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Markt Berolzheim (Kreis
Weißenburg-Gunzenhausen)
Jüdische Geschichte / Synagoge
Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english
version)
In Berolzheim bestand eine jüdische Gemeinde bis
1938/42. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 17. Jahrhunderts zurück. 1631
werden - in der Zeit des Dreißigjährigen Krieges - einige Juden aus
Berolzheim in Ansbach genannt. 1714 wurden in Markt Berolzheim 18
jüdische Familien gezählt.
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner
wie folgt: 1809 128 jüdische Einwohner (14,0 % von insgesamt 912), 1812 174
(19,4 % von 898), 1837 150 (14,0 % von 1.070), 1867 103 (8,9 % von 1.152), 1900
95 (8,9 % von 1.063), 1910 67 (6,6 % von 1.017).
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge, eine jüdische
Volksschule (bis 1924) und ein rituelles Bad (Mikwe). Die Toten der jüdischen
Gemeinde wurden in Treuchtlingen
beigesetzt: 1773 hatte die jüdische Gemeinde Markt Berolzheim die Anlage eines
Friedhofes in Treuchtlingen unterstützt. Für den Unterricht der
jüdischen Kinder und die Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein
Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter tätig war (vgl.
Ausschreibungen der Stellen s.u.).
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts sind von den Lehrern vor allem
Jakob Rosenbaum (vermutlich bis 1870) und sein Sohn Hermann Rosenbaum
(1872-1908) zu nennen, der 39 Jahre Lehrer in Berolzheim war und 1933 in
Würzburg starb. Bis 1925 war Lehrer Edmund Hirsch; letzter jüdischer Lehrer war Ludwig Stein
(1927 bis Anfang 1937).
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde Gefreiter Benjamin Herz
(geb. 22.5.1889 in Berolzheim, gef. 11.8.1914), Josef Herz (geb. 5.7.1882 in
Berolzheim, vor 1914 in Schmitten, Taunus wohnhaft, gef. 25.5.1915), Max Herz (geb.
12.5.1879 in Berolzheim, vor 1914 in Reichelsheim wohnhaft, gef. 30.9.1915), Artur Schönwalter
(geb. 21.5.1897 in Berolzheim, gef. 10.10.1918) und Ludwig Wolf (geb. 1.7.1892
in Berolzheim, gef. 10.7.1916). Ihre Namen stehen auf dem
Kriegerdenkmal für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges im Ortskern am
Kirchplatz der Kirche St. Michael.
Um 1925, als zu der jüdischen Gemeinde noch 80 Personen gehörten (ca.
6,6 % von insgesamt etwa 1.200 Einwohnern), waren die Gemeindevorsteher: Simon
Herz, Sigmund Schönwalter, Max Herz und Siegfried Schönwalter. Den
Religionsunterricht an der Volksschule für die damals fünf schulpflichtigen
jüdischen Kinder erteilte Volksschullehrer Edmund Hirsch, der noch 1925
Berolzheim verließ und Lehrer in Nürnberg wurde (an der Volksschule der Adas
Jisroel). Synagogendiener war ein
Herr Löwenstein. An jüdischen Vereinen gab es den Wohltätigkeitsverein Chevro
Gemilus Chassodim (11 Mitglieder, Leiter Emanuel Engel, Ziel: Unterstützung
Hilfsbedürftiger) und den Wohltätigkeitsverein Chewra Kadischa (gegründet
1907, 12 Mitglieder, Leiter Ludwig Herz, 1932 Moritz Wolf, Ziel: Unterstützung Hilfsbedürftiger
und Torastudium). 1932 war erster Gemeindevorsteher Emanuel Engel, die
beiden anderen Vorsteher David Herz und Max Herz. Als Lehrer wird Ludwig Stein
genannt. Er erteilte 1932 elf jüdischen Kindern Religionsunterricht. Die
Gemeinde gehörte dem Bezirksrabbinat Ansbach an.
Neben den jüdischen Wohlfahrtsvereinen gab es auch Stiftungen, u.a. die
"Bernhard und Hanna Bermann'sche Braut-Stiftung" (vgl. Ausschreibung
unten).
1933 lebten noch 65 jüdische Personen in Markt Berolzheim. Bereits vor
1933 war die Stimmung am Ort stark von den gegen Juden eingestellten
Nationalsozialisten geprägt. Unmittelbar nach der Machtergreifung wurden
antijüdische Aktionen durchgeführt. So wurde von SS- und SA-Angehörigen ein
Umzug organisiert, an dessen Spitze ein Mitglied der jüdischen Gemeinde mit
einem Plakat um den Hals marschieren musste. Dorfbewohner begleiteten den Umzug
mit Gelächter. 1936 wurden wiederholt jüdische Männer und Frauen auf
dem Bahnhof von Arbeitern so attackiert, dass jene den Zug seitdem nicht mehr
benutzen wollten. Anfang November 1938 lebten auf Grund dieser laufenden
antijüdischen Aktionen nur noch 24 jüdische Personen am Ort. 23 hatten
emigrieren können (18 in die USA, drei nach Jugoslawien, je einer nach
Österreich und Argentinien), 16 verzogen in andere deutsche Orte, insbesondere
nach Nürnberg und München. In der Pogromnacht 1938 wurden die Synagoge
niedergebrannt (s.u.) sowie jüdische Wohnungen verwüstet und die Bewohner
misshandelt. Die letzten 24 jüdischen Einwohner wurden beim Novemberpogrom
zunächst in ein "Judenhaus" eingewiesen, danach 21 von ihnen auf
Lastwagen in das Gefängnis nach Gunzenhausen geschafft. Nach ihrer Freilassung
kehrten sie nicht mehr nach Markt Berolzheim zurück, sondern gingen in andere
deutsche Orte. Bereits am 4. Dezember 1938 lebte keine jüdische Person
mehr in Markt Berolzheim.
Von den in Berolzheim geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Mina Ansbacher geb. Herz (1893), Sally Rosa
Brader geb. Herz (1893), Heinrich Dottenheimer (1855), Emanuel Engel (1872),
Jutta Freudenberger geb. Herz (1889), Sara Heilbrunn geb. Mayer (1872), Sali Heimann geb. Hellmann (1880),
Bertha Herz geb. Herz (1892), David Herz (1885),Ludwig Herz (1883), Arthur Hirsch (1900),
Benno Hirsch (1887), Rosa
Hirsch (1883), Sara Hirsch geb. Bergmann (1857), Arthur Kahn (1897), Emanuel Kocherthaler (1869),
Sophie Ladenburger geb. Herz (1888), Benno Levi (1886), Lina Levi (1896),
Simon Levi (1888), Abraham Löwensteiner (1883), Martha Löwensteiner geb.
Hermann (1887), Rosa Marx geb. Bermann (1875), Frieda Meyer geb. Wolf (1890),
Hanna Oppenheimer geb. Bärmann (1878), Michael Orlow (1882), Nanette Pfeifer
geb. Löwensteiner (1868), Grete Reich
geb. Schönwalter (1895), Frieda Reuter (1872), Rosa Rosenberg geb.
Levi (1894), Kela Rotter geb. Ansbacher (1871), Nanny Schönwalter geb. Neu
(1897), Mathilde Schulz geb. Orlow (1911), Jakob Wolf (1921), Moritz Wolf
(1863), Sofie Wolf (1888), Zilli Wolf geb. Herz (1854) .
An die frühere jüdische Geschichte in Markt Berolzheim erinnern bis heute
jüdische Familien auf der ganzen Welt mit dem Familiennamen Berolzheimer
beziehungsweise Berlitzheimer (davon auch die Familie der "Berlitz
Sprachschulen").
Aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer und der Schule
Ausschreibungen der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet
1870 / 1872 / 1908 / 1925
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 22. Juni 1870: "In
Markt Berolzheim. Bezirksamt Gunzenhausen, ist die Stelle eines
israelitischen Religionslehrers und Vorsängers erledigt.
Fixum-Gehalt 350
Gulden, Nebenverdienste wohl 200 Gulden, wofür jedoch eine Garantie nicht
übernommen wird. Freie Wohnung. Für Holz zur Beheizung des Schulzimmers
20 Gulden. - Auch werden seinerzeit Schritt geschehen, die Schule zu einer
Elementarschule umzuwandeln. Bewerber wollen sich unter Vorlage ihrer
Zeugnisse an die unterzeichnete Kultusverwaltung melden.
Markt Berolzheim, den 12. Juni 1870. A.H. Meyer, Juda E. Herz." |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 3. Juli 1872: "Die
hiesige israelitische Religionslehrer- und Vorsängerstelle (nicht
Schochet = Schächter) ist womöglich Ende August laufenden Jahres zu
besetzen. Gehalt 350 Gulden nebst freier Wohnung. Nebenverdienst ungefähr
200-250 Gulden. Bewerber wollen sich unter Anlage einer Abschrift ihrer
Seminar- und Rabbinatszeugnisse an die unterfertigte Kultusverwaltung
wenden.
Berolzheim, den 16. Juni 1872: A.H. Meyer, J.E. Herz". |
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Auf diese Ausschreibung bewarb sich erfolgreich Lehrer Hermann Rosenbaum. |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. Oktober 1908: Die
hiesige Religionslehrer- und Vorbeterstelle, verbunden mit einem festen
Gehalt von Mk. 900.- und Nebeneinkünftige, freie Wohnung und freie
Beheizung, ist möglichst bald, eventuell bis 1. Januar 1909 zu besetzen.
Gefl. Offerten mit Zeugnis-Abschriften von seminaristisch gebildeten
Lehrern erbeten.
Markt Berolzheim (Bayern), 4. Oktober 1908. Der Vorstand Simon
Herz". |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. November 1925:
"Durch die Berufung unseres seitherigen Lehrers an die Volksschule
der Adas Jisroel nach Nürnberg wird die Stelle als Religionslehrer,
Kantor und Schochet frei. - Wir suchen möglichst per sofort einen
streng frommen tüchtigen Herrn. Das Gehalt regelt sich nach den Sätzen
des bayrischen Gemeindeverbandes. Nebenverdienste vorhanden. Bewerbungen
unter Beilage von Zeugnissen sind an den Unterzeichneten
einzureichen.
Markt Berolzheim (Bayern), den 1. November 1925.
Der Vorstand der Israelitischen Kultusgemeinde Emanuel
Engel." |
Zum Tod des Lehrers Hermann Rosenbaum (von 1872 bis 1908 Lehrer in Berolzheim)
Anm. (Angaben nach R. Strätz: Biographisches Handbuch
Würzburger Juden II,466): Hermann Rosenbaum ist am 3.11.1853 in
Rödelmaier/Ufr. geboren und am 5.9.1933 in Würzburg gestorben. Bereits sein
Vater Jakob Rosenbaum war Lehrer in Markt Berolzheim. Hermann Rosenbaum
ließ sich um 1870 zum Religionslehrer in Würzburg ausbilden, seit 1872 Lehrer
in Markt Berolzheim. 1909 zog er nach Würzburg. Er war seit 1876 (Heirat in
Markt Berolzheim) mit der hier geborenen Mina geb. Herz verheiratet, die
am 6. November 1907 in Markt Berolzheim gestorben ist.
Sohn David Rosenbaum (geb. 22.1.1877 in Markt Berolzheim, gest. 3.8.1958
in Würzburg) besuchte in Markt Berolzheim die Volksschule, später in Würzburg
die Realschule. Er ließ sich 1901 als Weinhändler in Würzburg nieder. Er
überlebte den Aufenthalt im KZ Theresienstadt und kehrte nach Würzburg
zurück, wo er die Leitung der neuen jüdischen Gemeinde nach 1945 übernahm.
Er ließ den Friedhof und das Altersheim instandsetzen und war zugleich Vorbeter
der Gemeinde. Seine Nachfolger im Amt waren Siegfried Ramsfelder und David
Schuster.
Artikel
in der Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung vom 1. Oktober 1933:
"Zum Gedächtnis. Am Dienstag, dem 5. September 1933 ist nach
längerer Krankheit Herr Lehrer Hermann Rosenbaum im Alter von fast 80
Jahren in die Welt der Wahrheit hinübergeschlummert. Mehr als 39 Jahre
wirkte der als Lehrer in der mittelfränkischen Gemeinde Berolzheim als
Religionslehrer, und war danach weitere zehn Jahre in Veitshöchheim in
gleicher Eigenschaft tätig.
Pünktlichkeit, Ordnungsliebe, Pflichteifer und Pflichtbewusstsein
kennzeichneten seinen Charakter. Musikalische und namentlich gesanglich
feine Begabung, wie überhaupt kantoralische Befähigung, machten ihn zum
beliebten Kantor seiner Gemeinden.
Treue Fürsorge, innige Liebe verband ihn mit seiner ihm 1907 bereits in
den Tod vorangegangenen Gattin Frau Mina geb. Herz, und seinem einzigen
Sohn Herrn David Rosenbaum von hier, in dessen Behausung er seinen
Lebensabend in Ruhe und Frieden, umgeben von der sorglichen Pflege seiner
aufopfernden Schwiegertochter, verbrachte. Seit seiner Anwesenheit in
Würzburg (1909) versäumte er bis vor kurzem keinen Werk- und
Feiertagsgottesdienst. Er war der erste und der letzte im Gotteshaus.
Sein glänzender Witz und gesunder Humor machten ihm zum gern gewollten
Gesellschafter. Während des Weltkrieges war er ohne Unterbrechung bei der
Freiwilligen Sanitätskolonne vom Roten Kreuz, deren Mitglied er war,
unermüdlich tätig und erhielt dank seiner Verdienste das Ludwigskreuz
und den Sanitätsorden. Seine Beerdigung gestaltete sich zu einer
imposanten Trauerkundgebung. Neben zahlreichen Amtskollegen und einem
großen Teil der hiesigen Kultusgemeinde sah man die Vertreter der
Gemeinden, in denen er früher amtierte, um ihm die letzte Ehre zu
erweiten. Herr Bezirksrabbiner Dr. Hanover wusste in tief empfundenen
Worden das inhaltsreiche Leben des Verklärten zu würdigen.
Ehre seinem Andenken!" |
Verlobungsanzeige von Lehrer Edmund Hirsch und Melita Sulzbacher (1922)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 27. April 1922: Statt
Karten. Melita Sulzbacher - Edmund Hirsch, Lehrer. Verlobte.
Gross-Bieberau, Hessen - Markt-Berolzheim Bayern. Pessach
5682." |
Heiratsanzeige von Lehrer Edmund Hirsch
und Melita geb. Sulzbacher (1922)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 24. August 1922: "Mit
Gottes Hilfe.
Edmund Hirsch - Melita Hirsch geb. Sulzbacher. Vermählte.
Markt-Berolzheim (Bayern) - Groß - Bieberau (Hessen)." |
Lehrer Ludwig Stein kommt nach Markt-Berolzheim (1927)
Artikel
in der Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung vom 7. Januar 1927:
"Die Religionslehrerstelle in Markt-Berolzheim wurde dem Lehrer
Ludwig Stein, bisher an der Israelitischen Waisenanstalt in Frankfurt am Main,
übertragen. Kollege Stein hat seine neue Stelle am 1. Dezember 1926
angetreten." |
Lehrer Ludwig Stein wechselt von Berolzheim nach Fischach (1937 !)
Meldung
in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15. Mai
1937: "Am 1. April wurde Kollege Ludwig Stein - Berolzheim zum
Leiter der Jüdischen Volksschule in Fischach
ernannt." |
Aus
dem jüdischen Gemeinde- und Vereinsleben
Ausschreibung der Bernhard- und Hanna-Bermann'sche
Brautstiftung (1891 / 1893)
Ausschreibungen der
Stiftung 1891
(Artikel aus der Zeitschrift "Der Israelit" vom 2. März
1891 und vom 29. Juni 1891) |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 3. Juli 1893:
"Bekanntmachung! Aus der unterfertigten Stiftung kommt demnächst
eine Präbende von M. 3085 71 Pfr. zur Verleihung. Anspruchsberechtigt
sind unbescholtene israelitische Mädchen, die mit den Stiftern verwandt
sind, das 18. Lebensjahr zurückgelegt, das 30. noch nicht überschritten
haben und nicht mehr als 2000 Gulden Mitgift besitzen. Bewerberinnen um
diese Präbende haben ihre Gesuche unter Anlage amtlicher Atteste über
ihr Verwandtschaftsverhältnis, Alter, Unbescholtenheit, Vermögen und
Vermögenszeugnis der Eltern binnen sechs Wochen bei der unterfertigten
Verwaltung einzureichen, widrigenfalls sie bei dieser Verleihung nicht
berücksichtigt werden könnten.
Berolzheim, 30. Juni 1893. Verwaltung der
Bernhard und Hanna Bermann'schen Braut-Stiftung. H. Herz". |
Die jüdische Gemeinde beteiligt sich an
der Beerdigung eines polnischen Juden (1887)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 3. November 1887:
"Gunzenhausen (Bayern), 30. Oktober (1887). Am 24. Oktober dieses
Jahres wurde dem hiesigen israelitischen Kultusvorstand Anzeige erstattet,
dass am genannten Tage morgens der Krämer Leibel Fragner aus Krakau
(Österreich, sc. heute Polen), 76 Jahre alt, wie aus dessen Reisepass
ersichtlich, beim Kaffeetrinken vom Schlage getroffen, verschieden sei. Es
reisten sofort einige Mitglieder der hiesigen israelitischen Gemeinde nach
Dittenheim, wo der Genannte verschieden ist und wo keine Israeliten
wohnen; man versäumte nicht, alle Anordnungen zur Bestattung des Toten am
hiesigen israelitischen Friedhofes anzuordnen; es wurde auch ein
israelitischer Wächter von hier requiriert. Am folgenden Tage wurde hier
die Leiche der Erde übergeben, woran sich zahlreiche Glaubensgenossen
auch vom benachbarten Orte Berolzheim beteiligten. Da der Verlebte außer
seinem Reisepasse irgend einen Brief oder sonstige Belege nicht hatte, so
wäre es möglich, dass durch diese Zeilen dessen Verwandten Auskunft
erteilt werden könnte." |
Berichte zu einzelnen Personen aus der jüdischen Gemeinde
Zum Tod von Jette Mayer im Oktober 1877
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 31. Oktober 1877:
"Gestern trugen wir die irdische Hülle einer Frau zu Grabe, die mit
Recht allgemein auf's Tiefeste betrauert wird, denn sie verdient den Namen
einer Eschet Chajal (tüchtige Frau) im wahren Sinne des Wortes.
Frau Jette Mayer - der Friede sei mir ihr -, Gattin des allgemein sehr
geachteten Kaufmannes A.H. Meyer dahier, übte während einer 26jährigen
Ehe dahier die Pflichten einer jüdischen Gattin und Mutter auf das
Pünktlichste aus. Aber nicht allein im eigenen Hause waltete sie
segensreich, sondern überall, wo Hilfe nötig war, stand sie den
leidenden mit Rat und Tat zur Seite. In unbeschränkter Weise übte sie
das Gebot der Gastfreundschaft. Der Spruch unserer Weisen ... ging an ihr
glänzend in Erfüllung. Die Wohltaten, die ihr die günstigen finanzielle
Verhältnisse des Gatten im reichsten Maße auszuüben gestatteten, übte
sie schon im Anfang ihrer durch Kinder reich gesegneten Ehe, als sie noch
über verhältnismäßig geringe Mittel zu gebieten hatte. Stolz kannte
sie nicht, und ihre Einfachheit, Bescheidenheit und Friedensliebe erwarben
ihr die Achtung und Liebe Aller, die sie kannten. Darum war auch die
Trauer eine allgemeine um die so früh, im 44. Lebensjahres,
Dahingeschiedene. Eine große Anzahl hiesiger Einwohner, ohne Unterschied
der Konfession, folgte unter lauter Wehklage ihrem Sarge und fast die
ganze israelitische Gemeinde begleitete ihre irdischen Reste nach dem zwei
Stunden entfernten Begräbnisort. Es war keine äußere Trauer, sondern
die tiefste Wehmut erfüllte jeden der Anwesenden, denn die
Dahingeschiedene hat sich im Herzen Aller, die sie kannten, ein bleibendes
Denkmal gesetzt. - Das Andenken an die Gerecht ist zum Segen.
Berolzheim (Bayern)." |
Zum Tod von Leopold Engel im Dezember 1904
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 22. Dezember 1904:
"Berolzheim, 12. Dezember 1904. Durch den am Ausgang des heiligen
Chanukkafestes, im Alter von 74 Jahren, erfolgten Heimgang des Herrn
Leopold Engel s.A. von hier, hat mit dessen Familie auch unsere
Kultusgemeinde einen herben, unersetzlichen Verlust erlitten. Die reine
Gottesfurcht des Hingeschiedenen, sein gottgefälliges und
menschenfreundliches Wirken verdienen es, dass man dem Namen des
Verstorbenen auch im 'Israelit' ein ehrendes Denkmal setzt.
Mit seiner innigen und gewissenhaften Glaubenstreue zierten ihn besonders
die schöne Tugend der Barmherzigkeit. 'Die Dürftigen seien die Kinder
deines Hauses' - 'Empfange jeden Menschen mit freundlichem
Angesichte.' Diese Gebote der Nächstenliebe erfüllte er in der
schönsten Weise. In diesem Sinne und Geiste erzog er seine Kinder und
wirkte in dieser Richtung vorbildlich in seiner Gemeinde. Welch hohes Maß
der Liebe er allenthalben genoss, zeigte sich recht deutlich bei seiner
Beerdigung. Von nah und fern waren eine große Zahl von Freunden,
Bekannten und Verwandten herbeigeeilt, um dem geliebten Toten den letzten
Tribut ihrer Verehrung zu beweisen. Lehrer Rosenbaum von hier sprach vor
dem Trauerhause. Auf dem Friedhof zu Treuchtlingen hielten Seiner
Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. Cahn aus Ansbach, Lehrer Heß aus
Treuchtlingen und namens der Verwandten Lehrer Freudenberger aus Reckendorf
Trauerreden. Sämtliche Redner schilderten den edlen Charakter, die hohen
Eigenschaften ders Verstorbenen als Jude und Mensch. Möge er in den
lichten Höhen den Lohn seines frommen und gerechten Lebenswandelns
ernten. Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens.
" |
Anzeigen
jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen
Anzeige der Eisenhandlung en gros & en detail
A. H. Meyer (1875)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. Dezember 1875: "Commis-Gesuch.
Für mein Handlungs-Geschäft suche einen Commis mit guten Referenzen.
Samstag und Feiertage streng geschlossen.
Berolzheim in Bayern, im Dezember 1875. A. H. Meyer, Eisenhandlung
en gros & en détail und Effektengeschäft." |
Geburtsanzeige von Lothar Herz
(1922)
Anzeige
in der "CV-Zeitung" (Zeitschrift des Central-Vereins) vom 7.
Dezember 1922: "Lothar. Statt Karten. Die glückliche Geburt
eines Stammhalters zeigen hoch erfreut an
Max Herz und Frau Martha geb. Schloss. Markt Berolzheim, 28.
November 1922". |
Jonas Kahn sucht eine Haushälterin
(1922)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 2. Februar 1922:
"Suche zum raschmöglichsten Eintritt für meinen streng religiösen
Haushalt, bestehend aus Vater und erwachsenem Sohn, tüchtige selbständige
Haushälterin bei guter Bezahlung.
Jonas Kahn. Markt Berolzheim Mittelfranken." |
Zur Geschichte der Synagoge
Eine Synagoge oder ein Betsaal bestand in Markt Berolzheim
vermutlich bereits Anfang des 18. Jahrhunderts (1714 14 jüdische Familien am
Ort).
Wann die 1938 zerstörte Synagoge erbaut wurde, konnte nicht in Erfahrung
gebracht werden (bitte gegebenenfalls Hinweise an den Webmaster von Alemannia
Judaica, Adresse siehe Eingangsseite).
Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge zerstört. Zwei Gruppen von
SA-Leuten aus der Umgebung, denen sich ca. 30 Einwohner von Markt Berolzheim
angeschlossen hatten, nahmen die Aktion vor. Der Bürgermeister von
Gunzenhausen, der zugleich Kreisleiter der NSDAP war, hatte die Gendarmerie von
Markt Berolzheim angewiesen, Gewalttätigkeiten und Plünderungen zu
unterbinden, die Synagoge aber "niederzubrennen und den Juden das Wohnen
ungemütlich zu machen". In der Pogromnacht auf den 10. November 1938 wurde
die Synagoge mit dem gesamten Inventar und den Ritualien niedergebrannt.
1949 fand vor dem Landgericht Ansbach ein Prozess gegen zehn der am
Novemberpogrom 1938 in Markt Berolzheim Beteiligten statt. Fünf von ihnen
erhielten Gefängnisstrafen von einem Jahr und drei Monaten bis zu zwei Jahren
und acht Monaten. Die übrigen wurden freigesprochen.
Adresse/Standort der Synagoge: Marktplatz 15 / In
der Hölle
An ehemaligen jüdischen Wohnhäusern sind bekannt: Carl-Carben-Str. 4 (1783),
Hafnersmarkt 3 (1783), Lange Str. 2 (1783), Marktplatz 4 (1783).
Fotos
(Historisches Foto von Theodor Harburger, veröffentlicht
in: ders., Die Inventarisation jüdischer Kunst- und Kulturdenkmäler in Bayern.
Hg. von den Central Archives for the History of the Jewish People Jerusalem und
dem Jüd. Museum Franken - Fürth & Schnaittach. Bd. 3 Fürth 1998 S. 380)
Historisches Foto
(Aufnahme vom 2. August 1928) |
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Toraschild (Tass)
aus dem Besitz der Gemeinde Markt Berolzheim, vermutlich 1938 zerstört
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| Gegenwart: das
Denkmal am Synagogenplatz |
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| Sogenanntes
"Judendenkmal" beziehungsweise "Sühnemal für die
jüdische Bevölkerung Markt Berolzheim" am Standort der zerstörten
Synagoge (Quelle für die Fotos: Gemeinde Markt Berolzheim) |
Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Baruch Z. Ophir/Falk Wiesemann: Die
jüdischen Gemeinden in Bayern 1918-1945. Geschichte und Zerstörung. 1979
S. 196-197. |
 | Israel Schwierz: Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in
Bayern. Eine Dokumentation der Bayerischen Landeszentrale für politische
Bildungsarbeit. A 85. 1988 S. 147. |
 | Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish
Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany -
Bavaria. Hg. von Yad Vashem 1972 (hebräisch) S. 314-316.
|
 | Emily C. Rose: Als Moises Kaz seine Stadt vor
Napoleon rettete. Meine jüdischen Geschichte auf der Spur. Stuttgart 1999
(ein Vorfahr von Emily C. Rose war Joseph David Berlizheimer aus
Markt Berolzheim, der sich in Mühringen niederließ. |
 | Heimatverein Markt Berolzheim (Hrsg.): Ortschronik
Markt Berolzheim. 1998.
|

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the
Holocaust".
First published in 2001 by NEW
YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad
Vashem Jerusalem, Israel.
Markt
Berolzheim Middle Franconia. A Jewish community is known from the early
17th century and numbered 174 (total 898) in 1812, declining to 65 in 1933. A
Jewish school closed in 1924. An antisemitic atmosphere prevailed before the
Nazi rise to power, with persecution growing after 1933. In 1936 Jews were
attacked on local trains and on Kristallnacht (9-10 November 1938), the
synagogue was burned to the ground. In 1934-1938, 23 Jews emigrated, including
18 to the United States, and 16 left for other German cities (ten for Nuremberg).
Twenty-one of the 24 Jews remaining after Kristallnacht were arrested,
and after their release dispersed to other places in Germany.

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