Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Creglingen (Main-Tauber-Kreis) 
Jüdische Geschichte / Betsaal/Synagoge   
  
      

November 2014: Hinweis auf eine Ausstellung zu Georg Elser im Jüdischen Museum Creglingen  

Elser Georg 020.jpg (22660 Byte) "Ich habe den Krieg verhindern wollen – Georg Elser und das Attentat vom 8. November 1939"
Sonderausstellung vom 2. – 30. November 2014, jeweils sonntags, 14:00 – 17:00 Uhr, Jüdisches Museum, Badgasse 3, 97993 Creglingen
Am 8. November 2014 jährt sich der Bombenanschlag des 36-jährigen schwäbischen Schreiners Georg Elser aus Königsbronn (Landkreis Heidenheim) auf Adolf Hitler zum 75. Mal. Der geschickte Handwerker wollte 1939 den Diktator töten, um ein "noch größeres Blutvergießen" zu verhindern, jedoch verfehlte der Anschlag im Münchner Bürgerbräukeller sein Ziel. Hitler verließ wenige Minuten vor der Explosion den Versammlungssaal. Georg Elser wurde noch am selben Tag verhaftet und nach nahezu sechsjähriger Isolationshaft am 9. April 1945 im Konzentrationslager Dachau ermordet.
Das Jüdische Museum in Creglingen zeigt die Sonderausstellung "Ich habe den Krieg verhindern wollen – Georg Elser und das Attentat vom 8. November 1939" anlässlich des 75. Jahrestages vom 2. bis 30. November 2014 jeweils sonntags von 14:00 bis 17:00 Uhr in der Badgasse 3. Zusammengestellt und inhaltlich erarbeitet wurde die Ausstellung von den beiden renommierten Historikern und Politikwissenschaftlern Prof. Dr. Peter Steinbach und Prof. Dr. Johannes Tuchel aus Berlin, beide Leiter der Gedenkstätte Deutscher Widerstand in der Bundeshauptstadt.
Leihgeber der Sonderschau ist die Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg (Stuttgart) und die Gedenkstätte Deutscher Widerstand, realisiert wurden die 29 Ausstellungsfahnen mit den Themen "Biographisches zu Georg Elser, Das Attentat vom 8. November 1939, Vorbereitungen zum Attentat, Nach der Explosion, Nationalsozialistische Reaktionen, Ermittlungen, Vernehmungen, KZ-Haft und Ermordung, Nachwirkungen" mit Förderung durch die Landesstiftung Baden-Württemberg. Im Jüdischen Museum in Creglingen wird die Wanderausstellung durch die Präsentation einer Reihe von Büchern erweitert, die die lange und kontroverse Rezeptionsgeschichte des Attentäters und seiner Tat nach 1945 illustrieren.
Buergerbraeukeller nach Attentat 010.jpg (330135 Byte)Die Ausstellung "Ich habe den Krieg verhindern wollen – Georg Elser und das Attentat vom 8. November 1939" würdigt eine Persönlichkeit, die neben den Geschwistern Scholl und den Brüdern Stauffenberg zu den herausragenden Gestalten des Widerstandes gegen den Nationalsozialismus im deutschen Südwesten zählt. Sie zeigt die politisch-moralische Motivation des eher verschlossenen Einzelgängers und seinen Widerstand gegen den Unrechtsstaat. Elser hatte einen ausgeprägten Sinn für Recht und Gerechtigkeit und war auf Grund ganz handfester Tatsachen zu der Überzeugung gelangt, dass sich die Lage der "kleinen Leute" unter dem Nationalsozialismus drastisch verschlechtert hatte.
Die Georg-Elser-Sonderausstellung im Jüdischen Museum beschäftigt sich mit einem Thema, das nicht direkt mit dem Judentum oder der jüdischen Geschichte und Gegenwart im Zusammenhang steht. Sie will die Besucherinnen und Besucher dazu motivieren, sich gegen Unrecht, Gewalt und Unfreiheit zu engagieren. Die Ausstellung ist für den Besuch von Schulklassen und für den Einbau in den Schulunterricht besonders gut geeignet. Auch außerhalb der regulären Öffnungszeiten werden Führungen für Schulklassen und interessierte Gruppen jederzeit durch professionelle Kräfte gern organisiert.
Fotos: Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg (oben: Georg Elser, unten: der Bürgerbräukeller in München nach dem Attentat)  
Stiftung Jüdisches Museum Creglingen, Torstraße 2, 97993 Creglingen, Tel. 07933/701-0, E-Mail: jmc@stiftung-jmc.de.
  

  
  
Übersicht:  

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer   
Aus dem jüdischen Gemeinde- und Vereinsleben  
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde   
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen     
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen 
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte   
Links und Literatur   

       

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)      
    
In Creglingen bestand eine jüdische Gemeinde im Mittelalter (Judenverfolgung 1298) und in der Neuzeit bis 1938. 

Die Entstehung der neuzeitlichen Gemeinde geht in die Zeit des 16./17. Jahrhunderts zurück. In der Markgrafschaft Brandenburg-Ansbach, zu der Creglingen seit 1448 gehörte, wurden Juden in einer Zeit aufgenommen, in der sie aus den meisten Regionen vertrieben wurden. Noch während des Dreißigjährigen Krieges konnte eine jüdische Gemeinde in der Stadt entstehen. 1714 gab es 12 jüdische Familien in der Stadt, 1808 17 Familien. 

Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1824 105 jüdische Einwohner (8,7 % von insgesamt 1.202 Einwohnern), höchste Zahl um 1846 mit 130 Personen, 1880 115 (8,6 % von 1.332), 1895 118, 1910 84 (6,9 % von 1.210). Nach einem Bericht von 1870 gehörten die damaligen Gemeindeglieder dem Mittelstand der Bevölkerung an. Viele lebten vom Ellenwaren- und Hausierhandel. 
 
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge (s.u.), eine jüdische Schule (Israelitische Volksschule von den 1830er-Jahren bis 1924), ein rituelles Bad (zunächst vermutlich im Synagogengebäude, seit 1895 neues rituelles Bad am sog. Hahnenweg am Herrgottsbach unterhalb der heutigen Treppe zum Krankenhaus, bestand bis 1939) und einen Friedhof. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war. Unter den Lehrern an der Schule sind insbesondere zu nennen: Ludwig Stern, Moritz Oberndörfer und Josef Preßburger (vgl. Berichte unten). Das zuständige Rabbinat war von 1832 bis 1914 Weikersheim, von 1914 bis 1939 Mergentheim.  
    
Im Ersten Weltkrieg fiel aus der jüdischen Gemeinde Heinrich Stern (geb. 8.11.1894 in Camberg, gef. 25.12.1918). Sein Name steht auf dem Ehrenmal für die Gefallenen des Krieges im Friedhof an der Herrgottskirche.   
   
Um 1924, als etwa 90 jüdische Einwohner in Creglingen gezählt wurden, waren die Vorsteher der Gemeinde Oberlehrer Josef Preßburger, Benjamin Oberndörfer, Emil Lissberger, Max Gutmann und Rudolf Sinsheimer. Oberlehrer Preßburger erteilte neun Kindern des Religionsunterricht; vier weitere Kinder erhielten von ihm Religionsunterricht an höheren Schulen. An jüdischen Vereinen gab es: die Chewra Gemilus Chesed (Wohltätigkeitsverein, 1924 unter Leitung von Emil Lißberger), die Chewra Kadischa (Wohltätigkeits- und Bestattungsverein), den Israelitischen Frauenverein (1924 unter Leitung von Ida Oberndörfer), den Ohawei-Tora-Verein und die Baukasse (gegründet 1887, 1924 unter Leitung von Josef Preßburger). An Stiftungen gab es eine Brautaussteuerstiftung, Jahrtagsstiftungen und die Krankenfürsorgestiftung. 1932 war weiterhin Oberlehrer Preßburger erster Gemeindevorsteher. Inzwischen war als Religionslehrer Harry Katzenstein angestellt. Er unterrichtete im Schuljahr 1931/32 sieben Kinder in Religion.       
     
An ehemaligen, bis nach 1933 bestehenden Handelsbetrieben im Besitz jüdischer Familien / Personen sind bekannt: Landesproduktenhandlung G. Ehrenberger und Söhne (Hauptstraße 7), Aussteuerhaus Gutmann, Inh. Gutmann und Landauer (Kreuzstraße 5), Handelsmann David Gutmann (Torstraße 19), Tabak- und Zigarettengeschäft Emil Gutmann (Neue Straße 17), Kaufmann Karl Gutmann (Neue Straße 15), Handelsmann Isaak Gutmann und Viehhandlung Max Gutmann (Lindleinstraße 4), Viehhandlung Siegfried Güthermann (Poststraße 7), Manufakturwarenhandlung Emil Lissberger (Hauptstraße 30; Emil Lissberger war bis 1933 Mitglied des Gemeinderats, ebenso Vorstandsmitglied des Fußball- und des Gesangvereins in Creglingen), Manufakturwarenhandlung Adolf Oberndörfer (Hauptstraße 41), Viehhandlung Meyer Rosenfeld (Lindleinstraße 16); Manufaktur- und Korbwarenhandlung Rudolf Sinsheimer (Hauptstraße 23; der benachbarte Hausplatz Hauptstraße 25 war von 1692 bis 1897 in jüdischem Besitz), Viehhandlung Hermann Stern (Hauptstraße 9).
   
1933 wurden noch 73 jüdische Personen in Creglingen gezählt. Am 25. März 1933 kam es bei einem Pogrom durch die SA zur Ermordung von zwei Creglinger Juden: der 67jährige Hermann Stern und der 53jährige Arnold Rosenfeld starben auf Grund der erlittenen Misshandlungen. Der Vorfall bewirkte, dass eine größere Anzahl jüdischer Einwohner kurz darauf im Ausland Zuflucht suchte. 1935 richtete die jüdische Gemeinde für ihre Kinder eine Privatschule ein, die bis 1938 bestand (Lehrer Harry Katzenstein). Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge demoliert; eine größere Zahl jüdischer Männer wurde in das KZ Dachau verschleppt. 1939 verließen die letzten jüdischen Einwohner die Stadt.    
  
Von den in Creglingen geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Ida Allersheimer (1884), Bernhard Baar (1880), Frieda Baar geb. Allersheimer (1882), Jakob Blumenfeld (1873), Rudolf Blumenfeld (1880), Fanny Cohn geb. Lissberger (1904), Zilli Elkan geb. Fuchs (1877), Jakob Fuchs (1868), Karoline Grünewald geb. Gutmann (1857), Minna Günther geb. Gutmann (1859), Jakob Abraham Gutmann (1851), Max Gutmann (1884), Fanny (Ferdel, Fradel) Hahn geb. Gutmann (1867), Tekla Heinemann geb. Stern (1891), David Kahn (1870), Rosa Kapp geb. Obenheimer (1871), Rosa Lehmann geb. Ehrenberg (1889), Bernhard Lissberger (1907), Emil Lissberger (1873), Emma Lissberger (1877), Sigmund Lissberger (1875), Emil Obenheimer (1897), Adolf Oberndörfer (1864), Benjamin Oberndörfer (1879), Gertrud Oberndörfer (1901), Helene Oberndörfer geb. Oberndörfer (1866), Sally Oberndörfer (1901), Sigmund Oberndörfer (1904), Aron Rosenfeld (1880), Rosa Sinsheimer (1877), Cäcilie (Cilly) Stern geb. Blumenfeld (1866), Hermann Stern (1866), Meta Thalheimer geb. Oppenheimer (1872), Abraham Wolf (1879, wurde von Köln nach Lódz deportiert), Hermann Wolf (1878), Justin Wolf (1917), Lazarus Wolf (1877), Ludwig Wolf (1920), Marianne Wolf geb. Heidelberger (1883).        
Seit 1947/2001 erinnert im Sitzungssaal des Alten Rathauses sowie im Eingangsbereich (Hauptstraße 13) eine Gedenktafel/Gedenkstätte an den Pogrom im März 1933.   
    
Seit November 2000 besteht ein jüdisches Museum zur Erinnerung an die jüdische Geschichte der Stadt im Gebäude Badgasse 3. Dieses 1880 errichtete Gebäude ersetzte ein altes Wohnhaus (frühere Judenschule), das vom 17. bis zum 19. Jahrhundert von jüdischen Familien bewohnt war. 
Link:  www.juedisches-museum-creglingen.de.   
      
      
      
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
  
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer  

Lehrer Ludwig Stern tritt eine Stelle an der Lehrerbildungsanstalt in Würzburg an (1864)

Freudental Israelit 16111864.jpg (233255 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 16. November 1864: "Aus Württemberg. Dem inneren Berufe folgend, hat am Anfang dieses Monats ein Mann das Schwabenland verlassen, dessen Verlust nicht nur die Gemeinden, in deren Mitte er als Lehrer und Vorsänger gewirkt hat, sondern nahezu das ganze Württemberg empfinden dürfte, für das er besonders in jüngster Zeit in edelster Weise, ersprießlich und wacker gewirkt und gekämpft hat. Ludwig Stern, bisher in Freudental angestellt, hat die Lehrer- und Hausmeister-Stelle an der Lehrerbildungsanstalt in Würzburg angenommen, welche von den dortigen hochherzigen Rabbinen unter Protektion der bayerischen Regierung ins Leben gerufen worden ist. Wie unser Stammvater folgte auch er der inneren Himmelsstimme und zog weg aus seinem Land und aus seiner Heimat wie aus dem Haus seines Vaters, verließ Vaterland, Heimat, Verwandte und Freunde, um zu wirken für das Ideal, das er auch bei uns zu erstreben bemüht gewesen, um vereint zu sein mit den Verwandten des Geistes, die seinem Edelmute mehr gelten als irdische Beziehungen. Rastlos wie seine pflichttreue Tätigkeit stieg auch er in seiner äußeren Stellung von Stufe zu Stufe und bewährte sich an ihm jeder göttliche Segen, der solchen Männern verheißen ist ‚und ich will groß machen deinen Namen und er wird ein Segen sein’. Von der kleinen Filialgemeinde Unterdeufstetten aus, für die er ein Faktotum war, wie von Markelsheim und Creglingen, wo die Gemeinden zu jedem Opfer bereit waren, um ihn länger besitzen zu dürfen, wie durch die größere Kehilla (Gemeinde) Freudental, wo sein hervorragendes Wissen und Wirken, obschon neben einem Rabbinen, doch in der ehrenvollsten Weise Anerkennung gefunden hat, verbreitete sich sein Name immer weiter in den Gauen Württembergs. Sein rednerisches Talent und seine theologischen und pädagogischen Kenntnissee fanden ihren besten Lobredner in seinen Predigten, seinen Vorträgen und seinen schriftstellerischen und publizistischen Werken und Aufsätzen, welche auf der Kanzel vernommen worden, oder durch die Presse in Büchern, Zeitschriften und Broschüren an das Licht der Öffentlichkeit getreten sind. An der Spitze steht hierin das von ihm erschienene ‚Deutsche Lesbuch für israelitische Schulen in 5 Abteilungen’ (Stuttgart 1862), das im Auslande fleißig gebraucht wird, obgleich unsere israelitische Oberkirchenbehörde, deren meisten Mitglieder nicht wohl die wahren Freunde eines solchen Strebens sein können, es nicht offiziell in den württembergischen Schule eingeführt hat. Mit einem wahren Eliasmute aber ist er als wackerer Kämpe in die Schranken getreten, um eine Revision des israelitischen Kirchenwesens in Württemberg zu erstreben, um die jetzt das ganze Land in allen seinen Parteien einstimmig und sehnlich petitioniert. So hat sich sein Verdienst über das Weichbild der Gemeinden hinaus durchs ganze Land nicht nur ausgebreitet und unvergesslich gemacht, sondern auch – gestützt auf 1. Samuel 12,23 – die Hoffnung erzeigt, dass die politische Grenze, die ihn nun von uns trennt, keine Scheidewand zwischen uns sein werde in den religiösen Bestrebungen, die wir bis jetzt gemeinschaftlich unternommen haben, und bald zum segensreichen Ziele führen werden. 
Möge er in Würzburg die Liebe und Achtung finden, die er unter uns besitzt, seine Aufnahme dort so herzlich sein, wie sein Abschied von hier und sein Wirken immer allgemeiner und segensreicher sich enthalten! Im Namen der Freunde im Neckartale, im Taubergrunde und am Donaustrome. S. Levy in Stuttgart."   

  
Neujahrsgrüße von Lehrer Moritz Oberndörfer (1898)
     

Creglingen Israelit 12091898.jpg (25363 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 12. September 1898: Allen Freunden und Bekannten herzliche Gratulation zum Jahreswechsel. 
Moritz Oberndörfer und Familie,
Creglingen."    

   
25-jähriges Amtsjubiläum von Lehrer Preßburger (1902)      

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. Dezember 1902: "Aus Württemberg, 3. Dezember (1902). In Creglingen feierte Herr Lehrer Preßburger sein 25-jähriges Amtsjubiläum und durfte sich dabei vieler Beweise der Anhänglichkeit und Wertschätzung der jüdischen wie christlichen Einwohner erfreuen. Bei der festlichen Versammlung im Lammsaale wurden seine Verdienste als Lehrer wie als Bürger in verschiedenen Reden gewürdigt. Dem Jubilar wurde der Chowertitel verliehen."         

 
Ausschreibung der Stelle des Religionslehrers (1928)
     

Creglingen Israelit 06121928.jpg (73284 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 6. Dezember 1928: "Die Stelle eines unständigen Religionslehrers 
für die Israelitische Gemeinde Creglingen soll wieder besetzt werden. Die Stelle wird mit einem Bewerber besetzt, der die deutsche Reichsangehörigkeit besitzt und die erste Volksschullehrerdienstprüfung erstanden hat. Die Besoldung wird nach den Grundsätzen für staatliche Lehrer berechnet und aus der Israelitischen Zentralkasse bezahlt. Wohnung kann beschafft werden. Bewerber, die bereits sind, die Schechitah auszuüben, wollen sich unter Darstellung ihres Lebenslaufs und Anschluss ihrer Zeugnisse bis zum 21. Dezember 1928 melden beim 
Oberrat der Israelitischen Religionsgemeinschaft Württembergs Stuttgart,
Reinsburgstraße 19,2."    

    
Zum 75. Geburtstag von Oberlehrer a.D. Josef Preßburger (1933)  
Josef Preßburger (geb. 1858 in Rexingen, gest. 1938 in Creglingen) war von 1877 bis 1924 jüdischer Lehrer und Vorbeter in Creglingen, zeitweise Vorsitzender im Verein israelitischer Lehrer Württembergs; spielte auch eine bedeutende Rolle im Verband der israelitischen Lehrer Deutschlands. Von 1924 bis 1930 gehörte Preßburger als Vertreter der Lehrer der Israelitischen Landesversammlung an. Preßburger trug wesentlich dazu bei, dass sich in der kleinen Gemeinde Creglingen ein tiefreligiöser Geist bis in die NS-Zeit erhielt.   

Creglingen Israelit 30111933.jpg (110847 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 30. November 1933: "Creglingen, 21. November (1933). Am 7. Dezember dieses Jahres begeht Herr Oberlehrer a.D. Josef Preßburger, Creglingen (Württemberg) seinen 75. Geburtstag. Herr Oberlehrer Preßburger kann auf eine lange arbeits- und segensreiche Tätigkeit zurückblicken. Er wirkte als Elementar- und Religionslehrer über 50 Jahre (von 1877 bis 1929) ununterbrochen in vorbildlicher Treue und Anhänglichkeit an der hiesigen israelitischen Gemeinde. Ganze Generationen blicken zu ihm in Dankbarkeit und Verehrung als ihrem Lehrer und Erzieher auf. Fast sämtlichen württembergischen jüdischen Wohlfahrtseinrichtungen stellte er während seiner hiesigen Wirksamkeit an führender Stelle seine unermüdliche Arbeitskraft zur Verfügung. Mit besonderer Liebe wandte sich seine Schaffenskraft der hiesigen Gemeinde zu, war er doch jahrzehntelang Vorsitzender des israelitischen Vorsteheramtes und in der Chewroh Kadischoh stets an erster Stelle und beispielgebend tätig. Möge es dem allseits beliebten Jubilar vergönnt sein, sich im Kreise seiner Familie noch vieler ungetrübter Jahre der Frische und Gesundheit zu erfreuen. (Alles Gute) bis 120 Jahre."   

     
Zum Tod von Oberlehrer i.R. Josef Preßburger (1938)   
 

Creglingen Israelit 14041938.jpg (152850 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 14. April 1938: "Creglingen (Württemberg), 10. April (1938). Am 3. Nissan verschied hier nach kurzem Krankenlager Oberlehrer i.R. Josef Preßburger, der mehr als fünf Jahrzehnte hier als Volksschullehrer, Religionslehrer und Kantor wirkte und auch seinen Ruhestand hier im Kreise der ihm lieb gewordenen Gemeinde Creglingen verbrachte, die zu ihm als dem Erzieher von Generationen von Schülern und stets hilfsbereiten Berat aufblickte. Als 19-jähriger, aus Rexingen stammend, kam er im Jahre 1877 nach hier und entwickelte sich hier im Laufe der Jahrzehnte zu einer jüdischen Persönlichkeit, deren Rat und Stimme in allen Gremien der Gemeinde und der württembergischen Judenheit geschätzt und geachtet wurde. So gehörte er lange Jahre dem Israelitischen Vorsteheramt Creglingen, dem württembergischen und allgemeinen israelitischen Lehrerverein als Vorstandsmitglied, und als Mitglied der württembergischen israelitischen Landesversammlung an. Ein vortrefflicher Jehudi, der seiner Gemeinde und dem württembergischen Judentum ihr Gepräge gab, geht mit ihm dahin.  
Die Bestattung fand am 5. Nissan auf dem altehrwürdigen Friedhof der Israelitischen Gemeinde Creglingen statt. Es sprachen würdigende Worte des Abschieds Lehrer H. Katzenstein, Creglingen, Herr Bezirksrabbiner Dr. M. Kahn, Mergentheim, Herr Emil Lißberger, Creglingen, im Namen des Israelitischen Vorsteheramtes, Creglingen, Herr Anstaltsdirektor Theodor Rothschild, Esslingen, im Namen des Israelitischen Lehrervereins und des Israelitischen Oberrats, Stuttgart, sowie Herr Oberlehrer Adler, Cannstatt, im Namen der württembergischen israelitischen Landesversammlung, und Herr Karl Gutmann, Creglingen, im Namen der ehemaligen Schüler des Verstorbenen. Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."      

     
     
Aus dem jüdischen Gemeinde- und Vereinsleben 
Gründung einer Ortsgruppe des "Central-Vereins" (1927)  

Creglingen CV-Zeitung 11021927.jpg (42586 Byte)Artikel in der "CV-Zeitung" (Zeitschrift des "Central-Vereins") vom 11. Februar 1927: "Am 29. Januar wurde in Creglingen (Württemberg) eine neue Ortsgruppe des Centralvereins gegründet. Ministerialrat Dr. Hirsch (Stuttgart) sprach in einer gut besuchten Versammlung über 'Den Verstand des Judentums'. Sämtliche anwesenden Familien meldeten sich als Mitglieder. Die allgemeine Begeisterung war so groß, dass ein jugendlicher Zuhörer, der an diesem Tage seine Barmizwoh feierte, dem Centralverein eine Spende von seinen Geschenken machte."   

     
     
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde
 
Über die Geschichte der ursprünglich christlich-sizilianischen, dann zum Judentum konvertierten Familie Blumenfeld in Creglingen (1928)  

Creglingen Israelit 22031928.jpg (115408 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 22. März 1928: "Die Geschichte von zwei Städten. Mitgeteilt von Oberlehrer L. Preßburger in Creglingen. 
In dem bildschönen Taubertal lebten vor 70 Jahren 6 Familien namens Blumenfeld in der kleinen Stadt Creglingen und zur Zeit, da dieses geschrieben wird, sind eine Witwe mit einem unverheirateten Sohn die Einzigen, die diesen Namen noch tragen.   
An der Ecke der Hauptstraße und der Neuen Straße steht ein gut gebautes Haus für zwei Familien, welches vor 120 Jahren von dem Großvater dieses Schreibers, einem gewissen Raphael Blumenfeld, gebaut wurde, und dann wurde es bewohnt von seinen beiden Söhnen Lazarus und Jacob Blumenfeld und deren Familien. Mit Jakob Blumenfeld lebte der alte Großvater, welcher schon viele Jahre ein Witwe war. Raphael war ein besonders bemerkenswerter Mann, er war gut gebaut mit einem wohlwollenden Gesicht und sehr feinen Zügen, streng orthodox in seinen religiösen Anschauungen. In seinem Zimmer hatte er eine ziemlich große Bibliothek, wo er viele Stunden mit Studieren verbrachte. An Sabbat und Feiertagen nach dem Gottesdienst, als seine Freunde und Verwandten spazieren gingen, um die Schönheiten der Natur zu bewundern, oder sich in anderer Weise vergnügten, saß er immer in seinem Zimmer über große Buchbände gebückt und las bis zur Dunkelheit: Auf diese Weise lebte er fast bis zu seinem Ende, welches in seinem 87. Jahre kam, ohne dass er ein besonders Leiden gehabt hatte. Eines Abends, im Jahre 1851, blieben drei seiner Söhne die ganze Nacht bei ihm bis zum Morgen, als er starb. Er hinterließ ein gutes Andenken.   
Ein paar Tage nach der Beerdigung sagte Vetter Hermann Blumenfeld zu dem Schreiber dieses: 'Lass uns einmal Großvaters Bibliothek durchsehen, welche er sein ganzes Leben durch immer gut verschlossen hielt, aber jetzt ist der Schlüssel im Schloss und niemand kümmert sich darum, was aus der Bibliothek wird; denn wir sind   
Creglingen Israelit 22031928a.jpg (323999 Byte)nicht so studienhaft angelegt.' Also untersuchten wir sie und nahmen ein Buch nach dem andern aus den Regalen. In einem der schweren mit Leder gebundenen Bände entdeckten wir ein flaches Paket, welches aus 10 Bogen bestand, mit starkem Leinfaden zusammengenäht, mit sehr kleinen Buchstaben beschrieben war, gut leserlich, obgleich ziemlich verblasst. Wir erinnerten uns, dass der Verstorbene manchmal geheime Andeutungen gab betreffs der Vorfahren der Blumenfelds, ohne irgend welche spezielle Bemerkungen zu machen. Dieses alte Dokument, welches 1690 datiert war, hat das Geheimnis geöffnet. Eine gedrängte Übersicht folgt hiermit:   
Es lebte im 17. Jahrhundert zwischen 1620 und 1630 ein gewisser Ravaelo Floricampo in Italien in der Provinz Sizilien an den Abhängen des Berges Ätna, wo er große Weingärten besaß und viele Äcker, welche mit Olivenbäumen bepflanzt waren. Sein Haus war ein großes solides Steingebäude, nur einen Stock hoch wegen der in diesem Teil Italiens so oft vorkommenden Erdbeben. Das größte Zimmer im Hause gebrauchte er für eine Restauration. Hier kamen Gäste von nah und fern wegen seiner vorzüglichen Weine sowie einer Portion Makkaroni, welche seine Frau Bianka besonders gut zu bereiten verstand; während seine hübsche Tochter Florina mithalf, die Gäste zu bedienen, und ihr Bruder, Ravaele junior, half seinem Vater die Weinberge zu bebauen und die Weine im Keller zu behandeln.   
Ravaelo Floricampo war erfolgreich und glücklich. Eines Tage kam unter anderen Gästen ein vornehm aussehender junger Herr, um sich zu erfrischen. Bianca war gerade daran, ihn zu bedienen, als ihre Tochter Florina sagte: 'O Mutter, lass mich es für Dich tun.' Als ihm der perlende Wein und die schmackhaften Makkaroni von dem lieblichen Mädchen vorgesetzt wurden, machte deren Schönheit sofort einen tiefen Eindruck auf ihn, und er fragte nach ihrem Namen, welchen sie ihm errötend angab. 'Mein Name', sagte er dann, ist Gustav Stürmer, von weit her in Deutschland, geboren in Creglingen, einem Städtchen, wo meine verwitwete Mutter und meine Schwester Agnes noch wohnen. Ich reise soeben in eurem herrlichen Land, wo ich Kunstwerke, besonders Gemälde, studieren will; denn ich selbst bin Maler. Darf ich wiederkommen, Sie zu sehen?' 'O, nichts würde mir angenehmer sein', antwortete sie, und auf diese Weise kam er oft hin und wurde als ein sehr intimer Freund der Familie betrachtet. Aber dieser glückliche Zustand sollte nicht lange anhalten. Eines Tages brach nach mehreren leichten Erderschütterungen, welche sie nicht ängstigten, der Berg Ätna, nach vielen Jahren Ruhe, mit schrecklicher Wucht aus, warf die feurige Asche auf viele Meilen aus, bedeckte die ganze Umgegend mit einem knietiefen Mantel, zerstörte alles Wachstum und nach einer weiteren schrecklichen Explosion floss glühende Lava aus dem Krater die Berge hinunter und setzte Ravaelos Haus in Feuer und zerstörte die Weingärten und Olivenbäume. Glücklicherweise sind alle zur Zeit mit dem lebend davongekommen und es ist Vater Ravaelo gelungen, seine Ersparnisse, welche aus einer großen Summe Goldmünzen bestand, in Sicherheit zu bringen. Während all dieser Begebenheiten war Stürmer eine große Hilfe für die Familie und unter eigener Lebensgefahr trug er Florina, welche in Ohnmacht fiel, hinweg von dem Wege und der rasch sich nähernden Lavaflut.   
Nachdem sich alle von den Schrecknissen dieser Tage etwas erholt hatten, reisten sie mit ihrem Freund Stürmer in die Stadt Messina in derselben Provinz. In einem Gasthaus dort fanden sie zeitweilig Quartier und ein Familienrat wurde gehalten, in welchem entschieden wurde, mit Stürmer nach seinem Heimatort zu reisen, um Creglingen zur zukünftigen Heimat zu machen. Also schifften sie sich auf dem großen, starken, dreimastigen Segelschiff 'The Harlem', Kapitän van Horn, nach Amsterdam in Holland ein, wo sie ankamen, nachdem sie eine Woche auf dem Ozean verbracht hatten. Dann ging es den Rhein und teilweise den Main aufwärts durch die schönsten Landschaften, vorüber an berühmten Städten, Schlossern und Kirchen, und alle waren sehr zufrieden mit dem Lande, welches von nun an ihre Heimat werden sollte, welches von nun an ihre Heimat werden sollte. Freund Stürmer half ihnen, Unterkommen zu finden und stand ihnen in jeder Weise zur Seite. 
In jener Zeit führten die Brüder David und Salomon Amson eine bedeutende Weingroßhandlung mit Kunden in den Niederlanden, Norddeutschland und Skandinavien und suchten einen erfahrenen Leiter für ihre enorm großen Kellereien. Auf die Empfehlung von Stürmer nahmen sie Ravaelo für diesen Posten und Ravaelo junior als Gehilfskellermeister, in welcher Stellung sie sich die vollste Zufriedenheit ihres Prinzipals erwarben.   
Mit dem Geld, das Ravaelo von Italien mitbrachte, baute er sich ein sehr gutes, solides Wohnhaus in dem Lendleinteil des Ortes, wo die Familie wieder in Frieden und Glückseligkeit lebte, bis Biancas Gesundheit sehr rasch abnahm, weil sie das Klima noch nicht gewöhnt war. Sie fühlte ihr Ende nahen und äußerte den Wunsch, ihre Tochter Florina mit Stürmer verheiratet zu sehen. Die Hochzeit wurde dann auch gehalten und sehr bald darauf schloss die Mutter ihre Augen für immer.  
Als der Vater für ein Begräbnis in dem christlichen Kirchhof nachsuchte, wurde es ihm abgeschlagen, mit dem Vorwande, dass die Verblichene nicht von demselben christlichen Glauben war, als die Leute hier zu Lande. Jedoch das Direktorium des jüdischen Friedhofes bot ihm einen Begräbnisplatz an und Bianca wurde dort zur Ruhe bestattet.     
Creglingen Israelit 22031928b.jpg (91864 Byte) Der Witwer war sehr aufgebracht über die grausame Tat seiner christlichen Brüder und dachte lange darüber nach, bis er beschloss zur jüdischen Religion überzutreten, und er und seine Söhne traten der jüdischen Gemeinde bei und seitdem blieben ihre Nachkommen bis zum heutigen Tag diesem Glauben treu. Es war in allen Familien dieser Blumenfelds gebräuchlich, einen der Söhne 'Raphael' zu nennen, in ehrendem Andenken an den Gründer dieser Familie, aber Großvater Raphael, welcher im Anfang dieser kleinen Geschichte genannt wurde, war der letzte, der diesen Namen trug. Seitdem sind an ihre Stellen Namen getreten mit dem Anfangsbuchstaben R, z.B. Rudolf, Raymond, Ralph, Robert usw.   
In der Neuzeit ist unser liebes kleines Heimatstädtchen 'Creglingen' von den meisten der jüngeren Blumenfelds verlassen worden, um in verschiedenen Teilen der Welt zu sein, wo sie überall gute Bürger wurden und sich auszeichneten als Kaufleute, Journalisten, Erfinder usw.   
Stürmer, der Maler, war sehr erfolgreich und seine Gemälde fanden liberale und reiche Abnehmer. Sein Ruhm verbreitete sich sehr schnell und er würde an den Hof des Regierungen Herzogs Eberhard von Württemberg gerufen und mit dem Titel 'Hofmaler' beehrt. Er zog deshalb mit seiner Familie nach Ludwigsburg, wo die herzogliche Residenz war, und von dort aus besuchten seine geliebte Florina und eine Anzahl kleiner Stürmer das alte liebe Vaterstädtchen recht oft. Ein paar seiner Gemälde können immer noch in der Stuttgarter Gemälde-Galerie gesehen werden."       
 
Hinweis auf David Blumenfeld (geb. 1828 in Creglingen, gest. 1905 in Watertown, USA): Journalist und Verleger, begründete und verlegte nach seiner Auswanderung 1850 den "Watertown Weltburger", eine der bedeutendsten deutschsprachigen Zeitungen Amerikas. Das Elternhaus von Blumenfeld stand Ecke Hauptstraße / Neue Straße.    

  
Zum Tod von Lazarus Oberndörfer, Onkel von Lehrer Oberndörfer in Archshofen (1891)  

Creglingen Israelit 02021891.jpg (130678 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 2. Februar 1891: "Creglingen. Einen tief schmerzlichen Verlust hat die hiesige jüdische Gemeinde durch den Tod des Herrn Lazarus Oberndörfer erlitten. (Hebräisch und deutsch:) 'Gefallen ist die Krone unseres Hauptes', so ruft jammernd seine Familie, so stimmt wehklagend seine Gemeinde mit ein. Von religiösen Eltern abstammend, bewahrte der Dahingeschiedene die religiösen Traditionen seines väterlichen Hauses im privaten und öffentlichen Leben. Wenn auch nicht selbst ein Studierter, suchte er das Torastudium durch pekuniäre Unterstützung entsprechender Anstalten etc. zu fördern. Er war ein fleißiger Besucher des Gotteshauses, in welchem er andächtig sein Gebet verrichtete. Ohne Lehrvortrag übte er Wohltätigkeit. Arme und Kranke, Witwen und Waisen - sie alle rühmten an ihm das warmfühlende Herz. 30 Jahre war er Mitglied des Vorsteheramts, und was er in dieser Zeit geleistet, wird ewig unvergesslich bleiben. Seinem rastlosen Eifer haben es die Gemeinden Creglingen - Archshofen zu verdanken, dass der gemeinsame Friedhof umzäunt wurde. 9.000 - 10.000 Mark waren hierzu nötig, welche größtenteils im Wege der Sammlung vom Verstorbenen aufgebracht wurden. Viele Jahre war der Dahingeschiedene auch ehrenamtlicher Vorbeter an den ehrfurchtgebietenden Tagen, und Vorstand einer Chewra (Wohltätigkeitsverein). An seinem Leichenbegängnisse beteiligten sich die sämtlichen Mitglieder der hiesigen und viele aus auswärtigen Gemeinden, sowie eine große Anzahl christlicher Mitbürger. Herr Lehrer Preßburger schilderte in durchdachter, formvollendeter Rede den Verblichenen als Familienvater, Bürger und Mensch, die Verdienste desselben entsprechend würdigend. 
Der Neffe des Verstorbenen, Herr Lehrer Oberdörfer in Archshofen, sprach hiernach den Dank der Familie aus. Der Dahingeschiedene hat sich durch sein gemeinnütziges Leben und Streben die Krone des besten Namens erworben."        

  
Zum Tod von Jeanette Oberndörfer, Mutter von Lehrer Oberndörfer (1907)   

Creglingen Israelit 02011908.jpg (128743 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 2. Januar 1908: "Hardheim, 29. Dezember (1907). Am 12. Tebeth (= 17. Dezember 1907) ist nach langem, schwerem, aber mit großer Ergebung getragenem Leiden Frau Jeanette Oberndörfer in Creglingen zur ewigen Ruhe eingegangen. Die Verschiedene gehörte zu jenen hehren Frauengestalten, jenen frommen Frauen, deren Verdienste unsere Weisen als bestimmend für das Schicksal unseres Volkes erkannt haben. Das fühlte ein jeder bei der Kunde von dem Tod dieser Frau, dass durch ihren Verlust eine große Lücke in unsere Reihen gerissen worden sei. Sie alle, die gekommen waren von nah und fern, um ihr die letzte Ehre zu geben, nahmen teil an dem Schmerz der Kinder, dem Herr Lehrer Oberndörfer, der Sohn der Verstorbenen, im Trauerhause Worte lieh. Auf dem Friedhof gab Herr Lehrer Preßburger ein treffend gezeichnetes Bild von dem musterhaften Leben, das Jeanette Oberdörfer nun vollendet hatte. Er sprach von ihrer tiefen Frömmigkeit, ihrer Bescheidenheit und Anspruchslosigkeit, schilderte ihr Wirken im Hause, in dem sie 44 Jahre mit ihrem Gatten in glücklicher Ehe gelebt und eine Pflanzstätte echt jüdischen Lebens geschaffen, legte dar, wie sie in der Gemeinde ein glänzendes Beispiel gegeben und zur Nacheiferung angeregt, wie sie die Armen und Bedrückten gestützt und ihren Nächsten in Freud und Leid eine ratende und helfende Gefährtin gewesen. Ihr Schwiegersohn, Herr Ludwig Kohn aus Nürnberg, ergriff sodann das Wort zu einem ergreifenden Nachruf, in dem er dieses Charakterbild von der Entschlafenen ergänzte und sie als die wackere Frau rühmte, deren Lob ihr eigenes Wirken verkündet. Ihre Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."    

   
Bericht von Gertrud Katzenstein aus Creglingen über das Simchas-Tora-Fest in der Kinderheilstätte Bad Kreuznach (1937)

Bad Kreuznach Israelit 18111937.jpg (162472 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 18. November 1937: "Simchas-Tauroh im Kinderheim in Bad Kreuznach. Simchas Tauroh war ich im Jüdischen Kinderheim in Bad Kreuznach. Dort war es sehr schön. Am Simchas Taurohabend haben wir zuerst gegessen, und dann sind wir in die Synagoge zum Gottesdienst gegangen. Danach haben wir uns umgezogen und sind dann in den großen Spielsaal gegangen. Dort bekam jedes Kind ein Fähnchen, und dann zogen wir durchs ganze Heim. Dabei sangen wir viele jüdische Lieder, natürlich auch von Simchas Tauroh. Als der Umzug fertig war, gingen wir wieder in den großen Spielsaal. Dort standen die Stühle im kreis herum, da setzten wir uns hin. Tante Else suchte dann Tanzpaare heraus, und dann tanzten wir lustig herum. Wir Größeren tanzten natürlich auch Horrah solange, bis wir nicht mehr konnten. Nach dem Tanzen trugen einige Kinder Gedichte vor oder sangen Lieder. Zur Belohnung dafür bekamen sie Süßigkeiten. Als das fertig war, gingen die Kleinen hinaus auf den Flur. Dort waren Tischchen und Stühlchen aufgestellt. Dort aßen sie Kuchen und tranken Tee. Dann gingen sie ins Bett.
Währenddessen kam ein Pilot mit einem Flugzeug (er stand auf einer Leiter) und einer Landkarte zu uns. Er sang uns vor, wo er schon überall gewesen war, und nach jeder Strophe sangen wir alle den Refrain mit: ‚Wir sind die lustigen Piloten’ usw. Das war sehr schön. Zum Schlusse bekamen wir auch Kuchen und Tee und mussten dann ins Bett.
Am Simchas Taurohmorgen war es in der Synagoge sehr schön. Das Herumziehen mit der Sefer Tauroh (Torarolle) war sehr spaßig. Die Mädels durften auch mit herumziehen. Während des Umzuges wurden Nüsse, Bonbons und Schokoladezigaretten verteilt. Alle Jungens, auch die, die noch nicht Barmizwoh waren, wurden aufgerufen, immer zehn zusammen. Beim Mittagessen war es sehr gemütlich. Bei jedem Kind lag ein Geschenk auf dem Teller, bei mir ein schönes Buch. Das war der schönste Simchas Tauroh, den ich bis jetzt erlebt habe. Das werde ich nicht so schnell vergessen. Gertrud Katzenstein (12 Jahre), Creglingen (Württemberg)."

   
  
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen  
Verlobungs- und Hochzeitsanzeige von Bettina Grünfeld und Moritz Lissberger (1927 / 1928)   

Tauberrettersheim Israelit 22121927.jpg (31378 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 22. Dezember 1927: 
"Baruch HaSchem (Gott sei gepriesen) 
Bettina Grünfeld - Moritz Lissberger 
Verlobte
Tauberrettersheim (Bayern) - Creglingen (Württemberg) 
Schabbat Chanukka - 24. Dezember 1927."    
     
Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 23. August 1928: Gott sei gepriesen
Emil Lissberger und Frau - Lina Grünfeld geb. Fromm  
beehrten sich die Vermählung ihrer Kinder Moritz und Bettina anzuzeigen.   
Tauberrettersheim (Bayern) - Creglingen (Württemberg).   
Trauung: Dienstag, den 28. August / 12. Elul 5688. Hotel Miltenberg, Bad Mergentheim."      

     
Geburtsanzeige des Sohnes von Harry Katzenstein und Flora geb. Hausdorff (1935)  
Harry Katzenstein war der letzte Lehrer der jüdischen Gemeinde. 

Creglingen Israelit 28021935.jpg (34046 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 14. Juni 1935: 
"Mit Gottes Hilfe.  Die glückliche Geburt eines Sohnes zeigen an   
Harry Katzenstein und Frau Flora geb. Hausdorff.
  
Creglingen (Württemberg). 17. Februar 1935. 14. Adar Rischon."   

   
   
   
Zur Geschichte des Betsaals / der Synagoge           
    
1618 konnte Jud Simson zu Reinßbronn ein Haus in der Badgasse 3 erwerben. Möglicherweise hat er bereits wenig später in diesem Haus auch einen Betsaal eingerichtet. Auf jeden Fall war im 17. Jahrhundert ein solcher in Creglingen vorhanden. Noch während des Dreißigjährigen Krieges wurden zwei junge jüdische Männer in der Creglinger Synagoge ermordet. 1659 wird von einem Streit zwischen dem jüdischen Schulmeister von Creglingen mit seinem Kollegen von Aub (Landkreis Würzburg) berichtet: "Beide Juden Schulmeister von Aub undt hier, haben ein groß geschrey uf der gaßen gehabt und sich mitteinander gezanckt, sindt umb 10 Taler abgestrafft worden". 
  
Das Gebäude in der Badgasse blieb mehrere Generationen in Familienbesitz. Von 1704 an gehörte es Simsons Urenkel Lazar Moses. Spätestens unter ihm wird sich ein Betsaal/Synagoge in diesem Haus befunden haben. 1709 wird davon berichtet, dass im Haus des Marx Levi (er war "Mitvorsteher und Parnaß der Judenschaft" und wohnte seit 1707 im Haus Hauptstraße 29) eine neue Torarolle für die Creglinger Synagoge geschrieben wurde. Diese wurde "in Begleitung sämtlicher Judenschaft von daraus in ihre Synagoge ohne weitere Sollenitäten still gebracht, sonsten auch nichts weiteres dabei sich ereignet". 
  
Zeitweise, möglicherweise auch vor der Einrichtung eines Betsaales in der Badgasse 3, könnte es einen solchen auch im Haus Lindleinstraße 30 gegeben haben. Auch dieses Haus (genannt "das alte Judenhauß") war vom 17. bis zum frühen 20. Jahrhundert (ausgenommen die Jahre 1716 bis 1766) in jüdischem Besitz. Als es 1766 von Eysig Jacob erworben wurde, fand er im Keller noch eine "Juden-Tauch" (ein rituelles Bad) und auf den alten Fenstersimsen in der Stube eingeschnittene hebräische Buchstaben. So könnte auch hier ein Betsaal gewesen sein.
   
1731 gab es einen Gottesdienst mit einem ungewöhnlichem Zwischenfall. Nachdem sich die Gemeinde in der "Schul" zum Gebet versammelt hatte, sollten wie üblich die Torarollen aus dem Schrank ausgehoben und an den Schulmeister weitergereicht werden. Mit dem Ausheben war Eyßig Lazar an der Reihe, der aber schlug dem Schulmeister Hirsch die Rolle ins Gesicht, sodass er blaue und gelbe Flecken am Kopf bekam. Lazar hatte mit Schulmeister Hirsch schon längere Zeit Streit und ihm auch "das Schulklopfen" und das Sammeln für die Armen in seinem Haus verboten. Sein Verhalten in der Synagoge wurde mit einem Gulden Strafe belegt sowie der Auflage, das dem Schulmeister bisher verweigerte Geld zu bezahlen. 
  
Bereits 1765 plante die jüdische Gemeinde den Bau einer Synagoge. In dem bislang in einem jüdischen Wohnhaus befindlichen Betsaal wurde keine dauerhafte Lösung gesehen. Die Gemeinde erwarb zum Bau der Synagoge ein baufälliges Haus neben dem Faulturm, um hier eine "Schul" mit einer Wohnung für den Lehrer zu bauen. Der Bau verzögerte sich jedoch, wurde erst im Mai 1799 begonnen und im Jahr 1800 eingeweiht. Baumeister war der Freudenbacher Maurer und Steinhauer Johann Leonhard Vorherr. Nach den Bauakten befand sich in dem Gebäude auch ein rituelles Bad. Der Betsaal lag im 1. Stock des Gebäudes (über dem Schulraum im Erdgeschoss); die Frauenempore lag im Bereich des 2. Stockes. Auch der baulich mit der Synagoge verbundene Faulturm war seit 1849 im Besitz der jüdischen Gemeinde. Die Turmwohnung vermietete die Gemeinde später auch an christliche Bürger, die Armenunterstützung bezogen. Auf Anfrage der Stadt stellte sie den Faulturm kostenfrei als Jugendherberge zur Verfügung. Dazu wurde der Turm 1932/33 umgebaut.
  
In den 1860er-Jahren wurde die Synagoge gründlich renoviert. Im Blick auf einige Veränderungen in der Inneneinrichtung versuchte die Gemeinde auf Grund ihrer sehr angespannten finanziellen Situation Geld zu sparen. Vorsänger Kahn und die drei Gemeindevorsteher richteten daher an den württembergischen König Karl die Bitte, der Creglinger Gemeinde zur Ausschmückung der Synagoge "drei Kronleuchter zu einem Gnadenpreis" zu überlassen. Leider ohne Erfolg, da der Hofmarschall des Obersthofmeisteramtes am 22. August 1870 mitteilen musste, dass "sich schon länger keine derartigen entbehrlichen oder abgängigen Kronleuchter bei der Königlichen Schlossverwaltung" mehr finden würden. Nach der Synagogenreparatur und dem damals gleichzeitig notwendigen Erwerb einer Lehrerwohnung hatte die Gemeinde trotz Gewährung eines Staatsbeitrages eine Schuldenlast von 1450 Gulden. Wenig half dabei das außer den Immobilien im Gemeindebesitz befindliche Stück Wiese, das einen jährlichen Pachtertrag von vier Gulden abwarf.
   
Beim Novemberpogrom 1938 wurde das Synagogengebäude im Inneren demoliert, sämtliche Fenster wurden eingeschlagen. 1939 kam das Gebäude samt dem Faulturm in den Besitz der Stadt. Das Synagogengebäude wurde zusammen mit dem Faulturm als Jugendherberge genützt, bis es um 1970 in Privatbesitz überging und danach Lagerzwecken diente. 1987 wurde das Gebäude restauriert; es wird seitdem als Restaurant genutzt. Eine Hinweistafel zur Erinnerung an die Geschichte des Hauses ist seit 1987 am Gebäude angebracht. Der Faulturm wurde im Frühjahr 2002 restauriert.
  
Seit November 2000 besteht ein jüdisches Museum zur Erinnerung an die jüdische Geschichte in der Stadt im Gebäude Badgasse 3. Dieses 1880 errichtete Gebäude ersetzte ein altes Wohnhaus (zu dessen Geschichte s.o.).   
      
      
      
Fotos 
Historisches Foto 
(Quelle: Jüdische Gotteshäuser und Friedhöfe in Württemberg. 1932) 

Creglingen Synagoge 001.jpg (85993 Byte)

Die Creglinger Synagoge, angebaut an den "Faulturm"  

  
Fotos nach 1945/Gegenwart:  

Fotos Dezember 1983 vor 
der Renovierung
(Fotos: Hahn)
Creglingen Synagoge 101.jpg (76859 Byte) Creglingen Synagoge 102.jpg (79783 Byte)
  1983 war das ehemalige Synagogen-
 gebäude in baufälligem Zustand  
Eingangstüre, über der die Inschrift noch an
 die Benutzung als Jugendherberge erinnerte  
     
  Creglingen Synagoge 104.jpg (97073 Byte) Creglingen Synagoge 103.jpg (87773 Byte)
    Der Blick zum Dach zeigt den 
schlechten Bauzustand  
     
Fotos um 1990 nach der Renovierung des Hauses
(Fotos: Hahn)
Creglingen Synagoge 106.jpg (57840 Byte)  Creglingen Synagoge 112.jpg (51349 Byte) 
    Nach der Renovierung präsentierte 
sich das Synagogengebäude 
mit offenem Fachwerk 
 Eingangstüre mit der Spur 
einer Mesusa am Türpfosten  
   
      
 Fotos 2003
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 16.11.2003)
   
Creglingen Synagoge 154.jpg (47273 Byte) Creglingen Synagoge 152.jpg (69540 Byte) Creglingen Synagoge 153.jpg (57056 Byte)
Die ehemalige Synagoge beim Faulturm - inzwischen ein Eiscafé  
 
Creglingen Synagoge 151.jpg (53332 Byte) Creglingen Synagoge 150.jpg (34963 Byte) Creglingen Synagoge 155.jpg (67108 Byte)
Der Eingang der ehemaligen Synagoge  Die Mesusaritze - farblich hervorgehoben  Die 1987 angebrachte Gedenktafel  

    
    
    
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte  

Februar 2011: Schülerinnen und Schüler der Creglinger Realschule begeben sich auf Spurensuche  
Artikel in der "Südwestpresse" (Lokalausgabe Bad Mergentheim) vom 8. Februar 2011 (Artikel): "Creglingen. Creglinger Realschüler gedachten am Jahrestag der Befreiung des Vernichtungslagers Ausschwitz der Opfer des Nationalsozialismus. Schüler der neunten und zehnten Klassen begaben sich auf Spurensuche.
Der 66. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz war in der Realschule Creglingen Anlass, der Opfer des Nationalsozialismus zu gedenken. Es war nicht nur Geschichtsunterricht in anderer Form für die jeweils drei 9. und 10. Klassen, die sich in Creglingen auf Spurensuche machten - die Dokumentation der Entrechtung, des Ausschlusses aus der Gesellschaft, des Verlustes der Heimat, des Leidens und Sterbens jüdischer Mitbürger bewirkte bei den Schülern sichtliche Betroffenheit. 
Die sechs Schülergruppen machten sich auf den Weg, an den Stationen erhielten sie die wichtigsten Informationen und Impulse durch die Geschichtslehrer. In der Schule gab Konrektor Siegfried Walz einen Abriss des langen Zusammenlebens der christlichen und jüdischen Gemeindemitglieder vom 16. Jahrhundert bis zum April 1939, als mit Emil Stern der letzte jüdische Mitbürger Creglingen verließ und Bürgermeister Liebert an die Kreisverwaltung meldete, dass Creglingen nun "judenfrei" sei. Das Zusammenleben in Creglingen war friedlich, jüdische Mitbürger waren sozial integriert, wie unter anderem Bilder vom Turnverein oder von Faschingsveranstaltungen belegen. Der jüdische Lehrer Josef Pressburger war bis zu seinem Tod 1938 insgesamt 60 Jahre eine zentrale Gestalt der jüdischen Gemeinde und gehörte zu den Honoratioren in Creglingen. 
Die jüdische Gemeinde hatte Ende des 18. Jahrhunderts neben dem zur Stadtbefestigung gehörenden Faulturm auch das angrenzende baufällige Gebäude erworben und nach dessen Abriss eine Synagoge gebaut, die 1800 eingeweiht wurde und bis 1938 genutzt wurde. Was sich am heutigen "Bistro" noch von dieser Funktion als jüdisches Gotteshaus erkennen lässt, erfuhren die Schüler vor Ort von den sie begleitenden Lehrern. 
Ab dem 25. März 1933 war für die Juden in Creglingen nichts mehr so wie vorher: Nur knapp zwei Monate nach der Ernennung Hitlers zum Reichskanzler wurden 16 jüdische Männer vom Gottesdienst aus der Synagoge förmlich herausgerissen, aufs Rathaus geschleppt und gefoltert. 
Zwei von ihnen, Hermann Stern und Arnold Rosenfeld, starben an den Folgen dieser brutalen Misshandlungen, die anderen trugen bleibende physische und vor allem seelische Schäden davon. Über diese von Heilbronner SA mit Unterstützung durch einheimische Nazis vollzogene "Judenaktion" berichtete Jürgen Silberberger am Tatort im alten Rathaus, dessen ehemaliger Sitzungssaal seit 2005 Gedenkstätte ist. Der Raum selbst ist leer, der Besucher seinen eigenen Gedanken überlassen, wenn sich die Fenster im Wechsel immer wieder verdunkeln und erhellen. 
Letzte Station für die Schüler war das jüdische Museum mit der Dauerausstellung, die den treffenden Titel "Wurzeln und Wege" trägt. Helmut Wörrlein informierte kurz über die Entstehungsgeschichte des Museums. Hauptthema war an diesem Tag aber die Dokumentation im zweiten Stock, die an Beispielen die Verfolgung und Entrechtung der Juden im Dritten Reich aufzeigt. 
Es ist aber etwas anderes, ein Bild von einer Propagandaveranstaltung zu sehen, als im Geschichtsbuch etwas über die Nürnberger Gesetze zu lesen. Was mögen Menschen wie der gebürtige Creglinger Rudolf Sinsheimer damals gedacht haben, der ein Jahr zuvor, 1934, noch für seinen Einsatz als Soldat im Ersten Weltkrieg einen Orden bekommen hatte? 
Rudolf Sinsheimer weigerte sich lange, seine Heimat zu verlassen, ehe er dann, mit einem dicken "J" und dem Zusatz "Israel" zu seinem Vornamen im Reisepass, auf den letzten Drücker auf Umwegen in die USA emigrierte.
23 Mitglieder der jüdischen Gemeinden in Creglingen und Archshofen gelang es nicht, ihr Leben zu retten. hw."   

   

Juni - Juli 2013: Rückblick auf eine Ausstellung vom 9. Juni bis 21. Juli 2013 im Jüdischen Museum Creglingen    
Creglingen HdG Grete Weil.jpg (94184 Byte)  Jüdische Portraits. Fotografien von Herlinde Koelbl
In ihren Gesichtern spiegeln sich existenzielle Erfahrungen, individuelle Lebenswege und persönliche Schicksale. Bilder, die mit dem Betrachter kommunizieren. Fotografien in klassischem Schwarz-Weiß. – Die 'Jüdischen Portraits' von Herlinde Koelbl sind in Verbindung mit ausdrucksstarken Interviewsequenzen eine einzigartige Studie über Trennendes und Verbindendes in einer Schicksalsgemeinschaft. 26 großformatige Bildnisse dieses herausragenden Werks der international renommierten Fotografin werden mit den zugehörigen Interviewtafeln vom 9. Juni bis 21. Juli im Jüdischen Museum Creglingen, Badgasse 3, in 97993 Creglingen gezeigt. Die vom Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland zusammengestellte Fotoschau ist jeden Samstag und Sonntag von 14 bis 17 Uhr geöffnet. Gruppen und Führungen auf Anfrage.   
Herlinde Koelbl, 1939 in Lindau am Bodensee geboren, zählt seit den 1980er Jahren zu den wichtigsten Fotokünstlerinnen Deutschlands. Sie fotografiert Menschen im Kontext sozialer, politischer und historischer Prozesse und entwirft somit ein Portrait unserer Gesellschaft. In ihren Arbeiten erfasst Koelbl die Persönlichkeit von Menschen, indem sie nach Spuren im Umfeld, im Alltag und in der Person selbst – ihrer Körpersprache und Selbstdarstellung – sucht. 
Dieses gelingt Koelbl insbesondere auch bei Sujets, die scheinbar einem narrativen Kontext entzogen sind – Bildnisse bekannter deutsch-jüdischer Persönlichkeiten, die die Shoa überlebt haben: Jüdische Portraits. Die Künstlerin zeigt sie frei von jeglicher Inszenierung. Es sind Details wie Gestik, Ausdruck oder Körperhaltung, die dem Betrachter vieles über die Person hinter den Bildern verraten. Die zugeordneten Zitate offenbaren die unterschiedlichen individuellen Auffassungen und Überzeugungen hinter den eindrucksvollen Gesichtern.
Der Journalist und Politiker Uri Avnery beispielsweise schließt: 'Der Gott, der Auschwitz zugelassen hat, kann nur unmoralisch sein oder gar nicht existieren', und der ehemalige Comedian Harmonist Roman Cycowski antwortet auf die Frage nach seinem Gottesbild: 'Wenn man an Gott glaubt, muss man sagen Gott ist gerecht. Er weiß was er tut. Es gibt keine Lösung für dieses Problem. Die Unschuldigen haben für die Schuldigen gelitten'.
Herlinde Koelbl hat ihre Arbeiten in renommierte Zeitungen und Zeitschriften wie Stern, Zeit und New York Times veröffentlicht. In der Fachwelt machte sich die mehrfach preisgekrönte Künstlerin mit diversen Ausstellungen im In- und Ausland einen Namen. Neben ihrem fotografischen Werk und ihren zahlreichen Buchveröffentlichungen produziert Herlinde Koelbl verschiedentlich Dokumentarfilme zu verwandten Themen. Heute lebt und arbeitet sie in Neuried bei München.
Das Foto oben: Herlinde Koelbl: Portrait der Schriftstellerin Grete Weil (1906-1999), Foto: Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland).  
Ausstellungshinweis als pdf-Datei.   www.juedisches-museum-creglingen.de    

    

November 2013: Rückblick auf eine Veranstaltung im Jüdischen Museum Creglingen zum 75. Jahrestag des Novemberpogroms 1938   
Wolfgang Benz TU Berlin.jpg (51123 Byte)Vortrag von Prof. Wolfgang Benz zum Thema: "Aufkündigung der bürgerlichen Humanität. Die Novemberpogrome 1938 im Jüdischen Museum Creglingen am 18.11.2013 um 19:30 Uhr

Zum 75-jährigen Gedenken an die antisemitischen Ausschreitungen spricht Prof. Dr. Wolfgang Benz am 18. November 2013 um 19:30 Uhr im Jüdischen Museum Creglingen, Badgasse 3. Der renommierte Historiker, 1941 in Ellwangen/Jagst geboren, war bis März 2011 Leiter des Zentrums für Antisemitismusforschung der Technischen Universität Berlin und hatte Gastprofessuren u.a. in Australien, Bolivien, Nordirland, Österreich und Mexiko inne. Prof. Benz hat zahlreiche Publikationen zur deutschen Geschichte im 20. Jahrhundert, zum Nationalsozialismus, Antisemitismus und Problemen von Minderheiten verfasst, so u. a. "Die Feinde aus dem Morgenland. Wie die Angst vor den Muslimen unsere Demokratie gefährdet" (München 2012). "Die Novemberpogrome 1938 bedeuten nicht nur das Ende jüdischen Lebens in Deutschland", so der Referent, der zu den international anerkannten und profundesten Vertretern der NS- und Antisemitismusforschung in Deutschland zählt, "sondern auch den Untergang bürgerlichen Anstands in der Mehrheit".
Foto oben: Prof. Dr. Wolfgang Benz (Pressestelle TU Berlin/ Ulrich Dahl).   

   

August/September 2014: Rückblick auf eine Ausstellung im Jüdischen Museum Creglingen    
Rabbiner Taenzer 1917.jpg (5552 Byte) "Feldrabbiner in den deutschen Streitkräften des Ersten Weltkrieges", Sonderausstellung im Jüdischen Museum Creglingen, 24. August bis 28. September 2014. Foto links: Feldrabbiner Aron Tänzer (Foto Jüdisches Museum Göppingen)
Das Jüdische Museum in Creglingen gedenkt des vor 100 Jahren ausgebrochenen Ersten Weltkrieges mit einer kleinen Sonderausstellung über "Feldrabbiner in den deutschen Streitkräften des Ersten Weltkrieges". Feldrabbiner widerspiegeln die Präsenz deutscher jüdischer Soldaten an den Fronten dieser "Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts" . Es entstand erstmals neben der evangelischen und katholischen auch eine institutionalisierte jüdische Feldseelsorge. Die jüdischen Gemeinden und Organisationen verbanden damit  auch die Hoffnung auf eine weiter zunehmende Anerkennung der jüdischen Gemeinschaft und ihrer Religion durch die Umgebungsgesellschaft.
Die Sonderausstellung informiert einführend über die allgemeine Entwicklung der Militärseelsorge, um sich dann der jüdischen Militärseelsorge im Ersten 
Weltkrieg zuzuwenden. Wer konnte Feldrabbiner werden und welche Aufgaben hatten diese? In vier biographischen Skizzen wird beispielhaft der Lebensweg der Feldrabbiner Leopold Rosenak, Leo Baerwald, Paul Lazarus und Siegfried Alexander nachgezeichnet. Der Blick auf die gesellschaftliche Entwicklung nach dem Krieg verdeutlicht, dass die jüdische Militärseelsorge nur eine Episode war. Die Texte werden durch interessantes und weitgehend unbekanntes Bild- und Dokumentenmaterial ergänzt.
Die von der "Stiftung Neue Synagoge Berlin - Centrum Judaicum" in Verbindung mit der "Leo Baeck Foundation" und dem "Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V." konzipierte Sonderschau ist in Zusammenarbeit mit dem Jüdischen Museum Göppingen um eine Darstellung des württembergischen Feldrabbiners Dr. Aron Tänzer (1871-1937) erweitert worden. Dieser seit 1907 in Göppingen am Fuß des Hohenstaufens wirkende deutsch-patriotische Rabbiner, Literat, Journalist, Lokalhistoriker und Wissenschaftler war von 1915 bis 1918 in Brest-Litowsk und Pinsk (Weißrussland) als "Mann des Friedens im Gewand des Krieges" tätig. In diesem erweiterten Teil der Ausstellung vergegenwärtigen Fotografien, Dokumente und Bücher die Persönlichkeit des Göppingers, der unter dem NS-Regime 1937 ohne Traueranzeige, ohne öffentlichen Nachruf und fast ohne nichtjüdische Trauergäste zu Grabe getragen wurde. 
Die Sonderausstellung "Feldrabbiner in den deutschen Streitkräften des Ersten Weltkrieges" ist im Jüdischen Museum Creglingen in der Badgasse 3 vom 24. August  bis 28. September jeweils sonntags von 14:00 bis 17:00 Uhr geöffnet.  


     

Links und Literatur  

Links:  

Website der Stadt Creglingen  
Zur Seite über den jüdischen Friedhof Creglingen (interner Link) 
Zur Seite über das jüdische Museum Creglingen (interner Link)  
Seite "Vom Leben der Juden im wundervollen Creglingen" in der Website des Jüdisch Historischen Vereins Augsburg    

Literatur:

Paul Sauer: Die jüdischen Gemeinden in Württemberg und Hohenzollern. 1966. S. 63-66.
Creglingen Lit 05.jpg (29374 Byte)Hartwig Behr/ Horst F. Rupp: Vom Leben und Sterben – Juden in Creglingen. 1999. 
Gerhard Naser (Hg.): Lebenswege Creglinger Juden – Das Pogrom von 1933. 1999.
Claudia Heuwinkel: Jüdisches Creglingen. Ein Gang durch die Stadt. 2001. 
Joseph Walk (Hrsg.): Württemberg - Hohenzollern - Baden. Reihe: Pinkas Hakehillot. Encyclopedia of Jewish Communities from their foundation till after the Holocaust (hebräisch). Yad Vashem Jerusalem 1986. S. 122-123.  
synagogenbuch-1.jpg (32869 Byte)Joachim Hahn / Jürgen Krüger: "Hier ist nichts anderes als Gottes Haus...". Synagogen in Baden-Württemberg. Band 1: Geschichte und Architektur. Band 2: Orte und Einrichtungen. Hg. von Rüdiger Schmidt, Badische Landesbibliothek, Karlsruhe und Meier Schwarz, Synagogue Memorial, Jerusalem. Stuttgart 2007.    

     
       


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel. 

Creglingen  Wuerttemberg. The first community was wiped out in the Rindfleisch massacres of 1298. The Jews again lived there in the 1530s but were expelled in 1560. In 1620 they were allowed to establish a permanent settlement, which grew to a population of 130 in 1854 (around 10 % of the total) before declining through emigration. In the Weimar Republik, Jews were influential economically and active publicly. In 1933, 73 remained. In March 1933, 16 were dragged out of the synagogue by the SA and severely beaten, two dying. By 1938, all Jewish stores had closed down. The Jewish school opened in 1935 was closed after Kristallnacht (9-10 November 1938). At least 52 Jews managed to leave Germany, most to the United States. Of the 16 expelled from Creglingen, one survived.   
     
       

                   
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Stand: 04. November 2014