Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Traustadt (Gemeinde Donnersdorf, VG Gerolzhofen, Kreis Schweinfurt)
Jüdische Geschichte / Synagoge

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Berichte zu einzelnen Personen aus der jüdischen Gemeinde  
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen           
Links und Literatur   

     

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde      
     
In Traustadt bestand - vermutlich bis um 1900 - eine jüdische Gemeinde. 
  
Bei der Erstellung der Matrikellisten 1817 wurden für Traustadt 14 (seit 1825 15) Matrikelstellen für die damals anwesenden jüdischen Familien festgeschrieben (bereits mit neuem Familiennamen und Erwerbszweig): Enssel Hirsch (Schmusen), Feifel Strauß (Schnitthandel), Haium Reinstein (Schlachten), Isaac Hirsch sen. (Schlachten und Viehhandel), Isaac Hirsch jun. (Schlachten und Viehhandel), Israel Hirsch (Viehhandel) Joseph Hirsch (Viehhandel und Schlachten), Jud Bachmann (Schmusen und Schlachten), Löb Weiss (Schmusen), Pfeuffel Wolf (Schmusen), Seckel Uhlfelder (Branntweinbrenner, Schmusen und Feldbau), Simon Goldstein (Schnitt- und Spezereihandel), Wolf Goldstein (Schnitt- und Spezereihandel), Wolf Hirsch (Viehhandel), Aron Bachmann (Leinenweberei, Matrikelstelle seit 1825).   
 
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge, einen Raum für den Unterricht der Kinder und vermutlich auch ein rituelles Bad. Die Toten der Gemeinde wurden auf dem jüdischen Friedhof in Gerolzhofen beigesetzt. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war. Ein - allerdings nicht namentlich bekannter - jüdischer Schullehrer wird erstmals im Zusammenhang mit der Erstellung der Matrikellisten 1817 genannt.      
 
Im Ersten Weltkrieg fiel aus der jüdischen Gemeinde Abraham Marx (geb. 10.8.1884 in Gerolzhofen, vor 1914 in Traustadt wohnhaft, gef. 29.4.1917).     
  
Unter den letzten jüdischen Einwohnern waren die Schwestern (?) Sophie und Amalie (Babette) Hirsch, die seit etwa 1930 im Würzburger Heim in der Dürerstraße 20 lebten. Sophie Hirsch (geb. 4. November 1856 in Traustadt) ist am 8. August 1931 in Würzburg gestorben. Amalie (Babette) Hirsch wurde am 23. September 1942 in das Ghetto Theresienstadt deportiert, wo sie am 8. Dezember 1942 umgekommen ist.   
  
Von den in Traustadt geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Amalie (Babette) Hirsch (1860).     
    
    
    
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
   
Berichte zu einzelnen Personen aus der jüdischen Gemeinde 

Zum Tod von Jette Hirsch (1902)         

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 9. Oktober 1902: "Gerolzhofen, 6. Oktober (1902). Am Sabbat ki Sowau verstarb plötzlich in dem nahen Zeilitzheim, die hochgeehrte Frau Jette Hirsch seligen Andenkens, im Alter von 86 Jahren. Die Verschiedene war erst vor kurzem mit ihrem Manne von Traustadt zu ihrem Sohne, Herrn Lehrer Hirsch, übergesiedelt, um daselbst ihren Lebensabend zu beschließen. Dieselbe erfreute sich bis zu ihrem Lebensende einer körperlichen und staunenswerten geistigen Frische. Durch ihren fröhlichen Humor und durch ihre trefflichen weiblichen Eigenschaften war sie bei Jedermann sehr beliebt. Auch diejenigen Vorzüge, die eine wackere Frau schmücken, waren bei der Heimgegangenen vereinigt. Ihre Hand bricht Brot dem Armen, und ihre Hände streckt sie aus dem Dürftigen. Mit ihrem Manne führte sie ein mustergültiges, uneigennütziges Eheleben - Gutes und nicht Böses alle Tage ihres Lebens und ihren Kindern war sie eine zärtliche, aufopfernde Mutter. Und milde Lehre ist auf ihrer Zunge.
Möge die Verblichene für die Hinterbliebenen und für uns Alle ein rechter Fürsprecher sein vor dem Throne des richtenden Königs, sodass wir eingeschrieben werden: im Buch des Lebens, des Segens und des Friedens.".              

    
Zum Tod von Simon Hirsch (1903)      

Gerolzhofen Israelit 27081903.jpg (137491 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 27. August 1903: "Gerolzhofen, 24. August (1903). Vorigen Donnerstag Jom Kippur Katan, am Erew Rosch-Chodesch Elul (sc. der Erew Rosch Chodesch Elul war am Sonntag, 23. August 1903), wurden hier von der Chebra Kadischa, welche gerade vollzählig versammelt war, die irdischen Überreste des Herrn Simon Hirsch von Traustadt, der ein Alter von 87 Jahren erreicht hatte, zu Grabe getragen. Der Verlebte hatte seine letzten Ruhetage bei seinem Sohne, Herrn Lehrer Hirsch in Zeilitzheim, beschlossen. Obwohl seines Standes Kaufmann, bekleidete er doch ein Menschenalter hindurch das wichtige Amt der Schechita mit größter Gewissenhaftigkeit und zur Ehre von Gottes Gebot (ehrenamtlich) fungierte er auch als Baal Tokea (Schofarbläser). Mit ihm ist ein seltener Schatz wertvoller Erfahrung begraben, eine Fülle lichtvoller Klugheit, ein Leben voll köstlichen Humors, verbunden mit eisernem Fleiße und Entsagung, die er sich selbst auflegte, sodass wir wie letzthin in unserem Wochenabschnitte sagen: 'ein Land, dessen Steine Eisen' (5. Mose 8,9). Sein Erdreich, wo er sich sanft zur Ruhe gebettet, birgt Edelsteine des eisernen Fleißes, des eisernen Willens und der eisernen Tatkraft, 'und aus seinen Gebirgen wirst du Kupfer hauen' (ebd.) und aus seinem Grabeshügel leuchtet das funkelnde Metall des Verstandes und der Einsicht hervor! Unsere Weisen sagen: Lese nicht 'Steine', sondern ihre 'Erbauer'; das sind die Guten und Frommen, die den sittlichen Aufbau der Welt fördern und 'von ihren Bergen leuchtet es wie Eisen' und die sich gegenseitig schärfen, anfeuern und begeistern in allem Guten und Edlen.  
Am Grabe dankte des Verstorbenen Sohn, Herr Lehrer Hirsch, im Namen der Familie und nahm den letzten Abschied von seinem teuren Toten, während Herr Lehrer Kissinger, Frankenwinheim, schon im Sterbehause des Verblichenen ehrend gedachte. Das Andenken an den Frommen ist zum Segen. L.G."       

     
    
    
Zur Geschichte der Synagoge                  
     
Über die Geschichte der Synagoge in Traustadt lieben keine Informationen vor. Nach dem Verkauf des Gebäudes (um 1900) wurde es als Wohnhaus genutzt.  
    
    
Adresse/Standort der Synagoge:    In den Weinbergen 6   
   
   
Fotos    

Es sind noch keine Fotos zur ehemaligen Synagoge beziehungsweise zur jüdischen Geschichte in Traustadt vorhanden; 
über Zusendungen und Hinweise freut sich der Webmaster der "Alemannia Judaica"; Adresse siehe Eingangsseite.  
 
     

   
     

Links und Literatur

Links:   

Website der Gemeinde Donnersdorf    

Literatur:  

Israel Schwierz:  Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in Bayern. Eine Dokumentation der Bayerischen Landeszentrale für politische Bildungsarbeit. A 85. 1992² S. 126.
Dirk Rosenstock: Die unterfränkischen Judenmatrikeln von 1817. Eine namenkundliche und sozialgeschichtliche Quelle. Reihe: Veröffentlichungen des Stadtarchivs Würzburg Band 13. Würzburg 2008. S. 134.   

      
       

                   
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Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 04. Juli 2015