Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


Eingangsseite

Aktuelle Informationen

Jahrestagungen von Alemannia Judaica

Die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft

Jüdische Friedhöfe 

(Frühere und bestehende) Synagogen

Übersicht: Jüdische Kulturdenkmale in der Region

Bestehende jüdische Gemeinden in der Region

Jüdische Museen

FORSCHUNGS-
PROJEKTE

Literatur und Presseartikel

Adressliste

Digitale Postkarten

Links

 


zurück zur Übersicht "Synagogen in der Region"  
zurück zur Übersicht "Synagogen in Thüringen" 
   
    

Gleicherwiesen mit Simmershausen (Gemeinde Gleichamberg, Kreis Hildburghausen)
Jüdische Geschichte / Synagoge  

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer   
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde   
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen     
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen   
Links und Literatur   

   

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)  
   
In Gleicherwiesen bestand eine jüdische Gemeinde bis 1938/42. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 17. Jahrhunderts zurück. 1680 nahmen die reichsritterschaftlichen Dorfherren von Bibra vier "Schutzjuden" in Gleicherwiesen auf. Es waren Familien aus der Gemeinde Bibra oder auch einige der 1671 aus dem Hochstift Fulda vertriebene jüdische Familien. Durch die Anwesenheit der jüdischen Familien verbesserte sich die wirtschaftliche Lage des Ortes: 1743 wurde Gleicherwiesen in den Rang eines Marktfleckens erhoben und durfte vier Jahr- und Viehmärkte abhalten. 
  
Ende des 18. Jahrhunderts schlossen sich die Juden des benachbarten Simmershausen der israelitischen Kultusgemeinde Gleicherwiesen an (1786). Im folgenden Jahr konnte neue Einrichtungen der jüdischen Gemeinde geschaffen werden, u.a. die Einweihung einer Synagoge im Jahr 1787.   
  
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: in Gleicherwiesen 1833 189 jüdische Einwohner (neben 256 christlichen), in Simmershausen 1853 60 jüdische Einwohner. 
Die jüdischen Familien lebten bis weit ins 19. Jahrhundert hinein vom Handel mit Vieh sowie Häuten und Kleinwaren (Kramwaren). Um 1850 war der bedeutendeste Viehhändler am Ort Nathan Seligmann. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts öffneten mehrere von Ihnen Läden und Handlungen am Ort.  
  
An Einrichtungen bestanden eine Synagoge (s.u.), ein jüdische Schule, ein rituelles Bad und ein Friedhof. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ist als Lehrer besonders zu nennen: Marcus Cramer, der seit 1853 am Ort war, 1878 sein 25-jähriges Dienstjubiläum feiern konnte und 1885 in den Ruhestand trat (siehe Berichte unten). Sein Nachfolger war Jacob Mühlfelder, der sich u.a. dadurch verdient machte, dass er 1889 ein Register des jüdischen Friedhofes mit Situationsplan und Nummerierung anlegte.     
  
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde (alle genannten Personen lebten vor 1914 an anderen Orten): Dedo Cramer (geb. 23.6.1882 in Gleicherwiesen, vor 1914 in Coburg wohnhaft, gef. 14.7.1915), Vizefeldwebel Alfred Schloß (geb. 12.3.1893 in Gleicherwiesen, vor 1914 in Coburg wohnhaft, gef. 13.1.1917), Ludwig Seligmann (geb. 16.7.1892 in Gleicherwiesen, gef. 30.5.1915), Martin Laub (geb. 5.9.1892 in Gleicherwiesen, vor 1914 in Niederstetten wohnhaft, gef. 14.11.1914), Leopold Bachmann (geb. 26.4.1884 in Gleicherwiesen, vor 1914 in Nordhausen wohnhaft, gef. 14.5.1916). 
  
Um 1920 wurden noch 86 jüdische Einwohner gezählt. Es gab in jüdischem Besitz die folgenden Gewerbebetriebe: Viehhandlung Moses Rosenberger, Immobilienmakler Joseph Kahn, Landmaschinenhandel Isaak Kahn, Textil- und Kleiderwaren Aron Heinemann, Metzgerei Albert Levy, Lohmühle Herz Bachmann, Gerberei Karl Bachmann, Viehhandlung Löser Katz, Kolonialwarenhandlung Jakob Gärtner.            
 
Um 1924, als zur Gemeinde 42 Personen gehörten (8,4 % von etwa 500 Einwohnern), waren die Gemeindevorsteher Isak Kahn, Selig Rosenthal, Löser Katz, Moritz Schloss und Sigmund Kahn. Den Religionsunterricht erteilte Oberlehrer Kahn an der Volksschule (noch für zwei Kinder der Gemeinde); er war gleichzeitig als Vorbeter in der Gemeinde tätig. Zur Gemeinde gehörten auch die in Simmershausen (1924 5) und Römhild (1924 2) lebenden jüdischen Personen. 
   
1932 waren die Gemeindevorsteher Löser Katz (1. Vors., Streufdorf Nr. 7), Albert Lewy (2. Vors.) und Carl Bachmann (3. Vors.). Die Gemeinde wurde betreut durch den Landrabbiner Dr. Leo Fränkel aus Meiningen.        
   
1933 lebten noch 26 jüdische Personen am Ort. In den folgenden Jahren ist ein Teil der jüdischen Gemeindeglieder auf Grund der zunehmenden Entrechtung und der Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert. Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge geschändet und demoliert (s.u.). Im Mai und im September 1942 wurden die letzten jüdischen Einwohner aus Gleicherwiesen in Vernichtungslager deportiert.     
       
Von den in Gleicherwiesen geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Dina Bachmann geb. Linz (1880), Max Bachmann (1876), Sigmund Bachmann (1882), Regina Blumenthal geb. Kahn (1872), Moritz Cramer (1877), Liselotte (Lissa, Lissi) Elsoffer geb. Kahn (1907), Therese Frühauf geb. Guttmann (1861), Bianka Fultheim geb. Mühlfelde (1880), Rosalie Hamburger geb. Cramer (1861), Rika (Rickchen) Heymann geb. Rosenthal (1873), Frieda Hofmann geb. Ludwig (1879), Clara Kahn geb. Seligmann (1873), Flora Kahn (1900), Jette (Jettchen) Kahn geb. Freudenberger (1872), Nanny Kahn geb. Seligmann (1867), Sigmund Kahn (1906), Treina Kuttner geb. Kahn (1860), Deborah Levi geb. Ehrlich (1863), Rosa Bella Levy geb. Kahn (1902), Marta Mayer geb. Gärtner (1893), Bertha Peß Mendelsohn geb. Bachmann (1870), Jenny Metzger geb. Ehrlich (1895), Berta Meyerstein geb. Gutmann (1867), Emanuel Mühlfelder (1875), Max Mühlfelder (1888), Sophie Neumann geb. Schloss (1875), Sabine Rosenbaum geb. Seligmann (1855), Selig Daniel Rosenthal (1868), Nanni Salomon geb. Schloss (1880), Arthur Schloss (1882), Hermann Hirsch Schloss (1872), Jette Schloss geb. Bachmann (1861), Selma Schloss (1898), Betty Schottenfels geb. Katz (1901), Rosa Stiefel geb. Mühlfelder (1884), Käthe Wachenheimer geb. Ehrlich (1900), Bella Wahler geb. Adler (1878), Marta Weißmann geb. Laub (1888), Irma Zaduk geb. Katz (1900), Rosa Rita Zaduk (1934).       
   
Aus Simmershausen sind umgekommen: Gustav Kahn (1884), Max Kahn (1882), Bella Ludwig geb. Kahn (1888), Flora Mayer geb. Kahn (1886), Martha Wetzler geb. Kahn (1892).     
   
   
   
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
 
Aus der
Geschichte der jüdischen Lehrer   
Feier der 25jährigen Dienstzeit des Lehrers Marcus Cramer (1878) 

Gleicherwiesen Israelit 17071878.jpg (110208 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. Mai 1878: "Mellrichstadt, 7.Juli (1878). Am 11. Mai (1878) feierte die israelitische Kultusgemeinde Gleicherwiesen, Herzogtum Sachsen-Meiningen, in solenner Weise das Jubiläum der 25-jährigen Dienstzeit ihres Lehrers, Herrn M. Cramer. Hierzu berief man Herrn Rabbiner Dr. Kroner aus Eisenach, welcher unter ungeteiltem Beifalle die Festrede hielt. Aus dem Festprogramme, welches sehr reichhaltig war, ist zu erkennen. dass dieser Tag für erwähnte Kultusgemeinde ein wahrer, herzlich gemeinter Festtag war, wozu alle auswärtigen Verwandte und Bekannte, wie beim Begehen eines Familienfestes eingeladen und auch erschienen waren. Die Festgeschenke von Jung und Alt, von Einzelnen, wie von der Gemeinde, bestehend in Banknoten, Gold- und Silbergeräten sollen einen Wert von über Mark 5.000 übersteigen.   
Der Jubilar war stets und ist noch ein ganzer Mann für Schule und Gemeinde, und was die Hauptsache ist, er hatte das Glück, hier einen für das Wahre und Gute stets empfänglichen Boden zu finden, worauf er den Samen des Wahren, Schönen ausstreute, welcher diese guten Früchte trug. Ottensoser, Direktor."       

  
Zum Tod des Lehrers Marcus Cramer (Lehrer in Gleicherwiesen von 1837-1885; gest. 1887)

Gleicherwiesen Israelit 07071887.jpg (182870 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 7. Juli 1887: "Gleicherwiesen, im Juni (1887). Am 25. vorigen Monats hat die hiesige israelitische Gemeinde ihren hochverehrten Lehrer und Führer, die Meininger Lehrerschaft ihren treuesten Kollegen zur letzten Ruhe gebettet. Einen solch feierlich, imposanten Leichenzug hat unser Ort wohl noch nie gesehen. Nur wer den unvergleichlichen Marcus Cramer gekannt, wird die innige Teilnahme an dem Verlust, der die Familie des Heimgegangenen und die hiesige Gemeinde, ja das ganze orthodoxe Judentum betroffen, verstehen. Ohne Unterschied der Konfession beteiligten sich nicht nur die Ortseinwohner an dem Leichenbegängnis, es waren auch viele Kollegen und Schüler von nah und fern erschienen, um dem allverehrten Freunde und Lehrer die letzte Ehre zu erweisen. 
Am Grabe sprachen der Herzogliche Landrabbiner von Meiningen, der Amtsnachfolger des Entschlafenen und der 1. Vorstand der hiesigen Gemeinde, während die erschienenen christlichen Kollegen erhebende Trauergesänge vortrugen. Der Herr Landrabbiner kondolierte auch im Auftrage der hohen Oberschulbehörde in Meiningen, die das verdienstvolle Wirken Cramers stets anerkannte. 
Cramer amtierte als Elementar- und Religionslehrer, sowie als Kantor von 1837 bis Ostern 1885, um welche Zeit er wegen schwerer, körperlicher Leiden von der Oberschulbehörde in den verdienten Ruhestand versetzt wurde."     

       
       
Berichte zu einzelnen Personen aus der jüdischen Gemeinde  

Zum Tod von Kaufmann Israel Cramer, Bruder des 1887 verstorbenen Lehrers Marcus Cramer (1892)

Gleicherwiesen Israelit 22081892a.jpg (121541 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 22. August 1892: "Gleicherwiesen, im August (1892). Unsere Gemeinde ist von einem schweren Verlust betroffen worden. Nachdem vor kaum 5 Jahren unser verdienstvoller, hochgeehrter Lehrer Cramer von uns genommen worden ist, hat nun auch dessen ebenbürtiger Bruder, der Kaufmann Herr Israel Cramer am 18. Ab im Alter von 73 Jahren für immer das Auge geschlossen. 
Hat jener von Amtswegen jahrelang hier höchst segensreich gewirkt, so fällt diesem das Verdienst zu, als Privatmann in der uneigennützigsten Weise für das Wohl der Gemeinde und der jüdischen Gesamtheit überhaupt tätig gewesen zu sein.   
Der Vollendete zählte zu den leider immer seltener werdenden Männern, die vermöge ihrer Festigkeit und Unwandelbarkeit im Glauben, ihrer Anhänglichkeit an der Gotteslehre und am väterlichen Glauben, sowie überhaupt durch die Schwere ihres edlen, die Pietät herausfordernden Charakters ein wirksames Gegengewicht gegen die destruktiven Bewegungen unserer Zeit bilden. 
Während der ältere Bruder dem Lehrerberufe sich widmete, hob Israel Cramer in seinem Gewerbe durch eisernen Fleiß und eisernen Willen die Familie aus der Dürftigkeit zum Wohlstand. Dabei verstand er es, wie selten einer, Talmud Tora im Derech Erez (das meint:), Studium des Gotteswortes mit weltlichen Geschäften und weltlicher Bildung in schönen Einklang zu bringen. Von Natur aus mit reichen Gaben des Geistes und des Herzens ausgerüstet, wurde er im Lernen durch die Anregung, die von seinem gelehrten Bruder ausging, noch in seinem Mannesalter wesentlich gefördert.   
Gleicherwiesen Israelit 22081892b.jpg (210857 Byte)Dass ihm aber nicht das Lernen, sondern besonders die Tat Hauptsache gewesen, dafür wissen ihm die hiesige Gemeinde und die weitesten Kreise Dank über sein Grab hinaus.   
Die Gebote unserer heiligen Religion hat er aufs Pünktlichste ausgeübt. Arme und Dürftige, Witwen und Waisen, Verwalter der Lehrhäuser und Leiter sonstiger gemeinnütziger Anstalten können bezeugen, dass er ein wahrhaft wohltätiger Mann und unermüdet im Wohltun gewesen. Warme Fürsprache und Förderung fand durch ihn auch alle zum Wohl Jerusalems und des heiligen Landes bestehenden Lehr- und Wohltätigkeitsanstalten; mit verschiedenen Leitern derselben stand er in direktem Verkehr.  
Er hatte stets den Mut, seine gewonnene Überzeugung zu bekennen und suchte laue und schwankende Gemüter zu begeistern.  
In der Synagogen- und Ortsgemeinde bekleidete er die verschiedensten Ehrenämter; in früheren Jahren hatte er in Gewissenhaftigkeit und Gewandtheit die religiöse Funktion eines Schochet ausgeübt.  
Was ihn uns unvergessen machen wird und ihm ein treues Gedenken sichert, das sind seine freiwilligen, uneigennützigen Leistungen als Chasan (Kantor). Begabt mit seiner sicheren, wohlklingenden Stimme und durch mehr als gewöhnliche Kenntnisse der heiligen Sprache befähigt die Gebete nach ihrem Inhalte genau zu erfassen, hat er von frühester Jugend an, länger als ein halbes Jahrhundert vor der Lade Gottes stehend, durch seinen Vortrag die Herzen der frommen Beter auf den Schwingen der Andacht, besonders an den hehren Tagen des Jahres (sc. hohe Feiertage zwischen Neujahr und Jom Kippur), zu Gott emporgehoben. 
Welche Verehrung Herr Cramer in unserer Gemeinde und darüber hinaus genoss, zeigte sich bei seinem Leichenbegängnis, das am Freitag stattfand. Die Doppelgemeinde Gleicherwiesen-Simmershausen war vollzählig erschienen, auch eine Anzahl Nichtisraeliten, darunter der evangelische Pfarrer und Lehrer unseres Nachbarortes Streufdorf, woselbst das Hauptgeschäft des Verstorbenen sich befindet, waren herbeigeeilt, um dem Manne, der auch bei Andersgläubigen wegen seiner strengen Rechtlichkeit beliebt war, die letzte Ehre zu erweisen.
Im Trauerhause widmete Herr Daniel Rosenthal, der gewesene langjährige Vorsteher unserer Gemeinde seinem treuen Mitarbeiter am Gemeindewohl und dem größten Wohltäter des hiesigen Wortes einen ehrenden Nachruf, während am Grabe der Lehrer unserer Gemeinde die Verdienste des Heimgegangenen gebührend hervorhob und den Trauernden Trost spendete.  
Gleich nach dem Leichenbegängnisse wurde dem Kultusvorstande eine von dem Verstorbenen verfasste und auf seinen Namen lautende Stiftungsurkunde überreicht, in der derselbe seine Erben anweist, ein Kapital an die Gemeinde auszuhändigen, dessen Zinsen religiösen und wohltätigen Zwecken dienen soll. Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens."            
       
Ergänzendes Dokument zu Israel Cramer: 
Postkarte von Israel Cramer,
verschickt am 28. November 1886 
an die Fa. Eisenheimer in Schweinfurt 
(aus der Sammlung von Peter Karl Müller, Kirchheim / Ries) 
Gleicherwiesen Dok 1201.jpg (196728 Byte) Gleicherwiesen Dok 1202.jpg (203791 Byte)
Anmerkung (von Peter Karl Müller): Israel Cramer und seine Frau Karoline geb. Beck hatten eine Tochter Nanny. Diese heiratete etwa 1880 Meier Herz Laub in Gleicherwiesen (nach dem Begleittext zu ihrem Grabstein). Sie liegt begraben in Oettingen, vgl. die Gräberliste www.alemannia-judaica.de/images/Images%2076/CEM-OET-GRAVELIST.pdf (interner Link; Seite 21 - Grabnummer 184).  

 
Zum Tod des aus Gleicherwiesen stammenden Seminar- und Gemeindelehrer Julius Rosenthal in Hildburghausen (1896)  

Gleicherwiesen AZJ 15051896.jpg (177333 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 15. Mai 1896: "Hildburghausen, 10. Mai (1896). Die hiesige israelitische Gemeinde und die gesamte Lehrerschaft des Herzogtums Meiningen hat einen schweren Verlust erlitten; am 2. Mai dieses Jahres beschloss ein sanfter Tod das Leben des verdienstvollen Seminar- und Gemeindelehrers Julius Rosenthal hier. Über dessen goldenes Dienstjubiläum im Sommer 1892 und die zahlreichen Ehrungen des Jubilars aus dieser Veranlassung hatten Sie vor vier Jahren berichtet. Das Leichenbegängnis, das am 5. dieses Monats stattfand, bewies aufs Neue, in welch hohem Ansehen der entschlafene Schulmann gestanden. Denn nciht nur die ganze Gemeinde und die sämtlichen israelitischen Lehrer des Herzogtums schlossen sich der trauernden Familie des Verewigten an, sondern auch das gesamte Seminarkollegium und die meisten Lehrer der höheren Schulen, sowie fast alle christlichen Kollegen der an vierzig Mitglieder zählenden Bezirkskonferenz und viele christliche Bürger sah man im Trauergefolge. Der jüngste Lehrer trug auf einem Ordenskissen die goldene Verdienstmedaille nach, womit seinerzeit der Jubilar durch den Herzog ausgezeichnet worden war. Am Grabe sprachen der herzogliche Landrabbiner von Meiningen und Lehrer Holländer aus Berkach. Julius Rosenthal, geboren am 27. Dezember 1823 zu Gleicherwiesen, erhielt seine Ausbildung auf dem hiesigen Seminar, dann amtierte er an der Samsonschule in Wolfenbüttel und später in Jever. 1846 folgte Rosenthal einem Ruf seiner Schulbehörde und verwaltete von da ab in der engeren Heimat die Schulstellen in Bibra und Walldorf, bis er endlich im Jahre 1872 in seine hiesige Stelle einrückte. Mit klarem Verstand und seltener Auffassungsgabe begnadet, eignete sich Rosenthal eine bedeutende wissenschaftliche Bildung an. Er erzielte nicht nur durch sein Lehrgeschick große Erfolge, sondern erwarb sich auch um die innere und äußere Hebung des Lehrerstandes im Herzogtum große Verdienste, die neidlos anerkannt wurden. Rosenthal war auch über zehn Jahre Mitglied des Vorstandes vom Landeslehrerverein und leitete sogar einige Hauptversammlungen desselben. Durch diese idealen Bestrebungen sowohl, als auch durch seinen reinen tadellosen Charakter hat der Verblichene Kiddusch haschem (Heiligung des Gottesnamens) geübt wie selten Einer, wie er überhaupt in fortschrittlichem Sinne ein begeisterter Jude gewesen. Darum wird gewiss sein Andenken zum Segen bleiben."      
Weitere Berichte zum Tod von Julius Rosenthal siehe Seite zu Hildburghausen.   

    
    
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen 

Anzeige von N. Seligmann (1900)   

Gleicherwiesen Israelit 05111900.jpg (40312 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. November 1900: 
"Ein tüchtiges, selbstständiges, braves, älteres 
Mädchen
 
zur Pflege und Stütze meiner älteren, alleinstehenden Mutter für sofort gesucht. 
N. Seligmann, Gleicherwiesen."      

  
Danksagung anlässlich des Abschiedes von Rosa Katz (1925)   

Gleicherwiesen Israelit 12021925.jpg (48856 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 12. Februar 1925: 
"Für die vielen Beweise inniger Teilnahme beim Hinscheiden meiner geliebten Gattin, unserer guten Mutter und Schwester 
Frau Rosa Katz 

sagen wir auf diesem Wege unseren herzlichsten Dank. Januar 1925. 
Loeser Katz und Kinder. 
Gleicherwiesen, Thüringen. 
Frau B. Grünebaum 
Frankfurt am Main."     

           
Verlobungsanzeige von Betty Katz und Bernhard Schottenfels (1929)     

Artikel in der "Gemeindezeitung für die Israelitischen Gemeinden Württembergs" vom 16. Oktober 1929: 
"Betty Katz  -  Bernhard Schottenfels.
Verlobte.  
Gleicherwiesen / Frankfurt am Main - Frankfurt am Main / Stuttgart.  
Oktober 1929."      

       
  
    
       
Zur Geschichte der Synagoge          
   
Zunächst war vermutlich ein Betraum in einem der jüdischen Häuser vorhanden. 
  
1787 konnte eine Synagoge erbaut werden. Sie war gut 150 Jahre Mittelpunkt des jüdischen Lebens am Ort.     

Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge von einem SS-Kommando aus Hildburghausen überfallen. Das Mobiliar wurde verwüstet, die Kultgegenstände zerstört. 1943 wurde die demolierte Synagoge wegen angeblicher "Baufälligkeit" abgebrochen.   
   
   
Adresse/Standort der Synagoge   Mittelgasse       
   
   
Fotos  

Fotos zur Synagoge in Gleicherwiesen sind noch nicht vorhanden.    
        
Das "Haus Bachmann" 
in Gleicherwiesen  
(Website "Everything Bibra web page")
Gleicherwiesen Bachmann 011.jpg (136255 Byte) Gleicherwiesen Bachmann 010.jpg (32011 Byte)
   Gesamtansicht des Fotos: 
nachstehend drei  
Firmenschild: "M. & H. Bachmann, Inhaber 
Hermann & Carl Bachmann"  
     
  Gleicherwiesen Bachmann 010c.jpg (121210 Byte) Gleicherwiesen Bachmann 010b.jpg (165600 Byte)
  Ausschnittvergrößerungen des obigen Fotos mit Personen vor dem Geschäft  
     

      

   
Links und Literatur

Links:   

Website der Gemeinde Gleichamberg mit Seite zu Gleicherwiesen    

Literatur:  

Karl-Heinz Roß: "Seit Gleicherwiesen Juden hat, wird es berühmte Handelsstadt" (Aus einem Richtfestspruch des Jahres 1856). In. Hans Nothnagel (Hrsg.): Juden in Südthüringen - geschützt und gejagt. Band 2: Juden in den ehemaligen Residenzstädten Römhild, Hildburghausen und in deren Umfeld. Suhl 1998 S. 75-91.
Siegfried Erbach / Hans Nothnagel: Ein Rückblick auf jüdisches Leben in Simmershausen. In: Juden in Südthüringen geschützt und gehagt. Bd. 2 Suhl 1998.       
Zeugnisse jüdischer Kultur. Erinnerungsstätten in Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Berlin, Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen. Berlin 1992. S. 272.
Israel Schwierz: Zeugnisse jüdischer Vergangenheit in Thüringen. Eine Dokumentation - erstellt unter Mitarbeit von Johannes Mötsch. Hg. von der Landeszentrale für politische Bildung Thüringen ( www.lzt.thueringen.de) 2007. Zum Download der Dokumentation (interner Link). Zu Gleicherwiesen: S. 135-139. 
Studienkreis Deutscher Widerstand (Hg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933-1945. Band 8 Thüringen. Frankfurt am Main 2003. S. 124.   

     
   
  


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Gleicherwiesen, Thuringia. Jews first settled here in 1680 and a synagogue was dedicated in 1787. In 181, there were 139 Jews (26 families) in Gleicherwiesen, with 233 in 1875 and 46 in 1925. Following the Nazi assumption of power in 1933, most of the 26 Jews remaining sold their belongings and left. On Kristallnacht (9-10 November 1938), the synagogue's interior was ransacked and the building partly destroyed. Jewish stores and homes and the cemetery were vandalized and Jewish men were arrested and deported to the Buchenwald concentration camp. At least six Jews were deported to their deaths in 1942. No further information is available about those who failed to emigrate to safe havens overseas.  
       
        

                   
vorherige Synagoge  zur ersten Synagoge nächste Synagoge   

         

 

Senden Sie E-Mail mit Fragen oder Kommentaren zu dieser Website an Alemannia Judaica (E-Mail-Adresse auf der Eingangsseite)
Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 20. Mai 2016