kantorenwohnung, Gemeindesaal und Unterrichtsräumen.
Seit 1830 war die jüdische Konfessionsschule hier untergebracht, später wurde
diese in die Karl-Friedrich-Straße 62 verlegt (bis zur Aufhebung der
Konfessionsschulen 1872). 1869 wurde die Synagoge erstmals renoviert, vergrößert
und mit einem würdevollen Festakt neu eingeweiht.
Neue Beleuchtung in der Synagoge - die alten Leuchter werden
zum Kauf angeboten (1886)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 28. Oktober 1886: "Bekanntmachung.
Wegen Einführung der Gasbeleuchtung in unserer Synagoge werden drei
Kronleuchter als Kristallglas entbehrlich und zwar einer mit 36 Kerzen und
zwei mit je 18 Kerzen, ferner circa 12-16 zweiarmige, vergoldete
Wandleuchter. Sämtliche sind von neuester Konstruktion und moderner
Facon, da sie erst vor wenigen Jahren neu angeschafft wurden. Reflektanten
wollen sich baldigst an Unterzeichneten werden, der zu näherer Auskunft
bereit ist. Emmendingen in Baden. Heinrich Weil, Vorsteher." |
1899 berichtete die "Allgemeine Zeitung des
Judentums" von einer besonderen Feier in der Emmendinger Synagoge. Der New
Yorker Philanthrop Jonas Weil, der aus Emmendingen stammte, hatte der Gemeinde
eine Torarolle gestiftet, die am 1. Juli 1899 offiziell übergeben wurde. Der
feierliche Gottesdienst wurde mitgestaltet vom Emmendinger Synagogen-Männerchor
unter Leitung von Kantor Goldberg. Bezirksrabbiner Dr. Adolf Lewin aus Freiburg
hielt die Festpredigt und sprach das Weihegebet. Der Frauenverein der Gemeinde
hatte für die neue Tora einen Mantel im Atelier J. Bloch in Straßburg
anfertigen lassen. Am Nachmittag war die Gemeinde noch im Gasthaus zum Engel zu
einem Bankett zusammen.
Spende einer Torarolle für die jüdische Gemeinde durch den
aus Emmendingen stammenden Jonas Weil (New York, 1899)
Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 14. Juli 1899: "Emmendingen,
Baden, 4. Juli (1899). Eine wahrhaft erhebende Feier beging die hiesige
israelitische Gemeinde am vergangenen Samstag. Der bekannte Philanthrop
Herr Jonas Weil in New York, ein geborener Emmendinger und Ehrenmitglied
unserer Religionsgemeinde, stiftete derselben eine Torarolle, welche am
letzten Samstag dem Kultus übergeben wurde. Eingeleitet wurde die Feier
durch das Lied: ‚Harre meine Seele’ von Cäsar Malau, vorgetragen vom
hiesigen Synagogen-Männerchor, unter Leitung des Herrn Kantor Goldberg;
darauf hielt der Bezirksrabbiner Herr Dr. A. Lewin eine in Form und Inhalt
gleich meisterhafte Predigt, welcher ein Sologesang des Opernsängers
Herrn Alfred Goltz aus Nürnberg folgte. Hierauf wurden sämtlich ‚Sforim’,
9 an der Zahl, ausgehoben und der neuen Tora, welche im Gemeindezimmer in
einem improvisierten ‚Hechal’ aufgestellt war, entgegen getragen. In
feierlichem Zuge durch eine Allee prächtiger Bäume und Blumen wurde nun
das ‚Sefar’ unter einem Baldachin in die Synagoge gebracht. Kantor
Goldberg rezitierte ‚S’u Sch’orim’ und der Synagogenchor sang
darauf ‚Machet die Tore weit’ von J. Heinr. Lützel. Die Torarollen
wurden eingehoben und der Herr Rabbiner sprach ein ergreifendes
Weihegebet. Der Wochenabschnitt wurde aus der neuen Tora gelesen, zu
welchem alle in der Synagoge anwesenden verheirateten Männer gerufen
wurden, wobei ca. 250 Mark an Spenden für die Wohltätigkeitsvereine
fielen. Der hiesige Frauenverein hat für die neue Tora ein Mäntelchen im
Atelier des Herrn J. Bloch, Straßburg, anfertigen lassen. Nachmittags
vereinigten sich die Familien im Gasthaus zum Engel zu einem Bankett, und
manches Glas feurigen Kaiserstühlers wurde auf das Wohl des edlen
Stifters, der neben seinem segensreichen Wirken in der neuen Welt seiner
Vaterstadt und seines Heimatortes in so schöner und pietätvoller Weise
gedenkt, geleert." |
Eine der eindrücklichsten Veranstaltungen in der
Geschichte der Emmendinger jüdischen Gemeinde war am 8. Juni 1904.
Damals wurde das vierte oberbadische Synagogenchorfest in der Stadt
veranstaltet. Daran beteiligten sich die sieben Synagogenchöre aus Bühl,
Eichstetten, Emmendingen, Freiburg,
Kippenheim, Nonnenweier
und Offenburg mit zusammen 150 Sängern.
Hunderte von Gesangsfreunden strömten in die Stadt, um dem Ereignis
beizuwohnen. Die Veranstaltungen waren in dem vom Gemeinderat zur Verfügung
gestellten Rathaussaal und in dem mit über 800 Zuhörern besetzten Saalbau zum
Dreikönig. Kantor Goldberg leitete den Gesamtchor. Während des zweistündigen
Hauptkonzertes wurden synagogale Chorgesänge teilweise von den einzelnen Chören,
teilweise gemeinsam oder unter Begleitung von Solisten vorgetragen. Bei einem
nachfolgenden Bankett war Rabbiner Dr. Adolf Lewin (Freiburg) Hauptredner (siehe
Berichte oben).
Eine zweite Renovierung und Erweiterung der Emmendinger
Synagoge wurde bereits vor dem 1. Weltkrieg geplant; die Bauarbeiten konnten
aber erst 1922/23 durchgeführt werden. Damals war Initiator des Umbaus
der damalige Vorsteher des Synagogenrats Simon Veit. Am 27. Juli 1923 wurde die
erweiterte Synagoge festlich eingeweiht. Die Festredner betonten das gute
Miteinander der verschiedenen Konfessionen in Emmendingen. Bereits am 16. Juli
1920 wurde an der Ostwand der Synagoge vom Jüdischen Jugendbund ein Denkmal für
die im Ersten Weltkrieg gefallenen jüdischen Soldaten der Stadt angebracht.
Dazu fand ein feierlicher Gedächtnisgottesdienst statt, in dem "nach prächtig
vorgetragenen Orgelstücken, Chören und Solis" Bezirksrabbiner Dr. Zimels die
Predigt hielt (Bericht in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums").
Einweihung des Gefallenendenkmals in der Synagoge (1920)
Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 23. Juli 1920: "Emmendingen,
16. Juli (1920). Seinen gefallenen und im Kriege verstorbenen Kameraden
setzte der hiesige Jüdische Jugendbund ein ehrendes und bleibendes
Denkmal. Der Initiative des Vorstandes des Jugendbundes, Herrn Berthold
Weil, ist es zu danken, dass in der Gemeinde die Mittel zusammengebracht
wurden für eine prachtvolle, künstlerisch in Muschelkalk ausgeführte
Gedenkplatte. Dieselbe wurde an der Ostwand in der Synagoge angebracht und
am 11. dieses Monats der Gemeinde übergeben. Leider viel zu umfangreich
musste die Tafel ausgeführt werden, vierzehn Namen tüchtiger und
begabter junger Männer zeugen davon, dass unsere Religionsgemeinde dem
Weltkrieg ihren Tribut gezollt hat. Die Übergabe war mit einem
Gedächtnisgottesdienst verbunden, dem Vertreter der Bezirks- und
Stadtverwaltung beiwohnten. Nach prächtig vorgetragenen Orgelstücken,
Chören und Solis übergab der Vorsitzende des Jugendbundes, Herr Berthold
Weil, mit einer markigen Ansprache die Tafel dem Synagogenrat in Obhut,
der sie mit Worten der Dankbarkeit durch Herrn Rechtsanwalt Dreifuß
übernehmen ließ. Im Mittelpunkt der Feier stand die Weihepredigt des
Herrn Bezirksrabbiners Dr. Zimels, die auf alle Beteiligten einen tiefen
Eindruck machte. Der Vorstand des Jugendbundes hat den Tag der Weihe
dieser Gedenktafel für alle Zeit als Jahrzeitstag für die Gefallenen
bestimmt." |
Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge verwüstet,
gesprengt und abgebrochen. Auf Anordnung der Kreisleitung waren die Angehörigen
der SA und der SA-Reserve in Zivil zur Synagoge bestellt worden, wo auf Befehl
des uniformierten Bürgermeisters und SA-Sturmbannführers die Synagoge
aufgebrochen, alle Einrichtungsgegenstände mit Äxten zerschlagen und vor der
Synagoge aufgestapelt wurden. Das israelitische Gemeindehaus wurde in gleicher
Weise demoliert. Einer der Haupttäter lief dabei mit Talar und Zylinder als
Rabbiner verkleidet herum und eiferte die Schuljugend zur Mithilfe an. Der
Haufen von zertrümmerten Bänken, von Gebetbüchern und anderen Ritualien wurde
schließlich angezündet. Die Synagoge wurde am Abend fachmännisch gesprengt. Die
Sprengung der Synagoge wurde der jüdischen Gemeinde mit 4.179,45 RM in Rechnung
gestellt. Da die Gemeinde diesen Betrag nicht bezahlen konnte, wurde vom
Synagogenrat der Stadt angeboten, das Synagogengrundstück als Gegenleistung zu
übernehmen. Die Stadt nahm dieses Angebot an; das Gemeindehaus Kirchstraße 11
wurde ebenfalls enteignet. 1941 wurde dieses Gebäude in ein Mehrfamilienhaus
umgewandelt. 1945 wurde das Haus von der französischen Besatzungsmacht
beschlagnahmt und der Israelitischen Landesgemeinde Südbaden übergegeben.
Diese verkaufte das Haus 1954 der Stadt zum Preis von 14.000 Mark, da damals
nicht damit gerechnet werden konnte, dass jemals wieder Juden in Emmendingen ansässig
sein werden.
1968, 1988 und 1999 wurden an dem – jahrelang als
Parkplatz genutzten - Standort der Synagoge Gedenktafeln angebracht. Bei der
Erneuerung des Synagogenplatzes 1994 wurden die Umrisse der zerstörten Synagoge
markiert.
Zur neuen Gemeinde siehe folgende
Seite.
Fotos
Historische Fotos:
(Quellen: Foto alte Synagoge: Jüdische Gemeinde Emmendingen;
Fotos neue Synagoge: Foto Hirsmüller, Emmendingen)
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| Alte Synagoge in Emmendingen
(Kirchstraße 11) |
Der Schlossplatz in
Emmendingen, links der Mitte die neue Synagoge |
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Neue Synagoge
Emmendingen |
Innenansicht |
Toraschrein (Ausschnitt aus
Foto links) |
Fotos nach 1945/Gegenwart:
Fotos um 1985:
(Fotos: Hahn) |
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| Der Synagogenplatz |
Gedenkstätte für die
Synagoge |
Die 1968 angebrachte
Gedenktafel |
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Fotos 2003
(Hahn, Aufnahmedatum: 23.3.2003):
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Auf dem Platz der ehemaligen, 1938 zerstörten
Synagoge |
Gedenktafeln für die ehemalige Synagoge |
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| Metalltafel auf dem ehemaligen Synagogenplatz |
Gedenktafel für die 1938 zerstörte Synagoge |
Weitere Gedenktafel |
Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Franz Hundsnurscher/Gerhard Taddey: Die jüdischen Gemeinden in Baden.
1968. S. 74-77. |
 | Ernst Hetzel: Die Anfänge der jüd. Gemende in
Emmendingen, in: Emmendinger Heimatkalender 1969. S. 41-44. |
 | Karl Zeis: Die israelitische Privatschule in
Emmendingen, in: Emmendinger Heimatkalender 1970, S. 46-47. |
 | nach 1971 fanden sich mehrere Jahre in den Artikeln "Kleines Emmendinger Einwohnerlexikon" im Emmendinger Heimatkalender
Charakterisierungen jüdischer Mitbürger). |
 | Karl Günther: Jüdische Familien in der Unterstadt
(Nieder-Emmendingen), in: Nieder-Emmendingen – Erinnerungen an ein Dorf.
1983. S. 37-39 |
 | ders.: Laubhütten in Nieder-Emmendingen, in: Emmendinger
Heimatkalender 1992. S. 44-48. |
 | Klaus Teschemacher: Juden in Emmendingen von
1716-1862 und Hubert Schilling, Juden in Emmendingen von 1862-1933, in:
"s’Eige
zeige" Jahrbuch des Landkreises Emmendingen für Kultur und Geschichte
3/1989 S. 117-137. |
 | Hans-Jörg Jenne: Amtliches von der Vertreibung der Juden
aus Emmendingen und Gerhard A. Auer: Persönliches von der Vertreibung der Juden aus
Emmendingen, in: "s’Eige zeige" 3/1989 S. 139-175. |
 | Gerhard Behnke: Das Geheimnis der Versöhnung ist
Erinnerung. Dokumentation zum Besuch der ehemaligen jüdischen Mitbürger
Emmendingens. 1989. |
 | Karl Günther: Juden aus Ihringen und Eichstetten
auf dem alten jüdischen Friedhof in Emmendingen, in: "s'Eige
zeige" 5/1991. S. 75-98. |
 | ders.: Nieder-Emmendinger Juden auf dem alten jüdischen
Friedhof in Emmendingen, in: "s'Eige zeige" 6/1992 S. 21-39. |
 | ders.: Emmendinger Juden auf dem alten jüdischen Friedhof
in Emmendingen, Teil 1: Von den Anfängen bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts,
in: "s'Eige zeige" 7/1993 S. 27-63. |
 | ders.: Emmendinger Juden auf dem alten jüdischen Friedhof
in Emmendingen, Teil 2: Vom Beginn des 19. Jahrhunderts bis zur Schließung
des Friedhofs im Jahr 1899, in: "s'Eige zeige" 8/1994 S. 47-107. |
 | ders.: Jechiel, Sohn des Mose Eli - Daniel Heilbronn. Aus
den Anfängen der Jüdischen Gemeinde in Emmendingen, in: Emmendinger
Heimatkalender 1990. S. 88-93. |
 | ders.: Symbole auf jüdischen Grabsteinen, am Beispiel des
alten jüdischen Friedhofes in Emmendingen. in: Emmendinger Heimatkalender
1991. S. 57-63. |
 | Rosemarie Schwemmer: Die jüdischen Friedhöfe in
Emmendingen. Manuskript. 1989. |
 | Hannelore Künzl: Die Mikwe zu Emmendingen. Gutachten 1990.
Hochschule für Jüdische Studien Heidelberg. |
 | Carola Grasse/ Helmut R. Merz/Christa Rutz: Jüdisches
Leben in Emmendingen. Orte, Schauplätze, Spuren. Reihe: Orte jüdischer
Kultur. Haigerloch 2001. |
 | Joseph Walk (Hrsg.): Württemberg - Hohenzollern -
Baden. Reihe: Pinkas Hakehillot. Encyclopedia of Jewish Communities from
their foundation till after the Holocaust (hebräisch). Yad Vashem Jerusalem
1986. S. 244-247. |
 | Joachim
Hahn / Jürgen Krüger: "Hier ist nichts anderes als
Gottes Haus...". Synagogen in Baden-Württemberg. Band 1: Geschichte
und Architektur. Band 2: Orte und Einrichtungen. Hg. von Rüdiger Schmidt,
Badische Landesbibliothek, Karlsruhe und Meier Schwarz, Synagogue Memorial,
Jerusalem. Stuttgart 2007.
|

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the
Holocaust".
First published in 2001 by NEW
YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad
Vashem Jerusalem, Israel.
Emmendingen
Baden. Jews were present in the mid-16th century, and after expulsion in the
early 17th century a few returned after the Thirty Years War (1618-1648). None
seem to have been living there at the end of the century. A new settlement was
established in 1716 through the efforts of the Court Jew Josef Guenzburger. A
cemetery, the oldest in Upper Baden, was opened in 1717 and a synagogue was
dedicated in 1823. In 1801 the Jewish population reached 158 and in 1875 the
peak of 406 (total 3,487). In 1830-72 a Jewish elementary school was in
operation. Jews continued to earn their livelihood mainly from the cattle trade
and at the outset of the 20th century, 65 % were so engaged. In the same period
the Wertheimer distillery became the largest in the state. The Jewish population
dropping somewhat after 1925 with an exodus to the big cities, totaled 296 in
1933, including new settlers fleeing the Nazi persecutions. By October 1938, 147
had left, 100 of them emigrating. Another 111 (86 emigrating) left after Kristallnacht
(9-10 November 1938), when the synagogue and two cemeteries were wrecked and
Jews were taken to the Dachau concentration camp. The last 66 Jews were deported
to the Gurs concentration camp in October 1940, while 19 Jews who had previously
left the city were also deported from their places of refuge. In all, 23
survived the camps. In addition, the Germans murdered 25-30 patients at the
local Jewish insance asylum.

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