Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Vacha
(Wartburgkreis, Thüringen)
Jüdische Geschichte / Synagoge 

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer      
Berichte zu einzelnen Personen aus der jüdischen Gemeinde   
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen   
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen  
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte    
Links und Literatur    

  

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)   
    
In Vacha, einer im 12. Jahrhundert an einem Knotenpunkt mittelalterlicher Handelsstraße liegenden Stadt, bestand eine jüdische Gemeinde bereits im Mittelalter. Vermutlich waren seit der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts Juden in der Stadt anwesend. Engere Beziehung nach Erfurt lassen sich aus der Überlieferung schließen, dass die Erben des Juden Meiger von Vacha 1323 ein Viertel einer Hausstätte in Erfurt besaßen. Von der Judenverfolgung in der Pestzeit 1348/49 waren auch die Juden in Vacha betroffen. In der Zeit vor dieser Verfolgung dürften jüdische Familien in der "Judengasse" gelebt haben (heute wahrscheinlich die "Braugasse", eine Verbindungsgasse zwischen Marktplatz und Bachgasse). Ihre Entstehung geht auf die Zeit vor der Ummauerung des Altstadtkernes (vor 1250) zurück. Erstmals wird in einer Urkunde vom Juni 1343 die Judengasse genannt. Nach der Judenverfolgung 1348/49 war sie von Christen bewohnt. 1399 wurde Juden die Niederlassung vom Abt in Fulda wieder gestattet (in einer diesbezüglichen Urkunde wird Vacha gleichzeitig mit Fulda, Hammelburg und anderen fuldischen Städten genannt). Eine erste Erwähnung gab es wieder 1414 (Jud Ysaac). Bis zur ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts dürften nur vereinzelt Juden in der Stadt gelebt haben. 
 
Um 1590 ist Joseph Plaut in Vacha geboren, von dem eine große Liste von Nachkommen vorliegt (Link zur pdf-Datei).   
    
Im 17. Jahrhundert nahm die Zahl der jüdischen Familien zunächst zu (um 1630 waren mindestens zehn jüdische Steuerzahler in der Stadt). 1652 war nur noch ein Jude (Jud Joseph) beziehungsweise eine jüdische Familie in Vacha. 1702 werden acht jüdische Steuerzahler genannt. Im Laufe des 18. Jahrhunderts nahm die Zahl der jüdischen Einwohner kontinuierlich zu, sodass 1777 eine Jüdische Kultusgemeinde gegründet werden konnte. 1792 wird der "Judenschulmeister" Ephraim genannt. Bis zum 18. Jahrhundert lebten die jüdischen Familien fast ausschließlich vom Vieh- und Warenhandel.  
  
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1841 68 jüdische Einwohner, 1910 106, 1913 Höchstzahl von 121 Personen.  
   
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge, eine jüdische Schule (im Gebäude der Synagoge), ein rituelles Bad (im jüdischen Wohnhaus Schulstraße 11) und einen Friedhof. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war. 
  
Im Ersten Weltkrieg fiel aus der Gemeinde der Gefreite Moritz Katz (geb. 12.10.1894 in Vacha, vor 1914 in Detmold wohnhaft, gef. 15.7.1915).      
    
Mitte der 1920er-Jahre gehörten dem Synagogenvorstand Willy Kath, Wolf Katz, Adolf Nußbaum, Meier Bachrach, Schön, Isaac Hecht an. Der Religionsunterricht wurde durch Lehrer Sebald Müller aus Tann erteilt (neun Kinder); Müller war von 1919 bis 1921 bereits jüdischer Lehrer in Vacha gewesen. Seit 1925 war Lehrer der Gemeinde Moses Löwenstein, der zuvor Lehrer an der jüdischen Volksschule in Battenfeld war.  
  
Es gab mehrere jüdische Viehhandlungen und Warengeschäfte. 1929 werden genannt: die Viehhändler: Bernhard Abraham, Meier Bacharach, Meier Baumgart, Isaak Hecht, Wolf Katz und Kaufmann Schön, die Putzmacherin Berta Blau, die Kaufleute: Herbert Gans, Gottlieb Goldschmidt, Hermann und Samuel Goldschmidt (Hofbankhaus Gebr. Goldschmidt), Leopold Isaak, Heinemann Katz, Willy Katz, Adolf Nußbaum, Hermann Strauß. Konfektionsgeschäfte hatten Meta Gans und Rosa Oppenheim. 
   
Die jüdischen Einwohner waren im Leben der Stadt völlig integriert. Eisemann Jacob Katzenstein wurde 1896 in den Vachaer Stadtrat gewählt. An jüdischen Vereinen gab es Mitte der 1920er-Jahre einen Israelitischen Frauenverein (unter Hannchen Bachrach) mit etwa 25 Mitgliedern und einen Jugendverein mit etwa 20 Mitgliedern.  
    
Bis 1933 ging die Zahl der jüdischen Einwohner Vachas durch Aus- und Abwanderung auf 71 zurück (Gesamteinwohnerzahl ca. 2.300 Einwohner). Von diesen konnten in den folgenden Jahren mindestens 35 emigrieren (Palästina, England, USA). Acht verstarben am Ort. Das Schicksal von mindestens 25 anderen Personen ist nicht bekannt. Fast alle von Ihnen wurden vermutlich in Vernichtungslagern ermordet. Von 45 weiteren, in Vacha geborene und später an andere Orte verzogene jüdische Personen ist bekannt, dass 5 emigrieren konnten, 29 deportiert und ermordet wurden. Der Verbleib von zehn weitere Personen ist nicht bekannt. 
  
Von den in Vacha geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Louis Bachrach (1876), Meier Bachrach (1872), Kulis Blau (1889), Jenny Braunschweiger geb. Dörnberg (1876), Carolina (Lina) Dörnberg geb. Stern (1859), Selma Ebstein geb. Katzenstein (1880), Albert Gans (1876), Julie Haaf geb. Dörnberg (1883), Lina Hartmann geb. Gans (1873), Meta Holländer geb. Katz (1872), Leopold Isaak (1882), Arnold Katzenstein (1878), Dr. Leopold Katzenstein (1877), Irma Klestadt geb. Katz (1893), Hannchen Löwenstein geb. Katz (1870), Jakob Melly geb. Bachrach (1878), Edith Oppenheim (1909), Rosa Oppenheimer (1877), Sitty Rosenberg geb. Katz (1905), Josephine Salomon geb. Marx (), Selma Schön geb. Kaufmann (1904), Lina Schwabe geb. Speyer (1870), Klara Speyer (1874), Fredegunde Spiegel geb. Abraham (1904), Karoline (Lina) Stiebel geb. Kaiser (1872), Berta Strauss geb. Strauss (1898), Brunhilde Strauss (1928), Julie Strauss geb. Katzenstein (1875), Susanne Strauss (1926).
    
    
    
Aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde         
   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer  

Ausschreibungen der Stelle des Vorbeters, Religionslehrers und Schochet 1921 / 1925  

Vacha Israelit 09061921.jpg (45129 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 9. Juni 1921: "Wegen Versetzung unseres bisherigen Lehrers in den Staatsdienst suchen wir zum baldigen Antritt einen Religionslehrer, der die Funktionen eines Kantors und Schächters mitversehen muss. Bewerbungen (Zeugnisabschriften) richte man an den 
Vorstand der Israelitischen Kultusgemeinde Vacha (Rhön)."  
  
Vacha Israelit 16071925.jpg (39723 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 16. Juli 1925: "Religionslehrer, Vorbeter und Schochet gesucht. Besoldung einschließlich hiesiger Schechito nach Gruppe 7, dazu Nebeneinkommen (Schechito in Barchfeld). Bewerbungen mit Lebenslauf, Zeugnissen und Referenzen an den Vorstand der Israelitischen Kultusgemeinde Vacha."  

   
Lehrer (?) N. Goldschmidt verabschiedet sich am 25jährigen Dienstjubiläum (1892)    

Vacha Israelit 18011892.jpg (49529 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 18. Januar 1892: "Vacha, im Januar. Meiner lieben Gemeinde, meinen Freunden und Gönnern sage ich auf diesem Wege besten Dank für die mir erwiesene Aufmerksamkeit und Anerkennung zu meinem 25jährigen Dienstjubiläum. 
N. Goldschmidt.
"    

   
Lehrer Sebald Müller verlässt die Gemeinde (1921)  

Vacha Israelit 04081921.JPG (57425 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 4. August 1921: "Vacha (Rhön), 20. Juli (1921). Nach zweijähriger segensreicher Wirksamkeit, verlässt Herr Lehrer Müller unsere Gemeinde, um einem Rufe als Elementarlehrer und Vorbeter nach Tann in der Rhön zu folgen. Durch seiner Pflichttreue, sein emsiges Streben, die Jugend im Sinne unserer heiligen Tora zu erziehen, wie durch sein freundliches Wesen, hat er sich die Herzen sämtlicher Gemeindemitglieder gewonnen, die sein Scheiden aufrichtig bedauern. Vergangenen Schabbat hielt Herr Müller eine zu Herzen gehende Abschiedsrede. Die besten Wünsche für eine glückliche Zukunft geleiten ihn in seinen neuen Wirkungskreis."

   
   
Berichte zu einzelnen Personen aus der jüdischen Gemeinde    
Zum Unfalltod von Hermann Katz (1927)    
   

Artikel in der "Jüdischen Wochenzeitung für Kassel, Kurhessen und Waldeck" vom 23. September 1927: "Vacha (Werra). Einem schrecklichen Autounglück ist am vergangenen Sonntag das Mitglied der hiesigen Gemeinde Hermann Katz zum Opfer gefallen. Als das mit drei Personen besetzte Auto einem auf der Straße stehenden Kraftwagen ausweichen wollte, fuhr es infolge zu schnellen Fahrens mit voller Wucht gegen einen Baum. Die Insassen wurden herausgeschleudert. Katz wurde auf einen Steinhaufen geschleudert und blieb tot liegen. Der Chauffeur, ein verheirateter Mann, wurde so schwer verletzt, dass er noch im Laufe des Tages seinen Verletzungen erlag. Der dritte Insasse wurde ebenfalls schwer, jedoch nicht lebensgefährlich verletzt."        

       
       
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen  
Anzeige des Manufaktur- und Kolonialwaren-Geschäftes E. J. Katzenstein (1872)
     

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 1. Mai 1872: "Für mein Manufaktur- und Kolonialwaren-Geschäft, verbunden mit einigen Agenturen, suche ich auf 1. Juli dieses Jahres bei freier Station und anständigem Gehalt einen mit der Buchführung bewanderten Commis. Fachkenntnisse erwünscht. Sabbat- und Festtage streng geschlossen. 
Reflektanten belieben sich baldigst zu wenden an 
E. J. Katzenstein
in Vacha, Kreis Eisenach."     

    
Anzeige der Lederhandlung Rudolf Kaiser (1903)   

Vacha Israelit 03091903.jpg (29126 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 3. September 1903: 
"Für meine Lederhandlung suche ich zum Eintritt am 1. eventuell 15. Oktober einen 
Lehrling, sowie einen Volontär. 
Rudolf Kaiser Nachfolger, Vacha."  

    
Verlobungsanzeige von Rosi Schuster und Robert Hess (1929)  

Bad Brueckenau Israelit 28031929a.jpg (18185 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 28. März 1929: 
"Rosi Schuster - Robert Hess.  Verlobte.  
Brückenau - Vacha. Purim / 26. März 1929".  

     
Anzeige des Häute- und Fellgeschäftes S. Goldschmidt (1929)        

Artikel in der "Jüdischen Wochenzeitung für Kassel, Kurhessen und Waldeck" vom 6. Dezember 1929: 
"Für mein Häute- und Fellgeschäft 
Lehrling
oder Volontär 
zum baldigen Eintritt gesucht. 
S. Goldschmidt  Vacha (Weser).
"         

 
Verlobungsanzeige von Ruth Gans und Dr. Karl Schön (1934)         

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 26. April 1934: 
"Gott sei gepriesen. Ruth Gans - Dr. Karl Schön 
zeigen ihre - so Gott will - am 3. Mai Lag Baomer stattfindende Vermählung an. 
Vacha   Heidelberg.  Trauung Frankfurt am Main, Grünestraße 42 . 
1 Uhr. Freunde und Bekannte sind herzlich eingeladen."       

   
   
   
Zur Geschichte der Synagoge      
   
In Quellen des Mittelalters wird noch keine Synagoge oder "Judenschule" genannt. Erstmals wird 1629 berichtet, dass die jüdischen Familien einen Gottesdienst in einem Privathaus abhielten. Mit dem Rückgang der jüdischen Familien nach ca. 1635 gab es keine Gottesdienste mehr in der Stadt. 1673 wird berichtet, dass die Juden aus Vacha an den Gottesdiensten in Schenklengsfeld teilnahmen. Erst im Laufe des 18. Jahrhunderts wurden in Vacha selbst wieder Gottesdienstes eingerichtet. 1777 wird eine Jüdische Kultusgemeinde gegründet. Die Gottesdienste fanden vermutlich im ehemaligen Wohnhaus des jüdischen Gemeindegliedes Hele Bacharach statt ("Judenschule" seit 1786 genannt). Hier war auch eine Zimmer für den Unterricht der jüdischen Kinder eingerichtet. Für die Einrichtung von Synagoge und Schule war ein jährlicher Betrag an die Stadt zu bezahlen. Am 31. März 1829 erhielt die Gemeinde die Genehmigung zum Umbau ihrer Synagoge in der Hintergasse. 
  
Aus der Synagogengeschichte liegen nur wenige Berichte vor. 1877 wird einmal von der Einweihung einer neuen Torarolle im Herbst 1876 in Anwesenheit von Landrabbiner Dr. Theodor Kroner berichtet (Landesrabbiner für Sachsen-Weimar in Stadtlengsfeld von 1872 bis 1883):  

Weimar Israelit 30051877b.jpg (435468 Byte)Innerhalb eines längeren Berichte "aus Thüringen" in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. Mai 1877: "Doch zurück zum Gegenstand meiner Berichterstattung. Das Großherzogtum Weimar hat außer Weimar, Eisenach und Stadtlengsfeld nur noch fünf Synagogengemeinden. In diesen letzteren hat sich, trotz jahrelanger gegenteiliger Einflüsse, das israelitisch-religiöse Leben und die orthodoxe Praxis in Kultus- und in Familienleben ungeschwächt erhalten, ja sich teilweise wo sie in Abnahme begriffen waren, zu neuer Lebenskraft erhoben. In einer dieser Gemeinden, die sich vor einem Jahrzehnt als Gemeinde auf den Aussterbeetat zu stellen im Begriffe war, in Vacha, hat im vorigen Herbste unter großer Beteiligung fast sämtlicher Einwohner der Stadt eine Torarollen-Weihe stattgefunden. Bei Gelegenheit der damit verbunden gewesenen Festlichkeiten fand ein vom Landrabbiner, Herrn Dr. Kroner, ausgebrachter Toast viel Beifall. Ein Mitglied des Stadtvorstandes, ein Buchbinder, toastete auf das Wohl des Herrn Landrabbinen. Dieser, ein geistreicher, stets schlagfertiger Stegreifredner, antwortete alsbald mit einem Toaste, in welchem er ungefähr Folgendes sagte: 'Der Herr, welcher meiner eben so freundlich gedacht, ist seines Gewerbes ein Buchbinder. Ein Buch besteht, bevor der Buchbinder seine Kunst an ihm geübt hat, aus losen Blättern, die jedes für sich allein betrachtet, ohne allen Zusammenhang untereinander zu sein scheinen und deshalb mit ihrem Inhalte of unverständlich sind. Die Kunst des Buchbinders besteht darin, diese losen und unverbundenen Bestandteile zu einem Ganzen zu verbinden, wodurch sie erst Sinn und Verständnis geben. Auf dieselbe Weise verfährt auch Gott mit den Menschen. Die losen Blätter in der Menschenwelt, das sind die verschiedenen einzelnen Völkerschaften, deren oft so sehr verschiedene Lebensgestaltung und Begabung unserm schwachen, beschränkten Blicke die Zusammengehörigkeit und den Zusammenhang zu- und untereinander nicht immer erkennbar machen. Gott aber fügt im Laufe der Zeiten diese losen Blätter nach und nach zusammen. Durch äußere Bedürfnisse und durch die fortschreitende innere Bildung und Gesittung werden die Menschen und Völker immer mehr einander nahe gebracht, bis endliche die Zeit kommt, in welcher sie alle, sich einander ergänzend, durchdringend und umschlingend, in einem einzigen Bunde und zu einem einzigen Bande vereinigt sind.' Lebhafter Beifall folgte diesen Worten."         

   
Das Gebäude der Synagoge diente als Gotteshaus bis zur Zerstörung der Inneneinrichtung 1938: beim Novemberpogrom 1938 drangen sieben bis acht Personen in die Synagoge ein und zerstörten Geräte und Bänke. Die jüdische Gemeinde verkaufte wenig später Synagoge und Grundstück für 1.900 Reichsmark an die Stadt. 
  
Im Juni 1948 kam es zur Rückübertragung des Gebäudes mit Grundstück an den Landesverband Thüringen der jüdischen Gemeinden. Von diesem kam das Gebäude 1954 in Privatbesitz. Im Frühjahr 1955 wurde das Synagogengebäude abgebrochen. Auf dem Grundstück wurden Garagen und ein zweistöckiges Wohnhaus erbaut.
Eine Mikwe (rituelles Bad) befand sich in dem früheren jüdischen Wohnhaus Schulstraße 11. Sie wurde vermutlich bereits im 18. Jahrhundert eingerichtet.  
    
    
Adresse/Standort der Synagoge: Schulstraße 22    
    
    

Fotos und Pläne
(Quellen für die Pläne: Nothnagel s.Lit. S. 209-210)  

Plan der Altstadt von Vacha mit 
Eintragung der Braugasse (vormals
 vermutlich "Judengasse")
Vacha Plan 01.jpg (82915 Byte)  
       
     
Plan der Synagoge Vacha Synagoge 01.jpg (25860 Byte)  
      
     
Fotos werden noch eingearbeitet; über Zusendungen freut sich der Webmaster; 
Adresse siehe Eingangsseite 
 

    
    
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte   

November 2013: In Vacha sollen ab März 2014 "Stolpersteine" verlegt werden  
Artikel von "bf" in "inSüdthüringen.de" vom 7. November 2013 (Link zum Artikel): "Stolpersteine: Vacha erinnert an jüdisches Leben
Die Stadt Vacha sorgt für sichtbare Erinnerung: Vor den Häusern ehemaliger jüdischer Mitbürger werden Stolpersteine verlegt.
Vacha - Einstimmig hat der Vachaer Stadtrat in der Sitzung am Dienstagabend der Verlegung von Stolpersteinen zugestimmt.

In Vacha lebten bis zum Zweiten Weltkrieg viele Bürger jüdischen Glaubens. Einigen von ihnen gelang die Flucht vor den Nationalsozialisten, sie emigrierten ins Ausland. Viele überlebten den braunen Terror nicht, sie wurden ermordet. In diesem Jahr am 9. November jährt sich die Reichspogromnacht zum 75. Mal. Aus diesem Anlass hatte der Heimat- und Geschichtsverein vorgeschlagen, in Vacha Stolpersteine verlegen zu lassen, um der ehemaligen jüdischen Mitbürger zu gedenken. Die Stolpersteine - einer kostet etwa 120 Euro - werden ausschließlich über Spenden finanziert, aber im öffentlichen Raum verlegt, deshalb war die Zustimmung des Stadtrats nötig.
"Ich persönlich finde, das ist eine gute Sache", sagte Bürgermeister Martin Müller (CDU). "Es ist nicht nur eine Würdigung für die Opfer des Nationalsozialismus und ein Gedenken an sie, sondern in gewisser Weise macht es uns auch bewusst, dass die Stadt Vacha eine reiche jüdische Geschichte hatte, die nach 1938 komplett weggebrochen ist."
Nur Reste einer Tradition. Heute seien nur noch Reste von der einstigen Tradition übrig: Der jüdische Friedhof und die Mikwe (jüdisches Tauchbad). Beides befinde sich "aber relativ außerhalb vom Sichtfeld der Bevölkerung", stellte der Bürgermeister fest. Die Stolpersteine hingegen "sind im Gehweg - und der ein oder andere stößt dann doch drauf und fragt sich: Was ist hier geschehen?"
Verlegt werden die Stolpersteine vom Initiator des Gedenk-Projekts, dem Künstler Gunter Demnig. Eigentlich habe man gehofft, das noch in diesem Jahr tun zu können, "wir hatten schon im Frühjahr angefragt", berichtete Martin Müller. Doch der Terminkalender des Künstlers sei zu voll, "weil es mittlerweile in so vielen Städten nachgefragt wird". Die Verlegung soll nun am 18. März 2014 stattfinden - zu entscheiden sei noch wo. Fest steht nur, dass sie jeweils vor Häusern, in denen jüdische Bürger gewohnt haben, in den Bürgersteig eingesetzt werden. Zunächst müsse nun unter Federführung des Heimat- und Geschichtsvereins recherchiert werden, die Namen welcher jüdischen Bürger auf den Steinen stehen sollen.
Jürgen Adler (Freie Wähler) fragte nach, ob auch "eine Art Dokumentation" über die Familien geplant sei, ",dass man nachlesen kann, wen es betraf" und über ihre Namen hinaus etwas über die Menschen erfahre. Der Heimat- und Geschichtsverein habe zum Leben und den einzelnen Schicksalen der jüdischen Mitbürger recherchiert, sagte der Bürgermeister, "und wir werden das natürlich dann bei dieser Verlegung zum Anlass nehmen, um das vielleicht zu verbinden mit einem Vortrag".
Am 18. März sollen zunächst vier Stolpersteine in Vacha verlegt werden. "Es kann aber sein, dass noch mehr dazu kommen", sagte Martin Müller. bf."   
 

   
     

Links und Literatur  

Links:  

Website der Stadt Vacha 

Website http://www.juden-in-nordhessen.co.de: unter " Genealogien jüdischer Familien in Nordhessen" findet sich ein Stammbaum der Familie Plaut in Vacha (unter Forschung Christoph Kuehn)  

Literatur:  

Germania Judaica II,2 S. 849-850; III,2 S. 1528.

Zeugnisse jüdischer Kultur S. 289-290. 

Michael Brocke/Eckehart Ruthenberg/Kai Uwe Schulenburg: Stein und Name. Die jüdischen Friedhöfe in Ostdeutschland. Reihe: Veröffentlichungen aus dem Institut Kirche und Judentum Bd. 22 Berlin 1994 S. 648-649. 

Hans Nothnagel (Hg.): Juden in Südthüringen - geschützt und gejagt. Bd. 5: Jüdische Gemeinden in der Vorderröhn. Suhl 1999 S. 206-242.

   
    


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Vacha  Thuringia. Jews settled in Vacha in the first half of the 14th century. They were expelled during the Black Death persecutions of 1348-49. A community began to develop in modern times and by 1841 there were 68 Jews in Vacha. The community maintained a synagogue an a cemetery dating back to the 17th century. The Jewish population was 121 in 1913. Of the 71 Jews who lived in Vacha on the eve of the Nazi takeover in 1933, seven died of natural causes and 33 emigrated, most to safe heavens in Palestine, England and the U.S. On Kristallnacht (9-10 November 1938), the synagogue was destroyed. No further information is available about the fate of those who remained in Vacha. 
    
     

                   
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Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 20. Oktober 2014