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zu den Synagogen in
Baden-Württemberg
Lörrach (Kreisstadt)
Jüdische Geschichte / Betsaal/Synagoge bis 1940
Übersicht:
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zur neuen jüdischen Gemeinde
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde
(english
version)
In dem bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts zur
Markgrafschaft Baden-Durlach gehörenden Lörrach bestand eine jüdische
Gemeinde bis 1938. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 17./18. Jahrhunderts zurück.
Erstmals werden um 1660/70 Juden genannt, danach wieder seit 1716 und nach 1736.
1738 waren es drei, 1778 acht jüdische Familien.
Im 19. Jahrhundert nahm ihre
Zahl stark zu bis zur Höchstzahl von 248 Personen im Jahr 1875. Um 1900 waren
noch 204 jüdische Einwohner in der Stadt. Ursprünglich waren die Lörracher Juden
vorwiegend mit dem Viehhandel beschäftigt. Seit 1802 durften sie offene Läden
führen.
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge (s.u.) sowie
seit 1818/19 ein Gemeindehaus,
das in den folgenden Jahrzehnten abwechselnd Herberge, Spital, Schulhaus und
Lehrerwohnung war. Das Gebäude ist erhalten (Teichstraße 15). Ein rituelles Bad
bestand schon seit dem 17. Jahrhundert. 1958 wurde ein aus dieser Zeit
stammendes Bad in einem Kellergewölbe in der Turmstraße wiederentdeckt (ehemaliges
Haus Schwald, 1958 abgebrochen, Keller mit Sandsteintrog des Bads blieb
erhalten, heute Lager des darüber befindlichen Schuhgeschäfts). Im 18./19. Jahrhundert
befand sich das rituelle Bad am Gewerbekanal im Gebiet der heutigen Tuchfabrik
(nicht mehr erhalten). Gleichfalls hatte die Gemeinde seit dem 17. Jahrhundert
einen Friedhof (zunächst alter, dann neuer
Friedhof). Seit 1827 gehörte die
Gemeinde zum Rabbinatsbezirk Sulzburg (1887
Sitz des Rabbinates nach Freiburg verlegt).
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde: Markus Beck (geb.
17.6.1887 in Lörrach, gef. 13.11.1917), Arthur Bigar (geb. 4.8.1893 in
Lörrach, gef. 24.10.1917), Julius Bloch (geb. 17.1.1894 in Lörrach, gef.
5.9.1916), Vizefeldwebel Albert Rieser (geb. 21.10.1894 in Bühl, gef.
22.9.1918), Gefreiter Heinrich Weil (geb. 6.12.1893 in Lörrach, gef.
16.8.1917). Außerdem ist gefallen: Vizefeldwebel Isaak Bloch (geb.
2.9.1884 in Lörrach, vor 1914 in Freiburg wohnhaft, gef.
7.10.1914).
Bis in die 1930er-Jahre gehörten jüdischen Familien zahlreiche Geschäfte
und Unternehmen, darunter ein Warenhaus, eine Möbelhandlung, Textilhandlungen,
Eisenhandlungen, Wein- und Lebensmittelgroßhandlungen. Auch mehrere Handwerker
und Akademiker (Arzt, Zahnärztin) waren unter den jüdischen Einwohnern. Am
politischen und kulturellen Leben der Stadt nahmen jüdischen Bürger regen
Anteil.
An ehemaligen, bis nach 1933 bestehenden Handels-, Dienstleistungs- und
Gewerbebetrieben sind bekannt (Auswahl): Praktischer Arzt Dr. Dagobert Abel
(Haus Hebeleck), Metzgerei B. Beck (Teichstraße 9), Schuhgeschäft Alfred
Bodenheimer (Basler Straße 173/Teichstraße 1), Kleidergeschäft Abraham Erreich
(Turmstraße 35), Lederhandlung Guggenheimer (Grabenstraße 11), Zahnärztin Dr. Amalie Joseph
(Schützenstraße),
Eisenhandlung Simon Joseph (Schwarzwaldstraße 31), Weingroßhandlung und Brennerei
Ludwig Kahn (Bergstraße 36, abgebrochen), Warenhaus Geschwister Knopf (Basler Straße
152), Lebensmittelgroßhandlung Silas Mayer Söhne (Schwarzwaldstraße), Prakt.
Arzt Dr. Samuel Moos (Haagener Straße 6), Strumpf-Wühlbazar Nowytarger (Tumringer
Straße 16), Möbelhandlung E. Pistiner Nachf., Inh. W. Schärf (Am Bahnhof), Möbelhandlung
Gebr. Roll (Grabenstraße 4), Eisenhandlung Rosenthal & Jacobi (Luisenstraße 31,
abgebrochen), Exporthandlung mit Armaturen David Schwab (Spitalstraße 54),
Buchdruckerei Hermann Selinger (Teichstraße), Textilhandlung August Weil (Tumringer
Straße 190), Ausverkaufsbazar Wolff (Tumringer Straße 26).
Um 1924, als 151 Gemeindeglieder gezählt wurden (0,9 % von insgesamt
16.011 Einwohnern), waren die Vorsteher der Gemeinde Simon Joseph, Isak Beck und
Bernhard Löb. Als Lehrer und Kantor war Siegfried Simon tätig. Damals
erhielten 26 jüdische Kinder der Gemeinde Religionsunterricht an den
öffentlichen Schulen der Stadt. An jüdischen Vereinen gab es u.a. den Israelitischen
Männerverein (gegründet 1850, 1924 26 Mitglieder unter Leitung von Jakob
Moses, 1932 Leitung Hugo Hirsch; Zweck und Arbeitsgebiete: Wohltätigkeit und
Bestattungswesen), den Israelitischen Frauenverein (gegründet um 1876,
vgl. Artikel unten, 1924/32 20 Mitglieder unter Leitung der Frau von Moritz
Bloch; Zweck und Arbeitsgebiete: Wohltätigkeit und Bestattungswesen, 1932 46
Mitglieder), den Israelitischen Jugendbund (gegr. 1902) und
die Armenkasse und Wanderfürsorge (1924 unter Leitung von Simon Josef;
1932 Leitung Hugo Hirsch, Zweck und Arbeitsgebiet: Wanderfürsorge). Zur jüdischen
Gemeinde Lörrach gehörten auch die in Schopfheim (1924 26, 1932 26), Grenzach
(1924 3, 1932 7) und
Schönau (1924 2) lebenden jüdischen Personen. 1932 waren die
Gemeindevorsteher: A. Bodenheimer (1. Vors.), J. Beck (2. Vors.), B. Löb (3.
Vors.).
1933 wurden 162 jüdische Einwohner in Lörrach gezählt. Auf Grund der
in diesem Jahr einsetzenden Repressionen und der Folgen des wirtschaftlichen
Boykotts ist in den folgenden Jahren ein größerer Teil der jüdischen
Einwohner ausgewandert oder in andere Städte verzogen.
Weitere Angaben zur NS-Zeit sind noch zu ergänzen.
...
Von den in Lörrach geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem): Adele Beck (1884), Elise Beck geb. Heilbronner (1883), Isaak Beck (1878), Ludwig
Beck (1869), Nathan Beck (1912), Samuel Beck (1872), Walter Beck (1912), Rosa
Bensinger geb. Bloch (1859), Anna Bloch (1898), Berta Bloch geb. Bloch (1865),
Egon Bloch (1896 oder 1900), Ernst Bloch (1886), Hermann Bloch (1915), Ida Bloch
(1886), Josef Bloch (1886 oder 1889), Karl Bloch (1896), Martha Bloch (1891),
Pauline Bloch geb. Strauss (1905), Salomon Bloch (1867), Selma Bloch (1896),
Sophie Bloch geb. Geismar (1891), Toni Bloch (1889), Friederike Bodenheimer geb.
Zwang (1856), Armand Brunschwig (1871), Else (Elsa) Dornacher (1900), Julius
Dornacher (1885), Albert Eichengrün (1904), Lina Epstein geb. Weil (1896),
Avraham Erreich (1893), Blima Erreich (1890), Chaim Erreich (1890), Chaja
Erreich (1895), Ester Erreich (1863), Ester Erreich (1896), Jizchak Erreich
(1896), Mose Erreich (1860), Roselle (Rosa) Erreich (1912), Schlomo Erreich
(1894), Gerd Fleischmann (1925), Max Fleischmann (1891), Walter Grabowski
(1891), Maria Grunkin (1913), Ida Hackel geb. Erreich (1909), Emilie Heilbronner
(1886), Marie Hoff (1908), Arthur Joseph (1909), Recha Joseph (1878), Regina
Joseph geb. Kahn (1887), Ruth Joseph (1913), Simon Joseph (1875), Arthur
Juliusberger (1877), Ida Kackel (1904), Flora Kaufmann (1883), Sitta Krautmacher
geb. Lorsch (1899), Ides Krawiecki (1906), Bernhard Loeb (1878), Erna Loeb
(1913), Gerda Loeb (1922), Berta Nathan geb. Hess (1875), Jonas Olesheimer
(1888), Robert Pollack (1913), Berta Schwab geb. Dornacher (1881), Edmund Schwab
(1879), Bernard Sigar (1894), Toni Stern (1937), Jeanne Veil (1876), Moritz
Veil (1876), Emma Weil (1880), Johanna Weil geb. Rothschild (1884), Judith Weil
(1868), Pauline Weil (1872), Sofie Weil geb. Dornacher (1885), Ida Weill geb.
Marx (1879), Moritz Weill (1884), Sigmund Wertheim (1899), Elise Willstädter
geb. Maier (1856), Gustav Willstädter (1885),
Zur neuen jüdischen Gemeinde siehe folgende
Seite.
Aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Aus der Geschichte der
jüdischen Lehrer
Ausschreibung der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet 1899 /
Suche nach einem Hilfsvorbeter 1924
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. Oktober 1899: "Die
hiesige Religionslehrer-, Vorbeter- und Schächterstelle ist per 1.
Dezember dieses Jahres zu besetzen. Gehalt Mark 900, nebst circa Mark 900
Nebeneinkünfte und Wohnungszuschuss. Verheiratete, musikalisch gebildete
Bewerber erhalten den Vorzug.
Lörrach, 17. September 1899.
Der Synagogenrat: Moritz Nordmann, Vorsteher." |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. August 1924: "Für
die hohen Feiertage suchen wir einen Hilfsvorbeter. Bewerbungen mit
Gehaltsansprüchen bei freier Reise, Kost und Logis sind umgehend zu
richten an den Synagogenrat Lörrach - Baden." |
Aus dem jüdischen Gemeinde und Vereinsleben
Der Antisemitismus macht sich auch in Lörrach bemerkbar (1890)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. Mai 1890:
"Lörrach, 2. Mai (1890). Der bekannte Antisemit Herr Liebermann von
Sonnenberg wollte auch am hiesigen Orte Judenhetze betreiben und erschien
auf dem hiesigen Arbeiterfest. Zugleich war aber der Dr. Rüdt erschienen,
der durch eine wirkungsvolle Rede gegen den Antisemitismus von vornherein
das Unternehmen des Hetzapostels zu Fall brachte. Herr Liebermann von
Sonnenberg kam gar nicht zu Wort und die Versammlung wurde nach
halbstündiger Dauer schließlich polizeilich
aufgelöst." |
Feier des israelitischen Frauenvereins zum
25jährigen Jubiläum von Frau Nordmann als Präsidentin (1906)
Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 16. Februar 1906:
"Lörrach, 1. Februar. Zu Ehren ihrer Präsidentin, Frau David
Nordmann, versammelte sich gestern Nachmittag in dem Saale 'Eintracht' die
Damen des hiesigen israelitischen Frauenvereins, um das Jubiläum der
25jährigen Vorstandschaft mit einer kleinen festlichen Veranstaltung im
engeren Kreise zu begehen. Für ihr unentwegtes Ausharren an der Spitze
des Vereins, der vor ungefähr 30 Jahren in das Leben trat, wurde der
Jubilarin der gebührende allgemeine Dank von allen Seiten in herzlichen
Worten dargebracht. Die erste Huldigung mit einem in poetische Form
gekleideten Dank brachte die Jugend dar. Im Auftrage des Vorstandes
überreichte Herr Lehrer Abel eine in herzlichen Worten der Verehrung
abgefasste Urkunde, welche der israelitische Frauenverein der Jubilarin in
Anerkennung ihrer Verdienste für stete Hilfsbereitschaft und treue
Pflichterfüllung gestiftet hat. In einer besonderen Ansprache feierte
dann Herr Abel noch die Verdienste der Jubilarin um den Verein und
gedachte dabei auch der beiden anderen anwesenden Gründerinnen. Er pries
die nie ermüdende Weise, wie die Präsidentin den drei speziellen
Liebeswerken, welche sich der Verein unter den Religionsgenossen gesetzt,
ihre Tätigkeit gewidmet, und das gute Beispiel, mit dem sie in Ausübung
allgemeiner Menschenliebe den Mitgliedern vorangeschritten. Mit dem
Wunsche, dass der Jubilarin noch lange Jahre der Rüstigkeit, Gesundheit
und Frische beschieden sein möchten, schloss die gehaltvolle Rede. In
sinniger Form erfolgte durch zwei junge Mädchen die Überreichung des
Liebespreises von Rosen und Lorbeer. Aus Kindermunde erklang besonders
frisch und unerschrocken das Hoch auf die Frau Nordmann und den
Frauenverein. Nach der Feier vereinigten sich die Anwesenden zu einer
gemütlichen Kaffeestunde, während derer Herr Abel über die Zwecke und
Ziele eines israelitischen Frauenvereins sprach und zu reger Betätigung
in demselben aufforderte." |
Fünfjähriges Bestehen des Israelitischen Jugendbundes (1906)
Artikel
im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 26. Oktober
1906: "Lörrach. Der hiesige Israelitische Jugendbund, ein
'Verein für jüdische Geschichte und Literatur', der seit 1901 besteht
und von drei Tertianern begründet wurde, die im Religionsunterricht ein
reges Interesse für das Judentum empfangen hatten, kann nunmehr auf eine
fünfjährige gedeihliche Wirksamkeit zurückblicken. Anfänglich hatte er
mit großen Schwierigkeiten von Seiten der Gemeindemitglieder wie des
Synagogenrats zu kämpfen, aber er hat alle diese Schwierigkeiten
glücklich überwunden und seine Chanukkafeste erfreuen sich des
allgemeinen Besuchs seitens der Gemeindemitglieder. Die erste Aufgabe des
Vereins war, eine gute Bibliothek anzuleben. Sie besitzt bereits über
2.000 Bände jüdische Lektüre, die sehr fleißig benutzt werden. Um auch
die Erwachsenen für die Zwecke des Vereins zu interessieren, hat Herr
Lehrer Abel mehrere Vorträge gehalten. Der neue Synagogenrat gewährt dem
Verein jede Unterstützung, sodass seine Stellung in der Gemeinde
gefestigt ist. Der Verein zählt heute 20 aktive und 22 passive
Mitglieder; er besitzt eine stattliche Bibliothek und genießt das
Wohlwollen der Gemeinde in vollem Maße." |
Feier des Israelitischen
Frauenvereins zum 30jährigen Jubiläum von Frau Nordmann als Präsidentin
(1911)
Bericht in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. Februar 1911:
"Lörrach, 10. Februar (1911). Frau David Nordmann, hier, feierte
gestern in voller geistiger und körperlicher Frisch ihren 75. Geburtstag,
nachdem sie vor wenigen Tagen das 30jährige Jubiläum als Vorsteherin des
hiesigen jüdischen Frauenvereins begehen konnte. Aus diesem Anlass begab
sich im Auftrag Ihrer königlichen Hoheit der Großherzogin Luise der
Kreishauptmann Herr Geheimer Regierungsrat Dr. Belzer in die Wohnung der
Jubilarin, wo sich neben den Familienmitgliedern, die zum Teil aus weiter
Ferne zu dieser Familienfeier erschienen waren, auch der Vorstand der
jüdischen Gemeinde sowie eine größere Anzahl Bekannter eingefunden
hatten, und überreichte Frau Nordmann das Bildnis der Großherzogin in
goldenem Rahmen, zugleich ließ sie ihr die herzlichsten Glückwünsche
und ihre aufrichtige Anerkennung für ihre alle dem Israelitischen
Frauenverein während 30 Jahre gewidmete Wirksamkeit aussprechen. Der Herr
Amtsvorstand selbst gratulierte der Geehrten in warmen Worten und gab
seiner Freude Ausdruck, der Vermittler und Überbringer dieser ehrenvollen
Auszeichnung sein zu dürfen. Namens der Gefeierten und im Auftrage der
israelitischen Gemeinde dankte Herr Lehrer Abel in fein durchdachter Rede
für die gnädige Aufmerksamkeit und die schöne Ehrung, an der die ganze
jüdische Gemeinde ebenso Anteil nehmen dürfe, wie die Geehrte selbst. Am
Schluss seiner Rede hob es besonders hervor die hohe Bedeutung, die diese
Ehrung seitens Ihrer Königlichen Hoheit für alle Israeliten hat.
Hierdurch sei, wie es von allerhöchster Stelle stets geschieht, die
Gleichbewertung und Gleichberechtigung so offensichtlich zum Ausdruck
gebracht worden, wie es schöner und deutlicher nicht sein könnte. Für
dieses gütige Zeichen der Anerkennung zollte er innigen Dank. Damit war
die Feier in ihrem offiziellen Teil beendet. - Der Jubilarin seien auch an
dieser Stelle die besten Glück- und Segenswünsche dargebracht." |
Feier zum 150. Geburtstag von Johann Peter Hebel mit Beteiligung der
israelitischen Gemeinde (1910)
Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 3. Juni 1910:
"Lörrach, 22. Mai (1910). Zum 150. Geburtstage des alemannischen
Dichters Johann Peter Hebel ist demselben hier, am Orte seiner ehemaligen
Lehrtätigkeit, ein Denkmal gesetzt worden, welches heute in Gegenwart
Ihrer Königlichen Hoheiten des Großherzogs und der Großherzogin
enthüllt wurde. Zur Teilnahme an dieser Enthüllungsfeier waren unter
anderem auch offiziell geladen: als Vertreter der israelitischen Gemeinde
der Bezirksälteste und Vorsteher Herr Max Guggenheim und ferner in seiner
Eigenschaft als Religionslehrer Herr R. Abel. Ein gewiss anzuerkennender
Beweis für die gleiche Beachtung und gleiche Bewertung der israelitischen
Bürger seitens der Behörden." |
Gründung eines Südwestdeutschen Bezirksverbandes
der jüdischen Jugendvereine in Lörrach
sowie
10jähriges Stiftungsfest des Lörracher Israelitischen Jugendbundes (1912)
Artikel
im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 12. Januar
1912: "Lörrach (Baden). Der Plan zur Gründung eines
Südwestdeutschen Bezirksverbandes im Rahmen des Gesamtverbandes der
jüdischen Jugendvereine Deutschlands hatte am 1. Januar die Abgesandten
der in Betracht kommenden Jugendvereine vollzählig nach Lörrach
geführt, und einstimmig wurde, um das erfreuliche Ergebnis gleich vorweg
zu nehmen, der Bezirksverband nach mehrstündigen Beratungen konstituiert.
Zur Leitung desselben wurde der Frankfurter Montefiore-Verein bestimmt.
Als Vertreter des Verbands-Vorstandes wohnte Felix Meyer - Frankfurt den
Verhandlungen bei. Auf die Ziele und Zwecke der Bezirks-Verbände werden
wir demnächst an dieser Stelle näher eingehen. -
Am Tage vorher feierte der Lörracher Israelitische Jugendbund sein
10jähriges Stiftungsfest. Nicht nur die Gemeinde Lörrach selbst war
vollzählig vertreten, von nah und fern waren Vertreter befreundeter
Vereine und Korporationen herbeigeeilt, um den Ehrentag des wackeren
Brudervereines mitzufeiern. Auch die Schweiz hatte zahlreiche Freunde und
Anhänger der Jugendvereinsbewegung aus Basel, Zürich, Fribourg usw.
entsandt." |
Zusammenschluss der jüdischen Jugend zu einem erneuertem "Jüdischen
Jugendbund" (1931)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 15. Oktober 1931: "Lörrach,
14. Oktober (1931). Zwecks Zusammenschlusses der hiesigen jüdischen
Jugend fand hier auf Anregung des Herrn Lehrer Gabel eine Besprechung
statt. Nach einem Vortrag des Herrn Gabel, in welchem die Notwendigkeit
und Bedeutung eines solchen Zusammenschlusses eingehend begründet wurde,
beschloss man einstimmt, den in früheren Jahren hier bereits bestandenen
Jüdischen Jugendbund neu ins Leben zu rufen.
Es ist zu hoffen, dass durch die geplanten Vorträge und geselligen
Zusammenkünfte an den kommenden Winterabenden, durch Fahrten und
Wanderungen das religiöse Leben in unserer Stadt einen Aufschwung
erfahren wird." |
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde
Zum frühen Tod von Léon Nordmann (1872)
Nur erster Teil des Berichtes mit Hinweis auf die Familie Nordmann, die
aus Hegenheim nach Lörrach kam: aus dem Artikel in der "Allgemeinen
Zeitung des Judentums" vom 7. Juli 1872: "Meisenheim, in Juni
(1872). Ich erfülle die schmerzliche Freundespflicht, indem ich Ihren
Lesern den Heimgang eines jungen jüdischen Gelehrten berichte. Léon
Nordmann war in der zweiten Hälfte der dreißiger Jahre in Hegenheim
(Oberelsass) geboren. In Folge der Revolution von 1848 siedelten seine
Eltern nach Lörrach im badischen Oberlande über, woselbst der
sehr befähigte Knabe das Pädagogium besuchte. Später besuchte er das Lyzeum
zu Straßburg und betrieb seine talmudischen Studien bei dem dortigen
greisen Talmudgelehrten Rabbi Moses Uttenheim. Hierauf besuchte und
absolvierte er die damals noch in Metz befindliche Rabbinerschule, gab
sich jedoch mit dem erlangten Rabbinerdiplom nicht zufrieden, sondern
suchte seine Kenntnisse in den Hörsälen von Paris noch zu mehren.
Namentlich zog ihn der selige Munk an, zu dessen Lieblingsschülern er
gehörte. Trotzdem ihm mehrere Male bedeutende Rabbinate angeboten wurden,
schlug er dieselben doch immer aus, da er sich von Paris, der
Zentralstätte der französischen Wissenschaft, nicht zu trennen
vermochte..." |
Zum Tod von Isaac Weil (1909)
Artikel aus der Zeitschrift "Der Israelit" vom 18. Februar 1909:
"Lörrach (Baden), 10. Februar (1909). Ein außerordentlich großes
Leichengefolge, in dem wir zahlreiche christliche Mitbürger bemerkten,
gab am jüngsten Freitag Herrn Isaac Weil sen., der weit über das
Weichbild von Lörrach hinaus eines guten und klangvollen Namens sich
erfreute, das letzte Ehrengeleite. Dieses Leichenbegängnis war der
würdige Abschluss eines von Erfolg gekrönten, an Arbeit und Leistungen
reichen Lebens. Geboren in Altdorf in
Baden begann er seine geschäftliche Tätigkeit in Säckingen, von wo er
später nach Lörrach übersiedelte. Aus kleinen Anfängen heraus
wusste er durch seinen eisernen Fleiß, seine Energie und seine Umsicht,
gepaart mit strengster Redlichkeit und Gewissenhaftigkeit, sein Geschäft
zur Blüte zu bringen. Nicht nur im Kreise der jüdischen Gemeinde und im
Bezirke, sondern auch im politischen Leben und in der Kommunal-Verwaltung
war der Verstorbene tätig, sein Verstand und seine Arbeitskraft ebneten
ihm überall die Wege. Wo es immer möglich war, stand der Verstorbene
seinen Nebenmenschen mit seinen reichen Erfahrungen, seinem Rat und seiner
Einsicht in uneigennützigster Weise zur Seite. Er hat sich dadurch in
manchem dankbaren Herzen ein treues Andenken gestiftet, das den Tod
überdauert. Herr Rabbiner Dr. Cohn - Basel hatte die Güte, in erhebenden
und der ganzen Trauerversammlung zu Herzen gehenden Worten dem
Verstorbenen im Trauerhause den wohl verdienten Nachruf zu widmen. Er
schloss mit der Aufforderung an die Kinder, durch treues Festhalten am
Heiligtum der Religion das Lebenswerk des Vaters zu vollenden." |
Zur Geschichte des Betsaales / der Synagoge
Im 17./18. Jahrhundert wurden die
Gottesdienste zunächst abwechselnd in Privathäusern gehalten. Später wurde
eine als Betsaal hergerichtete Wohnung gemietet. 1797 wurde ein
neuer Betsaal eingerichtet. Dieser war im Erdgeschoss des Hauses des Hofküfermeister
Johann Reinhard Herbster in der Wallbrunnstraße ungefähr gegenüber der
heutigen Post (Bahnübergang). Den Mietvertrag hatten am 1. April 1797 die
damaligen Vorsteher der Gemeinde Esajas Reutlinger und Simon Bloch
unterzeichnet. Die Räumlichkeiten der Gemeinde bestanden aus einer Stube und
einer Kammer, für die jährlich 40 Gulden zu bezahlen waren. Bis 1808
wurde dieser Betsaal genutzt.
Bereits 1801 war der jüdischen Gemeinde der bisherige
Betsaal in der Wallbrunnstraße gekündigt worden. Daher wurde beschlossen, möglichst
bald eine Synagoge zu bauen. Die Gemeinde bat das Oberamt um Mithilfe bei
der Suche nach einem geeigneten Grundstück. Man betonte, mit dem Bau einer
Synagoge zur Verschönerung des Stadtbildes beitragen zu wollen. Ein erstes
Grundstück wurde mit einem Kraut- und Grasgarten zwischen Kanzleigarten und
Teichgasse ausfindig gemacht. Die Geistliche Verwaltung, der das Grundstück gehörte,
lehnte jedoch im September 1801 die Bitte um Verkauf ab. So wurden andere
Vorschläge durchdacht. Ein Grundstück in der Herrenstraße lag jedoch zu nahe
an der Stadtkirche, ein anderes – wiederum in der Teichstraße – erwies sich
als ungeeignet für den Synagogenbau, da man den Synagogenbau nicht nach Osten hätte
ausrichten können. Die Gemeinde beschloss angesichts dieser Schwierigkeiten,
auf das Angebot von Klein Leibel Bloch einzugehen, den hinter seinem Haus
befindlichen Garten als Synagogenbauplatz zu bestimmen. Auch dieses Grundstück
stieß an den Kanzleigarten, aber man wollte einen möglichst großen Abstand
zur Grundstücksgrenze einhalten. Im Sommer 1802 wurde der Bau genehmigt. Nach
Zeichnung der ersten Pläne durch Werkmeister Rebstock wurde freilich deutlich,
dass das Grundstück nicht ausreichend war, sodass man sich um den Erwerb eines
Nachbargrundstückes bemühen musste. Drei Jahre lang kam das Vorhaben nicht
voran. Erst als ein weiteres Grundstück zwischen Kanzleigarten und Teichstraße
erworben werden konnte, waren weitere Planungen möglich. Das Oberamt gab sein
Einverständnis und wollte, dass noch im Frühjahr 1806 mit dem Bau begonnen
werde. Nun sorgte die schwierige Finanzierung für einen weiteren Hinausschub
des Baubeginns. Zwar konnte die Gemeinde die Hälfte der geplanten Bausumme von
4.000 Gulden aufbringen, für die andere Hälfte brauchte man ein Darlehen. Von Herbst
1807 bis zum Frühjahr 1808 wurde die neue Synagoge schließlich erbaut. Das
genaue Datum ihrer Einweihung ist nicht bekannt.
Im Laufe der Jahre stellt sich immer wieder heraus, dass
der Bau der Synagoge in einem nicht direkt von der Straße zugänglichen Gebäude
von großem Nachteil war, da die Besitzverhältnisse um das Synagogengrundstück
kompliziert waren und es immer wieder Schwierigkeiten mit unverträglichen
Nachbarn gab, die sich nicht an getroffene Vereinbarungen hielten. So war der
Eingangsweg zur Synagoge, der zwar im Eigentum der jüdischen Gemeinde stand,
beiderseits von Privathäusern umgeben. Deren Besitzer nützten den Weg
ihrerseits regelmäßig als Lager- oder Abstellplatz, sodass die
Synagogenbesucher manchmal kaum in die Synagoge kamen.
Gegen Ende des 19. Jahrhunderts war das Gebäude in einen
schlechten Bauzustand geraten: eine gründliche Renovierung war nötig. Bis
dahin standen noch Betpulte in der Synagoge, die durch feste Bänke ersetzt
werden sollten. Die Anregung zu den Modernisierungsmaßnahmen kamen 1884 von den
Vereinen der jüdischen Gemeinde. Es brauchte freilich fünf Jahre, bis am 12.
Mai 1889 eine Gemeindeversammlung den Umbau beschließen konnte. Eine
Baukommission wurde gewählt, die zunächst den Neubau einer Synagoge überprüfte,
was dann jedoch nicht weiter verfolgt wurde. Eine weitere Gemeindeversammlung am
23. Januar 1898 befürwortete einen Umbau nach Plänen von
Stadtbaumeister Heßner. 5.000 Mark sollte der Umbau kosten. Zu den wichtigsten
Posten gehörten die neuen Bänke, der Fußboden, ein neuer Toraschrein, die
Gasbeleuchtung sowie Maler- und Glaserarbeiten. Am 29. Juli 1899 wurde die
renovierte Synagoge durch Bezirksrabbiner Dr. Lewin aus Freiburg unter Teilnahme
der gesamten Gemeinde feierlich eingeweiht. Beim Öffnen der Haupttüren sprach
der Rabbiner die Worte: "Das Gotteshaus sei gewidmet der Tora und dem
Zeugnis für Gott, das Gebet möge – stets durchleuchtet vom Lichte der
Gotteslehre – bekunden, dass Israel suchet den Herrn der Welten".
Nach dem Ersten Weltkrieg war nochmals eine
Synagogenrenovation notwendig. Dabei wurden auch auswärts wohnende Lörracher
Juden um Spenden für die durchzuführenden Maßnahmen gebeten. im Mai 1922 fand
ein Synagogenkonzert statt, dessen Ertrag für die geplanten Arbeiten bestimmt
war. 1934 konnte das 125jährige Jubiläum der Synagoge gefeiert werden.
Es bedeutete einen letzten besonderen Höhepunkt im Gemeindeleben nach der
nationalsozialistischen Machtergreifung.
Beim Novemberpogrom 1938 wurde der Gemeindevorstand
der Jüdischen Gemeinde am 10. November morgens zwischen 4.30 und 5 Uhr durch
einen Gestapo-Offizier von der bevorstehenden Schändung der Synagoge heimlich
informiert. Dadurch war es möglich, die Torarollen und andere wertvolle Gegenstände
vor ihrer Zerstörung zu bewahren. Zwischen 9 und 10 Uhr rottete sich unter Führung
eines SS-Sturmbannführer und eines SA-Sturmbannführers eine Gruppe von
Parteiangehörigen, vor allem SA-Leute vor der Synagoge zusammen. Auch der
damalige Leiter des Städtischen Werkhofes mit Bediensteten war an der Aktion
beteiligt. Die insgesamt etwa 30 bis 40 Männer verschafften sich Eintritt in
die Synagoge dadurch, dass einer von ihnen mit einem Hammer die Haupttüre der
Synagoge einschlug. Gemeinsam wurde das Innere der Synagoge völlig zertrümmert.
Die Bänke wurden umgeworfen, der Kronleuchter zerstört, der Toraschrein zertrümmert
und die steinernen Gebotstafeln am Eingang zur Synagoge herausgerissen. Einige
Teppiche und Holzstücke wurden in Brand gesetzt. Die völlig verwüstete
Synagoge wurde wenig später abgebrochen.
Nach 1945 wurde das Grundstück mit einem Wohn- und Geschäftshaus
neu bebaut. Eine Gedenktafel wurde 1976 angebracht.
Fotos
Historische Fotos:
(Quelle: obere Reihe außer Foto rechts bei Hundsnurscher/Taddey s. Lit. Abb. 129f; untere
Reihe Stadtarchiv Lörrach)
| Die 1806/08 erbaute Synagoge |
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Der Eingang zur Synagoge |
Innenaufnahme um 1920
(bei A. Bloch s. Lit. 2,128;
die
Vorlage zur Abb. oben ist nur eine Kopie) |
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Blick zum Toraschrein |
Bar Mizwa von Gerd Schwab in
der Synagoge Lörrach 1938 (Quelle: United
States Holocaust Memorial Museum, Washington) |
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| Die in der Pogromnacht 1938
völlig demolierte Synagoge |
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| Die Zerstörung der
Inneneinrichtung der Synagoge 1938: beim Abschlagen der Inschrift des
Toraschreines |
Außenansicht - alle Fenster sind zerschlagen |
Blick zur demolierten
Frauenempore |
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| Rechts: Oktober 1940 - die
Deportation der letzten jüdischen Lörracher in das KZ Gurs |
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Fotos nach 1945/Gegenwart:
Fotos um 1985:
(Fotos: Hahn) |
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Blick auf das neu bebaute, ehemalige Synagogen- Grundstück mit
Gedenktafel |
Die Gedenktafel von 1976
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Fotos 2003:
Quelle Foto Jahrhundertplastik:
hier
anklicken;
andere Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 27.10.2003 |
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| Die "Jahrhundertplastik" in Lörrach, die mit
ihrer Symbolik "IX und XI" auch an die Pogromnacht im November
1938 erinnert |
Blick auf das
Synagogengrundstück
wie oben |
Die Gedenktafel von 1976 |
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| Das Haus des
jüdischen Lehrers neben dem Synagogengrundstück |
Straßenschild |
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| Fotos 2009
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 10.12.2009) |
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| Das Haus des jüdischen
Lehrers, links die Synagogengasse |
Die Gedenktafel von 1976 |
Straßenschild |
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| Die
"Jahrhundertplastik" |
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Die Symbolik
"IX und XI" |
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Hinweise auf Ereignisse
am
"9. November" |
Hinweistafel auf den
Künstler Bernd Göring |
Erinnerungsarbeit
vor Ort - einzelne Berichte
| März 2010:
Die Geschichte Lörrachs in der NS-Zeit soll
aufgearbeitet werden. |
Artikel in der "Badischen Zeitung"
vom 3. März 2010 (Artikel):
"Rückhalt für Studie über Nazi-Zeit in Lörrach
SPD und Grüne erwarten von wissenschaftlicher Aufarbeitung neue Erkenntnisse über die Regionalgeschichte zwischen 1933 und 1945.
LÖRRACH (BZ). SPD und Grüne unterstützen den Plan, die Geschichte Lörrachs im Dritten Reich aufarbeiten zu lassen. Nachdem 2007 ein Grundsatzbeschluss gefallen war, hatte sich die Suche nach einem Wissenschaftler – ursprünglich wurde an ein Promotionsstipendium gedacht – schwierig gestaltet. Am Donnerstag wird der Gemeinderat darüber abstimmen, ob der Auftrag an einen Freiburger Historiker gegeben wird.
Über siebzig Jahre nach den Ereignissen sei es für eine Arbeit höchste Zeit, meint der SPD-Fraktionsvorsitzende Günter Schlecht. Nur wer seine schmerzliche Vergangenheit kenne, so Schlecht, lerne aus Fehlern für die Zukunft. Die wissenschaftliche Arbeit soll nach Angaben der SPD von Dr. Robert Neisen aus Freiburg erarbeitet werden. Er wurde von einer städtischen Auswahlkommission ausgewählt, weil seine konzeptionellen Überlegungen überzeugten. Die Kosten werden auf die Haushaltsjahre 2011 bis 2013 verteilt. Die umfangreichen Arbeiten sind eben nicht zum Nulltarif zu haben, hieß es in der SPD-Fraktion.
Der Schwerpunkt der Bearbeitung liegt laut SPD dabei vor allem auf der Beschreibung der politischen Situation in den Jahren 1933 bis 1945 in Baden. Darüber hinaus geht es jedoch auch um Politik und Verwaltung in Lörrach unter dem Nationalsozialismus, um Ausgrenzung, Verfolgung, Vernichtung in der Stadt sowie um den Lörracher Alltag im Zweiten Weltkrieg.
'Wir müssen uns dieser Aufgabe stellen', erklärte die stellvertretende Fraktionsvorsitzende Christiane
Cyperrek.
Auch die Fraktion der Grünen freut sich, dass es gelungen ist, einen Wissenschaftler zu gewinnen, der die Geschichte der Stadt Lörrach während des Nationalsozialismus aufarbeitet. Während der zurückliegenden Veranstaltungsreihe Projekt
'Erinnern und Vergessen' anlässlich der Eröffnung der neuen Synagoge in Lörrach wurde nach Ansicht von Grünen-Stadtrat Gerd Wernthaler deutlich, dass es in Lörrach an einer wissenschaftlichen Aufarbeitung der Zeit des Faschismus fehlt und man sich nur auf wenige Quellen aus dieser Zeit berufen kann. Eine qualifizierte wissenschaftliche Arbeit sei daher nicht nur wünschenswert, sondern sehr wichtig. Bei dieser wissenschaftlichen Aufarbeitung erscheint den Grünen eine genaue Themenstellung wichtig. Das Ergebnis sollte in der Reihe Lörracher Hefte veröffentlicht werden und dann umfassend, auch an Schulen, diskutiert werden. Die Schwierigkeit dürfte hierbei sein, dass die Arbeit sowohl für den Wissenschaftsbetrieb interessant ist und gleichzeitig die breite Lörracher Öffentlichkeit erreicht.
Wernthaler will Schicksal eines Homosexuellen klären lassen. Gerd Wernthaler regt an, im Rahmen dieser Aufarbeitung, sich auch dem Schicksal des aus Lörrach stammenden Homosexuellen Heinz L. anzunehmen, der nach Verbüßen einer Haftstrafe sechs Jahre in verschiedenen Konzentrationslagern saß, ehe er 1943 im KZ Mauthausen vermutlich ermordet wurde. Im Gedenkbuch der Stadt Lörrach, das den Opfern der Nazidiktatur gewidmet ist, suche man seinen Namen vergebens. Diese Aufarbeitung erscheint Wernthaler deshalb wichtig,
'weil hier der Schatten der Vergangenheit bis heute wirkt'." |
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Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Franz Hundsnurscher/Gerhard Taddey: Die jüdischen Gemeinden in Baden.
1968. S. 181-184. |
 | Julius Wilhelm:
Der Lörracher Judenfriedhof von 1670. 1932. |
 | Gerhard Moehring: Der Lörracher
Judenfriedhof, in: Unser Lörrach (1970) S. 65-70. |
 | Flora Selinger: Marie Beck –
ein Lörracher Schicksal, in: Unser Lörrach (1975) S. 163-174. |
 | Alfred Bloch: Die
Geschichte der Lörracher Juden, in: Unser Lörrach (1979) S. 22-57 (1.Teil
1650-1756), (1980) S. 85-178 (2.Teil 1756-1848), (1981) S. 95-159 (3.Teil
1848-1922). |
 | Julia Güttes: Die Judenemanzipation in Baden und die Folgen für die Lörracher
Judengemeinde. Schriftenreihe Museum am Burghof. 1984. |
 | Joseph Walk (Hrsg.): Württemberg - Hohenzollern -
Baden. Reihe: Pinkas Hakehillot. Encyclopedia of Jewish Communities from
their foundation till after the Holocaust (hebräisch). Yad Vashem Jerusalem
1986. S. 367-370. |
 | Joachim
Hahn / Jürgen Krüger: "Hier ist nichts anderes als
Gottes Haus...". Synagogen in Baden-Württemberg. Band 1: Geschichte
und Architektur. Band 2: Orte und Einrichtungen. Hg. von Rüdiger Schmidt,
Badische Landesbibliothek, Karlsruhe und Meier Schwarz, Synagogue Memorial,
Jerusalem. Stuttgart 2007.
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Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the
Holocaust".
First published in 2001 by NEW
YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad
Vashem Jerusalem, Israel.
Loerrach
Baden. Jews first settled after the Thirty Years War (1618-48), enjoying freedom
of trade and worship. There were non present in the late 17th century. A
permament Jewish settlement developed during the 18th century with the arrival
of Swiss refugees. In 1808 a synagogue was erected, with the community
continuing to maintain a conservative posture in the era of religious reform.
The Jewish population grew to 248 in 1875 (total 8,455). Thereafter it declined
steadily with the exodus of the young. The Zionist became active in the 1920s.
In 1933, 162 Jews remained, operating numerous business establishments.
Emigration was stepped up as the process of "Aryanization" took hold.
About two-thirds left by 1940. Community life was nonetheless maintained. On Kristallnacht
(9-10 November 1938), the synagogue was burned, the two Jewish
cemeteries were desecrated, and Jewish men were detained at the Dachau
concentration camp. On 22 October 1940, 50 Jews were deported to the Gurs
concentration camp; another 18 local Jews were sent to the camps from other
places. In all, 30 were murdered in Auschwitz, while 19 survived the Holocaust.

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