Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Michelbach an der Lücke (Gemeinde Wallhausen, Landkreis Schwäbisch Hall) 
Jüdische Geschichte / Betsaal/Synagoge

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer   
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen
Links und Literatur   

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Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  (english version)

In dem bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts zur Herrschaft Schwarzenberg gehörenden Michelbach bestand eine jüdische Gemeinde bis 1939. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 16./17. Jahrhunderts zurück. Vermutlich haben sich in der Gemeinde auch einige Personen niedergelassen, die 1519/20 aus Rothenburg ob der Tauber vertrieben worden waren. Der erste Nachweis eines jüdischen Bewohners liegt von 1566 vor (Mosche von Michelbach). 
   
Nach dem Dreißigjährigen Krieg lebten sieben jüdische Familien am Ort (1660). 
   
Die höchste Zahl jüdischer Einwohner wurde um 1858 mit 225 Personen erreicht, was einem Drittel der Dorfbevölkerung entsprach. Die jüdischen Familien lebten damals überwiegend vom Handel mit Vieh, Landesprodukten und Waren. Nach 1860 ging die Zahl der jüdischen Einwohner durch Ab- und Auswanderungen sehr stark zurück. 1832 wurde die Gemeinde dem Rabbinat Braunsbach zugeteilt. 

1933 wohnten noch 35 jüdische Einwohner in Michelbach. In ihrem Besitz waren vier Viehhandlungen und ein Textilgeschäft. 
  
Von den in Michelbach geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"):  Paula Dreyfus geb. Gundelfinger (1894), Maximilie (Maxi) Eichberg geb. Oppenheimer (1894), Albert Elkan (1880), Klara (Clara) Elkan geb. Elkan (1878), Hugo Elkan (1882), Selma Essinger geb. Löwenberger (1883), Jenny Grimminger geb. Stern (1895), Flora Grünsfelder geb. Rosenthal (1857), Nathan Grünsfelder (1884), Adelheid Gundelfinger geb. Berney (1868), Alfred Gundelfinger (1885), David Gundelfinger (1857), Heinz Gundelfinger (1932), Hugo Gundelfinger (1898), Kurt Gundelfinger (1936), Mina Gundelfinger geb. Gutmann (1895), Peppi Gundelfinger geb. Elkan (1871), Samuel Gundelfinger (1869), Sara Gundelfinger geb. Stern (1861), Selma Gundelfinger geb. Künstler (1905), Frieda Gutmann geb. Gundelfinger (1888), Helga Kuder (1927), Irma Kuder geb. Gundelfinger (1903), Walter Kuder (1930), Bernhard Löwenberger (1892), Senta Meyer geb. Stern (1903), Meta Neumann geb. Gundelfinger (1885), Martha Neustätter geb. Löwenberger (1888), Julie Ries geb. Gundelfinger (1858), Nathan Rosenthal (1888), Irma Schild geb. Gundelfinger (1892), Marta Selig (1903), Benjamin (Beni) Stern (1862), Clotilde Wassermann geb. Leiniger (1870).        
 
Nach 1945 kehrte nur der Viehhändler Moritz Eichberg nach Michelbach zurück, wo er bis 1961 lebte.   
   

Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
 
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer  
Ausschreibung der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet 1929   

Michelbach Israelit 31011929.jpg (75039 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 31. Januar 1929: "Die Stelle eines unständigen Religionslehrers für die israelitische Religionsgemeinde Michelbach a.d. Lücke soll wieder besetzt werden. Die Stelle wird mit einem Bewerber besetzt, der die deutsche Reichangehörigkeit besitzt und die erste Volksschullehrerdienstprüfung erstanden hat. Die Besoldung wird nach den Grundsätzen für staatliche Lehrer berechnet und aus der Israelitischen Zentralkasse bezahlt. Dienstwohnung ist vorhanden. Bewerber, die bereit sind, die Schechitah auszuüben, wollen sich unter Darstellung ihres Lebenslaufs und Anschluss ihrer Zeugnisse bis zum 22. Februar 1929 melden bei Oberrat der Israelitischen Religionsgemeinschaft Württemberg, Stuttgart, Reinsburgstraße 19/II."

  
Lehrer Meinhardt wird ausgezeichnet (1847)  

Michelbach AZJ 18011847.jpg (81285 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 18. Januar 1847: "In der neuesten Nummer des Regierungsblatts wurde unter den Lehrern, welche die evangelische Synode der für das Jahr 1846/47 ausgesetzten Belohnungen für würdig erkannte, auch Lehrer Meinhardt an der israelitischen Schule zu Michelbach an der Lücke, Dekanats Blaufelden angeführt. Derselbe soll auch als tüchtiger Kirchenvorsteher von der Oberkirchenbehörde anerkannt sein. Überhaupt haben wir in Württemberg viele wackere Lehrer aufzuweisen, die nicht allein dem Lehrfache gewachsen, sondern auch als Präsides des Kirchenvorstandes (in Orten, wo kein Rabbinatssitz ist) im Gemeindewesen sehr viel Kenntnisse und Routine haben."    

    
   

    

Zur Geschichte der Synagoge

Wohngebiet und Betsaal/Synagoge. Das jüdische Wohngebiet konzentrierte sich zunächst auf die heute noch so genannte "Judengasse". 1756/57 wurde eine Synagoge erbaut, die einen bis dahin benutzten Betsaal in einem der jüdischen Privathäuser ersetzte. Dieses Haus war inzwischen "gänzlich zerrüttelt und baufällig geworden", sodass ein Neubau unumgänglich war. Ein in jüdischem Besitz befindlicher Garten diente als Baugrundstück. Die zuständige Ortsherrschaft erteilte im Oktober 1756 die Baugenehmigung. Der Betsaal erhielt ein für den Synagogenbau dieser Zeit geläufiges Tonnengewölbe und eine Frauenempore. Äußerlich gaben die Rundbogenfenster, die kleine Apsis an der Ostseite und das darüber befindliche Rundfenster dem Gebäude einen würdevollen und für ein kleines Dorf durchaus repräsentativen Charakter. 

1859/60 wurde die Synagoge für 275 Gulden renoviert. Der württembergische König stiftete der Gemeinde aus Anlass der Renovierung vier Kronleuchter. 

Der König vermacht der Synagoge vier Kronleuchter (1859)  

Michelbach AZJ 06061859.jpg (101438 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 6. Juni 1859: "...Erst kürzlich schenkte auch Seine königliche Majestät der israelitischen Gemeinde Michelbach für ihre restaurierte Synagoge vier Kronleuchter."   

Die Michelbacher Synagoge blieb Bethaus der jüdischen Gemeinde, bis sie beim Novemberpogrom 1938 demoliert wurde. Während des Krieges war das Gebäude als Munitionslager von der Flugplatzverwaltung Crailsheim beschlagnahmt. 1949 ging es in Privatbesitz über und diente schließlich einer Mostkellerei als Lagerraum.   
  
Mitte der 1970er-Jahre machte der Besitzer des Synagogengebäudes beim Landratsamt Schwäbisch Hall eine Eingabe, das mittlerweile verwahrloste Gebäude zum Bau eines neuen Lagerraumes abbrechen zu dürfen. Der Landkreis erteilte keine Genehmigung, vielmehr löste der drohende Abbruch Bemühungen aus, das Synagogengebäude zu retten. 1978 erwarb die Gemeinde Wallhausen mit Mitteln des Landkreises das Haus, das ein Jahr später in das Schwerpunktprogramm Denkmalpflege des Landes Baden-Württemberg als erhaltenswertes Baudenkmal aufgenommen wurde. Für die Wiederherstellung wurden aus diesem Programm rund eine halbe Million Mark (= ca. 250.000 Euro) aus Landesmitteln zur Verfügung gestellt.   
      
Das Gebäude war vor der 1982 begonnenen Restaurierung in höchst baufälligem Zustand. Das Gewölbe der Decke war kurz vor dem Einsturz. Durch einen Betongurt in Traufhöhe konnte der Bau stabilisiert werden. Das Dach wurde nach dem alten Konstruktionssystem neu gerichtet. Im Inneren wurden die originalen Wand- und Deckenbemalungen wiederhergestellt. Durch Zufall fand man bei dem aus Niederstetten emigrierten Bruno Stern, der in New York lebte, ein Foto, das einen Teil des Innenraums im Zustand von 1932 zeigte. Mit Hilfe dieser Aufnahme konnte ein Teil des Toraschreines und des Almemors rekonstruiert werden.   
     
Am 12. Juli 1984 wurde das Gebäude als Dokumentationszentrum für die Geschichte der Juden in der Region Franken eingeweiht. Die Trägerschaft übernahmen die fünf Landkreise dieser Region. Eine ständige Ausstellung, die sich vor allem auch für den Besuch von Schulklassen und Jugendgruppen eignet, informiert über die Geschichte der Juden in Franken, ihr Berufs- und Alltagsleben, die jüdischen Feiertage und vieles mehr.
   

 

Fotos 
Historische Fotos: 

Michelbach Synagoge1932.jpg (183259 Byte) Michelbach Synagoge 002.jpg (71181 Byte)
Die Synagoge Michelbach um 1930 (Quelle: Jüdische Gotteshäuser und Friedhöfe 1932 S. 102) Blick zum Toraschrein 1932 (Quelle: B. Stern)


Fotos nach 1945/Gegenwart:  

Fotos um 1965
(Quelle: Sauer s. Lit. Abb. 83 und Hauptstaatsarchiv Stuttgart):
Michelbach Synagoge 090.jpg (79477 Byte) Michelbach Synagoge 091.jpg (59562 Byte)
     
     
Fotos 1979 vor Beginn der Restaurierung:
(Quelle: Taddey, Jerusalem s. Lit. Abb. 49f)
Michelbach Synagoge 085.jpg (80308 Byte) Michelbach Synagoge 086.jpg (67125 Byte)
      Blick zum Eingang und dem Bereich der ehemaligen Empore
      
Fotos 1982/83 während der Restaurierung: 
(Quelle: Taddey ebd. Abb. 70f)
Michelbach Synagoge 080.jpg (91649 Byte) Michelbach Synagoge 081.jpg (95918 Byte)
Zu Beginn der Restaurierung Ein neuer Dachstuhl wird aufgerichtet
     
Fotos von der Einweihung der restaurierten Synagoge am 12. Juli 1984:
(Fotos: Hahn)
Michelbach Synagoge 114.jpg (81537 Byte) Michelbach Synagoge 110.jpg (64348 Byte)
  Am Tag der Einweihung mit Fahnenschmuck Ehrengäste bei der Besichtigung der ehemaligen Synagoge
     
 Michelbach Synagoge 113.jpg (59504 Byte) Michelbach Synagoge 111.jpg (60010 Byte) Michelbach Synagoge 112.jpg (60901 Byte)
Rede von Prof. Herbert Strauss vom Institut für Antisemitismusforschung in Berlin Rede von Landesrabbiner D. Joel Berger, Stuttgart Vortrag von Oberstaatsarchivrat Dr. Gerhard Taddey
     
Die ehemalige Synagoge als Museum 
(Foto: A. Winkler)
Michelbach Synagoge Museum.JPG (183908 Byte)   
  Rechts und Links ist ein Teil der Vitrinen mit der Ausstellungsstücken zu sehen  
     
Fotos 2003
(Fotos: Hahn und A. Winkler):
Michelbach Synagoge201.jpg (40486 Byte) Michelbach Synagoge202.jpg (41783 Byte)
 
 
 Blick zum Eingang der ehemaligen Synagoge, von der Judengasse her kommend  Eingang zum ehemaligen Betsaal
     
Michelbach Synagoge AW3.JPG (175112 Byte) Michelbach Synagoge203.jpg (14195 Byte) Michelbach Synagoge204.jpg (25409 Byte)
Die ehemalige Synagoge von Osten gesehen (Foto: A. Winkler) Der Hochzeitsstein Hinweistafeln am Eingang 

  
  

Links und Literatur

Links:

Website der Gemeinde Wallhausen

Literatur:

Paul Sauer: Die jüdischen Gemeinden in Württemberg und Hohenzollern. 1966. S. 126ff.
Gerhard Taddey: Die jüdische Gemeinde von Michelbach/Lücke. 1984.
ders.: Kein kleines Jerusalem. Geschichte der Juden im Landkreis Schwäbisch Hall. 1992. (= Forschungen aus Württembergisch Franken Bd. 36).
Gedenkstätte Synagoge Michelbach/Lücke (Gemeinde Wallhausen). Dokumentation zur Geschichte der Juden in der Region Franken, hg. vom Kreisarchiv Schwäbisch Hall. Schwäbisch Hall 1984.
Joachim Hahn: Synagogen in Baden-Württemberg. 1987. S. 70ff.
Uri R. Kaufmann: Die Synagogen - Ablege in Wallhausen-Michelbach an der Lücke. Fragen zur jüdischen Kultur Württembergisch-Frankens. in: Württembergisch Franken  82 1998 S. 143-156.
Otto Ströbel: Juden und Christen in dörflicher Gemeinschaft. Geschichte der Judengemeinde Michelbach/Lücke. Crailsheim 2000.
Emily C. Rose: Als Moises Katz seine Stadt vor Napoleon rettete: meiner jüdischen Geschichte auf der Spur. 1999; englisch: Portraits of Our Past: Jews of the German Countryside. 2001.
Joseph Walk (Hrsg.): Württemberg - Hohenzollern - Baden. Reihe: Pinkas Hakehillot. Encyclopedia of Jewish Communities from their foundation till after the Holocaust (hebräisch). Yad Vashem Jerusalem 1986. S.  .  
synagogenbuch-1.jpg (32869 Byte)Joachim Hahn / Jürgen Krüger: "Hier ist nichts anderes als Gottes Haus...". Synagogen in Baden-Württemberg. Band 1: Geschichte und Architektur. Band 2: Orte und Einrichtungen. Hg. von Rüdiger Schmidt, Badische Landesbibliothek, Karlsruhe und Meier Schwarz, Synagogue Memorial, Jerusalem. Stuttgart 2007.    
  
  

    
  


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Michelbach an der Luecke Wuerttemberg. The first Jews were apparently refugees from Rothenburg (1519-20). The community grew rapidly in the 19th century, numbering 216 (total 692) in 1869 but thereafter declining steadily through emigration. The first synagogue was built in 1755 and a Jewish school was founded in the 1830s. From the second half of the 19th century, Jews were mainly engaged in the cattle and horse trade and were among the town's wealthier residents, fully involved in local life. The Gundelfinger family were social leaders and founders of large steel plants in Nuremberg and Ulm. In 1933, 33 Jews remained, suffering from the social and economic boycott imposed by the Nazis. Thirteen emigrated and of the 18 sent to ghettoes in Riga (1 December 1941) and Theresienstadt (22 August 1942) two survived.  
   

  

                   
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Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 13. Februar 2009