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zu den Synagogen in
Baden-Württemberg
Weikersheim (Main-Tauber-Kreis)
Jüdische Geschichte / Betsaal/Synagoge
Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde
(english
version)
In der bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts zur Grafschaft
Hohenlohe gehörenden Residenzstadt Weikersheim bestand eine jüdische Gemeinde
zunächst im Mittelalter, die mehrmals im Zusammenhang mit Judenverfolgungen
(1298, 1336/37 und 1349) vernichtet wurde. Im 15. Jahrhundert gab es vereinzelte
Ansiedlungen (1437 Seligmann Löw genannt). 1455 wurde die Niederlassung von
Juden in der Stadt verboten.
Die Entstehung der neuzeitlichen Gemeinde geht in die Zeit
des Dreißigjährigen Krieges zurück. 1637 wurden Schutzbriefe für die Juden
Mosche und Maunaß erteilt, die als Stammväter der neuzeitlichen Gemeinde
gelten. Seit Ende des 17. Jahrhunderts war Weikersheim Sitz eines Rabbiners.
Seit 1697 wirkte Rabbi Jakob, später Rabbi Ischah in der Stadt. 1748 wurde
Rabbiner Moses Feis nach Weikersheim berufen (gest. 1788). Er war Verfasser des
1785 in Fürth gedruckten Talmudtraktats Schekalim (Darbone Sahab). 1819 bis
1827 war Moses Lazarus (= Moses ben Elieser Schach) Rabbiner in Weikersheim
(geb. 1773 in Glogau, gest. 1840 als Rabbiner in Trier).
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner
wie folgt: die höchste Zahl jüdischer Einwohner wurde um 1807 mit 158 Personen
erreicht. 1845 waren es noch 131
Personen in 32 Familien.
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge (s.u.), eine
jüdische Schule, ein rituelles Bad und einen Friedhof.
Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war (neben dem Rabbiner, der
Aufgaben im ganzen Bezirk hatte) ein Lehrer angestellt, der zugleich als
Vorbeter und Schochet tätig war. Die Schule war seit ihrer Gründung 1835
im Vorderhaus des Gebäudekomplexes Wilhelmstraße 16 untergebracht. Hier
befanden sich bis 1914 auch das Rabbinat und die Lehrerwohnung.
Bei der
Neueinteilung der württembergischen Rabbinate wurde 1832 Weikersheim Sitz eines
Bezirksrabbinates. Inhaber des Bezirksrabbinates waren Mayer Mainzer
(1825 bis 1861), Dr. Israel Heilbronn (1862 bis 1903) und Dr. Abraham Schweizer
(1904 bis 1914). 1914 wurde es aufgelöst, Rabbiner Dr. Schweizer wechselte nach
Horb.
Im Ersten Weltkrieg fiel aus der jüdischen Gemeinde Gefreiter Arnold
Adler (geb. 18.11.1886 in Weikersheim, gef. 19.8.1914).
Die Familien lebten vom Handel (beziehungsweise von
Einzel- und Großhandlungen) mit Landesprodukten, Textilien und anderen Waren.
Bis nach 1933 gab es an jüdischen Gewerbebetrieben: Textilgeschäft Jakob Ascher
(Hauptstraße 45), Landesproduktenhandlung Sigmund Emrich (Marktplatz 6), Textilgeschäft Sara Königsberger
(Hauptstraße 26). Weitere Wohn- und Geschäftshäuser waren in den Gebäuden
Friedrichstraße 5, Hauptstraße 5 und 27, Hohenloher Straße 2 und 5,
Marktplatz 2 und 4 (im 19./Anfang 20. Jahrhundert).
1933 wurden noch 16 jüdische
Einwohner in Weikersheim gezählt. 1934 wurde die Gemeinde
aufgelöst. Das bislang überwiegend gute Verhältnis zwischen jüdischen
und christlichen Einwohnern Weikersheim änderte sich nach 1933, seitdem einige fanatische
Nationalsozialisten den Ton angaben. Mehrere der jüdischen Einwohner konnten
zwischen 1933 und 1941 noch auswandern, zwei starben am Wortort. Beim Novemberpogrom
1938 wurde die Synagoge demoliert (siehe unten). Die letzten jüdischen
Einwohner wurden 1941 deportiert. Wolf und Ida Emrich starben im
"Altersheim" Eschenau auf dem Weg in die Deportation. Jakob Ascher und
Sigmund Emrich wurden am 1. Dezember 1941 nach Riga deportiert und
ermordet.
Von den in Weikersheim geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Jakob Ascher
(1888), Meta Ascher geb. Grünewald (1888), Ida Emrich geb. Königsberger
(1858), Siegbert Emrich (1898), Sigmund Emrich (1893), Wolf Emrich (1855), Recha
Gern geb. Kahn (1885), Theodor Heilbronn (1869), Elsa Heinsfurter geb. Adler
(1888), Isaak Krautkopf (1877), Mina Ledermann geb. Ascher (1879), Lina Marx
geb. Kahn (1877), Anna Mayer geb. Sontheimer (1876), Rosa Moritz geb.
Königsberger (1892), Rosalie Ottenheimer geb. Ascher (1877), [Jeanette
Rosengarten (1866)*], Betty Rothstein geb. Kahn (1871), Recha Rotschild geb.
Emrich (1892), Simon Saemann (1878), Sophie Scharff geb. Rosenfeld (1879), Aron
Schweizer (1909), Ferdinand Wolfsheimer (1874), Moritz Wolfsheimer (1888).
Die Eintragung von Jeanette Rosengarten im Gedenkbuch ist ein Fehler.
Jeanette Rosengarten ist in Weyhers
geboren.
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Aus der Geschichte des Rabbinates
Zum Tod von Moses Lazarus (Rabbiner in Weikersheim bis
1827, gest. in Trier 1840)
Anmerkung: Moses Lazarus (bzw. Moses ben Elieser Schach) ist
1773 in Glogau geboren. Er war ein Sohn des Eliser ben Aron, später Dajan in Mainbernheim.
Er war der letzte fürstlich-hohenlohische Landesrabbiner in Weikersheim. 1827
wurde er zum Oberrabbiner in Trier gewählt. Hier blieb er bis zu seinem Tod im
April 1840.
Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 2. Mai 1840:
"Trier, 12. April (1840). Am
9. dieses Monats segnete unser Konsistorial-Oberrabbine, Moses Lazarus,
das Zeitliche. In einem Alter von 67 Jahren, war er noch wenige
Stunden vor seinem Tode mit seinen gewöhnlichen Arbeiten beschäftigt,
als ein Schlagfluss seinem Leben ein Ende machte. Die Gemeinde betrauert
in ihm nicht bloß den treuen Geistlichen, sondern auch einen Wohltäter
der Armen, einen Vater der Witwen und Waisen. Seine Richtung war
allerdings nicht der Zeit angemessen, ohne dass er jedoch intolerant
gewesen. Vor 13 Jahren war er von Weikersheim hierher berufen.
Eigen ist es, dass seine Leiche die erste war, die mit dem nunmehr auch
hier eingeführten Leichenwagen, den wir dem Eifer des Vorstehers H.S.
Allweyer verdanken, nach dem Beerdigungsplatze geschafft
wurde.
Wir erwarten nun von der Loyalität unserer ehrenwerten Vorsteher, durch
anderer und eigene Erfahrung belehrt, dass sie einen geeigneten Mann an
unsere Spitze stellen werden, unter dessen Förderung das aufkeimende Gute
mit Gottes Hilfe zur Reife kommen
wird." |
Rabbiner Dr. Isaak Heilbronn wird durch den württembergischen König empfangen
(1867)
Anmerkung: Rabbiner Dr. Isaak Heilbronn (geb. 1828 in
Fulda, gest. 1909 in Nürnberg): studierte in Würzburg, später in Berlin und
Frankfurt am Main; war seit 1854 Prediger und Religionslehrer in Stavenhagen
(Mecklenburg-Schwerin); seit 1860 Rabbiner in Erfurt, seit November 1861
Bezirksrabbiner in Weikersheim; trat Anfang 1903 in den Ruhestand.
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 2. Oktober 1867: "Aus
Württemberg. (Durch Zufall verspätet). Als Seine Majestät der
König Anfangs Sommers bei einer Rundreise durch das nördliche
Württemberg einige Zeit in Weikersheim verweilte, versammelten
sich zu Allerhöchstdessen Empfang auch die Geistlichen der verschiedenen
Konfessionen. Seine Majestät geruhten außer dem Denken und dem ältesten
Pfarrer auch den Rabbiner, Herrn Dr. Heilbronn, zu sich zu befehlen. Der
König unterhielt sich angelegentlich mit demselben und erkundigte sich aufs
Wohlwollendste nach dem Zustande der Israeliten des betreffenden
Bezirks." |
25-jähriges Amtsjubiläum von Rabbiner Dr. Isaak Heilbronn (1887)
Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 24. März 1887:
"Aus Württemberg schreibt man uns vom 8. dieses Monats. Heute
feierte Rabbiner Dr. Heilbronn in Weikersheim sein 25-jähriges
Amtsjubiläum unter große Beteiligung der dortigen und auswärtigen
Israeliten sowie der Spitzen der geistlichen und weltlichen Behörden,
wobei in zahlreichen Toasten der Jubilar gefeiert
wurde." |
Rabbiner Dr. Heilbronn wurde in den Ruhestand versetzt
(1902)
Mitteilung in der Zeitschrift "Der Israelit"
vom 8. Dezember 1902: "Rabbiner Dr. Heilbronn in Weikersheim
wurde in den Ruhestand versetzt." |
Rabbiner Dr. Isaak Heilbronn verlässt die Gemeinde (1903)
Artikel
im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 1. Mai 1903:
"Weikersheim. Nach 41-jähriger Tätigkeit hat der Rabbiner
unserer Gemeinde, Herr Dr. Heilbronn, unsere Stadt verlassen, um seinen
Lebensabend im Kreise seiner Kinder in Nürnberg zu beschließen. Welcher
Beliebtheit sich Herr Dr. Heilbronn in allen Kreisen der hiesigen Stadt
erfreute zeigte das Bankett, das die israelitische Gemeinde ihrem
scheidenden Rabbiner gab und an dem sich auch die gesamte christliche
Haute volée beteiligt. Es würde zu weit gehen, all' die Ansprachen
anzuführen; nur wollen wir erwähnen, dass u.a. Herr Stadtschultheiß Hammel,
Herr Dekan Dr. Blind, Herr Stadtpfarrer Dürr, Herr Wundarzt Faistenauer
warme, zu Herzen gehende Worte sprachen." |
Das Rabbinat wurde Dr. Abraham Schweizer übertragen
(1904)
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit"
vom 28. April 1904: Weikersheim, 23. April 1904. Das hiesige
Rabbinat wurde von der Israelitischen Oberkirchenbehörde dem
Rabbinatsverweser Dr. A. Schweizer hier definitiv übertragen. Dr.
Schweizer ist ein Schüler des Berliner
Rabbinerseminars". |
Aus der Geschichte der
jüdischen Lehrer
25-jähriges Dienstjubiläum von Lehrer
Leopold Frank (1889)
Anmerkung: Lehrer Karl Leopold Frank ist am 16. Mai 1845 in
Edelfingen als Sohn eines Mehlhändlers geboren. Er studierte von 1862 bis 1864
am Lehrerseminar in Esslingen. Von 1871 bis 1909 war er als Lehrer in
Weikersheim tätig; auch 1914 wohnte er noch in Weikersheim.
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 24. Dezember 1889: "Aus
dem Taubertale. Von einem erhebenden Feste habe ich Ihnen heute zu
berichten. Am 4. dieses Monats feierte der israelitische Lehrer und
Vorsänger der Gemeinde Weikersheim, Herr L. Frank, sein
25-jähriges Dienstjubiläum, wozu alle Freunde und Gönner desselben
eingeladen waren. welcher Beliebtheit sich der Jubilar erfreut, das zeigte
so recht die Feier. Der evangelische Lehrergesangverein des Bezirks
Weikersheim ehrte den Jubilar durch vollzähliges Erscheinen, prächtige
Liedervorträge und passende Ansprachen, welch letztere von dem
aufrichtigen Toleranzgefühl der Versammlung Zeugnis anlegten. Auch aus
dem Bezirk Creglingen hatten sich evangelische und israelitische Kollegen
eingefunden, um den Jubilar an seinem Ehrentage persönlich zu beglückwünschen
und an dem Feste teilzunehmen.
Während des Tages liefen zahlreiche Gratulationen ein, unter anderem von
dem Vorstand des württembergischen evangelischen Volksschullehrervereins
in Stuttgart, dem sehr verdienten Vorstand des Unterstützungsvereins für
israelitische Lehrerwitwen und -Waisen, verbunden mit einem herrlichen
Gebetbuch, vielen weiteren Kollegen und Freunden aus der Nähe und Ferne.
Reichlich bedacht wurde auch der Jubilar durch Geschenke seitens der
israelitischen Gemeinde Weikersheim, des israelitischen
Frauenvereins, der Schuljugend, und früherer Schüler, etc. Den
Glanzpunkt erreichte die Feier am Abend, wo sich eine distinguierte
Gesellschaft im Gasthof zur Krone zu Ehren des Jubilars vereinigte. Hier
begrüßte der Rabbiner, Herr Dr. Heilbronn - Weikersheim, in seinem und
seiner Gemeinde Namen den Jubilar, die Verdienste desselben würdigend.
Von dem genannten Herrn wurde ein Schreiben der israelitischen
Oberkirchenbehörde Stuttgart verlesen, welches dem gewissenhaften Lehrer
Glückwünsche und Anerkennung seiner Leistungen
zollte." |
Der
evangelische Lehrer, Dekan und Bezirksschulinspektor, feierte sodann Herrn
Frank, als friedfertigen, milden Lehrer, welche Eigenschaften der Herr
Stadtschultheiß auch in seiner Rede von dem 'Bürger' Frank lobend
hervorhob. Herr Organist Brazel, Weikersheim, rühmte die Kollegialität
und den Patriotismus des Jubilars; ein anderer evangelischer Ortskollege
des Gefeierten, Herr Kantor Mayer trug mit dem von ihm dirigierten
Gesangverein 'Harmonie' wesentlich zur fröhlichen Unterhaltung bei. Herr
Dr. med. Sontheimer, Mitglied der jüdischen Gemeinde Weikersheim,
erfreute durch den Vortrag eines humoristischen Gedichtes alle
Anwesenden.
Von den weiteren Reden, in gebundener und ungebundener Form wollen wir
noch des herrlichen Gedichtes erwähnen, das Herr Kantor Abelein,
Creglingen, dem Jubilar widmete. Nachdem der Verfasser die anerkannte
Tüchtigkeit und persönliche Liebenswürdigkeit Herrn Franks geschildert,
gibt er seiner Freude über das harmonische Leben zwischen den
verschiedenen Konfessionen in Weikersheim und Umgegend Ausdruck, wünscht
überall im Interesse der Gesellschaft ein solches friedliches Verhältnis
und fordert alle auf, dem Antisemitismus gehörig zu Leibe zu rücken.
Doch wir lassen am besten hier die diesbezüglichen Worte des Redners
folgen:
'Er (Jubilar) wandelt hier im Licht, Hepp Hepp-Schreier gibt es
nicht,
Kein Rassenhass die Zähne blöckt, Kein Antisemitismus schreckt.
So sollt' es allerwärts sein, Dann könnte wohl gedeih'n.
Das Juden- und das Christentum Und beiden brächte es nur Ruhm,
Drum setzt die Kräfte ein, Ihr Menschen groß und klein,
Dem Klassen- und dem Rassenhass Gebt ungesäumt den
Abschiedspass.'
Den Schluss der von Auswärtigen gehaltenen Ansprachen bildete die des
israelitischen Herrn Lehrers Preßburger aus Creglingen. Derselbe
gab in der sehr schönen Ansprache seiner Freude über die dem Kollegen
erzeigte Ehre, ganz besonders über den toleranten Hauch, der die ganze
Versammlung durchwehte, Ausdruck. Erst in später Nachtstunde trennten
sich die Teilnehmer, mit dem Bewusststein, ein schönes Fest mitgefeiert
zu haben, einstimmend in des Dichters Wort:
'So sollt' es allerwärts sein.' O." |
Aus dem
jüdischen Gemeindeleben
Die Gemeinde erhält aus der Staatskasse
einen Zuschuss für das neue Schulhaus (1846)
Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 26. Januar
1846: "Aus dem Württembergischen, 15. Januar. Die israelitische
Kirchengemeinde Weikersheim, hat zur Anschaffung und baulichen Einrichtung
eines Schulhauses aus dem allgemeinen Reservefonds der Staatshauptkasse
einen Beitrag von 300 Fl. erhalten." |
Berichte
zu einzelnen Personen aus der Gemeinde
Zum Tod von Manuel Adler
(1876)
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 21. Juni
1876: "Weikersheim, 8. Juni (1876). Heute wurde hier ein Mann,
Herr Manuel Adler - er ruhe in Frieden -, zu Grabe getragen,
der es verdient, dass seiner in Ihrem geschätzten Blatte Erwähnung
geschieht. Ein Zögling der alten Fürther Talmudschule, war er bestrebt,
die daselbst gewonnenen Eindrucke und Lehren praktisch zu bewährend,
nämlich zu lernen und zu lehren um (die Gebote) zu beachten und zu
tun. Die Hauptinteressen seines Lebens galten ausschließlich unserer
heiligen Religion, und sowie er keine innigere Freude empfand als die: das
wahrhaft orthodoxe Judentum gehoben zu sehen, ebenso schmerzerfüllt war
er, sobald eine Missachtung desselben sich seinem Auge darbot. In letztem
Falle brachte er schonungslos das Gebot 3. Mose 19,17 'Zur Rede stellen
sollst Du deinen Nächsten..." zur Geltung. Einen namhaften Teil
seines übrigens nur bescheidenen Vermögens wendete er in seiner letztwilligen
Verfügung frommen Stiftungen zu, darunter besonders hervorgehoben zu
werden verdienen ein Kapital von 500 Gulden, dessen Zinsen die Bestimmung
haben, der jüdischen Gemeinde hier die Kultlasten zu erleichtern; ein
solches von 100 Gulden, welches der hiesigen Armenkasse zur Unterstützung
durchreisender jüdischer Armen zugewiesen wurde, ferner 50 Gulden für Kiddusch-Wein,
falls solches keinen Käufer finden sollte; und endlich 80 Mark zu einer
in der Synagoge anzubringenden Gedenktafel, worauf die Namen der
zahlreichen edlen Stifter verzeichnet werden sollen, welche sich um das
Wohl der hiesigen jüdischen Gemeinde verdient gemacht haben. Der Bezirksrabbiner
Dr. Heilbronn, der testamentarisch mit dem Vortrage der Leichenrede
und dem üblichen Schiur beauftragt wurde, gab in ersterer den Verdiensten
des Verblichenen einen entsprechenden Ausdruck mit dem Refrain: 'Wehe
um die, die dahinschwinden, und nicht mehr aufzufinden sind'."
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Zum Tod des aus Weikersheim stammenden Prof. Dr. jur. Leopold Pfeiffer (gest. in
Tübingen 1881; beigesetzt in Stuttgart)
Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums"
vom 29. November 1881: "Aus Württemberg, 12. November
(1881). Am 4. dieses Monats starb in Tübingen
im Lesezimmer des Museums unerwartet schnell, vom Schlage gerührt, Prof.
Dr. jur. Pfeiffer, der einzige akademische Lehrer jüdischen Glaubens in
Württemberg,
der mehrere Jahrzehnte lang an dieser Hochschule gewirkt hat. Seiner
Majestät unser König ließ sogleich nach der Todesnachricht der Fakultät
sowohl als der Familie seine Teilnahme bezeigen.
Am 7. November fand die
Überführung der Leiche nach Stuttgart statt. Ein fast endloser Zug von
Leidtragenden, darunter sämtliche Professoren der Universität und sämtliche
studentische Korporationen, gab dem Dahingeschiedenen das Ehrengeleite bis
zum Bahnhofe. Die Militärkapelle spiele den ‚Wal’schen Trauermarsch
und den Choral: ‚Süß und ruhig ist der Schlummer.’ Der Verstorbene,
welcher sich neben seiner erfolgreichen Wirksamkeit als akademischer
Lehrer in seinem privaten Leben namentlich durch einen seltenen Grad von
Mildtätigkeit, auszeichnete, war in Tübingen eine sehr populäre Persönlichkeit.
Die Beerdigung fand in Stuttgart statt. Die Leiche wurde vom Bahnhof aus
mit einer langen Wagenreihe nach dem israelitischen Kirchhofe gebracht und
auf Wunsch des Verstorbenen ohne größere Feier zur Erde bestattet.
Rabbiner Dr. Wassermann hielt die Grabrede. Unter der Verstammlung
bemerkte man Ministerialdirektor Dr. Silcher, Oberlandesgerichtsdirektor
Firnhaber, viele Juristen und Beamte, die Mitglieder der Israelitischen
Oberkirchenbehörde, die Mitglieder der Familie Kaulla und anderer
hervorragender israelitischer Familien. Pfeifer war am 21. Oktober 1821 in
Weikersheim geboren und erreichte somit das 60. Lebensjahr. Der 4. und 7.
November, sein Todes und Begräbnistag, waren längst Trauertage in seiner
Familie, denn am 4. November vor 41 Jahren starb sein Vater, am 7.
November vor 47 Jahren wurde seine Mutter begraben. Seine Ausbildung
erhielt Dr. Pfeiffer auf den Gymnasien in Mannheim, in Stuttgart und auf
den Universitäten in Tübingen und Berlin. Für seine Glaubensgenossen
zeigte Dr. Pfeiffer stets das regeste Interesse und beteiligte sich bei
allen Angelegenheiten der sich erst neu gebildeten israelitischen Gemeinde
Tübingen." |
Anzeigen
jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen
Anzeige von Nathan Jacobsohn
(1867)
Anzeige
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 2. Juli 1867:
"Ich suche sämtliche 'Schriften des Instituts zur Förderung der israelitischen
Literatur' für einen entsprechenden Preis.
Frankierte Offerten zu adressieren an Nathan Jacobsohn.
Weikersheim, Württemberg." |
Anzeige des Manufaktur- und Konfektionsgeschäftes
Ferdinand Selz (1902)
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit"
vom 10.November 1902:
"Suche für mein Samstags und israelitische Feiertage streng
geschlossenes Manufaktur- und Konfektions-Geschäft einen Lehrling
bei freier Kost und Logis.
Ferdinand Selz, Weikersheim (Württemberg)." |
Zur Geschichte des Betsaales / der Synagoge
Von Einrichtungen der
mittelalterlichen Gemeinde ist wenig bekannt. Im 16. Jahrhundert wird als
Ortsbezeichnung eine "Judengerch" bzw. "Judenkirch"
genannt, vermutlich als Erinnerung an die mittelalterlichen Synagoge
(Standort unbekannt; im Bereich der Wilhelmstraße gab es jedoch [vermutlich
bereits im 17. Jahrhundert] die Straßenbezeichnung "In der
Judenschulgasse", was sich auf den Synagogenstandort im Mittelalter
oder im 17. Jahrhundert beziehen könnte).
Die seit 1637 aufgenommenen Juden haben, nachdem sich ihre
Zahl im Laufe der folgenden Jahre mehrte, einen Betsaal eingerichtet. 1653
erregten die jüdischen Gottesdienste freilich das Missfallen der christlichen
Umgebung. Der Herrschaft wurde angezeigt, dass die Juden bei ihren "Schabbatischen
Zusammenkünften" so laut gesungen haben, dass es Ärgernis erregte.
1688 wurde eine erste Synagoge gebaut. Damals waren
Seligmann und Simon die angesehensten Juden der Stadt. Sie waren gleichzeitig
die Vorsteher (Parnassim) der Gemeinde. Simon hatte ein Grundstück gestiftet,
das zum dauernden Besitz der Gemeinde werden sollte. Auch spendete er unter
anderem eine Torarolle, die in Weikersheim bleiben sollte, solange die
israelitische Gemeinde fortbesteht. Noch im 20. Jahrhundert war dieses "Prachtstück
von Pergamentschrift" nach dem Bericht von Rabbiner Abraham Schweizer
(1917) in der Synagoge vorhanden. Für seine Wohltaten wurden dem Vorsteher
Simon und seiner Frau Hanna jeden Schabbat ein Segenswort gesprochen ("Mi
scheberach"). In dieser ersten Synagoge gab es nach dem in den
1930er-Jahren noch erhaltenen Kahalbuch der Gemeinde Weikersheim 15 feste Plätze
im Männerabteil, 13 feste Plätze im Frauenabteil. Die Namen der Inhaber wurden
festgehalten. Vorsteher Simon bekam den Ehrensitz ganz vorne an der rechten
Seite vom Toraschrein. Seit 1697 war ein Gemeinderabbiner angestellt, der jährlich
eine Besoldung von zwei Reichstalern erhielt.
Eine besondere Stellung nahmen die Weikersheimer Hofjuden
ein, die im Dienst der Fürsten von Hohenlohe standen. Seit 1743 war Marx
Anschel am Hof tätig, der Stammvater der Familie Marx, die später den Namen
Pfeiffer annahm und schließlich nach Stuttgart übersiedelte. Das Memorbuch der
Weikersheim Gemeinde rühmt die Frömmigkeit und Bescheidenheit von Marx
Anschel. Er veranlasste 1768 den Bau einer neuen Synagoge, die er selbst
reich ausstattete. Er starb 1780. 1748 wurde das Gemeindehaus gebaut, für das
Abraham Maier Levi 50 Gulden gestiftet hatte.
Marx Anschels dritter Sohn (Marx) Ezechiel Pfeiffer
(1766-1827) war gleichfalls als Hofagent tätig. Als Vorsteher der Weikersheimer
Gemeinde ließ er mit einem Aufwand von 3.000 Gulden 1824/25 den Gebäudekomplex
der Synagoge samt dem späteren Rabbinatshaus neu bauen (heute Wilhelmstraße
16, früher Haus Nr. 185: späteres Rabbiner-Wohnhaus und Haus Nr. 185a: die
Synagoge sowie ein Waschhaus von Stein an der Stadtmauer). Auch stiftete
Pfeiffer ein Kapital in Höhe von 5.000 Gulden für den Zweck der Anstellung
eines wissenschaftlich gebildeten Rabbiners in Weikersheim. In der Weikersheimer
Synagoge wurden von der im Laufe der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts immer
kleiner werdenden jüdischen Gemeinde bis 1928 Gottesdienste abgehalten.
Schon 1917 hatte Rabbiner Schweizer angesichts der Auflösung der Gemeinde über
die Gebäude in der Wilhelmstraße 16 geschrieben: "Das Rabbinatshaus in
Weikersheim... ist verödet, der Rabbinatssitz in der Synagoge verlassen, die
Synagoge selbst, nur wenig mehr aufgesucht von der arg dezimierten jüdischen
Bevölkerung in Weikersheim, hat ihren Glanz verloren".
In der Pogromnacht im November 1938 wurde die Synagoge der
Innenraum der Synagoge durch auswärtige SA-Leute demoliert. Das Gebäude ist
erhalten und dient als Schreinerei (Hintergebäude zu Wilhelmstraße 16). In den
1950er Jahren wurde in die Schreinerei eine Zwischendecke eingezogen. Darüber
ist bis heute die flach verputzte Decke mit stukkierten Rosetten erhalten. Die
Decke weist eine mehrfarbige Bemalung mit einem Sternenhimmel auf. Die Arkadenbrüstung
der ehemaligen Frauenempore ist ebenfalls teilweise erhalten. 1981 wurde eine
Gedenktafel angebracht. Die Erhaltung des Gebäudes für die Zukunft wurde
gesichert. Das Dach ist teilweise erneuert worden. Der auf Teilflächen lose
Deckenputz wurde im Inneren durch Restaurator Michael Helget durch Injektionen
stabilisiert sowie die Anstriche an Decke und Wänden mit einem Bindemittel
gefestigt.
Fotos / Plan
Historische Fotos
(Quelle: Jüdische Gotteshäuser und Friedhöfe in Württemberg. 1932.
S.134-135):

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Blick über den Almemor zum Eingang in den
Betsaal und die
Frauenempore |
Im Mittelpunkt des Betsaales:
Toraschrein (links) und
Almemor |
Plan:
Standort der Synagoge am Rand der Altstadt (Quelle: Stadt
Weikersheim s.u.)
Fotos nach 1945/Gegenwart:
(Quelle: Hahn; Aufnahmedatum der Fotos: Juni 2003)
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Blick auf den Gebäudekomplex
Wilhelmstr. 16: vorne
ehemalige
Judenschule und Rabbinat; die
Synagoge war im Hintergebäude |
Seitenansicht der ehemaligen
Synagoge (Nordseite) |
Seitenansicht der ehemaligen
Synagoge (Südseite) |
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Gedenktafel von 1981 |
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Die bis heute erhaltene, farbig
bemalte Decke der Weikersheimer Synagoge
(Fotos: Restaurator Michael Helget, Bad Mergentheim) |
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Charakteristischer
Sternenhimmel |
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| Details der
Deckenbemalung |
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| Bemalung der Seitenwand |
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Links und Literatur
Links:
Family Charts -
erarbeitet von Rolf Hofmann (harburgproject)
Literatur:
 | Paul Sauer: Die jüdischen Gemeinden in Württemberg und Hohenzollern.
1966, S. 188-191. |
 | Germania Judaica II,2 S. 867. |
 | H. Hermann: Zur Geschichte der Juden in Weikersheim. Vier Teile, in:
Weikersheimer Wochenspiegel September 1987. |
Meyers Konversationslexikon, Eine Encyklopädie des allgemeinen
Wissens, vierte Auflage, Leipzig, 1888-1889:
Weikersheim, Stadt im württemberg. Jagstkreis, Oberamt Mergentheim, an
der Tauber und der Linie Krailsheim-Mergentheim der Württembergischen
Staatsbahn, 234 m ü. M., hat eine evang. Kirche, eine Synagoge, ein Schloss des
Fürsten Hohenlohe-Langenburg mit schönem Rittersaal, Orgelbau,
Zinnpfeifenfabrikation und (1885) 1821 Einw. Dabei das Jagdschloss Karlsberg mit
Wildpark.

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the
Holocaust".
First published in 2001 by NEW
YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad
Vashem Jerusalem, Israel.
Weikersheim Wuerttemberg. Jews were
victimized in the Rindfleisch (1298) and Armleder (1336) massacres and the
community was destroyed in the Black Death persecutions of 1348-49. Subsequently
Jewish settlement was banned for three centuries. The renewed community
developed in the 18th century and numbered 158 (total 1,871) in 1807, thereafter
declining through emigration. Most prominent in this period was the Pfeiffer
family of Court Jews serving the kings of Wuerttemberg. The first synagogue was
dedicated in 1678 and a Jewish school was opened in 1835. Jews numbered 82 in
1900 and just 16 in 1933; ten managed to emigrate.

vorherige Synagoge zur ersten Synagoge nächste Synagoge
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