|
Eingangsseite
Aktuelle Informationen
Jahrestagungen von Alemannia
Judaica
Die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft
Jüdische Friedhöfe
(Frühere und
bestehende) Synagogen
Übersicht:
Jüdische Kulturdenkmale in der Region
Bestehende
jüdische Gemeinden in der Region
Jüdische
Museen
FORSCHUNGS-
PROJEKTE
Literatur
und Presseartikel
Adressliste
Digitale
Postkarten
Links
| |
zurück zur Übersicht "Synagogen in der Region"
Synagogen in Bayerisch Schwaben
Hürben (Stadt Krumbach, Landkreis Günzburg)
Jüdische Geschichte / Betsaal/Synagoge
Übersicht:
Es besteht eine weitere
Seite mit Texten zur jüdischen Geschichte in Hürben (interner Link)
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde
(english
version)
In dem seit 1902 nach Krumbach eingemeindeten Hürben bestand eine
zeitweise große jüdische
Gemeinde bis 1938/42. Ihre Entstehung geht in die Zeit Anfang des 16.
Jahrhunderts zurück. 1504 lebten vier jüdische Familien am Ort. Nach 1518 bzw. 1540 zogen mehrere jüdische Familien
zu, die aus Donauwörth bzw. Neuburg a.d. Kammel vertrieben worden waren.
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischer Einwohner wie folgt:
1809 421 jüdische Einwohner (46,0 % von insgesamt 914), 1911 458 (47,7 % von
960), 1839 576, nach 1840 Höchstzahl von 652
Personen, 1871 332 (dazu 10 in Krumbach, 27,1 % der Einwohnerschaft von
Hürben), 1880 251 (20,8 %), 1900 123 (9,9 % von 1.241, dazu 3 in Krumbach). Bis ins 19.
Jahrhundert hinein lebten die Juden vor allem vom Handel mit Vieh,
Landesprodukten und Geld. 1839 zählte Hürben innerhalb der 116
jüdischen Familien und 13
Witwen, 289 männliche und 287 weibliche Personen. Unter den Berufen gab
es einen Rabbiner, zwei Lehrern, 56 konzessionierten Kauf- und
Handelsleuten, elf Hausierhändlern, einen Seifensieder, vier Bäckern,
vier Metzgern, zwei Schuster, einen Schneider, vier Tuchmacher, zwei Uhrenmacher,
einen Barbier, sechs Ökonomen, einen Taglöhner, einen Tuchscherer, einen Hutmacher,
einen
Buchbinder, einen Glaser, einen Drechsler, einen Hafner, einen Stricker,
einen Lebküchner, sechs Weber, einen Weißgerber, einen Kürschner, einen Spengler,
einen Bürstenbinder, zwei Briefboten. Im Laufe des 19. Jahrhunderts eröffneten
jüdische Personen Handlungen, Handwerksbetriebe und Fabriken am Ort, die von
großer wirtschaftlicher Bedeutung für den Ort und die Region waren.
Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts war die Zahl der jüdischen Einwohner durch
Aus- und Abwanderung zurückgegangen. 1910 wurden noch 94, 1925 79 jüdische Einwohner
gezählt. Bis Anfang der 1930er-Jahre hatten die jüdischen Einwohner
bedeutenden Anteil an der wirtschaftlichen Entwicklung Hürbens / Krumbachs
inne. Einige von ihnen waren Stadträte.
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge (s.u.),
eine jüdische Elementar-/Religionsschule, ein rituelles Bad und einen Friedhof.
Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde waren zur Blütezeit der
Gemeinde (vgl. Bericht
von 1842) ein Rabbiner und bis zu drei Lehrer an der jüdischen Schule
angestellt. 1842 starb Elementarlehrer Joseph Kahn, der von 1815 bis 1842 an der
Schule tätig war.
Im Ersten Weltkrieg ist gefallen: Unteroffizier Emil Buff (geb. 14.9.1896
in Krumbach, gef. 19.7.1916).
Um 1925 waren die
Vorsteher der jüdischen Gemeinde die Herren J. Weißkopf, Julius Oettinger,
Gustav Götz, Ludwig Höchstädter, Samuel Neuburger, Julius Buff und Jakob
Manasse. Als Lehrer und Kantor wirkte Isidor Kahn (Verfasser der
Gemeindegeschichte), als Schächter und Synagogendiener Manasse Prinz. An jüdischen
Vereinen bestanden: der Israelitische Frauenverein (gegr. 1836 mit dem
Ziel der Unterstützung hilfsbedürftiger Kranker), der Israelitische
Männerverein (Chebra Kadischa, gegr. 1751, Ziele: Krankenpflege und
Bestattungswesen), der Israelitische Ausstattungsverein (gegr. 1825, Ziel:
Brautausstattung), ein Industrieverein (Ziel: Ausbildung hilfsbedürftiger
Lehrlinge), der Israelitische Holzverteilungsverein (gegr. 1842, Ziel:
Verteilung von Brennmaterial an Hilfsbedürftige), der Israelitische Verein für
Ferienkolonien. Anfang der 1930er-Jahre waren die Gemeindevorsteher Jakob
Spanier (1. Vorsitzender) und Julius Oettinger (2. Vorsitzender, Schriftführer
und Schatzmeister). Lehrer und Kantor war nach dem Tod von Isidor Kahn (Ende
1930) Walter Seligmann. 1933 waren unter den jüdischen Einwohnern 15 Händler/Kaufleute,
ein Bankier, ein Molkereibesitzer und drei Lehrlinge. Die Gemeinde gehörte zum
Bezirksrabbinat Ichenhausen.
Nach 1933 richteten sich nationalsozialistische Aktionen
alsbald gegen die jüdischen Einwohner. Neben den üblichen Boykottmaßnahmen
wurden beispielsweise im Juli 1937 im Haus von Manasse Prinz die Fenster
eingeworden; im Oktober 1937 wurden im jüdischen Friedhof Grabsteine umgeworfen.
Im Frühjahr 1938 musste das Erholungsheim für jüdische Kinder in Krumbach, das
bis zu 60 Kinder und Jugendliche Beherbergen konnte, geschlossen werden. Bis
1941 verzogen 18 jüdische Einwohner von Krumbach / Hürben in andere Orte, 27
konnten auswandern. 16 wurden 1942 von Krumbach aus deportiert und wurden
ermordet.
Von den in Hürben/Krumbach geborenen und/oder längere Zeit am Ort
wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945", einige Namen in den Listen
von Yad Vashem beziehen sich allerdings auf
Krumbach / Niederösterreich; abgestimmt mit der Liste von G. Römer, Leidensweg s.Lit.
S. 181): Regina Adler geb. Reich (1886), Hedwig Bauer geb. Stein (1890), Meta
Bauer (1917), Adolf Blum (1880), Elsa Blum (1923), Ernst Blum (1924), Henriette
Blum geb. Bach (1860), Irma Blum
geb. Koppel (1888), Mira Blum (1887), Klara Bühler geb. Neuburger (1883), Betti
(Betty) Götz (1901), Martha Götz (1886), Arnold Goldberg (1935), Dina Goldberg
(1934), Josua (Josi) Goldberg (1936), Mina Goldberg geb. Oppenheimer (1903), Willy
Goldberg (1896), Hanny Grünsfeld geb. Weil 1898), Josef Guggenheimer (1873),
Julius A. Guggenheimer (1878), Samuel Gundelfinger (1882), Heinrich Harburger
(1865), Jacob Harburger (1879),
Johanna Harburger (1881), Sigmund Harburger (1883), Sophie Harburger (1870),
Louis Heinemann (1865), Benno Höchstädter (1887), Rosa Holländer geb. Reich
(1878), Julius Kahn (1870), Karoline Klein geb. Harburger (1886), Lina Kohn geb.
Thannhauser (1869), Paula Kothe geb. Landauer (1864), Julius Lachmann (?), Grete Landau (1916),
Mathilde Landauer geb. Guggenheimer (1854), Peppi Josefine Landauer geb.
Guggenheimer (1865), Albert Levinger (1874), Emma Mann geb. Oettinger (1884), Rosalie Marx geb. Rosenhelm (1875),
Abraham Adolf Metzger (1876), Frieda Mühlfelder geb. Barbier (1864), Albert
Mühlhäuser (1878), David Mühlhäuser
(1874), Jakob Mühlhäuser (1895), Bertha Neuburger (1890), Klara Neuburger
(1882), Laura Neumann geb.
Obermeier (1862), Alfred Oettinger (1891), Betty (Babette) Oettinger (1888), Ignaz (Isaak) Oettinger (1882),
Johanna Oettinger (1925), Klara Öttinger (1885), Max (Maxl) Oettinger (1922),
Sidonia Oettinger geb. Gärtner (1894), Gustav Oppenheimer
(1870), Johanna Rosenhelm (1872), Bertha Salomon geb. Rosenhelm (1867), Bernhard
Schwarz (1862), Sabine Selinger (1862), Jeanette Stein (1883), Julius Stein (1885),
Hermine Stettauer (1873), Friederike Weil geb. Stein (1875), Jenny Weil (1877, deportiert
von Köln nach Lódz), Sabine (Sabina) Wolf geb.
Höchstädter (1875).
Zur Geschichte der Synagoge
Die jüdische Gemeinde besaß eine 1675 erbaute und in den Jahren 1710
und 1765 erweiterte Synagoge. 1819 wurde nach Plänen von Johann N. Salzgeber
aus Buch bei Illertissen ein Neubau errichtet, der 1863 und 1908 jeweils renoviert wurde.
Kritik an "unwürdigem Benehmen" in der
Synagoge (1842)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit des 19. Jahrhunderts" vom 12.
Juni 1842: "Schmerzlich muss dagegen das sein, was man jetzt noch von
der zahlreichen Gemeinde in Hürben (Königreich Bayern) hört. Außer an
dem Sabbat vor dem Passah- und dem Versöhnungsfest hört man dort selten
die Predigt des göttlichen Wortes in der Synagoge. In dieser erscheint
der eine mit einem Hut, der Andere mit einer Kappe, der dritte gar mit der
ehrwürdigen breiten Haube, und die Konfirmation, welche auf den Antrag
der Kreissynode schon eingeführt war, und einen sehr guten Eindruck auf
die Gemeinde machte, wurde auf den Antrag einiger Eiferer wieder
abgestellt." |
Christlich-jüdisches Erntedankfest in der Synagoge (1847)
Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 13. September 1847:
aus einem längeren Bericht über die Situation jüdischer Gemeinden in
Bayern: "Ein würdiges Seitenstück zu diesem hat sich jüngst in der 3
Stunden von Ichenhausen entfernten Gemeinde Hürben ereignet. Die dortigen
christlichen Einwohner wollten auch ein Erntefest feiern, um dem Geber
alles Guten für den reichen Segen zu danken, den er nach so harter Zeit
der Prüfung verliehen. Der Pfarrer wollte aber davon Nichts wissen und
meinte, da man den Einwohnern dort keine Not angesehen, so wäre der Dank
auch nicht gerade nötig und weigerte sich deshalb, die Kirche zu diesem
Zwecke herzugeben. Da wurde nun der dortige Rabbiner Herr Schwarz ersucht,
die Synagoge zu einem Erntedankfest herzugeben und eine dem Zwecke
angemessene Predigt zu halten. Der Herr Rabbiner erklärte sich umso mehr
hierzu bereit, als auch die Israeliten dort ein solches Fest begehen
wollten. Es wurde nun der erste Fruchtwagen passend verziert und mit Musik
begleitet in den Synagogenhof geführt. Die sämtlichen Einwohner des
Ortes begaben sich in das israelitische Gotteshaus und der Rabbiner hielt
eine Predigt, die alle Herzen ansprach, alle Gemüter tief ergriff und die
ihm die Liebe aller Hörer erwarb. Abends wurde ein Mahl gegeben, zu
welchem auch die Landgerichtsassessoren geladen waren und viele und
herzliche Toaste wurden dem israelitischen Geistlichen gebracht." |
Dankgottesdienst im Blick auf die rechtliche
Verbesserung der Situation der jüdischen Bewohner Bayerns (1861)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 18. Dezember 1861:
"Hürben, bei Augsburg. Dem in Ihrer Zeitschrift 'Der Israelit' Nr.
48 ausgesprochenen Wunsche hat unser ehrwürdiger Herr Rabbiner, Rabbi
Hayum Schwarz, Folge geleistet; indem sich am 2. Tage von Chanukka die
Mitglieder der israelitischen Gemeinde in der Synagoge dahier zu einem
feierlichen Gottesdienst versammelten, um Gott zu danken, dass er das Herz
des Königs und seiner Minister gelenkt habe, die Juden, von dem schon so
lange schmachvoll auf ihnen lastenden Joche zu befreien und zugleich auch
für das Heil unseres geliebten Königs zu beten; diese Feierlichkeit
wurde noch besonders durch die Feier des hohen Geburtsfestes unseres
Königs erhöht. Der Herr Rabbiner hielt eine dem Gegenstand angemessene,
gehaltvolle Rede. Diesem feierlichen Akte, wohnten auch die Spitzen der
Gerichtsbehörden und der christlichen Geistlichkeit bei. - Mögen auch
bald noch die anderen, die bayerischen Juden belastenden Ausnahmegesetze
aufgehoben werden. - L.G." |
Einweihung der restaurierte Synagoge (1908)
Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 25.
September 1908: "Krumbach, 11. September (1908). In
feierlicher Weise wurde durch den Distriktsrabbiner Dr. Cohn die
Einweihung der prächtig restaurierten hiesigen Synagoge vollzogen.
Ursprünglich im Empirestil gehalten, wurde bei der Renovierung im Jahre
1872 aus unbekannten Gründen die alte Malerei übertüncht und zugedeckt.
Maler Schnitzler von hier hat die alten Ornamente freigelegt und in
prächtigen Farben und Tönen wieder hergestellt, dass sie die Bewunderung
der Besucher des Gotteshauses erregen. Die heilige Lade ist sehr
geschmackvoll im gleichen Stile restauriert und war an diesem Abend mit
einem fast 200 Jahre alten, reich gestickten Vorhand geschmückt. Möge
das schöne Gotteshaus seiner hehren Bestimmung geweiht sein, und der
Gottesdienst auf Herz und Gemüt veredelnd wirken!" |
Im Zusammenhang mit den Ereignissen in der Pogromnacht im November
1938 drangen am 11. November SA-, SS- und Gestapomänner in Zivilkleidung in die
Synagoge ein. Sie zwangen jüdische Gemeindeglieder, ihre Bücher, Torarollen
und Toraschmuck auf Lastwagen zu werfen. Das Inventar und die Kultgegenstände
wurden zerstört. Das Gebäude selbst blieb weitgehend unbeschädigt. Am 26. November 1939 brannte das Gebäude, das seit
Kriegsbeginn Heulager der Wehrmachts-Raufuttersammelstelle war, durch
Brandstiftung nieder. Auf
Grund der schweren Schäden wurde die Ruine mit dem Grundstück durch die Stadt
Krumbach "erworben" und auf Anordnung des
Regierungspräsidenten von Schwaben vom 30. September 1940 abgebrochen. Im Dezember 1941 waren die
Abbrucharbeiten beendet. An die ehemalige Synagoge erinnert heute ein
Gedenkstein.
Standort: Synagogengasse in Hürben; die ehemalige
jüdische Schule war Synagogengasse 3 (abgebrochen 1964); die ehemalige Mikwe
wird seit 1945 als Wohnhaus genutzt (Synagogengasse 10).
Fotos
Historische Fotos:
(Außer dem ersten stammen die Fotos aus der Sammlung Theodor
Harburger: Quelle: Central Archives for the
History of the Jewish People, Jerusalem; großenteils veröffentlicht in
"Die Inventarisierung jüdischer Kunst- und Kulturdenkmäler in Bayern.
Jüdisches Museum Franken. 1998; die nachfolgenden Fotos wurden direkt von den
Central Archives zur Verfügung gestellt)
 |
 |
 |
Die Synagoge in Hürben.
Quelle: H. P. Schwarz (Hg.): Die Architektur der Synagoge 1988 S. 160 Abb.
201) |
Derselbe Blickwinkel |
Links vor der Synagoge der
Gemischtwarenladen von Markus und Fanny Rosenthaler (Quelle: G. Römer,
Schwäbische Juden S. 273) |
| |
| |
| |
|
|
 |
 |
 |
| Isidor Kahn in der Synagoge.
Kahn war von 1897 bis 1924 Lehrer und Vorsänger in Hürben (gest. 1930). |
Innenansicht |
Blick zum Toraschrein |
| |
|
| |
|
|
 |
 |
 |
| Der Toraschrank |
Toraschild |
Sederschüssel |
| |
|
|
 |
 |
 |
| Toravorhang |
Anderer Toravorhang |
Toramantel |
| |
|
|
| |
 |
|
| |
Die Mikwe in Hürben um 1928
(heute: Gebäude Synagogengasse 10, dient seit 1945 als Wohnhaus) |
|
Fotos nach 1945/Gegenwart:
Foto April 1987
(Foto: Hahn) |
 |
|
| |
Der Gedenkstein auf dem
Standort der Synagoge in Hürben |
|
| |
|
|
Fotos 2004:
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 23.7.2004) |
 |
 |
| |
Der alte Gedenkstein |
Das ehemalige
Synagogengrundstück - der Grundriss der Synagoge ist durch Plattenbelag
markiert. |
| |
|
|
 |
 |
 |
| Die neue Gedenkstätte |
|
Straßenschild Synagogengasse |
| |
|
|
 |
 |
|
| Die beiden
Texttafeln der Gedenkstätte |
|
|
Weitere Erinnerungen an die jüdische Geschichte
|

|
Im Bereich des früheren Stadtteiles Hürben
sind bis heute zahlreiche weitere Spuren der jüdischen Geschichte zu
entdecken. Eines des markantesten früheren jüdischen Wohnhäuser ist das
Gebäude des heutigen Mittelschwäbischen Heimatmuseums Krumbach in
der Heinrich-Sinz-Straße 3-5 (siehe Foto, Quelle: Heimatmuseum Krumbach).
Dieses Gebäude gehörte bis nach 1933 der bekannten Vieh- und
Pferdehändler-Familie Neuburger. Bertha Neuburger wurde 1942 nach
Piaski bei Lublin in Polen deportiert und ermordet. Ihr verbliebener Besitz,
auch aus dem Zwangsverkauf des elterlichen Hauses, wurde ihr abgenommen.
Link zum Mittelschwäbischen Heimatmuseum Krumbach: hier
anklicken |
Erinnerungsarbeit vor
Ort - einzelne Berichte
| September 2009:
Beitrag über einen Rundgang am
"Europäischen Tag der jüdischen Kultur" |
Artikel von Julia Reiter in der "Augsburger Allgemeinen" vom 7.
September 2009: "Thannhauser, Lachmann und Morgenthau
Krumbach/Hürben Jahrhunderte prägte die jüdische Kultur den Krumbacher Ortsteil Hürben, bevor sie von den Nazis ausgelöscht wurde. Bei einem Rundgang durch Hürben am
'Europäischen Tag der jüdischen Kultur' rief Herbert Auer vom Krumbacher Heimatverein dies wieder in Erinnerung. Landauer, Lachmann, Thannhauser, Morgenthau: Der Spaziergang durch Hürben ist auch eine Begegnung mit bemerkenswerten Persönlichkeiten. Veranstalter der Aktion war das Heimatmuseum Krumbach.
Hürben bot zu Beginn des 19. Jahrhunderts für viele jüdische Mitbürger eine neue Heimat, die Gemeinde wuchs stetig mit einem jüdischen Anteil von rund 40 Prozent. Der erfolgreiche Geschäftsmann Leopold Landauer und sein Sohn Raphael bauten 1799 das Landauer-Haus und lebten dort mit ihrer Familie. Mehr als 100 Jahre lebten Juden in diesem Haus, bis das Anwesen 1902 an den Nichtjuden Karl Schwarz verkauft wurde.
Weiter ging es in der Heinrich-Sinz-Straße, wo der bis heute weltweit bekannte jüdische Kunstsammler Heinrich Thannhauser geboren wurde. Er gründete die
'Moderne Galerie' in München, wo Werke französischer Impressionisten ausgestellt wurden, aber später auch einige Bilder des Malers Pablo Picasso, der mit der Familie Thannhauser eng befreundet war. Thannhauser starb 1934 nach der Flucht vor dem NS-Regime in Luzern. Herbert Auer erklärte, dass sich die Kunstsammlung der Thannhausers im Guggenheim Museum in New York befindet und das Heimatmuseum sehr interessiert daran wäre, einen Teil der Ausstellung nach Krumbach zu holen.
Bekannter Zigarrenhändler. Auch der Geschäftsmann Lazarus
Morgenthau, der weit über europäische Grenzen für seinen Zigarrenhandel bekannt war, lebte zeitweise in Hürben und machte dort seine ersten unternehmerischen Erfolge als Schneider für Kinderkleider und Krawatten.
Weiter ging die Reise zum Denkmal für die jüdische Bevölkerung Hürbens, dem Platz, an dem früher die Synagoge stand. Zwar überstand die Synagoge die Reichspogromnacht 1938, allerdings wurde sie später durch einen unbekannten Brandstifter zerstört.
Eine der bekanntesten jüdischen Bürgerinnen Hürbens war wohl Hedwig
Lachmann, eine deutsche Schriftstellerin, Übersetzerin und Dichterin. Bereits auf der Schule für höhere Töchter kam ihr außerordentliches Sprachtalent zum Ausdruck. Früh übersetzte sie Gedichte von Edgar Allan Poe und Oscar Wilde vom Englischen in das Deutsche, die bei deutschen Verlegern großen Anklang fanden.
Auch Richard Strauß’ Oper Salome wurde von Hedwig Lachmann übersetzt, Herbert Auer betonte, dass dank ihr der Ort Hürben auch heute noch in vielen Opernprogrammen in Verbindung mit ihrer Übersetzung der Oper Salome zu finden ist.
Abschließend ging es zum ehemaligen jüdischen Friedhof Hürbens, wo die Schriftstellerin Hedwig Lachmann beigesetzt wurde. Während der NS-Zeit wurde der Friedhof mehrfach geschändet und Grabsteine als Baumaterial zweckentfremdet. |
| |
| |
Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Baruch Z. Ophir und Falk Wiesemann:
Die jüdischen Gemeinden in Bayern 1918-1945. Geschichte in Zerstörung.
München und Wien 1979 S. 477-478. |
 |
Gernot Römer: Der Leidensweg der Juden in
Schwaben. Augsburg 1983 (zum Ende der jüdischen Gemeinde Krumbach-Hürben:
S. 85-88). |
 |
ders.: Schwäbische Juden. Leben und Leistungen aus
zwei Jahrhunderten. Augsburg 1990. |
 |
Herbert Auer: Die Einbindung der Juden in das
öffentliche Leben und das Vereinswesen in der Gemeinde Hürben/Krumbach.
In: Geschichte und Kultur der Juden in Schwaben. Hg. von Peter Fassl (=
Irseer Schriften Band 2). Sigmaringen 1994. S. 117-129. |
 |
ders.: Hayum Schwarz, der letzte Rabbiner in Hürben.
In: Geschichte und Kultur der Juden in Schwaben. Bd. 2. Hg. von Peter Fassl
(= Irseer Schriften Bd. 5). Stuttgart 2000. S. 65-81. |
 |
Benigna Schönhagen / Herbert Auer: Jüdisches
Krumbach-Hürben. Einladung zu einem Rundgang. Reihe: Orte jüdischer
Kultur. Haigerloch 2002. |
 |
"Mehr als
Steine...." Synagogen-Gedenkband Bayern. Band I:
Oberfranken - Oberpfalz - Niederbayern - Oberbayern - Schwaben.
Erarbeitet von Barbara Eberhardt und Angela Hager. Hg.
von Wolfgang Kraus, Berndt Hamm und Meier Schwarz.
Reihe: Gedenkbuch der Synagogen in Deutschen. Begründet und
herausgegeben von Meier Schwarz. Synagogue Memorial Jerusalem. Bd. 3:
Bayern. Kunstverlag Josef Fink Lindenberg im
Allgäu. (mit umfassenden Quellen- und
Literaturangaben)
ISBN 978-3-98870-411-3.
Abschnitt zu Hürben/Krumbach 468-477.
|

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the
Holocaust".
First published in 2001 by NEW
YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad
Vashem Jerusalem, Israel.
Krumbach-Huerben (in Jewish sources Hiche, Hirbe)
Swabia. Jews are first mentioned in 1504, with newcomers arriving from
Donauwoerth in 1518 and Neuburg in 1540 after the expulsions there. A cemetery
was consecrated in 1608 and a synagogue in 1675. The Huerben community (consolidated
with Krumbach in 1902) grew rapidly in the 18th century into one of the largest
in Bavaria, with a Jewish population of 576 in 1839. A Jewish public school was
opened in 1790. The Semitic scholar Samuel Landauer was born in Huerben in 1846.
In 1933, 65 Jews remained, most merchants. The synagogue was vandalized on
Kristallnacht (9-10 November 1938), and Jews were forced to liquidate their
businesses shortly thereafter. Forty-five left in 1933-41, 17 emigrating to the
U.S. and 18 to other German cities. Fifteen were deported to Piaski (Poland) via
Munich on 3 April 1942.

vorherige Synagoge zur ersten Synagoge nächste Synagoge
diese Links sind noch nicht aktiviert
|