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zu den Synagogen in
Baden-Württemberg
Schriesheim (Rhein-Neckar-Kreis)
Jüdische Geschichte / Betsaal/Synagoge
Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english
version)
In dem bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts zur Kurpfalz gehörenden
Schriesheim lebten Juden bereits im Mittelalter. Bei der Judenverfolgung
in der Pestzeit 1348 wurden auch hier Juden ermordet. Nach 1421 ist wiederum die
Anwesenheit einzelner Juden in der Stadt bezeugt. Auch in der Folgezeit scheinen
immer wieder einzelne oder mehrere Juden in der Stadt gelebt zu haben.
Die Entstehung der neuzeitlichen Gemeinde geht in das 17.
Jahrhundert zurück. Nach dem Dreißigjährigen Krieg siedelten sich zwei jüdische
Familien in Schriesheim an, darunter ein Jude David, dessen Sohn Liebmann auf
Grund eines Bürgerentscheids 1696 in der Stadt bleiben konnte. 1743 waren fünf
jüdische Familien am Ort, 1770 sieben.
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge (s.u.), eine
Schule, ein rituelles Bad und ein Friedhof.
Schule, rituelles Bad und Lehrerwohnung befanden sich seit 1858 in dem damals
neu erbauten jüdischen Gemeindehaus (Talstraße 49). Zur Besorgung religiöser
Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und
Schochet tätig war (siehe Ausschreibungen der Stelle unten). 1827 wurde die Gemeinde dem
Rabbinatsbezirk Ladenburg zugeteilt.
Zur jüdischen Gemeinde in Schriesheim gehörten seit Ende des 19. Jahrhunderts
auch die im benachbarten Dossenheim
lebenden jüdischen Familien.
Die höchste Zahl jüdischer Bewohner wird
um 1864 mit 132 Personen erreicht, danach ging sie durch Aus- und Abwanderung
zurück (1900: 41, 1925 40 Personen). Die jüdischen Familien lebten vor allem
vom Handel mit Vieh, Landesprodukten und anderen Waren. Im 19. Jahrhundert bestanden jüdische Wirtschaften von Michel Oppenheimer und Hertz Hayum (Untere Schulgasse 3), Feidel Rosenfeld (Heidelberger
Straße 15) und Joseph Oppenheimer (Herrengasse 10/12).
An ehemaligen, bis nach 1933 bestehenden Handels- und Gewerbebetrieben
im Besitz jüdischer Familien / Personen sind bekannt: Viehhandlung Julius Fuld (Passein 1), Fellhandlung Hayum Marx und Fell- und Textilhandel Levi Schlösser (Oberstadt 12), Futtermittelgeschäft der Fam. Marx (Heidelberger
Straße 29), Viehhandlung Ferdinand Marx (Heidelberger Straße 5), Textilgeschäft Oppenheimer/Sussmann (Heidelberger
Straße 8, abgebrochen), Futtermittelgeschäft Oppenheimer/Weinberg (Schulgasse 3).
1933 lebten noch 41 jüdische Personen in Schriesheim. Auf Grund der Folgen des
wirtschaftlichen Boykotts, der zunehmenden Repressalien und der Entrechtung sind
in den folgenden Jahren alle von ihnen in andere Orte abgewandert
beziehungsweise ausgewandert. Zwei starben noch in Schriesheim, 34 konnten
emigrieren, davon 25 in die USA. Der Bäcker Alfons Schlösser und seine Eltern
wurden 1943 in Holland verhaftet und wurden über das KZ Westerbork nach
Auschwitz deportiert. Von den fünf innerhalb Deutschland verzogenen
Schriesheimer Juden starb einer 1937, ein anderer wanderte in die USA aus. Nach dem Wegzug von Julius und Mina Fulda nach Feudenheim
im September 1939 lebten keine jüdischen Personen mehr in Schriesheim.
Von den in Schriesheim geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Auguste Eppsteiner
(1870), Johanna (Hannchen) Götz geb. Blumenfeld (1860), Karoline Gudenberg geb.
Bloch (1892), Johanna Haas geb. Eppsteiner (1869), Frieda
Heidelberger geb. Victor (1871), Karola Jose (1876), Karl Heinz Klausmann geb.
Fulda (1922), Betty Marx geb. Blumenfeld (1867), Daniel Marx (1860), Lazarus
Marx (1873), Mathilde Menk geb. Oppenheimer (1861), Clara Oppenheimer geb. Marx (1886), David
Oppenheimer (1863), Ludwig Oppenheimer (1893), Dina Rijnveld geb. Oppenheimer
(1865), Mathilde Schatz geb. Oppenheimer (1879), Bertha Barbara Schels geb.
Eppsteiner (1882), Alfons Schlösser (1911), Jettchen Schlösser geb. Marx (1883), Levi
Schlösser (1876), Mathilde Strauss geb. Oppenheimer (1862).
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Aus der Geschichte der
jüdischen Lehrer
Ausschreibungen der Lehrer- und Vorsängerstelle 1887 / 1891 / 1892 / 1894
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. Juli 1887:
"Auskündigung einer Religionsschulstelle. Heidelberg, 5. Juli
1887. Die israelitische Religionsschulstelle in Schriesheim, mit welcher
der Vorsänger- und Schächterdienst verbunden ist, soll auf 1. August
laufenden Jahres neu besetzt werden. Über den festen Gehalt bleibt
Verständigung zwischen dem Synagogenrate und dem Bewerber vorbehalten.
Das Nebeneinkommen aus dem Schächterdienste beträgt circa 500 Mark. Mit
Zeugnisabschriften belegte Meldungen sind binnen 14 Tagen einzureichen bei
der Bezirks-Synagoge, Heidelberg." |
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Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 20. Mai 1891:
"Auskündigung einer Religionsschulestelle. Die israelitische
Religionsschul-, Vorsänger- und Schächterstelle Schriesheim bei
Ladenburg, mit welcher ein fester Gehalt von 600 Mark, freie Wohnung und
Gefälle im Betrage von etwa 250 Mark verbunden sind, ist alsbald neu u
besetzen. Berechtigte Bewerber, unter welchen Schulkandidaten den Vorzug
genießen, belieben ihre mit Zeugnisabschriften belegten Meldungen an den Synagogenrat
in Schriesheim zu richten." |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 6. Dezember 1892:
"Bekanntmachung! Die israelitische Religionsschul-, Vorsänger- und
Schächterstelle in Schriesheim bei Ladenburg, mit welcher ein fester
Gehalt von 600 Mark, freie Wohnung, Schulgeld und verschiedene Gefälle
verbunden sind, ist alsbald zu besetzen. Schulkandidaten belieben ihre
Meldungen mit Zeugnisabschriften, welche nicht zurückgegeben zu werden
brauchen, an den Synagogenrat in Schriesheim richten." |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 23. Juli 1894:
"Auskündigung einer Religionsschulstelle. Die israelitische
Religionsschul-, Vorsänger- und Schächterstelle in Schriesheim, mit
welcher ein Gehalt von 550 Mark, freie Wohnung und etwa 400 Mark Gefälle
verbunden sind, ist auf 1. September laufenden Jahres zu besetzen.
Schulkandidaten belieben ihre mit Zeugnisabschriften belegten Meldungen zu
richten an die
Bezirkssynagoge Heidelberg. Heidelberg, 18. Juli
1894." |
Aus dem jüdischen Gemeindeleben
Antisemitische Umtriebe (1890)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 25. September 1890: "Heidelberg,
10. September (1890). Die Antisemiten unter Führung des Abgeordneten
Liebermann beabsichtigten am letzten Sonntag auf der Burgruine
Strahlenburg bei Schriesheim eine Versammlung unter freiem Himmel
anzuhalten. Nicht allein, dass die projektierte Versammlung vom
Bezirksamte Mannheim verboten wurde, hat auch der Eigentümer der schönen
Ruine, Herr Graf von Oberndorff, wie der Neuen Badischen Landeszeitung
mitgeteilt wird, als er Kenntnis von der beabsichtigten Versammlung
erhielt, den Auftrag erteilt, das sich etwa einfindende Publikum
wegzuweisen." |
Einweihung einer Gedenktafel für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges 1922
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 18. Mai 1922:
"Schriesheim, 7. Mai (1922). Am 1. Pessachtag fand hier die
Einweihung der Gedenktafel für die im Weltkriege gefallenen drei Söhne
der hiesigen Gemeinde statt. Die Gedenktafel wurde von den Angehörigen
der Gefallenen gestiftet und umfasst die Namen: Leopold Oppenheimer,
Bernhard Marx und Abraham Fuld. Herr Lehrer Heller aus Leutershausen hielt
eine ergreifende Gedächtnisrede." |
Anzeigen
jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen
S. H. Herrmann bietet religiöse Schriften an
(1885/1886)
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 19. Oktober 1885:
"Eine aufgelöste Gemeinde lässt durch den Unterzeichneten drei noch
sehr gut erhaltene Torarollen, eine Megilla und zwei Soferot verkaufen.
H. Herrmann, Schriesheim bei Heidelberg. (Kleinere, ärmere Gemeinden
sollen besonders berücksichtigt werden". |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. April 1886: "Eine
neue Torarolle ist preiswürdig zu verkaufen. Näheres bei S. H. Herrmann
in Schriesheim bei Mannheim". |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 6. Juni 1887: "Eine
aufgelöste Gemeinde lässt durch den Unterzeichneten 3 sehr gut erhaltene
Torarollen, eine Megilla, 3 Soferot, sowie
verschiedene Proches (Toraschreinvorhänge) und Mäntelchen (für
die Torarolle) etc. verkaufen, wobei kleine Gemeinden besonders
berücksichtigt werden. H. Herrmann in Schriesheim (Baden)." |
Zur Geschichte des Betsaales / der Synagoge
Mittelalterliche Einrichtungen
sind nicht bekannt. Vermutlich kam es nicht zur Bildung einer Gemeinde.
Nachdem Ende des 17. Jahrhunderts Liebmann, Sohn des schon
einige Zeit am Ort aufgenommenen David in Schriesheim bleiben konnte, hat sich
dieser 1709 ein Anwesen an der "Gäulsbrücke" gekauft (Gebäude Talstrasse
19/21). Als es um 1770 bereits sieben jüdische Familien in der Stadt gab, dürfte
auch die Zehnzahl der zum Gottesdienst nötigen Männer erreicht worden sein. In
diesem Jahr wird auch ein eigener jüdischer Schulmeister am Ort genannt, sodass
ein Betsaal in einem der jüdischen Häuser vorausgesetzt werden kann. Dieser
ist vermutlich schon damals auch von den in Dossenheim lebenden Juden benutzt
worden.
1807 wurde ein Betsaal im Oberstock des fast 100
Jahre zuvor von dem genannten Liebmann erworbenen Hauses in der Talstrasse
eingerichtet. Die Nachkommen des Liebmann hatten inzwischen den Familiennamen
Marx angenommen. 1809 hatte Schriesheim 65 jüdische Einwohner. Nachdem ihre
Zahl um 1830 etwa 100 erreichte, plante man die Einrichtung einer neuen
Synagoge. Im Januar 1839 bat der Synagogenrat beim zuständigen Bezirksamt
Ladenburg um Genehmigung einer Kollekte bei anderen jüdischen Gemeinden. Im
Laufe der folgenden Monate erstellte man einen Bauplan und einen
Kostenvoranschlag für eine Synagoge. Da das Bezirksamt jedoch keinen Bescheid
schickte, kam die Angelegenheit zunächst nicht voran. Eine neue Situation ergab
sich, als das jüdische Ehepaar Simon Oppenheimer und seine Frau Regina geb.
Hayum im Sommer 1839 die leerstehende bisherige lutherische Kirche kauften. Sie
boten der jüdischen Gemeinde an, den östlichen Teil der Kirche zu kaufen und
zu einer Synagoge umzubauen. Der westliche Teil würde ihnen zur
Einrichtung eines Wohnhauses ausreichen. Die jüdische Gemeinde entschied sehr
schnell und kaufte am 24. September 1839 den etwa 9 Meter langen östlichen Teil
der Kirche bis einschließlich zum dritten Fenster, auf dessen Höhe die
Eingangstür eingerichtet werden soll. Der Kaufpreis betrug 725 Gulden. Im
Oktober 1839 erstellte Maurermeister Grabendörfer aus Ladenburg Plan und
Kostenvoranschlag für den Umbau der Kirche. Aus Geldmangel verzögerte sich der
Umbau noch einige Zeit. Eine Kollekte bei jüdischen Gemeinden im
Unterrheinkreis half, den Plan ausführen zu können. Im September 1842 konnten
endlich die Bauarbeiten beginnen. Bis Juni 1843 waren sie abgeschlossen. Die
Synagoge konnte eingeweiht werden.
In den folgenden Jahren (vor 1852) errichtete man an der
Stelle des inzwischen vollständig erworbenen Marx’schen Hauses an der Gäulsbrücke
ein jüdisches Gemeindehaus, in dem im Erdgeschoss das rituelle Bad, im
Obergeschoss ein Schulraum und die Lehrerwohnung eingerichtet wurden. Das Gebäude
wurde 1897 verkauft, da im Bereich der Synagoge das evangelische Pfarrhaus
erworben und dort das jüdische Gemeindehaus mit einem Raum für den
Religionsunterricht sowie eine Lehrer- und Vorsängerwohnung eingerichtet werden
konnte.
Zu einem Streit um Zustände in der Synagoge kam es
innerhalb der Gemeinde 1852. Ein Teil der Gemeindeglieder, angeführt von Isak
Weinberger war mit dem Vorsteher Joseph
Oppenheimer unzufrieden. In einem Brief an das Bezirksamt monierte Weinberger
unter anderem, dass der Vorstand die Fenster und Leuchter der Synagoge nicht
ausreichend reinigen würde. Die Fenster seien mit Spinngewebe überwachsen, die
Leuchter würden von Staub und Rost angefressen. Der Vorhof zur Synagoge liege
voller Holz und Gestrüpp, sodass man kaum zur Synagoge käme und anderes mehr.
Oppenheimer musste vor dem Bezirksamt erscheinen, konnte aber durch seine Sicht
der Dinge die Vorwürfe großenteils entkräften.
In den folgenden Jahrzehnten waren immer wieder
Reparaturen
in der Synagoge notwendig, erstmals 1871. Sie wurden von Maurermeister Ertmann
ausgeführt. 1889 waren die tragende Balken vom Wurmfraß so zerstört, dass die
Synagoge von Januar bis April 1884 wegen Einsturzgefahr geschlossen werden
musste. Dann waren neue Balken eingezogen. Ein für den ganzen Ort ganz
besonderes Ereignis war die feierliche Einweihung einer neuen Torarolle am
17. November 1866, die die Frauen der Gemeinde 1866 gestiftet hatten. Über
das Fest ein Einbringung der neuen Torarolle liegt ein Bericht vor:
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. Dezember 1866:
"Schriesheim (Baden), 17. November (1866). Heute beging die hiesige
israelitische Gemeinde ein sehr schönes Fest; dasselbe galt der
Einweihung einer neuen Tora, welche von dem vortrefflichen Toraschreiber
zu Baiertal G. Levi Sohn in allen
Teilen korrekt ausgeführt worden war. Um 10 Uhr bewegte sich der Zug
langsam und feierlich vom israelitischen Schulhause unter Vorspielung der
Musik des städtischen Orchesters zu Heidelberg,
Friedrich Häßner und H. Kröber, durch die reich beflaggten und
bekränzten Straßen zur Synagoge. Die Tora, vor welcher die
Festjungfrauen einhergingen, wurde unter einem Baldachine getragen,
eingehüllt in einer herrliche, mit einer goldenen Krone verzierten roten
Samtmappe (sc. Toramantel), welche in golddurchwirkten Buchstaben in hebräischer
Sprache die Widmung enthielt, nämlich eine Stiftung der israelitischen
Frauen Schriesheims und der Filiale Dossenheim. Bei der Einweihung der
Tora war der hebräische Choral ergreifend und der deutsche erbauend. Die
Gesänge wurden eingeübt und geleitet von dem hiesigen israelitischen
Lehrer S. Reichenberger, welcher schon 18 Jahre die hiesige
Religionslehrerstelle besorgt. Derselbe legte, unter Mitwirkung seines
Sohnes A. Reichenberger, Lehrer zu Jöhlingen,
der als Vorsänger Vortreffliches leistete, im Allgemeinen eine außerordentliche
Fertigkeit in seinem Amte an den Tag. - Nach der Einweihung der Tora und
dem Gebet für den Landesfürsten, bestieg der hochwürdige
Bezirksrabbiner L. Ettlinger die Kanzel und setzte in einem längere,
wohldurchdachten Vortrag die Bedeutung des Festes auseinander. Die
Synagoge war ganz überfüllt mit Teilnehmern von Nah und Fern, auch die
beiden christlichen Konfessionen waren zahlreich vertreten. Der Redner,
welcher die Worte des Psalmisten zum Vorspruch genommen hat: 'Das ist der
Tag, den der Herr gemacht hat; lasset uns frohlocken und fröhlich sein
ihm' Psalm 98,24, - entwickelte den Gedanken, dass nur allein die Religion
und das Festhalten an den Geboten Gottes eine wahre Freude, nämlich die
Seelenfreude zu verschaffen im Stande seien; Reichtum, Ehre und Genuss
könnten den Menschen nicht glücklich machen, sondern der Glaube an die
heilige Tora und die Befolgung derselbe, welche Gott dem israelitischen
Volkes schon vor mehr als 3.000 Jahren durch Moses auf Sinai gegeben
hätte; und dass die Tora wirklich Gottes Wort sei, beweise der Umstand,
dass trotz aller Stürme dieselbe bis auf den heutigen Tag noch unverletzt
in der Ursprache besteht; Gottes Wort bleibt ewig. Auch berührte der
Redner den religiösen Fanatismus, welcher nur eine Folge der Unwissenheit
sei; würden die Menschen eine Religion, die sie hassen und verfolgen,
genau kennen, so würden sie dieselbe sicherlich achten und ehren. Zum
Schlusse dankte der Redner der israelitischen Gemeinde Schriesheim für
das große Opfer, welches dieselbe in allen ihren Mitgliedern für das
heutige Fest gebracht habe; es ist auch wirklich der Eifer und Opfersinn,
womit diese verhältnismäßig kleine israelitische Gemeinde dieses Fest
verherrlichte, rühmend anzuerkennen; besonders muss hervorgehoben werden
der Name des hiesigen Israeliten Marx Oppenheimer I., welcher die leitende
Seele des Festes war. - Der hochwürdige Rabbiner dankte auch den
christlichen Konfessionsangehörigen für die freudige Teilnahme an dem
Feste und für ihre Mühen zur Verherrlichung desselben. Besonders war es
sehr erfreulich, dass auch die beiden christlichen Konfessionspfarrer und
Lehrer an dem Feste Anteil nahmen, was ein schönes Zeichen der Religionstoleranz
unserer Zeit ist. Erst nach 12 Uhr war die Feier zu Ende." |
Beim Novemberpogrom 1938 wurde die
Schriesheimer Synagoge demoliert. Bücher, Akten, Teppiche und andere Gegenstände
wurden von Hitlerjungen mit Handwagen zum Rathausplatz gebracht und dort
verbrannt. Das Gebäude selbst blieb jedoch erhalten. Die Schändung musste
Seligmann Fuld, das damals einzige noch in Schriesheim lebende jüdische
Gemeindeglied miterleben. Wenig später konnte er in die Vereinigten Staaten
emigrieren.
1954 wurde das Gebäude völlig umgebaut und wurde
bis in die 1960er-Jahre als neuapostolische Kirche verwendet, bis diese eine
eigene Kirche erbaute. Die baulichen Reste der ehemaligen lutherischen
Kirche/Synagoge sind inzwischen zu einem Wohnhaus umgebaut. Eine Gedenktafel
wurde am 9. November 1988 angebracht mit dem Text: "Zur Erinnerung an unsere jüdischen
Mitbürger, die unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft gelitten
haben. Ihr Leid soll uns Mahnung und Verpflichtung sein."
Fotos
Historische Fotos:
(Quelle: Schriesheimer Jahrbuch 2002; Foto übersandt von J.
Maier, Schriesheim)
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Links:
Lore
Sussmann (geb. 1929; verh. Lora Tobias) vor dem Eingang zur Synagoge, um
1937. Lore Sussmann konnte 1938 mit ihren Eltern (Selma und Ludwig
Sussmann) und ihrem Großvater Simon Oppenheimer auswandern |
Fotos nach 1945/Gegenwart:
Fotos/Plan um 1985:
(Fotos: Hahn; Plan: Stadt Schriesheim) |
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| Erinnerung an die Zeit, als hier eine Kirche stand: Straßenschild
"Lutherische Kirchgasse" |
Das Gebäude der ehemalige lutherischen Kirche / Synagoge - umgebaut zu
einem Wohnhaus |
Plan der Stadtkernsanierung
Schriesheim von 1983 mit Einzeichnung der Gebäude der ehemaligen
Israelitischen Gemeinde in der Lutherischen Kirchgasse 12 (rot) |
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Fotos 2003:
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 30.7.2003) |
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Die Scheune ist abgebrochen, die ehemalige Kirche überwachsen. Links das
ehemalige Pfarrhaus / jüdische Gemeindehaus |
Die 1988 an der Eingangsmauer zum Hof der Kirche / Synagoge angebrachte
Gedenktafel
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| Das Kurpfalz-Gymnasium
Schriesheim beteiligte sich am Mahnmal-Projekt, das vom Forum
christlicher Gedenkarbeit „Erinnern und begegnen“ 2002 ausgeschrieben
worden ist (www.mahnmal-projekt.de).
Der Grundkurs Bildende Kunst 13 arbeitete unter der Leitung von Heide
Lautenschläger und unter Mitarbeit von Hildegard Maier-Ehrke. Rechts das
Ergebnis der Arbeit (Foto: H. Lautenschläger): |
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Presseartikel zur Einweihung der
Gedenktafel für die deportierten Juden aus Schriesheim im jüdischen
Friedhof der Gemeinde
(24. Oktober 2005) |
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Artikel aus: Mannheimer Morgen
vom 25.10.2005 |
Artikel aus:
Rhein-Neckar-Zeitung vom 25.10.2005 |
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| Gedenken im historischen
Rathaus und an der Kriegsopfergedenkstätte |
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Vitrine im Historischen
Rathaus von Schriesheim mit Erinnerung an die jüdische Geschichte der
Gemeinde (u.a. mit Tallit, Siddur und den Tefilin von Herbert Marx aus
Schriesheim) |
Gedenktafel an der
Kriegsopfergedenkstätte mit den Namen der in der NS-Zeit ermordeten
Personen aus Schriesheim (Einweihung am Volkstrauertag 2006) |
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte
Führung auf den Spuren der jüdischen
Geschichte im November 2008
Foto
links (Foto: Kreuzer): Prof. Joachim Maier und Monika Stärker-Weineck
führten durch das 'jüdische Schriesheim'
Artikel von Karin Katzenberger-Ruf in der "Rhein-Neckar-Zeitung"
vom 15. November 2008: "Es gab auch Zeichen der Solidarität
Schriesheim. Ob sich Schriesheim an der Aktion "Stolpersteine" beteiligen wird, ist immer noch ungewiss. Doch Monika Stärker-Weineck und Prof. Joachim Maier halten die Erinnerung an die ehemaligen Mitbürger jüdischen Glaubens wach, die bis 1939 aus Schriesheim flohen. Die letzten Juden, die die Stadt verließen, waren Nina und Julius Fuld, zuletzt wohnhaft in der Passein 3. Von dort zog das Ehepaar nach Feudenheim, wurde dann ein Jahr später doch in das südfranzösische Gurs deportiert, aber von der seit langem in Argentinien lebenden Tochter freigekauft. Dass so etwas möglich war, erfuhr eine große Besuchergruppe bei der Führung der Volkshochschule durch das "jüdische Schriesheim", die Maier und Stärker-Weineck leiteten. Es ging darum, jüdisches Leben in Schriesheim zu erkunden. Erste Station: die Vitrine im Obergeschoss des Alten Rathauses, wo einige Gegenstände zum Thema ausgestellt sind. So etwa ein "Siddur" (Gebetsbuch) oder ein "Talit" (Gebetsschal) aber auch ein Gebetbuch. Und da wären noch die Gebetsriemen und die Samttasche von Herbert Marx, die der inzwischen 89-Jährige der Stadt als Ausstellungsstücke überließ. Das Fragment einer Grabtafel stammt aus dem Anwesen Oberstadt 12. Dort lebten einst Levi und Jette Schröder und betrieben einen Textil- sowie Kurzwarenhandel. Schon 1933 verließ das Paar Schriesheim, zog nach Holland und damit in das Heimatland des Ehemannes. Vergebens. Nach dem Einmarsch der Deutschen folgte die Verschleppung in ein polnisches Deportationslager, wo beide starben. In der Schulgasse 3 wohnte Zacharias Oppenheimer mit seiner Familie, war Mehl- und Futtermittelhändler. Über die Hauptstraße gelangte die Gruppe in eine Scheune im Anwesen des Backhauses Höfer. Als Juden nicht mehr in den Geschäften kaufen und in diesem Fall keinen Brotteig in die Bäckerei bringen durften, wurde ein Fenster zur "Durchreiche", damit die Nachbarn nicht hungern mussten. Dass jüdische Familien in Schriesheim durchaus wohlhabend waren, wurde bei der Führung immer wieder deutlich. Maier stellte aber klar, dass jüdische Familien bei ihrer Ausreise keineswegs "Vermögen" mitnehmen durften. Zacharias Oppenheimer soll das erste Auto am Ort besessen haben. Der Viehhandel "Marx und Fuld" in der Heidelberger Straße 5 machte seine Inhaber ebenfalls reich. Mit einem Getreidegroßhandel verdienten Heinrich und Henriette Marx in der Heidelberger Straße 29 ihr Geld. Sie wanderten 1938 in die USA aus, lebten zuvor ein Jahr in Heidelberg. Mit einer Textilmanufaktur, die auch Aussteuer aller Art herstellte, hatte Simon Oppenheimer in der Heidelberger Straße 8 geschäftlichen Erfolg und war ihm Gegenzug gemeinnützig tätig. Beim Rundgang geht es auch durch ganz enge Gassen wie das "Mainzer Land." Dort wuchs Karl Heinz Klausmann als Adoptivkind auf. Seine jüdische Herkunft wurde ihm in Frankreich zum Verhängnis. Wiederholt wurde in der Führung offenbar, dass es Zeichen der Solidarität gab. So sicherten Nachbarn die Versorgung von Fanny Blumenfeld, nachdem diese ihr eigenes Lebensmittelgeschäft in der Heidelberger Straße nicht mehr betreten durfte. Lange waren jüdische Mitbürger in das Gemeinde- und Vereinsleben integriert, und Josef Marx (zuletzt in der Friedrichstraße 18) war vom damaligen evangelischen Pfarrer als Schach-Partner geschätzt."
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Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Franz Hundsnurscher/Gerhard Taddey: Die jüdischen Gemeinden in Baden.
1968. S. 255-256. |
 | Germania Judaica III,2 S. 1331. |
 | Hermann Brunn: 1200 Jahre Schriesheim. 1979². |
 | Hans Huth: Die Kunstdenkmäler des Landkreises Mannheim, in: Die
Kunstdenkmäler Badens X,3 (1967) S. 335.344. |
 | Joachim Maier: Wie Siddur, Talit und Tefillin nach
Schriesheim zurückkehrten, in: Schriesheimer Jahrbuch 2006 S.
34-49. |
 | Joachim Maier / Monika Stärker-Weineck: Spuren
jüdischen Lebens. Dokumentation der Ausstellung aus Anlass des Besuchs der
jüdischen Schriesheimer. In: Schriesheimer Jahrbuch 7 2003 S.
32-95.
Nachstehend Presseartikel zur Eröffnung dieser Ausstellung aus der
"Rhein-Neckar-Zeitung" vom 8. Mai 2003:
"Ich fühle mich jetzt als Schriesheimerin"
- Die Stadt schloss gestern intensiv Freundschaft mit ihren heimgekehrten Juden - Bewegende Ausstellungseröffnung
Schriesheim. (ron) "Darf ich kurz etwas sagen?", so meldete sich Lore Tobias gestern kurz nach der
Ausstellungseröffnung "Jüdische Spuren in Schriesheim" zu Wort. Erwartungsvoll hingen die Augen der Schüler an den Lippen der alten Dame. Jener Schüler, die sich liebevoll, mutig und engagiert in die Vorbereitung der Ausstellung eingebracht haben. Die Gedichte verfasst und Bilder gemalt haben als Gastgeschenke. Dann begann Lore Tobias langsam zu sprechen. "Meine Mutter Selma Sußmann", erzählte sie, "sprach oft davon, dass sie sich nicht als Jüdin und nicht als Christin fühlt, sondern einfach als Schriesheimerin." Und die 74-jährige als Kind aus der Stadt Vertriebene fügte hinzu: "Ich habe das lange nicht verstanden, aber jetzt verstehe ich es."
Ergriffen schauten die Schüler zu Boden, als sie diese Worte der Rührung vernahmen. Sie spürten, dass sie Lore Tobias, geb. Sußmann, gerade das Herz geöffnet hatten. Rochelle Tobias ergänzte für die ergriffene Mutter: "Wir sind sehr gerührt, wie sich hier alle mit unserer Geschichte beschäftigt haben, wir haben das so nicht erwarten können, es ist schön, in diesem Moment hier zu sein." Der zweite Tag der einst aus der Stadt vertriebenen Juden war gestern der Tag der bewegenden Annäherung der Besucher mit ihrer alten Heimat - und gleichzeitig der gefühlsstarken Annäherung von Zeitzeugen und Nachgeborenen an die Geschichte ihrer Stadt. Es war der Tag, an dem Lore Tobias, Erwin Maier und Martin Wimpfheimer von den Schriesheimern ins Herz geschlossen worden sind - und die Sympathie war auf beiden Seiten enorm groß. Und es war nicht zuletzt der Tag großer Momente von Symbolik.
Vor allem die Schüler trugen sehr schnell dazu bei, die "schlimmen Erinnerungen der Vergangenheit durch positive Erfahrungen zu ersetzen". So hatte sich Lore Tobias am Vortag beim offiziellen Empfang ausgedrückt. Vor dem Historischen Rathaus, wo wegen des Andrangs von Menschen fast die Heidelberger Straße verstopften, begrüßten die Grundschüler die Besucher mit fröhlichen Liedern. Drinnen in der Ausstellung verwiesen Realschüler und Gymnasiasten auf ihren Beitrag. "Wir haben von einem unbeschreiblichen Grauen erfahren", berichtete Katharina Kunkel aus der zehnten Klasse des Gymnasiums von den Vorbereitungen im Geschichtsunterricht, "und ich spreche für die ganze Klasse, wenn ich sage, dass wir dankbar dafür sind, dass Sie heute da sind." In einer Realschulklasse hat auch ein Mädchen aus Sri Lanka und ein Junge aus dem Iran ein Gedicht zum Thema Heimat verfasst. "Deutschland ist wegen seiner Vergangenheit besonders dazu verpflichtet, politische Flüchtlinge aufzunehmen", bekräftigte eine Mitschülerin. Theologie-Professor Dr. Joachim Maier hatte zuvor die Ausstellung mit einem symbolischen Akt eröffnet: Lore Tobias ergreift die Hand der Witwe Adele Metzger. Ihr Mann Wilhelm fand nach der Pogromnacht am 9. November 1938 die letzten Schnipsel der jüdischen Gebetsbücher, die von den Nazis in Brand gesetzt worden waren. Die Papierfetzen sind in der Ausstellung zu sehen.
Maier hatte zuvor an das Erinnern im jüdischen Sinne appelliert - also Geschichte zu verinnerlichen, als sei man selbst dabei gewesen. "Wer dem Vergangenen inne wird, dem ist sie allgegenwärtig", beschrieb der Theologe, der viel über die Geschichte der Schriesheimer Juden herausgefunden hat. Somit sei der Riss, den die Nazi-Herrschaft in Schriesheims Geschichte geschlagen hat, auch ein "Riss, der durch unsere Herzen geht". Zuvor waren die jüdischen Besucher auf den Spuren ihrer Geschichte durch die alte Heimatstadt gewandert. Bewegende Momente und erschütternde Begegnungen ergaben sich dabei an den Gräbern des jüdischen Friedhofs.
Aber auch nebenan auf dem christlichen, wo Erwin Maiers Vater begraben liegt, der wegen seiner jüdischen Frau vertrieben wurde. Im Alter kam er nach Schriesheim zurück. Immer wieder kamen Menschen auf die Besucher zu, suchten das Gespräch und begannen Geschichten aus der gemeinsamen Kindheit zu erzählen. |
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Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the
Holocaust".
First published in 2001 by NEW
YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad
Vashem Jerusalem, Israel.
Schriesheim Baden. Most of the 14th century community was
massacred in the Black Death persecutions of 1348-49 and the survivors were
expelled. Jews were again present in the 15th century and following the Thirty
Years War (1618-48) the Marx and Oppenheimer families constituted the backbone
of the community for the next 300 years. The community reached a peak population
of 132 in 1865 and opened a cemetery in 1874. In 1933, 38 Jews remained. Most
left by 1938, with 26 emigrating. Of the nine moving to other German cities,
seven were deported to the Gurs concentration camp on 22 October 1940 and five
perished.

vorherige Synagoge zur ersten Synagoge nächste Synagoge
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