Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Zeilitzheim (Gemeinde Kolitzheim, Kreis Schweinfurt)
Jüdische Geschichte / Synagoge

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer 
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde   
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe / Privatpersonen     
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen       
Links und Literatur   

  

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)     
   
In Zeilitzheim bestand eine jüdische Gemeinde bis 1942. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 16./17. Jahrhunderts zurück. Erstmals werden 1588 (in einer Bierbraurechnung der Stadt Gerolzhofen: "Judt zu Zeulitzheim" genannt) und 1607 Juden am Ort genannt, die von den reichsfreien Dorfherren von Zeilitzheim in ihrem Herrschaftsbereich aufgenommen worden waren. Die jüdischen Familien wohnten in der Folgezeit vor allem im Bereich der früher sogenannten "Oberen und unteren Judengasse" (die "Obere Judengasse" ist heute die "Gräsleinsgasse", die "Untere Judengasse" heißt "An den Kirchgaden", im Volksmund noch heute "Jüdegass"). 
  
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1816 76 jüdische Einwohner (11,0 % von insgesamt 692 Einwohnern), 1837 70 (10,7 % von 655), 1867 37 (5,8 % von 640), 1880 46 (6,6 % von 698), 1900 61 (9,9 % von 618), 1910 54 (8,1 % von 663).  
  
Bei der Erstellung der Matrikellisten 1817 wurden in Zeilitzheim auf insgesamt 15 Matrikelstellen die folgenden jüdischen Familienvorstände genannt (mit neuem Familiennamen und Erwerbszweig): Moses Löb Bettmann (Bettenhandel), David Faust Gottlieb (verschiedene Handelsschaft [Eisen, Zinn]), Seligmann Jacob Selig (Viehhandel), Joseph Loeb Schlos (teils Schmuserei, teils Warenhandel), Moses Pfeiffer Heinemann (verschiedene Handel), Hirsch Seligmann Selig (Viehhandel), Wolf Seligmann Selig (Viehhandel), Jacob Seligmann Selig (Viehhandel), Abraham Sandel Brodmann (Warenhandel und Viehschlachten), Idlein Lob Freund (Schmuserei), Goeth Moses Grüne(n)wald (Betthandel), Mayer Abraham Liebmann (Metzger, seit 1821), Mayer Jakob Maier (Bauer, seit 1821), Löb Selig (Feldbau, seit 1822).    
     
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge (s.u.), eine Schule und ein rituelles Bad. Die Toten der Gemeinde wurden auf den jüdischen Friedhöfen in Gerolzhofen und Schwanfeld beigesetzt. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Religionslehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schächter fungierte. Besonders lange wirkten in der Gemeinde Wolf Roßmann (1835 bis 1860) und Naftali  Hirsch (von 1884 bis 1923; siehe unten Berichte zum Tod seiner Frau und seiner Eltern, vgl. Seite zu Traustadt). 
  
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde Moses Frank (geb. 12.5.1891 in Zeilitzheim, gef. 10.8.1914) und Siegfried Selig (geb. 20.9.1893 in Zeilitzheim, gef. 24.10.1914). Ihre Namen stehen auf dem Kriegerdenkmal für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges auf dem Marktplatz in der Ortsmitte.   
  
Um 1924, als zur jüdischen Gemeinde noch 42 Personen gehörten (6 % von insgesamt etwa 700 Einwohnern), waren die Vorsteher der Gemeinde Simon Gutmann und Samuel Frank. Als Lehrer, Kantor (Vorbeter) und Schochet wirkte David Kahn. Er erteilte an der Religionsschule der Gemeinde zwei Kindern den Religionsunterricht.  Lehrer David Kahn ist 1926 vom Ort verzogen, da die Gemeinde zu klein geworden war. Die Gemeinde gehörte zum Distriktsrabbinat Kitzingen.
  
1933 lebten noch 23 jüdische Personen in Zeilitzheim. Auf Grund der zunehmenden Repressalien und der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts verzogen nach 1935 elf dieser Personen in andere deutsche Orte (u.a. drei nach Würzburg, einer nach Schwanfeld), einer starb noch in Zeilitzheim. Beim Novemberpogrom 1938 kamen 30 bis 40 SA-Leute aus Volkach nach Zeilitzheim. Sie schlugen in den jüdischen Häusern die Fenster ein und durchsuchten die Wohnungen. Die jüdischen Bewohner mussten sich auf dem Dorfplatz sammeln, wo ihnen der Kreisleiter sinngemäß mitteilte: "Im Jahr 1933 ist Euch gekündigt worden, aber Ihr habt die Kündigung nicht angenommen. Aufhängen tun wir Euch nicht, aber verhungern müsst Ihr, wie Ihr da seid. Zu fressen kriegt Ihr nichts!" Zwei jüdische Frauen und zwei jüdische Männer wurden in das Gefängnis nach Gerolzhofen gebracht. Die Frauen wurden tags darauf freigelassen, die Männer in das KZ Dachau gebracht. Zwei Bauern des Ortes (Eck und Fackelmann), die mit den Juden noch Handelsbeziehungen hatten und ihnen insgeheim Lebensmittel zukommen ließen, wurden auf dem Marktplatz misshandelt, beschimpft und gleichfalls in das Gefängnis in Gerolzhofen eingeliefert. Nach dem Pogrom mussten die jüdischen Familien ihre Häuser und Felder zwangsweise verkaufen. Im Mai 1939 lebten noch 14 jüdische Personen in Zeilitzheim, darunter fünf Jugendliche zwischen zwölf und 16 Jahren, denen der jüdische Lehrer von Prichsenstadt noch Privatunterricht erteilen konnte. 1942 wurden die letzten neun jüdischen Einwohner deportiert, sieben im April über Würzburg nach Izbica, zwei im September über Würzburg in das Ghetto Theresienstadt.    
    
Von den in Zeilitzheim geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Hannelore (Hannchen) Brodmann (1888), Selma Brodmann (1897), Sofie Brodmann geb. Selig (1856), Else (Ilse) Frank (1927), Lotte Frank (1927), Margot Frank (1925), Martha Frank geb. Heidelberger (1895), Rudolf Frank (1891), Samuel Frank (1890), Trude Frank (1926), Amalie Friedberg geb. Selig (1882), Auguste Gerdzfed geb. Stein (1868), Tanni (Fanny) Gunz geb. Frank (1865), Sofie Krebs geb. Gutmann (1894), Sofie Löwenthal geb. Selig (1894), Elsa Rohrbach geb. Frank (1889), Dora Selig (1902), Frieda Selig (1897), Marta Selig (1903), Bertha (Martha) Strauß geb. Brodmann (1888),  Siegfried Strauß (1888).   
      
Im März 1950 wurden 12 der am Novemberpogrom 1938 Beteiligten in Schweinfurt vor Gericht gestellt. Dabei wurde nur einer zu anderthalb Jahren Gefängnis verurteilt, die übrigen freigesprochen.
     
     
     

Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde         
   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer  
Bericht über Wolf Rossmann, Lehrer, Vorbeter und Schächter in Zeilitzheim von 1835-1860

Zeilitzheim Israelit 24111875.jpg (145853 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 24. November 1875: "Obereuerheim (Unterfranken). Unsere wenige Familien zählende Gemeinde hat einen großen Verlust erlitten Unser teurer, unvergesslicher Lehrer, Herr Wolf Rossmann seligen Andenkens, ist nicht mehr unter den Lebenden, der Ewige hat ihn genommen, der Ewige hat ihn zu sich genommen.
Noch am verflossenen Neujahrsfeste leitete er den Gottesdienst zur größten Zufriedenheit aller in der Synagoge Anwesenden und schon am Rüsttag des Laubhüttenfestes wurde er durch den Tod uns entrissen. Wer den Verewigten – er ruhe in Frieden – näher kannte, wird wohl begreifen, wie gerecht der Schmerz ist, den wir durch den Verlust dieses edlen Mannes empfinden. Es war ein berufstreuer, eifriger Lehrer, ein tugendhafter, für unsere heilige Tora begeisterter Jude und ein Menschenfreund im wahren Sinne des Wortes! Fünfundzwanzig Jahre hindurch war er als Lehrer in Zeilitzheim tätig, von wo er in gleicher Eigenschaft hierher versetzt wurde. Nachdem er in diesem Wirkungskreise ein 15jährige Praxis entfaltete, in allen seinen Pflichten eine seltene Gewissenhaftigkeit und Pünktlichkeit an den Tag legte, sahen wir ihn leider so früh scheiden. –
Möge er in den lichten Höhen den Lohn empfangen für all das Gute, das er hienieden geübt, und möge der Allgütige, der allen Trauernden Trost verleiht, lindernden Balsam in die Herzen der tief gebeugten Hinterbliebenen träufeln.
Das Andenken des Heimgegangenen wird bei uns ein unvergessliches sein. Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."

      
Zum Tod von Simon Hirsch, Vater des Lehrers Naftali Hirsch (1903)      

Gerolzhofen Israelit 27081903.jpg (137491 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 27. August 1903: "Gerolzhofen, 24. August (1903). Vorigen Donnerstag Jom Kippur Katan, am Erew Rosch-Chodesch Elul (sc. der Erew Rosch Chodesch Elul war am Sonntag, 23. August 1903), wurden hier von der Chebra Kadischa, welche gerade vollzählig versammelt war, die irdischen Überreste des Herrn Simon Hirsch von Traustadt, der ein Alter von 87 Jahren erreicht hatte, zu Grabe getragen. Der Verlebte hatte seine letzten Ruhetage bei seinem Sohne, Herrn Lehrer Hirsch in Zeilitzheim, beschlossen. Obwohl seines Standes Kaufmann, bekleidete er doch ein Menschenalter hindurch das wichtige Amt der Schechita mit größter Gewissenhaftigkeit und zur Ehre von Gottes Gebot (ehrenamtlich) fungierte er auch als Baal Tokea (Schofarbläser). Mit ihm ist ein seltener Schatz wertvoller Erfahrung begraben, eine Fülle lichtvoller Klugheit, ein Leben voll köstlichen Humors, verbunden mit eisernem Fleiße und Entsagung, die er sich selbst auflegte, sodass wir wie letzthin in unserem Wochenabschnitte sagen: 'ein Land, dessen Steine Eisen' (5. Mose 8,9). Sein Erdreich, wo er sich sanft zur Ruhe gebettet, birgt Edelsteine des eisernen Fleißes, des eisernen Willens und der eisernen Tatkraft, 'und aus seinen Gebirgen wirst du Kupfer hauen' (ebd.) und aus seinem Grabeshügel leuchtet das funkelnde Metall des Verstandes und der Einsicht hervor! Unsere Weisen sagen: Lese nicht 'Steine', sondern ihre 'Erbauer'; das sind die Guten und Frommen, die den sittlichen Aufbau der Welt fördern und 'von ihren Bergen leuchtet es wie Eisen' und die sich gegenseitig schärfen, anfeuern und begeistern in allem Guten und Edlen.  
Am Grabe dankte des Verstorbenen Sohn, Herr Lehrer Hirsch, im Namen der Familie und nahm den letzten Abschied von seinem teuren Toten, während Herr Lehrer Kissinger, Frankenwinheim, schon im Sterbehause des Verblichenen ehrend gedachte. Das Andenken an den Frommen ist zum Segen. L.G."       

  
25-jähriges Dienstjubiläum von Lehrer Naftali Hirsch (1909)    

Zeilitzheim Israelit 02091909.jpg (22326 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 2. September 1909: "Zeilitzheim, 30. August (1909). In diesem Monate beging Lehrer Hirsch dahier sein 25 jähriges Dienstjubiläum, aus welchem Anlasse ein Festakt stattfand und dem Jubilar sowohl von der Kultusgemeinde als von der Schuljugend ansehnliche Geschenke übergeben wurden."
  
Zeilitzheim Israelit 11041922.jpg (73153 Byte) Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. April 1922: "Zeilitzheim, 7. April (1909). Am 25. März feierte Herr Lehrer N. Hirsch dahier, mit seinem 70. Geburtstag zugleich sein 50jähriges Dienstjubiläum. Die in der festlich geschmückten Synagoge abgehaltene Doppelfeier, an welcher außer der Kultusgemeinde auch die beiden Geistlichen, die Lehrer und der Bürgermeister des Ortes sich beteiligten, gestaltete sich zu einer eindrucksvollen und sehr erhebenden Feier, die Zeugnis ablegte von der außerordentlichen Beliebtheit und Wertschätzung, welche der Jubilar seitens der Gesamteinwohnerschaft seines Wirkungsortes genießt. Ihrer besonderen Verehrung und treuen Anhänglichkeit auch äußerlich Ausdruck verleihend, brachten Gemeinde, sowie alle ehemaligen Schüler ihrem Lehrer sehr wertvolle Jubiläumsgaben dar. Möge der Jubilar, der sich der besten Rüstigkeit erfreut, noch recht lange seiner Berufstätigkeit und seiner Gemeinde erhalten bleiben."  

    
Zum Tod von Lehrer Naftali Hirsch (1923)

Zeilitzheim Israelit 21061923.jpg (155421 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 21. Juni 1923: "Zeilitzheim (Unterfranken), 6. Juni (1923). Unter einer in unserem Dorf geradezu beispiellosen Beteiligung seitens aller Konfessionen wurde heute unser allverehrter Lehrer Naphtali Hirsch, der 39 Jahre in unserer Gemeinde als Lehrer, Kantor und Schochet gewirkt hat, zu Grabe getragen. Im Vorjahre hatte es sich die dankbare Gemeinde nicht nehmen lassen, die Feier des 50-jährigen Dienstjubiläums zusammen mit dem 70. Geburtstag festlich zu begehen, wiewohl der allzeit schlichte, bescheidene, anspruchslose Mann sich lieber derselben entzogen hätte. Bei dieser Gelegenheit zeichnete Herr Distriktsrabbiner Dr. Wohlgemuth den Jubilar mit dem Chobertitel (= "Ehrenrabbiner") aus. Er hat diese Ehre wohl verdient. Denn mit der Tora sich zu beschäftigen, war sein unermüdliches Streben und, um nicht gestört zu werden, lernte er fast immer an einem reinen und heiligen Ort im Gotteshause. Mit Recht hob darum Herr Rabbiner Dr. Stein - Schweinfurt, der in Vertretung des am Erscheinen gehinderten Herrn Dr. Wohlgemuth auf dem Friedhof in Gerolzhofen sprach, hervor, dass wer wie der Verblichene, stets als Mensch, Jehudi und Lehrer in Israeli sich der Keduschoh befleißigt habe, nach diesen drei Seiten auf der Höhe der Pflichterfüllung gestanden, Anspruch auf den Namen eines Heiligen habe. Der Sohn des Verblichenen, Lehrer Hirsch in Berolzheim, hatte bereits in der Synagoge in Anwesenheit einer großen Zahl von Teilnehmenden, auch der Geistlichen und Lehrer beider Konfessionen, seinem Schmerz Worte der Dankbarkeit und Verehrung abgerungen und am Dorfende vor der Trennung von dem Verblichenen war die verwaiste Gemeinde durch den Mund ihres Vorstandes, Herrn Lazarus Gutmann, zum Worte gekommen. Aus allen Reden in gleicher Weise sprach Anerkennung, Verehrung, Liebe, Dankbarkeit. Die wackere Gemeinde möge nun aber auch bestrebt sein, ohne Opfer zu scheuen, einen würdigen Nachfolger für Naphtali Hirsch zu bestellen; das wäre die beste Anerkennung und der beste Dank für den Verblichenen."
   
Zeilitzheim Israelit 21061923a.jpg (107541 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 21. Juni 1923: "Nachruf! Die israelitische Kultusgemeinde Zeilitzheim betrauert den am 4. Juni erfolgten Heimgang ihres hoch verehrten Lehrers, des Herrn Naftali Hirsch s.A. Mehr als 5 Jahrzehnte übte er seinen heiligen Beruf aus, davon ca. 40 Jahre in unserer Gemeinde. Von tiefster Religiosität beseelt, von peinlicher Gewissenhaftigkeit und seltener Friedensliebe erfüllt, mit reichen Geistesgaben und vorzüglichem Lehrgeschick ausgestattet, hat er überaus segensreich seines heiligen Amtes gewaltet. In unermüdlichem Fleiße hat er die Samenkörner jüdischen Wissens, echter Gottesfurcht und heiliger Begeisterung für das Vätererbe in die Herzen der Jugend und der Erwachsenen gestreut. Er hatte auch die Genugtuung, sein Wirken von Erfolg gekrönt zu sehen. Aufrichtig ist der Schmerz seiner jetzigen und früheren Schüler sowie der ganzen Gemeinde und des Rabbinatsbezirks um den Verlust dieses edlen und warmherzigen Menschen. Sein Andenken wir unvergessen bleiben. Das Andenken an den Gerechten ist zum Segen. Das Distriktsrabbinat Kitzingen: Dr. Wohlgemuth. Israelitische Kultusgemeinde, Zeilitzheim, L. Gutmann, Kultusvorstand."

 
  
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde  
Zum Tod von Rosa Hirsch, Frau des Lehrers Hirsch (1892)   

Zeilitzheim Israelit 05011893.jpg (65283 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. Januar 1893: Nachruf. 
Zeilitzheim,
19. Dezember 1892. 
Am ersten Tag Rosch Chodesch Tewet verschied nach langem Leiden in frommer Hingebung Frau Rosa Hirsch, Lehrer-Gattin dahier. Trotz der Aufopferung ihres tief betrübten Gatten und der liebevollen Pflege einer braven Schwägerin musste die Verblichene aus unserer Mitte scheiden. Mit ihr wurde eine fromme Frau zu Grabe geleitet.
Wo es galt Gutes zu tun, stand sie an der Spitze, regelmäßig sammelte sie die Challa-Gelder für die Agudat Israel. Selbst bei ihrem schweren leiden fastete sie mit eisernem Willen die gebotenen Fasttage, und alle Gebote, die von jüdischen Frauen gefordert werden, erfüllte sie stets in größter Pünktlichkeit.
Möge die Verblichene nun aus jenen lichten Höhen verklärt auf ihren schwergeprüften Gatten und das fünfjährige Söhnchen herabschauen und möge ihr die Erde leicht sein."

  
Zum Tod von Gedolja Selig (1900)   

Zeilitzheim Israelit 08011900.jpg (24247 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. Januar 1900: "Zeilitzheim, 16. Tebet. Heute verschied in seinem 80. Lebensjahr unser ältestes Kultusmitglied, Gedolja Selig. Derselbe war noch ein religiöser Jehudi alten Schlages. Er fungierte als Chasan (Vorsänger) an den ehrfurchtgebietenden Tagen und war ein gewandter Baal Kore (Tora-Vorleser). Seinen Kindern gab er eine religiöse Erziehung. Mögen diese stets in treuem Sinne wandeln."

    
Zum Tod von Jette Hirsch, Mutter von Lehrer Naftali  Hirsch in Zeilitzheim (1902)  
Anmerkung: zum Tod des Vaters von Lehrer Hirsch siehe auf der Seite von Traustadt.          

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 9. Oktober 1902: "Gerolzhofen, 6. Oktober (1902). Am Sabbat ki Sowau verstarb plötzlich in dem nahen Zeilitzheim, die hochgeehrte Frau Jette Hirsch seligen Andenkens, im Alter von 86 Jahren. Die Verschiedene war erst vor kurzem mit ihrem Manne von Traustadt zu ihrem Sohne, Herrn Lehrer Hirsch, übergesiedelt, um daselbst ihren Lebensabend zu beschließen. Dieselbe erfreute sich bis zu ihrem Lebensende einer körperlichen und staunenswerten geistigen Frische. Durch ihren fröhlichen Humor und durch ihre trefflichen weiblichen Eigenschaften war sie bei Jedermann sehr beliebt. Auch diejenigen Vorzüge, die eine wackere Frau schmücken, waren bei der Heimgegangenen vereinigt. Ihre Hand bricht Brot dem Armen, und ihre Hände streckt sie aus dem Dürftigen. Mit ihrem Manne führte sie ein mustergültiges, uneigennütziges Eheleben - Gutes und nicht Böses alle Tage ihres Lebens und ihren Kindern war sie eine zärtliche, aufopfernde Mutter. Und milde Lehre ist auf ihrer Zunge.
Möge die Verblichene für die Hinterbliebenen und für uns Alle ein rechter Fürsprecher sein vor dem Throne des richtenden Königs, sodass wir eingeschrieben werden: im Buch des Lebens, des Segens und des Friedens.".              


Zum Tod von Seligmann Selig (1904)  

Zeilitzheim Israelit 22081904.jpg (58894 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 22. August 1904: "Zeilitzheim. Am 22. Ab verschied unser Gemeindeältester, Herr Seligmann Selig, welcher auch das älteste Mitglied der Chewra Kadischa schäl Beit HaChaiim (Beerdigungs- und Friedhofsverein) war. Er fungierte viele Jahre als Baal Tokea (Schofarbläser an den Hohen Feiertagen) und war von Glaubenstreue und Gottvertrauen erfüllt. Derselbe versäumte keinen Gottesdienst und wurden besonders die Gebote der Sabbatweihe und der Gastfreundschaft in mustergültiger Weise von ihm geübt. Außer seiner tiefgebeugten Gattin und seinen Verwandten, trauern seine zahlreichen Freunde, sowie die Gemeinde. Seine Seele sein eingebunden in den Bund des Lebens."

  
Zum Tod von Hanna Selig (1911)

Zeilitzheim Israelit 17081911.jpg (47181 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. August 1911: "Zeilitzheim, 14. August (1911). In unserer Gemeinde verschied Frau Hanna Selig, Witwe, im 79. Lebensjahre. Von streng religiösem Hause stammend, hat sie der Eltern Sitte getreulich bewahrt. Ihr Haus war der Gastfreundschaft geöffnet, und waren besonders Toragelehrte eines begeisterten Empfanges sicher. Die allgemeine Beliebtheit, deren sich die Dahingeschiedene erfreue, kam sowohl während ihrer Krankheit, als beim Leichenbegängnisse zu erhebendem Ausdruck."

   
   
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe / Privatpersonen 
Anzeige von Benedik Frank - Lehrlingssuche für seinen Sohn (1904)   

Zeilitzheim Israelit 30051904.jpg (44553 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. Mai 1904: 
"Suche für meinen 13jährigen Sohn, der bessere Schule besuchte, 
Lehrstelle 
in einem Manufaktur- oder Kurzwarengeschäft, welches Samstage und israelitische Feiertage geschlossen ist, am liebsten, wo Kost und Logis im Hause.
Benedik Frank
, Zeilitzheim (Bayern)."

        
       
      
Zur Geschichte der Synagoge       
    
Im Bereich der "Judengasse" befand sich bereits im 17. Jahrhundert eine Synagoge beziehungsweise ein Betsaal, da 1660 erstmals ein "Judenschulmeister und Schultheiß" (der jüdischen Gemeinde) genannt wird. 1672 wird von der Judenschaft in der Bachnähe ein Grundstück mit Scheune von der Wolfsthalschen Dorfherrschaft gekauft, in dem eine Synagoge eingerichtet wurde. 
  
1833 erscheint auf dem Grundriss des Dorfes neben der Synagoge ein jüdisches Wohnhaus, welches die Kultusgemeinde als Lehrerwohnung mit Schule eingerichtet hat. 1835 wurde die Synagoge in ihrem Inneren durch Eisenstangen verstrebt. Danach war die Synagoge weitere 100 Jahre Mittelpunkt des jüdischen Gemeindelebens in Zeilitzheim.   
    
Nachdem nach 1920 und vollends in der NS-Zeit die Zahl der jüdischen Gemeindeglieder so zurückgegangen war, dass keine regelmäßigen Gottesdienste mehr abgehalten werden konnten, wurde die Synagoge im Dezember 1937 geräumt und an Nichtjuden verkauft. Der letzte Gottesdienst war 1936 im Rahmen einer "Bar-Mizwa-Feier" abgehalten worden. Die Ritualien wurden nach München gebracht, wo sie beim Novemberpogrom 1938 vernichtet wurden. 
 
Das Gebäude der ehemaligen Synagoge wurde 1948/49 abgebrochen. Heute befindet sich auf dem Synagogengrundstück ein Gemüsegarten.   
  
An die jüdische Gemeinde erinnern heute ein sogenannter "Judensteg" (Übergang am Bach, 1843/44 erstmals erwähnt), das Lehrerwohnhaus, die ehemalige "Judengasse", eine erhaltene Mesusa, verschiedene Religionsbücher und eine 1992 im Rathaus angebrachte Gedenktafel für die ehemaligen jüdischen Mitbürger des Dorfes.  
  
  
Adresse/Standort der SynagogeGrundstück Am Steg 2 (heute: Adresse des ehemaligen Schulhauses und der Lehrerwohnung)        
   
  
Fotos
(neueres Foto von 2004: Jürgen Hanke, Kronach aus www.synagogen.info

  Zeilitzheim Synagoge 205.jpg (40641 Byte)  
  Die Synagoge stand auf dem Grundstück
 links des Gebäudes 
 
     

  
   

Links und Literatur

Links:  

Website der Gemeinde Kolitzheim  

Literatur:  

Baruch Z. Ophir/Falk Wiesemann: Die jüdischen Gemeinden in Bayern 1918-1945. Geschichte und Zerstörung. 1979 S. 449-450.
Israel Schwierz:  Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in Bayern. Eine Dokumentation der Bayerischen Landeszentrale für politische Bildungsarbeit. A 85. 1988 S. 138.
Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany - Bavaria. Hg. von Yad Vashem 1972 (hebräisch) S. 541-542.
Dirk Rosenstock: Die unterfränkischen Judenmatrikeln von 1817. Eine namenkundliche und sozialgeschichtliche Quelle. Reihe: Veröffentlichungen des Stadtarchivs Würzburg Band 13. Würzburg 2008. S. 239.   
  


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Zeilitzheim  Lower Franconia. Jews are mentioned in 1607 and a synagogue is known from 1672. A new synagogue was built in 1836 when the Jewish population was 80 (total 655), subsequently declining to 23 in 1933. On Kristallnacht (9-10 November 1938), Jewish homes were vandalized and soon afterwards Jews were forced to sell their houses and fields. Eleven left for other German cities in 1935-39; seven were deported to Izbica district (Poland) via Wuerzburg on 25 April 1942 and two to the Theresienstadt ghetto on 23 September 1942. 
                

   

                   
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Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 30. Oktober 2012