Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Nürnberg 
Jüdische Geschichte / Synagogen

Hinweis:  
Zu Nürnberg bestehen einige Seiten zur jüdischen Geschichte mit Texten aus jüdischen Periodika des 19./20. Jahrhunderts; erstellt sind folgende Seiten:  

Textseite mit 
allgemeinen Berichten zur jüdischen Geschichte in Nürnberg    
Berichten zur Entstehung der jüdischen Gemeinde nach der Mitte des 19. Jahrhunderts      
Berichten aus dem jüdischen Gemeinde- und Vereinsleben von den 1870er-Jahren bis vor der NS-Zeit (Schwerpunkt: liberale Hauptgemeinde) 
Berichten aus der NS-Zei
t   
Berichte über einzelne Personen aus der jüdischen Gemeinde (Schwerpunkt Hauptgemeinde; Personen aus der Adas Israel über eigene Seite)  
Berichte zu den Rabbinern der liberalen Hauptgemeinde, zu Lehrern, Kantoren und der Schule       
Seite über den orthodoxen Verein "Adas Israel" ("Israelitische Religionsgesellschaft") und seine Synagoge 
 

Weitere Seiten zu Nürnberg:    

Seite über die alten jüdischen Friedhöfe in Nürnberg   
Seite über den neuen jüdischen Friedhof in Nürnberg (seit 1910)   

  
Auf dieser Seite einige Informationen zur 

Hauptsynagoge am Hans-Sachs-Platz (1874-1938)   

Übersicht:    

Der Bau der Synagoge 1870-1874    
Historische Abbildungen  
Die Zerstörung des Synagoge 1938    
Die Gedenkstätte  
Virtuelle Rekonstruktion der Synagoge 
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte   
Links    

  
  
Kurze Geschichte dieser Synagoge
1. Der Bau der Synagoge 1870 - 1874  

Die durch den zu seiner Zeit bekannten Architekten Adolf Wolff (1832-1885) erbaute Synagoge in Nürnberg wurde am 8. September 1874 eingeweiht. Vorausgegangen waren Jahre der Planungen und Bauausführung. Im März 1870 war die Grundsteinlegung des Neubaus. Wolff hatte die Synagoge, die direkt am Pegnitzufer, neben der Spitalbrücke erbaut wurde, über fast quadratischem Grundriss entworfen. Zwei Eckrisalite im Westen, von hohen Laternen gekrönt, gaben dem Bau fast den Eindruck einer Doppelturmfassade; ein Querhaus mit den Nebeneingängen war nur leicht angedeutet. Eine Kuppel auf hohem Tambour überragte die Vierung.
   
   
Berichte zur Geschichte der Synagoge 
300 jüdische Familien in der Stadt - das Grundstück für eine neue Synagoge wurde erworben (1867)    

Nuernberg Israelit 14081867.jpg (83549 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 14. August 1867: "Die jüdische Gemeinde unserer Schwesterstadt Nürnberg (der Autor schreibt aus Fürth), einer Stadt, deren Geschichte selbst noch vom 18. Jahrhundert in allzu innigem Zusammenhange mit den Leiden unseres Volkes steht, und eine gründliche Aufklärung über den eigentlichen Gehalt der guten alten Zeit verschafft, einer Stadt, wo überhaupt erst seit 1848 die Aufnahme der Juden stattfindet, nachdem in den Jahren 1349, 1499 deren Vertreibung mit aller Schonungslosigkeit vollzogen wurde, ist bereits zu der respektablen Höhe von 300 Familien angewachsen. Vor kurzer Zeit hat die Gemeinde zur Erbauung einer Synagoge nebst gemeindlichen Gebäuden einen Platz um den Preis von 46.000 Gulden gekauft, nachdem die Errichtung eines städtischen Rabbinats von königlicher Regierung genehmigt ist. Die Anzahl der Gemeindeglieder ist fortwährend im Zunehmen begriffen, und wünschen wir weiteres Bestehen dieses erfreulichen Verhältnissen. S.H."   

        
Die Einweihung der Synagoge am 8./9. September 1874  

Nuernberg Synagoge AZJ01.jpg (75908 Byte)Bericht in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 29. September 1874: "Die Einweihung zweier neuer großer Tempel in Nürnberg und Paris. Die am 8. und 9. September stattgefundene Einweihung zweier prächtiger Tempel zu Nürnberg und zu Paris bietet des Interesses zuviel, um nicht eine nähere Schilderung, und zwar unter den Leitartikeln dieses Blattes selbst zu geben. Wir entnehmen das Detail den zu Nürnberg erschienenen Blättern, sowie den Archives Israélites. Als im Dezember 1849 im bayerischen Landtag die Emanzipation der Israeliten beschlossen wurde und schon im nächsten Frühling ein israelitischer Kaufmann die Aufnahme als Bürger Nürnbergs erhielt, waren genau 500 Jahre seit jener Zeitperiode verflossen, in welcher die Israeliten, wie fast allenthalben, auch in der Reichsstadt Nürnberg großen Verfolgungen ausgesetzt waren und ihre Synagoge abgebrochen wurde, an deren Stelle auf Veranlassung Kaiser Karls IV. die jetzige Frauenkirche entstand. Wohl fanden sie später wieder Aufnahme in Nürnberg, durften aber nicht mehr, wie sonst, wohnen, wo sie wollten, sondern es wurde ihnen ein eigener Platz angewiesen (die jetzige Judengasse usw.), welcher 1340 durch eine große Feuersbrunst verwüstet worden war, und wo sie unangefochten wohnten, bis 1498 Kaiser Maximilian I. der Stadt die Freiheit gab, die Juden samt und sonders auszuweisen, eine Freiheit, die bis zum letzten Titelchen ausgenützt wurde. Erst das Jahr 1849 hat, wie bereits erwähnt, den Jahrhunderte lang auf den Israeliten ruhenden Bann der Unduldsamkeit gebrochen und denselben, wie sie gleiche      
Nuernberg Synagoge AZJ02.jpg (257816 Byte)Pflichten haben mit allen übrigen Staatsbürgern, so auch die gleiche Berechtigung mit denselben und mit dieser namentlich auch das Recht freier Niederlassung gebracht. Seitdem ist die Zahl der Israeliten in Nürnberg auf etwa 2000 Seelen gestiegen. Es war daher sehr natürlich, dass sich das Bedürfnis eines eigenen Gotteshauses für diese zahlreiche Gemeinde bald geltend machte. So sahen wir also auch seit 1869 am Spitalplatz an der Stelle des ehemaligen sogenannten Harsdorfer-Hofes, welchen die Gemeinde käuflich an sich brachte, ein prachtvolles Gebäude entstehen, das als eine Zierde der Stadt betrachtet werden kann; es ist die neue Synagoge von Herrn Baurat Wolff aus Stuttgart, welcher auch die dortige Synagoge erbaut hat, im maurischen Stil ausgeführt.
Die Synagoge enthält 546 nummerierte Männersitze und 389 nummerierte Frauensitze. In Folge der durch die Zahl der vorhandenen Site auferlegten Beschränkung, und da zum Mindesten jedes männlich israelitische Gemeindeglied mit einem Platze versehen werden wollte, auf der andern Seite aber die bei dem Bau beteiligten Personen, dann die hiesigen Civil- und Militärbehörden, auswärtige Rabbiner und die Vertreter wenigstens der größeren israelitischen Gemeinden Bayerns, dann die Vertreter der Presse mit Karten berücksichtigt werden mussten, ging es nicht an, allen Anmeldungen um Einlasskarten gerecht zu werden; doch war man bemüht, durch Anweisung von Stehplätzen möglichst Rat zu schaffen und allen sich rechtzeitig meldenden Frauen Sitze zu verschaffen.
Einige Notizen über die Architektonik der neuen Synagoge mögen insbesondere für auswärtige Leser von Interesse sein. In der Mitte des in maurischem Stile ausgeführten Prachtbaues erhebt sich eine weithin sichtbare große Kuppel an der Vorderseite des Gebäudes von zwei kleineren Kuppeln flankiert. Eine aus Sandstein gebaute Freitreppe führt zu einer Balustrade, welche zum Hauptportale geleitet, das auf mehreren mit plastischen Ornamenten verzierten Säulen ruht. Oberhalb des Portals befindet sich eine von kunstgeübter Hand entworfene und in Stein ausgeführte Rosette. Beim Betreten des Innern ruht das Auge mit Bewunderung auf dem majestätischen, das Licht von oben einlassenden mittleren Kuppelbau (die Seitenkuppeln werden im Innern nicht sichtbar). Das Deckengewölbe ruht auf Gurtbögen, die sich auf mächtige Pfeiler stützen, an welche sich gekoppelte Säulen anlehnen. Zierliche Säulen, an deren Knauf die reichste, in orientalischer Manier gehaltene Ornamentik beginnt, tragen den für die Frauensitze bestimmten Empor. Im Gegensatze zu der, die ganze Synagoge zierenden, buntfarbigen Ornamentik erscheint der, die "heilige Lade" umfassende, Teil des Baues in Weiß mit Goldverzierung. Oberhalb der heiligen Lade befindet sich eine Rosette, deren buntfarbige Gläser ein magisches Licht verbreiten. Der Gesamteindruck des ganzen Baues ist ein äußerst günstiger; trotz der reichen, durch den Stil bedingten Ornamentik ist nirgends Überladung.
Es waren zur Teilnahme an der Einweihung viele Einladung erlassen worden, und zahlreiche Deputationen der königlichen und städtischen Behörden, an der Spitze der Letzteren, Herr Bürgermeister Freiherr von Stromer, wohnten dem feierliche Akte bei. Die protestantische Geistlichkeit war durch Herrn Pfarrer Seiler (im Ornat) und Herrn Pfarrer Baer vertreten. Der katholische Stadtpfarrer, Herr geistlicher Rat Burger, ließ sich ausdrücklich durch seine schon länger andauernde Krankheit entschuldigen. Auch eine Deputation des Offizierscorps der Garnison mit Oberst von Michels war anwesend. Als Vertreter des Regierungspräsidenten von Mittelfranken, Herrn von Feder, war Herr Regierungsrat von Morett eingetroffen.
Nachdem kurz vor 10 Uhr die Nebentüren verschlossen worden waren, erschallten bald darauf die Klänge eines religiösen Festmarsches, welcher den Abhang des Zuges aus dem bisherigen Betsaal verkündeten. Nachdem hierauf an der Freitreppe gegen Westen die Übergabe des Schlüssels durch Herrn Baurat Wolff an den Administrationsvorstand der Gemeinde und von diesem an den Herrn Bürgermeister Stromer stattgefunden hatte, bewegte sich der Zug, voran die Konfirmandinnen mit Palmenzweigen, die Konfirmanden mit brennenden Kerzen in den Händen, hierauf die Rabbinen, welche die Torarollen trugen, dann Herr Baurat Wolff als Erbauer der Synagoge mit den Bauführern und Werkmeistern, die Festgäste und schließlich die Mitglieder und Ersatzmänner der Verwaltung und die Baukommission, durch die geöffnete Haupttüre in das Gotteshaus, begrüßt von dem Psalm: "Gesegnet sei, der da kommt im Namen des Herrn etc., welcher wie überhaupt sämtlich Gesänge von Mitgliedern des Oratorien- und Singvereins unter Leitung des Herrn Direktors Emmerling ausgeführt wurde. Hieran reihte sich der Festgesang "Preis des Gotteshauses", die Benediction und der feierliche Umzug unter dem Sologesange des mit einem herrlichen, klangvollen Bassbariton begabten Herrn Oberkantors Singer (Schüler des Prager Konservatoriums). Nachdem hierauf die Zeremonien des "Öffnens der heiligen Lade" und des "Anzündens des beständigen Lichtes" (Ner tamid) erfolgt waren, ging der Gesang des 84. Psalms: "Wie lieblich sind deine Wohnungen, Ewiger Zebaoth", der Weihepredigt voraus, welche der Rabbiner der hiesigen Gemeinde, Herr Dr. Levin hielt. Das Hauptthema seiner Rede war der Satz: "Hat das Gotteshaus noch eine Berechtigung", oder "Mit welchem Rechte baut ihr ein Gotteshaus?" Er ventilierte diese Frage in wahrhaft begeisterter und poesievoller Weise, indem er das Wesen des Materialismus und Pessimismus charakterisierte, von welchen dieselbe gestellt werden möchte, die Lehre vom Dasein Gottes, der Ansicht, dass Alls aus dem Wirken und Schaffen der Natur hervorgehe und zu erklären sei, mit eben so viel philosophischer Stärke aus Glaubenswärme gegenüberstellte und die alles besiegende Macht der Gottesidee hervorhob. Nach der Rede folgte das Weihegebet, in welchem nächst dem Herrscher 
Nuernberg Synagoge AZJ03.jpg (93165 Byte)Bayerns und dem Oberhaupt des deutschen Reiches, den Behörden der Stadt usw. auch des Baumeisters der Synagoge und aller, die für den bau gewirkt und ihn gefördert haben, segnend gedacht wurde. Der Gesang des 150. Psalms: "Halleluja! Lobet den Herrn in seinem Heiligtum etc." schloss die seltene gewiss in der Erinnerung Aller, die an ihr Teil nahmen, nicht erlöschende Feier.
Um 2 Uhr fand ein Festmahl statt. Der interessanteste Zug dieses Festmahls war wohl eine historische Anspielung des Herrn Bürgermeisters von Stromer, welcher seinen Toast auf den Rabbiner Dr. Levin und den Kultusvorstand Herrn Josephthal mit der Bemerkung einleitete: es habe ihn besonders gefreit bei der heutigen Einweihung der Synagoge die Pforten derselben zu öffnen, nachdem vor Jahrhunderten einer seiner Vorfahren (Ulrich Stromer) die Juden mit Feuer und Schwert aus Nürnberg vertrieben habe. Gegenüber der mittelalterlichen Anschauung sei man jetzt allgemein zu der Erkenntnis gekommen, dass die Lösung der sogenannten Judenfrage gleichen Schritt mit der Entwicklung und Vermehrung der Gesittung und Humanität bei Nationen und Einzelnen halte." 

   
Brand in der Synagoge bei der Einweihung der neuen Orgel (1875)   
Hinweis: der ironische Unterton in der Darstellung erklärt sich aus dem Sachverhalt, dass der Verfasser des für die orthodox-jüdische Zeitschrift "Der Israelit" geschriebene Abschnittes ein Gegner der Orgel in der Synagoge war. 

Nuernberg Israelit 28041875.jpg (68495 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 28. April 1875:  "Nürnberg. Die Einweihungsrede für die hiesige Orgel-Synagoge gipfelte bekanntlich in einem Zitat aus Schiller's Lied an die Freude: 'Diesen Kuß der ganzen Welt.' Am ersten Tage des Pessachfestes sollten die Anfangsworte jenes schönen Lieder: 'Freude, schöner Götterfunken, im Wortsinne wirksam werden. Der Rabbiner predigte feurig, zündend! Plötzlich stand der Vorgang vor der heiligen Lade in Flammen. Zwar gelang es den zahlreich anwesenden Andächtigen bald durch rasch herbeigetragenes Wasser den Brand zu löschen, allein der kostbare Vorgang - ein Meisterstück der Goldstickerkunst - wurde ein Raum der Flammen. So zündend hat wohl noch nie ein Redner gesprochen. - Skeptiker wollen zwar behaupten, dass nicht das Feuer der Rede den Schaden verursachte, sondern dass der Wind den Vorhang einer Gasflamme zu nahe gebracht habe."

   
Prinzregent Luitpold besucht Nürnberg und die Synagoge (1886)   

Nuernberg AZJ 12101886a.jpg (167195 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 12. Oktober 1885: "Nürnberg, 27. September (1886). Bei dem Besuche des Prinzregenten Luitpold in Nürnberg besuchte dieser nach den Kirchen auch die Synagoge und bekräftigte hierdurch die Gesinnungen, welche er beim Antritt seiner Regierung gegen den Rabbiner und Vorstand der Gemeinde zu München ausgesprochen hat. 
Nürnberg, 29. September (19886). Unter den bei den ersten Empfang des Prinzregenten Luitpold Anwesenden, die ihm vorgestellt wurden, befanden sich auch die Israeliten, Oberstabsarzt Dr. Ullmann, Vorstand des Gemeindekollegiums zu Fürth Dr. Landmann und der Rabbiner zu Nürnberg Dr. Ziemlich. Zur Tafel waren geladen: Rabbiner Dr. Ziemlich, Dr. Landmann, Rechtsanwalt Dr. Frankenburger, Rechtsanwalt Gunzenhäuser (Fürth). Am 27. September kurz vor 6 Uhr nachmittags fuhr Seine königliche Hoheit Prinz Luitpold vor der besonders geschmackvoll dekorierten Synagoge mit großem Gefolge vor. Am Tore des Vorhofes wurde derselbe von dem Administrationsvorstande Herrn Rechtsanwalt Josephthal feierlich empfangen und zum Portale des Tempels geleitet, woselbst sich die übrigen Administrationsmitglieder, an ihrer Spitze der Rabbiner Herr Dr. Ziemlich befanden, von welch Letzterem Seine königliche Hoheit in ehrerbietiger Weise begrüßt und sodann in den Tempel geführt wurde. Die Synagoge war durch mehr denn 300 Gasflammen wundervoll beleuchtet, was gerade in der Dämmerstunde einen zauberischen Eindruck machte. Seine königliche Hoheit sprach sich mit großer Befriedigung über das herrliche Gotteshaus aus. Beim Weggange vom Altar präludierte der Synagogendirektor Herr Ed. Ringler auf dem vorzüglichen Orgelwerk, und mächtig rauschten die Akkorde der figurierten Königshymne durch die Wölbungen des schönen Baues."           


Besuch Kaiser Wilhelms in der Synagoge (1897)    

Nuernberg AZJ 17091897.jpg (17953 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 17. September 1897: "Bei seiner Anwesenheit in der Synagoge zu Nürnberg erzählte Kaiser Wilhelm, dass er auch die Altneuschul in Prag und den dortigen jüdischen Friedhof bereits früher einmal besucht habe."     
   
Nuernberg ImdtReich 091897.jpg (53178 Byte) Artikel in der Zeitschrift "Im deutschen Reich" vom September 1897: "Nürnberg, 3. September (1897). Der Kaiser und die Kaiserin haben heute mit dem Prinz-Regenten und der Prinzessin Ludwig die hiesige Synagoge besichtigt. Dabei erkundigte sich der Kaiser eingehend nach den Verhältnissen der hiesigen israelitischen Gemeinde und erwähnte, dass er auch die Synagoge ein Prag gesehen habe. Bei dem Verlassen der Synagoge gaben der Kaiser und der Prinz-Regent dem Rabbiner Dr. Ziemlich die Hand."      

   
Technische Panne in der Synagoge (1903)    

Nuernberg FrfIsrFambl 18121903.jpg (37877 Byte)Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 18. Dezember 1903: "Nürnberg, 11. Dezember (vermiedene Panik.) Während des Gottesdienstes in der Synagoge erlosch die elektrische Beleuchtung. Der Gottesdienst wurde nicht unterbrochen, und das Publikum bewahrte eine musterhafte ruhige Haltung. Dadurch wurde eine Panik vermieden. Nach einer Viertelstunde erst erstrahlte das elektrische Licht wieder."      
 
Nuernberg Israelit 17121903.jpg (32307 Byte)Derselbe Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. Dezember 1903. 

     
Veranstaltung zu den Psalmen in der Synagoge (1926)
  

Nuernberg CV 05021926.jpg (43887 Byte)Artikel in der "CV-Zeitung" (Zeitschrift des Central-Vereins) vom 5. Februar 1926: "Unter der Bezeichnung 'Das Stimmungsbild der Psalmen' bereitete die Gemeinde Nürnberg ihren Mitgliedern am 17. Januar in der Hauptsynagoge eine Weihestunde, die jüdische Wissenschaft mit religiöser Kunst verband. Rabbiner Dr. Freudenthal hielt einen Vortrag über die Psalmen. Der Synagogenchor unter Leitung seines Dirigenten Karl Sturm und mit Unterstützung des Oberkantors Fränkel sowie des Oberkantors Davidsohn (Berlin) brachte Psalmen und andere Werke zum Vortrag."     

   
Der Abbruch der Synagoge ist angeordnet (1938)   

Mitteilung im "Jüdischen Gemeindeblatt Kassel" vom 12. August 1938: "In der Nürnberger Ratsherrensitzung wurde mitgeteilt, dass nach der ersten Anordnung über die Neugestaltung der Stadt der Reichsparteitage Nürnberg die Synagoge verschwinden werde. Der Abbruch der Synagoge am Hans-Sachs-Platz ist bereits angeordnet und wird in einer Woche in Angriff genommen werden."     
 
Artikel in "Jüdisches Gemeindeblatt für das Gebiet der Rheinpfalz" vom 1. September 1938: dieselbe Mitteilung wie oben.   

   
   
2. Historische Abbildungen
Von kaum einer Synagoge in Deutschland gibt es eine so große Zahl von Abbildungen, Zeichnungen, Gemälden, Fotografien, Ansichtskarten 

Nuernberg Synagoge 100.jpg (52413 Byte) Nuernberg Synagoge 103.jpg (57709 Byte) Nuernberg Synagoge 116.jpg (71821 Byte) Nuernberg Synagoge 119.jpg (69712 Byte)
       
Nuernberg Synagoge 102.jpg (45392 Byte) Nuernberg Synagoge 101.jpg (60871 Byte) Nuernberg Synagoge 110.jpg (42413 Byte) Nuernberg Synagoge 107.jpg (43913 Byte)
         
Nuernberg Synagoge 108.jpg (64782 Byte) Nuernberg Synagoge 109.jpg (41906 Byte) Nuernberg Synagoge 104.jpg (32110 Byte) Nuernberg Synagoge 111.jpg (38280 Byte)
       
Nuernberg Synagoge 112.jpg (43650 Byte) Nuernberg Synagoge 113.jpg (72435 Byte) Nuernberg Synagoge 114.jpg (71376 Byte) Nuernberg Synagoge 115.jpg (63390 Byte)
       
Nuernberg Synagoge 105.jpg (49142 Byte) Nuernberg Synagoge 117.jpg (54304 Byte) Nuernberg Synagoge 118.jpg (44426 Byte) Nuernberg Synagoge 106.jpg (42622 Byte)
       
Nuernberg Synagoge 120.jpg (50445 Byte) Nuernberg Synagoge 121.jpg (48318 Byte) Nuernberg Synagoge 122.jpg (106316 Byte) Nuernberg Synagoge 124.jpg (105087 Byte)
              
Nuernberg Synagoge 123.jpg (65339 Byte)
       
       
Nuernberg Synagoge 206g.jpg (1566493 Byte) Nuernberg Synagoge 206a.jpg (60229 Byte) Nuernberg Synagoge 206b.jpg (51335 Byte)  
Großformatiges Foto der ehemaligen Synagoge (erhalten von Hans-Jürgen Zeis, Nürnberg)  
Oben: Dateigröße 1,8 mb Ausschnittvergrößerungen   

   
   
3. Die Zerstörung der Synagoge 1938            
    
Bereits kurz nach der nationalsozialistischen Machtübernahme richteten sich Maßnahmen und Aktionen gegen das jüdische G"tteshaus in der Stadt. Am jüdischen Neujahrsfest (Rosch Haschana) 1934 demonstrierten 300 bis 400 SA-Leute vor der Synagoge. Sie belästigten die G"ttesdienstbesucher und versuchten, gewaltsam in das Gebäude einzubringen, bis schließlich die Polizei die Demonstration auflöste. Schon am 10. August 1938 wurden auf Befehl von Julius Streicher die große Synagoge und das angrenzende Gemeindehaus zerstört. Diese Maßnahme wurde damit begründet, dass der Bau "das schöne deutsche Stadtbild empfindlich störe". Die Gestapo hatte bereits im März den Gemeindevorstand über den geplanten Abbruch informiert und im Juli sogar die formelle Zustimmung der Gemeinde verlangt. Diese wurde jedoch trotz der damit verknüpften Gefährdung der Vorstandsmitglieder verweigert. Der Abbruch zog sich bis zum 27. September 1938 hin, weil er wegen des Reichsparteitages mehrmals unterbrochen wurde. Am Tag des Abbruchs versammelten sich Zehntausende, um sich das Schauspiel anzusehen. Zuvor hatte die Gemeinde mit Unterstützung des nichtjüdischen Baumeisters Fritz Frisch den 500 Jahre alten "Judenstein", den letzten, in den Sockel des Toraschreins eingemauerten Überrest der mittelalterlichen Synagoge von Nürnberg in Sicherheit bringen und später auf dem jüdischen Friedhof vergraben können. (Frisch wurde aus der NSDAP ausgeschlossen und wegen "Charakterlosigkeit" öffentlich gebrandmarkt).   

Nuernberg Streicher.gif (132135 Byte) Links: vor der Zerstörung der Synagoge: 
Julius Streicher auf dem Hans-Sachs-Platz 
in Nürnberg am 10.8.1938

Seit Rosch Haschana 5748, dem Jüdischen Neujahrsfest (23. September 1987) befindet sich der Aufsatz des Toraschreines ais der Mitte des 15. Jahrhunderts in der neuen Synagoge der Kultusgemeinde (Johann-Priem-Straße 20). Zwei Tafeln weisen auf die Geschichte dieses "Judensteines" mit den Texten hin: 1. "Der 'Judenstein'. Ein Wahrzeichen aus den Tagen vor der Vertreibung der Juden 1499. Von der Israelitischen Kultusgemeinde erworben und aufgestellt 1909. - Eine Zeit kommt, da Steine verworfen und wieder eine Zeit, da Steine gesammelt werden". 2- "Gerettet aus den 1499 und 1938 zerstörten Nürnberger Synagogen. Heimgekehrt 1987.- Siehe, dieser Stein soll unter euch Zeugnis sein, dass ihr nicht verleugnen sollt euren Gott".  

Nuernberg Judenstein.gif (57479 Byte) Nuernberg Judenstein 2.jpg (68352 Byte)

      

Baruch Z. Ophir / Falk Wiesemann: Die jüdischen Gemeinden in Bayern 1918-1945. Geschichte und Zerstörung. München / Wien 1979 S. 209ff

Israel Schwierz: Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in Bayern. Hg. von der Bayerischen Landeszentrale für politische Bildungsarbeit. München 1988. S. 169.

    
    
    
4. Die Gedenkstätte    
    
Das Grundstück der Synagoge blieb nach 1945 zunächst ein Grünstreifen. Im Zug des Wiederaufbaus der Innenstadt wurde an der Stelle später ein Wohnhaus erbaut. Seit 1971 befindet sich am Platz der ehemaligen Synagoge eine Gedenkstätte. Im August 1988, 40 Jahre nach der Zerstörung der Hauptsynagoge, ließ die Stadt gegenüber dem Hans-Sachs-Platz einen Gedenkstein mit Kupferplatte setzen. 2001 ist eine zusätzliche Gedenktafel an den 1942 zum Tode verurteilten letzten Vorsitzenden der Israelitischen Kultusgemeinde Nürnbergs Leo Katzenberger angebracht worden. Seit 1998 heißt der Pegnitzuferweg "Leo-Katzenberger-Weg". 
(Fotos: Hahn, 29.10.2005)  

Nuernberg Synagoge 203.jpg (56654 Byte) Nuernberg Synagoge 204.jpg (78492 Byte) Nuernberg Synagoge 202.jpg (63738 Byte)
Blick auf die Gedenkstätte aus unterschiedlichen Richtungen  
 
Nuernberg Synagoge 200.jpg (79106 Byte) Nuernberg Synagoge 201.jpg (99444 Byte) Nuernberg Synagoge 206.jpg (71547 Byte)
  Die Ansicht der Synagoge   
     
Gedenktafel für Leo Katzenberger
 (1873-1942) 
Nuernberg Synagoge PA 21.jpg (141292 Byte) Nuernberg Synagoge 205.jpg (65738 Byte)
  Presseartikel vom 3./4.11.2001   

     
     
5. Virtuelle Rekonstruktion der Synagoge

Von der Technischen Universität in Darmstadt wurde eine virtuelle Rekonstruktion der Nürnberger Synagoge vorgenommen: siehe die Fotos unter den Seiten der TU Darmstadt  

Nuernberg virtRek 01.jpg (77185 Byte) Nuernberg virtRek 02.jpg (74964 Byte)
Exemplarische Seiten der TU Darmstadt zur virtuellen Rekonstruktion der Nürnberger Synagoge

   
   
6. Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte  

Juli 2010: 72. Jahrestag zur Zerstörung der Hauptsynagoge  
Artikel in den "Nürnberger Nachrichten" vom 21. Juli 2010: "Gedenken an die Zerstörung der Hauptsynagoge - Unheilvolles Datum: Nürnberger Gotteshaus vor 72 Jahren abgerissen" (Artikel eingestellt als pdf-Datei; Link zum Artikel bei den "Nürnberger Nachrichten")  
 
Louis Lewandowski "Musik der Synagoge" mit Abbildungen / Fotos der Nürnberger Synagoge  
 
 
  
  
  

    
    

Hermann Rusam: Die Nürnberger Synagogen. Pogrome, Kristallnacht und Wiederaufbau. In: Nürnberger Zeitung vom 8. Juni 2010 (Artikel): pdf-Datei.  

Bayern SynGedenkband II.jpg (63426 Byte)"Mehr als Steine...." Synagogen-Gedenkband Bayern. Band II: Mittelfranken. Erarbeitet von Barbara Eberhardt, Cornelia Berger-Dittscheid, Hans-Christof Haas und Angela Hager, unter Mitarbeit von Frank Purrmann und Axel Töllner. Hg. von Wolfgang Kraus, Berndt Hamm und Meier Schwarz. Reihe: Gedenkbuch der Synagogen in Deutschen. Begründet und herausgegeben von Meier Schwarz. Synagogue Memorial Jerusalem. Bd. 3: Bayern, Teilband 2: Mittelfranken. Lindenberg im Allgäu 2010. 
Kunstverlag Josef Fink Lindenberg im Allgäu

ISBN 978-3-89870-448-9.   Abschnitt zu Nürnberg S. 466-505 (mit Literaturübersicht).

Franken Obpf Lit 010.jpg (75915 Byte)Hans-Peter Süss: Jüdische Archäologie im nördlichen Bayern. Franken und Oberfranken. Verlag Dr. Faustus Büchenbach 2010 (Reihe: Arbeiten zur Archäologie Süddeutschlands Band 25). Zu Nürnberg S. 97-102.    

 Links:     

Die Zerstörung der Synagoge in Nürnberg - Seite bei hagalil.com  
Lehrstuhl für Didaktik der Geographie Nürnberg: Seiten zur jüdischen Geschichte der Stadt  
Technischen Universität in Darmstadt -  virtuelle Rekonstruktion der Nürnberger Synagoge 
Seite zu den alten jüdischen Friedhöfen in Nürnberg (interner Link) 
Seite zum neuen jüdischen Friedhof in Nürnberg (interner Link)  
Zum Synagogenarchitekten Adolf Wolff (internet Link)  

    
     

                   
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Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 18. Juni 2015