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zu den Synagogen in
Baden-Württemberg
Eberbach (Rhein-Neckar-Kreis)
Jüdische Geschichte / Betsaal/Synagoge
Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english
version)
In dem bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts zur Kurpfalz gehörenden
Eberbach lassen sich jüdische Bewohner zunächst im Mittelalter
nachweisen. Bei den Judenverfolgungen 1298 und 1349 wurden auch in
Eberbach Juden
ermordet. 1380 wird ein Jude namens Lazron in der Stadt genannt.
Die Entstehung der neuzeitlichen Gemeinde
geht in die Zeit Ende des 17. Jahrhunderts
zurück, als wieder einzelne Juden in der Stadt genannt werden: zuerst 1683 Jud Moyses, im 18. Jahrhundert eine
Familie Löw/Löb, 1803/06 drei Familien. Das jüdische Wohngebiet konzentrierte sich im
18./19. Jahrhundert vor allem auf die Kellereistraße.
Eine eigentliche Gemeinde bestand
erst, als sich im Sommer 1831 fünf Familien zusammenschlossen, um zeitweise
einen jüdischen Lehrer einzustellen. Die Zahl der jüdischen Einwohner
entwickelte sich im 19. Jahrhundert wie folgt: 1825 21 jüdische
Einwohner (0,6 % von insgesamt 3.737 Einwohnern), 1861 35 (0,7 % von 4.906),
1871 64 (1,6 % von 4.105), 1880 57 (1,2 % von 4,830), 1895 110 (2,2 % von
5.039).
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde einen Betsaal/eine Synagoge
(s.u.), eine Religionsschule (der Unterricht wurde bis 1882 in Privathäusern
erteilt, seitdem in einem Raum der örtlichen Volksschule beziehungsweise seit
1893 in der Höheren Bürgerschule) sowie ein rituelles Bad (im 19. Jahrhundert
zunächst noch in Strümpfelbrunn
oder Zwingenberg, bis um 1860 im
Synagogengebäude Zwingerstraße 7 eine Mikwe eingerichtet wurde). Die Toten der
Gemeinde wurden zunächst in Hirschhorn
beigesetzt (1785 genannt), bis 1891 in Eberbach ein eigener Friedhof
angelegt wurde. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war zeitweise
ein Religionslehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig
war. Unter den Lehrern ist insbesondere Abraham Frohmann zu nennen, der
von 1902 bis zu seiner Zurruhesetzung 1927 in der Gemeinde tätig war (gestorben
1931). Die Gemeinde war dem Bezirksrabbinat
Mosbach zugeteilt.
Die höchste Zahl jüdischer Einwohner wurde um 1900 mit 138
Personen erreicht (2,2 % von insgesamt 5.907 Einwohnern). Danach ging sie durch Aus- und Abwanderung wieder zurück.
Im Ersten Weltkrieg fiel aus der jüdischen Gemeinde: Unteroffizier
Siegfried David (geb. 6.9.1895 in Eberbach, vor 1914 in Köln wohnhaft, gef.
23.4.1917).
Um 1925, als zur Gemeinde 72 Personen gehörten (1,1 % von insgesamt
6.793 Einwohnern), waren die Gemeindevorsteher Adolf David, Moritz Salomon und
Lehrer Abraham Frohmann. Lehrer Frohmann erteilt im Schuljahr 1924/25 neun
Kindern den Religionsunterricht. 1932 waren die Gemeindevorsteher Hermann Wolf
(1. Vors.), Alfred Freudenberger (2. Vors.) und Jakob Götz (3.
Vors.).
An ehemaligen, teilweise bis nach 1933 bestehenden und in jüdischem Besitz
befindlichen Handels- und Gewerbebetrieben sind bekannt: Metzgerei Ferdinand Bär
(Kellereistraße 26, Haus 1945 abgebrannt), Kolonialwaren Adolf David
(Kellereistraße 9), Schuhgeschäft Aron David (Hauptstraße 14), Eisenwaren und Werkzeuge Alfred Freudenberger
(Hauptstraße 15), Viehhandlung Jakob Götz (Neckarstraße 25), Textilgeschäft Benjamin Levy (Obere
Badstraße 18, Haus 1945 abgebrannt), Metzgerei Israel Mayer (vor 1930, Backgasse 1), Eisenhandlung David Östreicher (Obere
Badstraße 21), Sägewerk Moritz Salomon (vor 1930, Hirschhorner Landstraße
30), Manufakturwarengeschäft Zacharias Seligmann (Kellereistraße 30, bestand von 1868-1908), Textilgeschäft, Schirme, Möbel
Hermann Wolf (Obere
Badstraße 14).
1933 lebten noch 39 jüdische
Personen in der Stadt (0,5 % von insgesamt 7,477 Einwohnern). Auf Grund der
Folgen des wirtschaftlichen Boykotts, der zunehmenden Entrechtung und der
Repressalien ist der Teil dieser Personen in den folgenden Jahren ausgewandert
(insgesamt 15 in die USA und nach Argentinien) oder in andere Städte verzogen.
Kurz nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 wurde Simon
Leibowitsch als KPD-Funktionär verhaftet und im Lager Heuberg so misshandelt,
dass er am 9. September 1933 dort starb. Im April 1938 wurden noch 25 jüdische
Einwohner in der Stadt gezählt. Beim Novemberpogrom 1938 wurde die
Synagoge zerstört; die Schaufenster der noch bestehenden jüdischen Geschäfte
wurden eingeschlagen. Sechs Männer wurden in das KZ Dachau eingeliefert. Fünf
der jüdischen Einwohner (von 1933) sind bis 1940 in Eberbach gestorben. Am 22.
Oktober 1940 wurden aus Eberbach 17 jüdische Personen in das
Konzentrationslager Gurs in Südfrankreich deportiert. Von den beiden jüdischen
Frauen, die in sogenannter "Mischehe" verheiratet waren, überlebte
eine den Krieg in Freiburg im Breisgau, während die andere bis zu ihrem Tod in
Eberbach wohnen blieb.
Von den in Eberbach geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem, ergänzt durch Gedenkbuch Baden-Württemberg): Bertha
Baer (1906), Felice Baer (1902), Helen Benedek geb. Rothauser (1896), Bertha
Brückheimer geb. David (1860), Aaron David (1858), Adolf David (1860), Arthur
David (1893), Edwige David (1893), Eugenie David (1892), Karoline David geb.
Rosenstein (1866), Karoline David geb. Spiegel (1859), Oskar David (1887),
Sophie David (1894), Felicitas Eckstein geb. Freudenberger (1891), Anna
Freudenberger (1899), Johanna Freudenberger (1891), Henny Freudenberger (1889),
Henri Freudenberger (1889), Fanny Fuld (1880), Bertha Goetz (1869), Hannchen
Goetz geb. Blumentfeld (1862), Jeno Guth (1903), Isidor Israel (1882), Deszi
Krauss (1920), Jeno Krauss (1912), Simon Leibowitsch (1888), Flora Lohn geb.
Davic (1891), Benjamin (Beni) Levy (1855), Lazarus Mannheimer (1886), Lina
Ottenheimer geb. Würzburger (1872), Mina Rolef geb. Ottenheimer (1909), Josef
Rothauser (1892), Juliette Salomon (1879), Regina Salomon geb. Goldstein (1863),
Bertha Seligmann (1885), Fritz Seligmann (1890), Johanna Seligmann (1886), Sofie
Seligmann geb. Goetz (1854), Betty Traubermann geb. Simon (1880), Jolan Weiss
geb. Rothauser (1894), Max Würzburger (1873).
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer
Ausschreibungen der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet
1885 / 1901
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. April 1885:
"Mosbach am Neckar (Baden).
Auskündigung einer Religionsschul-Stelle.
Die mit einem festen jährlichen
Gehalt von 550 Mark, auch Schulgeld 2 Mark für jedes die Schule besuchende
Kind, sowie dem Vorsänger- und Schächterdienst mit den davon abhängigen, auf
ca. 300 Mark sich belaufenden Gefällen bei der israelitischen Gemeinde der
Amtsstadt Eberbach, diesseitigen Rabbinatsbezirks, wird andurch, weil z.Z. noch
unbesetzt, wiederholt zur Bewerbung ausgekündigt.
Berechtigte Bewerber, auch Nichtbadener, jedoch deutscher Nationalität, wollen
ihre diesbezüglichen Zeugnisse alsbald portofrei anher einsehen. Unverheiratete
Bewerber werden bevorzugt.
Mosbach, den 27. April 1885.
Das Großherzogliche
Bezirksrabbinat: S. Weil." |
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Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom
18. November 1901:
"Vakanz.
Die mit einem festen Gehalt von 800 Mark und 5 bis 600 Mark
Nebenverdienst verbundene Religionslehrer-, Vorsänger- und
Schächterstelle in Eberbach ist auf 15. Februar 1902 neu zu
besetzen. Bewerber wollen ihre mit Zeugnisabschriften belegten
Gesuche innerhalb 14 Tagen bei uns einreichen.
Mosbach, 15. November.
Die Bezirks-Synagoge:
Dr. Löwenstein." |
| Anmerkung: auf diese Ausschreibung hin
bewarb sich erfolgreich Lehrer Abraham Frohmann (siehe unten) |
Zum Tod des Religionslehrer Simon Stern (1899, Lehrer in Eberbach bis
1888)
Artikel in
der Zeitschrift "Der Israelit" vom 18. Mai 1899: "Schweinfurt, 3.
Siwan.
Heute Nachmittag, kurz vor Schabbat
Kodesch, erfüllten wir die traurige Pflicht, einem früh
dahingegangenen Freund das letzte Geleite zu geben. Herr Simon Stern, der
zuletzt 11 Jahre in Gochsheim als Religionslehrer, Schochet und Kantor
gewirkt hat, nachdem er bereits mehrere Jahre diese Funktionen in Eberbach, Bez.-Rabbinat Mosbach ausgeübt hatte, ist seinem qualvollen, tückischen
leiden, das ihm seit mehr als einem Jahrzehnt ein furchtbares Martyrien
auferlegt hatte, im 33. Lebensjahre erlegen. Bereits seit dem Monat
Oktober des Vorjahres hatte er sein Amt in Gochsheim aufgegeben, da ihm
die furchtbaren Schmerzen der Krankheit und die immer mehr überhand
nehmende Schwäche nicht mehr gestatteten, zu seiner Befriedigung seine
Pflichten zu erfüllen. Ungern sah ihn die Gemeinde scheiden! Denn Lehrer
Simon Stern war ein Muster als Mensch und Jehudi, dessen schlichtes,
aufrichtiges und bescheidenes Wesen jedem Achtung abrang und Liebe einflößte.
Er war ein Vorbild an Pflichttreue und ein wirklicher Pädagoge; er
verstand es bei seiner Sachkenntnis, seinem unermüdlichen Eifer und
seiner Liebe zu jedem einzelnen Kind, auch den Schwachen Kenntnisse zu
vermitteln. Die schon seit Jahren an Schmerzen überreiche Krankheit, ließ
ihn doch nicht um Haaresbreite von dem Weg der strengsten Pflichterfüllung
abweichen, wiewohl seine Stelle, mit der noch eine Filiale verbunden ist,
nicht geringe Anforderungen an ihn stellte. Simon Stern war aber vor allem
eine Zierde seines Standes; seine ideale Auffassung des Lehrerberufes, die
Selbstlosigkeit, mit der er ihm oblag, verdienen Bewunderung. In der Tat
haben ihn auch seine Kollegen zum Beweis ihrer Hochachtung in die
erweiterte Vorstandschaft
des israelitischen bayerischen Lehrervereins während der letzten Jahre
gewählt.
Wer mit den Verhältnissen der Israeliten auf dem Lande, zumal in unserer
Gegend, vertraut ist, der weiß, welchen Einfluss ein tüchtiger,
gesinnungstreuer Lehrer zu üben vermag, welchen Verlust darum der Tod
eines solchen darstellt; mit Fug und Recht dürfen wir ausrufen. … Diese
Empfindungen beherrschten denn auch alle Teilnehmer der Beerdigung auf dem
Friedhof in Euerbach, wo sich alle die Kollegen, denen es trotz der
Sabbatnähe zu erscheinen möglich war, eine Deputation der Gemeinde
Gochsheim und Distrikts-Rabbiner Dr. Stein aus Schweinfurt, außer den übrigen
zahlreichen Freunden und Bekannten und Leidtragenden eingefunden hatten.
Rabbiner Dr. Stein konnte nur seinem Bedauern Ausdruck verleihen, dass die
Sabbat- und Festesnähe es ihm nicht gestatte, dem Verblichenen, dem er
nicht nur als Vorgesetzter, sondern auch als wahrer Freund gegenübergestanden
hatte, den verdienten, ehrenvollen Nachruf zu widmen. Seine
Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens. S." |
Lehrer M. David wirbt für seine Pension (1892/1893)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 25. April 1892:
"In dem reizend gelegenen Städtchen Eberbach am Neckar,
bevorzugt durch seine herrliche, gesunde und nervenstärkende Berg- und
Waldluft finden Kurgäste und Reisende Kost und Logis zu mäßigen Preisen
bei M. David, Lehrer und Kantor." |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 12. Juni 1893:
"Luftkurort Eberbach am Neckar. Kurgäste erhalten streng
rituelle Kost zu billigen Preisen bei M. David, Lehrer." |
Zum 40-jährigen Dienstjubiläum von Lehrer Abraham
Frohmann (Lehrer in Eberbach seit 1902)
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. Oktober 1924:
"Eberbach (Baden), 21. Oktober. Die jüdische Gemeinde in Eberbach
hat in diesen Tagen das 40jährige Dienstjubiläum ihres Lehrers, Herrn
Abraham Frohmann, gefeiert. 22 Jahre dieser langen Zeit hat der
verdienstvolle Jubilar in unserer Gemeinde gelebt und gewirkt. In die
denkbar schwierigsten Verhältnisse, auf einen außerordentlich
schwierigen Vorposten gestallt, hat Herr Frohmann es in mustergültiger
Aufopferung verstanden, Gegensätze zu überbrücken und eine seltene
Harmonie unter den Mitgliedern der Gemeinde zu schaffen; nicht zuletzt ist
seinem in jeder Hinsicht tadellosen Charakter die geachtete Stellung zu
danken, die die jüdischen Bürger in unserer Stadt einnehmen.
Deshalb ist es selbstverständlich, dass nicht nur die gesamte jüdische
Glaubensgemeinschaft, sondern auch die christliche Gemeinde freudigen
Anteil an dem Freudentage des Jubilars genommen hat. Besonders die
Direktion der Oberrealschule, an der unser Lehrer schon seit 22 Jahren
wirkt, hat in einem erfreulich herzlichen Schreiben ihrer Freude darüber
Ausdruck verliehen, dem allseits verehrten Lehrer ihre aufrichtige
Anerkennung aussprechen zu dürfen. Die größte Genugtuung dürfte der
Jubilar aber wohl aus der Tatsache schöpfen, dass alle seine Schüler,
die heute zum großen Teil in der Welt zerstreut sind, dankbar der
jüdischen Erziehung gedenken, die sie in ihrem Unterricht genossen haben.
Wohl keiner von ihnen wird wohl je in seinem Leben ganz die Worte
vergessen können, die ihnen von dem jüdischen Lehrer mit auf den
Lebensweg gegeben wurden. Zu einer Feier von ganz besonderer Würde wurde
der Gottesdienst am Schlussfest der Sukkotfeiertage, als der Jubilar in
einer zu Herzen gehenden Predigt zu seiner Gemeinde Sprache. Mit ihm
wollen wir hoffen, dass es dem Jubilar noch recht lange vergönnt sein
möge, zu wirken und zu schaffen, ein unübertreffliches Vorbild treuer
Hingabe an Pflicht und inneren Beruf." |
Lehrer Frohmann geht in den Ruhestand
(1927)
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. Juli 1927:
"Eberbach (Baden), 1. Juli (1927). Herr Abraham Frohmann wurde
auf sein Ansuchen aus Gesundheitsrücksichten in den Ruhestand versetzt,
nachdem er uns mehr als 25 Jahre in seiner Eigenschaft als Vorbeter und
Lehrer unvergesslich wertvolle Erziehungsarbeit geleistet hat. Die zwei
Schüler-Generationen sehen ihn mit schmerzlichem Bedauern aus dem Amte
scheiden; sie verlieren in ihm ein Stück froher Jugenderinnerung und
bester Tradition. Er war und wurde ihnen Sinnbild rastloser
Pflichterfüllung, sich selbstbescheidender Hingabe an die Idee des
Erhabenen und Gewaltigen, eines religiösen Allgefühls, das ihn in
tiefster Seele erfüllte. Der pädagogische Grundakzent seiner religiösen
Haltung, wie seine seelsorgerische Übung lag nicht so sehr im
Methodischen, wie im Gemüthaften. Und das ist das Wertvollere bei unserer
kleinen Gemeinde. Nach außen hin von beispielloser Zurückhaltung, die
Würde des Judentums überzeugend repräsentierend und für es Achtung
heischend, nach innen ausgleichend und überbrückend, zusammenhaltend und
klärend, ruhender Pol in der Erscheinungen Flucht - so steht sein Bild
vor unseren Augen. Seine Freunde und Schüler vereinigen sich in den
heißesten Wünschen für ein langes Leben an der Seite seiner Gemahlin
und im Kreise der ihn Verehrenden." |
Zum Tod von Lehrer Abraham Frohmann (1931)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 29. Oktober 1931: "Lehrer
Abraham Frohmann - das Andenken an den Gerechten ist zum Segen - Eberbach,
26. Oktober (1931).
Von einem der letzten Schüler des Verstorbenen erhalten wir folgende,
absichtlich persönlich gehaltene Würdigung: Zwei Generationen wanderten
als Schüler an Abraham Frohmann vorüber, zwei Generationen, deren
Gefühl für die Ethik des Judentums von ihm wachgerufen und geprägt,
zwei Generationen, deren innere religiöse Haltung von ihm markiert wurde.
Denn Erziehung bedeutete für ihn niemals nur einseitig
verstandesmäßiges Lernen und Üben des Religionsgesetzes. Für ihn war
die Einbeziehung der frommen Tat in den Begriff der Frömmigkeit selbstverständlich
und die religiösen Begriffe der Demut und Liebe haben in seinem Munde und
in seiner Übung jenes Maß von Verlebendigung erfahren, das den
gesetzestreuen Juden auszeichnen soll. Ohne sich je anders als im
innersten Wesen getroffen zu fühlen von den Angriffen, die aus Unkenntnis
oder bösem Willen gegen seinen Glauben und dessen Institutionen geführt
wurden, hat er doch nie versucht, aus seiner tiefen Kenntnis der
jüdischen Moral und ihrer Gebote ein Streiter im kleinlich-gehässigen
Kampfe des Alltags zu sein. Die angeborene Würde und Vornehmheit seines
Charakters geboten ihm Schweigen; in seinem Innern aber stärkten sie
seine Heilshoffnung auf Gottes Hilfe, wie sie dem Judentum verheißen ist.
Aber nie hat er versäumt und gezögert, zur Selbstbesinnung aufzurufen
und auch nachdem er (sehr wider seinen Willen) aus gesundheitlichen
Gründen vor wenigen Jahren gezwungen ward, seine 30-jährige Tätigkeit
als Lehrer und zum größten Teil auch als Vorbeter einzustellen, hat er
immer wieder beschwörend und mahnend auf die großen Taten der
gottfürchtigen Großen in der jüdischen Geschichte hingewiesen, deren
Leben und Wirken er als verpflichtend und richtunggebend ansah.
Die wichtigen innerjüdischen Fragen der Gegenwart: Zionismus und
Deutschjudentum, waren für Abraham Frohmann keine Probleme
grundsätzlicher Natur. Er sah diese Faktoren nur unter dem Gesichtspunkt
des jüdischen Glaubens. Nur sprachliches Verstehen der jüdischen Gebote
und Gebete war für ihn lediglich Voraussetzung. Mittelpunkt und Ziel
seines Strebens war das Bemühen, den Geist des Judentums, das war ihm der
Geist der Demut und ehrfürchtigen Liebe, das 'Dienen dem Herrn in Freude'
(Psalm 100,2), seinen Schülern, die alle seine Freunde waren,
einzupflanzen, und alle seine Schüler, die einen Hauch seines Geistes
verspürt haben, danken ihm jetzt und immer für alle Güte, für alle
väterlich-nahe Liebe. Dr. S.D." (vermutlich
von Dr. Sante David verfasst) |
Aus dem jüdischen Gemeindeleben
Bei J.Östreicher können Kurgäste koschere Verpflegung erhalten (1890)
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 15. Mai 1890:
"Kurgäste, welche auf Koscher-Kost reflektieren, können solche
haben bei J. Oestreicher, Eberbach am Neckar." |
Auftritt des Antisemiten Dr. Böckel in Reichelsheim und Eberbach und örtlicher
Widerstand (1890)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 12. Juni 1890: "Aus
dem Odenwald, 2. Juni (1893). In Reichelsheim
ging es gestern sehr stürmisch zu. Der Antisemitenhäuptling Dr. Böckel
war mit seinen Getreuen erschienen, um in dem 10 Minuten entfernten
Eberbach eine Versammlung abzuhalten, aber auch Sozialisten,
Nationalliberale und Deutschfreisinnige (unter ihnen Prof. Stengel von
Marburg) waren gekommen. Als Herr Böckel mit Anhang eintraf, fand er den
Saal vollständig von Gegnern besetzt, weshalb er sich ins Nebenzimmer
zurückzog. Der nationalliberale Abgeordnete Hermann brachte es fertig, zu
Worte zu kommen; er gab im Namen der nationalliberalen Fraktion der
zweiten hessischen Kammer die Erklärung ab, dass die Beratungen der
hessischen Kammer dargetan hätten, wie sie bemüht sein, den in Handel
und Landwirtschaft sich offenbarenden Auswüchsen und Schäden
entgegenzutreten, dass sie aber unmöglich billigen könne, wenn eine
Bewegung wachgerufen würde, welche nicht mit dem Standpunkte der
christlichen Religion, der Humanität, auch nicht mit dem Grundsatze der
Gleichberechtigung aller Deutschen vor dem Gesetz vereinbar sei. Die
Herren B. Cramer - Darmstadt, Prof. Stengel - Marburg, Phil. Müller -
Darmstadt und Hänsler - Mannheim sprach dann unter allgemeinem Beifall
über die - Judenfrage, allerdings nicht im Sinne von Böckel und
Konsorten. Als Herr Böckel sich, ohne Lorbeeren geerntet zu haben,
zurück nach Reichelsheim auf den Weg machte, wurde er von einer Anzahl
junger Leute verfolgt und provoziert. In Reichelsheim versuchten diese,
unter denen viele Israeliten gewesen sein sollen, Einlass in das Sälchen
im 'Engel', wo Herr Böckel mit den Seinigen weilte. Der Einlass wurde
natürlich verweigert, worauf es zu einer allgemeinen Keilerei kam, bei
der auch Blut floss. Schließlich kam die Polizei und trieb die Menge
auseinander. Ähnliche erbauliche Auftritte ereigneten sich, als Herr
Böckel Abends abfuhr." |
Politische Versammlung - gegen den Antisemitismus
(1893)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 2. März 1893:
"Eberbach (Baden), 19. Februar. Am 12. Februar wurde in dem großen
Saale und dessen Nebenzimmer von Heinrich Holloch von der
nationalliberalen Partei eine Versammlung abgehalten, welche so zahlreich
besucht war, wie schon lange keine derartige Versammlung.
In derselben sprach Herr Geheime Hofrat Dr. Meyer aus Heidelberg über die
Militärvorlage und berührte zum Schlusse die Agitation der Antisemiten.
Er bat die Anwesenden mit aller Kraft den Antisemiten entgegen zu
arbeiten. Die nationalliberale Partei sei bestrebt dem Wucher und der
unreellen Geschäftsausbeutung durch strenge Gesetzgebung entgegen zu
treten und damit ungesunde Zustände wegzuschaffen. Aber dem Rassenhasse
Vorschub zu leisten und einem Volke, welches Jahrhunderte hindurch sich
nur dem Handel hat widmen können, da es kein Bewerbe und Landwirtschaft
betreiben konnte, auf einmal alle Lebensfäden abzuschneiden, könnte sich
die nationalliberale Partei nicht bereit erklären. Herr Lehmann Strauß
von hier, sprach dem verehrlichen Redner im Namen seiner Glaubensgenossen
den tief gefühlten Dank aus." |
Berichte zu
einzelnen Personen aus der Gemeinde
Oscar David erhält das Eiserne Kreuz II (1916)
Meldung
im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 1. Dezember
1916: "Eberbach am Neckar. Offiziersaspirant Vizefeldwebel Oscar
David, Sohn des Fabrikanten Albert A. David, erhielt das Eiserne Kreuz 2.
Kl." |
Über Sante David (geb. 1908 in Eberbach,
gest. 2007)
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Sante David (geb. 1908 Eberbach, gest. 2007): Germanist, Kunsthistoriker, Sprachwissenschaftler; nach 1933 Prof. für deutsche Literatur an der Universität Bologna, 1950 in Siena; erhielt deutsche und italienische Auszeichnungen, darunter 1982 den Ehrenring der Stadt Eberbach (referierte noch 2000 in Eberbach). |
Artikel
vom 16. Januar 2008 aus www.neckartal-aktuell.de
(Online-Magazin für Eberbach und Umgebung, Artikel):
Prof. Dr. Dr. Sante David verstorben (Foto: Archiv)
(hr) Prof. Dr. Dr. Sante David, Träger des Ehrenrings der Stadt Eberbach in Gold, ist am 2. Dezember 2007 im Alter von 99 Jahren verstorben. Zuletzt lebte er bei Florenz in Italien.
Sante David wurde am 3. April 1908 in Eberbach geboren. Nach Abitur, Studium und Promotion siedelte er 1933 nach Italien über, um der drohenden Judenverfolgung des Nazi-Regimes zu entkommen. Nach einer zweiten Promotion lehrte er deutsche Literatur an der Universität in Bologna. In Italien bekam David den Mussolini-Faschismus zu spüren und musste sich von 1939 bis 1943 meistens zwangsweise in Gebirgsdörfern aufhalten. Ab 1943 arbeitete er als Dolmetscher für die alliierte Militärregierung. 1945 konnte er seine Lehrtätigkeit in Bologna wieder aufnehmen. Es folgten Professuren in Siena und Buffalo (USA) sowie zahlreiche Publikationen. Sante David wurde für seine Verdienste um das kulturelle Erbe in Literatur und Kunstgeschichte und seine Persönlichkeit unter anderem mit dem großen Bundesverdienstkreuz, dem Orden eines Cavaliere Ufficiale der Republik Italien und der Ehrenmitgliedschaft in der Deutsch-Italienischen Gesellschaft ausgezeichnet.
Trotz des großen Leids, das seiner Familie durch Nazi-Deutschland zugefügt wurde - fünf Geschwister verlor er durch den NS-Terror -, hat Prof. Dr. Dr. Sante David sich immer für die Versöhnung mit seiner Heimat eingesetzt. Bereits 1982 wurde ihm der Ehrenring der Stadt Eberbach in Silber verliehen. In Eberbach war David häufig zu Vorträgen über italienische und deutsche Kunstgeschichte zu Gast. Der goldene Ehrenring wurde ihm im Oktober 2002 verliehen. |
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen
Anzeige der Fa. Hermann David (1886)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 6. Dezember 1886:
"Prima Lederappretur - Prima Kidledercreme, Prima Metallputzpomade
fabriziert als Spezialitäten Hermann David, Eberbach in Baden. Agenten
gesucht." |
Anzeige der Fa. Z. Seligmann (1902)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 3. Juli 1902:
"Ärztlich empfohlenen, abgelagerten Heidelbeerwein aus eigener
Kelterei (vorzüglicher Tischwein) als gesundes und erfrischendes Getränk
sehr beliebt, versendet in Flaschen und Fässer
Z. Seligmann,
Eberbach a.N., Baden. Probe zu Diensten." |
Anzeige des Eisen- und Maschinengeschäftes Lehmann Strauß Nachfolger
(1903)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 31. August 1903: "Suche
per 1. Oktober einen Lehrling mit schöner Handschrift bei freier
Kost und Logis.
Lehmann Strauß Nachfolger, Eisen- und Maschinengeschäft. Eberbach
am Neckar (Baden)." |
Anzeige der Privat-Pension der Witwe B. Bär beziehungsweise Bär-May (1927 /
1929 / 1930)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. Juni 1927: "Luftkurort
Eberbach a.N. Empfehle meine streng rituelle Privatpension bei bekannt
bester Verpflegung und billigen Preisen an angenehmer Aufenthalt.
Herrliche Wälder, Wasser- und Rudersport. Bad im Hause. B. Bär Witwe,
Kellereistr. 26." |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 4. Juli 1929:
"Luftkurort Eberbach am Neckar. Privat-Pension Bär-May empfiehlt
angenehmen Aufenthalt bei bester Verpflegung - volle Pension Mark 5. -
Frühzeitige Anmeldung erwünscht. Unter Aufsicht Seiner Ehrwürden Herrn
Rabbiner Greilsheimer Mosbach Baden." |
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Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. Mai 1930: "Die
Metzgerei und Pension Bär - May in Eberbach am Neckar bietet bei mäßigen
Preisen beste Unterkunft und Verpflegung. vorherige Anmeldung ist erwünscht.
Die Aufsicht hat Herr Rabbiner Greilsheimer in Mosebach in Baden. Näheres
Inserat."
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. Mai 1930: "Metzgerei
und Pension Bär - May Eberbach am Neckar
bietet bei mäßigen Preisen das Beste an Unterkunft und Verpflegung.
Vorherige Anmeldung erwünscht.
Aufsicht Seiner Ehrwürden Herrn Rabbiner Greilsheimer.
Mosbach in Baden." |
Zur Geschichte des Betsaals / der Synagoge
Von mittelalterlichen Einrichtungen ist nichts bekannt. Möglicherweise war hierfür die Zahl der Juden in der Stadt zu gering.
Erst im 19. Jahrhundert wuchs die Zahl der jüdischen Einwohner so, dass an eigene Einrichtungen zu denken war.
1833 wurde auf Anordnung der Großherzoglichen Regierung in Eberbach ein Synagogenrat gewählt. Dieser war für das religiöse Leben in der Gemeinde zuständig. Bald machte sich der Synagogenrat gemeinsam mit der Gemeinde dazu Gedanken, ob in Eberbach Einrichtungen einer jüdischen Gemeinde geschaffen werden könnten. Dies war jedoch ein großes finanzielles Problem. Als im August 1835 eine die Erhöhung der Besoldung des Bezirksrabbiners in Mosbach betreffende Anfrage an die Eberbacher Gemeinde kam, wies diese darauf hin, dass die Eberbacher Juden keinen höheren Betrag für den Rabbiner bezahlen könnten. Sie seien dazu umso weniger im Stande, "als wir eine Synagoge und ein Bad brauchen, welche wegen Unbemitteltheit der Gemeinde nur aus einer Kollekte hergerichtet werden könne". Damals bestand die Gemeinde aus sechs Familien.
1837 regte der Mosbacher Bezirksrabbiners Isak Friedberger den Bau einer Synagoge beziehungsweise die Einrichtung eines Fonds zu diesem Zweck in Eberbach an. Vermutlich hatten die inzwischen sieben jüdischen Familien (1840) bereits ein
Betzimmer in einem Privathaus eingerichtet. Am 6. April 1839 wurde der Antrag an die Stadt gestellt, eine Synagoge bauen zu dürfen. Dieser wurde abgelehnt mit Hinweis auf die "geringe Seelenzahl", da der Bau mindestens 1.500 Gulden kosten würde. Erst 1849 nahmen die Planungen konkretere Formen an. Die Stadt war bereit, der jüdischen Gemeinde entgegenzukommen. Freilich kam es erst Ende 1860 zum Erwerb eines Hauses für den Umbau zur Synagoge und den Einbau eines rituellen Bades (Gebäude Eckhaus Zwingerstraße 7/Binnetzgasse, Lagerbuch Nr. 656). Da die Gemeinde für den Ankauf 900 Gulden aufzubringen hatte, bat man um Bewilligung einer Kollekte bei den jüdischen Gemeinden einer weiteren Umgebung, die im August 1860 genehmigt wurde. Mit Hilfe dieser Kollekte, eines städtischen Zuschusses von 100 Gulden, einer Spende von 50 Gulden durch die Fa. Rothschild Söhne in Frankfurt und einer Umlage unter den Gemeindegliedern kamen schließlich die Mittel zusammen, damit die kleine israelitische Gemeinde in Eberbach ein ein Zentrum ihres Gemeindelebens hatte. Der Betsaal befand sich im oberen Stock des Hauses. Bis 1897 feierte die Gemeinde ihre Gottesdienste in diesem Gebäude. Danach mussten sie wegen Baufälligkeit des Hauses in provisorischen Räumen (zeitweise in einem Zimmer des Turnhallengebäudes) abgehalten werden.
Ein im Jahre 1896 von Synagogenrat Zacharias Seligmann eingerichteter Fond zum Bau einer neuen Synagoge bildete schließlich die Grundlage zur Finanzierung eines Synagogenneubaus.
1912/13 konnte dieser an der heutigen Einmündung der Adolf-Knecht-Straße in die (1951 angelegte) Brückenstraße erstellt werden. Am
13. September 1913 war die feierliche Einweihung des Gebäudes, zu der zahlreiche Vertreter von Behörden und der Kirchen versammelt waren. Bezirksrabbiner Dr. Leopold Löwenstein nahm die Einweihung vor. Der Festzug, an deren Spitze vier Träger die Torarollen trugen, bewegte sich unter den Klängen der Eberbacher Musikkapelle vom bisherigen Betsaal zu der neuen Synagoge. Dort überreichte Oberamtmann Schmitt den Synagogenschlüssel an Dr. Löwenstein. Der feierliche Gottesdienst wurden von Gesängen des Mannheimer Synagogenchores umrahmt. Beim anschließenden Festbankett in der Turnhalle erklärte Bürgermeister Dr. Weiß, dass die städtischen Behörden "in strengster Neutralität" auch das neue jüdische Gotteshaus in ihren Schutz nähmen und wünschte der jüdischen Gemeinde ein ferneres Wachsen, Blühen und Gedeihen. Zu den Kosten von 17.000 Mark für den Bau der Synagoge hatte die Stadt einen Zuschuss von 800 Mark beigesteuert.
Zuschuss der Stadt Eberbach zum Synagogenbau (1912)
Mitteilung in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 11.
September 1912: "In der Bürgerausschusssitzung der Stadt Eberbach
wurde ein Beitrag zum Synagogenbau der dortigen israelitischen Gemeinde im
Betrage von 800 Mark mit großer Mehrheit bewilligt." |
Einweihung der Synagoge (1913)
Meldung
im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 26. September
1913: "Eberbach (Baden). Hier ist die neu erbaute Synagoge eingeweiht
worden. Rabbiner Dr. Löwenstein - Mosbach hielt die Festrede." |
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Artikel in der "Eberbacher Zeitung" nach H. Joho s. Lit. S.
35-36: "Nach langer Arbeit und Überwindung einer Reihe äußerer und innerer
Schwierigkeiten ist am heutigen Tage ein Werk vollendet worden, das den
Bewohnern Eberbachs und besonders seinen jüdischen Mitbürgern Gelegenheit zu
einer würdigen Feier gab, zur Einweihung des neuen Gotteshauses. Mit einer
stillen bescheidenen Feier wurde heute früh das Haus seiner Bestimmung
übergeben. Eine große Zahl fremder Gäste, Damen und Herren, weltliche und
geistliche Behörden, in ihrer Mitte Bezirksrabbiner Dr. Löwenstein aus Mosbach
mit den vier Trägern der Torarollen hatten sich zum Zuge zusammengestellt, um
von dem alten Gotteshaus in das neue überzusiedeln. Unter den feierlichen
Klängen der Musikkapelle gelangte der stattliche Zug an seinem Ziele an. Die
Schlüsselträgerin Frl. Levy überreichte, nachdem sie einen Prolog gesprochen
hatte, den Schlüssel dem Vertreter der Staatsbehörde, Herrn Oberamtmann
Schmitt, der ihn in einer kurzen Ansprache dem Bezirksrabbiner Dr. Löwenstein
weitergab. Dieser öffnete das Tor, Gäste und Gemeindemitglieder betraten das
Gotteshaus und der feierliche Gottesdienst begann mit einem von dem Mannheimer
Synagogenchor prächtig gesungenen hebräischen Lied. In seiner Predigt, die in
ihrer einfach schlichten Weise und ihrem innigen Vortrag allen Zuhörern sehr zu
Herzen ging, sprach Herr Bezirksrabbiner Dr. Löwenstein über die Frage:
"Warum und zu welchem Zwecke bauen wir Gotteshäuser?" Jakob hat
draußen in der Natur sich einen groben Stein zum Gotteshaus ersehen. So wie
Jakob an diesem Stein seinen Gott suchte und fand, so wird auch dieses kleine
Häuschen ein Sammlungsort für das Gemüt werden können. Der Bezirksrabbiner
dankte den weltlichen und kirchlichen Behörden für ihr Erscheinen und hob
besonders den loyalen Sinn der Einwohner Eberbachs hervor, die es sich nicht
haben nehmen lassen, dem heutigen Tag ein festliches Gepräge zu geben. Nach dem
Gebet für Fürst und Reich und zwei Musikvorträgen schloss die feierliche
Handlung. - Möge das neue Gotteshaus, das in seiner äußeren und ins einer
inneren Ausstattung ein kleines Kunstwerk ist, der Bestimmung, der es übergeben
wurde, lange Zeit genügen.
Zum Festbankett in der Turnhalle fanden sich die Mitglieder der jüdischen Gemeinde
sowie die Behörden und sonstige Einwohner der Stadt zahlreich ein. Herr
Bezirksrabbiner Dr. Löwenstein leitete den Abend mit einer patriotischen
Ansprache ein, in der er die treue und edle Gesinnung unseres Fürstenhauses
betonte, und brachte ein Hoch auf den Großherzog aus. Herr Benjamin Levy gab in
seiner Ansprache einen historischen Überblick über die Entwicklung der
jüdischen Gemeinde und schloss mit Worten des Dankes an die hiesige
Einwohnerschaft, die sich für die Erstellung der Synagoge bereitwilligst ins
Werk gelegt habe. Herr Bürgermeister Dr. Weiß erklärte, dass die städtischen
Behörden in strengster Neutralität auch das neue jüdische Gotteshaus in ihren
Schutz nähmen und wünschte der jüdischen Gemeinde ein ferneres Wachsen, Blühen
und Gedeihen. Herr Oberamtmann Schmitt gedachte des konfessionellen Friedens,
dessen sich unsere Stadt erfreut, und verlieh der Hoffnung Ausdruck, dass dieser
Friede unter den Bekennern der verschiedenen Konfessionen in alle Zukunft
erhalten bleibe. Herr Lehrer Frohmann toastete auf Herrn Bezirksrabbiner Dr.
Löwenstein, Herr Aron David auf Herrn Lehrer Frohmann. Die Gesangvereine
"Liederkranz" und "Germania" trugen durch gut geschulte Männerchöre
wesentlich dazu bei, dem Abend einen weihevollen Gehalt zu geben, auch die
hiesige Feuerwehrkapelle erbrachte durch ihre schönen Musikvorträge wieder den
Beweis, dass sie bei Festlichkeiten unentbehrlich ist.
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Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 10. Oktober 1913:
"Am 20. September ist die neue Synagoge in Eberbach ihrer Bestimmung
übergeben worden. Bei der Einweihungsfeier waren auch Bürgermeister Dr.
Weiß und Oberamtmann Schmitt zugegen. In festlichem Zuge fand die
Übersiedelung in das neue Gotteshaus statt, wo ein Gottesdienst
abgehalten wurde. Am gleichen Abend fand aus Anlass der Einweihung ein
Festbankett statt." |
Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge
niedergebrannt. Die Aktion wurde durch die Ortsgruppe 12/32 der SS durchgeführt,
die in den frühen Morgenstunden des 10. November die entsprechenden Anweisungen
von der Geheimen Staatspolizei aus Heidelberg erhalten hatte. Von den in Zivil
auftretenden SS-Leuten wurde die Inneneinrichtung der Synagoge demoliert und das
Holz zu einem Stoß aufgeschichtet. Mit Hilfe von Wachs wurde das Holz angezündet.
Schriften, Gebetbücher und Torarollen wurden von der Polizei in zwei Säcken
auf dem Rathaus "sichergestellt". Die Feuerwehr sicherte nach der
morgens 6.30 Uhr erfolgten Inbrandsetzung die angrenzenden Gebäude. Innerhalb
von zweieinhalb Stunden brannte die Synagoge bis auf die Umfassungsmauern
nieder.
1979
wurde am Standort der Synagoge ein
Gedenkstein
aufgestellt. die 1978 geborgenen Gebotstafeln in einer Wandnische im
Evangelischen Gemeindehaus am Leopoldsplatz 3 in Eberbach aufbewahrt.
Fotos
Historische Fotos / Pläne:
Fotos nach 1945/Gegenwart:
Fotos um 1985:
(Quelle: Fotos oben von H. Joho, Eberbach; unten:
Hahn) |
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Das Eckhaus Zwingerstraße-Binnetzgasse
(2. Haus von links)
diente von 1860
bis 1897 für gottesdienstliche Zwecke |
Die 1978 im Neckar gefundenen
Gebotstafeln vom Giebel der
Synagoge -
Vorderseite |
Rückseite der Gebotstafeln
vom Giebel der Synagoge |
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Der ehemalige Synagogenstandort.
Der Gedenkstein ist bei
den Büschen
vor der Tankstelle |
Der Gedenkstein befindet sich
rechts von den Büschen |
Der Gedenkstein
für die zerstörte Synagoge |
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Fotos 2003:
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 22.10.2003) |
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Der ehemalige
Synagogenstandort.
Die Tankstelle (vgl. oben) besteht nicht mehr |
Der Gedenkstein für die
zerstörte Synagoge |
Erinnerungsarbeit
vor Ort - einzelne Berichte
| November 2009:
Verlegung von "Stolpersteinen" in
Eberbach angeregt |
Artikel in der
"Rhein-Neckar-Zeitung" vom 18. November 2009 (Online-Artikel):
"Stolpersteine weisen den Weg.
Eberbach. "Stolpersteine" heißt das Projekt von Gunter Demnig, das nach dem Willen von Robert Moray auch in Eberbach umgesetzt werden soll. Der Gemeinderat befasst sich in seiner Sitzung am Donnerstag mit dem Thema. Um es zu verwirklichen, bedarf es einiger Spenden, weswegen das Rätegremium ihre Annahme dafür gutheißen soll. Moray hatte im Rahmen des letztjährigen Gedenkens am 9. November, dem Tag der Reichspogromnacht, die Idee zur Beteiligung. "Warum sollten wir nicht auch in Eberbach auf diese Art unserer jüdischen Mitbürger gedenken?", meint er.
"Ein Projekt für Europa" nennt der in Köln lebende Demnig sein Vorhaben. Es soll "die Erinnerung an die Vertreibung und Vernichtung der Juden, der Zigeuner, der politisch Verfolgten, der Homosexuellen, der Zeugen Jehovas und der Euthanasieopfer im Nationalsozialismus" lebendig halten..." |
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| November 2009:
Der Gemeinderat stimmt der Verlegung zu. |
Aus einem Artikel im "Eberbach-Channel.de"
- Online Magazin für Eberbach und Umgebung (Artikel):
"Stolpersteine sollen an Unrecht erinnern.
(hr) Das Projekt "Stolpersteine", bei dem ein Künstler aus Nordrhein-Westfalen durch das Einlassen von beschrifteten "Pflastersteinen" aus Messing in Straßenbeläge die Erinnerung an Nazi-Opfer aufrecht erhalten will (Link s.u.), soll auch in Eberbach umgesetzt werden. Der Gemeinderat begrüßte heute eine Initiative von Altstadtrat Robert Moray. Dieser will damit insbesondere an die ehemaligen jüdischen Mitbürger Eberbachs erinnern, die durch die Nationalsozialisten deportiert wurden. Finanziert werden sollen die "Stolpersteine" durch Spenden. Die Kosten pro Stück sollen bei 95 Euro liegen. Wo sie platziert werden, muss noch entschieden werden..." |
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| März 2010:
Stolpersteine sowie eine dazugehörige
Gedenktafel sollen angebracht werden |
Aus einem Artikel im "Eberbach-Channel.de"
- Online Magazin für Eberbach und Umgebung vom 29. März 2010 (Artikel):
"Stolpersteine ... beschäftigten das Stadtparlament.
(hr). ...Ebenfalls gab das Gremium grundsätzliche Zustimmung zur Verlegung von beschrifteten "Stolpersteinen" aus Messing zur Erinnerung an ehemalige jüdische Bürger, die durch die Nationalsozialisten verfolgt und ermordet wurden. Die Steine sollen vor den ehemaligen Wohnstätten der Verfolgten platziert werden. Sie kosten pro Stück 95 Euro und werden über Spenden finanziert. Wie Initiator Robert Moray in der Sitzung mitteilte, habe er bereits Zusagen für 38 Steine. 53 sollen es insgesamt werden. Außerdem soll eine
Gedenktafel auf die Aktion 'Stolpersteine' hinweisen. Auch sie soll möglichst aus Spendengeldern bezahlt werden." |
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| Oktober 2010:
Erinnerung an die Deportation nach Gurs
1940 |
Artikel in der
"Rhein-Neckar-Zeitung" vom 26. Oktober 2010 (Artikel):
"Im Gedenken an eine der dunkelsten Stunden
Eberbach. (bnc) "Viele Eberbacher standen laut Zeugenaussagen schweigend dabei", als am Morgen des 22. Oktober 1940 die 19 letzten noch im Ort lebenden Juden sich beim Rathaus versammeln mussten. 50 Kilo Gepäck und 100 Reichsmark waren alles, was sie dabeihaben durften. Sie wurden auf einen Lkw verladen und nach Heidelberg transportiert. In Sonderzügen ging es weiter zum südfranzösischen Internierungslager Gurs. 1939 für Flüchtlinge des spanischen Bürgerkriegs eingerichtet, dienten die von Stacheldraht umgebenen armseligen Baracken nun der Unterbringung der Deportierten aus Baden, der Pfalz und dem Saarland..." |
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| Januar 2011: Zur
Neugestaltung des Synagogengrundstückes |
Artikel in der "Rhein-Neckar-Zeitung" vom 20. Januar 2011 (Artikel):
"Sandsteinplatten sollen an Synagoge erinnern.
Eberbach (mawe). Über Ausführungsdetails am Erinnerungsstandort Synagoge im Bereich der Brückenstraße hat der Gemeinderat in seiner heutigen Sitzung um 17.30 Uhr im Ratssaal zu entscheiden. Dabei gibt es verschiedene Vorschläge. Laut Bürgermeister Bernhard Martin muss der Platz sowohl eine "optische Wertigkeit" haben als auch "mechanisch beanspruchbar" sein..." |
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| März 2011:
Der Synagogenplatz wird neu gestaltet |
Artikel von Hubert Richter in
eberbach-channel.de vom 29. März 2011 (Artikel):
"Neuer Platz hat seinen Namen - Gedenktafeln für jüdisches Gotteshaus.
(hr) An der Brückenstraße, kurz vor dem heutigen Kreisverkehr, stand einmal ein jüdisches Gotteshaus - eine Synagoge. In der Pogromnacht vom 9. auf 10. November 1938 wurde sie von örtlichen Nationalsozialisten niedergebrannt. Daran soll künftig dauerhaft erinnert
werden..." |
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| April 2011:
In Eberbach werden "Stolpersteine"
verlegt |
Artikel von Christa Huillier in der "Rhein-Neckar-Zeitung" vom
15. April 2011 (Artikel):
"Ein Stolperstein, ein Name, ein Mensch.
"Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist", sagt der Kunstpädagoge Gunter Demnig und verwirklichte sein Projekt "Stolpersteine". Die Gedenktafeln – kubische Betonsteine mit einer Kantenlänge von zehn Zentimetern und einer individuell beschrifteten Messingplatte – erinnern an die verfolgten, deportierten, ermordeten Opfer des Nationalsozialismus. Ein Stolperstein, ein Name, ein Mensch..." |
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Links und
Literatur
Links:
Literatur:
 | Franz Hundsnurscher/Gerhard Taddey: Die jüdischen Gemeinden in Baden.
1968. S. 68-69. |
 | Eberbacher Geschichtsblatt (1979) S. 148f, (1980) S. 95ff, (1983) S.
185f. |
 | Helmut Joho: Die Geschichte der jüdischen Gemeinde in Eberbach,
in: Eberbacher Geschichtsblatt 1989 S. 7-82. |
 | Andreas Cser, Roland Vetter, Helmut Joho: Geschichte
der Stadt Eberbach am Neckar. Band 2: Geschichte der Stadt Eberbach am
Neckar vom 16. Jahrhundert bis zur Gegenwart. Sigmaringen 1992 (hierin
Abschnitt: "Die jüdische Gemeinde". S. 338-340). |
 | Joseph Walk (Hrsg.): Württemberg - Hohenzollern -
Baden. Reihe: Pinkas Hakehillot. Encyclopedia of Jewish Communities from
their foundation till after the Holocaust (hebräisch). Yad Vashem Jerusalem
1986. S. 213-214. |
 | Joachim
Hahn / Jürgen Krüger: "Hier ist nichts anderes als
Gottes Haus...". Synagogen in Baden-Württemberg. Band 1: Geschichte
und Architektur. Band 2: Orte und Einrichtungen. Hg. von Rüdiger Schmidt,
Badische Landesbibliothek, Karlsruhe und Meier Schwarz, Synagogue Memorial,
Jerusalem. Stuttgart 2007.
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Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the
Holocaust".
First published in 2001 by NEW
YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad
Vashem Jerusalem, Israel.
Eberbach (in Jewish sources, Edirbach)
Baden. Jews are first mentioned in 1299. The community was wiped out in the
Black Death persecutions of 1348-49 and, after renewing the settlement, was
expelled in 1390. Few Jews lived there again until the early 19th century, when
the town was annexed to Baden. The Jewish population reached a peak of 138 in
1900 (total 5,907). It fell to 39 in 1933. Ten of these left by 1938. After Kristallnacht
(9-10 November 1938), when the synagogue was burned and Jewish stores were
vandalized, 17 were deported to the Gurs concentration camp (22 October 1940).
All but four perished in the death camps.

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