Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Bauerbach (VG Salzbrücke, Kreis Schmalkalden)
Jüdische Geschichte / Synagoge

   

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer und Vorbeter  
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde   
Sonstiges     
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen    
Links und Literatur   

      

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde           
    
In Bauerbach bestand eine jüdische Gemeinde bis 1938/41. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 17./18. Jahrhunderts zurück. Der älteste Hinweis auf Juden am Ort ist jedoch erst eine Grabinschrift des Bauerbacher Friedhofes von 1722. 1782 werden namentlich der Jude Mattich in Bauerbach genannt, den der Dichter Friedrich Schiller während seines Aufenthaltes in Bauerbach gerne getroffen hat, sowie Jonas Oberländer, den Schiller aus einer lebensgefährlichen Lage befreite. 1794 wird Joseph Mühlfelder als Schnittwaren- und Tabakhändler am Ort genannt; er war aus dem benachbarten Mühlfeld zugezogen. 
  
Der Wohnbereich der ersten jüdischen Familien waren die Häuser im sogenannten Judenhof bzw. Judenbau (früher "Herrenhaus"), ein vom christlichen Wohnbereich abgegrenzter Bezirk. Noch 1851 wohnen zwei Drittel der jüdischen Einwohner im Judenhof.   
      
Genaue Zahlen von jüdischen Einwohnern am Ort liegen erst aus dem 19. Jahrhundert vor. 1811 lebten im Dorf 91 jüdische Personen in 18 Familien neben 145 christlichen Einwohnern, 1833 sind es 107 jüdische und 231 christliche Einwohner, 1851 116 jüdische Einwohner in 26 Familien, 1898 75 jüdische Einwohner in 15 Haushaltungen. Die jüdischen Familien lebten vom Handel mit Vieh, Schnittwaren, kleinen Waren und Alteisen. Seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gab es mehrere jüdische Handlungen und Läden am Ort.  
  
Am Befreiungskrieg 1813 nahm Simon Ledermann aus Bauerbach teil (gest. 1875 und mit militärischen Ehren begraben). 
    
An Einrichtungen hatte die jüdische Gemeinde eine Synagoge (s.u.), eine jüdische Schule (seit 1835 eigenes Schulhaus als jüdische Volks- beziehungsweise Elementarschule), ein rituelles Bad (im Schulhaus) und einen Friedhof. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war. 1833 wird als Lehrer Hirsch Mühlfelder genannt; er löste Lehrer Simon Würzburger ab; 1835 folgt Lehrer Manko Friedemann, 1836 Lehrer Salomon Berg, 1837 Lehrer Markus Kramer aus Gleicherwiesen (bis 1851). 1839 wurden in der jüdischen Volksschule 24 Schüler unterrichtet, 1863 18. 1853 wird Lehrer Mendel Maßbacher aus Gleicherwiesen angestellt, er bleibt bis 1856. 1857 folgt Lehrer Sachs aus Walldorf, 1864 (nach Ausschreibung der Stelle vom November 1863 siehe unten) Georg Holländer, 1866 Samuel Weißbacher. Seit 1868 wurde der Religionsunterricht durch einen Lehrer aus Bibra erteilt, da die Zahl der schulpflichtigen jüdischen Kinder in Bauerbach stark zurückgegangen war. Einige Jahre später (siehe unten den Bericht über die Einweihung der Synagoge 1892) war der Lehrer aus Berkach für die Gemeinde in Bauerbach zuständig. Die jüdische Konfessionsschule bestand bis 1875 und wurde danach mit der christlichen Schule vereinigt. 1899 waren von den 76 Kindern der Schule 10 jüdisch.    
  
Im Ersten Weltkrieg fiel aus der jüdischen Gemeinde Heinemann Wallach (geb. 7.1.1877 in Bauerbach, gef. 12.6.1918). Außerdem sind gefallen: Gefreiter Gottfried Mühlfelder (geb. 17.3.1882 in Bauerbach, vor 1914 in Meiningen wohnhaft, gef. 20.11.1914) und Max Mühlfelder (geb. 2.8.1895 in Bauerbach, vor 1914 in Meiningen wohnhaft, gef. 26.1.1917).   
  
1913 wurden nur noch 25 jüdische Einwohner gezählt, 1924/25 noch elf. Folgende jüdische Geschäfte waren noch am Ort: Lebensmittelgeschäft Wallach, Textilhandelsgeschäft Eisemann und Schuhmachergeschäft Jonas Mühlfelder. Um 1924 waren die Gemeindevorsteher Louis Eisemann, A. Eisemann und E. Mühlfelder. Der jüdische Lehrer Höxter aus Bibra erteilte den Religionsunterricht noch einem schulpflichtigen Kind der jüdischen Gemeinde. Auch die drei Einwohner von Ritschenhausen (heute gleichfalls VG Salzbrücke) gehörten damals zur Bauerbacher jüdischen Gemeinde. 1932 war jüdische Gemeindevorsteher weiterhin Louis Eisemann.    
 
1933 wurden noch 13 jüdische Einwohner in vier Familien gezählt. In den folgenden Jahren sind mehrere von ihnen auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts, der zunehmenden Entrechtung und der Repressalien vom Ort verzogen. Johanna Holländer verstarb 1934. Familie Wallach verzog 1936 nach Meiningen. Louis Eisemann und seine Frau Rosette emigrierten 1938 in die USA. Beim Novemberpogrom 1938 wurden im Wohnhaus von Regina und Rieckchen Eisemann die Fensterscheiben eingeworfen sowie der jüdische Friedhof geschändet.    
      
Im September 1942 wurden die letzten jüdischen Bauerbacher Einwohner, die bereits genannten Regina und Rieckchen Eisemann deportiert.    
       
Von den in Bauerbach geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Bertha Bach geb. Neumann (1868), Leopold Blum (1867), Abraham Adolf Eisemann (1869), Bernhard (Benno) Eisemann (1900), Berta Eisemann geb. Mühlfelder (1886), Hugo Eisemann (1892), Max Moses Eisemann (1886), Regina Eisemann geb. Maier (1859), Regina (Rieckchen, Ricke) Eisemann (1894), Sophie Eisemann geb. Löwenstein (1902), Klara Frank geb. Eisemann (1884), Jacob Friedmann (1870), Louis Friedmann (1863), Ida Grünebaum geb. Mühlfelder (1874), Frieda Heilbrunn geb. Katzenstein (1880), Meta Hofmann geb. Doktor (1871), Rosy Holländer geb. Mühlfelder (1890), Frieda Hommel geb. Rosenbach (1875), Sofie Jaffé geb. Neumann (1866), Renate Kirschner geb. Goldschmidt (1894), Theodor Köhler (1869), Ida Krämer geb. Eisemann (1890), Friederike Ledermann (1862), Frieda Meyer geb. Eisemann (1892), Johanna Meyerstein geb. Holländer (1868), Friedrich (Fritz) Mühlfelder (1889), Julius Mühlfelder (1881), Sally Mühlfelder (1884), Hedwig Neuberger geb. Mühlfelder (1878), Lina Ortweiler geb. Ledermann (1866), Ludwig Reis (1875), Philipp Reis (1877), Henriette Rothschild geb. Friedmann (1861), Milly Gretchen Walter geb. Haas (1898), Elisabeth Weyrauch (1875), Hermann Würzburger (1866), Sofie Würzburger (1867), Therese Würzburger (1876). 
 
Hinweis: es gab auch in Bauerbach (heute Stadtteil von Bretten) eine jüdische Gemeinde. Daher kann es zu Verwechslungen zwischen beiden Orten kommen.          
          
          
          
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde         
    
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer und Vorbeter  
Ausschreibung der Stelle des Lehrers (1863)    

Anzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 17. November 1863: "Ein Lehrer, der sich vorschriftsmäß0ig in einem Seminar ausgebildet, den Religions- und Elementar-Unterricht, sowie das Vorbeter-Amt übernehmen kann, wird von der israelitischen Gemeinde zu Bauerbach, im Herzogtum Meiningen, unter Zusicherung eines festen Gehaltes 225 fl. und circa 75 (fl.) Akzidenzien, zu engagieren gesucht. Die zu übernehmende Schule besteht gegenwärtig aus 18 Schüler, und sind Wohn- und Schulgebäude in bester und freundlichster Lage, bei Zufriedenheit der Gemeinde wird später der Salair erhöht.  
Reflektanten wollen sich franko an Kultus-Vorsteher Ledermann wenden."        

   
Berichte zu einzelnen Personen aus der jüdischen Gemeinde      
Über den aus Bauerbach stammenden, späteren Chemnitzer Rabbiner Dr. Mühlfelder (geb. 1844, gest. 1907) 

Bauerbach AZJ 01021907.jpg (263914 Byte)Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 1. Februar 1907: "Chemnitz, 21. Januar (1907). Unser vor wenigen Wochen an dieser Stelle zum Ausdruck gebrachte Wunsch, dass unserem Rabbiner Dr. Mühlfelder nach Genesung von schwerer Krankheit noch viele Jahre des Ruhestandes vergönnt sein möchten, ist, wie bereits mitgeteilt, leider nicht in Erfüllung gegangen. Am 16. dieses Monats wurde der verehrte Seelsorger unserer Gemeinde heimberufen, der an der Entwicklung derselben hervorragenden Anteil genommen hat. Als der Verstorbene 1884 sein Amt antrat, zählte die Gemeinde kaum 50 Familien und die Religionsschule, welche jetzt von ca. 200 Kindern besucht wird, noch nicht ein Fünftel derselben. Das Begräbnis des Heimgegangenen am 20. Januar zeugte von der Verehrung, welche demselben verdientermaß0en seitens der Gemeinde und weiterer Kreise auch über das Grab hinaus gezollt wurde. Der Beerdigung ging eine Trauerfeier in der Synagoge voraus. Die Gemeindemitglieder hatten sich zahlreich eingefunden, ferner waren anwesend Oberbürgermeister Dr. Buk und andere offizielle Persönlichkeiten, sowie Vertreter der Schwestergemeinden Dresden, Leipzig, Annaberg und Zwickau. Die Feier begann mit einem stimmungsvollen Orgelpräludium, dem ein Gesang von Kantor und Chor folgte. Hierauf hielt Rabbiner Dr. Schwartz - Prag, der Schwiegersohn des Verstorbenen, die Trauerrede. In reicher Gedankenfülle zeichnete der gewandte Redner ein getreues Lebensbild des Verblichenen, der - selbst bedürfnislos und überaus bescheiden - stets nur das Beste seiner Familie und Gemeinde erstrebt und als wahrer Seelsorger Frieden gestiftet und werktätige Liebe geübt habe. Die Bescheidenheit war auch der Grund dafür, dass der Verewigte seine herrlichen Geistesgaben vor allem nur innerhalb der Gemeinde und Religionsschule betätigte, welch letzterer er sich mit ganz besonderer Hingabe widmete. Doch, wenn es das Interesse der Religion und des Gesamtjudentums erforderte, dann loderte die Flamme heiliger Begeisterung in ihm auf; überzeugend verstand er es, in Wort und Schrift dem Gegner zu widerlegen und die angegriffene Glaubensgemeinschaft zu verteidigen. In solchem Falle scheute er auch nicht die Härten und Widerwärtigkeiten der Öffentlichkeit. Einer der Besten sei mit dem Verstorbenen dahingegangen, sein Andenken werde immerdar ein gesegnetes bleiben! Der eindrucksvollen Predigt folgte das von unserem Kantor N. Goldberg ergreifend vorgetragene El mole rachamim, worauf der Vorsitzende des Vorstandes, Herr Louis Ladewig, in einer längeren herzlichen Ansprache dem verewigten Rabbiner den innigsten Dank der verwaisten Gemeinde nachrief. Nach einem weiteren Gesange des Synagogenchors sprachen sodann die Rabbiner Dr. Winter - Dresden und Dr. Porges - Leipzig, dem Beileid der von denselben vertretenen Gemeinden in zu Herzen gehenden Worten Ausdruck gebend; der Erstgenannte zugleich auch namens des Deutschen Rabbinerverbandes. Hierauf wurde unter Orgelklängen der Sarg von den Mitgliedern des Vorstandes der Chebrah Kedoschah, deren langjähriges Ehrenmitglied der Verstorbene gewesen, aus der Synagoge in den Leichenwagen getragen und mit großem Gefolge nach dem Friedhofe geführt, woselbst nach einem Gebete des Rabbiners Dr. Schwartz die Beisetzung in der Ehrenreihe erfolgte. Das Andenken der Gerechten bleibt ein Segen! - Dr. Jacob Mühlfelder wurde 1844 zu Bauerbach (Sachsen-Meiningen) geboren, besuchte die Rabbinerschule zu Würzburg, das Gymnasium zu Mainz, die Universitäten und gleichzeitig Rabbinerseminare zu Breslau und Berlin und promovierte bei der philosophischen Fakultät der Universität Halle. Seit 1884 amtierte Dr. Mühlfelder als Rabbiner und Leiter der Religionsschule in Chemnitz. Allgemein in Erinnerung ist wohl noch sein offener Brief an den Oberpfarrer Graue, welcher eine herrliche, überzeugende Verteidigungsschrift des Judentums darstellt."     

  
  
Sonstiges 

Über Friedrich Schillers jüdischen Freund Mattich in Bauerbach (Artikel von 1905 und 1922)  

Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 19. Mai 1905: "Zu den Schillertagen
In den jüngst verflossenen, Schiller geweihten Tagen ist mehrfach auch des Jubeljahres 1859 gedacht worden, als die Begeisterung, gesteigert durch die politischen Verhältnisse, nicht minder hohe Wellen schlug als heute. Auch damals flutete es in Zeitungen, Zeitschriften von Schillerreden, Schillererinnerungen etc. Und damals lebten noch und schrieben viele, denen der Dichter nicht nur der große lebensvolle Tote, sondern noch ein Lebendiger war, denen aus der Jugend Tagen die Erinnerung an ihn und die unmittelbare Wirkung seiner Persönlichkeit und seiner Dichtungen herüberklang.  
In einer Nummer der Gartenlaube von 1860 findet sich ein Artikel über Schillers Aufenthalt in Bauerbach, dem wir folgende amüsante, für die Leser dieses Blattes nicht uninteressante Einzelheit entnehmen.  
In Bauerbach waren zur Zeit schon Juden. Schiller, der aus bekannten Gründen seinen Aufenthalt geheim hielt und äußerst einsam lebte, hatte nur wenige Bewohner des Dorfes kennen gelernt. Nur mit einem Juden Mattich kam er häufig zusammen, den er wegen seiner ziemlichen Bildung und seines gesunden Mutterwitzes gern sag, und mit dem er bisweilen das damals in Bauerbach beliebte Kartenspiel 'Sechs-Männchen' spielte. Die Frau des Juden sag freilich den Umgang ihres Mannes mit dem Unbekannten sehr ungern, ja sie machte ihm häufig darüber Vorwürfe. 'Was läufst Du zu dem Chattes (Lump)?' zankte sie. 'Geh' liebe Deinen Massematten (Geschäften) nach.' Der brave Jude aber antwortete seinem keifenden Weibe: 'Schwag' mer still! Ich was net, wie mer wird, wenn er mich ruft. Ich muss folgen. Er ist ein braver, ein gescheiter Ma, und mehr waß doch och nicht, was dahinter steckt.' A.G."    
 
Bauerbach FrfIsrFambl 23021922.jpg (94627 Byte)Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 23. Februar 1922: "Eine Schiller-Reminiszenz. Als Schiller im Jahre 1783 auf dem der Frau von Wolzogen gehörigen Gute Bauerbach in Meiningen Gast war, pflegte er, so erzählte der Meininger Archidiakonus Müller in Meiningen in seiner Skizze 'Aus Schillers Asylzeit in Bauerbach' (in dem soeben erschienenen Geschäftsbericht des Schwäbischen Schiller-Vereins veröffentlicht), den Dorfjuden Mattich als Begleiter mitzunehmen. Abends spielte er mit dem Verwalter Voigt Schach; noch häufiger aber mit Mattich, den er wegen seiner braven Gesinnung, ziemlichen Bildung und besonders wegen seines gesunden Mutterwitzes wohl leiden mochte, in den Wintermonaten 'Sechs Männchen', ein hier noch beliebtes Kartenspiel und in den Sommermonaten Kegel. Oft war Mattich von seinen Geschäftstouren abends sehr ermüdet, dennoch folgte er stets dem Rufe des Dichters. Auf den Spaziergängen muss es auch zu ernsten Gesprächen gekommen sein; der Archidiakonus berichtet nämlich, Mattich habe erzählt, dass Schiller auf diesen Spaziergängen heftig mit ihm disputiert hatte, namentlich über Religionssachsen, über Judentum und Christentum, das letztere verteidigend."  

   

 
     

   

  

    

      

       

  
     
     
Zur Geschichte der Synagoge      
    
Im 18. Jahrhundert wurde ein Betsaal im sogenannten "Judenbau" eingerichtet. 
  
1824
wurde eine erste Synagoge eingeweiht. 1874 konnte das 50-jährige Jubiläum der Einweihung der Synagoge gefeiert werden. Viele jüdische Gäste kamen nach Bauerbach zum Mitfeiern. In der Synagoge trat auch der christliche Gesangverein auf. Die alte Synagoge musste 1891 wegen Baufälligkeit ("wiederholtes Ausbrechen des Schwammes unbrauchbar", siehe Artikel unten) abgebrochen werden. Ein paar Jahre zuvor hatte die jüdische Gemeinde noch Spenden für ihre "beschädigte Synagoge".  
   
Spende für die Synagoge in Bauerbach (1884)    

Bauerbach Israelit 18091884.jpg (15286 Byte) Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 18. September 1884: 
"Für die Wiederherstellung der beschädigten Synagoge in Bauerbach. 
Von Ungenannten 10 M."  

Nach Abbruch der alten Synagoge wurde 1892 eine neue Synagoge mit einem Schulraum eingeweiht. Für einen Neubau hatte sich damals auch Lehrer G. Holländer aus Berkach eingesetzt. Herzog Georg von Meiningen spendete für die Errichtung des Neubaus. Die Einweihung der Synagoge war am 17./18. Juni 1892 durch Landrabbiner Dr. Dessauer:       
   
Zur Einweihung der Synagoge in Bauerbach (1892)  

Bauerbach Israelit 04071892.jpg (170103 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 4. Juli 1892: "Am Freitag den 17. vorigen Monats und am darauf folgenden Sabbat fand in Bauerbach bei Meiningen die Einweihung der neu erbauten Synagoge durch Herrn Landrabbiner Dr. Dessauer statt. So geringzählig die Gemeinde ist, so ließ sie es sich doch, da in ihr noch ziemlich religiöser Sinn herrscht, angelegen sein, ein ihren bescheidenen Verhältnissen entsprechendes Gotteshaus zu beschaffen, nachdem die alte Synagoge durch wiederholtes Ausbrechen des Schwammes unbrauchbar geworden war. Um die Beschaffung der erforderlichen Mittel hat sich deren derzeitiger Religionslehrer - Lehrer G. Holländer aus Berkach - durch persönliche und schriftliche Verwendung vielfach verdient gemacht. Auf ein diesbezügliches Bittgesuch spendete auch Seine Hoheit, der regierende Herzog Georg von Meiningen 500 M. zu dem Baue. Der derzeitige Vorsteher H. Mühlfelder hat, um die Förderung des Baues zu bewirken, weder Zeit noch Mühe gescheut. Die Anordnung der Weihefeier, respektive die dabei vorkommenden Gesänge leitete Lehrer Holländer und verlief diese Feier unter zahlreicher Beteiligung von nah und fern in herrlicher, würdiger Weise. Alle Ortsbewohner trugen durch ihre Beteiligung zur Verherrlichung des Festes bei. Die beiden Predigten des Herrn Landrabbiners Dr. Dessauer, der am Freitag Nachmittag über das Gebet und am Sonnabend Morgen über das Gottvertrauen unter passender Bezugnahme auf die herrschende Zeitströmung sprach, rissen alle Zuhörer mit sich fort. An beiden Tagen war das Gotteshaus zum Erdrücken voll. Besonders hervorzuheben ist die Sympathie, die Seine Hoheit, der am Comosee (= Comer See) weilende regierende Herzog für die Kultusgemeinde Bauerbach, sowie überhaupt für die Israeliten Meiningens durch zweimaliges Depeschieren kundgab, sowie auch das diesbezügliche Schreiben des Herrn Staatsministers Heim, worin er bedauert, nicht an der Einweihung teilnehmen zu können. Möge allen denen, die zum guten Werke in Wort und Tat beitrugen, der reichste himmlische Segen zuteil werden!"    
    
Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 8. Juli 1892: 
Ähnlicher, etwas kürzerer Bericht wie in der Zeitschrift "Der Israelit".   
 
Bauerbach AZJ 24061892.jpg (30882 Byte) Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 24. Juni 1892: "Meiningen, 20. Juni (1892). Die israelitische Gemeinde Bauerbach sandte anlässlich der Einweihung ihrer Synagoge ein Huldigungs-Telegramm an den Herzog von Meiningen und erhielt als Antwort folgende Depesche: 'Cadenabbia bei Como, 18. Juni. Herzlichen Dank für freundliches Gedenken. Angesichts der Versuche, der Verirrung des Antisemitismus auch bei uns Eingang zu verschaffen, können die Israeliten Meiningens auf mich zählen. Georg."      
  
Artikel in der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 8. Juli 1892: "Meiningen, 4. Juli (1892). Um allen Missdeutungen und von Antisemitenblättern geäußerten Zweifeln an der Echtheit des Telegramms Seiner Hoheit des Herzogs von Meiningen an den Landrabbiner Dr. Dessauer, den Antisemitismus betreffend, zu begegnen, kann ich Ihnen genau den Wortlaut der Depeschen sowohl Seiner Hoheit als des Landrabbiners wie der Gemeinde Huldigungsdepesche mitteilen. Der Herr Landrabbiner Dr. Dessauer depeschierte: 'An Seine Hoheit den Herzog von Meiningen in Villa Carlotta bei Cadenabbia. Landrabbiner und Kultusgemeinde Bauerbach danken für höchstdessen Wohlwollen, gedenken bei der Synagogenweihe Eurer Hoheit und höchstdessen Gemahlin in tiefster Verehrung.' Darauf erhielt Herr Dr. Dessauer in Meiningen folgende Rückantwort: 'Landrabbiner Meiningen. Cadenabbia, den 18. Juni. Herzlichen Dank für Ihr und der israelitischen Gemeinde Bauerbachs freundliches Gedenken. Angesichts der Versuche, der Verirrung des Antisemitismus auch bei uns Eingang zu verschaffen, können die Israeliten Meiningens auf mich zählen.'"    

Die Synagoge war nur etwa vier Jahrzehnte Mittelpunkt des jüdischen Gemeindelebens am Ort. Bereits in den 1920er-Jahren konnte kein regelmäßiger Gottesdienst mehr durchgeführt werden. In der Synagoge wurden nur noch Andachten abgehalten. 1930 wurde das Synagogengebäude mit Schulraum verkauft, wurde noch kurze Zeit aus Schulraum verwendet, kam 1937 in Privatbesitz über und wird seitdem als Wohnhaus verwendet.   
    
    
Adresse/Standort der Synagoge  Henneberger Straße 58 (bzw. Hauptstraße 58)   
   

   
Fotos    
(Quelle: Nothnagel usw. s.Lit. 69.71) 

Plan des Judenhofes
und Plan des Ortes mit Eintragung 
des Standortes der Synagoge und 
einiger jüdischer Häuser
Bauerbach Judenhof P010.jpg (80385 Byte)   Bauerbach Ort P010.jpg (117811 Byte)
     
      
Die ehemalige Synagoge -
zum Wohnhaus umgebaut
Bauerbach Synagoge 020.jpg (62637 Byte)  
     
     

     
   

Links und Literatur  

Links:

Website der VG Salzbrücke    mit Informationen zu Bauerbach  

Literatur:  

Hans Nothnagel (Hrsg.): Juden in Südthüringen - geschützt und gejagt. Bd. 3: Juden in der ehemaligen Residenzstadt Meiningen und deren Umfeld. Suhl 1999. S. 69- .
Zeugnisse jüdischer Kultur. Erinnerungsstätten in Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Berlin, Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen. Berlin 1992. S. 260-261.  
Israel Schwierz: Zeugnisse jüdischer Vergangenheit in Thüringen. Eine Dokumentation - erstellt unter Mitarbeit von Johannes Mötsch. Hg. von der Landeszentrale für politische Bildung Thüringen ( www.lzt.thueringen.de) 2007. Zum Download der Dokumentation (interner Link). Zu Bauerbach S- 64-69.  
Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933-1945. Band 8 Thüringen. Frankfurt 2003. S. 248. 

   
    n.e.  

                   
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Stand: 03. Juli 2014