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Zurück zur Übersicht: "Jüdische
Friedhöfe in der Region"
zur Übersicht über die
jüdischen Friedhöfe in Unterfranken
Gerolzhofen (Landkreis Schweinfurt)
Der jüdische Friedhof
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde
Siehe Seite zur Synagoge in
Gerolzhofen (interner Link)
Zur Geschichte des Friedhofes
Der jüdische Friedhof in Gerolzhofen wurde 1639
angelegt. Er war zentraler Friedhof auch für die umliegenden Gemeinden wie
Altenschönbach, Brünnau,
Frankenwinheim, Lülsfeld,
Traustadt,
Obereuerheim, Gochsheim,
Prichsenstadt und Zeilitzheim (auch
für einzelne Familien aus Westheim, Schwebheim,
Schweinfurt, Kitzingen und
Kirchschönbach). Der
Friedhof musste immer wieder erweitert werden. Nach einer am 18. Mai 1699
unterzeichneten Urkunde verkaufte Johann Georg Stöcklein aus Gerolzhofen eine
Baumwiese an Abraham und Eyssig, Schutzjuden aus Gerolzhofen, für vier Gulden
und drei Batzen. Das für etwa acht Gräber geeignete Stück sollte der
vorhandenen Gräberstätte zugeschlagen werden. In der ab 1715 bestehenden
Chewra Kaddischa (Beerdigungsbruderschaft) waren auch Mitglieder der umliegenden
Gemeinden. Eine Chewra Kaddischa für Frauen (Chewra Anoschim) war 1888
gegründet worden.
Der Friedhof wurde im Laufe der Jahrzehnte immer wieder geschändet. 1927 waren
es zwei ortsansässige Mitglieder der NSDAP, die dafür zu Gefängnisstrafen
verurteilt wurden. 1936 und 1938 kam es gleichfalls zu Schändungen, doch auch
nach 1945: Am 24. Januar 1999 wurden NS-Symbole auf die Einfriedungsmauer und
das Taharahaus gesprüht.
Aus der Geschichte des jüdischen Friedhofes
Berichte über die Schändungen des Friedhofes 1927 und
1931
Artikel
aus der Zeitschrift "Der Israelit" vom 15. September 1927:
"Schweinfurt. In Gerolzhofen bei Schweinfurt wurde, wie bekannt, Ende
August der jüdische Friedhof in, man kann schon sagen, üblicherweise
geschändet und die Grabsteine demoliert. Die "C.V.-Zeitung"
veröffentlicht ein Schreiben des preußischen Zentrumsabgeordneten Dr.
Leo Schwering, in dem er seiner Entrüstung über diese empörenden
Schandtaten Ausdruck gibt".
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Artikel
in der Zeitschrift des Central-Vereins ("CV-Zeitung") vom 9.
September 1927: "Wie lange noch? Friedhofsschändung in
Gerolzhofen. Noch sind die Polizeibehörden in Köln und Essen damit
beschäftigt, die Friedhofsschändungen aufzuklären, noch immer ist es
nicht gelungen, der Täter habhaft zu werden, da trifft bei uns aus
Gerolzhofen bei Schweinfurt die Kunde von einer neuen Grabschändung ein.
Fünf Grabsteine wurden dort in der Nacht vom 28. zum 29. August auf dem
jüdischen Friedhof umgeworfen. Damit nicht genug, haben die Rohlinge auch
noch das Leichenhaus mit Hakenkreuzen besudelt. Die Gemeinde hat eine Belohnung
von 100 Mark auf Ergreifung der Täter ausgesetzt, und die
Staatsanwaltschaft hat an die Gendarmerie Anweisungen gegeben, die
Aufklärung dieser Schandtat mit energischen Maßnahmen herbeizuführen.
Zu diesen sich immer wiederholenden Schändungen jüdischer Grabstätten
sendet uns der Zentrumsabgeordnete des Preußischen Landtags Dr. Leo
Schwering (Köln) voll Empörung einen Brief, dem wir nachstehende Sätze
entnehmen: '
... Der Hass gegen das Judentum hat in Deutschland nach der Revolution
sonderbare Blüten getrieben. In immer wieder neuen Ideen sieht man ihn
sich entladen. ... Gewiss haben wir auch vor dem Kriege ähnliche Vergehen
gehabt und sie sind auch damals schwer bestraft worden. Aber verglichen
mit jener Zeit ist die Häufigkeit dieses Verbrechens in den letzten
Jahren in erschreckendem Maße angewachsen. Es kann gar keinem Zweifel
für alle objektiv Denkenden unterliegen, dass die Gräberschändung der
Ausdruck einer inneren Feindschaft gegen das Judentum ist, und dass die
viel häufigere Ausübung dieses Verbrechens mit der Verhetzung mancher
Volksschichten, denen man das Judentum in unglaublicher Verzerrung zeigt,
zusammenhängt. ... um so mehr haben alle rechtlich denkenden Deutschen
die Aufgabe, unsere jüdischern Mitbürger in ihrem Kampf gegen diese
Auswüchse eines missleiteten Rassenbewegung zu unterstützen. Das
kann nicht dadurch geschehen, dass man in Einzelfällen seinem Bedauern
Ausdruck gibt, sondern es kann nur dann geschehen, wenn der Abscheu vor
diesem pietätlosesten aller Vergehen so groß wird, dass das Gewissen der
Gesamtheit noch feiner und empfindlicher schlägt, als dies sonst der Fall
ist. Jenseits aller religiösen und parteipolitischen Betrachtungsweise
gibt es noch eine menschlich-humane, die über alles Brücken schlagen
sollte und müsste. Man braucht sich nur in die Lage unserer
jüdischen Mitbürger zu versetzen, um das zu begreifen, um aus
menschlicher Einstellung heraus die richtige Beurteilung derer zu finden,
die die materiellen und intellektuellen Verbrecher zu sein pflegten. Der
Unterstützung, insbesondere aller wahrhaft religiös und christlichen
denkenden Kreise dürfen sie sicher sein." |
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Artikel
in der C.V.-Zeitung vom 11. Dezember 1931: "Gerolzhofen bei
Schweinfurt. In der Nacht vom 28. zum 29. August 1927 wurden fünf
Grabsteine umgeworfen und die Leichenhalle mit Hakenkreuzen beschmiert.
Die jüdische Gemeinde hat eine Belohnung von 100 Mark ausgesetzt, die
später auf 300 Mark erhöht wurde. Am 18. Januar 1928 wurden die beiden
Täten, von denen der ältere Mitglied der NSDAP war, vom Amtsgericht in
Gerolzhofen zu zwei Monaten bzw. vier Wochen Gefängnis
verurteilt."
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Meldung
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 2. Februar 1928: "München.
Das Jugendgericht in Gerolzhofen verurteilte einen Friseurgehilfen, dem
die Schändung von Grabsteinen auf dem dortigen jüdischen Friedhofe
nachgewiesen wurde, zu zwei Monaten Gefängnis. Ein Lehrling, der ihm
dabei Hilfe leistete, erhielt vier Wochen Gefängnis." |
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Artikel in der "Jüdisch-liberalen Zeitung"
vom 3. Februar 1928: "Gerolzhofen. (Sühne für die
Friedhofsschändung). Vor dem Jugendgericht in Gerolzhofen (Franken)
hatten sich ein Friseurgehilfe und ein Friseurlehrling wegen
Grabschändung zu verantworten. Die Angeklagten hatten auf dem
israelitischen Friedhof mehrere Grabsteine von den Gräbern gestürzt.
Während der Gehilfe zwei Monate Gefängnis erhielt, wurde ein jüngerer
Kollege zu vier Wochen Gefängnis
verurteilt." |
Lage des Friedhofes
Der Friedhof liegt am östlichen Stadtrand von
Gerolzhofen etwas abseits an einem Hang. Er ist von einer stabilen
Natursteinmauer umgeben- An der Nordseite befindet sich zwischen zwei großen
Steinpfeilern ein eisernes Gittertor, hinter dem sich ein zweistöckiges Taharahaus
befindet, dessen Eingangstür mit einer schmiedeeisernen Gittertür gesichert
ist. Auf dem oberen Rundbogen des Eingangs steht in den Stein gemeißelt: Erbaut
1832 - Renov. 1924. Der Friedhof hat eine Gesamtfläche von 120,35 Ar.
Führungen durch den Friedhof und Stadtführungen zur jüdischen Geschichte
in Gerolzhofen werden immer wieder angeboten,
Informationen bei der Stadtinformation: Marktplatz 20 - Altes Rathaus - 97447 Gerolzhofen
Tel.: 09382/903512 Fax: 09382/903513 E-Mail
Fotos
(Die Fotos der oberen beiden Fotozeilen wurden von Klaus
Kurre, Mainberg angefertigt und dürfen nicht ohne Genehmigung weiter
verwendet werden. Hochauflösende Aufnahmen und weitere, hier nicht
hinterlegte Bilder können per Mail
bei Klaus Kurre angefordert
werden; die Fotos der dritten bis fünften Fotozeile sind von Jürgen Hanke,
Kronach).
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| Außenansichten
des Friedhofes mit dem Taharahaus |
Inschrift über dem Taharahaus |
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| Blicke über den
Friedhof |
Grabsteine beim Taharahaus |
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| Eingangstor |
Teilansichten |
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| Grabstein mit zwei
Levitenkannen |
Teilansichten |
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Grabstein für Max Fleischmann
von Prichsenstadt (1892-1934) mit
Gedenkinschriften für Frieda, Inge
und
Trude Fleischmann |
Grabstein für Emanuel
Lewisohn
(1853-1932) mit Gedenkinschrift für
Klara Hermann geb. Lewisohn |
Grabstein für Selma Brodmann
geb. Lichtenauer (1888-1936) und
Willi Brodmann (1878-1942) |
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Grabstein für den Rabbiner/Lehrer
Joseph Arjeh (Löb) Kellermann
(1832-1883); war Lehrer in Gerolzhofen
von 1865 bis 1883 (Foto erhalten von
Uri Kellermann, Nof-Ayalon, Israel) |
Grabstein für Löb Gottlieb
von Frankenwinheim (1859-1936)
und Gedenkinschrift für Sabina Gottlieb
geb. Schild (1859-1942 Theresienstadt) |
Bericht
über eine Friedhofsführung
mit Fotos durch Maria Pfrang und
Evamaria
Bräuer 2006
(externer Link) |
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Besuch aus Israel auf dem
Friedhof
Ende Januar 2007
(Quelle: Stadt Gerolzhofen, Seite) |
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Aus Anlass der
Übergabefeier der erweiterten jüdischen Gedenkstätte in Gerolzhofen
(siehe Seite zur Synagoge in
Gerolzhofen)
hieß 1. Bürgermeister Hartmut Bräuer zusammen mit
seiner Ehefrau Evamaria Bräuer, die seit Jahren Kontakte nach Israel
pflegt,
Frau und Herrn Milka und Shmuel Zailer-Lichtenauer willkommen. Ein
gemeinsamer Besuch der Gräber der Eltern und Großeltern
von Milka
Zailer-Lichtenauer ging der Gedenkstätteneinweihung voraus. |
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Restaurierung von
Grabsteinen der Familie Kissinger
(Fotos erhalten von Eva-Maria Bräuer) |
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Grabstein
für Ida Kissinger: links vor, Mitte nach der 2012 erfolgten Reinigung und Imprägnierung durch eine Steinmetzfirma,
rechts nach dem Nachzeichnen der deutschen Grabinschrift |
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Grabstein
von Josef Kissinger: links vor, Mitte und rechts nach der Restaurierung. Die
Anregung
zur Restaurierung
ging aus von einem Neffen von Josef und Ida
Kissinger. Auf dem Foto links ist der Enkel dieses Neffen zu sehen bei
einem Besuch im
Juli 2011. |
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Oben und
unten: Grabstätten der Familie Gottlieb aus Frankenwinheim
vor und nach der Renovierung
(Fotos erhalten von Eva-Maria Bräuer im Mai 2012) |
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Einzelne Presseberichte
| April 2012:
Führung im Friedhof mit Eva-Maria Bräuer |
Artikel in der "Main-Post" vom 9.
April 2012: "Gerolzhofen. Führung im Gerolzhöfer jüdischen
Friedhof. Eva-Maria Bräuer bot interessante Einblicke in die Abläufe
jüdischer Bestattungen und jüdischen Lebens..."
Link
zum Artikel |
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Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Israel Schwierz: Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in Bayern.
Eine Dokumentation der Bayerischen Landeszentrale für politische
Bildungsarbeit. A 85. 1988. S. 59-60. |
 | Michael Trüger: Der jüdische Friedhof Gerolzhofen. In: Der
Landesverband der Israelitischen Kultusgemeinden in Bayern. Jg. 1999 14.
Jahrgang Nr. 81 vom Dezember 1999 S. 15-16.
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