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zu den Synagogen in
Baden-Württemberg
Efringen-Kirchen (Ortsteil Kirchen,
Kreis Lörrach)
Jüdische Geschichte / Betsaal/Synagoge
Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english
version)
In Kirchen bestand eine jüdische Gemeinde bis 1938.
Ihre Entstehung geht in die Zeit des 18. Jahrhunderts zurück; 1736 waren fünf jüdische
Familien ansässig. Sie stammten aus dem schweizerischen Dornach (Dorneck-Dorf,
Kanton Solothurn), wo sie in diesem Jahr ausgewiesen worden waren. Möglicherweise
wohnten bereits eine oder zwei jüdische Familien zuvor in Kirchen. Bis
1790 war die Zahl der jüdischen Familien am Ort auf elf
angestiegen.
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie
folgt: 1810 60 jüdische Einwohner, 1825 73 (9,6 % von insgesamt 764
Einwohnern), 1858 160, höchste
Zahl um 1871 mit 192 Personen, 1875 174 (15,2 % von 1.142), 1895 145
(14,9 % von 975), 1900 102 (10,4 % von 980.
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge (s.u.), eine
jüdische Schule (Religionsschule), ein rituelles Bad und ein Friedhof.
Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer angestellt, der
zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war (siehe unten die Ausschreibungen
der Stelle). 1827 wurde
die jüdische Gemeinde dem Rabbinatsbezirk Sulzburg,
nach dessen Verlegung 1886 dem Rabbinatsbezirk Freiburg
zugewiesen.
Als auch im benachbarten Efringen die Zahl der jüdischen Einwohner
zunahm (1925: 11, 1932 10 Personen), gehörten diese zu Kirchen.
Die jüdischen Familien lebten in der Mehrzahl zunächst
vom Viehhandel. Später gab es auch einen jüdischen Metzger (noch 1912 der
einzige Metzger in Kirchen), eine jüdische Gastwirtschaft sowie einen jüdischen
Arzt.
1925 gehörten der jüdischen Gemeinde noch 71 Personen an
(7,1 % der Gesamteinwohnerschaft von ca. 1.000 Personen). Dem Vorstand der
jüdischen Gemeinde gehörten damals an: Leopold Braunschweig, Alfred Weil,
Samuel Moses II. Synagogendiener war Theodor Sieberles. Den Religionsunterricht
für die jüdischen Kinder an der Volksschule erteilte um 1925 Lehrer Alperitz
aus Müllheim, den Unterricht für die
Kinder an den höheren Schulen hielt Lehrer Siegfried Simon aus Lörrach.
An jüdischen Vereinen war eine Chewroh Kadischa vorhanden (Wohltätigkeits- und
Beerdigungsverein) sowie ein Waisenverein. 1932 waren die
Gemeindevorsteher Leopold Braunschweig, Julius Bloch-Wachenheimer und Julius
Bloch-Geismar. Als Kantor wirkte Leopold Braunschweig. Im Schuljahr 1932/33 gab
es noch sieben schulpflichtige jüdische Kinder.
1933 lebten noch 68 jüdische Personen am Ort.
Von den in Efringen-Kirchen geborenen und/oder längere Zeit am Ort
wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945" sowie
Huettner s.Lit., bei Yad
Vashem, Jerusalem ist die Suche allerdings erschwert, da bei der basic
search zu "Efringen" nur wenige, "Kirchen" aber zu viele
Ergebnisse erscheinen): Regina Biedermann geb. Moses (1884), Anna (Annie) Bloch
(1898), Babette Bloch geb. Rieser (1873), Berta Bloch geb. Bloch (1865), Ernst
Bloch (1886), Salomon Bloch (1868), Selma Bloch (1896), Sophie Bloch geb. Geismar
(1891), Ida Bräunlin geb. Olesheimer (1895), Friederike Braunschweig geb. Moses
(1882), Margot Braunschweig (1920), Samuel Braunschweig (1876), Amalie David
geb. Brandeis (1876), Kaufmann Freund
(1865), Emma Freund geb. Geismar (1868), Adolf Geismar (1872), Alice Harburger
(1903), Bertha Moses geb. Bloch (1866), Elsa Moses (1894), Frieda N. Moses
(1893), Jules Moses (1892),
Robertine Moses geb. Rothschild (1877), Rosa Moses geb. Braunschweig (1878),
Samuel Moses I (1875), Samuel Moses II (1885), Emma Olesheimer geb. Weil (1857),
Jonas Olesheimer (1888), Mina Roos geb. Moses (1891), Alfred Weil (1887), Arthur
Weil (1880), Lina Weil (1867), Rosa Weil geb. Moses (1885).
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Aus der Geschichte der
jüdischen Lehrer
Ausschreibungen der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet 1870 /
1878 / 1885 / 1892 / 1893 / 1900 / 1903
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 31. August 1870:
"Bei der israelitischen Gemeinde Kirchen ist die Stelle eines
Religionsschullehrers, Vorsängers und Schächters zu besetzen. Gehalt 300
Gulden jährlich nebst freier Wohnung, 1 Gulden 12 Kreuzer Schulgeld von
jedem Schulkinde und die Gebühren, welche die Schächterfunktion
abwirft.
Bewerber haben sich unter Vorlage ihrer Zeugnisse über Befähigung und
Aufführung, bei unterzeichneter Stelle innerhalb 4 Wochen zu
melden. Sulzburg im Badischen, den 24. August 1870.
Die Bezirks-Synagoge. Dreyfuss,
Bezirksrabbiner." |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 23. November 1870:
"Offene Lehrerstelle. In der israelitischen Gemeinde Kirchen,
Amt Lörrach ist die Religionslehrerstelle, welche mit Vorbeter- und
Schächterdienst verbunden ist, mit einem jährlich fixen Gehalt von 350
Gulden nebst freier Wohnung, Schulgeld und noch anderen Gefällen wieder
zu besetzen. Bewerber wollen sich binnen 14 Tagen unter Vorlage ihrer
Zeugnisse beim Synagogenrate dahier anmelden.
Kirchen, den 6. November 1870. Der Synagogenrat, Bloch." |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 10. April 1878:
"Die hiesige israelitische Religionsschulstelle, verbunden mit
Vorsänger- und Schächterdienst, mit einem jährlich fixen Gehalt von 700
Mark nebst freier Wohnung und der von diesem Dienste abfließenden
Gefällen ist vakant.
Etwaige Bewerber wollen sich unter Vorlage der ihnen zu Gebote stehenden
Zeugnisse an den Synagogenrat von hier wenden.
Kirchen (Amt Lörrach, Großherzogtum Baden), den 24. März 1878.
Der Synagogenrat: Daniel Harburger, Vorsteher. Veist Bloch. Benjamin
Bloch." |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. August 1885:
"Bei der israelitischen Gemeinde Kirchen, badischen Oberlands, ist
die Stelle eines Religionsschullehrers zu besetzen. Fixer jährlicher
Gehalt 700 Mark, Schächterfunktion ungefähr 250 Mark, Schulgeld
ungefähr 70 Mark.
Befähigte Personen wollen mit Beifügung ihrer Zeugnisse, innerhalb 6
Wochen, bei der Bezirks-Synagoge Sulzburg, badischen Oberlands, sich
melden." |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 28. Dezember 1892:
"Die Religionsschulstelle Kirchen, verbunden mit dem Vorsänger- und
Schächterdienst, ist zum 1. Februar 1892 zu besetzen. Außer einem Fixum
von 700 Mark wird ein Nebeneinkommen von 430 Mark und Dienstwohnung von 4
Zimmern gewährt.
Geeignete Bewerber wollen ihre Zeugnisse einsenden an
Die Bezirkssynagoge Freiburg i.B." |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 4. Mai 1893:
"Die mit dem Kantorate und dem Schächterdienst verbundene
Religionsschulstelle Kirchen ist zu besetzen. Neben einem Fixum von
Mark 700 wird ein Nebeneinkommen von ca. Mark 450 nebst freier, aus 4
Zimmern bestehenden Wohnung gewährt. Geeignete Bewerber wollen sich bald
melden an die Bezirks-Synagoge Freiburg i.Br." |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. August 1900:
"Die mit einem Fixum von Mark 700, freier Wohnung, nebst Garten und
einem Nebeneinkommen von mindestens Mark 400 dotierte Stelle eines Religionslehrers,
Vorbeters und Schächters in Kirchen ist baldmöglichst zu besetzen.
Meldungen mit Zeugnisabschriften nimmt entgegen.
Die Bezirkssynagoge: Freiburg i.Br." |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 29. November 1900:
"Israelitische Gemeinde Kirchen. Die mit einem Fixum von 700
Mark, freier Wohnung nebst Gärtchen und einem Nebeneinkommen von
mindestens Mark 400.- dotierte Stelle des Religionslehrers, Vorbeters
& Schächters in unserer Gemeinde ist per sofort zu besetzen.
Meldungen mit Zeugnisabschriften nimmt entgegen
Die Bezirkssynagoge Sulzburg in Freiburg im Breisgau". |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. Oktober 1903:
"Die Religionslehrer-, Schächter- und Vorbeterstelle, Kirchen,
mit einem Fixum von Mark 700, freier Wohnung und Nebeneinnahmen von ca.
400 Mark ist zum 1. November zu besetzen. Meldungen mit Zeugnisabschriften
erbittet
Die Bezirkssynagoge Freiburg i.B." |
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Anzeige
im "Frankfurter Israeltischen Familienblatt" vom 2. Oktober
1903: "Kirchen. Lehrer, Vorbeter und Schächter per 1.
November, 1.100 Mark Einkommen und freie Wohnung. Meldungen an
Bezirkssynagoge, Freiburg in Baden." |
Aus dem jüdischen
Gemeinde- und Vereinsleben
Streit um das Schächten (1920)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 29. April 1920: "Kirchen,
12. April (1920). Ein gemeindepolitischer Kampf, auf dessen Ausgang man
gespannt sein darf, hat sich hier entsponnen. Auf Antrag der hiesigen
Landwirte, die sich weigerten, Vieh abzugeben, wenn es geschächtet wird,
hat der hiesige Gemeinderat beim Bezirksamt Lörrach die Aufhebung der
Schächtung beantragt. Als Begründung führt er an, dass dasselbe eine
unnötige Tierquälerei sei, und dass in unserer jetzigen
lebensmittelarmen Zeit alles verwendet werden müsse, auch das Blut, das
beim Schächten verloren geht. Die Entscheidung darüber, ob die
Schächtung aufgehoben wird oder nicht, liegt zur Zeit beim
Landeskommissar in Freiburg. Es dürfte der Behörde in Freiburg nicht
schwer fallen, Stadtrat und Landwirte von der Unsinnigkeit der Annahme,
dass gegen das Schächten ethische oder hygienische Bedenken sprechen, zu
überzeugen." |
Berichte zu einzelnen
Personen aus der Gemeinde
Zum Tod der drei ältesten Gemeindeglieder (1894)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 15. Januar 1894: "Kirchen-EfringenKirchen-Efringen,
12. Januar (1894). Innerhalb 8 Tagen wurden hier die 3 ältesten Leute
unserer israelitischen Gemeinde und zugleich des Dorfes zu Grabe getragen:
Abraham Blum 93 Jahre, David Bloch 89 Jahre und Frau Nathan Braunschweig
88 Jahre alt." |
Zum Tod von Veist Bloch (1896)
Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 13. November
1896: "Kirchen (Baden), 8. November (1896). Am 4. dieses
Monats verschied in Basel, wohin er sich infolge eines Fußleidens zur
Heilung begeben hatte, Herr Veist Bloch von hier. In ihm betrauert nicht
nur seine Frau ihren treuen Ehegatten, sondern auch die israelitische
Gemeinde ihren Vater; denn der Verstorbene wahrte als Vorsteher länger
denn zwölf Jahre mit Umsicht und treuer Pflichterfüllung die Interessen
derselben. Besonders durch die Restaurierung der Synagoge, die zum
größten Teil durch seine Bemühungen aus dem Zustande des Verfalls zu
einer Zierde unseres Ortes umgewandelt wurde, hat sich der Dahingegangene
großes Verdienst erworben. Es war darum auch ein unabsehbarer Trauerzug,
dessen Teilnehmer aus Fern und Nah herbeigeeilt waren, um den irdischen
Überresten das letzte Geleit zu geben. Mit gewohnter Meisterschaft
entrollte Herr Rabbiner Dr. Lewin aus Freiburg am Grabe ein Bild des
Verstorbenen, der es vom armen Eisenbahntaglöhner durch seinen Fleiß zu
einer geachteten Stelle im Orte brachte und bei Juden als auch Nichtjuden
in hohem Ansehen stand. Ehre seinem Andenken!". |
Goldene Hochzeit des Herz Bloch'schen Ehepaares
(1913)
Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung der Judentums" vom 14. November
1913: "Das Herz Bloch'sche Ehepaar in Kirchen (Baden) feierte
die goldene Hochzeit. Geheimrat Dörle überreichte die
Jubiläumsmedaille, der Synagogenrat im Auftrage des Oberrates der
Israeliten die Portraits des Großherzogpaares." |
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Artikel
im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 7. November
1913: "Kirchen (Baden). Das Herz Bloch'sche Ehepaar feierte
die goldene Hochzeit. Geheimrat Dörle überreichte die
Jubiläumsmedaille, der Synagogenrat im Auftrage des Oberrates der
Israeliten die Porträts unseres Großherzogpaares. Auch der
Bürgermeister und der Pfarrer gratulierten persönlich." |
Zur Geschichte des Betsaales/Synagoge
Vermutlich war nach Aufnahme der
Dornacher Familien 1736 oder wenige Jahre später die Zehnzahl jüdischer
Männer vorhanden und es konnten Gottesdienste gefeiert werden, möglicherweise
zunächst gemeinsam mit den in Tumringen und Lörrach aufgenommenen Familien.
Eine der Bloch-Familien hat nach der Überlieferung aus Dornach eine Torarolle
mitgebracht, die noch bis ins 20. Jahrhundert erhalten, aber nicht sonderlich
gekennzeichnet war.
Bis 1789 wurden die Gottesdienste im Haus des Julius
Bloch abgehalten. Wegen Eigenbedarf seiner Räumlichkeiten wollte Bloch jedoch
im Frühjahr 1789 nicht mehr, dass die Gottesdienste in seinem Haus stattfinden.
Die jüdische Gemeinde, die damals aus neun Familien bestand, von denen nur zwei
bis drei "vermöglich" waren, wusste zunächst keinen Rat. Andere Räume standen
nicht zur Verfügung und für den Kauf eines Gebäudes zur Einrichtung einer
Synagoge war kein Geld vorhanden. Trotzdem ist es dann doch gelungen, die Mittel
für die Einrichtung einer Synagoge in einem anderen Gebäude zusammenzutragen.
Diese alte, vermutlich 1789/90 eingerichtete Synagoge bestand bis 1831
und wurde danach noch 40 Jahre lang (bis 1871) als Armenhaus der jüdischen
Gemeinde benutzt. 1871 hat die jüdische Gemeinde das Haus verkauft, da sie sie
damals noch immer 2.800 Gulden Schulden vom Bau der neuen Synagoge hatte.
Nach 1825 nahm die Zahl der jüdischen Einwohner in Kirchen
so zu, dass die bisherige Synagoge nicht mehr ausreichte (1825: 73, 1838: 122 jüdische
Einwohner). Die Gemeinde beschloss den Neubau einer Synagoge, der am 7. Oktober
1828 genehmigt wurde. Im Laufe des Jahres 1831 konnte man den Neubau
erstellen, in dem sich im Obergeschoss auch die Lehrer-/Vorsängerwohnung und in
einem Nebenhaus die Schule und das rituelle Bad befanden. Die neue Synagoge
wurde im Weinbrennerschen Stil erbaut. Ihre Vorderfront war von zwei
pylonartigen Türmen mit flachen, pyramidenförmigen Aufsätzen flankiert. Über
vier Stufen gelangte man in eine von zwei Säulen getragene Vorhalle. Über dem
Portal befand sich die aus Psalm 118,20 stammende, hebräische Inschrift:
"Dies ist das Tor zum Herrn, Gerechte ziehen durch es hinein" (mit
Jahreszahl (5)591 nach jüdischer Zählung = 1831). Im Inneren befand sich eine
zweiteilige Frauenempore, die nicht vergittert war. Die Außenverkleidung des
Toraschreines war aus dunkelrot marmoriertem Holz, flankiert von zwei Säulen.
Die Wände, die Decke und der Fußboden des Raumes waren völlig schmucklos. Für
den Bau der Synagoge hatte man freilich aus Geldmangel teils so schlechte
Materialien verwendet, dass schon wenige Jahre nach der Fertigstellung die
Klagen über schadhafte Teile, besonders der im Obergeschoss gelegenen
Lehrerwohnung nicht mehr abrissen.
Im Blick auf eine gründliche Renovierung der Synagoge führte
die Gemeinde 1895 in den umliegenden Gemeinden eine Spendensammlung
durch. Auch der badische Großherzog gab 100 Mark zu den Baumaßnahmen, worüber
sogar in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" berichtet wurde. Die
Renovierung 1896 durchgeführt. Die Synagoge hatte danach etwa 60 Plätze im
Betsaal der Männer und 30 Plätze auf der Frauenempore. Vorsteher der Gemeinde
während der Zeit der Renovierung war Veist Bloch. Er starb am 8. November 1896.
Im Nachruf auf ihn hieß es in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums": "Besonders
durch die Restaurierung der Synagoge, die zum größten Teil durch seine Bemühungen
aus dem Zustande des Verfalls zu einer Zierde unseres Ortes umgewandert wurde,
hat sich der Dahingegangene großes Verdienst erworben".
Eine Synagogenrestaurierung steht an -
Unterstützung durch den Großherzog (1895)
Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 5. Juli 1895:
"Kirchen (Baden), 2. Juli (1895). Die hiesige kleine Gemeinde
ist genötigt, die Synagoge zu restaurieren. Da die Mitte dazu ein wenig
knapp bemessen sind, hat sie sich an einige Schwestergemeinden gewendet,
sie möchten eine Beihilfe leisten. Dass dieser Aufruf überall Gehör
fand, wäre als selbstverständlich nicht erst berichtet worden - wenn
nicht ein Anderes Geschehen wäre. Der Synagogenrat hat sein Bittgesuch
auch dem Großherzog vorgetragen, und soeben geht die Nachricht ein, dass
unser Landesvater, der alle seine Bürger mit gleicher Huld empfängt,
auch unserer Bitte sein Ohr nicht verschlossen, vielmehr die Summe von
einhundert Mark uns zu bewilligen geruht hat! - Wir vermögen unsern Dank
nicht besser zu bekunden, als indem wir unsere Glaubensgenossen diesen
Beweis der gerechten Güte Großherzogs Friedrichs kunden, damit auch
außerhalb seines Landes frohe Herzen für ihn zum Himmel
beten!" |
Beim Novemberpogrom 1938 wurde das Gebäude zerstört.
Eine NS-Parteiformation, aus Haltingen kommend, unter der Führung des dortigen
Bürgermeister, plünderte die Synagoge, warf Ritualgegenstände und Geschirr,
das aus der über der Synagoge liegenden Lehrerwohnung stammte, auf die Straße
und in die anliegenden Gärten und zündete den Betsaal an. Die in Kirchen noch
verbliebenen jüdischen Einwohner wurden zusammengetrieben und mussten der Zerstörung
ihres Gotteshauses zusehen.
Die Ruine der Synagoge wurde bei der Kriegsbeschießung
Kirchens 1940 endgültig zerstört und 1945 abgebrochen. Heute ist nur noch ein
ca. 1 m hoher, 8 m langer Mauerrest erhalten; das Synagogengelände selbst wird
als Abstellfläche und als Garten genutzt (Grundstück hinter Basler Straße
57/Ecke Friedrich-Rottra-Straße, Lagerbuch-Nr. 263/264). Seit 1996 erinnert ein
Gedenkstein an die ehemalige Synagoge.
Fotos
Historische Fotos:
(Quelle: Fotos links und rechts bei Hundsnurscher/Taddey s. Lit. Abb. 39.41
und
Huettner s. Lit. im Bildanhang; Foto Mitte ist eine Ausschnittsvergrößerung
des linken Fotos)
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Außenansicht der Synagoge Kirchen |
Das Portal mit der Inschrift
aus Psalm 118,20: "Dies ist das Tor zum HERRN, Gerechte ziehen durch
es hinein" mit hebräischer Jahreszahl (5)591 = 1831 |
Innenansicht der Synagoge
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Links: Historische
Ansichtskarte von Kirchen; die Synagoge ist links im Hintergrund des
Gasthauses "Zum Rebstock" zu erkennen
Quelle: hier
anklicken |
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Fotos nach 1945/Gegenwart:
Fotos um 1985:
(Fotos: Hahn) |
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Blick auf das Synagogengelände (im Bereich des Holzstapels) |
dass., weiter entfernte Perspektive |
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Die rechts sichtbare Steinmauer gehörte zu den Mauern der Synagoge |
Ansicht des
Synagogengrundstückes aus anderer Blickrichtung (Foto: Gemeinde Efringen-Kirchen) |
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Fotos 2003/04:
(Foto: Hahn, Aufnahmedatum 27.10.2003 bzw. mit *) von
J. Krüger, Karlsruhe, Aufnahmen Sommer 2004) |
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| Gedenktafel für die Synagoge
am jüdischen Friedhof der Gemeinde |
Gedenkstein unweit
des Synagogenstandortes* |
Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Franz Hundsnurscher/Gerhard Taddey: Die jüdischen Gemeinden in Baden.
1968. S. 70ff. |
 | Axel Huettner: Die jüdische Gemeinde von Kirchen
1736-1940. 1978.1993³. |
 | Verena Alborino: Juden auf dem Land: Das Dorf
Kirchen, in: Markgräflerland 1996/1 S.127-137. |
 | Joseph Walk (Hrsg.): Württemberg - Hohenzollern -
Baden. Reihe: Pinkas Hakehillot. Encyclopedia of Jewish Communities from
their foundation till after the Holocaust (hebräisch). Yad Vashem Jerusalem
1986. S. 478-481. |
 | Joachim
Hahn / Jürgen Krüger: "Hier ist nichts anderes als
Gottes Haus...". Synagogen in Baden-Württemberg. Band 1: Geschichte
und Architektur. Band 2: Orte und Einrichtungen. Hg. von Rüdiger Schmidt,
Badische Landesbibliothek, Karlsruhe und Meier Schwarz, Synagogue Memorial,
Jerusalem. Stuttgart 2007.
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Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the
Holocaust".
First published in 2001 by NEW
YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad
Vashem Jerusalem, Israel.
Kirchen. The
first Jewish families arrived in 1736 after being expelled from Switzerland and
were subjected to numerous disabilities and restrictions. The community began to
grow toward the end of the century and its economic situation improved with
inclusion in the Dutchy of Baden in the early 19th century. A synagogue
was built in 1831 and a cemetery was opened
in 1865, with the Jewish population reaching a peak of 192 in 1873,
characterized by its exceptionally low mean age and high natural increase.
Thereafter emigration was stepped up and the birthrate declined. A measure of
prosperity was achieved in the early 20th century, but the community was hard
hit in the post-world war I economic crisis. In 1933, 60 Jews remained (including
seven in neighboring Efringen). On Kristallnacht (9-10 November 1938), the synagogue
was burned and men were detained in the Dachau concentration camp. With the
outbreak of war in September 1939, the entire population was evacuated, the Jews
mostly to Konstanz. Ultimately, 21
emigrated, nine left for other German cities, and 26 were deported (five
surviving).

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