|
Eingangsseite
Aktuelle Informationen
Jahrestagungen von Alemannia
Judaica
Die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft
Jüdische Friedhöfe
(Frühere und
bestehende) Synagogen
Übersicht:
Jüdische Kulturdenkmale in der Region
Bestehende
jüdische Gemeinden in der Region
Jüdische
Museen
FORSCHUNGS-
PROJEKTE
Literatur
und Presseartikel
Adressliste
Digitale
Postkarten
Links
| |
zurück zur Übersicht "Synagogen in der Region"
zu den Synagogen in
Baden-Württemberg
Ettenheim (Ortenau-Kreis)
Jüdische Geschichte / Betsaal/Synagoge
Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english
version)
In dem bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts zum Hochstift
Straßburg gehörenden Ettenheim bestand eine jüdische Gemeinde zunächst im Mittelalter. Durch die Verfolgungen 1336 bis 1338
("Armleder"-Verfolgung") und während der Pestzeit 1349 wurde sie vernichtet.
Das 1609 erstmals genannte "Judenloch" (Flurstücke 3753-3780) an der
Einmündung der Kreisstraße 5348 in die Bundesstraße 3 westlich Ettenheims
könnte den Ort markieren, an dem 1349 die Ettenheimer Juden verbrannt worden
sind. Gestützt wird die Vermutung durch die Nähe des mittelalterlichen
Richtplatzes Ettenheims unweit des "Judenlochs".
Die Entstehung der neuzeitlichen Gemeinde geht in das 17. Jahrhundert zurück.
1685 nahm der Straßburger Fürstbischof Juden in seinen rechtsrheinischen Ämtern
Ettenheim und Oberkirch auf. 1705 wohnten fünf, 1710 sieben jüdische Familien
in der Stadt. 1716 wurden die jüdischen Familien vorübergehend aus der Stadt
vertrieben.
Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts entwickelte sich die Zahl der jüdischen
Einwohner wie folgt: 1857 69 jüdische Einwohner (2,4 % von insgesamt 2.867
Einwohnern), 1875 79 (2,7 % von 2.933), 1897 Höchstzahl von 100 Personen;
danach ging die Zahl zurück: 1900 89 (2,9 % von 3.106), 1910 72 (2,2 % von
3.205), 1925 44 (1,4 % von 3.091).
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge, eine
Religionsschule (bis 1876 besuchten die Kinder die jüdische Konfessionsschule
in Altdorf, nach deren Auflösung die
allgemeine Schule in Ettenheim) und ein rituelles Bad (in der zweiten Hälfte
des 18. Jahrhunderts im Stadtgraben; 1778 wird ein solides Badhaus aus Stein
erstellt [nicht erhalten]; im 19. Jahrhundert wurde das rituelle Bad in Altdorf
mitbenutzt). Die Toten der Gemeinde wurden im jüdischen Friedhof in Schmieheim
beigesetzt. Einen eigenen Religionslehrer hatte die jüdische Gemeinde noch in
der Mitte des 19. Jahrhunderts, danach wurde der Religionsunterricht von Lehrern
in Altdorf und seit Ende des 19. Jahrhunderts von dem Religionslehrer aus
Schmieheim erteilt, während der Religionsunterricht am Realgymnasium weiterhin
der Religionslehrer aus Altdorf übernahm (nach einem Bericht von Josef Lion von
1912). 1827 wurde die Gemeinde dem Rabbinatsbezirk Schmieheim
zugeteilt, dessen Sitz 1893 nach Offenburg
verlegt wurde.
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde Adolf Forsch und
Berthold Levistein. Ihre Namen sind auf dem Gefallenendenkmal des jüdischen
Friedhofes in Schmieheim verzeichnet. Sie stehen auch - dazu die Namen von Adolf
Lion und Karl Lion - auf dem Kriegerdenkmal der Stadt Ettenheim auf dem
Friedhof der Stadtkirche beim östlichen Aufgang. Auf dem Gedenkbrunnen für die
gefallenen ehemaligen Schüler vor dem städtischen Gymnasium (Johann-Baptist-von-Weiß-Straße)
sind auch mehrere Namen jüdischer Schüler aus Altdorf,
Rust und Kippenheim
aufgeführt.
An ehemaligen, bis nach 1933 bestehenden Handels- und Gewerbebetrieben
im Besitz jüdischer Familien / Personen sind bekannt:
Manufaktur-Aussteuer-Konfektion Fa. Adolf Forsch (Rohanstraße 17), Viehhandlung Julius Levistein
(Festungsstraße 8), Viehhandlung Leopold Lion (Berggasse 1), Gastwirtschaft
"Krone", Inh. Mina Lion (Festungsstraße), Metzgerei Raphael und Josef Lion
(Ecke Muschelgasse / Friedrichstraße 55), Woll- und Kurzwarenhandlung Karoline Schnurmann
(Thomasstraße). Weitere jüdische Wohnhäuser waren: Fanny Lion
(Festungsstraße 16), Helene und Sofie Lion I (Friedrichstraße 8), Julie Lion
(Friedrichstraße 6), Karoline Lion (Zunftgasse 1).
1933 lebten 31 jüdische Personen in Ettenheim (1,0 % von 3.149
Einwohnern). Auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts, der zunehmenden
Repressalien und der Entrechtung sind die meisten von ihnen in den folgenden
Jahren aus- beziehungsweise abgewandert. Beim Novemberpogrom 1938 wurde
die Inneneinrichtung der Synagoge völlig zerstört (s.u.), jüdische Geschäfte
und Wohnungen wurden demoliert. 1939 wurden
noch 20 jüdische Einwohner gezählt. Insgesamt konnten 23 jüdische Personen
emigrieren (Argentinien, England, Lettland, Kuba, USA, Frankreich und
Palästina/Israel). Die letzten sechs wurden am 22. Oktober
1940 nach Gurs deportiert.
Von den in Ettenheim geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Rosa Regina Bloch
geb. Lion (1873), Jakob Dreifuß (1882), Hedwig Levistein (1883), Carl Lion
(1879), Fanny Lion (1871), Helene Lion (1866), Julius Lion (1880), Karoline Lion
(1854), Max Lion (1899), Mina Lion (1892), Luise Schwab geb. Lion (1876), Hedwig
Weil geb. Lion (1869), Helene Weil geb. Lion (1865), Herta Wiegand geb. Lion
(1890).
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Allgemeine Berichte
Vor der NS-Zeit: an Orten mit jüdischen Gemeinden
erringen die Nationalsozialisten bei den Landtagswahlen weniger Stimmen
(1929)
Artikel in der "CV-Zeitung" (Zeitschrift des
"Central-Vereins") vom 15. November 1929: "Auch eine
'Judenstatistik' - Aus badischen Wahlergebnissen. Wir haben stets den
Grundsatz aufgestellt, dass keine Aufklärung durch Schrift und Bild so
wirksam ist wie die menschliche Beziehung, wie das nachbarliche
Miteinanderleben zwischen Juden und Nichtjuden. Eine klare Bestätigung
dieses Grundsatzes geben uns die badischen Landtagswahlen im Amtsbezirk
Lahr-Ettenheim. Die nachstehende kleine Statistik zeigt, dass in den
Ortschaften, in denen Juden wohnen, der Anteil der nationalsozialistischen
Stimmen, mit Ausnahme des Ortes Lahr selbst, nicht über 2,5 vom Hundert
gestiegen ist, während in den Orten, wo keine Juden leben, die
Nationalsozialisten bis 30 Prozent der Stimmen erringen konnten....
für Ettenheim wird etwa 1,5 v.H.
angegeben." |
Zur Geschichte des Betsaales / der Synagoge
Über mittelalterliche
Einrichtungen ist nichts bekannt.
Obwohl im 18. Jahrhundert einige wohlhabende jüdische
Familien in Ettenheim wohnten, erfahren wir in dieser Zeit noch nichts von einer
Synagoge oder einem Betsaal. Die Straßburger Fürstbischöfe hatten 1658 in
einer "Juden-Ordnung" bestimmt: "Zum dritten, sollen die Juden in unserm Stift
gesessen, an keinem Ort, weder in Städten noch auf dem Land, kein öffentliche
Synagog oder Schul halten, wohl mögen sie aber in ihren Häusern ihre Kinder in
ihrem Gesetz unterweisen lassen und ohne Beschwerde der Christen ihre Ordnung in
ihren Häusern halten". Diese Judenordnung ist von Fürstbischof Ludwig
Constantin von Rohan 1759 bestätigt worden. Trotz dieses Verbotes wird im 18.
Jahrhundert vermutlich ein Schulraum/Betsaal in einem jüdischen
Privathaus vorhanden gewesen sein. In einem Kaufvertrag vom 10. November 1759
wird berichtet, dass Moses Levy ein Haus von Rachel Levy, der Ehefrau von
Michael Samuel Gombrich kaufte und ihr zum einen dafür einen Platz "in der
Weibersynagoge auf Lebenszeit" garantierte sowie zum anderen ihrem Mann den
Platz seines Schwiegersohnes Hirschel Weyl zur Verfügung stellte.
Eine erste Synagoge unbekannten Baujahres wird seit
1816 genannt. Es handelte sich dabei um einen einfachen Betsaal in einem nicht
mehr vorhandenen Hintergebäude hinter einem Haus in der Friedrichstrasse (bis
1816 Anwesen der jüdischen Familie Gombrich, dann Witwe Reys, spätestens ab
1845 Anton Klotz, bis 1956 "Klotz Erben", die es an die Ettenheimer Volksbank
Friedrichstrasse 38 für einen südlichen Erweiterungsbau abgerissen haben). Die
Synagoge stand somit unweit des Spitals (heute Kirchliche Sozialstation
Spitalgasse 1) und grenzte mit der Ostseite an die Östliche Ringstrasse. Zu ihr
bestand ein Durchgangsrecht von der Friedrichstrasse am Klotz’schen Haus
vorbei. In einem Bericht von 1859 wird die Ettenheimer Synagoge als "klein und
in einem Winkel abgelegen" beschrieben. Sie sei "jetzt verbessert und so weit
tunlich zum Gebrauche hergerichtet". Offensichtlich waren kurz zuvor (1858?)
Renovierungsmaßnahmen durchgeführt worden.
Den Anlass zum Neubau einer Synagoge in Ettenheim ergab
eine Ortsbereisung des Bezirksamtes Ettenheim im Februar 1879, bei der
festgestellt wurde, dass die Hinterseite der Synagoge sehr baufällig sei. Dem
Synagogenrat wurde aufgegeben, alsbald Abhilfe zu schaffen. Dieser wollte alles
aufbieten, um möglichst schnell eine neue Synagoge bauen zu können, da man die
alte Synagoge sowieso nicht mehr renovieren könne und der Durchgang zu ihr eine
Zumutung sei, da man "an Dunghaufen und Dunglachen vorbei muss". Trotz dieser
Baufälligkeit der alten Synagoge blieb das Gebäude noch bis zum Abbruch 1951
stehen und wurde bis zuletzt als Schopf genützt.
Im Laufe des Jahres 1879 wurden die Planungen für einen neue
Synagoge vorangetrieben. Die größte Schwierigkeit war die Finanzierung des
Neubaus, der auf mindestens 11.500 Mark veranschlagt wurde. Dies war für die jüdische
Gemeinde eine nicht zu erbringende Summe. Vom Gemeinderat der Stadt und vom Bürgerausschuss
wurde ein Zuschuss von zusammen 600 Mark bewilligt. Über mehrere Sammlungen bei
Gemeindegliedern und auswärtigen Freunden der jüdischen Gemeinde Ettenheims
sowie über einen großen Kredit konnte die Bausumme schließlich
zusammengetragen werden. Ein geeigneter Bauplatz wurde in der Alleestrasse 22
gefunden. Die Baupläne der neuen Synagoge hatte der von 1878 bis 1882 am
Realprogymnasium Ettenheim tätige Gewerbeschullehrer Wendelin Ederle entworfen.
Die Einweihung der Synagoge fand am Freitag, 25. Februar 1881 statt. Am
Nachmittag dieses Tages war um 13 Uhr zunächst ein Gottesdienst in der alten
Synagoge mit einer Abschiedsrede des Bezirksrabbiners. Die Torarollen wurden aus
dem alten Toraschrein genommen und zu dem bereits aufgestellten Zug der
Festteilnehmer gebracht. Unter Begleitung der Musikkapelle der Stadt zog man zur
neuen Synagoge, bei der nach den dazu üblichen Gebeten durch den Vorsänger und
Bezirksrabbiner die Torarollen in die neue Lade gestellt wurden. Die Lahrer
Zeitung lobte in ihrem Bericht am 18. Februar 1881 den Neubau der Synagoge als "ein
schmuckes Gebäude", "eine Zierde der Stadt".
|
Die Einweihung der Synagoge
(1881)
|
|
Artikel in der "Breisgauer Zeitung" vom
5. März 1881: "Ettenheim, 3. März. Die in den jüngsten Tagen hier stattgehabte Synagogeneinweihung hat durch die zahlreiche Beteiligung aller Konfessionen und Stände an derselben von Neuem den Beweis geliefert, dass in hiesiger Stadt Friede und Eintracht unter den Menschen heimisch ist. Selbstverständlich hat daher auch die von echter Toleranz durchdrungene Ansprache des Großherzoglichen Amtsvorstandes gelegentlich der Übernahme des Synagogenschlüssels in den Herzen der Zuhörer den freudigsten Widerhall gefunden, während die nachfolgende Predigt des israelitischen Geistlichen nach Form und Inhalt (Schilderung der Tugenden des auserwählten Gottesvolks und Hinweisung auf die Antisemitenliga) nicht ansprach. Im Übrigen hat das Fest den schönsten Verlauf genommen und freuen wir uns, dass die langjährigen Bemühungen der hiesigen Israeliten für den Bau einer Synagoge nunmehr mit Erfolg gekrönt worden sind".
|
Die Ettenheimer Synagoge war für die damalige Zeit
charakteristisch gebaut in einem Mischstil von klassizistischen Formen mit
Anlehnungen an die Renaissance und die Romanik. Es war ein stattliches,
harmonisches Gebäude mit einem großen Portal, dessen Rundbogen von zwei Säulenpaaren
getragen wurde. Im Obergeschoss über dem Portal lag hinter den drei großen
Rundbogenfenstern in der Mitte der Eingangsfassade das heizbare Schulzimmer. Über
dem Eingang fand sich als Portalinschrift (links vom Portal deutsch, rechts hebräisch
geschrieben): "Öffnet mir die Pforten des Heiles, ich gehe hinein und danke dem
Herrn. Ps. 118,19".
|
Besuch des Großherzogs in der Synagoge
(1912)
|
Mitteilung
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 30. August 1912:
"Bei seiner Anwesenheit in Ettenheim (Baden) besuchte das
Großherzogpaar auch die Synagoge". |
In der Synagoge wurden bis Mitte des 1920er-Jahre regelmäßige
Gottesdienste gefeiert. Dann wurde es durch den Wegzug vieler jüdischer
Familien immer schwieriger, die zum Gottesdienst nötige Zehnzahl der Männer
zusammen zu bekommen. Vermutlich wurden nach 1925 nur noch unregelmäßig
Gottesdienste abgehalten. Die jüdischen Männer aus Ettenheim besuchten die
Gottesdienste in der Synagoge in Altdorf.
Nach Angaben der Firma Riegger wurde ihr schon vor 1933 das Gebäude von der
israelitischen Gemeinde zum Kauf angeboten.
Beim Novemberpogrom 1938 wurde in den Vormittagsstunden des 10. November durch SA-Männer unter Beteiligung von Ettenheimer NS-Parteiangehörigen die Inneneinrichtung der Synagoge geplündert und zerstört. Ein Großteil der Einrichtung (auch Bücher und Ritualien) verbrannte man außerhalb der Synagoge. Beim späteren Verkauf des Gebäudes fehlte die gesamte Einrichtung samt den Fenstern. Das Gebäude wurde am
23. Dezember 1938 an den benachbarten Gerbereibetrieb G. Riegger oHG verkauft, von dem es zu einem Wohn- und Geschäftshaus umgebaut wurde. Beim Umbau wurden die Außenwände weiterverwendet; die Anordnung der Fenster blieb erhalten. Die Giebel wurden entfernt und ein Walmdach aufgesetzt. Die Fensterrahmungen und das Portal verschwanden gleichfalls, sodass nach dem Umbau aus der ehemaligen Synagoge ein Wohnhaus im Stil des Jahres 1939 geworden war. Eine Gedenktafel ist nicht angebracht.
Von der Ausstattung der Synagoge erhielten sich fünf Torarollen, die 1947 an die Israelitische Gemeinde in Freiburg abgegeben wurden. Die große Rosette im klassizistischen Giebel blieb erhalten und wird bis heute als Brunneneinfassung auf dem Friedhof in Ettenheimmünster verwendet. Das Stadtarchiv Ettenheim bewahrt noch einen Toraschrein-Vorhang (Parochet) auf sowie ein Festtagsgebetbuch und farbige Fensterscheiben.
Pläne
 |
 |
|
Gesamtansicht von Ettenheim (aus neuerer Zeit) mit Eintragung des
Synagogenstandortes |
Stadtplan Ettenheim von 1910 - Ausschnitt mit Eintragung der Synagoge in
der Alleestraße |
Fotos
Historische Fotos
(Quelle: aus dem Buch Schicksal und Geschichte... s. Lit. S. 87.89; die
Karte war abgedruckt im Ettenheimer Heimatkalender 1984, Monat Januar)
Fotos nach 1945/Gegenwart:
Aktuelle
Presseartikel zur jüdischen Geschichte in Ettenheim
| Der Toraschrein aus
Ettenheim wird in Karlsruhe gezeigt (März - Juni 2009) |
Artikel in der "Badischen Zeitung"
(Region Ortenau) vom 14. März 2009 (Artikel)
:
Der Thoraschreinvorhang wird in Karlsruhe gezeigt.
ETTENHEIM. (BZ). Am vergangenen Sonntag wurde in Karlsruhe ein Festakt zum 200-jährigen Bestehen der Jüdischen Religionsgemeinschaft in Baden begangen. In einer Ausstellung zu diesem Jubiläum findet sich auch ein Thoraschreinvorhang aus Ettenheim.
In der umfangreichen Ausstellung des Generallandesarchivs Karlruhe werden die Entwicklung der Rechte der jüdischen Bevölkerung im 19. Jahrhundert, die völlige Entrechtung und Vernichtung der Juden durch die Nationalsozialisten und der mühsame Versuch aufgezeigt, in der Nachkriegszeit wieder jüdisches Leben aufzubauen. Mehrere Bilder der Ausstellung sind dem Buch "Schicksal und Geschichte der jüdischen Gemeinden Ettenheim, Altdorf, Kippenheim, Schmieheim und Rust" entnommen, das der Historische Verein Ettenheim 1988 herausgegeben hat. Für die Ausstellung wurde von der Stadt Ettenheim auch der Thoraschreinvorhang zur Verfügung gestellt, den die Frauen der jüdischen Gemeinde Ettenheim 1881 zur Einweihung der Synagoge in der Alleestraße gestiftet hatten. Nach der Schändung der Ettenheimer Synagoge 1938 wurde der Vorhang auf den Speicher des Rathauses verbracht.
Im Jahr 1988, fünfzig Jahre nach der Reichspogromnacht, wurde dieses kostbare religiöse Kunstwerk beim Besuch ehemaliger Ettenheimer Juden zum ersten Mal wieder zugänglich gemacht. Bald danach erfolgte eine Restaurierung, wobei der ursprüngliche Samtstoff durch einen neuen Stoff ersetzt und die Original-Verzierung wieder verwendet wurde. Der Vorhang wurde im Sitzungssaal im Palais Rohan in einem Schaukasten untergebracht, wo er nach der Karlsruher Ausstellung wieder seinen Platz finden wird...". |
| |
| |
Links und Literatur
Links:
 | Website der Stadt
Ettenheim; auf Unterseite Nennung des Toravorhanges im Palais Rohan,
Sitzungszimmer der Stadtverwaltung: hier
anklicken; Bestellmöglichkeit für Postkarten des Toravorhanges: Robert
Krais, im Altwick 11, 77955 Ettenheim E-Mail
Preis pro Stück -.50 Cent. |
 | Private Website von Dr. Jörg Sieger zur Geschichte Ettenheims
(kostenpflichtig): hier
anklicken |
 | Rückblick (interner Link): Presseartikel (Badische Zeitung
vom 31.8.2005) mit Hinweisen auf Veranstaltungen zum "Tag der
Europäischen Jüdischen Kultur" am 4.9.2005: hier
anklicken
|
Literatur:
 | Franz Hundsnurscher/Gerhard Taddey: Die jüdischen Gemeinden in Baden.
1968. S. 79-81. |
 | Hubert Kewitz: Die Juden in Ettenheim, in: St. Bartholomäus Ettenheim.
Beiträge zur 200. Wiederkehr der Weihe der Ettenheimer Stadtpfarrkirche.
1982. S.142-143. |
 | Schicksal und Geschichte der jüdischen Gemeinden Ettenheim, Altdorf,
Kippenheim, Schmieheim, Rust, Orschweier. Ein Gedenkbuch. Hg. vom
Historischen Verein für Mittelbaden e.V. - Mitgliedergruppe Ettenheim. 1988.1998². |
 | Joseph Walk (Hrsg.): Württemberg - Hohenzollern -
Baden. Reihe: Pinkas Hakehillot. Encyclopedia of Jewish Communities from
their foundation till after the Holocaust (hebräisch). Yad Vashem Jerusalem
1986. S. 251-252. |
 | Joachim
Hahn / Jürgen Krüger: "Hier ist nichts anderes als
Gottes Haus...". Synagogen in Baden-Württemberg. Band 1: Geschichte
und Architektur. Band 2: Orte und Einrichtungen. Hg. von Rüdiger Schmidt,
Badische Landesbibliothek, Karlsruhe und Meier Schwarz, Synagogue Memorial,
Jerusalem. Stuttgart 2007.
|

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the
Holocaust".
First published in 2001 by NEW
YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad
Vashem Jerusalem, Israel.
Ettenheim Baden. The
Jewish settlement began in the 14th century. Many Jews were victims of the
Armleder massacres of 1336-39 and most were burned alive in the Black Death
persecutions of 1348-49. A new settlement was founded in the 1660s with the Jews
enjoying unrestricted trade. A new synagogue was built in 1881 and the Jewish
population rose to a peak of 100 in 1897 (3 % of the total). The majority were
cattle traders. In 1933, 31 remained, with others subsequently joining the
community. By 1938, 16 had left. Eighteen emigrated in 1939 after the synagogue
was destroyed and Jewish homes and stores were heavily damaged by rioters on Kristallnacht
(9-10 November 1938). The last family of six Jews was deported to the Gurs
concentration camp in October 1940.

vorherige Synagoge zur ersten Synagoge nächste Synagoge
|