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Ingolstadt (Kreisstadt,
Bayern)
Jüdische Geschichte / Synagoge
Überblick:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english
version)
In Ingolstadt bestand eine jüdische Gemeinde bereits im
Mittelalter. Erstmals werden in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts
Juden genannt. Unter Herzog Ludwig II. (1255-1294) sollen erstmals jüdische
Familien in der Stadt gelebt haben. In der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts
verpflichteten sich die Juden Jakob, Lamb, Göschel und Genenl namens
sämtlicher Juden in Ingolstadt, sich an den Arbeiten für die Stadtbefestigung
zu beteiligen oder Gelder dafür beizusteuern (1322). Die jüdischen Familien
lebten vor allem von der Geldleihe. 1340 wurde von Herzog Ludwig dem Bayer als Höchstzinssatz
für Anleihen an Bürger 43 1/3 % und für Anleihen an Auswärtige 65 %
festgelegt. Das mittelalterliche jüdische Wohngebiet befand sich im
"Judenhof" neben der Alten Veste und entland der
"Judengasse" an der südlichen Stadtmauer (Viktualienmarkt, Josef
Ponschab-Straße) mit dem "Judentörl", im Westen begrenzt durch den
"Judenturm" (Schäffbräustraße 13).
Die Judenverfolgung in der Pestzeit 1348/49 traf auch die
jüdische Gemeinde in Ingolstadt. 1352 wurden durch Herzog Ludwig den Bürgern
der Stadt die Schulden bei Juden erlassen. 1348 beziehungsweise 1355
werden wieder jüdische Personen in der Stadt genannt. 1358 waren es vier
jüdische Personen oder Familien, 1416 zehn, 1449/50 mindestens sechs. In der zweiten
Hälfte des 14. Jahrhunderts werden Ingolstädter Juden auch in Neumarkt,
Gelnhausen, Frankfurt am Main, Augsburg, Nürnberg und Regensburg genannt. Auch
in dieser Zeit lebten die jüdischen Familien vor allem von
Darlehensgeschäften. Das Schutzgeld, das die Juden an den Herzog zu bezahlen
hatte, betrug mindestens 10 Gulden pro Jahr, dazu kamen weitere Abgaben. 1384
kam es zu einer ersten Vertreibung der Juden aus Ingolstadt. 1405 konnten sich
Juden wieder in der Stadt niederlassen. Die nächste Vertreibung war 1450,
als alle Juden des Herzogtums Bayern-München ausgewiesen wurden. Zur Erpressung
einer Auslösesumme waren einige Juden damals gefangen gesetzt worden.
Erst 1861 erhielten jüdische Personen
Niederlassungsrecht, 1871 das volle Bürgerrecht in Ingolstadt. In den
Jahrzehnten zuvor waren allerdings regelmäßig zahlreiche jüdische
Handelsleute zeitweise in der Stadt. Die Zahl der jüdischen Einwohner nahm zu
von 21 (1867) auf 34 (1871), 60 (1880), 90 (1900). Seit den 1870er- und
1880er-Jahren gab es mehrere jüdische Geschäfte im Stadtzentrum (Tuchhandel,
Weiß- und Kurzwarengeschäfte, Herren- und Damenkonfektion, Wolle, Leder- und
Schuhwaren, Maschinen, Eisen- und Haushaltswaren, Öl-, Fett- und Farbenhandel
sowie Banken).
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge, eine
Religionsschule und einen Friedhof. Zur
Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Religionslehrer angestellt,
der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war (siehe Ausschreibungen der
Stelle unten).
Im Ersten Weltkrieg fiel aus der jüdischen Gemeinde Adolf Kuhn (geb.
17.2.1897 in Ingolstadt, gef. 10.6.1918).
1924/25 zählte die jüdische Gemeinde etwa 110 Personen (0,4 % von insgesamt etwa 27.600 Einwohnern). Dem
Synagogenvorstand gehörten B. Weinbaum, J. Leiter, F. Lauchheimer, Max Kohn und
Simon Freimann an. Als Lehrer, Kantor und Schochet war Jakob Leopold tätig. Er
erteilte damals 17 jüdischen Kindern Religionsunterricht. 1932, als 104
jüdische Einwohner gezählt wurden (von insgesamt knapp 30.000 Einwohnern), war
1. Vorsitzender der jüdischen Gemeinde David Schloß, 2. Vorsitzender Karl
Kissinger. Ingolstadt gehörte damals zum Bezirksrabbinat in München.
Als Lehrer war Max Rosenbaum tätig. An jüdischen Vereinen gab es den
Wohltätigkeitsverein Chewra Gemillus Chassodim (gegründet 1924), den
Israelitischen Frauenverein (gleichfalls gegründet 1924), eine Ortsgruppe des
Centralvereins, eine Ortsgruppe des Jüdischen Jugendvereins sowie eine
Ortsgruppe des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten. Zur jüdischen Gemeinde in
Ingolstadt zählten auch die in Buxheim und Neuburg an der Donau lebenden jüdischen
Einwohner (1924 6 beziehungsweise 5 Personen).
1933 lebten noch 100 jüdische Personen in der Stadt. Letzter jüdischer
Lehrer war Kalman Oppenheimer, der bis Juli 1938 den jüdischen
Religionsunterricht erteilte. Bis November 1938 zogen auf Grund der zunehmenden
Repressalien und der Folgen der Entrechtung und des wirtschaftlichen Boykotts 55
jüdische Einwohner aus der Stadt fort beziehungsweise wanderten aus (acht in
die USA, fünf nach Palästina, sieben in andere Länder), zehn starben in der
Stadt. Im November 1938 wurden noch 35 jüdische Einwohner gezählt. Nach den
Ereignissen beim Novemberpogrom 1938, bei dem neben der Synagoge auch die
beiden letzten jüdischen Geschäfte demoliert worden waren, zogen die meisten
Juden fort.
Von den in Ingolstadt geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945",
ergänzt durch Angaben bei Th. Straub): Zilla Abstein geb. Theilhaber
(1875), Klara Adler (1875), Klara Freimann geb.
Sämann (1896), Max Freimann (1926), Simon Freimann (1895), Maria Gips geb.
Nussbaum (1878), Josef Gunzenhäuser (1896), Edgar Gutmann (1884), Julie Gutman
geb. Gunz (1865), Benno Hammelbacher (1858), Gerda Hermann (1909), Julius
Hermann (1878), Sophie Hermann geb. Klein (1884), Emanuel Herz (1921), David
Hubert (1869), Hedwig Hubert geb. Guldmann (1878), Cäcilie Kiesel geb.
Hamburger (1867), Julius Kohn (1891), Max Kohn (1871), Franziska Krämer geb.
Reinemann (1883), Jakob Kreuzberger (1917), Karl Kupfer (1878), Gertrud
Lauchheimer (1920), Hans Leiter (1923), Jakob Leiter (1893), Meta Leiter geb.
Gutmann (1888), Elfriede Leopold (1911), James Lippmann (1883), Harry Lisberger
(1924), Heinz Löwenfels
(1899), Louise Löwenfeld (1915), Mathilde Luchs geb. Ney (1879), Rafael Luchs
(1871), Siegfried Luchs (1880), Adolf Mannheimer (1878), Gustav T. Mannheimer
(1876), Siegbert Meyersohn (1886), Helene Möllerich geb. Neuburger (1861),
Gustav Neustädter (1892), Josef Neustädter (1885), Aron Orzegow (1862), Ida
Orzegow (1890), Auguste Pappenheimer geb. Lindauer (1869), Rosa Pollak geb. Tag
(1881), Berta Prölsdorfer
(1890), Max Rosenbaum (1878), Selma Rosenbaum geb. Adler (1885), Bernhard Sämann
(geb. ?), Berta Sämann geb. Weissmann (1869), Hedwig Schachno geb. Östreicher
(1884), Josef Schachno (1876), Amalie (Malchen ) Schülein (1879), Max (Moses)
Schülein (1877), Moritz Silberschmidt (1867), Henriette Sonn geb.
Adler (1870), Simon (Samson) Sonn (1870), Meta Sternglanz geb. Gift (1884), Anna
Theilhaber (1884), Blanka Weinstock (1922), Selma
Weinstock geb. Hammelbacher (1896).
1945/46 kehrten nur wenige Überlebende der früheren jüdischen Gemeinde
zurück. Vorübergehend lebten einige Displaced Persons (Überlebende von
Konzentrationslagern / Flüchtlinge aus dem Osten) in der Stadt, die jedoch nach
der Gründung des Staates Israel 1948 fast alle auswanderten. 1968 lebten 16 jüdische
Personen in Ingolstadt.
Aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Aus der Geschichte der
jüdischen Lehrer
Ausschreibungen der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet 1876 /
1878 / 1885 / 1889 / 1893 / 1895 / 1901 / 1925
| In den 1870er-Jahren war es
der Bankier Adolph Schülein, der die Initiative zur Gründung einer
jüdische Gemeinde in Ingolstadt ergriff. Über die Zeitschrift "Der
Israelit" suchte er seit 1876 - zunächst ganz privat für seine
Familie - nach einem Schochet und
Hauslehrer; 1876 hatte er einen Betsaal in seinem Haus
eingerichtet. |
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 21. Juni 1876:
"Bis Mitte Oktober wird ein Hauslehrer gesucht, welcher der
hebräischen, deutschen, französischen und englischen Sprache vollkommen
mächtig ist. Derselbe muss auch Schechita o fos, aber nur im Hause,
versehen! Bewerber mögen sich an das Bankgeschäft, Gebrüder Schülein
in Ingolstadt, Oberbayern, wenden." |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. Oktober 1878:
"Schochet und Hauslehrer gesucht. Zu 3 Knaben wird ein tüchtiger
Lehrer gesucht; derselbe muss den Elementar- sowie den Religionsunterricht
leiten und hat speziell für das Haus große und kleine Schechita zu
versehen. Wohnung mit voller Pension im Hause. Der Eintritt müsste sofort
erfolgen können. Offerten ersucht man mit Angabe der Referenzen und Gehaltsansprüche,
sowie mit abschriftlicher Beilage allenfallsiger Zeugnisse an den Bankier
Adolph Schülein in Ingolstadt zu richten." |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 14. Mai 1885:
"Schochet gesucht.
Ein Schochet, die die Kabala (Autorisation) von einem
streng religiösen Rabbiner hat und der auch befähigt ist, Kindern
jüdischen Unterricht zu erteilen, wird gesucht. Eintritt kann sofort
erfolgen. Offerten mit Gehaltsansprüchen sind an Herrn Adolph Schülein
in Ingolstadt (Bayern) zu richten." |
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Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit"
vom 23. Mai 1889: "Vakante Stelle.
Es erledigt sich per 1. September bei dem unterfertigten Verein die Stelle
eines
Religionslehrers, Schächters und Vorbeters mit einem fixen Gehalt von
Mark 800, freier Wohnung und Heizung und circa Mark 200
Nebenverdienste.
Bewerber um diese Stelle haben ihre Offerten mit Zeugnisbeilage bis
längstens 15. Juli einzusenden und wird bemerkt, dass Ausländer nicht
berücksichtigt werden.
Der Synagogen-Verein Ingolstadt. Vorstand Max Nußbaum." |
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| Als die folgenden Anzeigen in der
Zeitschrift "Der Israelit" erschienen (1893/1895), war
die Gemeinde gegründet und verfügte über einen gemeindeeigenen Betsaal
mit einer Lehrerwohnung. |
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 19. Juni 1893:
"Auskündigung. Bei der unterfertigen Gemeinde erledigt sich
per 1. September dieses Jahres die Stelle eines Religionslehrers,
Vorsängers und Schochets. Mit dieser Stelle ist verbunden:
a. freie Wohnung, b. ein fixes Gehalt von 800 Mark, c. Beheizungsentschädigung
von 200 Mark, d. Schechita ca. 200-250 Mark, e. sonstige Nebenverdienste
ca. 200-300 Mark.
Bewerber wollen ihre Offerten mit Zeugnisabschriften und Photographie bis
längstens 15. Juli einreichen. Russen und Polen werden nicht
berücksichtigt.
Die Verwaltung der israelitischen Kultusgemeinde Ingolstadt: M. Nussbaum,
Vorstand." |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 24. Januar 1895:
"Auskündigung. Wegen Übersiedelung des bisherigen Lehrers
nach München erledigt sich bei der unterfertigten Gemeinde per 1. April
eventuell 1. Juni die Stelle eines Religionslehrers, Vorsängers und
Schächters.
Mit dieser Stelle ist verbunden: a) 800 Mark fixes Gehalt bei freier
Wohnung, b) 100 Mark Beheizungsentschädigung, c) 150 Mark Staatszuschuss
für Religionsunterricht an der königlichen Realschule, d)
200-300 Mark sonstige Nebenverdienste.
Ferner hatten die bisherigen Lehrer außerdienstlich Gelegenheiten zu
größeren Nebenverdiensten durch Agenturen und Halten von Pensionären.
Bewerber wollen ihre Offerten mit Zeugnisabschriften und Photographie
baldigst einsehen.
Die Verwaltung der israelitischen Kultusgemeinde Ingolstadt. Nußbaum." |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. September 1901:
"In unserer Gemeinde erledigt sich per 1. November dieses Jahres die
Stelle eines Religionslehrers, Vorbeters und Schächters.
Mit derselben ist ein Fixum von 900 Mark verbunden, außerdem freie
Wohnung und Nebenverdienste. Reflektanten wollen ihre Meldungen und
Zeugnisse baldgefälligst einsenden an
Die Verwaltung der israelitischen Kultusgemeinde Ingolstadt: Moritz
Süß-Schülein." |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 2. Juli 1925:
"Kantor, Religionslehrer und Schochet wird von der unterzeichneten
Gemeinde per sofort gesucht. In hiesiger Stadt befindet sich
Oberrealschule, Realsuche und Gymnasium. Seminaristische Vorbildung
erforderlich und Herren mit guter Stimme werden bevorzugt. Gehalt regelt
sich nach den Satzungen des Verbandes Bayerischer Israelitischer
Gemeinden.
Israelitische Kultusgemeinde Ingoldstadt. J.B.: J. Hofmann." |
Zum Tod von Lehrer Leopold Regensburger (1931,
von 1901 bis 1912 Lehrer in Ingolstadt)
Artikel
in der "Bayrischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15.
September 1931: "Vereinsmitteilungen (sc. des Lehrervereins). 1. Am
12. August verstarb Kollege Leopold Regensburger in Kriegshaber bei
Augsburg. Geboren im Jahre 1867 in Sulzbürg, waltete er in Treue und
Gewissenhaftigkeit in den bayerischen Gemeinden Ermetzhofen
bis 1901, Ingolstadt bis 1912 und bis zu seinem Tode in Kriegshaber seines
Amtes. Er gehörte zu jenen stillen Naturen, die fern von dem Getriebe der
Öffentlichkeit ihren geraden Weg gehen. Unserem Vereine war er seit 1893
ein treues Mitglied. An seinem Grabe sprach Rosenfeld im Namen des
Vereines Worte der Liebe und des Gedenkens. In Vertretung des abwesenden
Rabbiners zeichnete Kollege Heimann (Augsburg) in formvollendeter Rede ein
Lebensbild des Heimgegangenen. Im Namen der Kultusgemeinde Augsburg sprach
Kommerzienrat Dann. Wir werden dem treuen Kollegen ein ehrendes Andenken
bewahren." |
Zur
Geschichte der Juden in Ingolstadt - von Arno Friedmann, Ingolstadt (ehemaliger
Lehrer der jüdischen Gemeinde, Artikel von 1926)
Artikel
in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 8. Juni
1926: "Wie aus noch vorhandenen Urkunden hervorgeht, kamen
kurz vor dem Jahre 1300 erstmals Juden zum dauernden Aufenthalt nach Ingolstadt.
Diese waren natürlich, wie überall, auf den Handel und auf Geldgeschäfte
angewiesen. Sie durften ja keinen Grund und Boden erwerben, keine christlichen
Dienstboten halten, sie wurden in keine Zunft aufgenommen, konnten kein Handwerk
ausüben und keine Beamte werden, es blieb ihnen kein anderer Erwerbszweig als
der Handel; und wie viele Leiden und Gefahren brachte dieser mit sich.
Seit dem Jahre 1215 bestand nämlich das von Papst Innozenz III. erlassene Gebot
einer besonderen Judenkleidung, und die Bischöfe waren angewiesen, diese
Anordnung mit allen Zwangsmitteln durchzusetzen. Diese Bestimmung wurde sogar in
den Schwabenspiegel, der seit 1275 als Rechtsbuch galt, mit aufgenommen. Dort
heißt es: "Die Juden sollen Hüte tragen, die spitz sind, damit sind sie
ausgezeichnet von den Christen, dass man sie für Juden halten soll." – Zu
diesen Hüten kamen noch später gelbe Ringe auf dem Oberkleid für die Männer,
Schleier mit gelben Strichen für die Frauen. Durch ihre Abzeichen waren die
Juden einerseits die Zielscheibe roher Scherze und Quälereien, andererseits
waren sie bei ihren Wanderungen die Köder der zahlreichen Strauchritter und
Strolche, die natürlich jeden Juden für vogelfrei hielten. Noch schädlicher
wirkte aber das Abzeichen auf die Träger selber, da es von diesen als Entehrung
empfunden wurde; dadurch wurde ihre Haltung, ihr Selbstbewusstsein und ihr Mut
gelähmt.
Ferner gehörte zu den vielen Einschränkungen, die der Jüdischheit – wie der
Körperschaftsname lautet – seit der Breslauer Synode vom Jahre 1267 auferlegt
wurden, dass diese gesondert wohnen mussten; Juden durften also nicht unter der
nichtjüdischen Bevölkerung Wohnung nehmen, sondern sie mussten in besonderen
Vierteln – Ghettos oder Gasse – zusammen wohnen. Darum bekam auch Ingolstadt
seine Judengasse. Diese erstreckte sich vom Judenturm, das ist von dort, wo
heute das Haus Schäffbräustraße 13 ist, bis zum Judenhof, das ist der Platz,
auf dem heute die Franziskanerkirche steht. Das enge Gässchen lief also durch
die heutige Höllbräu- und Franziskanergasse, der südlichen Stadtmauer
entlang. Damals zog sich die Stadtmauer in einem unregelmäßigen
|
Viereck von
sehr bescheidenem Umfang – es waren weniger als 2.000 Meter – um die Stadt.
Sie lief vom Ostentor – heute Ludwigsstraße 29 – zum Klostertor – heute
Am Stein 12 -, von da zum Westertor – jetzt Theresienstraße 31 -, und endete
am Südtor, da, wo jetzt das neue Sparkassengebäude ersteht. Zu ihrer Sicherung
diente im Nordosten der Striegelsturm, jetzt Holzmarkt 6, im Nordwesen der
Glockenturm, jetzt Schulstraße 29, im Südwesten der Judentum, jetzt Schäffbräustraße
13, im Südosten das Schloss und der Herzogskasten.
Das Zentrum der Stadt bildete der alte Kornmarkt, das ist die heutige
Schäffbräustraße.
Im Schlossmuseum befindet sich ein sehr schönes Modell der Stadt aus dem Jahre
1573, auf dem diese Einteilung noch gut zu sehen ist.
Im Jahre 1307 wütete ein gewaltiger Brand, durch den der südwestliche Teil der
Stadt zerstört wurde; auch die Judengasse, die in diesem Teile lag, muss stark
gelitten haben. Wohl deshalb gestattete Herzog Ludwig der Bayer durch den Erlass
vom Jahre 1322, dass die Juden mit der Stadt graben, mauern, zimmern, arbeiten
und steuern sollten. Den Wortlaut dieser und aller anderen angedeuteten Erlasse
bringe ich in meiner Geschichte der Juden in Ingolstadt. Bei dem großen Risiko,
das die Juden bei ihren Geschäften hatten und den vielen Steuern und
Schutzgeldern, die sie zu erlegen hatten, mussten sie natürlich einen relativ
hohen Prozentsatz in Anrechnung bringen.
Im Jahre 1340 wurde dieser durch kaiserliche Verordnung festgesetzt; es sind
dies etwa 43 Prozent. Wenn der Zins wöchentlich bezahlt wurde, dann kam er
nicht so zur Geltung; wenn er aber zum Kapital geschlagen wurde, so wuchs natürlich
die Schuld rapid, und die Folge war, dass der Schuldner über jüdische Wucher
klagte; die weiteren Folgen waren dann administrative oder Gewaltmaßnahmen. Im
ersteren Falle wurden eben die Schuldscheine der Juden für kraftlos erklärt,
wie dies zum Beispiel die Erlasse von 1316, 1349, 1352 u.a. zeigen, im anderen
Falle wurden sämtliche Juden ausgewiesen und damit die lästigen Gläubiger
beseitigt.
So wurden im Jahre 1349 zum ersten Male die Juden aus Ingolstadt vertrieben. Es
waren über 30 Familien, die sich größtenteils nach Regensburg wandten:
dorthin hatten sie auch ihre Toten begraben.
Da nach der Entfernung der Juden bald der Handel stockte und die Geldknappheit
immer fühlbarer wurde, entschloss sich der Herzog Ludwig der Brandenburger im
Jahre 1358, wieder Juden in Ingolstadt aufzunehmen.
Das alte Spiel wiederholte sich bald wieder und im Jahre 1384 wurden die Juden
zum zweiten Male aus Ingolstadt verwiesen. Dieses Mal wandten sich die meisten
der Vertriebenen nach Nürnberg. Herzog Stephan der Knäufel schenkte im Jahre
1397 die Judenschule und den Judenhof der Stadt und diese errichtete auf dem
Platz eine Kapelle, aus der später die heutige Franziskanerkirche entstanden
ist.
Die Sage, die aus dieser Schenkung hervorging, und die an der Decke der
Franziskanerkirche und an der Wand des Nachbarhauses – Schutterstraße 2 –
bildlich dargestellt ist, ist wohl bekannt. Der Chronist schreibt: "Die ob
ihrer Vertreibung wütigen Juden stahlen aus der Kapelle, welche an Stelle ihrer
Synagoge entstand, das wunderreiche Gnadenbild, insgemein die
Schuttermuttergottes genannt, und versteckten es, nachdem sie ihm den Kopf
abgeschnitten, die Donau aufwärts an einem heimlichen Ort am Gestade. Nach
nicht langer Zeit aber, siehe, da schwamm das Muttergottesbild mit
abgeschnittenem Kopfe von freien Stücken die Donau herab, in die Schutter
hinein, sich nächst der Kapelle anlegend. Darob entstand ein Jubelgeschrei in
der ganzen Stadt, so man seit Menschengedenken sich nicht erinnern konnte. Es
flossen reichliche Gaben und Opfer. Die Kapelle ward nun zur Kirche erweitert.
An der Decke aber ist die ganze Geschichte des Wunders abgebildet zu schauen."
Nachdem im Jahre 1409 eine große Judenausweisung aus Nürnberg stattgefunden
und unter den Vertriebenen laut Aufzeichnung der Nürnberger Ratsbücher auch
die aus Ingolstadt zugezogenen Juden benannt sind, und nachdem im Jahre 1413
wieder Juden in Ingolstadt ansässig sind, ist anzunehmen, dass die Vorgenannten
in ihre früheren Wohnstätten zurückgekehrt sind.
Im so genannten Salbuch, in dem die Einkünfte des Herzogs Ludwigs des Bärtigen
(1413-1443) aufgezählt sind, findet sich u.a. auch das Judengeld als
Einnahmeposten. Nach demselben wurden im Jahre 1416 von 31 Juden insgesamt 384
rheinische Gulden als Schutzgeld vereinnahmt.
Der erwähnte Eintrag lautet: "Mittwoch nach Pantaleonis anno 1416. Juden
Geld. Item mein Herr hat die Juden gefreit und in seinen Schirm genommen,
also welcher in seinem Land sitzen will, dass ihm der zum mindesten 10
ungarische Gulden geben (soll), welcher aber mehr vermecht nach der zweier Juden
erkennen, die mein Herr darüber gesetzt hat, der soll auch mehr geben nach
seinen Statten und darauf ist angeschlagen, dass davon in allen meines Herrn
landen im Jahr minder oder mehr gefallen sollen bei 384 rheinische Golden. Item:
es soll ein Pfleger zu Ingolstadt alle Jahre von jedem Juden daselbst ein Gulden
haben und von jeder Witwe ½ Gulden."
Es folgen dann die Namen von 31 Juden, die je 10 ung. Gulden und die Namen von
zwei Gulden, die je ung. Gulden, das sind 330 ungarische Gulden oder 384
rheinische Gulden an die herzogliche Kasse bezahlt haben (davon wohnen drei in
Weiden: Schmuel, Ahron, Michel; drei in Neunburg: Veits Jud, Jakob, Isaak; zehn
in Ingolstadt: Nassan, Jakob von Freising, mair von Schrobenhausen, Süssel Jud,
Lasarus Josep, Manuel, Mair sein Sohn, Manikin hat den Pfleger vertrost, Salomon
hat Gelait nach München. Einer in Monheim: Symon; drei in Donauwörth:
Liebermann, Salomon Josep sein Sohn; einer in Höchstädt: Jäckl; drei in
Lauingen: Josep, Salmon, Liebermann; zwei in Aichach: Mosse, Isaak; einer in
Reichertshofen: Jakob; drei in Freystadt: Nattan, Mosse, Leo und sein Schwester,
15 ungarische Gulden; drei in Hilpoldstein: Symon, Jakob, Isaak und sein Mutter,
16 ungarische Gulden = 31 Juden, jeder zehn Gulden, zwei jeder 15 Gulden).
Wegen der vielen Abgaben, die die Juden pünktlich zu entrichten hatten, mussten
sie auch bei ihren Schuldnern auf Bezahlung drängen. Deshalb liefen beim Herzog
fortwährend Klagen ein über die Hartherzigkeit und dem Wucher der Juden. Der
Herzog Ludwig der Reiche (1450-1479) von Niederbayern, dem Ingolstadt nach dem
im Jahre 1445 erfolgten Tode Herzog Ludwig des Höckerigen zufiel, wollte durch
ein Radikalmittel diese Klagen aus der Welt schaffen. Auf seinen Befehl wurden
in den Frühstunden des 5. Oktober 1450 alle Juden seines Landes gefangen
gesetzt. Vermutlich kamen die hiesigen Juden in den Judenturm. Nasch vier Wochen
erhielten sie dann den Befehl, binnen drei Tagen das Land zu räumen. Gnädig
ward ihnen gestattet, ihren Hausrat und die Einrichtung ihrer Synagogen
mitzunehmen. Ihre Schuldbriefe wurden annulliert, ihre Schütze wurden für die
herzogliche Kasse eingezogen. – So wurden also die Juden zum dritten Male aus
Ingolstadt vertrieben.
Als der edle und aufgeklärte österreichische Kaiser Josef II. als erster
deutscher Fürst durch das Toleranzedikt vom 13. Oktober 1781 nicht nur den
christlichen Konfessionen völlige Gleichberechtigung gewährte, sondern auch
den Juden bürgerliche Rechte verlieh, den Leibzoll und etliche Einschränkungen
aufhob, widmete Klopstock in seiner Ode "An den Kaiser", dem, "der den
Juden wieder zum Menschen macht," die Verse:
"Wen fasst des Mitleids Schauer nicht, wenn er sieht,
Wie unser Pöbel Kanaans Volk entmenscht!
Und tut der’s nicht, weil unsere Fürsten
Sie in zu eiserne Ketten schmieden?
Du lösest ihnen, Retter, die rostige,
eng angelegte Fessel vom wunden Arm;
sie fühlen’s kaum, glauben’s kaum. So lange
hat’s um die Elenden hergeklirret." -
Vorurteile und Gewaltmaßnahmen haben 300 Jahre lang Juden von Ingolstadts
Grenzen fern gehalten; wir wollen über die Leiden und Verfolgungen hinweggehen,
die sie und ihre Nachkommen in diesen drei Jahrhunderten zu erdulden hatten. In
Ehrfurcht blicken wir aber auf die verklärten Gestalten, welche allen
Grausamkeiten zum Trotze dem Gotte Israels treu geblieben sind! Ihr Andenken
gereiche uns zum Segen!" |
Artikel aus der Entstehungszeit des Gemeinde im 19. Jahrhundert
Klage über die noch nicht bestehende Gemeinde in
Ingolstadt (1878)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 27. Februar 1878:
"Ingolstadt. Aus einer der jüngsten Nummern des "Israelit"
habe ich erfahren, dass in Bornheim bei Frankfurt am Main mehrere
israelitische Familien sich angesiedelt, die auch bereits ein
gemeinschaftliches Betlokal gemietet, um gemeinschaftlichen Gottesdienst
daselbst abzuhalten.
Unwillkürlich erinnerte mich dies an die traurigen religiösen Zustände
in der alten Festungsstadt Ingolstadt. Bei uns ist leider das Gegenteil
der Fall. Im vorigen Jahre ließ sich ein streng-orthodoxer, reicher Mann
in unserer Stadt nieder, der auf eigene Kosten einen Betsaal mit allem
nötigen Komfort eingerichtet, seinen eigenen Schochet und für
seine Kinder einen Religions- und Elementarlehrer aus der israelitischen Lehrerbildungsanstalt
zu Würzburg besoldet. Trotzdem schenken die hiesigen Israeliten, mit
Ausnahme eines einzigen jungen Mannes, all diesen Einrichtungen so wenig
Aufmerksamkeit, dass bis jetzt auch noch nicht Einer von ihnen die
Schwelle unseres Gotteshauses betreten. Obgleich an den verflossenen ehrfurchtgebietenden
Tagen schriftliche und mündliche Einladungen an dieselben ergangen
sind, besuchten sie weder am Rosch Haschana (Neujahrsfest) noch am Jom
Kippur unseren Gottesdienst, und waren wir gezwungen, sechs junge
Leute aus München kommen zu lassen, um die Gebete mit Minjan
(Zehnzahl der Männer) verrichten zu können.
Von der ihnen unentgeltlich gebotenen Schechita nehmen sie keine
Notiz; fast sämtliche Familien essen nicht koscheres Fleisch.
Allen jenen Glaubensgenossen, namentlich aus Franken und Schwaben, die
schön öfters den Wunsch geäußert haben, dass sie wegen der günstigen
Geschäftslage in hiesiger Gegend die Stadt Ingolstadt zu ihrem bleibenden
Domizil erwählen würden, wenn für das jüdisch-religiöse Leben mehr
Sorge getragen wäre, kann ich versichern, dass sowohl für geregelten
Gottesdienst und Religions- und Elementarunterricht als auch für die Schechita
hinreichend genug gesorgt ist, und können alle diese Institutionen
unentgeltlich benützt werden." |
Aus dem jüdischen
Gemeinde- und Vereinsleben
Gründung eines Synagogenvereins (1884)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 20. November 1884:
"Ingolstadt. Mit dem 1. November dieses Jahres Schabbat Paraschat
Lech Lecha (am Schabbat mit der Toralesung Lech Lecha) ist hier
ein Verein ins Leben getreten, wie ein solcher seit nahezu einem halben
Jahrtausend seit dem Jahre 1397 hier in Ingolstadts Mauern nicht mehr
zustande gekommen ist. Es hat sich nämlich hier ein Synagogenverein als
Vorstufe zu einer Synagogengemeinde gebildet, der es sich zur Aufgabe
macht:
a) einen Fond zu gründen, behufs Erbauung einer Synagoge am hiesigen Orte
und Beschaffung aller zum Kultus erforderlichen Utensilien etc.
b) das Gefühl der religiösen Zusammengehörigkeit der israelitischen Elemente
hiesigen Ortes zu heben und zu fördern zum Zwecke gegenseitiger
Unterstützung in religiöser Beziehung, wie solches auch in anderen
israelitischen Religionsvereinen oder Gemeinden der Fall ist.
Samstag Paraschat Lech Lecha beging der Verein sein Stiftungsfest,
das zwar einer einfachen, aber der Heiligkeit der Sache gemäß, der
würdigen Verlauf nahm. Samstag Vormittag fand in der festlich
geschmückten Schülein'schen Synagoge der Stiftungsgottesdienst statt, zu
welchem fast alle Mitglieder mit ihren Familienangehörigen erschienen
waren, und welcher durch eine, von Herrn Lehrer Hugo Lion gehaltenen
Festpredigt verherrlicht wurde. Nach der Predigt folgt das vom
Vereinsvorstande, Herrn Bankier Adolph Schülein, in deutscher Sprache
rezitierte Gebet für den Landesvater.
Samstag, abends 8 Uhr, fand in der Sälen des Hotel Adler eine
Familienunterhaltung statt. Die Abendfeier wurde mit einer würdigen,
gediegenen Ansprache des Herrn Vorstandes, durch dessen aufrichtig
religiösen Eifer der Synagogenverein ins Leben getreten ist, eingeleitet.
In dieser Ansprache betonte derselbe besonders die Wichtigkeit dieses
Vereins zur Wahrung der israelitischen religiösen Interessen am hiesigen
Orte, fernerhin ermahnte er die Mitglieder, die Einigkeit und das Gefühl
der religiösen Zusammengehörigkeit fortan, so, wie sie es heute bei der
Stiftung getan, zu bewahren und zu bewähren.
Während des ganzen Abends herrscht eine sehr animierte Stimmung und erst
nach Mitternacht war die schöne Stiftungsfreier beendet. Möge nun der
Synagogenverein Ingolstadt, die heilige und wichtige Aufgabe, die er sich
gestellt, zum Segen und Heile seiner Glaubensgenossen, Mitbürger und
Mitmenschen zu lösen suchen und möge dem Synagogenvereine nun bald auch
eine Synagogengemeinde erblühen!" |
Beleidigungen des jüdischen Lehrers
Friedmann (1901)
Anmerkung: Arno Friedmann publiziert im Jahr 1900: "Die
Geschichte der Juden in Ingolstadt (1300-1900)".
Artikel in der Zeitschrift
"Der Israelit" vom 11. März 1901: "München, 7. März
(1901): Der israelitische Lehrer Friedmann in Ingolstadt hatte vor einigen
Monaten eine kurze Geschichte der Juden in Ingolstadt herausgegeben. Über
dieses Werkchen, das einen Teil des 24. Heftes des Sammelblattes des
historischen Vereins für Ingolstadt bildete, erschien in der Nummer 249
des 'Bayerischen Vaterland' ein längerer Artikel. In demselben war
Friedmann als 'Geschichtsjud' bezeichnet und mit Bezug auf ihn gesagt,
'das bringe wirklich nur jüdische Frechheit und Unverschämtheit fertig.'
Durch schöffengerichtliches Urteil ist nun dieserhalb der Redakteur Otto
Schoy des 'Bayerischen Vaterland' wegen öffentlich verübter Beleidigung
des Lehrers Friedmann zu einer Geldstrafe von fünfzig Mark verurteilt
worden, und die Veröffentlichung des Urteils in dem 'Bayerischen
Vaterland' und den 'Münchener Neuesten Nachrichten' angeordnet
worden." |
Anschlag auf die Eisenhandlung Cohn und Halberstadt (1924)
Meldung
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 28. August 1924: "In
Ingolstadt wurde von antisemitischer Seite ein Bombenattentat gegen die
Eisenhandlung Cohn und Halberstadt verübt, das noch rechtzeitig vereitelt
werden konnte. Die Täter sind noch nicht entdeckt." |
Das Gebiet der jüdischen Gemeinde wird erweitert (1927)
Artikel
in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15. Juli
1927: "Bekanntmachung über die Erweiterung des Gebietes der
Israelitischen Kultusgemeinden ... Ingolstadt... :
Die nachstehend aufgeführten Kultusgemeinden haben beschlossen, ihr
Gebiet wie folgt auszudehnen:
Die Israelitische Kultusgemeinde Ingolstadt auf die
Finanzamtsbezirke Ingoldstadt, Pfaffenhofen, Neuburg a.d.D. und
Schrobenhausen." |
Publikation des jüdischen Lehrers Aron Friedmann (1929)
Artikel
in der Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung vom 1. Februar 1929:
"A. Friedmann: Bilder aus meiner Heimatgeschichte. Ingolstadt 1929.
Das soeben erschienene Büchlein enthält eine Fülle von Einzelbildern
aus der bayerisch-jüdischen Geschichte. Fast alle größeren und älteren
Judengemeinden in allen bayerischen Landesteilen finden eine mehr oder
minder ausführliche Darstellung. Manchmal sind es nur einzelne Momente
des geschichtlichen Lebens, die festgehalten sind, manchmal ist es eine
vollständige Geschichtsdarstellung auf engstem Raum. Deshalb ist das
Büchlein nicht nur reichhaltig im Inhalt, sondern auch kurzweilig in
seiner zwanglosen Darstellungsweise. Ein 'Fachmann' hätte Geschichte in
dieser leichten Form nicht dargestellt, aber ebenso wenig irgendein
großstädtischer 'Geschichtsfreund'; dem letzteren hätte die Muße dazu
gefehlt. Geschichtsfreunde dieser beschaulichen Art trifft man öfters
unter den heimatlichen 'Geschichtsvereinen', sei es in Passau, in Neuburg
oder in Schweinfurt. Der Rückgang der jüdischen Provinzbevölkerung hat
es bewirkt, dass ein Jude nicht so leicht auf den Gedanken kommt, 'seine'
Heimatgeschichte zu schreiben. So ist also der Verfasser dieses Buches
selbst schon eine Art 'historische' Erscheinung. Wenn die Abwanderung der
Juden in die Großstädte weitergeht, dann wird es solche Erscheinungen
bald nicht mehr geben. Damit aber wenigstens seelisch der Zusammenhang
soweit wie möglich gewahrt bleibt, wäre es gut, wenn die jüdische
Jugend als die Trägerin der Zukunft dieses Büchlein in die Hand bekäme.
St." |
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Buchbesprechung
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 20. März 1930:
"Bilder aus meiner Heimatgeschichte. Ein Beitrag zur Geschichte und
Heimatkunde der Juden in Bayern. Von A. Friedmann, Ingolstadt. Der Titel
dieser Sammlung ist nicht glücklich gewählt, da er den Anschein erweckt,
es handle sich um einen Auszug aus einem größeren Werke. Der Verfasser
hat mit großem Fleiße eine Reihe von Berichten aus Werken älterer und
neuerer Zeit, aus Lokalchroniken und Zeitungsartikeln über
Judenverfolgungen in Bayern zusammengestellt, ohne chronologische oder
sonstige Ordnung, anscheinend nur so, wie sie ihm zur Hand gekommen sind.
Die große Zahl von 36 Nummern, obgleich sie sich leider ins Unendliche
vermehren ließen, wirkt ermüdend, zumal noch einige Sagen von geringem
Werte eingeflochten sind, und der Anfang: 'Was wir selbst erlebt haben'
nicht sehr überzeugend wirkt. Auch dienen solche Übertreibungen, wie
die, dass man zum Schluss des Weltkrieges mit 'Türklinken und Gardinenstangen
geschossen habe', der Sache nicht, für die der Verfasser sich einsetzt.
Lobend ist anzuerkennen, dass Verfasser seine Quellen sehr sorgfältig
angegeben hat. Als aktuelle Kuriosität sei erwähnt, dass in dem
Schutzbrief für einen Juden in Kitzingen aus dem Jahre 1511 ausdrücklich
zugesichert wird, dass 'das Fleisch nach ihren (der Juden) Sitten gegeben
werde'. Damals gab es allerdings noch keinen Tierschutzverein, und der
Machthaber erkannte das Schächten als religiöse Vorschrift an." |
Vortrag von Rabbiner Dr. Bärwald (München) vor dem
Jugendverein über "Die Pharisäer" (1929)
Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom
1. April 1929: "Ingolstadt. In unserem aufstrebenden Jugendverein
sprach am Sonntag, dem 17. März, Herr Rabbiner Dr. Bärwald, München,
über 'Die Pharisäer' und zeichnete in meisterhafter Weise ein
glänzendes Bild der Rechtfertigung dieser Talmudgelehrten. Außer der
Jugend hatten sich die meisten Mitglieder der hiesigen Kultusgemeinde zu
dem Vortrage eingefunden und alle folgten mit regem Interesse den
Ausführungen des Referenten. Dieser entwickelte ungefähr folgende
Gedanken. Beinahe 2.000 Jahre schon dauert die Verunglimpfung, die sich
mit Vorbedacht an den Namen Pharisäer heftet. Forscher neuerer Zeit, an
ihrer Spitze Herford, haben die Falschverdächtigten von denen ihnen
zugedichteten Makeln befreit. Wie der Bibelkritik noch heute meist die Ergebnisse
der christlichen Forschertätigkeit zugrunde gelegt werden, so hat sich
die Welt gewöhnt, nach christlichem Muster die Pharisäer als Heuchler einzuschätzen.
Und doch verdienen sie nichts weniger als diesen Schandnamen. Die
würdigen Schüler und Nachfolger eines Esra, des Mannes von so
überragender Bedeutung für die Erklärung der jüdischen Geschichte und
für die Gestaltung des religiösen Lebens, haben die Pharisäer auf dem
von ihrem großen Lehrer gelegten Grundstein weitergebaut. Esra schuf das
statische und dynamische Element im Judentum, seine Schüler pflegten mit
aufopfernder Liebe und Begeisterung die Toraforschung, Haggada und Halacha,
Talmudstudium. Dabei lag den frommen Gelehrten jede Heuchele, jede
unlautere Absicht durchaus fern, sonst hätte sich ihr Werk nicht durch
die Jahrzausende der tiefsten Bedrängnis erhalten können...." |
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Derselbe Bericht erschien in der Zeitschrift "Der Israelit" vom
1. April 1929. |
Chanukkafeier des "Reichsbundes Jüdischer
Frontsoldaten" (Dezember 1930)
Artikel
in der "Bayrischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15.
Januar 1931: "Ingolstadt. Die Ortsgruppe des Reichsbundes Jüdischer
Frontsoldaten hielt am 20. Dezember 1930 eine Chanukkafeier ab, die sich
nicht nur auf den kleinen Kreis unserer Frontkämpfer beschränkte,
sondern zu der auch die jüdische Gemeinde und die anderen jüdischen
Vereine eingeladen waren. Wohl selten noch hatte sich eine jüdische Veranstaltung
in unserer Stadt eines solchen zahlreichen Besuches zu erfreuen. Der Abend
verlief dank einer Reihe ausgezeichneter Darbietungen angeregt und
würdig." |
Berichte zu einzelnen
Personen aus der Gemeinde
Zum Tod von Fanny Nußbaum, Gattin des Gemeindevorstehers
(1925)
Artikel
in der "Bayrischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 6. Juni
1925: "Am 17. Mai wurde in Ingolstadt Frau Fanny Nußbaum, die Gattin
des dortigen Gemeindevorstehers, unter großer Anteilnahme der
Gesamtbevölkerung der Stadt zu Grabe getragen. Frau Nußbaum ist kurz
nach Vollendung ihres 70. Lebensjahres einem schweren Leiden erlegen. Das
Andenken der in weiten Kreisen hochgeachteten und beliebten Frau, die sich
auch um das Gemeindeleben in Ingolstadt sehr verdient gemacht hat, wird
gesegnet bleiben." |
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und
Privatpersonen
Anzeige von Fa. Holzer & Neumeier (1900)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 26. November 1900:
"Wir suchen per 1. Januar eine tüchtige selbständige Haushälterin
bei guter Bezahlung, angenehmer und dauernder Stellung. Offerten nebst
Photographie und Zeugnisabschriften erbitten
Holzer & Neumeier. Ingolstadt an der Donau (Bayern)." |
Hochzeitsanzeige von Karl Kissinger und Paula geb.
Friedmann (1924)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 26. Juli 1923: "Karl
Kissinger - Paula Kissinger geb. Friedmann. Vermählte. Ingolstadt
Ludwigstraße 10 - Charlottenburg Fritschestraße 43. Tauung:
Montag, 30. Juli 1923, 1 Uhr nachmittags im Hotel Cirkel,
Ansbach." |
Zur Geschichte der Synagogen
Eine mittelalterliche Synagoge ("Juden Schul") und der "Judenhof" werden 1397 erstmals genannt. Sie
lagen unweit des Alten Schlosses und der Schutter. Die Synagoge war vermutlich bereits in der Zeit vor der Judenverfolgung
1348/49 erbaut worden. Im Jahr
1397 (nach der Vertreibung der Juden 1384 und einer zugleich anzunehmenden Zerstörung
der Synagoge) hatte Herzog Stephan III. das
Synagogengrundstück und den Judenhof konfisziert und der Stadt zur Bebauung mit
einer Kapelle geschenkt. Anfang des 18. Jahrhunderts wurde von den
Augustinermönchen im Zusammenhang mit der benachbarten Klosteranlage eine neue Augustinerkirche erstellt. Diese Kirche wurde im Frühjahr 1945 bei einem
Flieger-Bombardement zerstört. Dabei kamen in ihrem Keller über 100
Flüchtlinge ums Leben. Eine Tafel erinnert daran. Auf dem Platz sind die
Umrisse der Augustinerkirche des frühen 18. Jahrhunderts eingelassen.
Im 19. Jahrhundert wurde zunächst um 1876
durch den zugezogenen Bankiers Adolph Schülein
(Milchstraße 9) ein privater Betsaal in seinem Haus eingerichtet. Er
stellte auch einen Lehrer und Schochet an, bedauerte aber sehr, dass der Betsaal
zunächst kaum von den anderen zugezogenen jüdischen Familien mit benutzt
wurde. 1884 wurde ein Synagogenverein als Vorstufe zu einer
Synagogengemeinde gegründet (Vorsitzender Adolph Schülein). 1890
konnte ein gemeindeeigener Betsaal mit einer Lehrerwohnung in der Milchstraße 8
eingerichtet werden. 1907 wurde das Hinterhaus (ehemaliger Illuminationsbau) zur Theresienstraße 23 zu einer
Synagoge
umgebaut. Der Betsaal ging über zwei Stockwerke; eine Frauenempore war vorhanden.
Nur etwa 30 Jahre blieb die in der Theresienstraße eingerichtete Synagoge
religiöser Mittelpunkt der jüdischen Gemeinde in Ingolstadt.
Beim Novemberpogrom 1938 wurden die Synagoge geschändet; dabei
wurden Türen, Fenster und Möbel zertrümmert. Holztrümmer, Teppiche,
Torarollen, Bücher und Ritualien wurden auf die Theresienstraße getragen und
dort angezündet. Das Gebäude selbst blieb bestehen. Nach
Kriegsende ließ die Stadtverwaltung die Schäden am Synagogengebäude
beseitigen. Das Gebäude konnte 1946 wieder als Synagoge eingeweiht und
bis 1952 als solche genutzt werden. Da auf Dauer jedoch nicht ausreichend jüdische Familien
in Ingolstadt blieben beziehungsweise zuzogen, wurden in der
Folgezeit keine jüdischen Gottesdienst mehr gefeiert und die Synagoge
geschlossen. Sie kam in Privatbesitz und wird seitdem als Werkstatt/Lager
verwendet.
Die Inneneinrichtung der ehemaligen Synagoge ist bis heute
teilweise erhalten. Das Gebäude befindet sich jedoch in Privatbesitz und kann
nicht besichtigt werden. Eine Hinweistafel befindet sich am
Vordergebäude Theresienstadtraße 23 mit der Inschrift: "Im Rückgebäude
1782-1785 Illuminatensaal, 1907-1938 Synagoge der Israelitischen Kultusgemeinde
Ingolstadt. In der Reichspogromnacht 1938 verwüstet. 1946 wiederhergestellt,
1952 aufgegeben".
Adressen / Standorte der Synagogen:
 | Mittelalterliche Synagoge: Schäffbräustraße |
 | Betsaal 1876: Milchstraße 9 |
 | Betsaal 1890: Milchstraße 8 |
 | Synagoge 1907-1938: Hinterhof Theresienstraße 23. |
Fotos
(Fotos der Ritualien von Theodor Harburger März 1927, veröffentlicht in: Th. Harburger: Die Inventarisation jüdischer
Kunst- und Kulturdenkmäler in Bayern, Hg. von den Central Archives Jerusalem
und dem Jüdischen Museum Franken in 3 Bänden 1998, Bd. 3 S. 317f; Farbfotos: Angela Hager, Aufnahmedatum April
2006, die beiden Fotos in der linken Spalte: Hahn, Aufnahmedatum 21.8.2007)
| Historische Aufnahmen |
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Ritualien,
die im Besitz von Justin Hofmann in Ingolstadt waren: links:
Tora-Aufsätze (Rimmonim).
Rechts: Tora-Schild (Tass) und Tora-Zeiger.
Fotos vom 16.3.1927); die Gegenstände befanden sich
nicht in der
Synagoge. |
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Theresienstraße. Hinter
dem
abgebildeten bläulichen Gebäude befindet sich im Hinterhof das
Gebäude der
1907
eingerichteten Synagoge; eine Gedenktafel ist auf Augenhöhe rechts zu
sehen |
Die ehemalige Synagoge
(dunkles Gebäudeteil)
im Hinterhof der Theresienstraße |
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| Gedenktafel |
Ausschnittvergrößerungen
des Fotos oben rechts |
Erinnerungsarbeit
vor Ort - einzelne Berichte
| Juli 2010:
Eine Dokumentation über die Schicksale der Juden
aus Ingolstadt wird an Yad Vashem in Jerusalem übergeben |
Artikel von Michael Stadik im "Donau-Kurier" vom 8. Juli 2010 (Artikel):
"Auf den Spuren der Nazi-Opfer.
Ingolstadt (DK) Etwa 100 Juden lebten bis zur Machtübernahme der Nazis in Ingolstadt. Historiker und Schüler haben nun neue Erkenntnisse über den Leidensweg der jüdischen Opfer gewonnen und dem israelischen Gedenkzentrum Yad Vashem übergeben.
Dr. Rafael Luchs war ein geschätzter Mediziner, der im 1. Weltkrieg deutsche Soldaten an der Front pflegte und als Stabsarzt nach Ingolstadt verschlagen wurde. Der Geburtshelfer und Frauenarzt eröffnete Ende 1918 in der Schanz eine Praxis und gewann vor Ort schnell Vertrauen. Vor allem die armen Patientinnen achteten Dr. Luchs, der sich unter anderem in der Arbeiterwohlfahrt engagierte. Dabei unterschätzte er jedoch den Hass der Machthaber auf die Juden: Noch 1938 kehrte der deutsche Jude freiwillig aus einem Urlaub in Israel in die Nazi-Diktatur zurück. "Dem Dr. Luchs tut doch niemand was", soll er vor der Heimreise noch gesagt haben..."
Es sind nur die ersten Zeilen des Artikel wiedergegeben. |
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| Mai 2011:
In Ingolstadt sollen "Stolpersteine"
verlegt werden |
Artikel von Bernd Limmer im "Donau-Kurier.de"
vom 11. Mai 2011 (Artikel):
"Stolpersteine sollen an NS-Opfer erinnern
Ingolstadt (dk) Auf Zustimmung und lobende Worte ist das Schülerprojekt Stolpersteine im Kultur- und Schulausschuss der Stadt gestoßen. Die kleinen Pflastersteinen sollen in Ingolstadt an die Opfer des Nazi-Regimes
erinnern.
Der Kölner Bildhauer Gunter Demnig hatte die Idee, mit Gedenktafeln aus Messing an die Opfer der NS-Zeit erinnern. Die Tafeln werden vor deren letzten Wohnort ins Trottoir verlegt. Diese Idee, die Demnig schon in anderen deutschen Städten umgesetzt hat, griff eine Schülergruppe aus Ingolstadt auf. Jetzt gab auch der Kultur- und Sportausschuss grünes Licht.
Gudrun Rihl freute sich über das Engagement der jungen Menschen. Sie sah in dem Projekt eine Ergänzung zu der Gedenkstätte im Luitpoldpark. Es sei ein uralter Anspruch, dass der Mensch mit seinem Namen erkennbar sei. Wo die Steine verlegt werden, hätten die Schüler noch nicht entschieden, informierte Kulturreferent Gabriel
Engert." |
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| Oktober 2011:
Elf "Stolpersteine" werden in 2012
verlegt |
Artikel von Christian Silvester im
"Donau-Kurier.de" vom 19. Oktober 2011: "'Stolpersteine'
gegen das Vergessen: Scheiner-Schüler erinnern an Opfer der
Nationalsozialisten. Ingolstadt (IN). In mehreren 100 Orten erinnern
Pflastersteine mit Messingkappen vor Häusern an Opfer des
Nationalsozialismus, die dort vor ihrer Emigration oder Deportation
gewohnt hatten. Ingolstadt fehlt auf dieser Kart. Das ändern jetzt
Schüler des Scheiner-Gymnasiums. Sie
werden im kommenden Jahr elf 'Stolpersteine' aus der Werkstatt des
Künstlers Gunter Demnig in der Altstadt verlegen. Am Mittwoch
präsentierten die Zwölftklässler ihr Projekt..."
Link
zum Artikel. |
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| Januar 2012:
Gedenken am Holocaust-Gedenktag |
Artikel von Thomas Michel in der
"Augsburger Allgemeinen" vom 30. Januar 2012: "Geschichte -
Bewegendes Gedenken. Schüler erinnern an NS-Opfer. Ingolstadt. Keine
Worte, keine Requisiten und auch keine Hilfsmittel - es war schon
beeindruckend, wie die neun SChülerinnen der Theatuergruppe des
Christoph-Schreiner-Gymnasiums es schafften, eine derartig beklemmende
Szenerie zu erschaffen..."
Link
zum Artikel |
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Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Germania Judaica II,1 S. 375-376; III,1 S. 582-583. |
 | Arno Friedmann: Die Geschichte der Juden in
Ingolstadt. Ingolstadt 1900. |
 | Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish
Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany -
Bavaria. Hg. von Yad Vashem 1972 (hebräisch) S. 103-104. |
 | Baruch Z. Ophir/Falk Wiesemann: Die
jüdischen Gemeinden in Bayern 1918-1945. Geschichte und Zerstörung. 1979
S. 32-33. |
 | Theodor Straub: Juden in Ingolstadt - eine
Gedenkschrift. Ingolstadt 1988. |
 | Israel Schwierz: Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in
Bayern. Eine Dokumentation der Bayerischen Landeszentrale für politische
Bildungsarbeit. A 85. 1988 S. 301-302. |
 | Ingolstädter Gesichter. 750 Jahre Juden in
Ingolstadt. Ausstellung des Stadtmuseums Ingolstadt 27. Mai bis 30. Oktober
2000. Kuratorin und Fotografin: Alisa Douer. Texte: Theodor Straub. |

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the
Holocaust".
First published in 2001 by NEW
YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad
Vashem Jerusalem, Israel.
Ingolstadt Upper Bavaria.
Jews fleeing a Munich blood libel (1285) and the Rindfleisch massacres (1298)
arrived in the late 13th century. In 1322 the community of 30 had a synagogue.
In the Black Death persecutions of 1348-49 debts to Jewish moneylenders were
canceled and the Jews expelled. Over the next century, periods of ducal
protection alternated with periods of persecution until the final expulsion in
1450. Jewish merchants only appeared again in 1784 to participate in the fairs.
Permanent residence was only permitted in 1848. From the eve of Worldwar I, the
Jews maintained a population of around 100 (total 23,745), engaged mainly in the
cattle, textile, and oil product trade. The community ended between 1933 and
1939; 70 Jews left for other cities in Germany, mainly Munich; 20 emigrated from
the country; and ten died.

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