Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Bad Neustadt an der Saale (Landkreis Rhön-Grabfeld) 
Der jüdische Friedhof 
 (Seite wurde erstellt unter Mitarbeit von Elisabeth Böhrer) 
      

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde     
   
Siehe Seite zur Synagoge in Bad Neustadt (interner Link)   
   
   
Zur Geschichte des Friedhofes    
   
Der jüdische Friedhof in Bad Neustadt wurde 1887 auf einem durch die jüdische Gemeinde von Abraham Gärtner erworbenen Grundstück angelegt. Die erste Belegung war - nach den Recherchen von Elisabeth Böhrer - im November 1887 (Babetta Ambrunn aus Neuhaus; vgl. Presseartikel vom November 2012 unten), kurze Zeit nach dem Kauf des Friedhofsgeländes. 
   
Wann die letzte Beisetzung war, ist nicht bekannt. Vermutlich war es Mathilde Weinstock, die am 15. März 1940 verstorben ist. Ob die Angabe auf der angebrachten Hinweistafel, wonach der Friedhof "bis 1942 als Bestattungsstätte" diente, auf eine letzte Beisetzung zu deuten ist, konnte nicht in Erfahrung gebracht werden. Möglicherweise weist das Jahr 1942 auf das Jahr der Deportation der jüdischen Einwohner Neustadts hin. Bis Ende der 1930er-Jahre war der westliche Teil des Friedhofes großenteils belegt, der östliche Teil noch unbelegt. 
  
In der NS-Zeit und danach wurde der Friedhof mehrfach geschändet. Durch die Schändungen ist ein Teil der Grabsteine nicht mehr lesbar. 
  
Eine Gedenktafel ist rechts des Eingangs angebracht. Die Friedhofsfläche umfasst 33,00 ar.  
  
Eine Liste der auf dem Friedhof Beigesetzten liegt vor; Anfragen hierzu an Elisabeth Böhrer (E-Mail, eboehrer[at]gmx.de).  
  
  
Lage des Friedhofes  
  
An einem Hang nahe der Mozartstraße.     

Link zu den Google-Maps
  
     
  
  
Fotos 
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum: 11.8.2005; ein Foto von Jürgen Hanke, Kronach s.u.) 

Neustadt Saale Friedhof 110.jpg (85996 Byte) Neustadt Saale Friedhof 109.jpg (47485 Byte) Neustadt Saale Friedhof 108.jpg (81884 Byte)
Eingangstor  Hinweistafeln  Grabstein für Cäcilie Weinstock geb. Sichel
 aus Grünsfeld in Baden (1880-1909) 
    
     
Neustadt Saale Friedhof 101.jpg (82136 Byte) Neustadt Saale Friedhof 104.jpg (84072 Byte) Neustadt Saale Friedhof 102.jpg (85784 Byte)
Blick über den Friedhof; ein großer 
Teil blieb unbelegt
  Teilansicht  Blick vom oberen Teil 
hangabwärts
   
     
Bad Neustadt Friedhof 190.jpg (62728 Byte) Neustadt Saale Friedhof 103.jpg (87403 Byte) Neustadt Saale Friedhof 100.jpg (83904 Byte)
Doppelgrabstein ohne Tafeln; links mit
 "segnenden Händen" der Kohanim
(Foto: J. Hanke, Kronach) 
Im ältesten Teil 
des Friedhofes 
In der letzten Grabreihe der 1930er-Jahre:
: Justus Kach (links, 1877-1935) und 
Markus Nussbaum (1878-1937) 
  ´
     
Neustadt Saale Friedhof 105.jpg (84367 Byte) Neustadt Saale Friedhof 106.jpg (82640 Byte) Neustadt Saale Friedhof 107.jpg (74374 Byte)
Grabstein für Hanna Siegel geb. Frank
 (1832-1908): 
"Du Krone aller Frauen!
Du beste der Mütter!
Wir hatten die Gnade,
Dich lange zu besitzen.
Und doch zu kurz
Für unsere Liebe u. Verehrung.
Deine im Geiste mit
Dir vereinten Kinder"
"Hier ruht die teure und liebliche Frau. 
Sie ist gegangen auf vollkommenen Wege.
 Sie hat das Gute getan alle ihre Tage 
und hat ihre Kinder zu Geradsinnigkeit angeleitet..." - 
Grabstein für "Bertha Baer geb. Feldmeier.
 Geb. zu Wallerstein 18. Juli 1820. 
gest. dahier d. 29. April 1895". 
    
Grabstein für Jette Dannenbaum 
geb. Lebermuth (1846-1907) und 
Aron Dannenbaum (1839-1915) 
  
 
   
  
 
        

   
   

Berichte zum Friedhof  

November 2009: Engagement für den Friedhof  
Artikel in den "Osthessen-News" vom 18. November 2009: (Artikel): 
"Jüdischer Friedhof - im Spannungsfeld zwischen Erhalten und Verwittern. 
Bad Neustadt -
Als Kulturreferentin liegt Stadträtin Roswitha Altrichter auch der jüdische Friedhof in Bad Neustadt am Herzen. Zwar fragten immer wieder Leute an, die nach ihren Wurzeln und Vorfahren suchen, doch gebe es keinen Übersichtsplan über die Belegung des Friedhofs. Die Steine verwittern, nicht wenige sind kaum noch oder gar nicht mehr lesbar. Ihrem Wunsch nach einem detaillierten Übersichtsplan stehen tradierte Regeln der israelitischen Kultur gegenüber, nach denen zwar auf Judenfriedhöfen nichts an den Grabstellen verändert werden darf aber doch eine natürliche Verwitterung als langsames Vergehen erwünscht ist. 
Nicht einfach gestaltet sich die Bemühung um Hintergrundwissen. Fest steht, dass der jüdische Friedhof in der Mozartstraße in Bad Neustadt um 1888/89 angelegt. Die letzte Beisetzung war 1942. Laut Michael Weiß, geschäftsführender Beamter der Kreisstadt, ruhen hier die Überreste von 221 Menschen in zirka 190 Grabstätten. 
Bis 1942 war der westliche Teil großenteils belegt, der östliche Teil noch unbelegt. Davon zeugen die vorhandenen freien Wiesenflächen innerhalb hoher schützender Mauern. In der NS-Zeit und auch danach wurde der Friedhof allerdings mehrfach geschändet. 'Dem Auge fern, dem Herzen nahe', erzählt einer der wenigen Grabsteine, die nicht in hebräischer Schrift abgefasst sind. Manche zeigen sich dicht von Efeu umrankt, viele sind mit Flechten besät, manche noch sehr gut erhalten, andere stark vom natürlichen Verfall gezeichnet. Auffallend sind die Doppelnamen, viele Namen finden sich mehrfach vertreten wie 'Weinstock', 'Oppenheimer' und 'Veilchenblau', aber auch 'Stern' und 'Franken'. 
Erinnerungen erzählen von 'Kriegsveteranen', die für Deutschland betont 'freiwillig' in den ersten Weltkrieg gezogen waren, aber auch von deportierten Menschen, die in Konzentrationslagern ums Leben gebracht wurden. Was für eine Frau mag Hana Siegel, geb. Frank, gewesen sein, die 1908 im Alter von 74 Jahren beerdigt worden war? Die Inschrift auf ihrem Stein lautet wie folgt: 'Du Krone aller Frauen. Du beste der Mütter. Wir hatten die Gnade Dich lange zu besitzen und doch zu kurz für unsere Liebe und Verehrung.'
Auf etlichen Grabsteinen finden sich noch immer kleine Steinchen als stummer Gruß und Ehrerbietung. Anders als in christlichen Grabkulturen, wo traditionell Blumen niedergelegt werden, hinterlassen jüdische Gläubige eben kleine Steinchen auf den Grabmälern. 
Fast wäre der Friedhof noch während des zweiten Weltkriegs eingeebnet worden. Bestrebungen zufolge sollten hier Bauplätze entstehen, was glücklicherweise nicht geschah. Heute zeigt sich der jüdische Friedhof mit einer hohen Schutzmauer umgeben allseits von Wohnhäusern eingeschlossen. Die Eingangspforte ist zwar das ganze Jahr über geschlossen, doch bei besonderem Bedarf ist der Schlüssel bei der Stadtverwaltung erhältlich. Stadträtin Roswitha Altrichter hatte erst im vergangenen Jahr einen Tag mit offenen Besuchszeiten angeregt. Obwohl es da stetig regnete, registrierte sie ein reges Kommen und Gehen. 'Das zeigt doch, dass die hier Bestatteten nicht vergessen sind und das Interesse sehr groß ist.' Es findet sich beispielsweise ein Grabstein für Cäcilie Weinstock geb. Sichel aus Grünsfeld in Baden (1880-1909), ein Doppelgrabstein ohne Tafeln aber mit 'segnenden Händen der Kohanim'. 'Hier ruht die teure und liebliche Frau. Sie ist gegangen auf vollkommenem Wege. Sie hat das Gute getan alle ihre Tage und hat ihre Kinder zu Geradsinnigkeit angeleitet..." – der Grabstein ist gewidmet für 'Bertha Baer geb. Feldmeier, geb. zu Wallerstein 18. Juli 1820, gest. dahier d. 29. April 1895". 
Eine systematische Erfassung der Gräber auf dem Judenfriedhof in Bad Neustadt gibt es bislang noch nicht, fraglich ist noch, ob eine solche nach so langer Zeit überhaupt noch möglich ist. 'Es wäre schade, wenn man diese Kulturstätte sich selbst überließe, bis sie eines Tages völlig verschwindet', so die Stadträtin. (ger)."   
 
November 2012: Vor 125 Jahren war die erste Bestattung   
Artikel in der "Main-Post" vom 16. November 2012: "Vor 125 Jahren war die erste Bestattung. Der jüdische Friedhof in Bad Neustadt, von dem viele Bewohner gar nicht wissen, dass er existiert und wo er liegt, ist für alle Interessierten wie ein faszinierendes Kapitel in einem Geschichtsbuch. Viele haben schon darin gelesen und immer wieder Neues entdeckt. Auf ein besonderes Datum weist der Grabstein von Babette Ambrunn hin: Sie starb am 16. November 1887 und wurde vor 125 Jahren (man kann vom 18. November ausgehen) als Erste auf dem jüdischen Friedhof beigesetzt...."  
Artikel eingestellt als pdf-Datei     
 

 

 

Links und Literatur

Link

Website der Stadt Bad Neustadt a.d. Saale  
Zur Seite über die jüdische Geschichte / Synagogengeschichte in Bad Neustadt (interner Link)    

Literatur:  

Ludwig Benkert: Bad Neustadt an der Saale. Die Stadtchronik. Neustadt 1985. 
Zur Anlage des Friedhofes ist hier S. 237 zu lesen: "Der Judenfriedhof am Mönchshaug wurde 1888/89 angelegt; möglicherweise wurden dort aber schon vorher Bestattungen von Juden vorgenommen". Diese Angabe ist nicht ganz nachzuvollziehen, da nicht vorstellbar ist, dass auf einem nicht angelegten Friedhof Beisetzungen vorgenommen wurden. Nach jüdischer Tradition ist die Einweihung eines Friedhofes gewöhnlich verbunden mit der ersten Beisetzung.   
Israel Schwierz: Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in Bayern. 1988 S. 41. 
Michael Trüger: Der jüdische Friedhof in Bad Neustadt a.d. Saale. In: Der Landesverband der Israelit. Kultusgemeinden in Bayern. 8. Jahrgang Nr. 58 vom September 1993 S. 27.  

   

                   
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Stand: 22. November 2012