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zu den Synagogen in
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Schwäbisch Gmünd (Ostalbkreis)
Jüdische Geschichte / Betsaal/Synagoge
Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english
version)
In der bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts freien Reichsstadt Schwäbisch Gmünd
bestand eine jüdische Gemeinde im Mittelalter und im 19./20.
Jahrhundert.
Erstmals werden Juden 1241/42 (Reichssteuerliste) in der Stadt genannt.
Die Judenverfolgung während der Pestzeit 1349 vernichtete die Gemeinde.
Erst 1412 werden wieder Juden in der Stadt erwähnt. 1469 wurden erstmals, 1501
zum zweiten Mal die Juden aus der Stadt gewiesen.
Zu den mittelalterlichen Einrichtungen siehe unten bei der Geschichte
der Synagoge.
Im 19. Jahrhundert ist nach Zuzug mehrerer jüdischer Familien eine jüdische
Privatgemeinde 1888 gegründet worden, die 1890 von der Israelitischen
Oberkirchenbehörde in den Landesverband der württembergischen Gemeinden
aufgenommen wurde. Diese Gemeinde bestand bis 1939.
Die Zahl der jüdischen Einwohner entwickelte sich seit Mitte des 19.
Jahrhunderts wie folgt: 1861 zwei jüdische Familien, 1867 22 jüdische
Einwohner (0,3 % von insgesamt 8.027 Einwohnern), 1880 49 (0,4 % von 13.774),
1886 67; 1890 höchste Zahl jüdischer Einwohner mit 97 Personen (0,6 % von
insgesamt 16.817), 1900 81 (0,4 % von 18.675), 1910 73 (0,3 % von 21.312).
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge und eine
Religionsschule. 1932 wird auch eine Gemeindebibliothek genannt. Die Toten der
Gemeinde wurden im jüdischen Friedhof
in Oberdorf beigesetzt. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war
ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war.
Unter den Lehrern ist insbesondere Hermann Uhlmann zu nennen, der von
1900 bis 1932 die das jüdische Gemeindeleben in Schwäbisch Gmünd prägende
Persönlichkeit war. Die Gemeinde gehörte zum Bezirksrabbinat Oberdorf
(1932 nach Göppingen
zugeteilt).
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde: Gefreiter Wilhelm
Fuchs (geb. 18.8.1889 in Gmünd, gef. 16.2.1915), Alfred Kahn (geb. 15.8.1897 in
Gmünd, gef. 25.5.1917), Hugo Lehmann (geb. 4.10.1890 in Rexingen, gef.
25.8.1915) und Leutnant Fritz Mayer (geb. 23.8.1892 in Gmünd, gef. 19.7.1916).
David Gutmann errichtete 1916 eine Stiftung in Höhe von 20.000 Mark zugunsten
bedürftiger Kriegsinvaliden und deren Angehörigen.
Unter den jüdischen Einwohnern gab es Geschäftsleute, kaufmännische
Angestellte, Vertreter, Fabrikanten und Händler. Bis nach 1933 bestanden an Gewerbebetrieben
in jüdischem Besitz: Textilhandlung Ella Fuchs (Marktplatz 26), Textilhandlung
Samuel Fuchs, Inh. Max Marberg (Bocksgasse 25), Schuhwarenhandlung R. Altschüler
GmbH Heidelberg und Bank Gutmann & Naschold KG (Kornhausstraße 4),
Rechtsanwalt David Heimann (Kornhausstraße 10), Textilhandlung D. Heimann, Inh.
Sofie und Ludwig Heimann (Marktplatz 29), Groß-Silberwarenfabrik Fa. Käser
& Uhlmann UHG (Gemeindehausstraße 14), Lederhandlung Emil Laster
(Nikolausgasse 7, Familie wohnt Kapuzinergasse 4), Viehhandlung Isidor Lemberger
(Lorcher Straße 22), Schuhfabrik Fa. J.R. Mayer, Inh. Gustav Mayer (Vordere
Schmidgasse 20), Warenhaus Alfred Meth (Bocksgasse 29), Viehhandlung Max
Neumaier (Sebaldstraße 10), Viehhandlung Karl Rothschild (Vordere Schmidgasse
18), Viehhandlung Rudolf und Carl Rothschild (Bahnhofstraße 10). Weitere
Adressen jüdischer Einwohner waren: Louis Phillip Wallach (Allé-Straße 4),
Familie Harry Sonneberg (Kleine Leutzestraße 1), Familie Arnold Kahn (Königsturmstraße
5).
Um 1925, als zur jüdischen Gemeinde 77 Personen gehörten (0,4 % von
insgesamt 20.438 Einwohnern), waren die Gemeindevorsteher Religionslehrer
Hermann Uhlmann, Gustav Mayer und Alfred Metz. Lehrer Uhlmann erteilte im
Schuljahr 1923/24 vier jüdischen Kindern den Religionsunterricht (1931/32 zehn
Kinder). Zur jüdischen Gemeinde in Gmünd gehörten auch die in Aalen und
Schorndorf lebenden jüdischen Personen. An jüdischen Vereinen bestand
der Wohltätigkeitsverein Gemillus chassodim. Von 1932 bis 1934 war
Religionslehrer in Gmünd Moritz Warscher.
1933 lebten 90 jüdische Personen in Schwäbisch Gmünd (0,4 % von
insgesamt 20.131 Einwohnern). In den folgenden Jahren ist ein Teil der jüdischen
Gemeindeglieder auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts, der
zunehmenden Entrechtung und der Repressalien weggezogen beziehungsweise
ausgewandert. Bereits 1932 hatten auf dem Marktplatz der Stadt Propagandaumzüge
der SA mit dem Ruf "Deutschland erwache - Juda verrecke!"
stattgefunden. Zwischen 1936 und 1938 mussten alle jüdischen Geschäfte schließen:
sie wurden verkauft oder bis Ende 1938 "zwangsarisiert". Bereits 1934
wurde die Inneneinrichtung der Synagoge demoliert; über die Ereignisse beim
Novemberpogrom 1938 s.u. Seit 1934 war als Religionslehrer in Schwäbisch Gmünd
Dr. Joseph Wochenmark tätig. Er zog 1940 nach Stuttgart und starb an Suizid am
8. März 1943 unmittelbar vor der Deportation (bei seiner Frau misslang der
Suizid; sie wurde 1944 in Auschwitz ermordet). 1939 wurden noch 22 jüdische
Einwohner gezählt (0,1 % von 20.680 Einwohnern). Die letzten jüdischen
Einwohner mussten zu Beginn des Zweiten Weltkrieges in besondere "Judenhäuser"
ziehen (Königsturmstraße 18, Becherlehenstraße 1/2), später in das "Lülligdorf",
einer Einfachstsiedlung für Obdachlose aus den 1920er-Jahren an der Mutlanger
Straße. Von hier wurden die noch verbliebenen jüdischen Einwohner in die
Vernichtungslager abtransportiert.
Von den in Schwäbisch Gmünd geborenen und/oder längere Zeit am Ort
wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den
Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den
Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Irma Bahl geb.
Gutter (1888), Dorothea Cohn geb. Meth (1904), Arthur Fuchs (1888), Ella Bertha
Fuchs (1881), Eugen Gutmann (1890), Fanny Heimann (1870), Hermann Ludwig Heimann
(1880), Hans Jontofsohn (1911), Leopold Kahn (1898), Julius Kaufmann (1918),
Berta Lauchheimer geb. Bernheim (1888), Heinz Lemberger (1926), Isidor Lemberger
(1875), Kurt Max Lemberger (1924), Martha Levi geb. Fuchs (1883), Eugenie Levy
geb. Fuchs (1885), Jeanette Mayer geb. Meyer (1865), Emma Mendel (1878), Laura
Mendel (1882), Moses Max Neumaier (1864), Regina Rosina Neumaier geb. Kahn
(1871), Sofie Reis geb. Kahn (1876), Martha Rosenthal (1896), Edwin Spiro
(1903), Louis Wallach (1863), Moritz Warscher (1902), Bella Wochenmark geb.
Freudenthal (1887).
Hinweis: am 13. April 2012 wurden in Schwäbisch Gmünd erstmals sechs
"Stolpersteine" für frühere jüdische Familien verlegt:
für Angehörige der Familie Heimann und der Familie Kahn: vor dem Haus Marktplatz 29
für Sofie Heimann, am Gebäude Ledergasse 12 für Leopold, Selma und Abraham Kahn, an der Uferstraße 48
für Hermann und Fanny Heimann. Am 10. November 2012 wurden weitere acht
"Stolpersteine" verlegt: in der Moltkestraße 27 für Kurt Max und Heinz Lemberger,
in der Vorderen Schmidgasse 18 für Karl Rothschild; in der Nikolausgasse 7 für
Emma Mendel, in der Sebaldstraße 10 für Regina Rosina und Max Moses Neumaier,
in der Mörikestraße 12 für Sophie Mayer und in der Katharinenstraße 11 für Laura
Mendel.
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer
Ausschreibung der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet
1900
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. Februar 1900: "Offene
Stelle! Bei der israelitischen Gemeinde in Schwäbisch Gmünd ist
die Stelle eines Religionslehrers, Vorsängers und Vorbeters,
sowie geprüften Schächters vakant. Das Einkommen berechnet sich
jährlich auf Mark 1.200.- Der Dienst ist ein äußerst leichter und wenig
zeitraubend, sodass tüchtigen jungen Kandidaten genügend Gelegenheit
geboten ist, sich in hiesiger Stadt mit 18.000 Einwohnern noch ein
hübsches Nebenverdienst erwerben zu können. Reflektierende wollen ihre
Zeugnisse an das Israelitische Vorsteheramt einsenden, welches zu
jeder weiteren Auskunft gerne bereit ist. Die Bestätigung der Wahl bleibt
der Königlichen Israelitischen Oberkirchenbehörde vorbehalten.
Israelitisches . I.V.: H.
Gutmann". |
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| Auf die Ausschreibung bewarb sich
erfolgreich Lehrer Hermann Uhlmann. |
Abschied von Lehrer Adler (1895)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. Februar 1895: "Schwäbisch
Gmünd. Eine solenne Abschiedsfeier zu Ehren des von hier scheidenden
Herrn Lehrer Adler, die durch die Anwesenheit des Herrn Kirchenrat Dr.
Kroner - Stuttgart noch besondere Weihe erhielt, versammelte Samstag
Abend, 2. Februar, die Mitglieder der hiesigen israelitischen Gemeinde.
Nachdem der 1. Synagogenvorstand, Herr Hermann Gutmann die vollzählig
erschienenen Gemeindemitglieder mit ihren Familienangehörigen begrüßt
hatte, ergriff Herr David Mayer das Wort und rühmte die großen
Verdienste des Scheidenden, die sich derselbe während seiner 6-jährigen
Tätigkeit um das hiesige Gemeindewesen, den Gottesdienst und ganz
besonders die Erziehung der Jugend erworben hat. Aber nicht nur bei seinen
Glaubensgenossen sei er geachtet und geehrt gewesen, sondern bei allen,
die ihn näher kannten. Als Zeichen der Dankbarkeit und Anerkennung
überreichte der Redner dem Scheidenden im Namen der Gemeinde eine goldene
Ihr. Die hiesige israelitische Gemeinde sieht Herrn Adler sehr ungern von
hier gehen, sie wird ihn stets in gutem Andenken halten. Möge es Herrn
Adler in seinem neuen Wirkungskreise Schweinfurt wohl
ergehen." |
Lehrer Hermann Uhlmann setzt sich für die jüdischen
Soldaten ein (1900)
Anmerkung: Lehrer Hermann Uhlmann (geb. 1861 in Oberdorf, gest. 1935 in
Schwäbisch Gmünd) war seit 1892 (in Lauchheim) mit Jenny geb. Wolf verheiratet
(geb. 1871 in Oberdorf, gest. 1931 in Gmünd). Die beiden hatten vier Kinder:
Alfred (geb. 1894 in Lauchheim), Max (geb. 1897 in Lauchheim), Siegfried (geb.
1902 in Gmünd) und Karl Jakob (geb. 1907 in Gmünd).
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 10. Dezember 1900: "Schwäbisch
Gmünd. Auf eine Eingabe des hiesigen Vorsängers, Herrn Uhlmann, an
das Bat.-Kommando, wurde sofort Verfügung getroffen, dass die jüdischen
Soldaten jeden Samstag dem Gottesdienste beiwohnen
können." |
Lehrer Hermann Uhlmann betreibt ein kleines Pensionat (1900)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 2. August 1900: "Der
Unterzeichnete nimmt Schüler, welche das hiesige 10klässige
Realgymnasium besuchen wollen, in Pension und wird
gewissenhafte Beaufsichtigung zugesichert.
Lehrer H. Uhlmann,
Gmünd (Württemberg)." |
25-jähriges Ortsjubiläum von Lehrer Hermann Uhlmann (1925)
Artikel
in der "Jüdisch-liberalen Zeitung" vom 7. August 1925: "Gmünd.
Am Sonntag, den 19. Juli, konnte Religionslehrer Hermann Uhlmann auf eine
25-jährige Tätigkeit in der Gemeinde Gmünd zurückblicken. Die von der
Gemeinde veranstaltete Jubelfeier fand in dem schön geschmückten
Gotteshause statt. Sie war von ansprechend vorgetragenen Chören des
Synagogenchors umrahmt; die Soli hatte in liebenswürdiger Weise Kantor
Grünfeld - Baden-Baden übernommen.
Im Mittelpunkte der Feier stand die von Bezirksrabbiner Dr. Kroner - Oberdorf
gehaltene Festrede, die eindrucksvoll das treue Wirken des Jubilars
schilderte. Vorsteher Gustav Mayer würdigte nach einem Rückblick auf die
Geschichte der Gemeinde die verdienstvolle Tätigkeit ihres Lehrers und
Vorbeters. Im Namen des Vereins israelitischer Lehrer in Württemberg
überbrachte Religionslehrer E. Adler - Cannstatt
herzliche Glückwünsche, im Namen der Damen des Synagogenchors
gratulierte Frau Bankier Gutmann unter Überreichung eines
Ehrengeschenkes. Die Gemeinde und ihre Mitglieder hatten auch sonst
gewetteifert, ihrem Lehrer Beweise des Dankes und der Verehrung zu geben.
Die Feier verlief in voller Harmonie." |
Aus dem jüdischen Gemeindeleben
Die Bildung einer israelitischen Gemeinde in Schwäbisch Gmünd
(1890)
Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 26. September
1890: "Aus Württemberg, 22. September (1890). Während unsere
jüdischen Landgemeinden durch Wegzug kleiner werden, sich manche auch
schon ganz aufgelöst, bilden sich in Städten, wo vor 3 bis 4 Jahrzehnten
noch kein Israelit wohnte, neue Gemeinden. So bildete sich voriges Jahr
eine Gemeinde in Öhringen, und in dieser Woche hat das Königliche
Ministerium des Kultus in Anwendung des Artikels 49 des
Israelitengesetztes von 1828 die Bildung einer israelitischen Gemeinde in
Gmünd unter Zuteilung an das Rabbinat Oberdorf
verfügt." |
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Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 16. Oktober 1890:
"Stuttgart, 1. Oktober (1890). Der 'Staatsanzeiger' brachte in seinem
amtlichen Teile die Mitteilung des königlichen Ministeriums für Kirchen-
und Schulwesen, dass die israelitische Gemeinde in Schwäbisch Gmünd zur
selbständigen Kirchengemeinde erhoben und dem Rabbinatsbezirk Oberdorf
eingereiht wurde. Schwäbisch Gmünd, frühere Reichsstadt, hat im
Mittelalter zweimal seine jüdische Mitbürger ausgetrieben, und bis zu
Jahre 1805, wo es württembergisch wurde, durfte kein Jude die Stadt
betreten; Juden, die des Weges kamen, wurden durch eigenes bestellte
städtische Schergen, gegen zu erlegenden 'Judenzoll' und nach Anheftung
des gelben 'Judenflecks' um die Stadt und ihr Gebiet geführt. Salomon
Oberdorfer, Juwelier aus Kriegshaber, war der erste Jude, der (1806) nach
Jahrhunderten die Stadt Gmünd betrat. Jetzt hat sich daselbst eine
jüdische Gemeinde angesiedelt., die Stadt ist paritätisch, die
herrschende Kirche ist katholisch, und neben der evangelischen
Kirchengemeinde besteht nun auch eine israelitische, der die städtischen
bürgerlichen Kollegien unter Leitung der Oberbürgermeisters Dr. Seefried
in liberalster Weise einen Gebetsschal und sein Unterrichtslokal
überlassen haben." |
Auszeichnung für den Gemeindegründer Bankier Hermann Gutmann (1901)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 19. September 1901: "Schwäbisch
Gmünd. Vor zwölf Jahren gelang es der energischen Initiative des
Herrn Bankier Hermann Gutmann, die hiesigen israelitischen
Einwohner zu einer Gemeinde zu vereinigen und seit dieser Zeit vertrat
Herr Gutmann die Interessen derselben als Vorsteher und Gemeindepfleger in
opferwilliger und selbstloser Weise in den schwierigsten Verhältnissen;
jetzt ist es seinen rastlosen Bemühungen zu danken, dass die Lehrerstelle
in eine definitive umgewandelt wurde und dadurch stabile Verhältnisse
herrschen.
Ihrer Anerkennung der außerordentlich fruchtbringenden, mühevollen
Tätigkeit ihres Vorstandes, wollte die Gemeinde durch Überreichung eines
silbernen Pokals Ausdruck verleihen, was dieser Tage durch eine Deputation
des Kirchenvorsteheramtes, den Herren Fabrikant Gustav Mayer und
Lehrer Uhlmann geschah, letzterer sprach namens der Gemeinde
herzlichsten Dank aus für all' die Arbeit und Fürsorge, die der Geehrte
in zwölfjähriger Tätigkeit der Gemeinde gewidmet hatte und betonte,
dass diese nur einen kleinen Tribut ihrer Dankbarkeit zollen will, mit dem
Wunsche, dass es Herrn Gutmann noch recht lange vergönnt sein möge,
diesen Becher zu leeren.
Herr Gutmann gab sowohl seiner Überraschung über die unerwartete Ehrung,
wie auch seiner herzlichen Freude über diese Aufmerksamkeit beredten
Ausdruck und versprach, auf für die Zukunft nach Kräften die Interessen
der Gemeinde wahren zu wollen." |
Vortrag von Rabbiner Dr. Beermann vor jüdischen und christlichen Zuhörern
(1927)
Artikel
in der "CV-Zeitung" vom 28. Januar 1927: "In Schwäbisch
Gmünd sprach am 9. Januar 1927 Bezirksrabbiner Dr. Beermann
(Heilbronn) über 'Der Talmud im Lichte der Kulturphilosophie'.
Außer der israelitischen Gemeinde hatten sich eine erhebliche Anzahl
christlicher Zuhörer, darunter der Oberbürgermeister und die Geistlichen
beider Konfessionen, eingefunden. Der Redner verstand es meisterlich, in
überaus klarer, überzeugender Weise den Inhalt und die Entstehung des
Talmud den Zuhörern vorzuführen, Missverständnisse aufzuklären und den
hohen Wert dieses großartigen Werkes für das Judentum
nachzuweisen.
Eine der Ortszeitungen fasst den Eindruck so zusammen: 'Wohlbefriedigt und
innerlich bereichert gingen die zahlreichen Zuhörer nach Hause. Der
Vortrag war äußerst lehrreich, überaus klar und
allgemeinverständlich.' Wir beglückwünschen unserer Ortsgruppe und den
Redner zu diesem schönen Erfolge." |
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde
Fritz Mayer wird zum Leutnant ernannt (Juni 1916)
Mitteilung
im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 23. Juni 1916:
"München. Max Weinberger - Bayreuth, Alfred und Fritz Kahn -
Mannheim und Student Fritz Mayer - Schwäbisch Gmünd wurden zu Leutnants
befördert." |
Fritz Mayer ist gefallen (Juli
1916)
Mitteilung
im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 28. Juli 1916:
"Schwäbisch Gmünd. Leutnant cand. rer. pol. Fritz Mayer,
Inhaber des bayerischen Militärverdienstkreuzes und des Eisernen Kreuzes,
ist - 23 Jahre alt - gefallen. Er war ein Sohn des hiesigen
Schuhfabrikanten David Mayer." |
Anzeigen
jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen
Anzeigen der Firma D. Heimann, Schwäbisch Gmünd (1895
/ 1900 / 1909 / 1911)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 3. Mai 1895:
"Bestecke in Silber und Alfenide
liefert zu Fabrikpreisen
D. Heimann, Gmünd
(Württemberg)." |
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Anzeige
in der Zeitschrift
"Der Israelit" vom
13. Juni
1900: |
Anzeige
in der Zeitschrift
"Der Israelit" vom
29. Juli
1909: |
Anzeige
in der Zeitschrift
"Der Israelit" vom
3. August
1911: |
Verlobungsanzeige von Hertha Meth und Max Anguli (1928)
Anmerkung: Hertha Meth war eine Tochter von Alfred Meth und seiner Frau Flora
geb. Appel. Hertha hatte noch drei Geschwister: Elfriede (genannt Friedel; geb.
1901), Thea (geb. 1904) und Manfred (geb. 1906).
Alfred Meth war Inhaber des um 1920 größten Kaufhauses im Remstal (in
Schwäbisch Gmünd, Bocksgasse 29). 1927 eröffnete er ein Kino (Gamundia-Lichtspiele).
In der NS-Zeit wurden das Kaufhaus und das Kino 1933 boykottiert. 1936 musste
Meth beides zwangsweise verkaufen. Alfred und Flora Meth verzogen zur ältesten
Tochter Elfriede, die mit dem Kantor und Lehrer der jüdischen Gemeinde in
Baden-Baden Max Grünfeld verheiratet war. 1940 wurden sie nach Gurs deportiert.
Beide haben die Kriegszeit in Frankreich überlebt und sind 1945 in die USA
ausgewandert. Alfred Meth starb 1960 in St. Petersburg / Florida.
Die Tochter Hertha Anguli lebte mit ihrem Mann Max seit 1935 in Palästina/Israel
und nannte sich hier Hannah Anguli (die Tochter Esther später eine verheiratete
Profuss).
Anzeige in der "CV-Zeitung" (Zeitschrift des
"Central-Vereins") vom 12. Oktober 1928:
"Hertha Meth - Max Anguli. Verlobte.
Gmünd (Württemberg) - Berlin." |
Verlobungsanzeige von Rosy Blumenthal und Leo Lemberger
(1933)
Anmerkung: Leo Lemberger war der 1898 geborene Sohn von David Lemberger und Emma
geb. Maier.
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 16. März 1933: "Gott
sei gepriesen.
Rosy Blumenthal - Leo Lemberger. Verlobte.
Fulda - Stuttgart/Schwäbisch Gmünd. Adar 5693 (Februar/März 1933). |
Zur Geschichte des Betsaales /der Synagoge
Im Mittelalter lebten die Juden in einem relativ abgeschlossenen
Wohnbezirk, dem "Judenhof" südöstlich des Marktplatzes an der ehemaligen
Stadtmauer (Gasse von der Rinderbacher Gasse 6 zur Kornhausstraße; die
Bezeichnung "Judenhof" wurde bis 1936 beibehalten, dann der Imhofstraße
angegliedert). Im ehemaligen "Judenhof" befand sich die mittelalterliche Synagoge
anstelle des jetzigen Gebäudes Imhofstraße 11. Wegen Baufälligkeit wurde sie
1788 abgebrochen. Reste des Gebäudes sind in dem Nachfolgegebäude aufgegangen.
Bei der Synagoge befand sich der "Judenschulhof".
Ein rituelles Bad (noch heute im Volksmund "Judenbad")
befand sich im Haus Imhofstraße 9 (großes Kellergewölbe; 1991 hat man beim
Abbruch des im Kern aus romanischer Zeit stammenden Hauses Kornhausstraße 21
ein gemauertes Becken entdeckt, das gleichfalls eine Mikwe gewesen sein könnte).
Unweit davon lag die "Judenmühle" (sonst auch als "Überschlagmühle"
bezeichnet).
Nicht ganz geklärt ist, wieso die heutige Klarenbergstraße
im Südosten der Stadt auch "Judengasse" hieß. Möglicherweise hieß diese zum
Anwesen der Judenmühle führende Gasse zunächst "Judenmüllergasse". Ende des 15. Jahrhunderts waren das "Judenbad" (später "Spitalbad")
und die "Judenmühle" bereits nicht mehr in jüdischem Besitz.
Die jüdische Gemeinde des 19./20. Jahrhunderts
feierte ihre ersten Gottesdienste seit Herbst 1887 im neu erbauten Haus des
David Meyer (Rinderbacher Gasse 21, erster Gottesdienst war an Jom Kippur).
Bereits 1888 oder erst 1890 bis 1918 wurde im städtischen Gebäude
"Schmalzgrube" ein früherer Schulsaal als Betsaal unterhalten. 1918
zog die Gemeinde in den Bolzschützensaal des damaligen Hotels "Rad".
Letzteres scheint nicht das Richtige gewesen zu sein, da bereits auf den 1. Juli
1919 eine Kündigung erfolgte. 1919 eröffnete man einen Betsaal in einem Raum
im "Prediger" (früheres Dominikanerkloster, im 19. Jahrhundert in
eine Kaserne umgewandelt, daher auch als "Alte Kaserne bezeichnet",
Ecke Kasernenplatz, Freudental; Zugang zum Betsaal vom Freudental).
1925 konnte das Gebäude einer um 1905 gebauten ehemaligen
Fabrik (Zweiglesche Gold- und Silberwarenfabrik) in der Katharinenstraße 4/1
zum Preis von 22.000 RM erworben werden. Das Gebäude wurde durch den
Stuttgarter Architekten Ernst Guggenheimer zur Synagoge umgebaut. Die Kauf- und Umbaukosten wurden beglichen mit
einem Beitrag der Israelitischen Oberkirchenbehörde in Stuttgart, aber vor
allem durch Spenden bzw. Darlehen sämtlicher Gemeindemitglieder sowie auswärtiger
Freunde. Am 16. Mai 1926 fand die feierliche Einweihung statt: sechs Torarollen
konnten mit einem Festzug in das neue Gotteshaus gebracht werden. Unter den Gästen
waren auch Vertreter der jüdischen Gemeinden Stuttgart, Cannstatt, Göppingen
und Oberdorf, die Gegenstände zum Schmuck der Synagoge mitbrachten.
Bezirksrabbiner Dr. Kroner zündete während der Einweihungsfeier das Ewige
Licht, Stadtrabbiner Dr. Rieger überbrachte die Grüße des Oberrates der
Israelitischen Religionsgemeinschaft Württembergs. Ein Synagogenchor, begleitet
von den Klängen des in der Synagoge vorhandenen Harmoniums umrahmte die
einzelnen Teile der Feier.
Zur Einweihung der Synagoge 1926
|
Aus: Ernst Lämmle, Weg und Schicksal der Gmünder Juden,
zitiert aus Rosch Haschana 5728. Oktober 1967. Hg. von der Israelitischen
Religionsgemeinschaft Stuttgart S. 20).
Die Einweihung der Synagoge war ein großes Fest; dieser Tag stellte wohl den
Höhepunkt im 50jährigen Bestehen der Gemeinde dar. Erschienen waren neben den
offiziellen Vertretern auch Abgesandte anderer Gemeinden im Lande. Beide hiesige
Zeitungen von damals, die Remszeitung und die Gmünder Zeitung, rühmen den
Opfersinn und den Eifer, mit dem die Gemeinde den Gedanken eines eigenen
Gotteshauses verwirklicht habe. Von der Feier erzählen uns die Berichte der
beiden Zeitungen und die Fotos...
Der Bericht der Gmünder Zeitung vom 17. Mai 1926 spielt auf die frühere Verwendung
des Gebäudes an, wenn er sagt: "Unterhalb der Oberamtssparkasse, an der
Stätte, wo viele Jahre hindurch fleißige kunstgeübte Hände das Edelmetall zu
Schmuck- und Kunstgegenständen verarbeiteten, ist nun ein Bethaus
entstanden." Den Umbau hatte Regierungsbaumeister Bloch aus Stuttgart
durchgeführt. Die Zeitungen loben, dass er mit einfachen Mitteln einen
stimmungsvollen Raum geschaffen habe. Bei der Feier sprach Margot Gutmann, die
Tochter von Bankier Siegfried Gutmann, den Prolog. Lehrer Uhlmann hielt nach der
Schlüsselübergabe die Begrüßungsansprache (siehe Foto
oben), worauf Oberrechnungsrat Scheel für den erkrankten Oberbürgermeister
Lülling die Glückwünsche der Stadt überbrachte. Unter Harmoniumsklängen
erfolgte dann der Einzug in das neue Gotteshaus. Die Tora-Rollen, auf denen nach
alter Überlieferung die fünf Bücher Moses handschriftlich auf Pergament
aufgezeichnet sind, wurden in die heilige Lade gebracht und dort eingeschlossen.
Diese Tora-Rollen waren zuvor in feierlichem Aufzug mit Kutschen vom Betsaal in
der Alten Kaserne zum neuen Gotteshaus überführt worden. Ein bedeutsamer
Augenblick war auch die Entzündung des Ewigen Lichts durch Rabbiner Dr. Kroner,
wobei dieser die Worte sprach: "Entflamme du Licht des Geistes, der
Wahrheit, der Hoffnung und des Friedens." In seiner Weiherede deutete der
Oberdorfer Rabbiner das neue Bethaus als eine Stätte des Lichts, der Freude und
des Rechts und bezeichnete sie als Eingangspforte zum Himmel...
Stadtrabbiner Dr. Paul Rieger, Stuttgart, ging in seiner Festansprache auch
auf die Geschichte der Judengemeinde Gmünd im Mittelalter ein und hob hervor,
dass schon im Jahr 1258 die Gmünder Juden ein eigenes Gotteshaus mit Schule
gegründet hätten.
Rieger pries die neue Synagoge als "Stätte der Einigung und
Versöhnung, als Tempel der Liebe und echten Gemeinschaftsgeist"
(Remszeitung vom 17.5.1926). Er dankte den Männern, die in besonderer Weise
sich um das Werk verdient gemacht hätten: Gustav Mayer und Alfred Metz, und
bemerkte dazu: "Wer ein Gotteshaus stiftet, baut sich einen Gottesthron im
Herzen". Bei der Feier wirkte auch der Synagogenchor mit unter Leitung von
Lehrer Uhlmann. Die Begleitung der Chöre hatte Studienrat Wehenmann vom
katholischen Lehrerseminar übernommen, ein schönes Zeichen
christlich-jüdischer Zusammenarbeit in jenen Tagen.."
|
Bereits im Mai 1934 wurde die Gmünder Synagoge im Inneren
schwer verwüstet. Es wurde eingebrochen, Torarollen wurden herausgerissen,
Gebetsmäntel und Bücher auf den Boden geworfen. Die Übeltäter wurden nicht
bestraft, sondern von der Kreisleitung der NSDAP gedeckt. Daraufhin wurde zur
Sicherung eine Dachwohnung für den Synagogendiener eingebaut. Die Synagoge
konnte wieder renoviert werden und diente bis 1938 als Mittelpunkt des jüdischen
Gemeindelebens. Nicht nur Gottesdienste, sondern auch kulturelle Veranstaltungen
fanden in dem Gebäude statt. So gab es am 31. März 1935 in der vollbesetzten
Synagoge eine Maimonides-Feier, verbunden mit einer Purim-Nachfeier, über die
die Gemeindezeitung berichtete: "Nach einleitendem stimmungsvollem
Harmoniumsspiel des Schülers Ernst Heimann begrüßte Gustav Meyer im Namen des
Vorsteheramts die Anwesenden. Auf den vom Abiturienten Richard Heimann
gesprochenen Prolog ‚Gedenket der Großen in Israel’ folgte der sinntiefe
Vortrag von Oberlehrer Dr. Wochenmark über Maimonides [...]. Sodann führte die
Schuljugend zwei kleine Theaterstücke religiösen Inhalts aus. Mit dem Gesang
von hebräischen Liedern wurde die eindrucksvolle Veranstaltung beschlossen".
Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge völlig
verwüstet. SA- und SS-Männer drangen am frühen Morgen des 10. November 1938
in das Gebäude ein, zerschlugen die Einrichtungsgegenstände und rissen den
Davidstern herunter.
Am 17. Mai 1939 wurde das Synagogengebäude an die
benachbarte Kreissparkasse (Gebäude mit Hofraum 8 a 83 qm zum Preis von 21.500
RM) verkauft. Anfang der 1950er-Jahre erfolgte der Abbruch des Synagogengebäudes.
Im Nachfolgebau der Kreissparkasse (Katharinenstraße 2) befindet sich seit
November 1979 in der Eingangshalle eine Gedenktafel
für die Synagoge. Auch im Neubau der Kreissparkasse (um 2000) wurde die
Gedenktafel angebracht.
Fotos
Historische Fotos:
(Quellen: Stadtarchiv Schwäbisch Gmünd)
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Die Synagoge Schwäbisch
Gmünd.
Zeichnung von Alois Baumhauer
(1931). |
Einweihung der Synagoge
Schwäbisch Gmünd 1926.
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Innenansicht der Gmünder
Synagoge mit
Blick zum Toraschrein. Links Gedenktafel
für die Gefallenen
des 1. Weltkrieges |
Fotos nach 1945/Gegenwart:
Fotos um 1985:
(Fotos: Hahn) |
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Seit 1939 gehört das
ehemalige Synagogengrundstück der Kreissparkasse,
die es neu überbaute |
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1979 wurde oberhalb der
Bankfächer
im Eingangsbereich diese
Gedenktafel angebracht |
Die Gedenktafel |
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Foto 2003:
(Foto links: Hahn, Aufnahmedatum 5.9.2003;
Fotos Mitte/rechts: H. Kreuttner, Aufnahmedatum 7.11.2003) |
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Neubau der Kreissparkasse auf
dem ehemaligen Synagogenplatz |
Links an der Wand in der
Schalterhalle: die Gedenktafel |
Die Gedenktafel
für die
Synagoge |
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Erinnerungsarbeit
vor Ort - einzelne Berichte
| Januar 2011:
Veranstaltung zum Holocaust-Gedenktag -
Buchvorstellung - Stand der "Stolpersteine"-Verlegung in Schwäbisch
Gmünd |
Artikel in der "Rems-Zeitung" vom
28. Januar 2011 (Artikel):
"Soirée im Rathaus zum Holocaust-Gedenktag mit Katarina Bader und der Erinnerung an den KZ-Überlebenden Jurek
Der Tag, an dem Soldaten der Roten Armee die Überlebenden des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau befreiten, der 27. Januar 1945, ist der Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus. Im Rathaus stellte Katarina Bader ihr Buch über ihren toten Freund Jurek vor. Zudem gab’s gestern gute Nachrichten in Sachen
'Stolpersteine'.
SCHWÄBISCH GMÜND (bt). Dieser Jurek, von dem die Rede war, hat vier Jahre Auschwitz überlebt, und das Buch seiner jungen Freundin Katarina ist eine zutiefst anrührende Liebeserklärung an diesen so widersprüchlichen Mann, dem Deutschland so viel mehr genommen hat als die Jugend - und der ihrem eigenen Leben eine andere Richtung gegeben hat. Deutlich wurde vor allem, dass die Finten, die Jurek so lange überleben ließen, später geholfen haben, Tabus der kollektiven Erinnerung zu unterwandern (Seite 18). Sein Part wurde gestern vom Onkel der Autorin gelesen, Albert Bader vom Sachsenhof. Und Katarina Bader erklärte, in Gmünd zu lesen und zu erzählen, in der Stadt, an die sie so gute Erinnerungen habe, sei etwas Besonderes.
Bürgermeister Julius Mihm erinnerte sich bei der Begrüßung der Gäste - die im großen Sitzungssaal kaum Platz fanden - an das Jahr 1973, in dem er begann, Briefmarken zu sammeln und mit dem Wort
'Auschwitz' auf der 'Maximilian Kolbe'-Marke nichts anfangen konnte. Seine Mutter habe ihm dazu nur gesagt, sie wisse das auch nicht genau.
Mihm: 'Da sind wir heute wesentlich weiter, und darüber bin ich glücklich'. Der Stadtbaumeister bedankte sich bei den Stadträten, die den Besuch der jungen Historikerin in Gmünd initiiert hatten. Er selbst sei über eine Rezension aufmerksam geworden auf Jureks Geschichte, und er schätze dieses Buch sehr.
'Erinnern ist ein ganz mühsames Geschäft', zitierte er Jurek und sprach von
'Erinnerung als Funktion der Zeit' und vom Bemühen, eine Person durch Erinnerung zu ergründen.
'Das Geld für die restlichen Stolpersteine ist da'
Der Holocaust-Gedenktag ist auch ein Tag, an dem gemeinhin denjenigen gedankt wird, die ein Vergessen nicht zulassen. An erster Stelle ist hier Ortrud Seidel zu nennen, die es sich zur Lebensaufgabe gemacht hat, die Erinnerung an die Gmünder Juden lebendig zu halten; sie hat in vielen Jahren die Geschichte der betroffenen Familien erarbeitet.
Lehrer Tilman John sowie Schülerinnen und Schülern der Waldstetter Franz von Assis-Schule sind die ersten drei
'Stolpersteine' Gmünds zu verdanken. Das sind kleine Gedenktafeln aus Messing, die den Toten und Vermissten - zum Schluss meist auf die Nummern reduziert, die man ihnen auf den Arm tätowiert hatte - ihre Namen und nach Möglichkeit etwas Würde zurückgeben sollen. Das Bücken, um die Texte zu lesen, ist nicht zuletzt eine symbolische Verbeugung vor den Opfern. Außerdem widerlegen diese Markierungen vor den letzten selbstgewählten Wohnstätten der Opfer mitten in der Stadt – etwa am Marktplatz, in der Bocks- oder der Ledergasse –, die immer wieder gehörte Aussage, niemand habe von den Deportationen gewusst. Trotz des Namens Stolpersteine geht es übrigens nicht um ein tatsächliches
'Stolpern' – oder wie es ein Waldstetter Schüler formuliert hat: 'Man stolpert nicht und fällt hin, man stolpert mit dem Kopf und mit dem
Herzen'. Wolfgang Gundlach, passionierter und mittlerweile pensionierter Pädagoge und Bürgermeister Joachim Bläse haben es sich zur Aufgabe gemacht, allen Gmünder Juden, die den Nazis zum Opfer fielen, einen Stolperstein zu schenken. Im Oktober hat die RZ einen Spendenaufruf veröffentlicht, und mittlerweile ist genug Geld da, so erklärte Wolfgang Gundlach gestern, um auch der anderen 23 aus Gmünd Deportierten auf diese Art zu gedenken.
Begründet wurde die Aktion vom Kölner Künstler Günter Demnig, der mittlerweile über 23 000 Opfer der NS-Zeit geehrt hat. Bereits für die ersten drei Stolpersteine kam Demnig nach Gmünd, und er wird auch die übrigen Gedenktafeln anbringen." |
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| September 2011:
Zum Tod von Ortrud Seidel
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Foto links: Ortrud Seidel im Herbst 2010 bei einer ihrer Lesungen, mit denen sie gegen das Vergessen kämpfen wollte. (Foto: Arc UR)
Artikel von Julia Trinkle in der "Gmünder Tagespost" vom 2.
September 2011 (Artikel):
"Engagierte Mahnerin gestorben
Im Alter von 87 Jahren fand Chronistin Ortrud Seidel ihre letzte Ruhe.
Schwäbisch Gmünd hat eine engagierte Mahnerin verloren: Ortrud Seidel ist am Donnerstag im Alter von 87 Jahren gestorben. Mit ihrem Buch
'Mut zur Erinnerung' wollte die Chronistin dafür sorgen, dass der Schrecken der Judenverfolgung im Dritten Reich nicht vergessen wird.
Schwäbisch Gmünd. Ortrud Seidel stammt aus Neresheim, kam aber bereits als Kind Ende der 20er-Jahre nach Schwäbisch Gmünd. Hier ging sie zur Schule und legte im Jahr 1943 das Abitur ab. Dann musste sie zum Reichsarbeitsdienst und zum Kriegshilfedienst. Die Geschehnisse dort haben Ortrud Seidel geprägt – vor allem ein Einsatz im Lager Jebsheim im Elsass. Sie erlebte in der Nähe der Front den Schrecken des Kriegs und des damaligen Systems.
Wieder nach Schwäbisch Gmünd zurückgekehrt, strebte sie den Lehrerberuf an und besuchte das Pädagogische Institut. Sie unterrichtete ab 1947 in einer Schule in Plüderhausen. Später war sie an verschiedenen Schulen in Schwäbisch Gmünd als Lehrerin tätig.
Nach ihrer Pensionierung ging sie der Geschichte der Juden auf die Spur, reiste durch die USA und durch Israel, sprach mit Überlebenden und Nachkommen der Gmünder Juden. Daraus entstand ihr viel beachtetes Buch
'Mut zur Erinnerung', in dem sie die Geschichte der Gmünder Juden thematisiert. Bei verschiedenen Gelegenheiten – etwa im vergangenen Jahr auf Einladung der Gmünder SPD im Café Exlibris beim Gedenken an die Reichspogromnacht – las die Chronistin aus ihrem Buch und schilderte die Ausschreitungen in Gmünd: vom Boykott der Geschäfte von Juden, der wiederholten Schändung der Synagoge in der Katharinenstraße, aber auch von den Massendeportationen 1938. Bereits zuvor habe es vereinzelt Deportationen ins Konzentrationslager Heuberg bei Stetten am kalten Markt gegeben. Deutlich wandte sie sich gegen die Ausrede, man habe von alldem nichts gewusst. Jedem habe klar sein müssen, dass Menschen verschwanden und nicht mehr zurück kamen. Adolf Hitler habe bereits 1929 von Judenvernichtung gesprochen.
Im letzten Kapitel ihres Buches widmet sich Ortrud Seidel der Frage, ob es irgendeine Form Wiedergutmachung geben kann.
'Jeder von uns müsste Antijudaismus mutig bekämpfen, wo immer und in welcher Form er ihm
begegnet', schreibt sie dazu und fordert unter anderem Mahnmale und Ausstellungen zu diesem Thema – damit der Schrecken der Judenverfolgung im Dritten Reich nicht vergessen wird. Ortrud Seidel hat mit ihrem
'Mut zur Erinnerung' in Gmünd einen großen Teil dazu beigetragen." |
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| März / April 2012:
Verlegung von "Stolpersteinen" in Schwäbisch
Gmünd |
Artikel in der "Gmünder
Tagespost" vom 30. März 2012: "Stolpersteine als Teil des Stadtjubiläums.
Gmünd erinnert sich an jüdische Mitbürger. Soirée mit Demnig. Das
Stadtjubiläum ist mehr als Staufer. Sagt OB Richard Arnold. Zu diesem
Mehr gehören die Stolpersteine. Sie erinnern an jüdische Opfer der
Nazis. In Gmünd werden am Freitag, 13. April, sechs weitere Stolpersteine
gelegt. Darum bemühen sich engagierte Bürger..."
Link zum Artikel |
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Artikel in der "Südwestpresse"
(Lokalausgabe) vom 12. April 2012: "Gedenken an Nazi-Opfer. Stolpersteine-Erfinder
in Gmünd. Schwäbisch Gmünd. Im Rahmen der 850-Jahr-Feiern
Schwäbisch Gmünds laden die Stadt und der Arbeitskreis Erinnerungskultur
zu einer Soiree im Rahmen der Aktion 'Gmünder Stolpersteine' ein, um der
Nazi-Opfer zu gedenken..."
Link
zum Artikel |
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| November 2012: Zweite
Verlegung von "Stolpersteinen" |
Artikel in der "Rems-Zeitung" vom
8. November 2012 (Artikel;
unten nur auszugsweise zitiert): "Intensive Form des Erinnerns: Am Montag wird Gunter Demnig in Gmünd acht weitere Stolpersteine verlegen
Acht weitere Stolpersteine werden am kommenden Montag verlegt, sechs jüdische Familiennamen wieder sein, was sie einst waren: Teil der Stadt. Dazu reisen Angehörige aus USA, Israel und Australien an – ein Verdienst Inge Eberles. Gestern wurde das Programm für diesen Tag vorgestellt.
SCHWÄBISCH GMÜND (bt). Der Arbeitskreis Stolpersteine – Rudolf Berkenhoff, Wolfgang Gundlach, Tilman John und Inge Eberle – hat vieles geleistet, diese Aktion möglich zu machen. Bereits im April hatte Initiator Gunter Demnig – auf Bestreben des Arbeitskreises und nach Kräften unterstützt von der Stadt – sechs dieser Messingtäfelchen verlegt, die niemanden stolpern lassen werden, zumindest nicht mit den Füßen. Jetzt wird an sechs Standorten mit acht Stolpersteinen an fünf weitere Familien erinnert, die in Gmünd lebten, liebten, arbeiteten; die verraten wurden, vertrieben oder deportiert und ermordet...
Wie bei den vergangenen Aktionen sind wieder Schülerinnen und Schüler eingebunden, die musizieren, Rosenbouquets niederlegen und Biografien vorstellen.
Stolpersteinverlegung in mehreren Abschnitten:
Der Auftakt – unter anderem mit einer Foto-Präsentation, mit Musik und ersten Biografien – ist um 14 Uhr im Raum der Kreishandwerkerschaft, Leutzestraße 53, die im Verbund mit den Initiatoren alle Interessierten willkommen heißt.
Gegen 15.45 gibt es erneut Musik und Präsentationen im Prediger. Es ist also durchaus möglich, die Aktion nur in Teilen zu begleiten.
Die einzelnen Stationen: Ab 14.30 Uhr Verlegeaktion in der Moltkestraße 27: Kurt Max und Heinz Lemberger;
Vordere Schmidgasse 18: Karl Rothschild; Kleinbusse sind vorhanden. Nikolausgasse 7: Emma Mendel.
Nach dem Programm im Prediger geht’s zur Sebaldstraße 10: Regina Rosina und Max Moses Neumaier.
Mörikestraße 12: Sophie Mayer. Katharinenstraße 11: Laura Mendel." |
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Links und Literatur
Links:
links: Stadtrundgang mit Ortrud Seidel, hier vor dem ehemaligen
Synagogengrundstück (siehe Link oben)
Literatur:
 | Paul Sauer: Die jüdischen Gemeinden in Württemberg und Hohenzollern. 1966. S.
158-161. |
 | Germania Judaica III,2 S.1332-1340. |
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Joachim-Albrecht Grimm: Zur Geschichte der
Juden in Schwäbisch Gmünd, Zulassungsarbeit zur ersten Dienstprüfung für
das Lehramt an Volksschulen in Baden-Württemberg. Pädagogische Hochschule Schwäbisch Gmünd. 1962. |
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Ernst Lämmle: Die Gmünder
Juden. Wege und Schicksale 1861-1945. Stadtarchiv Schwäbisch Gmünd 1979.
Neuauflage 1999. |
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Geschichte der Stadt Gmünd. Hg.
vom Stadtarchiv Schwäbisch Gmünd. 1984. |
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Richard Strobel: Die Kunstdenkmäler
der Stadt Schwäbisch Gmünd 3. 1995 S. 110f (zum Haus Imhofstraße 9). |
 | Klaus Jürgen Herrmann: Zur Geschichte der
Juden in Schwäbisch Gmünd im Mittelalter, Einhorn-Jahrbuch 1995. als
pdf-Datei im Internet: zum Download hier
anklicken |
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Klaus Graf: Kein Judenghetto in
Gmünd. Wo lag die älteste Synagoge der Stadt, in: Remszeitung 7.4.1983. |
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ders.: Schwäbisch Gmünd im 14. Jahrhundert.
Vortrag am 7. Juni 1999 (http://www.uni-freiburg.de/histsem/mertens/graf/gd14.htm) |

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the
Holocaust".
First published in 2001 by NEW
YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad
Vashem Jerusalem, Israel.
Schwaebisch Gmuend
Wuerttemberg. Jews are first mentioned in 1241 and in 1258 were living in Jewish
quarter (preserved until 1936) that included a synagogue, mikve, and school.
Many were murdered in the Rindfleisch massacres of 1298 and the settlement was
destroyed in the Black Death persecutioon of 1348-49. It was reestablished in
1392 but ended when the Jews were expelled in 1501.
It was officially renewed only in 1861 when sons of Jewish
businessmen in nearby settlements came there to set up factories and other
enterprises, including the town's first private bank. The prosperous community
numbered 97 in 1890 (total 16,817), with a synagogue dedicated in 1926. Among
Jewish businesses were a department store, movie theater, bus company, and toy
factory. Though Jews were prominent in the life of the city despite their small
numbers, there was also a measure of social ostacism. Under Nazi rule the
situation of the Jews gradually worsened. Most of the Jews hat to sell their
businesses and on Kristallnacht (9-10 November 1938) the synagogue was
vandalized. Of the 90 Jews in the town in 1933, 60-65 emigrated, mostly to the
United States and Palestine; around 20 were expelled to the east, only one
surviving.

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