Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Nordstetten (Stadt Horb am Neckar, Landkreis Freudenstadt) 
Jüdische Geschichte / Betsaal/Synagoge  

Übersicht:  

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer und der Schule    
Aus dem jüdischen Gemeindeleben   
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde   
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Einzelpersonen    
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Plan  
Erinnerungsarbeit vor Ort - aktueller Bericht    
Links und Literatur   

    

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)   
  
In dem vom 17. bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts als österreichisches Lehen der Familie Keller von Schleitheim verliehenen Nordstetten bestand eine jüdische Gemeinde bis 1925. Ihre Entstehung geht in das 17. Jahrhundert zurück. Erstmals wird 1629 ein Jud Auerbacher aus Nordstetten genannt, der in Herrenberg getauft wird. 1712 wurden durch die Ortsherren Keller von Schleitheim jüdische Familien aus Hürben und Kriegshaber aufgenommen. 1772 wurden 18 jüdische Familien am Ort gezählt.
 
Noch im 18./19. Jahrhundert lagen fast alle "Judenhäuser" in der Nähe des Schlosses. 1787 entschieden sich die jüdischen Familien u.a. für folgende Familiennahmen: Auerbacher, Ochs, Frank, Rothschild, Levi, Ottenheimer, Kahn, Kuhn, Weil, Gideon (Gidion).  
  
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1807 176 jüdische Einwohner, 1824 240, höchste Zahl um 1846 mit 352 Personen in 72 Familien; 1861 201, 1886 62, 1900 65, 1910 39. Die Zahl ging seit Mitte der 19. Jahrhunderts überaus stark durch Abwanderung in die Städte (Horb, Stuttgart usw.) sowie durch Auswanderung nach Nordamerika zurück.   
 
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge, eine jüdische Schule (Konfessionsschule), ein rituelles Bad und einen Friedhof. Seit 1728 bestand eine Religionsschule. 1810 wurde in einem Teil des ehemaligen Gasthauses "Zur Sonne" ein Schulzimmer eingerichtet, worin 1822 die erste israelitische Volksschule Württembergs eröffnet wurde (Gebäude Hauptstraße 30; ab 1840 öffentliche Volksschule). 1844 bezogen die Kinder das dritte Schulzimmer im 1843 erbauten Dorfschulhaus (Hauptstraße 31). 1878 wurde die öffentliche jüdische Volksschule aufgelöst, jedoch bis 1906 noch als private jüdische Konfessionsschule weitergeführt. Zwischen Synagoge und dem 1972 abgerissenen Gasthaus "Ochsen" befand sich das gleichfalls nicht mehr bestehende Gemeindehaus (sog. "Kahlhaus", Kahal hebräisch = Gemeinde). In einem 1586 erbauten alten Wehrturm beim früheren Schloss (heute Rathaus) wurde ein rituelles Bad eingerichtet ("Judenbad"). Das Tauchbecken ist erhalten.  Die Toten wurden zunächst in Mühringen, seit 1797 in einem eigenen Friedhof auf einem Hügel in Richtung Dettensee beigesetzt. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war. 
 
Nordstetten war im 18. und zu Beginn des 19. Jahrhunderts Sitz eines Bezirksrabbinates, zu dem auch Dettensee und Haigerloch gehörten. Seit 1832 gehörte Nordstetten zum Rabbinat Mühringen.
     
Die 1933 noch ansässigen jüdischen Familien lebten überwiegend vom Viehhandel, doch gehörten auch eine Mazzenbäckerei und eine Zigarrenfabrik jüdischen Eigentümern. An ehemaligen, bis nach 1933 bestehenden jüdischen Handels- und Gewerbebetrieben sind bekannt: Fett-, Öl- und Seifenhandlung Siegmund Auerbacher (Hauptstraße 50/1), Zigarrenfabrik Gebr. Gideon (Fabrikweg 12), Mazzenbäckerei Leo Rothschild (Fabrikstraße 34/36), Viehhandlung Hermann Weil (Fabrikweg 3).
 
1933 wurden noch 12 jüdische Einwohner gezählt. Von ihnen konnten in den folgenden Jahren sieben auswandern, vier starben vor Beginn der Deportationen in Nordstetten. Beim Novemberpogrom 1938 war die Synagoge bereits geschlossen und abgebrochen. In der Nacht wurden die Fensterscheiben der Wohnungen der letzten jüdischen Einwohner eingeworfen.     
     
Von den in Nordstetten geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"):  Marie Auerbacher (1869), Mina Auerbacher geb. Schwab (1888), Sigmund Auerbacher (1869), Mina Bär geb. Rothschild (1859), Sofie Erlebacher geb. Philipp (1885), Clara Jordan geb. Rödelsheimer (1880), Ernst Levi (1892), Ludwig Levi (1896), Eugen Rothschild (1865) Max Rothschild (1886), David Schmal (1870), Karl Schmal (1873), Flora Vooß geb. Rotschild (1894). 
   

Nordstetten Auerbach.jpg (9792 Byte)In Nordstetten ist 1812 Berthold Auerbach geboren, der im 19. Jahrhundert zu den meistgelesenen Schriftstellern Deutschlands gehörte. Er ist 1882 in Cannes gestorben, wurde aber in Nordstetten beigesetzt.  
An ihn erinnern in Nordstetten: das Geburtshaus Fabrikweg 2 (die 1907 angebrachte Gedenktafel wurde 1942 entfernt, vor einigen Jahren wieder ersetzt), eine seit 1962 am Schloss befindliche Gedenktafel; ein 1986 im Schloss eingerichtetes Berthold-Auerbach-Museum und die Berthold-Auerbach-Straße.

Texte und Berichte zu Berthold Auerbach finden sich auf einer weiteren Seite

     
     
     
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
     
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer und der Schule           
Auszeichnung für den jüdischen Lehrer Bernhard Frankfurter (1867)   
Anmerkung: Der jüdische Lehrer Bernhard Frankfurter wurde 1822 unter fünf Bewerbern auf die erste israelitische Volksschule Württembergs gewählt, die auf Grund der Initiative des damaligen Gemeindevorstehers Rothschild eingerichtet werden konnte. Die Stelle war im "Schwäbischen Merkur" ausgeschrieben wurden. Bernhard Frankfurter (geb. 1801 in Oberdorf) war Sohn des Rabbiners Moses Levi Frankfurter in Oberdorf (gest. 1828). Er hatte bei Rabbiner Moses Horkheimer in Ansbach studiert; die Prüfung für das Schulamt hatte er vor dem Evangelischen Konsistorium in Stuttgart abgelegt. Die Schule in Nordstetten wurde 1822 mit 46 Schülern eröffnet und genoss bald einen ausgezeichneten Ruf.   

Nordstetten Chananja 01031867.jpg (249223 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Ben Chananja" vom 1. März 1867: "Aus Württemberg. 'Den Kelch des Heils erheb ich!' Von Alexander Elsässer.  Mit innerer Genugtuung teile ich Ihnen mit, wie drei würdige Vertreter der Schule und der Synagoge bei uns in Schwaben Anerkennungen und Auszeichnungen erfahren haben, damit die Bediensteten an Schule und Synagoge sich daran erfreuen und die Gemeinden zu ähnlichen Kundgebungen ermuntert werden. 
1. Der Lehrer Berthold Auerbachs, Bernhard Frankfurter in Nordstetten. 
In der letzten Zeit wurden einige Volkslehrer mit goldenen und silbernen Medaillen dekoriert. Es kann jeder Volksfreund sich damit freuen, wenn endlich die Lehrer des Volkes, die im Dienste der Volkserziehung und des Jugendunterrichts ergraut, den Landjägern, Prososen, Zollschutzwächtern etc. etc. gleichgestellt und vom Staate ausgezeichnet werden; wir hoffen, dass eine Zeit kommen wird, in welcher die Volkslehrer mehr Ordensbänder auf der Brust tragen werden, als andere Diener des Staates im Kriegs- und Friedensdienste, denn der Volkslehrer ist der Pionier der Welt, er schlägt durch Erziehung und Unterricht die Brücken von der Zeit in die Ewigkeit. - Ein Akt der Anerkennung gegen einen im Dienste ergrauten Volkslehrer, obwohl in einigen in- und ausländischen Blättern mitgeteilt, hat dennoch nicht die Verbreitung gefunden, die ihm im Interesse der wackeren Gemeinde und des tüchtigen, ehrenhaften Lehrers zu gönnen wäre. Auf dem Boden, dem die 'Schwarzwälder Dorfgeschichten' von Berthold Auerbach, als eine der schönsten und duftigsten Blumen des deutschen Dichtergartens, entsprossen, in Nordstetten im Schwarzwald wurde am 27. November vorigen Jahres ein schönes Fest begangen. Es war der Jahrestag des 44jährigen amtlichen Wirkens des Schullehrers und Vorsängers Bernhard Frankfurter, den die Gemeinde dadurch feierte, dass sie ihrem Lehrer durch den Rabbiner Dr. Wassermann einen silbernen Pokal überreichen ließ. Die israelitische Volksschule in Nordstetten, durch Bernhard Frankfurter gegründet, war eine der ersten in Württemberg. Aus dieser Schule gingen neben Berthold Auerbach zwei Ärzte, ein Literat, sechs Volkslehrer und viele tüchtige Gewerbs- und Kaufleute hervor. Auerbach hat in einer seiner Dorfgeschichten 'der Lauterbacher' seinem Lehrer ein ehrendes Denkmal zu gesetzt. Der durch die Anerkennung seiner Gemeinde überraschte Lehrer sagte am Schluss seiner Dankesrede: 'Wenn einst späte Enkel fragen werden: Wie kam ein so schönes, kostbares Geräte, wie dieser Pokal, in die schlichte, einfache Wohnung eines Dorfschulmeisters? wird man ihnen belehrend antworten können, dass das Verdienst am Ende in jeder Lebensstellung seine Anerkennung finde und redlicher Eifer nie unbelohnt bleibe.' Auch der Bruder des Jubilars, der im Mai vorigen Jahres in Hamburger früh vollendete Tempelprediger Dr. Naphtali Frankfurter, ein bedeutender Kanzelredner und als Erzieher eine anerkannte Autorität, hat von seinem älteren Bruder Bernhard vorbereitenden Unterricht fürs Gymnasium und später noch viel Anregung in seinem wissenschaftlichen leben erhalten. Es ehrt den bedeutenden Schriftsteller Berthold Auerbach, dass er mit seinem greisen Lehrer noch in freundschaftlichster Weise verkehrt und gerade er, als Volksschriftsteller, weiß den Volkslehrerberuf zu würdigen."

  
Tod des Lehrers Frankfurter (1867)  

Nordstetten Israelit 11091867.jpg (27330 Byte)Meldung in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. September 1867: "Nordstetten. Am 13. August dieses Jahres starb hier der Nestor der württembergischen Lehrer, der pensionierte Schullehrer Frankfurter, ein Bruder des verstorbenen Predigers in Hamburg (sc. Dr. Naftali Frankfurter), und einstiger Lehrer des berühmten Auerbach." 

   
Die öffentliche jüdische Volksschule Nordstetten wird aufgelöst und als freiwillige Konfessionsschule weitergeführt (1878)  

Nordstetten AZJ 17091878.jpg (43898 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 17. September 1878: "Wiederum ist eine unserer ältesten Volksschulen, die in Nordstetten, eingegangen. Dieselbe wurde so lange gesetzlich aus den Mitteln der politischen Gemeinde unterhalten, als die obligate Zahl von sechzig israelitischen Bürgern in der Gemeinde vorhanden war, was jetzt nicht mehr der Fall ist. Die Schule war über 40 Jahre Kommunalschule. Sie wird nunmehr als freiwillige Konfessionsschule von der israelitischen Gemeinde auf deren eigene Kosten forterhalten."  

  
Lehrer und Toraschreiber Erlebacher (Nordstetten) warnt vor unbrauchbaren Mesusot (1905)
   

Nordstetten FrfIsrFambl 08121905.jpg (86118 Byte)Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 8. Dezember 1905: "Warnung: Soeben werden mir durch den Lehrer und Sopher Erlebacher in Nordstetten (Württemberg) 2 Mesusaus (= Mesusot, siehe Wikipedia-Artikel Mesusa) vorgelegt, die ein religiöser Mann hierzulande aus Ungarn bezogen hat. Diese Mesusaus sind vollständig posul, unbrauchbar, denn sie sind nicht nur fehlerhaft geschrieben, selbst die Schrift ist so nachlässig und schlecht auf das Pergament hingekritzelt, dass von der vorgeschriebenen Gestalt der Buchstaben keine Spur vorhanden ist. Die Schrift gleicht vielmehr der rabbinischen (Raschi-)Schrift. Die Wörter sind gar nicht von einander abgetrennt. - Wie oft muss man doch die Warnung wiederholen, Tephilin, Mesusaus und andere Mizwoh-Gegenstände von niemanden zu kaufen, als von solchen Männern, deren religiöse Gewissenhaftigkeit unzweifelhaft bekannt ist! Also möge man sich niemals auf den guten Glauben verlassen. - Um Nachdruck dieser Zeilen werden die Redaktionen der israelitischen Zeitungen dringen ersucht. Rabb. Dr. M.K. in E." (vermutlich: Rabbiner Dr. Moritz Kahn in Esslingen, später Bad Mergentheim).   

    
   
Aus dem jüdischen Gemeindeleben  
Die Zahl der jüdischen Einwohner geht stark zurück (1864)  

Nordstetten Israelit 06011864.jpg (36081 Byte)Bericht in einem Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 6. Januar 1864. In diesem Bericht zur Entwicklung der jüdischen Bevölkerung in Württemberg wurde auch eine Statistik verschiedener Dörfer und Städte mit den Zahlen der jüdischen Einwohner 1843 und 1861 vorgestellt. Demnach ging die Zahl der jüdischen Einwohner in Nordstetten in diesen Jahren von 333 auf 201 Personen zurück, 

    
Stiftung des Schulinspektors Pfarrer Ginter (1892)  

Nordstetten Israelit 04021892.jpg (67775 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 4. Februar 1892: "Nordstetten (Württemberg). Aus dem Geburtsorte Berthold Auerbachs wird folgende tolerante Tat gemeldet. Schulinspektor Pfarrer Ginter daselbst hat anlässlich seines jüngst begangenen 25jährigen Pfarrer-Jubiläums auch die israelitische Gemeinde Nordstetten mit dem Geschenke von Mark 100 bedacht, welche nunmehr seitens des israelitischen Kirchenvorsteheramts unter Hinzufügung der gleichen Summe zu einer 'Pfarrer Ginter-Stiftung', deren Erträgnisse alljährlich am Jubelgedenktage an Ortsarme verteilt werden, verwendet werden sollen."
  
Nordstetten AZJ 12021892.jpg (59801 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 12. Februar 1892: "In Nordstetten, dem Geburtsorte Berthold Auerbachs, hat Schulinspektor Pfarrer Ginter anlässlich seines jüngst begangenen 25jährigen Pfarrer-Jubiläums auch die israelitische Gemeinde mit dem Geschenke von Mark 100 bedacht, welche nunmehr seitens des israelitischen Kirchenvorsteheramts unter Hinzufügung der gleichen Summe zu einer 'Pfarrer Ginter-Stiftung', deren Erträgnisse alljährlich am Jubelgedenktage an Ortsarme verteilt werden, verwendet werden sollen." 

  
Gutes Verhältnis zum katholischen Pfarrer Ginter (1896)  

Nordstetten Israelit 09031896.jpg (53994 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 9. März 1896: "Stuttgart, 29. Februar (1896). Ein schönes Verhältnis herrscht zwischen dem katholischen Pfarrer Ginter und der israelitischen Gemeinde Nordstetten, woselbst Berthold Auerbach geboren und begraben ist. Als dieser humane Geistliche vor zwei Jahren sein goldenes Priester-Jubiläum feierte, bedachte er in seiner Armenstiftung auch die jüdischen Ortsarmen. Anlässlich seines 25jährigen Amtsjubiläums als Bezirksschulinspektor, das Herr Pfarrer Ginter am 22. vorigen Monats feierte, überreichte ihm die israelitische Gemeinde in Anerkennung seiner edlen Gesinnungen einen Pokal mit einer Widmund."  

 
Spende von Privatier Moritz Rothschild an die jüdische Gemeinde (1911) 

Nordstetten FrfIsrFambl 18081911.jpg (30901 Byte)Meldung im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 18. August 1911: "Privatier Moritz Rothschild - Baden-Baden spendete der israelitischen Gemeinde Nordstetten 2.000 Mark und der katholischen Gemeinde dortselbst 1.000 Mark."   

 
Die Zahl der Gemeindeglieder ist stark zurückgegangen (1913)  

Nordstetten FrfIsrFambl 29081913.jpg (14227 Byte)Meldung im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 29. August 1913: Nordstetten. Unser Ort, die Geburts- und Ruhestätte Berthold Auerbachs, zählt jetzt nur noch 34 jüdische Seelen."  
  
Nordstetten AZJ 29081913.jpg (57280 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 29. August 1913: "Nordstetten, 22. August (1913). Die hiesige israelitische Gemeinde geht immer mehr zurück. Nachdem schon am 1. April 1909 die Schulstelle wegen mangelnder Schülerzahl aufgehoben wurde, hat nun auch der israelitische Lehrer, der seitdem noch die Gottesdienste abhielt und die wenigen Kinder in Religion und Hebräisch unterrichtete, jüngst für immer Abschied genommen. Durch Tod verlor die israelitische Gemeinde in den letzten Jahren fünf erwachsene männliche Mitglieder. Zurzeit befinden sich hier zusammen nur noch 34 ortsanwesende israelitische Seelen, 14 männliche und 20 weibliche, darunter 4 Kinder unter 14 Jahren."    


Ein Besucher berichtet über die klein gewordene jüdische Gemeinde (1921)  

Nordstetten AZJ 16091921.jpg (68919 Byte)Aus einem längeren Bericht über die jüdischen Gemeinden im Schwarzwald auf den Spuren Berthold Auerbachs - Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 16. September 1921: "So dachte ich mir Nordstetten doch anders - mehr in waldiger Umgebung. Es liegt, von einer unendlichen Flur umzogen, auf einer weiten Hochfläche in einer Talsenke. Viele Häuser sind neu und teilweise städtisch. Der Ort unseres Auerbach, der doch dem jüdischen Lehrer seiner Heimat ein so herrliches Denkmal im Lauterbacher gesetzt hat, hat jetzt überhaupt keine jüdische Schule mehr. Die wenigen Kinder werden von auswärts besorgt, ein Lehrer ist nicht mehr am Platze; die kleine jüdische Gemeinde geht so unaufhaltsam dem Verfall entgegen."  
 
Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 16. September 1921: 
Nebenstehend der gesamte "Brief aus dem Schwarzwald" mit Berichten aus Nordstetten, Mühringen, Dettensee, Haigerloch und Hechingen. Bei Interesse bitte Textabbildungen anklicken.   
Nordstetten AZJ 16091921a.jpg (499723 Byte) 

  
Die jüdische Gemeinde wird aufgelöst (1936)  

Nordstetten GblIsrGF August1936 424.jpg (25693 Byte)Artikel im "Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt" vom August 1936 S. 424: "Nordstetten. Die jüdische Gemeinde der Geburtsstadt des Dichters Berthold Auerbach, in der er seinem Wunsche gemäß neben seinen Eltern seine letzte Ruhestätte gefunden hat, ist aufgelöst worden. Vor kurzem wurde in der Synagoge der letzte Gottesdienst abgehalten". 
 
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 16. Juli 1936: 
textgleich mit dem Artikel im "Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt"     

   
   
Berichte zu einzelnen Personen aus der jüdischen Gemeinde  
  
Zum Tod des Schuhmachers Herz Löwenthal (1885)      

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 8. September 1885: "Bonn, 30. August (1885). Aus Nordstetten schreibt man vom 21. dieses Monats: Ein Jugend- und Altersfreund Berthold Auerbachs, der Schuhmacher Herz Löwenthal, wurde gestern zu Grabe getragen. Er arbeitete bis vor 3 Jahren, somit fast 60 Jahre, auf seinem Handwerke als gesuchter Meister und Lehrherr von über 70 Lehrlingen. Einen tiefen Eindruck machte das der Grabrede einverleibte Urteil, das Berthold Auerbach in seinen Briefen (Band II, Seite 39) vor etwa 15 Jahren über den nun Verstorbenen aussprach."  

 
Goldene Hochzeit von Abraham Rödelsheimer und seiner Frau (1893)  

Nordstetten Israelit 04121893.jpg (107783 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 4. Dezember 1893: "Vom württembergischen Schwarzwald, 30. November (1893). Der gestrige Tag war für die Gemeinde Nordstetten ein schöner Festtag. Die Schreiner Abraham Rödelsheimer'schen Eheleute feierten in einer seltenen, körperlichen und geistigen Rüstigkeit die goldene Hochzeit. Auf 12 1/2 Uhr Mittags war Minchagottesdienst eingerichtet, bei welchem sich die ganze Gemeinde, darunter die bürgerlichen und kirchlichen Ortsbehörden, beteiligte. Nach beendigtem Gebete intonierte der 'Sängerkranz' ein stimmungsvolles Weihelied und Lehrer- Vorsänger Strauß bestieg zu einer wirkungsvollen Ansprache die Kanzel. Das Jubelpaar hatte vor der letzteren Platz genommen. Zum Schlusse der Rede erhob es sich und sprach als Dankgebet die Berachat Schehechejanu [Segensspruch, der uns hat Leben gegeben...]. Ein weiteres Lied beschloss die gottesdienstliche Feier, die auf Jeden einen tiefen Eindruck machte und ebenso wie das nachfolgende Bankett den deutlichsten Beweis dafür lieferte, dass sie Familie des 'alten Schreiners', der bis vor wenigen Jahren seinem Handwerke treu oblag und in demselben über 20 Lehrlinge ausbildete, bei der ganzen paritätischen Gemeinde in hoher Liebe und Achtung steht und dassdas gesellschaftliche Zusammenleben hierorts das allerbeste ist." 

 
 
Über den Sofer (Toraschreiber) und Lehrer Erlebacher in Nordstetten (1904)        

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 2. Mai 1904: "Aus Süddeutschland, 26. April (1904). Schon oft war in diesen Blättern davon die Rede, wie nachlässig das Gebot der Tephilin, Zizis und Mesusaus in manchen Kreisen erfüllt wird. Einerseits werden die Tephilin nicht an die richtige Stelle des Hauptes, oberhalb der Stirne auf diejenige Stelle des Kopfes gesetzt, die oberhalb des Anfangs des Haarwuchses ist, sondern auf den falschen Ort, auf die Stirne. Andererseits trägt man Tephilin, die schon lange schadhaft und nicht mehr koscher, sondern posul (unbrauchbar und ungültig) sind. Sei es nun, dass das Bajis (= Kapsel) zerrieben, zerdrückt, aus der vorgeschriebenen quadratischen Form gekommen ist, oder dass sie ihre schwarze Farbe verloren haben, oder gar die Schrift der Parschiaus, innerhalb der Batim, verlöscht oder schadhaft geworden ist. Dasselbe Elend ist auch oft bei den Mesusaus festzustellen, die von Geschlecht zu Geschlecht, ohne untersucht und erneuert zu werden, an den Türen der Häuser und Zimmer belassen werden, während doch Vorschrift ist, dass sie alle 3-4 Jahre untersucht und neu angeschlagen werden müssen. Diese Zeilen wollen nun die verehrten Leser darauf aufmerksam machen, auf genannte Mizwaus und deren Gegenstände die gehörige Acht zu geben. Insbesondere willen sie dazu Anregung geben, dass man Tephilin und Mesusaus einem tüchtigen Sofer übergebe zum Untersuchen und Wiederherrichten, respektive zur Erneuerung verdorbener Teile. Sofrim sind fast in jeder Nummer dieser Blätter im Annoncenteile ausgeschrieben. Auch in Württemberg befindet sich seit einiger Zeit wieder ein Sofer, nämlich Lehrer Erlebacher in Nordstetten. Für Siphre Tora (Torarollen) gilt ebenfalls das Obengesagte. Denn in gar vielen Seforim ist die Tinte abgesprungen, so dass die Schrift nur schwer oder gar nciht leserlich ist, welcher Umstand die Seforim posul macht und ungeeignet, darin zu 'leinen' (vorzulesen) und Brocho darüber zu sagen. Mögen die Vorstände und Lehrer darauf achten und Missbräuche in ihren Gemeinden abstellen".        

     
     
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen   

Anzeige - und Dokument zur Zigarrenfabrik Gebr. Gideon (1898) 

Nordstetten Israelit 23061898.jpg (46629 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 23. Juni 1898: 
"Wir suchen einen in der Branche bewanderten, mit guten Zeugnissen versehenen, tüchtigen jungen Mann, als Reisenden. 
Gebrüder Gideon.
 
Zigarrenfabrik, Nordstetten-Horb."  
 
 
Postkarte an Jacob Gidion, Teilhaber der
 Zigarrenfabrik Gebr. Gidion
(aus der 
Sammlung von Peter Karl Müller, Kirchheim/Ries)
Nordstetten Dok 015.jpg (93740 Byte) Nordstetten Dok 015a.jpg (135718 Byte)
Die Karte wurde am 1. Oktober 1910 aus dem belgischen Lichtervelde an Jacob Gidion - Zigarrenfabrik in Nordstetten - verschickt von einem nicht nähere bezeichneten "Julius". Die Karte enthält u.a. Glückwünsche zu Rosch HaSchana (jüdisches Neujahrsfest). Jacob Gidion (geb. 1860) war - mit seinem Bruder Richard (1865-1927) - Teilhaber der Zigarrenfabrik in Nordstetten, die nach dem Ersten Weltkrieg von Nordstetten nach Stuttgart verlegt wurde. An Familie Richard G. (Gidion) werden gleichfalls Grüße gesandt. 
Nordstetten Dok 016.jpg (149151 Byte)

Links: Reklamemarke der "Cigarrenfabrik
 Nordstetten-Horb. GEBRÜDER GIDION",
 rechts: Aschenbecher der Firma Gidion
 "Berthold Auerbach Zigarren" 

Nordstetten Museum 12021a.jpg (121264 Byte)

      
      
      
Zur Geschichte des Betsaales / der Synagoge          
   
Zunächst bestand ein Betsaal in einem der jüdischen Häuser. 1721 wurde eine Synagoge neu erbaut beziehungsweise ein neuer Betsaal eingerichtet. 
   
1767 wurde an der Hauptstraße eine neue Synagoge erstellt. In ihr ist auch ein Schulzimmer eingerichtet worden. Das Gebäude erhielt die Hausnummer 107. Die Finanzierung des damaligen Synagogenbaus geschah insbesondere durch den Verkauf der Synagogenplätze. Mit Erlass vom 11. Juli 1767 gab das Oberamt Horb der Gemeinde die Erlaubnis mit dem Bau der Synagoge fortzufahren und ihn zu vollenden. Ende des 18. Jahrhunderts war als Rabbiner in Nordstetten Moses Baruch Auerbacher (1726-1802) tätig, der Großvater des Schriftstellers Berthold Auerbacher. Er stiftete reiche Schmuckstücke für die Torarollen in die Synagoge, seine Frau Rees (1731-1804) einen aus rotem, goldgesticktem Samt hergestellten Vorhang vor die heilige Lade.  
  
Berthold Auerbach beschrieb in seinen autobiographischen Notizen mehrfach das gottesdienstliche Leben in der Synagoge in den 1820er-Jahren. Er erinnerte sich an den Synagogendiener "Krumm Maierle, eine verwachsene Gestalt mit spitzem Kinn" oder an seinen Großvater Schmul: er "nahm das Leben leicht..., er kam immer, was übel vermerkt wurde, sehr spät in die Synagoge und war einer der ersten, die davongingen". Über den Freitagabendgottesdienst in der Nordstettener Synagoge schrieb Auerbach: "Wie von aller Lebenslast befreit, wurde gebetet und gesungen und zum Schluss, schon während man ging, das wundersame Jigdal gesungen... Mein Bruder Maier, der nicht vergebens seinen Moses Mendelssohn studierte, gab sich viel Mühe, mir den Hymnus zu erklären, und während die anderen bereits heim und zum Essen eilten, standen wir zwei noch am Ausgang der Synagoge und sangen bis zum Schlusse... Am Ausgang der Synagoge begrüßte man einander mit ‚Gut Schabbes’ und waren die Oheime da, so ließ man sich mit gebeugtem Kopfe durch Handauflegen von ihnen segnen...". Auerbach erinnerte sich auch an die offensichtlich große Genisa auf dem Dachboden der Synagoge. Seine Mutter berichtete ihm: "Unter der Decke, da ist ein Speicher, und da liegen die Gebetbücher von hundert und hundert Jahren, und der Atem der Lebenden steigt auf zu den Blättern, worauf der Atem der Verstorbenen gehaucht war und manche Träne hineinfiel, und die Worte der Verstorbenen und der Lebenden gehen miteinander hinauf zu Gott..." Einmal schlich Auerbach heimlich hoch auf den Synagogenboden: "da lag alles voll Papier, aber zerfallene Einbände und Messingbuckeln erschienen wie sich duckende und blinzelnde Kobolde, die am Boden kauerten..."  
  
1838 war eine Renovierung und Erweiterung des Synagogengebäudes dringend erforderlich. Damals gehörten 321 Personen der jüdischen Gemeinde an. Die Finanzierung des Umbaus stellte sich jedoch als großes Problem heraus. Nach einem Bericht der Israelitischen Oberkirchenbehörde gehörte die Nordstettener Gemeinde damals zu den ärmsten Gemeinden im Land. Die früher bestehenden guten Vermögensverhältnissen seien nicht mehr gegeben. Auch war kein Synagogenbaufonds vorhanden. Von Seiten des Staates wurde zu dem für den Umbau hochgerechneten Betrag von 2.082 Gulden ein Zuschuss von 300 Gulden zugesagt. So konnte er dann auch bis 1839 durchgeführt werden. Neben der Erweiterung des Gebäudes wurde eine neue und "zweckmässige innere Einrichtung" des Gotteshauses vorgenommen. Die Erweiterung bestand auch im Anbau eines Gemeindehauses neben der Synagoge (Schulhaus/"Kahlhaus" von Kahal hebräisch = Gemeinde; Gebäude Nr. 107a).  
  
In seiner Rabbinatsbeschreibung von 1875 schrieb Bezirksrabbiner Dr. Michael Silberstein über die Synagoge in Nordstetten: "Einen anmutigen Anblick gewährt die (sc. im Vergleich zu Mühringen) weniger geräumige Synagoge in Nordstetten. Auch sie ist im Rundbogenstil aufgebaut und bildet, an der Hauptstraße befindlich, ein längliches Viereck. Vor der heiligen Lade, die sich an der Ostseite befindet, ist eine geschmackvolle Kanzel angebracht, wo sich Plätze für Chorsänger und Katechumen befinden. Am Fuße der Kanzel ist das Vorbeter resp. Vorlesepult; der ganze übrige Raum ist mit Subsellien angefüllt, die durch einen in der Mitte befindlichen Gang getrennt sind. Für die Frauen sind auf drei Seiten Galerien angebracht". Die Synagoge bot 300 bis 350 Personen Platz. In einem Punkt war der Bezirksrabbiner nicht zufrieden, wenn er schreibt: "Der Synagogenbesuch an Schabbaten und Festtagen ist ein durchaus befriedigender. Weniger befriedigend ist dagegen in einigen Gemeinden das Verhalten der Synagogenbesucher. Jene würdevolle Haltung, die den Besuchern des Gotteshauses so wohl ansteht, wird besonders in den Synagogen zu Nordstetten, Rexingen, Mühlen und Wankheim vermisst".  
   
Anfang des 20. Jahrhunderts befanden sich auf Tafeln in der Synagoge auf Grund frommer Jahrtags-Stiftungen die Namen von insgesamt 51 Stiftern, darunter auch der Name des Ortspfarrers Matthäus Ginter (Pfarrer in Nordstetten von 1867-1900), der bei seinem Tod die jüdischen Einwohner Nordstettens mit einer großzügigen Spende bedachte.  
      
Auf Grund der stark zurückgegangenen Zahl jüdischer Einwohner Nordstettens wurde die Synagoge 1925 geschlossen und verkauft, 1937 abgerissen. 
  
Abbruch der ehemaligen Synagoge (1937)  

Nordstetten Israelit 07051937s.jpg (67248 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. Mai 1937: "Stuttgart. Das 'Reutlinger Tageblatt' meldet: Schon vor Jahren wurde die Synagoge in Dettensee an der Straße nach der Ortschaft Nordstetten gänzlich abgebrochen und beseitigt. Jetzt ist an der Stelle, wo früher die Synagoge stand, ein Garten. Nun ist in der Nachbarschaft, und zwar in Nordstetten bei Horb, dieser Tage eine ähnliche Arbeit vorgenommen worden. Die Synagoge, die an das Gasthaus zum 'Ochsen' angebaut war, wurde vom Gastwirt käuflich erworben und bis auf die Grundmauern abgebrochen."   

Der Synagogenplatz wurde - wie aus obigem Artikel hervorgeht, noch im Frühjahr 1937 vom benachbarten Ochsenwirt gekauft und abgebrochen. Auf dem Gelände wurde ein Wirtssaal angebaut, der 1972 abgebrochen wurde. Inzwischen ist das Grundstück großenteils zur Verbreiterung der Hauptstraße verwendet worden (Grundstück gegenüber Haus Hauptstraße 52, teilweise kleiner Park). Auch das zwischen Synagoge und dem 1972 abgebrochenen Gasthaus "Ochsen" stehende jüdische Gemeindehaus besteht schon seit 1928 nicht mehr.
    
    
   
Fotos / Plan
Historisches Foto / Plan 
(Quelle: Jüdische Gotteshäuser und Friedhöfe in Württemberg. 1932. S. 112)  

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Die Synagoge in Nordstetten, 
Innenansicht  
Plan mit eingezeichneter Synagoge und Judenschule; zur 
Orientierung siehe die Einzeichnung des Schlosses in Nordstetten;
 im Turm an der Hauptstraße befand sich das rituelle Bad
   


Fotos nach 1945/Gegenwart:

Fotos um 1985:
(Fotos: Hahn)
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  Blick über das ehemalige Synagogengelände (Teil der Straße und das anschließende
 Grundstück hinter der niederen Mauer; die Hauswand gehört zum Gasthaus "Ochsen"  

 

     
Fotos 2008:
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 17.2.2008)
    
Ehemaliger Standort von "Judenschule" und Synagoge   
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Blick über bzw. auf das Grundstück der ehemaligen "Judenschule" / Synagoge
(vgl. Plan oben; die auf dem linken Foto zu sehenden Häuser haben auf dem 
Plan die Nummern 189 und 190)  
Blick von der Hauptstraße zum Schloss; 
rechts des Schlosses ist der Turm mit der
 ehemaligen Mikwe zu sehen  
   
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Turm beim Schloss, in dem sich die ehemalige Mikwe befand (bis heute erhalten)  Blick vom Turm der Mikwe zur Hauptstraße 
mit ehemaligen jüdischen Häusern 
   
   
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Das Nordstettener Schloss  Im Schloss befindet sich das "Berthold-Auerbach-Museum" 
   
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Geburtshaus des Dichters Berthold Auerbach mit Hinweistafel  Tafel für Berthold Auerbach am Schloss 
     
Fotos von 2012 (Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 1.9.2012)       
Das rituelle Bad (Mikwe)      
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 Turm beim Schloss, in dem sich 
die Mikwe befand 
Bis heute erhalten: das Tauchbecken   
   
     
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 Am Eingang zum Schluss: Hinweistafel zum Berthold-Auerbach-Museum 
sowie Tafel mit einer Darstellung Berthold Auerbachs   
 Weitere Hinweistafel zum Museum 
(im Schloss)   
        
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 Gipsrelief im Museum    Vitrine "Literarische Anfänge"  Vitrine "Ein Denkmal für Berthold Auerbach" 
     
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 Vitrine "Illustrationen", darüber 
Portrait des Schriftsteller  
 Verschiedene Ausgaben der 
Werke von Berthold Auerbach 
 Vitrinen "Der gefeierte Schriftsteller" 
und "Die letzten Jahre" 
     
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Im Bereich der Sonderausstellung zum 200. Geburtstag Vitrinen "Auerbachs Wirkung
 in der Welt" und "Auerbachs Werke in vielen Sprachen" (rechts)   
 
     
 Das Geburtshaus von Berthold Auerbach    
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     Hinweistafek am Haus
     
 Nordstetten Synagoge 12020.jpg (194184 Byte) Nordstetten Ort 12024.jpg (135369 Byte)
 Blick über das Synagogengrundstück; im
 Bereich der aufgestellten Bänke war der
 Eingang von Westen 
 Links: das israelitische Schulhaus   
 
     
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 Das Gebäude der früheren 
Zigarrenfabrik Gidion  
 Das 1834 - an Stelle des 1821 abgebrannten
 Hauses der Familie Markus Auerbacher - 
neu erbaute Wohnhaus
 
   
     
     

  

Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte    

August 2008: Nordstetter Literatur-Spaziergang auf den Spuren Berthold Auerbachs     
Artikel in der "Südwest-Presse" - Neckar-Chronik.de vom 13.8.2008:  "Der Mann von Welt im Dorf  - Nordstetter Literatur-Spaziergang auf den Spuren Berthold Auerbachs 
Auch 126 Jahre nach seinem Tod ist er noch immer der berühmteste Nordstetter: Berthold Auerbach. Und das wird, ohne gegenwärtigen Bewohnern zu nahe zu treten, noch eine Weile so bleiben. Grund genug für regelmäßige Spurensuchen im Ort und im Leben des Schriftstellers.  
Nordstetten. Knapp 20 Leute von Nürtingen bis nach Baiersbronn waren am Sonntag zum Nordstetter Schloss gekommen, wo sie von Helmut Engisch und Gerhard Bossert empfangen wurden. Dort, so berichtete Engisch, war Auerbach "als Zwischenstation der letzten Reise" aufgebahrt worden für die Fahrt auf den Friedhof am 15. Februar 1882. Dem Leichenzug voran ging die Schuljugend. Es folgte die Feuerwehr und danach der Sarg auf einem aus Rottenburg ausgeliehenen Leichenwagen. Dahinter die Frau Nina und die Kinder Ottilie, August, Eugen und Rudolf, dann die Geistlichkeit, Abgeordnete der Tübinger Burschenschaft und der Tübinger Liedertafel sowie Trauergäste aus Berlin, Wien, Breslau, Frankfurt und Mannheim. Am Ende die Landbevölkerung in dichten Scharen. Sogar Eisenbahnbedienstete waren gekommen, hatte sie doch das Ministerium eigens für die Beerdigung beurlaubt. Genau diesen Weg in Richtung Judenfriedhof, vorbei an Häusern und Plätzen, die direkt mit Auerbach in Verbindung standen, wählte die Gruppe für ihren literarischen Spaziergang. Ums Jahr 1712 nahmen die Keller von Schleitheim Juden aus Auerbach, Hürben und Kriegshaber (Bayerisch-Schwaben) auf. Natürlich nicht aus Freundlichkeit, sondern aus finanziellen Gründen. Der oft überschuldete Landadel konnte mit der Aufnahme von "Schutzjuden" sein Einkommen beträchtlich steigern. Jede der Nordstetter jüdischen Familien hatte an die Herrschaft eine Aufnahmegebühr von 30 Gulden, ein jährliches Schutzgeld von 15 Gulden sowie weitere Nebengebühren zu entrichten. Nur dadurch konnte Heinrich Keller von Schleitheim den Auftrag zum Schlossneubau im Jahr 1736 geben. Allein die 18 Nordstetter Juden steuerten in den 25 Jahren zuvor 7290 Gulden bei. 1721 wurde die erste Synagoge errichtet, vermutlich in einem Privathaus. Erst 1767 bauten sie dann das Gotteshaus. Dieses wurde 1839 umgebaut und vergrößert. Den jüdischen Friedhof legte die Gemeinde 1797 an, vorher hatte sie ihre Toten auf dem Mühringer Judenfriedhof bestattet. Die Nordstetter Judengemeinde löste sich, da zu klein geworden, 1925 auf. Wahrscheinlich ist, dass die Synagoge 1937 abgebrochen wurde. Moses Baruch Auerbacher, der sich später Berthold Auerbach nannte, stammte aus einer religiös geprägten Familie. Sein Großvater väterlicherseits versah in Nordstetten ohne Lohn das Amt des Rabbiners, war ein gelehrter und angesehener Mann und galt weit über die Region hinaus als Sprecher der Juden. 
Der Sabbath, der Sonntag, spielt bei den Juden eine ganz besondere Rolle. In seinen Jugenderinnerungen hat Berthold Auerbach dies detailliert berichtet. Gerhard Bossert, der passend zum jeweiligen historischen Ort aus Auerbachs Werken zitierte, verlas: "Der Sabbath ist ein Abglanz... und sputeten sich, ins Wirtshaus zu kommen zum Kartenspiel." Da hatten sie es nicht weit, denn gleich neben dem Eingang zur Synagoge war der Hintereingang des "Ochsen", der Auerbachs Großvater gehörte. 
Nur einen Katzensprung entfernt davon liegt Berthold Auerbachs Geburtshaus, in dem er gemeinsam mit zehn Geschwistern aufgewachsen ist. Sein Geburtstag am 28. Februar 1812 fiel auf das Purimfest. Dies ist das jüdische Fest zur Erinnerung an die Errettung der persischen Juden von der angedrohten Vernichtung. Mit 13 Jahren wurde er religionsmündig und kam er auf die Talmudschule nach Hechingen. 
Immer wieder, auch nachdem er schon ein erfolgreicher und berühmter Schriftsteller war, kam Auerbach nach Nordstetten zurück. Doch mit seinen "Schwarzwälder Dorfgeschichten", zu denen ihm sein früherer Lehrer und bester Freund an der jüdischen Volksschule (neben der heutigen Metzgerei Singer) Nordstetter Geschichten beisteuerte, schaffte er sich nicht nur Freunde. "Die Nordstetter Bauern sind fuchsteufelswild über mich, sie sind eher geneigt mich durchzuprügeln, wenn ich heimkomme, weil ich sie lächerlich gemacht und über sie gelogen hätte", schreibt er in einem Brief an seinen Schriftstellerkollegen und Freund Ferdinand Freiligrath. 
Schmerzhaft prägend für Auerbach war eine Tragödie in einem Haus rechts vom "Bunten Ritter", das am 1. November 1821 abbrannte und sieben Menschen, darunter fünf Kinder, das Leben kostete. Ein Stück weiter die Hauptstraße hoch wurde in der "Sonne" die erste jüdische Volksschule Württembergs errichtet, in der auch Auerbach zur Schule ging. Und gleich nebenan war das Wirthaus "Adler", in dem der Lehrer Lauterbacher von der Christlichen Volksschule seine ländlichen Fortbildungsabende in Allgemeinwissen abhielt. Er las den Bauern aus der Zeitung vor und debattierte dann mit ihnen. Engisch: "So verwandelte sich die Bauernwirtschaft einmal wöchentlich in eine Volkshochschule oder Dorf-Universität." Die ganz jungen Nordstetter, die noch nicht wirtshausreif waren, trafen sich auf einer Holzbeige am daneben gelegenen Latschareplatz, wie aus der Dorfgeschichte vom "Tolpatsch" zu erfahren ist. 
Der Spaziergang führte weiter zum Judenfriedhof, wo das Grab Auerbachs besichtigt wurde. Und zum Abschluss führten Engisch und Bossert noch zur einstigen Ziegelhütte und erzählten die Geschichte von der "Kriegspfeife" und vom "Kätherle". Herrlich die Geschichte zum Schluss in der Kniebisgasse: hier lebten einst an der Abzweigung zum Pflaumengässle zwei Brüder, die nicht miteinander konnten. Erst nach einer Privataudienz beim Pfarrer änderte sich dies schlagartig, wobei bis heute niemand weiß, wie dies dem Pfarrer gelungen ist. 
Nach drei Stunden wartete "Schäpfle"-Wirtin Maria Schneiderhan auf die Spaziergänger. Das "Schäpfle" sollte es schon sein, schließlich genoss auch Auerbach dort immer seinen Schoppen." 
Diesen Bericht (mit Foto) als pdf-Datei.   
  
November 2011: In Horb und Stadtteilen (auch Nordstetten) wurden "Stolpersteine" verlegt    
Artikel von Marion Tischbein im "Schwarzwälder Boten" vom 28. November 2011: "Stolpersteine erinnern an Juden. 
Horb
- Zum 70. Jahrestag der Deportation von 53 Rexinger Juden 1941 nach Riga wurden am Samstag an verschiedenen Orten im Horber Stadtgebiet die ersten Stolpersteine für die in der NS-Zeit ermordeten Bürgerinnen und Bürger gelegt..."   
Link zum Artikel - auch eingestellt als pdf-Datei      
Zum selben Ereignis liegt auch ein Artikel aus der "Neckar-Chronik" vom 28. November 2011 vor: "Gegen das Vergessen - Stolpesteine erinnern an das Schicksal einstiger jüdischer Mitbürger..."   
Link zum Artikel - auch eingestellt als pdf-Datei .   
  

  

   

Links und Literatur 

Links:  

Website der Stadt Horb am Neckar   
Website der Evangelischen Kirchengemeinde mit Hinweis auf jüdische Geschichte   
Infoseite zu Berthold Auerbach (extern)

Literatur:

Paul Sauer: Die jüdischen Gemeinden in Württemberg und Hohenzollern. 1966. S. 136-139.  
Emil Schneiderhan: Häusergeschichte von Nordstetten bei Horb. 1975.  
Maschinenschriftliche Manuskripte zur Geschichte der Juden in Nordstetten von H. Wagenpfeil, Nordstetten.  
Joseph Walk (Hrsg.): Württemberg - Hohenzollern - Baden. Reihe: Pinkas Hakehillot. Encyclopedia of Jewish Communities from their foundation till after the Holocaust (hebräisch). Yad Vashem Jerusalem 1986. S. 78-79.    
synagogenbuch-1.jpg (32869 Byte)Joachim Hahn / Jürgen Krüger: "Hier ist nichts anderes als Gottes Haus...". Synagogen in Baden-Württemberg. Band 1: Geschichte und Architektur. Band 2: Orte und Einrichtungen. Hg. von Rüdiger Schmidt, Badische Landesbibliothek, Karlsruhe und Meier Schwarz, Synagogue Memorial, Jerusalem. Stuttgart 2007.      
  

  
  

      


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.   

Nordstetten Wuerttemberg. The Jewish community began to develop in the 16th century. Many died in a great fire in 1821 but the population grew from 175 in 1800 to 352 in 1854. A synagogue was built in 1721 and the Jewish elementary school founded in 1822 was the first in Wuerttemberg. Berthold Auerbach (1812-82) author and a leader of Jewish emancipation in Germany, was born and buried in Nordstetten. In the Weimar period Jews operated a large cigarette factory. Just 12 Jews (affiliated to the Horb congregation) remained in 1933. Four emigrated; six perished in the Nazi era.
     

  

                   
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Stand: 17. Oktober 2012