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zu den Synagogen in
Baden-Württemberg
Michelbach an der Lücke (Gemeinde Wallhausen, Landkreis Schwäbisch Hall)
Jüdische Geschichte / Betsaal/Synagoge
Übersicht:
An dieser Seite
wird noch gearbeitet - bitte schauen Sie bei Gelegenheit wieder
vorbei.
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde
(english
version)
In dem bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts zur Herrschaft
Schwarzenberg gehörenden Michelbach bestand eine jüdische Gemeinde bis 1939.
Ihre Entstehung geht in die Zeit des 16./17. Jahrhunderts zurück. Vermutlich
haben sich in der Gemeinde auch einige Personen niedergelassen, die 1519/20 aus
Rothenburg ob der Tauber vertrieben worden waren. Der erste Nachweis eines jüdischen
Bewohners liegt von 1566 vor (Mosche von Michelbach).
Nach dem Dreißigjährigen
Krieg lebten sieben jüdische Familien am Ort (1660).
Die höchste Zahl jüdischer
Einwohner wurde um 1858 mit 225 Personen erreicht, was einem Drittel der Dorfbevölkerung
entsprach. Die jüdischen Familien lebten damals überwiegend vom Handel mit
Vieh, Landesprodukten und Waren. Nach 1860 ging die Zahl der jüdischen
Einwohner durch Ab- und Auswanderungen sehr stark zurück. 1832 wurde die
Gemeinde dem Rabbinat Braunsbach zugeteilt.
1933 wohnten noch 35 jüdische
Einwohner in Michelbach. In ihrem Besitz waren vier Viehhandlungen und ein
Textilgeschäft.
Von den in Michelbach geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Paula Dreyfus geb.
Gundelfinger (1894), Maximilie (Maxi) Eichberg geb. Oppenheimer (1894), Albert
Elkan (1880), Klara (Clara) Elkan geb. Elkan (1878), Hugo Elkan (1882), Selma
Essinger geb. Löwenberger (1883), Jenny Grimminger geb. Stern (1895), Flora
Grünsfelder geb. Rosenthal (1857), Nathan Grünsfelder (1884), Adelheid
Gundelfinger geb. Berney (1868), Alfred Gundelfinger (1885), David Gundelfinger
(1857), Heinz Gundelfinger (1932), Hugo Gundelfinger (1898), Kurt Gundelfinger
(1936), Mina Gundelfinger geb. Gutmann (1895), Peppi Gundelfinger geb. Elkan
(1871), Samuel Gundelfinger (1869), Sara Gundelfinger geb. Stern (1861), Selma
Gundelfinger geb. Künstler (1905), Frieda Gutmann geb. Gundelfinger (1888),
Helga Kuder (1927), Irma Kuder geb. Gundelfinger (1903), Walter Kuder (1930),
Bernhard Löwenberger (1892), Senta Meyer geb. Stern (1903), Meta Neumann geb.
Gundelfinger (1885), Martha Neustätter geb. Löwenberger (1888), Julie Ries
geb. Gundelfinger (1858), Nathan Rosenthal (1888), Irma Schild geb. Gundelfinger
(1892), Marta Selig (1903), Benjamin (Beni) Stern (1862), Clotilde Wassermann
geb. Leiniger (1870).
Nach
1945 kehrte nur der Viehhändler Moritz Eichberg nach Michelbach zurück, wo er
bis 1961 lebte.
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Aus der Geschichte der
jüdischen Lehrer
Ausschreibung der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet
1929
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 31. Januar 1929:
"Die Stelle eines unständigen Religionslehrers für die
israelitische Religionsgemeinde Michelbach a.d. Lücke soll wieder besetzt
werden. Die Stelle wird mit einem Bewerber besetzt, der die deutsche
Reichangehörigkeit besitzt und die erste Volksschullehrerdienstprüfung
erstanden hat. Die Besoldung wird nach den Grundsätzen für staatliche
Lehrer berechnet und aus der Israelitischen Zentralkasse bezahlt.
Dienstwohnung ist vorhanden. Bewerber, die bereit sind, die Schechitah
auszuüben, wollen sich unter Darstellung ihres Lebenslaufs und Anschluss
ihrer Zeugnisse bis zum 22. Februar 1929 melden bei Oberrat der
Israelitischen Religionsgemeinschaft Württemberg, Stuttgart,
Reinsburgstraße 19/II." |
Lehrer Meinhardt wird ausgezeichnet
(1847)
Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 18. Januar 1847:
"In der neuesten Nummer des Regierungsblatts wurde unter den Lehrern,
welche die evangelische Synode der für das Jahr 1846/47 ausgesetzten
Belohnungen für würdig erkannte, auch Lehrer Meinhardt an der
israelitischen Schule zu Michelbach an der Lücke, Dekanats Blaufelden
angeführt. Derselbe soll auch als tüchtiger Kirchenvorsteher von der
Oberkirchenbehörde anerkannt sein. Überhaupt haben wir in Württemberg
viele wackere Lehrer aufzuweisen, die nicht allein dem Lehrfache
gewachsen, sondern auch als Präsides des Kirchenvorstandes (in Orten, wo
kein Rabbinatssitz ist) im Gemeindewesen sehr viel Kenntnisse und Routine
haben." |
Zur Geschichte der Synagoge
Wohngebiet und Betsaal/Synagoge. Das jüdische Wohngebiet
konzentrierte sich zunächst auf die heute noch so genannte "Judengasse".
1756/57 wurde eine Synagoge erbaut, die einen bis dahin benutzten Betsaal
in einem der jüdischen Privathäuser ersetzte. Dieses Haus war inzwischen
"gänzlich zerrüttelt und baufällig geworden", sodass ein Neubau
unumgänglich war. Ein in jüdischem Besitz befindlicher Garten diente als
Baugrundstück. Die zuständige Ortsherrschaft erteilte im Oktober 1756 die
Baugenehmigung. Der Betsaal erhielt ein für den Synagogenbau dieser Zeit geläufiges
Tonnengewölbe und eine Frauenempore. Äußerlich gaben die Rundbogenfenster,
die kleine Apsis an der Ostseite und das darüber befindliche Rundfenster dem
Gebäude einen würdevollen und für ein kleines Dorf durchaus repräsentativen
Charakter.
1859/60 wurde die Synagoge für 275 Gulden
renoviert. Der württembergische König stiftete der Gemeinde aus Anlass der
Renovierung vier Kronleuchter.
Der König vermacht der Synagoge vier
Kronleuchter (1859)
Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 6. Juni 1859:
"...Erst kürzlich schenkte auch Seine königliche Majestät der
israelitischen Gemeinde Michelbach für ihre restaurierte Synagoge vier
Kronleuchter." |
Die Michelbacher Synagoge blieb Bethaus der jüdischen
Gemeinde, bis sie beim Novemberpogrom 1938 demoliert wurde. Während des
Krieges war das Gebäude als Munitionslager von der Flugplatzverwaltung
Crailsheim beschlagnahmt. 1949 ging es in Privatbesitz über und diente schließlich
einer Mostkellerei als Lagerraum.
Mitte der 1970er-Jahre machte der Besitzer des Synagogengebäudes
beim Landratsamt Schwäbisch Hall eine Eingabe, das mittlerweile verwahrloste
Gebäude zum Bau eines neuen Lagerraumes abbrechen zu dürfen. Der Landkreis
erteilte keine Genehmigung, vielmehr löste der drohende Abbruch Bemühungen
aus, das Synagogengebäude zu retten. 1978 erwarb die Gemeinde Wallhausen
mit Mitteln des Landkreises das Haus, das ein Jahr später in das
Schwerpunktprogramm Denkmalpflege des Landes Baden-Württemberg als
erhaltenswertes Baudenkmal aufgenommen wurde. Für die Wiederherstellung wurden
aus diesem Programm rund eine halbe Million Mark (= ca. 250.000 Euro) aus
Landesmitteln zur Verfügung gestellt.
Das Gebäude war vor der 1982 begonnenen
Restaurierung in höchst baufälligem Zustand. Das Gewölbe der Decke war kurz
vor dem Einsturz. Durch einen Betongurt in Traufhöhe konnte der Bau
stabilisiert werden. Das Dach wurde nach dem alten Konstruktionssystem neu
gerichtet. Im Inneren wurden die originalen Wand- und Deckenbemalungen
wiederhergestellt. Durch Zufall fand man bei dem aus Niederstetten emigrierten
Bruno Stern, der in New York lebte, ein Foto, das einen Teil des Innenraums im
Zustand von 1932 zeigte. Mit Hilfe dieser Aufnahme konnte ein Teil des
Toraschreines und des Almemors rekonstruiert werden.
Am 12. Juli 1984 wurde das Gebäude als
Dokumentationszentrum für die Geschichte der Juden in der Region Franken
eingeweiht. Die Trägerschaft übernahmen die fünf Landkreise dieser Region.
Eine ständige Ausstellung, die sich vor allem auch für den Besuch von
Schulklassen und Jugendgruppen eignet, informiert über die Geschichte der Juden
in Franken, ihr Berufs- und Alltagsleben, die jüdischen Feiertage und vieles
mehr.
Fotos
Historische Fotos:
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Die Synagoge Michelbach um 1930 (Quelle: Jüdische Gotteshäuser und
Friedhöfe 1932 S. 102) |
Blick zum Toraschrein 1932 (Quelle: B. Stern) |
Fotos nach 1945/Gegenwart:
Fotos um 1965
(Quelle: Sauer s. Lit. Abb. 83 und Hauptstaatsarchiv Stuttgart): |
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Fotos 1979 vor Beginn der Restaurierung:
(Quelle: Taddey, Jerusalem s. Lit. Abb. 49f) |
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Blick zum Eingang und dem Bereich der ehemaligen Empore |
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Fotos 1982/83 während der
Restaurierung:
(Quelle: Taddey ebd. Abb. 70f) |
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Zu Beginn der Restaurierung |
Ein neuer Dachstuhl wird aufgerichtet |
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Fotos von der Einweihung der restaurierten
Synagoge am 12. Juli 1984:
(Fotos: Hahn) |
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Am Tag der Einweihung mit Fahnenschmuck |
Ehrengäste bei der Besichtigung der ehemaligen Synagoge |
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Rede von Prof. Herbert Strauss vom Institut für Antisemitismusforschung
in Berlin |
Rede von Landesrabbiner D. Joel Berger, Stuttgart
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Vortrag von Oberstaatsarchivrat Dr. Gerhard Taddey
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Die ehemalige Synagoge als Museum
(Foto: A. Winkler) |
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Rechts und Links ist ein Teil der Vitrinen mit der Ausstellungsstücken zu
sehen |
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Fotos 2003
(Fotos: Hahn und A. Winkler): |
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Blick zum Eingang der ehemaligen Synagoge, von der Judengasse her kommend |
Eingang zum ehemaligen Betsaal |
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Die ehemalige Synagoge von Osten gesehen (Foto: A. Winkler) |
Der Hochzeitsstein |
Hinweistafeln am Eingang |
Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Paul Sauer: Die jüdischen Gemeinden in Württemberg und
Hohenzollern. 1966. S. 126ff. |
 | Gerhard Taddey: Die jüdische Gemeinde von
Michelbach/Lücke. 1984. |
 | ders.: Kein kleines Jerusalem. Geschichte der Juden im
Landkreis Schwäbisch Hall. 1992. (= Forschungen aus
Württembergisch Franken Bd. 36). |
 | Gedenkstätte Synagoge Michelbach/Lücke (Gemeinde Wallhausen).
Dokumentation zur Geschichte der Juden in der Region Franken, hg. vom
Kreisarchiv Schwäbisch Hall. Schwäbisch Hall 1984. |
 | Joachim Hahn: Synagogen in Baden-Württemberg. 1987.
S. 70ff. |
 | Uri R. Kaufmann: Die Synagogen - Ablege in
Wallhausen-Michelbach an der Lücke. Fragen zur jüdischen Kultur
Württembergisch-Frankens. in: Württembergisch Franken 82 1998 S.
143-156. |
 | Otto Ströbel: Juden und Christen in dörflicher
Gemeinschaft. Geschichte der Judengemeinde Michelbach/Lücke. Crailsheim
2000. |
 | Emily C. Rose: Als Moises Katz seine Stadt vor
Napoleon rettete: meiner jüdischen Geschichte
auf der Spur. 1999; englisch: Portraits of Our Past: Jews of the German
Countryside. 2001. |
 | Joseph Walk (Hrsg.): Württemberg - Hohenzollern -
Baden. Reihe: Pinkas Hakehillot. Encyclopedia of Jewish Communities from
their foundation till after the Holocaust (hebräisch). Yad Vashem Jerusalem
1986. S. . |
 | Joachim
Hahn / Jürgen Krüger: "Hier ist nichts anderes als
Gottes Haus...". Synagogen in Baden-Württemberg. Band 1: Geschichte
und Architektur. Band 2: Orte und Einrichtungen. Hg. von Rüdiger Schmidt,
Badische Landesbibliothek, Karlsruhe und Meier Schwarz, Synagogue Memorial,
Jerusalem. Stuttgart 2007.
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Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the
Holocaust".
First published in 2001 by NEW
YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad
Vashem Jerusalem, Israel.
Michelbach an der
Luecke Wuerttemberg. The first Jews were apparently refugees from
Rothenburg (1519-20). The community grew rapidly in the 19th century, numbering
216 (total 692) in 1869 but thereafter declining steadily through emigration.
The first synagogue was built in 1755 and a Jewish school was founded in the
1830s. From the second half of the 19th century, Jews were mainly engaged in the
cattle and horse trade and were among the town's wealthier residents, fully
involved in local life. The Gundelfinger family were social leaders and founders
of large steel plants in Nuremberg and Ulm. In
1933, 33 Jews remained, suffering from the social and economic boycott imposed
by the Nazis. Thirteen emigrated and of the 18 sent to ghettoes in Riga (1 December 1941) and Theresienstadt (22 August 1942) two
survived.

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