Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Gerolzhofen (Landkreis Schweinfurt) 
Der jüdische Friedhof

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde    
    
Siehe Seite zur Synagoge in Gerolzhofen (interner Link)   
   
   
Zur Geschichte des Friedhofes     
        
Der jüdische Friedhof in Gerolzhofen wurde 1639 angelegt. Er war zentraler Friedhof auch für die umliegenden Gemeinden wie  Altenschönbach, Brünnau, Frankenwinheim, Lülsfeld, Traustadt, Obereuerheim, Gochsheim, Prichsenstadt und Zeilitzheim (auch für einzelne Familien aus Westheim, Schwebheim, Schweinfurt, Kitzingen und Kirchschönbach). Der Friedhof musste immer wieder erweitert werden. Nach einer am 18. Mai 1699 unterzeichneten Urkunde verkaufte Johann Georg Stöcklein aus Gerolzhofen eine Baumwiese an Abraham und Eyssig, Schutzjuden aus Gerolzhofen, für vier Gulden und drei Batzen. Das für etwa acht Gräber geeignete Stück sollte der vorhandenen Gräberstätte zugeschlagen werden. In der ab 1715 bestehenden Chewra Kaddischa (Beerdigungsbruderschaft) waren auch Mitglieder der umliegenden Gemeinden. Eine Chewra Kaddischa für Frauen (Chewra Anoschim)  war 1888 gegründet worden.  
   
Der Friedhof wurde im Laufe der Jahrzehnte immer wieder geschändet. 1927 waren es zwei ortsansässige Mitglieder der NSDAP, die dafür zu Gefängnisstrafen verurteilt wurden. 1936 und 1938 kam es gleichfalls zu Schändungen, doch auch nach 1945: Am 24. Januar 1999 wurden NS-Symbole auf die Einfriedungsmauer und das Taharahaus gesprüht.  
    
   
    
Aus der Geschichte des jüdischen Friedhofes  
Berichte über die Schändungen des Friedhofes 1927 und 1931   

Gerolzhofen Israelit 15091927.jpg (41963 Byte)Artikel aus der Zeitschrift "Der Israelit" vom 15. September 1927: "Schweinfurt. In Gerolzhofen bei Schweinfurt wurde, wie bekannt, Ende August der jüdische Friedhof in, man kann schon sagen, üblicherweise geschändet und die Grabsteine demoliert. Die "C.V.-Zeitung" veröffentlicht ein Schreiben des preußischen Zentrumsabgeordneten Dr. Leo Schwering, in dem er seiner Entrüstung über diese empörenden Schandtaten Ausdruck gibt".
 
   
Artikel in der Zeitschrift des Central-Vereins ("CV-Zeitung") vom 9. September 1927: "Wie lange noch? Friedhofsschändung in Gerolzhofen. Noch sind die Polizeibehörden in Köln und Essen damit beschäftigt, die Friedhofsschändungen aufzuklären, noch immer ist es nicht gelungen, der Täter habhaft zu werden, da trifft bei uns aus Gerolzhofen bei Schweinfurt die Kunde von einer neuen Grabschändung ein. Fünf Grabsteine wurden dort in der Nacht vom 28. zum 29. August auf dem jüdischen Friedhof umgeworfen. Damit nicht genug, haben die Rohlinge auch noch das Leichenhaus mit Hakenkreuzen besudelt. Die Gemeinde hat eine Belohnung von 100 Mark auf Ergreifung der Täter ausgesetzt, und die Staatsanwaltschaft hat an die Gendarmerie Anweisungen gegeben, die Aufklärung dieser Schandtat mit energischen Maßnahmen herbeizuführen.   
Zu diesen sich immer wiederholenden Schändungen jüdischer Grabstätten sendet uns der Zentrumsabgeordnete des Preußischen Landtags Dr. Leo Schwering (Köln) voll Empörung einen Brief, dem wir nachstehende Sätze entnehmen:  '
... Der Hass gegen das Judentum hat in Deutschland nach der Revolution sonderbare Blüten getrieben. In immer wieder neuen Ideen sieht man ihn sich entladen. ... Gewiss haben wir auch vor dem Kriege ähnliche Vergehen gehabt und sie sind auch damals schwer bestraft worden. Aber verglichen mit jener Zeit ist die Häufigkeit dieses Verbrechens in den letzten Jahren in erschreckendem Maße angewachsen. Es kann gar keinem Zweifel für alle objektiv Denkenden unterliegen, dass die Gräberschändung der Ausdruck einer inneren Feindschaft gegen das Judentum ist, und dass die viel häufigere Ausübung dieses Verbrechens mit der Verhetzung mancher Volksschichten, denen man das Judentum in unglaublicher Verzerrung zeigt, zusammenhängt. ... um so mehr haben alle rechtlich denkenden Deutschen die Aufgabe, unsere jüdischern Mitbürger in ihrem Kampf gegen diese Auswüchse eines missleiteten Rassenbewegung zu unterstützen. Das kann nicht dadurch geschehen, dass man in Einzelfällen seinem Bedauern Ausdruck gibt, sondern es kann nur dann geschehen, wenn der Abscheu vor diesem pietätlosesten aller Vergehen so groß wird, dass das Gewissen der Gesamtheit noch feiner und empfindlicher schlägt, als dies sonst der Fall ist. Jenseits aller religiösen und parteipolitischen Betrachtungsweise gibt es noch eine menschlich-humane, die über alles Brücken schlagen sollte und müsste. Man braucht sich nur in die Lage unserer jüdischen Mitbürger zu versetzen, um das zu begreifen, um aus menschlicher Einstellung heraus die richtige Beurteilung derer zu finden, die die materiellen und intellektuellen Verbrecher zu sein pflegten. Der Unterstützung, insbesondere aller wahrhaft religiös und christlichen denkenden Kreise dürfen sie sicher sein."  
   
Gerolzhofen CV 11121931.jpg (43796 Byte)Artikel in der C.V.-Zeitung vom 11. Dezember 1931: "Gerolzhofen bei Schweinfurt. In der Nacht vom 28. zum 29. August 1927 wurden fünf Grabsteine umgeworfen und die Leichenhalle mit Hakenkreuzen beschmiert. Die jüdische Gemeinde hat eine Belohnung von 100 Mark ausgesetzt, die später auf 300 Mark erhöht wurde. Am 18. Januar 1928 wurden die beiden Täten, von denen der ältere Mitglied der NSDAP war, vom Amtsgericht in Gerolzhofen zu zwei Monaten bzw. vier Wochen Gefängnis verurteilt." 
  
  
Gerolzhofen Israelit 02021928.jpg (40962 Byte)Meldung in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 2. Februar 1928: "München. Das Jugendgericht in Gerolzhofen verurteilte einen Friseurgehilfen, dem die Schändung von Grabsteinen auf dem dortigen jüdischen Friedhofe nachgewiesen wurde, zu zwei Monaten Gefängnis. Ein Lehrling, der ihm dabei Hilfe leistete, erhielt vier Wochen Gefängnis."   
 
Artikel in der "Jüdisch-liberalen Zeitung" vom 3. Februar 1928: "Gerolzhofen. (Sühne für die Friedhofsschändung). Vor dem Jugendgericht in Gerolzhofen (Franken) hatten sich ein Friseurgehilfe und ein Friseurlehrling wegen Grabschändung zu verantworten. Die Angeklagten hatten auf dem israelitischen Friedhof mehrere Grabsteine von den Gräbern gestürzt. Während der Gehilfe zwei Monate Gefängnis erhielt, wurde ein jüngerer Kollege zu vier Wochen Gefängnis verurteilt."      

  
Lage des Friedhofes
   

Der Friedhof liegt am östlichen Stadtrand von Gerolzhofen etwas abseits an einem Hang. Er ist von einer stabilen Natursteinmauer umgeben- An der Nordseite befindet sich zwischen zwei großen Steinpfeilern ein eisernes Gittertor, hinter dem sich ein zweistöckiges Taharahaus befindet, dessen Eingangstür mit einer schmiedeeisernen Gittertür gesichert ist. Auf dem oberen Rundbogen des Eingangs steht in den Stein gemeißelt: Erbaut 1832 - Renov. 1924. Der Friedhof hat eine Gesamtfläche von 120,35 Ar.    
   
Führungen durch den Friedhof und Stadtführungen zur jüdischen Geschichte in Gerolzhofen werden immer wieder angeboten, Informationen bei der Stadtinformation:  Marktplatz 20 - Altes Rathaus - 97447 Gerolzhofen Tel.: 09382/903512 Fax: 09382/903513  E-Mail      
    
    
    
Fotos 
(Die Fotos der oberen beiden Fotozeilen wurden von Klaus Kurre, Mainberg angefertigt und dürfen nicht ohne Genehmigung weiter verwendet werden. Hochauflösende Aufnahmen und weitere, hier nicht hinterlegte Bilder können per Mail bei Klaus Kurre angefordert werden; die Fotos der dritten bis fünften Fotozeile sind von Jürgen Hanke, Kronach).  

Gerolzhofen Friedhof 104.jpg (68009 Byte) Gerolzhofen Friedhof 100.jpg (79986 Byte) Gerolzhofen Friedhof 101.jpg (42895 Byte)
Außenansichten des Friedhofes mit dem Taharahaus Inschrift über dem Taharahaus
   
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Blicke über den Friedhof  Grabsteine beim Taharahaus 
   
Gerolzhofen Friedhof 129.jpg (80593 Byte) Gerolzhofen Friedhof 126.jpg (51590 Byte) Gerolzhofen Friedhof 121.jpg (65618 Byte)
Eingangstor  Teilansichten 
   
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Grabstein mit zwei Levitenkannen  Teilansichten 
   
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Grabstein für Max Fleischmann 
von Prichsenstadt (1892-1934) mit
 Gedenkinschriften für Frieda, Inge 
und Trude Fleischmann
Grabstein für Emanuel Lewisohn
 (1853-1932) mit Gedenkinschrift für 
Klara Hermann geb. Lewisohn 
Grabstein für Selma Brodmann 
geb. Lichtenauer (1888-1936) und 
Willi Brodmann (1878-1942) 
     
     
   Gerolzhofen GSt RKellermann 010.jpg (118301 Byte)Gerolzhofen GSt RKellermann 010a.jpg (15565 Byte) Gerolzhofen Friedhof 120.jpg (60059 Byte) Gerolzhofen Friedhof f010.jpg (67263 Byte)
Grabstein für den Rabbiner/Lehrer
 Joseph Arjeh (Löb) Kellermann
 
(1832-1883); war Lehrer in Gerolzhofen
 von 1865 bis 1883 (Foto erhalten von 
Uri Kellermann, Nof-Ayalon, Israel)  
Grabstein für Löb Gottlieb 
von Frankenwinheim (1859-1936) 
und Gedenkinschrift für Sabina Gottlieb
 geb. Schild (1859-1942 Theresienstadt)  
    Bericht über eine Friedhofsführung 
mit Fotos durch Maria Pfrang und 
Evamaria Bräuer 2006 
(externer Link) 
     
           
             
Besuch aus Israel auf dem Friedhof 
Ende Januar 2007
(Quelle: Stadt Gerolzhofen, Seite)
Gerolzhofen Friedhof 410.jpg (92698 Byte) Gerolzhofen Friedhof 411.jpg (85940 Byte)
Aus Anlass der Übergabefeier der erweiterten jüdischen Gedenkstätte in Gerolzhofen (siehe Seite zur Synagoge in Gerolzhofen
hieß 1. Bürgermeister Hartmut Bräuer zusammen mit seiner Ehefrau Evamaria Bräuer, die seit Jahren Kontakte nach Israel pflegt, 
Frau und Herrn Milka und Shmuel Zailer-Lichtenauer willkommen. Ein gemeinsamer Besuch der Gräber der Eltern und Großeltern 
von Milka Zailer-Lichtenauer ging der Gedenkstätteneinweihung voraus. 
 
   Gerolzhofen Friedhof 412.jpg (96763 Byte) Gerolzhofen Friedhof 413.jpg (85582 Byte)
     
     
Restaurierung von Grabsteinen der Familie Kissinger 
(Fotos erhalten von Eva-Maria Bräuer)  
 
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  Grabstein für Ida Kissinger: links vor, Mitte nach der 2012 erfolgten Reinigung und Imprägnierung durch eine Steinmetzfirma, 
rechts nach dem Nachzeichnen der deutschen Grabinschrift  
     
 Gerolzhofen Grab Kissinger Josef Meier 010.jpg (126504 Byte) Gerolzhofen Grab Kissinger Josef Meier 011n.jpg (158289 Byte) Gerolzhofen Friedhof 320.jpg (127447 Byte)
 Grabstein von Josef Kissinger: links vor, Mitte und rechts nach der Restaurierung. Die Anregung  zur Restaurierung
ging aus von einem Neffen von Josef und Ida Kissinger. Auf dem Foto links ist der Enkel dieses Neffen zu sehen bei 
einem Besuch im Juli 2011.  
     
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 Oben und unten: Grabstätten der Familie Gottlieb aus Frankenwinheim vor und nach der Renovierung 
(Fotos erhalten von Eva-Maria Bräuer im Mai 2012) 
      
Gerolzhofen Friedhof 311.jpg (67565 Byte) Gerolzhofen Friedhof 313.jpg (66765 Byte) Gerolzhofen Friedhof 315.jpg (106754 Byte)
     
     

    
    
Einzelne Presseberichte   

April 2012: Führung im Friedhof mit Eva-Maria Bräuer    
Artikel in der "Main-Post" vom 9. April 2012: "Gerolzhofen. Führung im Gerolzhöfer jüdischen Friedhof. Eva-Maria Bräuer bot interessante Einblicke in die Abläufe jüdischer Bestattungen und jüdischen Lebens..." 
Link zum Artikel      
 
 

   
    

Links und Literatur

Links: 

Website der Gemeinde Gerolzhofen 
Zur Seite über die Synagoge in Gerolzhofen (interner Link)    

Literatur:  

Israel Schwierz: Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in Bayern. Eine Dokumentation der Bayerischen Landeszentrale für politische Bildungsarbeit. A 85. 1988. S. 59-60. 
Michael Trüger: Der jüdische Friedhof Gerolzhofen. In: Der Landesverband der Israelitischen Kultusgemeinden in Bayern. Jg. 1999 14. Jahrgang Nr. 81 vom Dezember 1999 S. 15-16.  
Martin Frey: Das Glöcklein aber läutet weiter... Antisemitismus und Nationalsozialismus in Gerolzhofen 1919-1933. In: Historisches Archiv der Stadt Gerolzhofen. Gerolzhofen 2000. Nr. 1 S. 173-204. 
Auf den Seiten 175ff behandelt Frey ausführlich den Mordfall Karl Schwarz, der große Wellen über Unterfranken hinaus schlug. Auf S. 191 wird die Ortsgruppe Gerolzhofen des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten und deren Führer erwähnt. S. 190 und S. 193f berichten über Schändungen des jüdischen Friedhofes in Gerolzhofen.  

    
    

                   
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Stand: 02. Oktober 2013