Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Eichenhausen (Gemeinde Wülfershausen a.d. Saale, VG Saal a.d. Saale, Kreis Rhön-Grabfeld)
Jüdische Geschichte / Synagoge

Übersicht:  

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer   
Weitere Dokumente      
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen 
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte    
Links und Literatur   

    

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)  
    
In Eichenhausen bestand eine jüdische Gemeinde bis 1938. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 18. Jahrhunderts zurück. 1752 ließ der damals neue Ortsherr Johann Michael von Schauenfels auf seinem Rittergut 15 Häuser und eine Judenschule errichten. 
 
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1816 70 jüdische Einwohner (25,1 % von insgesamt 279), 1867 35 (12,4 % von 283), 1880 29 (10,4 % von 278), 1900 30 (10,8 % von 279), 1910 15 (5,5 % von 270).  
  
Anfang des 19. Jahrhunderts lebten die jüdischen Familien (nach Mitteilung von Elisabeth Böhrer vom 26.7.2010) noch zusammen im Gräflich von Sodenschen Schloss in Eichenhausen (Rittergut Eichenhausen), wo sich vermutlich auch die Einrichtungen wie Betsaal und Schule befanden. Über das jüdische Zusammenleben und den jüdischen Unterricht erfährt man aus einem Dokument vom März 1809 (Mitteilung des Gräflich von Sodenschen Patrimonalgerichtes - Dokument Staatsarchiv Würzburg nach E.B.): "In dem Gräflich vom Soden'schen Schloß zu Eichenhausen wohnen bis 12 Judenhaushaltungen und haben bis 18 Kinder, die den Schulunterricht und sonstige Bildung nöthig haben".       
 
Bei der Erstellung der Matrikelliste im Juli 1817 werden in Eichenhausen auf insgesamt 12 Matrikelstellen die folgenden jüdischen Familienvorstände genannt (mit neuem Familiennamen; in Klammer Erwerbszweig): Schlom Rosenstock (Schnittwarenhandel), Abraham Ast (Schacherhandel), Jaidel Federlein (Korn- und Pelzhandel), Wolf Seifensieder (Lichterzieher), Isaac Frey (Zahnarzt), Jacob Axmann (Lumpen- und Papierhandel) Löser Auschenberger (Spaßmacher, verschiedentliche Dienste), Samuel Bien (Schnittwarenhandel durch seinen Sohn Abraham), Samuel Hirschbaum (Judenschullehrer, Handel mit Schnittwaren und Mandel), Löw Friedmann (Handel mit Baumwollenwaren durch sein Schwesterkind Samuel Isaac), Mayer Seifensieder (Seifen und Lichterziehen), Israel Sattler (trat 1825 an die Stelle des gestorbenen Mayer Hirsch); zwei weitere Plätze wurden 1825 eingetragen Jaidel Veilchenblau und Schulum Rosenstock (Metzger, seit 1825). 
 
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge (s.u.), eine Religionsschule und ein rituelles Bad. Die Toten der Gemeinde wurden seit 1762 auf dem jüdischen Bezirksfriedhof in Kleinbardorf beigesetzt. Zur Besorgung der religiösen Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer am Ort (siehe oben der 1817 genannte Samuel Hirschbaum). Seit dem 20. Dezember 1832 waren die Israeliten von Eichenhausen und Rödelmaier zu einem Religionsschulverband vereinigt (nach Mitteilung von Elisabeth Böhrer vom 28.9.2012; Quelle: Dokument im Staatsarchiv Würzburg). Seitdem stellten die Gemeinden Eichenhausen und Rödelmaier einen gemeinsamen Lehrer an (vgl. unten die Ausschreibungen der Stelle 1876 und 1890).   
 
Im Ersten Weltkrieg fiel aus der jüdischen Gemeinde Theo (Theodor) Rosenstock (geb. 16.2.1888 in Eichenhausen, gefallen als Soldat im 10. bayerischen Infanterieregiment 17 am 29.9.1915). Sein Name steht auf dem Kriegerdenkmal für die Gefallenen beider Weltkriege aus Eichenhausen rechts neben der Dorfkirche in der Ortsmitte an einer Mauer. 
        
Um 1924, als zur jüdischen Gemeinde noch 12 Personen in Eichenhausen (4,4 % von 270 Einwohnern), dazu 15 in Rödelmaier gehörten, war Vorsteher der Gemeinde S. Veilchenblau. Die jüdische Gemeinde gehörte zum Distriktsrabbinat Bad Kissingen
 
1933 lebten nur noch vier jüdische Männer und eine jüdische Frau in Eichenhausen (2,0 % von insgesamt 257 Einwohnern). Es kam zu Anschlägen auf die noch am Ort lebenden jüdischen Einwohner. So wurden in der Nacht vom 13. auf den 14. April 1935 nicht nur einige Scheiben der Synagoge zertrümmert, sondern vermutlich mit Wagenschmiere bei dem jüdischen Landwirt Karl Rosenstock an die Hoftüre die Worte geschrieben "Ab nach Palästina, Juden-Aas". Dieselben Worte wurden an das Wohnhaus der verwitweten jüdischen Krämerin Amalia Veilchenblau gemalt. Mehrere Häuser nichtjüdischer Einwohner wurden gleichfalls mit "Judenknecht", "Volksverräter" usw. beschmiert, darunter das Hoftor des 1. Bürgermeisters Gottfried Steinmüller und das des Schweinehändlers und 2. Bürgermeisters Josef Behrmann.  
Im April 1938 schlossen sich die letzten zwei jüdischen Einwohner Eichenhausens der Gemeinde Bad Neustadt an, nachdem 1936 einer verstorben und im Oktober 1937 zwei andere nach Palästina emigriert waren. Im März 1939 konnte ein Gemeindeglied nach Kuba auswandern. 
   
Von den in Eichenhausen geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Lina Gönninger geb. Veilchenblau (1894), Regina Neumann geb. Gerstle (1884), Amalie (Malchen) Veilchenblau geb. Lustig (1864), Bernhard Veilchenblau (1891), Bertha Veilchenblau geb. Heinemann (1868), Ludwig Veilchenblau (1892), Nanni Veilchenblau (1890), Berta Weiler geb. Weinstock (1894), Betty Weimersheimer geb. Heilbronner (1898), Sofie Weimersheimer geb. Adler (1898), Arthur Weinstock (1887).  
     
     
     
Aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
 
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer   
Ausschreibungen der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet 1876 und 1890  

Eichenhausen Israelit 10051876.jpg (30483 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 10. Mai 1876: "Gesucht wird auf sogleich ein Lehrer für die kombinierte Schule Rödelmaier-Eichenhausen, Rabbinat Kissingen. Fixer Gehalt 600 Mark. Wenn der Betreffende die Schechita, welche 100-150 Mark jährlich trägt, übernehmen könnte, wäre besonders erwünscht. Meldungsgesuche sind zu richten an den Kultus-Vorsteher Hirsch Franken in Rödelmaier bei Neustadt a.d.S."
   
Eicherhausen Israelit 22051890.jpg (41627 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 22. Mai 1890: "Die Religionslehrer-, Vorbeter- und Schächterstelle der kombinierten Gemeinden Rödelmaier und Eichenhausen ist erledigt. Fixer Gehalt Mark 412, freie Wohnung nebst bedeutendem Nebenverdienst. Reflektanten wollen sich melden an den Vorstand der israelitischen Gemeinde Rödelmaier, Bayern. Der Kultusvorstand: Hirsch Franken."

    
   
Weitere Dokumente    
Postkarte von L.J. Veilchenblau (1894)  

Postkarte von 1894 
(aus der Sammlung von Peter Karl Müller,
 Kirchheim/Ries)
Eichenhausen Dok 0909.jpg (95872 Byte) Eichenhausen Dok 0910.jpg (96762 Byte)
   Bestellung von L.J. Veilchenblau aus Eichenhausen bei der Eisenhandlung Eisenheimer 
in Schweinfurt, geschrieben am 17. Mai 1894 in Eichenhausen 

    
    
    
    

Zur Geschichte der Synagoge    
     
     
1752 hatte der bisherige Besitzer des Rittergutes Eichenhausen Julius Gottlieb Freiherr Voit von Salzburg das Rittergut an Johann Michael von Schauenfels für 16.000 Gulden verkauft. Dieser ließ 15 Häuser und eine Judenschule (vermutlich die erste Synagoge) errichten. Nach mehrfachem Besitzerwechsel in den Jahren nach dem Tod des Johann Michael Freiherr von Schauenfels 1757 kam das Rittergut 1796 an Graf Friedrich Julius Heinrich von Soden - Sassanfahrt. Der Sohn des Grafen Julius von Soden, Karl Graf von Soden verkaufte das Rittergut Eichenhausen 1852 an ortsansässige Bauern. Damit hörte das Rittergut Eichenhausen auf zu bestehen.   
  
Eine neue Synagoge  wurde 1865 erbaut. Bis nach 1933 wurden in ihr - gemeinsam von den in Eichenhausen und Rödelmaier lebenden jüdischen Personen - Gottesdienste abgehalten. In der Synagoge wurde auch - nach Auflösung der dortigen Gemeinde - der Toraschrein der Synagoge Rödelmaier aufbewahrt. 
   
Nach 1933: In der Nacht vom 13. auf den 14. April 1935 wurden einige Scheiben der Synagoge zertrümmert. Damals wurde die Synagoge in Eichenhausen bereits nicht mehr benutzt, da kein Minjan mehr zum Gottesdienst zustande kam (Mindestzahl der 10 jüdischen Männer). 1937 wurde das Gebäude an die Ortsverwaltung für 150 RM verkauft. Die Torarollen der Gemeinden Eichenhausen und Rödelmaier kamen nach Neustadt a.d. Saale, wo sie den Krieg überstanden. 
 
Möglicherweise wurde das Synagogengebäude trotz des Verkaufs an die Ortsverwaltung 1937 dennoch beim Novemberpogrom 1938 zerstört (dazu keine Angabe bei Ophir/Wiesemann s.u.; Angabe aus dem Wikipedia-Artikel Wülfershausen a.d. Saale) zerstört. Nach Erinnerungen vor Ort war das Gebäude vor seinem Abriss 1978 nur noch eine teilweise ausgebrannte Ruine.   
 
Das Gebäude (bzw. was nach dem im vorigen Abschnitt beschriebenen möglichen Synagogenbrand 1938 übriggeblieben ist) wurde von 1949 bis 1959 als Lagerhalle verwendet, doch wurde es immer baufälliger, sodass es 1978 bis auf die Grundmauern abgebrochen werden musste und auf diesen - noch sichtbaren Grundmauern - ein Wohnhaus errichtet wurde. Außer diesen Grundmauern ist von der Synagoge nichts mehr erhalten. Da sich die Besitzer des Grundstückes des Synagogengebäudes weigerten, an dem neuen Haus eine Gedenktafel anbringen zu lassen, wurde diese auf der linken Seite des Kriegerdenkmals des Ortes (vor dem Friedhof) im Jahr 1987 angebracht mit dem Text: "In Eichenhausen bestand bis 1938 eine Jüdische Kultusgemeinde. Synagoge Ortsstraße 37. Die Gemeinde gedenkt ihrer ehemaligen Jüdischen Mitbürger".   
   
   

Adresse/Standort der Synagoge:    Ortsstraße 37    
   
  
  Fotos      

Historische Ansicht 
der Synagoge 
(Foto erhalten von Kreisheimatpfleger 
Reinhold Albert)  
Eichenhausen Synagoge 082.jpg (46570 Byte)  
     
     
Das auf den Grundmauern der Synagoge
 erbaute Wohnhaus 
(Fotos: Jürgen Hanke, Kronach, www.synagogen.info
Eichenhausen Synagoge 121.jpg (31499 Byte) Eichenhausen Synagoge 120.jpg (41977 Byte)
       Das Wohnhaus anstelle der Synagoge  Gedenktafel am Ortsfriedhof 
        
Fotos von 2007
(Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 28.5.2007)
  
Eichenhausen Synagoge 130.jpg (69518 Byte) Eichenhausen Gedenkstaette 100.jpg (99337 Byte) Eichenhausen Gedenkstaette 101.jpg (62662 Byte)
Das auf den Grundmauern der 
Synagoge erbaute Wohnhaus
Die Gedenkstätte am Ortsfriedhof  
   

  
Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte 

August 2012: In einem Presseartikel wird auch an die jüdische Geschichte erinnert   
Artikel in der Main-Post vom 23. August 2012: "Eichenhausen. Wappen des Erbauers erinnert an das Eichenhäuser Schloss. Main-Post-Serie 'Untergegangene Burgen und Schlösser im Grabfeld - Teil 7. Vor mehr als 150 Jahren hörte das Rittergut Eichenhausen auf zu bestehen. Es wurde von den Grafen von Soden an die ansässigen Bauern verkauft. Diese verteilten den Besitz mit Ausnahme des Waldes unter sich. Die zum Gut gehörenden Häuser erhielten ebenfalls neue Besitzer, wurden zum Teil eingelegt und wieder neu aufgebaut.
Zum Gut Eichenhausen gehörten ein Schloss, Gesindewohnungen, Ställe, eine Scheune, eine Synagoge, ein Fischweiher, der Schlosshof, ein Judenbad sowie Gärten und Wiesen. Das ehemalige Schloss wurde in den sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts von den nunmehrigen Besitzern, der Familie Schneider/Hofgesang, teilweise erneuert. Noch in unseren Tagen sind am Kellereingang sowie einer Umfassungsmauer Wappen der Erbauer zu erkennen..."   
Link zum Artikel       

  
    

Links und Literatur  

Links: 

Website der Gemeinde Wülfershausen an der Saale 

Literatur:  

Baruch Z. Ophir/Falk Wiesemann: Die jüdischen Gemeinden in Bayern 1918-1945. Geschichte und Zerstörung. 1979 S. 286. 
Israel Schwierz:  Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in Bayern. Eine Dokumentation der Bayerischen Landeszentrale für politische Bildungsarbeit. A 85. 1988 S. 48-49. 
Pinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany - Bavaria. Hg. von Yad Vashem 1972 (hebräisch) S. 418. 
Herbert Schultheis: Juden in Mainfranken 1933-1945 unter besonderer Berücksichtigung der Deportationen Würzburger Juden. Bad Neustädter Beiträge zur Geschichte und Heimatkunde Frankens Band 1. 
Dirk Rosenstock (Bearbeiter): Die unterfränkischen Judenmatrikeln von 1817. Veröffentlichungen des Stadtarchivs Würzburg Band 13. Würzburg 2008. S. 216.

   
   


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Eichenhausen  Lower Franconia.  A Jewish community existed in the mid-18th century, numbering 70 in 1816 (total 279) and building a synagogue in 1855. Of the five Jews present in 1933, three emigrated in 1936-37.             
   

   

                   
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Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 20. Dezember 2012