Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Frickhofen und Langendernbach (Gemeinde Dornburg, Kreis Limburg-Weilburg)
Jüdische Geschichte / Synagoge
 

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Aus dem jüdischen Gemeindeleben 
Berichte zu einzelnen Personen aus der jüdischen Gemeinde     
Zur Geschichte der Synagoge   
Erinnerungsarbeit vor Ort  
Fotos / Darstellungen         
Links und Literatur   

   

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)        
    
In Frickhofen und Langendernbach bestanden zwei kleine, in enger Verbindung stehende jüdische Gemeinden bis 1938/42. Die Ansiedlung jüdischer Familien geht in die Zeit des 17./18. Jahrhunderts zurück. 1636 gab es zwei jüdische Haushaltungen in Frickhofen. 1723 lebten je zwei jüdische Familien in Frickhofen, Langendernbach und im benachbarten Ellar. Die in diesen drei Orten lebenden jüdischen Familien (dazu kamen noch einzelne in Hausen, Lahr und Waldernbach lebende jüdische Personen) bildeten nach 1717 eine Gemeinde mit Sitz in Ellar. Ab etwa 1800 bemühten sich die jüdischen Familien in Frickhofen und Langendernbach um Bildung einer eigenen Gemeinde: 1807/08 lebten in diesen beiden Orten zusammen sechs jüdische Familien mit zusammen 31 Personen. Die Bildung einer separaten Gemeinde in Frickhofen mit Langendernbach mit eigenem Gottesdienst wurde jedoch behördlicherseits abgelehnt, da die Gemeinde in Ellar ohne die Familien der Filialorte nicht lebensfähig gewesen wäre. Erst 1913 erfolgte die Genehmigung zur Bildung einer Gemeinde in Frickhofen und Langendernbach, die in der Folgezeit von Hadamar aus mitbetreut worden ist. 

Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: in Frickhofen 1843 47 jüdische Einwohner, 1858 40 (in zehn Familien), 1871 28 (2,2 % von insgesamt 1.305 Einwohnern), 1885 28 (2,0 % von 1.395), 1895 50 (3,7 % von 1.369), 1905 46 (3,2 % von 1.448). In Langendernbach lebten 1843 4 jüdische Familien mit 33 Personen, 1870 19 Familien mit 70 Personen, 1904 55 jüdische Einwohner, 1932 28 jüdische Einwohner. Die jüdischen Familien in den beiden Orten betrieben vor allem Viehhandel und lebten in sehr einfachen Verhältnissen. Familie Stern in Langendernbach hatte einen Gemischtwarenladen.  

An Einrichtungen bestanden in Frickhofen und Langendernbach bereits im 19. Jahrhundert jeweils ein Betraum (s.u.), teilweise auch eine Religionsschule (im 19. Jahrhundert wurden die Kinder jedoch in Ellar unterrichtet, nach 1913 durch den Lehrer aus Hadamar), ein rituelles Bad und (seit 1913/16) einen zwischen Frickhofen und Langendernbach angelegter Friedhof. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war im 19. Jahrhundert zeitweise ein jüdischer Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war. So wird 1823 ein jüdischer Lehrer in Frickhofen genannt. 1843 wird als Lehrer aus Langendernbach (Teilnehmer bei einer Lehrerversammlung des Rabbinatsbezirkes Diez in Limburg) Lehrer Schloss erwähnt. Die Gemeinde gehörte zum Rabbinatsbezirk Weilburg beziehungsweise - nachdem Mitte der 1920er-Jahre das Rabbinat Weilburg nicht mehr besetzt wurde - zum Rabbinatsbezirk (Bad) Ems und Weilburg.   
 
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde Max Heilbrunn (geb. 26.11.1886 in Frickhofen, gef. 29.9.1914) und Leopold Hofmann (geb. 30.3.1895 in Frickhofen, gef. 9.10.1915) sowie Bernhard Rosenthal (geb. 7.9.1886 in Langendernbach, gef. 26.9.1914 und Meyer Weinberger (geb. 24.2.1874 in Langendernbach, gef. 12.7.1918).   
 
Um 1924, als 26 jüdische Einwohner in Frickhofen sowie 31 in Langendernbach gezählt wurden (1,6 % von 1.642), waren die Vorsteher der Gemeinde Nathan Benjamin (Langendernbach), Aron Hofmann (Frickhofen) und Jakob Löwenstein (Langendernbach). 1932 wird nach dem "Führer durch die jüdische Gemeindeverwaltung" Frickhofen als Filiale zur Gemeinde Langendernbach bezeichnet. Im Schuljahr 1931/32 gab es ein schulpflichtiges jüdisches Kind in Frickhofen, das Religionsunterricht erhielt. Damals betreute Lehrer Karl (Carl) Hartogsohn aus Hadamar die Gemeinde (vgl. unten Bericht zum Festgottesdienst in der Synagoge Frickhofen 1932) und erteilte den Unterricht.        
    
1933 wurden in Frickhofen noch 36 jüdische Einwohner gezählt (2,1 % von 1.750), in Langendernbach 35. In den folgenden Jahren ist ein Teil der jüdischen Gemeindeglieder auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts, der zunehmenden Entrechtung und der Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert. Beim Novemberpogrom 1938 wurde von SA-Leuten die Synagoge in Frickhofen verwüstet (s.u.), jüdische Wohnungen überfallen, jüdische Einwohner teilweise misshandelt: in Langendernbach kam es gleichfalls zu Übergriffen. 1939 gab es immer noch 24 jüdische Einwohner in Frickhofen (1,3 % von 1.805), darunter mehrere Kinder, die in einem "Judenhaus" zusammengepfercht leben mussten. Die letzten 15 wurden im August 1942 aus Frickhofen deportiert.  In Langendernbach lebten bis November 1938 noch 18 jüdische Personen. Einigen gelang in der Folgezeit noch die Aus- oder Abwanderung. 10 Personen wurden im August 1942 aus Langendernbach deportiert.    
      
Von den in Frickhofen geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"):  Betty Blumenthal (1857), Emilie Gottschalk geb. Hofmann (1900), Simon Heilbrunn (1882), Therese Heyum geb. Kaiser (1906), Albert Hofmann (1888), Aron Hofmann (1867), Dieter Hofmann (1932) Dina Hofmann geb. Tobias (1867), Ferdinand Hofmann (1890), Jeanette (Johannette) Hofmann geb. Löwenstein (1865), Josef Hofmann (1892), Liebmann Hofmann (1861), Rudolf Hofmann (1899), Salomon Hofmann (1863), Selma Hofmann geb. Löwenberg (1908), Heinrich Kaiser (1875), Josef Kaiser (1896(, Julius Kaiser (1904), Salomon Kaiser (1870), Siegbert Salomon Kaiser (1903), Sophie Kaiser (1907), Paula Kaufmann geb. Hofmann (1902), Edith Liebmann (1925), Rolf Günther Liebmann (1924), Lina Robens geb. Hofmann (1890), Mina Rosenthal geb. Heilbron (1883), Frieda Schad geb. Kaiser (1879), Karola Schnurmann (1907), Frida Schubach (1888), Irma Simon geb. Hofmann (1898), Johanna Walther geb. Hofmann (1888), Erich Wolff (1898), Johanna Wolff (1903), Josef Wolff (1931), Kurt Fritz Wolff (1932), Rolf Georg Wolff (1934), Siegfried Alfred Wolff (1929), Thea Wolff (1936).  
   
Von den in Langendernbach geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Plautina Anspach geb. Rosenthal (1890), Betty Benjamin geb. Heymann (1897), Eugen Benjamin (1900), Nathan Benjamin (1857), Pauline Benjamin geb. Grünebaum (1863), Siegfried Benjamin (1893), Sophie Benjamin geb. Heymann (1903), David Löwenstein (1866), Dina Löwenstein geb. Stern (1888), Jacob Löwenstein (1877), Josef Löwenstein (1889), Salomon Löwenstein (1871), Lina Rosenthal geb. Ehrenfeld (1894), Max Rosenthal (1874), Arthur Stern (1896), Lilly Stern (1898), Otto Stern (1895), Sally Stern (1891), Toni Stern geb. Lindheim (1866), Alfred Weinberger (1914), Clothilde Weinberger geb. Stern (1909), Hannchen Weinberger (1875), Irmgard Weinberger (1918), Max Weinberger (1880), Norbert Weinberger (1920), Rosa Weinberger (1886)
.   
     
     
     
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde  
     
Aus dem jüdischen Gemeindeleben 
Spendenaufruf für eine - wenn auch selbst verschuldet - in Not geratene jüdische Familie (1901)
    

Frickhofen Israelit 25041901.jpg (72461 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 25. April 1901: "Eine arme, mittellose israelitische Familie, deren Mann sich vom Viehhandel zu ernähren sucht, wurde wegen Gewerbedefraudation (sc. Steuerunterschlagung) von einem seiner hiesigen Glaubensgenossen zur Anzeige gebracht, und mit 200 Mark, eventuell mit Gefängnisstrafe verurteilt. Ersuche edle Glaubensgenossen, zur Tilgung der Strafe, eine milde Gabe zukommen zu lassen. Die Geschäftsstelle dieses Blattes ist gerne bereit, auch die geringste Gabe unter Nr. 3545 entgegenzunehmen. 
Siegmund Heilbrun, Frickhofen. 
Dass vorstehende Angaben wahrheitsgetreu angegeben sind, bescheinigt  
Frickhofen, Kreis Limburg a. Lahn, 19. April (1901). 
Der Kultus-Vorsteher
: Lieb. Hofmann."   

    
Bildung einer Ortsgruppe des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten für Hadamar, Frickhofen und Langendernbach (1931) 

Artikel in der "Jüdisch-liberalen Zeitung" vom 18. Februar 1931: "Hadamar. (Jubiläum des jüdischen Frauenvereins.) Das vierzigjährige Bestehen des Israelitischen Frauenvereins wurde von den Beteiligten durch eine schlichte Feier begangen. Lehrer und Kantor Hartogsohn überbrachte die Glückwünsche der Gemeinde und betonte das segensreiche Wirken des Vereins. Eine gemütliche Zusammenkunft folgte der offiziellen Feier. - Hier hat sich eine Ortsgruppe des Reichsbundes Jüdischer Frontsoldaten gebildet, nachdem Dr. Walter Stern aus Mainz dazu die Anregung gab. Der Vorstand der auch die Frontkämpfer von Frickhofen und Langendernbach umfassenden Ortsgruppe besteht aus dem Herren Adolf Neuhaus, Hermann Honi, Emanuel LIebmann, Hadamar, und Rosenthal, Frickhofen".      

 
 
Berichte zu einzelnen Personen aus der jüdischen Gemeinde  
Goldene Hochzeit von Nathan Hofmann und Henriette geb. Liebmann (1902)    

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 1. Dezember 1902: "Frickhofen (Westerwald), 28. November (1902). (Goldene Hochzeit). Die Eheleute Herr Nathan Hofmann und Frau Henriette geb. Liebmann, hierselbst, feierten noch gesund und rüstig am 23. dieses Monats ihr 50-jähriges Ehejubiläum. 
Aus der Ehe des Paares gingen acht Kinder hervor und konnte sich dasselbe einer blühenden Schar von 26 Enkeln und einem Urenkel erfreuen. Die Festrede hielt Herr Bezirksrabbiner Dr. Landau - Weilburg. Vom Kaiser und dem Großherzog von Luxemburg wurde das Jubelpaar durch eine Geldspende ausgezeichnet. 
Für die Achtung, welche diese Familie in ihrem Orte genießt, spricht die Tatsache, dass der Gesangverein des Ortes ihr am Festabend ein Ständchen brachte, worauf vom Vorsitzenden eine herzliche Absprache gehalten wurde."       

     
     
   
  
Zur Geschichte der Synagoge          
    
Im 18. Jahrhundert besuchten die jüdischen Familien aus Frickhofen und Langendernbach die Synagoge in Ellar. Nach 1820 begannen die Familien allerdings sowohl in Frickhofen wie in Langendernbach, eigene Gottesdienste abzuhalten (Frickhofen seit etwa 1820, Langendernbach seit 1826 oder 1833). Von der Behörde wurden diese separaten Gottesdienste jedoch lange Zeit nicht genehmigt (als "Winkelgottesdienste"). 1834 wiesen die Frickhofener Juden darauf hin, dass es "durch das Anschwellen des Elbbaches in Ellar unmöglich sei, die Synagoge in Ellar zu besuchen." Der Behörde wollte dies nicht einleuchten, die Gottesdienste in Frickhofen und Langendernbach blieben verboten, zumal die Gemeinde Ellar alleine ohne die Filialorte nicht lebensfähig gewesen wäre.  
  
1844 war der Gemeindevorsteher von Ellar einverstanden, dass die jüdischen Familien in Frickhofen und Langendernbach ihre eigenen Gottesdienste abhielten. Den Familien in Frickhofen wurde eine Torarolle zur Verfügung gestellt. Wieder schritt die Behörde ein und beschlagnahmte sogar die Torarolle aus der Synagoge in Frickhofen. Wenig später hat ein 19-jähriger Mann aus Frickhofen die Torarolle aus der Synagoge in Ellar entwendet und nach Frickhofen gebracht. Hierfür erhielt er allerdings 5 Gulden Strafe oder 5 Tage Arrest.  
  
In Langendernbach war zunächst ein Betsaal im Haus des Löb Samuel eingerichtet. 1857 erwarb die Gemeinde ein Haus "an der Ackerhohl" für die spätere Einrichtung als Synagoge. Spätestens seit 1868 wurden hier Gottesdienste abgehalten.  
   
In Frickhofen fanden spätestens nach 1885 regelmäßig Gottesdienste in einem Betsaal im Gebäude mit der heutigen Adresse Egenolffstraße 17 statt. Nach der Darstellung bei Thea Altaras wurde 1891 dieses Gebäude "von Grund auf (einem Neubau gleich) renoviert".  1909 wird dieses Gebäude jedoch bereits als "derart baufällig" beschrieben wird, dass es von der Polizeibehörde geschlossen werden musste. 1909/10 wurde es vermutlich umfassend renoviert. In der Synagoge gab es im Betsaal sechs Bankreihen für die Männer; die Frauenplätze waren auf der Empore.   
     

Frickhofen Israelit 29041909.jpg (164226 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 29. April 1909: "Liebe Glaubensgenossen! Nach Gutachten von hiesiger Polizeibehörde ist die hiesige Synagoge derart baufällig, dass dieselbe geschlossen werden musste und wir seit dem 1. Oktober vorigen Jahres ein kleines Zimmer gemietet haben, wo wir den Gottesdienst abhalten und sieht sich infolgedessen die hiesige jüdische Gemeinde gezwungen, um einen gänzlichen Verfall zu verhüten, sehr wesentliche Ausbesserungen vorzunehmen. Woher aber die Mittel hierfür beschaffen, da die paar hiesigen Familien die dazu benötigenden sehr erheblich Kosten allein aufzubringen, leider nicht imstande sind, da meistens die hiesigen Israeliten mittellos, sogar einige davon arm sind. Ich richte daher im Namen der hiesigen kleinen jüdischen Gemeinde an unsere Glaubensgenossen die dringende Bitte, unser Vorhaben durch eine, wenn auch noch so kleine Beihilfe, die mit größtem Danke angenommen wird. Liebe Schwestern, liebe Brüder, verehrte Synagogengemeinden, sendet doch jeder eine, wenn auch die Gaben noch so klein sind, denn ihr tut eine große Mizwe. Freundliche Gaben nimmt der Unterzeichnete Kultus-Vorsteher in Empfang, über deren Empfang im Israelit zur Zeit quittiert wird.  
Frickhofen, Regierungsbezirk Wiesbaden. Liebmann Hofmann, Vorsteher. 
Der Inhalt des vorstehenden Aufrufs ist richtig, dies bestätigt 
Frickhofen, im März 1909 Egenolf, katholische Pfarrer. 
Die Angaben im vorstehenden Schriftstück beruhen auf Wahrheit und ist sehr zu befürworten. 
Frickhofen, im März 1909. Giesendorf, Bürgermeister."   

Einer der vermutlich letzten Höhepunkt im gottesdienstlichen Leben der Gemeinde Frickhofen war ein Festgottesdienst, den der jüdische Lehrer Karl (Carl) Hartogsohn aus Hadamar hielt:  
   
Festgottesdienst in der Synagoge Frickhofen zu Chanukka im Dezember 1932  
Anmerkung: der Gottesdienst fand entweder am Freitagabend, 23. Dezember 1932 oder am Schabbat, 24. Dezember 1932 statt.  

Frickhofen Israelit 19011933.jpg (49088 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 19. Januar 1933: "Frickhofen (Westerwald), 5. Januar (1933). Nach längerer Zeit fand in unserer zum Rabbinat Bad Ems gehörenden Gemeinde am Schabbat Chanukka I ein Festgottesdienst unter Leitung des Herrn Kantors und Lehrers Karl Hartogsohn statt, was uns allen ein großes Erlebnis war. Seine Krönung fand der Gottesdienst in einer herzlichen Ansprache, die in allen Gemeindemitgliedern die Überzeugung wachgerufen hat, dass es gerade jetzt notwendig sei, mehr als je für unverfälschte Jüdischkeit zu tun."  

Bis 1933 fanden in der Synagoge in Frickhofen regelmäßig Gottesdienste statt. Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Inneneinrichtung der Synagoge in Frickhofen durch SA-Leute demoliert. Später kam das Gebäude in Privatbesitz und wurde zu einem bis heute stehenden Wohnhaus umgebaut. 
   
Auch das Synagogengebäude in Langendernbach, das beim Novemberpogrom 1938 gleichfalls überfallen wurde (die rituellen Gegenstände wurden verbrannt) ist zu einem Wohnhaus umgebaut worden, das jedoch 1951 abgebrochen wurde.  
      
      
Adresse/Standort der Beträume/Synagogen  

Frickhofen: Egenolffstraße 21  

Langendernbach: An der Ackerhohl (zwischen der Bahnhofstraße und der Ackerstraße, mit Zugang von der Ackerstraße)           

   
   
   
Erinnerungsarbeit vor Ort  
  
Erinnerungsarbeit hat in den vergangenen Jahren vielfach stattgefunden, wie aus dem Artikel von Hubert Hecker hervorgeht, veröffentlicht in www.kreuz.net (Katholische Nachrichten; zum Artikel).  

Woher kam der Haß? "Das ist nicht das Land, das meine Eltern getötet hat. Nicht die Deutschen haben uns drangsaliert. Es waren die Hitlerleute, die Nazis."  
  
Seit dem Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) wohnten Juden in der Westerwälder Landgemeinde Frickhofen. Frickhofen befindet sich rund 80 Kilometer nordwestlich von Frankfurt am Main. Um 1820 lebten im Ort drei jüdische Viehhändlerfamilien. Ihre Kinder besuchten die gemeinsame Dorfschule. Im Jahre 1841 wurden die Juden durch ein herzogliches Edikt den "christlichen Untertanen gleichgestellt". Laut einer Statistik von 1843 betreiben im Herzogtum Nassau 80% der Juden einen Handel. Darum lobte der Frankfurter Bankier Amschel Mayer Rothschild tausend Gulden als Lehrgeld aus, damit die "israelitischen Jungen gewerbliche Berufe lernen". Aus Frickhofen meldeten sich Nathan Kaiser und Jacob Heilbrunn zum Wollweber- und Schreinerberuf. Aber nach der Lehrzeit kamen sie doch wieder zur Viehhändlerei. Die Preußen brachten im Jahr 1866 liberale Religionsgesetze ins Land. In dieser Zeit trat ein gewisser Sußmann Kaiser aus der örtlichen Kultgemeinde aus. Da starb seine Frau und es stellte sich die Frage nach der Beerdigung. Kaiser wurde mit der Alternative konfrontiert: dreißig Taler für die Beerdigung auf dem nächsten jüdischen Friedhof im Dorf Ellar oder fünf Taler Jahresbeitrag in der israelitischen Ortsgemeinde. Kaiser entschied sich für die fünf Taler. Schon eine Woche nach der Beerdigung seiner Frau trat er aber erneut aus der Ortsgemeinde aus. 
Gute Nachbarschaft. Um 1890 wurde in einer Doppelhaushälfte eine kleine Synagoge eingerichtet: sechs Bankreihen unten und die abgetrennte Frauenempore oben. In dieser Zeit lebten sechs Viehhändlerfamilien im Ort. Zwei jüdische Soldaten fielen im Ersten Weltkrieg für Kaiser und Vaterland – vier jüdische Frickhöfer kehrten wieder heim. Nach dem Krieg begann im Dorf ein reiches Vereinsleben. Juden wurden Mitglieder im Fußballverein und bei der Feuerwehr. Der Jude Erich Wolf leitete zwei Jahre den Turnverein. Julius Kaiser war ein eifriger Benützer der katholischen Pfarrbücherei. Sein katholischer Freund Toni Schardt besuchte ihn gerne zum Laubhüttenfest. Auf den Dorffesten waren die jungen Männer aus jüdischen Familien begehrte Tänzer für Charlston und Walzer. Zur goldenen Hochzeit von Rebecca und Sigmund Heilbrunn sang der Männergesangverein. Christen und Juden legten Wert auf gute Nachbarschaft, gegenseitige Hilfe im Alltag, gegenseitige Einladungen bei Familienfesten und Trauerfeiern. Viele christliche Mädchen aus dem Dorf gingen bei reichen Frankfurter Juden als Hausmädchen "in Stellung" – allerdings mit der elterlichen Warnung: Juden dürften nach Talmud-Lehre christliche Mädchen "nehmen". Auch bei der Viehhändlerei gab es nicht nur Minne. Die Ferkel wirkten im Stall "irgendwie kleiner" als auf dem Viehwagen gesehen. Und: "Gegen die Juden verlierst du jeden Rechtsstreit. Die haben ihre Rechtsanwälte in der Stadt." 
Die Nationalsozialisten kommen. Doch in den 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts kommt das soziale und politische Gefüge in Frickhofen durcheinander. 1932 marschiert erstmals die nationalsozialistische "Schutz-Abteilung" durch den Ort. Bei den letzten freien Wahlen im November 1932 bekommen die Nationalsozialisten 40% der Stimmen. Im Jahr 1934 verbietet die Hitler-Partei dem örtlichen Metzgermeister, den jungen Siegfried Rosenthal als Lehrling einzustellen. Rosenthal lernt daraufhin Bäcker in Kassel. Sein Bruder Feodor hat ihm die Lehrstelle besorgt. Doch so richtig beginnen die Schikanen 1936 – nach den Olympischen Spielen in Berlin. Die sechs jüdischen Viehhändler verlieren ihre Gewerbelizenz. Dennoch verkaufen ihnen die Bauern ihr Vieh weiterhin – heimlich und nachts von der Weide. "Erst greifen sie nach dem Knoblauch", den Juden also – sagt der alte Salomon Kaiser – "dann holen sie den Weihrauch", also die Katholiken. Tatsächlich beginnt die Hitlerpartei ab 1937 einen verschärften Kampf gegen die Katholiken. Die Nationalsozialisten verbieten im Ort die katholischen Vereine: Katholischen Jungmänner-Bund und Pfadfinder, Marien- und Frauenverein. Hitlerleute reißen die Fronleichnamsfahnen aus den Hausfenstern katholischer Familien. Der Kaplan wird bespitzelt. Vier katholische Jugendliche bekommen je einen Monat Lagerhaft wegen Unbotmäßigkeit gegenüber Parteieinrichtungen. 
Mit der Heugabel herausgestochen. Am 9. November 1938 geht es den ungefähr zwanzig jüdischen Dorfbewohnern an den Kragen. Der Innenraum der kleinen Frickhöfer Synagoge wird verwüstet. SA-Horden überfallen die Häuser der jüdischen Familien und werfen Geschirr und Einmachgläser auf die Straße. Der Jude Rudolf Hofmann versteckt sich unterm Heu in einer Scheune und wird mit Heugabeln herausgestochen. Drei jüdische Männer kommen für zwei Monate ins Konzentrationslager Buchenwald. Fünf jüdische Kinder werden ausgeschult. Zwei Familien beantragen in den USA Asyl. Aber die restriktive Quote von 10.000 Flüchtlingen ist schon Ende Januar 1939 voll – erzählt der Frickhöfer Harry Abraham später. Im April 1939 gelingt es fünf Personen – darunter Siegfried Rosenthal –, über Genua nach Schanghai auszureisen. Die 15 verbliebenen Juden werden enteignet und in einem "Judenhaus" zusammengepfercht. Sie überleben nur, weil ihre christlichen Nachbarn sie heimlich mit Milch und Brot versorgen, ihre Schuhe und Kleider reparieren oder mit Schulheften und Zeitungen versorgen. Für die angekündigte "Ausreise nach Polen" stellen die Dorfbewohner den bedrängten Juden Winterkleidung bereit. Im August 1942 werden 15 Personen mit dreifacher Kleidung und schmalem Gepäck zum Bahnhof abgeführt.
Ein Lehrer und eine Nachbarin fahren ihnen nach Frankfurt nach und berichten im Ort, dass die Frickhöfer Juden in einer Halle kampieren und auf den Abtransport warten. Nach dem Krieg konnte der Tod von 11 Personen in den Konzentrationslagern von Theresienstadt, Treblinka, Sobibor, Majdanek und Auschwitz nachgewiesen werden. Die übrigen mussten für "tot erklärt" werden. 
Ein Überlebender kehrt heim. Ein entkommener Frickhöfer Jude, Siegfried Rosenthal, ließ sich im Jahr 1948 in Haifa im neu entstandenen Staat Israel nieder. 1967 kommt er zum erstenmal in seinen Geburtsort zurück. Er nimmt regelmäßig an den Klassentreffen seiner alten Volksschulklasse teil. Nach seiner Pensionierung im Jahre 1982 verbringt er jedes Jahr zwei Sommermonate in seiner deutschen Heimat – Heimat? Das Land, das seine Eltern umgebracht hat? "Nein" – antwortet Rosenthal: "Das ist nicht das Land, das meine Eltern getötet hat. Nicht die Deutschen haben uns drangsaliert. Es waren die Hitlerleute, die Nazis" – sagt er. Den Umgang mit den ehemaligen SA-Leuten und der Nazi-Kneipe meidet er. "Deutsch ist meine Muttersprache, Deutschland ist meine erste Heimat, Israel meine zweite", bekennt er. 
65 Jahre nach der Pogromnacht. 65 Jahre nach der nationalsozialistischen Pogromnacht von 1938 organisiert der Autor dieser Zeilen ein Treffen. Eine Broschüre wird geschrieben, eine Tafel am Rathaus angebracht. Aus Israel, Südafrika und den USA kommen die ehemaligen deutsch-jüdischen Mitbürger des Ortes oder die Kinder der inzwischen Verstorbenen. Im Pfarrzentrum ist eine kleine Ausstellung aufgebaut. Mehr als achtzig alte und junge Ortsbewohner sind neugierig auf die Ehemaligen und ihre Reaktionen. Sogar der alte Wirt aus der Nazi-Kneipe ist gekommen. Siegfried Rosenthal ergreift das Wort und erzählt von nationalsozialistischen Schikanen und Nazi-Schlägern – und immer wieder von guten Menschen und hilfreichen Nachbarn. Zuletzt spricht der Organisator des Treffens: "300 Jahre haben in diesem Ort Christen und Juden in guter Nachbarschaft und dörflicher Gemeinschaft zusammengelebt. Die böse Saat von Hass und Hetze auf die Juden kam von außen in den Ort und hat auch hier hässliche Früchte getragen. Die nationalsozialistische Partei und ihre heidnisch-rassistische Ideologie haben in nur zehn Jahren die Gemeinde gespalten, den Frieden zerstört, die jüdischen Mitbürger verfolgt, vertrieben oder vernichtet. Seien wir wachsam auf gottlose Eiferer, vernunftlose Hetzer und totalitäre Tendenzen." 
Der Autor ist Lokalhistoriker in der Region Unterer Westerwald.
   
   

    
Fotos

(Quelle: sw-Fotos um 1985: Altaras Teil I S. 92; historisches Foto nach dem Novemberpogrom 1938 sowie die weiteren Farbfotos zum "Judenhaus" aus dem oben zitierten Artikel in www.kreuz.net, Fotos von 2009: Hahn, Aufnahmedatum 23.08.2009)

    
Fotos aus Frickhofen Frickhofen Art 07.jpg (67567 Byte) Frickhofen Art 03.jpg (90804 Byte)
    Nach dem Novemberpogrom 1938; der 
Zugang zur ehemaligen Synagoge ist
 "polizeilich gesperrt" 
 "Judenhaus", in dem bis zur Deportation 
1942 die letzten jüdischen Einwohner
 zusammengepfercht waren 
          
Gebäude der ehemaligen Synagoge 
in Frickhofen um 1985
Frickhofen Synagoge 100.jpg (72713 Byte) Frickhofen Synagoge 101.jpg (71978 Byte)
    Das Gebäude der ehemaligen Synagoge in Frickhofen um 1985. 
     
Das Gebäudes der ehemaligen Synagoge
 im Sommer 2009 
Frickhofen Synagoge 170.jpg (69678 Byte)  Frickhofen Synagoge 171.jpg (70762 Byte)
           
        
 Zur Lage der ehemaligen Synagoge 
in Langendernbach 
Langendernbach Ort 170.jpg (73050 Byte)
   Die ehemalige Synagoge befand sich im Bereich zwischen Bahnhofstraße und Ackerstraße,
 das heißt im Bereich der auf der rechten Fotoseite zurückgesetzten Häuserreihe

    

    
Links und Literatur

Links:

Website der Gemeinde Dornburg     

Zur Geschichte eines Sedertellers, vermutlich aus Frickhofen (pdf-Datei)  

Zur Seite über den jüdischen Friedhof zwischen Frickhofen und Langendernbach (interner Link)   

Website zur 1200-Jahrfeier von Frickhofen im Sommer 2009     

Literatur:  

Paul Arnsberg: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang - Untergang - Neubeginn. 1971. Bd. I S. 193-194 (zu Frickhofen). Bd. I S. 471 (zu Langendernbach).
Thea Altaras: Synagogen in Hessen. Was geschah seit 1945? 1988 S. 92 (Frickhofen). 96 (Langendernbach).
dies.: Das jüdische Rituelle Tauchbad und: Synagogen in Hessen. Was geschah seit 1945 Teil II. 1994. S. 82. 
Studienkreis Deutscher Widerstand (Hg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933-1945. Hessen I Regierungsbezirke Gießen und Kassel. 1995 S. 130.  
Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany Volume III: Hesse -  Hesse-Nassau - Frankfurt. Hg. von Yad Vashem 1992 (hebräisch) S. 550 (nur zu Frickhofen).  
Peter-Josef Mink: Das Leben der Juden in Langendernbach: von den Anfängen bis zur Zeit des Nationalsozialismus. Limburg: Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit. 2003. 78 Seiten.  
ders.: Die jüdische Gemeinde Ellar. Kissel-Verlag. Beselich-Heckholzhausen 2007.  

     
       


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Frickhofen Hesse-Nassau. Numbering 47 in 1843, the Jews had a synagogue but were forbidden to establish an independent community until 1913. Their number declined (to 36 in 1933) and on Kristallnacht (9-10 November 1938), the synagogue's interior was vandalized. By 1940 most Jews had left; 12 perished in the Holocaust. 
     
       

                   
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Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 26. März 2017