Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Battenfeld (Gemeinde Allendorf) mit Allendorf (Eder) und -Rennertehausen 
sowie Battenberg (Eder) mit Stadtteilen Berghofen und Laisa, 
dazu Bromskirchen (alle Kreis Waldeck-Frankenberg)
Jüdische Geschichte / Synagoge

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer   
Über einzelne Personen aus der jüdischen Gemeinde   
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen
Links und Literatur   

   

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)

In Battenfeld (mit Umgebung) bestand eine jüdische Gemeinde bis 1938. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 17./18. Jahrhunderts zurück. Einzelne jüdische Bewohner sind seit Anfang des 17. Jahrhunderts in Battenberg und in Battenfeld nachweisbar. 
In Battenfeld werden um 1680 werden jüdische Einwohner genannt: damals wollte ein Jude in der Nähe der Battenfelder Kirche und des Pfarrhauses ein Haus kaufen, wogegen der Superintendent in Gießen bei der landgräflichen Regierung in Darmstadt (wahrscheinlich vergeblich) protestierte.  1711/12 waren es vier jüdische Familien in Battenfeld (Baruch, Witwe des Koppel, Jecuff [=Jakob], Salm); in den folgenden Jahren erfährt man u.a. von Jud Ariel (1726), Amschell (ab 1727).  
In Battenberg wird 1733 Michel Jud genannt, 1742 gab es "acht Beisassen und Juden", 1770 allerdings nur vier jüdische Witwen, keine Männer.
In Allendorf (Eder) wird ab 1727 Jud David genannt.   
    
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 
in Battenfeld 1830 60 jüdische Einwohner, 1859 50, 1871 29 (5,5 % von insgesamt 531 Einwohnern), 1895 29 (5,7 % von 512), 1905 19 (4,1 % von 462), 1910 22 (4,7 % von 470);
in Battenberg 1830 64 jüdische Einwohner, 1845 64, 1861 78, 1895 45; 
in Allendorf (Eder) 1830 23 jüdische Einwohner; 
in Bromskirchen 1830 25 jüdische Einwohner;  
in Berghofen 1830 21 jüdische Einwohner, 1905 10.      

An Einrichtungen bestanden eine Synagoge (s.u.), eine jüdische Schule (Israelitische Elementarschule von 1825 bis 1925, seit 1876/77 als öffentliche Israelitische Volksschule), ein rituelles Bad (vermutlich jedoch keine zentrale Mikwe, sondern private Mikwen in einzelnen Häusern) und ein Friedhof. Die jüdische Schule wurde 1825 von Aron Blumenthal gestiftet. Ein jüdisches Schulhaus mit Lehrerwohnung wurde erst Anfang des 20. Jahrhundert (1905/06 erbaut, neben der Synagoge Marktstraße 27). In der Schule wurden 1878 24 Kinder unterrichtet, 1882 14, 1886 10, 1901 19, 1903 17. Zum Unterricht und zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war. Um 1818 wird ein Vorbeter namens Lila aus Battenfeld genannt; er assistierte am 14. August 1818 bei der Einweihung der Synagoge in Marburg. Als Lehrer werden genannt: Elias Birkenstein (um 1818 bis mind. 1831 in Battenberg, einer der ersten stark reformorientierten Lehrer in Hessen; Samuel Wallach (aus Schwarzenborn, verh. mit Karoline geb. Levi), der 1880 in Battenfeld verstarb;  Leopold Strauß (verh. mit Sally geb. Stern) in den 1880er-Jahren; Moses Löwenstein (verh. mit Sara geb. Stern), der 1925 nach Vacha wechselte.  Die Gemeinde gehörte zum Rabbinatsbezirk Oberhessen mit Sitz in Marburg.    
   
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde: aus Battenberg Albert Ihlfeld (geb. 10.3.1885 in Battenberg, gef. 24.4.1918) und Adolf Alfred Stern (geb. 22.6.1886 in Oberasphe, gef. 9.4.1915). Außerdem ist gefallen: Richard Strauß (geb. 10.1.1893 in Battenfeld, vor 1914 in Dinslaken wohnhaft, gef. 15.12.1916). In der Ehrenchronik der Gemeinde Battenfeld sind auch die Kriegsteilnehmer Hermann Blumenthal, Wilhelm Elsoffer, Menny Lehrberger und Isaak Stern verzeichnet; drei von ihnen waren mit dem "Eisernern Kreuz" ausgezeichnet worden.   
 
Die jüdischen Familien waren im allgemeinen Leben der Orte, insbesondere auch des Vereinslebens weitestgehend integriert. So war Ruben Stern Mitbegründer des Battenfelder Gesangvereins. Die jüdischen Familien spendete auch für wohltätige Zwecke der christlichen Gemeinde. Auch in einer Spendenliste für eine neue Orgel in der Battenfelder Kirche finden sich etliche jüdische Namen. In Battenberg war u.a. Louis Neubürger Mitglied im Schützen- und Kriegerverein wie auch in der Feuerwehr des Ortes.        
   
Um 1924, als zur jüdischen Gemeinde in Battenfeld 17 Personen gehörten (3,1 % von insgesamt 546 Einwohnern; dazu die in den anderen Orten lebenden jüdischen Personen), waren die Gemeindevorsteher Siegfried Lindheim (Rennertehausen), H. Oppenheimer (Battenfeld) und Moses Reis (Allendorf). Als Lehrer an der Israelitischen Elementarschule war der bereits genannte Moses Löwenstein tätig. Die Schule stand kurz vor ihrer Auflösung (1925) und hatte nur noch zwei Schüler. An jüdischen Vereinen bestand vor allem ein Wohltätigkeitsverein (Chewra Kadischa, 1924 unter Vorsitz von Hermann Blumenthal mit 20 Mitgliedern). 1932 waren die Gemeindevorsteher (weiterhin) Siegfried Lindheim (1. Vors.), H. Oppenheimer (2. Vors.) und Moses Reis (3. Vors.). Als Lehrer war inzwischen J. Neumann tätig.      
    
1933 lebten noch 23 jüdische Personen in Battenfeld (4,1 % von insgesamt 556, dazu 32 in Battenberg, fünf in Laisa und neun in Rennertehausen). In den folgenden Jahren ist ein Teil der jüdischen Gemeindeglieder auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts, der zunehmenden Entrechtung und der Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert. Letzter jüdischer Lehrer der Gemeinde war Moses M. Amsterdam, ein polnischer Privatlehrer. Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge niedergebrannt. Das jüdische Schulhaus mit der Lehrerwohnung "entging nur mit knapper Not den Mordbrennern" (Wegweiser s.Lit. S. 208). Der Lehrer Moses M. Amsterdam fand mit seiner Frau und den drei Kindern Helga, Egon und Edith Zuflucht bei den Familien Elsoffer und Lehrberger im sog. "Judenhaus" in Battenfeld (Edertalstraße 44; das Gebäude war ein ehem. herrschaftliches Haus der darmstädtischen Landgrafen und war später im Besitz der beiden Familien). 1939 konnte die Familie Amsterdam emigrieren. Auch Mitglieder der Familie Blumenthal, der Familie Oppenheimer (Marktstraße 11) und der Familie des Metzgers Ruben Stern (Edertalstraße 30) konnten auswandern. Das Ehepaar Menko und Alma Lehrberger mit den Kindern Irene, Margot und Gertrud Hildegart sowie das Ehepaar Wilhelm und Selma Elsoffer sowie Toni Stern geb. Lindheim und Lina Schönstädt geb. Stern wurden 1941/42 deportiert.      
   
In Battenberg lebte 1938 noch die jüdische Familie Isenberg-Stern: Gustav Isenberg mit Berta geb. Stern und den Kindern Ilse und Marion sowie den Eltern von Berta geb. Stern. Ihr Vater starb noch in Battenberg und wurde auf dem jüdischen Friedhof bei Battenfeld beigesetzt. Im Winter 1941/42 wurde die verbliebenen Familienmitglieder über Kassel nach Riga deportiert. 
  
In Bromskirchen lebte bis 1934 noch die Familie Neheimer (Hauptstraße 9, Manufakturwarenhandlung): Jacob Neheimer mit Frau Sophie geb. Schönthal und den Töchtern Anni und Hetti (beide 1934 auswärts verheiratet; Hetti verh. Rosenbaum in Schlüchtern); im Haus lebte auch die ledige Janette Schönthal. Jacob und Sophie Neheimer verzogen nach Frankfurt: hier starb Sophie am 18. April 1941 an Suizid; Jakob wurde 1942 in das Ghetto Theresienstadt deportiert und kam dort um.    
    
In Rennertehausen hatten 1933 zwei jüdische Familien gelebt: der Kaufmann Siegfried Lindheim mit seiner Tochter Martha Löwenberg geb. Lindheim und dem Schwiegersohn Kurt Löwenberg (Hauptstr. 46) sowie das Ehepaar Julius und Fanni Wolf mit den beiden Söhnen Theodor und Moritz und der Schwester von Frau Wolf. Beim Novemberpogrom 1938 wurden durch SA Leute Siegfried Lindheim, Julius Wolf und die beiden Söhne ins Ortsgefängnis gesperrt; Kurt Löwenberg hatte vor der Festnahme noch fliehen können. Siegfried Lindheim wurde wegen seines hohen Alters wieder freigelassen; Julius, Moritz und Theodor Wolf wurden in das KZ Buchenwald verschleppt. 1939 konnten Siegfried Lindheim, Martha und Kurt Löwenberg auswandern (zunächst nach Belgien, wo Siegfried Lindheim starb; Tochter und Schwiegersohn konnten noch nach Chile emigrierten). Familie Wolf lebte noch bis zum 1. April 1941 in Rennertehausen. Dann konnten sie gerade noch über Lissabon nach Argentinien emigrieren.     
     
    
Die aus den einzelnen Orten umgekommenen/ermordeten jüdischen Personen:
 
Von den in Battenfeld geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"):  Lina Elsoffer geb. Nussbaum (1859), Selma Elsoffer geb. Lichtenstein (1897), Wilhelm Elsoffer (1887), Alma Lehrberger geb. Elsoffer (1898), Gertrud Hildegart Lehrberger (1932), Henny (Menny) Lehrberger (1882), Irene Lehrberger (1927), Selma Marx geb. Blumenthal (1877), Lina Schönstädt geb. Stern (1882), Alfred Strauss (1891), Siegfried Strauss (1891).    
    
Aus Battenberg sind umgekommen:  Paula Abraham geb. Löwenstein (1875), Else Rosa Blumenfeld geb. Drucker (1888), Berta Eckstein geb. Marx (1895), Norbert Eckstein (1929), Berta Isenberg geb. Stern (1899), Gustav Isenberg (1896), Ilse Isenberg (1932), Marion Isenberg (1935), Nanny Katz geb. Marx (1880), Theodor Klein (), Selma Löwenstein (1876), Jenny Marx geb. Illfeld (1888), Hermann Reis (1896), Emma Stern geb. Marx (1887), Regine (Regina) Stern geb. Schönstädt (1868). 
   
Aus Berghofen sind umgekommen: Luise Daniel geb. Selig (1891), Lisette (Liselotte, Settchen) Lilie geb. Oppenheimer (1868), Pauline Oppenheimer geb. Cahn (1863).
   
Aus Bromskirchen sind umgekommen: Jacob Neheimer (1871), Sophie Neheimer geb. Schönthal (1865), Jeanette Schönthal (1865), Joseph Schönthal (1860).
  
Aus Laisa sind umgekommen: Betty Bachenheimer geb. Freudenthal (1894), Berta Freudenthal geb. Buchheim (1893), Ernst Freudenthal (1922) und Willy Freudenthal (1896).  
 
Aus Rennertehausen sind umgekommen: Gustav Lindheim (1869), Hugo Lindheim (1892), Laura (Lore) Irmgard Lindheim (1921), Settchen Reis (1869), Toni Stern geb. Lindheim (1866). 
   
Eine Liste zu Allendorf konnte nicht erstellt werden, da in den angegebenen Listen nicht klar zwischen den Orten mit jüdischen Gemeinden Allendorf a.d. Lumda, Bad Sooden-Allendorf und Allendorf (Eder) unterschieden wird.      
 
1988 wurde in Battenfeld am alten Backhaus - gegenüber den ehemaligen Häusern der Familien Stern und Blumenthal - eine Gedenktafel angebracht.      
     
    
   

Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
 
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer  
Ausschreibungen der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet: 1859 in Battenfeld, 1862 in Battenberg  

Battenfeld AZJ 07031859.jpg (101810 Byte)Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 7. März 1859: "Öffentliche Bekanntmachung. Die Stelle eines Religionslehrers der israelitischen Religionsgemeinde Battenfeld, womit ein Gehalt von 240 Gulden verbunden ist, wird mit dem 1. Mai laufenden Jahres erledigt werden; konkurrenzfähige Bewerber wollen sich daher binnen 6 Wochen unter Vorlage ihrer Zeugnisse bei unterzeichneter Behörde schriftlich melden. 
Bei sehr günstigen Zeugnissen etc. wird eine Gehaltserhöhung in Aussicht gestellt. Über die Lokalitätsverhältnisse kann nähere Auskunft bei dem betreffenden Vorstande eingeholt werden. 
Biedenkopf, den 22. Februar 1859. Großherzoglich Hessisches Kreisamt Biedenkopf. 
Trapp, Regierungsrat."   
  
Battenberg AZJ 24061862.jpg (60999 Byte)Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 24. Juli 1862: "Bekanntmachung. Die hiesige israelitische Religions- und Elementar-Lehrerstelle, verbunden mit einem Gehalte von 350 Gulden ohne Nebeneinkommen, ist vakant. Bewerber haben sich an den unterzeichneten Vorstand zu wenden, wo sie nähere Auskunft erlangen können. 
Battenberg (Großherzogtum Hessen), den 9. Juni 1862. Der Vorstand. Illfeld."   

  
 Herr Lillo aus Battenfeld war erster Vorbeter bei der Einweihung der Synagoge in Marburg   

Marburg Sulamith V 2 1818a.JPG (189558 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Sulamith" V 2 1818: "Marburg. - Den 14. August (1818) feierte die hiesige Israelitische Gemeinde das Fest der Einweihung ihrer neu errichteten Synagoge. 
Um 3 Uhr Nachmittags nahm unter feierlicher Gottesverehrung, mit Gesang und Instrumentalmusik das Fest seinen Anfang, und verspätete sich bis in die Nacht. Sämtliche Kurfürstliche Zivil- und Militärbehörden, die Herren Professoren der Universität, die Geistlichkeit aller Konfessionen, eine große Anzahl der studierenden Jugend und mehrere Personen aus allen Ständen waren zugegen, und die Ordnung und Andacht, welche sowohl bei dem Zuge (aus der alten Synagoge in die neue) durch die Stadt, als auch in der Synagoge fortwährend herrschten, waren sprechende Beweise, dass diese heilige Angelegenheit alle Gemüter in Anspruch genommen, und Alle den innigsten, frömmsten Anteil an dem Feste gehabt haben. Das Musikchor bestand größtenteils aus Liebhabern der Tonkunst (unter denen mehrere Professoren und Studierende), welche zur Ehre Gottes die Festlichkeit zu verschönern und zu erhöhen suchten. Der geschmackvoll erbaute und ganz seinem Zwecke gemäß eingerichtete Tempel, war feierlich ausgeschmückt und festlich erleuchtet. Der Herr Rabbiner Gosen ordnete das gottesdienstliche Zeremoniell, und der jüdische Vorsänger, Herr Lillo aus Battenfeld, stand dem Gesang vor. Ein von diesem Rabbiner verfasstes Danklied und Gebet für das Wohl unseres allgeliebtesten Landesvaters, des gesamten verehrten hessischen Kurhauses, der Stadt, des Landes und der gesamten Menschheit, wurde mit Instrumentalbegleitung feierlichst abgesungen; desgleichen ein von Herrn Lill verfasstes Lied: "Preiset des Herrn Majestät;" auch hielt der Rabbiner Gosen eine dem wichtigen Gegenstand anpassende deutsche Predigt, und Herr Siegmund Lilienfeld trug eine dem Zwecke des Festes angemessene Rede vor. So wechselten Worte des Friedens und der Weihe mit heiligen Hymnen und Psalmen unter feierlichem Gesang und Saitenspiel ab in dem neuerrichteten Hause des Herrn, Es war ein wahrhaft herzerhebendes Fest der allgemeinen Gottesverehrung, das eine andächtige Volksmenge - ohne Unterschied weder des Glaubens noch des Standes, in Eintracht und Liebe feierte, vor dem Angesichte des himmlischen Allvaters, und es wird gewiss bei den Mitgliedern jeder Glaubensgemeinde dieser Stadt, dieser Tag als einer der schönsten noch lange im Andenken bleiben.

   
Über Lehrer Elias Birkenstein in Battenberg (1783-1853; um 1818 und bis mind. 1831 Lehrer in Battenberg)      

Battenberg Lex 25.jpg (284550 Byte)Artikel im Biographisch-literarischen Lexikon der Schriftsteller des Großherzogtums Hessen im ersten Viertel des neunzehnten Jahrhunderts, bearbeitet und hrsg. von Heinrich Eduard Scriba. Darmstadt 1831 S. 25-28: "Birkenstein, Elias, israelitischer Schullehrer zu Battenberg in Oberhessen. Geboren von sehr religiösen jüdischen Eltern, wurde er in seinem Knabenalter sehr strenge angehalten, sich mit der jüdischen Theologie oder mit dem Talmud bekannt zu machen. Begünstigt aber durch die Wege der gütigen Vorsehung, wurde derselbe frühzeitig einem christlichen Gottesgelehrten im Unterricht in der deutschen Sprache, der allgemeinen Weltgeschichte, der Geographie, der Physik, der Naturgeschichte etc. anvertraut. Sein Vater, der nur im Talmud gut bewandert war, möchte heirbei keine andere Absicht gehabt haben, als ihn einst dem Handelsstand, als ein tüchtiges Mitglied, zu widmen. Allein je mehr ihn sein Lehrer mit den Wissenschaften befreundete, desto mehr wuchs auch in ihm die Abneigung zu allem Handel und Schacher....  
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Dies und seine Vorliebe zur deutschen Literatur bestimmten ihn in der Folge, sich dem nützlichen Geschäfte der Jugendbildung zu widmen, um wenigstens in seinem Kreise, durch eine bessere Belehrung und Erziehung der Judenkinder, an dem zu hoffendem sittlicheren Zustande seiner Glaubensgenossen mitzuwirken. Er ergriff daher jede Gelegenheit, welche ihn zu diesem wichtigen und wohltätigen Geschäft vorbereiten konnte, mit Vergnügen und Eifer. Von besonderem Einfluss auf seine weitere Fortbildung war sein Aufenthalt zu Bockenheim bei Frankfurt, als israelitischer Schullehrer, da er von hier aus von dem uneigennützigen Anerbieten der Antiquare Wimpfen und Goldschmidt zu Frankfurt, deren reiche Büchersammlungen nach Gefallen und zwar unentgeltlich zu benutzten, Gebrauch machen konnte. 
Später kehrte Birkenstein nach Hessen zurück, und erhielt durch die Gnade des Großherzogs die Anstellung als ständiger israelitischer Jugendlehrer zu Battenberg.
   
Schriften:   u.a.   Rede bei der Konfirmation eines jungen Israelitischen, welcher in der Synagoge zu Battenfeld sein Glaubensbekenntnis öffentlich abgelegt hat. Frankfurt am Main 1818.     
  
Battenfeld P 010.jpg (21789 Byte)Hinweis: die Konfirmationspredigt von Lehrer Elias Birkenstein und andere Schriften von Birkenstein wurden publiziert in: 
Elias Birkenstein und A. L. Rosenthal: Sammlung vermischter Aufsätze zur religiösen und sittlichen Verbesserung der Juden. Marburg 1823.  
Diese Sammlung kann einschließlich der Konfirmationspredigt online eingesehen werden über die Digitale Bibliothek (Münchener Digitalisierungszentrum): direkter Link zur Publikation   


  

   
Über einzelne Personen aus der jüdischen Gemeinde   
Über Werner Neuburger (geb. 1926 in Battenberg)  

Battenberg WNeuburger 1910.jpg (115102 Byte)Werner Neuburger ist 1926 als Sohn des jüdischen Kaufmann Louis Neubürger (Ladengeschäft in der Hauptstraße) in Battenberg geboren und hier bis 1938 aufgewachsen. Der Vater ist an den Folgen einer sog. "Schutzhaft" bereits 1937 gestorben (auf dem Friedhof in Battenfeld beigesetzt). Kurzzeitig in Frankfurt am Main, konnte er seiner Mutter Helene und der Schwester Inge noch vor Kriegsausbruch 1939 über England in die USA emigrierten 
Sein Buch "Dark clouds don't stay forever" mit seinen Lebenserinnerungen erschien 2005 in den USA (Verlag Publish America ISBN 1413797768) und wurde 2008 in deutscher Fassung vom Geschichtsverein Battenberg unter dem Titel "Auch dunkle Wolken ziehen vorüber" herausgegeben. 
Neuburger - erstmals mit enttäuschenden Erfahrungen 1970, dann wiederum auf Einladung der Gemeinde und mit zahlreichen Begegnungen im Herbst 2009 - die Heimat seiner Kindheit besucht (Berichte dazu auf der Website von www.synagoge-voehl.de). Er lebt mit seiner Frau Henny in West Nyack N.Y.  
  
2009 hat auch Hannelore Dreifuß geb. Stern (geb. in Battenberg) ihre frühere Heimat besucht.

   
  
   

  
Zur Geschichte der Synagoge

Eine Synagoge für die angegebenen Orte befand sich in Battenfeld. Sie wurde schon vor 1777 eingerichtet beziehungsweise erbaut. 1817 wird die Synagoge in einer damals publizierten Schrift des Lehrer Elias Birkenstein (s.o.) genannt: "Elias Birkenstein: Rede bey der Confirmation eines jungen Israeliten welcher in der Synagoge zu Battenfeld den 8ten November 1817 sein Glaubensbekenntnis öffentlich abgelegt hat. Frankfurt und Leipzig 1818".  
  
Um 1900 erfolgte ein Umbau. Danach hatte die Synagoge 65 Plätze für die Männer, 42 für die Frauen. 
        
Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge in Battenfeld durch SA-Leute durch Brandstiftung zerstört. Die Synagoge brannte bis auf die Grundmauern nieder. Auf dem Grundstück wurde später eine Scheune erbaut. 
  
Nach dem Novemberpogrom konnten noch im "Judenhaus" (Edertalstraße 44) Gottesdienste abgehalten werden.      
  
Im Dorfmuseum Battenfeld ist u.a. die Kopie des Fragmentes einer Torarolle der Synagoge Battenfeld erhalten (siehe Foto unten) 
   
  
Adresse/Standort der Synagoge       Marktstraße 27

Fotos  

Die Synagoge in Battenfeld 
Battenfeld Synagoge 160.jpg (36298 Byte)
   Einzig bekanntes Foto der ehemaligen Synagoge in Battenfeld 
        
Erinnerung an das jüdische Leben am Ort 
(Quelle: aus der Website www.synagoge-voehl.de
Battenfeld Synagoge 180.jpg (50519 Byte)
Kopie des Fragmentes einer Torarolle aus der Synagoge Battenfeld, die beim Novemberpogrom 1938 geschändet und zerstört wurde

   
   
Links und Literatur

Links:

Website der Gemeinde Allendorf (Eder)     

Website des Forderkreises "Synagoge Vöhl" e.V. mit Seiten zu  
Battenfeld    
Battenberg  
Bromskirchen   

Literatur:  

Paul Arnsberg: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang - Untergang - Neubeginn. 1971. Bd. I S. 54.    
Eine jüdische Gemeinde im Kirchspiel Battenfeld. In: 1200 Jahre Battenfeld. 778-1978. Battenfeld 1978 S. 106-121. Auszug ist online einsehbar auf der Website von www.synagoge-voehl.de (direkter Link zu dem Beitrag).    
Kein Abschnitt zu Battenfeld in Thea Altaras: Synagogen in Hessen. Was geschah seit 1945? 1988 und dies.: Das jüdische Rituelle Tauchbad und: Synagogen in Hessen. Was geschah seit 1945 Teil II. 1994 und dies. Neubearbeitung der beiden Bände. 2007.  
Studienkreis Deutscher Widerstand (Hg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933-1945. Hessen I Regierungsbezirke Gießen und Kassel. 1995 S. 207-109 (Allendorf), 212 (Battenberg)
Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany Volume III: Hesse -  Hesse-Nassau - Frankfurt. Hg. von Yad Vashem 1992 (hebräisch) S. 
    


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Battenfeld  Hesse-Nassau. Established around 1750, the Jewish community numbered 29 (about 6 % of the total) in 1871-95, not including members in Battenberg (78 in 1861) and Rennerthausen. Affiliated with the district Rabbinate of Marburg, it maintained a synagogue (dating from 1777) and an elementary school (1825-1925). The synagogue was burned down on Kristallnacht (9-10 November 1938), but Jews still remained in Battenfeld and Battenberg at the outbreak of Worlswar II; 12 perished in the Holocaust.   
   

  

                   
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Stand: 25. Dezember 2009