Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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  Markt Berolzheim (Kreis Weißenburg-Gunzenhausen)
Jüdische Geschichte / Synagoge 

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Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
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Zur Geschichte der Synagoge   
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Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)

In Berolzheim bestand eine jüdische Gemeinde bis 1938/42. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 17. Jahrhunderts zurück. 1631 werden - in der Zeit des Dreißigjährigen Krieges - einige Juden aus Berolzheim in Ansbach genannt. 1714 wurden in Markt Berolzheim 18 jüdische Familien gezählt.

Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1809 128 jüdische Einwohner (14,0 % von insgesamt 912), 1812 174 (19,4 % von 898), 1837 150 (14,0 % von 1.070), 1867 103 (8,9 % von 1.152), 1900 95 (8,9 % von 1.063), 1910 67 (6,6 % von 1.017).

An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge, eine jüdische Volksschule (bis 1924) und ein rituelles Bad (Mikwe). Die Toten der jüdischen Gemeinde wurden in Treuchtlingen beigesetzt: 1773 hatte die jüdische Gemeinde Markt Berolzheim die Anlage eines Friedhofes in Treuchtlingen unterstützt. Für den Unterricht der jüdischen Kinder und die Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter tätig war (vgl. Ausschreibungen der Stellen s.u.). In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts sind von den Lehrern vor allem Jakob Rosenbaum (vermutlich bis 1870) und sein Sohn Hermann Rosenbaum (1872-1908) zu nennen, der 39 Jahre Lehrer in Berolzheim war und 1933 in Würzburg starb. Bis 1925 war Lehrer Edmund Hirsch; letzter jüdischer Lehrer war Ludwig Stein (1927 bis Anfang 1937).    
  
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde Gefreiter Benjamin Herz (geb. 22.5.1889 in Berolzheim, gef. 11.8.1914), Josef Herz (geb. 5.7.1882 in Berolzheim, vor 1914 in Schmitten, Taunus wohnhaft, gef. 25.5.1915), Max Herz (geb. 12.5.1879 in Berolzheim, vor 1914 in Reichelsheim wohnhaft, gef. 30.9.1915), Artur Schönwalter (geb. 21.5.1897 in Berolzheim, gef. 10.10.1918) und Ludwig Wolf (geb. 1.7.1892 in Berolzheim, gef. 10.7.1916). Ihre Namen stehen auf dem Kriegerdenkmal für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges im Ortskern am Kirchplatz der Kirche St. Michael.    
       
Um 1925, als zu der jüdischen Gemeinde noch 80 Personen gehörten (ca. 6,6 % von insgesamt etwa 1.200 Einwohnern), waren die Gemeindevorsteher: Simon Herz, Sigmund Schönwalter, Max Herz und Siegfried Schönwalter. Den Religionsunterricht an der Volksschule für die damals fünf schulpflichtigen jüdischen Kinder erteilte Volksschullehrer Edmund Hirsch, der noch 1925 Berolzheim verließ und Lehrer in Nürnberg wurde (an der Volksschule der Adas Jisroel). Synagogendiener war ein Herr Löwenstein. An jüdischen Vereinen gab es den Wohltätigkeitsverein Chevro Gemilus Chassodim (11 Mitglieder, Leiter Emanuel Engel, Ziel: Unterstützung Hilfsbedürftiger) und den Wohltätigkeitsverein Chewra Kadischa (gegründet 1907, 12 Mitglieder, Leiter Ludwig Herz, 1932 Moritz Wolf, Ziel: Unterstützung Hilfsbedürftiger und Torastudium). 1932 war erster Gemeindevorsteher Emanuel Engel, die beiden anderen Vorsteher David Herz und Max Herz. Als Lehrer wird Ludwig Stein genannt. Er erteilte 1932 elf jüdischen Kindern Religionsunterricht. Die Gemeinde gehörte dem Bezirksrabbinat Ansbach an. Neben den jüdischen Wohlfahrtsvereinen gab es auch Stiftungen, u.a. die "Bernhard und Hanna Bermann'sche Braut-Stiftung" (vgl. Ausschreibung unten).
   
1933 lebten noch 65 jüdische Personen in Markt Berolzheim. Bereits vor 1933 war die Stimmung am Ort stark von den gegen Juden eingestellten Nationalsozialisten geprägt. Unmittelbar nach der Machtergreifung wurden antijüdische Aktionen durchgeführt. So wurde von SS- und SA-Angehörigen ein Umzug organisiert, an dessen Spitze ein Mitglied der jüdischen Gemeinde mit einem Plakat um den Hals marschieren musste. Dorfbewohner begleiteten den Umzug mit Gelächter. 1936 wurden wiederholt jüdische Männer und Frauen auf dem Bahnhof von Arbeitern so attackiert, dass jene den Zug seitdem nicht mehr benutzen wollten. Anfang November 1938 lebten auf Grund dieser laufenden antijüdischen Aktionen nur noch 24 jüdische Personen am Ort. 23 hatten emigrieren können (18 in die USA, drei nach Jugoslawien, je einer nach Österreich und Argentinien), 16 verzogen in andere deutsche Orte, insbesondere nach Nürnberg und München. In der Pogromnacht 1938 wurden die Synagoge niedergebrannt (s.u.) sowie jüdische Wohnungen verwüstet und die Bewohner misshandelt. Die letzten 24 jüdischen Einwohner wurden beim Novemberpogrom zunächst in ein "Judenhaus" eingewiesen, danach 21 von ihnen auf Lastwagen in das Gefängnis nach Gunzenhausen geschafft. Nach ihrer Freilassung kehrten sie nicht mehr nach Markt Berolzheim zurück, sondern gingen in andere deutsche Orte. Bereits am 4. Dezember 1938 lebte keine jüdische Person mehr in Markt Berolzheim.  
      
Von den in Berolzheim geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"):   Mina Ansbacher geb. Herz (1893), Sally Rosa Brader geb. Herz (1893), Heinrich Dottenheimer (1855), Emanuel Engel (1872), Jutta Freudenberger geb. Herz (1889), Sara Heilbrunn geb. Mayer (1872), Sali Heimann geb. Hellmann (1880), Bertha Herz geb. Herz (1892), David Herz (1885),Ludwig Herz (1883),  Arthur Hirsch (1900), Benno Hirsch (1887), Rosa Hirsch (1883), Sara Hirsch geb. Bergmann (1857), Arthur Kahn (1897), Emanuel Kocherthaler (1869), Sophie Ladenburger geb. Herz (1888), Benno Levi (1886), Lina Levi (1896), Simon Levi (1888), Abraham Löwensteiner (1883), Martha Löwensteiner geb. Hermann (1887), Rosa Marx geb. Bermann (1875), Frieda Meyer geb. Wolf (1890), Hanna Oppenheimer geb. Bärmann (1878), Michael Orlow (1882), Nanette Pfeifer geb. Löwensteiner (1868), Grete Reich geb. Schönwalter (1895), Frieda Reuter (1872), Rosa Rosenberg geb. Levi (1894), Kela Rotter geb. Ansbacher (1871), Nanny Schönwalter geb. Neu (1897), Mathilde Schulz geb. Orlow (1911), Jakob Wolf (1921), Moritz Wolf (1863), Sofie Wolf (1888), Zilli Wolf geb. Herz (1854)     . 
    
An die frühere jüdische Geschichte in Markt Berolzheim erinnern bis heute jüdische Familien auf der ganzen Welt mit dem Familiennamen Berolzheimer beziehungsweise Berlitzheimer (davon auch die Familie der "Berlitz Sprachschulen").     
    
  
     

Aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde     
     
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer und der Schule     
Ausschreibungen der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet 1870  / 1872 / 1908 / 1925   

Berolzheim Israelit 22061870.jpg (41233 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 22. Juni 1870: "In Markt Berolzheim. Bezirksamt Gunzenhausen, ist die Stelle eines israelitischen Religionslehrers und Vorsängers erledigt. 
Fixum-Gehalt 350 Gulden, Nebenverdienste wohl 200 Gulden, wofür jedoch eine Garantie nicht übernommen wird. Freie Wohnung. Für Holz zur Beheizung des Schulzimmers 20 Gulden. - Auch werden seinerzeit Schritt geschehen, die Schule zu einer Elementarschule umzuwandeln. Bewerber wollen sich unter Vorlage ihrer Zeugnisse an die unterzeichnete Kultusverwaltung melden. 
Markt Berolzheim, den 12. Juni 1870. A.H. Meyer, Juda E. Herz." 
Berolzheim Israelit 03071872.jpg (28616 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 3. Juli 1872: "Die hiesige israelitische Religionslehrer- und Vorsängerstelle (nicht Schochet = Schächter) ist womöglich Ende August laufenden Jahres zu besetzen. Gehalt 350 Gulden nebst freier Wohnung. Nebenverdienst ungefähr 200-250 Gulden. Bewerber wollen sich unter Anlage einer Abschrift ihrer Seminar- und Rabbinatszeugnisse an die unterfertigte Kultusverwaltung wenden. 
Berolzheim, den 16. Juni 1872: A.H. Meyer, J.E. Herz".   
Auf diese Ausschreibung bewarb sich erfolgreich Lehrer Hermann Rosenbaum.
   
Berolzheim Israelit 08101908.jpg (39598 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. Oktober 1908: Die hiesige Religionslehrer- und Vorbeterstelle, verbunden mit einem festen Gehalt von Mk. 900.- und Nebeneinkünftige, freie Wohnung und freie Beheizung, ist möglichst bald, eventuell bis 1. Januar 1909 zu besetzen. Gefl. Offerten mit Zeugnis-Abschriften von seminaristisch gebildeten Lehrern erbeten.
Markt Berolzheim (Bayern), 4. Oktober 1908. Der Vorstand Simon Herz".   
   
Berolzheim Israelit 05111925.jpg (69041 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. November 1925: "Durch die Berufung unseres seitherigen Lehrers an die Volksschule der Adas Jisroel nach Nürnberg wird die Stelle als Religionslehrer, Kantor und Schochet frei. - Wir suchen möglichst per sofort einen streng frommen tüchtigen Herrn. Das Gehalt regelt sich nach den Sätzen des bayrischen Gemeindeverbandes. Nebenverdienste vorhanden. Bewerbungen unter Beilage von Zeugnissen sind an den Unterzeichneten einzureichen. 
Markt Berolzheim (Bayern), den 1. November 1925. 
Der Vorstand der Israelitischen Kultusgemeinde Emanuel Engel."  

               
Zum Tod des Lehrers Hermann Rosenbaum (von 1872 bis 1908 Lehrer in Berolzheim)     
Anm. (Angaben nach R. Strätz: Biographisches Handbuch Würzburger Juden II,466): Hermann Rosenbaum ist am 3.11.1853 in Rödelmaier/Ufr. geboren und am 5.9.1933 in Würzburg gestorben. Bereits sein Vater Jakob Rosenbaum war Lehrer in Markt Berolzheim. Hermann Rosenbaum ließ sich um 1870 zum Religionslehrer in Würzburg ausbilden, seit 1872 Lehrer in Markt Berolzheim. 1909 zog er nach Würzburg. Er war seit 1876 (Heirat in Markt Berolzheim) mit der hier geborenen Mina geb. Herz verheiratet, die am 6. November 1907 in Markt Berolzheim gestorben ist.   
Sohn David Rosenbaum (geb. 22.1.1877 in Markt Berolzheim, gest. 3.8.1958 in Würzburg) besuchte in Markt Berolzheim die Volksschule, später in Würzburg die Realschule. Er ließ sich 1901 als Weinhändler in Würzburg nieder. Er überlebte den Aufenthalt im KZ Theresienstadt und kehrte nach Würzburg zurück, wo er die Leitung der neuen jüdischen Gemeinde nach 1945 übernahm. Er ließ den Friedhof und das Altersheim instandsetzen und war zugleich Vorbeter der Gemeinde. Seine Nachfolger im Amt waren Siegfried Ramsfelder und David Schuster.  

Berolzheim BayrIsrGZ 01101933.jpg (107684 Byte)Artikel in der Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung vom 1. Oktober 1933: "Zum Gedächtnis. Am Dienstag, dem 5. September 1933 ist nach längerer Krankheit Herr Lehrer Hermann Rosenbaum im Alter von fast 80 Jahren in die Welt der Wahrheit hinübergeschlummert. Mehr als 39 Jahre wirkte der als Lehrer in der mittelfränkischen Gemeinde Berolzheim als Religionslehrer, und war danach weitere zehn Jahre in Veitshöchheim in gleicher Eigenschaft tätig.
Pünktlichkeit, Ordnungsliebe, Pflichteifer und Pflichtbewusstsein kennzeichneten seinen Charakter. Musikalische und namentlich gesanglich feine Begabung, wie überhaupt kantoralische Befähigung, machten ihn zum beliebten Kantor seiner Gemeinden. 
Treue Fürsorge, innige Liebe verband ihn mit seiner ihm 1907 bereits in den Tod vorangegangenen Gattin Frau Mina geb. Herz, und seinem einzigen Sohn Herrn David Rosenbaum von hier, in dessen Behausung er seinen Lebensabend in Ruhe und Frieden, umgeben von der sorglichen Pflege seiner aufopfernden Schwiegertochter, verbrachte. Seit seiner Anwesenheit in Würzburg (1909) versäumte er bis vor kurzem keinen Werk- und Feiertagsgottesdienst. Er war der erste und der letzte im Gotteshaus.
Sein glänzender Witz und gesunder Humor machten ihm zum gern gewollten Gesellschafter. Während des Weltkrieges war er ohne Unterbrechung bei der Freiwilligen Sanitätskolonne vom Roten Kreuz, deren Mitglied er war, unermüdlich tätig und erhielt dank seiner Verdienste das Ludwigskreuz und den Sanitätsorden. Seine Beerdigung gestaltete sich zu einer imposanten Trauerkundgebung. Neben zahlreichen Amtskollegen und einem großen Teil der hiesigen Kultusgemeinde sah man die Vertreter der Gemeinden, in denen er früher amtierte, um ihm die letzte Ehre zu erweiten. Herr Bezirksrabbiner Dr. Hanover wusste in tief empfundenen Worden das inhaltsreiche Leben des Verklärten zu würdigen.
Ehre seinem Andenken!"    

  
Verlobungsanzeige von Lehrer Edmund Hirsch und Melita Sulzbacher (1922)

Berolzheim Israelit 27041922.jpg (25936 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 27. April 1922: Statt Karten. Melita Sulzbacher - Edmund Hirsch, Lehrer. Verlobte. Gross-Bieberau, Hessen - Markt-Berolzheim Bayern. Pessach 5682." 

  
Heiratsanzeige von Lehrer Edmund Hirsch und Melita geb. Sulzbacher (1922)  

Marktberolzheim Israelit 24081922.jpg (27060 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 24. August 1922: "Mit Gottes Hilfe.  
Edmund Hirsch - Melita Hirsch geb. Sulzbacher. Vermählte.  
Markt-Berolzheim (Bayern) - Groß - Bieberau (Hessen)."

   
Lehrer Ludwig Stein kommt nach Markt-Berolzheim (1927)

Berolzheim BayrGZ 07011927.jpg (19035 Byte)Artikel in der Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung vom 7. Januar 1927: "Die Religionslehrerstelle in Markt-Berolzheim wurde dem Lehrer Ludwig Stein, bisher an der Israelitischen Waisenanstalt in Frankfurt am Main, übertragen. Kollege Stein hat seine neue Stelle am 1. Dezember 1926 angetreten."

    
Lehrer Ludwig Stein wechselt von Berolzheim nach Fischach (1937 !)

Fischach BayrGZ 15051937.jpg (11281 Byte)Meldung in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15. Mai 1937: "Am 1. April wurde Kollege Ludwig Stein - Berolzheim zum Leiter der Jüdischen Volksschule in Fischach ernannt."

      
    

Aus dem jüdischen Gemeinde- und Vereinsleben  
Ausschreibung der Bernhard- und Hanna-Bermann'sche Brautstiftung (1891 / 1893)

Ausschreibungen der Stiftung 1891 
(Artikel aus der Zeitschrift "Der Israelit" vom 2. März 1891 und vom 29. Juni 1891)
Berolzheim Israelit 02031891.jpg (80713 Byte) Berolzheim Israelit 29061891.jpg (67123 Byte)
Berolzheim Israelit 03071893.jpg (58953 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 3. Juli 1893: "Bekanntmachung! Aus der unterfertigten Stiftung kommt demnächst eine Präbende von M. 3085 71 Pfr. zur Verleihung. Anspruchsberechtigt sind unbescholtene israelitische Mädchen, die mit den Stiftern verwandt sind, das 18. Lebensjahr zurückgelegt, das 30. noch nicht überschritten haben und nicht mehr als 2000 Gulden Mitgift besitzen. Bewerberinnen um diese Präbende haben ihre Gesuche unter Anlage amtlicher Atteste über ihr Verwandtschaftsverhältnis, Alter, Unbescholtenheit, Vermögen und Vermögenszeugnis der Eltern binnen sechs Wochen bei der unterfertigten Verwaltung einzureichen, widrigenfalls sie bei dieser Verleihung nicht berücksichtigt werden könnten. 
Berolzheim, 30. Juni 1893. Verwaltung der Bernhard und Hanna Bermann'schen Braut-Stiftung. H. Herz".    

  
Die jüdische Gemeinde beteiligt sich an der Beerdigung eines polnischen Juden (1887)

Berolzheim Israelit 03111887.jpg (77559 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 3. November 1887: "Gunzenhausen (Bayern), 30. Oktober (1887). Am 24. Oktober dieses Jahres wurde dem hiesigen israelitischen Kultusvorstand Anzeige erstattet, dass am genannten Tage morgens der Krämer Leibel Fragner aus Krakau (Österreich, sc. heute Polen), 76 Jahre alt, wie aus dessen Reisepass ersichtlich, beim Kaffeetrinken vom Schlage getroffen, verschieden sei. Es reisten sofort einige Mitglieder der hiesigen israelitischen Gemeinde nach Dittenheim, wo der Genannte verschieden ist und wo keine Israeliten wohnen; man versäumte nicht, alle Anordnungen zur Bestattung des Toten am hiesigen israelitischen Friedhofes anzuordnen; es wurde auch ein israelitischer Wächter von hier requiriert. Am folgenden Tage wurde hier die Leiche der Erde übergeben, woran sich zahlreiche Glaubensgenossen auch vom benachbarten Orte Berolzheim beteiligten. Da der Verlebte außer seinem Reisepasse irgend einen Brief oder sonstige Belege nicht hatte, so wäre es möglich, dass durch diese Zeilen dessen Verwandten Auskunft erteilt werden könnte."

       
   
Berichte zu einzelnen Personen aus der jüdischen Gemeinde  
Zum Tod von Jette Mayer im Oktober 1877

Berolzheim Israelit 31101877.jpg (131558 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 31. Oktober 1877: "Gestern trugen wir die irdische Hülle einer Frau zu Grabe, die mit Recht allgemein auf's Tiefeste betrauert wird, denn sie verdient den Namen einer Eschet Chajal (tüchtige Frau) im wahren Sinne des Wortes. Frau Jette Mayer - der Friede sei mir ihr -, Gattin des allgemein sehr geachteten Kaufmannes A.H. Meyer dahier, übte während einer 26jährigen Ehe dahier die Pflichten einer jüdischen Gattin und Mutter auf das Pünktlichste aus. Aber nicht allein im eigenen Hause waltete sie segensreich, sondern überall, wo Hilfe nötig war, stand sie den leidenden mit Rat und Tat zur Seite. In unbeschränkter Weise übte sie das Gebot der Gastfreundschaft. Der Spruch unserer Weisen ... ging an ihr glänzend in Erfüllung. Die Wohltaten, die ihr die günstigen finanzielle Verhältnisse des Gatten im reichsten Maße auszuüben gestatteten, übte sie schon im Anfang ihrer durch Kinder reich gesegneten Ehe, als sie noch über verhältnismäßig geringe Mittel zu gebieten hatte. Stolz kannte sie nicht, und ihre Einfachheit, Bescheidenheit und Friedensliebe erwarben ihr die Achtung und Liebe Aller, die sie kannten. Darum war auch die Trauer eine allgemeine um die so früh, im 44. Lebensjahres, Dahingeschiedene. Eine große Anzahl hiesiger Einwohner, ohne Unterschied der Konfession, folgte unter lauter Wehklage ihrem Sarge und fast die ganze israelitische Gemeinde begleitete ihre irdischen Reste nach dem zwei Stunden entfernten Begräbnisort. Es war keine äußere Trauer, sondern die tiefste Wehmut erfüllte jeden der Anwesenden, denn die Dahingeschiedene hat sich im Herzen Aller, die sie kannten, ein bleibendes Denkmal gesetzt. - Das Andenken an die Gerecht ist zum Segen.   Berolzheim (Bayern)." 

  
Zum Tod von Leopold Engel im Dezember 1904

Berolzheim Israelit 22121904.jpg (117745 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 22. Dezember 1904: "Berolzheim, 12. Dezember 1904. Durch den am Ausgang des heiligen Chanukkafestes, im Alter von 74 Jahren, erfolgten Heimgang des Herrn Leopold Engel s.A. von hier, hat mit dessen Familie auch unsere Kultusgemeinde einen herben, unersetzlichen Verlust erlitten. Die reine Gottesfurcht des Hingeschiedenen, sein gottgefälliges und menschenfreundliches Wirken verdienen es, dass man dem Namen des Verstorbenen auch im 'Israelit' ein ehrendes Denkmal setzt. 
Mit seiner innigen und gewissenhaften Glaubenstreue zierten ihn besonders die schöne Tugend der Barmherzigkeit. 'Die Dürftigen seien die Kinder deines Hauses' - 'Empfange jeden Menschen mit freundlichem Angesichte.' Diese Gebote der Nächstenliebe erfüllte er in der schönsten Weise. In diesem Sinne und Geiste erzog er seine Kinder und wirkte in dieser Richtung vorbildlich in seiner Gemeinde. Welch hohes Maß der Liebe er allenthalben genoss, zeigte sich recht deutlich bei seiner Beerdigung. Von nah und fern waren eine große Zahl von Freunden, Bekannten und Verwandten herbeigeeilt, um dem geliebten Toten den letzten Tribut ihrer Verehrung zu beweisen. Lehrer Rosenbaum von hier sprach vor dem Trauerhause. Auf dem Friedhof zu Treuchtlingen hielten Seiner Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. Cahn aus Ansbach, Lehrer Heß aus Treuchtlingen und namens der Verwandten Lehrer Freudenberger aus Reckendorf Trauerreden. Sämtliche Redner schilderten den edlen Charakter, die hohen Eigenschaften ders Verstorbenen als Jude und Mensch. Möge er in den lichten Höhen den Lohn seines frommen und gerechten Lebenswandelns ernten.   Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens. "

  
  

Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen 
Anzeige der Eisenhandlung en gros & en deta
il A. H. Meyer (1875)  

Berolzheim Israelit 08121875.jpg (36042 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. Dezember 1875: "Commis-Gesuch. Für mein Handlungs-Geschäft suche einen Commis mit guten Referenzen. Samstag und Feiertage streng geschlossen. 
Berolzheim in Bayern, im Dezember 1875. A. H. Meyer, Eisenhandlung en gros & en détail und Effektengeschäft."

Geburtsanzeige von Lothar Herz (1922)  

Marktberolzheim CV-Ztg 07121922.jpg (36969 Byte)Anzeige in der "CV-Zeitung" (Zeitschrift des Central-Vereins) vom 7. Dezember 1922: "Lothar. Statt Karten. Die glückliche Geburt eines Stammhalters zeigen hoch erfreut an 
Max Herz und Frau Martha geb. Schloss. Markt Berolzheim, 28. November 1922".   

Jonas Kahn sucht eine Haushälterin (1922) 

Marktberolzheim Israelit 02021922.jpg (41148 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 2. Februar 1922: "Suche zum raschmöglichsten Eintritt für meinen streng religiösen Haushalt, bestehend aus Vater und erwachsenem Sohn, tüchtige selbständige Haushälterin bei guter Bezahlung. 
Jonas Kahn. Markt Berolzheim  Mittelfranken
."

  
  

   
Zur Geschichte der Synagoge

Eine Synagoge oder ein Betsaal bestand in Markt Berolzheim vermutlich bereits Anfang des 18. Jahrhunderts (1714 14 jüdische Familien am Ort).

Wann die 1938 zerstörte Synagoge erbaut wurde, konnte nicht in Erfahrung gebracht werden (bitte gegebenenfalls Hinweise an den Webmaster von Alemannia Judaica, Adresse siehe Eingangsseite). 
  
Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge zerstört. Zwei Gruppen von SA-Leuten aus der Umgebung, denen sich ca. 30 Einwohner von Markt Berolzheim angeschlossen hatten, nahmen die Aktion vor. Der Bürgermeister von Gunzenhausen, der zugleich Kreisleiter der NSDAP war, hatte die Gendarmerie von Markt Berolzheim angewiesen, Gewalttätigkeiten und Plünderungen zu unterbinden, die Synagoge aber "niederzubrennen und den Juden das Wohnen ungemütlich zu machen". In der Pogromnacht auf den 10. November 1938 wurde die Synagoge mit dem gesamten Inventar und den Ritualien niedergebrannt.    

1949 fand vor dem Landgericht Ansbach ein Prozess gegen zehn der am Novemberpogrom 1938 in Markt Berolzheim Beteiligten statt. Fünf von ihnen erhielten Gefängnisstrafen von einem Jahr und drei Monaten bis zu zwei Jahren und acht Monaten. Die übrigen wurden freigesprochen. 

Adresse/Standort der SynagogeMarktplatz 15 / In der Hölle 
An ehemaligen jüdischen Wohnhäusern sind bekannt: Carl-Carben-Str. 4 (1783), Hafnersmarkt 3 (1783), Lange Str. 2 (1783), Marktplatz 4 (1783).
   


Fotos
(Historisches Foto von Theodor Harburger, veröffentlicht in: ders., Die Inventarisation jüdischer Kunst- und Kulturdenkmäler in Bayern. Hg. von den Central Archives for the History of the Jewish People Jerusalem und dem Jüd. Museum Franken - Fürth & Schnaittach. Bd. 3 Fürth 1998 S. 380)

Historisches Foto
(Aufnahme vom 2. August 1928)
Berolzheim Synagoge 100.jpg (110604 Byte)
  Toraschild (Tass) aus dem Besitz der Gemeinde Markt Berolzheim, vermutlich 1938 zerstört
     
   
Gegenwart: das Denkmal am Synagogenplatz 
Berolzheim Synagoge 120.jpg (94631 Byte) Berolzheim Synagoge 121.jpg (53174 Byte) Berolzheim Synagoge 122.jpg (54485 Byte)
Sogenanntes "Judendenkmal" beziehungsweise "Sühnemal für die jüdische Bevölkerung Markt Berolzheim" am Standort der zerstörten Synagoge (Quelle für die Fotos: Gemeinde Markt Berolzheim)

   
   

Links und Literatur

Links:

Website der Gemeinde Markt Berolzheim mit Seite zum "Judendenkmal"  

Literatur:  

Baruch Z. Ophir/Falk Wiesemann: Die jüdischen Gemeinden in Bayern 1918-1945. Geschichte und Zerstörung. 1979 S. 196-197.
Israel Schwierz:  Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in Bayern. Eine Dokumentation der Bayerischen Landeszentrale für politische Bildungsarbeit. A 85. 1988 S. 147.
Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany - Bavaria. Hg. von Yad Vashem 1972 (hebräisch) S. 314-316.
Emily C. Rose: Als Moises Kaz seine Stadt vor Napoleon rettete. Meine jüdischen Geschichte auf der Spur. Stuttgart 1999 (ein Vorfahr von Emily C. Rose war Joseph David Berlizheimer aus Markt Berolzheim, der sich in Mühringen niederließ. 
Heimatverein Markt Berolzheim (Hrsg.): Ortschronik Markt Berolzheim. 1998. 
  


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Markt Berolzheim Middle Franconia. A Jewish community is known from the early 17th century and numbered 174 (total 898) in 1812, declining to 65 in 1933. A Jewish school closed in 1924. An antisemitic atmosphere prevailed before the Nazi rise to power, with persecution growing after 1933. In 1936 Jews were attacked on local trains and on Kristallnacht (9-10 November 1938), the synagogue was burned to the ground. In 1934-1938, 23 Jews emigrated, including 18 to the United States, and 16 left for other German cities (ten for Nuremberg). Twenty-one of the 24 Jews remaining after Kristallnacht were arrested, and after their release dispersed to other places in Germany.  
    

     

                   
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Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 12. März 2010