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zu den Synagogen in
Baden-Württemberg
Kuppenheim (Kreis
Rastatt)
Jüdische Geschichte / Betsaal/Synagoge
Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde
(english
version)
In dem bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts zur
Markgrafschaft Baden-Baden gehörenden Kuppenheim bestand eine jüdische
Gemeinde bis 1938/40. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 15./17. Jahrhunderts
zurück. Möglicherweise waren bereits vor 1433, sicher ab 1570 beziehungsweise
nach dem Dreißigjährigen Krieg Juden in der Stadt.
1683 lebten zehn jüdische
Familien in Kuppenheim, 1701 jedoch nur drei, 1706 sechs, 1724 sieben. Das
jüdische Wohngebiet konzentrierte sich bis zur ersten Hälfte des 19.
Jahrhunderts auf die Löwengasse (im Volksmund auch "Judengasse" genannt).
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge (s.u.), eine Schule,
ein rituelles Bad und einen Friedhof
(jüdischer Verbandsfriedhof). Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde
war ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war. 1827 wurde die
Gemeinde dem Rabbinatsbezirk Bühl zugeteilt.
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner
wie folgt: 1801 53 jüdische Einwohner (45,0 % von insgesamt 1.050 Einwohnern),
1925 108 (7,4 % von 1.457), 1865 höchste Zahl mit 142 (7,8 % von 1.829
Einwohnern), 1880 125 (6,3 % von 1.980), 1900 94 (4,6 % von 2.040). Die jüdischen Familien
verdienten ihren Lebensunterhalt durch den Handel mit Vieh, Eisenwaren und
Textilien.
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde Julius Grünebaum
(geb. 31.5.1893 in Kuppenheim, gef. 25.2.1916),
Joseph Kahn (geb. 20.6.1883 in Kuppenheim, gef. 15.5.1915), Karl Dreyfuß (geb.
21.3.1892 in Kuppenheim, gest. 6.8.1915 in Gefangenschaft) und Ludwig Herz (geb.
22.8.1891 in Kuppenheim, vor 1914 in Mainz wohnhaft, gef. 16.6.1915). Ihre Namen stehen auf einer bebilderten Gedenktafel im Bürgersaal des Rathauses und im Ehrenhain des städtischen
Friedhofes. Außerdem ist gefallen: Moses Dreyfuß (geb. 16.1.1881 in
Kuppenheim, vor 1914 in Karlsruhe wohnhaft, gef. 24.10.1918).
Um 1924, als in Kuppenheim noch 74 jüdische Einwohner gezählt wurden
(2,46 % von etwa 3.000 Einwohnern), waren die Gemeindevorsteher Alfred Mayer, J.
Grünbaum, Emil Kaufmann und Ludwig Kahn. J. Grünbaum war Religionslehrer der
Gemeinde. 1932 waren die Gemeindevorsteher Alfred Mayer (1. Vors.),
Ludwig Kahn (2. Vors.) und Berthold Dreyfuß (3. Vors.).
Bis nach 1933 waren folgende Handels- und Gewerbebetriebe in jüdischem Besitz: Viehhandlung Berthold Dreyfuß (Schloßstraße
1), Manufakturwarengeschäft Heinrich Dreyfuß (Friedrichstraße 72), Manufakturwarengeschäft Max Dreyfuß
(Murgtalstraße 2), Viehhandlung Hermann Kahn (Friedrichstraße 79), Viehhandlung Simon Kahn
(Friedrichstraße 59, abgebrochen), Pferdehandlung Alfred Maier (Friedrichstraße
94, abgebrochen), Pferdehandlung Emil Maier (Obertorstraße 1),Viehhandlung Nathan Maier
(Rheinstraße 9), Metzgerei Salomon Lehmann (Friedrichstraße 75), Eisenwarengeschäft Herz und Schlorch
(Friedrichstraße 45).
1933 lebten noch 51 jüdische Personen in Kuppenheim (1,8 % von insgesamt
2.838 Einwohnern). In
den folgenden Jahren ist ein Teil der
jüdischen Gemeindeglieder auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts,
der zunehmenden Entrechtung und der
Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert (21 in die USA, je eine
Person nach England, Frankreich und Chile). Am 1. Januar 1938 wurden noch 32
jüdische Einwohner gezählt. Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge
zerstört (siehe unten); die jüdischen Männer wurden in das KZ Dachau
verschleppt,, wo Heinrich Dreyfuß an den Folgen der erlittenen Misshandlungen
am 24. November 1938 starb. Die letzten 16 jüdischen Einwohner wurden im
Oktober 1940 in das Konzentrationslager nach Gurs in Südfrankreich
deportiert.
Von den in Kuppenheim geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Anna Billig geb.
Herz (1864), Emilie Brumlik geb. Kaufmann (1888), Heinrich Dreyfuss (1883),
Marie Dreyfuss geb. Friedmann (1857), Leopold Friedmann (1866), Nathan Herz
(1857), Samuel Herz (1861), Sara Herz geb. Maier (1866), Ida Heumann geb.
Dreyfuss (1887), Jeanette Hirsch geb. Kahn (1887), Berta Joseph geb.
Grünbaum (1891), Adolf Kahn (1876), Blondine Kahn (1877), Cölestine Kahn
(1881), Klara Kahn (1900), Ludwig Kahn (1873), Ludwig Kahn (1881), Max Kahn
(1871), Siegfried Kahn (1899), Regina Katz geb. Dreyfuss (1894), Rosa Kramer
geb. Kaufmann (1884), Fanny Kreuzer geb. Kaufmann (1882), Johanna Kuhn geb. Kahn
(1887), Salomon Kuppenheimer (1865), Salomon Lehmann (1868), Elise Loeb geb.
Herz (1859), Mina Maier (1873), Karoline Meier geb. Kahn (1885), Josef Monatt
(1851), Viktor Nöther (1863), Irma Platz geb. Kahn (1895), Günther Schlorch
(1920), Rosa Schlorch geb. Herz (1893), Semi Schlorch (1889), Frieda Valfer geb.
Kahn
(1887).
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Aus der Geschichte der
jüdischen Lehrer
Lehrer Wolff schreibt eine Broschüre gegen
eine antijüdische Publikation von Alban Stolz (1874)
Anzeige in
der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 3. März 1874: "Durch alle
Buchhandlung zu beziehen. In unserem Kommissionsverlage erschien soeben: Handel,
Schacher und Wucher der Juden im Kalender für Zeit und Ewigkeit von
Alban Stolz. Ein Wort der Verwahrung und zur Abwehr von Lehrer Wolff in
Kuppenheim. Preis 15 Kr. = 4 Sgr. Der
Verfasser weist in dieser Broschüre mit vielem Witz und schlagenden Gründen
die übertriebenen Beschuldigungen des Herrn Stolz gegen die Juden in
seinem diesjährigen berüchtigten Kalender für Zeit und Ewigkeit zurück,
sodass dieses Büchlein allen Interessenten gewiss willkommen sein wird.
Karlsruhe, im Februar 1874. Macklot’sche Buchhandlung." |
Lehrer L. Wolff initiiert eine "Deutsch-Israelitische
Zeitung" (1875)
Lehrer
Wolff wollte in einer Zeit starker Auseinandersetzungen zwischen
orthodox-konservativen und liberalen Gruppierungen im deutschen Judentum, die
auch zwischen den großen jüdischen Periodika (einerseits der orthodox geprägten
Zeitschrift "Der Israelit" und andererseits der liberalen "Allgemeinen Zeitung
des Judentums") ausgetragen wurden, einen Mittelweg suchen. Freilich wurde die
erste Ausgabe seiner dazu gegründeten "Deutsch-Israelitischen Zeitung" von der
Zeitschrift "Der Israelit" kritisch ablehnend beurteilt:
Artikel in
der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. Dezember 1875: "Mainz, 28.
November (1875). In Karlsruhe in Baden soll vom 1. Januar an eine neue, jüdische
Zeitung unter Redaktion des Lehrers L. Wolff von Kuppenheim, unter dem
Titel ‚Deutsch-Israelitische Zeitung’ erscheinen. Die Probenummer
liegt uns vor. Dem Programm zufolge soll dieses Pressorgan für diejenigen
bestimmt sein, welche von der einen Partei als die Gesinnungslosen, von
der anderen als Zwischenträger bezeichnet werden, die sich selbst aber
eine Partei des Friedens nennt!! An Aufrichtigkeit und Selbsterkenntnis lässt
das Programm wohl nichts zu wünschen übrig. – Die Berechtigung zu
einer Umbildung unserer heiligen Religion wird im ersten leitenden Artikel
als Dogma hingestellt. Und das soll Mittelweg sein! Das ist unserer
bescheidenen Ansicht nach schon äußerste Reform, ja, schlimmer als
solche. Unser Gottesgesetz ist ewig unveränderlich. (hebräisch und
deutsch:) ‚Gott wird niemals sein Gesetz verwechseln oder vertauschen
mit einem anderen’. So steht es am Anfange eines jeden israelitischen
Gebetbuches, so ist es jedem wahrhaften Israeliten Glaubenssatz. Dass es
gewisse Gesetze gibt, die Zeit und Ort uns auszuüben, oder so wie
vorgeschrieben, auszuüben, hindern, das hat das Gottesgesetz von
vornherein vorgesehen, das ist weder eine Umwandlung, noch eine
Entwicklung der heiligen Religion Israels.
Die ‚Deutsch-Israelitische Zeitung’ versichert feierlichst,
sich von der Polemik mit anderen jüdischen Zeitungen fernhalten zu
wollen; ob sie das wird durchführen können? ‚Es kann der Beste nicht
in Frieden leben, wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt.’ Wir
werden uns durch jene feierliche Versicherung nicht abhalten lassen,
energisch gegen alle Versuche aufzutreten, die dahin zielen, falsche
Lehren und Ansichten für echtes Judentum auszugeben." |
Schochet und Mitarbeiter für Lehrer Wolff gesucht (1875)
Anzeige in
der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. Dezember 1875: "Gesucht zum
sofortigen Antritt ein junger Mann, welcher den Religionsunterricht in
einer kleinen Schule versehen kann und praktischer Schochet ist.
Engagement vorläufig drei Monate; wenn derselbe mit schriftlichen
Arbeiten vertraut ist, findet er in meiner Expedition später dauernde
Beschäftigung. Honorar bei freier Station nach Übereinkunft. Offerten
mit Zeugnissen zu richten an die Redaktion der ‚Deutsch-Israelitischen
Zeitung’, Kuppenheim bei Rastatt." |
Berichte zu einzelnen Personen aus der jüdischen
Gemeinde
Zum Tod von Karoline Cahn (1894)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 14. Juni 1894: "Aus
dem Murgtal. Sonntag, den 3. Juni (1894) verstarb zu Kuppenheim nach
kurzem Krankenlager, Fräulein Karoline Cahn im Alter von 37 Jahren; die
Verstorbene lebte streng nach den Satzungen unserer heiligen Religion. Ein
neu erbautes Haus für die jüdische Armen bestimmt, sowie ein Legat von
Mark 1.000 verewigen das Andenken der Verblichenen. Ihre Seele sei
eingebunden in den Bund des Lebens." |
Persönlichkeiten
| Julius Kahn (1861 Kuppenheim-1924 San Francisco), ursprünglich Schauspieler und Rechtsanwalt; in die USA ausgewandert, 1892 Abgeordneter des Repräsentantenhauses für den Staat Kalifornien, 1898 bis 1924 im Kongress, dem er damit während 12 Legislaturperioden angehörte. |
Zur Geschichte des Betsaals / der Synagoge
Um 1700 lebten die
jüdischen Familien in drei Häusern am Kirchhof unweit der Stadtkirche. Später
wohnten sie an der Hauptstraße, Friedrichstraße, auch in der Löwengasse, die
auf Grund der dort befindlichen Synagoge im Volksmund auch "Judengasse"
genannt wurde.
Da es um 1580/90 etwa zehn jüdische Familien in
Kuppenheim gab, werden sich diese auch zum Gebet und zu Gottesdiensten getroffen
haben. Vermutlich war in einem Privathaus ein Betsaal eingerichtet, über
den keine näheren Angaben mehr vorliegen. Auch im 17. und bis zum Anfang des
18. Jahrhunderts werden – sobald wieder die Zehnzahl der Männer erreicht
wurde – Gottesdienste in Privathäusern abgehalten worden sein. Bis zur Mitte
des 18. Jahrhunderts war allerdings die Zahl der jüdischen Familien gering und
noch in Dokumenten um 1720/30 ist weder von einem Vorsänger (Judenschulmeister)
noch von einer Synagoge (Judenschule) am Ort die Rede. Die wenigen jüdischen
Familien wollten sich damals mit den benachbarten Familien in Rastatt
zusammentun, um Gottesdienste feiern zu können. Um 1740/50 untersagte
allerdings der Obervogt Lassolye von Rastatt den Judenschaften in Rastatt und
Kuppenheim, gemeinsame Andachtsübungen in einem Hause abzuhalten.
Nachdem seit der Mitte des 18. Jahrhunderts die Zahl die
Juden in Kuppenheim zugenommen hatte (1783 zehn jüdische Familien), wurde zwischen
1755 und 1789 eine erste Synagoge am Ende der Löwengasse (damals "Geitzengasse")
erbaut. Die jüdische Gemeinde hatte zum Bau ein Grundstück durch Kauf oder
Schenkung von dem Juden Meyer erhalten. Auf dem Grundstück befand sich zuvor
ein Stall. Vielleicht ist dieser zur Synagoge umgebaut worden. Auch ein
rituelles Bad wurde eingebaut. Im Laufe der Jahre ist die Judenschule allerdings
schnell baufällig geworden. Nach einem Bericht des Oberamtes Rastatt vom Juli
1825 sieht "die Synagoge in Kuppenheim mehr einem schlechten Stall gleich als
nur entfernt einem Tempel". Eine Reparatur sei "ganz unzweckmäßig". Das
Oberamt riet zu einem Neubau. Die Gottesdienste wurden zunächst wohl von
Gemeindegliedern ehrenamtlich geleitet (um 1800 vermutlich von Judenvorsteher
Samuel Herz). Erst 1803 konnte die Kuppenheimer Gemeinde einen Vorsänger und
Religionslehrer anstellen (Benedikt Moses Engel).
Nach der Empfehlung des Oberamtes 1825, wegen des
schlechten baulichen Zustandes der alten Judenschule eine neue Synagoge in
Kuppenheim zu erstellen, ging die jüdische Gemeinde an die Planungen für einen
Neubau. Als Grundstück kam ein Platz neben der bisherigen Synagoge in Frage.
Als Vermögen hatte man 300 bis 400 Gulden angespart, doch war dies viel zu
wenig für den auf 2.000 Gulden geschätzten Neubau. Gemeindevorsteher Löw
Samuel Herz sprach sich dafür aus, die Synagogenplätze bereits vor dem Neubau
zu versteigern. Andere in der Gemeinde waren für einen späteren Verkauf der Plätze:
"Da aber der Reiche keinen religiösen Vorteil vor dem Armen haben sollte",
wollte eine Gruppe von zehn Männern um Jakob Kuppenheimer erst eine spätere
Versteigerung der Synagogenplätze. Man erhoffte dabei, 200 statt 80 Gulden für
den ersten Betplatz zu erzielen. Lange konnte man sich in der Gemeinde nach dem
Bericht des Oberamtes Rastatt nicht einigen, weil sich diese Gemeinde sowieso "durch
Uneinigkeit auszeichne und jede Partie über die andere einen Vorteil zu
erringen hofft oder einen Nachteil befürchtet". Schließlich kam es dann doch
zur Versteigerung der Synagogenplätze.
Den Bauplan für die Synagoge zeichnete Baumeister
Professor Oehl aus Rastatt. Er schlug vor, nach Fertigstellung der Synagoge
einen Anbau mit Lehrerwohnung und einem rituellen Bad zu errichten. Im Laufe des
Sommers 1826 ist die Synagoge gebaut worden. Über ein Einweihungsdatum
sind wir nicht informiert. Anstelle des alten Synagogengebäude wurde 1838 ein
neues "Judenschulhaus" eingerichtet mit einem Unterrichtsraum, der Wohnung für
den Vorsänger/Religionslehrer und einem neuen rituellen Bad, das bis etwa 1910
benutzt wurde. Immer wieder wurden in den folgenden Jahrzehnten einzelne
bauliche Veränderungen und Renovierungen vorgenommen. 1911 erhielten Synagoge
und Judenschulhaus Anschluss an die elektrische Stromversorgung.
Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge am
Nachmittag des 10. November von auswärtigen und Kuppenheimer SA-Leuten
(SA-Sturm 3/111 Gaggenau) und anderen NSDAP-Partei-Mitglieder in Zivil
niedergebrannt. Kreisleiter Dieffenbacher, sein Stellvertreter Bürgermeister
Kalmbacher aus Rastatt und der SA-Standartenführer Eberhard waren beim Brand
der Synagoge in Kuppenheim gleichfalls in Zivil anwesend. Die Feuerwehr war zum
Schutz der Nachbargebäude angefordert worden. Dennoch entstanden auch an
Nachbargebäuden Brandschäden. Eine große Menschenmenge, darunter auch viele
Kinder schauten dem Synagogenbrand zu. Im "Kuppenheimer Generalanzeiger" vom 11.
November 1938 wurde der Brand der Synagoge mit einer phantasiereichen Lügengeschichte
so erklärt, dass man in der Synagoge "Sprengpulver in großem Quantum" gefunden
habe. "Von unkundiger Seite wurde dieses gefährliche Pulver achtlos beiseite
geworfen. Dieses sollte dazu führen, dass durch einen noch glimmenden
Zigarettenstummel, der achtlos beiseite geworfen wurde, sich das Pulver entzündete
und eine mächtige Stichflamme verursachte. Im Handumdrehen stand der ganze
Stall in Flammen. An ein Eindämmen des Feuers konnte nicht mehr gedacht werden,
zumal man weitere Pulvervorräte vermutete, die eventuell eine katastrophale
Auswirkung hätte nach sich ziehen können".
Das Grundstück der Synagoge wurde von einem Privatmann von
der jüdischen Gemeinde für den Betrag von 3.000 RM gekauft. Obwohl die
politische Gemeinde die Synagoge schon Ende 1938 hatte abreißen wollen, ließ
der neue Eigentümer die Ruine bis nach 1945 zum Zweck einer "baulichen Ergänzung"
stehen. 1945 wurde das Grundstück beschlagnahmt und kam an die jüdische Vermögensverwaltung
JRSO, die es 1950 an einen örtlichen Transportunternehmer verkaufte. Die
Synagogenruine wurde in dieser Zeit abgebrochen. Das Grundstück der ehemaligen
Synagoge vor dem - inzwischen stark umgebauten Haus des Vorsängers -
ist als Gedenkstätte gestaltet (seit 1999: "Synagogenplatz"). Vom
Synagogengebäude ist noch ein Türstock erhalten.
Synagogenprozess 1948
Aus
einem Artikel im "Jüdischen Gemeindeblatt für die Britische
Zone" vom 10. November 1947: "Der Dentist Otto Leidig wurde von
der Strafkammer Baden-Baden wegen schweren Landfriedensbruches zu zwei
Jahren Zuchthaus verurteilt. Er hat nach der Anklage während der
Ausschreitungen der Nationalsozialisten in den ersten Novembertagen des
Jahres 1938 die Synagoge in Kuppenheim in Brand gesetzt und an den
anschließenden Durchsuchungen der jüdischen Wohnungen teilgenommen. Die
Mittäterschaft bei den Durchsuchungen konnte ihm nachgewiesen
werden." |
Fotos
Historische Fotos:
| Vor 1938 |
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In der Synagoge Kuppenheim
(Quelle: Sammlung Hahn) |
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Fotos von der Pogromnacht in Kuppenheim:
(Quelle: Hundsnurscher/Taddey s. Lit. Abb. 123 und G. F. Linder s.Lit.
S. 78) |
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Kinder an der brennenden Synagoge |
Die ausgebrannte Synagoge |
Nach dem Brand blieb nur noch eine Ruine |
Fotos nach 1945/Gegenwart:
(Fotos: Hahn)
| Fotos um 1985: |
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Die Synagoge stand auf der Fläche im Bereich des Tores und dem kleinen
Rasenstück |
Das Gebäude links hinten ist das völlig umgebaute Rabbinerhaus
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Fotos 2003:
(Aufnahmedatum 16.9.2003) |
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Der Synagogenplatz |
Straßenschild |
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| Blick in die Löwengasse, an
deren Ende die Synagoge stand |
Der Gedenkstein |
Die Inschriftentafel
auf dem
Gedenkstein |
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Informationstafel
zur jüdischen Geschichte Kuppenheims am Synagogenplatz |
Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Franz Hundsnurscher/Gerhard Taddey: Die jüdischen Gemeinden
in Baden. 1968. S. 171ff. |
 | Oskar Stiefvater: Geschichte und Schicksal der Juden
im Landkreis Rastatt, in: Um Rhein und Murg 5 (1965) S. 42-83. |
 | Gerhard Friedrich Linder: Die jüdische Gemeinde in
Kuppenheim. Verlag Regionalkultur Ubstadt-Weiher 1999. Link zum Verlag
Regionalkultur: hier
anklicken |
 | Joseph Walk (Hrsg.): Württemberg - Hohenzollern -
Baden. Reihe: Pinkas Hakehillot. Encyclopedia of Jewish Communities from
their foundation till after the Holocaust (hebräisch). Yad Vashem Jerusalem
1986. S. 470-472. |
 | Joachim
Hahn / Jürgen Krüger: "Hier ist nichts anderes als
Gottes Haus...". Synagogen in Baden-Württemberg. Band 1: Geschichte
und Architektur. Band 2: Orte und Einrichtungen. Hg. von Rüdiger Schmidt,
Badische Landesbibliothek, Karlsruhe und Meier Schwarz, Synagogue Memorial,
Jerusalem. Stuttgart 2007.
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Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the
Holocaust".
First published in 2001 by NEW
YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad
Vashem Jerusalem, Israel.
Kuppenheim Baden. The
16th century community was expelled in 1584 together with most of the Jews in
the principality. The Jewish settlement was renewed after the Thirty Years War
(1618-1648) and was stil subject to numerous disabilities in the early 19th
century. The cemetery consecrated in 1692
was one of the most beautiful in the region and served many communities until
the end of the 19th century. A synagogue was erected in 1825. In 1865 the Jewish
population reached a peak of 142 (total 1,829). In 1922, 51 Jews remained.
Nineteen emigrated by November 1938 (17 to the United States) and six left for
other German cities. On Kristallnacht (9-10 November 1938), the synagogue
was burned and Jews were detained in Dachau. Another four left for the United
States and on 22 October 1940 the remaining 16 were deported to the Gurs
concentration camp; five survived the Holocaust.

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