Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Schwäbisch Gmünd (Ostalbkreis) 
Jüdische Geschichte / Betsaal/Synagoge

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer 
Aus dem jüdischen Gemeindeleben   
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde   
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen    
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen
Links und Literatur   

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Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)

In der bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts freien Reichsstadt Schwäbisch Gmünd bestand eine jüdische Gemeinde im Mittelalter und im 19./20. Jahrhundert. Erstmals werden Juden 1241/42 in der Stadt genannt. Die Judenverfolgung während der Pestzeit vernichtete die Gemeinde. Erst 1412 werden wieder Juden in der Stadt erwähnt. 1469 wurden erstmals, 1501 zum zweiten Mal die Juden aus der Stadt gewiesen.   
  

Im 19. Jahrhundert ist nach Zuzug mehrerer jüdischer Familien eine jüdische Privatgemeinde 1888 gegründet worden, die 1890 von der Israelitischen Oberkirchenbehörde in den Landesverband der württembergischen Gemeinden aufgenommen wurde. Diese Gemeinde bestand bis 1939.   
      
1886 wurden 67 jüdische Einwohner gezählt. Die höchste Zahl jüdischer Einwohner wurde um 1890 mit 97 Personen erreicht.   
     
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge und eine Religionsschule. Die Toten der Gemeinde wurden im jüdischen Friedhof in Oberdorf beigesetzt. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war. Die Gemeinde wurde dem Bezirksrabbinat Oberdorf zugeteilt.   
      
Unter den jüdischen Einwohnern gab es Geschäftsleute, kaufmännische Angestellte, Vertreter, Fabrikanten und Händler. Bis nach 1933 gehörte ihnen noch ein Bankgeschäft, ein Kaufhaus,  eine Damenkonfektions- und Textilwarenhandlung, eine Holzwarenhandlung, eine Schuhfabrik ein Kleiderhaus, eine Silberwarenfabrik. Auch ein jüdischer Rechtsanwalt war in der Stadt tätig.  
      
Auf Grund der Judenverfolgungen und -ermordungen in der NS-Zeit kamen von den 1933 in Schwäbisch Gmünd wohnhaften 90 jüdischen Personen mindestens 18 ums Leben.     
     
  
    

Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
 
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer  
Ausschreibung der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet 1900  

Schwaeb Gmuend Israelit 08021900.jpg (98194 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. Februar 1900: "Offene Stelle! Bei der israelitischen Gemeinde in Schwäbisch Gmünd ist die Stelle eines Religionslehrers, Vorsängers und Vorbeters, sowie geprüften Schächters vakant. Das Einkommen berehnet sich jährlich auf Mark 1.200.- Der Dienst ist ein äußerst leichter und wenig zeitraubend, sodass tüchtigen jungen Kandidaten genügend Gelegenheit geboten ist, sich in hiesiger Stadt mit 18.000 Einwohnern noch ein hübsches Nebenverdienst erwerben zu können. Reflektierende wollen ihre Zeugnisse an das Israelitische Vorsteheramt einsenden, welches zu jeder weiteren Auskunft gerne bereit ist. Die Bestätigung der Wahl bleibt der Königlichen Israelitischen Oberkirchenbehörde vorbehalten. 
Israelitisches Kirchenvorsteheramt. I.V.: H. Gutmann".   

   
Abschied von Lehrer Adler (1895)  

Schwaeb Gmuend Israelit 11021895.jpg (100372 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. Februar 1895: "Schwäbisch Gmünd. Eine solenne Abschiedsfeier zu Ehren des von hier scheidenden Herrn Lehrer Adler, die durch die Anwesenheit des Herrn Kirchenrat Dr. Kroner - Stuttgart noch besondere Weihe erhielt, versammelte Samstag Abend, 2. Februar, die Mitglieder der hiesigen israelitischen Gemeinde. Nachdem der 1. Synagogenvorstand, Herr Hermann Gutmann die vollzählig erschienenen Gemeindemitglieder mit ihren Familienangehörigen begrüßt hatte, ergriff Herr David Mayer das Wort und rühmte die großen Verdienste des Scheidenden, die sich derselbe während seiner 6-jährigen Tätigkeit um das hiesige Gemeindewesen, den Gottesdienst und ganz besonders die Erziehung der Jugend erworben hat. Aber nicht nur bei seinen Glaubensgenossen sei er geachtet und geehrt gewesen, sondern bei allen, die ihn näher kannten. Als Zeichen der Dankbarkeit und Anerkennung überreichte der Redner dem Scheidenden im Namen der Gemeinde eine goldene Ihr. Die hiesige israelitische Gemeinde sieht Herrn Adler sehr ungern von hier gehen, sie wird ihn stets in gutem Andenken halten. Möge es Herrn Adler in seinem neuen Wirkungskreise Schweinfurt wohl ergehen."  

      
Lehrer Uhlmann setzt sich für die jüdischen Soldaten ein (1900)  

Schwaeb Gmuend Israelit 10121900.jpg (25202 Byte)

  
Lehrer Uhlmann betreibt ein kleines Pensionat (1900) 

Schwaeb Gmuend Israelit 02081900.jpg (39378 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 2. August 1900: "Der Unterzeichnete nimmt Schüler, welche das hiesige 10klässige Realgymnasium besuchen wollen, in Pension und wird gewissenhafte Beaufsichtigung zugesichert. Lehrer H. Uhlmann, Gmünd (Württemberg)."  

  
25-jähriges Ortsjubiläum von Lehrer Hermann Uhlmann (1925) 

Gmuend JuedlibZtg 07081925.jpg (98606 Byte)Artikel in der "Jüdisch-liberalen Zeitung" vom 7. August 1925: "Gmünd. Am Sonntag, den 19. Juli, konnte Religionslehrer Hermann Uhlmann auf eine 25-jährige Tätigkeit in der Gemeinde Gmünd zurückblicken. Die von der Gemeinde veranstaltete Jubelfeier fand in dem schön geschmückten Gotteshause statt. Sie war von ansprechend vorgetragenen Chören des Synagogenchors umrahmt; die Soli hatte in liebenswürdiger Weise Kantor Grünfeld - Baden-Baden übernommen. Im Mittelpunkte der Feier stand die von Bezirksrabbiner Dr. Kroner - Oberdorf gehaltene Festrede, die eindrucksvoll das treue Wirken des Jubilars schilderte. Vorsteher Gustav Mayer würdigte nach einem Rückblick auf die Geschichte der Gemeinde die verdienstvolle Tätigkeit ihres Lehrers und Vorbeters. Im Namen des Vereins israelitischer Lehrer in Württemberg überbrachte Religionslehrer E. Adler - Cannstatt herzliche Glückwünsche, im Namen der Damen des Synagogenchors gratulierte Frau Bankier Gutmann unter Überreichung eines Ehrengeschenkes. Die Gemeinde und ihre Mitglieder hatten auch sonst gewetteifert, ihrem Lehrer Beweise des Dankes und der Verehrung zu geben. Die Feier verlief in voller Harmonie."    

  
  
Aus dem jüdischen Gemeindeleben   

Die Bildung einer israelitischen Gemeinde in Schwäbisch Gmünd (1890)  

Gmuend AJZ 26091890.jpg (59237 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 26. September 1890: "Aus Württemberg, 22. September (1890). Während unsere jüdischen Landgemeinden durch Wegzug kleiner werden, sich manche auch schon ganz aufgelöst, bilden sich in Städten, wo vor 3 bis 4 Jahrzehnten noch kein Israelit wohnte, neue Gemeinden. So bildete sich voriges Jahr eine Gemeinde in Öhringen, und in dieser Woche hat das Königliche Ministerium des Kultus in Anwendung des Artikels 49 des Israelitengesetztes von 1828 die Bildung einer israelitischen Gemeinde in Gmünd unter Zuteilung an das Rabbinat Oberdorf verfügt."   
  
Schwaeb Gmuend Israelit 16101890.jpg (119973 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 16. Oktober 1890: "Stuttgart, 1. Oktober (1890). Der 'Staatsanzeiger' brachte in seinem amtlichen Teile die Mitteilung des königlichen Ministeriums für Kirchen- und Schulwesen, dass die israelitische Gemeinde in Schwäbisch Gmünd zur selbständigen Kirchengemeinde erhoben und dem Rabbinatsbezirk Oberdorf eingereiht wurde. Schwäbisch Gmünd, frühere Reichsstadt, hat im Mittelalter zweimal seine jüdische Mitbürger ausgetrieben, und bis zu Jahre 1805, wo es württembergisch wurde, durfte kein Jude die Stadt betreten; Juden, die des Weges kamen, wurden durch eigenes bestellte städtische Schergen, gegen zu erlegenden 'Judenzoll' und nach Anheftung des gelben 'Judenflecks' um die Stadt und ihr Gebiet geführt. Salomon Oberdorfer, Juwelier aus Kriegshaber, war der erste Jude, der (1806) nach Jahrhunderten die Stadt Gmünd betrat. Jetzt hat sich daselbst eine jüdische Gemeinde angesiedelt., die Stadt ist paritätisch, die herrschende Kirche ist katholisch, und neben der evangelischen Kirchengemeinde besteht nun auch eine israelitische, der die städtischen bürgerlichen Kollegien unter Leitung der Oberbürgermeisters Dr. Seefried in liberalster Weise einen Gebetsschal und sein Unterrichtslokal überlassen haben."   


  
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde  
Fritz Mayer wird zum Leutnant ernannt (Juni 1916) 

Schwaeb Gmuend FrfIsrFambl 23061916.jpg (18038 Byte)Mitteilung im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 23. Juni 1916: "München. Max Weinberger - Bayreuth, Alfred und Fritz Kahn - Mannheim und Student Fritz Mayer - Schwäbisch Gmünd wurden zu Leutnants befördert."   

Fritz Mayer ist gefallen (Juli 1916)   

Schwaeb Gmuend FrfIsrFambl 28071916.jpg (26468 Byte)Mitteilung im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 28. Juli 1916: "Schwäbisch Gmünd. Leutnant cand. rer. pol. Fritz Mayer, Inhaber des bayerischen Militärverdienstkreuzes und des Eisernen Kreuzes, ist - 23 Jahre alt - gefallen. Er war ein Sohn des hiesigen Schuhfabrikanten David Mayer."    

   
  
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen 
Anzeigen der Firma D. Heimann, Schwäbisch Gmünd (1900 / 1909 / 1911)   

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Zur Geschichte des Betsaales /der Synagoge      
       
Im Mittelalter lebten die Juden in einem relativ abgeschlossenen Wohnbezirk, dem "Judenhof" südöstlich des Marktplatzes an der ehemaligen Stadtmauer (Gasse von der Rinderbacher Gasse 6 zur Kornhausstraße; die Bezeichnung "Judenhof" wurde bis 1936 beibehalten, dann der Imhofstraße angegliedert). Im ehemaligen "Judenhof" befand sich die mittelalterliche Synagoge anstelle des jetzigen Gebäudes Imhofstraße 11. Wegen Baufälligkeit wurde sie 1788 abgebrochen. Reste des Gebäudes sind in dem Nachfolgegebäude aufgegangen. Bei der Synagoge befand sich der "Judenschulhof".  
Ein rituelles Bad (noch heute im Volksmund "Judenbad") befand sich im Haus Imhofstraße 9 (großes Kellergewölbe; 1991 hat man beim Abbruch des im Kern aus romanischer Zeit stammenden Hauses Kornhausstraße 21 ein gemauertes Becken entdeckt, das gleichfalls eine Mikwe gewesen sein könnte). Unweit davon lag die "Judenmühle" (sonst auch als "Überschlagmühle" bezeichnet).    
Nicht ganz geklärt ist, wieso die heutige Klarenbergstraße im Südosten der Stadt auch "Judengasse" hieß. Möglicherweise hieß diese zum Anwesen der Judenmühle führende Gasse zunächst "Judenmüllergasse". Ende des 15. Jahrhunderts waren das "Judenbad" (später "Spitalbad") und die "Judenmühle" bereits nicht mehr in jüdischem Besitz.  
      
Die jüdische Gemeinde des 19./20. Jahrhunderts feierte ihre ersten Gottesdienste seit Herbst 1887 im neu erbauten Haus des David Meyer (Rinderbacher Gasse 21, erster Gottesdienst war an Jom Kippur). Bereits 1888 oder erst 1890 bis 1918 wurde im städtischen Gebäude "Schmalzgrube" ein früherer Schulsaal als Betsaal unterhalten. 1918 zog die Gemeinde in den Bolzschützensaal des damaligen Hotels "Rad". Letzteres scheint nicht das Richtige gewesen zu sein, da bereits auf den 1. Juli 1919 eine Kündigung erfolgte. 1919 eröffnete man einen Betsaal in einem Raum im "Prediger" (früheres Dominikanerkloster, im 19. Jahrhundert in eine Kaserne  umgewandelt, daher auch als "Alte Kaserne bezeichnet", Ecke Kasernenplatz, Freudental; Zugang zum Betsaal vom Freudental).    
      
1925 konnte das Gebäude einer um 1905 gebauten ehemaligen Fabrik (Zweiglesche Gold- und Silberwarenfabrik) in der Katharinenstraße 4/1 zum Preis von 22.000 RM erworben werden. Das Gebäude wurde durch den Stuttgarter Architekten Ernst Guggenheimer zur Synagoge umgebaut. Die Kauf- und Umbaukosten wurden beglichen mit einem Beitrag der Israelitischen Oberkirchenbehörde in Stuttgart, aber vor allem durch Spenden bzw. Darlehen sämtlicher Gemeindemitglieder sowie auswärtiger Freunde. Am 16. Mai 1926 fand die feierliche Einweihung statt: sechs Torarollen konnten mit einem Festzug in das neue Gotteshaus gebracht werden. Unter den Gästen waren auch Vertreter der jüdischen Gemeinden Stuttgart, Cannstatt, Göppingen und Oberdorf, die Gegenstände zum Schmuck der Synagoge mitbrachten. Bezirksrabbiner Dr. Kroner zündete während der Einweihungsfeier das Ewige Licht, Stadtrabbiner Dr. Rieger überbrachte die Grüße des Oberrates der Israelitischen Religionsgemeinschaft Württembergs. Ein Synagogenchor, begleitet von den Klängen des in der Synagoge vorhandenen Harmoniums umrahmte die einzelnen Teile der Feier.     
Bereits im Mai 1934 wurde die Gmünder Synagoge im Inneren schwer verwüstet. Es wurde eingebrochen, Torarollen wurden herausgerissen, Gebetsmäntel und Bücher auf den Boden geworfen. Die Übeltäter wurden nicht bestraft, sondern von der Kreisleitung der NSDAP gedeckt. Daraufhin wurde zur Sicherung eine Dachwohnung für den Synagogendiener eingebaut. Die Synagoge konnte wieder renoviert werden und diente bis 1938 als Mittelpunkt des jüdischen Gemeindelebens. Nicht nur Gottesdienste, sondern auch kulturelle Veranstaltungen fanden in dem Gebäude statt. So gab es am 31. März 1935 in der vollbesetzten Synagoge eine Maimonides-Feier, verbunden mit einer Purim-Nachfeier, über die die Gemeindezeitung berichtete: "Nach einleitendem stimmungsvollem Harmoniumsspiel des Schülers Ernst Heimann begrüßte Gustav Meyer im Namen des Vorsteheramts die Anwesenden. Auf den vom Abiturienten Richard Heimann gesprochenen Prolog ‚Gedenket der Großen in Israel’ folgte der sinntiefe Vortrag von Oberlehrer Dr. Wochenmark über Maimonides [...]. Sodann führte die Schuljugend zwei kleine Theaterstücke religiösen Inhalts aus. Mit dem Gesang von hebräischen Liedern wurde die eindrucksvolle Veranstaltung beschlossen".  
  
Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge völlig verwüstet. SA- und SS-Männer drangen am frühen Morgen des 10. November 1938 in das Gebäude ein, zerschlugen die Einrichtungsgegenstände und rissen den Davidstern herunter.   
     
Am 17. Mai 1939 wurde das Synagogengebäude an die benachbarte Kreissparkasse (Gebäude mit Hofraum 8 a 83 qm zum Preis von 21.500 RM) verkauft. Anfang der 1950er-Jahre erfolgte der Abbruch des Synagogengebäudes. Im Nachfolgebau der Kreissparkasse (Katharinenstraße 2) befindet sich seit November 1979 in der Eingangshalle eine Gedenktafel für die Synagoge. Auch im Neubau der Kreissparkasse (um 2000) wurde die Gedenktafel angebracht.  
   

  

Fotos 
Historische Fotos: 
(Quellen: Stadtarchiv Schwäbisch Gmünd)

SchwGmuend Synagoge 004.jpg (54487 Byte) SchwGmuend Synagoge 003.jpg (53425 Byte) Gmuend Synagoge 001.jpg (83358 Byte)
Die Synagoge Schwäbisch Gmünd. Zeichnung von Alois Baumhauer (1931). Einweihung der Synagoge Schwäbisch Gmünd 1926. Innenansicht der Gmünder Synagoge mit Blick zum Toraschrein. Links Gedenktafel für die Gefallenen des 1. Weltkrieges


Fotos nach 1945/Gegenwart:  

Fotos um 1985:
(Fotos: Hahn)
SchwGmuend Synagoge 102.jpg (79497 Byte) SchwGmuend Synagoge 101.jpg (85829 Byte)
  Seit 1939 gehört das ehemalige Synagogengrundstück der Kreissparkasse, die es neu überbaute
   
  SchwGmuend Synagoge 100.jpg (85182 Byte) SchwGmuend Synagoge 103.jpg (63758 Byte)
  1979 wurde oberhalb der Bankfächer im Eingangsbereich diese Gedenktafel angebracht Die Gedenktafel
      
Foto 2003:
(Foto links: Hahn, Aufnahmedatum 5.9.2003; 
Fotos Mitte/rechts: H. Kreuttner, Aufnahmedatum 7.11.2003) 
  
SchwGmuend Synagoge 150.jpg (66279 Byte) Gmuend Synagoge 170.jpg (56468 Byte) Gmuend Synagoge 171.jpg (67566 Byte)
Neubau der Kreissparkasse auf dem ehemaligen Synagogenplatz Links an der Wand in der Schalterhalle: die Gedenktafel Die Gedenktafel für die Synagoge
     

Text

(Aus: Ernst Lämmle, Weg und Schicksal der Gmünder Juden, zitiert aus Rosch Haschana 5728. Oktober 1967. Hg. von der Israelitischen Religionsgemeinschaft Stuttgart S. 20).

Die Einweihung der Synagoge war ein großes Fest; dieser Tag stellte wohl den Höhepunkt im 50jährigen Bestehen der Gemeinde dar. Erschienen waren neben den offiziellen Vertretern auch Abgesandte anderer Gemeinden im Lande. Beide hiesige Zeitungen von damals, die Remszeitung und die Gmünder Zeitung, rühmen den Opfersinn und den Eifer, mit dem die Gemeinde den Gedanken eines eigenen Gotteshauses verwirklicht habe. Von der Feier erzählen uns die Berichte der beiden Zeitungen und die Fotos... 
Der Bericht der Gmünder Zeitung vom 17. Mai 1926 spielt auf die frühere Verwendung des Gebäudes an, wenn er sagt: "Unterhalb der Oberamtssparkasse, an der Stätte, wo viele Jahre hindurch fleißige kunstgeübte Hände das Edelmetall zu Schmuck- und Kunstgegenständen verarbeiteten, ist nun ein Bethaus entstanden." Den Umbau hatte Regierungsbaumeister Bloch aus Stuttgart durchgeführt. Die Zeitungen loben, dass er mit einfachen Mitteln einen stimmungsvollen Raum geschaffen habe. Bei der Feier sprach Margot Gutmann, die Tochter von Bankier Siegfried Gutmann, den Prolog. Lehrer Uhlmann hielt nach der Schlüsselübergabe die Begrüßungsansprache (siehe Foto oben), worauf Oberrechnungsrat Scheel für den erkrankten Oberbürgermeister Lülling die Glückwünsche der Stadt überbrachte. Unter Harmoniumsklängen erfolgte dann der Einzug in das neue Gotteshaus. Die Tora-Rollen, auf denen nach alter Überlieferung die fünf Bücher Moses handschriftlich auf Pergament aufgezeichnet sind, wurden in die heilige Lade gebracht und dort eingeschlossen. Diese Tora-Rollen waren zuvor in feierlichem Aufzug mit Kutschen vom Betsaal in der Alten Kaserne zum neuen Gotteshaus überführt worden. Ein bedeutsamer Augenblick war auch die Entzündung des Ewigen Lichts durch Rabbiner Dr. Kroner, wobei dieser die Worte sprach: "Entflamme du Licht des Geistes, der Wahrheit, der Hoffnung und des Friedens." In seiner Weiherede deutete der Oberdorfer Rabbiner das neue Bethaus als eine Stätte des Lichts, der Freude und des Rechts und bezeichnete sie als Eingangspforte zum Himmel...
Stadtrabbiner Dr. Paul Rieger, Stuttgart, ging in seiner Festansprache auch auf die Geschichte der Judengemeinde Gmünd im Mittelalter ein und hob hervor, dass schon im Jahr 1258 die Gmünder Juden ein eigenes Gotteshaus mit Schule gegründet hätten.
Rieger pries die neue Synagoge als "Stätte der Einigung und Versöhnung, als Tempel der Liebe und echten Gemeinschaftsgeist" (Remszeitung vom 17.5.1926). Er dankte den Männern, die in besonderer Weise sich um das Werk verdient gemacht hätten: Gustav Mayer und Alfred Metz, und bemerkte dazu: "Wer ein Gotteshaus stiftet, baut sich einen Gottesthron im Herzen". Bei der Feier wirkte auch der Synagogenchor mit unter Leitung von Lehrer Uhlmann. Die Begleitung der Chöre hatte Studienrat Wehenmann vom katholischen Lehrerseminar übernommen, ein schönes Zeichen christlich-jüdischer Zusammenarbeit in jenen Tagen...

   
   

Links und Literatur

Links:

Website der Stadt Schwäbisch Gmünd 
Zum unten abgebildeten Buch von Ortrud Seidel: siehe die Zusammenfassung und Fotos eines Stadtrundganges auf den Spuren jüdischer Geschichte in Gmünd mit Frau Seidel: hier anklicken   

SchwGmuend Buch 01.jpg (35395 Byte) SchwGmuend Synagoge 110.jpg (44698 Byte) links: Stadtrundgang mit Ortrud Seidel, hier vor dem ehemaligen Synagogengrundstück (siehe Link oben)

 

 

Literatur:

Paul Sauer: Die jüdischen Gemeinden in Württemberg und Hohenzollern. 1966. S. 158-161.
Germania Judaica III,2 S.1332-1340.

Joachim-Albrecht Grimm: Zur Geschichte der Juden in Schwäbisch Gmünd, Zulassungsarbeit zur ersten Dienstprüfung für das Lehramt an Volksschulen in Baden-Württemberg. Pädagogische Hochschule Schwäbisch Gmünd. 1962.

Ernst Lämmle: Die Gmünder Juden. Wege und Schicksale 1861-1945. Stadtarchiv Schwäbisch Gmünd 1979. Neuauflage 1999.

Geschichte der Stadt Gmünd. Hg. vom Stadtarchiv Schwäbisch Gmünd. 1984.

Richard Strobel: Die Kunstdenkmäler der Stadt Schwäbisch Gmünd 3. 1995 S. 110f (zum Haus Imhofstraße 9).

Klaus Jürgen Herrmann: Zur Geschichte der Juden in Schwäbisch Gmünd im Mittelalter, Einhorn-Jahrbuch 1995.  als pdf-Datei im Internet: zum Download hier anklicken

Klaus Graf: Kein Judenghetto in Gmünd. Wo lag die älteste Synagoge der Stadt, in: Remszeitung 7.4.1983.

ders.: Schwäbisch Gmünd im 14. Jahrhundert. Vortrag am 7. Juni 1999 (http://www.uni-freiburg.de/histsem/mertens/graf/gd14.htm

Ortrud Seidel: Mut zur Erinnerung. Geschichte der Gmünder Juden. 1991. Neubearbeitung 1999.

Joseph Walk (Hrsg.): Württemberg - Hohenzollern - Baden. Reihe: Pinkas Hakehillot. Encyclopedia of Jewish Communities from their foundation till after the Holocaust (hebräisch). Yad Vashem Jerusalem 1986. S. 134-138.  
synagogenbuch-1.jpg (32869 Byte)Joachim Hahn / Jürgen Krüger: "Hier ist nichts anderes als Gottes Haus...". Synagogen in Baden-Württemberg. Band 1: Geschichte und Architektur. Band 2: Orte und Einrichtungen. Hg. von Rüdiger Schmidt, Badische Landesbibliothek, Karlsruhe und Meier Schwarz, Synagogue Memorial, Jerusalem. Stuttgart 2007.    
  
  

  

        


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Schwaebisch Gmuend  Wuerttemberg. Jews are first mentioned in 1241 and in 1258 were living in Jewish quarter (preserved until 1936) that included a synagogue, mikve, and school. Many were murdered in the Rindfleisch massacres of 1298 and the settlement was destroyed in the Black Death persecutioon of 1348-49. It was reestablished in 1392 but ended when the Jews were expelled in 1501.
It was officially renewed only in 1861 when sons of Jewish businessmen in nearby settlements came there to set up factories and other enterprises, including the town's first private bank. The prosperous community numbered 97 in 1890 (total 16,817), with a synagogue dedicated in 1926. Among Jewish businesses were a department store, movie theater, bus company, and toy factory. Though Jews were prominent in the life of the city despite their small numbers, there was also a measure of social ostacism. Under Nazi rule the situation of the Jews gradually worsened. Most of the Jews hat to sell their businesses and on Kristallnacht (9-10 November 1938) the synagogue was vandalized. Of the 90 Jews in the town in 1933, 60-65 emigrated, mostly to the United States and Palestine; around 20 were expelled to the east, only one surviving.
   

    

                   
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Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 21. März 2009