Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Michelbach an der Lücke (Gemeinde Wallhausen, Landkreis Schwäbisch Hall) 
Jüdische Geschichte / Betsaal/Synagoge

   
Hinweis
: Informationen des Fördervereins - Bitte um Spenden   

Wer für die Sanierung der Synagoge in Michelbach/Lücke spenden will, zahlt unter dem Stichwort "Synagoge Michelbach" auf das Konto der Gemeinde Wallhausen mit der Nummer 35 003 030 bei der VR Bank Schwäbisch Hall-Crailsheim ein (Bankleitzahl: 622 901 10).
  
Wer eine Führung durch die Synagoge haben will, wendet sich an Pfarrer Bernhard Ritter, den Vorsitzenden des "Fördervereins Synagoge Michelbach" (Telefon 0 79 55 / 22 46). Anlässe für Führungen, so Ritter, können auch Geburtstage oder Familienfeiern sein. Ansonsten ist die Synagoge jeden ersten Sonntag im Monat (Mai bis Oktober) geöffnet.
  
Wer sich für die Arbeit des Fördervereins interessiert, kann sich ebenfalls an Pfarrer Ritter wenden.
   
Eine Neukonzeption der Ausstellung in der Synagoge ist derzeit in Arbeit. Das ehemalige jüdische Gotteshaus (1757 wurde es geweiht) ist seit 1984 Gedenkstätte und Dokumentationszentrum für die Geschichte der Juden in der Region Franken." 

Eingestellt am 8. Juni 2010.  
 
Website des Fördervereins: www.synagoge-michelbach-luecke.de     

  

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer   
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen
Links und Literatur   

     
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde
 
(english version)

In dem (seit 1631) bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts als Reichslehen zur Herrschaft Schwarzenberg gehörenden Michelbach bestand eine jüdische Gemeinde bis 1939. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 16./17. Jahrhunderts zurück. Möglicherweise haben sich in der Gemeinde bereits einige der jüdischen Personen niedergelassen, die 1519/20 aus Rothenburg ob der Tauber vertrieben worden waren. Die ersten Nachweise jüdischer Einwohner liegen aus den Jahren 1556 (Mosche von Michelbach) und 1594 bis 1596 (Judas Jud zu Michelbach) vor. 
   
Nach dem Dreißigjährigen Krieg lebten sieben jüdische Familien am Ort (1660). Im 18. Jahrhundert nahm die Zahl weiter zu: 1796 waren 26 jüdische Familien am Ort. Das jüdische Wohngebiet konzentrierte sich zunächst auf die heute noch sogenannte "Judengasse"; später wohnten jüdische Familien auch in anderen Straßen des Ortes. 1732 besaßen die jüdischen Familien 13 Häuser am Ort, die christlichen Familien 47 Häuser.    
   
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1812 139 jüdische Einwohner, 1824 172 (24,2 % von insgesamt 711 Einwohnern), 1847 184 (25,4 % von 723), höchste Zahl um 1858 mit 225 Personen, 1869 216 (31,2 % von insgesamt 692 Einwohnern), 1885 158 (22,3 % von 708), 1900 129 (19,5 % von 661), 1910 81 (13,3 % von 607). Die jüdischen Familien lebten überwiegend vom Handel mit Vieh und Pferden, Landesprodukten und Waren. Die 1828 festgeschriebenen Familiennamen waren insbesondere Elkan, Grünsfelder, Gundelfinger, Landauer und Stern. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts sind zahlreiche jüdische Einwohner nach Nordamerika, einer (Nathan Jakob Landauer) nach Australien ausgewandert. 
  
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge (s.u.), eine jüdische Schule (Israelitische Volksschule; Schulhaus zunächst als Anbau zur Synagoge in der Judenhasse, seit 1844 Schulhaus in der Leitsweiler Straße 15), ein rituelles Bad (unterhalb der heutigen Scheune des Anwesens Judengasse 9; Badhaus wurde 1938 abgebrochen, die Scheune darüber 1949 erbaut) und einen Friedhof. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war. 1832 wurde die Gemeinde dem Rabbinat Braunsbach zugeteilt.  
  
Im Ersten Weltkrieg fiel aus der jüdischen Gemeinde Nathan Gundelfinger (geb. 6.12.1894 in Michelbach, gef. 18.5.1918). 
  
Die jüdischen Einwohner waren im Leben des Ortes weitestgehend integriert. Um 1900 waren Hermann Gundelfinger und Otto Leininger (letzterer Inhaber einer örtlichen Privatbank), etwas später Nathan Landauer Mitglieder des Gemeinderates.   
  
Um 1924, als zur Gemeinde noch 45 jüdische Personen gehörten (8,1 % von insgesamt 555 Einwohnern), waren die Gemeindevorsteher Isaak Straus, Lippmann Gundelfinger und Nathan Landauer. Als Religionslehrer, Kantor und Schochet war Isaak Straus tätig (er hatte im Ersten Weltkrieg auch den Unterricht an der evangelischen Volksschule erteilt). In Michelbach hatte er damals noch einem jüdischen Kind den Religionsunterricht zu erteilen. Es gab noch die folgenden jüdischen Vereine in der Gemeinde: die Chewrat Jeruscholajim (1924 unter Leitung von Lehrer Straus mit 18 Mitgliedern) und der Wohltätigkeitsverein Chewrat Gemilut Chassodim (1924 unter Leitung von Abraham Ries mit 18 Mitgliedern). 1932 war Gemeindevorsteher Feudy Stern. Einen eigenen Lehrer hatte die Gemeinde nicht mehr, sondern wurde durch Lehrer Wilhelm Kahn aus Crailsheim mitbetreut (die Ausschreibung der Stelle 1929 war vermutlich nicht mehr erfolgreich gewesen). Lehrer Kahn erteilte im Schuljahr 1931/32 zwei Kindern der Gemeinde den Religionsunterricht. 
   
An ehemaligen, teilweise bis nach 1933 bestehenden Handelsbetrieben/jüdischen Wohnhäuser sind bekannt: Viehhandlung Moritz Eichberg (Wallhauser Straße 22); Viehhandlung David Gundelfinger (langjähriger ehrenamtlicher Vorbeter und Vorsteher der Gemeinde; Reubacher Straße 32), Familie Hugo Gundelfinger (Gailrother Straße 1), Irma Gundelfinger (Reubacher Straße 21), Handelsmann Isaak Gundelfinger (Judengasse 3), Familie Lippmann Gundelfinger (gest. 1931, Reubacher Straße 16), Viehhandlung Samuel Gundelfinger (Rossbürger Straße 1, ab 1939 Reubacher Straße 10), Viehhandlung Louis Ries (Reubacher Straße 20), Woll- und Schnittwaren Vaitel Stern (Reubacher Straße 6). 
Jüdische Häuser im 19./teils bis Anfang 20. Jahrhundert waren außerdem (Auswahl): Hofgasse 2,8; Judengasse 1,3,4,5,7,8; Reubacher Straße 2,3,7,8,10,11,14,16,19,20,22; Schlossstraße 14,16; Leitsweiler Straße 3,7,12,18,20,22; Wallhauser Straße 7,11.
         
Zur Gemeinde gehörten in den 1920er-Jahren auch die - nach Auflösung der dortigen jüdischen Gemeinde - noch in Wiesenbach lebenden jüdischen Personen; bereits vor 1932 wurden auch die in Gerabronn lebenden jüdischen Einwohner der Gemeinde Michelbach zugeteilt.        
  
1933 wohnten noch 35 jüdische Einwohner in Michelbach. Auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts und der zunehmenden Entrechtung hat ein Teil von ihnen in den folgenden Jahren Michelbach verlassen. Mehrere konnten emigrieren. Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge demoliert (s.u.). Insgesamt 18 der jüdischen Einwohner von 1933 wurden am  1. Dezember 1941 nach Riga beziehungsweise am 22. August 1942 nach Theresienstadt deportiert. Von ihnen kehrten 1945 nur die später in den USA lebende Thea Gundelfinger und Moritz Eichberg zurück.       
  
Von den in Michelbach geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"):  Paula Dreyfus geb. Gundelfinger (1894), Maximilie (Maxi) Eichberg geb. Oppenheimer (1894), Albert Elkan (1880), Klara (Clara) Elkan geb. Elkan (1878), Hugo Elkan (1882), Selma Essinger geb. Löwenberger (1883), Jenny Grimminger geb. Stern (1895), Flora Grünsfelder geb. Rosenthal (1857), Nathan Grünsfelder (1884), Adelheid Gundelfinger geb. Berney (1868), Alfred Gundelfinger (1885), David Gundelfinger (1857), Heinz Gundelfinger (1932), Hugo Gundelfinger (1898), Kurt Gundelfinger (1936), Mina Gundelfinger geb. Gutmann (1895), Peppi Gundelfinger geb. Elkan (1871), Samuel Gundelfinger (1869), Sara Gundelfinger geb. Stern (1861), Selma Gundelfinger geb. Künstler (1905), Frieda Gutmann geb. Gundelfinger (1888), Helga Kuder (1927), Irma Kuder geb. Gundelfinger (1903), Walter Kuder (1930), Bernhard Löwenberger (1892), Senta Meyer geb. Stern (1903), Meta Neumann geb. Gundelfinger (1885), Martha Neustätter geb. Löwenberger (1888), Julie Ries geb. Gundelfinger (1858), Nathan Rosenthal (1888), Irma Schild geb. Gundelfinger (1892), Marta Selig (1903), Benjamin (Beni) Stern (1862), Clotilde Wassermann geb. Leiniger (1870).        
 
Nach 1945 kehrte nur der Viehhändler Moritz Eichberg nach Michelbach zurück, wo er bis 1961 lebte.   
   
      
   

Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
 
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer  
Ausschreibung der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet 1929   

Michelbach Israelit 31011929.jpg (75039 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 31. Januar 1929: "Die Stelle eines unständigen Religionslehrers für die israelitische Religionsgemeinde Michelbach a.d. Lücke soll wieder besetzt werden. Die Stelle wird mit einem Bewerber besetzt, der die deutsche Reichangehörigkeit besitzt und die erste Volksschullehrerdienstprüfung erstanden hat. Die Besoldung wird nach den Grundsätzen für staatliche Lehrer berechnet und aus der Israelitischen Zentralkasse bezahlt. Dienstwohnung ist vorhanden. Bewerber, die bereit sind, die Schechitah auszuüben, wollen sich unter Darstellung ihres Lebenslaufs und Anschluss ihrer Zeugnisse bis zum 22. Februar 1929 melden bei Oberrat der Israelitischen Religionsgemeinschaft Württemberg, Stuttgart, Reinsburgstraße 19/II."

  
Lehrer Mainhardt wird ausgezeichnet (1847) 
Anmerkung: David Mainhardt ist am 13. Mai 1811 in Michelbach als Sohn eines Handelsmannes geboren. 1828 bis 1831 ließ er sich im Lehrerseminar in Esslingen ausbilden und war von 1832 bis 1848 als Lehrer in Michelbach a.d.L. tätig, danach in Hochberg, wo er 1871 verstarb.    

Michelbach AZJ 18011847.jpg (81285 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 18. Januar 1847: "In der neuesten Nummer des Regierungsblatts wurde unter den Lehrern, welche die evangelische Synode der für das Jahr 1846/47 ausgesetzten Belohnungen für würdig erkannte, auch Lehrer Mainhardt an der israelitischen Schule zu Michelbach an der Lücke, Dekanats Blaufelden angeführt. Derselbe soll auch als tüchtiger Kirchenvorsteher von der Oberkirchenbehörde anerkannt sein. Überhaupt haben wir in Württemberg viele wackere Lehrer aufzuweisen, die nicht allein dem Lehrfache gewachsen, sondern auch als Präsides des Kirchenvorstandes (in Orten, wo kein Rabbinatssitz ist) im Gemeindewesen sehr viel Kenntnisse und Routine haben."    

    
   

    

Zur Geschichte der Synagoge

Wohngebiet und Betsaal/Synagoge. Das jüdische Wohngebiet konzentrierte sich zunächst auf die heute noch so genannte "Judengasse". 1756/57 wurde eine Synagoge erbaut, die einen bis dahin benutzten Betsaal in einem der jüdischen Privathäuser ersetzte. Dieses Haus war inzwischen "gänzlich zerrüttelt und baufällig geworden", sodass ein Neubau unumgänglich war. Ein in jüdischem Besitz befindlicher Garten diente als Baugrundstück. Die zuständige Ortsherrschaft erteilte im Oktober 1756 die Baugenehmigung. Der Betsaal erhielt ein für den Synagogenbau dieser Zeit geläufiges Tonnengewölbe und eine Frauenempore. Äußerlich gaben die Rundbogenfenster, die kleine Apsis an der Ostseite und das darüber befindliche Rundfenster dem Gebäude einen würdevollen und für ein kleines Dorf durchaus repräsentativen Charakter. 

1859/60 wurde die Synagoge für 275 Gulden renoviert. Der württembergische König stiftete der Gemeinde aus Anlass der Renovierung vier Kronleuchter. 

Der König vermacht der Synagoge vier Kronleuchter (1859)  

Michelbach AZJ 06061859.jpg (101438 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 6. Juni 1859: "...Erst kürzlich schenkte auch Seine königliche Majestät der israelitischen Gemeinde Michelbach für ihre restaurierte Synagoge vier Kronleuchter."   

Die Michelbacher Synagoge blieb Bethaus der jüdischen Gemeinde, bis sie beim Novemberpogrom 1938 demoliert wurde. Während des Krieges war das Gebäude als Munitionslager von der Flugplatzverwaltung Crailsheim beschlagnahmt. 1949 ging es in Privatbesitz über und diente schließlich einer Mostkellerei als Lagerraum.   
  
Mitte der 1970er-Jahre machte der Besitzer des Synagogengebäudes beim Landratsamt Schwäbisch Hall eine Eingabe, das mittlerweile verwahrloste Gebäude zum Bau eines neuen Lagerraumes abbrechen zu dürfen. Der Landkreis erteilte keine Genehmigung, vielmehr löste der drohende Abbruch Bemühungen aus, das Synagogengebäude zu retten. 1978 erwarb die Gemeinde Wallhausen mit Mitteln des Landkreises das Haus, das ein Jahr später in das Schwerpunktprogramm Denkmalpflege des Landes Baden-Württemberg als erhaltenswertes Baudenkmal aufgenommen wurde. Für die Wiederherstellung wurden aus diesem Programm rund eine halbe Million Mark (= ca. 250.000 Euro) aus Landesmitteln zur Verfügung gestellt.   
      
Das Gebäude war vor der 1982 begonnenen Restaurierung in höchst baufälligem Zustand. Das Gewölbe der Decke war kurz vor dem Einsturz. Durch einen Betongurt in Traufhöhe konnte der Bau stabilisiert werden. Das Dach wurde nach dem alten Konstruktionssystem neu gerichtet. Im Inneren wurden die originalen Wand- und Deckenbemalungen wiederhergestellt. Durch Zufall fand man bei dem aus Niederstetten emigrierten Bruno Stern, der in New York lebte, ein Foto, das einen Teil des Innenraums im Zustand von 1932 zeigte. Mit Hilfe dieser Aufnahme konnte ein Teil des Toraschreines und des Almemors rekonstruiert werden.   
     
Am 12. Juli 1984 wurde das Gebäude als Dokumentationszentrum für die Geschichte der Juden in der Region Franken eingeweiht. Die Trägerschaft übernahmen die fünf Landkreise dieser Region. Eine ständige Ausstellung, die sich vor allem auch für den Besuch von Schulklassen und Jugendgruppen eignet, informiert über die Geschichte der Juden in Franken, ihr Berufs- und Alltagsleben, die jüdischen Feiertage und vieles mehr.
   

 

Fotos 
Historische Fotos: 

Michelbach Synagoge1932.jpg (183259 Byte) Michelbach Synagoge 002.jpg (71181 Byte)
Die Synagoge Michelbach um 1930 (Quelle: Jüdische Gotteshäuser und Friedhöfe 1932 S. 102) Blick zum Toraschrein 1932 
(Quelle: B. Stern)


Fotos nach 1945/Gegenwart:  

Fotos um 1965
(Quelle: Sauer s. Lit. Abb. 83 und Hauptstaatsarchiv Stuttgart):
Michelbach Synagoge 090.jpg (79477 Byte) Michelbach Synagoge 091.jpg (59562 Byte)
      
      
Fotos 1979 vor Beginn der Restaurierung:
(Quelle: Taddey, Jerusalem s. Lit. Abb. 49f)
Michelbach Synagoge 085.jpg (80308 Byte) Michelbach Synagoge 086.jpg (67125 Byte)
      Blick zum Eingang und dem Bereich der ehemaligen Empore
      
Fotos 1982/83 während der Restaurierung: 
(Quelle: Taddey ebd. Abb. 70-71)
Michelbach Synagoge 080.jpg (91649 Byte) Michelbach Synagoge 081.jpg (95918 Byte)
Zu Beginn der Restaurierung Ein neuer Dachstuhl wird aufgerichtet
     
Fotos von der Einweihung der restaurierten Synagoge am 12. Juli 1984:
(Fotos: Hahn)
Michelbach Synagoge 114.jpg (81537 Byte) Michelbach Synagoge 110.jpg (64348 Byte)
  Am Tag der Einweihung 
mit Fahnenschmuck
Ehrengäste bei der Besichtigung 
der ehemaligen Synagoge
     
 Michelbach Synagoge 113.jpg (59504 Byte) Michelbach Synagoge 111.jpg (60010 Byte) Michelbach Synagoge 112.jpg (60901 Byte)
Rede von Prof. Herbert Strauss vom Institut für Antisemitismusforschung in Berlin Rede von Landesrabbiner 
D. Joel Berger, Stuttgart
Vortrag von Oberstaatsarchivrat 
Dr. Gerhard Taddey
     
Die ehemalige Synagoge als Museum 
(Foto: A. Winkler)
Michelbach Synagoge Museum.JPG (183908 Byte)   
  Rechts und Links ist ein Teil der Vitrinen mit der Ausstellungsstücken zu sehen  
     
Fotos 2003
(Fotos: Hahn und A. Winkler)
Michelbach Synagoge201.jpg (40486 Byte) Michelbach Synagoge202.jpg (41783 Byte)
 
 
 Blick zum Eingang der ehemaligen Synagoge, von der Judengasse her kommend  Eingang zum 
ehemaligen Betsaal
     
Michelbach Synagoge AW3.JPG (175112 Byte) Michelbach Synagoge203.jpg (14195 Byte) Michelbach Synagoge204.jpg (25409 Byte)
Die ehemalige Synagoge von Osten gesehen (Foto: A. Winkler) Der Hochzeitsstein Hinweistafeln am Eingang 

    
  

Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte 

Juni 2010: Führung durch die Synagoge durch Pfarrer Bernhard Ritter, Vorsitzender des "Fordervereins Synagoge Michelbach"  
Michelbach Synagoge 860.jpg (57212 Byte)Foto links (Privatfoto): Pfarrer Bernhard Ritter in der Synagoge von Michaelbach an der Lücke - eine der ältesten ihrer Art in ganz Baden-Württemberg.     
Artikel in der "Südwestpresse" vom 19. Juni 2010 (Artikel): "Sich dunklem Kapitel stellen. 
Michelbach/Lücke. 20 Interessierte des Bezirksarbeitskreises Frauen besichtigten kürzlich zusammen mit Pfarrer Bernhard Ritter eine der ältesten noch erhaltenen Synagogen in Württemberg - die Synagoge in Michelbach/Lücke.
Die Frauen erfuhren, dass sich bereits 1520 nach der Judenvertreibung in Rothenburg eine kleine jüdische Gemeinde in Michelbach/Lücke angesiedelt hatte. Zirka 100 Jahre später erhielten die Juden von ihrem damaligen Grundherren, dem Fürsten von Schwarzenberg die Privilegien, Grundbesitz zu erwerben, Häuser zu bauen und auch ihre innerreligiösen Angelegenheiten selbst zu regeln. So wurde ihnen dann auch 1756 die Genehmigung für den Bau dieser Synagoge erteilt. Erst 1840 erhielt die jüdische Gemeinde dann auch noch die Erlaubnis, einen eigenen Friedhof am Rande der Gemarkung anzulegen, dadurch blieb ihnen dann der weite Weg nach Schopfloch erspart.
1933 lebten noch 35 Juden in Michelbach/Lücke, die jedoch dann ihre Geschäfte schließen mussten, als die gesellschaftliche Ächtung der Juden begann. In der Reichspogromnacht am 9. November 1938 wurde die Synagoge zwar nicht angezündet, doch die Inneneinrichtung wurde völlig zerstört und das Gebäude durfte fortan nicht mehr genützt werden, später war sie dann Munitions- und Getränkelager. Bereits am 27. November 1938 wurden die ersten Juden über Crailsheim nach Stuttgart abtransportiert. Alle nicht arbeitsfähigen Juden wurden sofort umgebracht, der Rest kam zum Arbeitsdienst ins Konzentrationslager. So kam es, dass bis Ende 1941 die letzten Juden aus Michelbach deportiert wurden - bis zum 22. August 1942 wurde Württemberg so judenfrei gemacht.
Auf dem Friedhof wurden bis 1938 etwa 371 Juden aus den umliegenden Orten Michelbach, Hengstfeld und Wiesenbach bestattet. Da die Gräber grundsätzlich nur einmal belegt werden können, musste dieser schon bald erweitert werden. Da der Friedhof für Juden ein heiliger Ort ist, werden die Männer auch heute noch gebeten, ihn nur mit einer Kopfbedeckung zu betreten.
Erst als vor Jahren die an die Synagoge angebaute Getränkehandlung Ehnes einen Abbruchantrag für das sehr heruntergekommene Gebäude stellte, wurde im Landratsamt festgestellt, dass es sich hier um eine der ältesten erhaltenen Synagogen in Württemberg handelt. Der Abbruch wurde abgelehnt, das Gebäude renoviert und 1984 als jüdische Gedenkstätte wiederhergestellt. Heute gibt es einen Förderverein Synagoge, der es sich zur Aufgabe gemacht hat dieses historische Gebäude für die Nachwelt zu erhalten. Die teilnehmenden Frauen waren durch das Gehörte und Gesehene sehr beeindruckt und empfanden es als sehr wichtig, sich auch diesem dunklen Kapitel der Geschichte zu stellen, das in so unmittelbarer Nähe seine Spuren hinterlassen hat. pm."
 
 

    
    

Links und Literatur

Links:

Website der Gemeinde Wallhausen

Literatur:

Paul Sauer: Die jüdischen Gemeinden in Württemberg und Hohenzollern. 1966. S. 126-129.
Gerhard Taddey: Die jüdische Gemeinde von Michelbach/Lücke. 1984.
ders.: Kein kleines Jerusalem. Geschichte der Juden im Landkreis Schwäbisch Hall. 1992. (= Forschungen aus Württembergisch Franken Bd. 36).
Gedenkstätte Synagoge Michelbach/Lücke (Gemeinde Wallhausen). Dokumentation zur Geschichte der Juden in der Region Franken, hg. vom Kreisarchiv Schwäbisch Hall. Schwäbisch Hall 1984.
Joachim Hahn: Synagogen in Baden-Württemberg. 1987. S. 70-72.
Uri R. Kaufmann: Die Synagogen - Ablege in Wallhausen-Michelbach an der Lücke. Fragen zur jüdischen Kultur Württembergisch-Frankens. in: Württembergisch Franken  82 1998 S. 143-156.
Otto Ströbel: Juden und Christen in dörflicher Gemeinschaft. Geschichte der Judengemeinde Michelbach/Lücke. Crailsheim 2000.
Emily C. Rose: Als Moises Katz seine Stadt vor Napoleon rettete: meiner jüdischen Geschichte auf der Spur. 1999; englisch: Portraits of Our Past: Jews of the German Countryside. 2001.
Joseph Walk (Hrsg.): Württemberg - Hohenzollern - Baden. Reihe: Pinkas Hakehillot. Encyclopedia of Jewish Communities from their foundation till after the Holocaust (hebräisch). Yad Vashem Jerusalem 1986. S. 112-114.  
synagogenbuch-1.jpg (32869 Byte)Joachim Hahn / Jürgen Krüger: "Hier ist nichts anderes als Gottes Haus...". Synagogen in Baden-Württemberg. Band 1: Geschichte und Architektur. Band 2: Orte und Einrichtungen. Hg. von Rüdiger Schmidt, Badische Landesbibliothek, Karlsruhe und Meier Schwarz, Synagogue Memorial, Jerusalem. Stuttgart 2007.    
  
  

    
  


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Michelbach an der Luecke Wuerttemberg. The first Jews were apparently refugees from Rothenburg (1519-20). The community grew rapidly in the 19th century, numbering 216 (total 692) in 1869 but thereafter declining steadily through emigration. The first synagogue was built in 1755 and a Jewish school was founded in the 1830s. From the second half of the 19th century, Jews were mainly engaged in the cattle and horse trade and were among the town's wealthier residents, fully involved in local life. The Gundelfinger family were social leaders and founders of large steel plants in Nuremberg and Ulm. In 1933, 33 Jews remained, suffering from the social and economic boycott imposed by the Nazis. Thirteen emigrated and of the 18 sent to ghettoes in Riga (1 December 1941) and Theresienstadt (22 August 1942) two survived.  
   

  

                   
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Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 17. Juli 2010