Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


Eingangsseite

Aktuelle Informationen

Jahrestagungen von Alemannia Judaica

Die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft

Jüdische Friedhöfe 

(Frühere und bestehende) Synagogen

Übersicht: Jüdische Kulturdenkmale in der Region

Bestehende jüdische Gemeinden in der Region

Jüdische Museen

FORSCHUNGS-
PROJEKTE

Literatur und Presseartikel

Adressliste

Digitale Postkarten

Links

 


zurück zur Übersicht "Synagogen in der Region"  
zurück zur Übersicht "Synagogen in Unterfranken"
   

Lülsfeld (VG Gerolzhofen, Kreis Schweinfurt)
Jüdische Geschichte / Synagoge

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer 
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen   
Links und Literatur   

   

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)     
    
In Lülsfeld bestand eine kleine jüdische Gemeinde bis um 1935, bereits seit etwa 1920 in enger Verbindung mit der Gemeinde im benachbarten Frankenwinheim. Die Entstehung der Gemeinde geht in die Zeit des 17. Jahrhunderts zurück. 1604 wird Berntz Jud von Lülsfeld genannt. Er war in Fellen (heute VG Burgsinn) verhaftet worden: er hatte den Ort passiert, um Schutzgeld zu sparen.     
   
1733
lebten sechs jüdische Familien im Ort unter dem Schutz des Grafen von Schönborn (genannt werden u.a. Levi und Abraham Jud, Schimpol und Jockel Jud). Juden, die am Ort aufgenommen werden wollten, mussten ein Vermögen von mindestens 1.000 Gulden nachweisen. Im 18. Jahrhundert nahm die Zahl der jüdischen Einwohner weiter zu: 1762 waren es elf Familien.
  
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1816 68 jüdische Einwohner (24,9 % von insgesamt 273), 1836 68 (in 14 Familien; 22,4 % von 303), 1867 55 (in 10 Haushaltungen; 16,2 % von 339), 1875 45, 1880 38 (13,7 % von 278), 1890 29 (9,5 % von 305), 1892 6 Familien; 1897 30, 1910 25 (5,9 % von 420).
    
Bei der Erstellung der Matrikellisten 1817 werden in Lülsfeld auf insgesamt 14 Matrikelstellen die folgenden jüdischen Familienvorstände genannt (mit neuem Familiennamen und Erwerbszweig): Maier Salomon Katzmann (Viehhandel), Joseph Baehrlein Berneth sen. (Ellen- und Spezereihandel), Moses Löb Baehrlein Baerwein (Schmusen), Jacob Hirsch Hirschlein (Ellenwarenhandel), Hirsch Joseph Berneth (Ellen- und Spezereienhandel), Moises Joseph Berneth (Ellen- und Spezereienhandel), Oscher Salomon Loeb (Vieh- und Bettenhandel), Löb Nachem Haas (Ellenhandel), Seligmann Hirsch Herrmann (Ellenhandel), Seligmann Laemlein Lehmann (Wein- und Hopfenhandel), Simson Abraham Fleischmann (Ellenhandel), Laemlein Seligmann Lang (Ellenhandel), Jacob Abraham Kramer (Viehhandel), Jeidel Hirsch Handler (Viehhandel).       
   
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge (s.u.), einen Raum für den Religionsunterricht der Kinder sowie ein rituelles Bad (1852 neu erbaut). Die Toten der Gemeinde wurden auf dem jüdischen Friedhof in Gerolzhofen beigesetzt. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war zeitweise (im 19. Jahrhundert) ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war. Seit Ende des 19. Jahrhunderts konnte sich die Gemeinde jedoch keinen eigenen Lehrer mehr leisten. 1857 verpflichteten die jüdischen Familien von Järkendorf, Rimbach und Lülsfeld den bisherigen Brünnauer jüdischen Lehrer Abraham Jüng. Er war zugleich als Vorbeter und Schächter tätig und erhielt als Besoldung jährlich 170 Gulden bei freier Wohnung im Synagogengebäude in Lülsfeld. Die Gottesdienste und der Unterricht wurden abwechselnd in Lülsfeld und Järkendorf abgehalten, der Unterricht im Winter und der Gottesdienst an bestimmten Tagen auch in Rimbach. Die Gemeinde gehörte zum Distriktsrabbinat in Niederwerrn, nach dessen Auflösung beziehungsweise Verlegung 1864 zum Distriktsrabbinat Schweinfurt
   
1868 gab es folgende jüdische Familien am Ort: Lemlein Löb (Handelsmann), Hirsch Haas (Unterhändler), Abraham Löb Krämer (Viehhändler), Lippmann Reinfelder (Webermeister), Simon Prölsdörfer (Viehhändler) Volk Braun (Viehhändler), Moses Fleischmann (Viehhändler) Moses Pfeifer (Unterhändler), Abraham Löb Kahn (Kaufmann), Natan Berwein (Unterhändler). 
  
Im Ersten Weltkrieg fiel aus der jüdischen Gemeinde Gefreiter Sally Kohn (geb. 18.2.1888 in Lülsfeld, gef. 14.10.1914). Sein Name steht in der 1990 erstellten Dorfchronik; ein Kriegerdenkmal gibt es am Ort nicht.    
   
1924 wurden 17 jüdische Einwohner in Lülsfeld gezählt, die inzwischen zur jüdischen Gemeinde in Frankenwinheim gehörten. Der dortige Lehrer (seit 1876 Josef Kissinger, betreute auch die Lülsfelder Gemeindeglieder). 1927 waren noch drei jüdische Familien am Ort, die Familien des Feist Fleischmann, Adolf Kohn und Louis Maier.
   
1933 wurden 13 jüdische Einwohner gezählt (3,2 % von insgesamt 410). In den folgenden Jahren verzogen die meisten von ihnen beziehungsweise wanderten aus. Vor November 1938 lebten noch neun jüdische Personen im Dorf. Beim Novemberpogrom 1938 wurden die jüdischen Häuser verwüstet. Die letzten jüdischen Einwohner (die dreiköpfige Familie Kohn) wurde am 22. April 1942 nach Würzburg gebracht und von dort drei Tage später nach Izbica bei Lublin deportiert. 
    
Von den in Lülsfeld geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"):  Bertha Baer geb. Kohn (1869), Jettchen Fleischmann (1884), Moses Fleischmann (1898), Fanny Klugmann geb. Kahner (1863), Adolf Kohn (1884), Alfred A. Kohn (1915), Benno Kohn (1872), Erna Kohn (1922), Hedwig Kohn geb. Klugmann (1891), Hermann Kohn (1871), Martin Krämer (1867), Else Münz geb. Fleischmann (1900), Siegfried Münz (1904), Irma Strauss geb. Fleischmann (1899), Selma Wilmersdörfer geb. Krämer (1886). 
 
1950 wurden die am Novemberpogrom 1938 in Frankenwinheim und Lülsfeld Beteiligten in Schweinfurt vor Gericht gestellt. 
  
Im Vorgarten des Rathauses (Kirchstraße 17) befindet sich ein Gedenkstein mit der Inschrift: "Die Gemeinde Lülsfeld gedenkt ihrer ehemaligen jüdischen Mitbürger. Zur Erinnerung und Mahnung".    
   
   
   
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
  

Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer 

Ausschreibung der Stelle des Lehrers, Kantors und Schochets in Frankenwinheim (1927) 
Anmerkung: aus der Ausschreibung geht hervor, dass Lülsfeld der Gemeinde Frankenwinheim angeschlossen war und von dort betreut wurde. 

Frankenwinheim Israelit 10111927.jpg (72497 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 10. November 1927: "In der hiesigen Kultusgemeinde, an die auch Lülsfeld und hinsichtlich der Schechitoh auch Brünnau angeschlossen ist, ist durch Pensionierung des seitherigen Stelleninhabers, die Stelle des Lehrers, Kantors und Schochets frei und soll alsbald wieder besetzt werden. Geeignete gesetzestreue Bewerber wollen unter Vorlage beglaubiger Zeugnisabschriften und eines Lichtbildes sich bei dem Unterzeichneten bis spätestens 1. Dezember melden. Der Gehalt bestimmt sich nach den Satzungen des Verbandes bayerischer israelitischer Gemeinden. Gegebenen falls wäre die Übernahme des Amts des Schochets in einigen Nachbargemeinden nicht ausgeschlossen. Frankenwinheim, November 1927. Siegfried Kahn."   

    
    
    
Zur Geschichte der Synagoge          
    
1762, als elf jüdische Familien am Ort lebten, baten diese ihren Landesherrn, eine Schule, verbunden mit einer Synagoge bauen zu dürfen. Der Bau wurde damals genehmigt und 1764 fertig gestellt. Über 130 Jahre war dieses Gebäude Mittelpunkt des jüdischen Gemeindelebens in Lülsfeld. Seit Ende des 19. Jahrhunderts konnten auf Grund der zurückgegangenen Zahl der Gemeindeglieder (1892 sieben Familien) keine regelmäßigen Gottesdienste mehr abgehalten werden. 

Das baufällig gewordene Gebäude wurde von der klein gewordenen jüdischen Gemeinde 1922 an einen Landwirt verkauft. Die hier noch lebenden jüdischen Personen besuchten seitdem die Gottesdienste in Frankenwinheim.   

Das Gebäude der Synagoge ist - zumindest teilweise (Schwierz S. 86: "Mauerreste") - zwar noch erhalten, befindet sich inzwischen aber in baulich schlechtem Zustand und wird landwirtschaftlich genützt. 
  
  
Adresse/Standort der SynagogeHauptstraße 14.          
   
   
Fotos     

Fotos sind noch nicht vorhanden; über Zusendungen freut sich der 
Webmaster der "Alemannia Judaica"; Adresse siehe Eingangsseite
 
     
     

  
       

Links und Literatur

Links:

Website der Gemeinde Lülsfeld, unter der Seite zu "Geschichte" finden sich auch Angaben zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (direkter Link)  

Literatur:  

Baruch Z. Ophir/Falk Wiesemann: Die jüdischen Gemeinden in Bayern 1918-1945. Geschichte und Zerstörung. 1979 S. 350.
Israel Schwierz:  Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in Bayern. Eine Dokumentation der Bayerischen Landeszentrale für politische Bildungsarbeit. A 85. 1988 S. 85-86.
Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany - Bavaria. Hg. von Yad Vashem 1972 (hebräisch) S. 539.
Luelsfeld Buch 01.jpg (44995 Byte)Andreas Müssig: Die Lülsfelder Synagoge. Fulda 1994. 
ders.: Lülsfalder Loit. Hg. Gemeinde Lülsfeld. Fulda 1992. Darin: Die israelitische Kultusgemeinde in Lülsfeld S. 29-42. und: Die israelitische Religionsschule in Lülsfeld S. 43-48. 
Werner Steinhauser: Juden in und um Prichsenstadt: Prichsenstadt, Altenschönbach, Brünnau, Kirchschönbach, Järkendorf. Prichsenstadt 2002. Anfragen/Bestellungen über den Verfasser (E-Mail). 
Dirk Rosenstock: Die unterfränkischen Judenmatrikeln von 1817. Eine namenkundliche und sozialgeschichtliche Quelle. Reihe: Veröffentlichungen des Stadtarchivs Würzburg Band 13. Würzburg 2008. S. 133.

    
     


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Luelsfeld  Lower Franconia. Jews numbered 68 in 1816 and 13 in 1933 (total 410). Their fate was similar to the Frankenwinheim community, to which they were attached: some emigrated and the others were sent eastward where they were killed.  
     
       

                   
vorherige Synagoge  zur ersten Synagoge nächste Synagoge   

                 

 

Senden Sie E-Mail mit Fragen oder Kommentaren zu dieser Website an Alemannia Judaica (E-Mail-Adresse auf der Eingangsseite)
Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 02. März 2014