Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Ihringen (Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald) 
Jüdischer Friedhof

Jewish Cemetery - Cimetière juif
   

      
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
  
Siehe Seite zur Synagoge in Ihringen (interner Link)  
 
 
Überblick:  

Zur Geschichte des Friedhofes 

Die Lage des Friedhofes  

Fotos von 2003 

Fotos von Mitte der 1980er-Jahre     

Schändungen des Friedhofes   
Die Friedhofschändung 1990  
Die Friedhofschändung im August 2007 
April 2009: Grabsteine auf dem jüdischen Friedhof sind restauriert  

Weitere Berichte  
Januar 2012: Gedenkstunde zum Holocaust-Gedenktag auf dem Friedhof   

Links und Literatur  

     
    
Zur Geschichte des Friedhofes    
    
Bis um 1810 wurden die Toten der jüdischen Gemeinde Ihringen in Emmendingen beigesetzt, seither auf einem eigenen Friedhof (am Weg nach Blankenhornsberg, Gewann Mittlere Gasse, Fläche 16,44 a). Der Friedhof wurde 1990 und 2007 schwer geschändet. 
      
   
  
Die Lage des Friedhofes   
   
Ihringen FriedhofPlan.jpg (87971 Byte) Lage des jüdischen Friedhofes Ihringen
 (durch Pfeil markiert)
(Topographische Karte aus den 1970er-Jahren) 

       
   
   

Fotos
Fotos von 2003

(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 27.10.2003)    

Ihringen Friedhof 165.jpg (77829 Byte) Ihringen Friedhof 160.jpg (64664 Byte) Ihringen Friedhof 158.jpg (93612 Byte)
Hinweisschild an der Straße von 
Ihringen nach Breisach
Das Eingangstor Blick über 
den Friedhof
  
     
Ihringen Friedhof 157.jpg (90381 Byte) Ihringen Friedhof 159.jpg (85889 Byte) Ihringen Friedhof 164.jpg (74427 Byte)
Teilansichten 
 
Ihringen Friedhof 155.jpg (78216 Byte) Ihringen Friedhof 156.jpg (81287 Byte) Ihringen Friedhof 151.jpg (75880 Byte)
  Grab- und Gedenkstätte für 
Familie Hermann Bloch 
Reiche Symbolik (Kanne, 
Schofar und Beschneidungsmesser) 
     
Ihringen Friedhof 150.jpg (68952 Byte) Ihringen Friedhof 162.jpg (67337 Byte) Ihringen Friedhof 163.jpg (73044 Byte)
Levitenkanne Seltenes Symbol der Sonne
     
Ihringen Friedhof 153.jpg (55026 Byte) Ihringen Friedhof 152.jpg (65260 Byte) Ihringen Friedhof 154.jpg (80420 Byte)
Einzelne Grabsteine 
 
Grabstein für Klar(a) Braunschweig,
 die Frau von Koppel (Jakob) Braunschweig
(Emmendingen)   
(Foto: Daniel Bing)  
 
Ihringen Friedhof 1301.jpg (295764 Byte) 
    Klara, die Frau von Koppel, starb nach dem Grabstein am Freitag, dem 12. Menachem (5)575, d.i. 18. August 1815. Der Grabstein war offenbar um 1880 schon stark verwittert, denn er wurde nach der Inschrift am Sockel "Wiederrichtet von ihrem Enkel A. Blum in New York im Jahre 1884".  

   
Fotos Mitte der 1980er-Jahre
(Fotos: Hahn, entstanden Mitte der 1980er-Jahre)

Ihringen Friedhof01.jpg (133103 Byte) Ihringen Friedhof02.jpg (131932 Byte) Ihringen Friedhof06.jpg (147719 Byte)
Lage des Friedhofes inmitten des 
flurbereinigten Weinanbaugebietes
Eingangstor Teilansicht des 
Friedhofes
 
     
Ihringen Friedhof04.jpg (142570 Byte) Ihringen Friedhof05.jpg (157173 Byte) Ihringen Friedhof07.jpg (117582 Byte)
       

  
  
Schändungen des Friedhofes         
    
Die Friedhofschändung 1990  
Artikel zu einem Schweigemarsch anlässlich der Friedhofschändung 1990    

Ihringen PA 199001.jpg (123743 Byte)Artikel in der "Südwestpresse" vom 10. September 1990: "4000 demonstrierten gegen Schändung jüdischer Gräber. Schweigemarsch zum zerstörten Friedhof in Ihringen. 
Ihringen Kreis Breisgau-Hochschwarzwald. Eine eindrucksvolle Demonstration gegen antisemitischen Vandalismus war am Samstag ein Schweigemarsch in Ihringen aus Anlass der Schändung des jüdischen Friedhofs der Kaiserstuhlgemeinde. 4000 Bürger der Breisgauer Region, darunter Parlamentarier und Kirchenvertreter, waren einem Aufruf der Freiburger Gesellschaft für Christlich-jüdische Zusammenarbeit gefolgt. 
Dem Aufruf hatten sich Parteien, Verbände und Institutionen angeschlossen. Ebenso hatte die betroffene 4000-Einwohner-Gemeinde die Bürger zur Teilnahme aufgefordert. Der Zug mit dem Stuttgarter Staatssekretär Gundolf Fleischer an der Spitze bewegte sich in aller Stille vom Gedenkstein für die 1938 zerstörte Ihringer Synagoge zu dem mehr als einen Kilometer entfernten Friedhof vor den Toren der Gemeinde. Viele trugen sich in ausliegende Kondolenzlisten zur Bekundung von Trauer und Empörung über die Grabstättenschändung ein. Noch nicht ermittelte Täter hatten vor zwei Wochen auf dem unter Denkmalschutz stehenden und von der Gemeinde sorgfältig gepflegten Friedhof nahezu alle 200 Grabsteine umgestürzt und teilweise zertrümmert sowie Nazi- und Netzparolen angebracht. Das Entsetzen über den 'barbarischen Akt' war in der Region einhellig. Für Hinweise auf die Täter, die von vielen in rechtsextremen Kreisen vermutet werden, hat die Freiburger Staatsanwaltschaft 3000 Mark Belohnung ausgesetzt. Der Ihringer Vorfall gehörte zu einer Reihe von antisemitischen Friedhofsschändungen in jüngster Zeit. Der letzte Vorfall dieser Art wurde vor einer Woche aus Hechingen/Zollernalbkreis bekannt. Im Juli hatten Unbekannte die Gedenkstätte für Naziopfer in Tübingen verwüstet. Die SPD im Land will mit einer Unterschriftenaktion gegen die Schändung jüdischer Friedhöfe in Baden-Württemberg protestieren. In einer gestern vom Landesvorstand der Partei in Stuttgart veröffentlichten Resolution heißt es, mit der Aktion solle dem Willen zu Frieden und Versöhnung Ausdruck verliehen werden."

     
     
Die Friedhofschändung im August 2007   

In der Nacht vom 11. auf den 12. August wurde der jüdische Friedhof in Ihringen schwer geschändet. Am Sonntagmorgen, 12. August entdeckte ein Bürger 70 bis 80 umgeworfene Grabsteine. Um die Schändung des jüdischen Friedhofs in Ihringen aufzuklären, bildete die Freiburger Kriminalpolizei eine spezielle Ermittlungsgruppe mit acht Personen.  

Rechts: Pressefotos des 
geschändeten Friedhofes
Ihringen Friedhof 2007 b.jpg (48383 Byte) Ihringen Friedhof 2007a.jpg (46495 Byte)
        

Öffentliche Erklärung: Empörung über erneute Verwüstung des Jüdischen Friedhofs in Ihringen/Südbaden 

In der Nacht vom 11. auf den 12. August 2007 wurden auf dem jüdischen Friedhof in Ihringen/Kaiserstuhl von bislang unbekannten Grabschändern mehr als 70 der 200 Grabmale aus ihren Verankerungen gerissen und umgestürzt. Nach Bekannt werden dieser bestürzenden Nachricht trafen sich spontan einige Bürger aus der Region Südbaden, die sich einer demokratischen Erinnerungskultur verpflichtet wissen, am Rande des Friedhofs, um über die Folgerungen zu beraten, die aus diesem planvoll durchgeführten Gewaltakt nach ihrer Meinung gezogen werden müssen. Die Besichtigung des Zerstörungswerks machte deutlich, dass hier eine Art "Kommandoaktion" stattgefunden haben muss, die ganz offenkundig einen Bezug zu den rechtsradikalen Anschlägen von 1990 und 1991 aufweist. 
Wir fragen, ob mit der Verwüstung des Friedhofs die in den vergangenen Jahren geleistete Arbeit, ein Netzwerk zu den Überlebenden der jüdischen Gemeinde aufzubauen, um sie mit ihren Familien in ihrer früheren Heimat Ihringen zu begrüßen zu können, zerstört werden soll.

Die gelegentlich zu hörende Ansicht, es seien "doch nur ein paar Grabsteine umgeworfen worden", Menschen seien nicht zu Schaden gekommen, weisen die Anwesenden als unzulässige Abwiegelung und Verharmlosung zurück. Die Tatsache, dass die – wahrscheinlich aus einem hasserfüllten Antisemitismus heraus handelnden – Täter nicht einmal die in Ihringen begrabenen jüdischen Bürger ruhen lassen, ist ein moralischer, kultureller und politischer Skandal.
Prof. Dr. Wolfram Wette, Historiker; Reiner Zimmermann, SPD-Gemeinderat Breisach und Kreisrat; Dr. Christiane Walesch-Schneller, Vorsitzende "Blaues Haus" Breisach; Rosita Dienst-Demuth, Geschichtswerkstatt Lessing-Realschule Freiburg; Walter Mossmann, Autor.
f.d.R.: W. Wette, Waldkirch, 14.8.2007.  
Diese öffentliche Erklärung unterstützt auch die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit in Freiburg. 
Im Namen des Vorstandes:  Ruben Frankenstein, Bernd Feininger, Wilhelm Schwendemann

   

Pressemeldung vom: 17. August 2007: Ihringen: Friedhofsschänder gefasst - Schneller Ermittlungserfolg: 
Rund eine Woche nach der Schändung des jüdischen Friedhofs in Ihringen sind drei als rechtsradikal eingestufte Jugendliche und ein Erwachsener festgenommen worden.

Vorläufig festgenommen wurden ein 28 Jahre alter Mann und drei Jugendliche im Alter von 15, 17 und 19 Jahren. Drei der vier mutmaßlichen Täter haben bis zum Mittag gestanden. Die Vernehmungen der Verdächtigen durch die achtköpfigen Sonderkommission dauern noch an. Nach dem derzeitigen Ermittlungsstand hatte die Tat einen rechtsradikalen Hintergrund. Die Gruppe hat in der Nacht von Samstag auf Sonntag rund 70 Grabsteine auf dem Friedhof nach einer gemeinsamen Feier umgerissen. Alkohol spielte nach Polizeiangaben aber wohl keine entscheidende Rolle. Nach Angaben der Polizei waren sie nach der Tat in einen Unfall verwickelt und hatten das beschädigte Auto in einer Nachbargemeinde geparkt. Bei den Ermittlungen waren die Beamten auf den rechtsradikalen Halter des Wagens gestoßen und hatten die Verbindung zu der Schändung entdeckt. Die Täter kommen aus dem Landkreis Breigau-Hochschwarzwald, Freiburg und Emmendingen. Im Zuge der Ermittlungen durchsuchte die Polizei auch die Wohnungen der Verdächtigen. Dabei wurde rechtsradikales Material gefunden. Bei dem 28-Jährigen stellten die Ermittler außerdem eine illegale Waffe und Munition sicher. Gegen den 28jährigen ist Haftbefehl ergangen. Die drei Jüngeren befinden sich inzwischen wieder auf freiem Fuß. Die Untersuchungen der Soko werden mit Nachdruck fortgeführt. Geprüft wird auch, ob die vier oder einzelne Personen für weitere Straftaten in Frage kommen.  

Zu einer Gedenkstunde am jüdischen Friedhof anlässlich der Schändung im August 2007 lud am 7. Oktober 2007 "Alemannia Judaica" und die "Landesarbeitsgemeinschaft der Gedenkstätten und Gedenkstätteninitiativen in Baden-Württemberg" ein. Das Programm der Gedenkstunde beinhaltet:  
    
Begrüßung: Bürgermeister Martin Obert, Ihringen  
Einführung: Dr. Joachim Hahn, Vertreter der "Alemannia Judaica" und der "Landesarbeitsgemeinschaft 
der Gedenkstätten und Gedenkstätteninitiativen Baden-Württemberg"
Grußwort: Regierungspräsident Dr. Sven von Ungern-Sternberg
Grußwort: Ariane Mil, Zürich, Nachfahrin einer Ihringer jüdischen Familie  
Erinnern und Gedenken: Schüler der Hugo Höfler-Realschule Breisach und der Geschichtswerkstatt der 
Lessing-Realschule Freiburg verlesen die Namen der deportierten jüdischen Bürger aus Ihringen 
Abschließende Worte und Gebet: Rabbiner Julian Chaim Soussan (Freiburg)  
Verabschiedung durch Bürgermeister Martin Obert, Ihringen  
     
     
     
Presseartikel   

Ihringen Amtsblatt.jpg (12546 Byte) Ihringen Amtsblatt a1.jpg (78315 Byte) Ihringen PA 200705.jpg (149921 Byte)
Einladung zur Gedenkstunde auf Seite 1 des 
"Gemeindeblattes für Ihringen und Wasenweiler" 
vom 5. Oktober 2007
"Badische Zeitung" (Ausgabe Freiburg) vom 8.Oktober 2007 
über die Jahrestagung der "Alemannia Judaica" und die 
Gedenkstunde in Ihringen

   
   
   
Fotos    

Fotos von der Gedenkstunde in Ihringen am 7. Oktober 2007       
Ihringen JT 2007 163.jpg (104329 Byte) Ihringen JT 2007 164.jpg (98082 Byte) Ihringen JT 2007 165.jpg (96358 Byte) Ihringen JT 2007 166.jpg (107641 Byte)
Die meisten Schäden der Friedhofschändung konnten behoben werden. Schwerer beschädigte Grabsteine werden noch restauriert.
  
Ihringen JT 2007 167.jpg (85599 Byte) Ihringen JT 2007 168.jpg (96051 Byte)
Rabbiner Soussan (links) im Gespräch mit Bürgermeister Martin Obert        
     
   Ihringen JT 2007 170.jpg (100826 Byte) Ihringen JT 2007 171.jpg (95826 Byte) Ihringen JT 2007 173.jpg (112811 Byte)
    Zur Gedenkstunde hatten sich zahlreiche Betroffene aus Ihringen und Umgebung eingefunden 
  
Ihringen JT 2007 172.jpg (71859 Byte) Ihringen JT 2007 174.jpg (76499 Byte) Ihringen JT 2007 169.jpg (85561 Byte)
Von links: Rabbiner Benjamin David Soussan (Freiburg), Bürgermeister
 Martin Obert (Ihringen), Dr. Joachim Hahn (Alemannia Judaica) und
 Regierungspräsident Dr. Sven von Ungern-Sternberg 
Während des Grußwortes von
 Regierungspräsident Dr. von
 Ungern-Sternberg
Schüler der Hugo-Höfler-Realschule
 Breisach und der
 Geschichtswerkstatt der Lessing
 Realschule Freiburg
        
          
  

April 2009: Gedenktafel auf Synagogenplatz enthüllt - Grabsteine auf dem jüdischen Friedhof sind restauriert  

 Rechts: Fotos (von Agnes Pohrt - Badische Zeitung) von der Gedenkstunde am 21.4.2009 auf dem jüdischen Friedhof und auf dem Synagogenplatz; linkes Foto: Bürgermeister Obert, Landesrabbiner Soussan und Wolfgang Fuhl enthüllen eine Gedenktafel auf dem Synagogenplatz; rechtes Foto: nach der Feierstunde besichtigen Bürger und Gäste den jüdischen Friedhof Ihringen Friedhof 042009b.jpg (88504 Byte) Ihringen Friedhof 042009a.jpg (62580 Byte)

Artikel in der "Badischen Zeitung" vom 21. April 2009.
79 Grabsteine, zerstört oder beschädigt – vor zwei Jahren haben drei Jugendliche den jüdischen Friedhof in Ihringen geschändet. Jetzt sind die Steine restauriert. Mit einer Feierstunde wurde der Abschluss der Arbeiten und der Holocaust-Gedenktag begangen.
IHRINGEN.
"Erinnere dich und vergiss nicht" steht es auf Hebräisch auf der Tafel – darüber sind die Namen von 57 jüdischen Bürgern von Ihringen zu lesen, die während des Nationalsozialismus ermordet wurden. Am gestrigen Dienstag wurde die Gedenktafel auf dem Ihringer Synagogenplatz enthüllt. Zuvor hatte am jüdischen Friedhof eine Feierstunde anlässlich des Holocaust-Gedenktags und des Abschlusses der Restaurierungsarbeiten an den 79 Grabsteinen stattgefunden. An der Feierstunde nahmen nicht nur Ihringer Bürger und jüdische Würdenträger, sondern auch Gäste aus den USA und Israel teil – Nachfahren und Angehörige der Familien Judas, Jaburg, Wilmersdorf und Bing, die bis zur Verfolgung durch die Nationalsozialisten in Ihringen ihre Heimat hatten. Bürgermeister Obert erinnerte an die Friedhofsschändung vor knapp zwei Jahren. "Jetzt wollen wir dem Friedhof die Würde zurückgeben", sagte er. Permanentes Erinnern sei wichtig, um zu verhindern, dass sich die Gräueltaten des Nationalsozialismus wiederholen. Gleichzeitig gelte es, das Erbe der jüdischen Mitbürger zu erhalten. 
Vor wachsendem Antisemitismus warnte Wolfgang Fuhl, Vorsitzender des Oberrats der israelitischen Religionsgemeinschaft Baden. Seit 1997 habe es in Baden-Württemberg über 50 Schändungen jüdische Friedhöfe gegeben. "64 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs und der industriellen Ermordung von 6 Millionen Juden, müssen wir heute fassungslos mitansehen, wie die UNO einem Holocaustleugner eine Bühne bietet, seine rassistischen Hasstriaden gegen Israel zu präsentieren", nahm Fuhl Bezug auf den Auftritt des iranischen Präsidenten bei der UN-Konferenz gegen Rassismus in Genf. "Freiheit ist nicht nur ein Geschenk, sondern auch eine Pflicht. Denn der freie Wille führt auch zur vollen Verantwortung des Menschen für seine Taten und seine Untaten", mahnte Fuhl. Wichtig sei es, die Nachgeborenen zu erinnern, welche Ungeheuerlichkeiten möglich sind, und stets wachsam zu sein, um den Anfängen von Diskriminierung, Unterdrückung und Terrorismus zu wehren. Landesrabbiner Benjamin Soussan nahm Bezug auf den Holocaust-Gedenktag, der am 22. April oder dem 28. Tag des jüdischen Monats Nisan in Israel als Nationalfeiertag begangen wird. Warnung vor wachsendem Antisemitismus. Das Datum für die Feier in Ihringen habe man ganz bewusst gewählt. Soussan dankte Obert für seine Bemühungen zur Restaurierung der zerstörten Grabsteine. Für die Dummheit der jugendlichen Friedhofschänder müssten nun alle bezahlen. Nach dem Gebet des Rabbiners sprach der Kantor der jüdischen Gemeinde Freiburg, Joseph Hayoun, den Kaddisch und sang das Gedenken an die Toten der Schoa. Anschließend waren Gäste und Ihringer Bürger zum Rundgang auf dem jüdische Friedhof eingeladen. Die Ihringer Alphornbläser umrahmten sowohl die Feierstunde am Friedhof wie auch anschließend die feierliche Enthüllung der Gedenktafel auf dem Ihringer Synagogenplatz. Die Initiative für die Tafel stammt von einer Gruppe von 19 Nicht-Ihringern, allen voran Gerhard Naser. Naser hatte nach der Friedhofsschändung die Idee Bürgermeister Obert vorgetragen. Die Gruppe spendete 2000 Euro für das Projekt, die Gemeinde beteiligte sich mit 2085 Euro. Die Spendergruppe wollte die Tafel ursprünglich an der Mauer des jüdischen Friedhofs anbringen. "Doch da war ich dagegen", erzählte Landesrabbiner Soussan. Schließlich müssten nicht die Toten, sondern die Lebenden gemahnt werden. "Wir wollen den 6 Millionen ermordeten Juden teilweise einen Namen geben", betonte Bürgermeister Obert. "Wer die Namen der Ermordeten vergisst, tötet sie ein zweites Mal", sagte Wolfgang Fuhl. Nachdem Neuntklässler der Neunlindenschule die 57 Namen, die auf der Tafel stehen, vorgelesen hatten, dankte Kurt Judas, ein ehemaliger jüdischer Bürger von Ihringen, Bürgermeister Obert, der Gemeinde und vor allem Gerhard Göpfert, der die Ihringer Bürgergruppe "Erinnern und Begegnen" initiiert hat. Er hoffe, dass dies ein Erinnerungsplatz für eine Zukunft in Toleranz und Frieden werde, sagte Judas.  

   
Weitere Berichte   

Januar 2012: Gedenkstunde zum Holocaust-Gedenktag auf dem Friedhof   
Artikel von Kai Kricheldorff in der "Badischen Zeitung" vom 30. Januar 2012: "Gedenken an die Opfer des Holocaust. Bürgerverein 'Erinnern und Begegnen' veranstaltete eine Gedenkfeier auf dem Jüdischen Friedhof.
Ihringen. Rund zwei Dutzend Bürgerinnen und Bürger gedachten vergangenen Freitag auf dem jüdischen Friedhof in Ihringen den Opfern des Holocaust..."      
Link zum Artikel     

   
    

Links und Literatur

Links:

Website der Gemeinde Ihringen
Website des Zentralarchivs Heidelberg mit Informationen zum jüdischen Friedhof Ihringen 
Kurzinformation zur jüdischen Gemeinde Ihringen: hier anklicken 
Zur Seite über die Synagoge in Ihringen (interner Link)  

Literatur: 

Karl Günther: Juden aus Ihringen und Eichstetten auf dem alten jüdischen Friedhof in Emmendingen, in: S'Eige zeige, Jahrbuch des Landkreises Emmendingen 5/1991. S. 75-99 Info hier.   

   

                   
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Stand: 16. August 2013