Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Dossenheim (Rhein-Neckar-Kreis) 
Zur jüdische Geschichte des Ortes 
   (erstellt unter Mitarbeit von Christian Burkhart, Dossenheim) 

Übersicht:  

bulletZur jüdischen Geschichte in Dossenheim  
bulletBerichte aus der jüdischen Geschichte   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer  
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Einzelpersonen    
bulletFotos / Darstellungen   
bulletErinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte  
bulletLinks und Literatur   

   

Zur jüdischen Geschichte in Dossenheim             
    
In Dossenheim bestand eine kleine jüdische Gemeinde im 19. Jahrhundert, deren Entstehung in das 18. Jahrhundert zurückgeht. Erstmals werden jüdische Bewohner 1712 genannt, 1727 waren 16 jüdische Personen am Ort. 

Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1925 14 jüdische Einwohner, 1832 21, 1836 24, 1839 25, 1864 22, 1871 27, 1875 20, 1880 29, 1885 höchste Zahl mit 30 Personen, 1890 9, 1895 5, 1900 5, 1905 4, 1910 4, 1925 5.  

An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde zumindest in den 1840er-Jahren einen eigenen Betraum Standort unbekannt, vermutlich in einem der jüdischen Häuser). Aus dieser Zeit liegen Ausschreibungen der Stelle eines Religionslehrers und Vorsängers der jüdischen Gemeinde in Dossenheim vor (siehe unten). Im weiteren Verlauf der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts besuchten die Dossenheimer Juden dann jedoch die Gottesdienste zumeist in Schriesheim. Die Toten der Gemeinde wurden im jüdischen Friedhof in Hemsbach oder auch in Schriesheim beigesetzt (in Schriesheim wurden die 1930/31 verstorbenen Bernhard Oppenheimer und seine Frau Auguste beigesetzt).  
 
Seit Ende des 19. Jahrhunderts gehörten die in Dossenheim lebenden jüdischen Familien zur Gemeinde in Schriesheim.  

Bis nach
1933 bestand in Dossenheim die Mehl-, Getreide- und Futtermittelhandlung Bernhard, später Sigmund Oppenheimer (Beethovenstraße 22/24; 1937 "arisiert", später Raiffeisen-Lagerhaus). 
 
1933 wurden noch sechs jüdische Einwohner in Dossenheim gezählt. Beim Novemberpogrom 1938 wurde das Haus der Familie Oppenheimer vollständig verwüstet, die Wohnungseinrichtung vom Balkon auf die Straße geworfen. 
Siehe Artikel von Christian Burkhart in der "Rhein-Neckar-Zeitung" vom 3. November 2005: "In der Kristallnacht folgen die Möbel der Oppenheimers vom Balkon auf die Straße..."  
Link zum Artikel (jpg-Datei).    
Das Ehepaar Klara und Siegmund Oppenheimer wurde von Heidelberg aus nach Gurs deportiert und ist später in Auschwitz ermordet worden, während ihrem Sohn die Auswanderung nach Amerika gelang. Siegmunds Schwester Rosa überlebte die Deportation und wanderte nach Palästina/Israel aus, wohin ihr Sohn schon 1938 gelangt war. Betty Meyer geb. Benjamin verw. Heseler (1893-1981, beigesetzt in Pforzheim) wurde noch im Februar 1945 nach Theresienstadt deportiert, kehrte aber nach Kriegsende zurück. 
Siehe Artikel von Christan Burkhart in der "Rhein-Neckar-Zeitung" vom 27. Januar 2016:  "Schickte sie der eigene Ehemann ins KZ? - Betty Meyer wurde noch im Februar als eine der letzten jüdischen Menschen nach Theresienstadt deportiert" (eingestellt als pdf-Datei; Link zum Artikel in der RNZ). Weiterer Artikel von Christian Burkhart in der "Rhein-Neckar-Zeitung" vom 6. April 2016: "Vor dem KZ noch in Gestapo-'Schutzhaft'. Betty Meyer wurde kurz vor Kriegsende ins KZ deportiert..."  (eingestellt als pdf-Datei).    
  
Von den in Dossenheim geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Berta Oppenheimer (1880), Emil Oppenheimer (1881), Leopold Oppenheimer (1881), Sally Oppenheimer (1886), Sigmund Oppenheimer (1875).    
   
   
   
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde               
   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer   
Ausschreibungen der Stelle des Religionslehrers und Vorsängers (1843 / 1844)  

Anzeige im "Großherzoglich Badischen Anzeige-Blatt für den See-Kreis" vom 14. Januar 1843 (Quelle: Stadtarchiv Donaueschingen): "Heidelberg. [Bekanntmachung.]. Bei der israelitischen Gemeinde zu Dossenheim, Oberamts Heidelberg, ist die Lehrstelle für den Religionsunterricht der Jugend, mit welcher ein Gehalt von 50 fl., nebst freier Kost und Wohnung, sowie der Vorsängerdienst samt den davon abhängigen Gefällen verbunden ist, erledigt, und durch Übereinkunft mit der Gemeinde unter höherer Genehmigung zu besetzen. Die rezipierten israelitischen Schulkandidaten werden daher aufgefordert, unter Vorlage ihrer Rezeptionsurkunde und der Zeugnisse über ihren sittlichen und religiösen Lebenswandel, binnen 6 Wochen sich anher zu melden. Auch wird bemerkt, dass im Falle sich weder Schul- noch Rabbinatskandidaten melden, andere inländische Subjekte, nach erstandener Prüfung bei dem Rabbiner, zur Bewerbung zugelassen werden. 
Heidelberg, den 29. Dezember 1842. Großherzogliche Bezirkssynagoge."   "    
 
Anzeige im "Großherzoglich Badischen Anzeige-Blatt für den See-Kreis" vom 23. März 1844 (Quelle: Stadtarchiv Donaueschingen): "Heidelberg. [Dienstantrag].  Bei der israelitischen Gemeinde Dossenheim ist die Lehrstelle für den Religionsunterricht der Jugend, mit welcher ein Gehalt von 50 fl., nebst freier Kost und Wohnung, sowie der Vorsängerdienst samt den davon abhängigen Gefällen verbunden ist, erledigt, und durch Übereinkunft mit der Gemeinde unter höherer Genehmigung zu besetzen. Die rezipierten israelitischen Schulkandidaten werden daher aufgefordert, unter Vorlage ihrer Rezeptionsurkunde und der Zeugnisse über ihren sittlichen und religiösen Lebenswandel, binnen 6 Wochen sich anher zu melden. Auch wird bemerkt, dass im Falle sich weder Schul- noch Rabbinatskandidaten melden, andere inländische Subjekte, nach erstandener Prüfung bei dem Rabbiner, zur Bewerbung zugelassen werden. 
Heidelberg, den 14. März 1844. Die großherzogliche Bezirkssynagoge."    

     
     
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Einzelpersonen    
Anzeige der Landesproduktenhandlung Oppenheimer (1928)    
(erhalten von Christian Burkhart)     

Dossenheim Anzeige Oppenheimer 1928.jpg (198638 Byte)Anzeige in der Festschrift "25 Jahre Freiwillige Sanitätskolonne Dossenheim" aus dem Jahr 1928: 
"S. Oppenheimer  
Telefon 2823, Amt Heidelberg   
LANDESPRODUKTE"     

   
Anzeige der Pension Rosel Oestreicher (1937)  

Dossenheim GblIsrGF Mai1937.jpg (39691 Byte)Anzeige im "Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt" vom Mai 1937: 
"Angenehmer Ferienaufenthalt (eventuell auch für dauernd mit voller Pension von Reichsmark 4.- an. 
Dossenheim an der Bergstraße nahe bei Heidelberg. 
Rosel Oestreicher."   

     
     
     
Fotos 
(Fotos: links: privat; rechts: Hahn)    

  Dossenheim Oppenheimer.jpg (408755 Byte)  Dossenheim Denkmal N01.jpg (107417 Byte)
In der Beethovenstraße 24 (Foto nach 1945) lebten Sigmund und Klara Oppenheimer. Das spätere Raiffeisen-Lagerhaus war nicht im
 Besitz der Familie Oppenheimer, vielmehr ist das Lagerhaus sowie die Spar- und Kreditbank das Ergebnis der "Arisierung" gewesen: 
1937 war Sigmund Oppenheimer gezwungen, sein Eigenturm an den Spar- und Darlehnskassenverein zu verkaufen. Danach ist  er
mit seiner Frau, nachdem sich beide am Ort nicht mehr sicher fühlten, nach Heidelberg verzogen.    
 Gedenkstein Dossenheim im zentralen Mahnmal in Neckarzimmern
ein identischer Gedenkstein wurde 2007 auf Initiative des Jugendgemeinderats
 neben dem Rathaus auf dem Friedhofsvorplatz aufgestellt   
   

    
    
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte 

November 2011: Gedenktafeln im Heimatmuseum   
Artikel von Doris Weber in der "Rhein-Neckar-Zeitung" vom 29. November 2011: "Erinnerung an die Verfolgung der Juden. Dossenheim. Im Heimatmuseum wurden auf Initiative des Jugendgemeinderats drei Gedenktafeln zur jüdischen Familie Oppenheimer installiert..."  
Link zum Artikel     
 
Januar 2016: Erinnerung an das Schicksal von Betty Meyer geb. Benjamin
Anmerkung: Betty Meyer geb. Benjamin ist am 12. Juni 1893 in Königsbach geboren und wohnte zuletzt in Dossenheim in der Bahnhofstraße 50. Sie war Überlebende des Ghettos Theresienstadt und kam 1945 nach Dossenheim zurück.      
Artikel von Christian Burkhart in der "Rhein-Neckar-Zeitung" vom 27. Januar 2016: "Schickte der eigene Ehemann eine Dossenheimerin ins KZ? Betty Meyer wurde noch im Februar 1945 als eine der letzten jüdischen Menschen nach Theresienstadt deportiert..."  
Link zum Artikel - auch eingestellt als pdf-Datei    
 
Januar 2018: Historischer Rundgang am "Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus" am 27. Januar 2018  
Dossenheim RNZ 29012018.jpg (201096 Byte)Der Freundeskreis der Gemeindebücherei Dossenheim e.V. lud am 27. Januar 2018 zu einem historischer Rundgang durch Dossenheim anlässlich des "Tages des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus" ein. Der Freundeskreis der Gemeindebücherei Dossenheim veranstaltete für geschichtsinteressierte Bürgerinnen und Bürger erstmals einen historischen Rundgang auf den Spuren der NS-Zeit. Anfangs- und Endpunkt der Führung durch den Ort war der unmittelbar östlich des Rathauses gelegene Friedhofsvorplatz, wo seit Herbst 2007 der auf Initiative des Dossenheimer Jugendgemeinderats errichtete Gedenkstein für mehrere aus ihrer Heimat vertriebene Mitglieder der jüdischen Familie Oppenheimer steht, von denen manche auch in dem Vernichtungslager Auschwitz ermordet wurden. Der Rundgang begann um 14 Uhr und dauerte rund 90 Minuten. Eingeladen waren alle Interessierte. 
Bericht von Doris Weber über den Rundgang in der "Rhein-Neckar-Zeitung" vom 29. Januar 2018 (links zum Anklicken)    
 
Januar 2018: Beitrag über die Familie Oppenheimer zum Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus (27. Januar 2018) in Dossenheim  
Artikel von Christian Burkhart in der "Rhein-Neckar-Zeitung" vom 27./28. Januar 2018: "Schikaniert, vertrieben, ermordet: Das grausame Schicksal der Familie Oppenheimer..."  
Link zum Artikel - auch eingestellt als pdf-Datei     
 
Juni 2018: Erinnerung an das Schicksal von Ilse Heseler
Anmerkung: Die Mutter von Ilse Heseler (1919 Pforzheim - 1982 USA) war die oben bereits genannte Betty Meyer geb. Benjamin (1893-1981; vgl. Artikel oben vom Januar 2016). 
Artikel von Christian Burkhart in der "Rhein-Neckar-Zeitung" vom 6. Juni 2018: "Die Nazis machten Ilse Heseler zum Flüchtling..." 
Zum Lesen bitte Bilddatei anklicken. 

    
  
   

   
Links und Literatur    

Links:  

bulletWebsite der Gemeinde Dossenheim   

Literatur:  

bulletFranz Hundsnurscher/Gerhard Taddey: Die jüdischen Gemeinden in Baden. 1968. S. 256.
bulletHeimatverein Dossenheim (Hg.): Dossenheim - Eine traditionsreiche Bergstraßengemeinde im Wandel ihrer Geschichte. 1984. S. 59. 
bulletR. Conzelmann: Dossenheim. Die Geschichte einer 1200jährigen Bergstraßengemeinde. 1966. S. 217. 255 Anm. 604a.  
bulletProjekt "Mahnmal" des Jugendgemeinderates Dossenheim - Eine Dokumentation. 2007 (eingestellt als pdf-Datei).      

    
    

                   
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Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 15. Oktober 2013