Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


Eingangsseite

Aktuelle Informationen

Jahrestagungen von Alemannia Judaica

Die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft

Jüdische Friedhöfe 

(Frühere und bestehende) Synagogen

Übersicht: Jüdische Kulturdenkmale in der Region

Bestehende jüdische Gemeinden in der Region

Jüdische Museen

FORSCHUNGS-
PROJEKTE

Literatur und Presseartikel

Adressliste

Digitale Postkarten

Links

 


zurück zur Übersicht "Synagogen in der Region"  
zurück zur Übersicht "Synagogen in Hessen"  
zu den "Synagogen im Wetteraukreis"    
 
    

Nieder-Wöllstadt (Gemeinde Wöllstadt, Wetteraukreis)
Jüdische Geschichte / Synagoge

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer   
Aus dem jüdischen Gemeindeleben   
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen
Links und Literatur   

   

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)

In Nieder-Wöllstadt bestand eine jüdische Gemeinde bis 1938. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 18. Jahrhunderts zurück. Bereits im 17. Jahrhundert gab es zwei jüdische Familien am Ort. Bis ca. 1724 bildeten die in Nieder-Wöllstadt lebenden jüdischen Familien mit denen in Assenheim eine gemeinsame jüdische Gemeinde. 1783 gab es sieben jüdische Familien in Nieder-Wöllstadt.  
    
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1828 42 jüdische Einwohner, 1861 71 (7,6 % von insgesamt 936 Einwohnern), 1880 53 (5,1 % von 1.035), 1900 38 (3,1 % von 1.205), 1910 36 (2,7 % von 1.340). Die jüdischen Familienvorstände waren als Metzger, Viehhändler, Getreide- und Textilhändler tätig.     
   
An Einrichtungen bestanden eine Synagoge (s.u.), eine jüdische Schule, ein rituelles Bad und ein Friedhof. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war zeitweise ein jüdischer Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war (vgl. unten Ausschreibung der Stelle von 1890). Um 1885 wird Lehrer A. Harris genannt (drei seiner 1882, 1884 und 1888 in Nieder-Wöllstadt geborenen Kinder sind nach den Deportationen in der NS-Zeit umgekommen). Später wurde der Unterricht durch einen auswärtigen Lehrer erteilt (vor allem aus Groß-Karben). Die Gemeinde gehörte zum liberalen Provinzialrabbinat Oberhessen mit Sitz in Gießen.   
   
Im Ersten Weltkrieg fiel aus der jüdischen Gemeinde der Gefreite Hermann Stern (geb. 30.11.1869 in Nieder-Wöllstadt, gef. 17.7.1915).       
   
Um 1924, als 43 jüdische Einwohner am Ort gezählt wurden (2,7 % von 1.557 Einwohnern), waren die Gemeindevorsteher Salli Löwenthal, J. Frank und J. Bamberger. 1932 war Gemeindevorsteher Moritz Strauss.    
  
1933 lebten noch 29 jüdische Personen in Nieder-Wöllstadt (in acht Familien; 1,9 % von insgesamt 1.561 Einwohnern). In den folgenden Jahren ist ein Teil der jüdischen Gemeindeglieder auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts, der zunehmenden Entrechtung und der Repressalien weggezogen (viele nach Frankfurt) beziehungsweise ausgewandert (drei nach Argentinien bzw. Brasilien). Zwei Personen sind noch am Ort verstorben. Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge zerstört (s.u.), der jüdische Friedhof geschändet und weitgehend zerstört. Vier der letzten jüdischen Einwohner wurden im September 1942 vom Ort deportiert.  
    
Von den in Nieder-Wöllstadt geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Minna Bamberger geb. Strauss (1886), Hilde Frank (1921), Jakob Frank (1889), Salie Harris (1882), Betty Löb geb. Strauss (1912), Ferdinand Löwenthal (1902), Ruth Löwensthal (1932), Pauline Sänger (1895), Selma Schöps geb. Harris (1888), Paula Stein geb. Harris (1884), Auguste Stern (1868), Edith Strauss (1928), Gerda Strauss geb. Strauss (1902), Margot Strauss (1918), Selma Strauss (1885), Theodor Strauss (1896).        
    
   
   

Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
 
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer  
Ausschreibung der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet 1890  

Niederwoellstadt Israelit 28051890.jpg (41343 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 28. Mai 1890: "Die israelitische Gemeinde Nieder-Wöllstadt sucht per sofort einen jungen Mann, der als Lehrer, Vorbeter und Schächter zu fungieren hat. Gehalt 700 Mark. Bewerber wollen sich gefälligst an den unterzeichneten Vorsteher wenden. 
Nieder-Wöllstadt, 20. Mai 1890. P. David."  

   
Lehrer A. Harris publiziert ein Rätsel (1885)  

Niederwoellstadt Israelit 05021885.jpg (75113 Byte)Aus der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. Februar 1885: "Rätsel
Ein Haus voll Kraft und wunderbar, Das hat ein einzig Türenpaar, 
Das nur ein kleiner Haken hält. Und ob dies Haus vom Sturm umweht. 
Es sorgt schon Gottes Majestät, Dass nimmer Tür und Haken fällt.   
A. Harris, Lehrer in Nieder-Wöllstadt.  
Auflösung erfolgt in Nr. 12. Die Namen der richtig Lösenden werden, wenn uns solche bis längstens Dienstag Vormittag den 10. Februar zugegangen, in der folgenden Nummer veröffentlicht." 
Anmerkung: "Die Auflösung in Nr. 12 ergab das "Haus David". 

  
  
Berichte aus dem jüdischen Gemeindeleben 
Bürgermeister Weith wendet sich gegen antisemitische Hetzereien (1890)  

Niederwoellstadt Israelit 18091890.jpg (95688 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 18. September 1890: "Nieder-Wöllstadt, 22. August (1890). Der Versuch, auch in unserer Gemeinde antisemitische Hetzereien zu inszenieren, ist an der kräftigen Initiative unseres Bürgermeisters Herrn Weith und an der Einmütigkeit, mit welcher die ganze Gemeinde, mit verschwindenden Ausnahmen dagegen Front machte, gescheitert. Die Kommission nämlich, welcher der Auftrag geworden, die Gründung einer freiwilligen Feuerwehr am hiesigen Platze vorzubereiten, hatte mit 4 gegen 3 Stimmen beschlossen, dass in den Statutenentwurf ein Paragraph aufgenommen werden solle, demzufolge Juden von der Mitgliedschaft ausgeschlossen seien. Die Kommission strich in Folge des laut gewordenen allgemeinen Unwillens nachträglich den Passus, und in der allgemeinen Versammlung, welche über die Statuten zu befinden hatte, nahm der Bürgermeister, Herr Weith, Veranlassung, zuerst einen Israeliten zur Anmeldeunterschrift aufzufordern; er wollte speziell damit seinen Standpunkt in der Frage präzisieren."   

   
   

    
Zur Geschichte der Synagoge

Bereits seit 1729 war eine Synagoge vorhanden. Zeitweise wurde die Synagoge in Nieder-Wöllstadt auch von den in Bruchenbrücken lebenden jüdischen Personen besucht.     
      
Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge durch einheimische Nationalsozialisten verwüstet, geplündert und anschließend zerstört. Die Mauern des Gebäudes wurden mit einem Traktor geschleift.  
  
Seit 1981 befindet sich eine kleine Hinweistafel am ehemaligen Standort der Synagoge.  
  
  
Adresse/Standort der Synagoge    Bahnhofstraße 3  (1932: Eisenbahnstraße)  

Fotos
(Quelle: Arnsberg Bilder S. 156)  

Die Synagoge in Nieder-Wöllstadt Nieder Woellstadt Synagoge 121.jpg (74158 Byte) Nieder Woellstadt Synagoge 120.jpg (70066 Byte)
   Die Aufnahme wurde um 1900 erstellt
      

    
    
Links und Literatur

Links:

Website der Gemeinde Wöllstadt   

Literatur:  

Paul Arnsberg: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang - Untergang - Neubeginn. 1971. Bd. II S. 145-146.   
ders.: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Bilder - Dokumente. S. 156.   
Keine Abschnitte zu Nieder-Wöllstadt in Thea Altaras: Synagogen in Hessen. Was geschah seit 1945? 1988 und dies.: Das jüdische Rituelle Tauchbad und: Synagogen in Hessen. Was geschah seit 1945 Teil II. 1994 und dies. Neubearbeitung der beiden Bände. 2007.    
Studienkreis Deutscher Widerstand (Hg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933-1945. Hessen I Regierungsbezirk Darmstadt. 1995 S. 335-336.   
Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany Volume III: Hesse -  Hesse-Nassau - Frankfurt. Hg. von Yad Vashem 1992 (hebräisch) S. 269-270.    
    


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Nieder-Woellstadt  Hesse. Established around 1725, the community numbered 71 (8 % of the total) in 1861 and then declined. The Jews mostly earned their livelihoods in the cattle trade and as storekeepers and butchers. On Kristallnacht (9-10 November 1938), the Nazis organized a pogrom and demolished the synagogue. Twenty-three of the town's Jews 40 Jews emigrated; three married to non-Jews survived the Holocaust.  
   

  

                   
vorherige Synagoge  zur ersten Synagoge nächste Synagoge
der rechte Link ist noch nicht aktiviert  

                

 

Senden Sie E-Mail mit Fragen oder Kommentaren zu dieser Website an Alemannia Judaica (E-Mail-Adresse auf der Eingangsseite)
Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 15. Dezember 2010