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Jüdische Geschichte / Betsaal/Synagoge
Übersicht:
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Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english
version)
In der bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts freien
Reichsstadt Schwäbisch Gmünd bestand eine jüdische Gemeinde im Mittelalter
und im 19./20. Jahrhundert. Erstmals werden Juden 1241/42 in der Stadt genannt.
Die Judenverfolgung während der Pestzeit vernichtete die Gemeinde. Erst 1412
werden wieder Juden in der Stadt erwähnt. 1469 wurden erstmals, 1501 zum
zweiten Mal die Juden aus der Stadt gewiesen.
Im 19. Jahrhundert ist nach Zuzug mehrerer jüdischer
Familien eine jüdische Privatgemeinde 1888 gegründet worden, die 1890
von der Israelitischen Oberkirchenbehörde in den Landesverband der württembergischen
Gemeinden aufgenommen wurde. Diese Gemeinde bestand bis 1939.
1886 wurden 67 jüdische
Einwohner gezählt.
Die höchste Zahl jüdischer Einwohner wurde um 1890 mit 97 Personen erreicht.
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge und eine
Religionsschule. Die Toten der Gemeinde wurden im jüdischen Friedhof in
Oberdorf beigesetzt. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein
Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war. Die Gemeinde wurde dem Bezirksrabbinat Oberdorf zugeteilt.
Unter den jüdischen Einwohnern gab es Geschäftsleute, kaufmännische
Angestellte, Vertreter, Fabrikanten und Händler. Bis nach 1933 gehörte ihnen
noch ein Bankgeschäft, ein Kaufhaus, eine
Damenkonfektions- und Textilwarenhandlung, eine Holzwarenhandlung, eine
Schuhfabrik ein Kleiderhaus, eine Silberwarenfabrik. Auch ein jüdischer
Rechtsanwalt war in der Stadt tätig.
Auf Grund der Judenverfolgungen und -ermordungen in der NS-Zeit kamen von den
1933 in Schwäbisch Gmünd wohnhaften 90 jüdischen Personen mindestens 18 ums
Leben.
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer
Ausschreibung der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet
1900
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. Februar 1900: "Offene
Stelle! Bei der israelitischen Gemeinde in Schwäbisch Gmünd ist
die Stelle eines Religionslehrers, Vorsängers und Vorbeters,
sowie geprüften Schächters vakant. Das Einkommen berehnet sich
jährlich auf Mark 1.200.- Der Dienst ist ein äußerst leichter und wenig
zeitraubend, sodass tüchtigen jungen Kandidaten genügend Gelegenheit
geboten ist, sich in hiesiger Stadt mit 18.000 Einwohnern noch ein
hübsches Nebenverdienst erwerben zu können. Reflektierende wollen ihre
Zeugnisse an das Israelitische Vorsteheramt einsenden, welches zu
jeder weiteren Auskunft gerne bereit ist. Die Bestätigung der Wahl bleibt
der Königlichen Israelitischen Oberkirchenbehörde vorbehalten.
Israelitisches Kirchenvorsteheramt. I.V.: H.
Gutmann". |
Abschied von Lehrer Adler (1895)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. Februar 1895: "Schwäbisch
Gmünd. Eine solenne Abschiedsfeier zu Ehren des von hier scheidenden
Herrn Lehrer Adler, die durch die Anwesenheit des Herrn Kirchenrat Dr.
Kroner - Stuttgart noch besondere Weihe erhielt, versammelte Samstag
Abend, 2. Februar, die Mitglieder der hiesigen israelitischen Gemeinde.
Nachdem der 1. Synagogenvorstand, Herr Hermann Gutmann die vollzählig
erschienenen Gemeindemitglieder mit ihren Familienangehörigen begrüßt
hatte, ergriff Herr David Mayer das Wort und rühmte die großen
Verdienste des Scheidenden, die sich derselbe während seiner 6-jährigen
Tätigkeit um das hiesige Gemeindewesen, den Gottesdienst und ganz
besonders die Erziehung der Jugend erworben hat. Aber nicht nur bei seinen
Glaubensgenossen sei er geachtet und geehrt gewesen, sondern bei allen,
die ihn näher kannten. Als Zeichen der Dankbarkeit und Anerkennung
überreichte der Redner dem Scheidenden im Namen der Gemeinde eine goldene
Ihr. Die hiesige israelitische Gemeinde sieht Herrn Adler sehr ungern von
hier gehen, sie wird ihn stets in gutem Andenken halten. Möge es Herrn
Adler in seinem neuen Wirkungskreise Schweinfurt wohl
ergehen." |
Lehrer Uhlmann setzt sich für die jüdischen
Soldaten ein (1900)
Lehrer Uhlmann betreibt ein kleines Pensionat (1900)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 2. August 1900: "Der
Unterzeichnete nimmt Schüler, welche das hiesige 10klässige
Realgymnasium besuchen wollen, in Pension und wird
gewissenhafte Beaufsichtigung zugesichert. Lehrer H. Uhlmann,
Gmünd (Württemberg)." |
25-jähriges Ortsjubiläum von Lehrer Hermann Uhlmann (1925)
Artikel
in der "Jüdisch-liberalen Zeitung" vom 7. August 1925: "Gmünd.
Am Sonntag, den 19. Juli, konnte Religionslehrer Hermann Uhlmann auf eine
25-jährige Tätigkeit in der Gemeinde Gmünd zurückblicken. Die von der
Gemeinde veranstaltete Jubelfeier fand in dem schön geschmückten
Gotteshause statt. Sie war von ansprechend vorgetragenen Chören des
Synagogenchors umrahmt; die Soli hatte in liebenswürdiger Weise Kantor
Grünfeld - Baden-Baden übernommen.
Im Mittelpunkte der Feier stand die von Bezirksrabbiner Dr. Kroner - Oberdorf
gehaltene Festrede, die eindrucksvoll das treue Wirken des Jubilars
schilderte. Vorsteher Gustav Mayer würdigte nach einem Rückblick auf die
Geschichte der Gemeinde die verdienstvolle Tätigkeit ihres Lehrers und
Vorbeters. Im Namen des Vereins israelitischer Lehrer in Württemberg
überbrachte Religionslehrer E. Adler - Cannstatt
herzliche Glückwünsche, im Namen der Damen des Synagogenchors
gratulierte Frau Bankier Gutmann unter Überreichung eines
Ehrengeschenkes. Die Gemeinde und ihre Mitglieder hatten auch sonst
gewetteifert, ihrem Lehrer Beweise des Dankes und der Verehrung zu geben.
Die Feier verlief in voller Harmonie." |
Aus dem jüdischen Gemeindeleben
Die Bildung einer israelitischen Gemeinde in Schwäbisch Gmünd
(1890)
Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 26. September
1890: "Aus Württemberg, 22. September (1890). Während unsere
jüdischen Landgemeinden durch Wegzug kleiner werden, sich manche auch
schon ganz aufgelöst, bilden sich in Städten, wo vor 3 bis 4 Jahrzehnten
noch kein Israelit wohnte, neue Gemeinden. So bildete sich voriges Jahr
eine Gemeinde in Öhringen, und in dieser Woche hat das Königliche
Ministerium des Kultus in Anwendung des Artikels 49 des
Israelitengesetztes von 1828 die Bildung einer israelitischen Gemeinde in
Gmünd unter Zuteilung an das Rabbinat Oberdorf
verfügt." |
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Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 16. Oktober 1890:
"Stuttgart, 1. Oktober (1890). Der 'Staatsanzeiger' brachte in seinem
amtlichen Teile die Mitteilung des königlichen Ministeriums für Kirchen-
und Schulwesen, dass die israelitische Gemeinde in Schwäbisch Gmünd zur
selbständigen Kirchengemeinde erhoben und dem Rabbinatsbezirk Oberdorf
eingereiht wurde. Schwäbisch Gmünd, frühere Reichsstadt, hat im
Mittelalter zweimal seine jüdische Mitbürger ausgetrieben, und bis zu
Jahre 1805, wo es württembergisch wurde, durfte kein Jude die Stadt
betreten; Juden, die des Weges kamen, wurden durch eigenes bestellte
städtische Schergen, gegen zu erlegenden 'Judenzoll' und nach Anheftung
des gelben 'Judenflecks' um die Stadt und ihr Gebiet geführt. Salomon
Oberdorfer, Juwelier aus Kriegshaber, war der erste Jude, der (1806) nach
Jahrhunderten die Stadt Gmünd betrat. Jetzt hat sich daselbst eine
jüdische Gemeinde angesiedelt., die Stadt ist paritätisch, die
herrschende Kirche ist katholisch, und neben der evangelischen
Kirchengemeinde besteht nun auch eine israelitische, der die städtischen
bürgerlichen Kollegien unter Leitung der Oberbürgermeisters Dr. Seefried
in liberalster Weise einen Gebetsschal und sein Unterrichtslokal
überlassen haben." |
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde
Fritz Mayer wird zum Leutnant ernannt (Juni 1916)
Mitteilung
im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 23. Juni 1916:
"München. Max Weinberger - Bayreuth, Alfred und Fritz Kahn -
Mannheim und Student Fritz Mayer - Schwäbisch Gmünd wurden zu Leutnants
befördert." |
Fritz Mayer ist gefallen (Juli
1916)
Mitteilung
im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 28. Juli 1916:
"Schwäbisch Gmünd. Leutnant cand. rer. pol. Fritz Mayer,
Inhaber des bayerischen Militärverdienstkreuzes und des Eisernen Kreuzes,
ist - 23 Jahre alt - gefallen. Er war ein Sohn des hiesigen
Schuhfabrikanten David Mayer." |
Anzeigen
jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen
Anzeigen der Firma D. Heimann, Schwäbisch Gmünd
(1900 / 1909 / 1911)
Zur Geschichte des Betsaales /der Synagoge
Im Mittelalter lebten die Juden in einem relativ abgeschlossenen
Wohnbezirk, dem "Judenhof" südöstlich des Marktplatzes an der ehemaligen
Stadtmauer (Gasse von der Rinderbacher Gasse 6 zur Kornhausstraße; die
Bezeichnung "Judenhof" wurde bis 1936 beibehalten, dann der Imhofstraße
angegliedert). Im ehemaligen "Judenhof" befand sich die mittelalterliche Synagoge
anstelle des jetzigen Gebäudes Imhofstraße 11. Wegen Baufälligkeit wurde sie
1788 abgebrochen. Reste des Gebäudes sind in dem Nachfolgegebäude aufgegangen.
Bei der Synagoge befand sich der "Judenschulhof".
Ein rituelles Bad (noch heute im Volksmund "Judenbad")
befand sich im Haus Imhofstraße 9 (großes Kellergewölbe; 1991 hat man beim
Abbruch des im Kern aus romanischer Zeit stammenden Hauses Kornhausstraße 21
ein gemauertes Becken entdeckt, das gleichfalls eine Mikwe gewesen sein könnte).
Unweit davon lag die "Judenmühle" (sonst auch als "Überschlagmühle"
bezeichnet).
Nicht ganz geklärt ist, wieso die heutige Klarenbergstraße
im Südosten der Stadt auch "Judengasse" hieß. Möglicherweise hieß diese zum
Anwesen der Judenmühle führende Gasse zunächst "Judenmüllergasse". Ende des 15. Jahrhunderts waren das "Judenbad" (später "Spitalbad")
und die "Judenmühle" bereits nicht mehr in jüdischem Besitz.
Die jüdische Gemeinde des 19./20. Jahrhunderts
feierte ihre ersten Gottesdienste seit Herbst 1887 im neu erbauten Haus des
David Meyer (Rinderbacher Gasse 21, erster Gottesdienst war an Jom Kippur).
Bereits 1888 oder erst 1890 bis 1918 wurde im städtischen Gebäude
"Schmalzgrube" ein früherer Schulsaal als Betsaal unterhalten. 1918
zog die Gemeinde in den Bolzschützensaal des damaligen Hotels "Rad".
Letzteres scheint nicht das Richtige gewesen zu sein, da bereits auf den 1. Juli
1919 eine Kündigung erfolgte. 1919 eröffnete man einen Betsaal in einem Raum
im "Prediger" (früheres Dominikanerkloster, im 19. Jahrhundert in
eine Kaserne umgewandelt, daher auch als "Alte Kaserne bezeichnet",
Ecke Kasernenplatz, Freudental; Zugang zum Betsaal vom Freudental).
1925 konnte das Gebäude einer um 1905 gebauten ehemaligen
Fabrik (Zweiglesche Gold- und Silberwarenfabrik) in der Katharinenstraße 4/1
zum Preis von 22.000 RM erworben werden. Das Gebäude wurde durch den
Stuttgarter Architekten Ernst Guggenheimer zur Synagoge umgebaut. Die Kauf- und Umbaukosten wurden beglichen mit
einem Beitrag der Israelitischen Oberkirchenbehörde in Stuttgart, aber vor
allem durch Spenden bzw. Darlehen sämtlicher Gemeindemitglieder sowie auswärtiger
Freunde. Am 16. Mai 1926 fand die feierliche Einweihung statt: sechs Torarollen
konnten mit einem Festzug in das neue Gotteshaus gebracht werden. Unter den Gästen
waren auch Vertreter der jüdischen Gemeinden Stuttgart, Cannstatt, Göppingen
und Oberdorf, die Gegenstände zum Schmuck der Synagoge mitbrachten.
Bezirksrabbiner Dr. Kroner zündete während der Einweihungsfeier das Ewige
Licht, Stadtrabbiner Dr. Rieger überbrachte die Grüße des Oberrates der
Israelitischen Religionsgemeinschaft Württembergs. Ein Synagogenchor, begleitet
von den Klängen des in der Synagoge vorhandenen Harmoniums umrahmte die
einzelnen Teile der Feier.
Bereits im Mai 1934 wurde die Gmünder Synagoge im Inneren
schwer verwüstet. Es wurde eingebrochen, Torarollen wurden herausgerissen,
Gebetsmäntel und Bücher auf den Boden geworfen. Die Übeltäter wurden nicht
bestraft, sondern von der Kreisleitung der NSDAP gedeckt. Daraufhin wurde zur
Sicherung eine Dachwohnung für den Synagogendiener eingebaut. Die Synagoge
konnte wieder renoviert werden und diente bis 1938 als Mittelpunkt des jüdischen
Gemeindelebens. Nicht nur Gottesdienste, sondern auch kulturelle Veranstaltungen
fanden in dem Gebäude statt. So gab es am 31. März 1935 in der vollbesetzten
Synagoge eine Maimonides-Feier, verbunden mit einer Purim-Nachfeier, über die
die Gemeindezeitung berichtete: "Nach einleitendem stimmungsvollem
Harmoniumsspiel des Schülers Ernst Heimann begrüßte Gustav Meyer im Namen des
Vorsteheramts die Anwesenden. Auf den vom Abiturienten Richard Heimann
gesprochenen Prolog ‚Gedenket der Großen in Israel’ folgte der sinntiefe
Vortrag von Oberlehrer Dr. Wochenmark über Maimonides [...]. Sodann führte die
Schuljugend zwei kleine Theaterstücke religiösen Inhalts aus. Mit dem Gesang
von hebräischen Liedern wurde die eindrucksvolle Veranstaltung beschlossen".
Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge völlig
verwüstet. SA- und SS-Männer drangen am frühen Morgen des 10. November 1938
in das Gebäude ein, zerschlugen die Einrichtungsgegenstände und rissen den
Davidstern herunter.
Am 17. Mai 1939 wurde das Synagogengebäude an die
benachbarte Kreissparkasse (Gebäude mit Hofraum 8 a 83 qm zum Preis von 21.500
RM) verkauft. Anfang der 1950er-Jahre erfolgte der Abbruch des Synagogengebäudes.
Im Nachfolgebau der Kreissparkasse (Katharinenstraße 2) befindet sich seit
November 1979 in der Eingangshalle eine Gedenktafel
für die Synagoge. Auch im Neubau der Kreissparkasse (um 2000) wurde die
Gedenktafel angebracht.
Fotos
Historische Fotos:
(Quellen: Stadtarchiv Schwäbisch Gmünd)
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| Die Synagoge Schwäbisch
Gmünd. Zeichnung von Alois Baumhauer (1931). |
Einweihung der Synagoge
Schwäbisch Gmünd 1926. |
Innenansicht der Gmünder
Synagoge mit Blick zum Toraschrein. Links Gedenktafel für die Gefallenen
des 1. Weltkrieges |
Fotos nach 1945/Gegenwart:
Fotos um 1985:
(Fotos: Hahn) |
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Seit 1939 gehört das
ehemalige Synagogengrundstück der Kreissparkasse, die es neu überbaute |
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1979 wurde oberhalb der
Bankfächer im Eingangsbereich diese Gedenktafel angebracht |
Die Gedenktafel |
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Foto 2003:
(Foto links: Hahn, Aufnahmedatum 5.9.2003;
Fotos Mitte/rechts: H. Kreuttner, Aufnahmedatum 7.11.2003) |
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| Neubau der Kreissparkasse auf
dem ehemaligen Synagogenplatz |
Links an der Wand in der
Schalterhalle: die Gedenktafel |
Die Gedenktafel für die
Synagoge |
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Text
(Aus: Ernst Lämmle, Weg und Schicksal der Gmünder Juden,
zitiert aus Rosch Haschana 5728. Oktober 1967. Hg. von der Israelitischen
Religionsgemeinschaft Stuttgart S. 20).
Die Einweihung der Synagoge war ein großes Fest; dieser Tag stellte wohl den
Höhepunkt im 50jährigen Bestehen der Gemeinde dar. Erschienen waren neben den
offiziellen Vertretern auch Abgesandte anderer Gemeinden im Lande. Beide hiesige
Zeitungen von damals, die Remszeitung und die Gmünder Zeitung, rühmen den
Opfersinn und den Eifer, mit dem die Gemeinde den Gedanken eines eigenen
Gotteshauses verwirklicht habe. Von der Feier erzählen uns die Berichte der
beiden Zeitungen und die Fotos...
Der Bericht der Gmünder Zeitung vom 17. Mai 1926 spielt auf die frühere Verwendung
des Gebäudes an, wenn er sagt: "Unterhalb der Oberamtssparkasse, an der
Stätte, wo viele Jahre hindurch fleißige kunstgeübte Hände das Edelmetall zu
Schmuck- und Kunstgegenständen verarbeiteten, ist nun ein Bethaus
entstanden." Den Umbau hatte Regierungsbaumeister Bloch aus Stuttgart
durchgeführt. Die Zeitungen loben, dass er mit einfachen Mitteln einen
stimmungsvollen Raum geschaffen habe. Bei der Feier sprach Margot Gutmann, die
Tochter von Bankier Siegfried Gutmann, den Prolog. Lehrer Uhlmann hielt nach der
Schlüsselübergabe die Begrüßungsansprache (siehe Foto
oben), worauf Oberrechnungsrat Scheel für den erkrankten Oberbürgermeister
Lülling die Glückwünsche der Stadt überbrachte. Unter Harmoniumsklängen
erfolgte dann der Einzug in das neue Gotteshaus. Die Tora-Rollen, auf denen nach
alter Überlieferung die fünf Bücher Moses handschriftlich auf Pergament
aufgezeichnet sind, wurden in die heilige Lade gebracht und dort eingeschlossen.
Diese Tora-Rollen waren zuvor in feierlichem Aufzug mit Kutschen vom Betsaal in
der Alten Kaserne zum neuen Gotteshaus überführt worden. Ein bedeutsamer
Augenblick war auch die Entzündung des Ewigen Lichts durch Rabbiner Dr. Kroner,
wobei dieser die Worte sprach: "Entflamme du Licht des Geistes, der
Wahrheit, der Hoffnung und des Friedens." In seiner Weiherede deutete der
Oberdorfer Rabbiner das neue Bethaus als eine Stätte des Lichts, der Freude und
des Rechts und bezeichnete sie als Eingangspforte zum Himmel...
Stadtrabbiner Dr. Paul Rieger, Stuttgart, ging in seiner Festansprache auch
auf die Geschichte der Judengemeinde Gmünd im Mittelalter ein und hob hervor,
dass schon im Jahr 1258 die Gmünder Juden ein eigenes Gotteshaus mit Schule
gegründet hätten.
Rieger pries die neue Synagoge als "Stätte der Einigung und
Versöhnung, als Tempel der Liebe und echten Gemeinschaftsgeist"
(Remszeitung vom 17.5.1926). Er dankte den Männern, die in besonderer Weise
sich um das Werk verdient gemacht hätten: Gustav Mayer und Alfred Metz, und
bemerkte dazu: "Wer ein Gotteshaus stiftet, baut sich einen Gottesthron im
Herzen". Bei der Feier wirkte auch der Synagogenchor mit unter Leitung von
Lehrer Uhlmann. Die Begleitung der Chöre hatte Studienrat Wehenmann vom
katholischen Lehrerseminar übernommen, ein schönes Zeichen
christlich-jüdischer Zusammenarbeit in jenen Tagen...
Links und Literatur
Links:
links: Stadtrundgang mit Ortrud Seidel, hier vor dem ehemaligen
Synagogengrundstück (siehe Link oben)
Literatur:
 | Paul Sauer: Die jüdischen Gemeinden in Württemberg und Hohenzollern. 1966. S.
158-161. |
 | Germania Judaica III,2 S.1332-1340. |
 |
Joachim-Albrecht Grimm: Zur Geschichte der
Juden in Schwäbisch Gmünd, Zulassungsarbeit zur ersten Dienstprüfung für
das Lehramt an Volksschulen in Baden-Württemberg. Pädagogische Hochschule Schwäbisch Gmünd. 1962. |
 |
Ernst Lämmle: Die Gmünder
Juden. Wege und Schicksale 1861-1945. Stadtarchiv Schwäbisch Gmünd 1979.
Neuauflage 1999. |
 |
Geschichte der Stadt Gmünd. Hg.
vom Stadtarchiv Schwäbisch Gmünd. 1984. |
 |
Richard Strobel: Die Kunstdenkmäler
der Stadt Schwäbisch Gmünd 3. 1995 S. 110f (zum Haus Imhofstraße 9). |
 | Klaus Jürgen Herrmann: Zur Geschichte der
Juden in Schwäbisch Gmünd im Mittelalter, Einhorn-Jahrbuch 1995. als
pdf-Datei im Internet: zum Download hier
anklicken |
 |
Klaus Graf: Kein Judenghetto in
Gmünd. Wo lag die älteste Synagoge der Stadt, in: Remszeitung 7.4.1983. |
 |
ders.: Schwäbisch Gmünd im 14. Jahrhundert.
Vortrag am 7. Juni 1999 (http://www.uni-freiburg.de/histsem/mertens/graf/gd14.htm) |

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the
Holocaust".
First published in 2001 by NEW
YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad
Vashem Jerusalem, Israel.
Schwaebisch Gmuend
Wuerttemberg. Jews are first mentioned in 1241 and in 1258 were living in Jewish
quarter (preserved until 1936) that included a synagogue, mikve, and school.
Many were murdered in the Rindfleisch massacres of 1298 and the settlement was
destroyed in the Black Death persecutioon of 1348-49. It was reestablished in
1392 but ended when the Jews were expelled in 1501.
It was officially renewed only in 1861 when sons of Jewish
businessmen in nearby settlements came there to set up factories and other
enterprises, including the town's first private bank. The prosperous community
numbered 97 in 1890 (total 16,817), with a synagogue dedicated in 1926. Among
Jewish businesses were a department store, movie theater, bus company, and toy
factory. Though Jews were prominent in the life of the city despite their small
numbers, there was also a measure of social ostacism. Under Nazi rule the
situation of the Jews gradually worsened. Most of the Jews hat to sell their
businesses and on Kristallnacht (9-10 November 1938) the synagogue was
vandalized. Of the 90 Jews in the town in 1933, 60-65 emigrated, mostly to the
United States and Palestine; around 20 were expelled to the east, only one
surviving.

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