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zu den Synagogen in
Baden-Württemberg
Freudental (Landkreis Ludwigsburg)
Jüdische Geschichte / Betsaal/Synagoge
Es besteht eine weitere
Seite mit Texten zur Geschichte der jüdischen Gemeinde Freudental
Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english
version)
Das Dorf Freudental gehörte nach dem
Bayerischen Erbfolgekrieg erstmals 1504 bis 1506 zu Württemberg, wurde dann
jedoch von Herzog Ulrich an Konrad Schenk von Winterstetten um einen Teil des
Dorfes Löchgau vertauscht. Im Laufe des 16. und 17. Jahrhunderts wechselte es
mehrfach den Besitzer, von 1685 bis 1697 war es wiederum württembergischer
Besitz. Seit 1697 war der österreichische Feldmarschall Hans Carl Graf von
Thüngen Herr von Freudental, von 1719 an Freiherr Johann Gottlob Zobel
von Gibelstadt (Giebelstadt). 1727 kam das Dorf in den Besitz der
Landhofmeisterin Wilhelmine Gräfin von Würben geborene von Grävenitz
(langjährige Mätresse des württembergischen Herzogs Eberhard Ludwig); nach
ihrem Sturz (1732) kam es am 20. August 1736 durch Kauf erneut an Württemberg,
das es als Stabsamt dem Kammerschreibereigut einverleibte.
Bereits 1723 hatte Freiherr Johann Gottlob Zobel von Gibelstadt den
Schutzjuden Seligmann Wolff aus dem Kraichgauort Flehingen
mit seiner ganzen, aus sechs Haushaltungen bestehenden Familie in Freudental
aufgenommen. Die Familien durften in dem heruntergekommenen herrschaftseigenen
Neuen Bau ("Fürstliches Oberschloss), der seither wohl den Namen "Judenschlösschen"
trägt, sechs Wohnung einrichten. Die Familien konnten für ihr
gottesdienstliches Leben einen Betsaal einrichten und durften gegen Bezahlung
von zwei Gulden einen Friedhof im
Alleenfeld anlegen.
Zu weiteren Aufnahmen jüdischer Familien kam es unter Wilhelmine Gräfin
von Würben, die 1731 das Wohnrecht 24 jüdischen Familien in Freudental
gestattet. Seit dieser Zeit gab es auch einen Rabbiner am Ort. Mit dem
den Freudentaler Juden erteilten Schutzbrief wurden ihnen relativ großzügige
Rechte eingeräumt: sie durften eine Synagoge bauen, die bis zum Neubau von 1770
als Bet- und Versammlungshaus diente, ihren Friedhof einzäunen, ein Frauenbad
einrichten und einen Sabbat-Schlagbaum aufstellen. Im Ort hatten sie Anteil an
Wasser, Weide und Holz. Die Zahl der jüdischen Einwohner im 18. Jahrhundert
nahm zunächst noch langsam, dann aber sehr stark zu und erreichte um 1785
einen Höhepunkt, als es in Freudental 50 jüdische Familien mit zusammen 243
jüdischen gegenüber 271 evangelischen Einwohnern gab. Während bis um 1800 die
Zahl der Einwohner Freudentals insgesamt bei ungefähr 500 konstant blieb, nahm
die Zahl der Juden gegenüber den Christen insgesamt wieder etwas ab: 1803 waren
es in 40 jüdischen Familien 202 jüdische gegenüber 334 evangelischen
Einwohnern.
Der Rabbiner Freudentals war im 18. und 19. Jahrhundert geistliches
Oberhaupt für alle jüdischen Gemeinden im württembergischen Unterland, die
keinen eigenen Rabbiner unterhalten konnte. Von 1769 bis 1817 war Alexander
Nathan Elsässer Rabbiner und trug zuletzt vermutlich den Titel eines
württembergischen "Landesrabbiners". Große Berühmtheit hat der
sogenannte "Wunderrabbi " Joseph Maier aus Schnaittach erlangt
(Rabbiner in Freudental von 1821 bis 1834). Nachdem 1832 Württemberg in
13 Rabbinate aufgeteilt wurde, blieb Freudental weiterhin Rabbinatssitz.
Die Zahl der jüdischen Einwohner entwickelte sich im 19. Jahrhundert wie
folgt: 1806 304 jüdische Einwohner, 1822 278, 1829 324, 1838 340, 1844 352,
1846 368, 1851 364 (48,2 % von insgesamt 755 Einwohnern), 1858 373, 1862 377, 1864 287, 1871 230, 1880 197, 1885 214,
1890 188, 1895 170, 1900 144 (29,4 % von etwa 490 Einwohnern), 1905 114, 1910 72
(13,0 % von 556).
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde im 19. Jahrhundert die
bereits genannte, 1770 erbaute Synagoge
(s.u.), eine jüdische Konfessionsschule (seit 1816, zunächst in gemieteten
Räumen, seit 1862 in einem eigenen Schulhaus, Strombergstraße 16: im
Erdgeschoss Klassenzimmer, im ersten Stock die Rabbinats-, später die
Lehrerwohnung), ein rituelles Bad (im 19. Jahrhundert Seestraße 24) und einen
Friedhof (alter Friedhof bis 1811, neuer
Friedhof ab 1811).
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde Eugen Jordan (geb.
8.11.1888 in Freudental, gef. 2.4.1916),
Isidor Levi (geb. 11.6.1889, gef. 24.8.1914), Isidor Manasse und Julius Marx.
An ehemaligen, bis nach 1933 bestehenden und
im Besitz jüdischer Personen/Familien befindlichen Handels- und
Gewerbebetrieben sind bekannt: Viehhandlung Josef Blum (Hauptstraße 8),
Viehhandlung Moritz Blum (Gartenstraße 2), Manufakturwarenhandlung Salomon Falk
(Seestraße 21), Viehhandlung Erich Jordan (Hauptstraße 18), Pferdehandlung
Abraham Levi (Pforzheimer Straße 1), Kleinviehhandlung Abraham Manasse (Seestraße
18), Handelsmann Max Marx (Pforzheimer Straße 4), Landwirt Moritz Herrmann [und
jüdischer Lehrer Simon Meißner] (Strombergstraße 11), Kolonialwarenhandlung
Ernestine Spatz (Pforzheimer Straße 8), Viehhandlung Julius Stein (Strombergstraße
16), Viehhandlung Moritz Stein (Schlossstraße 23), Metzgerei Emil Weil
(Hauptstraße 15, abgebrochen), Pferdehandlung Leopold Wertheimer (Hauptstraße
3).
1933 wurden noch 50 jüdische Einwohner gezählt. In den folgenden Jahren
verließen über 30 von ihnen den Ort oder wanderten aus. Mehrere starben noch
in Freudental. Zu den Ereignissen beim Novemberpogrom 1938 siehe unten. 13 Personen wurden 1941 und 1942 von Freudental aus deportiert.
Von den in Freudental geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Karoline Gottlieb geb. Marx (1896), Adolf Herrmann
(1923), Frieda Herrmann (1881), Moritz (Moses Leib) Herrmann (1874), Sidonie Herrmann geb. Rosenfeld (1895), Clara
Jordan geb. Rödelsheimer (1880), Hanna Krämer (1888), Käthe Krämer (1930), Sigmund Lasar (1876),
Ernestine (Esther Dina) Levi geb. Wertheimer (1863), Selma
Levi (1886), Sigmund Levi (1853), Else Löffler geb. Blum
(1892), Auguste Löwe (1871), Moritz (Manasse) Löwe (1863), Rosa Löwenthal
geb. Blum (1893), Karoline Marx geb. Gottlieb (1896), Regine Marx geb. Haugewitz
(1866), Samuel Marx (1894), Hedwig Metzger geb. Levi (1892), Johanna Metzger
(1905), Alma Richheimer geb. Levi (1883), Bertha (Bertel) Rosenfeld (), Hermann Rosenfeld (1923), Max Rosenfeld
(1887), Selma Rosenfeld geb. Stern (1898), Hannchen Stein geb. Ottenheimer
(1863), Joseph Stein (1868), Karoline Stein geb. Marx (1864), Sara Stein geb. Künstler (1869), Sara
Willenski (1901), Nanette Weil geb. Wertheimer (1868), Julius Wertheimer (1878).
Eine vollständige Liste aller zeitweise in Freudental lebender jüdischer
Personen, die in der NS-Zeit umgekommen sind, wurde noch nicht erstellt. Dazu
müssten auch Personen genannt werden wie das: Lehrerehepaar Joseph Wochenmark
(1880) und Bella geb. Freudenthal (1887) - Wochenmark war bis 1918 Lehrer in
Freudental.
1945/46 waren im Freudentaler Schloss (damals Kranken- und Pflegeheim
für "Displaced Persons", vor allem aus dem KZ Vaihingen/Enz) auch
jüdische Personen untergebracht. Von ihnen starben die beiden polnischen Juden
Jakob Nyss und Hirsch Harcryk, die im jüdischen Friedhof beigesetzt
wurden.
Persönlichkeiten. Marum Samuel von
Mayer (1797 Freudental-1862 Tübingen), Rechtswissenschaftler; 1821 Advokat
in Stuttgart, 1829 Privatdozent und 1831 Prof. des Rechts in Tübingen (1838 zum
Christentum konvertiert), 1849 und 1850 Rektor der Universität Tübingen.
Zur Geschichte des Betsaales / der Synagoge
Die ersten Familien
wohnten im Bereich des Oberschlosses im Gebäude des heute noch sogenannten "Judenschlössles"
in der Strombergstraße (bis zur NS-Zeit "Judengasse"). In diesem Gebäude wurde
vermutlich auch bald ein Betsaal eingerichtet, möglicherweise in dem mit
einer Stuckdecke geschmückten Raum im ersten Stock.
Eine erste Synagoge wurde um 1735/38 erbaut.
In einer Übersicht von 1738 über die Freudentaler Juden werden bereits ein
Rabbiner mit Familie, ein Vorsänger und ein jüdischer Schulmeister genannt.
Diese erste Synagoge befand sich wahrscheinlich in einem Gebäude, das über dem
heutigen Keller zwischen Judenschlösschen und dem Treppenturm stand (d.h. im
heutigen Synagogenhof). 1750 wurde die Synagoge unter dem damaligen
Judenvorsteher David Ullmann erweitert. Nach seinen Angaben erhielt er im
Februar 1750 vom württembergischen Herzog "ein vier Schuh großes... in dem
herrschaftlichen Oberen Schlösschengarten befindliches und wüstliegendes Plätzchen"
für jährlich 10 Gulden zur Erweiterung der Synagoge. Die Baukosten für die
Erweiterung betrugen etwa 339 Gulden. Ullmann beklagte sich, dass ihm von den
damals im Schlösschen lebenden Juden nur etwa 116 Gulden ersetzt wurden.
Bereits 20 Jahre später musste die erste Synagoge durch
einen größeren Bau ersetzt werden. Sie scheint nicht sehr stabil gewesen sein,
da im Mai 1770 nach einem Bericht eine Seitenwand einfiel und der
Einsturz der Synagoge "allstündlich bevorsteht". Am 5. Juli 1770 schrieben die
jüdischen Gemeindevorsteher an den Herzog und baten ihn um Holz- und
Baumaterial aus den staatlichen Waldungen. Als Grund für ihre Bitte führten
sie auf: ihre Gebete für Herzog und Land, Beiträge zur Brandversicherung und
das herzogliche Waisenhaus in Stuttgart sowie ihre Schutzgelder. Der
Rentkammerrat reichte das Gesuch befürwortend an die Regierung weiter und wies
darauf hin, dass die Wiedererbauung der Synagoge für die Gemeinde um so härter
sei, da unter den Freudentaler Juden "nur wenige etwas Vermögen haben, alle übrigen
aber sehr arme Leute sind". Am 6. August erhielt die Gemeinde die sechs Eichen
aus den Wäldern der staatlichen Kammerschreiberei. Schließlich wurde auch ein
Baudarlehen von 1.000 Gulden auf ein bis zwei Jahre gewährt, um weiteres
Baumaterial und die Bauleute bezahlen zu können. Die neue Synagoge wurde im südlich
an die erste Synagoge angrenzenden Garten errichtet. Beim Bau orientierte sich
die Gemeinde am Baustil der Hugenottenkirchen, der in ganz Deutschland bei
zahlreichen jüdischen Gemeinden Nachahmung fand (z.B. sieht die Synagoge in Gröbzig,
Sachsen-Anhalt, der Freudentaler Synagoge zum Verwechseln ähnlich). Der
Baumeister der Freudentaler Synagoge ist unbekannt. Vielleicht war es der
Landesbaumeister des Herzogs Carl Eugen, Johann Adam Groß der Jüngere, der zur
selben Zeit in Brackenheim und Güglingen baute. Ein Meisterwerk der
Zimmermannskunst stellt vor allem der Dachstuhl dar, der im Innenraum den Einbau
eines hohen Muldengewölbes ermöglichte, das ursprünglich mit einem
Sternenhimmel bemalt war.
Mehrfach wurde die Synagoge renoviert, wobei unter anderem
die ovalen Ostfenster durch andere ersetzt und später ganz zugemauert wurden.
Probleme bereitete das schwere Walmdach, das die Nord- und Südwand nach außen
drückte, sodass Holzbalken durch das Muldengewölbe gezogen werden mussten. Bei
der Innenrenovierung der Synagoge 1888 wurde erstmals ein Inventarverzeichnis
angelegt. Damals gab es sieben Torarollen, deren Stifter mit Namen genannt sind,
dazu acht Toramäntelchen, Decken für den Almemor und die Kanzel, sowie je
einen Toraschrein-Vorhang für Werktage, Bußtage und Schabbat. 1895
wurde an der westlichen Südseite ein bis dahin bestehender torartiger Durchgang
zugemauert und außen eine Toilettenanlage angebaut. 1902/03 wurde ein Ofen
installiert. 1926 ist das Synagogengebäude unter Denkmalschutz
gestellt worden.
Am 9. September 1928 wurde in der Synagoge eine Gedenktafel
für die Gefallenen der jüdischen Gemeinde eingeweiht. Bezirksrabbiner Dr.
Beermann aus Heilbronn hielt die Ansprache. Der Gesangverein Freudentals
umrahmte die Veranstaltung und schloss mit dem bei solchen Feiern auch in
Synagogen gesungenen "Ich hatt’ einen Kameraden". In den 1920er-Jahren war
durch die Abwanderung vieler jüdischer Familien das Wochengebet (an den
Werktagen) in der Synagoge bereits schwierig geworden, da die Zehnzahl der Männer
nur noch schwer zustande kam. Man behalf sich in Freudental wie in manch anderen
Orten damit, dass man einen oder mehrere christliche Männer zum Gebet einlud.
In Freudental sollen manchmal bis zu drei Christen mit dem Hut auf dem Kopf und
rasch umgebundenen Gebetsriemen beim Wochentagsgottesdienst ausgeholfen haben.
Bis 1938 diente das Gebäude der jüdischen Gemeinde für
ihre Gottesdienste. Am 10. November 1938 wurde die Inneneinrichtung der
Synagoge von auswärtigen SA- und SS-Leuten mit Äxten völlig zerstört. Zudem
wurde Feuer gelegt, das jedoch auf Einspruch der Nachbarn, die ein Übergreifen
der Flammen auf ihre Häuser befürchteten, wieder gelöscht wurde. Der
Ortsgruppenleiter Freudentals holte ein Fuhrwerk herbei und die aus den Häuser
zusammengetriebenen Juden wurden unter Geschrei und Schlägen gezwungen, die
Kult- und Einrichtungsgegenstände der Synagoge auf den Wagen zu verladen. Unter
lautem Gebrüll der Nazis wurden die Gegenstände auf den damaligen Freudentaler
Sportplatz gefahren, dort aufgeschichtet und angezündet. Die jüdischen Männer
mussten im engen Kreis um das Feuer stehen. Teilweise mussten sie sich
niederknien und singen und wurden von Frauen der NS-Frauenschaft auf das Feuer
zugetrieben. Abends warfen die BDM-Mädchen die letzten Fensterscheiben der
Synagoge ein. Jüdische Frauen mussten den voller Glasscherben und Dachziegel
liegenden Synagogenvorplatz unter Spott und Hohen von Zuschauern säubern.
Seit Kriegsbeginn wurde die Synagoge von der bürgerlichen
Gemeinde benutzt. Im ehemaligen Gotteshaus wurde Sport betrieben, nachdem man
sie notdürftig wieder mit Fenster versehen und das beschädigte Dach geflickt
hatte. Im März 1943 erwarb die Ortsgemeinde das Gebäude und wollte es künftig
auch als Turnhalle oder Lagerhalle nutzen. Im September 1949 musste das
Synagogengebäude an die jüdische Gemeinde Stuttgart zurückgegeben werden.
Diese verkaufte es gegen eine Nachzahlung 1954 wieder an die Gemeinde
Freudental, die es 1955 an einen Handwerksbetrieb veräußerte. Dieser
machte das Haus durch etliche entstellende Umbauten für seine Zwecke nutzbar.
Wegen des zunehmenden Verfalls in den folgenden zwei Jahrzehnten war der Abbruch
durch einen Beschluss des Freudentaler Gemeinderates Anfang Oktober 1979 schon
kaum mehr aufhaltbar.
Der Beschluss des Freudentaler Gemeinderates 1979
mobilisierte eine Anzahl interessierter und engagierter Bürger aus Freudental
und Umgebung, die sich 1980 zu einem "Förder- und Trägerverein ehemalige
Synagoge Freudental e.V." zusammenschlossen, der das Ziel hatte, die
Synagoge zu erhalten und sinnvoll zu nutzen. Viele namhafte Persönlichkeiten
unterstützten die Bemühungen des Vereins. Im März 1981 konnte der Verein für
110.000 DM das Synagogengebäude vom bisherigen Besitzer kaufen. Gleichzeitig
begannen erste Bauarbeiten und Planungen der Restaurierung unter den Architekten
Walther-Gerd Fleck und Heinrich Kling. Bei den Restaurierungsarbeiten wurden im
Dachstuhl in einer sogenannten Genisa (Aufbewahrungsort ausgedienter Schriften)
zahlreiche wertvolle Gegenstände und Schriften gefunden, darunter Tora-Wimpel,
Gebetsriemen, jüdische Kalender usw.
Nicht nur die Synagoge, die als Kulturdenkmal von
besonderer Bedeutung gilt, wurde restauriert. In Nebengebäuden wurden 24 Übernachtungsmöglichkeiten
in Einzel- und Zweibettzimmern, dazu Seminarräume und ein Kommunikationsraum im
großen Gewölbekeller eingerichtet. Der gesamte Bauaufwand betrug 2,4 Millionen
DM. Am 17. Januar 1985 konnte das Gebäude als "Pädagogisch-kulturelles Centrum
Ehemalige Synagoge Freudental e.V." eingeweiht werden. Seither finden regelmäßig
Seminare, Tagungen, Ausstellungen, Vorträge, Theater- und Konzertabende im
renovierten Gebäudekomplex statt. Das PKC steht seit 1991 in der Trägerschaft des Landkreises Ludwigsburg. 2003 wurde
das Gebäude durch einen gläsernen Anbau im Synagogenhof erweitert. Im Sommer
2008 (August/September) wird der Innenraum erneut restauriert.
Fotos
Historisches Foto:
(Quelle: Jüdische Gotteshäuser und Friedhöfe in
Württemberg. 1932 S. 75)
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| Die Synagoge in Freudental um
1930 |
Fotos nach 1945/Gegenwart:
Erinnerungsarbeit
vor Ort - einzelne Berichte (siehe hierzu vor allem die
Website des www.pkc-freudental.de)
| Literatur-Neuerscheinung
2009: |
Foto
links: Autor Steffen Pross (links und Ludwig Bez vom
Pädagogisch-Kulturellen Centrum Ehemalige Synagoge Freudental mit einem
Plakat des neuen Buchs (Bild: Alfred Drossel).
Artikel von Andrea Nicht-Roth am 22. Juli 2009 in der "Ludwigsburger
Kreiszeitung" (Artikel):
FREUDENTAL. Von wieder gefundenen Lebensgeschichten.
Das Buch ist spannend – und es tut weh: "Freudental ’38 – Eine
Ermittlung" spürt der Geschichte der Freudentaler Juden auf neuen Pfaden nach und kommt zu neuen Erkenntnissen. Autor ist der Ludwigsburger Journalist Steffen Pross. Am Montag hat er die
"Ermittlung" in der Ehemaligen Synagoge Freudental der Öffentlichkeit vorgestellt.
Eine Collage historischen Materials nennt Steffen Pross (er ist im "Hauptberuf" stellvertretender Leiter der Kreisredaktion der Ludwigsburger Kreiszeitung) seine Arbeit, die auf den Quellen basiert, die auch Theobald Nebel, dem ersten Erforscher der jüdischen Geschichte Freudentals, zur Verfügung standen, aber noch weit darüber hinaus geht.
Nebel, der inzwischen verstorbene Besigheimer Lehrer, hatte bereits vor 20 Jahren die Geschichte der Freudental-Juden beschrieben. Die Erinnerungstafeln in Freudental gründen auf seinen Erkenntnissen.
"Nach 20 Jahren ist es an der Zeit, neue Fragen zu stellen", sagt Pross, zumal ihm andere Möglichkeiten der Recherche zur Verfügung standen – im Internet etwa.
In sechs Kapiteln schildert das Buch an Hand von Zeitungsausschnitten, Ratsprotokollen, Briefen, Bildern, Gesprächen, Vernehmungsakten der Spruchkammer und deren Urteilen, wie sich das Netz um die jüdischen Bürger Freudentals immer enger zog, wie die Hetze der Nazi-Presse immer hemmungsloser wurde, die wirtschaftliche Lage der jüdischen Bauern, Textil- und Viehhändler immer verzweifelter, wie das jüdische Leben in Freudental schließlich in Verfolgung und Deportation erstarb.
Den Dokumenten gibt Pross durch erklärende Zwischentexte eine zwingende Dramaturgie, die den Leser tiefer und tiefer in den Alltag des Jahres 1938 hineinzieht. Da erzählt eine Margot Rubin im Juli 1997 einer Besigheimer Schülergruppe, wie sie mit ihrer Mutter Fleisch kaufen gegangen ist, bis das Schächten ganz verboten war. Da geht es im Gemeinderat um die Frage, ob die Judengasse – die heutige Strombergstraße – umbenannt werden soll und dass im Hirsch
"Juden unerwünscht" waren. Immer schneller dreht sich die Spirale von Hetze und Gewalt und die nüchternen Texte verschärfen das Entsetzen: Der Bietigheimer Roßmarkt sei der erste
"judenfreie Pferdemarkt" in Württemberg, jubelt die NS-Rundschau und kennt keine Hemmungen: Der Jude Wertheimer habe seine Latrinengrube ausgepumpt und
"die ganze Schweinerei" aus dem "Judenabort" in den Steinbach gepumpt, empört sich das Blatt und wird nicht müde
"jüdische Ungezogenheiten" abzudrucken – mit voller Namensnennung, versteht sich. Der
"Judenlehrer" verreise sehr viel mit dickbauchigen Aktentaschen, der Textilhändler Wertheim schleiche jeden Tag mit einem anderen Auto in die Dörfer –
"die Hetze in der Zeitung war eine wirkliche Überraschung", sagt Steffen Pross über seine Recherche.
Am Tag nach der Pogromnacht wird in Freudental die Synagoge geschändet. Es waren
"koi Freudetaler" erinnern sich später Zeitzeugen; der Schlägertrupp kam wohl vor allem aus Ludwigsburg. Was einige aber offenbar nicht hinderte, sich zu bedienen. Nein, sie habe keinen Silberbecher aus der Synagoge geholt, gab eine Frau nach dem Krieg zu Protokoll, nur einen auf der Straße gefunden.
Pross nennt die Namen der jüdischen Opfer und ihrer – wenigen – Helfer. Es gehe, schreibt er, um die Identität, die man ihnen rauben wollte. Nichtjüdische Dorfbewohner, ob Unbeteiligte, Mitläufer oder Täter sind anonymisiert – mit Ausnahme der Ortsgruppenleiter, der Bürgermeister und anderer höherer Parteifunktionäre. Im Rahmen seiner Recherchen hat Pross, ein studierter Historiker, neue Erkenntnisse zu Tage gefördert: Aus Freudental kamen nicht 14 Opfer wie angenommen, sondern 33 – bisher. Er hat sie alle am Ende des Buchs aufgelistet und sagt
"darauf bin ich wirklich stolz". Sein Ehrgeiz: Allen 33 mit einer Kurzbiografie ihre Geschichte wieder zu geben –
"dem nähere ich mich langsam an".
Denn der zweite Band der Reihe ist bereits in Arbeit und umfasst die Jahre bis 1942. Die Konsequenz aus der mühevollen akribischen Kleinarbeit ist, dass viele Angaben auf der Gedenkplatte am Rathaus nach seinen Forschungen nicht mehr stimmen und manches in der Geschichte der Freudentaler Juden umgeschrieben werden muss.
Info: Das Buch ist unter ISBN 978-3-9809962-3-5 zum Preis von fünf Euro im Buchhandel zu bestellen |
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| Januar 2010:
25 Jahre Pädagogisch-Kulturelles Centrum in der
ehemaligen Synagoge - ein Gespräch mit dem Leiter Ludwig Bez
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Artikel in der "Stuttgarter
Zeitung" vom 16. Januar 2010: "DIE BEGEGNUNGSSTÄTTE UND IHR LEITER
- 'Arbeit ist Teil der Versöhnung'
Freudental. In der ehemaligen Synagoge im Norden des Landkreises Ludwigsburg wirbt das Pädagogisch-Kulturelle Centrum seit 25 Jahren um Toleranz und Verständnis.
Zur Person Ludwig Bez ist 1949 in Kirchheim/Teck geboren ist und hat Sozialpädagogik, Theologie und Sport studiert. Bez arbeitete als Lehrer, bis er von Beginn an die Leitung des PKC übernahm. 1979 war er erstmals nach Israel gereist und hatte in einem Kibbuz gelebt. Dort traf er Überlebende der Nazizeit. "Der Kibbuz ist der Ort meiner sozialen Geburt", sagt der 61-Jährige.
Die Synagoge Die 1770 errichtete Freudentaler Synagoge überstand die Pogromnacht 1938, wenn auch beschädigt. 1979 wäre das Gotteshaus wegen seiner starken Baufälligkeit fast abgerissen worden. Aber 1980 schlossen sich engagierte Bürger aus Freudental und Umgebung zu einem Förderverein zusammen. Dessen Ziel war es, die Synagoge zu erhalten. An der Spitze des Vereins stand der inzwischen verstorbene Verleger Heinz M. Bleicher, der Vorstandssprecher der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit Stuttgart. Dem Verein gelang es, das Gebäude zu retten. Am 17. Januar 1985 wurde die alte Synagoge als Begegnungsstätte eingeweiht. Am morgigen Sonntag wird diese Gründung von 15 Uhr an mit dem 25. Stiftungsfest gefeiert. ily
Wir wollen das Erinnern mit F ragen der Gegenwart und der Zukunft verbinden", sagt Ludwig Bez, der Leiter des Centrums in Freudental. Die Gedenkstättenpädagogik habe sich verändert, erklärt er im Interview.
Herr Bez, wieso braucht es Orte wie die ehemalige Freudentaler Synagoge?
Solche Orte sind mitten unter uns und fragen nicht, ob wir sie brauchen. Sie sind Zeugen unserer Geschichte und regen uns an, Fragen zu stellen: Wo sind die Menschen, die sich früher hier zum Gebet versammelt haben? So ein Ort fordert uns auf, sich genau zu erinnern. Erinnern braucht aber auch einen Gegenwartsbezug.
Wie meinen Sie das?
Die Gedenkstättenpädagogik der 60er Jahre beschäftigte sich vorwiegend damit, an die Gräueltaten der Nazis und die Ermordung der Juden zu erinnern. Anfangs standen vor allem die Opfer im Blickpunkt, später die Täter. Wir wollen heute das Erinnern mit Fragen der Gegenwart und Zukunft verbinden.
Wäre es den Freudentalern nicht lieber gewesen, man hätte vor 25 Jahren die Synagoge als "steinernes Gewissen" abgerissen?
Ja, es gab Leute, die eine Renovierung vehement abgelehnt haben. Aber im Ort gab es auch eine Bürgerinitiative, die den Erhalt der Synagoge gefordert hat. Die Spaltung ging durch ganze Familien. Einerseits waren da noch die stillen Bewunderer Hitlers. Auf der anderen Seite gab es diejenigen, die damals den jüdischen Nachbarn zur Flucht verhelfen konnten.
Wie ist die Reaktion auf das PKC heute?
Überwiegend positiv. Seit Jahren kommen Vereine und Gruppen aus dem Dorf in die ehemalige Synagoge und berichten über ihre eigene Familiengeschichten in den Jahren von 1933 bis 1945.
Gehen die Menschen heutzutage offener mit dem Thema um?
Ja, vor allem die jüngeren Menschen. Früher ist es vielen schwergefallen, über jene Zeit zu reden. Die unheilvolle Verstrickung mancher Bürger war offenkundig. Auch in Freudental hat man vom Massenmord an den Juden profitiert. Mehr als 30 Freudentaler wurden deportiert und ermordet. Andere konnten durch Emigration und Flucht ihr Leben retten.
Gibt es Kontakte zu jüdischen Familien, die in Freudental gelebt haben?
Ja, der Aufbau und die Pflege von Kontakten zu Nachfahren jüdischer Familien aus Freudental ist ein wichtiger Bestandteil unserer Begegnungsstätte. Wir haben mehr als 60 Adressen von Familienangehörigen der zweiten und dritten Generation.
Ist die Arbeit des PKC mit Erinnern, Lernen und Begegnen erfolgreich?
Die Resonanz spricht für uns. Ich erlebe vor allem, dass der Wunsch nach konkreter Erinnerung zunimmt und dass die Nachfrage für unsere Angebote wächst. Menschen haben ein Bedürfnis nach authentischer Geschichtsvermittlung. Wir bleiben dabei nicht in der Vergangenheit stehen, sondern suchen den Bezug zur Gegenwart, auch außerhalb Freudentals auf Exkursionen und Studienreisen.
Wie sieht das aus?
Bei Begegnungen von Jugendlichen in Israel setzen wir uns mit der Geschichte auseinander. Wir beschäftigen uns aber auch mit der aktuellen Situation. Wir sprechen mit Menschen, die unter den politischen Gegebenheiten leiden.
Wird das nicht als falsche Parteinahmen interpretiert?
Man ist immer in der Gefahr, falsch verstanden zu werden. Wer früher Gedenkstättenpädagogik betrieb und sich mit den Gräueltaten der Nazis beschäftigte, galt als Verräter an der eigenen Nation und der eigenen Geschichte. Heute heißt es: Ich dachte, du bist ein Freund Israels, jetzt bist du für die Araber. Darum geht es nicht. Ich habe jüdische und arabische Freunde in Israel. Freundschaften sind wichtiger als Bekenntnisse zu einer Politik oder einer Nation.
Ist die Arbeit des PKC auch ein Beitrag zur deutsch-israelischen Versöhnung?
Unsere Arbeit ist Teil des globalen Versöhnungsprozesses, an dem viele Menschen in unserer Welt arbeiten. Das Verhältnis zwischen Deutschland und Israel spielt dabei für uns in Freudental aber eine besonders wichtige Rolle.
Die Fragen stellte Martin Willy." |
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Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Paul Sauer: Die jüdischen Gemeinden in Württemberg und
Hohenzollern. 1966. S. 78-82. |
 | Theobald
Nebel: Die Geschichte der Freudentaler Juden. 1985. |
 | Joachim Hahn: Synagogen in Baden-Württemberg.
Stuttgart 1987. S. 72ff. |
 | Heinrich Kling: Freudenthal. Ein schwäbisches Dorf.
1991 (2. Teil, S. 359-494). |
 | Ludwig Bez u.a.: Der jüdische Friedhof in
Freudental. 1996. |
 | Joachim Hahn: Die Rabbiner in Freudental. Online
zugänglich. |
 | Joseph Walk (Hrsg.): Württemberg - Hohenzollern -
Baden. Reihe: Pinkas Hakehillot. Encyclopedia of Jewish Communities from
their foundation till after the Holocaust (hebräisch). Yad Vashem Jerusalem
1986. S. 216-217. |
 | Joachim
Hahn / Jürgen Krüger: "Hier ist nichts anderes als
Gottes Haus...". Synagogen in Baden-Württemberg. Band 1: Geschichte
und Architektur. Band 2: Orte und Einrichtungen. Hg. von Rüdiger Schmidt,
Badische Landesbibliothek, Karlsruhe und Meier Schwarz, Synagogue Memorial,
Jerusalem. Stuttgart 2007.
|

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the
Holocaust".
First published in 2001 by NEW
YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad
Vashem Jerusalem, Israel.
Freudental
Wuerttemberg. As part of the Duchy of Wuerttemberg, Jews in the 18th century
lived in Freudental under a liberal letter of ptotection according extensive
privileges and serving as a model for other such charters (freedom of worship
and movement, use of town's natural resources, exeption from military service
and quartering of soldiers, etc.). The community erected its first synagogue in
1770 and by 1800 was one of the few in Wuerttemberg to reach 45 % of the total
population. In 1855 the Jewish population stood at 364 but thereafter declined
sharply owing to emigration. Many engaged in the cattle trade and belonged to
the town's wealthy class. A Jewish school was founded about 1816. Good relations
generally prevailed with the local population. In 1933, 50 Jews remained (with
another seven joining the community later), subjected from the outset of Nazi
rule to anti-Jewish propaganda. On Kristallnacht (9-10 November 1938),
the synagogue was vandalized by SS and SA stormtroopers and Jews were tormented.
Thirty-six Jews emigrated, 19 to the United States, and 17 perished following
expulsion. Of the 13 Jews in the attached community of Zaberfeld,
which dated back to the 18th century*, eight perished following expulsion.
*Encyclopedia reads: to the Middle Ages

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