Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


Eingangsseite

Aktuelle Informationen

Jahrestagungen von Alemannia Judaica

Die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft

Jüdische Friedhöfe 

(Frühere und bestehende) Synagogen

Übersicht: Jüdische Kulturdenkmale in der Region

Bestehende jüdische Gemeinden in der Region

Jüdische Museen

FORSCHUNGS-
PROJEKTE

Literatur und Presseartikel

Adressliste

Digitale Postkarten

Links

 

  
zurück zur Übersicht "Synagogen in der Region"  
zurück zur Übersicht "Synagogen in Rheinland-Pfalz" 
zu den "Synagogen im Westerwaldkreis"   
   

Meudt (VG Wallmerod, Westerwaldkreis)
Jüdische Geschichte / Synagoge

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer   
Aus dem jüdischen Gemeindeleben 
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen  
Kennkarte aus der NS-Zeit     
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen  
Links und Literatur   

   

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)       
    
In Meudt bestand eine jüdische Gemeinde bis 1938/42. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 18. Jahrhunderts zurück. Seit 1694 werden einzelne jüdische Personen am Ort genannt, allerdings handelt es sich in diesem Jahr (ebenso in den Jahren 1710, 1721 und 1729) um die Eintragung der Taufe eines zum katholischen Glauben übergetretenen Juden am Ort. Es ist nicht klar, ob dieser (beziehungsweise diese) zuvor in Meudt lebte(n). Aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts sind jedoch die Namen der sicher am Ort lebenden jüdischen Einwohner (beziehungsweise Familienvorsteher) bekannt: 1757 Jacob Veit, Moyses Jacob, Hisgen, Jacob Mayses; 1759: Moyses, Jacob Moyses, Jacob Hiskie; 1781 Hayum Isac, Moases Jacob, Abraham Jacob, 1787 Jakob Moyses, Moyses Jakob, Abraham Jakob und Hayum Jakob. Damit lebten in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts bis zu vier jüdische Familien in Meudt; um 1800 kamen zwei weitere Familien dazu. Die Familienvorsteher waren allesamt als Viehhändler tätig.      
  
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1843 47 (6,4 % von insgesamt 730 Einwohner), 1871 70 (von insgesamt 742 Einwohnern), 1885 113 (13 % der Gesamteinwohnerschaft) 1895 105, 1905 105 (13,1 % von etwa 800 Einwohnern). Seit 1841 hatten die jüdischen Familiennamen feste Familiennamen nachzuweisen. Insbesondere hießen die Familien Falkenstein, Heilberg, Stern und Löwenstein (im 19. Jahrhundert auch noch Maier, Falk, Lahrheim).
  
An Einrichtungen bestanden eine Synagoge (s.u.), eine Schule (Religionsschule), ein rituelles Bad und ein Friedhof. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war (siehe Ausschreibungen der Stelle unten). Erstmals wird 1822 ein Lehrer genannt (Fiebermann). Die Gemeinde gehörte nach 1843 zunächst zum Rabbinatsbezirk Diez, seit 1860 zum Rabbinatsbezirk Weilburg (beziehungsweise ab 1924/25 Bad Ems - Weilburg).  
    
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde Leopold Falkenstein (geb. 15.3.1883 in Meudt, vor 1914 in Düsseldorf wohnhaft, gef. 1.9.1916), Friedrich Louis Heilberg (geb. 3.10.1888 in Meudt, vor 1914 in Köln wohnhaft, gef. 10.3.1915), Jakob Löwenstein (geb. 21.11.1874 in Meudt, gest. 6.10.1915) und Simon Stern (geb. 31.3.1896 in Meudt, gef. 18.4.1916). Ihre Namen stehen auf dem Kriegerdenkmal an der Straße Laufgarten 4.     
   
Um 1924, als zur Gemeinde 57 Personen gehörten (6,1 % von insgesamt etwa 900 Einwohnern), waren die Gemeindevorsteher Leo Rosenthal, Isaac Heilberg II, M. Stern und S. Falkenstein. Einen eigenen Lehrer hatte die Gemeinde damals nicht mehr. Zur Besorgung religiöser Aufgaben und zum Unterricht der jüdischen Kinder in Religion war regelmäßig Lehrer Siegmund Zodick aus Montabaur nach Meudt. Er hatte 1924 hier sechs Kindern den Unterricht zu erteilen. 1932 waren die Gemeindevorsteher Max Heilberg (1. Vors.), Isak Heilberg II (2. Vors.) und Salomon Falkenstein (3. Vors.). Als Schatzmeister wird Sally Heilberg angegeben. Inzwischen wurde die Gemeinde durch Lehrer (Rabbiner) Leo Fischer aus Westerburg betreut. Er hatte in Meudt im Schuljahr 1931/32 vier Kinder in Religion zu unterrichten.        
  
1933 lebten noch 45 jüdische Personen in Meudt.
In den folgenden Jahren ist ein Teil der jüdischen Gemeindeglieder auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts, der zunehmenden Entrechtung und der Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert. Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge zerstört (s.u.). Acht jüdische Männer wurden in das KZ Buchenwald verschleppt.  Die letzten 23 jüdischen Einwohner wurden 1942 in das Ghetto Theresienstadt deportiert.  
  
Von den in Meudt geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Berta Falkenstein geb. Brück (1883), Edgar Falkenstein (1929), Hans Falkenstein (1924), Moses Falkenstein (1869), Salomon Falkenstein (1876), Josefine Goldschmidt geb. Löwenstein (1893), Rosa Hammerschlag geb. Falkenstein (1875), Adolf Heilberg (1852), Amalie Heilberg (1875), Berta Vera Heilberg (1931), Emanuel Heilberg (1873), Ferdinand Heilberg (1858), Hedwig Heilberg geb. Marx (1905), Ingeborg (Inge) Heilberg (1930), Josef Heilberg (1907), Julius Heilberg (1894), Leo Heilberg (1895), Margit (Margret) Heilberg (1933), Max Heilberg  (1873), Meta Heilberg geb. Falkenstein (1907), Regina (Regine) Heilberg geb. Sichel (1874), Rosi Heilberg (1917), Rega Heimann geb. Stern (1888), Eva Israel geb. Heilberg (1868), Emma Jonas geb. Heilberg (1870), Flora Kain geb. Stern (1899), Hedwig Levy geb. Heilberg (1890), Rega (Recha) Lindheimer geb. Stern (1889), Kaetchen Löwenberg geb. Stern (1853), Fritz Löwenstein (1888), Henriette Löwenstein (1896), Irma Löwenstein (1912), Jakob Löwenstein (1880), Julius Löwenstein (1898), Karl Löwenstein (1906), Paula Löwenstein geb. Gottschalk (1888), Siegberg Löwenstein (1926), Siegmund Löwenstein (1882), Frieda Roßkamm geb. Löwenstein (1882), Helene Stamm geb. Heilberg (1872), Adolf Stern (1884), Alfons Stern (1894), Alfred Stern (1889), Artur Stern (1889), Bertha Stern geb. Falkenstein (1874), Hilda Stern (1887), Jeanette Stern geb. Strauß (1865), Max Stern (1881), Moritz Stern (1891), Pauline Stern geb. Brück (1856), Wilhelm Stern (1885). 
Anmerkung: auf dem Ehrenmal im jüdischen Friedhof stehen die Namen von 25 der ermordeten Meudter Juden, da nicht alle der in Meudt geborenen und später an anderen Orten lebenden jüdischen Personen berücksichtigt wurden.         
   
   
   
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer  
Ausschreibungen der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet 1878 / 1879 / 1887 / 1892 / 1894 / 1900 / 1901 / 1904 / 1907

Meudt Israelit 13111878.jpg (36837 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 13. November 1878: "Die Stelle eines israelitischen Religionslehrers und Vorbeters ist dahier vakant. Gehalt des Lehrers 600 Mark und Nebeneinkommen. 
Qualifizierte Bewerber können sich dahier melden. 
Meudt, am 11. November 1878. Haimann Heilberg, Vorsteher."       
 
Meudt Israelit 23071879.jpg (29169 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 13. November 1878: "Annonce. Es wird für die Synagogen-Gemeinde zu Meudt ein israelitischer Religionslehrer, gleichzeitig auch Vorbeter, gesucht. Gehalt 600 Mark. 
Meudt in Nassau, am 20. Juli 1879. Heilberg, Vorsteher."         
 
Meudt Israelit 26051887.jpg (56711 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 26. Mai 1887: "Die hiesige Lehrer-, Kantor- und Schächter-Stelle ist sofort zu besetzen. Lehrer-Gehalt 600 Mark und Nebeneinkünfte. Bewerber wollen sich durch Einreichung ihrer Zeugnisse an den unterzeichneten Vorsteher melden. Unverheiratete, seminaristisch gebildete Personen erhalten den Vorzug. Reisekosten werden nur dem Gewählten erstattet. 
Meudt (Nassau), 18. Mai 1887. Michael Heilberg, Vorsteher."      
 
Meudt Israelit 12091892.jpg (41936 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 12. September 1892: "Ein seminaristisch gebildeter, unverheirateter Religionslehrer, der zugleich das Amt eines Chasan (Kantors) und Schochets mit zu betätigen hat, wird per 1. November zu engagieren gesucht. Gehalt 600 Mark, Nebenverdienst 300 Mark. 
Offerten sind baldigst zu richten an 
Ferdinand Heilberg
, I. Vorsteher, Meudt, Regierungsbezirk Wiesbaden."      
 
Meudt Israelit 02081894.jpg (37046 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 2. August 1894: "Die hiesige Lehrer-, Vorbeter- und Schächter-Stelle mit einem Gehalt von 600 Mark fixo und ca. 300 Mark Nebeneinkommen ist bis zum 1. Oktober 1894 zu besetzen. Bewerber wollen sich an den Unterzeichneten melden. 
Meudt, im Juli 1894. 
Ferdinand Heilberg, Vorsteher."      
  
Meudt Israelit 29101900.jpg (44390 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 29.Oktober 1900: "In der hiesigen Gemeinde ist die Stelle eines Religionslehrers, Vorbeters und Schächters sofort neu zu besetzen. Jährliches Gehalt 750 Mark und durch Schächten und Nebeneinkommen circa 300-400 Mark. Um recht baldigste Bewerbungen bittet 
Heimann Stern, Kultusvorsteher, Meudt, Nassau."        
Die Stelle blieb über mehrere Monate ausgeschrieben und war offenbar nur schwer zu besetzen:   
Meudt Israelit 03011901.jpg (46875 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 3. Januar 1901: 
"In der hiesigen Gemeinde ist die Stelle eines Religionslehrers, Vorbeters und Schächters sofort neu zu besetzen. Jährliches Gehalt 750 Mark und durch Schächten und Nebeneinkommen circa 300-400 Mark. Um recht baldigste Bewerbungen bittet 
Heimann Stern, Kultusvorsteher, Meudt, Nassau.  
Ausländer werden nicht berücksichtigt."       
 
Meudt Israelit 25081904.jpg (61206 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 25. August 1904: "In hiesiger Gemeinde ist die Stelle eines Religionslehrers, Vorbeters und Schächters 
sofort neu zu besetzen. Jährlicher Gehalt 750 Mark und ca. 200-300 Mark Nebeneinkommen. Die Stelle ist definitiv. Nur seminaristisch gebildete Lehrer wollen sich melden.  
Meudt (Nassau), den 22. August. 
Heimann Stern, Kultusvorsteher
."      
 
Meudt Israelit 17011907.jpg (50309 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. Januar 1907: "Die 
Lehrer-, Kantor- und Schächterstelle 
an der hiesigen Gemeinde ist sofort zu besetzen. Jährliches Gehalt 800 Mark, Nebeneinkommen ca. 2-300 Mark. Nur seminaristisch gebildete Herren wollen ihre Meldungen baldmöglichst richten an 
Heimann Stern
Kultusvorsteher, 
Meudt (Nassau)."       

    
Lehrer Emmanuel Blumenthal geht in den Ruhestand (Lehrer in Meudt von 1865-1870)   

Limburg Israelit 15041915.jpg (98667 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 15. April 1915: "Limburg, 1. April (1915). Herr Emmanuel Blumenthal, der Lehrer der jüdischen Kultusgemeinde in Limburg, verließ am 31. März seine Berufstätigkeit. Er begann seine Laufbahn im Jahre 1865 in Meudt, von wo er nach fünfjähriger Wirksamkeit nach Holzappel übersiedelte; seit 1872, volle 43 Jahre lang, lebt und arbeitet er in unserer Stadt. Als der Jubilar die hiesige Stellung antrat, war die Gemeinde noch gering an Zahl. Seitdem wuchs sie mit der aufblühenden Stadt; heute zählt sie 80 Familien, und ihre Synagoge ist eine Zierde des Straßenbildes. Unserer Kultusgemeinde war Herr Blumenthal seit mehr als einem Menschenalter Lehrer, Religionslehrer, Erzieher. Die Gegenwart ist zu öffentlichen Festlichkeiten nicht geeignet. Deshalb beschränkte die Kultusgemeinde sich auf eine offizielle Beglückwünschung im Hause des Jubilars und auf die Überreichung eines entsprechenden wertvollen Andenkens."         

 
Lehrer Spier verlässt die Gemeinde (1892)  

Meudt Israelit 29091892.jpg (137240 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 29. September 1892: "Meudt (Westerwald), 27. September (1892). Heute verließ der israelitische Lehrer, Herr Spier, unsere Gemeinde nach dreijähriger Wirksamkeit, um demnächst seine Amtstätigkeit in Homburg v.d.H., wohin er auf Grund eigener Bewerbung dirigiert wurde, fortzusetzen. Herr Spier entwickelte infolge loyaler Pflichterfüllung als Lehrer eine durchaus segensreiche Lehrtätigkeit und verwaltete außerdem auch seine Ämter als Kantor und Schächter sehr pünktlich, geschickt und äußerst gewissenhaft, sodass niemals berechtigte Klagen laut wurden. Auch im Privatleben hat er sich durch humanen und ehrbaren Umgang mit gesitteten hiesigen Einwohnern, denen er auch in Privatangelegenheiten mit Rat und Tat helfend jederzeit gerne zur Seite gestanden, die Hochachtung der ganzen hiesigen Bevölkerung in hohem Maße erworben und hat sich dadurch ein bleibendes, erfreuliches Andenken erworben.     
Auch das hiesige Casino widmet ihm in Anerkennung seiner treuen Dienstleistung als Schriftführer desselben, sowie als Vereinsgenosse den besten Nachruf. 
Durch die Versetzung des Herrn Spier verlieren wir also einen in jeder Beziehung durchaus tüchtigen, charaktervollen und strebsamen jungen Lehrer, Kantor, Schächter, geschätzten Wohltäter, heiteren Gesellschafter und treuen Freund, was hierorts allgemeine sehr bedauert wird. Wir können ihm selbstverständlich sein schätzbares Avancement aufrichtig und wünschen ihm in seinem neuen Wirkungskreise die gesegnetsten Erfolge und unausgesetztes Wohlergehen in allen Lagen und Verhältnissen des Lebens.   
Die jüdische Gemeinde. Das Casino
."   

    
    
Aus dem jüdischen Gemeindeleben  
Spendenaufruf für eine arme Familie (1885)

Meudt Israelit 03091885.jpg (102182 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 3. September 1885: "Hilferuf! Ein braver Israelit, Familienvater, in der hiesigen Gemeinde, lebt in sehr ärmlichen Verhältnissen und ist durch Unglücksfälle in große Armut geraten. Ein kleines Häuschen, noch hypothekarisch belastet, ist in Gefahr, versteigert zu werden, wenn nicht rasche Hilfe geleistet wird.   
Die Endesunterzeichneten ersuchen daher edle Glaubensbrüder um rasche Hilfe - Der Ewige wird solche edle Tat gewiss belohnen.  
Jede kleine Gabe ist willkommen und sind die Unterzeichneten gerne bereit, solche in Empfang zu nehmen, zu übermitteln und im 'Israelit' zu veröffentlichen. 
Meudt (Nassau), im August 1885. 
Der Kultusvorsteher Michael Heilberg, Alexander Stern, I. Beivorsteher. 
Auch wird sind bereit, Gaben entgegenzunehmen und weiterzubefördern. Die Expedition des 'Israelit'."      

     
     
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen    
Anzeige der Metzgerei und Viehhandlung Falk Falkenstein (1902)     

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 13. November 1902: 
"Für meine Samstags und Feiertage geschlossene Metzgerei und Viehhandel suche ich zum sofortigen Antritt einen Lehrling, Sohn achtbarer Eltern. 
Falk Falkenstein
, Meudt (Westerwald)."       

    
Nach der Emigration: Verlobungsanzeige von Tillie Blumenthal und Felix Falkenstein (1944)    

Anzeige in der Zeitschrift "Der Aufbau" vom  11. Februar 1944:  
"Tillie Blumenthal - S/Sgt. Felix Falkenstein.  Engaged.  
(formerly Mühlhausen - Bamberg) - (formerly Meudt, Westerwald)  
72 Pinehurst Avenue   Fort Mc Clellan, Ala.  February 5th, 1944".      

       

Kennkarte aus der NS-Zeit            
               
Am 23. Juli 1938 wurde durch den Reichsminister des Innern für bestimmte Gruppen von Staatsangehörigen des Deutschen Reiches die Kennkartenpflicht eingeführt. Die Kennkarten jüdischer Personen waren mit einem großen Buchstaben "J" gekennzeichnet. Wer als "jüdisch" galt, hatte das Reichsgesetzblatt vom 14. November 1935 ("Erste Verordnung zum Reichsbürgergesetz") bestimmt. 
Hinweis: für die nachfolgenden Kennkarten ist die Quelle: Zentralarchiv zur Erforschung der Geschichte der Juden in Deutschland: Bestände: Personenstandsregister: Archivaliensammlung Frankfurt: Abteilung IV: Kennkarten, Mainz 1939" http://www.uni-heidelberg.de/institute/sonst/aj/STANDREG/FFM1/117-152.htm. Anfragen bitte gegebenenfalls an zentralarchiv@uni-hd.de       
 
 Kennkarte des in Meudt 
geborenen Karl Löwenstein
 
 Meudt KK MZ Loewenstein Karl.jpg (88218 Byte)   
  Kennkarte (ausgestellt in Mainz 1939) für Karl Löwenstein (geb. 26. November 1906 in Meudt), Kaufmann, 
wohnhaft in Mainz; am 26. März 1906 deportiert ab Mainz - Darmstadt in das Ghetto Piaski, umgekommen   
 

  
  
  
Zur Geschichte der Synagoge    
     
Zunächst war ein Betraum in einem der jüdischen Häuser vorhanden. 1835 erwarb die jüdische Gemeinde für 242 Fl. ein Gebäude auf dem Grundstück Kirchstraße 15, das zu einer Synagoge umgebaut wurde. In ihr hatten 50 bis 60 Personen Platz. Diese alte Synagoge der jüdischen Gemeinde in Meudt ist 1879 abgebrannt.  
  
Auf einem neu erworbenen Grundstuck wurde 1880/81 eine neue Synagoge erstellt. Die Synagoge hatte eine repräsentative Fassade mit zwei von Haubendächern überkuppelten Ecktürmen. Von der Architektur her hatte das Gebäude romanische Formen (Rundbogenfester, großes Kreisfenster über dem Eingangsportal)    
    
Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge am Nachmittag des 10. November durch SS- oder SA-Leute aus Westerburg geschändet, verwüstet und schließlich niedergebrannt. Kurz vor der Zerstörung konnten die vier Torarollen durch die Brüder Ludwig und Kurt Falkenstein gerettet werden; Ludwig war am Morgen Zeuge von den Ausschreitungen in Montabaur. Die Brandruine wurde wenig später abgebrochen.  
   
Am Standort der Synagoge erinnert seit 1988 ein Gedenkstein mit einer Abbildung der Synagoge, Gebotstafeln und Menora sowie der Inschrift: "Zur Erinnerung an die im Jahre 1880/81 erbaute Synagoge der jüdischen Kultusgemeinde Meudt. Sie wurde am 9.11.1938 von auswärtigen Angängern der damaligen Machthaber zerstört. Meudt, am 9.11.1988. (hebräisch und deutsch:) Sie steckten in Brand dein Heiligtum, entweihten zu Boden die Wohnung deines Namens. Psalm 74,7."  
  
  
Adresse/Standort der Synagoge:   Kirchstraße 23 (frühere Hauptstraße)    
   
   

Fotos 
(die beiden historischen Aufnahmen aus: Landesamt s. Lit. S. 271; die historische Karte war vor einiger Zeit bei e-bay angeboten, konnte jedoch nicht erworben werden, daher die kleine Wiedergabe der Karte)  

Die 1880/81 erbaute 
Synagoge
Meudt Synagoge 120.jpg (76933 Byte)  Meudt Synagoge 110.jpg (42905 Byte)
       Oben: die Synagoge auf einer 
historischen Ansichtskarte
     
Die zerstörte Synagoge nach 
dem Novemberpogrom 1938  
Meudt Synagoge 121.jpg (81875 Byte)   

 

        
     

   
    

Links und Literatur   

Links:  

Website der Verbandsgemeinde Wallmerod     
Seite "Zur Geschichte der Juden in Meudt" von Stefan Aßmann (aus "Wäller Heimat" - Jahrbuch des Westerwaldkreises 1989)  
Genealogische Seite: "Descendants of Jakob Moyes/Moyses" aus Meudt  (pdf-Datei)     

Literatur:  

Westerwald Lit 100.jpg (48301 Byte)Joachim Jösch / Uli Jungbluth u.a. (Hrsg.): Juden im Westerwald. Leben, Leiden und Gedenken. Ein Wegweiser zur Spurensuche. Montabaur 1998. Artikel zu Meudt S. 196-200 von Stefan Aßmann
Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz/Staatliches Konservatoramt des Saarlandes/ Synagogue Memorial Jerusalem (Hg.): "...und dies ist die Pforte des Himmels". Synagogen in Rheinland-Pfalz und dem Saarland. Mainz 2005. S. 271-272 (mit weiteren Literaturangaben).   

    
      


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Meudt  Hesse-Nassau.  Prohibitive taxation impoverished the Jews for almost a century (1750-1845). Numbering 113 (13 % of the total) in 1885, the community dwindled to 43 by 1933. Its synagogue was burned down on Kristallnacht (9-10 November 1938). Some Jews emigrated; 21 were deported in 1942.       
       
        

                   
vorherige Synagoge  zur ersten Synagoge nächste Synagoge   

               

 

Senden Sie E-Mail mit Fragen oder Kommentaren zu dieser Website an Alemannia Judaica (E-Mail-Adresse auf der Eingangsseite)
Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 18. April 2015