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zu den Synagogen in
Baden-Württemberg
Archshofen mit
Craintal (Stadt Creglingen, Main-Tauber-Kreis)
Jüdische Geschichte / Betsaal/Synagoge
Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english
version)
In Archshofen bestand eine jüdische Gemeinde bis um 1936.
Ihre Entstehung geht in die Zeit Ende des 17. Jahrhunderts zurück. Erstmals
werden 1696 Juden in Archshofen genannt. Der größere Teil des Ortes damals im
Besitz der Herren von Wenzingerode, deren Besitznachfolger im 18. Jahrhundert
die Familie von Oetinger war; den kleineren Teil des Ortes hatte die Reichsstadt
Rothenburg erworben. 1810 wurde Archshofen württembergisch.
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner
wie folgt: 1808 74 jüdische Einwohner, 1824 98, 1831 113, 1843 137, 1844
Höchstzahl von 144, 1854 143, 1869 137, 1886 91, 1910 55. Mitte des 19. Jahrhunderts
werden die jüdischen Familien als "mäßig begütert" beschrieben, die von
Handelsgeschäften und kleineren Gewerben lebten.
Zur jüdischen Gemeinde Archshofen gehörten auch die wenigen im benachbarten Craintal
lebenden jüdischen Personen. Hier lebten seit der Zeit um 1700 bis um 1860
wenige jüdische Familien (1833 13 Personen, u.a. Familie Machuel Oberndörfer
aus Crailsheim). Zwischen Archshofen und Craintal gibt es den Flurnamen
"Judenstieg".
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge (s.u.), eine Schule
(1829-1910 israelitische Konfessionsschule, dann Religionsschule, seit 1840 mit
Lehrerwohnung im Gebäude Nr. 31) und ein
rituelles Bad (1821 im Gebäude der Synagoge eingerichtet). Die Toten der Gemeinde wurden auf dem jüdischen
Friedhof in
Creglingen beigesetzt, teilweise auch in Niederstetten.
In früheren Jahrhunderten gab es möglicherweise auch einen eigenen Friedhof,
da zwei Äcker auf der Höhe südlich von Archshofen den Namen
"Judenkirchhof" tragen. Zur Besorgung religiöser Aufgaben war ein Lehrer
angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war (vgl. unten
Ausschreibung von 1901). An Lehrern wirkten u.a. Jakob Kaufmann
(1808-1820), Hirsch Imanuel Rothschild (1829-1855), Moses Maison (1856-1866),
Moses Fröhlich (1866-1869), Nathan Eduard Sommer (1869-1879), Isaak
Oberndörfer (1889-1896), Theodor Rothschild (1896). Die Gemeinde
gehörte zum Rabbinatsbezirk in Bad Mergentheim.
Um 1925 waren die Vorsteher der jüdischen Gemeinde Isak Rosenbaum, Ferdinand
Löwenthal und Jakob Güthermann. Den Religionsunterricht der schulpflichtigen
jüdischen Kinder (1925 nur noch ein Kind) hielt Hauptlehrer Joseph Pressburger
aus Creglingen (1932 Lehrer Katzenstein
aus Creglingen, im Schuljahr 1932/33 zwei Kinder). 1932 war Vorsteher der
Gemeinde Ferdinand Löwenthal.
An ehemaligen, bis nach 1933 bestehenden Handelsbetrieben im Besitz
jüdischer Personen / Familien sind bekannt: Großviehhandlung Hermann Güthermann (Rothenburger
Straße 15), Großviehhandlung Adolf Kahn (Rothenburger Straße 23), Kaufmann Lippmann Kohn
(Schönersteige 12, abgebrochen), Handelsmann Ferdinand Löwenthal (Finsterlohrer
Straße 52, abgebrochen), Viehhandlung Samuel Rosenheimer (Creglinger Straße
5), Manufakturwarengeschäft Siegfried Rosenheimer (Rothenburger Straße 33,
abgebrochen).
1933 lebten noch 23 jüdische Personen am Ort. Auf Grund der Folgen
des wirtschaftlichen Boykotts, der zunehmenden Entrechtung und der Repressalien
sind mehrere von Ihnen alsbald von Archshofen verzogen beziehungsweise konnten
auswandern (14 Personen). Anfang 1938 gab es keine jüdischen Betriebe mehr. Die
letzten sechs jüdischen Einwohner wurden 1941 und 1942 nach Riga und
Theresienstadt deportiert und sind umgekommen.
Von den in Archshofen geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Ruth Frank geb. Güthermann (1913),
Selma Gerstle geb. Löwenthal (1874), Malchen Goldschmidt geb. Rosenheimer
(1888), Sophie Gottlieb geb. Güthermann (1864), Hermann Güthermann
(1870), Klara Güthermann geb. Friedmann (1881), Lene Güthermann (1866),
Siegfried Güthermann (1874), Meta Kahn (1886), Lina Kaufmann geb. Löwenthal
(1872), Lippmann Kohn (1885), Moritz Friedrich Kohn (1880), Rosa Kohn geb. Lindauer (1898), Betty Löwenthal
geb. Stadecker (1876), Gretchen Löwenthal geb. Lehmann (1870), Ricka Mayer geb.
Levi (1862), Gretchen Neckarsulmer geb. Kohn (1883), Emil Oberndörfer (1877), Michael Oberndörfer (1877), Regina Oberndörfer geb.
Kahn (1883), Sophie Pfeiffer geb. Kahn (1878), Max Rosenheimer (1907), Vera
Scheidt geb. Löwenthal (1875), Rosa Schwab geb. Rosenheimer (1878), Irma
Schwarz geb. Oberndörfer (1900), Therese Westheimer geb. Rosenheimer (1875).
Aus der Geschichte
der jüdischen Gemeinde
Aus der Geschichte der
jüdischen Lehrer
Ausschreibung der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet
1901
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 25. Februar 1901: "Bewerber-Aufruf.
In hiesiger Gemeinde ist die unständige israelitische Lehrer- und
Vorsängerstelle durch einen seminaristisch geprüften Lehrer zu
besetzen. Der Jahresgehalt beträgt außer freier Wohnung und
Nebeneinnahmen Mark 900. - Die Versehung der Schechitah wird extra
honoriert. Geeignete Bewerber wollen ihre Zeugnisse bis zum 10. März
dieses Jahres dem Königlichen Evangelischen Konsistorium einreichen und
uns hievon benachrichtigen.
Archshofen, Württemberg, 12. Februar.
Israelitisches Kirchenvorsteheramt: J. Rosenheimer, Moses Kahn, Moses
Güthermann." |
| Anmerkung: Auf die Ausschreibung hin bewarb
sich erfolgreich Max Binheim, der allerdings nur vom 17. April 1901 bis
29. November 1901 in Archshofen blieb. |
Über Lehrer / Rabbiner Jakob Kaufmann (1808 bis 1820
Lehrer in Archshofen)
Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 2. Mai 1853:
"Laupheim, im März. Nekrolog. Am 27. vorigen Monats verschied
dahier der seit 1. Januar vorigen Jahres pensionierte Rabbine Jakob
Kaufmann. In Berlichingen anno
1783 geboren, wo er bei dem dortigen Rabbinen Jakob Bär sich auf das Studium
der jüdischen Theologie vorbereitete, frequentierte er fünf Jahre lang
die damals in hoher Blüte gestandene jüdische Hochschule zu Fürth,
an welcher der verstorbene berühmte Rabbine Wolf Hamburger Talmud und
Poskim vortrug. Nachdem er einige Jahre als Privatlehrer in Herzfeld und
hernach in Sennfeld, ferner in Braunsbach,
als Substitut des dortigen Rabbinen, seines nachmaligen Schwagers, sich
auch im Praktischen für das Amt mehr qualifiziert hatte, wurde er von der
Gemeinde Archshofen als More Zedek und Vorsänger aufgenommen. Hier
blieb er zwölf Jahre, bis er 1820 von der Gemeinde Buchau
in Oberschaben als Rabbiner aufgenommen wurde. In den Grundsätzen der
früheren strengen jüdischen Asketik auferzogen, und der streng
orthodoxen Richtung zugetan, hatte er vielseitige Kämpfe mit den
Bestrebungen und der etwas freieren Richtung, die in den diesseitigen
Gemeinden auftauchten, zu bestehen. Doch war er tolerant genug, um zu
erkennen, dass auch die entgegengesetzte Ansicht das Recht ihrer Existenz
habe. In Folge des Gesetzes vom 25. April 1828 musste er sich mit mehreren
seiner Kollegen einer Kirchendienst-Prüfung, im Sinn des § 16 der
königlichen Ministerialverfügung vom 31. Januar 1834 unterwerfen. In
seinem 50sten Lebensjahre, bis wohin er ein Vierteljahrhundert lang
gelehrt hatte, fing er wieder an zu lernen. Mit seinem Kollegen, dem
christlichen Geistlichen seiner Gemeinde, gut befreundet, |
übte
er sich in der Rhetorik und verwandten Doktrinen, um den an ihn gestellten
Erfordernissen in Zukunft besser entsprechen zu können. Die Deraschot des
'großen Sabbat' und des 'Bußesabbat' metamorphosierte er in logisch
geordneten Predigten, womit ein Pastoralkurs Hand in Hand ging. Bei der im
Frühling 1834 stattgehabten Prüfung für befähigt erklärt, wurde der
Verstorbene von Buchau weg auf das
Rabbinat Laupheim versetzt. Im Jahre
1836 wurde er von der königlich württembergischen israelitischen
Oberkirchenbehörde zur Beratung des Organisationsentwurfs der
Kirchenordnung mit einberufen, dem er nun auch seinerseits zustimmte. Man
sieht daraus, dass er nicht abgeneigt war, unserer Zeit diejenigen Konzessionen
einzuräumen, die er für zweckmäßig und notwendig hielt, und die nach
seiner Ansicht das Gebiet der Orthodoxie nicht überschritten.
In hiesiger Gemeinde wirkte er 17 Jahre lang, bis zum Jahre 1851, wo er
wegen seines Alters in den Ruhestand versetzt wurde. In seiner Quieszenz
bezog er aus der königlichen Zentralkirchenkasse einen angemessenen
Sustentationsgehalt.
In den letzten Monaten seines Lebens überfiel ihn eine schmerzhafte
Krankheit, die auch seinen Tod herbeiführte. Während seiner Krankheit
genoss er allgemeine Teilnahme. Seine Leichenbegleitung war eine sehr
zahlreiche, woran auch christliche Honoratioren teilnahmen. So ist er denn
zur Ruhe heimgegangen, nachdem er so viele Kämpfe durchgemacht. Er starb
im 70. Lebensjahre und hinterließ eine Witwe mit einer schon längst
verheirateten Tochter, deren Stützte nunmehr ins Grab gesegnet ward.
Jetzt im Tode findet er den Frieden, nach dem er als Priester gestrebt,
'sein Andenken bleibt zum Segen'. |
Seminarlehrer Ludwig Stern aus Würzburg kommt
möglicherweise nach Archshofen (allerdings nur ein "Gerücht" von
1866)
Anmerkung: Ludwig Stern war seit 1864 Lehrer an der damals neu
gegründeten "Israelitischen Lehrerbildungsanstalt in Würzburg", zuvor Lehrer im
württembergischen Freudental. 1872 wurde
er Rektor der Anstalt. Im August 1890 starb er in Würzburg. Lehrer stand in
großem Ansehen in den württembergischen Gemeinden.
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. August 1866: "Wie
man hört, wird Herr Seminarlehrer Stern in Würzburg, wahrscheinlich in
Folge der Kriegsereignisse, seine segensreiche Wirksamkeit an dieser
Anstalt aufgeben und wieder in den württembergischen Schulstand, wofür
er sich das Recht vorbehalten hat, eintreten. Der Stand und das Land
würden dadurch eines ihrer strebsamsten Mitglieder und Diener wieder
gewinnen. Es soll ihm nämlich auf seine Bitte die jetzt vakante Schul-
und Vorsängerstelle in Archshofen, einer religiösen und wohlhabenden
Gemeinde im Taubertale übertragen werden. Wir gratulieren der Gemeinde
und dem Lehrer dazu, wenn sich das Gerücht bestätigen
sollte." |
Berichte zu einzelnen Personen aus der
Gemeinde
Zum Tod von Jette Löwenthal (1877)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. August 1877: "Von
der Tauber. Obgleich ein vieljähriger Abonnent Ihres geschätztes Blattes
sind mir doch Berichte aus unserer Gegend noch wenige zu Gesicht gekommen.
Umso mehr beeile ich mich, Ihnen einen Todesfall in einer der
angesehensten Familien hiesiger Religionsgemeinde mitzuteilen, welcher,
wenn auch auf naturgemäßem Wege erfolgt, nicht nur die davon betroffene
Familie und die sämtliche Gemeinde, sondern alle Bekenner der jüdischen
Wahrheit von nahe und ferne, so wie alle Menschenfreunde jeglicher
Konfession schwer berührt. - Am Donnerstag, Tischa Be Menachem
(19. Juli 1877) starb dahier Fau Jette Löwenthal, Gattin des Herrn
Lämlein S. Löwenthal, eine wackere Frau im ausgedehntesten Sinne des
Wortes, nach fast einjähriger, sehr schmerzhafter Krankheit. Was die
Verewigte an ihren 73jährigen, seit vier Jahren an einer
Rückenmarklähmung leidenden Gatten getan, mit welcher unverdrossenen,
rücksichtsvollen Liebe sie den als langjährigen Vorbeter an den ehrfurchtgebietenden
Tagen geschätzten Greis gepflegt und gewartet, trotz eigenen,
schweren Leidens, verdient schon allein in der ganzen israelitischen
Diaspora bekannt zu werden. In ihrem Hause fanden Tora, Gottesdienst und
Wohltätigkeit stets eine offene Heimstätte. Die Verewigte gab mit vollen
Händen; daher war auch ihr Haus stets von den vielen auswärtigen Armen
förmlich belagert; unbefriedigt ging niemand aus ihrer Türe. Jeder Sohn
der Tora hatte bei ihr ein Bett, Tisch, Stuhl und Leuchter.
Der Lebensweg dieses Biederweibes, durchweg mit Wohltun bezeichnet, schien
dennoch von der Vorsehung ausersehen, nur Heimsuchungen zu ertragen. Von
13 Kindern, welche sie ihrem Gatten geschenkt, sind noch 7 am Leben. Vor 5
Jahren starb ein Sohn von 27 Jahren und der Gatte siecht nun auch bald
vier Jahre krank darnieder.
Von Juden und Nichtjuden allgemein bedauert, weil sie Jedem ohne
Unterschied der Religion, in heitern und in trüben Tagen, teilnehmend,
beratend und helfend zur Seite stand, war auch die Begleitung ihrer
irdischen Hülle zu ihrer letzten Ruhestätte eine höchst ehrenvolle.
Freunde und Bekannte von nah und fern, von allen Konfessionen folgten
ihrem Sarge auf den 1 1/2 Stunden entfernten Friedhof. Möge sie im
Jenseits den Lohn für ihre Tugend finden. Ihre Seele sei eingebunden in
den Bund des Lebens. Archshofen, 24. Menachem 5637 (3. August
1877)". |
Zum Tod von Isak Rosenheimer (1925)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. September 1925: "Archshofen,
7. September (1925). Heute bestatteten wir einen Mann, dessen Heimgang
einen großen Verlust für unsere kleine Gemeinde bedeutet. Isak
Rosenheimer hat infolge einer schwere Operation vorzeitig das Zeitliche
gesegnet. Seit langen Jahren war er der Vorsitzende des Vorsteheramtes und
der Rechner der Gemeinde und hat sich nicht nur um die äußerlichen
Notwendigkeiten und um die Finanzen der Gemeinde verdient gemacht in
vielen Arbeiten, Mühen, Gängen und Schreibereien, sondern ist ihr ein
Vorbildung gewesen in Frömmigkeit, Gottesfurcht und
Mizwaus-(Gebote-)Erfüllung. Dass der tägliche Gottesdienst aufrecht
erhalten wurde bis zum heutigen Tage, ist neben anderem hauptsächlich
seiner Energie zuzuschreiben, ebenso, dass die Erteilung des
Religionsunterrichtes an die Kinder fortgesetzt wurde. In vorgerückteren
Jahren hat er sich noch die große Mühe gegeben, die sabbatliche
Toraverlesung sich einzuüben und vorzutragen, obgleich er tagsüber im
Geschäfte hart angestrengt war. Wie ernst war er bestrebt, seine drei
Söhne zur Gottesfurcht und Mizwauserfüllung zu erziehen. Ein
außerordentlich großes Gefolge, darunter auch der Kriegerverein, gab ihm
das letzte Geleite. Möge Gott der gebeugten Witwe und den Söhnen
Trost geben. Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens." |
Anzeigen
jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen
Anzeigen von Lehrer Oberndörfer (1890/92)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 24. Juli 1890:
"Suche Lehrstelle für ein 15jähriges, aus feiner Familie stammendes
Mädchen mit Prima-Zeugnissen (von höherer Töchterschule) in einem
Schabbat und Feiertag streng geschlossenen Geschäfte, am liebsten in
Süddeutschland. Offerten erbittet Lehrer Oberndörfer, Archshofen
(Württemberg)." |
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Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 18. Juli 1892:
"Suche für ein sehr tüchtiges Fräulein Stellung in streng
religiösem Hause als Köchin beziehungsweise Leiterin eines Haushalts.
Offerten erbittet
Lehrer Oberndörfer, Archshofen (Württemberg)." |
Zur Geschichte des Betsaals / der Synagoge
Um 1700 wurden von den damals noch
wenigen am Ort die Gottesdienste in Creglingen besucht. Spätestens im Sommer
1717 bemühten sich die jüdischen Familien in Archshofen um die Einrichtung
eines eigenen Betsaales. Die Ortsherrschaft war diesem Anliegen
offensichtlich nicht abgeneigt, da in einer Sitzung des Rothenburger Raths am
24. Juli 1780 berichtet wurde, "...dass Herr Obrist von Wenzingerode vorhabens
sein solle, in Archshofen eine Judenschule zu genehmigen". Den Juden war seitdem
erlaubt, sich in einem Zimmer in der Wohnung des Juden Simson in dem bei der Mühle
gelegenen Eselstall (Gebäude der späteren Synagoge) zum Gottesdienst zu
versammeln. Der Schultheiß von Archshofen berichtete 1727 über seine
Beobachtungen: "Bei Simson Jud kommen sie morgens früh um 6 Uhr und noch früher
in dessen Wohnstube zusammen; einer unter ihnen mit Namen Götz wird der Vorsänger
genannt, der Lazarus kommt mit seinem Mantel hinein und sonst keiner".
Mit dem Mantel ist der Gebetsschal (Tallit) gemeint. Auch auswärtige
Juden nahmen an den Gottesdiensten in Archshofen teil, wohl auch, damit die
Zehnzahl der Männer gewährleistet werden konnte. So wird 1724 berichtet, dass
schon drei Jahre ein Jude aus dem benachbarten Equarhofen (heute Gemeindeteil
von Simmershofen) an den Gottesdiensten in Archshofen teilnehme. Ein Rabbiner
hatte ihm genehmigt, die 6 km zum Besuch der Sabbatgottesdienste zurückzulegen.
1740 stellte der Jude Lazarus (der bereits 1727 genannte
Jude mit dem Gebetsschal) eine Hälfte seines Hauses als neuen Betsaal
der Gemeinde zur Verfügung. Anfang September 1740 war dieser Betsaal fast
fertig eingerichtet. Allerdings stand die jüdische Gemeinde plötzlich vor
Schwierigkeiten, denn die neue Synagoge befand sich im Zentrum des Dorfes unweit
vom damaligen Kirchweg, was energische Proteste der christlichen Einwohnerschaft
hervorrief. Dennoch konnten sich die jüdischen Einwohner durchsetzen,
wenngleich erst am 3. September 1741 ein erster Gottesdienst im neuen Betsaal
abgehalten werden konnte. Der Betsaal befand sich sehr wahrscheinlich im Gebäude
Nr. 31, dem Haus der späteren jüdischen Schule.
Auch dieser Betsaal, über den noch genaue Beschreibungen
vorliegen, war keine Dauereinrichtung, denn im Jahre 1780, als die jüdische
Gemeinde inzwischen auf 54 Seelen angewachsen war, bemühte man sich um den Bau
einer Synagoge. Der Neubau sollte etwa 9 Meter lang und etwa 8 Meter breit sein
und im Garten beim Haus mit dem bisherigen Betsaal aufgerichtet werden. Die
Gutsherrschaft, inzwischen ein Herr von Oetinger, war bereit, den Baupläne zu
genehmigen. Diesmal schritt jedoch der Rothenburger Rat ein, da dieser eine neue
Rechtslage gegeben sah: aus dem bisherigen Privatgottesdienst würde durch das
Synagogengebäude ein öffentlicher Gottesdienst werden. Eine Genehmigung der
Synagoge würde die Gleichstellung von Christen und Juden am Ort bedeuten. Auf
Grund dieser Einsprüche des Rothenburger Rates konnte der Neubau nicht
verwirklicht werden.
Gut 15 Jahre später fand sich eine Lösung, eine Synagoge
zu erbauen. 1796/97 konnte der frühere Eselstall zwischen Dorfplatz und der
Tauber, wo bereits Jahrzehnte zuvor in der Wohnung des Juden Simson
Gottesdienste gefeiert worden waren, insgesamt von der jüdischen Gemeinde
erworben und zu einer Synagoge umgebaut werden. Auch ein rituelles Bad wurde
(vermutlich 1821) eingebaut, das vom Wasser der Tauber über den Mühlkanal
gespeist wurde. Hinter der Synagoge stand in einem kleinen Anbau der
Leichenwagen. Im Sommer/Herbst 1865 wurde das Gebäude völlig umgebaut,
erweitert und renoviert. Der Gesamtaufwand für die Bauarbeiten betrug 4.100
Gulden. Davon übernahm die bürgerliche Gemeinde 250 Gulden durch einen
Bauholzbeitrag aus dem Gemeindewald. 160 Gulden kamen durch freiwillige Beiträge
zusammen, 180 durch den Verkauf der Synagogenplätze. Der Staat trug 400 Gulden
durch einen Zuschuss bei. Am Schluss blieben noch über 2.000 Gulden, die durch
ein Darlehen abgedeckt wurden.
Großzügige Spende für die Synagoge durch König
Karl (1865/66)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 9. August 1865: "Aus Württemberg.
Die israelitischen Kirchengemeinde Archshofen hat unser König Karl drei
Kronleuchter für die neu restaurierte Synagoge als Geschenk huldreichst
zu verwilligen geruht, und die Filialgemeinde Wiesenbach erhielt zu den
Kosten der Erwerbung und baulichen Einrichtung ihres Schul- und
Gotteshauses einen Staatsbeitrag von 200
Gulden." |
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Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 20. Juni 1866: "Archshofen,
Oberamt Mergentheim. Durch die huldvolle Gnade des Königs wurden der
hiesigen israelitischen Gemeinde zur Erweiterung und Renovierung unserer
Synagoge 400 Gulden als Staatsbeitrag
bewilligt." |
Die Wiedereinweihung der Synagoge am 3. November
1865 war ein großes Fest für den ganzen Ort. Damals lebten 30 jüdische
Familien in Archshofen. Auch 1912 stand nochmals eine größere Renovierung an.
Die Synagoge selbst hatte traditionell einen Betsaal im
Erdgeschoss für die Männer und eine Frauenempore im ersten Stock. Rechts unter
der Empore führten Stufen in die Tiefe zum Frauenbad. An der Wand hingen
Gebotstafeln und über den Bänken seit der Renovierung 1865 drei große
Bronzeleuchter. Diese sollen eine Stiftung der württembergischen Königin
gewesen sein.
Über die Einweihung einer neuen
Torarolle im Juni 1911 berichtete die Zeitschrift "Der Israelit":
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 29. Juni 1911: "Archshofen,
15. Juni (1911). Letzten Sonntag feierten wir hier die Einweihung einer neuen
Torarolle. Der Festgottesdienst wurde mit Gesang und einer Ansprache des Herrn
Lehrers Wolf eröffnet. Umzüge in der Synagoge mit sämtlichen Torarollen unter
entsprechenden Gesängen, Rezitationen und eine Predigt des Herrn
Bezirksrabbiners Dr. Schweizer füllten den dreistündigen Gottesdienst, der mit
dem Mussaphgebete schloss, aus. Sämtliche Gemeindemitglieder wurden zur Tora
gerufen.
Am Abend fand eine bis in die Morgenstunden des Sonntags dauernde Unterhaltung,
an welcher auch die Spitzen der bürgerlichen Behörde teilnahmen, statt.
Rezitationen wechselten mit Reden heiteren und ernsteren Inhalts in bunter
Reihenfolge miteinander ab. Die Festrede wurde von dem Lehrer der Gemeinde,
Herrn Wolf, gehalten, der darauf hinwies, was die Tora unseren Vätern war, und
was sie uns sein soll. Die Grüße der christlichen Kirchengemeinde wurde von
dem Ortsgeistlichen, der besonders auf das schöne Verhältnis, das zwischen den
Bekennern der verschiedenen Konfessionen in Archshofen bestehe, hinwies, überbracht.
Auch der würdige und auf die Eintracht in seiner Gemeinde bedachte
Ortsvorstand, Schultheiß Fleischmann, beteiligte sich an der Feier. Sämtlichen
Teilnehmern wird das schöne Fest, das durch keinen Misston gestört wurde, in
Erinnerung bleiben".
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Noch mindestens bis Mitte der 1920er-Jahre
wurde trotz der klein gewordenen Gemeinde noch täglicher Gottesdienst in der
Synagoge abgehalten (siehe Bericht oben zum Tod
In der Pogromnacht 1938 wurde das Gebäude der
Synagoge beschädigt. Die Bronzeleuchter wurden von Jungen der Hitlerjugend
heruntergerissen. Der damalige Bürgermeister hat aus den Resten der Leuchter
einen rekonstruieren lassen, der in die evangelische Kirche gehängt wurde. In
den 1960er-Jahren ist er in das Schloss Langenburg verkauft worden. Überreste
von Synagogenbänken fanden sich noch jahrelang in einigen Gärten und Hinterhöfen
des Ortes. Das Gebäude der
ehemaligen Synagoge diente der bürgerlichen Gemeinde seit 1941 als Lagerraum,
später als Feuerwehrmagazin und als Gemeinschaftsraum der örtlichen Vereine
(letzterer im ersten Stock auf Höhe der früheren Frauenempore). Seit einigen
Jahren ist das Haus Vereinsheim der Kleintierzüchter.
Das
Gebäude der alten Synagoge diente seit 1840 als jüdische Volksschule mit
Lehrerwohnung (Haus Nr. 31). Das Gebäude ist erhalten und dient als Wohnhaus.
Fotos
Historisches Foto
(Quelle: Jüdische Gotteshäuser und
Friedhöfe in Württemberg. 1932. S. 52)

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Die Synagoge in Archshofen |
Fotos nach 1945/Gegenwart:
Fotos um 1985:
(Fotos: Hahn) |
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| Das ehemalige Synagogengebäude |
Rückseite der ehemaligen Synagoge
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Blick auf das Gebäude von Nordosten |
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| Rückseite des Gebäudes: im Anbau befand sich der Leichenwagen der jüdischen Gemeinde |
Eingang zur ehemaligen Synagoge |
Auf Höhe der ehemaligen Frauenempore |
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Kapitell an den hölzernen Säulen der ehemaligen Frauenempore |
Blickrichtung Osten von der Höhe der ehemaligen
Frauenempore |
Die Käfige stammen von der Ausstellung des Kleintierzüchtervereins |
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Fotos nach der Außenrenovierung 1987:
(Fotos: R. Rasemann) |
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| Blicke von Norden
und Nordwesten auf die
ehemalige Synagoge |
Blick von der Brücke auf die
Südseite der ehemaligen Synagoge |
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Foto 2003:
Fotos: Außenaufnahmen von Hahn, Aufnahmedatum
16.11.2003; untere Zeile vom
Jüdischen
Museum, Creglingen |
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| Die ehemalige
Synagoge als Haus des Kleintierzüchtervereins Archshofen (Z 73 ist die
Nummer des Vereins) |
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| Blick von Osten |
Der Eingang auf der Westseite |
Blick über die Tauber zur
ehemaligen Synagoge; der alte Anbau, worin sich der Leichenwagen befand,
ist durch einen neuen Anbau ersetzt |
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Die Hinweistafel |
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| Die erhaltenen Gebotstafeln
aus der Synagoge Archshofen |
Der Leuchter der Synagoge
Archshofen - in den 1960er Jahren noch in der evangelischen Kirche |
Reste des wieder aufgefundenen
Leuchters |
Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Paul Sauer: Die jüdischen Gemeinden in Württemberg und
Hohenzollern. 1966. S. 27-29. |
 | Erich Bauer: Die Geschichte der jüdischen Minderheit in Archshofen.
Zulassungsarbeit zur Fachgruppenprüfung in Geschichte 1964. Nachdruck 1985.
|
 | Joseph Walk (Hrsg.): Württemberg - Hohenzollern -
Baden. Reihe: Pinkas Hakehillot. Encyclopedia of Jewish Communities from
their foundation till after the Holocaust (hebräisch). Yad Vashem Jerusalem
1986. S. 49-51. |
 | Hartwig Behr/Horst F. Rupp: Vom Leben und Sterben – Juden in Creglingen. 1999.
s. Auflage 2001. |
 | Joachim
Hahn / Jürgen Krüger: "Hier ist nichts anderes als
Gottes Haus...". Synagogen in Baden-Württemberg. Band 1: Geschichte
und Architektur. Band 2: Orte und Einrichtungen. Hg. von Rüdiger Schmidt,
Badische Landesbibliothek, Karlsruhe und Meier Schwarz, Synagogue Memorial,
Jerusalem. Stuttgart 2007.
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Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the
Holocaust".
First published in 2001 by NEW
YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad
Vashem Jerusalem, Israel.
Archshofen
Wuerttemberg. Jews could settle from the early 18th century, but the
community was limited to 15 families. They were permitted to engage only in the
cattle trade, which remained their main source of livelihood even when
restrictions were removed in 1810 after annexation to Wuerttemberg. The
community reached a peak population of 180 in 1870 and declined steadily
thereafter. Until the Nazi era, relations with the local population were
satisfactory and Jews participated in public life. By 1938 all Jewish businesses
were closed and Jews socially ostracized as persecution intensified. Of the 23
Jews in Archishofen in 1933, 12 emigrated by 1939. Some of those remaining died
in Archshofen; the others perished after deportation to the east.

vorherige Synagoge zur ersten Synagoge nächste Synagoge
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