Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Archshofen mit Craintal (Stadt Creglingen, Main-Tauber-Kreis) 
Jüdische Geschichte / Betsaal/Synagoge

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Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer  
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde   
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen     
Zur Geschichte des Betsaals / der Synagoge   
Fotos / Darstellungen 
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Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)  
   
In Archshofen bestand eine jüdische Gemeinde bis um 1936. Ihre Entstehung geht in die Zeit Ende des 17. Jahrhunderts zurück. Erstmals werden 1696 Juden in Archshofen genannt. Der größere Teil des Ortes (mit dem Rittergut) war damals (seit 1687) im Besitz der Herren von Wintzingerode (auch: Winzigerode), deren Besitznachfolger im 18. Jahrhundert (1761) die Familie von Öttinger wurde; den kleineren Teil des Ortes hatte die Reichsstadt Rothenburg (bereits 1463) erworben. 1807 wurde Archshofen bayrisch, 1810 württembergisch. 
  
Ende des 17. Jahrhunderts gewährte der Obrist von Winzingerode den ersten Juden gegen ein jährliches Schutzgeld von 15 Gulden die Niederlassung in Archshofen. Die Aufnahme von Juden am Ort geschah aus finanziellem Interesse. 1747 wurden 40 jüdische Einwohner am Ort gezählt. 1777 entrichteten die 13 in Archshofen ansässigen jüdischen Familien 219 fl. 24 kr. Die Abgaben eines "Schutzjuden" waren im Durchschnitt viermal höher als die eines christlichen Untertanen. Der Haupterwerb der Archshofer Juden war der Viehhandel im ansbachischen und trotz starker Beschränkungen im rothenburgischen Territorium.    
   
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1808 74 jüdische Einwohner, 1824 98, 1831 113, 1843 137, 1844 Höchstzahl von 144, 1854 143, 1869 137, 1886 91, 1910 55. Mitte des 19. Jahrhunderts werden die jüdischen Familien als "mäßig begütert" beschrieben, die von Handelsgeschäften und kleineren Gewerben lebten. Weiterhin spielte der Viehhandel eine große Rolle: 1880 betrug der Umsatz der Archshofer Juden aus dem Viehhandel allein 120.000 Mark. 
  
Das Rittergut Archshofen wurde im Jahr 1800 durch den jüdischen Hofagenten Marx Pfeiffer in Weikersheim von der verschuldeten Familie von Öttinger erworben. Dieser Kauf eines adligen Gutes durch einen Juden war nur möglich, da damals die Archshofen Juden in die ansbachische Landjudenschaft eingegliedert war und somit unter preußischer Herrschaft stand. Später verkaufte Marx Pfeiffer das Rittergut an verschiedene Käufer. In der Zeit, während er das das Gut innehatte, übte er nicht nur die Schutzherrschaft über seine in Archshofen aufgenommenen Glaubensgenossen aus, sondern besaß auch das Patronatsrecht an der evangelischen Dorfkirche. 1805 verkaufte Marx Pfeiffer die Güter des Rittergutes an Archshöfer Bürger. Das Schloss verkauft er an Siegfried Scheitel von Bartenbach.   
  
Zur jüdischen Gemeinde Archshofen gehörten auch die wenigen im benachbarten Craintal lebenden jüdischen Personen. Hier lebten seit der Zeit um 1700 bis um 1860 wenige jüdische Familien (1833 13 Personen, u.a. Familie Machuel Oberndörfer aus Crailsheim). Zwischen Archshofen und Craintal gibt es den Flurnamen "Judenstieg".
  
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge (s.u.), eine Schule (1829-1910 israelitische Konfessionsschule, dann Religionsschule, seit 1840 mit Lehrerwohnung im Gebäude Nr. 31) und ein rituelles Bad (1821 im Gebäude der Synagoge eingerichtet). Die Toten der Gemeinde wurden auf dem jüdischen Friedhof in Creglingen beigesetzt, teilweise auch in Niederstetten. In früheren Jahrhunderten gab es möglicherweise auch einen eigenen Friedhof, da zwei Äcker auf der Höhe südlich von Archshofen den Namen "Judenkirchhof" tragen. Zur Besorgung religiöser Aufgaben war ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war (vgl. unten Ausschreibung von 1901). An Lehrern wirkten u.a. Jakob Kaufmann (1808-1820), Hirsch Imanuel Rothschild (1829-1855), Moses Maison (1856-1866), Moses Fröhlich (1866-1869), Nathan Eduard Sommer (1869-1879), Isaak Oberndörfer (1889-1896), Theodor Rothschild (1896), A. Adler (1898), Bernhard Sichel (-1914/15). Die Gemeinde gehörte zum Rabbinatsbezirk in Bad Mergentheim
  
Um 1925 waren die Vorsteher der jüdischen Gemeinde Isak Rosenbaum, Ferdinand Löwenthal und Jakob Güthermann. Den Religionsunterricht der schulpflichtigen jüdischen Kinder (1925 nur noch ein Kind) hielt Hauptlehrer Joseph Pressburger aus Creglingen (1932 Lehrer Katzenstein aus Creglingen, im Schuljahr 1932/33 zwei Kinder). 1932 war Vorsteher der Gemeinde Ferdinand Löwenthal.
   
An ehemaligen, bis nach 1933 bestehenden Handelsbetrieben im Besitz jüdischer Personen / Familien sind bekannt: Großviehhandlung Hermann Güthermann (Rothenburger Straße 15), Großviehhandlung Adolf Kahn (Rothenburger Straße 23), Kaufmann Lippmann Kohn (Schönersteige 12, abgebrochen), Handelsmann Ferdinand Löwenthal (Finsterlohrer Straße 52, abgebrochen), Viehhandlung Samuel Rosenheimer (Creglinger Straße 5), Manufakturwarengeschäft Siegfried Rosenheimer (Rothenburger Straße 33, abgebrochen).
    
1933 lebten noch 23 jüdische Personen am Ort. Auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts, der zunehmenden Entrechtung und der Repressalien sind mehrere von Ihnen alsbald von Archshofen verzogen beziehungsweise konnten auswandern (14 Personen). Anfang 1938 gab es keine jüdischen Betriebe mehr. Die letzten fünf jüdischen Einwohner wurden 1941 und 1942 nach Riga und Theresienstadt deportiert und sind umgekommen. Das Ehepaar Lippmann und Rosa Kahn wurde Ende November 1941 pber Stuttgart nach Riga deportiert. Der 72-jährige Hermann Güthermann, seine 61 Jahre alte Ehefrau Klara und seine unverheiratete 76-jährige Schwester Lene wurden Anfang August in das Ghetto Theresienstadt deportiert.  
    
Von den in Archshofen geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Ruth Frank geb. Güthermann (1913), Selma Gerstle geb. Löwenthal (1874), Malchen Goldschmidt geb. Rosenheimer (1888), Sophie Gottlieb geb. Güthermann (1864), Hermann Güthermann (1870), Klara Güthermann geb. Friedmann (1881), Lene Güthermann (1866), Siegfried Güthermann (1874), Meta Kahn (1886), Lina Kaufmann geb. Löwenthal (1872), Lippmann Kohn (1885), Moritz Friedrich Kohn (1880), Rosa Kohn geb. Lindauer (1898), Betty Löwenthal geb. Stadecker (1876), Gretchen Löwenthal geb. Lehmann (1870), Ricka Mayer geb. Levi (1862), Gretchen Neckarsulmer geb. Kohn (1883), Emil Oberndörfer (1877), Michael Oberndörfer (1877), Regina Oberndörfer geb. Kahn (1883), Sophie Pfeiffer geb. Kahn (1878), Max Rosenheimer (1907), Vera Scheidt geb. Löwenthal (1875), Rosa Schwab geb. Rosenheimer (1878), Irma Schwarz geb. Oberndörfer (1900), Therese Westheimer geb. Rosenheimer (1875). 
   
   
    
Aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde  
  
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer  
Ausschreibung der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet 1901  

Archshofen Israelit 25021901.jpg (93816 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 25. Februar 1901: "Bewerber-Aufruf. In hiesiger Gemeinde ist die unständige israelitische Lehrer- und Vorsängerstelle durch einen seminaristisch geprüften Lehrer zu besetzen. Der Jahresgehalt beträgt außer freier Wohnung und Nebeneinnahmen Mark 900. - Die Versehung der Schechitah wird extra honoriert. Geeignete Bewerber wollen ihre Zeugnisse bis zum 10. März dieses Jahres dem Königlichen Evangelischen Konsistorium einreichen und uns hievon benachrichtigen. 
Archshofen, Württemberg, 12. Februar. 
Israelitisches Kirchenvorsteheramt: J. Rosenheimer, Moses Kahn, Moses Güthermann."  
Anmerkung: Auf die Ausschreibung hin bewarb sich erfolgreich Max Binheim, der allerdings nur vom 17. April 1901 bis 29. November 1901 in Archshofen blieb.

 
Über Lehrer / Rabbiner Jakob Kaufmann (1808 bis 1820 Lehrer in Archshofen)  

Archshofen AZJ 02051853.jpg (121579 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 2. Mai 1853: "Laupheim, im März. Nekrolog. Am 27. vorigen Monats verschied dahier der seit 1. Januar vorigen Jahres pensionierte Rabbine Jakob Kaufmann. In Berlichingen anno 1783 geboren, wo er bei dem dortigen Rabbinen Jakob Bär sich auf das Studium der jüdischen Theologie vorbereitete, frequentierte er fünf Jahre lang die damals in hoher Blüte gestandene jüdische Hochschule zu Fürth, an welcher der verstorbene berühmte Rabbine Wolf Hamburger Talmud und Poskim vortrug. Nachdem er einige Jahre als Privatlehrer in Herzfeld und hernach in Sennfeld, ferner in Braunsbach, als Substitut des dortigen Rabbinen, seines nachmaligen Schwagers, sich auch im Praktischen für das Amt mehr qualifiziert hatte, wurde er von der Gemeinde Archshofen als More Zedek und Vorsänger aufgenommen. Hier blieb er zwölf Jahre, bis er 1820 von der Gemeinde Buchau in Oberschaben als Rabbiner aufgenommen wurde. In den Grundsätzen der früheren strengen jüdischen Asketik auferzogen, und der streng orthodoxen Richtung zugetan, hatte er vielseitige Kämpfe mit den Bestrebungen und der etwas freieren Richtung, die in den diesseitigen Gemeinden auftauchten, zu bestehen. Doch war er tolerant genug, um zu erkennen, dass auch die entgegengesetzte Ansicht das Recht ihrer Existenz habe. In Folge des Gesetzes vom 25. April 1828 musste er sich mit mehreren seiner Kollegen einer Kirchendienst-Prüfung, im Sinn des § 16 der königlichen Ministerialverfügung vom 31. Januar 1834 unterwerfen. In seinem 50sten Lebensjahre, bis wohin er ein Vierteljahrhundert lang gelehrt hatte, fing er wieder an zu lernen. Mit seinem Kollegen, dem christlichen Geistlichen seiner Gemeinde, gut befreundet,  
Archshofen AZJ 02051853a.jpg (122639 Byte)übte er sich in der Rhetorik und verwandten Doktrinen, um den an ihn gestellten Erfordernissen in Zukunft besser entsprechen zu können. Die Deraschot des 'großen Sabbat' und des 'Bußesabbat' metamorphosierte er in logisch geordneten Predigten, womit ein Pastoralkurs Hand in Hand ging. Bei der im Frühling 1834 stattgehabten Prüfung für befähigt erklärt, wurde der Verstorbene von Buchau weg auf das Rabbinat Laupheim versetzt. Im Jahre 1836 wurde er von der königlich württembergischen israelitischen Oberkirchenbehörde zur Beratung des Organisationsentwurfs der Kirchenordnung mit einberufen, dem er nun auch seinerseits zustimmte. Man sieht daraus, dass er nicht abgeneigt war, unserer Zeit diejenigen Konzessionen einzuräumen, die er für zweckmäßig und notwendig hielt, und die nach seiner Ansicht das Gebiet der Orthodoxie nicht überschritten. 
In hiesiger Gemeinde wirkte er 17 Jahre lang, bis zum Jahre 1851, wo er wegen seines Alters in den Ruhestand versetzt wurde. In seiner Quieszenz bezog er aus der königlichen Zentralkirchenkasse einen angemessenen Sustentationsgehalt. 
In den letzten Monaten seines Lebens überfiel ihn eine schmerzhafte Krankheit, die auch seinen Tod herbeiführte. Während seiner Krankheit genoss er allgemeine Teilnahme. Seine Leichenbegleitung war eine sehr zahlreiche, woran auch christliche Honoratioren teilnahmen. So ist er denn zur Ruhe heimgegangen, nachdem er so viele Kämpfe durchgemacht. Er starb im 70. Lebensjahre und hinterließ eine Witwe mit einer schon längst verheirateten Tochter, deren Stützte nunmehr ins Grab gesegnet ward. Jetzt im Tode findet er den Frieden, nach dem er als Priester gestrebt, 'sein Andenken bleibt zum Segen'. 

  
Seminarlehrer Ludwig Stern aus Würzburg kommt möglicherweise nach Archshofen (allerdings nur ein "Gerücht" von 1866)  
Anmerkung: Ludwig Stern war seit 1864 Lehrer an der damals neu gegründeten "Israelitischen Lehrerbildungsanstalt in Würzburg", zuvor Lehrer im württembergischen Freudental. 1872 wurde er Rektor der Anstalt. Im August 1890 starb er in Würzburg. Lehrer stand in großem Ansehen in den württembergischen Gemeinden.  

Archshofen Israelit 08081866.jpg (68007 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. August 1866: "Wie man hört, wird Herr Seminarlehrer Stern in Würzburg, wahrscheinlich in Folge der Kriegsereignisse, seine segensreiche Wirksamkeit an dieser Anstalt aufgeben und wieder in den württembergischen Schulstand, wofür er sich das Recht vorbehalten hat, eintreten. Der Stand und das Land würden dadurch eines ihrer strebsamsten Mitglieder und Diener wieder gewinnen. Es soll ihm nämlich auf seine Bitte die jetzt vakante Schul- und Vorsängerstelle in Archshofen, einer religiösen und wohlhabenden Gemeinde im Taubertale übertragen werden. Wir gratulieren der Gemeinde und dem Lehrer dazu, wenn sich das Gerücht bestätigen sollte."  

    
Neujahrsgruß von Lehrer A. Adler (1898)
   

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. September 1898: "Allen Verwandten, Freunden und Bekannten wünscht einen herzlichen Neujahrgruß (gute Einschreibung und Versiegelung ...). 
Lehrer A. Adler, Archshofen, Württemberg".    


Todesanzeige für Lehrer Bernhard Sichel (1915)     

Archshofen TA 1915 BSichel.jpg (43611 Byte)Todesanzeige in der Tagespresse Bad Mergentheim: "Todes-Anzeige
Am 12. dieses Monats starb für das Vaterland im Lazarett Landshut infolge Krankheit, die er sich im Feldzuge gegen Russland zugezogen, und nachdem er schon einmal im Kampfe gegen Frankreich verwundert worden war, unser lieber Sohn 
Bernhard Sichel, zuletzt Lehrer in Archshofen.
 
Unteroffizier im Regiment Nr. 122, Inhaber der silbernen Verdienstmedaille 
nach 8-monatlichem Leiden im Alter von 25 Jahren. Mergentheim, den 14. Oktober 1915. 
Der Vater: Samuel Sichel. Beerdigung: Freitag Vormittag 9 Uhr vom hiesigen Bahnhof aus."        

    
   
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde  
Zum Tod von Jette Löwenthal (1877)  

Archshofen Israelit 08081877.jpg (183549 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. August 1877: "Von der Tauber. Obgleich ein vieljähriger Abonnent Ihres geschätztes Blattes sind mir doch Berichte aus unserer Gegend noch wenige zu Gesicht gekommen. Umso mehr beeile ich mich, Ihnen einen Todesfall in einer der angesehensten Familien hiesiger Religionsgemeinde mitzuteilen, welcher, wenn auch auf naturgemäßem Wege erfolgt, nicht nur die davon betroffene Familie und die sämtliche Gemeinde, sondern alle Bekenner der jüdischen Wahrheit von nahe und ferne, so wie alle Menschenfreunde jeglicher Konfession schwer berührt. - Am Donnerstag, Tischa Be Menachem (19. Juli 1877) starb dahier Fau Jette Löwenthal, Gattin des Herrn Lämlein S. Löwenthal, eine wackere Frau im ausgedehntesten Sinne des Wortes, nach fast einjähriger, sehr schmerzhafter Krankheit. Was die Verewigte an ihren 73jährigen, seit vier Jahren an einer Rückenmarklähmung leidenden Gatten getan, mit welcher unverdrossenen, rücksichtsvollen Liebe sie den als langjährigen Vorbeter an den ehrfurchtgebietenden Tagen geschätzten Greis gepflegt und gewartet, trotz eigenen, schweren Leidens, verdient schon allein in der ganzen israelitischen Diaspora bekannt zu werden. In ihrem Hause fanden Tora, Gottesdienst und Wohltätigkeit stets eine offene Heimstätte. Die Verewigte gab mit vollen Händen; daher war auch ihr Haus stets von den vielen auswärtigen Armen förmlich belagert; unbefriedigt ging niemand aus ihrer Türe. Jeder Sohn der Tora hatte bei ihr ein Bett, Tisch, Stuhl und Leuchter
Der Lebensweg dieses Biederweibes, durchweg mit Wohltun bezeichnet, schien dennoch von der Vorsehung ausersehen, nur Heimsuchungen zu ertragen. Von 13 Kindern, welche sie ihrem Gatten geschenkt, sind noch 7 am Leben. Vor 5 Jahren starb ein Sohn von 27 Jahren und der Gatte siecht nun auch bald vier Jahre krank darnieder. 
Von Juden und Nichtjuden allgemein bedauert, weil sie Jedem ohne Unterschied der Religion, in heitern und in trüben Tagen, teilnehmend, beratend und helfend zur Seite stand, war auch die Begleitung ihrer irdischen Hülle zu ihrer letzten Ruhestätte eine höchst ehrenvolle. Freunde und Bekannte von nah und fern, von allen Konfessionen folgten ihrem Sarge auf den 1 1/2 Stunden entfernten Friedhof. Möge sie im Jenseits den Lohn für ihre Tugend finden. Ihre Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens. Archshofen, 24. Menachem 5637 (3. August 1877)".  

       
Zum Tod von Isak Rosenheimer (1925)  

Archshofen Israelit 17091925.jpg (105834 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. September 1925: "Archshofen, 7. September (1925). Heute bestatteten wir einen Mann, dessen Heimgang einen großen Verlust für unsere kleine Gemeinde bedeutet. Isak Rosenheimer hat infolge einer schwere Operation vorzeitig das Zeitliche gesegnet. Seit langen Jahren war er der Vorsitzende des Vorsteheramtes und der Rechner der Gemeinde und hat sich nicht nur um die äußerlichen Notwendigkeiten und um die Finanzen der Gemeinde verdient gemacht in vielen Arbeiten, Mühen, Gängen und Schreibereien, sondern ist ihr ein Vorbildung gewesen in Frömmigkeit, Gottesfurcht und Mizwaus-(Gebote-)Erfüllung. Dass der tägliche Gottesdienst aufrecht erhalten wurde bis zum heutigen Tage, ist neben anderem hauptsächlich seiner Energie zuzuschreiben, ebenso, dass die Erteilung des Religionsunterrichtes an die Kinder fortgesetzt wurde. In vorgerückteren Jahren hat er sich noch die große Mühe gegeben, die sabbatliche Toraverlesung sich einzuüben und vorzutragen, obgleich er tagsüber im Geschäfte hart angestrengt war. Wie ernst war er bestrebt, seine drei Söhne zur Gottesfurcht und Mizwauserfüllung zu erziehen. Ein außerordentlich großes Gefolge, darunter auch der Kriegerverein, gab ihm das letzte Geleite. Möge Gott der gebeugten Witwe und den Söhnen Trost geben. Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."   

      
      
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen 
Anzeigen von Lehrer Oberndörfer (1890/92)  

Archshofen Israelit 24071890.jpg (39234 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 24. Juli 1890: "Suche Lehrstelle für ein 15jähriges, aus feiner Familie stammendes Mädchen mit Prima-Zeugnissen (von höherer Töchterschule) in einem Schabbat und Feiertag streng geschlossenen Geschäfte, am liebsten in Süddeutschland. Offerten erbittet Lehrer Oberndörfer, Archshofen (Württemberg)." 
 
Archshofen Israelit 18071892.jpg (33459 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 18. Juli 1892: "Suche für ein sehr tüchtiges Fräulein Stellung in streng religiösem Hause als Köchin beziehungsweise Leiterin eines Haushalts. Offerten erbittet 
Lehrer Oberndörfer, Archshofen (Württemberg)."

     
Verlobungsanzeige von Hedwig Flamm und Isi Benjamin (1921)      

Uffenheim Israelit 02061921.jpg (30460 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 2. Juni 1921: "Statt Karten. Hedwig Flamm - Isi Benjamin. Verlobte.  Uffenheim - Bayern / Frankfurt am Main, Breitegasse 29 / Archshofen, Württemberg. Mai 1921."

   
   
   
Zur Geschichte des Betsaals / der Synagoge       
   
Um 1700 wurden von den damals noch wenigen am Ort die Gottesdienste in Creglingen besucht. Spätestens im Sommer 1717 bemühten sich die jüdischen Familien in Archshofen um die Einrichtung eines eigenen Betsaales. Die Ortsherrschaft war diesem Anliegen offensichtlich nicht abgeneigt, da in einer Sitzung des Rothenburger Raths am 24. Juli 1780 berichtet wurde, "...dass Herr Obrist von Wenzingerode vorhabens sein solle, in Archshofen eine Judenschule zu genehmigen". Den Juden war seitdem erlaubt, sich in einem Zimmer in der Wohnung des Juden Simson in dem bei der Mühle gelegenen Eselstall (Gebäude der späteren Synagoge) zum Gottesdienst zu versammeln. Der Schultheiß von Archshofen berichtete 1727 über seine Beobachtungen: "Bei Simson Jud kommen sie morgens früh um 6 Uhr und noch früher in dessen Wohnstube zusammen; einer unter ihnen mit Namen Götz wird der Vorsänger genannt, der Lazarus kommt mit seinem Mantel hinein und sonst keiner".  Mit dem Mantel ist der Gebetsschal (Tallit) gemeint. Auch auswärtige Juden nahmen an den Gottesdiensten in Archshofen teil, wohl auch, damit die Zehnzahl der Männer gewährleistet werden konnte. So wird 1724 berichtet, dass schon drei Jahre ein Jude aus dem benachbarten Equarhofen (heute Gemeindeteil von Simmershofen) an den Gottesdiensten in Archshofen teilnehme. Ein Rabbiner hatte ihm genehmigt, die 6 km zum Besuch der Sabbatgottesdienste zurückzulegen.
   
1740 stellte der Jude Lazarus (der bereits 1727 genannte Jude mit dem Gebetsschal) eine Hälfte seines Hauses als neuen Betsaal der Gemeinde zur Verfügung. Anfang September 1740 war dieser Betsaal fast fertig eingerichtet. Allerdings stand die jüdische Gemeinde plötzlich vor Schwierigkeiten, denn die neue Synagoge befand sich im Zentrum des Dorfes unweit vom damaligen Kirchweg, was energische Proteste der christlichen Einwohnerschaft hervorrief. Dennoch konnten sich die jüdischen Einwohner durchsetzen, wenngleich erst am 3. September 1741 ein erster Gottesdienst im neuen Betsaal abgehalten werden konnte. Der Betsaal befand sich sehr wahrscheinlich im Gebäude Nr. 31, dem Haus der späteren jüdischen Schule.  
    
Auch dieser Betsaal, über den noch genaue Beschreibungen vorliegen, war keine Dauereinrichtung, denn im Jahre 1780, als die jüdische Gemeinde inzwischen auf 54 Seelen angewachsen war, bemühte man sich um den Bau einer Synagoge. Der Neubau sollte etwa 9 Meter lang und etwa 8 Meter breit sein und im Garten beim Haus mit dem bisherigen Betsaal aufgerichtet werden. Die Gutsherrschaft, inzwischen ein Herr von Oetinger, war bereit, die Baupläne zu genehmigen. Diesmal schritt jedoch der Rothenburger Rat ein, da dieser eine neue Rechtslage gegeben sah: aus dem bisherigen Privatgottesdienst würde durch das Synagogengebäude ein öffentlicher Gottesdienst werden. Eine Genehmigung der Synagoge würde die Gleichstellung von Christen und Juden am Ort bedeuten. Auf Grund dieser Einsprüche des Rothenburger Rates konnte der Neubau nicht verwirklicht werden.   
   
Gut 15 Jahre später fand sich eine Lösung, eine Synagoge zu erbauen. 1796/97 konnte der frühere Eselstall zwischen Dorfplatz und der Tauber, wo bereits Jahrzehnte zuvor in der Wohnung des Juden Simson Gottesdienste gefeiert worden waren, insgesamt von der jüdischen Gemeinde erworben und zu einer Synagoge umgebaut werden. Hinter der Synagoge stand in einem kleinen Anbau der Leichenwagen. 
  
Im Sommer/Herbst 1865 wurde das Gebäude völlig umgebaut, erweitert und renoviert. Der Gesamtaufwand für die Bauarbeiten betrug 4.100 Gulden. Davon übernahm die bürgerliche Gemeinde 250 Gulden durch einen Bauholzbeitrag aus dem Gemeindewald. 160 Gulden kamen durch freiwillige Beiträge zusammen, 180 durch den Verkauf der Synagogenplätze. Der Staat trug 400 Gulden durch einen Zuschuss bei. Am Schluss blieben noch über 2000 Gulden, die durch ein Darlehen abgedeckt wurden.
      
Gabe eines Kronleuchters und finanzielle Unterstützung durch den württembergischen König für die Restaurierung der Synagoge (1865/66)     

Archshofen Israelit 09081865.jpg (42307 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 9. August 1865: "Aus Württemberg. Die israelitischen Kirchengemeinde Archshofen hat unser König Karl drei Kronleuchter für die neu restaurierte Synagoge als Geschenk huldreichst zu verwilligen geruht, und die Filialgemeinde Wiesenbach erhielt zu den Kosten der Erwerbung und baulichen Einrichtung ihres Schul- und Gotteshauses einen Staatsbeitrag von 200 Gulden."    
   
Archshofen Israelit 20061866.jpg (27078 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 20. Juni 1866: "Archshofen, Oberamt Mergentheim. Durch die huldvolle Gnade des Königs wurden der hiesigen israelitischen Gemeinde zur Erweiterung und Renovierung unserer Synagoge 400 Gulden als Staatsbeitrag bewilligt."    

Die Wiedereinweihung der Synagoge am 3. November 1865 war ein großes Fest für den ganzen Ort. Damals lebten 30 jüdische Familien in Archshofen. Auch 1912 stand nochmals eine größere Renovierung an.   
   
Die Synagoge selbst hatte traditionell einen Betsaal im Erdgeschoss für die Männer und eine Frauenempore im ersten Stock. Rechts unter der Empore führten Stufen in die Tiefe zum Frauenbad. An der Wand hingen Gebotstafeln und über den Bänken seit der Renovierung 1865 drei große Bronzeleuchter. Diese sollen eine Stiftung der württembergischen Königin gewesen sein. 
  
Über die Einweihung einer neuen Torarolle im Juni 1911 berichtete die Zeitschrift "Der Israelit":  

Archshofen Israelit 29061911s.jpg (123420 Byte) Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 29. Juni 1911:  "Archshofen, 15. Juni (1911). Letzten Sonntag feierten wir hier die Einweihung einer neuen Torarolle. Der Festgottesdienst wurde mit Gesang und einer Ansprache des Herrn Lehrers Wolf eröffnet. Umzüge in der Synagoge mit sämtlichen Torarollen unter entsprechenden Gesängen, Rezitationen und eine Predigt des Herrn Bezirksrabbiners Dr. Schweizer füllten den dreistündigen Gottesdienst, der mit dem Mussaphgebete schloss, aus. Sämtliche Gemeindemitglieder wurden zur Tora gerufen.  
Am Abend fand eine bis in die Morgenstunden des Sonntags dauernde Unterhaltung, an welcher auch die Spitzen der bürgerlichen Behörde teilnahmen, statt. Rezitationen wechselten mit Reden heiteren und ernsteren Inhalts in bunter Reihenfolge miteinander ab. Die Festrede wurde von dem Lehrer der Gemeinde, Herrn Wolf, gehalten, der darauf hinwies, was die Tora unseren Vätern war, und was sie uns sein soll. Die Grüße der christlichen Kirchengemeinde wurde von dem Ortsgeistlichen, der besonders auf das schöne Verhältnis, das zwischen den Bekennern der verschiedenen Konfessionen in Archshofen bestehe, hinwies, überbracht. Auch der würdige und auf die Eintracht in seiner Gemeinde bedachte Ortsvorstand, Schultheiß Fleischmann, beteiligte sich an der Feier. Sämtlichen Teilnehmern wird das schöne Fest, das durch keinen Misston gestört wurde, in Erinnerung bleiben".  

Noch mindestens bis Mitte der 1920er-Jahre wurde trotz der klein gewordenen Gemeinde noch täglicher Gottesdienst in der Synagoge abgehalten (siehe Bericht oben zum Tod von Isaak Rosenheimer 1925).   

In der Pogromnacht 1938 wurde das Gebäude der Synagoge beschädigt. Die Bronzeleuchter wurden von Jungen der Hitlerjugend heruntergerissen. Der damalige Bürgermeister hat aus den Resten der Leuchter einen rekonstruieren lassen, der in die evangelische Kirche gehängt wurde. In den 1960er-Jahren ist er in das Schloss Langenburg verkauft worden. Überreste von Synagogenbänken fanden sich noch jahrelang in einigen Gärten und Hinterhöfen des Ortes.  Das Gebäude der ehemaligen Synagoge diente der bürgerlichen Gemeinde seit 1941 als Lagerraum, später als Feuerwehrmagazin und als Gemeinschaftsraum der örtlichen Vereine (letzterer im ersten Stock auf Höhe der früheren Frauenempore). Seit einigen Jahren ist das Haus Vereinsheim der Kleintierzüchter.   
       
Das Gebäude der alten Synagoge diente seit 1840 als jüdische Volksschule mit Lehrerwohnung (Haus Nr. 31). Das Gebäude ist erhalten und dient als Wohnhaus. 
  
  
  
Fotos 
Historisches Foto 
(Quelle: Jüdische Gotteshäuser und Friedhöfe in Württemberg. 1932. S. 52)  

Archshofen Synagoge 001.jpg (90241 Byte)

Die Synagoge in Archshofen


Fotos nach 1945/Gegenwart:  

Fotos um 1985:
(Fotos: Hahn)
     
 Archshofen Synagoge 103.jpg (76003 Byte) Archshofen Synagoge 108.jpg (85338 Byte) Archshofen Synagoge 102.jpg (71944 Byte)
Das ehemalige Synagogengebäude  Rückseite der ehemaligen Synagoge  Blick auf das Gebäude von Nordosten 
     
Archshofen Synagoge 107.jpg (84448 Byte) Archshofen Synagoge 106.jpg (54067 Byte) Archshofen Synagoge 104.jpg (94905 Byte)
Rückseite des Gebäudes: im Anbau 
befand sich der Leichenwagen 
der jüdischen Gemeinde
Eingang zur 
ehemaligen Synagoge
Auf Höhe der 
ehemaligen Frauenempore
      
     
Archshofen Synagoge 105.jpg (47192 Byte) Archshofen Synagoge 100.jpg (48499 Byte) Archshofen Synagoge 101.jpg (69906 Byte)
Kapitell an den hölzernen Säulen 
der ehemaligen Frauenempore
Blickrichtung Osten von der Höhe 
der ehemaligen Frauenempore
Die Käfige stammen von der Ausstellung
 des Kleintierzüchtervereins
     
     
  Fotos nach der Außenrenovierung 1987:
(Fotos: R. Rasemann)
    
Archshofen Synagoge 300.jpg (61183 Byte) Archshofen Synagoge 301.jpg (54259 Byte) Archshofen Synagoge 302.jpg (80061 Byte)
Blicke von Norden und Nordwesten auf die ehemalige Synagoge Blick von der Brücke auf die Südseite 
der ehemaligen Synagoge
   
    
  
Foto 2003:
Fotos: Außenaufnahmen von Hahn, Aufnahmedatum 16.11.2003; untere Zeile vom 
Jüdischen Museum, Creglingen
   
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Die ehemalige Synagoge als Haus des Kleintierzüchtervereins Archshofen 
(Z 73 ist die Nummer des Vereins)
 
   
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Blick von Osten Der Eingang auf der Westseite Blick über die Tauber zur ehemaligen
 Synagoge; der alte Anbau, worin sich 
der Leichenwagen befand, ist durch 
einen neuen Anbau ersetzt
   
   
     
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  Die Hinweistafel  
      
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Die erhaltenen Gebotstafeln aus 
der Synagoge Archshofen
Der Leuchter der Synagoge Archshofen 
- in den 1960er Jahren noch in 
der evangelischen Kirche
Reste des wieder 
aufgefundenen Leuchters
     

    
    
 Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte 

Februar 2002: Bericht über dem jüdischen Museum Creglingen übergebenen Gebotstafeln aus der Synagoge Archshofen  
Archshofen PA 05022002.jpg (313645 Byte)Artikel in der "Tauber-Zeitung" vom 5. Februar 2002: "Empfang / Überraschung. Gesetzestafel wurde übergeben. Ausstellungsobjekt für das Jüdische Museum aus Archshofen.  Im Rahmen eines informellen Empfanges, zu dem Arthur Obermayer anlässlich eines Besuches mit seiner Ehefrau in Creglingen den Vorstand und Beitrat des Museums, Stadträte und Förderer eingeladen hatte, präsentierte der Archshofener Ortsvorsteher Werner Mantel eine echte Überraschung. 
Creglingen.
Im hintersten Winkel des Rathauses in Archshofen stieß man auf eine Gesetzestafel mit den 10 Geboten, die aller Wahrscheinlichkeit nach aus der ehemaligen Synagoge in Archshofen stammt und sich dort über dem Thora-Schein befunden haben könnte. Außerdem fand man noch etliche Messingteile und Glasketten von den Kronleuchtern, die während des Krieges aus der Synagoge entfernt und demoliert wurden. Aus den zahlreichen Einzelteilen hatte man nach dem Krieg einen einzelnen Lüster hergestellt, der bis in die 60er-Jahre in der evangelischen Kirche in Archshofen hing, bevor er nach Schloss Langenburg verkauft wurde. Symbolisch für die Überreste überreichte Werner Mantel einen Leuchterteil aus Messing an den Initiator des Jüdischen Museums.  
Zum weiteren Lesen bitte Textabbildung anklicken.   
 
 

   
    

Links und Literatur

Links:  

Website der Stadt Creglingen  
Website des Heimatvereins Archshofen  

Literatur:  

Paul Sauer: Die jüdischen Gemeinden in Württemberg und Hohenzollern. 1966. S. 27-29.  
Erich Bauer: Die Geschichte der jüdischen Minderheit in Archshofen. Zulassungsarbeit zur Fachgruppenprüfung in Geschichte 1964. Nachdruck 1985. 
Joseph Walk (Hrsg.): Württemberg - Hohenzollern - Baden. Reihe: Pinkas Hakehillot. Encyclopedia of Jewish Communities from their foundation till after the Holocaust (hebräisch). Yad Vashem Jerusalem 1986. S. 49-51.  
Hartwig Behr/Horst F. Rupp: Vom Leben und Sterben – Juden in Creglingen. 1999. s. Auflage 2001.  
synagogenbuch-1.jpg (32869 Byte)Joachim Hahn / Jürgen Krüger: "Hier ist nichts anderes als Gottes Haus...". Synagogen in Baden-Württemberg. Band 1: Geschichte und Architektur. Band 2: Orte und Einrichtungen. Hg. von Rüdiger Schmidt, Badische Landesbibliothek, Karlsruhe und Meier Schwarz, Synagogue Memorial, Jerusalem. Stuttgart 2007.  
Barbara Distel: Archshofen - Theresienstadt - Treblinka. Die Deportation der letzten drei jüdischen Mitbürger aus dem heutigen Creglinger Teilort vor 70 Jahren. In: Württembergisch Franken. Hrsg. vom Historischen Verein für Württembergisch Franken. Band 97.   

      
        


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel. 

Archshofen  Wuerttemberg.  Jews could settle from the early 18th century, but the community was limited to 15 families. They were permitted to engage only in the cattle trade, which remained their main source of livelihood even when restrictions were removed in 1810 after annexation to Wuerttemberg. The community reached a peak population of 180 in 1870 and declined steadily thereafter. Until the Nazi era, relations with the local population were satisfactory and Jews participated in public life. By 1938 all Jewish businesses were closed and Jews socially ostracized as persecution intensified. Of the 23 Jews in Archishofen in 1933, 12 emigrated by 1939. Some of those remaining died in Archshofen; the others perished after deportation to the east.  
    
     

                   
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Stand: 18. Oktober 2014