Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Wiesbaden (Landeshauptstadt von Hessen)
Jüdische Geschichte / Synagogen 
 
(erstellt unter Mitarbeit von Dorothee Lottmann-Kaeseler, Wiesbaden)   

Übersicht:  

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde im 19./20. Jahrhundert   
auf weiteren Seiten (werden derzeit erstellt): 
Berichte aus dem jüdischen Gemeinde- und Vereinsleben 
Berichte zur Geschichte der Rabbiner, Lehrer und weiteren Kultusbeamten sowie zum jüdischen Schulwesen  
Berichte zu einzelnen Personen aus der jüdischen Gemeinde (Israelitische Kultusgemeinde) 
Berichte über die "Altisraelitische Kultusgemeinde"   
Zur Geschichte der Synagogen  
Synagogen vom 16. bis zum 18. Jahrhundert  
Die Synagoge von 1826   
Die Synagoge am Michelsberg 1860 bis 1938  
Die Synagoge der Altisraelitischen Kultusgemeinde in der Friedrichstraße   
Weitere Beträume 
Zerstörungen in der NS-Zeit 
Gedenken nach 1945   
Nach 1945: Neuanfang in der früheren orthodoxen Synagoge - Neubau in den 1960er-Jahren    
Fotos / Darstellungen 
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte     
Links und Literatur   

     
   
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)     
   
In Wiesbaden besteht eine jüdische Gemeinde - von der Unterbrechung durch die NS-Zeit abgesehen - bis zur Gegenwart. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 17. Jahrhunderts zurück, doch lebten bereits in den Jahrhunderten zuvor einzelne Juden in der Stadt. 

1348
wird ein Jude namens Josiban von Wiesbaden in Altweilnau genannt. 1385 erhielt ein Wiesbadener Jude (Kirsam bzw. Kirsan = Gerson) einen Schutzbrief in Mainz. 1418 ließ Graf Adolf II. von Nassau-Idstein-Wiesbaden einen Wiesbadener Juden im Rhein bei Biebrich ertränken. 1427 wird ein Jude Gebhardt als Hausbesitzer genannt. In der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts wird ein Gelehrter namens David Wiesbaden genannt. 1518 erhielt ein nach Nürnberg benannter Jude Jacob einen Schutzbrief von Graf Philipp I. von Nassau-Idstein-Wiesbaden und gestattete ihm den Geldhandel bei festgesetzten Maximalzinsen.
  
In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts werden 1573 jüdische Einwohner in der Stadt genannt (Jude Joseph, der mit Familie im Badhaus "zum Helm" in der Goldgasse 1 wohnte). 1621 befahl Graf Ludwig die Ausweisung der Juden aus der Stadt. Doch konnten sie gegen hohe Bezahlung bis Oktober 1628 bleiben. 1637 wurde dem Juden Nathan durch den Erzbischof von Mainz eine Niederlassung in Wiesbaden gestattet. Weitere jüdische Personen folgten. 1684 werden drei jüdische Familien in der Stadt genannt.     
  
Anfang des 18. Jahrhunderts lebten etwa sechs jüdische Familien in Wiesbaden, 1724 waren es neun Familien, 1747/50 elf Familien (Elias, Gerson, Löser, ein Jud "beym Berghoff", Rappiner, Löw, Sender, Samuel, Mayer, Feist und ein Vorsänger), 1763 15, 1781 12. Die jüdischen Wohnhäuser waren in der Stadt verteilt; es gab keine Ghetto-Situation in der Stadt. Die "Judengasse" war in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts die Gasse, in der damals die Synagoge stand (sonst auch Metzgergasse genannt, heute Wagemannstraße). Im 18. Jahrhundert lebten die Juden in der Stadt noch mit zahlreichen Beschränkungen. Sie durften keine Badehäuser benutzen, die auch von christlichen Kurgästen besucht wurden, das Betreten der Kurpromenaden war ihnen nicht gestattet. Die jüdischen Badegäste waren auf die "jüdischen" Badehäuser angewiesen wie das Badhaus "Zum Rebhinkel" in der Spiegelgasse, "Zum Stern" des Juden Nathan, das Badhaus "Zum Hirsch" u.a. Seit 1774 hatten die Juden der Stadt ihr eigenes Kaffeehaus (Inhaber war der Jude Liebmann).    
  
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1805 14 jüdische Familien, 1815 20 jüdische Familien, 1820 85 jüdische Einwohner, 1825 152 jüdische Einwohner (2,2 % von insgesamt 6.887 Einwohnern), 1840 237 (2,2 % von 10.934), 1842 247, 1867 693 (2,3 % von 30.085), 1871 893 (2,7 % von 33.450), 1885 1370 (2,5 % von 55.454), 1895 1719 (2,3 % von 74.133), 1905 2.656 (2,6 % von 100.453). Zur Steigerung der Zahl jüdischer Einwohner trug auch der Zuzug von Juden aus Osteuropa bei ("Ostjuden"). Insbesondere auf Grund des starken Engagements von Rabbiner Dr. Paul Lazarus gelang die Integration der "Ostjuden" in der Stadt.  
  
An Einrichtungen bestanden u.a. eine Synagoge beziehungsweise seit dem Ende des 19. Jahrhunderts mehrere Synagogen / Bethäuser (s.u.), zeitweise eine jüdische Schule, ein rituelles Bad (im 19. Jahrhundert im früheren Badhaus "Zum Rebhuhn" in der Spiegelgasse 11) und ein Friedhof. Zur Besorgung religiöser Aufgaben in der Gemeinde war (neben dem Rabbiner s.u.) ein Lehrer angestellt, der auch als Vorbeter und Schochet tätig war. Im 19./20. Jahrhundert waren diese Aufgaben auf mehrere Personen/Kultusbeamte der Gemeinde verteilt.  
  
Seit 1708 war Wiesbaden Sitz eines Rabbiners, der auch für die Gemeinden in der Umgebung zuständig war (Bezirksrabbinat). Der liberal gesinnte Rabbiner Dr. Abraham Geiger (Rabbiner in Wiesbaden 1832 bis 1838) prägte die Gemeinde für die nächsten Jahrzehnte. Rabbiner Dr. Samuel Süskind (Rabbiner in Wiesbaden 1844 bis 1884) konnte 1869 eine neue Synagoge einweihen, in der sich auch eine Orgel befand. Schon 1863 wurde ein gemischter Chor gegründet, der die Gottesdienste begleitete. Die Einweihung der Synagoge war Anlass für die Abspaltung einer orthodoxen Gruppe, die 1879 als "Altisraelitische Kultusgemeinde" rechtlich anerkannt wurde. Die "Altisraelitische Kultusgemeinde" stellte einen eigenen Rabbiner (jahrzehntelang Rabbiner Dr. Leo Kahn) und Lehrer an, baute eine Synagoge mit traditioneller Einrichtung und legte einen eigenen Friedhof an, nachdem ihren Mitgliedern die Beisetzung auf dem allgemeinen jüdischen Friedhof untersagt worden war. Weitere Informationen zu den Rabbinern auf der Seite zu den Rabbiner der Israelitischen Kultusgemeinde und auf der Seite zur Altisraelitischen Kultusgemeinde.    
   
Die jüdischen Einwohner leisteten große Beiträge in den unterschiedlichsten Bereichen des kommunalen Lebens. Zahlreiche bedeutende Geschäfte der Stadt waren im Besitz jüdischer Personen. Es gab eine größere Anzahl jüdischer Ärzte und Rechtsanwälte in Wiesbaden. Es gab mehrere rituell geführte Hotels (vgl. Anzeigen).    
 
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde: Gefreiter Adolf Ackermann (geb. 6.3.1888 in Wiesbaden, gef. 23.8.1914), Fritz Baer (geb. 22.9.1891 in Wiesbaden, gef. 17.19.1914), Ludwig Birnzweig (geb. 7.1.1896 in Mainz, gef. 1.9.1914), Sally Callmann (geb. 16.1.1881 in Wiesbaden, gef. 17.10.1916), Jakob Dombrower (geb. 3.3.1877 in Frankfurt am Main, gef. 3.9.1914), Max Goldbach (geb. 23.12.1894 in Bühl, gef. 23.9.1915), Gefreiter Walter Halberstaedter (geb. 18.3.1896 in Königshütte, gef. 10.11.1917), Albert Hamburger (geb. 8.3.1884 in Wiesbaden, gef. 25.9.1915), Karl Hamburger (geb. 19.5.1894 in Wiesbaden, gef. 16.6.1915), Josef Herz (geb. 17.7.1893 in Wiesbaden, gef. 13.3.1919), Eduard Hirsch (geb. 17..1893 in Wiesbaden, gest. an der Kriegsverletzung 13.3.1919), Leo Jourdan (geb. 24.4.1899 in Wiesbaden, gef. 16.7.1918), Fritz Kahn (geb. 24.2.1899 in Mainz, gef. 13.9.1918), Feldhilfsarzt Hans Jakob Kahn (geb. 9.4.1894 in Wiesbaden, gef. 22.8.1917), Gefreiter Julius Klein (geb. 7.12.1894 in Budapest, gef. 4.4.1918), Unteroffizier Hans Günther Lilienstein (geb. 10.11.1897 in Wiesbaden, gef. 29.9.1918), Dr. Arthur Marchand (geb. 23.8.1889 in Wiesbaden, gef. 10.11.1918), Gefreiter Ernst Marx (geb. 20.7.1884 in Wiesbaden, gef. 10.11.1918), Benjamin Marxheimer (geb. 29.8.1886 in Wiesbaden, gef. 23.10.1916), Gefreiter Louis (Ludwig) Marxsohn (geb. 21.6.1874 in Wiesbaden, gef. 29.10.1917), Siegmund Metzler (geb. 231.3.1880 in Langenschwalbach, gef. 29.9.1914), Otto Nußbaum (geb. 12.5.1896 in Wiesbaden, gef. 24.8.1916), Max Rödelheimer (geb. 27.10.1882 in Wiesbaden, gef. 18.9.1914), Unteroffizier David Roos (geb. 12.1.1887 in Muggensturm, gef. 16.1.1915), Jakob Rosenbaum (geb. 6.12.1889 in Butzbach, gef. 13.5.1916), Benno (Benjamin) Rosenstock (geb. 26.3.1883 in Eiterfeld, gef. 3.9.1914), Willy Rosenthal (geb. 23.2.1881 in Holzappel, gef. 3.11.1916), Feldwebel Leutnant Ernst Simon (geb. 20.3.1884 in Wiesbaden, gef. 8.3.1915), Robert Solimann (geb. 18.6.1890 in Wiesbaden, gef. 28.3.1918), Unteroffizier Max Strauß (geb. 30.9.1893 in Wiesbaden, gef. 26.9.1918), Albert Süß (geb. 28.5.1898 in Mannheim, gef. 15.12.1917), Unteroffizier Ernst Süßer (geb. 26.2.1897 in Frankfurt am Main, gef. 12.10.1917), Walter Vorsänger (geb. 19.6.1898 in Wiesbaden, gef. 25.9.1918), Stabsarzt Dr. Markus Witkowski (geb. 20.3.1866 in Gnesen, gef. 8.4.1915). 
Außerdem sind gefallen: Hermann Jacoby (geb. 12.8.1895 in Sonnenberg, wohnt in Sonnenberg, gef 19.5.1918), Arnold Mainzer (geb. 18.12.1893 in Wiesbaden, vor 1914 in Darmstadt, gef. 24.10.1916), Gefreiter Richard Meyer (geb. 20.2.1891 in Wiesbaden, vor 1914 in Marburg, gef. 5.3.1915), Max Ranzenhofer (geb. 14.7.1898 in Wiesbaden, vor 1914 in Essen, gef. 24.2.1916), Fritz Rosenthal (geb. 14.3.1884 in Wiesbaden, vor 1914 in Heidelberg, gef. 28.8.1914), Gefreiter Max Tendlau (geb. 18.5.1890 in Wiesbaden, vor 1914 in Mainz, gef. 7.6.1916). Für die Gefallenen gibt es ein Denkmal auf dem Nordfriedhof.      
 
1925 wurden 3.463 jüdische Einwohner gezählt (2,3 % von insgesamt 151.961 Einwohnern; dazu 30 jüdische Gemeindeglieder in Sonnenberg sowie 29 in Dotzheim). Damals gehörten dem Gemeindevorstand der Israelitischen Kultusgemeinde Gemeindevorstand der Israelitischen Kultusgemeinde an: Justizrat M. Marxheimer (Luisenstr. 41), Leopold Cohn, Max Heß, Dr. W. Kahn, Adolf Blumenthal, M. Marchand, Leop. Nußbaum, Dr. Georg Goldstein, Mor. Steinberg. Als Stadt- und Bezirksrabbiner war Dr. Paul Lazarus tätig (wohnt Taunusstraße), als Oberkantor Abraham Nußbaum (wohnt Bismarckring 24), als Lehrer und Kantoren Edmund Capell und Julius Kaufmann, als Rendant Arthur Straus, als Kastellan Josef Goldschmidt, als Friedhofsgärtner Julius Katz und Heinrich Blum. Die unter Leitung von Rabbiner Dr. Lazarus stehende Religionsschule für Schüler der Volks- und Mittelschule besuchten im Schuljahr 1924/25 74 Kinder; als Lehrer waren die Herren Oberkantor Nußbaum, Capell und Kaufmann tätig. Der Religionsunterricht an höheren Schulen wurde durch den Rabbiner und die genannten Lehrer für insgesamt 240 Kinder erteilt. Die Geschäftsstelle der Gemeinde befand sich in der Emser Straße 6. 
An besonderen Einrichtungen gab es eine Israelitische Gemeindebibliothek (Leiter war 1924 Justizrat Marxheimer), die rituelle Küche der Nassau-Loge (Mittagstisch für den verarmten Mittelstand) in der Schwalbacher Straße 39 (1932 in der Faulbrunnenstraße 13, ein Israelitisches Schwesternheim (Geisbergstr. 24 mit 1924 drei, 1932 sechs Plätzen), ein Israelitisches Altersheim (1932 Walkmühlenstr. 85, 9 Plätze), ein Kindertagesheim (1932 genannt; Vereinigung jüdischer Frauen, Faulbrunnenstraße 13 mit 30 Plätzen).  
 
An jüdischen Vereinen bestanden: der Israelitische Unterstützungsverein (gegründet 1871; 1924 unter Leitung von Max Heß, Schulberg 3; 1932 unter Leitung von Dr. Erich Cosmann, Adelheidstr. 47 mit 300 Mitgliedern; Zweck und Arbeitsgebiet: Allgemeine Fürsorge für Einheimische, Wanderfürsorge), der Israelitische Waisen-Unterstützungsverein (Erziehung der Waisen, 1924 unter Leitung von Rabbiner Dr. Lazarus), der Nassauische Verein zur Förderung des Handwerks unter den Juden (gegründet 1899; 1924 unter Leitung von Dr. L. Lindt, Adolfsallee 33 mit 170 Mitgliedern; 1932 unter Leitung von Alfred Rothschild, Kapellenstr. 45 mit 100 Mitgliedern; Zweck und Arbeitsgebiet: Unterstützung unbemittelter Israeliten, vornehmlich deutscher Herkunft, welche mindestens 2 Jahre im Bezirke des ehemaligen Herzogtums Nassau ihren Wohnsitz haben, bei der Erlernung von Handwerk und Kunstgewerbe), der Synagogen-Gesang-Verein (gegründet 1863, 1924 unter Leitung von Leopold Nußbaum mit 200 Mitgliedern), ein Verein zur Errichtung eines israelitischen Krankenhauses und Schwesternheimes (gegründet 1900; 1924 unter Leitung von Sanitätsrat Dr. Heß mit 400 Mitgliedern; 1932 unter Leitung von Rechtsanwalt Arnold Kahn mit 280 Mitgliedern; Zweck und Arbeitsgebiet: Private und gemeindliche Krankenpflege), ein Verein für Ferienkolonien für Kinder unbemittelter Eltern (1924/32 unter Leitung von Hedwig Kahn mit 150 Mitgliedern, 1932 182 Mitglieder; Zweck und Arbeitsgebiet: Unterbringung erholungsbedürftiger Kinder in Kuranstalten oder Ferienheimen), ein Verein Israelitisches Altersheim (1924 unter Leitung von Gustav Floersheim, Victoriastr. 35), die Chewra Kadischa der Israelitischen Kultusgemeinde zu Wiesbaden (1923 gegründet; 1924 unter Leitung von Leopold Cohn, Emser Str. 6; 1932 unter Leitung von Arthur Ganz, Wielandstr. 18 mit 300 Mitgliedern; Zweck und Arbeitsgebiete: Krankenpflege und Bestattungswesen), die Nassau-Loge U.O.B.B. (1924 Präsident Rabbiner Dr. Lazarus, 1932 Vorsitzender Dr. G. Goldstein), die Vereinigung jüdischer Frauen (gegründet 1917; 1924 unter Leitung von Frau Capell; 1932 unter Leitung von Louise Marxheimer, Kaiser-Friedrich-Ring 71 mit 445 Mitgliedern; Zweck und Arbeitsgebiet: Frauen- und Mädchenhilfe, Familienfürsorge, Kinderfürsorge, Berufsberatung für jüdische Mädchen), der Frauenverein Gemilus Chesed (1932 unter Vors. der Frau von Sanitätsrat Dr. Lipman; Zweck und Arbeitsgebiet: Frauen- und Mädchenhilfe), das Jüdische Lehrhaus (Verein für jüdische Geschichte und Literatur, 1924 unter Leitung von Rechtsanwalt Liebmann), ein Jüdischer Jugendverein (1924 unter Leitung von Hans Berger), eine Ortsgruppe des Central-Vereins, eine Zionistische Ortsgruppe, eine Jüdische Darlehenskasse (1932 Vors. Wirgin, Dotzheimer Str. 172). 1932 waren die Wohlfahrtsvereine zusammengeschlossen in einer Örtlichen Zentrale für jüdische Wohlfahrtspflege - Arbeitszentrale der Jüdischen Wohlfahrtsvereinigungen Wiesbadens (Adresse Michelsberg 28; Vorsitzender Dr. jur. E. Cosmann, Adelheidstr. 47, Geschäftsführer Dr. Danelius; Zweck und Arbeitsgebiete: Zentrale Durchführung der gesamten offenen Fürsorge, Beratung Hilfsbedürftiger in Wohlfahrtsangelegenheiten, Vertretung der Vereine und der Petenten bei den Behörden).  
  
Der Alt-Israelitische Kultusgemeinde Wiesbaden gehörten 1924 etwa 70 Familien an. 1925 waren im Vorstand: Levy Ackermann (Luisenstr. 47), Jos. Blumenthal, Berthold Kahn, Adolf Plottke, Julius Katz. Die Geschäftsstelle befand sich im Synagogengebäude Friedrichstraße 33. Rabbiner der Kultusgemeinde war Dr. Leo Kahn (Gerichtstr. 7), Lehrer Heß (Sonneberger Str.), Schochet Langermann und Synagogendiener Bastansky. Die unter Leitung von Rabbiner Dr. Kahn stehende Religionsschule der Gemeinde wurde von 22 Kindern besucht, die durch den Rabbiner und Lehrer Heß unterrichtet wurden. 1932 waren die Gemeindevorsteher Rechtsanwalt Dr. M. Sulzberger (Luisenstr. 35, 1. Vors.), F. Goldschmidt (2. Vors.), Berthold Kahn (3. Vors.). Als Rabbiner war inzwischen Dr. J. Ansbacher tätig (Walluferstr. 8), als Lehrer Herr Grünbaum (Göbenstraße), als Schochet ein Herr Dachs. 70 Kinder erhielten Religionsunterricht durch Rabbiner und den Lehrer.  
  
1932 bildeten den Gemeindevorstand der Israelitischen Kultusgemeinde 12 Personen. 1. Vorsitzender war weiterhin Justizrat M. Marxheimer (Uhlandstr. 8). Sein Stellvertreter war Adolf Blumenthal (Parkstr. 35), Schriftführer und Schatzmeister Arthur Straus (Emser Str. 6). Der Vorstand hatte mehrere Ausschüsse: Finanzausschuss (Vorsitzender Adolf Blumenthal), Bauausschuss (Vorsitzender Dr. Georg Goldstein), Friedhofsausschuss, Synagogenausschuss (Vorsitzender Leopold Nußbaum), Schulausschuss, Bibliotheksausschuss (Vorsitzender Rabbiner Dr. Lazarus), Sozialer Ausschuss (Vorsitzende Louise Marxheimer), Rechtsausschuss (Vorsitzender Justizrat Marxheimer). Rabbiner Dr. Lazarus wohnte in der Lanzstr. 14. Als Kantoren und Lehrer waren weiterhin Abraham Nußbaum (Bismarckring 24) und Edmund Capell (Rauentaler Str. 4) sowie seit 1925 (zuerst in Posen, seit 1921 Freiburg im Breisgau) Saul Lilienthal (Querfeldstr. 5) tätig.            

1933 lebten 2.713 jüdische Personen in der Stadt (1,7 % von insgesamt 159.755). In den folgenden Jahren ist ein Teil der jüdischen Gemeindeglieder auf Grund der zunehmenden Entrechtung und der Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert. Bis 1938 wurden fast alle der jüdischen Gewerbetriebe "arisiert" (über 250 Geschäfte). 1936 war für 160 Schüler eine jüdische Schule eröffnet worden (Mainzer Straße/Welfenstraße), da die jüdischen Schülerinnen und Schüler nicht mehr die allgemeinen Schulen besuchen konnten. Seit Februar 1938 durften jüdische Kurgäste die Kureinrichtungen nicht mehr benutzen. Beim Novemberpogrom 1938 wurde die liberale Synagoge weitgehend zerstört, die orthodoxe Synagoge beschädigt (siehe unten). Es kam zu schweren Ausschreitungen und Gewaltaktionen in der Stadt gegen die noch bestehenden jüdischen Geschäfte und jüdischen Wohnhäuser/Wohnungen und ihre Bewohner. Unzählige Fenster wurden zerschlagen, die Waren jüdischer Geschäfte geplündert oder auf die Straße geworfen. Von den Gewaltaktionen waren u.a. das Hutgeschäft Ullmann, die Weinhandlung Simon, das Kinderbekleidungsgeschäft Baum, das Juweliergeschäft Netter, Herz und Heimerdinger, die Parfümerie Dr. Moritz Albersheim, das Geschäft Kugelmann im Hotel Bellevue und das Verkehrsbüro Ecke Webergasse betroffen. Das Büro und die Wohnung des Rechtsanwaltes Guthmann in der Bahnhofstraße wurden mit Äxten zerstört. Mehrere hundert jüdische Männer wurden in das KZ Buchenwald verschleppt, darunter Rechtsanwalt Guthmann und Justizrat M. Marxheimer. 1939 wurden noch 1.232 jüdische Einwohner gezählt (0,7 % von insgesamt 165.646 Einwohnern). Die jüdische Schule bestand bis 1942.  
  
Viele der jüdischen Einwohner waren geflohen, manche konnten sich retten. Im Mai wurden etwa 400 jüdische Einwohner aus Wiesbaden in Vernichtungslager des Ostens deportiert, im September 1942 etwa 370 in das Ghetto Theresienstadt. Damit war die jüdische Gemeinde zerstört. Fast alle der Deportierten sind umgekommen beziehungsweise wurden grausam ermordet. Etwa 40 jüdische Einwohner nahmen sich im August 1942 vor der Deportation das Leben. Im Februar 1945 wurden noch 5 (?) Kinder aus "gemischten" Familien mit ihrem jüdischen Elternteil in das Ghetto Theresienstadt deportiert; sie überlebten. Andere hatten in den letzten Monaten noch untertauchen können. Einer nichtjüdischen Familie gelang es, ihren Verwalten Naphtali Rottenberg vom Sommer 1939 bis zur Befreiung 1945 zu verstecken.  

Auf dem "Namensband" der Gedenkstätte am Michelsberg wird an über 1.500 aus Wiesbaden umgekommene / ermordete jüdische Einwohner erinnert.   

Wiesbaden Stolpersteine 010.jpg (162126 Byte)Zur Erinnerung an die aus Wiesbaden deportierten und ermordeten jüdischen Einwohner liegen in der Stadt auch zahlreiche "Stolpersteine". Verlegungsaktionen gab es im Februar 2005, September 2005, Februar 2006, August 2006, Juni 2007, Januar 2008, Januar 2009, Oktober 2009. Seit 2003 werden "Erinnerungsblätter" für die EInzelne oder Familien erstellt, die verfolgt und ermordet wurden. 
Links die "Stolpersteine" für die Geschwister Benni Ehrenreich (1927), Mary Ehrenreich (1922) und Rosi Ehrenreich (1924) in der Neugasse 3.
Link: "Aktives Museum Spiegelgasse" - Gedenkprojekt "Stolpersteine"    Link zur Übersicht über die "Erinnerungsblätter"        

   
1945 kehrten nur wenige - etwa ein Dutzend - der Überlebenden der früheren jüdischen Gemeinden in Wiesbaden zurück. Gemeinsam mit anderen Überlebenden der Shoa konnte jedoch im Dezember 1946 eine neue Gemeinde gegründet werden (vgl. unten bei der Synagogengeschichte). 1949 zählte die Gemeinde etwa 300 Mitglieder. 1990 gehörten etwa 400 Personen der jüdischen Gemeinde an, 2005 etwa 700, 2013 knapp 800, 2016 etwa 850, davon zwei Drittel an den Ländern der ehemaligen Sowjetunion.  

Presseartikel
- Artikel von Jana Kinne in der Frankfurter Rundschau vom 4. Oktober 2013 (Link zum Artikel): "Jüdisches Leben sichtbar machen" (auch eingestellt als pdf-Datei).  

     
Adresse der Gemeinde: Jüdische Gemeinde Wiesbaden K.d.ö.R.  Friedrichstraße 31/33  65185 Wiesbaden.  
      
       

        
        
Zur Geschichte der Synagogen           
   
   
Synagogen vom 16. bis zum 18. Jahrhundert   

Von einem Betraum ist erstmals 1573 im Haus des Jude Joseph, der mit Familie im Badhaus "zum Helm" in der Goldgasse 1 wohnte, die Rede.
 
Eine erste Synagoge befand sich zu Beginn des 18. Jahrhunderts vermutlich in der Metzgergasse, die zeitweise "Judengasse" genannt wurde (heute Wagemannstraße). 1724 wurde die Synagoge in das jüdische Badhaus "Zum Rebhuhn" verlegt (in der heutigen Spiegelgasse). Von 1820 bis 1824 wird ein "kleines Gotteshaus" in der Webergasse 40 benutzt. Danach wurde eine neue Synagoge erbaut, die Anfang 1826 durch Rabbiner Salomon Herxheimer aus Dotzheim (später Landesrabbiner in Anhalt-Bernberg) eingeweiht wurde.   
    
 
Die Synagoge von 1826   
    
Über die am 24. Februar 1826 eingeweihte Synagoge erfährt man in einer Rede von Kommerzienrat M. Berle, die 1869 aus Anlass der Einweihung der neuen Synagoge vor deren Portal gehalten wurde: "Nachdem zu Anfang der zwanziger Jahre von der damaligen kleinen und wenig bemittelten israelitischen Kultusgemeinde dahier die alte Synagoge mit dürftigen Mitteln erbaut worden war, wurde dieselbe im Februar 1826 feierlich eingeweiht und bis heute in gottesdienstlichem Gebrauche gehalten. Bei der inzwischen erfolgten starken Zunahme der Gemeinde und bei ihrem durch Fleiß, Intelligenz und Regsamkeit gesteigerten Wohlstande regte sich schon zu Anfang der sechziger Jahre der Gedanke, die räumlich viel zu beengt gewordene alte Synagoge durch einen entsprechend größeren Neubau zu ersetzen." Die Synagoge von 1826 hatte etwa 200 Plätze.  
Die Synagoge stand in der Schwalbacher Straße 43.   
 
  
Die Synagoge am Michelsberg 1869 bis 1938  
   
Ein wohlhabendes Gemeindeglied spendet ein Grundstück zum Neubau einer Synagoge (1863)   
Anmerkung: die Mitteilung ist der konservativ-orthodoxen Zeitschrift "Der Israelit" entnommen, die sich sehr kritisch gegenüber der liberal geprägten jüdischen Gemeinde in Wiesbaden äußert.    

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 1. April 1863: "Wiesbaden. Die hiesige israelitische Gemeinde will eine neue Synagoge bauen. Ein reicher Mann, in unserer Nähe wohnhaft, hat freigebig der Gemeinde einen großen und schöngelegenen Platz zum Geschenk gemacht. Zur Feier dieses frohen Ereignisses wurde ein solennes Essen in einem christlichen Gasthofe, bestehend aus verbotenen Speisen, veranstaltet. Das ist moderne Gottesverehrung! Es werden hier nunmehr die Früchte der Aussaat geerntet, welche Geiger vor 25 Jahren hier gesät hat und die seitdem sorgfältig gepflegt worden ist."        

   
Mit dem Bau der neuen Synagoge konnte im Oktober 1863 begonnen werden. Die Entwürfe für die Synagoge hatte Oberbaurat / der Herzoglich Nassauische Landesbaumeister Philipp Hoffmann gezeichnet. Er gestaltete die Synagoge in einem neo-orientalischen (maurisch-byzantinischen) Stil. Das am 13. August 1869 eingeweihte, 35 m hohe Gebäude mit seiner prägenden Kuppel galt als eines der schönsten Bauwerke der Stadt. Die Synagoge hatte 358 Männer- und 224 Frauenplätze sowie eine Orgel.       
  
Die Einweihung der Synagoge am 13. August 1869 

Wiesbaden Synagoge 1869E.jpg (90062 Byte)Nach der Einweihung der Synagoge erschien die Publikation "Einweihungsfeier der neuen Synagoge zu Wiesbaden am 13. August 1869 (6. Elul 5629)" (die Publikation ist eingestellt als pdf-Datei).  
In dieser Publikation finden sich Reden und Texte (Gebete usw.), die während der Einweihungsfeier gehalten wurden, insbesondere die Einweihungspredigt von Rabbiner Süskind. Die Feier begann mit einem Gottesdienst (Mincha-Gebet) in der bisherigen Synagoge. Nach einem letzten Gebet wurden die Torarollen von Rabbiner Süskind aus dem Toraschrein entnommen und den ältesten Gemeindegliedern übergeben. In feierlicher Prozession wurden die Torarollen zur neuen Synagoge gebracht. Vor dem Portal überreichte Oberbaurat Hoffmann dem Gemeindevorsteher (Präses) Kommerzienrat M. Berle, den Schlüssel zur neuen Synagoge, die von ihm aufgeschlossen wurde. Während des Einweihungsgottesdienstes hielt Rabbiner Süskind die Festpredigt. 
Am Sabbat, dem 14. August 1869 hielt der frühere Rabbiner der Gemeinde Wiesbaden - Dr. Abraham Geiger (inzwischen Rabbiner in Frankfurt am Main) - eine weitere Festpredigt.       

 
Berichte aus der Geschichte der Synagoge am Michelsberg    
Über ein Konzert in der Synagoge zugunsten des Pensionsfonds für israelitische Kultusbeamte in Anwesenheit hoher Vertreter des Adels (1880)   
Anmerkung: vor allem im zweiten Bericht findet sich eine außergewöhnliche Schilderung der Synagoge als eines "wahren Schmuckkästchens von Architektur"      

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 23. November 1880: "Wiesbaden, 14. November (1880). Am Freitag Abend fand in der hiesigen Synagoge von Seiten des Synagogen-Gesangvereins ein großes Konzert zum Besten des Pensionsfonds der Kultusbeamten statt. Die bedeutendsten Künstler und der Theaterchor hatten ihre Mitwirkung zugesagt. Alle hiesigen Blätter sprechen sich höchst lobend über das Konzert aus. Wir entnehmen dem 'Wiesbadener Anzeiger' folgende Schilderung: 'Das von dem Synagogen-Gesang-Verein gestern Abend in der Synagoge veranstaltete Konzert wurde durch den Besuch Ihrer kaiserlichen und königlichen Hoheiten des Kronprinzen und der Frau Kronprinzessin, sowie Ihrer Hoheiten des Erbprinzen der der Frau Erbprinzessin von Meiningen nebst hohem Gefolge ausgezeichnet. Am Portal vom Vorstand des Vereins empfangen, nahmen die beiden hohen Damen zwei, Ihnen im Namen des Vereins überreichte prachtvolle Blumenbuketts entgegen, und nahmen alsdann auf der reservierten Estrade Platz. Ist der Prachtbau der Synagoge an sich schon ein herrlicher Anblick, so war dieser gestern umso bedeutender, als das Haus bis auf den letzten Platz gefüllt war; ja ein wahrhaft märchenhaftes, bezauberndes Bild war es, welches sich da den Blicken bot. Unser Kronprinzenpaar nebst seinem Hofstaat in diesem Tempel, umgeben vom herrlichsten Blumen- und Pflanzenschmuck und der weite Raum, strahlend in einem Meer von Licht! Und herrlich, wie das Auge, wurde das Ohr entzückt.' Ob alle Nummern des Programms dem Charakter eines kirchlichen Konzerts entsprachen, wollen wir nicht in Betracht ziehen. 'Der Synagogen-Gesangverein brachte unter Leitung seines Dirigenten Herrn C. Koch einen Klein'schen Psalm für Männerchor zu wirkungsvollster Darstellung. Schöne Stimmen und nuancierter Vortrag zeichneten dieselbe vornehmlich aus. Den Schluss des Konzertes bildete ein 'Lobgesang' von W. Jahn. Diese Kantate, von unserem Hofkapellmeister vor mehreren Jahren schon für Solo, Chor und Orgel und für hebräischen Text komponiert und dem Synagogen-Gesangverein gewidmet, zählt ohne Zweifel zu den hervorragendsten Erscheinungen auf dem Gebiete der modernen Kirchenmusik: reiche Erfindung, weihevolle Stimmung und meisterliche Arbeit charakterisieren diese Tondichtung.' Am Schlusse heißt es: 'Die allerhöchsten Herrschaften sprachen sich wiederholt anerkennend über die gebotenen künstlerischen Genüsse aus und bezeichneten die Veranstaltung als überhaupt sehr befriedigend und gelungen. Im Auditorium gewahrten wir u.a. seine Durchlaucht den Prinzen Nikolaus von Nassau nebst Frau Gemahlin, die Prinzessinnen von Ardeck und von Thurn und Taxis, Herrn Regierungspräsident von Wurmb sowie fast die gesamte Elite der hiesigen Gesellschaft.' Jedenfalls beweist die Anwesenheit der Kronprinzlichen Herrschaften bei diesem Synagogen-Konzert abermals, wie erhaben dieselben über den traurigen Geist sind, welcher sich jüngst in Berlin so laut vernehmbar gemacht hat." 
 
Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 21. Dezember 1880: "Das Konzert in der Synagoge zu Wiesbaden. Obgleich über dieses Konzert bereits kurz berichtet worden, so wird doch folgendes Referat aus der 'Wiesbadener Montags-Zeitung' interessieren.  
Das Konzert in der hiesigen Synagoge zum Besten des Pensionsfonds für die israelitischen Kultusbeamten, welches verflossenen Freitagabend stattfand, darf als ein Glanzpunkt der Saison bezeichnet werden. Nur mit Mühe vermochten wir uns einen Weg durch das dichtgedrängte Publikum, welches die Synagoge umlagerte, wie durch die endlose Wagenreihe, welche die Spitzen der hiesigen Gesellschaft nach dem allgemeinen Rendezvous der Synagoge führte, zu bahnen, doch in der Synagoge selbst herrscht, trotzdem Alles bis auf den letzten Platz ausverkauft war, die musterhafteste Ordnung. Dank der Umsicht und Zuvorkommenheit der Mitglieder des Komitees, welche jede einzelne Person an ihren Platz geleiteten; bei Eintritt in die prachtvolle Synagoge waren wir wahrhaft frappiert über den imposanten Totaleindruck, welchen dieser herrliche Tempel Gottes auf uns machte, und fragten wir uns erstaunt, wie es möglich war, dass uns bei wiederholten Besuchen, welche wir der Synagoge mit fremden Gästen, allerdings am Tage, machten, dieses herrliche Gotteshaus nicht in seinem vollen Werte erkannten, welches von Herrn Oberbaurat Hofmann erbaut, bis in die kleinsten Details so edel, schön, stil- und kunstgerecht ausgeführt ist, dass es ein harmonisches Ganzes bildet, wie wir in der weiten Welt, wir sagen nicht zu viel, noch kein schöneres sahen. Größere, durch verschwenderische Pracht überladenere sagen wir wohl in Paris, Marseille etc., schönere nicht! Und wenn Frankfurt uns in mancher Beziehung überbietet, wenn sein Opernhaus etc. das schönste Deutschlands ist, seine Synagoge reicht, wie man zu sagen pflegt, der hiesigen, welche ein wahres Schmuckkästchen von Architektur ist, das Wasser nicht; wir möchten allen, die etwa Zweifel hegen, ob das von uns Gesagte nicht etwa übertrieben sei, ersuchen, die Synagoge Freitag abends, wo sie, wie wir hören, während des Gottesdienstes beleuchtet ist, zu besuchen, und man wird sich überzeugen, dass wir in diesem kurzen Referate, welches ja nur dem heute stattgehabten Konzerte gelten soll, dieses herrliche Baudenkmal nicht voll und ganz zu würdigen vermochten. Erstaunt bewunderten wir noch den imposanten Bau, da plötzlich ging eine Bewegung durch das Auditorium, welche uns aus all den Betrachtungen riss, in welche uns der Anblick des herrlichen, in der magischen Beleuchtung so andachtsvoll stimmenden Gotteshauses versetzt hatte, - ehrfurchtvoll begrüßte schritten Ihre Kaiserlichen und Königlichen Hoheiten der Kronprinz und die Kronprinzessin des deutschen Reiches und von Preußen und Seine Hoheit der Erbgroßherzog von Meiningen, mit seiner hohen Gemahlin und Gefolge, durch das Kirchenschiff nach der von Herrn Hofkunstgärtner A. Weber auf das Prachtvollste geschmückten Estrade vor dem Allerheiligsten zu, wo Fauteuils im Halbkreise für die Allerhöchsten Herrschaften bereit standen, und wie ein Strahlenkranz reihten sich die Träger Hoher Erlauchter Namen im Halbkreis zu Füßen der Estrade, wir nennen nur Ihre Durchlaucht die Frau Prinzessin Ardeck, Seine Durchlacht Prinz Nicolaus von Nassau, Herrn Regierungspräsident von Wurmb u.a., um kurz zu sein, die gesamte Haute volée war vollzählig vertreten. Die Herren Simon Heß, erster und Louis Heymann, zweiter Präsident des Synagogen-Gesangvereins hatten bei Eintritt in die Synagoge Namens des Gesamtvorstandes, welcher die Allerhöchsten Herrschaften am Hauptportale empfing, Ihre Kaiserliche und Königliche Hoheit der Frau Kronprinzessin und Höchstderen Tochter, der Frau Erbgroßherzogin von Meiningen, je ein prachtvolles Bouquet überreicht, welches in huldvollster Weise akzeptiert wurde. Nachdem die Allerhöchsten Herrschaften kaum Platz genommen, begann das Konzert unter W. Jahn's persönlicher Leitung durch eine von Herrn E. Uhl auf der schönen Orgel meisterhaft vorgetragene 'Orgel-Sonate' von Mendelssohn /(Wir bemerken hierbei, dass die Akustik der Synagoge nichts zu wünschen übrig lässt, und dadurch alle Vorträge zur besten Geltung gelangten). Hieran reihten sich in prompter Reihenfolge die Vorträge von Frl. Hedwig Rolandt und der Herren José Ledérer, A. Peschiér, H. Philippi, wie des Männerchors des Synagogen-Gesangvereins unter der trefflichen Leitung des Dirigenten, Herrn Koch, und schloss das Konzert mit dem von Herrn Hofkapellmeister Jahn komponierten 'Lobgesang' für Solo, Chor und Orgel (Text von H. Dickmann), welcher von dem durch den Theatercorps verstärkten Synagogen-Gesangverein ganz brillant exekutiert wurde; in den Solis brachte Herr Philippi seine mächtige sympathische Stimme zur vollen Geltung und als es feierlich durch den Tempel erklang: 'Er ist einzig und ewig Gott, unser Herr!' und der Chor mit seinen prachtvollen sonoren Stimmen jubelnd einfiel: 'Singe, Israel, dem Höchsten! er behütet Zion ewig. Halleluja!' da erfasste alle Anwesenden eine so weihevolle, begeisterte Stimmung, da überkam es Alle so sonderbar, als fühle man die Nähe Gottes, des Ewigen Höchsten, dem wir ja Alle, wenn auch in verschiedenen Zungen, unter verschiedenen Namen und in verschiedenen Tempeln preisen. Haben ja doch die Angehörigen aller Nationen, die Völker aller Zungen, die Bekenner aller Religionen bereits eine 'Universalsprache, welche das, was in jedem Herzen unbewusst schlummert, zum Leben erweckt, eine Sprache, in welcher wir uns verstehen, begreifen, miteinander denken, fühlen, lernen, die göttliche Kunst, die Macht der Töne', und mit dem Dichter rufen wir begeistert aus: 'Musik, du mächtige, vor dir verschwindet der armen Sprache ausdrucksvollstes Wort! Warum auch sagen, was das Herz empfindet? Lebt doch in dir die ganze Seele fort!' - Mögen anderwärts finstere Fanatiker immerhin Hass anstatt Liebe predigen und des Glaubens halber Bürger gegen Bürger hetzen wollen, hier bei uns, - das bewies der Verlauf des herrlichen Konzertes in der Synagoge, - ist kein Feld, auf welchem religiöser Fanatismus fruchtbaren Boden findet, und die Anwesenheit der Allerhöchsten Herrschaften bewies uns klar, dass die hiesige Bevölkerung in Bezug auf Toleranz sich in vollem Einklang, wie mit unserem erhabenen Kaiser, so auch mit dem künftigen Herrscher unseres gemeinsamen Vaterlandes befindet. Möge es immer so sein! - Der pekuniäre Erfolg des Konzertes soll, wie der künstlerische, ein ganz außerordentlicher sein. Die Allerhöchsten Herrschaften sprachen dem Komitee gegenüber ihre vollste Anerkennung über den Verkauf des Konzertes aus, und mag diese Anerkennung sowie das Bewusststein einen edlen Zweck gefördert zu haben, sämtliche Mitwirkenden für ihre viele Mühe und Hingebung entschädigen."      


Einladung zu einem Konzert in der Synagoge (1886)  
Anmerkung: auch aus diesem Artikel ist die Kritik der konservativ-orthodoxen Zeitschrift "Der Israelit" am Konzert in der liberalen Orgelsynagoge an einem Freitagabend (Schabbatbeginn!) deutlich zu vernehmen.    

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 1. März 1886: "Wiesbaden, 24. Februar (1886). Im hiesigen 'Anzeigeblatt' wird für Freitag Abends 7 Uhr zu einem Konzerte in der Synagoge eingeladen. Das Programm ist ein sehr reichhaltiges und verspricht man sich großen Genuss von den Gesamtsvorträgen der Frau Dr. Maria Wilhelmi und der Königlichen Opernsängerin Fräulein Anna Radecke. - 
Am Schlusse der Einladung heißt es: 'Der Reinertrag wird dem Moses Mendelssohn-Denkmal in Dessau und dem Franz Abt-Denkmal hier zugewendet. Die Synagoge ist geheizt und festlich erleuchtet.'  
Bei solche Anlässen tritt es deutlich hervor, wie zweckmäßig eine Orgel für die Synagoge ist, denn ohne dies könnte ja ein so reichhaltiges Konzert gar nicht ausgeführt werden und den beiden Denkmälern würde ein ansehnlicher Beitrag entgegen!!! Dass dieses Konzert am Freitagabend      

 
25-jähriges Jubiläum der Synagogen-Einweihung (1894)       

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 31. August 1894: "Wiesbaden, 27. August (1894). Die hiesige israelitische Kultusgemeinde beging am 18. dieses Monats Schabbos Nachmu das 25-jährige Jubiläum der Synagogen-Einweihung. Jeder, der schon einmal in Wiesbaden war, ließ sich gewiss unter den Sehenswürdigkeiten der Stadt auch die Synagoge zeugen, ein Prachtbau, der unter dem Oberbaurat Hoffmann aufgeführt wurde. An diesem Tage war die Synagoge aufs Herrlichste mit Blattpflanzen und Girlanden geschmückt. Die Hauptfeier fand am Freitag Abend statt. Eröffnet wurde diese durch ein vom Organisten der Synagoge komponierten 'Mah towu'. Mit voller Spannung warteten jedoch alle auf den Mittelpunkt der Feier, auf die Festpredigt des Herrn Stadt- und Bezirks-Rabbiners Dr. Silberstein. Wir müssen bekennen, dass wir gewohnt sind, von ihm Predigten zu hören, die dem Inhalte nach mustergültig. Die hiesigen Zeitungen sprechen daher mit Recht von der sehr eindrucksvollen Predigt mit gedankenreichem Inhalt. Mit Bezug auf die trefflichen Leistungen des Synagogen-Gesangvereins wäre es dringend zu wünschen, dass derselbe sich auch mehr mit den Kompositionen der hebräischen Liturgie bekannt machte und dadurch mehr den echten Charakter eines jüdischen Gottesdienstes wahre und hebe. Am Abend vereinte die Festteilnehmer ein vom Synagogen-Gesangverein arrangiertes Kränzchen, das einen sehr gemütlichen Verlauf nahm. Der Abendgottesdienst wurde durch Gesänge des Synagogen-Gesangvereins besonders verherrlicht."       

  
Gottesdienst in der Synagoge zum hundertjährigen Jubiläum des Füsilierregiments von Gersdorff Nr. 80 (1913)        

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 18. Juli 1913: "Wiesbaden, 11. Juli (1913). Zur Feier des hundertjährigen Jubiläums des hiesigen Füsilierregiments von Gersdorff Nr. 80 fand auch ein Gottesdienst in der Synagoge statt. Jetzige und frühere Angehörige des Regimentes hatten sich zahlreich eingefunden. Die Festrede hielt Stadt- und Bezirksrabbiner Dr. Kober. Einleitung wies der Redner auf das unlängst stattgefundene Regierungsjubiläum des Kaisers hin und bezeichnete dann des weiteren die Bedeutung des Regiments, besonders seine Tapferkeit in dem Kriegsjahr 1870, in welchem Christ und Jude Schulter an Schulter ihr Herzblut für das Vaterland geopfert haben. Mit flammenden Worten geißelte der Prediger die von unseren Gegnern ausgestreute infame Behauptung von der Minderwertigkeit des jüdischen Soldaten. Trotz der uns bewiesenen Undankbarkeit fänden die Juden die kraft zu treuer Pflichterfüllung in ihrer Religion. Mit einem stimmungsvollen Gebete für Kaiser und Reich schloss Dr. Kober seine glänzende Rede, die einen sichtlich tiefen Eindruck auf alle Anwesenden machte."         

  
Über die "Wiesbadener Synagogen-Gesänge" (1913)     

Wiesbadener Synagogen-Gesaenge 010.jpg (109924 Byte)1913 erschienen: Nussbaum, Abraham / Otto Wernicke (Hrsg.): Wiesbadener Synagogen-Gesänge. Eine Sammlung gottesdienstlicher Gesänge für Cantor, Soli, Gemeindegesang, gemischten & Männerchor; für den Wiesbadener Synagogen-Gesangverein von verschiedenen Autoren componiert. Herausgegeben von Abr. Nussbaum, Oberkantor, und Otto Wernicke, Dirigent an der Hauptsynagoge zu Wiesbaden. [Dem Wiesbadener Synagogen-Gesangverein zu Fünfzigjahrfeier gewidmet und zugeeignet]. Wiesbaden: Verlag Wiesbadener Synagogen-Gesangverein
1913, 89 S. 
Enthält 41 Nummern von H. Berggrün, E. Birnbaum, M. Hast, M. Henle, C. Heuss,W. Jahn, F. Kaminsky, 
J. Mannheim, A. Nussbaum, J. Tennenbaum, E. Uhl, O.Wernicke, N. von Wilm. – 

Abbildung aus dem Beitrag: Günther Grünsteudel Musik für die Synagoge. Die Sammlung Marcel Lorand der Universitätsbibliothek Augsburg. Historische Einführung und Katalog. Universitätsbibliothek Augsburg 2008. 
Der Beitrag ist online einsehbar (pdf-Datei, 7,8 MB). 

   
Während der Zeit der französischen Besatzung: Französischer Gottesdienst in der Synagoge (1921)      

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 11. November 1921: "Französischer Gottesdienst in der Synagoge in Wiesbaden. Von Benas Levy (Berlin). Der Herbst in Wiesbaden ist unvergleichlich schön. Die Blätter fallen von den Bäumen und besäen die Gärten und Alleen. Im Kurgarten und im Nerotal finden wir noch viele vollbelaubte Bäume, die in den herrlichsten Farben sich zeigen - bald hellgrün, bald dunkelgrün, bald hellgelb, bald goldgelb. In allen Nuancen zeigen sich die Blätter bevor sie vom Sturme verweht, zu Boden gleiten. Und fährt man nach dem nahen Biebrich, dann grüßen wir wieder den deutschen Rhein, der so ruhig dahinfließt, als wäre nichts gegen früher verändert. Leider aber ist es ganz anders geworden. Die Amerikaner und die Engländer, die Franzosen und die Holländer haben sich in Wiesbaden eingenistet und haben alle Hotels und Pensionen besetzt. Sie lebten hier bei dem jetzigen hohen Stand ihres Geldes fast umsonst. sie kaufen in den Geschäften nötige und unnötige Gegenstände, da diese trotz der hohen Preise lächerlich billig für die Ausländer sich stellen, und schicken sie in ihre Heimat. Die Folge hiervon ist, dass der Deutsche, der hierher kommt, Mühe hat, eine Unterkunft zu finden, und dass er die teuersten Preise anzulegen gezwungen ist. - Die französische Besatzung macht sich hier überaus unangenehm fühlbar. Auf den Straßen Wiesbadens promenieren die französischen Offiziere und Soldaten in großer Menge. Kurz vor dem Kurgarten, im früheren Hotel Hohenzollern, ist die Intendantur der Entente. Davor steht ein Schilderhaus, blauweißrot angestrichen, und auf und ab marschiert die Wache - ein Marokkaner mit einem roten Fez auf dem Kopfe. Das frühere Schloss, in dem ehemals Kaiser Wilhelm II. so oft gewohnt hat, ist das Hauptquartier und die blauweißrote Fahne flattert von dem dache. Wir glauben, in einer französischen Garnison uns zu befinden. Wie tief aber schmerzt es uns, wenn wir plötzlich Trompeten hören und eine Division französischer Soldaten mit ihrer Fahne an der Spitze durch die Straßen marschieren sehen. Ein vor mir befindlicher Herr, ein Glaubensgenosse, bedeckte mit seiner Hand seine Augen, um dieses jeden Deutschen tief bedrückende Schauspiel nicht mit ansehen zu müssen. Vae victis - wehe den Besiegten! Das empfinden wir hier, in Biebrich und in Mainz, auf Schritt und Tritt. 
Das war auch heute, am Mittwoch, den 2. November, das Gefühl, das mich beherrschte, als ich mich früh 8 Uhr in die schöne Wiesbadener Synagoge am Michelsberg begab, um dem französischen Gottesdienst beizuwohnen. Allerseelentag ist's - und diesen Tag begehen die Franzosen in allen Kirchen und Synagogen, um ihrer Toten zu gedenken. Schon der Eingang zur Synagoge war mit französischen Fahnen reich geschmückt. Im Innern der Synagoge waren 25 bis 30 blauweißrote Fahnen angebracht und selbst das Almemor war bedeckt mit Stoffen aus den gleichen Farben. Nur das Allerheiligste, von dem der meist mit Gold bestickte Vorhand hing, war frei geblieben. Pünktlich fanden sich die Besucher ein und 8 1/2 Uhr, zum Beginn des Gottesdienstes, war die Synagoge ganz gefüllt. Auf der rechten Seite saßen Hunderte von fran-     
Wiesbaden AZJ 11111921a.jpg (194331 Byte) zösischen Offizieren in ihren Paradeuniformen, auf den ersten Plätzen Majore und Generäle. Auf der linken Seite nahmen französische Zivilpersonen Platz, darunter drei sehr würdig aussehende Matronen vom Roten Kreuz. Auf den Seitenplätzen waren die Soldaten untergebracht - jüdische und christliche untereinander gemischt. Marokkanische Soldaten, unter denen ich viele mit streng orientalischem - meist jüdischen Typus entdeckte, - waren nicht zum Gottesdienst gekommen. Vermutlich, weil sie den Allerseelentag nicht feiern.   
Die Synagoge machte den Eindruck, als ob ein Feldgottesdienst im Kriege stattfände - nicht als ob wir schon drei Jahre Frieden hätten. Das einzige, was unseren tiefen Schmerz milderte, war das Bewusststein, dass die Feier den Toten halt. Wir betrauern alle ohne Unterschied des Glaubens und der Rasse, die ihr Leben für ihr Vaterland hingegeben haben.   
Der Gottesdienst wurde mit einem Präludium auf der Orgel eingeleitet; ernst und feierlich klangen die Töne durch das Gotteshaus. Der Synagogenchor sang 'Min hamezar' in der Komposition von Halévi, und nach Beendigung des Gesanges trat der französische Armeerabbiner Justin Schuhl an die Rampe vor den Almemor. Er sprach ein längeres Gebet mit eindrucksvollen Worten in französischer Sprache, öffnete dann die heilige Lade, nahm eine Torarolle heraus und mit der Tora im Arm verrichtete er das Gebet für die Toten. Der Armeerabbiner war in militärischer Kleidung, mit dem Käppi auf dem Kopf und hatte einen Tallis umgelegt. Der hiesige Oberkantor Abraham Nußbaum sang mit seiner wohlklingenden Stimme Adonoj moh odom und Moh raw tuwcho in der Komposition von Goldberg, und alle Anwesenden wurden von diesen tief ergreifenden Tönen mächtig bewegt. Der Armeerabbiner stellte dann die Torarolle zurück, sprach vor der geöffneten Lade das Kaddischgebet und nach einem kurzen Nachspiel auf der Orgel war der stimmungsvolle Gottesdienst zu Ende. Der General drückte dem Armeerabbiner seinen Dank aus, schüttelte ihm die Hand und verließ, begleitet von seinem Adjutanten, das Gotteshaus. In bereitstehenden Kraftfahrzeugen fuhren die höheren Offiziere in die Kirche, wo ebenfalls Gottesdienst abgehalten wurde. Der Armeerabbiner ratterte in seinem Auto nach Mainz, wo er stationiert sein soll, zurück.  
Es war eine so seltene Feier, dass die Bescheibung als ein Dokument unserer Zeit aufgewahrt zu werden verdient."    

  
Konzert des Synagogen-Gesangvereins in der Synagoge (1927)       

Artikel in der "Jüdischen Wochenzeitung für Kassel, Kurhessen und Waldeck" vom 1. April 1927:        


"Betrachtungen über die Wiesbadener Synagoge auf dem Michelsberg" (1927) 
Anmerkung: der Verfasser des Beitrages setzt sich in kritischer Weise mit der Architektur und dem "Stil" der Synagoge am Michelsberg auseinander. Ende der 1920er-Jahre gefiel der neo-orientalische (maurische, neu-islamische) Stil in der Synagogenarchitektur nicht mehr. Beispielsweise wurden damals auch die Kuppeln der Synagoge in Ulm durch pyramidenartige Aufsätze ersetzt. Anstelle eines  vor allem für die Repräsentation erstellten Synagogengebäudes votiert er in seinem Lösungsvorschlag für den Neubau eines jüdischen Gemeindezentrum in der Stadt, in dem neben der Synagoge in einem Gemeindehaus vor allem die Gruppen und Vereine der Gemeinde ausreichend Platz finden.      

Artikel in der "Jüdischen Wochenzeitung Wiesbaden-Nassau" vom 26. September 1927: "Betrachtungen über die Wiesbadener Synagoge auf dem Michelsberg. Von Dipl.-Ing. Rudolf Joseph. 
Mit der Zerstörung des Tempels zu Jerusalem ist der Begriff des zentralen Mittelpunktes jüdischen Kultes verschwunden. An die Stelle des einen großen religiösen Mittelpunktes mussten für die in der Zerstreuung lebenden, streng an ihren religiösen Bräuchen und Vorschriften hängenden Juden mehrere Tempelstätten treten, die mir der Zeit den griechischen Namen 'Synagoge' - Versammlungsraum - erhielten. Es ist bemerkenswert, dass diese Synagogen wohl in ihrer Hauptdisposition nach den althergebrachten Bräuchen eingerichtet wurden, jedoch auch durch meist geistreiche Auslegungen späterer Gelehrter charakteristische Merkmale und Eigenheiten erhielten, die in keiner Weise im Bau des alten Tempels begründet waren.  
Interessant ist vor allen Dingen die Tatsache, dass die Bauten in konstruktiver wie formaler Hinsicht ganz dem Zeitcharakter entsprachen, und wir aus dem Mittelalter Synagogen in unverfälschten Zeitstilen, sei es in romanischem oder gotischem, noch heute vorfinden. Der Umstand, dass wohl zumeist nichtjüdische Architekten mit den jüdischen Kultbauten jener Tage aus Mangel an jüdischen Künstlern beauftragt werden mussten, lässt diese Tatsache einigermaßen verständlich erscheinen. So sei an die uns benachbarte, zweischiffige Synagoge in Worms erinnert, wie an das außerordentlich interessante Frauenbad in Friedberg in Hessen, dem Werk des Erbauers der dortigen Stadtkirche. Wir müssen hier von einer Exkursion in  das interessante Gebiet historischer Denkmäler Abstand nehmen, doch möge hierbei auf die 'Mitteilungen der Gesellschaft zu Erforschung Jüdischer Kunstdenkmäler' vom Oktober 1914 hingewiesen sein. Wir müssen jedoch noch ein Merkmal vor Augen halten, ehe wir zum eigentlichen Thema - der Wiesbadener Synagoge am Michelsberg - gelangen, das ist die allen Telnehmern des Feldzuges im Osten bekannte Eigenart der Synagogen in Polen und Russland - Holzbauten mit zumeist ganz eigenartig geschwungenen Dachformen, die ihre Umgebung meist durch ihre Massen überragten, jedoch in keiner Weise irgendwie das an Kirchen bemerkbare Charakteristikum eines Kultbaues durch Türme, Kuppeln oder dergleichen zum Ausdruck brachten.      
Selbst die uns geläufige Orientierung gen Osten ist nicht         
Wiesbaden JWz Wiesb 26091927a.jpg (222359 Byte) allenthalben durchgeführt. Zwei Merkmale des Synagogenbaues, die Abtrennung des Frauenbaues und der Almemor in der Mitte oder doch dem vorderen Mittel des Baues, sind bei den uns bekannten, sogenannten 'liberalen' Gemeinden - gegenüber den am Hergebrachten strenger festhaltenden 'orthodoxen' Synagogen - in Wegfall gekommen. Statt dessen weisen diese Synagogen, zu denen die Wiesbadener am Michelsberg gehört, zwei andere Merkmale auf - ein rein prinzipielles -: die Orgel, und ein äußerliches, das mit der ganzen Entstehungszeit dieser Bauwerke logisch zusammenhängt, nämlich der etwas abenteuerlich anmutende Versuch, der Synagoge entweder die Formensprache der romanischen, gotischen, byzantinischen oder altspanisch-islamischen Baukunst zu geben. Ein erheiterndes Sammelsurium solcher missglückter Versuche liegt beim Schreiben dieser Zeilen vor mir. Die Abtei Maria Laach mag bei der wohl um 1900 erbauten Synagoge in Mülheim a.d. Ruhr Pate gestanden haben, der Dom zu Aachen und seine Zeit der der Synagoge in Hannover, die Hagia Sophia in Pforzheim und die Alhambra in Nürnberg und - Wiesbaden
Alle diese Bauten entstammen nämlich einer Zeit, die keinen Stil im guten Sinne des Wortes, keinen formal-konstruktiven Ausdruck ihres Zeitgeistes, mehr kannte, sondern durch formalistische Studien einerseits und eine unorganisch impulsiv sich entwickelnde Technik andererseits glaubte, alles nachmachen oder gar übertreffen zu können, was ältere Zeiten aus dem Empfinden und den technischen Kenntnissen ihrer Zeit heraus geschaffen hatten. Nur so war es möglich, dass ein und derselbe Architekt in der Mitte des vorigen Jahrhunderts in der aufstrebenden Residenzstadt Wiesbaden, die zugleich der gesellige Mittelpunkt eines aus aller Welt zusammenströmenden Fremdenpublikums jeder Konfession war, die protestantische Marktkirche in anglikanischer Gotik, die Griechische Kapelle in der Formensprache der im griechisch-russischen Kult sich einbürgernden Architektur und zugleich die Synagoge mit der Pseudoornamentik spanisch-arabischer Baukunst bauen konnte.   
Es wäre ungerecht, diesem begabten Baukünstler einen Vorwurf daraus zu machen; er war ein Kind seiner Zeit - die Aufgabe, die ihm zuteil wurde, hat er sicherlich im Sinne seiner Zeit vorzüglich gelöst - der Vorwurf gebührt lediglich der inneren Unwahrhaftigkeit jener ganzen Zeit in ihrer ganzen Stillosigkeit des inneren Erlebens, die sich nicht nur auf die Baukunst erstreckte. Bezüglich des Gebäudes an sich müssen wir den Hut ziehen vor dem großzügigen Geist einer damals noch kleinen Gemeinschaft, die ein verhältnismäßig sehr großes und au0ßerordentlich prunkvolles Haus ad majorem dei gloriam bauen ließ.  
Wenn man bedenkt, dass der Bauplatz der Gemeinde kostenlos zur Verfügung gestellt worden war, so kann man verstehen, dass man nicht lange gezögert haben mag, mit beiden Händen zuzugreifen. Nicht wie heute an einer starb belebten Verkehrsstraße, als Hemmnis des Verkehrs bei starkem Besuch des Gotteshauses, mag man damals diesen Bau betrachtet haben, sondern als Kultbau auf beherrschender Anhöhe über niedrigen Nachbarhäusern."    
Wiesbaden JWz Wiesb 07101927a.jpg (206895 Byte)Mit außerordentlich reicher Ornamentik gebrannter Tonplatten wurde die reich bewegte Fassade verkleidet, und der Bau selber stark durch die große Hauptkuppel mit den Nebenkuppeln der Treppenhäuser in den Massen gegliedert, durch verschieden proportionierte Fenster in der Wirkung verstärkt. Innerhalb eines weiten Gartens wäre die Wirkung wohl zu verstehen; der hohe, stark gedrängte Backsteinsockel mit seinen steilen Treppenführungen - der Notlage des engen Platzes entsprechend - hat leider die ganze Wirkung zerstört. Mit Ausnahme dieses Sockels ist der ganze Bau auf Repräsentation eingestellt. Da, wo der Blick in erster Linie im Inneren wie im Äußeren hinfallen wird, ist ein großer formaler Aufwand getrieben. Die Treppenhäuser, die Garderoben für die Kultusbeamten sind völlig vernachlässigt. Auf die Möglichkeit der Sehwirkung des Vorbeterpultes wie des Rabbiners beim Predigen ist - bei der früheren Stellung der Kanzel - gar kein Wert gelegt worden, insbesondere nicht von den Plätzen der Frauen aus, die doch in den liberalen Synagogen in dieser Hinsicht wenigstens eine gewisse Gleichberechtigung hatten. Der - viel zu kleine - Vorraum, der auch zugleich die ganze Garderobe darstellt, vermittelt eine Zugluft im Innern, die nur notdürftig und in primitivster Weise durch Rollwände verhindert zu werden vermag. Chor und Orgel sind in primitivster Weise so untergebracht, dass eine Verständigung mit dem amtierenden Kantor unmöglich ist, jedoch größter Wert auf eine wirkungsvolle Formgestaltung des Orgelprospektes - einer Kulisse - gelegt.   
Der reinen Raumwirkung, deren Bestandteile reiche Wölbungen, eine Kuppel mit schlankem Tambour (Zwischenstück, eine lichtbetonte Apsis mit kuppelgeschmücktem Vorbau des Araun Hakodesch bildet, ist .- insbesondere durch den überaus reichen Schmuck in Stuckwerk und Farben - kaum ein ähnlicher Synagogenbau aus jener Zeit an die Seite zu stellen. Auch mögen diese Momente der bekannt guten Akustik des Raumes zugute gekommen sein.  
Eine andere Frage ist, ob die zum Teil viel zu kleinen Fenster der unteren Seitenschiffe - dagegen bis zum Boden herabgehenden und als ständige Zugquellen wirkenden Fenster der Frauenemporen dem Innenraum zum Vorteil gereichen, oder ob sie nicht vielmehr einer schönen Fassade zuliebe geschaffen worden sind? Dass die geringe Anzahl der Sitzplätze heute an Feiertagen dem Andrang nicht mehr genügt, ist bei dem starken Anwachsen der Gemeinde zu verstehen, doch kaum wieder gutzumachen. Auch die unzulänglichen sonstigen Räume, die in drangvoll fürchterlicher Enge in einem Nebengebäude untergebracht sind, und ein schwer erreichbares Sälchen der Wochentagssynagoge, Sitzungssaal und Bibliothek zugleich gestempelt haben, ferner die unzureichende, dunkle Wohnung des Gemeindedieners enthalten, kurzum eine Reihe von Umständen, deren einzelne Aufführung geradezu eine Ketzerei bedeuten würde, lassen in Anbetracht der bevorstehenden Feiertage, die eine starke Inanspruchnahme aller Räumlichkeiten und noch - unwürdiger Zustand! - die Inanspruchnahme profaner Räume erfordern, ernsthafteste Erwägungen aufkommen, wie unter den gegenwärtigen Verhältnisse da radikale Abhilfe geschaffen werden könnte. 
Möge es mir verstattet sein, in einem zweiten Artikel, unter Hinweis auf auswärtige Synagogen neuester Zeit, meine Ideen in Wort und Bild als Anregung hierzu in diesen Blättern, der Allgemeinheit der hiesigen Glaubensgenossen zum Ausdruck bringen zu dürfen."     

   
Lösungsvorschlag "Zum Problem der Wiesbadener Synagoge" (1927)     

Artikel in der "Jüdischen Wochenzeitung Wiesbaden-Nassau" vom 7. Oktober 1927: "Zum Problem der Wiesbadener Synagoge - ein Lösungsvorschlag. II. Von Dipl.-Ing. Rudolph Joseph, Wiesbaden.  
Die in dem vorhergehenden Aufsatz aufgeführten Schwierigkeiten, welche der vorhandene Synagogenbau den Zwecken und Ansichten der Gegenwart - und noch mehr der Zukunft entgegenstellen, treffen zusammen mit Schwierigkeiten, die beim sehr regen Vereinsleben der hiesigen Juden entgegenstehen. Kaum einer der vielen Vereine hat eine würdige Unterkunftsstätte. Ferner musste meines Erachtens der Synagogengesangverein, der doch letzten Endes eng mit den Vorgängen des Gottesdienstes in Verbindung steht, einen Übungssaal in unmittelbarer Verbindung mit dem Gotteshaus haben. Seit Jahren drängt sich für die starb anwachsende Nassauloge der Gedanke eines größeren und würdigeren Heimes auf, als es über einem Tanzlokal, erreichbar durch eine schmale Hintertreppe möglich ist. Die Jugendvereine, Wohltätigkeitsvereine, das Lehrhaus ermangeln geeigneter Räumlichkeiten. Ein großer Festsaal für Wohltätigkeitsveranstaltungen, Vorträge und Vergnügungen ist für eine so rege Vereinstätigkeit eine Notwendigkeit. Alle diese Vereine benötigen mehr oder minder eine rituell bewirtschaftete Küche, die mit der als soziale Einrichtung geschaffenen 'Rituellen Küche' durch Personalunion der in Betrieb tätigen Personen aus Ersparnisgründen in Verbindung gebracht werden sollte.  
Drängt sich da nicht von ganz allein der Gedanken auf, in großzügiger Weise eine Anlage zu schaffen, die ich mit dem Namen 'Synagogenbezirk' zusammenfassen möchte, eine Vereinigung aller jüdischen Einrichtungen, das Gotteshaus, das Gemeindehaus, das jüdische Vereinshaus? 
Man sprach schon davon, an die Stadt heranzutreten, und im Tauschweg für den vorhandenen Synagogenbau von der Stadt ein Grundstück an der Kaiserstraße zu erhalten. Ich halte dieses Platz für ungeeignet, und zwar aus folgenden Gründen. Die Synagoge soll möglichst zentral gelegen und für alle Gemeindemitglieder gleich gut zu erreichen sein. Da ein großer Teil im Westend, dem hauptsächlichen Wohnquartier des Bürgerstandes wohnt, ist die obengenannte Lage zu weit entfernt. Ferner scheint mir die Gegend - jetzt (wegen der überaus hohen Grund-    
Wiesbaden JWz Wiesb 07101927a.jpg (332399 Byte)stückskosten) überhaupt noch völlig unbebaut -, mehr als Luxushotel- und Geschäftshäuserstraße gedacht zu sein, worin ein Gotteshaus stark als Fremdkörper wirken müsste, während ein alter Brauch die Gotteshäuser gern unter die Wohnviertel, wenn auch möglichst an Platzerweiterungen, verteilt. (Es sei an Kirchen und dergleichen erinnert). Schließlich wird wohl in Anbetracht des sehr teuren Geländes kein großer Platz an der Kaiserstraße zu erhalten sein, und in diesem Falle ist mit dem Tausch gar nichts gewonnen, und die Kosten lohnten nicht.   
Dagegen wüsste ich einen Platz, der in idealster Weise allen Bedingungen gerecht würde, die ich im obigen stellen zu müssen glaubte:  
Es ist das Viereck zwischen Bleich-Schwalbacherstraße und Boseplatz, auf der einen Seite noch frei durch den Faulbrunnen-Platz. Lediglich ein Spielplatz befindet sich auf dem früheren Kasernengelände und ein altes Militärgebäude, in dem heute Werkstätten für Schwerkriegsbeschädigte notdürftig untergebracht sind, die über kurz oder lang doch den Ausbau der Straße zum Opfer gebracht und an anderer Stelle untergebracht werden müssten. Dieser zentral gelegene, freie Platz mit zwei ruhigen und zwei belebten Straßenzügen, leicht ansteigend und in einer Größe von etwa 54 mal 102 Metern wäre ideal für die Schaffung eines 'Synagogenbezirks' in der oben erwähnten Weise!  
Ja, er hätte sogar noch einen großen Vorteil, nämlich den einer wirtschaftlich günstigen Bebauung und Ausnutzung - denn an dem Platz längs der Bleichstraße, an dem das Gemeinde- und Vereinshaus liegen müssten, könnte im Erdgeschoss eine große Anzahl gut zu vermietender Läden geschaffen werden, die eine beträchtliche Beisteuer zur Verzinsung der etwa aufgenommenen Baugelder sein werden. Man sage nicht, dass dies unwürdig des Baues sei! Wenn, wie ich vor wenigen Tagen von einem Amerikaner hörte, die Jüdische Gemeinde New York ihre Synagoge an der Ecke von zwei Hauptgeschäftsstraßen für 12,5 Millionen Dollar auf Abbruch verkaufte, für 8 Millionen Dollar die Villa Astor in ruhigerer Lage erwarb, abreißen lässt. und für 2 bis 3 Millionen Dollar eine Riesensynagoge mit Schulen für 3000 Kinder neu aufbaut, und vom Rest des erworbenen Geldes aus dessen Zinsen seine gesamten Beamtengehälter bezahlt, sodass diese reichste jüdische Gemeinde der Welt keine Kultussteuer kennt, dann, meine ich, darf die Gemeinde Wiesbaden auch wirtschaftliche Gesichtspunkte in Erwägung ziehen, die ihr zugute kommen! Nicht zuletzt sei daran erinnert, dass im entstehenden gemeinschaftlichen Neu bau des Finanzamtes und des Telegraphenamtes in Mainz - also staatlicher Bauten - im Erdgeschoss so viele Läden geschaffen werden, dass deren Ertrag allein den Zinsendienst des Neubaues vollständig tilgt! Was dem Reich und Staat recht ist, sollte auch der Kultusgemeinde billig sein!  
Ich denke mir die Anlage so:   
Von der Achse des Lyzeums blickt man auf einen Vorhof, der rings von Bauten des Synagogenbezirks umgeben ist. Rechts gelangt man durch Vorhalle, Garderobe zur Männersynagoge mit etwa 700 Sitzplätzen mit einheitlich guter Sicht und Belichtung. Es stuft sich gen Osten an und bereitet dem Vorpeterpult, der Kanzel und dem Araun Hakaudesch einen würdigen, freien Raum. Hinter diesen Räumen ausreichende Gemächer für Rabbiner, Vorbeter, Gesangsprobensaal. Anschließend Treppen und Toiletten für den Chor. Dieser oberhalb des Vorbeters, in Sichtverbindung mit diesem und der Gemeinde. Darüber als Abschluss die weiträumige Orgel mit Nebenräumen für Organist und Solisten. Im Obergeschoss auf auslandender Galerie die Frauenplätze mit freiem, Blick auf den Vorbeter und die Kanzel - 380 Sitzplatze, ansteigend und gut beleuchtet, aber ohne Zugluft, da die Fenster hoch liegen, der Zugang durch Vorräume von den Treppen getrennt ist. Eine breite Kleiderablage ist unter den ansteigenden Sitzreihen der Rückwand angeordnet. Die Treppen, bequem und breit, führen zur äußeren Vorhalle, nicht wie jetzt, in den Garderobenraum der Männer. Die eine Längsseite des Gotteshauses bildet die Platzwand am Boseplatz, die andere Längswand Seite eines breiten Ziergartens. Dieser ist durch eine offene Bogenstellung vom Vorhof getrennt, und enthält das dringend notwenig zum Gemeindehaus gehörige Büro der Gemeinde, sowie einen großen Bibliotheksraum für den vorhandenen Bücherschatz. Darüber ist zwei Geschissen würdige Wohnungen für die Beamten er Gemeinde. Der Trakt längs der Schwalbacherstraße enthält Lehrer- und Klassenzimmer für den Religionsunterricht sowie einen heute fehlenden Be-   
Wiesbaden JWz Wiesb 07101927b.jpg (210131 Byte)ratungsraum für den Vorstand, darüber eine komfortable Wohnung des Rabbiners mit Amtsräumen und eine weitere Beamtenwohnung.   
Der oben erwähnte Vorhof  wird an seiner Stirnseite und linker Hand abgeschlossen vom Haus der Jüdischen Vereine. Im Erdgeschoss links an einer ruhigen Straße die rituelle Küche mit weiteren Speiseräumen für andere Gäste sowie einer Speiseaufzug-Verbindung zum darüberliegenden Saalgeschoss. Wo immer angängig, sind in der Nähe der Restauration Vereinslokale angeordnet. Im Obergeschoss, das durch zwei Raumhöhen des Beamtwohnhauses geht, befindet sich, durch eine bequeme Treppe erreichbar, eine Garderobe, Toilettenanlage und Telefonzellen. Rechts Logenvorraum, Beratungszimmer und Tempel für die Nassauloge, nun nicht mehr behindert durch ein Vorzimmer, das zugleich Restaurant, Garderobe und Telefonraum ist. 191 Sitzplätze dürften auch für den stärksten Logenbesuch ausreichen- zu offenen Sitzungen oder Festlichkeiten würden der gegenüber befindliche Festsaal oder der zweite, kleinere Saal herangezogen werden. Ein Bühnenpodium, ein kleines Künstlerzimmer und Anrichte für Bewirtschaftung des Raumes sind selbstverständliche Attribute eines solchen Saales. Daneben (eingeschossig) weitere Klubzimmer mit Nebengelassen (Toiletten und Garderobe), darüber Wohnräume der im Restaurationsdienst tätigen Personen, die zugleich Hausmeisterstelle versehen könnten.   
Die ganze Anlage denke ich mir so, dass sie - je nach den vorhandenen Mitteln, in drei Bauabschnitten errichtet werden könnte: 1. Synagoge, 2. Gemeindehaus, 3. Vereinshaus. Bedingung wäre natürlich die völlige Einheitlichkeit der großen Anlage. Dass aller Komfort und alle modernen technischen Einrichtungen, wie zum Beispiel Heizung der Synagoge mit vorgewärmter Luft, Absaugung der verbrauchten Luft, Warmwasser Heizung der übrigen Teile des Gebäudes vorzusehen wären, versteht sich eigentlich von selbst. Formal und im Material denke ich mir eine schlichte, von allem der Mode unterworfenen, ornamentalen Beiwerk befreite, dauerhafte Ausgestaltung mit dem Hinblick darauf, dass nicht für Fremde ein Prunkstück, sondern in erster Linie für die einheimische Judenschaft ein würdiger Tempelbezirk - kein Ghetto - geschaffen werden muss.   
Ich halte es für meine Pflicht, allen etwaigen irrigen Auffassungen gegenüber zu betonen, dass ich diesen Vorschlag und die zeichnerische Festlegung dieser meiner Idee, die ich augenblicklich gelegentlich meiner Ausstellung bei Banger in der Luisenstraße in skizzenhafter Weise für Interessenten ausgestellt habe, aus meiner eigenen Initiative hervorgegangen sind.  
Möchten meine Anregungen, die darin auch für das Auge zur Anschauung gebracht sind, beim Vorstand der Gemeinde, der Vereine und bei der Gesamtheit der Glaubensgenossen Anlass zu einer ersprießlichen Diskussion des aktuellen Themas sein!  Wiesbaden, 26.September 1927."   

  
   
  
Die Synagoge der Altisraelitischen Kultusgemeinde in der Friedrichstraße   
     
Die (orthodoxe) Altisraelitische Kultusgemeinde erbaute Mitte der 1880er-Jahre eine neue Synagoge in der Friedrichstraße. Für den Neubau war eine Kollekte in und außerhalb Wiesbadens durchgeführt worden. 1883 hatte u.a. Jakob Israel (Berlin) 3.000 Mark gespendet. In der Friedrichstraße konnte ein Grundstück gekauft und die Synagoge erstellt werden (durch Umbau eines schon vorhandenen Saales). 
    
Bei Arnsberg und anderen Darstellungen wird für den Bau beziehungsweise die Einweihung der Synagoge in der Friedrichstraße gewöhnlich das Jahr 1897 angegeben. In diesem Jahr wurde jedoch die Synagoge in der Friedrichstraße nach dem eindeutigen Bericht des  "Israelit" vom 19. August 1897 (siehe unten) umfassend renoviert und vergrößert. Im Bericht von 1887 wird bereits von einer Laubhütte neben der "prachtvollen Synagoge der altisraelitischen Kultusgemeinde" in der Friedrichstraße berichtet. Auch setzt der Artikel von 1890 mit den Spenden für die Einrichtung "unseres herrlichen Bethauses" dafür, dass es sich um Spenden für die bereits stehende neue Synagoge in der Friedrichstraße handelt. So dürfte die Synagoge in der Friedrichstraße bereits um 1885 und nicht erst 1897 erstellt worden sein. Ein Einweihungsbericht wurde jedoch in jüdischen Periodika noch nicht gefunden.     
    
Eine Laubhütte wird neben der Synagoge in der Friedrichstraße aufgestellt (1887)   
 

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. Oktober 1887: "Wiesbaden. Auf Veranlassung unseres ehrwürdigen Rabbiners, Herrn Dr. L. Kahn, unterstützt vom Vorsteher Herrn Max Bensheim, wurde dieses Jahr zum ersten Male eine sehr geräumige Synagoge der altisraelitischen Kultusgemeinde im Vorhofe der prachtvollen Synagoge der altisraelitischen Kultusgemeinde, Friedrichstraße Nr. 25 dahier, errichtet. Diese Einrichtung fand beim Publikum allgemeinen Beifall, und wurde von allen Seiten der Wunsch rege, dass dies jedes Jahr geschehen und allenthalben Nachahmung finden möge."       

 
Gedenkveranstaltung in der Synagoge zu Ehren von Rabbiner Samson Raphael Hirsch (1889)      

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. Januar 1889: "Wiesbaden, 13. Januar (1889). Heute Nachmittag hielt Herr Rabbiner Dr. Cahn in der Synagoge der israelitischen Religionsgesellschaft eine Gedächtnisrede zu Ehren des Herrn Rabbiner S. R. Hirsch - das Andenken an den Gerechten ist zum Segen. Nicht nur die hiesige Religionsgesellschaft, auch viele Fremde, namentlich aus den israelitischen Gemeinden der Umgegend, waren erschienen und füllten das geräumige Gotteshaus bis auf den letzten Platz. Anknüpfend an einen Ausspruch unserer Weisen, dass das Hinscheiden eines Talmid Chacham (sc. Talmudgelehrter) ein unersetzlicher Verlust ist, entwarf der Redner ein herrliches Bild von dem großartigen Wirken des Verewigten, seiner Gelehrsamkeit, seines edlen Charakters, seiner gotterfüllten Familienlebens. Die Rede, welche länger als eine Stunde währte, hatte sichtlich die Herzen aller Anwesenden ergriffen. Möge die dadurch hervorgerufene Begeisterung für die heilige Gotteslehre eine dauernde sein."         

  
Spenden für die Inneneinrichtung der Synagoge der altisraelitischen Kultusgemeinde (1890)     

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. Juni 1890: "Wiesbaden. Eine freudige Überraschung ward letzten Freitag Abend den Mitgliedern unserer altisraelitischen Kultusgemeinde in der Synagoge. Ein kürzlich in den Vorstand gewählter Herr hatte es sich angelegen sein lassen, Lichwand Jomtof, einigen fühlbar gewordenen Bedürfnissen unseres herrlichen Bethauses abzuhelfen. So veranlasste der betreffende Herr, dass an Stelle des Brettes, das ehemals die Gebetzeiten angab, von 2 Mitgliedern der Gemeinde eine prächtige Tafel gespendet wurde, auf welcher jede Sman Hatfiloh (Gebetszeit) von einer besonderen Uhr angezeigt wird. Das Ganze, ein Kunstwerk ersten Ranges, ist ein Geschenk der Herren Glasermeister Offenstadt und Kaufmann Sulzberger. Ferner erblicken wir jetzt rings um den Allmemor Menauroß. Auch einer neuen geschmackvollen Uhr hat sich unsere Synagoge jetzt zu erfreuen. Schließen wir mit dem Wunsche, dass auch fernerhin die Gemeinde stets Zeichen ihrer Opferwilligkeit und ihres Gedeihens gebe. Deka."         

   
Beeidigung der jüdischen Soldaten in der Synagoge (1892)      

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 14. November 1892: '"Wiesbaden, 11. November (1892). In altgewohnter Weise fand heute in der Synagoge der altisraelitischen Kultusgemeinde in der Friedrichstraße die Beeidigung der neueingezogenen Mannschaften israelitischer Religion statt. Herr Rabbiner Dr. Kahn, dessen unermüdliche Anteilnahme an dem religiösen und körperlichen Wohl der hiesigen jüdischen Soldaten militärbehördlich schon wiederholte Anerkennung gefunden, ermahnte die Soldaten gegen das angestammte Herrscherhaus als den natürlichen Beschützer, die festeste Treue zu bewahren und durch Pflichtbewusststein, Aufrichtigkeit und Gehorsam einen erneuten Beleg davon zu geben, dass das unverfälschte Judentum auch die idealsten Pflichten des Menschtums lehrt, und dass nur der der gesetzestreueste Jude sein kann, der zu gleicher Zeit den höchsten Anforderungen der Menschenpflichten, Gehorsam, Aufrichtigkeit, Treue etc. nachkommt. Wenn diese Ausführungen des wackeren Seelsorgers in christlichen Kreisen ihrem vollen Inhalte nach bekannt wären, so dürfte wahrlich das System der Partei,  welche Rohheit und Vertierung Bürgerrechte verleihen will, der Antisemitismus, bei jedem denkenden Menschen die Verurteilung finden, die er bei dem Gros derselben mehr und mehr fand und findet. v.B." 

  
Die Synagoge wurde umfassend renoviert und neu eingeweiht (1897)      

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 19. August 1897:  "Wiesbaden, 17. September (1897). Die Synagoge der altisraelitischen Kultusgemeinde, Friedrichstraße 25, hat eine Renovation erfahren, die das Gotteshaus in einem glanzvollen, würdigen Schmuck erscheinen lässt. In erster Linie war man darauf bedacht, eine Vergrößerung derselben zu erzielen, da bei dem stetig wachsenden Besuch der Synagoge, namentlich in der Hochsaison auch durch die Kurfremden, die bisherigen Räumlichkeiten sich als zu eng erwiesen hatten. In geschickter Weise hat es unser Glaubensgenosse der bauleitende Architekt Herr Langroth verstanden, diesem Übelstande durch Verlegung und Erweiterung der Empore - Galerie, welche die Plätze für die Damen enthält, zweckmäßig abzuhelfen. Eine breite Treppe führt hinauf zu Empore, die außerdem eine Nottreppe hat und mit ihrer elegant ausgestatteten Galerie einen vornehmen Eindruck macht. Die Erneuerung des Anstriches, die geschmackvoll ausgeführten Dekorationsarbeiten, die Anlage einer Ventilation, Linoleumteppiche in den Gängen geben dem ganzen Gotteshause, das durch hochherzige Spender außer anderen Ausstattungs-Gegenständen auch ein neues silbernes ewiges Licht erhalten hat, ein freundliches Aussehen. Wie im Innern, so hat die Synagoge auch äußerlich ein neues schmuckes Kleid erhalten. Über dem Eingange sind die Gesetzestafeln mit den zehn Geboten angebracht, während das Ganze von dem jüdischen Symbol in Form einer Sonne, und ein andern Zwecken dienender, in gotischem Stil gehaltener kleiner Turmbau von einer Sonne bekrönt wird. Die neu renovierte Synagoge wurde vor einigen Tagen ihrer Bestimmung übergeben und fand aus diesem Anlasse ein Festgottesdienst statt, zu dem auch Andersgläubige Zutritt hatten und bei welchem Herr Rabbiner Dr. Kahn die Festpredigt hielt. Erwähnen wollen wir noch dass, die Renovierungsarbeiten unter der Aufsicht des Vorsitzenden der Baukommission Herrn Meyer Sulzberger ausgeführt wurden, dem für seine eifrige Mühewaltung aufrichtiger Dank gebührt."         

 
Trauerfeier in der Synagoge der Altisraelitischen Gemeinde zur Erinnerung an Baron W. C. von Rothschild (1901)  
Anmerkung: Wilhelm Carl von Rothschild verstarb am 25. Januar 1901 in Frankfurt am Main. Vgl. Wikipedia-Artikel "Wilhelm Carl von Rothschild"      

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 28, Februar 1901:  "Wiesbaden, 22. Schwat (=30. Januar 1902). Gestern Abend nach dem Minchagebet fand in der überfüllten Synagoge der altisraelitischen Gemeinde eine erhebende Trauerfeier zur Erinnerung an den unvergesslichen Herrn Baron W. C. von Rothschild seligen Andenkens statt.  
Nachdem Herr Kantor Blochem ein herzergreifendes Gebet zum Vortrag gebracht, bestieg Herr Rabbiner Dr. Kahn die Kanzel und hielt einen von Herzen kommenden und zu Herzen gehenden Hesped (Trauerrede). Nach der Einleitung, worin Redner an der Hand von Talmudstellen dem Scherz über den Verlust des Einzigartigen seiner Generation Ausdruck gab, verglich er den Toten mit der Menora, von der es heißt 'gediegen aus einem Stück aus reinem Gold' (2. Mose 25,36). 
Unendliches Licht ging aus vom Toten für Tora und Gottesdienst und geradezu Unzählbaren hat er das Licht des Trostes gespendet und sie neu belegt. Wer ist mehr im Leben beschäftigt, als Baron von Rothschild es war, und doch hatte er Zeit für Tora und das öffentliche Gebet... Wer hätte es mehr als er in seiner Hand gehabt, diese Welt zu genießen, und doch hat er nur für die kommende Welt leben wollen. Sein ganzes Leben war ein ununterbrochener Gottesdienst. Seine geistigen Kräfte, sein Denken, Fühlen und Wollen, alle seine Seelenvermögen bilden ein harmonisches Ganzes gediegenes Gold. Er war ein Mann von goldreinem Adel, ein Zadik aus einem Guss.  
Es würde zu weit führen, die fast einstündige Rede mit ihren zahlreich eingeflochtenen Talmud und Midraschstellen annähernd wiederzugeben. Mit dem El Male Rachamim Gebet schloss die für jeden Anwesenden unvergessliche Feier."         

 
Sijum-Feier in der Synagoge in der Friedrichstraße (1934)       

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. November 1934: "Wiesbaden, 1. November (1934). Am Sonntag, den 19. Cheschwan (28. Oktober 1934) fanden sich zum Maariw-Gebet in der Friedrichstraße die Mitglieder und Freunde der altisraelitischen Kultusgemeinde Wiesbaden ein, um das seltene Fest eines Sijums auf Traktat Aboda Sara mit Herrn Rabbiner Dr. Ansbacher und denjenigen Baalebatim (Familienvorstehern) der Gemeinde zu begehen, welche in zweijährigem Studium diesen Traktat durchgelernt hatten. Von der Kanzel herab verstand es Herr Rabbiner Dr. Ansbacher in meisterhafter Weise, den Hadran zu einem packenden Lehr- und Mahnwort an die Zuhörerschaft zu gestaltet. Nach der Synagogenfeier versammelten sich an die 100 Teilnehmer zu dem Sijum-Mahls, an dem Vertreter der Freien Vereinigung, Frankfurt am Main, der Religionsgesellschaft Mainz und einer Reihe jüdischer Landgemeinden aus dem Bezirk Wiesbaden teilnahmen. Der Geist und die Stimmung, welcher bei diesem Sijum herrschte, beweist deutlich die Lebenskraft und den Lebenswillen der Altisraelitischen Kultusgemeinde unter Leitung ihres Rabbiners und des rührigen Vorstandes. In dessen Namen begrüßten die Herrn Josef Altmann und Dr. Cahn die Festgäste und überbrachten auch die schriftlichen Grüße des Herrn Rabbiner Dr. Kahn, der bedauerte, am Feste nicht persönlich anwesend sein zu können. Herr Rabbiner Dr. Ansbacher schilderte in seiner Ansprache die Treue und echt jüdische Arbeit des des Vorstandes und schloss mit der Mitteilung, dass außer der Fortsetzung des bisherigen Schiurs, der bereits mit der ersten Mischna des Traktates Sabbat angefangen hat, noch ein weiterer Talmud-Schiur eingerichtet wird. Der Senior der Korona, Herr Ackermann, überbrachte die Grüße der Chewra Kadischa, Herr Dr. Ehrmann, Frankfurt am Main, diejenigen der Freien Vereinigung, er führte aus, welche Kraftwelle es für die deutsche Judenheit bedeutete, wenn überall der Torageist Wurzel fasst und dass Bekenntnis zu den Prinzipien der altisraelitischen Kultusgemeinde Wiesbaden Dauer und Festigung nach Kenntnis der Tora erfahre. Den Wunsch nach gemeinsamem Zusammenwirken mit der Nachbargemeinde Mainz überbrachte Herr Dr. Schlesinger namens der dortigen Religionsgesellschaft, Herr Lehrer Sulzbach, Bierstadt, fand treffliche Worte für die Vertreter der Provinzialgemeinden. Besonderen Dank sprachen alle Redner dem geistigen Leiter und Führer der Gemeinde, Herrn Rabbiner Dr. Ansbacher, aus. - Auch die Jugend und der Frohsinn kamen durch eine Reihe gutgelungener Tischlieder und humoristischen Darbietungen zu ihrem Rechte."       

   
 
Weitere Beträume   
 
Nach den Angaben bei Paul Arnsberg (s.Lit. S. 389) gab es neben den bereits genannten Synagogen (Hauptsynagoge, Betraum im jüdischen Gemeindehaus am Schulberg, orthodoxe Synagoge) zwei weitere Betsäle: 
- ein Betsaal gehörte dem Talmud-Tora-Verein: nach Arnsberg war er in der Blücherstraße 6 (Betsaal ca. 60 qm für Männer und zwei kleinere Räume mit je 15 qm für Frauen); hier wurde im konservativen Ritus gebetet. Unklar ist, wie sich diese Angabe zum Bericht einer Einweihung der Synagoge des Talmud-Tora-Vereins 1910 in der Nerostraße 16 verhält; 
- ein anderer Betsaal wurde von der ostjüdischen Gruppe "Ahawath Zion" in der Geisbergstraße betrieben.   
       
 
Im Kurzentrum besteht ein Betraum (Privatminjan) (1910)      

Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 13. Mai 1910: "Wiesbaden. Endlich ist es gelungen, ein ständiges Privatminjan im Kurzentrum zu errichten. Dasselbe berücksichtigt ganz besonders die religiösen Bedürfnisse der jüdischen Kurgäste aus dem Osten und soll auch Gelegenheit zur Torabelehrung bieten.   Spectator".      

 
Einweihung der Synagoge des Talmud-Tora-Vereins in der Nerostraße 16 (1910)          

Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 30. September 1910: "Wiesbaden. Am 20. dieses Monats, um 6 Uhr abends, fand die Einweihung der Synagoge des Talmud-Tora-Vereins (Nerostraße 16) statt. Ein zahlreiches Fremden Publikum füllte die freundlichen, hellen, gefällig ausgestatteten Räume. Nach dem Solo-Vortrag des Mah-Touwuh durch Felix Goldschmidt wurde das Minchagebet von J. F. Aktuarjus verrichtet. Den üblichen Psalmen, dem Königsgebete und dem Vortrag des Uvenuchau folgte sodann die Festrede, gehalten von Dr. Ratner. Von dem Wochenabschnitt Ki-sowau ausgehend, unterzog der Redner den Tempelbau Salomonis in Anlehnung an Traktat Sabbat 30a einer eingehenden Betrachtung und schloss mit einer beachtenswerten exegetischen Erklärung des Ausspruches 'Lepum Zaaroh agroh', sowie des Jechadschehu-Gebetes. Nachdem noch einige Psalmen rezitiert waren, trugen J. F. Aktuarjus und Felix Goldschmidt den Psalm 150 vor. Das Maariw-Gebet schloss die erhebende allseitig befriedigende Feier.  
Möge die neu eingeweihte Vereinssynagoge, die auch gleichzeitig als Bet-Hamidrasch dient, wirken lehagdil Thauro ulhaatiro!  H."    

   
Gottesdienst zu den hohen Feiertagen in der Synagoge des Talmud-Tora-Vereins (1910)       

Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 11. November 1910: "Wiesbaden. Wenn  es noch irgend eines Beweises für die Existenzberechtigung unseres Talmud Tora-Vereins bedurft hätte, so haben die verflossenen hohen Feiertage denselben erbracht. Unser Verein hat sozusagen die Feuerorobe glänzend bestanden. Die Vereinssynagoge war von Andächtigen überfüllt; die jüdische geistige Elite stellte dabei das Hauptkontingent. Ein zur Steuerung der Überfüllung veranstaltetes sephardisches Separatminjan im Nachbarhause war ebenfalls überfüllt. Unter den Besuchern herrschte einstimmig helle Begeisterung für die Bestrebungen des Vereins, was sie auch praktisch zu beweisen bestrebt waren.  
Zur Verschönung des Gottesdienstes trug auch nicht wenig unser Vereinsredner, Dr. med. Ratner bei. In der ihm eigenen faszinierenden Art, durchtränkt von großem jüdischen Wissen, behandelte er in seinen Deraschas am Jomkippur die Erziehungsfrage im Anschluss an Traktat Rosch-Haschanah 32b und den Toraabschnitt, während er am Schemini-Azeres die soziale Fürsorge zum Gegenstand seiner Betrachtung machte. Am Vorabend der Haschanah-Rabbah waren die Synagogenbesucher einer Einladung des Vereins zum 'Lernen' in das Restaurant 'Deutsch' gefolgt. Auf stürmisches Verlangen gab unser Dr. Ratner extempore tiefsinnige exegetische Erklärungen zu fast allen Sidraus von Sefer Deworim.- - Am Simchas-Tauroh vereinigte wieder im Restaurant Deutsch ein gemütlicher Abend, gewürzt durch geistreiche, gelehrte und humoristische Ansprachen, viele der Synagogenbesucher und hiesige Kurgäste. Zum Schluss noch eine Tatsache, zum Beweise, dass unser Verein einem wirklichen dringenden Bedürfnisse entspricht. Sogar jetzt in der sogenannten Stillen Zeit sind alle seine Veränderungen von einem zahlreichen, intelligenten Publikum besucht. H.B." 

   
   
Zerstörungen der Synagogen in der NS-Zeit    

   
Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge am Michelsberg niedergebrannt und weitgehend zerstört. Dabei hatten zunächst SA-Männer der SA-Standarte 80 in den frühen Morgenstunden (nach den Berichten gegen 4.00 Uhr) des 10. November 1938 die Synagoge angezündet und dazu mit brennbarer Flüssigkeit getränkte Putzwolle verwendet. Zwischen 6.00 Uhr und 7.00 Uhr Uhr erschien ein weiterer SA-Trupp. Mit Äxten wurde alles zerschlagen, was noch nicht verbrannt war. Alles Brennbare im Innenraum wurde aufeinandergeschichtet, mit Benzin übergossen und angezündet. Beim Brand stürzte die Kuppel ein. Im Juni 1939 wurde die Brandruine beseitigt. 
  
Die orthodoxe Synagoge in der Friedrichstraße wurde geschändet und beschädigt, aber es wurde kein Feuer gelegt, da ein Brand die Nachbarhäuser in Gefahr gebracht hätte.  
 
Nach dem Novemberpogrom konnten die jüdischen Einwohner noch im Gebäude der jüdischen Schule in der Mainzer Straße Gottesdienst abhalten, ab 1939 in der notdürftig wieder hergerichteten Synagoge in der Friedrichstraße. Im Frühjahr 1939 konnte Rabbiner Dr. Bruno Finkelscherer eine letzte Konfirmation von Mädchen in der Synagoge durchführen, darunter Charlotte (Lotte) Guthmann (später verheiratete Opfermann).  
  
1942 (vom 27. August bis 1. September) war die Synagoge Friedrichstraße der Sammelpunkt für den letzten großen Abtransport der jüdischen Einwohner Wiesbadens. Tagelang haben über 400 Menschen dort ohne sanitäre Einrichtungen, ohne Möbel und ohne Verpflegung gehaust. Mehrere der Unglücklichen starben dort und auch schon vorher an Suizid  
  
 
Gedenken nach 1945   

Am Standort der Synagoge am Michelsberg (heute: Heinrich-Heine-Anlage) wurde Anfang der 1950er-Jahre eine Bronzetafel angebracht, die den früheren Synagogenbau im Relief darstellt. Sie trug die Inschrift: "Hauptsynagoge am Michelsberg. Entwurf Herzoglich Nassauischer Landesbaumeister Philipp Hoffmann. Eingeweiht am 13. August 1869. Zerstört am 9. November 1938. 'Liebe Deinen Nächsten'."  1987 kam im Bereich der Gedenkstätte für die Synagoge eine weitere Tafel dazu mit dem Text: "Synagoge. Die Gedenktafel wurde von den Bürgern der Stadt gestiftet. Gestaltung Professor Werner Schneider, Fachhochschule Wiesbaden. Idee und Planung Stadtrat Dr. Wolfgang Liese. Gefertigt von der Glocken- und Kunstgießerei Rincker in Sinn. 1987 Kur- und Verkehrsverein Wiesbaden." Eine Säule mit der Inschrift "Der Welt Gewissen ist die Liebe" und eine weitere Gedenktafel mit der Inschrift: "Zum Gedenken an die Synagoge, die hier bis zum 9.11.1938 stand".  
    
Nach dem Abriss einer Hochbrücke im Jahr 2001 wurde in der Stadt über die Nutzung des Grundstückes der früheren Synagoge diskutiert. 2006 wurde ein städtebaulicher Ideenwettbewerb zur Neugestaltung des Bereiches mit Gestaltung einer Gedenkstätte ausgeschrieben. Auf Grund des Ergebnisses dieses Wettbewerbes (der erste Preis ging an die Arbeitsgemeinschaft "barbara willecke planung - freiraum mit Reinhard Angelis und Valeria Sass) wurde 2010/11 die "Gedenkstätte am Michelsberg" geschaffen. Die Grundsteinlegung war am 21. Mai 2010, die Einweihung am 27. Januar 2011. Mit der Gedenkstätte wird sowohl an die auf diesem Grundstück stehende Synagoge erinnert wie auch - über ein "Namensband" - an über 1.500 bisher bekannten jüdischen Umgekommen der NS-Zeit aus Wiesbaden. Jeder Name steht auf einer eigenen Natursteinplatte; weitere Namen können ergänzt werden. 
  
Link:  Informationsseiten auf der Website der Stadt Wiesbaden zur Gedenkstätte  
  
 
Neuanfang in der früheren orthodoxen Synagoge - Neubau in den 1960er-Jahren  

Nach 1945 wurde die (frühere orthodoxe) Synagoge an der Friedrichstraße durch die im Dezember 1946 wieder begründete jüdische Gemeinde als neues Gemeindezentrum aufgebaut. Sie befand sich durch die teilweise Zerstörung 1938 jedoch in baulich schlechtem Zustand. Immerhin konnte nach einer bescheidenen Restaurierung im Dezember 1946 ein erster jüdischer Gottesdienst abgehalten werden. Der Aufbau der ersten Nachkriegsgemeinde geschah unter Mithilfe von jüdischen US-Soldaten und dem Militärrabbiner William Dalin sowie von Schoa-Überlebenden. Treibende Kraft der Neugründung war Claire Guthmann, die Witwe des Rechtsanwalts Berthold Guthmann, der in Auschwitz ermordet worden war. Claire Guthmann hatte zusammen mit ihrer Tochter Charlotte als Einzige der Familie das Ghetto Theresienstadt überlebt und wurde erste Sprecherin der Gemeinde.   
  
In den 1960er-Jahren entschied sich die Gemeinde für einen Neubau einer Synagoge an derselben Stelle. 1965 wurde nach Entwürfen des Frankfurter Architekten Ignaz Jacoby mit dem Neubau begonnen. Am 11. September 1966 wurde die neue Synagoge eingeweiht. Anwesend bei der Einweihung waren der damalige hessische Landesrabbiner Isaak Emil Lichtigfeld, Ministerpräsident Georg August Zinn und Wiesbadens Oberbürgermeister Georg Buch. 
  
Die Synagoge wurde durch den Wiesbadener Bildhauer sowie Glas- und Farbgestalter Egon Altdorf (1922-2008) künstlerisch gestaltet.  

Über die Farbglasfenster schreibt Marianne Kreikenbom in einem Presseartikel ("Wiesbadener Tagblatt" vom 5. Januar 2013, Artikel "Serie 'Gebete in Glas'. Die Fenster der Wiesbadener Synagoge in der Friedrichstraße"): "Altdorfs eindrucksvolle Farbglasfenster für die Synagoge gelten als sein zentrales Werk. Ein kräftiges und in vielen Nuancen aufscheinendes Blau beherrscht als Grundton die bis über die Frauenempore aufsteigende „Wand des Bundes“ rechts vom Eingang wie auch die gegenüberliegende „Wand der Lobpreisung“. Rot, Gelb oder Grün gesellen sich sehr lebendig hinzu. Schin, der hebräische Anfangsbuchstabe des Gottesnamen und das Schild Davids erscheinen hier.
In sein Blau setzt Altdorf hebräische Zeichen aus weißem Opalglas und dazu die Symbole für die zwölf Stämme Israels. Zwölf Brüder - die Söhne Jakobs - sind die Ahnherren der zwölf Stämme Israels. Zusammen bilden die Stämme nach dem Tanach, der hebräischen Bibel, das von Jahwe erwählte Volk Israel, die Israeliten. Für Ruben, Jakobs Erstgeborenen steht das übersprudelnde Wasser, für Simon das Schwert, für Juda ein junger Löwe, für Joseph „ein blühend Reis am Quell“, für Dan die Schlange und für Benjamin der Wolf.
Die Tiere und Gegenstände seien den jeweiligen Stämmen zugeordnet, erklärt Jacob Gutmark, Vorstandsmitglied und Sprecher der Jüdischen Gemeinde Wiesbaden. Es handle sich nicht um Bilder, sondern um die Wiedergabe biblischer Ereignisse. Gott sei nicht darstellbar. „Das Judentum ist eine Religion des Buches“, sagt Gutmark. Soll heißen: des biblischen Wortes. Und so findet sich oberhalb der Wände auch ein Streifen aus blauem Glas, auf dem in opalweißen hebräischen Schriftzeichen das Gebet „Höre, Israel!“ geschrieben steht.
Zu den späteren Glasarbeiten Altdorfs für die Synagoge gehören die beiden Fenster oberhalb der Empore. Stark stilisiert zeigen sie den brennenden Dornbusch (Gott erscheint Mose) in flammendem Rot, kräftigem Grün und strahlendem Gelb sowie in Weiß und Bernsteingelb die Wolkensäule, in der Gott seinem Volk durch die Wüste vorangeht. Alle Fenster entstanden in Zusammenarbeit mit der Glaswerkstatt Derix."


Im Innenhof befindet sich eine aus der Synagoge am Michelsberg stammende Säule, die die Inschrift trägt: "Einziges Überbleibsel eines durch Nazibarbarei zerstörten herrlichen Gotteshauses. 10. Nov. 1938". Der Hauptraum der Synagoge verfügte nach der Einweihung über 112 Männerplätze, auf der Empore sind 62 Plätze für Frauen. Im Untergeschoss wurde ein Festsaal eingerichtet; im Nebenbau sind die Verwaltungs-, Schul- und Bibliotheksräume u.a.m.  
  
2006
konnte der 40. Jahrestag des Synagogenneubaus und zugleich das 60. Jubiläum der Wiedergründung der Jüdischen Gemeinde nach der Schoa gefeiert werden. Zehn Jahre später wurde im September 2016 gleichfalls doppeltes Jubiläum gefeiert: 50 Jahre Synagogenneubau und 70 Jahre Neugründung der Gemeinde,  
     
Vgl. Artikel im "Wiesbadener Tagblatt" vom 26. September 2013: Tag der offenen Tür bei der Jüdischen Gemeinde Wiesbaden (Wiesbadener Tagblatt, 26.09.2013) 
Vgl. Artikel in der "Jüdischen Allgemeinen" vom 8. September 2016: "Wiesbaden. Doppeltes Jubiläum. Jüdische Gemeinde feiert 50 Jahre Synagogenneubau und 70 Jahre Neugründung..."   
  

Adresse/Standort der Synagogen:   
   
Synagoge vor 1742: vermutlich in der heutigen Wagemannstraße   
Synagoge 1742 bis 1826: Spiegelgasse 9  
Synagoge 1826 bis 1869: Schwalbacher Straße 43  
(Liberale) Synagoge 1869 bis 1938: Michelsberg 17  
Synagoge der Altisraelitischen Kultusgemeinde 188? bis 1938 / 1942 und Synagogen nach 1945 (1946 / 1966): Friedrichstraße 33   

     
     
     
Fotos    

Historische Ansichtskarte  
der Synagoge am Michelsberg 
(aus der Sammlung von 
Peter Karl Müller, Kirchheim/Ries) 
Wiesbaden Synagoge 134.jpg (71573 Byte)   Wiesbaden Synagoge HK 010b.jpg (151502 Byte)
   Die Karte wurde am 19. August 1906 von Wiesbaden nach Scheveningen - Holland verschickt 
an einen jungen Herrn namens Stimm. Der Absender war ebenfalls gleichen Nachnamens.
Die Karte trägt den Scheveninger Ankunftsstempel vom nächsten Tag, dem 20. August 1906. 
Hinweis: die Karte ist auch eingestellt in hoher Auflösung (2,2 MB)
     
Historische Ansichtskarten 
mit der Synagoge am Michelsberg 
(aus der Sammlung von Michael Sauber) 
Wiesbaden Synagoge 14020.jpg (399792 Byte) Wiesbaden Synagoge 14021.jpg (196256 Byte)
  Die Karte ist aus der Zeit vor 1900, als in
 Wiesbaden noch Pferdebahnstrecken 
betrieben wurden 
Die Karte des Polizei-Gefängnisses 
am Michelsberg ("Stümbert") zeigt 
im Hintergrund die Synagoge 
     
 Luftaufnahme von Wiesbaden 
mit der Synagoge 
(aus der Sammlung von Michael Sauber)  
 Wiesbaden Synagoge 14023.jpg (127549 Byte)  
  Es handelt sich um eine frühe Zeppelinaufnahme
 der Synagoge und Peripherie  
 
     
         
Weitere historische Ansichtskarten / Fotos der Synagoge am Michelsberg 
(Sammlung: Alemannia Judaica - es liegen meist nur Scans, keine Originale 
dieser Karten vor) 
  
Wiesbaden Synagoge 160.jpg (81490 Byte) Wiesbaden Synagoge 161.jpg (79036 Byte) Wiesbaden Synagoge 162.jpg (66228 Byte)
     
Wiesbaden Synagoge 163.jpg (74290 Byte) Wiesbaden Synagoge 164.jpg (110565 Byte) Wiesbaden Synagoge 165.jpg (56850 Byte)
     
Wiesbaden Synagoge 166.jpg (49087 Byte) Wiesbaden Synagoge 167.jpg (82639 Byte) Wiesbaden Synagoge H 033.jpg (78822 Byte)
     
 Wiesbaden Synagoge 168.jpg (81393 Byte) Wiesbaden Synagoge H 034.jpg (104833 Byte) Wiesbaden Synagoge H 031.jpg (153682 Byte)  
    Innenansicht   Das Gemeindehaus der Israelitischen
 Kultusgemeinde
am Schulberg 3 (mit Betraum
 - 40 Plätze, Bibliotheksräume u.a.m.)
 (Arnsberg Bilder S. 201)
 
 
      
 Die orthodoxe Synagoge in 
der Friedrichstraße 
(Arnsberg Bilder S. 201) 
Wiesbaden Synagoge H 032.jpg (87912 Byte)  Eine Innenansicht siehe bei 
 http://www.vor-dem-holocaust.de/ 
unter "Wiesbaden" 
   Außenansicht   
     
Die Zerstörung der Synagogen 
beim Novemberpogrom 1938 
und der Abbruch der 
Synagoge am Michelsberg 1939 
(Foto in der Mitte rechts - beim Abbruch -
 aus der Sammlung von Michael Sauber)  
Wiesbaden Synagoge H 035.jpg (89760 Byte) Wiesbaden Synagoge 14022.jpg (338346 Byte)  Wiesbaden Synagoge H 030.jpg (185385 Byte)
  Die brennende und 1939 abgebrochene
 Synagoge am Michelsberg 
 Inneres der Synagoge in der Friedrichstraße
 nach dem Novemberpogrom
     
Deportation 1942 
(Fotos: Pinkas HaKehillot s.Lit.) 
Wiesbaden Deportation 1942b.jpg (104186 Byte) Wiesbaden Deportation 1942a.jpg (85868 Byte)
 Die Synagoge Friedrichstraße war vom 27. August bis 1. September 1942 Sammelpunkt für den letzten großen Abtransport 
jüdischer Einwohner aus Wiesbaden. Über 400 Menschen waren hier ohne sanitäre Einrichtungen, ohne Möbel und Verpflegungen eingesperrt. Es kam zu 43 Suiziden. 
Nach dem Aufenthalt in der Friedrichstraße wurden die Personen am 1. September 1942 zum Bahnhof verbracht.  
     
 Wiesbaden Michelsberg G030.jpg (197396 Byte) Wiesbaden Michelsberg G029.jpg (281375 Byte) Wiesbaden Michelsberg G028.jpg (290004 Byte)
 Straße oberhalb des Synagogen-
 grundstückes: "An der alten Synagoge" 
 Die alte Gedenkstätte am Michelsberg aus den 1950er-Jahren   
  
     
     
Die Ende Januar 2011 eingeweihte
 Gedenkstätte am Michelsber
g
Wiesbaden Michelsberg G024.jpg (104087 Byte) Wiesbaden Michelsberg G022.jpg (173655 Byte)
   In der Innenstadt zeigen zahlreiche 
Schilder den Weg zur Gedenkstätte 
Informationstafel an 
der Gedenkstätte 
     
Wiesbaden Michelsberg G020.jpg (201549 Byte) Wiesbaden Michelsberg G021.jpg (185263 Byte) Wiesbaden Michelsberg G023.jpg (204964 Byte)
 Auf den Außenlinien des Sockels der Synagoge markieren sieben Meter hohe Wände auf einer Gesamtlänge von 62 Meters 
den "Leerraum" sowie den Standort der zerstörten Synagoge.  
     
Wiesbaden Michelsberg G025.jpg (151999 Byte) Wiesbaden Michelsberg G026.jpg (233186 Byte) Wiesbaden Michelsberg G027.jpg (118621 Byte)
 Die über das frühere Grundstück der
 Synagoge führende Straße; auf der 
Fahrbahn wurde die Grundfläche der
 Synagoge nachgebildet. 
 In Augenhöhe sind die Namen über 1500
 Umgekommenen der NS-Zeit zu lesen 
 Integriertes Foto 
des Synagogeninneren 
   
     
Die 1946 wieder eingeweihte ehemalige orthodoxe Synagoge 
(Fotos: Arnstein Fotos S. 204-205) 
 Wiesbaden Synagoge H 040.jpg (113249 Byte) Wiesbaden Synagoge H 041.jpg (184208 Byte)   Wiesbaden 1946 Synagoge.jpg (77369 Byte) Wiesbaden Synagoge H 039.jpg (95580 Byte) Wiesbaden Synagoge H 042.jpg (93149 Byte)
 Bericht über die Einweihung der neuen
 Synagoge in der "Jüdischen Rundschau"
 (März 1947 Marburg)
Ansprache von Rabbi Bernstein während 
der Einweihungszeremonie  
 General I.H. Edwards
 begrüßt die Gäste zur
 Einweihung (Foto links Stadtarchiv WI) 
Vor der Gedenktafel
 für die jüdischen
 Opfer der NS-Zeit
  
     
 Die 1965/66 erbaute neue Synagoge     
Wiesbaden Synagoge H 036.jpg (92492 Byte) Wiesbaden Synagoge H 037.jpg (141311 Byte) Wiesbaden Synagoge H 038.jpg (135489 Byte)
  Neue Synagoge in den 1960er-Jahren Inneres der neuen Synagoge in den 1960er-Jahren  
     
Zugang zur jetzigen Synagoge 
von der Friedrichstraße  
Wiesbaden Synagoge n120.jpg (113506 Byte)  
     
     
 Im Zentrum von Aktivitäten zur
 Erinnerungsarbeit in der Stadt: 
Das Aktive Museum Spiegelgasse
Wiesbaden AM Spiegelgasse 020.jpg (149263 Byte) Wiesbaden AM Spiegelgasse 021.jpg (122953 Byte)
   Der Gebäudekomplex Spiegelgasse 9-11 beherbergte im 18. und im frühen 19. Jahrhundert 
ein jüdisches Badehaus, die Rabbinerwohnung, einen Betraum und ein rituelles Bad. 
     
Erinnerungs- und Denkmale in der Stadt 
(Fotos: D. Bluthardt, Aufnahmen vom 21.6.2016) 
Wiesbaden Stolpersteine 1601.jpg (117004 Byte) Wiesbaden Stolpersteine Grosshut.jpg (123954 Byte) Wiesbaden Tafel Grosshut.jpg (94449 Byte)
  In Wiesbaden wurden in den vergangenen Jahren zahlreiche Erinnerungs- und Denkmale angebracht, mit denen an jüdische Personen der Stadt erinnert wird, die Opfer der NS-Verfolgung wurden, darunter Hinweistafeln und "Stolpersteine". Oben beispielhaft die "Stolpersteine" für Ludwig Mantel genannt Grosshut und seine Frau Rosa Grosshut, ihre Töchter Irma und Hedwig sowie den Enkel Heinz vor dem Haus Wagemannstraße 27. Am Haus befindet sich auch eine Erinnerungstafel für Dr. Sally Grosshut, Jurist und Schriftsteller (geb. 1906, emigriert 1933 nach Palästina, gest. 1969 in den USA). Die Fotos entstanden beim Besuch einer Gruppe junger Israelis in Wiesbaden im Juni 2016.  
     

 
 
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte          

Dezember 2011: Architekturpreis für das Mahnmal am Michelsberg 
Artikel von Gaby Buschlinger in der "Frankfurter Rundschau" vom 9. Dezember 2011: "Gedenken trifft auf Alltag. Mahnmal am Michelsberg mit Architekturpreis ausgezeichnet..."  
Link zum Artikel
.     
 
Januar 2012: Aus der Arbeit des "Aktiven Museums"    
Artikel von Christina Franzisket in der "Frankfurter Rundschau" vom 30. Januar 2012: "Lebenslinien - Der letzte schöne Tag. 
Das Aktive Museum stellt die Lebensgeschichten von Wiesbadener Jüdinnen aus und dokumentiert ihre Verfolgung durch die Nazis..."  
Link zum Artikel     
 
Oktober 2016: Weitere Stolpersteine-Verlegung in Wiesbaden 
Anmerkung: es wurden am 6. Oktober - wiederum auf Initiative des Aktiven Museums Spiegelgasse - Stolpersteine verlegt: in der Stiftstraße 16 für Jeanette Rosenzweig, ihre Tochter Augusta und die Enkeltochter Hilde; in der Hallgarter Straße 9 für das Kaufmannsehepaar Ferdinand und Ida Feibel; in der Bahnhofstraße 1 für Oscar Braun, Inhaber der "Rheinischen Wollwarenfabrik"; in der Luisenstraße für Ottilie Herz; in Dotzheim in der Josef-Siegfried-Gasse 3 für Arthur Stein (für seine Eltern Gustav und Mina wurden bereits Stolpersteine verlegt); in der Mainzer Straße 60 für den Lebensmittelhändler Isidor Haas.  
Mit Stand Juni 2016 liegen in Wiesbaden in der Innenstadt und den Vororten vor 288 Häusern 640 Stolpersteine.     
Weitere Informationen zu den Wiesbadener Stolpersteinen siehe in der Website des Aktiven Museums Spiegelgasse: 
http://www.am-spiegelgasse.de/willkommen-in-der-spiegelgasse/geschichte-und-erinnerung/stolpersteine/
      
Artikel im "Wiesbadener Kurier" vom 8. Oktober 2010: 
Gegen das Vergessen: Stolpersteine an weiteren sechs Orten in Wiesbaden verlegt (Wiesbadener Kurier, 08.10.2016)   

        

   
Links und Literatur    

Links:       

Website der Stadt Wiesbaden  
Die Website der Jüdischen Gemeinde Wiesbaden ist im Aufbau      
Website des Aktiven Museum Spiegelgasse (AMS)       
Website der Paul-Lazarus-Stiftung    
Wikipedia-Artikel Alte Synagoge Wiesbaden     
Virtuelle Rekonstruktion der Synagoge am Michelsberg  
Webportal HS 010.jpg (66495 Byte)Webportal "Vor dem Holocaust" - Fotos zum jüdischen Alltagsleben in Hessen mit Fotos zur jüdischen Geschichte in Wiesbaden 

Quellen

Jüdische Wochenzeitung Wiesbaden / Nassau:  
Jahrgänge 1927 - 1929
: Download möglich über Link (zip-Datei zum Extrahieren aus Dropbox-Ordner)  
Jahrgänge 1930 - 1931: Download möglich über Link (dass.)  
Jahrgänge 1932 - 1933: Download möglich über Link (dass.)  

    

Hinweis auf online einsehbare Familienregister der jüdischen Gemeinde Wiesbaden  
In der Website des Hessischen Hauptstaatsarchivs (innerhalb Arcinsys Hessen) sind die erhaltenen Familienregister aus hessischen jüdischen Gemeinden einsehbar: 
Link zur Übersicht (nach Ortsalphabet) https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/llist?nodeid=g186590&page=1&reload=true&sorting=41              
Zu Wiesbaden sind vorhanden (auf der jeweiligen Unterseite zur Einsichtnahme weiter über "Digitalisate anzeigen"):    
HHStAW 365,915  Geburts-, Trau- und Sterberegister der Juden von Wiesbaden  1832 - 1876 (Abschrift vom September 1943): enthält jüdisches Geburtsregister 1833 - 1874, jüdisches Trauregister 1832 - 1874 und jüdisches Sterberegister  1834 - 1876; enthält auch Angaben zu Personen aus Wiesbaden-Sonnenberg     https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v1900022       
HHStAW 365,949  Gräberliste des Friedhofs "Schöne Aussicht" zu Wiesbaden (in alphabetischer Reihenfolge)  https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v5496452     
HHStAW 365,916  Gräberverzeichnis des jüdischen Friedhofs Platterstraße in Wiesbaden 1891 - 1943: enthält ein Verzeichnis der verstorbenen Juden mit Angaben zu Personenstandsdaten und zur Grablage, dazu auch eine Begräbnis- und Friedhofsordnung für die israelitische Kultusgemeinde Wiesbaden mit Situationsplan des Friedhofs Platterstraße (Druck) von 1891; dazu auch ein Merkblatt für die Hinterbliebenen vom Krematorium Berlin-Wilmersdorf (Druck) 
https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v4971266       
HHStAW 365,917  Heiratsurkunden von Juden aus den Ortschaften der Stadt- und Bezirksrabbinate Wiesbaden und Mainz  1908 - 1917: Heiratsurkunden und Traubescheinigungen, überwiegend auf Hebräisch, zum Teil auf Deutsch 
https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v1245121     
HHStAW 365,918  Heiratsurkunden von Juden aus den Ortschaften der Stadt- und Bezirksrabbinate Wiesbaden und Mainz  1928 - 1930: Heiratsurkunden und Traubescheinigungen, überwiegend auf Hebräisch, zum Teil auf Deutsch 
https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v3732275    
HHStAW 365,943  Deportationsliste Wiesbadener Juden  1940 - 1942  https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v281127      

Literatur:  

Abraham Kober / B. Straus: Festschrift zur Fünfzigjahrfeier des Synagogenvereins zu Wiesbaden. Wiesbaden 1913. 
P. Lazarus: Die jüdische Gemeinde Wiesbaden 1918-1942. New York 1949. 
Weg und Schicksal, aus der Geschichte der Wiesbadener Juden. Hrsg. Magistrat der Landeshauptstadt Wiesbaden. Wiesbaden 1966.   
Germania Judaica II,2 S. 904-905; III,2 S. 1642 (jeweils Artikel Wiesbaden) 
Paul Arnsberg: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang - Untergang - Neubeginn. 1971. Bd. II S. 384-402.    
ders.: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Bilder - Dokumente. S. 201-205.     
Juden in Wiesbaden. Hrsg.: Hessisches Hauptstaatsarchiv. Wiesbaden 1988. 
Studienkreis Deutscher Widerstand (Hg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933-1945. Hessen I Regierungsbezirk Darmstadt. 1995 S. 338-362. 
Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany Volume III: Hesse -  Hesse-Nassau - Frankfurt. Hg. von Yad Vashem 1992 (hebräisch) S. 467-474. 
Rolf Faber: Die vier Vorgängerbauten der Wiesbadener Synagoge am Michelsberg. In: Nassauische Annalen 117 2006 S. 341-360.  
Wolfgang Fritzsche: Das ehemalige jüdische Badehaus "Zum Rebhuhn" in Wiesbaden. Zur Frage einer Gemeindemikwe. In: Denkmalpflege und Kulturgeschichte in Hessen 2. 2001. S. 7-12. 
Begegnungen I:  ...den Verlust bewusst machen. Über das Leben der Jüdischen Gemeinde in Wiesbaden und vom Bau der Synagoge auf dem Michelsberg. Hrsg.: Förderkreis Aktives Museum Deutsch-Jüdischer Geschichte in Wiesbaden. 1988. 
Begegnungen II:  Osteuropäisches Judentum in Wiesbaden. Hrsg.: Förderkreis Aktives Museum Deutsch-Jüdischer Geschichte in Wiesbaden. 1991. 
Begegnungen III:  Stationen. Lotte Guthmann, Wiesbaden  -  Lotte Sarah Guthmann, XII/5-11- Theresienstadt  -  Charlotte Opfermann, USA. Hrsg.: Förderkreis Aktives Museum Deutsch-Jüdischer Geschichte in Wiesbaden. 1993. 
Begegnungen IV:  Willy Rink: Das Judenhaus. Erinnerungen an Juden und Nichtjuden unter einem Dach. 1933-1945. Hrsg.: Aktives Museum Spiegelgasse für Deutsch-Jüdische Geschichte in Wiesbaden e.V. 2008. 
Spurensuche I:  NS-Vergangenheit in Wiesbaden. Hrsg.: Studienseminar für berufliche Schulen in Wiesbaden und Förderkreis Aktives Museum... 1998. 
Spurensuche II:  Rundgänge in Wiesbaden. Hrsg.: Aktives Museum Spiegelgasse... 2003. 
Spurensuche III: Lohar Bembenek: Das Leben der jüdischen Minderheit in Wiesbaden-Biebrich bis zum Ersten Weltkriege. 2010.
"memo 38" DVD. Virtuelle Rekonstruktion der zerstörten Wiesbadener Synagoge. Hrsg.: Fachhochschule Wiesbaden. FB Design Informatik Medien. Studiengang Innenarchitektur. 1999. 
Rolf Faber, Karin Rönsch: Wiesbadens jüdische Juristen. Leben und Schicksal von 65 jüdischen Rechtsanwälten, Notaren, Richtern, Referendaren, Beamten und Angestellten. Stadtarchiv Wiesbaden 2011. 
Stolpersteine in Wiesbaden 2011-2013. Dritter Band der Reihe "Stolpersteine in Wiesbaden...". Wiesbaden 2013.  
Ein erster Band (Stolpersteine in Wiesbaden: 2005-2008; "Hier wohnte..."; ein Kunstprojekt von Gunter Demnig; hrsg. vom der Rathausfraktion Bündnis 90, Die Grünen und dem Aktiven Museum Spiegelgasse. Red.: Elisabeth und Jürgen Lutz-Kopp... Texte: Giesela Kunze; 200 Seiten) erschien 2008, in dem die Stolpersteine dokumentiert wurden, die zwischen 2005 bis 2008 verlegt wurden (zu erhalten bei den Grünen im Rathaus Wiesbaden, Schlossplatz 6, 65183 Wiesbaden, Tel. 0611-305243).  
Ein zweiter Band ("Stolpersteine in Wiesbaden 2009-2010...; 234 S.) erschien 2011.   
Wolfgang Fritzsche: 300 Jahre jüdisches Kur- und Badewesens in Wiesbaden - 1635-1935. 4. Band der Schriftenreihe der Paul-Lazarus-Stiftung. 2014. www.paul-lazarus-stiftung.de: Publikationen
Dazu Presse-Artikel im "Wiesbadener Kurier" vom 25.2.2015.      
Vgl. zu weiteren und aktuellen Veröffentlichungen auch den Online-Shop des Aktiven Museums Wiesbaden  

     
      


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.   
   
Wiesbaden  Hesse-Nassau. A health resort dating from Roman times, Wiesbaden hat a Jewish community in 1573. Though subject to various restrictions (1638), it provided visitors with kosher facilities, maintained a district rabbinate from 1708, and opened a synagogue accomodating 200 worshippers in 1826. Avraham Geiger served as communal rabbi in 1832-38 and introduced changes in public worship; he also made Wiesbaden the venue for the first conference of Reform rabbis in Germany in 1837. Religious issues came to a head during the rabbinate of Samuel Suesskund (1844-84). At the imposing new Moorish synagogue, dedicated in 1869, services were accompanied by an organ and choir. Orthodox Jews, who already attended a separate minyan, established a breadaway community which was recognized in 1879 under the Prussian law of secession. Its rabbinate was headed by Leo Kahn and subsequently by Jonas Ansbacher. The Jews of Wiesbaden, numbering 152 in 1825, played a leading role in commerce and the professions, especially medicine. By 1905 their number hat increased to 2.656 (3 % of the total). The historian Adolf Kober served as Liberal district rabbi (1909-18) and Jews from Eastern Europe (Ostjuden) boosted the cummunity's final growth to 3.463 in 1925. A Juedisches Lehrhaus was established in 1921 to promote Jewish adult education in the Liberal community. A conference of the German Zionist Organization held in Wiesbaden in 1924 was attended by WZO President Chaim Weizmann. Branches of the Central Union (C.V.), Jewish War Veterans Association, Mizrachi, Agudat Israel, WIZO, and several Zionist youth movements were active during the Weimar Republic. Antisemitism made little headway before Worldwar I, but the deteriorating economic situation led to a rapid increase in anti-Jewish violence from 1930. Once Hitler came to power in 1933, Nazi boycott measures afflicted the community (then numbering 2.713). Jews were dismissed from public office, at least two were murdered, and the 'Aryanization' of their stores (ober 250) began. Doctors were among the first to leave, 33 out of 54 emigratiing by 1938. The community's welfare workers fed and aided the distressed while the rabbi opened a district school in 1936 and  valiantly sought to sustain Jewish morale. On Kristallnacht (9-10 November 1938), SS troops burned the Liberal synagogue to the ground and partly destroyed the Orthodox synagogue; 23 Jews died in the riots, after which gundreds were imprisoned in the Buchenwald concentration camp. The number of Jews declined to 1.125 by 1939; 500 were deportted to the east in march-June 1942 and 600 to the Theresienstadt ghetto in September 1942. Nearly 40 Jews committed suicide before the last transport and many of the 600 converts or part-Jews (Mischlinge) died in Nazi camps. The postwar community of Holocaust survivors, mainly from Eastern Europe, dedicated a new synagogue in 1966 and grew to about 400 in 1990.    
            
             

                   
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Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 14. Januar 2017