Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Bad Neustadt an der Saale (Landkreis Rhön-Grabfeld)
Jüdische Geschichte / Synagoge 

(erstellt unter Mitarbeit von Elisabeth Böhrer)   
 
(bitte besuchen Sie auch die Seite  www.judaica-badneustadt.de)  

Übersicht:  

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer  
Aus dem jüdischen Gemeindeleben   
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde     
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen  
Sonstiges    
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen 
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte  
Links und Literatur   

    
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde
(english version
    
In Bad Neustadt bestand eine jüdische Gemeinde bereits im Mittelalter. Die Stadt wird genannt im Zusammenhang mit den Judenverfolgungen 1298 ("Rindfleisch-Verfolgung"). 1313 lebten wieder Juden in der Stadt. Graf Heinrich d.J. von Henneberg war damals bei Vives dem Roten von Neustadt verschuldet. Auch während der Pestzeit 1349 war Neustadt Ort der Verfolgung. Danach hört man erst im 15. Jahrhundert wieder von Juden in der Stadt, die unter dem Schutz der Bischöfe von Würzburg standen (unsicher 1408, sicher 1414, 1446). Es waren jedoch in der Zeit vom 15. bis 17. Jahrhundert nur einzelne Juden, die in der Stadt leben konnten: Nennungen liegen aus den Jahren 1552, 1630 und 1677 vor.  
  
Im 18. und 19. Jahrhundert nahm die Zahl der jüdischen Einwohner langsam zu: 1706 waren drei jüdische Familien in der Stadt. Nach einer von Elisabeth Böhrer in einem Akt im Staatsarchiv Würzburg gefundenen Aufstellung werden für das Jahr 1763 namentlich acht jüdische Familienväter als "im Hochstift wohnende zur Hochfürstl. Hofkammer zahlbare Schutz Juden" genannt. Nach Bundschuhs 'Lexicon von Franken' III,791 gab es 1801 in Neustadt "3 Judenhäuser, die um eine bestimmte von den Juden gegebene Summe von jedem Bürger wieder können ausgelöst werden, worinn 4 Juden wohnen, ohne die Jüdinnen, 3 Juden wohnen im Bestande (= Miete) mit ihren Familien".  
  
Anfang des 19. Jahrhunderts gab es neun jüdische Familien (mit etwa 40 Personen) in der Stadt. Bei der Erstellung der Matrikellisten 1817 wurden für die folgenden Familienvorstände in Neustadt sieben bzw. später elf Matrikelstellen festgeschrieben (mit neuem Familiennamen und Erwerbszweig): Affictor Menke Heß (Viehhandel), Joseph Mayer Kohnstamm (Schnitt- und Kolonialwarenhandel), Schmul Seligmann Illemann (Schmusen, manchmal etwas Viehhandel), Seligmann Moses Gutmann (Schnittwarenhandel), Israel Sandel Löw Frittmann (Lein-, Raps-, Leinkuchen und Leinölhandel), Seligmann Süßmann Rosemann (Schmuser, Viehhandel), Mendel Jacob Ochs (Viehhandel), Nathan Maier Reiß (Handel mit rauen Häuten und Leder, seit 1817), Hirsch Süßmann Rosenthal (Bauer, seit 1821), Hohna Frank (Bauer, seit 1821), Jacob Ebert (Handel (seit 1822). 1837/38 lebten in Neustadt zehn jüdische Familien.    
    
Nach der Mitte des 19. Jahrhunderts entstand durch Zuwanderung aus umliegenden Dörfern (u.a. Bad Neuhaus, Lebenhan) wieder eine jüdische Gemeinde in der Stadt, die offiziell 1853 (nach der Stadtchronik Bemkert s.Lit.) oder spätestens in den 1860er-Jahren gegründet und dem Bezirksrabbinat in Bad Kissingen unterstellt wurde. 
   
Die Gemeinde schuf in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ihre eigenen Einrichtungen wie Synagoge (s.u.), Friedhof und Schule (in einem jüdischen Gemeindehaus mit Schulräumen und Wohnung, Gebäude Storchengasse 17). Das jüdische Gemeindeleben war von mehreren Vereinen geprägt (u.a. dem 1869 gegründeten Armenverein, dem 1870 gegründeten Wohltätigkeitsverein und dem Israelitischen Frauenverein). 
  
Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde wurde ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war. Nach Angaben der Stadtchronik (Benkert s.Lit.) gab es eine jüdische Schule 1848 im Haus mit der damaligen Nummer 98, für die 1855 Isaak Vandewart als Lehrer genannt wird. Sein Nachfolger war um 1878 Hermann Dorfzaun. Im folgte nach Angaben der Stadtchronik (Benkert s.Lit.) von 1880 bis 1891 Löb Dorfzaun (das wäre wohl der Bruder Leopold Dorfzaun, doch passt dies nicht mit seinen bisher bekannten biographischen Daten zusammen, siehe bei Rödelmaier), gefolgt von Gerson Bergenthal (oder war dieser schon seit 1879 in Neustadt?), der 1904 sein 25-jähriges Dienstjubiläum in Neustadt feiern konnte (siehe Bericht unten). Der genannte Lehrer Vandewart hatte 1860 im Haus mit der damaligen Nummer 142 auch eine israelitische Handelsschule mit Mädchenpensionat eingerichtet (siehe Bericht unten). Diese private Handelsschule wurde von seinen drei Töchtern bis 1898 fortgeführt (etwa 30 Schüler).    
  
Im wirtschaftlichen Leben der Stadt spielten die jüdischen Gewerbebetriebe seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts eine wichtige Rolle.   
   
Die Zahl der jüdischen Einwohner entwickelte sich wie folgt: 1880 190 jüdische Einwohner (8,6 % von insgesamt 2.215), 1900 212 (9,9 % von 2.140), 1910 160 (7,4 % von 2.163), 1925 162 (6,8 % von 2.391), 1933 158 (5,6 % von 2.831).   
     
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde Ludwig (Leo) Frank (geb. 16.2.1877 in Steinbach, gest. an den Folgen der Kriegsverletzung 22.1.1919), Emil Kach (geb. 5.4.1876 in Neustadt, gest. an den Folgen der Kriegsverletzung 22.2.1921), Gefreiter Max (Moses) Klein (geb. 15.1.1890 in Mittelstreu, gef. 3.9.1916), Leo Plaut (geb. 8.12.1894 in Burgpreppach, gef. 25.10.1915), Unteroffizier Norbert Reis (geb. 26.1.1878 in Oberwaldbehrungen, gef. 21.3.1918). Die Namen der Gefallenen stehen auf einer Gedenktafel an der Aussegnungshalle des Stadtfriedhofes (Eingang Goethestraße).     
   
Um 1924
gehörten dem Synagogenvorstand die Herren Sigmund Sichel, Sanitätsrat Dr. S. Guggenheimer, S. Lustig, Abraham Brunngässer, Isidor Franken, Max Blatt und Max Friedmann an. Als Lehrer an der Israelitischen Volksschule unterrichtete Carl (Karlmann) Wahler (Hauptlehrer, seit 1926 Oberlehrer, siehe Bericht unten). Er unterrichtete an der Volksschule acht Kinder, an der Fortbildungsschule fünf Kinder, außerdem auch jüdische Kinder in benachbarten Gemeinden (z.B. Steinach a.d. Saale). Nachdem Carl Wahler Mitte März 1931 starb (siehe Berichte unten), war sein Nachfolger bereits zum 1. April 1931 sein Bruder Israel Wahler (s.u.). Er unterrichtete im Schuljahr 1931/32 an der Volksschule 17 Kinder, erteilte 12 weiteren Kindern den Religionsunterricht. Auch betreute er in der Israelitischen Volksschule eine Bücherei. Über die Vereine erfährt man 1932, dass der Armenverein unter dem Vorsitz von David Plaut stand, der Frauenverein unter dem Vorsitz der Frau von Sanitätsrat Dr. Guggenheimer, der Wohltätigkeitsverein gleichfalls unter Leitung von David Plaut. Letzterer hatte damals 45 Mitglieder.   
 
In der NS-Zeit
begannen auch in Bad Neustadt mit dem Boykott der jüdischen Geschäfte 1933 die antijüdischen Maßnahmen. In den folgenden Jahren richteten sich mehrfach Aktionen von Nationalsozialisten gegen den jüdischen Friedhof und die Synagoge. Die Gemeinde versuchte ihre Arbeit auch unter sehr erschwerten Bedingungen weiterzuführen. Die jüdische Volksschule hatte im März 1937 noch 22, am 1. Oktober 1941 noch 13 Schüler. Ein Teil der 1933 hier wohnhaften 158 jüdischen Personen konnte bis 1941 auswandern (28 in die USA, 14 nach Südamerika, zehn nach England, je sechs nach Holland und Palästina, fünf in die Schweiz, je zwei nach Südafrika und Jugoslawien, einer nach Rumänien), 35 Personen zogen in andere deutsche Orte (u.a. neun nach Frankfurt am Main, fünf nach Würzburg, je drei nach Mainz und Berlin). Beim Novemberpogrom 1938 wurden auf dem Friedhof Grabsteine zerschlagen; 13 jüdische Männer wurden verhaftet und in das Gefängnis von Bad Neustadt eingesperrt. Über die Geschichte und das Schicksal des Synagogengebäude siehe unten.  
   
1940/41 verschlechterte sich die Lage der jüdischen Einwohner infolge zahlreicher Einschränkungen und Verbote. Am 7. Februar 1942 gab es noch 56 jüdische Personen in der Stadt, darunter 14, die seit 1939 aus Nachbarorten zugezogen waren. Im April 1942 wurden 45 Gemeindemitglieder über Würzburg nach Kra./Izbica bei Lublin deportiert. Einzelne jüdische Personen mussten seit März 1942 ihren Wohnsitz nach Würzburg verlegen und wurden zusammen mit den restlichen jüdischen Einwohnern, die am 12. August 1942 von Neustadt nach Würzburg gebracht wurden, von dort am 10. beziehungsweise am 23. September in das Ghetto Theresienstadt transportiert. Am 1. November 1942 gab es nur noch einen mit einer nichtjüdischen Frau verheirateten jüdischen Mann in der Stadt.* 
 
Anmerkung: für die kursiv gesetzte - aus Ophir/Wiesemann S. 270 übernommene - Angabe liegt kein Nachweis vor. 
      
    
Von den in Bad Neustadt geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945" - eine Recherche in den Listen von Yad Vashem ist auf Grund zu vieler Verwechslungen mit anderen Orten Neustadt nicht möglich; die Recherche im "Gedenkbuch" ergab sich durch Eingabe von "Bad Neustadt Saale"):       
Betty Ackermann (1899), Betty Adler geb. Klau (1854), Julius Ambrunn (1877), Martin Ambrunn (1876), Anna Aschendorff geb. Sichel (1880), Fanny Baer geb. Bernstein (1867), Elodie Bernstein (1873), Frieda Blatt geb. Stein (1890), Moses Blatt (1868), Meta Brunngässer geb. Frühauf (1875), Ludwig Dorfzaun (1878), Lotte Edelstein geb. Reis (1868), Max Frank (1876), Sofie Frank geb. Löbenfried (1886),  Flora Gerendasi geb. Nelkenstock (1872), Clara Greilsamer geb. Rosenbaum (1890), Albert Haas (1926) Hermann Karl Haas (1895), Selma Haas geb. Goldner (1902), Nathan Norbert Hecht (1869), Herta Herz geb. Lustig (1896), Fanny H. Kahn geb. Kach (1875), Adolf Kahner (1869), Paula Katz (1888), Carola Kaufmann (1928), Gittel Kaufmann (1941), Hermann Kaufmann (1931), Richard Kaufmann (1924), Sophie Kaufmann geb. Frank (1901), Willi Kaufmann (1896), Gretel Klein geb. Heinemann (1899), Hugo Klein (1898), Rosa Klein geb. Steinhäuser (1890), Siegbert Klein (1925), Anna Lieblich (1884), Cilly Lorch geb. Reis (1908), Bernhard Wilhelm Lustig (1921), Irma Lustig geb. Löwenthal (1891), Frieda Müller (1874), Rosa Müller geb. Freudenberger (1883), Sidonia Oettinger geb. Gärtner (1894), Philipp Oppenheimer (1875), Sally Oppenheimer (1922), Sarah Oppenheimer geb. Bacharach (1888), Alfred Ottensoser (1937), Emil Ottensoser (1897), Herbert Ottensoser (1938), Hilde Ottensoser (1933), Max Ottensoser (1899), Meta Ottensoser geb. Gerendasi (1907), Mina Ottensoser geb. Heippert (1894), Norbert Ottensoser (1905), Paula Ottensoser geb. Braun (1898), Senta Ottensoser (1929), Betty Reis geb. Walter (1871), Irma Reis (1912), Martin Reis (1912), Gustav Rosenbaum (1879), Marianne Schlossmann (1861), Klara Schäfer geb. Weinstock (1893), Hans Herbert Sommer (1922), Hilde Babette Sommer (1924), Anna Stern geb. Blum (1871), Maier Stern (1873), Theodor Stern (1896), Kurt Strauss (1934), Herbert Strauss (1930), Elise Wahle geb. Stern (1878), Bella Wahler geb. Adler (1878),  Israel Wahler (1875), Leo Weglein (1876), Selli Weglein (1884), Berta Weiler geb. Weinstock (1894), Julius Weiler (1879), Arthur Weinstock (1887), Clara Weinstock (1864), Else Weinstock geb. Waldmann (1896), Gerhard Weinstock (1926), Lothar Weinstock (1931), Rosa Weinstock geb. Stein (1887), Sigmund Weinstock (1875).         
 
Ein Denkmal für die aus Bad Neustadt deportierten jüdischen Personen befindet sich seit November 2006 in der Bauerngasse/Ecke Storchengasse unweit des Standortes der ehemaligen Synagoge (Bericht zur Einweihung siehe unten). 
      
      
      
Aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
 
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer    
Ausschreibung der Lehrerstelle- und Vorbeterstelle (1879)  

Neustadt Saale Israelit 02071879.jpg (37930 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 2. Juli 1879: "In der hiesigen israelitischen Kultusgemeinde ist die Stelle eines Religionslehrers und Vorbeters, verbunden mit Gemeindeschreiber, sofort zu besetzen. Fixer Gehalt jährlich Mark 1.200 nebst freier Wohnung. Außerdem ist durch Privatunterricht Gelegenheit geboten, das Einkommen bedeutend zu vergrößern. Nur tüchtige, mit guten Zeugnissen versehene Bewerber wollen sich längstens bis 16. Juli an Unterzeichneten wenden. Neustadt a.d. Saale, 27. Juni 1879. Feist Stern, Kultus-Vorstand."  
Anmerkung: auf diese Ausschreibung bewarb sich erfolgreich Gerson Bergenthal. 

   
Zum Tod von Lehrer Hermann Dorfzaun (gest. 1921, um 1878 Lehrer in Neustadt an der Saale)    
Hinweis: nach Angaben von Fredel Fruhman vom 3.1.2012 (eine Urenkelin von Leopold Dorfzaun, dem Bruder von Hermann Dorfzaun; ergänzende Informationen aus dem Staatsarchiv Würzburg) ist Hermann Dorfzaun am 28. Mai 1850 als Sohn des Schneidermeisters Abraham Dorfzaun (gest. 7. Januar 1871 im Alter von 54 Jahren in Neustadt a.d.S., beigesetzt am 8. Januar 1871 in Kleinbardorf) und seiner Frau Bella geb. Goldschmidt (geb. 1820 in Mühlfeld als Tochter von Loeb Goldschmidt und seiner Frau Golda; verheiratet seit Mai 1849; Sterbedatum unbekannt - bis 1875 wurde in den Registern von Rödelmaier und von Bad Neustadt a.d.S. kein Sterbeeintrag gefunden, ab 1876 konnten die Unterlagen im Standesamt Bad Neustadt a.d.S. nicht eingesehen werden) in Rödelmaier geboren. 
Seine Geschwister waren: Sara (1851-1862, gest. mit 11 Jahren), Gittel (Gutel; geb. 1853), Leopold (Loeb, geb. 1855, siehe unten), Jakob (Jacob, geb. 21. April 1857, lebte nach Strätz Bd. I S. 124 zuletzt im Israelitischen Pfründnerhaus in Würzburg, 1942 nach Theresienstadt deportiert und dort umgekommen), Moses (1859, nach 5 Tagen verstorben), Babette (1860, nach 6 Tagen verstorben), Moses (1862, nach 17 Wochen gestorben). 
Dorfazun Heimann Nachkommen.jpg (40659 Byte)Hermann Dorfzaun war um 1878 Lehrer in Neustadt a.d.Saale, danach 38 Jahre Schochet in Frankfurt, wo er am 22. April 1921 gestorben ist. Die Zeit der Tätigkeit von Hermann Dorfzaun in Neustadt geht u.a. aus der Angabe hervor, dass der Sohn Ludwig Dorfzaun am 19. November 1878 in Neustadt a.d. Saale geboren ist (war später Vorbeter und Schochet der Jüdischen Gemeinde Frankfurt; Heirat und Umzug 1928). Hermann Dorfzaun war seit etwa 1874 in erster Ehe verheiratet mit Mathilde geb. Lorch (geb. etwa 1874, gest. 16. Mai 1885 in Frankfurt), in zweiter Ehe (seit 1886 in Schlüchtern) mit Karoline geb. Adler (geb. etwa 1886, gest. in Frankfurt).   
Zu den Kindern von Hermann Dorfzaun aus den beiden Ehen siehe Abbildung links (erhalten von Fredel Fruhman).   
Der in Rödelmaier geborene Abraham Dorfzaun war ein Sohn des in der Matrikelliste (s.o.) genannten Hohna Abraham, der 1817 den Familiennamen Dorfzaun angenommen hat, und seiner Frau Sara geb. Goldmann. Nur bei dieser Familie in Rödelmaier begegnet der ungewöhnliche Familienname Dorfzaun.    

Neustadt adS FrfIsrFambl 05051921.jpg (120074 Byte)Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 5. Mai 1921: "Frankfurter Berichte. Personalien. Erew Pessach trugen wir Hermann Dorfzaun zu Grabe, einen Mann, der es verdient, dass wir ihm einige Worte liebevollen Gedenkenswidmen. 38 Jahre versah er das Amt eines Schauchet der Israelitischen Gemeinde. Nachdem er einige Jahre in Neustadt an der Saale gewirkt hatte, wurde er von Rabbiner Horowitz seligen Angedenkens hierfür berufen. Er verwaltete sein Amt in vorbildlicher Weise. Pflichtbewusstsein war seines Wesens Grundzug. Er war durchdrungen von religiöser Empfindung, und lebendig war in ihm der Vorsatz, de Tauroh (Tora) als Licht für seinen Lebensweg zu wählen. In den Dinei Schechitoh (rabbinische Entscheidungen für das Schächten) war er bewandert wie kaum ein anderer, und mit peinlicher Genauigkeit beachtete er jede einzelne Vorschrift. Von den Rabbinen, denen er unterstellt war, wurde er als einer der tüchtigsten, gewandesten und pflichttreuesten Schauchtim gerühmt. Wie sehr seine Frömmigkeit und sein religiöser Sinn geschätzt wurden, zeigte sich in der Verleihung des Chower-Titels bei seinem 70. Geburtstag. - So streng er gegen sich selbst war, so milde war er im Urteil über andere, und nie hörte man von ihm ein abfälliges Wort über einen Mitmenschen; er hatte ein Lew rauw (großes Herz) in des Wortes heiligster Bedeutung, und von ihm konnte man mit Recht sagen, dass er vor Gott wandelte.  
Mustergültig war sein Familienleben. Sein Haus war erfüllt von wahrhaft jüdischem Geiste, und so ist es ihm im Verein mit seiner gleichgesinnten Gattin auch gelungen, alle seine Kinder zu echten Jehudim zu erziehen."       

   
25-jähriges Dienstjubiläum von Lehrer Gerson Bergenthal (1904)  

Neustadt Saale FrfIsrFambl 23121904.jpg (22564 Byte)Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 23. Dezember 1904: "Neustadt a.S. (Bayern), 14. Dezember (1904). Der Kantor und Religionslehrer an der hiesigen israelitischen Kultusgemeinde, Herr Lehrer G. Bergenthal, beging heute sein 25-jähriges Dienstjubiläum, aus welchem Anlass ihm zahlreiche Ehrungen zuteil wurden."
   
Anmerkung: Lehrer Gerson Bergenthal unterrichtete seit 1897 auch die jüdischen Gymnasiasten in Münnerstadt. 

    
Nachruf auf den tödlich verunglückten Sally Ottensoser (1902/03 Lehrer in Bad Neustadt, gest. 1927)  

Artikel in der "Gemeindezeitung für die Israelitischen Gemeinden Württembergs" vom 16. Oktober 1927:"Edelfingen. Am 10.Oktober ist in der Nähe von Markelsheim Lehrer und Amtsverweser S. Ottensoser durch einen Unfall auf dem Motorrad an der Edelfingerstr. tödlich verunglückt. Die württembergische Religionsgemeinschaft verliert mit ihm einen ihrer besten und treuesten Beamten. Der so jäh aus dem Leben Gerissene war am 22. Januar 1883 in Burgpreppach geboren. Nachdem er die Präparandie in seinem Heimatorte und das jüdische Lehrerseminar in Würzburg absolviert, trat er im Juli 1902 sein Lehramt in Neustadt a.d. Saale an. Schon im Jahre darauf kam er als Amtsverweser und Vorsänger nach Markelsheim und hierauf 1906 nach Nordstetten. Von 1907 an war er wieder in Markelsheim tätig, bis er 1927 von der israelitischen Gemeinde in Edelfingen als Vorsänger angestellt wurde. Seine Bestattung fand am Mittwoch unter sehr großer ehrender Beteiligung in Edelfingen statt."      


Beförderung von Hauptlehrer Karlmann Wahler zum Oberlehrer (1926) 
Anmerkung: Karlmann Wahler unterrichtete seit 1923 an der jüdischen Schule von Neustadt. Er ist 1931 gestorben (siehe Berichte zu seinem Tod unten). Die  Lehrerstelle übernahm daraufhin sein Bruder Israel Wahler.   

Bad Neustadt adS Bayr GZ 08091926.gif (24551 Byte)Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 8. September 1926: "Neustadt a.d. Saale. Von der Regierung von Unterfranken und Aschaffenburg wurde der Hauptlehrer Karlmann Wahler an der israelitischen Volksschule in Neustadt a.d. Saale, zum Oberlehrer nach Gruppe IX der Besoldungsordnung befördert."     

           
Zum Tod und der Beisetzung von Oberlehrer Karlmann Wahler (1931)  

Neustadt adS Israelit 10041931.jpg (155467 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 10. April 1931: "Neustadt (Saale), 21. März (1931). Unser lieber trauter, auf allen Lehrerversammlungen gern gesehener Kollege, Oberlehrer Wahler, Neustadt a.d. Saale, erlag innerhalb 8 Tagen der tückischen Krankheit einer Rippenfell- und Lungenentzündung. Die Nachricht von dessen unerwartet schnellem Hinscheiden erschütterte Stadt und Land und alle Kreise, die dem Entschlafenen nahe standen. Am Dienstag, den 17. März dieses Jahres wurde der allzu früh uns Entrissene zu Grabe getragen. Der fast unübersehbare Trauerzug, in welchem alle Glaubengemeinschaften der Stadtgemeinde Neustadt vertreten waren, bot ein Bild rührender Teilnahme und Ehrung des Verklärten. Hinter den Leidtragenden schritten die Schüler und Schülerinnen der israelitischen Volksschule, der Berufs- und Mittelschule. Nun folgten unter Vorantritt des Herrn Bezirksrabbiners Dr. Bamberger, Bad Kissingen, die Vertreter der israelitischen Kultusverwaltung, der Schulbehörden und Lehrerschaft, Freunde und Bekannte aus nah und fern. Die Beisetzungsfeier eröffnete Herr Bezirksrabbiner Dr. Bamberger, Bad Kissingen, in einer tief empfundenen Trauerrede, worin er das musterhafte Lebensbild, seine tief innerliche Frömmigkeit und sein segensreiches Wirken würdigte und mit der Verleihung der Chowerwürde dem Verklärten die letzte Ehrung erteilte. Innige Worte der Verehrung und Dankbarkeit sprachen Herr Sanitätsrat Dr. Guggenheimer namens der Kultusgemeinde, Herr Oberregierungsrat Stümer im Auftrage der Schulbehörde, Herr Professor Dr. Guggenmos als Rektor der Mittelschule, Herr Hauptlehrer Blumenthal, Unsleben, für den israelitischen Lehrerverein Bayerns und als Freund, der Vorstand des Bezirkslehrervereins, Herr Lehrer Schmehling, für den allgemeinen bayrischen Lehrerverein und Bezirkslehrerverein Neustadt, Herr Rothschild, Kultusvorstand in Hörstein, entbot ihm im Namen seiner Heimatgemeinde die letzten Heimatgrüße. Eine Schülerin der Berufschule und ein Schüler der Volksschule sprachen dem geliebten Lehrer noch Worte des Dankes und Verehrung aus. Rührende Abschiedsworte rief Herr Oberlehrer Wahler, Hörstein, seinem scheidenden Bruder nach. Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."  
 
Neustadt adS Israelit 16041931.jpg (158082 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 16. April 1931: "Neustadt a. S., 10. April (1931). Ein stattlicher Trauerzug bewegte sich zum Friedhof der Kultusgemeinde, um dem nach kurzer Krankheit mitten aus seiner Wirksamkeit abberufenen Oberlehrer Karlmann Wahler das letzte Geleite zu geben. Am Grabe schilderte Herr Distriktsrabbiner Dr. Bamberger aus Kissingen die großen Verdienste des Dahingeschiedenen um die Israelitische Kultusgemeinde. Ganz besonders pries er seine tiefe Religiosität, seinen aufrichtigen lauteren Charakter und sein bescheidenes Wesen. Er verfügte über entsprechende pädagogische Begabung und über ein reiches Wissen, das er in stetem Studium erweiterte. Herr Sanitätsrat Dr. Guggenheimer sprach im Auftrag der Kultusgemeinde und zollte ihm ebenfalls für seine hingebende rastlose Tätigkeit innigen Dank. Als Vertreter der Bezirksschulbehörde sprach Herr Oberregierungsrat Stümmer. Er lobte das ersprießliche Wirken Wahlers in der Schule. Auch die Regierung würdigte seine Verdiente, indem sie ihn zum Oberlehrer ernannte. Kollege Blumenthal von Unsleben ehrte ihn als wahrhaft aufrichtigen Amtsbruder und übermittelte das aufrichtige Beileid seiner Kollegen. Herr Direktor Dr. Guggenmoos an der hiesigen Mittelschule, an der der Verstorbene als Religionslehrer wirkte, rühmte sein treues, aufrichtiges Wesen, betonte ganz besonders die gute Durchbildung der aus seiner Schule übergetretenen Zöglinge und den toleranten Verkehr mit Andersgläubigen. Bezirkslehrervereinsvorstand, Herr Schmähling, schilderte ihn als eifriges Mitglied des Vereins und erwähnte, dass seine Ratschläge vielfach Beachtung fanden. Rührend waren die Dankesworte seiner ehemaligen und jetzigen Schüler, die ihn als väterlichen Freund und Berater ehrten und zuletzt die Abschiedsgrüße, die ihm sein Bruder, Herr Oberlehrer Israel Wahler, ins Grab sandte. 
Die Geistlichen beider Konfessionen waren bei der Bestattung anwesend und aus der Gemeinde Hörstein war eine Deputation erschienen. das Andenken Oberlehrer Wahlers wird sich noch für weitere Generationen zum Segen auswirken. Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."  

  
Oberlehrer Israel Wahler aus Hörstein kommt zum 1. April 1931 nach Neustadt   

Anmerkung: Israel Wahler war Nachfolger seines Bruders Carl Wahler, der 1931 in Neustadt verstorben ist (siehe Berichte oben) Israel Wahler ist 1875 in Hörstein als Sohn des dortigen Lehrers Isaak Wahler geboren. 1894 übernahm er als Nachfolger seines Vaters die Leitung der Hörsteiner israelitischen Religionsschule. Seine Frau Bella geb. Adler ist 1878 in Gleicherwiesen geboren. Israel und Bella Wahler hatten einen Sohn: Isaac (geb. 1918 in Frankfurt am Main). Nachdem 1931 die Schule in Hörstein wegen Schülermangels geschlossen wurde, übernahm Oberlehrer Wahler die Stelle seines verstorbenen Bruders als Leiter der israelitischen Volksschule in Bad Neustadt. Nach 1933 wollten die Wahlers zunächst in Deutschland bleiben, doch wurde der Sohn 1934 auf Drängen seiner Mutter zu einer Großtante in die USA geschickt. Nach dem Novemberpogrom 1938 betrieben Israel und Bella Wahler ihre eigene Auswanderung, die aber nicht mehr zustande kam. 
Sohn Isaac E. Wahler hatte bis zum April 1942 mit seinen Eltern brieflichen Kontakt, dann hörte er nichts mehr von ihnen. Anfang 1947 kam er als Mitarbeiter des stellvertretenden amerikanischen Chefanklägers bei den Nürnberger Prozessen, Robert M. W. Kempner, nach Deutschland zurück. Auf einer Dienstreise entdeckte er in einem amerikanischen Aktendepot in Oberursel im Taunus die Akten der Außenstelle Würzburg der Staatspolizeistelle Nürnberg über die Judendeportationen in den Jahren 1941 bis 1943. Diese Akten wurden 1947 im so genannten Wilhelmstraßen-Prozess, bei den Prozessen gegen Angehörige der Nürnberger und Würzburger Gestapo, beim Eichmann-Prozess in Jerusalem und bei vielen anderen Verfahren verwendet (vgl.: Herbert Schultheis und Isaac E. Wahler, Bilder und Akten der Gestapo Würzburg über die Judendeportationen 1941-1943, Rötter Druck und Verlag Bad Neustadt, 1988). 

Neustadt Saale BayrGZ 15041931.jpg (14370 Byte)Artikel in der Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung vom 15. April 1931: "Personalia. Oberlehrer Wahler (Hörstein) wurde ab 1. April (1931) an die Volksschule Neustadt a.d. Saale versetzt. Die Volksschulstelle Hörstein wurde eingezogen, wird aber, wie wir hören, als Privatvolksschule weitergeführt."

    
Oberlehrer Israel Wahler feiert seinen 60. Geburtstag (1937)  

Neustadt Saale BayrGZ 151021936.jpg (11245 Byte)Artikel in der Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung vom 15. Oktober 1936: "Vereinsmitteilungen (des bayerischen israelitischen Lehrervereins): 1. Personalia: Nachträglich geben wir noch bekannt, dass auch Kollege Oberlehrer Wahler in Neustadt a. S. seinen 60. Geburtstag begehen konnte". 

   
    
Aus dem jüdischen Gemeindeleben   
Ein Israelitisches Handels-Lehr-Institut wird eröffnet (1860)  

Neustadt Saale AZJ 25091860.jpg (118796 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 25. September 1860: "Handels-Lehr-Institut in Neustadt an der Saale (Bayern). Die beiden Unterzeichneten werden am 22. Oktober dieses Jahres mit dem Beginn des Winter-Semesters eine Lehr-Anstalt für Knaben und Jünglinge eröffnen, die sich dem Handel oder einem einschlägigen Gewerbe widmen und dazu vorbereiten wollen. 
Der Unterricht an dieser Anstalt wird regelmäßig in den Stunden von 8-12 Uhr Vormittags und 2-6 Uhr Nachmittags von verschiedenen Lehrern erteilt und umfasst folgende Lehrgegenstände: Religion, deutsche, französische und englische Sprache, Kalligraphie, allgemeine und kaufmännische Arithmetik, Buchführung, Korrespondenz, Wechsel-, Münz-, Maß- und Gewichtskunde, Geographie, Geschichte. Zum Unterrichte im Zeichnen und in der Musik ist gleichfalls Gelegenheit geboten. Die Schüler werden in ihren Arbeits- und Rekreationsstunden stets aufs Sorgfältigste überwacht. Für gedeihliche körperliche Pflege der Pensionäre, Kost, Logis, Wäsche usw. ist bestens Fürsorge getroffen, und sind die Bedingungen äußerst billig gestellt.
Anmeldungen zur Aufnahme wollen vor dem 1. Oktober an J. Vandewart, Lehrer in Neustadt, gerichtet werden, der auch über alles Nähere Aufschluss zu geben bereits ist. 
Neustadt a/S., September 1860. 
L. Suhler, Lehrer der französischen und englischen Sprache. J. Vandewart, israelitischer Religionslehrer." 
Nach den Recherchen von Elisabeth Böhrer heißt der Lehrer Isaak Vandewart und nicht - wie in der AZJ geschrieben - Vaudewart.  

  
Antijüdisches aus der katholischen Schule (1863)  

Neustadt Saale Israelit 29041863.jpg (141741 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 29. April 1863: "Neustadt a.d.S., den 13. April (1863). Seit mehreren Jahren besteht dahier ein Institut der katholischen Schulschwestern als allgemeine Elementar- und Industrieschule, in welchem also auch die jüdische weibliche Jugend den Unterricht genießt. Die Zufriedenheit mit diesem Institut war bisher allgemein. 
Am 11. dieses Monats, am letzten Pessachfeste, ließ sich nun die Oberin des Institut, Schwester Wennefriede beikommen, den christlichen Kindern zu befehlen, dass sie fortan mit den jüdischen Kindern außerhalb der Schule keinen gesellschaftlichen Umgang mehr pflegen sollten. 
Weinend überbrachten katholische Kinder ihren jüdischen Nachbarinnen diese Nachricht, bemerkten jedoch, sie wollten auch fernerhin gute Freundinnen bleiben und hierin der ehrwürdigen Schwester nicht folgen. Sofort machte ein jüdisches Gemeindemitglied dieser ehrwürdigen Schwester geeignete Vorstellung und erhielt als Antwort, es sei dies ein Missverständnis, sie habe nicht den Umgang mit jüdischer, sondern allgemein mit schlechter Gesellschaft verboten. 
Heute am 13. dieses Monats, als auch die jüdischen Kinder wieder in der Schule erschienen, hat wirklich die Oberin, Schwester Wennefriede, der ganzen Schuljugend gegenüber erklärt, dass sie nicht die jüdische, sondern schlechte Gesellschaft überhaupt verboten habe. 
Woher aber ist es gekommen, dass schon am 11. dieses Monats, gleich nach beregtem Vorgange, manche christlichen Kinder ihren jüdischen Gespielinnen ausgewichen waren? 
Zur Ehre der hiesigen Bürgerschaft muss aber erwähnt werden, dass dieser Vorgang allgemeine Entrüstung erregt hat."  

     
Ergebnis der vermutlich letzten Vorstandswahlen im Dezember 1936 

Neustadt Saale BayrGZ 01021937.jpg (14148 Byte)Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 1. Februar 1937: "Bad Neustadt a.d. Saale. In der am 31. Dezember 1936 stattgefundenen Neuwahl der Israelitischen Kultusverwaltung wurde Herr Siegfried Plaut, Mitinhaber der Fa. D. Plaut, Kolonialwarengroßhandlung, zum 1. Kultusvorstand gewählt." 

   
   
Berichte zu einzelnen Personen aus der jüdischen Gemeinde  
Zum Tod von Fanny Stern geb. Hellmann (1914)    

Neustadt Saale Frf IsrFambl 17071914.jpg (27168 Byte)Artikel im Frankfurter Israelitischen Familienblatt vom 17. Juni 1914: "Neustadt an der Saale. Hier verschied im 71. Lebensjahre Frau Fanny Stern geb. Hellmann. Mit ihr ist eine tüchtige, mit den altjüdischen Tugenden ausgezeichnete Frau heimgegangen. Sie war Vorsteherin des Israelitischen Frauenvereins, und ihren Verlust werden Bedürftige und Kranke schmerzlich vermissen."  

  
80. Geburtstag von Kultusvorstand Sigmund Sichel (1935)
    

Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 1. Juni 1935: "Bad Neustadt a.S. Am 20. Mai 1935 beging unser Kultusvorstand Herr Sigmund Sichel seinen 80. Geburtstag. Mehrere Jahrzehnte als Mitglied der Kultusverwaltung, seit 15 Jahren als Kultusvorstand hat er in treuer, selbstloser Hingabe die Belange unserer Gemeinde in hervorragendem Maße gefördert. Trotz seines Alters und leidenden Zustandes nimmt er noch heute regsten Anteil an den Aufgaben und an der Entwicklung der Gemeinde. Möge er noch lange mit Rat und Tat dem Wohle der Gemeinde dienen."      

   
Zum Tod des langjährigen Kultusvorstandes Sigmund Sichel (1936)  

Neustadt Saale Israelit 10121936.jpg (112165 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 10. Dezember 1936: "Bad Neustadt (Saale), 2. Dezember (1936). Am 30. November verschied nach langem schweren Leiden im 82. Lebensjahre Sigmund Sichel, erster Kultusvorstand der hiesigen Gemeinde. 15 Jahre stand er an der Spitze der Kultusgemeinde, die er mit besonderer Tatkraft, seltener Weitsicht und hingebungsvoller Treue führte. Ihm ist es zu danken, dass alle Einrichtungen, die das Wesen einer jüdischen Kehillo (Gemeinde) ausmachen, in vorbildlicher Weise dastehen. Er war der Gründer unserer jüdischen Volksschule, wofür dem Verblichenen Eltern und Schüler heute sehr dankbar sind. Ausgezeichnet durch ein reiches profanes und jüdisches Wissen, liebenswürdiges Wesen, Geradheit und Rechtschaffenheit in seinem kaufmännischen Berufe erwarb sich der Verstorbene viele Freunde, hohe Achtung und allgemeine Wertschätzung. Das zeigte so recht die große Beteiligung an der Beerdigung. Herr Oberlehrer J. Wahler zeichnete mit tiefer Ergriffenheit in seiner groß angelegten Rede ein lebenswahres Bild des Verewigten als Vater, Jude und Mensch und hob seine großen Verdienste um Gemeinde, Wohlfahrtseinrichtungen, Schule und die jüdische Allgemeinheit hervor. Im Auftrag des Herrn Bezirksrabbiners Dr. Ephraim, Bad Kissingen, dankte er auch für den Bezirksausschuss des Rabbinatsbezirkes Bad Kissingen. Namens der Israelitischen Kultusverwaltung dankte Herr Max Friedmann dem verdienten Vorstande. Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."    
   
Bad Neustadt adS BayrIsrGZ 15121936.jpg (113219 Byte)Artikel in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15. Dezember 1936: "Bad Neustadt a.d. Saale, den 2. Dezember 1936...."  
Bericht weitgehend identisch mit dem in der Zeitschrift "Der Israelit" abgedruckten Bericht (siehe oben)  
 
Bad Neustadt adS BayrIsrGZ 15121936a.jpg (88589 Byte)Todesanzeige in der "Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" vom 15. Dezember 1936: "Mit schmerzlicher Ergriffenheit erfüllen wir die traurige Pflicht, von dem Ableben unseres verdienstvollen ersten Kultusvorstandes Herrn Sigmund Sichel Kenntnis zu geben. 
Im 82. Lebensjahre wurde Herr Sichel seligen Andenkens nach längerem, schweren Leiden am 30. November 1936 von uns abberufen. Fünfzehn Jahre widmete er sich als 1. Kultusvorstand bis zum letzten Atemzuge in unermüdlicher Treue, liebevoller Hingabe und außerordentlicher Willensstärke den Aufgaben unserer Gemeinschaft. Sein Andenken wird in der Geschichte unserer Gemeinde stets dankbar in Ehren gehalten werden. Die Verwaltung der Israelitischen Kultusgemeinde Bad-Neustadt/Saale."   

      
 Dokument zu Alfred Stern (1919)      

Karte an Alfred Stern 
in Neustadt a.d. Saale (1919) 
(aus der Sammlung von Peter Karl Müller,
Kirchheim / Ries)
Neustadt Saale Dok 740.jpg (159800 Byte) Neustadt Saale Dok 740a.jpg (144236 Byte)
Alfred Stern war Inhaber eines Kurz-, Weiß- und Wollwarengeschäftes in Neustadt a.d. Saale. Die an ihn "von allen Selz" aus Nürnberg am 26. Mai 1919 geschriebene Karte enthält u.a. Glückwünsche zu seinem Geburtstag. Alfred Stern bekam 1935 Schwierigkeiten, da die 22 Jahre alte Tochter des Bürgermeisters Nöth aus Leutershausen immer noch bei ihm angestellt war. Auch Bürgermeister Nöth wurde mit der Beseitigung aus seinem Amt für den Fall gedroht, dass seine Tochter weiterhin beim "Juden Stern" angestellt sei.  
Vgl. Herbert Schultheis: Juden in Mainfranken S. 450-451. 

       
       
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen  
Anzeige des Manufaktur- und Herrengarderobe-Maß-Geschäftes Stein & Comp. (1891)  

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 4. Juni 1891: "Für unser Manufaktur- und Herrengarderobe-Maß-Geschäft suchen wir einen mit den nötigen Schulkenntnissen versehenen 
Lehrling

Samstags und Feiertage geschlossen. Kost und Logis im Hause. 
Stein & Comp.
, Neustadt a.d. Saale."    

   
Anzeige von Meyer Friedmann (1900)    

Neustadt Saale Israelit 06121900.jpg (50485 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 6. Dezember 1900: 
"Für ein alleinstehendes Ehepaar wird ein 
Mädchen
 
für Hausarbeit gesucht, welches erforderlichen Falles auch die Küche besorgen kann. Offerten mit Gehaltsansprüchen an 
Meyer Friedmann
Neustadt a.d. Saale."    

  
Anzeige des Schuhhauses Franken (1920)      

Anzeige im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 23. Januar 1920: 
"Für mein Schuhgeschäft suche tüchtiges branchekundiges 
Fräulein
 
bei freier Kost und guter Bezahlung. Schuhhaus Franken, Neustadt (Saale), Unterfranken".    

   
Verlobungsanzeige von Trude Schloss und Emanuel Reis (1924)    

Anzeige in der "CV-Zeitung" (Zeitschrift des Central-Vereins) vom 1. Mai 1924: 
"Statt Karten: Trude Schloss - Emanuel Reis. Verlobte.  
Oberwaldbehrungen - Neustadt a.d.S.  April 1924."    

  
Verlobungsanzeige von Martha Guggenheimer und Max Rosenfelder (1924)       

Anzeige in der "CV-Zeitung" vom 7. August 1924: 
"Martha Guggenheimer - Max Rosenfelder
Verlobte.  
Neustadt a.d.S. Nürnberg - Nördlingen Nürnberg".       

  
Verkäuferin für das Schuhgeschäft B. Friedmann gesucht (1925)  

Neustadt Saale Israelit 14051925.jpg (38699 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 14. Mai 1925: 
"Tüchtige, branchekundige 
Verkäuferin

die an selbständiges Arbeiten gewöhnt ist, für mein Schuhwarengeschäft per sofort gesucht. Samstags und Feiertage streng geschlossen. Offerten mit Lichtbild, Gehaltsansprüchen und Zeugnisabschriften an 
B. Friedmann, Neustadt,
Saale (Unterfranken)."  

  
Anzeigen der Kaffee-Großrösterei usw. D. Plaut (1936 / 1937!) 

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 26. März 1936: "Zichorien  
und gerösteter Kaffee für Pesach unter Aufsicht des Herrn Bezirks-Rabbiners Dr. Ephraim, Bad Kissingen. 
Vorteilhafte Bezugsquelle für Wiederverkäufer und Großverbraucher. 
D. Plaut, Bad Neustadt
(Saale). Kaffee-Großrösterei."   
     
Bad Neustadt adS Israelit 11031937.gif (71128 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. März 1937: "Koscher zu Pessach.  
Zichorien
. 1/5 kg Rollenpackung. Kaffee, Lose und Paketware, orthodoxe Aufsicht Herr Bezirksrabbiner Dr. Ephraim, Bad Kissingen. Versand nur an Wiederverkäufer und Grossisten. 
D. Plaut, Bad Neustadt (Saale). Kaffee-Großrösterei und Zusatz-Fabrikation".    
 
   
Weiteres Dokument zur Fa. D. Plaut 
- Firmenkarte von 1927

(aus der Sammlung von 
Peter Karl Müller, Kirchheim/Ries) 
Neustadt Saale Dok 174.jpg (131539 Byte)
Hinweise (von Peter Karl Müller nach Herbert Schultheis: Juden in Mainfranken 1933-1945 S. 452-461):  Die Firma D. Plaut wird als Kolonialgroßwarenhandlung, Malzkaffeefabrik oder - wie in den Anzeigen oben - als Kaffeegroßrösterei David Plaut (bzw. Julius und Siegfried Plaut) genannt. Zur Geschichte in der NS-Zeit: ab Anfang 1937 der erfolglose Versuch von Julius und Siegfried Plaut die Firma zu verkaufen. Im Vorfeld davon waren dem Unternehmen schon das Gerstenkontingent zur Malzkaffeeherstellung, das Speiseölkontingent und die Großhandelserlaubnis entzogen worden, was sich natürlich erschwerend für die Verkaufsbemühungen darstellte. Am 7. Dezember 1938 Abmeldung der Firma durch Julius und Siegfried Plaut. Wenige Tage später wandern Julius und Siegfried Plaut samt ihren Familien nach Nordamerika aus. Nur der Seniorchef der Firma Plaut bleibt in Bad Neustadt, wo er am 13. Februar 1940 verstarb. Nach einer Besichtigung der noch nicht "arisierten" jüdischen Häuser in Bad Neustadt durch den NSDAP-Ortsgruppenleiter und dem 1. Beigeordneten wird anschließend bei der Zusammenlegung jüdischer Familien beschlossen, dass der alleinstehende "Jude David Israel Plaut" mit seiner Haushälterin in das Hausanwesen des Dr. Guggenheimer, Storchengasse 15 eingewiesen wird. 
Die obige Karte selbst bezieht sich auf eine Bestellung von 6/100 (vielleicht 6 Kisten a hundert Stück) gelber und weißer Kernseife und trägt den Zugstempel 316/291 der Bahnstrecke Meiningen-Würzburg mit dem Datum vom 28.4.1927. 

      
      
Sonstiges 
(Dokument aus der Sammlung von Peter Karl Müller, Kirchheim/Ries)   

Briefumschlag des Nathan Reis in Neustadt 
an der Saale (1867 / 1875)  
Neustadt Saale Dok 140.jpg (134540 Byte) 

Anmerkung: Es handelt sich um einen Briefumschlag, der vorderseitig auch den Namen des Absenders zeigt. Anhand der Briefmarke lässt sich über deren Erscheinungsdatum und Gültigkeitsdauer der Zeitraum, in welcher der Brief versandt wurde einschränken. Es kommen nur die Jahre von 1867 - 1875 in Frage, danach wurde die Pfennig-Währung eingeführt. 
Zu Familie Reis in Neustadt: In der Matrikelliste von 1817 (siehe oben) wird eine Matrikelstelle für den Familienvorstand Nathan Meier Reiß (Handel mit rauen Häuten und Leder, seit 1817) festgeschrieben. Der Familienname Reis erscheint mehrfach in der obigen Liste der aus Neustadt an der Saale in der NS-Zeit Umgekommenen.  
Der Briefumschlag des Nathan Reis in Neustadt an der Saal wurde nach Schirgiswalda im Landkreis Bautzen in der Zeit von 1867 - 1875 verschickt.  

      
      
      
Zur Geschichte der Synagoge       
   
Ein Betsaal wurde 1861 eingerichtet (im Haus mit der damaligen Nr. 141 nach Stadtchronik Benkert s.Lit.). In diesem Haus waren auch die Lehrerwohnung und ein Schulsaal. Es ist zu vermuten, dass es auch in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts bereits private Beträume gegeben hat. 
  
Eine Synagoge in Bad Neustadt wurde 1891 erbaut (nach Angabe in der Stadtchronik Benkert s.Lit. im Oktober 1891); ein Bericht zur Einweihung konnte in jüdischen Periodika noch nicht gefunden werden. Sie wurde in den folgenden Jahrzehnten mehrfach erneuert. 
   
Das letzte große Fest der jüdischen Gemeinde vor 1933 war im Zusammenhang mit der Einweihung einer neuen Tora-Rolle am 5. November 1932

Neustadt Saale Israelit 10111932.jpg (157863 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 10. November 1932: "Neustadt (Saale), 8. November (1932). Unsere Gemeinde hatte das Glück, ein selten schönes Fest zu feiern. Selten, weil die ältesten Mitglieder sich nicht erinnern können, ein solches hier erlebt zu haben; schön, weil die Feier lichwaud hamokom welichwaud hatauroh (zur Ehre des Ortes und zur Ehre der Tora) so ganz der Zeit angepasst, einen schlichten, aber sehr würdigen Charakter trug. Unser verehrliches Gemeindemitglied, Herr Sigmund Weinstock, hier und seine Gattin Rosa geb. Stein aus Eschwege haben vor kurzem durch den Sofer (Toraschreiber), Herrn Kormann, Frankfurt am Main, ein wunderbares Sefer (Torarolle), ein wahres Prachtstück jüdischer Schreibkunst, anfertigen lassen und unserer Kultusgemeinde zur Verfügung gestellt. Anlässlich der Bar Mizwoh ihres jüngsten Sohnes Norbert übergaben die Stifter am Schabat Paraschat Noach (am Schabbat mit der Toralesung Noach, d.h. Lesung aus 1. Mose 6,9-11,32; der Schabbat war am 5. November 1932) ihr heiliges Gut zur Einweihung. 
Freitag Nachmittag, vor Beginn des Gottesdienstes, wurde das Sefer (Torarolle) feierlich im Hause der Stifter abgeholt. Nach dem Gesange des Vajehi binsoa trug Herr Weinstock, begleitet von seinen drei Söhnen, seinen Verwandten, der gesamten Kultusverwaltung und vielen Gemeindemitgliedern, auf blumengeschmücktem Wege sein Kleinod zur Synagoge. Dort sang zur Begrüßung unser Herr Kantor einen schönen Ma towu ('Wie lieblich...') und rezitierte die Psalmen 19, 111, 112 und 149. - Die Hauptfeier fand am darauffolgenden Morgen statt. Unser herrliches Gotteshaus war bis auf den letzten Platz besetzt. Andächtig folgten die Beter dem weihevollen Gottesdienste. Den Glanzpunkt der stimmungsvollen Feier bildete die Festpredigt unseres Kantors, Herrn Oberlehrer Wahler. Ausgehend von dem Satze 5. Mose 31,19 "Und nun denn, schreibet euch diesen Gesang auf" begründete der gewandte Redner in tiefgründiger Weise die allgemeine Verpflichtung des Toraschreibens, wünschte den Stiftern für die Erfüllung dieser großen Mizwoh (= Weisung) Gottes reichsten Segen, dankte im Auftrage der Kultusverwaltung namens der Gemeinde für das kostbare Geschenk und gab seiner großen Freude Ausdruck, nun aus einem so schönen Sefer die Toralesung vornehmen zu können. Herr Wahler dankte der Familie Weinstock und schloss mit einer herzlichen Ansprache an den Barmizwo."
 
Neustadt Saale BayrGZ 15111932.jpg (29894 Byte)Artikel in der Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung vom 15. November 1932: "Neustadt a.d. Saale. Unser Gemeindemitglied, Herr Sigmund Weinstock, hier, und seine Gattin Rosa geb. Stein aus Eschwege, haben vor kurzem durch den Sofer (Toraschreiber) Herrn Kormann, Frankfurt am Main, eine wunderbare Tora-Rolle, ein wahres Prachtstück jüdischer Schreibkunst, anfertigen lassen und unserer Kultusgemeinde anlässlich der Bar Mizwoh ihres jüngsten Sohnes Norbert feierlich übergeben."

Bereits vor der NS-Zeit kam es zu gewaltsamen Aktionen gegen die Synagoge: 1926 wurde davon berichtet, dass bereits zweimal die Fenster der Synagoge eingeschlagen wurden seien. 

Neustadt a.d.A. CV 26031926.jpg (56803 Byte)Aus einem längeren Artikel in der Zeitschrift des Central-Vereins (CV-Zeitung) vom 16. März 1926: "...Diese Agitation hat bereits ihre Auswirkung gefunden. In vielen Orten werden in den Wirtschaften wüste Reden geführt, die Fahrräder zieren sich mit Hakenkreuzfähnchen und wer nicht mittut, steht vor der Gefahr des Boykotts. In dem kleinen fränkischen Städtchen Neustadt, wo seit alters her Christen und Juden in friedlichem, bürgerlichem Einvernehmen miteinander lebten, zu kulturellen und geselligen Zwecken immer zusammen kamen, wurden bereits zweimal die Fenster der Synagoge eingeschlagen..." 

Auch in der NS-Zeit richteten unbekannte Nationalsozialisten im Juni 1935 erheblichen Schaden im Garten der Synagoge an. Im März 1936 wurden erneut die Fenster der Synagoge eingeschlagen. Im April 1937 wurde die Synagoge wiederum beschädigt. Am 26. September 1938, dem ersten Tag des jüdischen Neujahrsfestes, erhielt der Gemeindevorsitzende die Anweisung, die Synagoge sofort räumen zu lassen. Vermutlich sollte sie zur Unterbringung von Sudetendeutschen verwendet werden. Unmittelbar vor der Pogromnacht wurde sie von Oberregierungsrat als Getreidelager für das Baywa-Lagerhaus beschlagnahmt, was das Gebäude vor der Zerstörung bewahrt hat. Die Gottesdienste fanden nach der von der jüdischen Gemeinde zu zahlenden Räumung der Synagoge in den Räumen der jüdischen Volksschule statt. Im Frühjahr 1940 beschlagnahmten die Behörden im Rahmen einer Altmetallsammlung Ritualien aus der Synagoge, darunter auch den Kronleuchter der Synagoge. Das Gebäude blieb jedoch erhalten. Im Keller der katholischen Kirche überstanden die Kriegszeit auch 17 Torarollen, Silbergerät und Gebetbücher, die hier versteckt worden waren. Einige der Torarollen stammten aus den Nachbargemeinden Eichenhausen und Rödelmaier. 
  
1945
wurde die ehemalige Synagoge auf Anweisung der alliierten Militärregierung zunächst wieder renoviert und neu eingeweiht, vermutlich auch einige Zeit für jüdische Soldaten der Alliierten sowie für KZ-Überlebende und jüdische Flüchtlinge ("Displaced Persons") genützt. Über die Einweihung berichtet die Zeitschrift "Der Aufbau". 

Neustadt BY Aufbau 1945.jpg (77728 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Aufbau" vom 28. Dezember 1945: "Einweihung in Neustadt. In dem nordbayrischen Städtchen Bad Neustadt ist die Synagoge neu eingeweiht worden, die im Jahre 1938 während des Roschaschanah-Gottesdienstes geräumt werden musste und seither als Depot der deutschen Heeresverwaltung diente. Siebzehn Torarollen mit ihrem Silberschmuck, sowie zahlreiche jüdische Bücher fanden sich wohlverwahrt im Keller der katholischen Kirche und sind nun wieder ihrer ursprünglichen Bestimmung zugeführt worden. An der Feier nahm Brigadier General L. Richardson, Commanding General of the IC. Air Defense Command teil. Für die Mitglieder der Gemeinde, 'die ihr Leben hingaben für ihren Glauben an Gott' wurde eine Gedenktafel angebracht. Der jüdische Friedhof, der wie ein Trümmerfeld aussah, musste auf Anordnung der Besatzungsbehörde von der Stadtverwaltung wieder in Ordnung gebracht werden."

Wie lange die Synagoge noch für Gottesdienste verwendet wurde, ist nicht bekannt. In den 1950er-Jahren wurde das Synagogengebäude umgebaut und dient bis heute als Wohn- und Geschäftshaus (Arztpraxen). Eine Gedenk- oder Hinweistafel ist nicht vorhanden. 
   
  
Adresse/Standort der SynagogeBauerngasse 25   
  
  
Fotos
(Historische Ansichtskarte siehe bei HaGalil.com - kann als digitale Karte versandt werden: hier anklicken; Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 11.8.2005) 

Neustadt Saale Synagoge 047.jpg (68879 Byte) Neustadt Saale Synagoge 046.jpg (72214 Byte)   
Historische Ansichtskarte (Potpourrikarte) 
von Neustadt a.d. Saale mit Synagoge.
Ausschnitt aus der 
Karte links
   
     
Neustadt Saale Synagoge 102.jpg (61176 Byte) Neustadt Saale Synagoge 100.jpg (34281 Byte) Neustadt Saale Synagoge 105.jpg (38654 Byte)
Synagogengebäude 
im Sommer 2005
Blick von 
Südosten
Blick auf die Ostfassade mit Apsis 
des ehemaligen Toraschreines
     
Neustadt Saale Synagoge 104.jpg (74631 Byte) Neustadt Saale Synagoge 103.jpg (70870 Byte) Neustadt Saale Synagoge 101.jpg (48734 Byte)
Alter gusseiserner Zaun 
an der Westseite 
Blick auf das Synagogengebäude 
von Westen
Der heutige 
Eingangsbereich
        
         
Das ehemalige jüdische Schulhaus
(Fotos: Elisabeth Böhrer, 
Aufnahmedatum: 4. März 2010) 
      
Neustadt Schule 170.jpg (106046 Byte) Neustadt Schule 172.jpg (94584 Byte) Neustadt Schule 171.jpg (145714 Byte)
 Das Gebäude Storchengasse 17 wurde - nach den Recherchen von Elisabeth Böhrer - von der jüdischen Gemeinde am 31. Januar 1860 erworben und zu einem "Wohnhaus mit Judenschule" umgebaut; eine Mikwe wurde 1895 angebaut und eingerichtet (Dokument im Staatsarchiv Würzburg). Der auf dem linken Foto zu sehende Pfosten und der Hofbereich gehören nicht zum Grundstück der ehemaligen jüdischen Schule.  
      
        
Das Denkmal für die aus Neustadt deportierten und ermordeten Juden 
in der Bauerngasse - unweit des Synagogenstandortes
(Fotos: Elisabeth Böhrer, Aufnahmedatum: November 2009)
 
Neustadt Denkmal 081.jpg (96046 Byte) Neustadt Denkmal 080.jpg (86163 Byte) Neustadt Denkmal 082.jpg (107012 Byte)
Blick auf das Denkmal  Innenseite mit Namen  Außenseite mit den Figuren 
     
Neustadt Denkmal 083.jpg (84336 Byte) Neustadt Denkmal 089.jpg (82805 Byte)  
"Betet für uns und gedenket unser, erzählet es
 Euren Kindern wieder, wie wir zu Tode
 gepeinigt wurden. Gretel Klein"
Deportationsdatum 22. April 1942 
(nur ein Datum der verschiedenen 
Deportationen wird genannt)
 
     
Neustadt Denkmal 084.jpg (51485 Byte) Neustadt Denkmal 085.jpg (64225 Byte) Neustadt Denkmal 086.jpg (60475 Byte)
Erinnerung an Moses Blatt, Frieda Blatt, 
Betty Adler, Paula Katz, Irene Katz, 
Klara Ackermann, Max Frank, Sofie Frank,
 Lotte Edelstein 
  
Erinnerung an Hermann Haas, Selma Haas,
 Albert Haas, Willi Kaufmann, Sophie
 Kaufmann, Richard Kaufmann, Karola
 Kaufmann, Hermann Kaufmann, Gittel
 Kaufmann, Bernhard Lustig, Irma Lustig 
Erinnerung an Hugo Klein, Gretel Klein, 
Rosa Klein, Siegbert Klein, Philipp Oppenheimer,
 Sara Oppenheimer, Leopold Katzenstein, 
Emma Kach, Flora Gerendasi  
  
     
Neustadt Denkmal 087.jpg (74461 Byte) Neustadt Denkmal 088.jpg (75818 Byte)
Erinnerung an Emil Ottensoser, Paula Ottensoser, Hilde Ottensoser,
 Herbert Ottensoser, Max Ottensoser, Mina Ottensoser, Senta
 Ottensoser, Norbert Ottensoser, Meta Ottensoser, Alfred Ottensoser,
 Israel Wahler, Bella Wahler, Betti Reis, Marianne Schloßmann  
Erinnerung an Justin Strauß, Paula Strauß, Herbert Strauß, Kurt Strauß,
 Susanne Strauß, Fanny Strauß, Rosa Weinberg, Arthur Weinstock, 
Else Weinstock, Gerhard Weinstock, Lothar Weinstock, 
Sigmund Weinstock, Rosa Weinstock 
     

     

Andernorts entdeckt  Weiden Friedhof 110.jpg (76632 Byte)  
  Grabstein auf dem jüdischen Friedhof in Weiden
 für Julie Weglein geb. Baer, geb. 1845 in
 Wallerstein, verheiratet in Neustadt a.d. Saale
 1868-1922, gest. 1939  
 

  
  
 
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte  

November 2006: Einweihung des Denkmales in der Bauergasse  
Artikel von Karin Nerche-Wolf in der "Main-Post" vom 9. November 2006: 
"Gedenken an die jüdischen Mitbürger.  
BAD NEUSTADT
(NEW) Nicht nur der würdige Rahmen, sondern auch die persönliche Geschichte von Hanna Schwarz und Walter Klein ließen die Feierstunde zur Übergabe des Mahnmals für die ehemaligen jüdischen Bürger Bad Neustadts zu echtem, tief empfundenem Gedenken werden.
Es war der Augenblick, in dem die beiden betagten Herrschaften das neu geschaffene Mahnmal mit innerem Leben erfüllten, indem sie für ihre Mutter Gretel Klein auf der Gedenkwand Kerzen entzündeten. Der Name Gretel Klein findet sich in der Rundung bei all den anderen, den Familien Ottensoser, Weinstock oder Kaufmann, die am 22. April 1942 aus Bad Neustadt deportiert wurden und in Konzentrationslagern ums Leben kamen. Ihre Kinder Hanna und Walter entgingen diesem Schicksal, weil die Eltern sie schon vorher nach England geschickt hatten. 
Aber Gretel Klein war nicht nur eins der Opfer, sie hinterließ die zentrale Botschaft des Mahnmals. In einem Brief hatte sie an ihre Kinder geschrieben: "Betet für uns und gedenket unser, erzählet es Euren Kindern wieder, wie wir zu Tode gepeinigt wurden." Hanna und Walter erteilten der Künstlerin Eva-Maria Warmuth die Erlaubnis, diesen ergreifenden Satz in das Mahnmal einzuarbeiten und ermöglichten ihr dadurch wohl auch den engen emotionalen Bezug, den Bürgermeister Bruno Altrichter in seiner Ansprache ausdrücklich hervorhob. 
Für die Übergabe des Mahnmals waren Hanna Schwarz und Walter Klein extra aus Amerika angereist. Es war ihnen ein Anliegen, in persönlichen Worten ihren Dank an die Stadt Bad Neustadt zum Ausdruck zu bringen und das warme Willkommen zu erwähnen, das ihnen bei ihren Besuchen in den vergangenen sechs Jahren immer wieder zuteil wurde. 
Michael Trüger aus München, Dezernent beim Landesverband der israelitischen Kultusgemeinde in Bayern, hatte das Geschehen der Pogromnacht vom 9. November 1938 eindrucksvoll vergegenwärtigt und eine zutiefst unmoralische Horde, eine kleine Minderheit, dafür verantwortlich gemacht. Durch ihre Passivität seien alle anderen aber auch beteiligt gewesen. Trüger erinnerte daran, dass eine Reihe jüdischer Familien in der Storchengasse - an deren Einmündung in die Bauerngasse jetzt das Mahnmal steht - wohnte und hier auch 13 jüdische Kinder von Oberlehrer Israel Wahler unterrichtet wurden. Sein Name findet sich auf der Gedenktafel für die Deportierten ebenso wie die seiner noch jungen Schüler. Die Synagoge in Bad Neustadt entging der Zerstörung, weil das Gotteshaus schon vorher beschlagnahmt worden war und als Lagerhalle genutzt wurde. 
Die Unterscheidung, die die jüdische Religion zwischen Erinnern an die Toten und Gedenken an die Erschlagenen macht, rief Trüger ins Bewusstsein. Auch er war als Kind gefragt worden, wo seine Großeltern, sein Onkel, sein Bruder seien und konnte daher aus tiefem Herzen der Stadt Bad Neustadt danken, dass der Wunsch von Gretel Klein respektiert wurde. 
Einen wesentlichen Anteil an der Realisierung der Gedenkstätte habe vor allem Gitta Biedermann, würdigte Altrichter das unermüdliche Bemühen der Stadträtin. Zur Umsetzung und Gestaltung gab Bildhauerin Eva-Maria Warmuth einige Erläuterungen. Ihr sei es um die Wahrnehmung der Vergangenheit gegangen, aber auch um die Zukunft. Daher habe sie den beiden Figuren Augen gegeben, als Ausdruck für Offenheit gegenüber dem anderen und dem allgemeinen Geschehen. Das Halbrund, in dem die Namen der Deportierten mit der Angabe ihres Alters zu lesen sind, verstehe sie wie eine Umarmung. 
Für eine würdige Umrahmung dieser eindrucksvollen Feierstunde hatte ein Klarinetten-Trio der Berufsfachschule für Musik in Bad Königshofen passende Literatur gewählt, die auch über die Ohren jüdische Traditionen vergegenwärtigte." 
    
November 2009: Vortrag über die Deportation der Juden aus Neustadt  
Artikel (ruf) in der "Main-Post" vom 13. November 2009 (Artikel): 
"BAD NEUSTADT. Sie ahnten, dass sie in den Tod fahren. Viel beachteter Vortrag von Elmar Schwinger über die Deportation der Bad Neustädter Juden. 
'Betet für uns und gedenket unser, erzählet es euren Kindern wieder, wie wir zu Tode gepeinigt wurden', schrieb Gretel Klein aus Bad Neustadt an ihre Kinder, knapp einen Monat bevor sie mit dem größten mainfränkischen Transport nach Kasniczyn/Izbica in der Region Lublin deportiert wurde. 
850 Personen wurden an jenem 22. April 1942 von Würzburg aus deportiert. In Izbica ist Gretel Klein genauso verschollen wie ihr Mann Hugo Klein und alle 56 Bad Neustädter Juden, die das Mahnmal in der Bauerngasse nennt. Drei davon waren 66 Jahre, ein Kind noch keine zehn Monate alt.
Bewegender Vortrag.  Es war ein bewegender Vortrag, den der Historiker und Pädagoge Dr. Elmar Schwinger im gut besetzten Bildhäuser Hof auf Einladung der Volkshochschule hielt. In jahrelanger, mühevoller Arbeit und Quellenstudium, unter anderem in Warschau, Lublin und New York, hat er 2009 das Buch 'Von Kitzingen nach Izbica' veröffentlicht. Darin erzählt er vor allem die Geschichte der Kitzinger Juden. Das 670 Seiten starke Buch enthält aber auch viele Hinweise und Quellen zur Geschichte der Bad Neustädter Juden oder anderer jüdischer Gemeinden in der Umgebung.  Izbica war ein 'Transitghetto', in dem die Deportierten unter schrecklichen Bedingungen lebten. Von dort ging es in die Vernichtungslager Belzec, Sobibor oder Auschwitz-Birkenau. 'Man weiß nicht, wo die Bad Neustädter Juden geendet sind', sagte Schwinger. Viele starben vermutlich schon in Izbica. 
Immer wieder ließ Elmar Schwinger den Zuhörern Zeit, die Informationen und Bilder auf sich wirken zu lassen. Oft unterbrach er den Vortrag, um zu sagen: 'Hier können Sie einzelne Gesichter sehen.' Oder: 'Schauen Sie sich das Handgepäck der Deportierten an, dieses ärmliche Gepäck der angeblich wohlhabenden Leute.' Der Transport von Würzburg nach Izbica dauerte drei bis vier Tage. Die Menschen wussten nicht, dass sie in ihren Tod fuhren, aber sie ahnten es – wie der Abschiedsbrief von Gretel und Hugo Klein belegt. 
Getrieben durch die vielfältigen Schikanen der Vorkriegszeit, durch den Schrecken der Pogrome, versuchten viele jüdische Mitbürger auszuwandern. Aber so einfach war das nicht. Unter den im April 1942 aus Bad Neustadt Deportierten fanden sich nicht die Jahrgänge, die hatten auswandern können, sondern Kinder und Menschen über 35. Da Izbica offiziell als Arbeitslager deklariert war, wurden die Greise und Gebrechlichen später nach Theresienstadt deportiert. Sie endeten, sofern sie den Transport überlebten, in jenem Lager, mit dem die Nazi-Propaganda die ganze Welt getäuscht hatte, indem sie Delegationen des Roten Kreuzes durch ein 'Potemkinsches Dorf' führte. 'Der Führer schenkt den Juden eine Stadt', hieß der Propagandafilm über das 'Altersheim Theresienstadt'. 
Wie hat sich die Bevölkerung Bad Neustadts verhalten? Auch da gibt es keine einfachen Antworten. Bei der Versteigerung des Eigentums der aus Bad Neustadt Deportierten soll laut Zeitzeugenberichten eine Atmosphäre wie beim Sommerschlussverkauf geherrscht haben. Ein Reingewinn von 20 376,96 Mark wurde erzielt. Es gab Eiferer wie Kreisleiter Ingebrand, der die Fotos vom Abtransport der Juden im Schaukasten der 'Mainfränkischen Zeitung' auf dem Marktplatz ausstellen ließ. Auch muss jemand die Kinder aufgehetzt haben, die dem Zug der Deportierten johlend und steinewerfend zum Bahnhof folgte. Und doch gibt es andere Beispiele, wie das einer Frau, die ein jüdisches Hausmädchen versteckt hielt, und deren Name in Jad Vaschem in Jerusalem aufgeführt ist. Schwinger hob auch die positive Rolle des damaligen Landrats Conrad Stümmer hervor. 
Elmar Schwinger stellte die Frage nach Verantwortung und Schuld. 'Wie konntet ihr das zulassen?' Er beschreibt es so: Seit Machtantritt Hitlers veränderte sich die politische Landschaft. Viele Menschen waren geblendet von der neuen Macht. Ein Beispiel aus seinem Buch: 'Als am 30. September 1938 eine kleine Gruppe verbrecherischer Antisemiten in Mellrichstadt in die Synagoge einbrach und ihr Zerstörungswerk begann, sammelte sich binnen kurzem eine aus mehreren hundert Personen bestehende Menschenmenge an, von der sich viele an den Verwüstungen beteiligten.' 
Die Masse blieb bei der Deportation passiv. Es gab einzelne kritische Stimmen. Der Krieg fegte dann die letzten Tabus hinweg. Die eigenen Sorgen überwältigten die Menschen. Die Angst um die eigene Familie und die Familienangehörigen an der Front erstickte das womöglich vorhandene Mitleid mit den jüdischen Nachbarn. Walter Klein, der den Holocaust überlebte, weil er und seine vier Geschwister 1939 mit einem in Frankfurt am Main zusammengestellten Kindertransport nach England hatten auswandern können, kam zur Enthüllung des Mahnmals nach Bad Neustadt. Er zeigte Trauer um seine Eltern, aber keinen Groll. Als Bad Neustädter Schüler ihm zum Geburtstag gratulierten, sagte er: 'Ich war ein unerwünschtes Kind in Bad Neustadt. Und jetzt singen die Schüler für mich.'".

   
    

Links und Literatur

Links:

Website der Stadt Bad Neustadt an der Saale  
http://www.judaica-badneustadt.de/de/  
Seite zum jüdischen Friedhof Bad Neustadt an der Saale  (interner Link) 

Literatur:  

Germania Judaica II,2 S. 584; III,2 S. 963. 
Baruch Z. Ophir/Falk Wiesemann: Die jüdischen Gemeinden in Bayern 1918-1945. Geschichte und Zerstörung. 1979 S. 267-270.  
Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany - Bavaria. Hg. von Yad Vashem 1972 (hebräisch) S. 415-418. 
Ludwig Benkert: Bad Neustadt an der Saale. Die Stadtchronik. Neustadt 1985.  

  
    


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Bad Neustadt  Lower Franconia. Jews were victimized in the Rindlfeisch massacres of 1298 and the Black Death persecutions of 1348/49. The community began to grow in the 19th century, reaching a peak population of 212 in 1900 (total 2,140). Many Jews engaged in the cattle trade. A Jewish public school was opened in 1860, a synagogue in 1888. In 1933 the Jewish population was 158. Severe persecutions comenced with the Nazi rise to power. Synagogue windows were smashed and cemetery tombstones broken. The synagogue was taken over by the army in September 1938. Up to 1941, 74 Jews emigrated, mostly between 1937-39, including 28 to the U.S. and 14 to South America, with 35 leaving for other German cities. Forty-five Jews were deportated to Izbica in the Lublin district of Poland via Wuerzburg on 22 April 1942. The last eight were sent to the Theresienstadt ghetto in September. 
   
      

                   
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Stand: 29. November 2015