Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Dörzbach (Hohenlohekreis) 
Jüdische Geschichte / Betsaal/Synagoge

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Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version see Hohebach)  
       
In dem bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts reichsritterschaftlichen (seit 1605 Herren von Eyb) Dorf Dörzbach bestand eine jüdische Gemeinde bis 1907. Ihre Entstehung geht in die Zeit des Dreißigjährigen Krieges zurück. Erstmals werden 1627 sechs jüdische Familien in Dörzbach genannt. 1688 wurden die Juden ausgewiesen; 1752 konnten sich - zunächst zwei jüdische Familien aus Hohebach (des Wolf Jacob und Simon Abraham) - wieder am Ort niederlassen. 1782 waren acht jüdische Familien am Ort.  
    
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1807 75 jüdische Einwohner, 1824 98, 1828 124, 1831 131, 1843 169 (Höchstzahl), 1854 156, 1869 58, 1886 27, 1894 25 (in sechs Familien), 1895 23 (in fünf Familien), 1897 23 (in sechs Familien), 1898 16 (in vier Haushaltungen), 1899 14 (in vier Haushaltungen), 1900 13, 1910 3, 1925 4, 1931 4. 
   
In der Mitte des 19. Jahrhunderts gehörten auch die wenigen noch in Laibach und Altkrautheim lebenden Juden zur Dörzbacher Gemeinde. 
  
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge (s.u.), eine jüdische Schule und ein rituelles Bad (im Untergeschoss eines Hauses 'links der Brücke über den Goldbach, zur Hälfte auf dem Klepsauer Tor', gemeint Alte Klepsauer Str. 11 s.u.). Die Toten der jüdischen Gemeinde wurden zunächst auf den jüdischen Friedhöfen in Unterbalbach, Laibach und Berlichingen, nach 1852 in Hohebach beigesetzt. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war. Unter den Lehrern sind bekannt: Moses Kallmann, der sich ab 1828 Moses Rosenthal nennt (geb. 1790, 1863 pensioniert, gest. 1869 in Dörzbach), 1864 war Dörzbach unbesetzt, 1865 bis 1868 war Lehrer Heinrich Frei (siehe unten). Um 1894/1898 erteilte Lehrer Bernhard Sahm aus Hohebach den noch fünf bzw. 1898 vier jüdischen Kindern in Dörzbach den Religionsunterricht (Sahm war von 1885 bis 1900 Lehrer in Hohebach).
  
Die Gemeinde wurde 1832 dem Rabbinat Weikersheim zugeteilt. 
 
Von den Gemeindevorstehern werden genannt: um 1871 Herr Igersheimer (in "Der Israelit" vom 8. Februar 1871 S. 112).
 
Von den Vereinen und Stiftungen werden genannt: um 1896 die Oser Bär'sche Stiftung (unter Leitung von J. Strauß), 1898 vier Jahrzeitstiftungen. 
  
Seit den 1850er-Jahren ging die Zahl der Juden am Ort durch Aus- und Abwanderung stark zurück, bis die Gemeinde aufgelöst und die hier noch lebenden Juden der Hohebacher Gemeinde zugeteilt wurden.
  
Von den Gemeindevorstehern werden genannt: um 1871 Herr Igersheimer, um 1894/1895 J. Heß, H. Strauß und H. Sänger, um 1896 H. Heß, H. Sänger und Tierarzt H. Rothschild, um 1898/1903 J. Heß und Tierarzt H. Rotschild. Als Rendant (Rechnungsführer der Gemeinde) wird 1896 genannt: H. Strauß. 
  
An ehemaligen, bis um 1920/30 bestehenden jüdischen Gewerbebetrieben sind bekannt: Tierarzt H. Rothschild (Hauptstraße 20), Kurzwaren- und Stoffgeschäft Hugo Sänger (Hauptstraße 28, Wohnhaus Hauptstraße 32). Eine Altmaterialiensammlung betrieb Albert Fleischhacker.   
      
Von den in Dörzbach geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"):
Mathilde Andersch geb. Rothschild (1891), Albert Fleischhacker (1882), Therese (Theres) Fleischhacker geb. Strauss (1878), Lina (Karolina) Kaiser geb. Strauss (1856), Berta Roller geb. Rothschild (1884), Moritz Rothschild (1883, s.u.), Otto Rothschild (1885, s.u.), Charlotte Schulheimer geb. Rothschild (1887).    
     
Hinweis: Für Otto Rothschild liegt in Stuttgart (Gaisburgstraße 18) ein "Stolperstein": Familiengeschichte in https://www.stolpersteine-stuttgart.de/biografien/thekla-und-otto-rothschild-gaisburgstr-18/. Für Moritz Rothschild liebt ein "Stolperstein" in den Sneek/Niederlande (Stationspark 17): https://www.joodsmonument.nl/nl/page/122918/moritz-rothschild   
      
      
      
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
   
Allgemeine Berichte
      
"Die Juden in Dörzbach" (Beitrag von Oberlehrer Wallrauch, 1929)               

Artikel in der "Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs" vom 1. November 1929: "Die Juden in Dörzbach. Von Oberlehrer Wallrauch.
Da Dörzbach ein reichsunmittelbares Ritterdorf ist, darf es uns nicht verwundern, wenn die Juden schon frühzeitig hier auftreten. Die Ritterschaft nahm sie in Schutz, ließ sich aber dafür bezahlen. Meist wurde ihnen eine besondere Gasse angewiesen, weshalb heute noch in Orten, welche längst keine Juden mehr beherbergen, deren Vorhandensein unter den Namen wie Judenbad, Synagoge, Judengasse oder Viertel weiter lebte. Die Juden nannte man Schutzjuden. Als Einfahrtsgeld hatten sie 6 fl. zu bezahlen. Das Schutzgeld betrug 6 fl. Außerdem hatten sie 1 fl. und 15 Kreuzer zu bezahlen, um von den Fronlasten befreit zu sein.
Wenn wir die Orte, in denen Juden überhaupt vorkommen, näher betrachten, so finden wir, dass es meist uralte Dörfer mit stark parzellierten Feldern und Täler mit altem Weidebetrieb sind. In diesen Siedlungen gedieh der Vieh- sowie der Güterhandel, welcher von den Juden mit Erfolg in die Hand genommen wurde. Heute noch sind die Vieh- und Pferdemärkte ohne die Juden nicht denkbar.
Durch die unglückselige Parzellierung infolge der Vermehrung der Besitzer entstand in den Dörfern eine Menge 'kleiner Leute' und mit ihr auch 'kleiner' Juden. Was die Weber in Heimarbeit anfertigten, brachten die Juden mit ihrem Zwerchsack in den Handel. Die Maschine nahm beiden das Brot. Die 'Neue Welt' nahm die Verarmten auf, denn es hieß: 'Dort finde man das Geld auf der Straße'. In den Jahren 1840-1870 wanderten 70 Prozent der damaligen Juden aus und ihnen schlossen sich viele christliche Gemeindemitglieder an.
Dörzbach hatte einst eine blühende Judengemeinde. Im Jahre 1861 hatte Dörzbach eine eigene Synagoge und 156 Juden, zu denen von Laibach noch 10 und von Altkrautheim 3 kamen. Heute zählt sie noch 3 Glieder, deren Stamm bereits 200 Jahre hier seinen Sitz hat. Zottig Löw und seine Frau Frade Israel leben fort in der Familie Optiker Stern und deren letztem weiblichen Gliede 'Julie Stern' aus der Linie Sam. Zottig. Die weibliche Linie Jette lebt fort in den Nachkommen der Lehrerfamilie und Optiker Rosenthal. Die zweite Linie Mayer Zottig nennt sich Waldstein und lebt fort in den bekannten Optikerfamilien, die nach München, Wien und Venedig auswanderten. Die dritte Linie Israel Zottig nannte sich Geiger, ist aber frühzeitig ausgestorben.
Der schon 1755 genannte Schutzjude Wolf Jakob lebt fort in der letzten Einwohnerin 'Therese Strauß' verehelichte Fleischhacker. Der Schutzjude Baruch lebt weiter unter dem Namen 'Weichsel'. 1760 sind auch hier schon die Rothschild unter 'Jakob Anselm" vertreten, deren Nachkommen heute überall sind und dessen würdiger Vertreter der allbeliebte und tüchtige Tierarzt Heinrich (Herz) Rothschild noch in guter Erinnerung ist. Die begabtesten und angesehensten Glieder der Dörzbacher Gemeinde stellte Sim. Abraham und dessen Gattin Zerrle David in ihren Nachkommen, den weit verzweigten Gutmann, Sänger, Steiner, Levi und Waldstein. Abraham Gutmann, genannt 'Awerle', leistete als Gemeinderat der Gemeinde treffliche uneigennützige Dienste, indem er in den 50er Jahren die Verträge und Beschlüsse zwischen Gemeinde und Herrschaft, sowie Realgemeinde herbeiführte. Außer den genannten Familien treten noch auf: Altinger, Böhm, Bär, Ehrlich, Heß, Haas, Kahn, Igersheimer, Lichtenberg, Neuburger, Stein, Wertheimer, Weinstock.
Auch das kleine Laibach hatte seine eigene Judengemeinde. Ihr in idyllischer Waldeinsamkeit gelegener Judenfriedhof wird von den ersten Morgenstrahlen gegrüßt. Wie ich aus alten Urkunden ersah, verdankt die Laiibacher Gemeinde ihre Entstehung den deutschen Freiheitskriegen. Die Einfahrtsgelder werden meist 1812—1817 entrichtet. An Namen werden genannt: Bär, Koch, Besig, Neuburger, Schlom Jakob, Isak Abraham, Mayer Strauß, Friedenheimer sowie Abraham Löwental. Lazarus Bär und Jakob Schleisinger aus Unterschwandorf sind vom 15. bis 25. Juni 1815 als russische Dolmetscher tätig und erhalten für 10 Tage (à 40 Kreu- 
Doerzbach GemZeitung Wue 01111929a.jpg (341229 Byte)zer) 400 Kreuzer = 6 fl. 40 Kreuzer. Aaron Mayer (Vater des Optikers Waldstein) lieferte den Offizieren Arak für 6 fl. 30 Kreuzer. Die Laibacher Juden kamen auf keinen grünen Zweig. Sie verarmten in dem Notjahr 1817 und wurden einige Jahre darnach in Armut vergantet, und meist besorgte eine mildtätige Hand ein ehrliches Begräbnis. Heute erinnert nur noch der Judenfriedhof sowie die sogenannte Judengasse an die vor 100 Jahren dort blühende Gemeinde. '
Mit der Landflucht der Juden ging auch das Leben in dem blühenden Marktflecken Dörzbach zurück. Eine sympathische Figur aus der Erinnerung ist der im ganzen Lande bekannte Optiker Heß. Der große hagere, allzeit zufriedene, ehrliche Mann trug jahraus, jahrein seinen Kasten von Ort zu Ort. Er war für viele ein Berater nicht nur für schwache, sondern auch für kranke Augen. Groß war meine Freude, als er mich eines Tages im Donautal aufsuchte, er, der erfahrene Mann und ich, der blutjunge Lehrer. Immer hatte er in seinen letzten Jahren etwas für gute Kinder in seiner Tasche. Sein Vater hatte von ihm gesagt, wie mir Mathilde Böhm (die verewigte beste Trägerin der Dörzbacher Erinnerungen) erzählt: 'Joseph, du bist und bleibst ein Pechvogel, dein Leben lang.'
Als er bei der Musterung die Losnummer Nr. 1 herauszog, sagte sein Vater: 'Joseph, wenn die Nr. 0 drinnen gewesen wäre, du hättest sicherlich auch die 0 gezogen." Joseph wurde ein tüchtiger Soldat, blieb aber doch ein Pechvogel. Eine Frau starb nach der andern. 4 Frauen hatte er. Im Jahre 1905 durfte er seine müden Augen schließen, er, der so vielen müden Augen Hilfe und Glanz verliehen hatte.
Vom Saufwolf erzählt man sich folgende Geschichte. Wolf Levi Wertheimer war ein schneidiger Soldat gewesen, nun aber tüchtiger Metzger. Die 1848er Freiheitsbewegung gliederte auch ihn in die Bürgerwehr ein. Weil er gerne trank, so nannte man ihn 'Saufwolf'. Am 13. März hatte Wertheimer die Wache am Regenshäuser Tor. Sein Nachbar, Schreiner Reuß, welcher angeheitert war, gedachte dem Wertheimer Judenangst einzujagen. In der Dunkelheit schlich er sich immer näher an ihn heran. Wertheimer ruft ihn 3 Mal an. Der Geist im Bettlaken gibt keine Antwort. Saufwohl legt an, und der betrunkene Wolf bricht, zu Tode getroffen, zusammen. Vor seinem Tode bezeugt er: 'Wertheimer ist unschuldig, ich wollte ihm Angst einjagen.' Wegen der stündlich zunehmenden Gefahr wurde eine Soldatenabteilung nach Dörzbach entstandt. Sie ziehen Mitte durch die Straßen. In ihrer Mitte führen sie 'Wolf Wertheimer'. Niemand ihm Darf hats ihm nachgetragen.
Im Umgang mit den Kindern fanden viele hebräische Wörter Eingang im Frankenlande. Nur haben sie meist einen mundartlichen Anstrich: Ich nenne: Schoufet, Gallach, Bornes, Mackes, Duches, Gediwer, Kaffruse, Schicker, Brauches, Schaute, Schlamassel, Massemate, Schlemil, Schmußer, Pleite, Uleno, Mores, Brauges, Rauges, meschuke, achle, ganfe, schofel, kappores, Messumes. 
Im Fränkischen hat man viel Wert darauf gelegt, von den 'Juden' die Saatfrucht zu erhalten, weil man derselben, sobald sie unter jüdischem Dache gelagert hatte, größere Keimfähigkeit zuschrieb.
Aber auch umgekehrt haben die Juden den Christen manches nachgemacht. Mathilde Böhm, im Jahre 1840 geboren, erzählte, dass sie als Kind einen unendlich feinen Faden spinnen konnte. Sie habe die ganze Freundschaft mit versehen. Die daraus gefertigten Hemden haben bei den Musterungen Glück gebracht und vom Militärdienste befreit, indem die Träger solcher Hemden unbedingt eine hohe Losnummer zogen.
Auf enge Fühlungnahme der israelitischen Jugend mit den lebhaften Frankenkindern deutet auch das Deklamationsspiel vom Jokel, der alle Schicksale durchkostet, eine Nachbildung des Chad-Godje am Pessachabend. Schließlich holt der Teufel den Metzger. Der Schluss lautet sodann im Fränkischen:
No schickt der Herr de Daifel naus
Er soll de Metzger hole,
Metzger duet des Oechsle schlachte,
Oechsle duet des Wässerli saufe,
Wässerli duet des Feuer lösche,
Feuer duet des Prügeli brenne,
Prügeli duet des Hundle schloche,
Hundle duet des Jockeli beiße,
Jockeli duet a Bire schüttle,
Bire duen a falle.
Man ersieht ganz deutlich, dass das Kind das ganze chaldäische Lied verbildet hat. Aber man darf nicht verkennen, wie rasch dies Lied von Kindern aufgenommen und durch Jahrhunderte weitergegeben wurde." 

 
Die "Israeliten im Bezirk Künzelsau" (Beitrag von 1928) 

Artikel in "Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württemberg" vom 1. Juni 1928 (Dörzbach rot markiert): "Die Israeliten im Bezirk Künzelsau.  Von Lehrer Julius Schapiro.
Von den zahlreichen, schon seit frühester Zeit bestehenden israelitischen Gemeinden des Oberamts Künzelsau haben sich nur wenige bis auf den heutigen Tag erhalten. Es liegt dies teils an der immer mehr zurückgehenden Zahl der Israeliten im allgemeinen, teils an der in der Mitte des vergangenen Jahrhunderts stark einsetzenden Abwanderung nach den Städten. Schon von alters her, vielfach mit der Gründung mancher Ortschaften, bildeten sie einen Teil der bürgerlichen Gemeinden und im Wohl und Wehe mit ihnen wurde ihr Schicksal mit der Länge der Zeit so innig verknüpft, dass sie in denselben vollständig ausgingen. Diese allmählich gewordene Bodenständigkeit trug im wesentlichen dazu bei, dass die Israeliten in hohem Maße an den kulturellen Bestrebungen ihrer Mitbürger teilnahmen und im edlen Wettstreit mit ihnen das wirtschaftliche Niveau mancher Ortschaften erhöhten. Die Bevölkerungsstatistik der Israeliten im ganzen Oberamt weist folgende Zahlen auf: 1812: 750; 1846: 1133; 1858: 869; 1871: 777; 1875: 677; 1880: 662; 1895: 542; 1910: 362; 1925; 279 Israeliten.
Zu den ältesten, jetzt noch bestehenden israelitischen Gemeinden des Oberamtes zählt die von Hohebach. Schon im Jahre 1348 waren hier Israeliten ansässig, teilten aber bald das Schicksal mit anderen Glaubensgenossen, die später dem Volkswahne zur Zeit der Pest zum Opfer fielen. Erst nach dem Westfälischen Frieden, der u.a. auch bestimmte, dass der Graf von Hohenlohe wieder Herr seines Gebietes werden sollte, hören wir wieder von Ansiedlungen israelitischer Familien in Hohebach und den übrigen hohenlohischen Ortschaften. In den Jahren 1666-73 wurden 8 Familien aufgenommen gegen ein Schutzgeld von 10 fl.  Schutzbriefe, die noch vorhanden sind, wurden ihnen ausgestellt gegen 10 Taler.
Bei der Landesverteilung im Jahre 1708 waren in Hohebach 7 Familien. 1728 hatte sich deren Zahl wiederum auf acht erhöht. Die Statistik weist im Jahre 1875 184, 1895 114, 1910 77, 1925 53 Seelen auf.
Kirchlich unterstanden die Israeliten von Hohebach der Muttergemeinde in Ailringen bis zum Jahre 1817. Auch hier waren schon frühzeitig Israeliten vom Deutschherrenorden aufgenommen worden. Seit wann sie sich dort angesiedelt haben, lässt sich nicht mit Bestimmtheit nachweisen: jedenfalls schon vor 1695.
Als berühmter Spross der israelitischen Gemeinde in Hohebach verdient Erwähnung der in Portland, Vereinigte Staaten, verstorbene Salomon Hirsch. In ärmlichen Verhältnissen aufgewachsen, wunderte er nach Amerika aus, wo er sich in seltenem Maße das Vertrauen seiner Mitbürger erwarb. Es wurde ihm die hohe Auszeichnung zuteil, in Konstantinopel die Vereinigten Staaten als Gesandter zu vertreten. 
Zu Hohebach gehörten ferner die Israeliten von Hollenbach, die sich seit der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts dort angesiedelt hatten. Sie besaßen eine eigene Synagoge, die erst im Jahre 1902 verkauft wurde. Auch in Mulfingen bestand früher eine ansehnliche Israelitengemeinde. Unter Würzburger Herrschaft wurden dort schon sehr bald (nähere Zeit der 1. Ansiedlungen unbekannt) Israeliten aufgenommen. Laut Dekret vom 16. November 1695 mussten sie anstatt der jura stolae an das Pfarramt ein Neujahrsgeld bezahlen. Heute ist ebenso wie in Hollenbach keine israelitische Familie mehr dort sesshaft.
Die drei Gemeinden Dörzbach, Laibach und Altkrautheim wurden laut Dekret der Israelitischen Oberkirchenbehörde vom 3. August 1832 in Dörzbach vereinigt. Deren Synagoge, erbaut im Jahre 1838, wurde, nachdem sich die Israelitengemeinden ausgelöst hatten, verkauft, das Inventar fiel an das nahe gelegene Hohebach.
Auffallend ist die verhältnismäßig geringe Zahl an israelitischen Friedhöfen im ganzen Bezirke genannter Gemeinden. Durch das Verbot mancher Herrschaften, denen die Ortschaften unterstanden, Begräbnisstätten zu errichten, waren die Israeliten gezwungen, so genannte Sammelfriedhöfe anzulegen, wohin sie ihre Toten, oft von weiter Entfernung her, bringen mussten. Ein solch verlassener Friedhof befindet sich noch in Laibach. Vor mehreren Jahren wurde dieser unter der fachkundigen Leitung und Mitarbeit des nun leider verstorbenen Lehrers S. Wißmann, Künzelsau und erfolgreicher Mitwirkung des Herrn Hauptlehrers Wallrauch in Dörzbach restauriert und neu umfriedigt. Im Jahre 1852 wurde in Hohebach ein israelitischer Friedhof errichtet, wohin die Israeliten von Hollenbach, Ailringen und Dörzbach ihre Toten bestatteten.
Am Ende eines starken Bogens, den die Jagst von Schöntal her beschreibt, liegt der vom linken Ufer allmählich sich in die Höhe ziehende Marktflecken Berlichingen, wo sich ebenfalls eine alte Israelitengemeinde bis heute erhalten hat. Die Aufnahme der Israeliten war, da das Dorf um dir Mitte des 12. Jahrhunderts in eine Berlichingische und eine Schöntalische Seite geteilt war, (die Straße schied beide Teile) nach Schöntaler Darstellung gemeinschaftlich, während die Herren von Berlichingen den sogenannten 'Judenschutz' in ihrem Gebiete beanspruchten, woraus unzählige Streitigkeiten flossen. Zuerst ist 1650 davon die Rede. Berlichingen hatte damals 25 'Schutzjuden', Schöntal 1. Allem Anschein nach waren die Israeliten bei den Herren von Berlichingen besser gelitten, als bei denen von Schöntal; denn als erstere 1783 ihnen allgemeines Wohnrecht zubilligten und sie auch in christliche Häuser aufnahmen, wurde von den Herren von Schöntal dagegen protestiert.
Die Synagoge, im unteren Teil des Dorfes nahe der Jagst. in ein einfaches, aber ehrwürdiges Gebäude ohne Stil aus dem Anfange des 18. Jahrhundert. Ein sehr alter Betsaal dagegen hat sich aller Wahrscheinlichkeit nach in dem oberen Stocke des jetzt der Familie Berlinger gehörigen Hauses befunden. Teilweise gut erhaltene hebräische Inschriften, die nur an ähnlich heiligen Orten angebracht werden, lassen mit Bestimmtheit diesen Schluss ziehen. Ein sehr alter Sammelfriedhof, wohin u.a. auch die Israeliten von Künzelsau ihre Toten verbringen, liegt eine halbe Stunde südöstlich vom Ort entfernt auf einer Anhöhe mitten im Feld.
Eine kleine Israelitische Gemeinde befand sich auch im nahe gelegenen Bieringen. Im Jahre 1654 befanden sich dort drei israelitische Familien, von welchen Mainz das Schutzgeld wie auch das Aufnahmerecht ansprach. Die anfangs selbständige Gemeinde wurde wegen des ständigen Rückganges ihrer Mitglieder laut Erlass der Oberkirchenbehörde vom 3. August 1832 trotz heftigsten Widerstands Berlichingen zugeteilt. Im Jahre 1873 waren in Bieringen noch 5 Wahlberechtigte, 1883 zählte es noch 16 Israeliten. 1853 weist die vereinigte Wählerliste beider Gemeinden 40 Mitglieder auf. Die Bevölkerungsstatistik zeigte folgende Kurve: 1875 128, 1895 104, 1910 95; 1925 90 Israeliten.
Einer ziemlich starken Ansiedlung der Israeliten im Jagsttale und dessen näheren Umgebung, steht nur eine verhältnismäßig geringe im ganzen Kochertal gegenüber. Der Grund hiefür mag in dem Umstand liegen, dass ihrem Zuzug in diesen Ortschaften größerer Widerstand entgegengesetzt wurde. Eine Ansiedlung von Israeliten erfolgte nur in Braunsbach und Künzelsau-Nagelsberg.
Über die Entstehung der israelitischen Gemeinde in Braunsbach fehlen nähere Daten. 1673 gab es dort vier israelitische Familien, die sich laut Chronik im Jahre 1715 schon sehr vermehrt hatten. Die Synagoge wurde 1733 erbaut, wahrscheinlich wurde um diese Zeit auch der Friedhof angelegt. 1832 wurde das Rabbinat in Braunsbach errichtet, zu welchem auch die Oberämter Hall und Crailsheim und Teile der Oberämter Künzelsau, Gerabronn und Öhringen gehörten. 1908 wurde der Rabbinatssitz nach Hall verlegt. Eine Israelitische Konfessionsschule, 1825 als Privatschule errichtet, wurde 1834 in eine öffentliche israelitische Volksschule umgewandelt, ging aber im Jahre 1923 wegen Mangel an der hiezu nötigen Anzahl von Kindern ein. Bevölkerungsstatistik: 1875 152, 1895 159; 1910 88, 1925 55 Seelen.
Den kürzesten Bestand sämtlicher israelitischer Gemeinden des Oberamts weist die israelitische Religionsgemeinde Künzelsau auf. Es ist jedoch mit Bestimmtheit anzunehmen, dass diese bereits eine Zweitgründung ist, denn einer Sage nach, die aber einer gewissen Grundlage nicht entbehrt, sollen die Israeliten schon in alter Zeit, nach Urkunden des Würzburger Chronisten Lorenz, seit dem Jahre 1336 in Künzelsau sesshaft gewesen sein. Ihr Friedhof habe sich im Holderrain befunden und noch 1700 soll in der Scharfengasse ein Haus mit hebräischer Inschrift gewesen sein. Die Geschichte der neu erstandenen israelitischen Gemeinde ist eng verknüpft mit der ihrer Muttergemeinde Nagelsberg, welche später amtlich den Namen Nagelsberg-Künzelsau, dann Künzelsau-Nagelsberg und endlich 1900 den Namen Künzelsau erhielt, infolge des Wegzugs der Israeliten von Nagelsberg und des Zuzugs aus anderen Gemeinden (Berlichingen, Bieringen, Hohebach und Ernsbach) nach Künzelsau. In Nagelsberg bestand schon seit alter Zeit, wahrscheinlich seil Mitte des 15. Jahrhunderts eine große israelitische Gemeinde mit einer eigenen Synagoge, die erst im Jahre 1908 verkauft wurde. Während aber die Israelitengemeinde in Nagelsberg bereits seit 20 Jahren der Vergangenheit angehört, hat ihre Nachfolgerin in Künzelsau eine bis vor wenigen Jahren ununterbrochene Linie der Aufwärtsbewegung zu verzeichnen.
Vor 80 bis 100 Jahren zählte man in Nagelsberg wohl etwas mehr als 30 israelitische Familien. Sie bildeten also einen ziemlich starken Prozentsatz der dortigen Bevölkerung. Dieser Stand hatte sich anfangs der 60er Jahre des vorigen Jahrhunderts nicht besonders verändert. - Um diese Zeit siedelten mehrere Familien nach Künzelsau über, so dass sich in der Mitte der 70er Jahre die dort wohnenden Israeliten veranlasst sahen, die Königliche Israelitische Oberkirchenbehörde zu bitten, in Künzelsau einen Filialdienst abhalten zu dürfen. Durch Erlass vom 27. Mai 1876 wurde diesem Ersuchen stattgegeben. Der Betsaal befand sich zuerst in einer Wohnung in der Schnurgasse gegenüber dem Gasthause zum Hirschen, dann eine kurze Zeit im Linke'schen Gebäude am Morsbacher Tor, hierauf im Hintergebäude des Auerbachschen Hauses in der Hauptstraße, dann im Hause des S. Weinsberger. Der Sitz des Religionslehrers und Vorsängers blieb weiterhin in Nagelsberg, den Filialdienst leitete an Werktagen ein pensionierter Lehrer, während an Samstagen und Feiertagen die Künzelsauer Israeliten nach Nagelsberg mussten, um an einem Festgottesdienste teilnehmen zu können. Dieser Zustand dauerte an, obwohl im Laufe der Zeit in Künzelsau bedeutend mehr Israeliten wohnten, als in Nagelsberg. Erst als im Jahre 1903 die Anzahl der Nagelsberger israelitischen Gemeindemitglieder auf zwei bis drei herabsank, bestand für das israelitische Kirchenvorsteheramt keine moralische oder rechtliche Verpflichtung mehr, den Gottesdienst in Nagelsberg für die Zukunft aufrecht zu erhalten. Im Jahre 1904 tauchte der Gedanke auf, in Künzelsau ein Gotteshaus zu erstellen. Dieser Plan, der bei der etwa 30 Mitglieder zählenden Gemeinde allgemein Anklang fand, reifte schnell seiner Verwirklichung entgegen. Das derzeitige Israelitische Kirchenvorsteheramt bestand aus den Herren A. Neumann, G. Ledermann und D. Stern und dessen Vorsitzenden Lehrer S. Wißmann. Dank der Rührigkeit dieser Herren, besonders aber des allverehrten S. Wißmann und der großen Opferwilligkeit der israelitischen Gemeindemitglieder konnte die Synagoge, deren Plan von Oberamtsbaumeister Ganzenmüller entworfen wurde, anfangs Juni 1906 begonnen und am 30. August 1907 eingeweiht werden. Der Bau ist in einfachem maurischen Stil gehalten und bildet eine Zierde der Straße, in welcher er sich befindet, gewährt aber besonders von der Nagelsberger Straße aus betrachtet, mit seinen beiden Kuppeln, die während des Krieges von ihren Kupferplatten entkleidet wurden, einen sehr schönen Anblick.
Von hohem Werte für die weitere gesunde Entwicklung der Gemeindeverhältnisse war der bezeichnende Umstand, dass in der Leitung nur selten ein Wechsel der Personen eintrat. So wirkte der allgemein beliebte und verehrte Lehrer S. Wißmann, dessen Todestag sich nun in diesem Monate schon jährt, allein fast 35 Jahre in der Gemeinde und trug so im wesentlichen zu ihrem steten Aufbau bei.
Die Seelenzahl der israelitischen Gemeinde beträgt zur Zeit 81. Die kleine Gemeinde stellte im Weltkriege 1914/18 20 Kriegsteilnehmer, von denen 19 Frontkämpfer waren und drei als Kriegsopfer fielen.
Und last, not least kann als erhebendes Moment festgestellt werden, dass das Verhältnis zwischen den verschiedenen Konfessionen stets das friedlichste war und auch die Israelitengemeinde immer bestrebt war, den konfessionellen Frieden zu erhalten und zu fördern."    

     
Ergebnis einer Spendensammlung in der Gemeinde Dörzbach   

- 1871: nach Mitteilung in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. Februar 1871 wurde "für die Notleidenden im heiligen Land gesammelt": "Durch Igersheimer, Vorsteher in Dörzbach: von ihm selbst 5 fl., Levi Gutmann 3 fl. 30 kr., G. Lichtenberg 1 fl., Joseph Heß 24 kr., Jacob Strauß 24 kr., Lazarus Strauß 24 kr., Baer Heß 24 kr., David Stern 12 kr., Fanny Stern 12 kr., Amson Rothschild 15 kr., zus. 11 fl. 45 kr."     

         
 Die Dörzbacher jüdische Gemeinde zählt nur noch drei Personen (1930)            

Artikel in der "Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs" vom 16. September 1930: "Dörzbach. Unsere schon um 1750 genannte und im vergangenen Jahrhundert so blühende Gemeinde zählt heute nur noch drei jüdische Seelen. Auch das benachbarte Hohebach sieht eine immer mehr schwindende jüdische Gemeinde. - Zeichen der stets größer werdenden Landflucht."         

     
     
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer
Über den Lehrer Moses Rosenthal (geb. Kallmann, Lehrer in Dörzbach bis 1863) 

Moses Rosenthal geb. Kallmann ist am 25. Dezember 1790 als Sohn des Moses Kallmann von Allersheim geboren. Er nannte sich ab 1828 Moses Rosenthal. Verheiratet war er seit dem 15. Dezember 1816 in 1. Ehe mit Jette, die am 3. Mai 1789 geboren ist als Sohn des Samuel Zaddig (?) und seiner Frau Hanna. Die beiden hatten neun Kinder, die zwischen 1817 und 1832 geboren sind. Jette starb am 27. März 1852 in Dörzbach.
Moses Rosenthal heiratete am 24. Januar 1853 in Steinbach in 2. Ehe Karoline, die Witwe des Abraham Kohn (Vorsänger in Steppach), die am 15. Juli 1805 in Baiersdorf geboren ist als Tochter des Mose Löwenthal (Handelsmann in Baiersdorf) und seiner Frau Dorothea geb. Philippsohn.
Informationen nach dem Familienregister Dörzbach: http://www.landesarchiv-bw.de/plink/?f=1-442480-22     

    
Über den Lehrer Heinrich Frei (1865 bis 1868 Lehrer in Dörzbach) 

Heinrich (Hayum) Frei ist am 16. April 1846 in Braunsbach als Sohn eines Schuhmachers geboren. Er studierte 1862 bis 1864 am Lehrerseminar in Esslingen, war danach (1865 bis 1868) Lehrer in Dörzbach, von 1868 bis 1873 in Göppingen. Anschließend hat 49 Jahre lang für die israelitische Kultusgemeinde in München als Lehrer, Kantor und Chordirigent gearbeitet: 1874 begann er zunächst als Religionslehrer bei der Münchner Kultusgemeinde zu arbeiten. Ab 1876 übernahm er auch das Amt des Kantors und unterstützte den bekannten Kantor und Komponisten synagogaler Musik Max Löwenstamm als Chordirigent bei der musikalischen Ausgestaltung des neu eingerichteten reformierten Gottesdienstes. Emanuel Kirschner ehrte Frei am 29. Januar 1923 in einem Nachruf im Jüdischen Echo: 'In hingebungsvoller, erfolgreicher Erfüllung seines übernommenen Pflichtenkreises, erwarb sich Frei während nahezu eines halben Jahrhunderts nicht nur die Anerkennung und Wertschätzung seiner Vorgesetzten, auch aufrichtigste Liebe und rührende Anhänglichkeit ward ihm zuteil seitens der gesamten Gemeinde. In dankbarer Verehrung blickten zu ihm auf drei Generationen, denen er religiöser Erzieher, Berater und Führer war, die ihm die Treue wahrten auch über die Schulzeit hinaus.' Bei der Trauerfeier am 28. Januar sprachen unter anderen: Rabbiner Dr. Baerwald und der 1. Vorstand der Kultusgemeinde Dr. Neumeyer, Oberstudiendirektor Frühwald für die Handelsschule und höhere Töchterschule in der Luisenstraße, Hauptlehrer Friedmann für die Kollegen. Kirschner schließt den Nachruf: 'Heinrich Frei war ein Segen für unsere Gemeinde.' Frei war verheiratet und hatte Kinder und Enkel. Heinrich Frei starb am 26. Januar 1923 in München.
Tätigkeit für die "Achawa": Heinrich Frei war von 1892 oder 1893 bis mindestens 1904 Vorstandsmitglied der Achawa, eines Vereins zur Unterstützung hilfsbedürftiger israelitischer Lehrer, Lehrer-Witwen und -Waisen in Deutschland. Zu seinem Engagement heißt es im 40. Jahresbericht des Vereins: 'An Stelle des [1892 verstorbenen Verwaltungsmitgliedes Anselm Blumenfeld aus Diespeck] fand die Verwaltung einen sehr erwünschten Ersatz in dem hier anwesenden Herrn Heinrich Frei, Lehrer in München, der seitdem nicht allein als geeigneter Vertreter der bayerischen Lehrer, sondern auch als allseitig hochverehrter Vertrauensmann im Bayerischen Lande für das gedeihliche Wachstum der Achawa mit solchem Eifer zu wirken versteht, dass wir diesem tüchtigen Verwaltungsmitgliede für seine durch unablässigen Eifer schon bereits bisher erzielten großen Erfolge ewige Dankbarkeit schulden.' 
Nachfolger von Heinrich Frei in München war Joseph Ziegler (1880-1941): https://www.stolpersteine-muenchen.de/stolperstein/joseph-ziegler/   

 
 

Berichte zu einzelnen Personen aus der jüdischen Gemeinde 

Über die Familie Dörzbacher (Göppingen / Jebenhausen) und ihre Herkunft aus Dörzbach (Artikel von 1930)  
Mit Hinweis auf Vorfahren von Albert Einstein aus Dörzbach. Der genannte Julius Koch (Dörzbacher) bei geni.com: https://www.geni.com/people/Julius-Koch/6000000009414473568      

Artikel in der "Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs" vom 15. November 1930: "Göppingen. Am 18. November begeht hier eine der ältesten und geschätztesten Familien unserer Gemeinde die seltene Feier der Goldenen Hochzeit. Der am 28. Januar 1891 in Jebenhausen geborene Samuel Dörzbacher kann mit seiner am 3. November 1859 geborenen Gattin Hannchen geb. Rosenthaler auf eine 50-jährige, überaus glückliche Ehe zurückblicken, der zehn Kinder entsprossen sind; sie alle haben, z. T. in Übersee, angesehene Familien gegründet. Die Familie Dörzbacher stammt aus Dörzbach. Ihr Vorfahre Löb Samuel ist 1810 nach Jebenhausen bei Göppingen übersiedelt. Sein ältester Sohn Zadok nahm 1842 mit seinen beiden Söhnen Heinrich und Julius den Familiennamen 'Koch' an. Diese übersiedelten 1852 nach Cannstatt, die Tochter des Julius wurde die Mutter Prof. Albert Einsteins. Der jüngere Sohn des Löb Samuel, Samuel Löb Dörzbacher, verblieb mit seiner Familie in Jebenhausen. Sein Enkel ist der Jubilar, der 1880 zugleich mit seiner Verehelichung nach Göppingen übersiedelte. Hier hat er sich nicht nur als Kaufmann einen sehr geachteten Namen erworben, sondern sich auch um die Israelitische Gemeinde sehr verdient gemacht. Im Jahre 1890 wurde er erstmalig in das Vorsteheramt gewählt und gehörte diesem Kollegium als eines seiner eifrigsten und geschätztesten Mitglieder fast 35 Jahre lang an, bis ihn Altersbeschwerden im Jahre 1924 zwangen, eine Wiederwahl abzulehnen. Auch in der Synagoge, zu deren fleißigsten Besucher der Jubilar gehört, hat er viele Jahrzehnte lang als trefflicher Schofarbläser und gerngehörter Schachrisvorbeter am Jom Kippur verdienstvoll gewirkt. Wiederholt haben Vorsteheramt und Gemeinde Anlass genommen. den allseitig beliebten Jubilar durch Überreichung von Zeichen der Dankbarkeit und Wertschätzung zu ehren. Möge dem Jubelpaare noch ein langer und froher Lebensabend beschieden sein. T."  


Kleine Mitteilungen zu einzelnen Personen
    
    

-  1870: Spendensammlung "für die Armen des heiligen Landes" durch L. Berlinger in Berlichingen bei der Verlobung von Wolf Hanauer von Berlichingen mit Bertha Igersheimer von Dörzbach (in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 14. September 1870 S. 17).
-  1928: 70. Geburtstag von Julchen Stern aus Dörzbach am 10. Oktober 1928 (in: "Israelitisches Familienblatt" vom 4. Oktober 1928 S. 6). 
-  1937: Silberne Hochzeit von Albert Fleischhacker und seiner Frau Therese geb. Strauß in Dörzbach am 7. November 1937 (in: "Israelitisches Familienblatt" vom 64. November 1937 S. 16). 
-  1938: 80. Geburtstag von Julchen Stern aus Dörzbach am 11. Oktober 1938 (in: "Israelitisches Familienblatt" vom 6. Oktober 1938 S. 18). 

    
      
      
Zur Geschichte des Betsaals / der Synagoge       
   
Zunächst benutzten die Dörzbacher Juden die Einrichtungen in Hohebach. 1685 wurden sie allerdings dafür bestraft, dass sie ohne Erlaubnis die Gottesdienste im Nachbarort besuchten. Dort bestand zu dieser Zeit ein Betsaal in einem Privathaus. Drei Jahre später wurden die Dörzbacher Juden ausgewiesen. Nach der Wiederaufnahme 1752 erhielt Judenvorsteher Israel von Dörzbach mit den Seinen die Erlaubnis, die Schule des Judenschulmeisters Jakob in Hohebach für jährlich zwei Gulden zu besuchen. 
  
Ein erster Betsaal in Dörzbach wurde 1782 von den inzwischen acht jüdischen Familien eingerichtet (Standort unbekannt). Sie hatten hierfür von der Ortsherrschaft die Erlaubnis bekommen. 1807 lebten bereits 17 jüdische Familien (75 Personen) in Dörzbach. Sie benutzten nach einem Bericht des Kreisamtmannes aus Öhringen eine Synagoge  "in einem Miethaus", wobei es sich vermutlich immer noch um den 1782 eingerichteten Betsaal gehandelt hat.   
     
Um 1810/15 wurde eine (neue) Synagoge erbaut. Jedenfalls geht aus einem Bericht des Oberamtes Künzelsau vom 1. Juni 1822 hervor, dass die damals 20 jüdischen Familien "erst vor wenigen Jahren eine Synagoge erbaut haben, auf welche sie noch eine bedeutende Kapitalsumme schuldig sind". In diesem Synagogengebäude war im unteren Stock die jüdische Schule, im oberen Stock der Betsaal. Bei einer Medizinalvisitation der Oberamtes Künzelsau im September 1836 wurden jedoch die beengten und ungesunden Verhältnisse im Schulraum beanstandet. Die Schule mit damals 44 Kindern sei in einem engen und relativ niederen Raum, der nur von einer Seite durch zwei Fenster Licht erhielt. Die jüdische Gemeinde wurde zur schnellen Veränderung dieser unhaltbaren Situation aufgefordert. Doch ließ sich weder das Zimmer erhöhen noch konnte ein weiteres Fenster eingebaut werden. Auch war im Ort kein anderes Zimmer für die Schule anzumieten. Die Gemeinde plante daraufhin zunächst, einen neuen Betsaal an das Gebäude anzubauen und die Schule in den oberen Stock, wo bislang der Betsaal war, zu verlegen. Kreisbauinspektor Roth hatte gegenüber diesem Plan jedoch erhebliche Bedenken, von denen sich die jüdischen Gemeindevertreter überzeugen ließen.  
      
Im Frühjahr 1838 beschloss die jüdische Gemeinde daraufhin den Bau einer neuen Synagoge, in dem Betsaal und Schule sowie ein Zimmer für den Synagogenrat untergebracht werden konnten. Die Entscheidung fiel aus finanziellen Gründen nicht leicht, zumal nach einem Bericht von 1839 damals mehrere jüdische Familien Dörzbachs in "gänzlicher Armut" lebten, die anderen nur ein "geringes Vermöge" hatten. Im März 1838 konnte ein Grundstück außerhalb des Ortes an der Straße nach Hohebach gekauft werden. Oberamt und Kreisregierung erklärten sich einverstanden, dass die Schule bis zur Fertigstellung im alten Schullokal verbleiben könne, zumal die Schülerzahl auf 26 zurückgegangen war. Im November 1838 wurden die Baupläne für das neue Synagogen- und Schulgebäude von der Israelitischen Oberkirchenbehörde und dem evangelischen Konsistorium genehmigt. In einem Bericht der Behörden wird die Begründung für den Bau der neuen Synagoge übrigens so beschrieben: "In Folge des in neuerer Zeit auch bei den Israeliten vermerkten Sinnes für die Würde des Gottesdienstes sieht sich auch die israelitische Gemeinde Dörzbach durch den schlechten Zustand ihrer Synagoge und Schule veranlasst, ein neues Gebäude für den Gottesdienst und den Schulunterricht zu erbauen...". Die Kosten wurden vor Baubeginn auf 5.303 Gulden hochgerechnet. Einen Teil hatte die Gemeinde bereits angespart, sodass von der Gesamtsumme zunächst noch 3.675 Gulden fehlten. Am 18. April 1839 wurde ein Staatsbeitrag in Höhe von 350 Gulden genehmigt. Nach einem Bericht vom Mai 1839 war damals der Bau "im vollen Lauf". Noch 1839 oder spätestens 1840 wurde die Synagoge eingeweiht. 
     
Die jüdische Gemeinde erhält einen Staatsbeitrag zum Bau der Synagoge und des Schulhauses (1839)       

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. November 1911: 
"Die israelitischen Konfessionsschulen (Elementarschulen) in Württemberg. 
Von Rabbiner Dr. Schweizer in Weikersheim (Schluss). 
Vergleicht man die Staatsbeiträge, die auf Grund dieses Artikels des Gesetzes von 1836 den israelitischen Gemeinden zu Schulhausneubauten damals gewährt wurden, mit den heute noch bewilligten Beiträgen zu Schulzwecken, so ergeben sich, besonders wenn man den höheren Wert der damaligen Geldwährung mitberücksichtigt, ungeheure Summen, die mit denen von heute stark kontrastieren. Dabei ist noch zu bemerken, dass die damalige Bevölkerungszahl der Israeliten keine höhere war, und was die Steuerkraft derselben betrifft, viel geringer als heute anzuschlagen ist. 
Nach den Regierungsblättern des betreffenden Jahrganges wurden bewilligt:  
der israelitischen Gemeinde Hohebach zur Erbauung einer Synagoge und eines Schulhauses (beide zusammen bilden 1 Haus) [17. Juli 1839] 250 Gulden   
der israelitischen Gemeinde Dörzbach zur Erbauung einer Synagoge und eines Schulhauses (beide bilden 1 Haus) [17. Juli 1839] (Gemeinde ist nun aufgelöst)  350 Gulden."

Etwa ein halbes Jahrhundert war die neue Dörzbacher Synagoge der Mittelpunkt des jüdischen Gemeindelebens am Ort. In den 1890er-Jahren war jedoch immer weniger ein regelmäßiger Gottesdienst möglich, da die Zehnzahl der jüdischen Männer nicht mehr erreicht wurde. Nach 1900 besuchten die Dörzbacher Juden die Synagoge in Hohebach. Das Synagogengebäude wurde verkauft; das Inventar fiel an die Hohebacher Gemeinde.  
       
Das Gebäude der Synagoge ist als Wohnhaus erhalten (Hohebacher Straße 4). 
     
     
     
Fotos 
Historische Fotos:   

Historische Fotos sind nicht bekannt, eventuelle Hinweise bitte an den 
Webmaster von "Alemannia Judaica", Adresse siehe Eingangsseite


Fotos nach 1945/Gegenwart:  

Fotos um 1985:
(Fotos: Hahn) 
   
Doerzbach Synagoge 001.jpg (85523 Byte) Doerzbach Synagoge 002.jpg (87020 Byte) Doerzbach Synagoge 003.jpg (74731 Byte)
 Die ehemalige Synagoge in Dörzbach Seitenansicht  Eingangstor 
     
Fotos 2003/04:
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 22.9.2003; 
erstes Foto oben links am 1.8.2004)
Doerzbach Synagoge 130.jpg (66944 Byte) Doerzbach Synagoge 150.jpg (55769 Byte) Doerzbach Synagoge 153.jpg (72065 Byte)
Die ehemalige Synagoge an der Hohebacher Straße  Seitenansicht 
   
Doerzbach Synagoge 152.jpg (59845 Byte) Doerzbach Synagoge 154.jpg (71760 Byte) Doerzbach Synagoge 151.jpg (79340 Byte)
Eingang von der 
Straßenseite  
Blick von der Gartenseite 
auf das Gebäude  
Eingang von der Gartenseite. Über der Tür
 könnte eine Inschrift gewesen sein.
     
     

2022: Ausgrabungen der ehemaligen Mikwe (rituelles Bad)
Im Dezember 2022 wurde die ehemalige Dörzbacher Mikwe im Zusammenhang mit der Wohnhaussanierung des Gebäudes Alte Klepsauer Straße 11 ausgegraben. Das Becken war gefüllt mit nassem Schlamm, der mit Steinen, Mauerziegelstücken, Dachziegelstücken und Holzstücken durchsetzt war. Sehr auffallend war, dass eine Holztreppe und keine steinerne Treppe ins Becken führte (Fotos erhalten von Jörg Waterstraat).    

     

Bericht zu den Ausgrabungsarbeiten der Mikwe im Dezember 2022: Die Arbeiten begannen am 6. Dezember 2022. Zuerst wurde der Estrich und die darauf platzierte Wand im Süden des Raumes herausgenommen. Darunter konnten bereits bauliche Reste erkannt werden. Am 7. Dezember wurde zuerst südlich des Baubefundes die Untersuchung angesetzt, um die vermutete Fortführung der Mikwe in diesem Bereich ausschließen zu können. Mittags begannen die Arbeiten an der eigentlichen Mikwe und deren Verfüllung fortgesetzt und intensiviert werden. Hierbei wurde die Verfüllung, welche im Zuge der Aufgabe der Mikwe eingebracht wurde, im Laufe der folgenden beiden Tage gänzlich entnommen. Das eintretende Wasser (vgl. Foto rechts) machte den Einsatz einer Pumpe bereits seit am 7. Dezember notwendig. Am 9. Dezember wurde eine leistungsstärkere Pumpe angeliefert und eingesetzt. Die Mikwe konnte damit vollständig geleert werden. An diesem Tag begannen auch die Dokumentationsarbeiten an der Mikwe. Diese zeigt einen Einbau, welcher den eigentlichen Wasserbereich verkleinert. Besonders ist eine hölzerne Leiter mit drei erhaltenen Stufen, welche auf einem ebenfalls hölzernen Podest stehen, anzuführen.  

     

Nach Abschluss des Restaurierung
(Foto vom Juni 2026 erhalten von Jörg Waterstraat)

   
 

Das Gerbertorhaus in Dörzbach, in dem sich die frühere Mikwe befindet, konnte fertig saniert werden und wird als Ferienhaus verwendet, vgl. https://www.fewo-direkt.de/ferienwohnung-ferienhaus/p5754924. 2026 wurde der Kellerraum mit der Mikwe restauriert. Die Arbeiten konnten bis zum Juni 2026 fast vollständig abgeschlossen werden (siehe Fotos).

     
       
     
     

Nach Ausmalung durch den Künstler Tuvia Christ
und Anbringung der Erklärungstafeln

(Fotos vom September 2026 erhalten
von Jörg Waterstraat)

   
     
     
   
     

   
   

Links und Literatur 

Links: 

bulletWebsite der Gemeinde Dörzbach  

Quellen:  

Hinweis auf online einsehbare Familienregister der jüdischen Gemeinde Dörzbach 
In der Website des Landesarchivs Baden-Württemberg (Hauptstaatsarchiv Stuttgart) sind die Personenstandsregister jüdischer Gemeinden in Württemberg, Baden und Hohenzollern einsehbar: https://www2.landesarchiv-bw.de/ofs21/olf/struktur.php?bestand=5632     
Zu Dörzbach sind vorhanden:    
J 386 Bü. 151 Dörzbach Geburten 1836-1874  http://www.landesarchiv-bw.de/plink/?f=1-442474   
J 386 Bü. 152 Dörzbach  Eheschließungen 1836-1869 http://www.landesarchiv-bw.de/plink/?f=1-442475   
J 386 Bü. 153 Dörzbach Geburten 1869-1874   http://www.landesarchiv-bw.de/plink/?f=1-442476  
J 386 Bü. 154 Dörzbach Eheschließungen 1868-1870  http://www.landesarchiv-bw.de/plink/?f=1-442477   
J 386 Bü. 155 Dörzbach Sterbefälle 1836-1874 http://www.landesarchiv-bw.de/plink/?f=1-442478  
J 386 Bü. 156 Dörzbach Sterbefälle 1868-1870  http://www.landesarchiv-bw.de/plink/?f=1-442479  
J 386 Bü. 157 Dörzbach Familienbuch 1762-1868  http://www.landesarchiv-bw.de/plink/?f=1-442480    

Literatur:

bulletPaul Sauer: Die jüdischen Gemeinden in Württemberg und Hohenzollern. 1968. S. 68-69. 
bulletJürgen Hermann Rauser: Dörzbacher Heimatbuch. 1980. 
bulletsynagogenbuch-1.jpg (32869 Byte)Joachim Hahn / Jürgen Krüger: "Hier ist nichts anderes als Gottes Haus...". Synagogen in Baden-Württemberg. Band 1: Geschichte und Architektur. Band 2: Orte und Einrichtungen. Hg. von Rüdiger Schmidt, Badische Landesbibliothek, Karlsruhe und Meier Schwarz, Synagogue Memorial, Jerusalem. Stuttgart 2007.   
bulletSpuren Wege Erinnerung. Orte des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus. Eine Dokumentation. Hrsg. Landratsamt Hohenlohekreis. Redaktion Thomas Kreuzer (Kreisarchiv Hohenlohekreis). Künzelsau 2021. 82 S. (pdf-Datei ohne zugänglich)   

     
      

                   
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Stand: 09. August 2026