Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Themar (Kreis Hildburghausen)
Jüdische Geschichte / Synagoge
  
Besuchen Sie dazu insbesondere die Website www.judeninthemar.org 
(erstellt auf Grund der Recherchen von Prof. Dr. Sharon Meen vom Vancouver Holocaust Education Centre) 

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer   
Aus dem jüdischen Gemeindeleben   
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde   
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen  
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte   
Links und Literatur   

   

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)     
   
In Themar bestand eine jüdische Gemeinde bis 1938. 
  
Bereits im Mittelalter (Themar wird seit 1303 als Stadt genannt) lebten zeitweise Juden in Themar. Jedoch gibt es hierfür nur einen Nachweis durch die Erwähnung der Stadt in der Liste der Orte, die von der Judenverfolgung 1298 ("Rintfleisch'-Verfolgung) betroffen waren. 
 
Um 1534 war eine jüdische Frau in der Stadt wohnhaft, die mit Stoffen handelte. Überliefert ist der Einkauf eines größeren Posten Barchent bei ihr für die Pagen der Grafen von Henneberg.   
  
Erst im Verlauf des 19. Jahrhunderts kam es wiederum zum Zuzug jüdischer Personen und zur Gründung einer jüdischen Gemeinde. 1865 zogen fünf jüdische Familien aus Bibra, im folgenden Jahr sechs Familien aus Marisfeld zu.      

Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1871 93 (6 % von insgesamt 1667 Einwohnern), 1898 97 (in 25 Familien). Die Gründung der Gemeinde erfolgte im Jahr der Einweihung der Synagoge 1877. 
 
Bereits in den 1870er-Jahren wurden mehrere jüdische Geschäfte in der Stadt eröffnet, unter anderem von S. M. Müller, S. J. Baer, Brüder Frankenberg, A. Walther  und Ernst Gassenheimer. Besonders tätig waren jüdische Gewerbetreibende im Textil- und Viehhandel.     

An Einrichtungen bestanden eine Synagoge (s.u.), eine Religionsschule und ein rituelles Bad. Die Toten der Gemeinde wurden auf dem jüdischen Friedhof in Marisfeld beigesetzt. Zur Besorgung religiöser Aufgabe der Gemeinde war ein Religionslehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war. Zwischen 1848 und 1898 waren folgende Lehrer in Themar tätig: Simon Lang (aus Walldorf), Leopold Ludwig, Leo Kahn, Gustav Hofmann und Jacob Emanuel. Im 20. Jahrhundert war der langjährige jüdische Lehrer bis 1938 Moritz (Moses) Levinstein.    
Die Gemeinde gehörte zum Landrabbinat Sachsen-Meiningen mit Sitz in Meiningen.  
  
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde: Fritz Kahn (geb. 28.10.1894 in Themar, gef. 2.10.1914) und Leonhard Kahn geb. 12.10.1894 in Themar, gef. 30.10.1914). Ihre Namen stehen auf dem Kriegerdenkmal von Themar.             
 
Um 1924, als zur Gemeinde etwa 70 Personen gehörten (2,3 % von insgesamt etwa 3.000 Einwohnern), waren die Gemeindevorsteher E. Gassenheimer, Max Müller, Hugo Grünbaum und Louis Frankenberg. Als Lehrer wirkt Moritz (Moses) Levinstein, als Synagogendiener Abraham Schwab. Im Schuljahr 1924/25 besuchten zehn Kinder die Religionsschule der Gemeinde. An den öffentlichen Schulen wurden gleichfalls zehn Kindern der Religionsunterricht erteilt. An jüdischen Vereinen bestanden u.a. eine Israelitische Leichenkasse (1924 unter Vorsitz von Louis Frankenberg, 1932 unter Vorsitz von Ernst Gassenheimer; Zweck und Arbeitsgebiet: Zuschuss zu den Beerdigungskosten), eine Synagogenbaukasse (1924 unter Vorsitz von Max Müller) und eine Armenkasse (1924 unter Vorsitz von Moritz (Moses) Levinstein). 
1932
waren die Gemeindevorsteher Ernst Gassenheimer (1. Vors.), Hugo Grünbaum (2. Vors.) und Louis Frankenberg (3. Vors.). Weiterhin war Moritz Levinstein Lehrer, Vorbeter und Schochet der Gemeinde. Er unterrichtete im Schuljahr 1932/33 7 Kinder der Gemeinde.       
 
1933 lebten noch 52 jüdische Personen in Themar. In den folgenden Jahren ist ein Teil der jüdischen Gemeindeglieder auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts, der zunehmenden Entrechtung und der Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert. Sechs verstarben noch vor den Deportationen. Zwölf Personen konnten nach Palästina, Südafrika, England, Italien und in die USA emigrieren. Auf Grund des Zuzugs mehrerer Personen aus den Landgemeinden wurden 1935 69 jüdische Einwohner gezählt, 1938 48. Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge nicht zerstört. Die jüdischen Männer wurden verhaftet und in das KZ Buchenwald eingeliefert (unter den 18 Verhafteten waren Max Bachmann, Markus Rosenberg und Lehrer Moritz Levinstein; diese drei wurden am 5. Dezember entlassen, wobei Lehrer Levinstein auf der Rückfahrt an Suizid starb; Max Bachmann wurde im November 1941 erneut verhaftet und kam am 26. März 1942 im KZ Buchenwald ums Leben). 1939 lebten noch 33 jüdische Personen in Themar. Im Zusammenhang mit den Deportationen 1942 wurden 15 Personen in das Ghetto Belzyce (Polen) beziehungsweise in das Ghetto Theresienstadt deportiert; von ihnen überlebte nur Martha Krakauer das Ghetto Theresienstadt. Der letzte in Thema lebende Jude wurde 1943 verhaftet.     
  
Von den in Themar geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Max Bachmann (1871), Alfred Compart (1881), Paula Frankenberg (1895), Ernst Gassenheimer (1870), Gertrud Goldmann geb. Walther (1890), Else (Elka) Goudsmid geb. Katz (1890), Hugo Grünbaum (1868), Karl Grünbaum (1876), Klara Grünbaum geb. Schloss (1873), Martha Hahn geb. Katz (189), Lucie Heinemann geb. Frankenberg (1895), Margarete Jäger geb. Gassenheimer (1902), Adolf Kahn (1902), Jacob Kahn (1868), Albert Katz (1889), Ida Katz geb. Frankenberg (1884), Josef Katz (1893), Martha (Marja) Katz geb. Frankenberg (1887), Moritz Levinstein (1884), Sitta Lewin geb. Friedmann (1903), Frieda Müller geb. Freudenberger (1874), Klara Müller geb. Nußbaum (1890), Max Müller (1873), Max Müller (1884), Arthur Neuhaus (1901), Else Neuhaus geb. Grünbaum (1905), Inge Neuhaus (1937), Franziska Neumann geb. Müller (1909), Elise (Elisabeth)  Ney geb. Gassenheimer (1876), Charlotte Rosenbaum geb. Gassenheimer (1899), Elsa (Else) Rosenberg geb. Kahn (1888), Martin Markus Rosenberg (1886), Minna Rosenthal geb. Grünbaum (1872), Hedwig Sachs (1866), Norbert Sander (1921), Rosa Schloß (1891), Marta Steindler geb. Müller (1906), Selma Stern geb. Schloß (1888), Richard Walther (1874), Bella Wertheimer (1890), Milton Wertheimer (1886), Clara Wohlgemuth geb. Seckel (1893).  
 
Ein Denkmal bei der Kirche Themars erinnert mit der Inschrift: "Wir gedenken der jüdischen Familien von Themar und ehren alle Opfer der Diktaturen. Die Würde des Menschen ist unantastbar".         
   
   
   
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
 
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer   
Ausschreibungen der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet (1899 /1900) 
Anmerkung: als Vorsteher unterzeichnete Mayer Müller, der sich sonst auch Max Müller nennt. Mit ihm im Vorstand waren damals die Herren J. Seckel, Frauenberger, Wertheimer und Bär. Die Ausschreibung der Stelle erfolgte nach dem Weggang von Lehrer Jacob Emanuel.  

Themar Israelit 19101899.jpg (65577 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 19. Oktober 1899: "Die Stelle eines Religionslehrers, Kantors und Schochet soll in hiesiger Gemeinde möglichst bald besetzt werden. Die Besoldung für Unterricht und Kantorat beträgt, außer freier Wohnung, Mark 900. Ertrag der Schechita Mark 250 und ist außerdem noch Gelegenheit zu leichtem Nebenverdienst geboten. Nur staatlich geprüfte Lehrer können berücksichtigt werden und wollen Reflektanten sich baldigst bei Unterzeichnetem melden. Themar (Sachs.Mein.). 
Meyer Müller

Vorstand der israelitischen Gemeinde.    
 
Themar Israelit 02081900.jpg (77949 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 2. August 1900: "Da der Lehrer der hiesigen Gemeinde seiner Militärpflicht genügen muss, so soll die Stelle eines 
Religionslehrers, Kantors und Schochets 
vom 1. Oktober dieses Jahres ab anderweitig besetzt werden. Die Besoldung für Unterricht und Kantorat beträgt außer freier Wohnung Mark 900. Ertrag der Schechita über Mark 250 und ist außerdem noch Gelegenheit zu leichtem Nebenverdienst geboten. Nur staatlich geprüfte Lehrer können berücksichtigt werden und wollen Reflektanten sich baldigst bei dem Unterzeichneten melden. 
Themar
, 27. Juli 1900. Sachs.-Meiningen. 
Der Vorstand der israelitischen Gemeinde: Mayer Müller
."     

  
Über Lehrer Moritz (Moses) Levinstein (1884-1938)   

Lehrer Moritz (Moses) Levinstein ist am 17. November 1884 in Sontra geboren. Im Ersten Weltkrieg war er Kriegsteilnehmer und wurde mit dem Ehrenkreuz für Frontkämpfer ausgezeichnet. Levinstein unterrichtete als Oberlehrer auch an der Volksschule in Themar. 1933 wurde er auf Grund des "Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums" entlassen.
Moritz Levinstein war verheiratet mit Nanett geb. Mayer (geb. 1889 in Sontra), mit der er einen Sohn Heinrich hatte, der im Dezember 1919 in Themar geboren ist.   
Im Zusammenhang mit dem Novemberpogrom 1938 wurde Moritz Levinstein inhaftiert und danach bis zum 5. Dezember 1938 im KZ Buchenwald festgehalten. Er starb auf der Rückfahrt von Weimar nach Themar am 6. Dezember 1938 in Vachdorf an Suizid. Er habe den Zug verlassen und in der Werra bei Wachdorf den Freitod gesucht. Levinstein wurde auf dem jüdischen Friedhof von Marisfeld beigesetzt.  
Der Sohn Heinrich (später Henry) Levinstein hatte bereits im Mai 1935 in die USA zu Angehörigen der Familie seiner Mutter emigrieren können (gest. 1986, zuletzt wohnhaft in Syracuse, Onondaga NY). Seine Mutter Nanett war unter den letzten, die Deutschland 1941 verlassen konnten (gest. 1990 im Alter von 101 Jahren, zuletzt wohnhaft in Syracuse, Onondaga NY).  

   
   
Aus dem jüdischen Gemeindeleben 
Judenhass am Ende des 19. Jahrhunderts (1890) 

Themar Israelit 03071890.jpg (201695 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 3. Juli 1890: "Themar, 20. Juni (1890). Am 18. dieses Monats fand vor dem hiesigen Schöffengericht eine Verhandlung statt, welche ein Nachspiel bildete zu einer im März hier abgehaltenen freisinnigen Wählerversammlung und welche zugleich ein niedliches Stückchen Antisemitismus zu Tage förderte. Der Sachverhalt ist folgender: Bei der genannten Versammlung waren auch der nationalliberale Kandidat Herr Zeitz und einige seiner Genossen aus Meiningen anwesend, welche das ihnen gewährte Gastrecht derart missbrauchten, dass sie sich überall zur unrechten Zeit bemerkbar machten, sodass schließlich unter den über solches Verhalten erzürnten Wählern ein Tumult losbrach, der den Herzoglichen Oberjäger aus Hildburghausen und den hiesigen Feldjäger veranlasste, Ruhe zu gebieten. Durch Gegenäußerungen von vier freisinnigen Herren fühlten sich die Hüter des Gesetzes beleidigt und stellten Strafantrag. Aus der Verhandlung ist hervorzuheben, dass der als Zeuge vernommene Oberjäger aussagte, einer der Angeklagten habe auf seine Aufforderung, Ruhe zu schaffen, geantwortet, er, der Oberjäger, solle doch erst dafür sorgen, dass auf seiner Seite Ruhe gehalten werde. Diese Antwort habe der Angeklagte in einem brutalen Tone gegeben und dieser Ton habe ihn beleidigt, obgleich er zugeben müsse, dass hochgradige Erregtheit in der Versammlung herrschte. Ähnlich verhält es sich mi8t den anderen drei Angeklagten. Dieselben bestritten zwar, in irgendwelche Berührung mit dem Oberjäger gekommen zu sein, und beteuerten, jedenfalls kein beleidigendes Wort gebraucht zu haben; auch sie sollen aber durch den rauen Ton, mit dem sie durch die heilige Hermandad darauf verwiesen, doch die kartellistischen Unruhestifter über die bürgerlichen Pflichten zu belehren, beleidigend sich benommen haben. Der Gerichtshof erkannte die Beleidigungen als vorhanden an und verurteilte die vier Angeklagten zu 15, 12 respektive 3 Mark Geldstrafe. In der Begründung der Urteils heißt es unter anderem, dass als strafbar erkannt wurde der Ton, in welchem an und für sich nicht strafbare Äußerungen getan wurden. Da die wegen Beleidigung des Herzoglichen Feldjägers zu Themar Angeklagten Juden waren, fühlte sich, wie der 'Meininger Zeitung' gemeldet wird, der Verteidiger veranlasst, einige Fragen an den Feldjäger Zetzmann zu richten, um dessen Gesinnungen gegen die Staatsbürger jüdischer Religion zu kennzeichnen und so die Verhandlung in das rechte Licht zu setzen. Der Zeuge musste zugestehen, dass er sich der schwersten Schimpfereien gegen die Juden schuldig gemacht. Er äußerte sich unter anderem, wenn er einen Juden verschmachtend am Grabe liegen sehe und er können ihn mit einem Tropfen Wasser retten, er würde es nicht tun usw. Der Betreffende wird sich jedenfalls wegen der praktischen Ausübung seines Judenhasses noch vor Gericht zu verantworten haben."         

 
 
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde 
Fleischermeister A. Walther hat seine Koscher-Restauration von Themar nach Meiningen verlegt (1873)   

Themar AZJ 22071873.jpg (70989 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 22. Juli 1873: "Einem verehrlichen Publikum bringe ich hiermit zur Anzeige, dass ich bei meiner vor Kurzem bewerkstelligten Übersiedelung von meinem früheren Wohnorte Themar nach der Residenzstadt Meiningen meine frühere Koscher-Restauration fortführe und will mich hiermit dem hier durchreisenden oder längere Zeit hier verweilenden israelitischen Publikum bestens empfehlen. Insbesondere habe ich bei meiner Einrichtung in hiesiger Stadt Bedacht genommen, dass auch ferner bei mir, wie früher, Mahlzeiten bei Verlobungen, Trauungen etc. in einer noch bequemeren und komfortableren Weise zu sehr billigen Preisen abgehalten werden können. Ebenso können Kinder, welche die hiesigen Studieranstalten besuchen, Kost und Logis zu billigen Preisen in meiner Behausung finden. 
Meiningen, den 10. Juli 1873. A. Walther, Fleischermeister.   

   
Diamantene Hochzeit des in Themar im Ruhestand lebenden Lehrers a.D. Maier Mayer und Karolina geb. Eisenfresser (1926)  
Anmerkung: Lehrer Maier Mayer war der Schwiegervater des Lehrers in Themar Moritz (Moses) Levinstein. Maier Mayer ist 1839 in Aschbach geboren. Er war verheiratet mit der aus Oberthulba stammenden Karoline geb. Eisenfresser (geb. 1847). Die 1889 in Schnaittach geborene Tochter Nanett heiratete später Moritz Levinstein.       

Themar Israelit 09041926.jpg (154674 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 9. April 1926: "Themar, 16. März (1926). Das Fest der diamantenen Hochzeit feierten unter Anteilnahme weiter Kreise am 16. März - dem 1. Nisan [Rosch Chodesch Nisan] - Herr Maier Mayer, Lehrer a.D. und dessen Gattin Karolina geb. Eisenfresser in körperlicher Rüstigkeit und geistiger Frische in Themar (Meiningen). Ein feierlicher Festgottesdienst versammelte die ganze Gemeinde in der festlich geschmückten Synagoge. Es war erhebend, als der ehrwürdige Greis von 87 Jahren mit wohlklingender Stimme den Segensspruch über die Thora aussprach. Im Anschlusse an den Gottesdienst fand die Feier statt, die durch einen sinnreichen Prolog, vorgetragen von drei Enkelkindern, eingeleitet wurde. Darauf folgte die eindrucksvolle Festrede des Schwiegersohnes des dortigen Lehrers, Herrn M. Levinstein. Lehrer S. Blumenthal, Neustadt a. Aisch als Neffe schloss sich den Worten des Festredners an und überbrachte die Glückwünsche der weiteren Verwandtschaft und die des 'Israelitischen Lehrervereins in Bayern', dessen Nestor der Jubilar ist. Namens der Kultusgemeinde Schnaittach, woselbst der Jubilar 47 Jahre wirkte, überbrachte Herr Freimann Glückwünsche, ein Ehrengeschenk nebst einer kunstvoll ausgeführten Ehrenurkunde. Mit Verlehrung eines ehrenden Glückwunschschreibens des Reichspräsidenten Hindenburg, des 1. Bürgermeisters der Marktgemeinde Schnaittach, des Präsidiums des D.J.G.B., des 1. Vorsitzenden des israelitischen Lehrervereins in Bayern, des Vorsitzenden des Verbandes der jüdischen Lehrervereine in Deutschland, sowie der Mitteilung von der Verleihung des Chowertitels ('Ehrenrabbiner') durch den Herrn Distriktsrabbiner Dr. Weinberg in Neumarkt und herzlichen Dankesworten an die Festversammlung seitens des ältesten Sohnes des Jubelpaares Herrn Lehrer M. Mayer, Fürfeld namens seiner 6 Brüder und drei Schwestern schloss der feierliche Akt, der auf alle Teilnehmer einen erhebenden Eindruck macht.  Nicht unerwähnt sei, dass der greise Jubilar beim Festmahle eine sinnreiche Rede hielt, die mit Dank für Gottes Gnade ausklang, und dass derselbe mit klangvoller Stimme die Birchas hamoson vortrug. Mögen dem ehrwürdigen Ehepaare ncoh viele Jahre der Freude und des Glückes mit Gottes Hilfe im Kreise der Kinder und Enkel beschieden sein."    

   
Zum Tod des im Ruhestand in Themar lebenden Lehrers a.D. Maier Mayer (1926) 

Schnaittach BayrGZ 07011927.jpg (129582 Byte)Artikel in der "Bayrischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 7. Januar 1927: "Personalien. In Themar, wo ihm kindliche Dankbarkeit und Liebe ein freundliches Heim geschaffen und einen sorgenfreien, heiteren Lebensabend bereitet hatten, verstarb am 24. November (18. Koslew) der Nestor und Mitbegründer unseres Vereins, Maier Mayer, im Alter von 86 Jahren und 7 Monaten. Er wurde am 22. April 1839 in Aschbach geboren, erhielt seine Ausbildung in Höchberg und Würzburg und wurde nach mehrjähriger Tätigkeit als Religionslehrer in Oberthulba und Giebelstadt in die damals noch blühende Gemeinde Schnaittach berufen, wo er nahezu ein halbes Jahrhundert in Schule und Gemeinde wirkte, bis er im Jahre 1914 in den wohlverdienten Ruhestand trat und nach Themar übersiedelte. Auch in dieser Gemeinde machte er sich besonders verdient, indem er in gottbegnadeter, körperlicher und geistiger Rüstigkeit in den Jahren 1916-1918, als sein Schwiegersohn, Lehrer Levinstein, zum Kriegsdienste eingerufen wurde, dessen anstrengenden Dienst versah. Noch als 86jähriges fungierte er am Rochhaschanah (Neujahr) und Jomkippur als Scheliach Zibbur (Vorbeter). Die hohe Verehrung und Liebe, die ihm aus allen Kreisen entgegengebracht wurde, fand noch besonderen Ausdruck, als er im Vorjahre mit seiner Gattin unter Teilnahme der ganzen Gemeinde, ohne Unterschied des Glaubens, der Vertreter aus seinem vieljährigen Wirkungsorte und der Behörden - der Verband Bayerischer Israelitischer Gemeinden sei hierbei eigens genannt - das seltene Fest der diamantenen Hochzeit feiern konnte. Bezirksrabbiner Dr. Weinberg in Neumarkt verlieh im anlässlich dieser Feier den Chower-Titel. Um den Heimgegangenen trauern mit der Gattin 10 Kinder, 7 Söhne und 3 Töchter. An seiner Bahre hielt der Schwiegersohn die Trauerrede, der älteste Sohn, Lehrer Moses Mayer, widmete dem Vater tief ergreifende Worte des Abschieds. Möge das Andenken des Zaddik zum Segen sein! Blumenthal, Neustadt a.d.A."    

   
   
   
Zur Geschichte der Synagoge         
    
Zunächst war ein Betraum vorhanden. 1877 konnte eine Synagoge im Obergeschoss eines Hauses an der damaligen Hildburghäuser Straße eingeweiht werden. 
   
Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge nicht zerstört. Das Gebäude wurde verkauft.
 
Nach 1945 wurde das ehemalige Synagogengebäude zeitweise als Schule verwendet und in den 1950er-Jahren zu einem bis heute bestehenden Wohnhaus umgebaut. 
   
   
Adresse/Standort der Synagoge   Thälmannstraße 17 (früher: Oberstadt Nr. 205, dann Hildburghäuser Straße 17)     
  
  
Fotos     

Das Gebäude der ehemaligen 
Synagoge in Themar
(Quelle: www.judeninthemar.org 
bzw. Foto-Mittag Themar) 
Themar Synagoge 020.jpg (68142 Byte) Hinweise: zahlreiche Fotos zur 
jüdischen Geschichte und zur Geschichte 
der jüdischen Familien bei
 www.judeninthemar.org  
     

  
  
 

März 2013: In Themar werden vier "Stolpersteine" verlegt  
Bericht in jueden-in-thueringen.de   
Anmerkung: "Stolpersteine" wurden verlegt in der Bahnhofstraße 7 für die Familie Rosengarten 
 
März 2014: In Themar werden weitere "Stolpersteine" verlegt  
Artikel in "in Südthüringen.de" vom 7. März 2014: "Stolpersteine für zwei jüdische Familien
In Themar werden weitere Stolpersteine für zwei jüdische Familien aus der Stadt verlegt. Zudem soll eine multimediale Ausstellung über jüdisches Leben in Themar eröffnet werden.
Themar -
Es sind insgesamt sieben Stolpersteine, die Künstler Gunter Demnig am Mittwoch, dem 19. März, in Anwesenheit von Nachfahren jüdischer Familien in das Pflaster der Themarer Fußwege einlassen wird. Bereits im vergangenen Jahr hatte Demnig einige solcher kleinen Mahnmale in Themar verlegt..." 
Link zum Artikel    
Artikel von Georg Vater in "in Südthüringen.de" vom 20. März 2014: "Sieben Stolpersteine gegen das Vergessen
Sieben weitere Stolpersteine erinnern seit Mittwoch in Themar an einstige jüdische Mitbürger. Bildhauer Gunter Demnig ließ die Steine mit den Namen ehemaliger Bewohner vor ihren Häusern in das Pflaster der Gehwege ein..."  
Link zum Artikel       
Anmerkung: drei Steine wurden verlegt für den Lehrer Moritz Levinstein, seine Frau und sein Sohn Heinrich (Thälmannstraße 17, Wohnort der Familie und Synagoge), vier Steine wurden verlegt für die Familie Max Müller I (Warenhaus): Max Müller und seine Frau Clara sowie Sohn Semi Müller und die Tochter Martha Müller verheiratete Steindler". Bei der Ausstellung handelt es sich um die aktualisierte und modernisierte Ausstellung "Sie waren Themarer" über das Leben und Schicksal jüdischer Themarer Familien im Amtshaus.  
  


   
Links und Literatur

Links:   

Website der Stadt Themar  

Website www.judeninthemar.org  

Fotoseite von Debora Mayer (Besuch u.a. in Themar auf den Spuren ihrer Vorfahren)   

Literatur:  

Germania Judaica II,2 S. 818-819 . 
Karl-Heinz Roß / Hans Nothnagel: Die jüdische Gemeinde Themar - ein fragmentarischer Rückblick. In: Hans Nothnagel (Hrsg.): Juden in Südthüringen - geschützt und gejagt. Band 2: Juden in den ehemaligen Residenzstädten Römhild, Hildburghausen und in deren Umfeld. Suhl 1998 S. 109-125.   
Israel Schwierz: Zeugnisse jüdischer Vergangenheit in Thüringen. Eine Dokumentation - erstellt unter Mitarbeit von Johannes Mötsch. Hg. von der Landeszentrale für politische Bildung Thüringen ( www.lzt.thueringen.de) 2007. Zum Download der Dokumentation (interner Link). Zu Themar: S. 252-253.      
Studienkreis Deutscher Widerstand (Hg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933-1945. Band 8 Thüringen. Frankfurt am Main 2003. S. 132-133 

    
    


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Themar, Thuringia. There were Jews living in Themar in the 13th century. After the persecutions of 1298, there is no mention of Jewish settlement in Themar until the mid-19th century. 
In 1865 and 1867, the local Jewish population increased following an influx of newcomers from neighboring Bibra and Marisfeld. The community, numbering 93 in 1871, was officially constituted only in 1877, when a synagogue was dedicated. Burials were conducted in the Jewish cemetery in nearby Marisfeld. Of the 62 Jews living in Themar when the Nazis came to power in 1933, only 48 remained in march 1938. On Kristallnacht (9-10 November 1938), 18 Jewish men were arrested, abused, and deported to the Buchenwald concentration camp, where at least one died. The synagogue, which was adjacent to non-Jewish houses, was not destroyed. Fifteen of the 48 remaining Jew emigrated to the United States, England and Palestine. Those who remained were deported during the war years. 
   
    

                   
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Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 22. März 2014