Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Creglingen (Main-Tauber-Kreis) 
Jüdische Geschichte / Betsaal/Synagoge

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Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
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Aus dem jüdischen Gemeinde- und Vereinsleben  
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Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)

In Creglingen bestand eine jüdische Gemeinde im Mittelalter (Judenverfolgung 1298) und in der Neuzeit bis 1938. 

Die Entstehung der neuzeitlichen Gemeinde geht in die Zeit des 16./17. Jahrhunderts zurück. In der Markgrafschaft Brandenburg-Ansbach, zu der Creglingen seit 1448 gehörte, wurden Juden in einer Zeit aufgenommen, in der sie aus den meisten Regionen vertrieben wurden. Noch während des Dreißigjährigen Krieges konnte eine jüdische Gemeinde in der Stadt entstehen. 1714 gab es 12 jüdische Familien in der Stadt, 1808 17 Familien. 

Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1824 105 jüdische Einwohner (8,7 % von insgesamt 1.202 Einwohnern), höchste Zahl um 1846 mit 130 Personen, 1880 115 (8,6 % von 1.332), 1895 118, 1910 84 (6,9 % von 1.210). Nach einem Bericht von 1870 gehörten die damaligen Gemeindeglieder dem Mittelstand der Bevölkerung an. Viele lebten vom Ellenwaren- und Hausierhandel. 
 
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge (s.u.), eine jüdische Schule (Israelitische Volksschule von den 1830er-Jahren bis 1924), ein rituelles Bad (zunächst vermutlich im Synagogengebäude, seit 1895 neues rituelles Bad am sog. Hahnenweg am Herrgottsbach unterhalb der heutigen Treppe zum Krankenhaus, bestand bis 1939) und einen Friedhof. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war. Unter den Lehrern an der Schule sind insbesondere zu nennen: Ludwig Stern und Josef Preßburger (vgl. Berichte unten). Das zuständige Rabbinat war von 1832 bis 1914 Weikersheim, von 1914 bis 1939 Mergentheim
 
Im Ersten Weltkrieg fiel aus der jüdischen Gemeinde Heinrich Stern. Sein Name steht auf dem Ehrenmal für die Gefallenen des Krieges im Friedhof an der Herrgottskirche.   
 
Um 1924, als etwa 90 jüdische Einwohner in Creglingen gezählt wurden, waren die Vorsteher der Gemeinde Oberlehrer Josef Preßburger, Benjamin Oberndörfer, Emil Lissberger, Max Gutmann und Rudolf Sinsheimer. Oberlehrer Preßburger erteilte neun Kindern des Religionsunterricht; vier weitere Kinder erhielten von ihm Religionsunterricht an höheren Schulen. An jüdischen Vereinen gab es: die Chewra Gemilus Chesed (Wohltätigkeitsverein, 1924 unter Leitung von Emil Lißberger), die Chewra Kadischa (Wohltätigkeits- und Bestattungsverein), den Israelitischen Frauenverein (1924 unter Leitung von Ida Oberndörfer), den Ohawei-Tora-Verein und die Baukasse (gegründet 1887, 1924 unter Leitung von Josef Preßburger). An Stiftungen gab es eine Brautaussteuerstiftung, Jahrtagsstiftungen und die Krankenfürsorgestiftung. 1932 war weiterhin Oberlehrer Preßburger erster Gemeindevorsteher. Inzwischen war als Religionslehrer Harry Katzenstein angestellt. Er unterrichtete im Schuljahr 1931/32 sieben Kinder in Religion.       
     
An ehemaligen, bis nach 1933 bestehenden Handelsbetrieben im Besitz jüdischer Familien / Personen sind bekannt: Landesproduktenhandlung G. Ehrenberger und Söhne (Hauptstraße 7), Aussteuerhaus Gutmann, Inh. Gutmann und Landauer (Kreuzstraße 5), Handelsmann David Gutmann (Torstraße 19), Tabak- und Zigarettengeschäft Emil Gutmann (Neue Straße 17), Kaufmann Karl Gutmann (Neue Straße 15), Handelsmann Isaak Gutmann und Viehhandlung Max Gutmann (Lindleinstraße 4), Viehhandlung Siegfried Güthermann (Poststraße 7), Manufakturwarenhandlung Emil Lissberger (Hauptstraße 30; Emil Lissberger war bis 1933 Mitglied des Gemeinderats, ebenso Vorstandsmitglied des Fußball- und des Gesangvereins in Creglingen), Manufakturwarenhandlung Adolf Oberndörfer (Hauptstraße 41), Viehhandlung Meyer Rosenfeld (Lindleinstraße 16); Manufaktur- und Korbwarenhandlung Rudolf Sinsheimer (Hauptstraße 23; der benachbarte Hausplatz Hauptstraße 25 war von 1692 bis 1897 in jüdischem Besitz), Viehhandlung Hermann Stern (Hauptstraße 9).
   
1933 wurden noch 73 jüdische Personen in Creglingen gezählt. Am 25. März 1933 kam es bei einem Pogrom durch die SA zur Ermordung von zwei Creglinger Juden: der 67jährige Hermann Stern und der 53jährige Arnold Rosenfeld starben auf Grund der erlittenen Misshandlungen. Der Vorfall bewirkte, dass eine größere Anzahl jüdischer Einwohner kurz darauf im Ausland Zuflucht suchte. 1935 richtete die jüdische Gemeinde für ihre Kinder eine Privatschule ein, die bis 1938 bestand (Lehrer Harry Katzenstein). Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge demoliert; eine größere Zahl jüdischer Männer wurde in das KZ Dachau verschleppt. 1939 verließen die letzten jüdischen Einwohner die Stadt.    
  
Von den in Creglingen geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Ida Allersheimer (1884), Bernhard Baar (1880), Frieda Baar geb. Allersheimer (1882), Jakob Blumenfeld (1873), Rudolf Blumenfeld (1880), Fanny Cohn geb. Lissberger (1904), Zilli Elkan geb. Fuchs (1877), Jakob Fuchs (1868), Karoline Grünewald geb. Gutmann (1857), Minna Günther geb. Gutmann (1859), Jakob Abraham Gutmann (1851), Max Gutmann (1884), Fanny (Ferdel, Fradel) Hahn geb. Gutmann (1867), Tekla Heinemann geb. Stern (1891), David Kahn (1870), Rosa Kapp geb. Obenheimer (1871), Rosa Lehmann geb. Ehrenberg (1889), Bernhard Lissberger (1907), Emil Lissberger (1873), Emma Lissberger (1877), Sigmund Lissberger (1875), Emil Obenheimer (1897), Adolf Oberndörfer (1864), Benjamin Oberndörfer (1879), Gertrud Oberndörfer (1901), Helene Oberndörfer geb. Oberndörfer (1866), Sally Oberndörfer (1901), Sigmund Oberndörfer (1904), Aron Rosenfeld (1880), Rosa Sinsheimer (1877), Cäcilie (Cilly) Stern geb. Blumenfeld (1866), Hermann Stern (1866), Meta Thalheimer geb. Oppenheimer (1872), Abraham Wolf (1879, wurde von Köln nach Lódz deportiert), Hermann Wolf (1878), Justin Wolf (1917), Lazarus Wolf (1877), Ludwig Wolf (1920), Marianne Wolf geb. Heidelberger (1883).          
Seit 1947/2001 erinnert im Sitzungssaal des Alten Rathauses sowie im Eingangsbereich (Hauptstraße 13) eine Gedenktafel/Gedenkstätte an den Pogrom im März 1933.   
    
Seit November 2000 besteht ein jüdisches Museum zur Erinnerung an die jüdische Geschichte der Stadt im Gebäude Badgasse 3. Dieses 1880 errichtete Gebäude ersetzte ein altes Wohnhaus (frühere Judenschule), das vom 17. bis zum 19. Jahrhundert von jüdischen Familien bewohnt war. 
Link:  www.juedisches-museum-creglingen.de   
  
  
 

Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 

Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer  

Lehrer Ludwig Stern tritt eine Stelle an der Lehrerbildungsanstalt in Würzburg an (1864)

Freudental Israelit 16111864.jpg (233255 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 16. November 1864: "Aus Württemberg. Dem inneren Berufe folgend, hat am Anfang dieses Monats ein Mann das Schwabenland verlassen, dessen Verlust nicht nur die Gemeinden, in deren Mitte er als Lehrer und Vorsänger gewirkt hat, sondern nahezu das ganze Württemberg empfinden dürfte, für das er besonders in jüngster Zeit in edelster Weise, ersprießlich und wacker gewirkt und gekämpft hat. Ludwig Stern, bisher in Freudental angestellt, hat die Lehrer- und Hausmeister-Stelle an der Lehrerbildungsanstalt in Würzburg angenommen, welche von den dortigen hochherzigen Rabbinen unter Protektion der bayerischen Regierung ins Leben gerufen worden ist. Wie unser Stammvater folgte auch er der inneren Himmelsstimme und zog weg aus seinem Land und aus seiner Heimat wie aus dem Haus seines Vaters, verließ Vaterland, Heimat, Verwandte und Freunde, um zu wirken für das Ideal, das er auch bei uns zu erstreben bemüht gewesen, um vereint zu sein mit den Verwandten des Geistes, die seinem Edelmute mehr gelten als irdische Beziehungen. Rastlos wie seine pflichttreue Tätigkeit stieg auch er in seiner äußeren Stellung von Stufe zu Stufe und bewährte sich an ihm jeder göttliche Segen, der solchen Männern verheißen ist ‚und ich will groß machen deinen Namen und er wird ein Segen sein’. Von der kleinen Filialgemeinde Unterdeufstetten aus, für die er ein Faktotum war, wie von Markelsheim und Creglingen, wo die Gemeinden zu jedem Opfer bereit waren, um ihn länger besitzen zu dürfen, wie durch die größere Kehilla (Gemeinde) Freudental, wo sein hervorragendes Wissen und Wirken, obschon neben einem Rabbinen, doch in der ehrenvollsten Weise Anerkennung gefunden hat, verbreitete sich sein Name immer weiter in den Gauen Württembergs. Sein rednerisches Talent und seine theologischen und pädagogischen Kenntnissee fanden ihren besten Lobredner in seinen Predigten, seinen Vorträgen und seinen schriftstellerischen und publizistischen Werken und Aufsätzen, welche auf der Kanzel vernommen worden, oder durch die Presse in Büchern, Zeitschriften und Broschüren an das Licht der Öffentlichkeit getreten sind. An der Spitze steht hierin das von ihm erschienene ‚Deutsche Lesbuch für israelitische Schulen in 5 Abteilungen’ (Stuttgart 1862), das im Auslande fleißig gebraucht wird, obgleich unsere israelitische Oberkirchenbehörde, deren meisten Mitglieder nicht wohl die wahren Freunde eines solchen Strebens sein können, es nicht offiziell in den württembergischen Schule eingeführt hat. Mit einem wahren Eliasmute aber ist er als wackerer Kämpe in die Schranken getreten, um eine Revision des israelitischen Kirchenwesens in Württemberg zu erstreben, um die jetzt das ganze Land in allen seinen Parteien einstimmig und sehnlich petitioniert. So hat sich sein Verdienst über das Weichbild der Gemeinden hinaus durchs ganze Land nicht nur ausgebreitet und unvergesslich gemacht, sondern auch – gestützt auf 1. Samuel 12,23 – die Hoffnung erzeigt, dass die politische Grenze, die ihn nun von uns trennt, keine Scheidewand zwischen uns sein werde in den religiösen Bestrebungen, die wir bis jetzt gemeinschaftlich unternommen haben, und bald zum segensreichen Ziele führen werden. 
Möge er in Würzburg die Liebe und Achtung finden, die er unter uns besitzt, seine Aufnahme dort so herzlich sein, wie sein Abschied von hier und sein Wirken immer allgemeiner und segensreicher sich enthalten! Im Namen der Freunde im Neckartale, im Taubergrunde und am Donaustrome. S. Levy in Stuttgart."

  
Zum 75. Geburtstag von Oberlehrer a.D. Josef Preßburger (1933)  
Josef Preßburger (geb. 1858 in Rexingen, gest. 1938 in Creglingen) war von 1877 bis 1924 jüdischer Lehrer und Vorbeter in Creglingen, zeitweise Vorsitzender im Verein israelitischer Lehrer Württembergs; spielte auch eine bedeutende Rolle im Verband der israelitischen Lehrer Deutschlands. Von 1924 bis 1930 gehörte Preßburger als Vertreter der Lehrer der Israelitischen Landesversammlung an. Preßburger trug wesentlich dazu bei, dass sich in der kleinen Gemeinde Creglingen ein tiefreligiöser Geist bis in die NS-Zeit erhielt.   

Creglingen Israelit 30111933.jpg (110847 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. November 1933: "Creglingen, 21. November (1933). Am 7. Dezember dieses Jahres begeht Herr Oberlehrer a.D. Josef Preßburger, Creglingen (Württemberg) seinen 75. Geburtstag. Herr Oberlehrer Preßburger kann auf eine lange arbeits- und segensreiche Tätigkeit zurückblicken. Er wirkte als Elementar- und Religionslehrer über 50 Jahre (von 1877 bis 1929) ununterbrochen in vorbildlicher Treue und Anhänglichkeit an der hiesigen israelitischen Gemeinde. Ganze Generationen blicken zu ihm in Dankbarkeit und Verehrung als ihrem Lehrer und Erzieher auf. Fast sämtlichen württembergischen jüdischen Wohlfahrtseinrichtungen stellte er während seiner hiesigen Wirksamkeit an führender Stelle seine unermüdliche Arbeitskraft zur Verfügung. Mit besonderer Liebe wandte sich seine Schaffenskraft der hiesigen Gemeinde zu, war er doch jahrzehntelang Vorsitzender des israelitischen Vorsteheramtes und in der Chewroh Kadischoh stets an erster Stelle und beispielgebend tätig. Möge es dem allseits beliebten Jubilar vergönnt sein, sich im Kreise seiner Familie noch vieler ungetrübter Jahre der Frische und Gesundheit zu erfreuen. (Alles Gute) bis 120 Jahre."   

     
Zum Tod von Oberlehrer i.R. Josef Preßburger (1938)   
 

Creglingen Israelit 14041938.jpg (152850 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 14. April 1938: "Creglingen (Württemberg), 10. April (1938). Am 3. Nissan verschied hier nach kurzem Krankenlager Oberlehrer i.R. Josef Preßburger, der mehr als fünf Jahrzehnte hier als Volksschullehrer, Religionslehrer und Kantor wirkte und auch seinen Ruhestand hier im Kreise der ihm lieb gewordenen Gemeinde Creglingen verbrachte, die zu ihm als dem Erzieher von Generationen von Schülern und stets hilfsbereiten Berat aufblickte. Als 19-jähriger, aus Rexingen stammend, kam er im Jahre 1877 nach hier und entwickelte sich hier im Laufe der Jahrzehnte zu einer jüdischen Persönlichkeit, deren Rat und Stimme in allen Gremien der Gemeinde und der württembergischen Judenheit geschätzt und geachtet wurde. So gehörte er lange Jahre dem Israelitischen Vorsteheramt Creglingen, dem württembergischen und allgemeinen israelitischen Lehrerverein als Vorstandsmitglied, und als Mitglied der württembergischen israelitischen Landesversammlung an. Ein vortrefflicher Jehudi, der seiner Gemeinde und dem württembergischen Judentum ihr Gepräge gab, geht mit ihm dahin.  
Die Bestattung fand am 5. Nissan auf dem altehrwürdigen Friedhof der Israelitischen Gemeinde Creglingen statt. Es sprachen würdigende Worte des Abschieds Lehrer H. Katzenstein, Creglingen, Herr Bezirksrabbiner Dr. M. Kahn, Mergentheim, Herr Emil Lißberger, Creglingen, im Namen des Israelitischen Vorsteheramtes, Creglingen, Herr Anstaltsdirektor Theodor Rothschild, Esslingen, im Namen des Israelitischen Lehrervereins und des Israelitischen Oberrats, Stuttgart, sowie Herr Oberlehrer Adler, Cannstatt, im Namen der württembergischen israelitischen Landesversammlung, und Herr Karl Gutmann, Creglingen, im Namen der ehemaligen Schüler des Verstorbenen. Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."      


     
Aus dem jüdischen Gemeinde- und Vereinsleben 
Gründung einer Ortsgruppe des "Central-Vereins" (1927)  

Creglingen CV-Zeitung 11021927.jpg (42586 Byte)Artikel in der "CV-Zeitung" (Zeitschrift des "Central-Vereins") vom 11. Februar 1927: "Am 29. Januar wurde in Creglingen (Württemberg) eine neue Ortsgruppe des Centralvereins gegründet. Ministerialrat Dr. Hirsch (Stuttgart) sprach in einer gut besuchten Versammlung über 'Den verstand des Judentums'. Sämtliche anwesenden Familien meldeten sich als Mitglieder. Die allgemeine Begeisterung war so groß, dass ein jugendlicher Zuhörer, der an diesem Tage seine Barmizwoh feierte, dem Centralverein eine Spende von seinen Geschenken machte."   


  

Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde 
Über die Geschichte der Familien Blumenfeld in Creglingen (1928)  

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Hinweis auf David Blumenfeld (geb. 1828 in Creglingen, gest. 1905 in Watertown, USA): Journalist und Verleger, begründete und verlegte nach seiner Auswanderung 1850 den "Watertown Weltburger", eine der bedeutendsten deutschsprachigen Zeitungen Amerikas. Das Elternhaus von Blumenfeld stand Ecke Hauptstraße / Neue Straße.    

  
Zum Tod von Lazarus Oberndörfer, Onkel von Lehrer Oberndörfer in Archshofen (1891)  

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Zum Tod von Jeanette Oberndörfer, Mutter von Lehrer Oberndörfer (1908)   

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Bericht von Gertrud Katzenstein aus Creglingen über das Simchas-Tora-Fest in der Kinderheilstätte Bad Kreuznach (1937)

Bad Kreuznach Israelit 18111937.jpg (162472 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 18. November 1937: "Simchas-Tauroh im Kinderheim in Bad Kreuznach. Simchas Tauroh war ich im Jüdischen Kinderheim in Bad Kreuznach. Dort war es sehr schön. Am Simchas Taurohabend haben wir zuerst gegessen, und dann sind wir in die Synagoge zum Gottesdienst gegangen. Danach haben wir uns umgezogen und sind dann in den großen Spielsaal gegangen. Dort bekam jedes Kind ein Fähnchen, und dann zogen wir durchs ganze Heim. Dabei sangen wir viele jüdische Lieder, natürlich auch von Simchas Tauroh. Als der Umzug fertig war, gingen wir wieder in den großen Spielsaal. Dort standen die Stühle im kreis herum, da setzten wir uns hin. Tante Else suchte dann Tanzpaare heraus, und dann tanzten wir lustig herum. Wir Größeren tanzten natürlich auch Horrah solange, bis wir nicht mehr konnten. Nach dem Tanzen trugen einige Kinder Gedichte vor oder sangen Lieder. Zur Belohnung dafür bekamen sie Süßigkeiten. Als das fertig war, gingen die Kleinen hinaus auf den Flur. Dort waren Tischchen und Stühlchen aufgestellt. Dort aßen sie Kuchen und tranken Tee. Dann gingen sie ins Bett.
Währenddessen kam ein Pilot mit einem Flugzeug (er stand auf einer Leiter) und einer Landkarte zu uns. Er sang uns vor, wo er schon überall gewesen war, und nach jeder Strophe sangen wir alle den Refrain mit: ‚Wir sind die lustigen Piloten’ usw. Das war sehr schön. Zum Schlusse bekamen wir auch Kuchen und Tee und mussten dann ins Bett.
Am Simchas Taurohmorgen war es in der Synagoge sehr schön. Das Herumziehen mit der Sefer Tauroh (Torarolle) war sehr spaßig. Die Mädels durften auch mit herumziehen. Während des Umzuges wurden Nüsse, Bonbons und Schokoladezigaretten verteilt. Alle Jungens, auch die, die noch nicht Barmizwoh waren, wurden aufgerufen, immer zehn zusammen. Beim Mittagessen war es sehr gemütlich. Bei jedem Kind lag ein Geschenk auf dem Teller, bei mir ein schönes Buch. Das war der schönste Simchas Tauroh, den ich bis jetzt erlebt habe. Das werde ich nicht so schnell vergessen. Gertrud Katzenstein (12 Jahre), Creglingen (Württemberg)."


  
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen  
Verlobungs- und Hochzeitsanzeige von Bettina Grünfeld und Moritz Lissberger (1927 / 1928)   

Tauberrettersheim Israelit 22121927.jpg (31378 Byte)"Baruch HaSchem (Gott sei gepriesen) 
Bettina Grünfeld - Moritz Lissberger 
Verlobte
Tauberrettersheim (Bayern) - Creglingen (Württemberg) 
Schabbat Chanukka - 24. Dezember 1927."    
     
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 23. August 1928: Gott sei gepriesen
Emil Lissberger und Frau - Lina Grünfeld geb. Fromm  
beehrten sich die Vermählung ihrer Kinder Moritz und Bettina anzuzeigen.   
Tauberrettersheim (Bayern) - Creglingen (Württemberg).   
Trauung: Dienstag, den 28. August / 12. Elul 5688. Hotel Miltenberg, Bad Mergentheim."      

     
Geburtsanzeige des Sohnes von Harry Katzenstein und Flora geb. Hausdorff (1935)  
Harry Katzenstein war der letzte Lehrer der jüdischen Gemeinde. 

Creglingen Israelit 28021935.jpg (34046 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 14. Juni 1935: "Mit Gottes Hilfe.  Die glückliche Geburt eines Sohnes zeigen an   Harry Katzenstein und Frau Flora geb. Hausdorff.  
Creglingen (Württemberg). 17. Februar 1935. 14. Adar Rischon."   

    

  

Zur Geschichte des Betsaals / der Synagoge    

1618 konnte Jud Simson zu Reinßbronn ein Haus in der Badgasse 3 erwerben. Möglicherweise hat er bereits wenig später in diesem Haus auch einen Betsaal eingerichtet. Auf jeden Fall war im 17. Jahrhundert ein solcher in Creglingen vorhanden. Noch während des Dreißigjährigen Krieges wurden zwei junge jüdische Männer in der Creglinger Synagoge ermordet. 1659 wird von einem Streit zwischen dem jüdischen Schulmeister von Creglingen mit seinem Kollegen von Aub (Landkreis Würzburg) berichtet: "Beide Juden Schulmeister von Aub undt hier, haben ein groß geschrey uf der gaßen gehabt und sich mitteinander gezanckt, sindt umb 10 Taler abgestrafft worden“. 

Das Gebäude in der Badgasse blieb mehrere Generationen in Familienbesitz. Von 1704 an gehörte es Simsons Urenkel Lazar Moses. Spätestens unter ihm wird sich ein Betsaal/Synagoge in diesem Haus befunden haben. 1709 wird davon berichtet, dass im Haus des Marx Levi (er war "Mitvorsteher und Barnoß der Judenschaft“ und wohnte seit 1707 im Haus Hauptstraße 29) eine neue Torarolle für die Creglinger Synagoge geschrieben wurde. Diese wurde "in Begleitung sämtlicher Judenschaft von daraus in ihre Synagoge ohne weitere Sollenitäten still gebracht, sonsten auch nichts weiteres dabei sich ereignet“. 

Zeitweise, möglicherweise auch vor der Einrichtung eines Betsaales in der Badgasse 3, könnte es einen solchen auch im Haus Lindleinstraße 30 gehabt haben. Auch dieses Haus (genannt "das alte Judenhauß“) war vom 17. bis zum frühen 20. Jahrhundert (ausgenommen die Jahre 1716 bis 1766) in jüdischem Besitz. Als es 1766 von Eysig Jacob erworben wurde, fand er im Keller noch eine "Juden-Tauch“ (ein rituelles Bad) und auf den alten Fenstersimsen in der Stube eingeschnittene hebräische Buchstaben. So könnte auch hier ein Betsaal gewesen sein. 

1731 gab es einen Gottesdienst mit einem ungewöhnlichem Zwischenfall. Nachdem sich die Gemeinde in der "Schul“ zum Gebet versammelt hatte, sollten wie üblich die Torarollen aus dem Schrank ausgehoben und an den Schulmeister weitergereicht werden. Mit dem Ausheben war Eyßig Lazar an der Reihe, der aber schlug dem Schulmeister Hirsch die Rolle ins Gesicht, sodass er er blaue und gelbe Flecken am Kopf bekam. Lazar hatte mit Schulmeister Hirsch schon längere Zeit Streit und ihm auch "das Schulklopfen“ und das Sammeln für die Armen in seinem Haus verboten. Sein Verhalten in der Synagoge wurde mit einem Gulden Strafe belegt sowie der Auflage, das dem Schulmeister bisher verweigerte Geld zu bezahlen. 

Bereits 1765 plante die jüdische Gemeinde den Bau einer Synagoge. In dem bislang in einem jüdischen Wohnhaus befindlichen Betsaal wurde keine dauerhafte Lösung gesehen. Die Gemeinde erwarb zum Bau der Synagoge ein baufälliges Haus neben dem Faulturm, um hier eine "Schul“ mit einer Wohnung für den Lehrer zu bauen. Der Bau verzögerte sich jedoch und wurde erst im Mai 1799 begonnen und im Jahr 1800 eingeweiht. Baumeister war der Freudenbacher Maurer und Steinhauer Johann Leonhard Vorherr. Nach den Bauakten befand sich in dem Gebäude auch ein rituelles Bad. Der Betsaal lag im 1. Stock des Gebäudes (über dem Schulraum im Erdgeschoss); die Frauenempore lag im Bereich des 2. Stockes. Auch der baulich mit der Synagoge verbundene Faulturm war seit 1849 im Besitz der jüdischen Gemeinde. Die Turmwohnung vermietete die Gemeinde später auch an christliche Bürger, die Armenunterstützung bezogen. Auf Anfrage der Stadt stellte sie den Faulturm kostenfrei als Jugendherberge zur Verfügung. Dazu wurde der Turm 1932/33 umgebaut. 

In den 1860er-Jahren wurde die Synagoge gründlich renoviert. Im Blick auf einige Veränderungen in der Inneneinrichtung suchte die Gemeinde auf Grund ihrer sehr angespannten finanziellen Situation Geld zu sparen. Vorsänger Kahn und die drei Gemeindevorsteher richteten daher an den württembergischen König Karl die Bitte, der Creglinger Gemeinde zur Ausschmückung der Synagoge "drei Kronleuchter zu einem Gnadenpreis“ zu überlassen. Leider ohne Erfolg, da der Hofmarschall des Obersthofmeisteramtes am 22. August 1870 mitteilen musste, dass "sich schon länger keine derartigen entbehrlichen oder abgängigen Kronleuchter bei der Königlichen Schlossverwaltung“ mehr finden würden. Nach der Synagogenreparatur und dem damals gleichzeitig notwendigen Erwerb einer Lehrerwohnung hatte die Gemeinde trotz Gewährung eines Staatsbeitrages eine Schuldenlast von 1.450 Gulden. Wenig half dabei das außer den Immobilien im Gemeindebesitz befindliche Stück Wiese, das einen jährlichen Pachtertrag von vier Gulden abwarf. 

Beim Novemberpogrom 1938 wurde das Synagogengebäude im Inneren demoliert, sämtliche Fenster eingeschlagen. 1939 kam das Gebäude samt dem Faulturm in den Besitz der Stadt. Das Synagogengebäude wurde zusammen mit dem Faulturm als Jugendherberge genützt, bis es um 1970 in Privatbesitz überging und danach Lagerzwecken diente. 1987 wurde das Gebäude restauriert und wird seitdem als Restaurant genutzt. Eine Hinweistafel zur Erinnerung an die Geschichte des Hauses wurde 1987 am Gebäude angebracht. Der Faulturm wurde im Frühjahr 2002 restauriert. 

Seit November 2000 besteht ein jüdisches Museum zur Erinnerung an die jüdische Geschichte in der Stadt im Gebäude Badgasse 3. Dieses 1880 errichtete Gebäude ersetzte ein altes Wohnhaus (zu dessen Geschichte s.o.).


Fotos 
Historisches Foto 
(Quelle: Jüdische Gotteshäuser und Friedhöfe in Württemberg. 1932) 

Creglingen Synagoge 001.jpg (85993 Byte)

Die Creglinger Synagoge, angebaut an den "Faulturm"


Fotos nach 1945/Gegenwart:  

Fotos Dezember 1983 vor der Renovierung
(Fotos: Hahn)
Creglingen Synagoge 101.jpg (76859 Byte) Creglingen Synagoge 102.jpg (79783 Byte)
  1983 war das ehemalige Synagogengebäude in baufälligem Zustand Eingangstüre, über der die Inschrift noch an die Benutzung als Jugendherberge erinnerte
     
  Creglingen Synagoge 104.jpg (97073 Byte) Creglingen Synagoge 103.jpg (87773 Byte)
    Der Blick zum Dach zeigt den schlechten Bauzustand
     
Fotos um 1990 nach der Renovierung des Hauses
(Fotos: Hahn)
Creglingen Synagoge 106.jpg (57840 Byte)  Creglingen Synagoge 112.jpg (51349 Byte) 
Nach der Renovierung präsentierte sich das Synagogengebäude mit offenem Fachwerk   Eingangstüre mit der Spur einer Mesusa am Türpfosten
      
 Fotos 2003
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 16.11.2003)
   
Creglingen Synagoge 154.jpg (47273 Byte) Creglingen Synagoge 152.jpg (69540 Byte) Creglingen Synagoge 153.jpg (57056 Byte)
Die ehemalige Synagoge beim Faulturm - heute ein Eiscafé
 
Creglingen Synagoge 151.jpg (53332 Byte) Creglingen Synagoge 150.jpg (34963 Byte) Creglingen Synagoge 155.jpg (67108 Byte)
Der Eingang der ehemaligen Synagoge Die Mesusaritze - farblich hervorgehoben Die 1987 angebrachte Gedenktafel

  
   

Links und Literatur

Links:

Website der Stadt Creglingen
Zur Seite über den jüdischen Friedhof Creglingen (interner Link)
Zur Seite über das jüdische Museum Creglingen (interner Link) 

Literatur:

Paul Sauer: Die jüdischen Gemeinden in Württemberg und Hohenzollern. 1966. S. 63-66.
Creglingen Lit 05.jpg (29374 Byte)Hartwig Behr/ Horst F. Rupp: Vom Leben und Sterben – Juden in Creglingen. 1999. 

Gerhard Naser (Hg.): Lebenswege Creglinger Juden – Das Pogrom von 1933. 1999.

Claudia Heuwinkel: Jüdisches Creglingen. Ein Gang durch die Stadt. 2001. 

Joseph Walk (Hrsg.): Württemberg - Hohenzollern - Baden. Reihe: Pinkas Hakehillot. Encyclopedia of Jewish Communities from their foundation till after the Holocaust (hebräisch). Yad Vashem Jerusalem 1986. S. 122-123.  
synagogenbuch-1.jpg (32869 Byte)Joachim Hahn / Jürgen Krüger: "Hier ist nichts anderes als Gottes Haus...". Synagogen in Baden-Württemberg. Band 1: Geschichte und Architektur. Band 2: Orte und Einrichtungen. Hg. von Rüdiger Schmidt, Badische Landesbibliothek, Karlsruhe und Meier Schwarz, Synagogue Memorial, Jerusalem. Stuttgart 2007.    
  
  

     


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel. 

Creglingen  Wuerttemberg. The first community was wiped out in the Rindfleisch massacres of 1298. The Jews again lived there in the 1530s but were expelled in 1560. In 1620 they were allowed to establish a permanent settlement, which grew to a population of 130 in 1854 (around 10 % of the total) before declining through emigration. In the Weimar Republik, Jews were influential economically and active publicly. In 1933, 73 remained. In March 1933, 16 were dragged out of the synagogue by the SA and severely beaten, two dying. By 1938, all Jewish stores had closed down. The Jewish school opened in 1935 was closed after Kristallnacht (9-10 November 1938). At least 52 Jews managed to leave Germany, most to the United States. Of the 16 expelled from Creglingen, one survived.   
       

  

                   
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Stand: 01. Januar 2010