Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version
    
In dem bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts zum Hochstift Straßburg gehörenden Ettenheim bestand eine jüdische Gemeinde zunächst im Mittelalter. Durch die Verfolgungen 1336 bis 1338 ("Armleder"-Verfolgung") und während der Pestzeit 1349 wurde sie vernichtet. Das 1609 erstmals genannte "Judenloch" (Flurstücke 3753-3780) an der Einmündung der Kreisstraße 5348 in die Bundesstraße 3 westlich Ettenheims könnte den Ort markieren, an dem 1349 die Ettenheimer Juden verbrannt worden sind. Gestützt wird die Vermutung durch die Nähe des mittelalterlichen Richtplatzes Ettenheims unweit des "Judenlochs".   
   
Die Entstehung der neuzeitlichen Gemeinde geht in das 17. Jahrhundert zurück. 1613 werden zwei Juden (jüdische Familienvorsteher) am Ort genannt: Latzarus und Eliaß. 1682-85 nahm der Straßburger Fürstbischof Juden auf Grund einer "Judenordnung" von 1658 in seinen rechtsrheinischen Ämtern Ettenheim und Oberkirch auf. In einem 1682 geschlossenen Vertrag mit dem Schmieheimer Grundherren Dagobert Wurmser von Vendenheim zu Sundhausen und Philipp Christoph Böckel von Böcklingshausen "wegen der Judenbegräbnus zu Schmieheim" unterzeichneten die Ettenheimer Juden Mayer Bloch, Salomon Moses und Hirz Levi. 1705 wohnten fünf, 1710 sieben jüdische Familien in der Stadt. 1716 wurden die jüdischen Familien durch Fürstbischof Armand Gaston Maximilian von Rohan-Sobise vorübergehend aus der Stadt vertrieben. 1717 kam es zu einem Vertrag zwischen der Stadt Ettenheim und der Judenschaft. Nach diesem Vertrag wurde den jüdischen Einwohnern u.a. die Handelsfreiheit und die Teilhabe an Wasser und Weide sowie die Aufenthaltserlaubnis auch für die verheirateten Kinder eingeräumt. 1758 bestätigte der Fürstbischof Ludwig Constantin von Rohan-Guémené die Judenordnung von 1658.  
   
Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1809 elf Familien, 1834 63 jüdische Einwohner, 1857 69 (2,4 % von insgesamt 2.867 Einwohnern), 1875 79 (2,7 % von 2.933), 1890 92, 1897 Höchstzahl von 100 Personen; danach ging die Zahl zurück: 1900 89 (2,9 % von 3.106), 1910 72 (2,2 % von 3.205), 1925 44 (1,4 % von 3.091). 
 
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge, eine Religionsschule (bis 1876 besuchten die Kinder die jüdische Konfessionsschule in Altdorf, nach deren Auflösung die allgemeine Schule in Ettenheim) und ein rituelles Bad (in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts im Stadtgraben; 1778 wird ein solides Badhaus aus Stein erstellt [nicht erhalten]; im 19. Jahrhundert wurde das rituelle Bad in Altdorf mitbenutzt). Die Toten der Gemeinde wurden im jüdischen Friedhof in Schmieheim beigesetzt. Einen eigenen Religionslehrer hatte die jüdische Gemeinde noch in der Mitte des 19. Jahrhunderts (vgl. Ausschreibung der Stelle unten von 1838), danach wurde der Religionsunterricht von Lehrern in Altdorf und seit Ende des 19. Jahrhunderts von dem Religionslehrer aus Schmieheim erteilt, während der Religionsunterricht am Realgymnasium weiterhin der Religionslehrer aus Altdorf übernahm (nach einem Bericht von Josef Lion von 1912). 1827 wurde die Gemeinde dem Rabbinatsbezirk Schmieheim zugeteilt, dessen Sitz 1893 nach Offenburg verlegt wurde. 
  
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde Adolf Forsch (geb. 15.5.1872 in Teschenmoschel, gef. 22.11.1918) und Berthold Levistein (geb. 25.5.1881 in Ettenheim, vor 1914 in Mannheim wohnhaft, gef. 23.11.1915). Ihre Namen sind auf dem Gefallenendenkmal des jüdischen Friedhofes in Schmieheim verzeichnet. Sie stehen auch - dazu die Namen von Adolf Lion und Karl Lion - auf  dem Kriegerdenkmal der Stadt Ettenheim auf dem Friedhof der Stadtkirche beim östlichen Aufgang. Auf dem Gedenkbrunnen für die gefallenen ehemaligen Schüler vor dem städtischen Gymnasium (Johann-Baptist-von-Weiß-Straße) sind auch mehrere Namen jüdischer Schüler aus Altdorf, Rust und Kippenheim aufgeführt.  
    
An ehemaligen, bis nach 1933 bestehenden Handels- und Gewerbebetrieben im Besitz jüdischer Familien / Personen sind bekannt: Manufaktur-Aussteuer-Konfektion Fa. Adolf Forsch (Rohanstraße 17, Haus Forsch, heute Teil des Rathauses), Viehhandlung Julius Levistein (Festungsstraße 8), Viehhandlung Leopold Lion (Berggasse 1), Gastwirtschaft "Krone", Inh. Mina Lion (Festungsstraße; abgerissen, Parkplatz der Sparkasse), Metzgerei Raphael und Josef Lion (Ecke Muschelgasse / Friedrichstraße 55), Woll- und Kurzwarenhandlung Karoline Schnurmann (Thomasstraße, abgerissen), Rechtsanwalt Alfred Strupp (Rohanstraße 14. Weitere jüdische Wohnhäuser waren: Fanny Lion (Festungsstraße 16), Helene und Sofie Lion I (Friedrichstraße 8), Julie Lion (Friedrichstraße 6), Karoline Lion (Zunftgasse 1). 
   
1933 lebten 31 jüdische Personen in Ettenheim (1,0 % von 3.149 Einwohnern). Auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts, der zunehmenden Repressalien und der Entrechtung sind die meisten von ihnen in den folgenden Jahren ausgewandert beziehungsweise in andere Städte verzogen. Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Inneneinrichtung der Synagoge völlig zerstört (s.u.), jüdische Geschäfte und Wohnungen wurden demoliert. 1939 wurden noch 20 jüdische Einwohner gezählt. Insgesamt konnten 23 jüdische Personen emigrieren (Argentinien, England, Lettland, Kuba, USA, Frankreich und Palästina/Israel). Die letzten sechs wurden am 22. Oktober 1940 nach Gurs deportiert (Raphael, Josef, Erna, Bernhard und Albert Lion aus der Friedrichstraße 55 sowie Fanny Lion aus der Festungsstraße 16).   
   
Von den in Ettenheim geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"):  Rosa Regina Bloch geb. Lion (1873), Jakob Dreifuß (1882), Hedwig Levistein (1883), Carl Lion (1879), Fanny Lion (1871), Helene Lion (1866), Julius Lion (1880), Karoline Lion (1854), Max Lion (1899), Mina Lion (1892), Luise Schwab geb. Lion (1876), Hedwig Weil geb. Lion (1869), Helene Weil geb. Lion (1865), Herta Wiegand geb. Lion (1890). 
  
Am 12. Juli 2010 wurden in Ettenheim "Stolpersteine" durch Gunter Demnig verlegt. Von den sechs vorgesehenen Steinen konnten zunächst nur drei verlegt werden für Fanny Lion (Festungsstraße 16), Karoline Lion (Zunftgasse 2) und Julia Lion (Friedrichstraße 6). Da die Hausbesitzer ihr Einverständnis nicht gaben, konnten drei Steine zunächst nicht verlegt werden: für Hedwig Levistein (Festungsstraße 8; Erinnerungstext als pdf-Datei) sowie für Helene und Sophie (Frommele) Lion (Friedrichstraße 8, Erinnerungstext als pdf-Datei). Ein Beschluss des Ettenheimer Gemeinderates Ende März 2012 ermöglicht die Verlegung der Grabsteine. 
  
Im Bürgersaal des Rathauses ist eine Gedenktafel mit dem folgenden Text angebracht: "Seit dem Mittelalter lebten in Ettenheim Juden und Christen einträchtig zusammen. Im Jahre 1933 waren noch 31 Juden ansässig. Unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft wurden sie gedemütigt und vertrieben oder verschleppt. Ihre Synagoge in der Allee-Straße ist zerstört worden. Die Ritualien wurden entweiht, verbrannt oder geraubt. Wir wollen das Leid, das unseren jüdischen Mitbürgern widerfahren ist, nie vergessen. In Ehrfurcht gedenken wir der Toten, den Lebenden bleiben wir in Achtung und Duldsamkeit zugetan."                 
   
   
   
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
 
Allgemeine Berichte 

Vor der NS-Zeit: an Orten mit jüdischen Gemeinden erringen die Nationalsozialisten bei den Landtagswahlen weniger Stimmen (1929)  

Ettenheim - Lahr CV 15111929 S 612.jpg (83455 Byte) Artikel in der "CV-Zeitung" (Zeitschrift des "Central-Vereins") vom 15. November 1929: "Auch eine 'Judenstatistik' - Aus badischen Wahlergebnissen. Wir haben stets den Grundsatz aufgestellt, dass keine Aufklärung durch Schrift und Bild so wirksam ist wie die menschliche Beziehung, wie das nachbarliche Miteinanderleben zwischen Juden und Nichtjuden. Eine klare Bestätigung dieses Grundsatzes geben uns die badischen Landtagswahlen im Amtsbezirk Lahr-Ettenheim. Die nachstehende kleine Statistik zeigt, dass in den Ortschaften, in denen Juden wohnen, der Anteil der nationalsozialistischen Stimmen, mit Ausnahme des Ortes Lahr selbst, nicht über 2,5 vom Hundert gestiegen ist, während in den Orten, wo keine Juden leben, die Nationalsozialisten bis 30 Prozent der Stimmen erringen konnten....  für Ettenheim wird etwa 1,5 v.H. angegeben."  

   
   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer 
Ausschreibungen der Stelle des Lehrers, Vorbeters und Schochet (1838)    

Anzeige im "Großherzoglich Badischen Anzeige-Blatt für den See-Kreis" von 1838 S. 125 (Quelle: Stadtarchiv Donaueschingen): "Schmieheim. (Vakante israelitische Schulstelle). Bei der israelitischen Gemeinde Ettenheim ist die Lehrstelle für den Religionsunterricht der Jugend, mit welcher ein Gehalt von 40 Gulden nebst freier Kost und Wohnung sowie der Vorsängerdienst samt den davon abhängigen Gefällen circa 50 Gulden verbunden ist, erledigt, und durch Übereinkunft mit der Gemeinde unter höherer Genehmigung zu besetzen. Die rezipierten israelitischen Schulkandidaten werden daher aufgefordert, unter Vorlage der Rezeptionsurkunde und der Zeugnisse über ihren sittlichen und religiösen Lebenswandel binnen 6 Wochen sich bei der Bezirks-Synagoge Schmieheim zu melden. Auch wird bemerkt, dass im Falle weder Schulkandidaten noch Rabbinatskandidaten sich melden, andere inländische Subjekte nach erstandener Prüfung bei dem Bezirks-Rabbiner zur Bewerbung zugelassen werden.
Schmieheim, den 22. Januar 1838. Großherzogliche Bezirks-Synagoge. J. Ginsburger"    
 
Anzeige im "Großherzoglich Badischen Anzeige-Blatt für den See-Kreis" vom 17. Juli 1850 (Quelle: Stadtarchiv Donaueschingen): "Bei der israelitischen Gemeinde Ettenheim ist die Lehrstelle für den Religionsunterricht der Jugend, mit welcher ein Gehalt von 40 fl. nebst freier Kost und Wohnung, sowie der Vorsängerdienst samt den davon abhängigen Gefällen verbunden ist, erledigt, und durch Übereinkunft mit der Gemeinde unter höherer Genehmigung zu besetzen.  
Die rezipierten israelitischen Schulkandidaten werden daher aufgefordert, unter Vorlage ihrer Rezeptionsurkunde und der Zeugnisse über ihren sittlichen und religiösen Lebenswandel, binnen sechs Wochen sich bei der Bezirkssynagoge Schmieheim zu melden.  
Auch wird bemerkt, dass im Falle sich weder Schul- noch Rabbinatskandidaten melden, andere inländische Subjekte, nach erstandener Prüfung bei dem Bezirksrabbiner zur Bewerbung zugelassen werden."    

    
    
Zu einzelnen Personen aus der jüdischen Gemeinde  
Über die Ärztin Dr. Hertha Wiegand geb. Lion (1890-1944)   

Ettenheim Wiegand 010.jpg (27182 Byte)Dr. med. Hertha Wiegand geb. Lion: geb. 1890 in Ettenheim als Tochter des jüdischen Viehhändlers Josef Lion und der Rosa geb. Maier; ausgewachsen im Haus Friedrichstraße 55 in Ettenheim (Haus besteht nicht mehr); Besuch des Realgymnasiums Ettenheim, hielt 1909 als eine der ersten weiblichen Abiturienten des Ettenheimer Gymnasiums die Abiturrede; anschließend Studium der Medizin; 1915 Heirat mit dem nichtjüdischen Arzt Dr. Otto Wiegand (gest. 1925); nach dem Tod des Mannes Austritt aus der jüdischen Religionsgemeinschaft (aber ohne Konversion). Als Ärztin war sie tätig: im Ersten Weltkrieg im Lazarett, in Frauen- und Kinderklinik und in der Psychiatrie Düsseldorf-Grafenberg; 1919 gemeinsame Niederlassung mit ihrem Mann in Offenburg: er als Chirurg und Frauenarzt, sie als Frauen- und Kinderärztin. Frau Dr. Hertha Wiegand war weit über Offenburg hinaus als sozial engagierte Ärztin bekannt und beliebt. 1938 endgültiger Entzug der Approbation als Ärztin. Im Januar 1944 im Alter von 53 Jahren an Suizid gestorben.         
Quelle: Jüdisches Leben in Ettenheim s. Lit. S. 12-14. 

  
  
  
Zur Geschichte des Betsaales / der Synagoge       
    
Über mittelalterliche Einrichtungen ist nichts bekannt.  
      
Obwohl im 18. Jahrhundert einige wohlhabende jüdische Familien in Ettenheim wohnten, erfahren wir in dieser Zeit noch nichts von einer Synagoge oder einem Betsaal. Die Straßburger Fürstbischöfe hatten 1658 in einer "Juden-Ordnung" bestimmt: "Zum dritten, sollen die Juden in unserm Stift gesessen, an keinem Ort, weder in Städten noch auf dem Land, kein öffentliche Synagog oder Schul halten, wohl mögen sie aber in ihren Häusern ihre Kinder in ihrem Gesetz unterweisen lassen und ohne Beschwerde der Christen ihre Ordnung in ihren Häusern halten". Diese Judenordnung ist von Fürstbischof Ludwig Constantin von Rohan 1759 bestätigt worden. Trotz dieses Verbotes wird im 18. Jahrhundert vermutlich ein Schulraum/Betsaal in einem jüdischen Privathaus vorhanden gewesen sein. In einem Kaufvertrag vom 10. November 1759 wird berichtet, dass Moses Levy ein Haus von Rachel Levy, der Ehefrau von Michael Samuel Gombrich kaufte und ihr zum einen dafür einen Platz "in der Weibersynagoge auf Lebenszeit" garantierte sowie zum anderen ihrem Mann den Platz seines Schwiegersohnes Hirschel Weyl zur Verfügung stellte.  
       
Eine erste Synagoge unbekannten Baujahres wird seit 1816 genannt. Es handelte sich dabei um einen einfachen Betsaal in einem nicht mehr vorhandenen Hintergebäude hinter einem Haus in der Friedrichstrasse (bis 1816 Anwesen der jüdischen Familie Gombrich, dann Witwe Reys, spätestens ab 1845 Anton Klotz, bis 1956 "Klotz Erben", die es an die Ettenheimer Volksbank Friedrichstrasse 38 für einen südlichen Erweiterungsbau abgerissen haben). Die Synagoge stand somit unweit des Spitals (heute Kirchliche Sozialstation Spitalgasse 1) und grenzte mit der Ostseite an die Östliche Ringstrasse. Zu ihr bestand ein Durchgangsrecht von der Friedrichstrasse am Klotz’schen Haus vorbei. In einem Bericht von 1859 wird die Ettenheimer Synagoge als "klein und in einem Winkel abgelegen" beschrieben. Sie sei "jetzt verbessert und so weit tunlich zum Gebrauche hergerichtet". Offensichtlich waren kurz zuvor (1858?) Renovierungsmaßnahmen durchgeführt worden.    
     
Den Anlass zum Neubau einer Synagoge in Ettenheim ergab eine Ortsbereisung des Bezirksamtes Ettenheim im Februar 1879, bei der festgestellt wurde, dass die Hinterseite der Synagoge sehr baufällig sei. Dem Synagogenrat wurde aufgegeben, alsbald Abhilfe zu schaffen. Dieser wollte alles aufbieten, um möglichst schnell eine neue Synagoge bauen zu können, da man die alte Synagoge sowieso nicht mehr renovieren könne und der Durchgang zu ihr eine Zumutung sei, da man "an Dunghaufen und Dunglachen vorbei muss". Trotz dieser Baufälligkeit der alten Synagoge blieb das Gebäude noch bis zum Abbruch 1951 stehen und wurde bis zuletzt als Schopf genützt.  
       
Im Laufe des Jahres 1879 wurden die Planungen für einen neue Synagoge vorangetrieben. Die größte Schwierigkeit war die Finanzierung des Neubaus, der auf mindestens 11.500 Mark veranschlagt wurde. Dies war für die jüdische Gemeinde eine nicht zu erbringende Summe. Vom Gemeinderat der Stadt und vom Bürgerausschuss wurde ein Zuschuss von zusammen 600 Mark bewilligt. Über mehrere Sammlungen bei Gemeindegliedern und auswärtigen Freunden der jüdischen Gemeinde Ettenheims sowie über einen großen Kredit konnte die Bausumme schließlich zusammengetragen werden. Ein geeigneter Bauplatz wurde in der Alleestrasse 22 gefunden. Die Baupläne der neuen Synagoge hatte der von 1878 bis 1882 am Realprogymnasium Ettenheim tätige Gewerbeschullehrer Wendelin Ederle entworfen. Die Einweihung der Synagoge fand am Freitag, 25. Februar 1881 statt. Am Nachmittag dieses Tages war um 13 Uhr zunächst ein Gottesdienst in der alten Synagoge mit einer Abschiedsrede des Bezirksrabbiners. Die Torarollen wurden aus dem alten Toraschrein genommen und zu dem bereits aufgestellten Zug der Festteilnehmer gebracht. Unter Begleitung der Musikkapelle der Stadt zog man zur neuen Synagoge, bei der nach den dazu üblichen Gebeten durch den Vorsänger und Bezirksrabbiner die Torarollen in die neue Lade gestellt wurden. Die Lahrer Zeitung lobte in ihrem Bericht am 18. Februar 1881 den Neubau der Synagoge als "ein schmuckes Gebäude", "eine Zierde der Stadt".       

Die Einweihung der Synagoge (1881) 

Artikel in der "Breisgauer Zeitung" vom 5. März 1881: "Ettenheim, 3. März. Die in den jüngsten Tagen hier stattgehabte Synagogeneinweihung hat durch die zahlreiche Beteiligung aller Konfessionen und Stände an derselben von Neuem den Beweis geliefert, dass in hiesiger Stadt Friede und Eintracht unter den Menschen heimisch ist. Selbstverständlich hat daher auch die von echter Toleranz durchdrungene Ansprache des Großherzoglichen Amtsvorstandes gelegentlich der Übernahme des Synagogenschlüssels in den Herzen der Zuhörer den freudigsten Widerhall gefunden, während die nachfolgende Predigt des israelitischen Geistlichen nach Form und Inhalt (Schilderung der Tugenden des auserwählten Gottesvolks und Hinweisung auf die Antisemitenliga) nicht ansprach. Im Übrigen hat das Fest den schönsten Verlauf genommen und freuen wir uns, dass die langjährigen Bemühungen der hiesigen Israeliten für den Bau einer Synagoge nunmehr mit Erfolg gekrönt worden sind".       

Die Ettenheimer Synagoge war für die damalige Zeit charakteristisch gebaut in einem Mischstil von klassizistischen Formen mit Anlehnungen an die Renaissance und die Romanik. Es war ein stattliches, harmonisches Gebäude mit einem großen Portal, dessen Rundbogen von zwei Säulenpaaren getragen wurde. Im Obergeschoss über dem Portal lag hinter den drei großen Rundbogenfenstern in der Mitte der Eingangsfassade das heizbare Schulzimmer. Über dem Eingang fand sich als Portalinschrift (links vom Portal deutsch, rechts hebräisch geschrieben): "Öffnet mir die Pforten des Heiles, ich gehe hinein und danke dem Herrn. Ps. 118,19".     

Besuch des Großherzogs in der Synagoge (1912) 
Ettenheim AZJ 30081912.jpg (17041 Byte)Mitteilung in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 30. August 1912: "Bei seiner Anwesenheit in Ettenheim (Baden) besuchte das Großherzogpaar auch die Synagoge".  

In der Synagoge wurden bis Mitte des 1920er-Jahre regelmäßige Gottesdienste gefeiert. Dann wurde es durch den Wegzug vieler jüdischer Familien immer schwieriger, die zum Gottesdienst nötige Zehnzahl der Männer zusammen zu bekommen. Vermutlich wurden nach 1925 nur noch unregelmäßig Gottesdienste abgehalten. Die jüdischen Männer aus Ettenheim besuchten die Gottesdienste in der Synagoge in Altdorf. Nach Angaben der Firma Riegger wurde ihr schon vor 1933 das Gebäude von der israelitischen Gemeinde zum Kauf angeboten.  
     
Beim Novemberpogrom 1938 wurde in den Vormittagsstunden des 10. November durch SA-Männer unter Beteiligung von Ettenheimer NS-Parteiangehörigen die Inneneinrichtung der Synagoge geplündert und zerstört. Ein Großteil der Einrichtung (auch Bücher und Ritualien) verbrannte man außerhalb der Synagoge. Beim späteren Verkauf des Gebäudes fehlte die gesamte Einrichtung samt den Fenstern. Das Gebäude wurde am 23. Dezember 1938 an den benachbarten Gerbereibetrieb G. Riegger oHG verkauft, von dem es zu einem Wohn- und Geschäftshaus umgebaut wurde. Beim Umbau wurden die Außenwände weiterverwendet; die Anordnung der Fenster blieb erhalten. Die Giebel wurden entfernt und ein Walmdach aufgesetzt. Die Fensterrahmungen und das Portal verschwanden gleichfalls, sodass nach dem Umbau aus der ehemaligen Synagoge ein Wohnhaus im Stil des Jahres 1939 geworden war. Eine Gedenktafel ist nicht angebracht.
  
Von der Ausstattung der Synagoge erhielten sich fünf Torarollen, die 1947 an die Israelitische Gemeinde in Freiburg abgegeben wurden. Die große Rosette im klassizistischen Giebel blieb erhalten und wird bis heute als Brunneneinfassung auf dem Friedhof in Ettenheimmünster verwendet. Das Stadtarchiv Ettenheim bewahrt noch einen Toraschrein-Vorhang (Parochet) auf sowie ein Festtagsgebetbuch und farbige Fensterscheiben.
 
Eine Gedenktafel am Synagogenstandort ist seit April 2007 in Absprache mit der Stadt vorgesehen. Inschrift: "Ehemalige Synagoge der vertriebenen Israelitischen Gemeinde Ettenheim. 1880 erbaut, am 25. Februar 1881 eingeweiht, am 10. November 1938 durch SA Männer und NS Parteiangehörige und Mitläufer aus Ettenheim und der Region im Innenraum geschändet und geplündert. Die Kultgegenstände und Inneneinrichtung wurden öffentlich verbrannt. Am 23. Dezember 1938 verkauft, 1939 als Wohnhaus umgebaut. Die Türbogeninschrift lautete: 'Öffnet mir die Pforte des Heils, ich will durch sie eintreten, den HERRN zu preisen' Ps. 118,19".    
       
       
       
Pläne  

Ettenheim Plan 001.jpg (96381 Byte) Ettenheim Plan 002.jpg (75263 Byte)
Gesamtansicht von Ettenheim (aus neuerer Zeit) 
mit Eintragung des Synagogenstandortes
Stadtplan Ettenheim von 1910 - Ausschnitt 
mit Eintragung der Synagoge in der Alleestraße

   
   
Fotos 
Historische Fotos 
(Quelle: aus dem Buch Schicksal und Geschichte... s. Lit. S. 87.89; die Karte war abgedruckt im Ettenheimer Heimatkalender 1984, Monat Januar) 

Ettenheim Synagoge 100.jpg (140485 Byte)

Ettenheim Synagoge 102.jpg (70812 Byte) Ettenheim Karte 001.jpg (120534 Byte)
Die Synagoge in Ettenheim   Ausschnitt aus einer Ansichtskarte von Ettenheim 
von 1893; die Synagoge ist im Hintergrund links
 (beschriftet)  
 

  
Fotos nach 1945/Gegenwart: 

Fotos 2003:
(Fotos: Hahn, 
Aufnahmedatum 2.9.2003)
Ettenheim Synagoge 153.jpg (51685 Byte) Ettenheim Synagoge 151.jpg (53175 Byte)
   Gebäude der ehemaligen Synagoge
 Ettenheim, 1939 zu einem Wohnhaus
 umgebaut
Gebäude von Nord mit 
dem Anbau 
zur ehemaligen Synagoge
      
    Ettenheim Synagoge 152.jpg (71304 Byte) Ettenheim Synagoge 150.jpg (70086 Byte)
  Seitenansicht Bauinschrift von 1939
        
(Quelle für die Fotos unten: aus dem Buch Schicksal und Geschichte... s. Lit. S. 11.88):  
Ettenheim Synagoge 201.jpg (85920 Byte)  Ettenheim Synagoge 200.jpg (40458 Byte) 
Als wertvolle Erinnerung an die Synagoge blieb ein Toraschreinvorhang (Parochet) 
erhalten (im Palais Rohan, Sitzungssaal der Stadtverwaltung). Inschrift lautet übersetzt:
 "Diesen Vorhang spendeten (sic) die Gesellschaft / der Frauen der Heiligen Gemeinde
 Ettenheim / am Tag der Einweihung der Synagoge / (im Jahr) 641
" (1880/81)
   
Rosette von der Ettenheimer Synagoge, 
die auf dem Friedhof in 
Ettenheimmünster als 
Brunneneinfassung dient
 

Hinweis: Bestellmöglichkeit für Postkarten mit dem Toravorhang bei Robert Krais, Im Altwick 11, 77955 Ettenheim E-Mail  Preis pro Stück -.50 Cent.

   

Weitere Informationen und Führungen auch über: Rathaus 77955 Ettenheim
Tourist-Info: 07822/432-210 - für Stadtführungen 

 
     
Der Gurs-Gedenkstein in der Rohanstraße 17 und in Neckarzimmern (Fotos)  
Ettenheim Denkmal N03.jpg (94770 Byte) Ettenheim Denkmal N01.jpg (94091 Byte) Ettenheim Denkmal N02.jpg (98224 Byte)
Der Gurs-Gedenkstein aus Ettenheim, aufgestellt sowohl in Ettenheim wie in der zentralen Gedenkstätte in Neckarzimmern. Der Stein wurde von einer Projektgruppe der Heimschule Ettenheim unter der Leitung von Matthias Küchle zwischen Februar und Oktober 2007 bei Steinmetz Anno Sieberts entworden und bearbeitet. Der eine Stein wurde am 21. Oktober 2007 in Neckarzimmern aufgestellt, der zweite vor dem zum Rathauskomplex gehörenden ehemaligen jüdischen Geschäftshaus Forsch am 22. Oktober 2008. Der Stein weist in einem Ausschnitt in Originalgröße auf die noch vorhandene Rosette der Ettenheimer Synagoge hin. Auf der Rückseite symbolisieren Hände hinter Stacheldraht die Internierung im Lager Gurs.
     

    
    
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte   

März - Juni 2009: Der Toraschreinvorhang aus Ettenheim wird in der Ausstellung "200 Jahre Jüdische Religionsgemeinschaft" gezeigt  
Artikel in der "Badischen Zeitung" (Region Ortenau) vom 14. März 2009 (Artikel)  :  
Der Thoraschreinvorhang wird in Karlsruhe gezeigt. 
ETTENHEIM.
(BZ). Am vergangenen Sonntag wurde in Karlsruhe ein Festakt zum 200-jährigen Bestehen der Jüdischen Religionsgemeinschaft in Baden begangen. In einer Ausstellung zu diesem Jubiläum findet sich auch ein Thoraschreinvorhang aus Ettenheim..."   I.
 
Ettenheim Toraschreinvorhang 015.jpg (103951 Byte)Links (Foto: Hahn): der Ettenheimer Toraschreinvorhang in der Ausstellung zum "200 Jahre Jüdische Religionsgemeinschaft in Baden".   
Erklärung auf einer Hinweistafel in der Ausstellung: "Vorhang für den Torarollenschrank, Ettenheim 1881
Roter Samt, bestickt mit einer Krone, zwei Tauben, die diese halten. Blumenranken und den hebräischen Buchstaben Kaw Taw für Keter Tora, d.h. Krone der Tora, den Anfängen der Zehn Gebote auf zwei Gesetzestafeln (dahinter Symbol für einen Altar). seit 1945 Stadt Ettenheim, Provenienz unbekannt. 
Eine vornehme Aufgabe jüdischer Frauenvereine war es, für die Ausschmückung der eigenen Synagoge zu sorgen. Frauenvereine entstanden oft aus den traditionellen Beerdigungsschwesternschaften (Hebräisch 'Chewra Kaddischa'), welche die Beerdigung von Frauen vorbereiteten, aber auch Fürsorgeinstitutionen waren. Im 19. Jahrhundert betrieben Frauenvereine oft auch Bildungsarbeit. Sie gehörten zu den ältesten und größten Vereinen einer jüdischen Gemeinde. 
Übersetzung der hebräischen Inschrift: 'Diesen Vorhang spendeten (sic!) die Gesellschaft / der Frauen der Heiligen Gemeinde Ettenheim / am Tag der Einweihung der Synagoge / (im Jahr) 641' (sc. nach der kleinen Zählung, gemeint 5641 = 1880/81)".  
 
Januar 2010: Anregung zur Verlegung von "Stolpersteinen" in Ettenheim wird geprüft   
Artikel in der "Badischen Zeitung" vom 20. Januar 2010 (fi, Artikel): 
"Vorstoß für Verlegung von Stolpersteinen - Metz will Grundlage prüfen. 
ETTENHEIM (fi). Mit den sogenannten Stolpersteinen im öffentlichen Raum – eine Aktion des Kölner Bildhauers Gunter Demnig, die bereits in mehreren deutschen Städten unter anderen auch in Lahr läuft – soll an die Opfer nationalsozialistischer Verfolgung in den Kommunen erinnern. Unter den Nationalsozialisten hatten auch jüdische Mitbürger in Ettenheim zu leiden. Sie wurden wie 7500 Juden aus Baden und der Pfalz im Oktober 1940 in das südfranzösische Konzentrationslager Gurs deportiert. Die Stolpersteine – in den öffentlichen Straßenraum vor den ehemaligen Wohnhäusern dieser Opfer des Nationalsozialismus eingelassene, Pflasterstein-große Messing-Quader – sollen diese deportierten Juden erinnern..."  
 
Juli 2010: In Ettenheim werden am 12. Juli 2010 "Stolpersteine" verlegt  / neue Publikation zur jüdischen Geschichte Ettenheims  
Mitteilung von Robert Kreis, Deutsch-Israelischer Arbeitskreis südlicher Oberrhein e.V. vom 26. Juni 2010: "Der Künstler Gunter Demnig wird am Montag, 12.7. ab 9 Uhr in der Festungsstraße, Thomasstraße und Friedrichstraße in Ettenheim Stolpersteine verlegen. Beantragt wurde diese Verlegung für sechs Steine an fünf Häusern im Januar 2010 von der Gemeinderätin Beate Kostanzer (SPD)...
Die Verlegung wurde als Beitrag des DIA zum Ettenheimer Stadtfest am 24./25.7. unter dem Thema "Steine erzählen" angeregt..."  
Ergänzende Mitteilung von Robert Krais vom 1. Juli 2010: "Die Verlegung von 6 Stolpersteinen war in Ettenheim vorgesehen, bei drei 
Steinen haben zwei Hausbesitzer Einwand gegen die Verlegung erhoben."
    
    
Weiterer Artikel (einsehbar über Verlinkung):     
Gunter Demnig setzt Stolpersteine gegen das Vergessen (veröffentlicht am 09. Juli 2010 auf badische-zeitung.de)     
    
Juli 2010: Über die Verlegung der "Stolpersteine"   
Artikel von Erika Sieberts in der "Badischen Zeitung" vom 12. Juli 2010 (Artikel): 
"Gedenken - Stolpersteine erinnern jetzt auch in Ettenheim an NS-Opfer
Alltägliches Gedenken in Ettenheim: Der Kölner Künstler Gunter Demnig hat drei Stolpersteine in das Pflaster gelegt, die an drei aus Ettenheim vertriebene jüdische Frauen erinnern: An Fanny Lion, Karoline Lion und Julia Lion.
 
ETTENHEIM. Für die Schülerinnen und Schüler der Klasse acht von der Hauptschule Münchweier passte die Stolpersteinaktion am Montagmorgen genau ins Programm. 'Wir haben gerade ’Ich bin ein Stern’ von der in Kippenheim geborenen Jüdin Inge Auerbacher gelesen', sagte Matthias Münchbach. 'Da haben wir uns schon mit der jüdischen Vergangenheit im Dritten Reich beschäftigt. Auch über die Familie Lion haben wir einiges gelesen.' Die Lehrerin Sybille Rieder hatte den Stoff vorgezogen, weil sie fand, dass er im neunten Schuljahr zu spät komme. 'Morgen werden wir die Stolpersteinaktion nachbereiten', sagte sie, und im nächsten Schuljahr fahren wir nach Berlin, wo wir auch die neue Gedenkstätte auf dem Potsdamer Platz besichtigen.'..."  
 
Video zur Verlegung von "Stolpersteinen" in Ettenheim - eingestellt bei Youtube 
Juli 2010: Auf den Spuren der jüdischen Geschichte in Ettenheim  
Artikel in der "Badischen Zeitung" vom (Artikel):  "Auf den Spuren der Juden in Ettenheim
Margret Oehlhoff führt durch die Stadt und erzählt von den eigenen Recherchen. 
ETTENHEIM.
Jüdisches Leben in Ettenheim ist kürzlich durch das Setzen der "Stolpersteine" wieder ins Bewusstsein gelangt. In Ettenheim haben eine Handvoll Menschen in den 1980er Jahren damit angefangen, sich mit den Ettenheimer Juden zu beschäftigen, wer sie waren und ob welche von ihnen den Holocaust überlebt haben. Unter ihnen auch Margret Oelhoff, die vergangene Woche eine Stadtführung durch das jüdische Ettenheim angeboten hat. 
Es sei ein langer Weg gewesen, bis es erste Informationen über Ettenheimer Juden gab, sagte sie vor 15 Zuhörern im Palais Rohan. Bereits als Kind habe sie sich interessiert, warum über dem Haus Blank (jetzt Rathaus) "Forsch" geschrieben stand und warum das Haus, in dem sich heute Fahrrad Schulz befindet, lange Zeit mit "Lion" betitelt war, obwohl niemand namens Forsch oder Lion dort wohnte. "Das wissen wir nicht", sei die lakonische Antwort aller gewesen, die sie danach fragte, erzählt Oelhoff..."  
 
August 2010: Die drei noch nicht verlegten "Stolpersteine" waren auf dem Stadtfest zu sehen   
Artikel in der "Badischen Zeitung" vom 18. August 2010 (Artikel): "Noch drei Stolpersteine warten auf ihren Platz
Helene Levistein wurde Auschwitz vergast / Helene Lion starb in Gurs, von ihrer Schwester Sofie fehlt jede Spur. 
ETTENHEIM
(eri). Drei der sechs für Ettenheim angefertigten "Stolpersteine" sind noch nicht verlegt. Die Pflastersteine mit der Messinginschrift, die an aus ihren Häusern vertriebenen und unter dem Naziregime ermordete Juden erinnern sollen, sind im Auftrag des deutsch-israelischen Arbeitskreises südlicher Oberrhein (DIA) angefertigt worden. Drei der Steine hat der Künstler Gunter Demnig vor wenigen Wochen vor den ehemaligen Wohnhäusern in den Bürgersteig eingelassen..."   
  
März 2012: Über die (immer noch nicht) verlegten drei "Stolpersteine" in Ettenheim 
Artikel in der "Badischen Zeitung" vom 28. März 2012: "Streitpunkt: Stolpersteine. Heute wieder im Gemeinderat..."  
Link zum Artikel      
  
Artikel in der "Badischen Zeitung" vom 29. März 2012: "Gemeinderat revidiert seine Entscheidung. Drei weitere Stolpersteine dürfen in Ettenheim verlegt werden. Der Ettenheimer Gemeinderat hat nun doch genehmigt, dass drei Stolpersteine, die an jüdische Opfer des Nationalsozialismus erinnern, auch gegen den Willen der Hausbesitzer verlegt werden können..." 
Link zum Artikel   
mit Kommentar von Klaus Fischer: "Die Stadt hat gewonnen" (Link zum Kommentar).    
 
Artikel in der "Badischen Zeitung" vom 24. Mai 2012: "Stolpersteine noch im Depot. DIA soll Verlegung organisieren..."   
Link zum Artikel.    
  

  
    

Links und Literatur

Links:  

Website der Stadt Ettenheim   
Seit 2010: Website des "Deutsch-israelischen Arbeitskreises südlicher Oberrhein e.V."      
Private Website von Dr. Jörg Sieger zur Geschichte Ettenheims (teilweise kostenpflichtig, jedoch "Schnupperseiten"): hier anklicken   
(Aufgenommen insbesondere das Gedenkbuch: "Schicksal und Geschichte der jüdischen Gemeinden Ettenheim - Altdorf - Kippenheim - Schmieheim - Rust - Oschweier" 2. Auflage 1997). 
Rückblick (interner Link): Presseartikel (Badische Zeitung vom 31.8.2005) mit Hinweisen auf Veranstaltungen zum "Tag der Europäischen Jüdischen Kultur" am 4.9.2005: hier anklicken   

Literatur:   

Franz Hundsnurscher/Gerhard Taddey: Die jüdischen Gemeinden in Baden. 1968. S. 79-81.
Hubert Kewitz: Die Juden in Ettenheim, in: St. Bartholomäus Ettenheim. Beiträge zur 200. Wiederkehr der Weihe der Ettenheimer Stadtpfarrkirche. 1982. S.142-143.
Schicksal und Geschichte der jüdischen Gemeinden Ettenheim, Altdorf, Kippenheim, Schmieheim, Rust, Orschweier. Ein Gedenkbuch. Hg. vom Historischen Verein für Mittelbaden e.V. - Mitgliedergruppe Ettenheim. 1988.1998². 
Joseph Walk (Hrsg.): Württemberg - Hohenzollern - Baden. Reihe: Pinkas Hakehillot. Encyclopedia of Jewish Communities from their foundation till after the Holocaust (hebräisch). Yad Vashem Jerusalem 1986. S. 251-252.  
synagogenbuch-1.jpg (32869 Byte)Joachim Hahn / Jürgen Krüger: "Hier ist nichts anderes als Gottes Haus...". Synagogen in Baden-Württemberg. Band 1: Geschichte und Architektur. Band 2: Orte und Einrichtungen. Hg. von Rüdiger Schmidt, Badische Landesbibliothek, Karlsruhe und Meier Schwarz, Synagogue Memorial, Jerusalem. Stuttgart 2007.    
Ettenheim Lit 040.jpg (59170 Byte)Robert Krais / Bernhard Pilz: Jüdisches Leben in Ettenheim - Steine erzählen. Hrsg. Deutsch-Israelischer Arbeitskreis Südlicher Oberrhein e.V. DIA. Verlag Medien und Dialog Haigerloch 2010.  

Synagogen Lit 201305.jpg (108213 Byte)Christiane Twiehaus: Synagogen im Großherzogtum Baden (1806-1918). Eine Untersuchung zu ihrer Rezeption in den öffentlichen Medien. Rehe: Schriften der Hochschule für jüdische Studien Heidelberg. Universitätsverlag Winter Heidelberg 2012. 
Zur Synagoge in Ettenheim: S. 92-97. 

       
Zusammenstellung der vom Deutsch–Israelischen Arbeitskreis Südlicher Oberrhein e.V. Ettenheim (DIA) herausgegebenen und vertriebenen Literatur (zwei der oben genannten Publikationen werden nochmals aufgeführt; die Preise verstehen sich zuzüglich Porto / Verpackung): 

Schicksal und Geschichte der jüdischen Gemeinden Ettenheim, Altdorf, Kippenheim, Schmieheim, Rust, Orschweier
Bernhard Uttenweiler u.a., Ettenheim, 1988, Historischer Verein Ettenheim, 456 Seiten, 1997 2. Auflage 487 Seiten, viele Abbildungen, Restbestand antiquarisch 42,00 € 
Ein Rundgang durch das ehemalige jüdische Kippenheim
Robert Krais, Kippenheim, 1996, 30 Seiten, 7 Abbildungen, Restbestand 3,00 €  
Der jüdische Friedhof in Schmieheim – MEMOR-Buch
Naftali Bar-Giora Bamberger, Kippenheim, 1999, Gulde - Druck, 2 Bände 24x32 cm, 1078 Seiten, 2500 Abbildungen, Sonderpreis 49,90 €  
Briefe an meinen Sohn aus Gurs
Maurice Meier, erweiterte Neuausgabe von Robert Krais, Ettenheim, 2000, 2. Auflage 2001, Eigenverlag, 246 Seiten, 7 Abbildungen, Restbestand antiquarisch 10,00 €  
Karl Günther: Das Mohelbuch des Heinrich Epstein. Emmendingen/Ettenheim, 2003, Sonderdruck aus 'die Pforte', 30 Seiten, 7 Abbildungen, Sonderpreis: 2,50 €  
Jenseits des gelben Sterns
Inge Auerbacher, Nach Theresienstadt ein neues Leben in Amerika für die Versöhnung, Ettenheim, 2005, Hartung - Gorre Verlag, 144 Seiten, 9,80 €  
Normale Bürger – widrige Zeiten
Alice Dreifuss – Goldstein, Ettenheim/Kenzingen, 2009, Hartung - Gorre Verlag, 128 Seiten, 32 Abbildungen, Sonderpreis 7,50 €  
Jüdisches Leben in Ettenheim
Robert Krais, Bernhard Pilz, Ettenheim, 2010, Medien und Dialog, 36 Seiten, 13 Abbildungen, 3,00 €  
Postkarten
• Parochet (Thoravorhang) der ehemaligen Ettenheimer Synagoge
• Ehemalige Synagoge Kippenheim, Außenansicht   
Im Versteck - Die Geschichte einer Rettung. Nach Naomi Morgenstern, mit zwei Kurzgeschichten von Ehud Loeb und einem Nachwort von Noa Mkayton. 52 S. 27 Abb. Hrsg. von der International School for Holocaust Studies Yad Vashem Israel.   Weitere Informationen siehe eingestellte pdf-Datei.  
"...Aus der Perspektive des heute bald 80-jährigen Ehud Loeb, geboren als Herbert Odenheimer in Bühl in Baden, wird erzählt, wie er Ende 1940 im Alter von sechseinhalb Jahren mit seiner Familie, sämtlichen jüdischen Bürger seiner Heimatstadt und der gesamten Region Baden und Saarplatz in das südfranzösische Lager Gurs deportiert wurde..." 
Hinweis: Das Buch ist sehr geeignet für den Schulunterricht für Jugendliche schon ab 12 Jahren. Insbesondere für den Raum Mittelbaden (Offenburg, Bühl, Achern, Rastatt, Karlsruhe) ist das Buch ein wichtiges Zeitdokument.   11,50 € zuzüglich Porto/Verpackung   

Bestellmöglichkeit im Buchhandel, Postkarten über Robert Krais, Im Altwick 11, 77955 Ettenheim E-Mail  

   
    


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Ettenheim  Baden. The Jewish settlement began in the 14th century. Many Jews were victims of the Armleder massacres of 1336-39 and most were burned alive in the Black Death persecutions of 1348-49. A new settlement was founded in the 1660s with the Jews enjoying unrestricted trade. A new synagogue was built in 1881 and the Jewish population rose to a peak of 100 in 1897 (3 % of the total). The majority were cattle traders. In 1933, 31 remained, with others subsequently joining the community. By 1938, 16 had left. Eighteen emigrated in 1939 after the synagogue was destroyed and Jewish homes and stores were heavily damaged by rioters on Kristallnacht (9-10 November 1938). The last family of six Jews was deported to the Gurs concentration camp in October 1940.  
      
       

                   
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Stand: 14. November 2013