Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Durbach (Ortenau-Kreis) 
Jüdische Geschichte / Jüdische Familien / Betsaal/Synagoge
(die Seite wurde großenteils erstellt durch Beiträge von Franz-Josef Müller, Arbeitskreis der Heimatforscher Ortenau

Übersicht:  

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Zur Geschichte der jüdischen Familien in Durbach (Familien Bodenheimer und Wertheimer
Viehjuden in Unternesselried     
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer  
Anzeigen jüdischer Personen und Gewerbebetriebe  
Aus dem jüdischen Gemeindeleben    
Zur Geschichte des Betsaals / der Synagoge 
Zum jüdischen Friedhof in Durbach (weitere Seite)  
Fotos  
Links und Literatur  
Weitere Seite: Einige Quellen und Quellenhinweise zur jüdischen Geschichte in Durbach und Diersburg 

   

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde          
    
In Durbach bestand eine jüdische Gemeinde bis zu ihrer Auflösung am 14. Februar 1900. Ihre Entstehung geht in die Zeit nach 1700 zurück. Die höchste Zahl jüdischer Einwohner wurde um 1801 mit 106 Personen erreicht. Danach ging ihre Zahl bereits zurück, sodass 1825 nur noch 38, 1875 21, 1900 zehn jüdische Personen am Ort lebten. 
 
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge (s.u.), eine Schule, ein rituelles Bad und einen Friedhof. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer angestellt, der auch als Vorbeter tätig war (vgl. unten die Ausschreibungen der Stelle von 1836 / 1843 / 1846). 1827 wurde die Gemeinde dem Rabbinatsbezirk Schmieheim zugeteilt. 
 
Die jüdischen Haushaltsvorstände waren Händler, aber auch Metzger und Bäcker. Sie hatten in Durbach zeitweise einen großen Anteil am Landhandel. An ehemaligen jüdischen Wohnhäusern sind die Gebäude Tal 223 und 209 (abgebrochen) bekannt.  
  
1933 war noch die jüdische Familie Moritz Bodenheimer / Albert Strauss am Ort (insgesamt acht Personen), die eine Bäckerei innehatte, Sohn Julius Bodenheimer gehörte eine Schnapshandlung. Seit 1933 betrieben die Familien Bodenheimer und Strauß eine Hachschara in Durbach (Ausbildungsstätte für junge jüdische Leute, die nach Palästina auswandern wollten).   
  
Von den in Durbach geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Julius Bodenheimer (1890), Moritz Bodenheimer (1856), Rachel Bodenheimer geb. Hirtz (1889), Rosa Bodenheimer geb. Bloch (1862), Albert Strauss (1895), Max Wertheimer (1874), Regina Wertheimer (1872). 
    
    
    
Zur Geschichte der jüdischen Familien in Durbach  
(Angaben erhalten vom Arbeitskreis der Heimatforscher 77654 Offenburg / Franz-Josef Müller; www.heimatforscher-ortenau.de

a) Stammfamilie Bodenheimer: die Linie des Bruders Hirschel Bodenheimer mit sechs Generationen seit 1732:

Die Nachkommen der Brüder Hirschel und Jakob Bodenheimer

1. Hirschel Bodenheimer (geb. 1732-1817) und Jakobea Levi (geb. 1747-1837): Heirat vor 1782 
    Drei Kinder:  Emanuel (geb. 1782-1850), Heinrich (geb. 1781-1846), Lea (geb. 1790-1860, blieb unverheiratet)
2. Emanuel Bodenheimer und Johanna Bodenheimer (geb. 1789-1860): Heirat am 10. Mai 1815 mit Dispens 
    Sieben Kinder:  Heinrich (geb. 1816-1872), Hirschel (geb. 1817-1895), Lazarus (geb. 1819), 
        Barbara (geb. 1822-1838), Leopold (geb. 1825), Jakob (geb. 1828-1917), Sarah (geb. 1832).  
3. Hirschel Bodenheimer, Bäcker und Elker Hirschfelder (gest. 1894, aus Nonnenweier): Heirat am 17. Juni 1845 in Nonnenweier 
    Acht Kinder: Jakob (geb. 1847-1870), Fanny (geb. 1848), Pauline (geb. 1850-1851), Emanuel (geb. 1852-1853),
        Wilhelmina (geb. 1854), Moritz (geb. 1856), Bertha (geb. 1858), Salomon (geb. 1860)
4. Moritz (Mauritius) Bodenheimer, Bäcker und Rosa Bloch (geb. 1862): Heirat am 17. Mai 1888 in Offenburg     
    Sieben Kinder: Julius Bodenheimer (geb. 1890, verh. mit Rachel Hirtz), Karl, Hermann, Sophie, 
        Elsa verh. Strauss
(geb. 1896), Hilda, Alfred genannt Freddie 
        zu Moritz Bodenheimer und seine Bedeutung für den Musikverein Durbach weitere Informationen.  
5. Elsa Bodenheimer und Albert Strauss, Bäcker: Heirat am 29. Mai 1929 
    Drei Kinder: Edi/Eduard Strauss, Bella Strauss (gest. 1936), Martha, Susanna Strauss (gest. 1937).  

1. Jakob Bodenheimer (geb. 1738-1827) und Bäßle Lazarus (geb. 1752-1816): Heirat vor 1770
    Drei Kinder:  Levi (geb. 1770-1848, blieb unverheiratet), Israel (geb. 1777), Johanna (geb. 1789-1860)
2. Israel Bodenheimer, der Vorsteher (geb. 1777-1847) und Lina Bodenheimer (geb. 1784-1851): Heirat vor 1809
    Acht Kinder: Sarah (geb. 1809-1822), Clara (geb. 1813-1816), Josef (geb. 1814), Bäßle (geb. 1817-1847), 
        Hirschel (gest. 1819), Johannes (geb. 1822), Maria Anna (gest. 1824), Carolina (geb. 1825)
3. Josef Bodenheimer, der Metzger und Theresia Wolf (gest. 1850), Heirat in 1. Ehe am 6. Dezember 1842 
                        Heirat in 2. Ehe am 13. Februar 1851 mit Theresia Haberer
    Fünf Kinder:  Lea (geb. 1851), Israel (geb. 1853-1921), Barbara (geb. 1855-1857), totgeborenes Mädchen (1856), Pauline (geb. 1857)
4. Israel Bodenheimer (Inhaber des ehem. Möbelhauses Bodenheimer in Offenburg) und Fanny Hauser (geb. 1856-1936)
    Drei Kinder: Lina (geb. 1888, verheiratete Weißenberger, ausgewandert 1939), Berthold (geb. ?), Franz Josef Bodenheimer (geb. 1890)
  
Die mit Farbe hervorgehobenen Personen sind in der NS-Zeit ermordet worden. 

b) Stammfamilie Wertheimer
 
Anmerkung zur Schreibweise des Namens: als Wertheim 1724 und Würtheimer 1815, auch als Namensform Werdheimer im Jahre 1858.
Mitglieder der Ortsfamilie als Viehjuden in Gemeinde Nesselried, sind auch 1816 als Geldersheimer/Wertheimer vermerkt. 

Kurze Übersicht der drei Linien (Familienzweige) Wertheimer: insgesamt 50 Personen
1. Linie am Grohl: Hirschel geb. 1760, Sohn Samuel mit Heirat 1830
2. Linie im Hilsbach: Leopold 1781, Daniel 1833 und Leopold 1866
3. Weitere Linie: Vater Elias, und 2 Söhne geb. 1765 und 1768

ad 1. Durbach im Ortsteil Grohl: vor 1760 (Linie mit 2 Generationen, mit 18 Personen)

Vater Heinrich (Hirschel) Wertheimer (geb. 1757-1847, mit 90 Jahren) und Judith Levi (geb. 1769-1842, mit 73 Jahren)
Heirat: vor dem Jahr 1803
7 Kinder:  Samuel Wertheimer geb. 1803; Sarah geb. 1807, Heirat 1843 mit Witwer Maier Wertheimer; Leopold, ledig (geb. 1809-1834, mit 25 Jahren); Maria Anna (Marianne) geb. 1811; Josef Wertheimer geb. 1813; Johanna geb. Juni 1816; Helena, mit ‚unehelicher’ Tochter Barbara geb. Oktober 1839.

In der 2. Generation:
Sohn Samuel Wertheimer, Handelsmann geb. 1803 und Barbara (Babett) Bähr
Heirat: am 03. August 1830
5 Kinder:  Sarah Wertheimer (gest. 1831, mit 8 Tagen); Leopold (gest. 1832, mit 14 Tagen); Maier Wertheimer geb. Februar 1835; Helena (Jette) geb. 1836-1878 verh. mit Baruch Moch, Nonnenweier; Leonhard Wertheimer geb. September 1838.

Sohn Josef Wertheimer, Metzger geb. 1813 und Rebekka Weil
Heirat: am 12. März 1845 in Schmieheim (Ehevertrag 1845)
2 Kinder: Hermann geb. März 1848; Samuel geb. 1846

ad 2. Durbach im Ortsteil Hilsbach: vor 1781 (Linie mit 3 Generationen, mit 26 Personen)

Ein Löb (Löw) Wertheim, genannt 1724 im Ratsprotokoll Offenburg

Vater Leopold (Levi, Loeb) Wertheimer, der alt (gest. vor 1815) und Magdalena (Madel) geb. Weil (geb. 1749-1817)
Heirat: vor 1781
5 Kinder:  Samuel Wertheimer geb. 1781; Johanna, mit ‚unehelicher’ Tochter Sarah geb. 1815; Meyer (Maier) Wertheimer geb. 1785; Daniel Wertheimer geb. 1787; Leopold (Löw) Wertheimer der jung (gest. 1824).

In der 2. Generation:
Sohn Samuel Wertheimer (geb. 1781-1864 mit 83 Jahren) und Gloria (Zipora) Weil (geb. 1790-1852) aus Emmendingen
Heirat: am 03. Juni 1815
2 Kinder: Sohn geb. März 1820 (Totgeburt); Leopold geb. Januar 1821

Sohn Maier Wertheimer (geb. 1785-1866) und Babett (Brein) Hirsch (geb. 1793-1843) aus Schmieheim
Heirat: in 1. Ehe am 2. Januar 1833/Durbach
und Sarah Wertheimer (geb. 1807-1862), Tochter des Hirschel
Heirat: in 2. Ehe am 10. August 1843 (Ehevertrag 1843) 

Sohn Daniel Wertheimer (geb. 1787-1868) und Regina (Rachel) Blum (geb. 1804-1850) aus Diersburg
Heirat: am 03.Januar 1833
5 Kinder:  Leopold geb. September 1834; Ferdinand I. geb. im März 1836; Magdalena geb. Januar 1838; Isidor geb. November 1840; Ferdinand II. geb. April 1841.

In der 3. Generation
Enkelkind Leopold Wertheimer geb. 1834, Sohn des Daniel und Sarah Blum aus Diersburg
Heirat: November 1866 in Diersburg
4 Kinder:  Max; Lazarus geb. August 1867; Julius geb. Oktober 1868; Helene geb. 1869

Enkelkind Ferdinand Wertheimer geb. 1841 und Hannchen Levi aus Rexingen
Heirat: am 05. Juni 1867 (Ehevertrag 1867)
1 Kind:  Simon geb. Dezember 1867


ad 3. In Durbach weitere Wertheimer-Linie (die Linie mit 2 Generationen, mit 5 Personen)

Ein Elias Wertheimer, aus Durbach, genannt 1730 und 1758 in Ratsprotokollen der Stadt Offenburg

In der 2. Generation
Vater Elias Wertheimer, und Sarah Lorch (genannt im Jahre 1799, Abgaben für Napoleonische Kriege)
Heirat: vor 1765
2 Kinder: Josef Wertheimer (geb. 1765-1841, mit 76 Jahren); Samuel Wertheimer, ledig (geb. 1768-1846, mit 78 Jahren).

Weitere Familienmitglieder, ohne Zuordnung: 1 Person

Helene Wertheimer, ledig geb. Mai 1790.
   
     
    
Durbacher Viehjuden in der Gemeinde Unternesselried 
Vorbemerkung: 
Protokollbücher (Quelle hier: Protokollbuch der Vogtei Unternesselried über den Viehhandel) mit Viehverkäufen mit jüdischen Viehhändlern haben sich nur selten erhalten und sind bei Entrümpelungsaktionen von Gemeindearchiven gewöhnlich beseitigt worden. Der Viehhandel als Rechtsgeschäft zwischen israelitischen Handelsleuten und den Einwohnern der Landgemeinden trugen wesentlich zur wirtschaftlichen Belebung eines Dorfes bei. Für Nesselried sind als Besonderheiten / Raritäten neben den Pfandbüchern von Unternesselried als "Dorfbank" auch die Kaufverträge des Viehhandels (als Tiermarkt) erhalten geblieben. Inhaltlich ging es beim Handel im Zeitraum 1828 bis 1858 meist um Pferde mit Stuten und trächtige Kühe, im Zeitraum 1858 bis 1862 meist um Milchkühe und Kälber.    
   

1. Teil 1: Jahre 1828 bis 1858  
  
Im Zeitraum ab August 1828 bis Februar 1858 treten in Unternesselried verstärkt Landjuden aus Diersburg auf. Im Protokollbuch "Teil 1: 1828-1858" gibt es Eintragungen ab Nummer 1-170. Unter Nummer 15 und 16 finden sich auch Bürger aus Urloffen. 

Israelitische Handelsleute: aus Durbach     Israelitische Handelsleute: aus Diersburg  
Samuel Wertheimer 1828   Salomon Bodenheimer 1829
Leopold Wertheimer   Meier Bodenheimer
Emanuel Bodenheimer 1834   Maier Weil 1832
Josef Wertheimer 1836   Benjamin Weil 1833 und 1835
      Kalmann Kahn  
      - Salomon Bodenheimer, der Alte (wohl identisch mit dem o.g. 1829)
       Sohn des Salomon Bodenheimer 1834 und 1836 
         

Unternesselried: Viehkauf und Tauschprotokollbuch -  Kaufkontrakte der Jahre 1828-1836:    

Nummer Datum Summe Verkäufer Käufer
         
1828-1832: vor dem Vogt Meidinger:      
1 01. August 1828 5 fl. 30 Kr. Tausch zwischen Andreas Künstle und Samuel Wertheimer, Durbach
3 26. Februar 1829 5 fl. 24 Kr. Salomon Bodenheimer, Diersburg Josef Panter (siehe Nummer 23/1833)
5 13. April 1829 27 fl. Georg Kasper, Webermeister Leopold Wertheimer, Durbach
8 13. Mai 1830   Salomon Bodenheimer, Diersburg Josef Noll
9 13. Mai 1830 35 fl. Salomon Bodenheimer, Diersburg Anton Sauer
10 24. Juni 1830   Leopold Ernst Salomon Bodenheimer, Diersburg
12 23. September 1830 30 fl. Salomon Bodenheimer, Diersburg Josef Künstle
13 24. Oktober 1830 27 fl. Alois Meidinger Salomon Bodenheimer, Diersburg
14 15. Dezember 1830 57 fl. Salomon Bodenheimer Josef Benz
19 28. September 1832   Tausch zwischen Johann Geiler und Meier Bodenheimer, Diersburg
21 31. Juli 1832 6 Kronentaler Meier Weil, Diersburg Heinrich Ganter (siehe Nummer 29/1834)
22 31. Juli 1832    Salomon Bodenheimer, Diersburg Josef Benz (siehe Nummer 14/1830)
         
1833-1839: vor dem Bürgermeister Meidinger: 
23 28. August 1833 5 fl. 24 Kr. Tausch zwischen Josef II. Panter und Salomon Bodenheimer, Diersburg
24 04. November 1833   Benjamin Weil Handelsmann aus Diersburg hat 1 Jahreszins bei Anton Danner abgeholt
25 08. November 1833 12 Kronentaler Georg Henn Kalmann Kahn, Diersburg
28 10. Juni 1834 29 fl.  Emanuel Bodenheimer, Durbach Norbert Gumpp
29 05. August 1834 25 fl. Sohn des Sal. Bodenheimer, Diersburg Heinrich Ganter (siehe Nr. 21 / 1832)
32 24. Mai 1835 64 fl. Georg Henn (Nr. 25/1833) Benjamin Weil, Diersburg (siehe Nr. 24/1833)
35 18. Februar 1836   Michael Ritter Salomon Bodenheimer, Diersburg
36 15. März 1836 55 fl. Anselm Friedmann Josef Wertheimer, Durbach
37 04. Mai 1836 11 fl.  Sohn des Sal. Bodenheimer, Diersburg Johannes Lott
         
Niederschrift in Unternesselried, Handel mit Urloffen    
15 16. Dezember 1830 33 fl. Salomon Bodenheimer, Diersburg Lorenz Kiefer, aus Urloffen
16 04. Juli 1831 18 fl. 54 Kr. Josef Sauer, Nesselried Thomas Trautmann, aus Urloffen
              
38 09. Juni 1836    Tausch zwischen Kasimir Wittmaier, Glasermeister aus Zimmern und Maier, dem Sohn des Salomon Bodenheimer, Diersburg
39 09. März 1837 33 fl. Anton Henn, eine Stute Liebmann Hammel, Neufreistett
40 16. Mai 1839 50 fl. Josef Künstle, eine Kuh Salomon Bodenheimer, Diersburg
ab 1840-1845: vor dem Bürgermeister Künstle:    
41 22. Juli 1840    zwischen Leopold Ernst, Kauf einer Kuh mit Zinszahlung und Maier Bodenheimer, Diersburg 
42 27. August 1840   Tausch einer Kuh mit Zinszahlung zwischen Josef Noll und Maier Bodenheimer, Diersburg
43 23. Juni 1841 36 fl. 26 Kr. Maier Bodenheimer, Diersburg Viktor Dienert,     eine Kuh
44 17. November 1843 66 fl. Salomon Bodenheimer, Diersburg Georg Henn
45 23. November 1843 54 fl. Georg Henn Salomon Haberer, von Grüßheim
46 18. Januar 1844    Tausch einer Kuh mit Zinszahlung zwischen Georg Künstle und Salomon Bodenheimer, Diersburg
ab 1846 vor dem Bürgermeister Gumpp       
50 06. Juli 1847 28 fl. Heinrich Bodenheimer, Durbach Josef Ganter,    eine Milchkuh
51 03. Februar 1848 36 fl. Norbert Gumpp Zehl Wertheimer, Bodersweier
54 16. August 1848   Isaac Kahmann, Rheinbischofsheim Karl Ganter
55 01. August 1849   Karl Künstle Lazarus Krailsheimer 

   

2. Teil 2: Jahre 1858-1862

Im Vieh-Kaufprotokollbuch der Gemeinde Unternesselried – angefangen den 22. März 1858 – gibt es folgende Eintragungen: insgesamt wurden 94 Viehverkäufe (Milchkühe und Kälber) im Zeitraum ab März 1858 – 11. Januar 1862 getätigt. Aus Durbach treten Mitglieder der Familie Bodenheimer und Wertheimer als Viehjuden auf d.h. als Käufer (K) und Verkäufer (V). Heinrich Bodenheimer (1816-1872) und Josef Wertheimer (geb. 1813) waren Metzger im Reb-Ort Durbach. In der Aufstellung findet sich auch die Kaufsumme in Gulden (fl.). Die Herkunft der Personen ist im Kaufprotokollbuch jeweils vermerkt: in der nachstehenden Übersicht werden zunächst die Viehjuden aus Durbach genannt, danach die Viehjuden (auch Bodenheimers) aus Diersburg und (auch Wertheimers) aus Bodersweier!).

Nummer Datum Summe als Käufer
Viehjuden aus Durbach (25 Einträge):
6 21. Mai 1858 73 fl. Ferdinand Wertheimer
15b 27. Dezember 1858 60 fl. Joseph Wertheimer
20 08. März 1859 60 fl. Jakob Bodenheimer
21 dto. 68 fl. Jakob Bodenheimer
25 30. März 1859 5 fl. 2 kr. Leonhard Wertheimer
43a 06. Februar 1860 ohne Joseph Wertheimer
43b 08. Februar 1960 132 fl. Joseph Wertheimer
46 08. März 1860 77 fl. Leonhard Wertheimer 
47 dto. 132 fl. Leonhard Wertheimer
48 26. März 1860 31 fl. dto.
60 20. August 1860 30 fl. Joseph Wertheimer
62 06. September 1860 54 fl. Jakob Bodenheimer 
69K 12. November 1860 91 fl. Ferdinand Wertheimer
70V dt. 33 fl. Ferdinand Wertheimer
72V 07. Januar 1861 40 fl. dto.
76V 13. Februar 1861 24 fl. Jakob Bodenheimer
80a 01. März 1861 55 fl. Verkäufer Markus (Marx Wertheimer und Käufer Jakob Bodenheimer
80b 05. März 1861 22 fl. Jakob Bodenheimer
87V 12. August 1861 27 fl. 30 Kr. Heinrich Bodenheimer
88 23. August 1861 60 fl. Ferdinand Bodenheimer
89K 26. August 1861 33 fl. Heinrich Bodenheimer
90 29. August 1861 1 fl 30 Kr. Ferdinand Bodenheimer  
92 30. Juli 1861 66 fl. Leopold Wertheimer
93 04. November 1862 99 fl. Ferdinand Wertheimer
Viehjuden aus Kehl-Bodersweier (4 Einträge)
17 07. Februar 1859 44 fl. Isidor Wertheimer
68K 11. Oktober 1860 113 fl. Sal. Wertheimer
77K  15. Februar 1861 74 fl. Salomon Wertheimer
91 14. Oktober 1861 50 fl.  Herz Wertheimer 
Hinweis auf Unternesselried (1 Eintrag)
32 09. August 1857 66 fl. Benjamin Haberer "von hier" (Unternesselried)
Viehjuden aus Diersburg (3 Einträge) als Vater und Sohn; die beiden eröffneten 1862 in Offenburg eine Eisenhandlung
37 03. März 1859 68 fl. Wilhelm Bodenheimer
56 31. Mai 1860 48 fl. Maier Bodenheimer
59 14. August 1860 70 fl. Maier Bodenheimer
Ein Viehjude aus Rheinbischofsheim (1 Eintrag)
65 01. Oktober 1860 130 fl. Leopold Krailsheimer

   
   
   
Berichte zur Geschichte der jüdischen Gemeinde 
  
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer  
Ausschreibung der Stelle des Lehrers und Vorbeters (1836 / 1843 / 1846)     
       

Anzeige im "Großherzoglich Badischen Anzeige-Blatt für den See-Kreis" von 1836 S. 113 (Quelle: Stadtarchiv Donaueschingen):  "Erledigte Stelle. Bei der israelitischen Gemeinde Durbach ist die Lehrstelle für den Religionsunterricht der Jugend, mit welcher ein Gehalt von 40 Gulden nebst freier Wohnung sowie der Vorsängerdienst samt den davon abhängigen Gefällen verbunden ist, erledigt, und durch Übereinkunft mit der Gemeinde unter höherer Genehmigung zu besetzen. 
Die rezipierten israelitischen Schulkandidaten werden daher aufgefordert, unter Vorlage ihrer Rezeptionsurkunden und der Zeugnisse über ihren sittlichen und religiösen Lebenswandel binnen 6 Wochen sich bei der Bezirks-Synagoge Schmieheim zu melden. 
Auch wird bemerkt, dass im Falle weder Schulkandidaten noch Rabbinatskandidaten sich melden, andere inländische Subjekte nach erstandener Prüfung bei dem Bezirks-Rabbiner zur Bewerbung zugelassen werden. 
Schmieheim, den 18. Januar 1836. 
Großherzogliche Bezirks-Synagoge. J. Ginsburger."        
 
Anzeige im "Großherzoglich Badischen Anzeige-Blatt für den See-Kreis" vom 9. September 1843 (Quelle: Stadtarchiv Donaueschingen): "Schmieheim. [Dienstantrag.]. Bei der israelitischen Gemeinde Durbach ist die Lehrstelle für den Religionsunterricht der Jugend, mit welcher ein Gehalt von 50 fl., nebst freier Kost und Wohnung, sowie der Vorsängerdienst samt den davon abhängigen Gefällen verbunden ist, erledigt, und durch Übereinkunft mit der Gemeinde unter höherer Genehmigung zu besetzen. Die rezipierten israelitischen Schulkandidaten werden daher aufgefordert, unter Vorlage ihrer Rezeptionsurkunde und der Zeugnisse über ihren sittlichen und religiösen Lebenswandel, binnen 6 Wochen sich bei der Bezirkssynagoge Schmieheim zu melden.  
Auch wird bemerkt, dass im Falle sich weder Schul- noch Rabbinatskandidaten melden, andere inländische Subjekte, nach erstandener Prüfung bei dem Rabbiner, zur Bewerbung zugelassen werden. 
Schmieheim
, den 1. September 1843. Großherzogliche Bezirkssynagoge,"   
 
Anzeige im "Großherzoglich Badischen Anzeige-Blatt für den See-Kreis" vom 28. November 1846 (Quelle: Stadtarchiv Donaueschingen): "Vakante Schulstellen.
[Bekanntmachung.]. Bei der israelitischen Gemeinde Durbach ist die Lehrstelle für den Religionsunterricht der Jugend, mit welcher ein Gehalt von 70 fl., nebst freier Kost und Wohnung, sowie der Vorsängerdienst samt den davon abhängigen Gefällen verbunden ist, erledigt, und durch Übereinkunft mit der Gemeinde unter höherer Genehmigung zu besetzen. Die rezipierten israelitischen Schulkandidaten werden daher aufgefordert, unter Vorlage ihrer Rezeptionsurkunde und der Zeugnisse über ihren sittlichen und religiösen Lebenswandel, binnen 6 Wochen sich bei der Bezirkssynagoge Schmieheim zu melden.  
Auch wird bemerkt, dass im Falle sich weder Schul- noch Rabbinatskandidaten melden, andere inländische Subjekte, nach erstandener Prüfung bei dem Bezirksrabbiner zur Bewerbung zugelassen werden."  

  
  
Anzeigen jüdischer Personen und Gewerbebetriebe   
Anzeige von L. Wertheimer (1895)  

Durbach AZJ 16081895.jpg (39682 Byte)Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 16. August 1895: "Gesucht wir auf 15. August ein mit der Branntweinbranche vertrauter junger Mann, Israelit, für Comptoir und Lager von 
L. Wertheimer
, in Durbach, Baden. 
Gehaltsansprüche nebst Photographie sind erbeten."  

      
     
Aus dem jüdischen Gemeindeleben    
Artikel aus "D'r alt Offeburger', der 'Zeitschrift der Heimatkunde für die Offenburger in der Nähe und Ferne', Ausgaben vom 25. Oktober 1925 und vom 12. September 1926 Artikel: "Aus dem Durbacher Ghetto". 

Durbach PA 25101925a.jpg (177865 Byte)"Aus dem Durbacher Ghetto. Es wurde kürzlich daran erinnert, dass die Juden erst seit etwa 60 Jahren ein bürgerliches Heimatrecht zu Offenburg erhielten. Unsere Stadtverwaltung in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderst machte nicht von der Ermächtigung des badischen Organisationsedikts Gebrauch, das bei der Schaffung des Großherzogtums von Napoleons Gnaden die Beseitigung der Judenabsonderung, des Ghettolebens anstrebte. Erst der Geist der Demokratie, der nach der badischen Revolutionszeit seinen Einfluss in der Kinzigkreisstadt geltend machte, ging auch gegen diese mittelalterliche Rechtlosigkeit der Wanderjuden vor. 
In der Ortenau waren etliche Gemeinden seit Beginn des 19. Jahrhunderts den israelitischen Familien als Kolonien des Heimatrechts zugewiesen, wo die 'Schutz-Juden' einer verbürgten Sesshaftigkeit sich erfreuten. Es geschah dies zu Rust, Schmieheim, Diersburg, im Hanauerlande und in Durbach. aus diesem Rebland-Ghetto soll etwas Familiengeschichtliches festgestellt werden. Wir benützen dazu die seit 1815 eingeführten Aufzeichnungen im Standesbuch der Jüdischen Gemeinde Durbach, das im katholischen Pfarrhofe daselbst geführt wurde, bis 1872 die bürgerliche Beurkundung auf den Rathäusern geschah. Die Familien Bodenheimer und Wertheimer waren im Ghetto am besten vertreten; ihre Nachkommen sind heute in der Stadt Offenburg eingebürgert. Nicht mehr vertreten ist die jüdische Gens Neuburger, zu deren Durbacher Linie wir heute folgenden Stammbaum mitteilen. 
Das standesamtliche Register der jüdischen Gemeinde Durbacher Gebietes, das im katholischen Pfarrhofe ordnungsgemäß geführt wurde, verzeichnet an erster Stelle am 11. Juli 1818 unter den geborenen Juden ein uneheliches Kind Sara, das schon nach 17 Tagen seine irdische Laufbahn abschloss. Seine Mutter war die ledige Katharina Neuburger, Tochter des Durbacher Schutzjuden Josef Neuburger und der Heine Wertheimer. Die beiden Schutzjuden, der 58jährige H. Wertheimer und der 34jährige Bodenheimer waren Urkundspersonen. Der alte Neuburger Sepp ist 1832 nochmals Großvater einer illegitim geborenen Enkelin geworden, als am Neujahrstage christlicher Rechnung die ledige Tochter Johanna eine Regina gebar, die nach 4 Tagen starb. 
Aller guten Dinge sind drei: Am christliche Weihnachtstage 1833 gab Neuburgers ledige Tochter Sara einem Mädele das Leben, das den Namen Magdalena erhielt. Aus der Mitte des 18. Jahrhundert stammt dieser Josef Neuburger, der zu Durbach im Tale wohnte und wahrscheinlich aus Nordstetten bei Horb im Schwabenlande zu uns gekommen war. Derselbe war mit der Haja Wertheimer aus Durbach verheiratet und ist dort am 28. April 1839 auf dem Judengottesacker beerdigt worden, nahezu 80 Jahre alt. 
Aus dieser ehe entspross der Handelsmann Josef Neuburger. Er hielt am 10. November 1842 die Hochzeit im Adlerwirtshause zu Elgersweier mit einer Brauch aus Diersburg, der Karoline Kahn. Ihr Vater hieß Raphael Kahn; die Mutter Babette war eine geborene Hofmann aus Diersburg. Zur Verheiratung hatte das Oberamt Offenburg 'wegen extra parochiam (d.h. Aufenthalt außerhalb des Kirchensprengels) Dispens erteilt.' Das 
Durbach PA 25101925b.jpg (88896 Byte)Großherzogliche Bezirks-Rabbinat in Schmieheim (K. Roos) nahm im genannten Gasthause die Einsegnung vor; als Trauzeugen waren aus Diersburg mit der Braut herübergekommen der Vorsteher der Judengemeinde Lemle Bodenheimer und der Vorsänger Zadek Blum. Eine beglaubigte Abschrift der Heiratsurkunde wurde darauf vom katholischen Pfarrer Valentin Stemmler in Durbach seinem amtlich geführten israelitischen Standesregister einverleibt. 
Nach fünf Monaten - am 21. April 1843 - kehrte der Storch beim Josef und der Karoline zu Durbach im Tale ein und bescherte die Sophia Neuburger, die später eine Bürgerin in unserer Amtshauptstadt wurde. Im Sommer 1845 bekamen die Durbacher schutzbürgerlichen israelitischen Eheleute den Josef, im Februar 1850 den Raphael Neuburger. 
Einen Eintrag mit rückwirkender Kraft vollzog am 8. Mai 1851 der katholische Pfarrherr Stemmler im jüdischen Durbacher Geschlechterbuch: 'Nach erst heute gemachter Anzeige geboren: Regina Neuburger im Tale am 2. April 1847, die uneheliche Tochter des verstorbenen Josef Neuburger und der Henriette Wertheimer, Eheleute dahier, Sophia Neuburger im Tale, geboren am 10. Dezember 1850, die uneheliche Tochter des verstorbenen Josef Neuburger und der Henriette Wertheimer, Eheleute dahier.
Es gibt vielleicht einem Physiologen der Völkerkunde, etwa unserm Landsmann, Prof. Dr. A. Basler, eine Anregung, nach den Ursachen dieser illegitimen Geburten zu forschen. Solche kamen auch in anderen Familien des Ghetto's vor.  A.G."
Durbach PA 12091926a.jpg (198099 Byte)"Aus dem Durbacher Ghetto II. Die Israeliten hielten am Donnerstag Neujahrsfest, nach jüdischer Zeitrechnung lebt man heute anno 5687. Der 'Alte' benützte diesen Feiertag, um die Familienchronik der jüdischen Mitbürgerschaft weiter zu führen (vgl. die Nummern 1363, 1369, 1370). Aus der Kolonie der Durbacher Schutzjuden begegnet uns als erster Patriarch
Judenvorstand Israel Bodenheimer. Der Familienname Bodenheimer ist, seit die Kreishauptstadt an der Kinzig in den 60er-Jahren auch eine offene Burg für die Landeskinder mosaischen Glaubens wurde, hier ein allbekannter geworden. In dem berühmten Weinorte Durbach war vor über 110 Jahren der Vater Israel Bodenheimer der angesehene 'Barnes'. Der jüdische Gemeindevorsteher war gemäß der badischen Verordnung von 1811 (bzw. 1817) dienstlich dem katholischen Ortsgeistlichen unterstellt. Im zweiten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts saß im Durbacher Pfarrhof der gemütliche Johann Sebastian Reibelt. Dieser Geistliche führte das örtliche Standesregister auch für die Judengemeinde. Seine Hilfsarbeit war eine bescheidene. 
Im Jahre 1815 geschah nur eine israelitische Trauung. Im Lenzmonat verfertigte der katholische Priester die Urkunde verwandtschaftlicher Eheschließung im Bethause: 
'1815 den 10. Mai sind nach Angabe Israel Bodenheimers, Judenvorstandes dahier, nach dem 2. Aufgebote im jüdischen Bethaus geschehen und über den zweiten Verwandtschaftsgrad von weltlicher Obrigkeit dispensiert worden, nach jüdischem Gebrauch ehelich kopuliert worden: 
Emanuel Bodenheimer
, 32 Jahre alt, des Hirschel Bodenheimer und der Jakobäa Levi, hiesiger Schutzjuden ehelicher Sohn und 
Hanna Bodenheimer
, 22 Jahre alt, des Jakob Bodenheimer und der Bäßle Lazarus, Schutzjuden dahier, eheliche Tochter. 
Zeugen wurden angegeben Josef Neuburger und Samuel Wertheimer, Schutzjuden zu Durbach. 
Reibelt, katholischer Pfarrer dahier.' 
Auch ein Kindlein kam vor 111 Jahren zur Welt. Über die Vermehrung der Zahl Durbacher Ghettoschützlinge gab der christliche Priester Sebastian folgenden amtlichen Eintrag: 
'Nach Angabe des hiesigen Schutzjuden Samuel Bodenheimer ist den 19. November früh 3 Uhr geboren Sara uneheliche Tochter der Johanna Würtheimer, ehelichen Tochter des vorerstorbenen Levi Würtheimer, Schutzjuden im Hilsbach und der Magdalena Weil. 
Zeugen sind Samuel und Mayer Wertheimer, Brüder und Schutzjuden zu Durbach im Hilsbach.'
Erstmals im Frühling 1816 hatte die kleine Gemeinde unter dem Staufenberg zwei Sterbefälle zu beklagen. Der katholische Orts´pfarrer fertigte folgende Urkunde an: 
'Nach Angabe Israel Bodenheimers Juden-Vorstandes zu Durbach ist den 4. April früh 4 Uhr gestorben Bäßle Lazarus 64 Jahre alt, Ehefrau des hiesigen Schutzjuden Jakob Bodenheimer, und am 3ten Mittag 12 Uhr begraben. Todeszeugen Herr Stabschirurg Edel dahier, 62 Jahre alt und Hirschel Bodenheimer, 84 Jahre alt, Schutzjud dahier.'  
Durbach PA 12091926b.jpg (125679 Byte)Zwanzig Jahre nach dem Leid in der Jakob Bodenheimer'schen Familie trat auch im Hause des damals 40jährigen Gemeindevorstandes Bodenheimer ein Trauerfall ein: dem Vater Israel und seiner Lia wurde das dreijährige Mädele Clara entrissen. Elf Monate später verschied der Nestor der Ghettogemeinde, der 85jährige Schutzjuden Hirschel Bodenheimer, der Gatte der Jakobine Levi. Ihm folgte im Sommer 1817 die 68jährige Witfrau des Loeb Wertheimer, Magdalena geb. Weil. Von dem 1818 verstorbenen Sprössling Neuburger wurde in Nr. 1370 schon Mitteilung gemacht. 
Für Reibelt beurkundete 1816 ein 'Administrator Jos. Imbery'. Im Sommer 1817 ist die Geburtsurkunde der Bäßle Bodenheimer, des Gemeindevorsteherkindes, vom neuen Pfarrer Anstett unterschrieben. Aus ihr ist zu entnehmen, dass der 79jährige Großvater Jakob B. 'der zurückgelassene Witwer' der Bäßle Lazarus war. Neben ihm beurkundete noch der 36jährige Emanuel B., der Vater beider Knäblein Hermann und Lazarus, der Gatte der Johanna. 
Für diesmal noch aus dem Jahre 1819, dessen Judenbuch zwei Geburten, eine Trauung und keinen Todesfall verzeichnet, die Urkunde einer Beschneidung: 
1819, 10. November. Hirschel Bodenheimer. (Beschneidung von Jakob Lederer, in Diersburg aufgestellten Beschneider.) 
Sohn des Israel Bodenheimer und der Lia. 
Zeugen: Paul Kahn, Rebekka Dukashaas, desselben Ehefrau von Diersburg. 
Jakob Bodenheimer von hier 81 Jahre alt. 

Einen Monat zuvor ist der Lazarus Bodenheimer, Sohn des Emanuel und der Hanna beschnitten worden. 
Aus dieser Ghetto-Chronik ergibt sich die rasch gediehene Bodenständigkeit der Bodenheimer im Durbachtale, deren Stamm hier bis aufs Jahr 1738 zurückgeführt ist. G."

   
   
   
Zur Geschichte des Betsaales / der Synagoge       
   
Die Gemeinde hatte von 1807/10 bis 1900 einen Betsaal im Anbau eines auf dem heutigen Grundstück Grol Nr. 7 (Flurstück 137) stehenden Wohnhauses eingerichtet. Dieses Gebäude wurde im 18. Jahrhundert von einer nichtjüdischen Familie erbaut. Es wird erstmals 1799 in einem Kaufvertrag genannt, als das Grundstück aus der Schuldenmasse des Vorbesitzers an den Küfermeister Johannes Borho versteigert wurde. Am 27. August 1807 wurde ein Kaufvertrag zwischen dem Ehepaar Borho und dem jüdischen Einwohner Joseph Neuburger und seiner Ehefrau Hain geb. Wertheimer abgeschlossen. Vermutlich wurde in dieser Zeit von der Durbacher Judenschaft ein Betsaal in diesem Haus eingerichtet beziehungsweise angebaut. Unklar ist, warum mit Kaufvertrag vom 21. August 1810 das Grundstück wieder von Neuburger an die Eheleute Borho zurückveräußert wurde. Der Kaufpreis betrug insgesamt 678 Gulden 15 Kreutzer, wobei der Durbacher Judenschaft insgesamt 356 Gulden 28 Kreuzer aus dieser Kaufsumme zu bezahlen waren. Außerdem war damals noch ein Schutzgeld (vermutlich Gebühr für die Einrichtung der Synagoge) an die Herrschaft Staufenberg in Höhe von 17 Gulden 26 Kreutzer zu bezahlen. Der Grundstücksbeschreibung in diesem Vertrag ist zu entnehmen, dass eine "Synagoch" angebaut war. Am 2. Juni 1814 wurde die "einstöckige Behaußung samt der 2stöckigen Synagoch, Platz und Garten" von den Eheleuten Borho wiederum an Joseph Neuburger zurückveräußert. Der Kaufpreis betrug jetzt 833 Gulden 20 Kreutzer. Offensichtlich konnte Neuburger den Kaufpreis nicht voll erbringen, was zur Folge hatte, dass die Eheleute Borho das Anwesen mit Synagoge am 11. Februar 1815 wieder an sich zogen beziehungsweise an den Steinhauer Joseph Lauinger weiter veräußerten. In diesem Kaufvertrag wurde bemerkt, dass "so lange die Juden-Synagoch bei dieser Behausung" steht, "der vordere Kreuzstock am Gäbel nicht verbaut werden darf". Die Eheleute Lauinger verkauften die Synagoge am 27. Februar 1815 wieder an die Durbacher Judenschaft, welche von Israel Bodenheimer als dem Vorsteher der israelitischen Gemeinde vertreten wurde. Das zum damaligen Grundstück gehörende Wohngebäude wurde also nicht mitverkauft.     
      
Erst mit Datum vom 11. Januar 1900 liegt ein weiterer Grundstücksvertrag vor, nach dem der jüdische Handelsmann Josef Bergheimer in Offenburg namens und in Vertretung der Israelitischen Kultusgemeinde Offenburg zum 1. Januar 1900 2,92 ar Hofraite im Gewann Thal-Grol mit darauf stehendem einstöckigen Wohnhaus mit Balkenkeller und Stall, einschließlich bislang der Israelitischen Gemeinde gehörende oberen Stock mit dem Betsaal für 200 Mark an den Durbacher Sattler Franz Xaver Männle veräußerte. Letztmals wurde die Synagoge beziehungsweise der Betsaal in einem Kaufvertrag zwischen dem Männle und dem Durbacher Schuster Josef Hettig genannt, der das Anwesen am 11. Juli 1901 erwarb. Der Betsaal wurde damals (um 1900) schon einige Zeit nicht mehr benutzt, was nicht verwundert, da 1900 nur noch zehn jüdische Einwohner am Ort lebten.
      
Das Gebäude Grol Nr. 7 ist erhalten und wurde zuletzt 2003 renoviert und umgebaut.   
   
   
   
Fotos 
Historische Fotos: 

Historische Fotos sind nicht bekannt, für Hinweise oder Zusendungen sind wir sehr dankbar 
(E-Mail-Adresse auf Eingangsseite

   
Fotos nach 1945/Gegenwart:  

Durbach Synagoge 100.jpg (51631 Byte)
Gebäude Grol Nr. 7 vor dem Umbau 2003. In einem Anbau
 befand sich die ehemalige Synagoge der Gemeinde 
(Foto: Josef Werner, Durbach) 

   
   

Links und Literatur  

Links:

Website der Gemeinde Durbach 
Zur Seite über den jüdischen Friedhof in Durbach 
Arbeitskreis der Heimatforscher Offenburg  

Literatur:

Franz Hundsnurscher/Gerhard Taddey: Die jüdischen Gemeinden in Baden. 1968. S. 228.  
Nichtveröffentlichte Grundakten des Gemeindearchivs Durbach (ausgewertet von Ratschreiber Josef Werner, 1985).  
Die andere Adresse: Ortenau - mit Straßburger Teil / Berichte - Adressen - Selbstdarstellungen. Verlag ALIO Offenburg 1988. (Hier ein Kapitel über: "Das Novemberpogrom im Offenburger Raum").  
synagogenbuch-1.jpg (32869 Byte)Joachim Hahn / Jürgen Krüger: "Hier ist nichts anderes als Gottes Haus...". Synagogen in Baden-Württemberg. Band 1: Geschichte und Architektur. Band 2: Orte und Einrichtungen. Hg. von Rüdiger Schmidt, Badische Landesbibliothek, Karlsruhe und Meier Schwarz, Synagogue Memorial, Jerusalem. Stuttgart 2007.  

    
      

                   
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Stand: 29. Juli 2013