Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Weikersheim (Main-Tauber-Kreis) 
Jüdische Geschichte / Betsaal/Synagoge

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Aus der Geschichte des Rabbinates  
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer   
Aus dem jüdischen Gemeindeleben   
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde   
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Plan
Links und Literatur   

    An dieser Seite wird noch gearbeitet - bitte schauen Sie bei Gelegenheit wieder vorbei.  

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  (english version)

In der bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts zur Grafschaft Hohenlohe gehörenden Residenzstadt Weikersheim bestand eine jüdische Gemeinde zunächst im Mittelalter, die mehrmals im Zusammenhang mit Judenverfolgungen (1298, 1336/37 und 1349) vernichtet wurde. Im 15. Jahrhundert gab es vereinzelte Ansiedlungen (1437 Seligmann Löw genannt). 1455 wurde die Niederlassung von Juden in der Stadt verboten. 

Die Entstehung der neuzeitlichen Gemeinde geht in die Zeit des Dreißigjährigen Krieges zurück. 1637 wurden Schutzbriefe für die Juden Mosche und Maunaß erteilt, die als Stammväter der neuzeitlichen Gemeinde gelten. Seit dem 17. Jahrhundert war Weikersheim Sitz eines Rabbiners

Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: die höchste Zahl jüdischer Einwohner wurde um 1807 mit 158 Personen erreicht. 1845 waren es noch 131 Personen in 32 Familien. 
  
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge (s.u.), eine jüdische Schule, ein rituelles Bad und einen Friedhof. Die Schule war seit ihrer Gründung 1835 im Vorderhaus des Gebäudekomplexes Wilhelmstraße 16 untergebracht. Hier befanden sich bis 1914 auch das Rabbinat und die Lehrerwohnung. Bei der Neueinteilung der württembergischen Rabbinate wurde 1832 Weikersheim Sitz eines Bezirksrabbinates. 1914 wurde es aufgelöst.    
      
Die Familien lebten vom Handel (beziehungsweise von Einzel- und Großhandlungen) mit Landesprodukten, Textilien und anderen Waren. 1934 wurde die Gemeinde aufgelöst. 

1933 wurden noch 16 jüdische Einwohner in Weikersheim gezählt. 

Von den in Weikersheim geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"):  Jakob Ascher (1888), Meta Ascher geb. Grünewald (1888), Ida Emrich geb. Königsberger (1858), Siegbert Emrich (1898), Sigmund Emrich (1893), Wolf Emrich (1855), Recha Gern geb. Kahn (1885), Theodor Heilbronn (1869), Elsa Heinsfurter geb. Adler (1888), Isaak Krautkopf (1877), Mina Ledermann geb. Ascher (1879), Lina Marx geb. Kahn (1877), Anna Mayer geb. Sontheimer (1876), Rosa Moritz geb. Königsberger (1892), Rosalie Ottenheimer geb. Ascher (1877), [Jeanette Rosengarten (1866)*], Betty Rothstein geb. Kahn (1871), Recha Rotschild geb. Emrich (1892), Simon Saemann (1878), Sophie Scharff geb. Rosenfeld (1879), Aron Schweizer (1909), Ferdinand Wolfsheimer (1874), Moritz Wolfsheimer (1888). 
   
Die Eintragung von Jeanette Rosengarten im Gedenkbuch ist ein Fehler. Jeanette Rosengarten ist in Weyhers geboren.    
    
     
  

Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
     

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Rabbiner Dr. Heilbronn wird durch den württembergischen König empfangen (1867)   

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25-jähriges Amtsjubiläum von Rabbiner Dr. Heilbronn (1887)   

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Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer 
       
25-jähriges Dienstjubiläum von Lehrer Leopold Frank (1889)  
Anmerkung: Lehrer Karl Leopold Frank ist am 16. Mai 1845 in Edelfingen als Sohn eines Mehlhändlers geboren. Er studierte von 1862 bis 1864 am Lehrerseminar in Esslingen. Von 1871 bis 1909 war er als Lehrer in Weikersheim tätig; auch 1914 wohnte er noch in Weikersheim. 

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Aus dem jüdischen Gemeindeleben 
Die Gemeinde erhält aus der Staatskasse einen Zuschuss für das neue Schulhaus (1846)   

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Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde  
Zum Tod von Manuel Adler (1876)   

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Zum Tod des aus Weikersheim stammenden Prof. Dr. jur. Leopold Pfeiffer (gest. in Tübingen 1881; beigesetzt in Stuttgart)  

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Zur Geschichte des Betsaales / der Synagoge

Von Einrichtungen der mittelalterlichen Gemeinde ist wenig bekannt. Im 16. Jahrhundert wird als Ortsbezeichnung eine "Judengerch" bzw. "Judenkirch" genannt, vermutlich als Erinnerung an die mittelalterlichen Synagoge (Standort unbekannt; im Bereich der Wilhelmstraße gab es jedoch [vermutlich bereits im 17. Jahrhundert] die Straßenbezeichnung "In der Judenschulgasse", was sich auf den Synagogenstandort im Mittelalter oder im 17. Jahrhundert beziehen könnte).

Die seit 1637 aufgenommenen Juden haben, nachdem sich ihre Zahl im Laufe der folgenden Jahre mehrte, einen Betsaal eingerichtet. 1653 erregten die jüdischen Gottesdienste freilich das Missfallen der christlichen Umgebung. Der Herrschaft wurde angezeigt, dass die Juden bei ihren "Schabbatischen Zusammenkünften" so laut gesungen haben, dass es Ärgernis erregte. 

1688 wurde eine erste Synagoge gebaut. Damals waren Seligmann und Simon die angesehensten Juden der Stadt. Sie waren gleichzeitig die Vorsteher (Parnassim) der Gemeinde. Simon hatte ein Grundstück gestiftet, das zum dauernden Besitz der Gemeinde werden sollte. Auch spendete er unter anderem eine Torarolle, die in Weikersheim bleiben sollte, solange die israelitische Gemeinde fortbesteht. Noch im 20. Jahrhundert war dieses "Prachtstück von Pergamentschrift" nach dem Bericht von Rabbiner Abraham Schweizer (1917) in der Synagoge vorhanden. Für seine Wohltaten wurden dem Vorsteher Simon und seiner Frau Hanna jeden Schabbat ein Segenswort gesprochen ("Mi scheberach"). In dieser ersten Synagoge gab es nach dem in den 1930er-Jahren noch erhaltenen Kahalbuch der Gemeinde Weikersheim 15 feste Plätze im Männerabteil, 13 feste Plätze im Frauenabteil. Die Namen der Inhaber wurden festgehalten. Vorsteher Simon bekam den Ehrensitz ganz vorne an der rechten Seite vom Toraschrein. Seit 1697 war ein Gemeinderabbiner angestellt, der jährlich eine Besoldung von zwei Reichstalern erhielt.
      
Eine besondere Stellung nahmen die Weikersheimer Hofjuden ein, die im Dienst der Fürsten von Hohenlohe standen. Seit 1743 war Marx Anschel am Hof tätig, der Stammvater der Familie Marx, die später den Namen Pfeiffer annahm und schließlich nach Stuttgart übersiedelte. Das Memorbuch der Weikersheim Gemeinde rühmt die Frömmigkeit und Bescheidenheit von Marx Anschel. Er veranlasste 1768 den Bau einer neuen Synagoge, die er selbst reich ausstattete. Er starb 1780. 1748 wurde das Gemeindehaus gebaut, für das Abraham Maier Levi 50 Gulden gestiftet hatte.
      
Marx Anschels dritter Sohn (Marx) Ezechiel Pfeiffer (1766-1827) war gleichfalls als Hofagent tätig. Als Vorsteher der Weikersheimer Gemeinde ließ er mit einem Aufwand von 3.000 Gulden 1824/25 den Gebäudekomplex der Synagoge samt dem späteren Rabbinatshaus neu bauen (heute Wilhelmstraße 16, früher Haus Nr. 185: späteres Rabbiner-Wohnhaus und Haus Nr. 185a: die Synagoge sowie ein Waschhaus von Stein an der Stadtmauer). Auch stiftete Pfeiffer ein Kapital in Höhe von 5.000 Gulden für den Zweck der Anstellung eines wissenschaftlich gebildeten Rabbiners in Weikersheim. In der Weikersheimer Synagoge wurden von der im Laufe der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts immer kleiner werdenden jüdischen Gemeinde bis 1928 Gottesdienste abgehalten. Schon 1917 hatte Rabbiner Schweizer angesichts der Auflösung der Gemeinde über die Gebäude in der Wilhelmstraße 16 geschrieben: "Das Rabbinatshaus in Weikersheim... ist verödet, der Rabbinatssitz in der Synagoge verlassen, die Synagoge selbst, nur wenig mehr aufgesucht von der arg dezimierten jüdischen Bevölkerung in Weikersheim, hat ihren Glanz verloren".
       
In der Pogromnacht im November 1938 wurde die Synagoge der Innenraum der Synagoge durch auswärtige SA-Leute demoliert. Das Gebäude ist erhalten und dient als Schreinerei (Hintergebäude zu Wilhelmstraße 16). In den 1950er Jahren wurde in die Schreinerei eine Zwischendecke eingezogen. Darüber ist bis heute die flach verputzte Decke mit stukkierten Rosetten erhalten. Die Decke weist eine mehrfarbige Bemalung mit einem Sternenhimmel auf. Die Arkadenbrüstung der ehemaligen Frauenempore ist ebenfalls teilweise erhalten. 1981 wurde eine Gedenktafel angebracht. Die Erhaltung des Gebäudes für die Zukunft wurde gesichert. Das Dach ist teilweise erneuert worden. Der auf Teilflächen lose Deckenputz wurde im Inneren durch Restaurator Michael Helget durch Injektionen stabilisiert sowie die Anstriche an Decke und Wänden mit einem Bindemittel gefestigt.   
    
     

    
Fotos / Plan
Historische Fotos 
(Quelle: Jüdische Gotteshäuser und Friedhöfe in Württemberg. 1932. S.134-135)

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Blick über den Almemor zum Eingang in den Betsaal und die Frauenempore Im Mittelpunkt des Betsaales: Toraschrein (links) und Almemor

Plan:

 
Standort der Synagoge am Rand der Altstadt (Quelle: Stadt Weikersheim s.u.)


Fotos nach 1945/Gegenwart:  
(Quelle: Hahn; Aufnahmedatum der Fotos: Juni 2003)

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 Blick auf den Gebäudekomplex Wilhelmstr. 16: vorne ehemalige Judenschule und Rabbinat; die Synagoge war im Hintergebäude Seitenansicht der ehemaligen Synagoge (Nordseite)  Seitenansicht der ehemaligen Synagoge (Südseite)
     
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  Gedenktafel von 1981   
     
Die bis heute erhaltene, farbig bemalte Decke der Weikersheimer Synagoge
(Fotos: Restaurator Michael Helget, Bad Mergentheim)
 
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      Charakteristischer Sternenhimmel
     
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Details der Deckenbemalung 
 
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Bemalung der Seitenwand      

   
    

Links und Literatur

Links:

Website der Stadt Weikersheim, insbesondere die Seite zur Synagoge (von der auch der obige Plan übernommen sind) 
Zum Fachbetrieb des Restaurators der Decke des Synagogengebäudes: hier anklicken (Michael Helget, Hand-in-Hand-Werker GmbH, 97980 Bad Mergentheim)
Zur Seite über den jüdischen Friedhof in Weikersheim (interner Link)  

Neu eingestellt in 2008 - erarbeitet von Rolf Hofmann (harburgproject)   

Family sheet Court Jew Ezechiel Pfeiffer (pdf file)  
Family sheet Court Jew Aron Pfeiffer (pdf file)   
Family sheet Court Jew Marx Pfeiffer (pdf file) 
Court Jews of Southern Germany (doc file)    

Literatur: 

Paul Sauer: Die jüdischen Gemeinden in Württemberg und Hohenzollern. 1966, S. 188-191
Germania Judaica II,2 S. 867.
H. Hermann: Zur Geschichte der Juden in Weikersheim. Vier Teile, in: Weikersheimer Wochenspiegel September 1987.

Meyers Konversationslexikon, Eine Encyklopädie des allgemeinen Wissens, vierte Auflage, Leipzig, 1888-1889: 
Weikersheim, Stadt im württemberg. Jagstkreis, Oberamt Mergentheim, an der Tauber und der Linie Krailsheim-Mergentheim der Württembergischen Staatsbahn, 234 m ü. M., hat eine evang. Kirche, eine Synagoge, ein Schloss des Fürsten Hohenlohe-Langenburg mit schönem Rittersaal, Orgelbau, Zinnpfeifenfabrikation und (1885) 1821 Einw. Dabei das Jagdschloss Karlsberg mit Wildpark.
  


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Weikersheim Wuerttemberg.  Jews were victimized in the Rindfleisch (1298) and Armleder (1336) massacres and the community was destroyed in the Black Death persecutions of 1348-49. Subsequently Jewish settlement was banned for three centuries. The renewed community developed in the 18th century and numbered 158 (total 1,871) in 1807, thereafter declining through emigration. Most prominent in this period was the Pfeiffer family of Court Jews serving the kings of Wuerttemberg. The first synagogue was dedicated in 1678 and a Jewish school was opened in 1835. Jews numbered 82 in 1900 and just 16 in 1933; ten managed to emigrate.
  

                   
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Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 30. November 2009