Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Zwingenberg (Neckar-Odenwald-Kreis) 
Jüdische Geschichte / Betsaal/Synagoge

Achtung: Zwingenberg im Neckar-Odenwald-Kreis ist nicht identisch mit dem hessischen Zwingenberg an der Bergstraße. 
Näheres zu der dortigen Synagoge siehe Seite zur Synagoge in Zwingenberg Kreis Bergstraße

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen  
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen
Links und Literatur   

   

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde

In dem von der Mitte des 18. Jahrhunderts bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts zur Kurpfalz gehörenden Zwingenberg bestand eine kleine jüdische Gemeinde bis zu ihrer Auflösung am 8. November 1937. Erstmals werden 1757 Juden am Ort genannt. 
  
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1827 27 jüdische Einwohner, Höchstzahl um 1839 mit 46 Personen, 1900 noch 16 jüdische Einwohner.    
 
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde einen Betsaal. Die Toten der Gemeinde wurden auf dem jüdischen Friedhof in hessischen Hirschhorn (Neckar) beigesetzt. Die Gemeinde gehörte zum Bezirksrabbinat Mosbach.  
  
Die jüdischen Familien lebten vom Handel mit Waren und Vieh. Von einigen Häusern in der Alten Dorfstraße ist noch bekannt, dass es sich um ehemalige jüdische Wohnhäuser handelt, unter anderem Alte Dorfstraße 31.  
 
1933 lebten noch vier jüdische Personen in Zwingenberg.     
   
Von den in Zwingenberg geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"):  Hilda Ida David (1890). Clementine Fertig geb. David (1889).      
  
  
   

Aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
  
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen 
Anzeige der Pension J. David Witwe (1928)  

Zwingenberg Israelit 13041928.jpg (50226 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 13. April 1928: "Zwingenberg am Neckar in herrlichster Lage des Neckartales, dicht am Neckar und Gebirge gelegen, ist in Zwingenberg (Baden) Bahnstation, streng rituelle Pension zu haben bei Frau J. David Witwe. Auskunft erteilt Herr Bezirksrabbiner Greilsheimer Mosbach (Baden)."


 

Zur Geschichte des Betsaals /der Synagoge

Zunächst war ein einfacher Betsaal vorhanden, der vermutlich um 1800 in einem Privathaus eingerichtet wurde. 1823 wird berichtet, dass das "die Stelle einer Synagoge in Zwingenberg vertretende Lokal in einem sehr schlechten Zustand sich befinde und die Eigentümerin dasselbe höchst nötig selbst bedürfe...". Durch diesen Eigenbedarf war die jüdische Gemeinde gezwungen, sich nach einer anderen Lösung für ihren Betsaal umzuschauen. Zur selben Zeit wurde sie von Seiten der Behörden auch dazu gedrängt, ein heizbares rituelles Bad zu erstellen. Die jüdische Gemeinde wies allerdings darauf hin, dass sie "schlechterdings nicht imstande" sei, das eine oder das andere aus eigenen Mitteln zu erbauen. Damals lebten sechs jüdische Familien am Ort, von denen vier als "unbemittelt", die anderen beiden als "bettelarm" eingestuft wurden. Das Oberamt Eberbach, das gleichfalls bescheinigte, dass die Gemeinde "weder Almosen noch sonstige Fonds" besitze und "notorisch arm" sei, wollte sich dennoch dafür einsetzen, dass die kleine Gemeinde zu ihren Einrichtungen kam.   
     
Im Januar 1823 baten die jüdischen Familien die Behörden darum, dass sie eine Kollekte zur Erbauung einer Synagoge und eines Bades durchführen könnten. Diese Bitte wurde von Seiten des Kreisdirektoriums zunächst nicht genehmigt. Auf den erneuten Antrag des jüdischen Gemeindevorstehers Ephraim Wolf vom 20. Juli 1823 erlaubten die Behörden die Kollekte, allerdings durfte sie nur im Bezirk des Neckarkreises und nur bei Juden durchgeführt werden. Nachdem die erste Kollekte nicht viel erbrachte, bat Gemeindevorsteher Wolf David im September 1825 darum, im ganzen Großherzogtum Baden kollektieren zu dürfen. Das Innenministerium in Karlsruhe hatte Einsehen und genehmigte 1827 die Sammlung. Immerhin erbrachte diese nun 157 Gulden, womit die Gemeinde an die weiteren Planungen für einen neuen Betsaal gehen konnte.   
      
Ein Glücksfall für die Einrichtung eines Betsaales hatte sich im Frühjahr 1827 ergeben, als das bisherige evangelische Schulhaus (Schule mit Lehrerwohnung) am Ort nicht mehr gebraucht wurde und mit Kaufvertrag vom 27. April 1827 von der jüdischen Gemeinde für 525 Gulden gekauft werden konnte. Bis zur Genehmigung des Kaufvertrages durch die Behörden dauerte es jedoch nochmals zwei Jahre. Erst danach konnte eine Hälfte des bisherigen Schulhauses zu einer Synagoge umgebaut werden. Zusammen mit der neuen Einrichtung hatte die Gemeinde Ausgaben von 700 Gulden, was ihre finanziellen Kräfte – nachdem in diesem Jahr acht "unbemittelte" Familien die jüdische Gemeinde bildeten – weit überstieg. Jahrelang blieb die Gemeinde auf einem Schuldenberg von 300 Gulden sitzen, wofür jährlich 15 Gulden Zins zu bezahlen waren. Als im August 1835 eine Erhöhung der Besoldung des Mosbacher Bezirksrabbiners anstand, wiesen die Zwingenberger Juden in ihrer Antwort darauf hin, dass "unsere politische sowohl als insbesondere die israelitische Gemeinde eine der ärmsten (ist). Wir [...] haben 300 Gulden Schulden, welche wir jährlich verzinsen müssen". Endlich ergab sich eine Lösung dadurch, dass sich für die andere Hälfte des ehemaligen Schulgebäudes ein Kaufinteressent fand. Diese Hälfte brauchte die jüdische Gemeinde nicht. Freilich mussten die Behörden den Verkauf genehmigen. Der Oberrat fragte an, ob diese Hälfte nicht für eine jüdische Schule oder eine Wohnung des Vorbeters gebraucht würde. Dafür war jedoch kein Bedarf. Der Mosbacher Bezirksrabbiner Isaak Friedberger meinte, dass die Haushälfte auch für keine Erweiterung des Betsaales nötig wäre. Selbst wenn die Zwingenberger Gemeinde auf das dreifache ihrer Zahl ansteigen würde, wäre noch genügend Platz in dem vorhandenen Betsaal. Schließlich konnten alle Behörden dem Verkauf des halben ehemaligen Schulhauses an Wilhelm Menges aus Zwingenberg zum Preis von 330 Gulden zustimmen. Damit konnten die Schulden abgezahlt werden. Die übrig bleibenden 30 Gulden verwendete die Gemeinde zu einem dringend nötigen neuen Schrank für die Torarollen (Toraschrein).   
      
Zacharias Seligmann, der 1845 in Zwingenberg geboren wurde und sich später in Eberbach niederließ, berichtete in seinen "Lebenserinnerungen", dass es bereits um 1880 durch die in Zwingenberg kaum mehr anwesende Zahl von zehn Männern in der jüdischen Gemeinde immer schwieriger wurde, Gottesdienste zu feiern: "Nach Wegzug meiner Mutter (sc. Ende der 1870er-Jahre) und nach dem Absterben einiger Familien war die kleine jüdische Gemeinde in Zwingenberg nicht mehr in der Lage, einen Gottesdienst zu halten. Auch zur Zeit, als meine Eltern noch dort wohnten, musste mein Vater oft für die sogenannten Minjenleute sorgen...".    
       
Das Gebäude mit dem Betsaal ("Synagoge" genannt), das sich auf dem heutigen Grundstück Alte Dorfstraße 21 (früher Nr. 15, Flurstück Nr. 31) befand, blieb dennoch im Besitz der jüdischen Gemeinde bis zu ihrer Auflösung in der NS-Zeit. Erst am 6. September 1938 wurde es für 500 RM an Zwingenberger Privatleute verkauft. Den Kaufvertrag unterzeichnete für die jüdische Gemeinde David Rothschild. Das ehemalige Synagogengebäude wurde seitdem als Wohnhaus genutzt. Nach 1945 wurde von den Besitzern im Zuge des Restitutionsverfahrens eine Nachzahlung an die jüdische Vermögensverwaltung eingefordert. Auf Grund zunehmender Baufälligkeit wurde die ehemalige Synagoge 1948/49 abgebrochen. Auf dem Grundstück ist ein neues Wohngebäude erstellt worden, in dem sich in den folgenden Jahren neben einer Wohnung zeitweise die Poststelle der Gemeinde befand. Dieses Gebäude ist bis heute erhalten.  
      

  
Fotos 
Historische Fotos: 
(Quelle: Gemeinde Zwingenberg)  

Zwingenberg Synagoge 010.jpg (50150 Byte)
Unterschriften unter dem Kaufvertrag vom 27. April 1827 über den Kauf des bisherigen evangelischen Schulhauses durch die jüdische Gemeinde zur Einrichtung eines Betsaales. Für die jüdische Gemeinde unterschrieb u.a. der damalige Judenvorsteher Ephraim Wolf David
  
Zwingenberg Synagoge 013.jpg (43282 Byte) Zwingenberg Synagoge 012.jpg (39295 Byte)
In der "Alten Dorfstraße" in Zwingenberg mit dem Gebäude der ehemaligen Synagoge (1930er-Jahre?). Das Foto rechts zeigt eine Ausschnittsvergrößerung.


Fotos nach 1945/Gegenwart:

1960er-Jahre:
(Foto: Gemeinde Zwingenberg)
Zwingenberg Synagoge 011.jpg (62127 Byte)
    

    

Neues Foto ein neueres Foto des ehemaligen Synagogengrundstückes wird noch erstellt; 
über Zusendungen freut sich der Webmaster - Adresse siehe Eingangsseite

   
   

Links und Literatur

Links:

Website der Gemeinde Zwingenberg

Literatur:

Franz Hundsnurscher/Gerhard Taddey: Die jüdischen Gemeinden in Baden. 1968. S. 302.   
synagogenbuch-1.jpg (32869 Byte)Joachim Hahn / Jürgen Krüger: "Hier ist nichts anderes als Gottes Haus...". Synagogen in Baden-Württemberg. Band 1: Geschichte und Architektur. Band 2: Orte und Einrichtungen. Hg. von Rüdiger Schmidt, Badische Landesbibliothek, Karlsruhe und Meier Schwarz, Synagogue Memorial, Jerusalem. Stuttgart 2007.    
  
  


  

Achtung: Zwingenberg im Neckar-Odenwald-Kreis ist nicht identisch mit dem hessischen Zwingenberg an der Bergstraße. 
Näheres zu der dortigen Synagoge siehe Seite zur Synagoge in Zwingenberg Kreis Bergstraße

  

                   
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Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 01. März 2009