Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Hochberg (Gemeinde Remseck, Landkreis Ludwigsburg) 
Jüdische Geschichte / Betsaal/Synagoge

     

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer  
Aus dem jüdischen Gemeindeleben   
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde   
Anzeigen     
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen   
Links und Literatur    

     

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde     
    
Das Dorf Hochberg gehörte seit 1684 den Freiherren von Gemmingen, die um 1760 gegen eine Aufnahmegebühr und ein jährliches Schutzgeld die ersten jüdischen Familien in Hochberg ansiedelten. Mehrere der ersten Familien stammten aus Nordstetten bei Horb. Um 1772 wurde ein jüdische Gemeinde gegründet und vermutlich auch alsbald eine Synagoge (Betsaal in einem der Wohnhäuser) eingerichtet. Der erste 1760 aufgenommene Jude wurde zugleich der erste Judenvorsteher: Abraham Gideon, der 1794 über ein beträchtliches Vermögen von 10.000 Gulden verfügte.  
   
1779 verkauften die Feiherren von Gemmingen Hochberg an Herzog Friedrich Eugen von Württemberg, der den Hochberger Juden nach der Besitzübernahme seinen Schutz zusicherte und im März 1780 eine "Ordnung und Instruktion, wonach die zu Hochberg in Unserm Schutz befindlichen Juden sich zu verhalten haben" verabschiedete. 1781 verkaufte Herzog Friedrich Eugen Hochberg an seinen Bruder, den regierenden württembergischen Herzog Carl Eugen, der Hochberg dem Hofkammergut einverleibte. Damit war auch dieser Ort nicht dem Land inkorporiert; die jüdischen Familien waren den Ausschließungsbestrebungen der Landschaft entzogen.   
   
Zum Zeitpunkt der Übernahme Hochbergs durch den württembergischen Herzog werden als Vorsteher gemeinsam Abraham Gideon und Samuel Isaak genannt. Nach dem Tod Abraham Gideons 1797 war für drei Jahre Samuel Isaak alleiniger Judenvorsteher in Hochberg. Er wurde dann auf Grund verschiedener Klagen und Einwendungen seitens der Hochberger Judenschaft von Gabriel Dreifuß abgelöst, der bis 1805 Judenvorsteher war. 
      
Noch im 18. Jahrhundert nahm die Zahl der jüdischen Einwohner in Hochberg relativ rasch zu. 1794 standen den 68 christlichen Familien 15 jüdische Familien gegenüber. 13 der jüdischen Familienväter werden 1799 namentlich genannt: Jacob Hertz, Judas Anschel, Heim Jacob, Moses Singer, Seligmann Jacob, Samuel Kaßman, Gabriel Dreifuß, Seligmann Gideon, Judas Hirsch, Benedict Ostertag, Isaac Kusiel, Natan Jacob und Abraham Herz.  
   
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1828 172 jüdische Einwohner (30,4 % von insgesamt 566), 1832 260, 1843 264 (von insgesamt 795), 1852 305 (in etwa 40 Familien), 1869 186, 1886 39, 1910 10. Die Hochberger Juden lebten nach einem Bericht von 1844 überwiegend vom Handel, doch gab es schon damals einige Familien, die zumindest teilweise Einkünfte aus der Landwirtschaft hatten. Seit 1828 hatten die jungen Juden verstärkt handwerkliche Berufe erlernt. Die Mehrzahl der Familien wurde 1844 als "ganz arm" beschrieben. In der zweiten Hälfte ging die Zahl der jüdischen Einwohner sehr schnell durch Abwanderung der jüdischen Familien nach Stuttgart, Bad Cannstatt, Ludwigsburg und andere Städte sowie durch Auswanderung nach Nordamerika (zwischen 1850 und 1870 allein 36 Personen) zurück.   
   
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge (s.u.), eine Israelitische Schule (Elementarschule von 1828 bis 1872), ein rituelles Bad und einen Friedhof. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war. An Lehrern/Vorbetern werden genannt: von 1765 bis 1800 Nehemias Jakob, um 1790 Judas Hirsch aus Massenbach (Krankheitsvertreter), 1800 bis 1801 Isaac Blomm (aus Heidelsheim), 1801 bis 1809 Abraham Levi (aus Haigerloch), 1810 bis 1833 Emanuel Davidsohn (aus Schwabach, nach 1833 noch als Vorbeter und Schächter bis 1854), Bar Samuel (aus Lehrensteinsfeld), Löw Schlessinger, 1818 bis 1826 Lazarus Falk (aus Braunsbach), um 1825 Abraham Kirschbaum (aus Wassertrüdingen), 1828 bis 1847 David Weil (aus Laupheim), 1837/38 Hermann Schlessinger (aus Hochberg, Schulgehilfe), 1838 Isaak Kallmann Levi (aus Hochberg, Schulgehilfe), 1848 bis 1871 David Mainhardt (aus Michelbach an der Lücke), 1872 bis 1877 Maier Rosenthal, 1877 bis 1881 Daniel Obernauer (aus Laupheim), 1883 bis 1884 Michael Scharf (aus Erswilken bei Tauroggen in Litauen), 1888 bis 1890 Lehrer Gideon, um 1892 Leon Staropolski, 1897 bis 1901 Isidor Zwinger (aus Buchau). 
  
Die jüdischen Familien waren im allgemeinen Leben des Ortes, auch im Vereinsleben weitestgehend integriert. 1845 wurde Abraham Herz in den Gemeinderat gewählt. Es war vermutlich der erste Jude in Württemberg, der ein solches Ehrenamt bekleidete. Kurz darauf wurde auch Abraham Seligmann gewählt.    
  
Die Gemeinde gehörte zunächst zum Rabbinat Freudental, seit 1832 zum Rabbinat in Stuttgart (beziehungsweise zuletzt Bezirksrabbinat Stuttgart).  
   
1914 wurde die jüdische Gemeinde aufgelöst (siehe Mitteilung unten). Danach war nur noch das Ehepaar Adolf Falk und Karoline geb. Erlebacher in Hochberg. Nach dem Tod von Karoline Falk blieb nur noch Adolf Falk (von Beruf Metzger und Viehhändler) mit seiner Haushälterin Sophie Neumann zurück. Adolf Falk war 1939 als 81-jähriger gezwungen, nach England auszuwandern. Er starb 1943 in London.   
     
Von den in Hochberg geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Berta Jordan geb. Thalheimer (1865), Julius Neuburger (1888).   
       
       
       
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
 
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer   
Ausschreibungen der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet 1877 / 1889 / 1891 / 1892  

Hochberg Israelit 13061877.jpg (53266 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 13. Juni 1877: "Zum baldigen Eintritt sucht die hiesige Gemeinde einen Religionslehrer, Vorsänger und Schächter gegen einen Jahresgehalt von ca. 900 bis 1.000 Mark nebst freier Wohnung und schönem Garten. Bewerber haben ihre Befähigung durch Zeugnisse nachzuweisen.  
Meldungen sind in Bälde zu richten an das israelitische Kirchenvorsteheramt in Hochberg bei Ludwigsburg (Württemberg)."   
 
Hochberg Israelit 11041889.jpg (51310 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. April 1889: "Lehrer-Gesuch
Die hiesige israelitische Gemeinde sucht einen Lehrer, verbunden mit Schochet- und Vorsängerstelle. Dem Bewerber, welcher ledigen Standes sein muss, kann neben freier Wohnung und Holz für einen Gehalt mit Nebenverdienst von 800 Mark per Jahr Garantie geleistet werden, und wollen Bewerber ihre Zeugnisse an unterzeichnete Stelle einsenden.   
Hochberg bei Stuttgart. 
Das israelitische Kirchen-Vorsteher-Amt. Weiß, Vorstand."     
 
Hochberg Israelit 24081891.jpg (58366 Byte) Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 24. August 1891: "Lehrer-Gesuch.  
Die hiesige israelitische Gemeinde sucht einen Lehrer, verbunden mit Schochet- und Vorsängerstelle. Dem Bewerber, welcher ledigen Standes sein muss, kann neben freier Wohnung und Holz für einen Gehalt mit Nebenverdienst von 800 Mark Garantie geleistet werden und wollen Bewerber ihre Zeugnisse an unterzeichnete Stelle einsenden.  
Hochberg bei Stuttgart. 
Das israelitische Kirchenvorsteher-Amt:  Fellheimer, Vorstand."      
 
Hochberg Israelit 29021892.jpg (45638 Byte) Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 29. Februar 1892: "Lehrer-Gesuch.  
Die hiesige Kantor-, Schächter- und Religionslehrer-Stelle ist bis 1. Mai dieses Jahres zu besetzen. Der Gehalt beträgt mit Nebenverdiensten 7-800 Mark nebst freier Wohnung und Holz. Bewerber, welche ledigen Standes sein müssen, wollen ihre Zeugnisse an unterzeichnete Stelle einsenden.  
Hochberg bei Stuttgart, 20. Februar. 
Der israelitische Vorstand: Fellheimer."     

    
    
Aus dem jüdischen Gemeindeleben   
Anerkennung für die Verdienste des Abgeordneten Veiel in Marbach (1845)    

Hochberg AZJ 08091845.jpg (59907 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 8. September 1845: "22. August (1845). Dem Abgeordneten Veiel in Marbach wurde Sonntag den 17. dieses Monats als Zeichen des Anerkenntnisses für sein ständisches Bestreben, den Israeliten weitere Rechte zu erringen, von der benachbarten israelitischen Gemeinde Hochberg, eine Überraschung bereitet, indem der dortige israelitische Liederkranz, in Begleitung mehrerer angesehener israelitischer Bürger, abends nach 8 Uhr unter Fackelschein vor seinem Hause aufzog und ihm nach mehreren gut ausgeführten Chorälen ein Lebehoch brachte."  

  
Vom Ende der jüdischen Gemeinde (1914)  

Hochberg AZJ 31071914.jpg (28477 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 31. Juli 1914: "Die israelitische Kirchengemeinde in Hochberg (Württemberg) ist mit Genehmigung des Ministeriums des Kirchen- und Schulwesens aufgelöst worden."     

   
   
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde 
Abraham Herz wird zum Gemeinde- und Heiligenpfleger gewählt (1846)  

Hochberg AZJ 26011846.jpg (60442 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 26. Januar 1846: "Hochberg, (Württemberg), 1. Januar (1846). Herr Abraham Herz dahier wurde von sämtlichen politischen Gemeinden zum Gemeinde- und Heiligenpfleger mit Sitz- und Stimmrecht gewählt, und obschon der Ortsvorstand die bei derartigen Wahlen stattfindende Formalität, drei Tage vor der Wahl die vorzunehmende Wiederbesetzung der Stelle öffentlich zu publizieren, unterließ, so hat dennoch die königliche Regierung des Neckarkreises die Wahl bestätigt. Nach abgelegtem Eide vor dem königlichen Oberamte ist Herz in sein Amt angewiesen."      

   
Zum Tod von Karoline Falk (1925)  

Hochberg Israelit 12111925.jpg (72332 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 12. November 1925: "Hochberg bei Ludwigsburg, 8. November (1925): Im 61. Lebensjahr starb hier an einem Herzschlag Frau Karoline Falk, die durch ihr heiteres Wesen und ihren stets hilfsbereiten Wohltätigkeitssinn sich allgemeiner Beliebtheit erfreute. Am Grabe schilderte Lehrer Metzger - Ludwigsburg, sowie Oberlehrer Erlebacher, der Bruder des Verstorbenen, deren hervorragende Tugenden. Es war die einzige jüdische Familie, die nicht von dem Strome der Zeit und dem Zug in die Stadt erfasst wurde. Da der Gatte wohl zu seiner Tochter nach Baisingen übersiedeln wird, so wohnt keine jüdische Seele mehr am Ort. Die ehrwürdige Synagoge und das stattliche Schulhaus mit seiner einstigen jüdischen Volksschule sind schon längst veräußert."       
 
Hochberg JuedlibZtg 27111925.jpg (72729 Byte)Artikel in der "Jüdisch-liberalen Zeitung" vom 27. November 1925: "Ludwigsburg. (Aussterben einer alten jüdischen Gemeinde). In Hochberg bei Ludwigsburg wurde in der letzten Woche die letzte jüdische Frau, die durch ihren heiteren Sinn und ihr Wohltun weithin bekannte Karoline Falk bestattet. Am Grabe schilderten Lehrer Metzger - Ludwigsburg und Oberlehrer Erlebacher - Oberdorf deren treffliche Eigenschaften. Da der Gatte voraussichtlich zu seiner Tochter nach Baisingen übersiedelt, so ist dann die altehrwürdige Gemeinde Hochberg ausgestorben."      

    
    
Anzeigen  

Ausschreibung der Jakob Herz'schen und der Abraham Gideonschen Stiftung (1876)  

Hochberg Israelit 08111876.jpg (59664 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. November 1876: "Es sind bei unterzeichneter Behörde wiederum die Dotationen der Jakob Herz'schen und Abraham Gideon'schen Stiftung zu vergeben, weshalb alle diejenigen, welche gerechte Anspruche auf dieselben zu machen haben, aufgefordert werden, sich unter Nachweis ihrer Verhältnisse baldigst zu melden.   
Hochberg am Neckar. Das israelitische Kirchenvorsteheramt.  
Berichtigung. In voriger Nummer hieß es irrtümlich 'Hechberg' statt 'Hochberg'."   

   
Ausschreibung der Jakob Herz'schen Stiftung (1879)  

Hochberg Israelit 19111879.jpg (43519 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 19. November 1879: "Hochberg, Oberamt Waiblingen. 
Das Brautlegat der Jakob Herz'schen Stiftung mit 514 Mark 29 Pfennig ist an einen Verwandten desselben zu vergeben. Bewerber mögen sich, mit gehörigen Belegen versehen, an das Kirchenvorsteheramt wenden. Im Namen des Kirchenvorsteheramts zeichnet hochachtungsvoll D. Obernauer."     

      
      
      
Zur Geschichte des Betsaales / der Synagoge           
      
Zunächst war ein Betsaal vorhanden. Von 1772 ist eine kurze Aktennotiz überliefert, wonach "die Errichtung einer Synagoge zu Hochberg unter der Bedingung begünstigt worden (ist), dass jeder fremde Jude einen Sabbatgroschen in den Heiligen gebe". Dieser Schabbatgroschen wurde bis 1806 über die christliche Kirchenkasse am Ort abgerechnet; danach gegen eine einmalige Abfindung von elf Gulden abgelöst.  
  
Im November 1779 kauften Abraham Gideon und Samuel Isak im Auftrag der Hochberger Judengemeinde von Adlerwirt Strottbeck eine Hofstatt mit Gras- und Küchengarten in der Vorderen Gasse für 240 Gulden. 1781 wurde auf diesem Platz mit dem Bau einer "Synagoge", einem Haus mit Betsaal und drei Wohnungen begonnen. Zur Finanzierung derselben war jeder Familienvater verpflichtet, "mit einem Kollektenbuch auf das Land hinauszugehen". Immer zwei Familien bekamen eine bestimmte Gegend zugewiesen, wo sie "kollektieren" sollten. Vom gesammelten Geld wurden die Unkosten abgezogen und 20 Gulden an die Gemeindekasse abgegeben. Wer nicht sammeln wollte, konnte die 20 Gulden direkt an die Gemeindekasse zahlen. Zur Tilgung der Bauschulden wurde in den folgenden Jahren von jedem fremden Juden, der sich in Hochberg aufhielt, ein "Sabbatgroschen" verlangt. Unter Vorsitz des Rabbiners Alexander Elsässer und zweier Schutzjuden von Freudental wurde eine Synagogen- und Gemeindeordnung erarbeitet, die für alle Hochberger Juden verbindlich wurde. Die Hochberger Schutzjuden Isak und Gumpel Kusiel kauften für 860 Gulden je eine Wohnung in der neuerbauten Schule. Samuel Kaufmann übernahm für 430 Gulden die dritte Wohnung. Auch 1807 lebten in dem Haus des Betsaales noch drei jüdische Familien. 
 
Diese erste Synagoge reichte im Laufe der Jahre bei der wachsenden Zahl von Gemeindegliedern nicht mehr aus. Um 1825 lebten 224 Juden in Hochberg. Die Synagoge war jetzt nicht nur zu klein, sondern "bei ihrer Beschränktheit, noch mehr aber bei ihrer Baufälligkeit nicht mehr zu benutzen". Vor allem in der kalten Jahreszeit war der niedrige Betsaal für die Gesundheit der Gottesdienstbesucher sehr nachteilig. 
 
Im Juli 1827 fasste die Gemeinde den Beschluss zum Neubau einer Synagoge, mit dem man noch im selben Jahr begann. Die Kosten für diesen Neubau an der Hauptstrasse (schräg gegenüber der alten Synagoge) betrugen 5.362 Gulden. Im Jahr darauf konnte das neue Gotteshaus feierlich eingeweiht werden konnte. Im Gebäude der alten Synagoge wurden einige Jahre später im Bereich des Betsaales Wohnungen eingerichtet; 1840 wurde zudem vom Bäcker Gumpel Kusiel ein Backofen eingebaut, in dem die Ortsbewohner (Juden und Christen) backen konnten. 1886 übernahm der Handelsmann Ascher Kusiel das ganze Haus. Nach Kusiels Tod 1916 wurde das Haus versteigert. 1985 kaufte die Gemeinde Remseck das Anwesen. 2000 kam es wieder an Privatleute, die es 2004 renovieren ließen. So ist auch das Gebäude der alten Synagoge erhalten (Hauptstrasse 30, im Bereich des früheren Betsaales im 1. Stock deutlich höhere Fenster). Eine Hinweistafel zur Geschichte des Hauses ist vorhanden. 
   
Die neue Synagoge wurde bis 1907 genutzt und 1916 von der methodistischen Gemeinde Hochberg erworben. Die in Hochberg seit Mitte des 19. Jahrhunderts gewachsene methodistische Gemeinde war schon vor dem 1. Weltkrieg auf Suche nach einem Bethaus gewesen. 51 Jahre hatten die Gottesdienste im Privathaus von Christian Wörz (gestorben 1912) stattgefunden. Schon dieser hatte die Idee, die nicht mehr genutzte Hochberger Synagoge für die methodistische Gemeinde zu bekommen. Kontakte zwischen dem Stuttgarter Bezirksrabbiner und methodistischen Gemeindegliedern führten schließlich dazu, dass die Synagoge 1916 von den Nachkommen von Christian Wörz erworben und 1920 von der Bischöflichen Methodistenkirche übernommen wurde. Im April 1920 wurde der Grundbucheintrag für das Gebäude mit der damaligen Adresse Hauptstrasse 66 und dem 3,48 a großen Grundstück vorgenommen. 
  
In der Pogromnacht 1938 wäre das Synagogengebäude fast zerstört worden. Nach Hochberg kam ein Trupp von SA-Leuten, in der Absicht, das Gebäude zu zerstören. Als Anwohner der Hauptstrasse die Vorbereitungen hierzu bemerkten, machten sie die SA-Leute darauf aufmerksam, dass aus der ehemaligen Synagoge eine Kirche geworden sei, die der methodistischen Gemeinde gehöre. Immer mehr Hochberger Einwohner kamen hinzu und verteidigten das Eigentum einer Kirche, der die meisten gar nicht angehörten. Darauf zogen die SA-Leute unverrichteter Dinge wieder ab.  
   
Das Gebäude ist äußerlich noch im alten Zustand erhalten. Eine Gedenktafel erinnert an die Geschichte des Hauses (jetzige Adresse: Hauptstrasse 37). 1992 wurden auf dem Dachboden Reste einer Genisa gefunden.   
   
   
   
Fotos 
1. Die alte Synagoge (Betsaal Hauptstraße 30):

Foto um 1950:
(Quelle: Bickhoff-Böttcher u.a. 
s. Lit. S. 7)  
Hochberg Synagoge a01.jpg (112029 Byte)  
  Die alte Synagoge in der Hauptstraße 30
 (höhere Fenster im ersten Stock)  
 
     
Fotos 2003:
(Fotos: Hahn; Aufnahmedatum 7.8.2003)
 
Hochberg Synagoge a153.jpg (42858 Byte) Hochberg Synagoge a150.jpg (45150 Byte) Hochberg Synagoge a151.jpg (51729 Byte)
Blick entlang der Hauptstraße Die alte Synagoge in der Hauptstraße 30 (höhere Fenster im ersten Stock) 
     
Fotos 2004:
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 11.5.2004)  
Hochberg Synagoge 280.jpg (36722 Byte) Hochberg Synagoge 281.jpg (58670 Byte)
  Die alte Synagoge präsentiert sich in frisch renoviertem Zustand (nur die 
Fensterläden fehlen noch). Eine Hinweistafel ist angebracht.
   
Fotos 2005:
(Fotos: Hahn, 
Aufnahmedatum 19.3.2005)  
Hochberg Synagoge a210.jpg (41465 Byte) Hochberg Synagoge a211.jpg (72836 Byte)
      Blick von der Gartenseite

   
2. Die neue Synagoge:

Historisches Foto um 1930: 
(Es handelt sich um ein "historisches Foto" nur auf Grund 
der Entstehungszeit bereits um 1930. Damals war die ehemalige
 Synagoge bereits methodistische Kirche. Quelle: Jüdische 
Gotteshäuser und Friedhöfe in Württemberg. 1932. S. 86).  
Hochberg Synagoge1932.jpg (169323 Byte)
  Die ehemalige jüdische Schule und  
die Synagoge in Hochberg  


Fotos nach 1945/Gegenwart:  

Quellen der Fotos: 
links: Bolay, Alltag s.Lit. S. 90b 
rechts: Bickhoff-Böttcher u.a. 
s. Lit. S. 21)
Hochberg Synagoge 091.jpg (60721 Byte) Hochberg Synagoge 090.jpg (95543 Byte)
  Die ehemalige neue Synagoge -
 Eingangsbereich
Die ehemalige Synagoge 
von Osten gesehen
     
Fotos um 1985:
(Fotos: Hahn)
Hochberg Synagoge 104.jpg (57939 Byte) Hochberg Synagoge 103.jpg (61450 Byte)
  Eingangsbereich Fassade entlang der Hauptstraße
     
Hochberg Synagoge 102.jpg (67006 Byte) Hochberg Synagoge 100.jpg (64421 Byte) Hochberg Synagoge 101.jpg (60068 Byte)
Gedenktafel an der heutigen
 methodistischen Kirche 
Blick auf die 
Ostseite
Charakteristische 
klassizistische Architektur
     
Foto der Genisa-Funde
(Quelle: Bolay, Alltag s. Lit. S. 21)
Hochberg Genisa 01.jpg (76377 Byte) 
  Funde aus der Genisa (=Aufbewahrungsort nicht mehr gebrauchter Schriften 
und Kultgegenstände) der ehemaligen Synagoge Hochberg
   
Fotos 2003/05:
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 7.8.2003,
 mit * am 19.3.2005; Innenaufnahmen 
am 14.11.2003) 
Hochberg Synagoge n311.jpg (48398 Byte) Hochberg Synagoge n310.jpg (47046 Byte)
  Die ehemalige Synagoge*  Die klassizistisch geprägte Eingangsseite*
     
Hochberg Synagoge n152.jpg (45924 Byte) Hochberg Synagoge n154.jpg (57790 Byte) Hochberg Synagoge n151.jpg (64720 Byte)
Die Fassade zur Hauptstraße Blick entlang der Hauptstraße Rückseite des Gebäudes
     
Hochberg Synagoge n155.jpg (55213 Byte) Hochberg Synagoge 170.jpg (50462 Byte) Hochberg Synagoge 171.jpg (40933 Byte)
Die Gedenktafel
  
Blick zum 
ehemaligen Toraschrein
Blick zum Eingangsbereich und zur
 ehemaligen (durch Trennwand nicht
 erkennbaren) Frauenempore
     
     
Hochberg Synagoge 172.jpg (66186 Byte) Hochberg Synagoge 173.jpg (35792 Byte) Hochberg Synagoge 174.jpg (46519 Byte)
Am 14.11.2003 in Hochberg: von links:
 Ludwig Bez (PKC Freudental), Ulrike Sill
 (siehe Literatur unten), 
Frowald Gil Hüttenmeister
Fenster über dem 
ehemaligen Toraschrein
Blick zur Ostwand mit 
ehemaligem Toraschrein 
    
      

    
     

Links und Literatur

Links:

Website der Gemeinde Remseck 
Weitere Website zur Gemeinde Remseck   
Zur Seite über den jüdischen Friedhof in Hochberg (interner Link)     

Literatur:

Paul Sauer: Die jüdischen Gemeinden in Württemberg und Hohenzollern. 1966. S. 105ff.
Brigitte Reinhardt/Sabine Weyrauch: Bauten jüdischer Dorfgemeinschaft im Kreis Ludwigsburg (Freudental, Hochberg und Aldingen), in: Denkmalpflege in Baden-Württemberg 8 (1979) S. 70-76.
Wilhelm Streng: Hochbergs Vergangenheit, Vortragsreihe an der Schiller-Volkshochschule Ludwigsburg. 1984 (maschinenschriftlich).
Arno Breuning: "Erneuert von seinen Söhnen". Beobachtungen und Gedanken zum alten Israeliten-Friedhof in Hochberg (maschinenschriftlich).
Nicole Bickhoff-Böttcher, Gertrud Bolay, Eduard Theiner: 200 Jahre jüdisches Leben in Hochberg und Aldingen. 1730-1930. 1990.
Joachim Hahn: Jüdisches Leben in Ludwigsburg. Karlsruhe 1998.
Joseph Walk (Hrsg.): Württemberg - Hohenzollern - Baden. Reihe: Pinkas Hakehillot. Encyclopedia of Jewish Communities from their foundation till after the Holocaust (hebräisch). Yad Vashem Jerusalem 1986. S. 76.  
Hochberg Lit 012.jpg (41597 Byte)Gertrud Bolay: Jüdischer Alltag in Hochberg. Remseck 2001. 372 S. viele Abb.  
Umfassende Darstellung der Geschichte der Hochberger Juden nach einem umfangreichen und vielseitigen Quellenstudium. 
Hochberg Friedhof Buch 01.jpg (57884 Byte)Ulrike Sill, Gil Hüttenmeister, Gertrud Bolay, Eduard Theiner: Der jüdische Friedhof in Remseck-Hochberg. Eine Dokumentation. Remseck 2003.
Artikel in der Stuttgarter Zeitung vom 15.11.2003: hier anklicken     
synagogenbuch-1.jpg (32869 Byte)Joachim Hahn / Jürgen Krüger: "Hier ist nichts anderes als Gottes Haus...". Synagogen in Baden-Württemberg. Band 1: Geschichte und Architektur. Band 2: Orte und Einrichtungen. Hg. von Rüdiger Schmidt, Badische Landesbibliothek, Karlsruhe und Meier Schwarz, Synagogue Memorial, Jerusalem. Stuttgart 2007.    

   
Ergänzendes zur Hochberger jüdischen Geschichte.
Persönlichkeiten:  

RSamson Falk.jpg (8108 Byte)  
Aus Hochberg stammte Samson Falk, geb. 7.Februr 1827, nach Amerika
 ausgewandert. Zum Rabbiner ausgebildet, war bis von 1866 bis zu seinem Tod 1886
 Rabbiner des Temple Beth Zion in Buffalo, verfasst 1879 "A History of the Israelites in
 Buffalo", Quelle: hier anklicken  
 

       
          

                   
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Stand: 19. Juli 2014