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Gleicherwiesen mit
Simmershausen (Gemeinde
Gleichamberg, Kreis Hildburghausen)
Jüdische Geschichte / Synagoge
Übersicht:
Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english
version)
In Gleicherwiesen bestand eine jüdische
Gemeinde bis 1938/42. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 17. Jahrhunderts
zurück. 1680 nahmen die reichsritterschaftlichen Dorfherren von Bibra vier
"Schutzjuden" in Gleicherwiesen auf. Es waren Familien aus der
Gemeinde Bibra oder auch einige der 1671 aus dem Hochstift Fulda
vertriebene
jüdische Familien. Durch die Anwesenheit der jüdischen Familien verbesserte
sich die wirtschaftliche Lage des Ortes: 1743 wurde Gleicherwiesen in den Rang
eines Marktfleckens erhoben und durfte vier Jahr- und Viehmärkte
abhalten.
Ende des 18. Jahrhunderts schlossen sich die Juden des benachbarten
Simmershausen der israelitischen Kultusgemeinde Gleicherwiesen an (1786). Im
folgenden Jahr konnte neue Einrichtungen der jüdischen Gemeinde geschaffen
werden, u.a. die Einweihung einer Synagoge im Jahr 1787.
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner
wie
folgt: in Gleicherwiesen 1833 189 jüdische Einwohner (neben
256 christlichen), in Simmershausen 1853 60 jüdische Einwohner.
Die jüdischen Familien lebten bis weit ins 19. Jahrhundert
hinein vom Handel mit Vieh sowie Häuten und Kleinwaren (Kramwaren). Um 1850 war
der bedeutendeste Viehhändler am Ort Nathan Seligmann. In der zweiten Hälfte
des 19. Jahrhunderts öffneten mehrere von Ihnen Läden und Handlungen am Ort.
An Einrichtungen bestanden eine Synagoge (s.u.), ein jüdische Schule,
ein rituelles Bad und ein Friedhof. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der
Gemeinde war ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet
tätig war. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ist als Lehrer besonders
zu nennen: Marcus Cramer, der seit 1853 am Ort war, 1878 sein 25-jähriges
Dienstjubiläum feiern konnte und 1885 in den Ruhestand trat (siehe Berichte
unten). Sein Nachfolger war Jacob Mühlfelder, der sich u.a. dadurch verdient
machte, dass er 1889 ein Register des jüdischen Friedhofes mit Situationsplan
und Nummerierung anlegte.
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde (alle genannten
Personen lebten vor 1914 an anderen Orten): Dedo Cramer (geb. 23.6.1882 in
Gleicherwiesen, vor 1914 in Coburg wohnhaft, gef. 14.7.1915), Vizefeldwebel
Alfred Schloß (geb. 12.3.1893 in Gleicherwiesen, vor 1914 in Coburg wohnhaft,
gef. 13.1.1917), Ludwig Seligmann (geb. 16.7.1892 in Gleicherwiesen, gef.
30.5.1915), Martin Laub (geb. 5.9.1892 in Gleicherwiesen, vor 1914 in
Niederstetten wohnhaft, gef. 14.11.1914), Leopold Bachmann (geb. 26.4.1884 in
Gleicherwiesen, vor 1914 in Nordhausen wohnhaft, gef. 14.5.1916).
Um 1920 wurden noch 86 jüdische Einwohner gezählt. Es gab in jüdischem
Besitz die folgenden Gewerbebetriebe: Viehhandlung Moses Rosenberger,
Immobilienmakler Joseph Kahn, Landmaschinenhandel Isaak Kahn, Textil- und
Kleiderwaren Aron Heinemann, Metzgerei Albert Levy, Lohmühle Herz Bachmann,
Gerberei Karl Bachmann, Viehhandlung Löser Katz, Kolonialwarenhandlung Jakob
Gärtner.
Um 1924, als zur Gemeinde 42 Personen gehörten (8,4 % von etwa 500
Einwohnern), waren die Gemeindevorsteher Isak Kahn, Selig Rosenthal, Löser
Katz, Moritz Schloss und Sigmund Kahn. Den Religionsunterricht erteilte
Oberlehrer Kahn an der Volksschule (noch für zwei Kinder der Gemeinde); er war
gleichzeitig als Vorbeter in der Gemeinde tätig. Zur Gemeinde gehörten auch
die in Simmershausen (1924 5) und Römhild
(1924 2) lebenden jüdischen Personen.
1932 waren die Gemeindevorsteher Löser Katz (1. Vors., Streufdorf Nr. 7), Albert
Lewy (2. Vors.) und Carl Bachmann (3. Vors.). Die Gemeinde wurde betreut durch
den Landrabbiner Dr. Leo Fränkel aus
Meiningen.
1933 lebten noch 26 jüdische Personen am Ort. In
den folgenden Jahren ist ein Teil der
jüdischen Gemeindeglieder auf Grund der zunehmenden Entrechtung und der
Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert. Beim Novemberpogrom 1938
wurde die Synagoge geschändet und demoliert (s.u.). Im Mai und im September 1942
wurden die letzten jüdischen Einwohner aus Gleicherwiesen in Vernichtungslager
deportiert.
Von den in Gleicherwiesen geborenen und/oder
längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit
umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad
Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches
- Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Dina Bachmann geb. Linz
(1880), Max Bachmann (1876), Sigmund Bachmann (1882), Regina Blumenthal geb.
Kahn (1872), Moritz Cramer (1877), Liselotte (Lissa, Lissi) Elsoffer geb. Kahn
(1907), Therese Frühauf geb. Guttmann (1861), Bianka Fultheim geb. Mühlfelde
(1880), Rosalie Hamburger geb. Cramer (1861), Rika (Rickchen) Heymann geb.
Rosenthal (1873), Frieda Hofmann geb. Ludwig (1879), Clara Kahn geb. Seligmann
(1873), Flora Kahn (1900), Jette (Jettchen) Kahn geb. Freudenberger (1872),
Nanny Kahn geb. Seligmann (1867), Sigmund Kahn (1906), Treina Kuttner geb. Kahn
(1860), Deborah Levi geb. Ehrlich (1863), Rosa Bella Levy geb. Kahn (1902),
Marta Mayer geb. Gärtner (1893), Bertha Peß Mendelsohn geb. Bachmann (1870),
Jenny Metzger geb. Ehrlich (1895), Berta Meyerstein geb. Gutmann (1867), Emanuel
Mühlfelder (1875), Max Mühlfelder (1888), Sophie Neumann geb. Schloss (1875),
Sabine Rosenbaum geb. Seligmann (1855), Selig Daniel Rosenthal (1868), Nanni
Salomon geb. Schloss (1880), Arthur Schloss (1882), Hermann Hirsch Schloss
(1872), Jette Schloss geb. Bachmann (1861), Selma Schloss (1898), Betty
Schottenfels geb. Katz (1901), Rosa Stiefel geb. Mühlfelder (1884), Käthe
Wachenheimer geb. Ehrlich (1900), Bella Wahler geb. Adler (1878), Marta
Weißmann geb. Laub (1888), Irma Zaduk geb. Katz (1900), Rosa Rita Zaduk
(1934).
Aus Simmershausen sind umgekommen: Gustav Kahn (1884), Max Kahn (1882),
Bella Ludwig geb. Kahn (1888), Flora Mayer geb. Kahn (1886), Martha Wetzler geb.
Kahn (1892).
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde
Aus der Geschichte der jüdischen
Lehrer
Feier der 25jährigen Dienstzeit des Lehrers Marcus Cramer
(1878)
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. Mai
1878: "Mellrichstadt, 7.Juli (1878). Am 11. Mai (1878) feierte
die israelitische Kultusgemeinde Gleicherwiesen, Herzogtum
Sachsen-Meiningen, in solenner Weise das Jubiläum der 25-jährigen
Dienstzeit ihres Lehrers, Herrn M. Cramer. Hierzu berief man Herrn
Rabbiner Dr. Kroner aus Eisenach, welcher unter ungeteiltem Beifalle die
Festrede hielt. Aus dem Festprogramme, welches sehr reichhaltig war, ist
zu erkennen. dass dieser Tag für erwähnte Kultusgemeinde ein wahrer,
herzlich gemeinter Festtag war, wozu alle auswärtigen Verwandte und
Bekannte, wie beim Begehen eines Familienfestes eingeladen und auch
erschienen waren. Die Festgeschenke von Jung und Alt, von Einzelnen, wie
von der Gemeinde, bestehend in Banknoten, Gold- und Silbergeräten sollen
einen Wert von über Mark 5.000 übersteigen.
Der Jubilar war stets und ist noch ein ganzer Mann für Schule und
Gemeinde, und was die Hauptsache ist, er hatte das Glück, hier einen für
das Wahre und Gute stets empfänglichen Boden zu finden, worauf er den
Samen des Wahren, Schönen ausstreute, welcher diese guten Früchte trug.
Ottensoser, Direktor." |
Zum Tod des Lehrers Marcus Cramer (Lehrer in
Gleicherwiesen von 1837-1885; gest. 1887)
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom
7. Juli 1887: "Gleicherwiesen, im Juni (1887). Am 25. vorigen
Monats hat die hiesige israelitische Gemeinde ihren hochverehrten Lehrer
und Führer, die Meininger Lehrerschaft ihren treuesten Kollegen zur
letzten Ruhe gebettet. Einen solch feierlich, imposanten Leichenzug hat
unser Ort wohl noch nie gesehen. Nur wer den unvergleichlichen Marcus
Cramer gekannt, wird die innige Teilnahme an dem Verlust, der die
Familie des Heimgegangenen und die hiesige Gemeinde, ja das ganze
orthodoxe Judentum betroffen, verstehen. Ohne Unterschied der Konfession
beteiligten sich nicht nur die Ortseinwohner an dem Leichenbegängnis, es
waren auch viele Kollegen und Schüler von nah und fern erschienen, um dem
allverehrten Freunde und Lehrer die letzte Ehre zu erweisen.
Am Grabe sprachen der Herzogliche Landrabbiner von Meiningen, der
Amtsnachfolger des Entschlafenen und der 1. Vorstand der hiesigen
Gemeinde, während die erschienenen christlichen Kollegen erhebende
Trauergesänge vortrugen. Der Herr Landrabbiner kondolierte auch im
Auftrage der hohen Oberschulbehörde in Meiningen, die das verdienstvolle
Wirken Cramers stets anerkannte.
Cramer amtierte als Elementar- und Religionslehrer, sowie als Kantor von
1837 bis Ostern 1885, um welche Zeit er wegen schwerer, körperlicher
Leiden von der Oberschulbehörde in den verdienten Ruhestand versetzt
wurde." |
Berichte zu
einzelnen Personen aus der jüdischen Gemeinde
Zum Tod von Kaufmann Israel Cramer, Bruder des 1887
verstorbenen Lehrers Marcus Cramer (1892)
Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom
22. August 1892: "Gleicherwiesen, im August (1892). Unsere
Gemeinde ist von einem schweren Verlust betroffen worden. Nachdem vor kaum
5 Jahren unser verdienstvoller, hochgeehrter Lehrer Cramer von uns
genommen worden ist, hat nun auch dessen ebenbürtiger Bruder, der
Kaufmann Herr Israel Cramer am 18. Ab im Alter von 73 Jahren für immer
das Auge geschlossen.
Hat jener von Amtswegen jahrelang hier höchst segensreich gewirkt, so
fällt diesem das Verdienst zu, als Privatmann in der uneigennützigsten
Weise für das Wohl der Gemeinde und der jüdischen Gesamtheit überhaupt
tätig gewesen zu sein.
Der Vollendete zählte zu den leider immer seltener werdenden Männern,
die vermöge ihrer Festigekti und Unwandelbarkeit im Glauben, ihrer
Anhänglichkeit an der Gotteslehre und am väterlichen Glauben, sowie
überhaupt durch die Schwere ihres edlen, die Pietät herausfordernden
Charakters ein wirksames Gegengewicht gegen die destruktiven Bewegungen
unserer Zeit bilden.
Während der ältere Bruder dem Lehrerberufe sich widmete, hob Israel
Cramer in seinem Gewerbe durch eisernen Fleiß und eisernen Willen die
Familie aus der Dürftigkeit zum Wohlstand. Dabei verstand er es, wie
selten einer, Talmud Tora im Derech Erez (das meint:), Studium
des Gotteswortes mit weltlichen Geschäften und weltlicher Bildung in
schönen Einklang zu bringen. Von Natur aus mit reichen Gaben des Geistes
und des Herzens ausgerüstet, wurde er im Lernen durch die Anregung, die
von seinem gelehrten Bruder ausging, noch in seinem Mannesalter wesentlich
gefördert. |
Dass
ihm aber nicht das Lernen, sondern besonders die Tat Hauptsache gewesen,
dafür wissen ihm die hiesige Gemeinde und die weitesten Kreise Dank über
sein Grab hinaus.
Die Gebote unserer heiligen Religion hat er aufs Pünktlichste ausgeübt.
Arme und Dürftige, Witwen und Waisen, Verwalter der Lehrhäuser und
Leiter sonstiger gemeinnütziger Anstalten können bezeugen, dass er ein
wahrhaft wohltätiger Mann und unermüdet im Wohltun gewesen. Warme
Fürsprache und Förderung fand durch ihn auch alle zum Wohl Jerusalems
und des heiligen Landes bestehenden Lehr- und Wohltätigkeitsanstalten;
mit verschiedenen Leitern derselben stand er in direktem
Verkehr.
Er hatte stets den Mut, seine gewonnene Überzeugung zu bekennen und
suchte laue und schwankende Gemüter zu begeistern.
In der Synagogen- und Ortsgemeinde bekleidete er die verschiedensten
Ehrenämter; in früheren Jahren hatte er in Gewissenhaftigkeit und
Gewandtheit die religiöse Funktion eines Schochet ausgeübt.
Was ihn uns unvergessen machen wird und ihm ein treues Gedenken sichert,
das sind seine freiwilligen, uneigennützigen Leistungen als Chasan
(Kantor). Begabt mit seiner sicheren, wohlklingenden Stimme und durch mehr
als gewöhnliche Kenntnisse der heiligen Sprache befähigt die Gebete nach
ihrem Inhalte genau zu erfassen, hat er von frühester Jugend an, länger
als ein halbes Jahrhundert vor der Lade Gottes stehend, durch seinen
Vortrag die Herzen der frommen Beter auf den Schwingen der Andacht,
besonders an den hehren Tagen des Jahres (sc. hohe Feiertage zwischen
Neujahr und Jom Kippur), zu Gott emporgehoben.
Welche Verehrung Herr Cramer in unserer Gemeinde und darüber hinaus
genoss, zeigte sich bei seinem Leichenbegängnis, das am Freitag
stattfand. Die Doppelgemeinde Gleicherwiesen-Simmershausen war vollzählig
erschienen, auch eine Anzahl Nichtisraeliten, darunter der evangelische
Pfarrer und Lehrer unseres Nachbarortes Streufdorf, woselbst das
Hauptgeschäft des Verstorbenen sich befindet, waren herbeigeeilt, um dem
Manne, der auch bei Andersgläubigen wegen seiner strengen Rechtlichkeit
beliebt war, die letzte Ehre zu erweisen.
Im Trauerhause widmete Herr Daniel Rosenthal, der gewesene
langjährige Vorsteher unserer Gemeinde seinem treuen Mitarbeiter am
Gemeindewohl und dem größten Wohltäter des hiesigen Wortes einen
ehrenden Nachruf, während am Grabe der Lehrer unserer Gemeinde die
Verdienste des Heimgegangenen gebührend hervorhob und den Trauernden Trost
spendete.
Gleich nach dem Leichenbegängnisse wurde dem Kultusvorstande eine von dem
Verstorbenen verfasste und auf seinen Namen lautende Stiftungsurkunde
überreicht, in der derselbe seine Erben anweist, ein Kapital an die
Gemeinde auszuhändigen, dessen Zinsen religiösen und wohltätigen
Zwecken dienen soll. Seine Seele sei eingebunden in den Bund des
Lebens." |
Zum Tod des aus Gleicherwiesen stammenden Seminar- und
Gemeindelehrer Julius Rosenthal in Hildburghausen (1896)
Artikel
in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 15. Mai 1896:
"Hildburghausen, 10.
Mai (1896). Die hiesige israelitische Gemeinde und die gesamte
Lehrerschaft des Herzogtums Meiningen hat einen schweren Verlust erlitten;
am 2. Mai dieses Jahres beschloss ein sanfter Tod das Leben des
verdienstvollen Seminar- und Gemeindelehrers Julius Rosenthal hier. Über
dessen goldenes Dienstjubiläum im Sommer 1892 und die zahlreichen
Ehrungen des Jubilars aus dieser Veranlassung hatten Sie vor vier Jahren
berichtet. Das Leichenbegängnis, das am 5. dieses Monats stattfand,
bewies aufs Neue, in welch hohem Ansehen der entschlafene Schulmann
gestanden. Denn nciht nur die ganze Gemeinde und die sämtlichen
israelitischen Lehrer des Herzogtums schlossen sich der trauernden Familie
des Verewigten an, sondern auch das gesamte Seminarkollegium und die
meisten Lehrer der höheren Schulen, sowie fast alle christlichen Kollegen
der an vierzig Mitglieder zählenden Bezirkskonferenz und viele
christliche Bürger sah man im Trauergefolge. Der jüngste Lehrer trug auf
einem Ordenskissen die goldene Verdienstmedaille nach, womit seinerzeit
der Jubilar durch den Herzog ausgezeichnet worden war. Am Grabe sprachen
der herzogliche Landrabbiner von Meiningen und Lehrer Holländer aus Berkach.
Julius Rosenthal, geboren am 27. Dezember 1823 zu Gleicherwiesen,
erhielt seine Ausbildung auf dem hiesigen Seminar, dann amtierte er an der
Samsonschule in Wolfenbüttel und später in Jever.
1846 folgte Rosenthal einem Ruf seiner Schulbehörde und verwaltete von da
ab in der engeren Heimat die Schulstellen in Bibra
und Walldorf, bis er endlich im
Jahre 1872 in seine hiesige Stelle einrückte. Mit klarem Verstand und
seltener Auffassungsgabe begnadet, eignete sich Rosenthal eine bedeutende
wissenschaftliche Bildung an. Er erzielte nicht nur durch sein
Lehrgeschick große Erfolge, sondern erwarb sich auch um die innere und
äußere Hebung des Lehrerstandes im Herzogtum große Verdienste, die
neidlos anerkannt wurden. Rosenthal war auch über zehn Jahre Mitglied des
Vorstandes vom Landeslehrerverein und leitete sogar einige
Hauptversammlungen desselben. Durch diese idealen Bestrebungen sowohl, als
auch durch seinen reinen tadellosen Charakter hat der Verblichene Kiddusch
haschem (Heiligung des Gottesnamens) geübt wie selten Einer, wie er
überhaupt in fortschrittlichem Sinne ein begeisterter Jude gewesen. Darum
wird gewiss sein Andenken zum Segen
bleiben." |
| Weitere Berichte zum Tod von Julius
Rosenthal siehe Seite zu
Hildburghausen. |
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen
Anzeige von N. Seligmann (1900)
Anzeige
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. November
1900:
"Ein tüchtiges, selbstständiges, braves, älteres
Mädchen
zur Pflege und Stütze meiner älteren, alleinstehenden Mutter für sofort
gesucht.
N. Seligmann, Gleicherwiesen." |
Danksagung anlässlich des Abschiedes von Rosa Katz (1925)
Artikel
in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 12. Februar
1925:
"Für die vielen Beweise inniger Teilnahme beim Hinscheiden meiner
geliebten Gattin, unserer guten Mutter und Schwester
Frau Rosa Katz s
agen wir auf diesem Wege unseren herzlichsten Dank. Januar 1925.
Loeser Katz und Kinder.
Gleicherwiesen, Thüringen.
Frau B. Grünebaum
Frankfurt am Main." |
Zur Geschichte der Synagoge
Zunächst war vermutlich ein Betraum in einem der jüdischen
Häuser vorhanden.
1787 konnte eine Synagoge erbaut werden. Sie war gut 150 Jahre
Mittelpunkt des jüdischen Lebens am Ort.
Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge
von einem SS-Kommando aus Hildburghausen überfallen. Das Mobiliar wurde
verwüstet, die Kultgegenstände zerstört. 1943 wurde die
demolierte Synagoge wegen angeblicher "Baufälligkeit" abgebrochen.
Adresse/Standort der Synagoge:
Fotos
| Fotos zur Synagoge
in Gleicherwiesen sind noch nicht vorhanden. |
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Das "Haus
Bachmann"
in Gleicherwiesen
(Website "Everything
Bibra web page") |
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Gesamtansicht des
Fotos:
nachstehend drei |
Firmenschild: "M. &
H. Bachmann, Inhaber
Hermann & Carl Bachmann" |
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Ausschnittvergrößerungen
des obigen Fotos mit Personen vor dem Geschäft |
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Links und Literatur
Links:
Literatur:
 | Karl-Heinz Roß: "Seit Gleicherwiesen Juden
hat, wird es berühmte Handelsstadt" (Aus einem Richtfestspruch des
Jahres 1856). In. Hans Nothnagel
(Hrsg.): Juden in Südthüringen - geschützt und gejagt. Band 2: Juden in
den ehemaligen Residenzstädten Römhild, Hildburghausen und in deren Umfeld. Suhl
1998 S. 75-91. |
 | Siegfried |
 | Zeugnisse jüdischer Kultur. Erinnerungsstätten in
Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Berlin, Sachsen-Anhalt, Sachsen und
Thüringen. Berlin 1992. S. 272. |
 | Israel Schwierz: Zeugnisse jüdischer Vergangenheit
in Thüringen. Eine Dokumentation - erstellt unter Mitarbeit von Johannes
Mötsch. Hg. von der Landeszentrale für politische Bildung Thüringen ( www.lzt.thueringen.de)
2007. Zum Download
der Dokumentation (interner Link). Zu Gleicherwiesen: S. 135-139. |
 | Studienkreis Deutscher Widerstand (Hg.):
Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der
Verfolgung 1933-1945. Band 8 Thüringen. Frankfurt am Main 2003. S. 124. |

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the
Holocaust".
First published in 2001 by NEW
YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad
Vashem Jerusalem, Israel.
Gleicherwiesen,
Thuringia. Jews first settled here in 1680 and a synagogue was dedicated in
1787. In 181, there were 139 Jews (26 families) in Gleicherwiesen, with 233 in
1875 and 46 in 1925. Following the Nazi assumption of power in 1933, most of the
26 Jews remaining sold their belongings and left. On Kristallnacht (9-10 November
1938), the synagogue's interior was ransacked and the building partly destroyed.
Jewish stores and homes and the cemetery were vandalized and Jewish men were
arrested and deported to the Buchenwald concentration camp. At least six Jews
were deported to their deaths in 1942. No further information is available about
those who failed to emigrate to safe havens overseas.

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