Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)    
    
In Ihringen bestand eine jüdische Gemeinde bis etwa 1938/40. Ihre Entstehung geht in die Zeit Anfang des 18. Jahrhunderts zurück. Um 1716 sind die ersten Juden aufgenommen worden. 1721 waren sieben jüdische Familien am Ort, 1743 12 Familien. 
  
1801 gehörten der jüdischen Gemeinde 83 Personen an. Die höchste Zahl jüdischer Einwohner wurde um 1857 mit 263 Personen erreicht. Religiös betreut wurden die Ihringer Juden von Breisach aus, das seit 1710 einen eigenen Rabbiner hatte. 1885 wurde der Rabbinatssitz nach Freiburg verlegt. Die jüdischen Familien lebten im 19. Jahrhundert überwiegend vom Vieh- und Tuchhandel.
  
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge (s.u.), eine jüdische Schule (1835 bis 1876 jüdische Volksschule), ein rituelles Bad (Gebäude vor Synagoge, heute Bachenstraße 17) und einen Friedhof. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war (der Lehrer wohnte im Gebäude Bachenstraße 15). Zeitweise gab es auch zwei Angestellte der Gemeinde: einen Lehrer und einen Vorbeter/Schochet. In besonderer Erinnerung blieb Vorbeter und Schochet Karl Marx, der von 1869 bis 1924 über 55 Jahre in der Gemeinde tätig war (siehe Bericht unten).  
  
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde Siegfried Bloch (geb. 26.6.1895 in Ihringen, gef. 11.7.1916) und Gefreiter Julius Weil (geb. 16.12.1882 in Ihringen, gef. 7.10.1918). Ihre Namen stehen auf dem Denkmal für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges vor der Kirche des Ortes (gestaltet 1928 von Bildhauser Metzen/Freiburg).      
  
Um 1925,
als noch 125 jüdische Einwohner gezählt wurden (3,7 % der Gesamteinwohnerschaft von ca. 3.400 Einwohnern) waren die Vorsteher der Synagogengemeinde: Maier Mayer, Hermann Weil und Heinrich Weil. Unter den jüdischen Vereinen sind zu nennen: der der Israelitische Männer-Krankenverein (gegründet 1830, Ziele: Mitgliederunterstützung in Krankheits- und Trauerfällen mit 1932 34 Mitgliedern), der Israelitische Frauenverein (mit 1925 ca. 30 Mitgliedern) und eine Ortsarmenkasse (Ziel: Unterstützung Ortsansässiger und Durchreisender). 1932 waren die Vorsteher der Gemeinde Maier Mayer, Salomon Weil und Gustav Judas. Als Lehrer und Kantor wirkte Erich Kahn (bis zu seiner Versetzung nach Randegg 1935). Er erteilte den damals noch sechs schulpflichtigen jüdischen Kindern Religionsunterricht.
        
1933 gab es in Ihringen neun jüdische Viehhändler, zwei Pferdehändler und einen Metzger. Dazu gehörten jüdischen Familien  mehrere Textilgeschäfte und verschiedene Handlungen und Geschäfte, die für das wirtschaftliche Leben im Ort große Bedeutung hatten. Insgesamt lebten 1933 noch 98 jüdische Personen in Ihringen.  
An ehemaligen, bis nach 1933 bestehenden Handels- und Gewerbebetrieben im Besitz jüdischer Familien / Personen sind bekannt: Viehhandlung Hermann Salomon Bloch (Breisacher Straße 15), Viehhandlung Moritz und Julius Bloch (Eisenbahnstraße 30), Manufakturwaren Leo Bloch (Breisacher Straße 17), Viehhandlung Lehmann, gen. Ludwig Bloch (Bachenstraße 22), Viehhandlung Hermann Maier Bloch (Breisacher Straße 3), Handelsmann Salomon Bloch (Breisacher Straße 11), Viehhandlung Siegmund Bloch (Eisenbahnstraße 8), Landwirt und Viehhandlung Julius Felsenstein (Wasenweiler Straße 16), Tabakwarengroßhandlung Edmund Geismar (Eisenbahnstraße), Wein- und Essighandel und Brennerei Gebr. Guggenheimer, Inh. Max und Hermann Guggenheimer (Eisenbahnstraße 20), Textilhaus und Möbelgeschäft Gustav Judas (Wasenweiler Straße 2 und 5), Metzgerei Benjamin Lion (Bachenstraße 5), Viehhandlung Philipp Lion (Eisenbahnstraße 2), Lebensmittel- und Textilwarengeschäft Ferdinand Mayer (Kirchstraße 18), Kaufmann Maier Mayer (Bachenstraße 24), Textilwaren-Versand und Reisehandlung Fa. Heinrich Weil, Teilh. Karl Bernheimer (Breisacher Straße 8), Holz- und Kohlenhandlung Hermann Weil (Eisenbahnstraße 17), Kaufmann Isidor Weil und Viehhandlung David Weil (Bachenstraße 4), Eisenhandlung Isidor Weil (Bachenstraße 28), Eisen- und Kohlenhandlung Salomon Weil (Vogelgasse 6), Sattlermeister Samuel Weil (Breisacher Straße 12).  
   
Nach 1933 bekamen die jüdischen Einwohner die Repressalien, die zunehmende Unterdrückung und die Folgen des wirtschaftlichen Boykotts schnell zu spüren. 1934 wurde der Textilkaufmann Karl Bernheim in "Schutzhaft" genommen, weil er Bemerkungen über die wachsende Qualitätsminderung von Textilien gemacht hatte. Leo Weil wurde wegen "Gräuelpropaganda" ins Freiburger Gefängnis eingesperrt. Er hatte in einem offenbar abgefangenen Privatbrief die Zustände im Land geschildert. Die Viehhändler mussten 1935 ihr Gewerbe aufgeben. 1936 wurden die jüdischen Schulkinder von der öffentlichen Volksschule verwiesen und hatten nun die jüdische Schule in Freiburg zu besuchen. Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge zerstört (siehe Bericht unten). Etwa ein Drittel der Ihringer Juden konnten in die USA, die Schweiz, nach Frankfurt, Holland, Palästina und in andere Länder emigrieren. Andere verzogen in verschiedene Orte und Städte. Am 22. Oktober 1940 wurden aus Ihringen 15 jüdische Personen nach Gurs deportiert.  
   
Von den in Ihringen geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945", abgeglichen mit Gedenkbuch Baden-Württemberg): Elise Beck geb. Heilbronner (1883), Bertha Bloch geb. Heilbronner (1884), Bonna Bloch geb. Rothschild (1874), Camilla Bloch geb. Guggenheimer (1889), Friedrich Bloch (1888), Jakob Julius Bloch (1906), Julius Bloch (1877), Leo Bloch (1882), Mina Bloch geb. Weil (1857), Regina (Rosa) Bloch geb. Lion (1873), Helene Felsenstein geb. Lion (1877), Julius Felsenstein (1868), Siegfried Felsenstein (1904), Thekla Felsenstein (1920), Zitta Felsenstein (1908), Bella Forst geb. Judas (1889), Erich Forst (1920), Ilse Forst (1922), Edmund Geismar (1889), Karoline (Carolina) Ginsburg geb. Weil (1873), Karoline Guggenheimer geb. Geismar (1878), Marx Guggenheimer (1870), Emilie Heilbronner (1886), Karoline Heilbronner (1896), Max Heilbronner (1879), Salomon Fritz Heilbronner (1881), Flora Hene geb. Judas (1898), Berta Judas geb. Heilbronner (1861), Carry Judas geb. Ramsfelder (1896), Isaak Judas (1887), Jette Judas geb. Weil (1854), Leo Judas 1895), Leopold Judas (1897), Selma Judas geb. Stengel (1890), Else Kahn geb. Jeselsohn (1910), Erich Kahn (1903), Benjamin Lion (1880), Ilse Lion (1920), Philipp Lion (1872), Rosa Lion geb. Guggenheimer (1884), Sophie Lion geb. Wertheimer (1890), Hermine Löwy geb. Mayer (1870), Babette Maier (1870), Jakob Maier (1866), Theodore Mayer (1906), Rosa Mayer geb. Judas (ca. 1890?), Israel Josef Meyer (1866), Dr. Hilde (Hilda) Reis (1898), Frieda Rosenblatt geb. Weil (1907), Clara Schwarz geb. Marx (1874), Irma Simon geb. Bloch (1898), Karoline Sinsheimer geb. Guggenheimer (1877), Jette Ulmann geb. Geismar (1864), Berta Weil geb. Greilsamer (1882), Clara Weil geb. Auerbacher (1894), Hedwig Weil geb. Lion (1869), Israel Weil (1880), Klara Weil geb. Auerbacher (1894), Lisette (Lina) Weil (1884), Paula Weil geb. Heilbronner (1888), Salomon Weil (1882), Samuel Weil (1868), Samuel Weil (1877), Sara Weil (1875), Sophie Weil (1875, wurde von Köln nach Lódz deportiert), Sophia Weil geb. Ettlinger (1871), Wolfgang Weil (1926), Clementine Wilmersdorf (1900). 
    
    
    
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
 
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer  
Ausschreibungen der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet 1922 / 1924 / 1929  

Ihringen Israelit 09111922.jpg (69247 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 9. November 1922: In Ihringen (Baden) ist die Stelle eines Kantors, Schochets und Religionslehrers, streng religiös, mit Autorisation von streng orthodoxem Rabbiner zum alsbaldigen Eintritt (möglichst schon Dezember) zu besetzen. Das Gehalt regelt sich nach der Besoldungsordnung des Badischen Oberrats der Israeliten. Außerdem freie Dienstwohnung und übliche Nebeneinnahmen. Bewerber wollen ihre Meldungen mit Lebenslauf, genauer Angabe der bisherigen Tätigkeit und Zeugnisabschriften bei der unterzeichneten Stelle alsbald einreichen. Der Synagogenrat Ihringen. M. Mayer."   
 
Ihringen Israelit 28021924.jpg (53791 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 28. Februar 1924: "Gesucht zum sofortigen Eintritt: Kantor, Schochet und Religionslehrer. Reichsdeutsche, womöglich seminaristisch gebildete religiöse Bewerber wollen sich unter Beifügung diesbezüglicher Zeugnisse sofort melden. Festeinkommen gemäß Besoldungsordnung des badischen Oberrates. Ledige Bewerber bevorzugt. 
Der Synagogenrat der israelitischen Gemeinde Ihringen am Kaiserstuhl (Baden). M. Mayer."  
  
Ihringen Israelit 21111929.jpg (44996 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 21. November 1929: "In der Gemeinde Ihringen (Baden) ist die Stelle des Kantors, Schochets und Religionslehrers zum 1. Februar nächsten Jahres oder früher neu zu besetzen. Gehalt nach den Sätzen des Oberrats. Wohnung (vier Zimmer und Küche) ist vorhanden. Meldungen mit Lebenslauf und Zeugnisabschriften an die Bezirkssynagoge in Freiburg im Breisgau."  

      
Lehrer Michael Gombrich wechselt von Sulzburg nach Ihringen, Lehrer Ladenburger von Ihringen wechselt nach Sulzburg (1838)       

Anzeige im "Großherzoglich Badischen Anzeige-Blatt für den See-Kreis" von 1838 S. 864 (Quelle: Stadtarchiv Donaueschingen): "Karlsruhe [Dienstnachricht]. Dem israelitischen Schullehrer Gombrich in Sulzburg wurde die israelitische Schulstelle in Ihringen, und dem israelitischen Schullehrer Ladenburger in letzterem Orte jene zu Sulzburg übertragen. 
Karlsruhe den 8. November 1838. Oberrat der Israeliten. Schulkonferenz."      

       
Lehrer Michael Gombrich wechselt von Ihringen nach Schmieheim (Lehrer in Ihringen von 1838 bis 1854)   
Lehrer Michael Gombrich ist als Sohn des Salomon Gombrich und der Fanny geb. Wachenheimer um 1811 in Ettenheim geboren. Er war in 1. Ehe verheiratet mit Sara geb. Blum (Tochter des Isaak Blum, Handelsmann in Dürmenach und der Marie geb. Kahn; geb. um 1808, gest. 1. Februar 1863), mit der er zwei Kinder hatte: Regina (gest. 1862) und Hanna; in 2. Ehe war er verheiratet mit Gottliebin geb. Valfer (Tochter des Götsch Valfer, Handelsmann in Diersburg, und der Jeannette geb. Bruchsaler; geb. 9. Februar 1836 in Diersburg), mit der er sechs Kinder hatte: Gustav Bernhard (1868), Jeanette (1869), Sigmund (1871), Julius (1874), Karl (1876, gest. 1877), Mina (1878, gest. 1880). Lehrer Michael Gombrich starb in Schmieheim am 27. Januar 1881   

Anzeige im "Großherzoglich Badischen Anzeige-Blatt für den See-Kreis" vom 5. Juli 1854 (Quelle: Stadtarchiv Donaueschingen): Dienst-Nachrichten
Die durch Beförderung des israelitischen Hauptlehrers Isak Billigheimer erledigte Hauptlehrerstelle an der israelitischen Volksschule in Schmieheim ist dem Hauptlehrer Michael Gembrich in Ihringen übertragen worden."     

      
Hauptlehrer Heinrich wechselt von Billigheim nach Ihringen (1855)    

Anzeige im "Großherzoglich Badischen Anzeige-Blatt für den See-Kreis" vom 17. Februar 1855 (Quelle: Stadtarchiv Donaueschingen): Vakante Schulstellen. 
Durch Beförderung des Hauptlehrers Heinrich in Billigheim auf die israelitische Schulstelle in Ihringen, ist die zur II. gesetzlichen Klasse gehörige Schulstelle bei der israelitischen Gemeinde Billigheim, mit welcher ein fester Gehalt von 200 fl., ein Schulgeld von 48 kr. für jedes Kind, freie Wohnung oder der gesetzliche Wertanschlag für solche, sowie der Vorsängerdienst mit den davon abhängigen Gefällen verbunden ist, in Erledigung gekommen.  
Die berechtigten Bewerber um diese Stelle werden daher aufgefordert, nach Maßgabe der Verordnung vom 7. Juli 1835, unter Anfügung ihrer Aufnahmescheine und der Zeugnisse über ihren sittlichen und religiösen Lebenswandel durch die betreffende Großherzogliche Bezirksschulvisitatur bei der Großherzoglich katholischen Bezirksschulvisitatur Mosbach zu Neudenau binnen 6 Wochen sich zu melden."    

    
Zum Tod von Kantor und Schochet Karl Marx (1924)  

Ihringen Israelit 12061924.jpg (63578 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 12. Juni 1924: "Ihringen (Baden), 1. Juni (1924). Vor kurzem verschied hier im Alter von 79 Jahren unser Kantor und Schochet Karl Marx. Derselbe fungierte über 55 Jahre in hiesiger Gemeinde; es war dies seine erste und letzte Stelle. Am 1. November vor4igen Jahres gab er den Vorbeterdienst auf, dagegen versah er den Dienst als Baal-Kaure und Schochet bereits bis zu seinem Lebensende. An einem der letzten Sabbate hat er in halbgebrochenem Zustande noch auf der heiligen Thora vorgelesen. Die jüdische Gemeinde verliert durch seinen Heimgang einen sehr tüchtigen und beliebten Beamten und wird ihm ein treues, dauerndes Andenken bewahren. Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."   

   
Über Lehrer Erich Kahn (1903 - deportiert 1941)  

Erich Kahn ist am 12. Juli 1903 in Esslingen geboren als Sohn des damaligen Seminarlehrers Dr. Moses Kahn (von  1910 bis 1939 Rabbiner in Bad Mergentheim) und der Klara geb. Marx. Erich Kahn hat sich in Frankfurt am Main zum Lehrer ausbilden lassen. Er heiratete am 31. August 1930 Else geb. Jeselsohn aus Neckarbischofsheim. Von Januar 1933 bis Juli 1935 war Erich Kahn Lehrer in Ihringen, danach von August 1935 an in Randegg. Von Randegg aus zog das Ehepaar im September 1939 nach Stuttgart. Die am 3. Mai 1933 konnte im März 1939 nach Palästina verbracht werden. Erich Kahn und seine Frau Else geb. Jeselsohn wurden am 1. Dezember 1941 nach Riga deportiert. Beide sind wie die meisten der mit diesem Deportationszug Verschleppten bald nach der Ankunft in Riga umgekommen beziehungsweise wurden ermordet.   
Quelle: Joachim Hahn: Jüdisches Leben in Esslingen. 1994 S. 278. 
vgl. Presseartikel unten vom Juni 2014 unter Erinnerungsarbeit vor Ort

    
    
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde  
Zum Tod von Babette Meyer (1871)  

Ihringen Israelit 01021871.JPG (208643 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 1. Februar 1871: "Nekrolog. Ihringen, 23. Januar (1871). Am vorigen Mittwoch, am 24. Tage des Monats Tebeth (= 17. Januar 1871), entschlief Frau Babette Meyer von hier zu einem besseren Leben im 73. Jahre ihres Alters. Die Verstorbene war eine sehr brave, fromme Frau, eine wackere Frau, eine 'Frau, die den Ewigen fürchtet, die werde gerühmt' (Sprüche 31,30). Seit 37 Jahren Witwe, hat sie sich und ihre zwei, damals noch ganz jungen Kinder von ihrer Hände Arbeit ehrlich und rechtschaffen ernährt, ja, sie hat es noch zu ermöglichen gewusst, den Armen reichlich zu spenden. Nach ihrem Tode fand ich in ihrem Challa-Büchschen 8 Frs.; ein Zettelchen lag dabei, das anzeigte, dass dieses Geld für die Armen des Heiligen Landes bestimmt sei. 
Stets war die edle Frau bemüht, für das echte, wahre Judentum zu wirken; da sie in unserer heiligen Religion sehr erfahren war, so wusste sie in allen Fällen Rat zu erteilen, der denn auch eifrig eingeholt wurde; sie war eine große Verehrerin des 'Israelit'; nicht allein, dass sie auf diese Zeitschrift stets abonniert war und sie allein bezahlte - sie machte auch stets alle Welt darauf aufmerksam und lieh die Blätter öfter aus, um den Inhalt derselben zu verbreiten. Die Gemeinde Ihringen hat viel an der Seligen verloren; doch ahmen ihre Kinder ihr nach und suchen den Verlust zu ersetzen. 
Morgens stand sie stets zwei Stunden früher auf, ehe man in die Synagoge ging, um täglich das Psalmgebet des Tages zu beten. In der Synagoge war sie stets, morgens und abends, am Sabbat wie an Wochentagen die erste, so zwar, dass sie im Wortsinne die Synagoge aufschloss, zu der sie sich tagtäglich den Schlüssel holte. - Nach kurzer Krankheit entschlief sie mit einem Kuss (sc. durch einen Kuss Gottes sterben meint sanft einschlafen in den Tod) und ihre reine Seele entfloh der irdischen Hülle. Nach langer Trennung ist sie nun wieder mit ihrem früh heimgegangenen Gatten Mosche Jizchak - er ruhe in Frieden - im besseren Jenseits vereint, um dort den Lohn für ihr frommes Streben und Wirken auf Erden zu erhalten. Mögen recht viele Frauen in Israel der Heimgegangenen nachahmen und wie sie auf Erden wandeln; dann wir gewiss ein Geschlecht erblühen, reich an Tugend und Gottesfurcht. Wenn dazu die vorstehenden Zeilen beitragen, so ist ihr Zweck erreicht. Ihre Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens.  
Jacques Meyer aus Sultz, Elsass, Schwiegersohn der Frau Babette Meyer - sie ruhe in Frieden."  

 
Zum Tod der Mutter von Weinhändler Jakob Guggenheimer, der Witwe von Max Guggenheimer (1902)  

Ihringen Israelit 17071902.jpg (58748 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. Juli 1902: "Ihringen (Baden). Im Alter von 101 Jahren starb am 8. Juli die Mutter des hiesigen Weinhändlers Jakob Guggenheimer, Frau Max Guggenheimer Witwe. Bis vor wenigen Tagen erfreute sich die Entschlafene der besten Gesundheit. Ihre Sinne waren noch ungetrübt und ihr Auge hatte nichts an der früheren Sehschärfe eingebüßt. Selbst in ihrem hohen Alter vermochte sie Gedrucktes und Geschriebenes ohne Brille zu lesen."  

 
33-jähriges Amtsjubiläum von Maier Mayer als Gemeindevorsteher (1929)  

Ihringen Israelit 11041929.jpg (86905 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. April 1929: "Ihringen, 3. April (1929). Im Februar konnte Herr Maier Mayer auf eine 33-jährige überaus segensreiche Tätigkeit als Vorsteher unserer Gemeinde zurückblicken. In dieser Zeitperiode hat er mit voller Hingebung die Belange und Interessen der Gemeinde in Treue wahrgenommen und sie erfolgreich vertreten. Er war stets bemüht, die religiöse Tradition in ihrer ursprünglichen Reinheit in unserer Gemeinde zu erhalten. Für die Erhaltung der Institutionen wie Synagoge, Schul- und Betlokal, Mikwo usw. setzte er sich mit seiner ganzen Person ein und sorgte für die Herbeischaffung der zur Renovierung notwendigen Geldmittel. Auch die Anschaffung einer neuen Torarolle ist durch seine Initiative ermöglicht worden.  
Eine ihm von der Gemeinde zugedachte Ehrung lehnte der Jubilar in seiner Bescheidenheit ab.    
Möge Gott ihn noch lange gesund an der Spitze unserer Gemeinde zu deren Wohl erhalten." 

   
Zum Tod des langjährigen Gemeindevorstehers Maier Mayer (1934)
     

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 14. September 1934: "Ihringen (Baden), 5. September (1934), Am Heiligen Schabbat Paraschat Ki Tawo hauchte Maier Mayer, einer unserer Besten, seine reine Seele aus. Obgleich der Verstorbene in seiner großen Bescheidenheit sich jeden Nachruf an seiner Bahre verbeten hatte, halten wir es für unsere Pflicht, an dieser Stelle seiner zu gedenken. Aus einer alten Ihringer Familie hervorgegangen, machte er sich schon in jungen Jahren selbständig und hielt auch später nach seiner Verheiratung die Tradition seines Elternhauses aufrecht. Zusammen mit seiner Gattin führte er ein echtjüdisches Haus und erzog seinen einzigen Sohn im Geiste der Tora. Beinahe vier Jahrzehnte stand er der Gemeinde als Führer vor. Was er da leistete, sucht seinesgleichen. Mit Einsatz seiner ganzen Kraft und Energie war er in dieser langen Zeit stets gemüht, die Einrichtungen der Gemeinde in Ordnung zu halten und wo es notwendig erschien, dieselben durch neue, zeitgemäße, - aber alles nach nach der Tradition - zu ersetzen. Wenn es halt, die alte Tradition der Gemeinde aufrecht zu erhalten, und Neuerungen, die dem Sinne der Tora widersprechen, zu verhindern, sahen wir den sonst so gutmütigen, friedlichen und herzensguten Menschen tatkräftig und bewusst auftreten und seine Sache bis ins allerkleinste verteidigen. Er scheute keine Kämpfe, wenn es galt, das Wort Gottes zu vertreten und in die Tat umzusetzen. Viele und harte Prüfungen waren ihm vom Himmel auferlegt. Nie verzagte er. Stets konnte man von ihm hören: 'So will es Gott.' Als ihn zuletzt eine tückische Krankheit ans Bett fesselte, war er immer guten Mutes und trug das ihm auferlegte Los mit Ergebenheit und Zufriedenheit. Bis zum letzten Atemzuge waren seine Gedanken und Sorgen: 'die Kehilla' (gemeint: die jüdische Gemeinde am Ort). Als äußeres Zeichen der Dankbarkeit und Anerkennung erhielt er im vergangenen Jahre den Tugendpreis des badischen Oberrats. Was er im Bereiche der Wohltätigkeit leistete, lässt sich gar nicht in Worte kleiden. Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."   

   
Zum Tod von Rosa Wertheimer geb. Weil (1937)  

Ihringen Israelit 11111937.jpg (57006 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. November 1937: "Kippenheim (Baden), 1. November (1937). Im selten hohen Alter von nahe 98 Jahren starb im Frankenhaus in Straßburg Frau Rosa Wertheimer geb. Weil aus Ihringen. In Gemeinschaft mit ihrem Gatten Simon Wertheimer gründete die Verstorbene hier ein streng frommes Haus und in gleichem religiösem Sinne erzog sie auch ihre Kinder. Nie fehlte die Verstorbene im Gotteshause und war ein treues Mitglied der Chewrah Kadischa und des Frauenvereins. Sie erfreute sich hier allgemeiner Wertschätzung und wird bei allen, die sie kannten, in steter Erinnerung bleiben. Ihre Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."    

  
  
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen 
Sattler und Tapezier S. Weil sucht einen Lehrling oder Arbeiter (1900) 

Ihringen Israelit 05071900.jpg (39975 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. Juli 1900: "Ein braver, kräftiger Lehrling oder ein Arbeiter 
kann sofort eintreten. Schabbat und Feiertag geschlossen. Kost und Logis im Hause. 
S. Weil, Sattler und Tapezier, 
Ihringen, Baden."  

   
Anzeigen von Bäckermeister und Weingutsbesitzer D. Bloch (1897 / 1900) 

Ihringen Israelit 30091897.jpg (36880 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. September 1897: "Ein größeres oder kleines Quantum Koscher Wein 1897 von den besten Berg-Weinen am Kaiserstuhl kann geliefert werden von 
D. Bloch, Bäckerei und Weinbergsbesitzer in Ihringen."   
 
Ihringen Israelit 17121900.jpg (37757 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. Dezember 1900: "Koscher Wein. 3.000 Liter, hochfeine alte Berg Weine, Flaschenreif, sowie 3.000 Liter Neuer Wein, hat zu verkaufen
D. Bloch, Bäckermeister und Weingutsbesitzer in Ihringen."  

   
Anzeige von Bäckermeister B. Heilbronner (1901) 
   

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 2. April 1901:   
"Ein junger Bursche kann bei mir in Arbeit treten. Samstags und Feiertage geschlossen. 
B. Heilbronner
, Bäckermeister, Ihringen, Baden."   

   
Anzeige des Sattlers und Tapeziers S. Weil (1901)   

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 18. April 1901 
"Ein jüngerer Gehilfe und ein Lehrling können sofort bei mir eintreten. 
S. Weil,
  Sattler und Tapezier, Ihringen, Baden."       

  
Commis- und Lehrlings-Suchen des Eisen-, Holz- und Kohlengeschäftes von S. W. Weil (1904 / 1908)  

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 16. Juni 1904: "Für mein Eisen-, Holz- und Kohlengeschäft suche per 1. September einen aus der Lehre entlassenen jungen Mann als Commis. Samstags und Feiertage streng geschlossen. Kost und Logis im Hause. S. W. Weil, Ihringen (Baden)."     
 
Ihringen Israelit 15041908.jpg (41928 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 15. April 1908: "Lehrling-Gesuch. Für mein Samstag und Jontef (Feiertag) streng geschlossenes Eisen-, Holz- und Kohlengeschäft suche ich per 1. Mai einen jungen Mann mit guter Schulbildung. Kost und Logis im Hause. 
S.W. Weil, Ihringen in Baden."   

 
Verlobungsanzeige von Ida Goldschmidt und Hugo Alperowitz (1925)  

Ihringen Israelit 08041925.jpg (30048 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. April 1925: "Ida Goldschmidt - Hugo Alperowitz. 
Verlobte.  
Basel Kornhausgasse   April 1925   Ihringen." 

       
Verlobungsanzeige von Clementine Wilmersdorf und Hermann Schloss (1929) 

Ihringen Israelit 21021929.jpg (30126 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" 21. Februar 1929: "Clementine Wilmersdorf - Hermann Schloss.  
Verlobte. 
Ihringen / Frankfurt am Main, Hanauer Landstraße 1    -  Mogendorf / Frankfurt am Main."   

    
    
    
Zur Geschichte des Betsaales / der Synagoge          
   
1738 wurde ein Betsaal in einem jüdischen Privathaus eingerichtet, das Marx Geißmar beziehungsweise zuletzt seiner Witwe gehörte. 1759 ist das Haus mit dem Betsaal an den Ihringer Bürger Matthis Jakob verkauft worden, wodurch die jüdische Gemeinde zur Einrichtung eines neuen Betsaals gezwungen war. Nun suchte man bei den Behörden um die Genehmigung des Baus einer Synagoge nach. Markgraf Karl Friedrich von Baden genehmigte am 1. März 1760 mit eigenhändiger Unterschrift den Bau der Ihringer Synagoge. Sie wurde auf dem von Jacob Geismar unentgeltlich zur Verfügung gestellten Grundstück erbaut.  
   
Jahrzehntelang tat die erste Synagoge ihren Dienst, dann befand sie sich in einem schlechten Zustand. 1826 war bereits deutlich, dass die Synagoge "durch Spaltung zweier Wände eine gänzliche Reparatur vonnöten hat". Auch sei der Raum für die Frauen zu klein. Im März 1826 wurde deshalb ein Bauausschuss aus den Herren Salomon Geismar, Hirschel Bloch, Philipp Kahn und Herz Günzburger gebildet, die sich Gedanken zur Vergrößerung der Synagoge machen sollten. Zunächst überprüften sie, ob die alte Synagoge erweitert werden könnte. Alle Bausachverständigen, die man hierzu befragte, rieten davon allerdings wegen der Gefahr des Einsturzes des alten Gebäudes dringend ab. Schließlich machte man sich Gedanken, ob der Neubau einer Synagoge durchführbar wäre. Seligmann Geismar hatte bereits unentgeltlich einen Bauplatz dafür angeboten. Allerdings erwies sich dieser als zu klein und auch so tief gelegen, dass das Gebäude hätte "in Wasser gesetzt werden müssen". Die Fundamentierung wäre so teuer gekommen, dass man gleich ein besseres Grundstück hätte kaufen können. Schließlich fand man ein außerordentlich günstig gelegenes Grundstück mit Hof und angrenzendem Garten, auf dem man bauen konnte. Nachdem der Bauausschuss gute Arbeit geleistet hatte, mussten die weiteren Entscheidungen von der Gemeinde getragen werden. Die Notwendigkeit eines baldigen Baubeschlusses war noch dringender als ein paar Jahre zuvor. 1842 wurde die alte Synagoge als "längst total baufällig" beschrieben. Sie sei "jetzt schon um die Hälfte zu klein". Vor allem hätte kaum ein Drittel der verheirateten jüdischen Frauen aus Ihringen Platz, was gar nicht sein dürfte, denn nach den Verordnungen im Großherzogtum Baden von 1824 mussten auch die Mädchen den Gottesdienst besuchen. In mehreren Gemeindeversammlungen fasste man die nötigen Beschlüsse. Im Februar 1842 einigte sich die Mehrheit der Gemeindeglieder auf den vorgezogenen Verkauf der Synagogenplätze, um möglichst bald einen Fond zum Bau zur Verfügung zu haben, damit man kein zu großes Darlehen aufnehmen müsse. Dadurch kamen innerhalb von zwei Jahren 4.400 Gulden zusammen. Der bürgerliche Gemeinde stimmte im Juni 1842 gleichfalls dem Bau zu.  
      
Dennoch sollte es nochmals fast 20 Jahre dauern, bis die neue Synagoge erbaut wurde. Die Pläne und der Kostenvoranschlag für die nun an der Bachenstraße (unmittelbar auf der Einmündung des heutigen Schulweges zwischen Bachenstrasse. 15 und 17; den Schulweg gab es damals noch nicht) erbaute Synagoge wurden von dem Freiburger Architekten Schneider ausgeführt. Dieser wird identisch mit dem Freiburger Gewerbeschullehrer Georg Jakob Schneider sein, der noch einige andere Synagogen in der Umgebung erbaut hat. Im Juli 1861 wurden die Pläne auf Ersuchen des Oberrats der Israeliten Badens von Oberbaurat Friedrich Theodor Fischer in Karlsruhe begutachtet. Am 18. März 1862 genehmigte die Regierung des Oberrheinkreises die nochmals abgeänderten Pläne. Die geschätzten Baukosten beliefen sich auf 13.338 Gulden. Bis 1863/64 wurde die neue Synagoge fertig. Über das genaue Datum der Einweihung liegen keine Angaben vor. Im Mai 1864 beantragte die israelitische Gemeinde die Genehmigung zum Abriss des alten Schulhauses vor der neu erbauten Synagoge.  
      
Die Fassade der neuen Synagoge präsentierte sich (nach der Beschreibung von Carmen Ziwes) "als dreigegliedertes zweigeschossiges Bauwerk. Von einem breiten Mittelteil werden durch Lisenen zwei schmälere Seitenteile abgetrennt. Die geschossübergreifenden, durch farbigen Stein hervorgehobenen Lisenen durchstoßen das die Geschosse trennende Gesims und geben der Fassade so eine vertikale Ausrichtung. Im Mittelteil befindet sich der um sechs Stufen erhöhte Eingang in Form eines einfachen nahezu klassischen Rundbogenportals. Die dahinterliegende Vorhalle führt zur eigentlichen Türe. Eine im Bogenfeld angebrachte hebräische und deutsche Inschrift lautet ‚Hier die Pforte zum Tempel des Ewigen’. [...]. Die Fassade nimmt in den wesentlichen Elementen den Innenraum vorweg. auch dieser ist dreigegliedert und zweigeschossig. Von einem breiteren Mittelraum werden durch Säulen, die die Frauenemporen tragen, zwei seitliche, schmälere Raumteile abgetrennt. [...] Die Sitzbänke im eigentlichen Hauptraum der Synagoge, die laut Bauplan für 72 Männer und etwa 35 bis 40 Knaben bieten sollen, ordnen sich um die erhöhte Bima an. Inter dieser, wiederum etwas erhöht, befindet sich der Aron haKodesch [...], der mit einer reich verzierten Rundbogenarchitektur überfangen ist [...] Unmittelbar über dem Toravorhang sind in einem Wandfeld die Gebotstafeln angebracht, darüber befindet sich eine weitere Inschriftentafel sowie abschließend ein buntverglastes Rundbogenfenster. Die Flachdecke des Synagogenraumes ist in Anlehnung an die Ornamentik der Emporen und des Aron haKodesch ausgestaltet. Von ihr herab hängen zumindest drei Leuchter, die der Männersynagoge Licht spenden. Die Emporen sollten 72 Sitzplätze für Frauen bieten." 
 
1927 wurde die Synagoge umfassend renoviert und im August 1927 wieder eingeweiht. Insbesondere drei ehemalige Ihringer jüdischen Männer - die in Amerika lebenden Brüder Maier, Hermann und Isaak Weil, übernahmen den Großteil der entstandenen Kosten von 10.000 Mark (siehe Bericht unten von 1928). Danach galt die Synagoge in Ihringen als "weit und breit eine der schönsten Synagogen in kleineren Gemeinden".   
  
Aus der Geschichte der Synagoge sei noch ein Bericht von 1928 zur damaligen Einweihung einer neuen Torarolle wiedergegeben:  

Ihringen Israelit 06091928.jpg (299047 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 6. September 1928: "Ihringen, 15. August (1928). Die jüdische Gemeinde  Ihringen versteht noch, echt jüdische Feste zu begehen. Ein lebhafter Beweis dafür waren die Feierlichkeiten, welche am Schabbat Nachamu (= Schabbat nach dem 9. Av = 28. Juli 1928) anlässlich der Einweihung einer neuen Torarolle stattgefunden haben. Wohl barg der heilige Schrein unserer Synagoge 9 Torarollen, aber nur 2 von ihnen waren gebrauchsfähig. Die Wiederherstellungsarbeiten wären zu teuer geworden, und so sah sich die Gemeinde vor die Notwendigkeit gestellt, eine neue Torarolle anzuschaffen. Der um das Gemeindewohl sich unermüdlich sorgende Vorstand der Gemeinde, Herr Meier Mayer, welcher sich um die Sammlung der Gelder zu diesem Zwecke bemühte, brauchte nicht lange warten, bis sich Männer fanden, die bereitwillig für diese heilige Sache ihre Hände öffneten. Es waren dies neben Herr Adolf Bloch, Mannheim, in der Hauptsache ehemalige Glieder unserer Gemeinde, die aus Amerika hier zu Besuche weilten. Alles war Freitag Abend - kurz vor Schabbat - in der blumengeschmückten Synagoge versammelt, als die neue Torarolle von Herrn Bezirksrabbiner Dr. Zimels, Freiburg, der uns bei dieser überaus seltenen Feier mit seinem Besuche beehrte, hereingetragen wurde. Sie war umhüllt von einem reichbestickten Mäntelchen, einem Geschenk des Sohnes und großen Gönners unserer Gemeinde, Herrn israel Weil, Mannheim. Unter den Gesängen von Kantor und Chor und gefolgt von allen Tora-Rollen, wurde die neue Torarolle in der Synagoge feierlich herumgetragen und ihrem neuen Platz im Toraschrein anvertraut. Hierauf wies der Gemeindevorstand, Herr Meier Mayer, nachdem er den Spendern namens der Gemeinde gedankt hatte, in einer Ansprache darauf hin, dass gerade Schabbat Nachamu von besonderer Bedeutung in der Geschichte unserer Gemeinde ist, weil ebenfalls an ihm vor nunmehr 63 Jahren das damals neu erbaute Gotteshaus eingeweiht wurde. Herr Bezirksrabbiner Dr. Zimels schilderte erhebend, welche gewaltige Bedeutung die Tora nicht allein für das Judentum hat, sondern wie sie dank ihrer göttlichen Einzigartigkeit Gemeindegut und sittlich-moralisches Fundament der gesamten kultivierten Menschheit geworden ist. Ebenso fanden Schabbat-Vormittag, nachdem jedes Mitglied zur neuen Torarolle aufgerufen worden war, seine Worte den Weg zu den Herzen aller Anwesenden, herrliche Worte, welche die soeben vorgelesenen 10 Gebote in ihrem gewaltigen Wert zeitgemäß erklärten (sc. innerhalb der Toralesung an diesem Schabbat, 5. Mose 3,23 - 7,11 stehen die 10 Gebote).  
Am späten Nachmittag traf sich die Gemeinde vollzählig im Gasthaus zum Hirsch zu einem leckeren Mahle, das gewürzt war von heiteren und anderen Worten der Herren Bezirksrabbiner Dr. Zimels, Gemeindevorstand Meier Mayer, Synagogenrat Heinrich Weil und Kantor Alperowitz. Die Jugend, herauf von den Kleinsten bis in das 'Mittelalter', trug auf ihre Art durch Vorträge, Gesang und Scherz, recht viel zur allgemeinen Lustigkeit bei. Es war ein schöner, denkwürdiger Tag, und er bildete sozusagen den Abschluss zu einer anderen Feier, welche vor fast einem Jahr begangen wurde. Damals fand die Einweihung unserer neu hergestellten Synagoge ebenso festlich statt. Der Zeitzahn hatte sehr zu ihrem Nachteil an ihr genagt und zerstört, und nur der edelmütigen Opferwilligkeit dreier Söhne unserer Gemeinde in Amerika, des inzwischen leider verstorbenen Herrn Maier Weil - seligen Andenkens - und seiner Brüder, Herren Hermann und Isaak Weil ist es zu verdanken, dass unser Gotteshaus mit einem Kostenaufwand von über Mark 10.000 wieder hergerichtet werden konnte. Heute dürfte sie wohl weit und breit eine der schönsten Synagogen in kleineren Gemeinden sein."        

     
10 Jahre nach dem oben beschriebenen Ereignis, am 10. November 1938 wurde die Synagoge zerstört. Die Ihringer Juden wurden von SS-Leuten vor ihrer Synagoge zusammengetrieben, wo sie aufs Übelste beschimpft wurden und mit ansehen mussten, wie ihr Gotteshaus den Flammen übergeben wurde. 
     
Unweit des Synagogenstandorts erinnert seit 1980 ein Gedenkstein an ihr Schicksal. Vor wenigen Jahren wurde der Gedenkstein auf die andere Seite des Schulweges versetzt und eine Gedenkstätte "Synagogenplatz" eingerichtet. Seit April 2009 ist zusätzlich ein Gedenkstein mit den Namen von 57 in der NS-Zeit ermordeten Ihringer Juden vorhanden.   
     
     
   
  
Fotos 
Historisches Dokument/Fotos: 
(Quelle: Dokument von 1760 im GLA Karlsruhe 342 (Bezirksamt Breisach Fasz. 1039; Fotos aus Ziwes s. Lit. S. 44-47)

Ihringen Synagoge 040.jpg (67219 Byte)
Markgraf Karl Friedrich von Baden genehmigte am 1. März 1760 mit eigenhändiger Unterschrift 
den Bau der ersten Ihringer Synagoge     
  
Ihringen Synagoge 001.jpg (63444 Byte) Ihringen Synagoge 002.jpg (79562 Byte)
Die 1862/64 erbaute Synagoge Ihringen; die leicht ins Bild 
hereinragenden Dächer gehören zum Haus des Vorsängers und 
des rituellen Bades (vgl. unten)  
Innenaufnahme der 
Synagoge Ihringen


Fotos nach 1945/Gegenwart:  

Fotos um 1985:
(Fotos: Hahn)
Ihringen Synagoge 010.jpg (65784 Byte) Ihringen Synagoge 011.jpg (84234 Byte)
    Vor der Synagoge befanden sich das
 Wohnhaus des Vorsängers (links) und das
 Gebäude mit dem rituellen Bad (rechts).
 Die Synagoge stand dazwischen.
Die heutige Bachenstraße zwischen den
 Gebäuden war der Vorplatz zur Synagoge
 
      
Ihringen Synagoge 013.jpg (61213 Byte) Ihringen Synagoge 014.jpg (81695 Byte) Ihringen Synagoge 012.jpg (83858 Byte)
Das Haus des Vorsängers vom 
ehemaligen Synagogenplatz 
aus gesehen  
Der Gedenkstein wurde etwa 150 Meter
 vom Synagogenplatz an der 
Bachenstraße aufgestellt  
Die Gedenktafel für die 
ehemalige Synagoge
  
      
Fotos 2003/04:
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 27.10.2003 bzw. mit *) von J. Krüger, Karlsruhe, Aufnahme Frühjahr 2004)
 
Ihringen Synagoge 191.jpg (35628 Byte) Ihringen Synagoge 190.jpg (38810 Byte) Ihringen Synagoge 192.jpg (38003 Byte)
Blick in den Schulweg zwischen 
den Häusern des Vorsängers 
und des rituellen Bades*  
Seitenansicht*   Blick aus dem Schulweg über 
das Grundstück der 
ehemaligen Synagoge*  
 
     
Ihringen Synagoge 193.jpg (43372 Byte) Ihringen Synagoge 194.jpg (54463 Byte) Ihringen Synagoge 195.jpg (41985 Byte)
Gedenkstein mit Gedenktafel* 
 
Ihringen Synagoge 153.jpg (38054 Byte) Ihringen Synagoge 152.jpg (44285 Byte)  Ihringen Friedhof 042009b.jpg (88504 Byte)
Hinweisschild "Synagogenplatz"   Enthüllung eines Gedenksteines mit 
den Namen der ermordeten Ihringer 
Juden im April 2009 - siehe Bericht auf Friedhofsseite
  
  

    
    
    
 
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte      

September 2008: Präsentation der "Ihringer Haggadot"    
Ihringen PA 200805.jpg (251905 Byte)Beim "Europäischen Tag der jüdischen Kultur" am 7. September 2008 standen die drei "Ihringer Haggadot" im Mittelpunkt. Diese wurden 1732, 1740 und 1756 von Abraham Levi in Ihringen geschrieben. Die Originale liegen in Jerusalem, Paris und London. Beim "Europäischen Tag der Jüdischen Kultur" wurden Kopien in Ihringen gezeigt, verbunden mit einem Vortrag von Ruben Frankenstein vom Orientseminar der Universität Freiburg. 
Links ein Interview der "Badischen Zeitung" (Artikel vom 5.9.2008) mit Ruben Frankenstein (bitte anklicken). 
Anmerkung: die Ihringer Haggadot befinden sich im Israel Museum in Jerusalem (Haggada von 1732), in der Sammlung von Victor Klagsbald in Paris (Haggada von 1740) und im Jewish Museum in London (Haggada von 1756). 
Ihringen Haggada 1756.jpg (68833 Byte) Ihringen Haggada 1756a.jpg (29136 Byte) Links: Die beiden ersten Seiten der im Jewish Museum in London aufbewahrten Haggada von 1756. Rechts (Ausschnittvergrößerung) mit der Eintragung des Autors "Abraham Sofer [Schreiber] von Ihringen". Foto: © Jewish Museum in London
      
November 2009: Gedenkfeier am Jahrestag des Novemberpogroms 1938   
Ihringen PA 200910.jpg (164019 Byte)Artikel von Monika Mylius im "Rebland-Kurier" vom 11. November 2009: "Jüdische Geschichte. Gedenkfeier am Synagogenplatz in Ihringen an die Pogromnacht 1938. 
Ihringen.
Vor der eigentlichen Gedenkfeier, während der Bürgermeister Martin Obert am Synagogenplatz an die Pogromnacht vom 9. zum 10. November 1938 erinnerte, fanden sich viele Einwohnerinnen und Einwohner in der Aula der Neunlindenschule ein. Dort dankte das Gemeindeoberhaupt den Jugendlichen, die sich auf die Suche nach Spuren jüdischen Schicksals in Ihringen begeben hatten..." 
Zum weiteren Lesen bitte Textabbildung anklicken.  
 
Juni 2014: Auf den Spuren der eigenen Familiengeschichte  
Artikel von Kai Kricheldorff in der "Badischen Zeitung" vom  12. Juni 2014: "Auf Spurensuche in Ihringen
IHRINGEN. Im August 1930 heiratete die damals 20-jährige Else Jeselsohn in Ihringen den jüdischen Kantor Erich Kahn. Im Haus Bachenstraße 15, neben der damaligen Synagoge, lebte das junge Paar. 1933 gebar Else Kahn die Tochter Ruth. Zwei Jahre darauf verließ die junge Familie Ihringen, Erich Kahn hatte eine Kantorenstelle in der Synagoge von Randegg bei Konstanz angenommen. Jetzt waren die Enkeltöchter der Familie Kahn in Ihringen auf Spurensuche..." 
Link zum Artikel     
Literaturhinweis: Annegret Braun: "Else Kahn geborene Jeselsohn", Schriftenreihe der Geschichtswerkstatt Stuttgart-Nord, beziehbar über das Antiquariat Steinkopf in Stuttgart, 5 €, zuzüglich 2 € Versandkosten. 
Bestellungen per E-Mail unter mail@antiquariat-steinkopf.de .  

  
     

Links und Literatur 

Links:

Website der Gemeinde Ihringen  
Kurze Informationsseite zur Geschichte der jüdischen Gemeinde Ihringen bei jgm-net.de  
Zur Seite über den jüdischen Friedhof in Ihringen (interner Link) 

Literatur:

Germania Judaica II,1 S. 373-374.
Franz Hundsnurscher/Gerhard Taddey: Die jüdischen Gemeinden in Baden. 1968. S. 138ff.
Hansjörg Sick: Die Fahne am Pfarrhaus. Eine Jugend zwischen 1933 und 1945. Karlsruhe 1994.
Franz-Josef Ziwes (Hg.): Badische Synagogen. 1997 S. 44-47. 
Joseph Walk (Hrsg.): Württemberg - Hohenzollern - Baden. Reihe: Pinkas Hakehillot. Encyclopedia of Jewish Communities from their foundation till after the Holocaust (hebräisch). Yad Vashem Jerusalem 1986. S.  233-235.  
synagogenbuch-1.jpg (32869 Byte)Joachim Hahn / Jürgen Krüger: "Hier ist nichts anderes als Gottes Haus...". Synagogen in Baden-Württemberg. Band 1: Geschichte und Architektur. Band 2: Orte und Einrichtungen. Hg. von Rüdiger Schmidt, Badische Landesbibliothek, Karlsruhe und Meier Schwarz, Synagogue Memorial, Jerusalem. Stuttgart 2007.    
  
  

     
     


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Ihringen Baden, A few families expelled from villages in Alsace and Switzerland* were allowed to settle in Ihringen in the early 18th century through the efforts of the Court Jew Josef Guenzburger. A synagogue was completed in 1761. Conditions gradually improved after the annexation to Baden in the early 19th century, with the community growing to a peak population of 263 in 1852 (total 2,336). 
In 1933, 98 Jews remained. In 1936, Jewish children were expelled from the local school. On Kristallnacht (9-10 November 1938), the synagogue was burned. By 1938, 22 Jews had emigrated and 21 had moved to other German cities; six more left Germany in 1939. By 1940 another 28 had moved to other German cities. The last 12 Jews, all elderly, were expelled to the Gurs concentration camp on 22 October 1940. Two survived the Holocaust. 
       
* Encyclopedia reads: "Ulm" (?)  
    
     

                   
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Stand: 19. Juni 2014