Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


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Egelsbach (Kreis Offenbach)
Jüdische Geschichte / Synagoge

Übersicht:

bulletZur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
bulletBerichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer    
Aus dem jüdischen Gemeindeleben     
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde  
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen     
bulletZur Geschichte der Synagoge   
bulletFotos / Darstellungen  
bulletErinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte  
bulletLinks und Literatur   

    

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde (english version)    
      
In Egelsbach bestand eine jüdische Gemeinde bis Ende 1938. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 18. Jahrhunderts zurück. 1725 werden erstmals Juden am Ort genannt, 1734 waren es 17 jüdische Einwohner (drei Erwachsene, 14 Kinder). 1770 werden vier jüdische Familien genannt, 1798 sechs. Im 18. Jahrhundert dürften die jüdischen Familien vor allem in den noch heute bestehenden "Judengasse" gelebt haben.    
    
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1830 40 jüdische Einwohner, 1861 69 (4,3 % von insgesamt 1.589 Einwohnern), 1880 63 (2,9 % von 2.135), 1895 80 (3,7 % von 2.176), 1905 92 (3,2 % von 2.902), 1910 90 (2,8 % von 3.183).  
   
Bis um 1840 gehörten die jüdischen Familien in Egelsbach zur Gemeinde in Langen und benutzten die dortigen Einrichtungen. Danach bestand eine selbständige jüdische Gemeinde in Egelsbach.  
   
An Einrichtungen bestanden seit den 1840er-Jahren eine Synagoge (s.u.), eine Religionsschule, ein rituelles Bad und ein Friedhof. Die Gemeinde gehörte zum orthodoxen Bezirksrabbinat Darmstadt II. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war mindestens im Zeitraum zwischen 1876 und 1905 ein Religionslehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war. Als Religionslehrer waren nacheinander in Egelsbach tätig: die Herren Levy, Heinebach, Alumann, Stern, Zopf, Ehrmann, Bloch, Gorden, Mannheimer, Katz, Agulnik (um 1894/95), Heilman, Schafheimer, Quittner, Ansbacher, Eisenberger (1901 genannt, siehe Artikel unten); seit 1902 zum zweiten Male Lehrer Heilmann, gefolgt von Lehrer Friedmann (bis 1905); danach wurde der Unterricht der jüdischen Kinder und das Schächten teilweise durch auswärtige Lehrer/Kultusbeamte übernommen (1905 Religionsunterricht durch Lehrer Waldek aus Langen, kurze Zeit wir ein Lehrer Uhlfelder genannt, ab Dezember 1905 Vertretung des Religionsunterrichtes durch Lehrer Anhalter aus Langen).        
 
Im Ersten Weltkrieg fielen aus der jüdischen Gemeinde Isaak Reis (geb. 12.12.1878 in Egelsbach, gef. 6.10.1915) und Alfred Simon (geb. 16.7.1895 in Egelsbach, gef. 19.5.1915).   
 
Um 1924, als zur jüdischen Gemeinde etwa 65 Personen gehörten (1,8 % von insgesamt etwa 3.553 Einwohnern, Zahl von 1925), waren die Gemeindevorsteher Daniel Katz, Sally Rothschild, Isaak Simon II. Den Religionsunterricht der damals 10 schulpflichtigen jüdischen Kinder wurde durch Lehrer Saffra aus Frankfurt am Main werwilr. Die Gemeinde hatte diesen "Wanderlehrer" durch den Freien Vereins für das orthodoxe Judentum vermittelt bekommen. Als Vorbeter und Schochet kam Hirsch Quiat (Kwiat) aus Sprendlingen regelmäßig nach Egelsbach. An jüdischen Vereinen gab es eine Chewra Gemilut Chassodim (Wohltätigkeitsverein) und eine Ortsgruppe des Central-Vereines (1924 unter Leitung von Daniel Katz). 1932 waren die Gemeindevorsteher Moses Reis (1. Vors.), M. Meyer (2. Vors.) und Isaak Simon II (3. Vors.).  Hirsch Quiat (= Hermann Kwiat) war weiterhin Vorbeter und Schochet (zur Lebensgeschichte seiner Tochter Lieselotte siehe bei der Literatur); seit April 1925 lebte er auch in Egelsbach. Im Schuljahr 1931/32 waren nur noch zwei schulpflichtige jüdische Kinder in Religion zu unterrichten. 

1933 lebten noch 60 jüdische Einwohner gezählt (1,6 % von insgesamt 3.707 Einwohnern). In den folgenden Jahren ist ein Teil der jüdischen Gemeindeglieder auf Grund der zunehmenden Entrechtung und der Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert. Unter den Auswanderern war auch der jüdische Arzt in Egelsbach, Dr. Theo Keller, der aus Friedberg stammte und mit seiner Familie 1933 wieder nach Friedberg zurückkehrte. Von hier aus ist er nach Palästina ausgewandert. Andere jüdische Einwohner verzogen nach Mainz, Frankfurt und nach anderen Orten. Zehn konnten zwischen 1934 und 1938 in die USA emigrieren; Vorbeter Hermann Kwiat emigrierte 1938 nach Südamerika. Zu gewalttätigen Ausschreitungen kam es bereits vor dem Novemberpogrom 1938: im September 1938 wurde ein jüdischer Einwohner durch den NSDAP-Ortsgruppenleiter verprügelt. Am 28. September 1938 drangen angeblich betrunkene Personen in jüdische Häuser ein, zerschlugen die Inneneinrichtung und trieben die Bewohner in die Flucht. Beim Novemberpogrom 1938 wurde nicht nur die Inneneinrichtung der Synagoge völlig zerstört, sondern auch jüdische Familien in ihren Wohnungen überfallen, u.a. die Familie des Viehhändlers Moses Reis (Schulstraße 16) und die Witwe Friedericke Glückauf (Taunusstraße 35). Am Abend des 10. November wurde von SA-Leuten die jüdische Bevölkerung auf den Feldweg nach Langen getrieben. Dabei kam es zu schweren Misshandlungen. Am 28. Dezember 1938 verzogen die letzten beiden jüdischen Einwohner nach Darmstadt.   
        
Von den in Egelsbach geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"):  Edith Bacharach (1936), Guda (Gutta) Bacharach geb. Katz (1896), Regina (Rega, Recha) Burchardi geb. Kahn (1879), Emma Eisemann (1925), Johanna Eisemann geb. Katz (1895), Manfred Eisemann (1923), Sara Fuld geb. Reis (1878), Friederike Glückauf geb. Reiss (1877), Guda Hamburger geb. Katz (1859), Siegfried Julius Hofmann (1900), David Katz (1897), Dora (Dorchen) Katz geb. Wetzler (), Gerda Katz (), Gertrude Katz (1897), Minna Katz (1898), Moritz Katz (1895), Paula Katz (1900), Sally Katz (1901), Helene Kaufmann geb. Katz (1862), Emilie Korsetz geb. Kohn (1865), David Mayer (1899), Ellen Mayer (1932), Elsa Oppenheimer geb. Levy (1893), Ester Reis (1917), Gustav Reis (1880), Hanna Reis geb. Oppenheimer (1881), Rosalie Reis geb. Hofmann (1893), Theodor (Theo) Reis (1928), Hermann Scher (1911), Isidor Simon (1899), Kurt Simon (1929), Ludwig Simon (1925), Sophie Simon geb. Reinhardt (1903), Adolf Stern (1889), Minna Stern geb. Levy (1902), Ida Strauß geb. Katz (1902), Mathilde Wolf geb. Simon (1883).      
    
    
    
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde 
    
Aus der Geschichte der jüdischen Lehrer 
Ausschreibungen der Stelle des Religionslehrers / Vorbeters / Schochet 1868 / 1876 / 1878 / 1881 / 1886 / 1887 / 1900 / 1902 / 1904 / 1925  
Anmerkung: Aus den Anzeigen geht auch der Name des jeweiligen Gemeindevorstehers hervor.

Egelsbach Israelit 20051868.jpg (60146 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 20. Mai 1868: "Bekanntmachung
Die israelitische Religionslehrer- und Vorsängerstelle zu Egelsbach, Kreis Offenbach, mit welcher ein Gehalt von 230 bis 250 Gulden bar und freier Wohnung verbunden ist, soll alsbald wieder besetzt werden. Der Schächterdienst, wenn solches der Lehrer versteht, kann per Jahre auch 40 Gulden eintragen. Konkurrenzfähige Bewerber wollen sich binnen 4 Wochen unter Vorlage ihrer Zeugnisse bei dem unterzeichneten Vorstand unter portofreien Eingaben melden. Der israelitische Vorstand Marx Kahn." 
   
Egelsbach Israelit 22111876.jpg (56384 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 22. November 1876: "Bekanntmachung
Die israelitische Religionslehrer- und Vorsängerstelle zu Egelsbach, Kreis Offenbach, mit welcher ein Gehalt von 500 bis 600 Mark bar und freier Wohnung verbunden ist, soll alsbald wieder besetzt werden. Der Schächterdienst, wenn solchen der Lehrer versteht, kann per Jahr 60 Mark betragen. 
Konkurrenzfähige Bewerber wollen sich binnen vier Wochen unter Vorlage ihrer Zeugnisse bei dem unterzeichneten Vorstand unter portofreien Eingaben melden. 
Der israelitische Vorstand M. Kahn."
  
Egelsbach Israelit 02011878.jpg (58506 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 2. Januar 1878: "Bekanntmachung
Die israelitische Religionslehrer- und Vorsängerstelle zu Egelsbach, Kreis Offenbach, mit welcher ein Gehalt von 400 bis 500 Mark bar und freier Wohnung verbunden ist, soll sogleich wieder besetzt werden. Der Schächterdienst, wenn solchen der Lehrer versteht, kann pro Jahr 60 Mark eintragen. 
Konkurrenzfähige Bewerber wollen sich binnen vier Wochen unter Vorlage ihrer Zeugnisse bei den unterzeichneten Vorstand unter portofreier Eingabe melden. 
Der Israelitische Vorstand. Marx Kahn."
 
Egelsbach Israelit 13071881.jpg (41129 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 13. Juli 1881: "Die hiesige Lehrer- und Vorsängerstelle ist vakant. Gehalt bei freier Wohnung 500 Mark. Schochet erwünscht, welche Stelle auch mindestens 200 Mark einträgt. Bewerber wollen sich entweder schriftlich oder selbst in Person sofort bei unterzeichnetem Vorstand melden. Reisekosten erhält nur derjenige, welcher engagiert wird. Egelsbach bei Langen, 28. Juni 1881. N. Kahn."
 
Egelsbach Israelit 12081886.jpg (40652 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 12. August 1886: "Egelsbach
Die israelitische Gemeinde wünscht einen Lehrer nebst Schächter und Vorsänger ledigen Standes, womöglichst Deutscher, mit Gehalt von ca. 500 Mark nebst Nebenverdienste, bei sofortigem Eintritt. 
Der israelitische Vorstand Salomon Reis I."
  
Egelsbach Israelit 06061887.jpg (44527 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 6. Juni 1887: "Egelsbach
Die israelitische Gemeinde wünscht einen Lehrer nebst Schächter und Vorsänger ledigen Standes, womöglich Deutscher, mit Gehalt v0on ca. 500 Mark nebst Nebenverdienste bei sofortigem Eintritt. 
Der israelitische Vorstand M. Katz II."
     
Besonders schwierig war im Jahr 1900 die Stelle zu besetzen: über mehrere Monate erschienen Anzeigen in der Zeitschrift "Der Israelit" - das Antrittsdatum der Stelle wurde mit jeder Anzeige nach hinten verschoben:
Egelsbach Israelit 23051900.jpg (30006 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 23. Mai 1900: "Die Religionslehrer-, Vorbeter- und Schochetstelle der Gemeinde Egelsbach bei Frankfurt am Main ist per 1. August zu besetzen. Gehalt Mark 600 nebst freier, großer Wohnung und guten Nebenverdiensten. Bewerber wollen vorher ihre Zeugnisse einsenden an den Vorstand. Lazarus Simon."
   
Egelsbach Israelit 03091900.jpg (43250 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 3. September 1900
"Die Religionslehrer-, Vorbeter und Schochetstelle der Gemeinde Egelsbach bei Frankfurt am Main ist per sofort oder per 1. November zu besetzen. Gehalt Mark 600 nebst freier Wohnung und guten Nebenverdiensten. Bewerber wollen vorher ihre Zeugnisse einsenden an den Vorstand 
Lazarus Simon".
 
   
Egelsbach Israelit 31101900.jpg (40884 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 31. Oktober 1900
"Die Religionslehrer-, Vorbeter und Schächterstelle der Gemeinde Egelsbach bei Frankfurt am Main ist per sofort oder 1. Dezember dieses Jahres zu besetzen. Gehalt Mark 600 nebst freier, großer Wohnung und guten Nebenverdiensten. Bewerber wollen vorher ihre Zeugnisse einsenden an den Vorstand 
Lazarus Simon.
"  
  
Egelsbach Israelit 12051902.jpg (66433 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 12. Mai 1902: "Die hiesige Vorbeter-, Schächter und Religionslehrerstelle ist bis zum 1. Juli zu besetzen. Gehalt Mark 600, nebst gutem Nebenverdienste und freier Wohnung. Bewerber wollen sich unter Vorlage ihrer Zeugnisse an den unterzeichneten Vorstand wenden. Reisevergütung wird nur dem Erwählten vergütet. Egelsbach (Hessen). 
Der Vorstand der israelitischen Gemeinde: Lazarus Simon."
 
Egelsbach Israelit 17081904.jpg (69848 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 17. August 1904: "Die hiesige Stelle als 
Religionslehrer-, Vorbeter und Schochet
 
ist alsbald zu besetzen. Gehalt 600 Mark und Nebeneinkünfte, freie große Wohnung mit allen Bequemlichkeiten, nebst großem Garten. Seminarist bevorzugt. Bewerber wollen ihre Zeugnisabschriften an unterzeichneten Vorstand einsenden. Reisevergütung wird nur bei eventuellem Engagement vergütet. 
Egelsbach (Hessen-Darmstadt). Der Vorstand: Adolph Holmann". 
Egelsbach Israelit 08041925.jpg (43778 Byte)Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 8. April 1925: "Wir suchen per sofort einen 
Vorbeter und Schochet (gleichzeitig Religionslehrer)

Geräumige neue Dienstwohnung mit Garten vorhanden. Gehalt nach Vereinbarung. Bewerbungsschreiben bittet man an den israelitischen vorstand Moses Reis in Egelsbach zu senden."

       
Vakaturvertretungen auf der Lehrer- und Vorbeterstelle (1905)   

Egelsbach FrfIsrFambl 14071905.jpg (54114 Byte)Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 14. Juli 1905: "Egelsbach. Seit dem Weggange der Herrn Friedmann ist die Stelle eines israelitischen Religionslehrers noch nicht wieder besetzt. Dieselbe wird durch Herrn Eschwege aus Frankfurt, der den Gottesdienst abhält, verwaltet, während der Religionsunterricht durch Herrn Lehrer Waldek aus Langen abgehalten wird. - Das Verhältnis wird - wie es scheint - auch in der nächsten Zeit keine Änderung erfahren, sind die beteiligten Kreise bis jetzt doch ganz zufrieden damit." 

    
Lehrer Uhlfelder verlässt Egelsbach (1905)  
Anmerkung: Lehrer Uhlfelder war vermutlich nur wenige Monate in Egelsbach (vgl. den vorigen Artikel vom Juli 1905)    

Egelsbach FrfIsrFambl 01121905.jpg (33622 Byte)Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 1. Dezember 1905: "Egelsbach. Durch den Weggang des Herrn Lehrer Uhlfelder ist die hiesige Vorbeterstelle Herrn Eschwege aus Frankfurt, welcher dieselbe schon einmal versehen hat, und die Religionslehrerstelle Herrn Lehrer Anhalter - Langen übertragen worden."   

     
     
Aus dem jüdischen Gemeindeleben     
Vorstandswahlen (1906)  

Egelsbach FrfIsrFambl 19011906.jpg (18971 Byte)Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 19. Januar 1906: "Egelsbach (Hessen). Die Herren Simon Grünbaum, Hermann Kahn I und Max Katz wurden zu Vorstehern der israelitischen Gemeinde gewählt."   

    
Trauerfeier zum Tod von Bezirksrabbiner Dr. Nathan Cahn (1924)  

Egelsbach Israelit 11091924.jpg (49109 Byte) Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. September 1924: "Egelsbach bei Darmstadt, 31. August (1924). Angesichts des plötzlichen Hinscheidens unseres hoch verehrten und geliebten Bezirksrabbiners Dr. Nathan Cahn - das Andenken an den Gerechten ist zum Segen - wurde in unserer Gemeinde zu Ehren des Dahingeschiedenen eine Trauerrede von unserem Lehrer, Herrn Nossel (oder Rossel?), abgehalten. Er schilderte vor der tief betrübten Gemeinde in ergreifenden Worten die unermüdliche Aufopferungsfreudigkeit und die großen Wohltaten des Verstorbenen. Drum wollen wir mit doppelter Energie bestrebt sein, die Ziele des teuren Verstorbenen zu verfolgen und zu erreichen."  

   
   
Berichte zu einzelnen Personen aus der Gemeinde 
Zum Tod des langjährigen Vorstehers und ehrenamtlichen Vorbeters Nathan Kahn (1897)  

Egelsbach Israelit 11111897.jpg (88610 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 11. November 1897: "Egelsbach, 28. Oktober (1897). Mit dem Tode des ältesten, immer an der Spitze der Gemeinde stehenden Nathan Kahn, verloren wir eines unserer hervorragenden Mitglieder. Die Ausübung von Tora, Gottesdienst und Wohltätigkeit waren seine höchste Freude. Seit einem halben Jahrhundert fungierte er als Vorbeter an den ehrfurchtgebietenden Tagen (sc. Tage von Neujahrsfest bis Jom Kippur). So war es ihm noch gegönnt, im Alter von 79 Jahren am verflossenen Jom Kippur das Minchagebet vorzutragen und am Sukkot-Fest das Matnes Jad zu verrichten. Seit dem Bestehen der hiesigen Chewra Gemilut Chassodim (Wohltätigkeitsverein) war er erster Vorstand derselben. Herr Großherzoglicher Landesrabbiner Dr. Marx aus Darmstadt schilderte in meisterhafter Weise die Tugenden des Verstorbenen und den herben Verlust, den die Gemeinde erlitten."   

  
Zum Tod von Simon Simon (1901)           

Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 14. November 1901: "Egelsbach, 10. November (1901). Am 23. Cheschwan (= 5. November 1901) starb dahier Herr Simon Simon im Alter von 80 Jahren. Der Verstorbene gehörte zu den beliebtesten Mitgliedern unserer Gemeinde. Die zahlreiche Beteiligung von nahe und fern bei der Kewuro (Beerdigung) bewies, dass der Verstorbene im hohen Ansehen stand. Am Grabe sprach in meisterhafter Ausführung Seiner Ehrwürden Herr Provinzial-Rabbiner Dr. Marx - sein Licht leuchte. Anknüpfend an den Text 'Und Abraham starb in einem guten Greisenalter' (1. Mose 25,8) usw. entwickelte er in seiner Rede, dass Herr Simon ein würdiger Nachkomme unseres Erzvaters Abraham war, dass er treu am Judentume hing und die Vorschriften unserer heiligen Religion treu befolgte. Seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens. Eisenberger, Lehrer."       

  
Silberne Hochzeit von Hermann Kahn I und seiner Frau geb. Löwenstein (1903)  

Egelsbach FrfIsrFambl 14081903a.jpg (11620 Byte)Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 14. August 1903: "Egelsbach. Herr Hermann Kahn I. und Frau geb. Löwenstein feierten am 8. dieses Monats das Fest der silbernen Hochzeit."   

       
70. Geburtstag von Daniel Katz (1931)  

Egelsbach Israelit 24121931.jpg (236892 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 24. Dezember 1931: "Egelsbach bei Darmstadt, 20. Dezember (1931). Am 20. Teweth feiert Herr Daniel Katz seinen 70. Geburtstag. Herr Katz ist in dem Kreise der Gesetzestreuen kein Unbekannter. Schon von seiner frühesten Jugend an unbeirrbar und fest auf dem Boden des gesetzestreuen Judentums stehend, hat er sein Lebensprinzip als Kohen Zedek (sc. Herleitung des Familiennamens Katz = Priester der Gerechtigkeit; Herleitung aus einer Kohen-Familie) und treuer Jehudi durchs Leben zu gehen, ohne Wanken stets hoch gehalten. 'Es fallen dir zur Seite Tausend und Zehntausend zu deiner Rechten - dir nahet sie nicht' (Psalm 91,7). Mochten auch allenthalben sich Abfall und Gleichgültigkeit gegenüber den Anforderungen unserer Tora geltend machen, für ihn hab es in seinem familiären und geschäftlichen Leben nur stets das eine: der Tora gemäß zu leben. Zu allen Veranstaltungen, die in Frankfurt, der Metropole der deutschen Orthodoxie, oder in Darmstadt für die Tora stattfinden, stets findet sich auch Daniel Katz ein, wo Gelegenheit ist zu lernen oder für Torajudentum einzutreten. Wenn auch manchmal in den letzten Jahren gesundheitliche Störungen sich geltend machen wollen - wenn in Darmstadt ein Lehrerschiur (Lernvortrag) stattfindet oder in Frankfurt in der Friedberger Anlage sich Gelegenheit bietet, an einem Jom Kippur Katan-Gottesdienst teilzunehmen, dann ist Herr Katz gesund, dann hält ihn nicht zurück, der Tora und dem Gottesdienst dienend sich hinzugeben. Er gehört zu den Juden, wie sie heute auf dem Lande leider immer seltener werden, die patriarchengleich fest stehen auf dem graniten Felsen altjüdischer Lebensgestaltung. Wer je Gelegenheit hat, nach Egelsbach zu kommen, versäumt nicht, den alten Herrn in seinem Heim aufzusuchen, und wenn der Besucher gar mit Worten der Tora aufzuwarten hat, dann findet er in Herrn Katz einen gar freudigen und dankbaren Hörer. So hat Herr Katz verstanden, sein Heim zu einem kleinen Heiligtum zu gestalten, in dem sich jüdisches Familieleben in prächtigster Weise entfalten konnte und ihm Kinder erwuchsen, die im Sinne ihres Vaters leben. Es gibt wohl in unserem Lande kaum eine gesetzestreue Institution, für die Herr Katz nicht schon nach Kräften gesteuert. Wie Daniel Katz Wohltätigkeit zu üben versteht, dürfte nachfolgende Episode erzählen, die Schreiber dieses vor mehr als zwanzig Jahren erlebte. Er weilte gerade in einem oberhessischen jüdischen Hause, als ein armer Wanderer erschien. Als der Arme in diesem Hause gastfreundlich mit Speise und Trank bewirtet ward, ging ihm das Herz auf und er fing an zu reden: 'Nicht überall werden wir Armen so behandelt. Aber einen Mann gibt es, bei dem ich auch vorige Woche gegessen und getrunken habe. Und als ich ihm einige Tage später in Frankfurt auf der Straße begegnete, kam er auf mich zu und reichte mir mit Schalom Aleichem-Gruß die Hand.' 'Das ist Daniel Katz aus Egelsbach!' 'Jawohl, es ist Daniel Katz.'  
So steht Herr Daniel Katz als Siebziger fest auf den Boden des Torajudentums. Möge ihm Gott die Gnade gewähren, noch lange Jahre in Gesundheit zu verbringen, zum Zeichen dessen, dass man auch auf dem Lande als Vereinzelter ein guter und treuer Jehudi sein kann. (Alles Gute) bis 120 Jahre."  

       
75. Geburtstag von Daniel Katz (1936)  

Egelsbach Israelit 23121936.jpg (47257 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 23. Dezember 1936: "Egelsbach, 20. Dezember (1936). Am 23. Dezember vollendete der Senior unserer Gemeinde, Herr Daniel Katz, sein 75. Lebensjahr. Herr Katz ist einer der Männer, die auf dem Lande immer seltener werden. Seine durchaus gesetzes- und traditionstreue Lebensführung, seine Liebe zur Tora machen ihn in dem weiten Kreises derer, die ihn kennen, zu einer verehrungswürdigen Persönlichkeit. Möge ihm Gott die Gnade gewähren, ihn noch recht lange in ungeschwächter Gesundheit seiner Familie und seinen Freunden zu erhalten. (Alles Gute) bis 120.

   
   
Anzeigen jüdischer Gewerbebetriebe und Privatpersonen    
Anzeige von Schuhmachermeister Leopold Hofmann (1901) 
  

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 20. Juni 1901: 
"Ein ordentlicher Junge kann die Schuhmacherei erlernen. Samstags und Feiertage geschlossen. 
Leopold Hofmann
, Egelsbach bei Darmstadt."     

    
Anzeige von Lazarus Simon (1901)
    

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5. September 1901: "Suche 
zum sofortigen Eintritt eine ältere Person, zur Pflege eines kranken alten Mannes. 
Lazarus Simon, 
Egelsbach
, Main-Neckar-Bahn."  

 
Verlobungsanzeige von Julie Bamberger und David Katz (1930)    

Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 19. Juni 1930: "Gott sei gepriesen. Julie Bamberger - David Katz   Verlobte   Frankfurt am Main Fichtestraße 18,1   - Frankfurt am Main  /  Egelsbach.  Zu Hause: Samstag und Sonntag, den 28.6. und 29.6.1930".    

       
    
Zur Geschichte der Synagoge       
       
Bis um 1840 besuchten die jüdischen Familien aus Egelsbach die Synagoge in Langen. In den 1840er-Jahren stellte Wolf Simon einen Raum in seinem Privathaus für die Gottesdienste in Egelsbach zur Verfügung (Gebäude Schulstraße 50). Im Haus befand sich auch ein Ritualbad (Mikwe). Dieses Haus wurde 1703 von Simon Simon, eine der ältesten jüdischen Familien in Egelsbach erbaut (der Jahr ist bekannt auf Grund der Übersetzung der in den 1920er-Jahren entfernten Hausinschrift).
 
1847
erwarb die Gemeinde das Anwesen Keim in der Langener Straße 1, das in der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts erbaut und in der Folgezeit als Gastwirtschaft mit Tanzsaal worden war. Es hatte ein Sockelgeschoss aus Bruchstein und ein Obergeschoss mit spätbarockem Fachwerk. Der Verkauf des Gebäudes wurde am 16. Juni 1847 unterzeichnet. In dem Haus wurden ein Betraum sowie die Lehrerwohnung und ein rituelles Bad eingerichtet. 1903 wird der Betsaal allerdings als ein "schmuckloses Zimmer" beschrieben (s.u.). In ihm waren drei Torarollen vorhanden. Nachdem eine unbrauchbar geworden war, sammelte ein Tora-Verein die Mittel für eine neue dritte Torarolle. Diese konnte im August 1897 mit einem Fest für den ganzen Ort eingeweiht werden:  
          
Einweihung einer neuen Torarolle im alten Betsaal im August 1897

Egelsbach Hessen Israelit 23081897.jpg (163032 Byte)Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 23. August 1897: "Egelsbach. Die hiesige Gemeinde feierte vergangenen Schabbat Nachamu ein Fest, wie ein solches seit 32 Jahren noch nicht stattgefunden hat. Es war eine Tora-Einweihung. Vor ca. 3 Jahren gründete der jetzt in Bischofsheim bei Mainz stehende Lehrer Agulnik einen "Tora-Verein". welchem nur 12 Gemeinde-Mitglieder beitraten, trotzdem eine Tora noch sehr nötig gebraucht wurde; da bloß zwei solcher vorhanden sind. (Das dritte Sefer ist unbrauchbar). Durch monatliche Beiträge und durch freiwillige Gaben einiger Auswärtiger kam der Verein in die glückliche Lage, eine Torarolle schreiben zu lassen und die Weihe am vergangenen Schabbat feierlichst zu begehen. Freitag Nachmittag hielt Seiner Ehrwürden Herr Großherzoglicher Landesrabbiner Dr. Marx - sein Licht leuchte - nachdem die Torarolle angefertigt war, eine ergreifende Ansprache, worin namentlich der Schlusslochstab L und der Anfangsbuchstabe B von der Torarolle die Hauptrolle spielte (gemeint: 1. Mose 1,1 beginnt mit B, 5. Buch Mose endet auf L).
Vom herrlichsten Wetter begünstigt, stellte sich der Festzug, nachdem um 6 Uhr morgens das Schacharit-Gebet verrichtet wurde, um 9 Uhr in schöner Reihefolge auf. Weiß gekleidete Mädchen eröffneten den Zug. Nach der neuen Torarolle, welche unter einem Baldachin abwechselnd von den älteren Mitgliedern des Tora-Vereins getragen wurde, ging Herr Rabbiner Dr. Marx und der Ortsgeistliche Herr Pfarrer Wehsarg, dann die Ortsobrigkeit. Die übrigen Gemeindemitglieder, Vereine etc. beschlossen den herrlichen Festzug, welcher sich um die Mitte des Ortes zur Synagoge bewegte. Als man in der Synagoge, welche leider die Menge der Festgenossen nicht alle fassen konnte, angekommen, wurde vom hiesigen Lehrer Heilmann Mah towu und einige Psalmen gesungen. Hierauf hielt Herr Rabbiner Dr. Marx - sein Licht leuchte - eine solche prächtige Rede, dass, obwohl sie beinahe 1 1/2 Stunden währte, dennoch zu schnell beendet schien. Mit Recht gebührt daher dem Herrn Rabbiner Dr. Marx, welcher das Fest durch diese Rede so sehr verherrlichte 'die Palme des Tages.'
Die rege Anteilnahme des ganzen Ortes, sowie der Flaggenschmuck der Häuser waren das schönste Zeichen für die Einigkeit , die am hiesigen Platze zwischen Juden und Christen herrscht. Abends 9 Uhr versammelte sich die Jugend zu einem Bankett, welches auch von der Umgegend stark besucht wurde. Mögen solche Feste noch recht oft gefeiert werden, zu Ehren Gottes im Hause Israel und in allen Landen."

1901 beschloss die jüdische Gemeinde den Bau einer neuen Synagoge (Beschluss vom 13. Juni 1901). Der Gemeinderat erklärte sich zur Leitung eines Beitrages zu den Baukosten bereit. Am 25. Oktober 1901 konnte die Israelitische Religionsgemeinde einen geeigneten Bauplatz in der Feldstraße zur Erbauung einer Synagoge erwerben. Mit dem Bau soll im Frühjahr 1902 begonnen werden. Die Grundsteinlegung war am 27. Juni 1902. Erbaut wurde eine Synagoge mit 73 Plätzen für Männer und 42 für Frauen. Es war ein großzügig angelegter Bau mit neuromanischen Stilelementen: charakteristisch die einzelnen, doppelten und dreiteiligen Rundbogenfenster mit Mittelsäulchen, deren Basis und Kapitelle nach romanischem Muster aus rotem Sandstein ausgeführt wurden. Auf dem vorspringenden Risalit mit seinem treppenartigen Giebel befanden sich steinerne Gebotstafeln. Der Synagogensaal war im südlichen Teil. Er hatte eine Empore für die Frau. Im Gebäude waren auch die jüdische Schule, das rituelle Bad und noch andere Räume der jüdischen Gemeinde. Das Gebäude wurde aus der Flucht vor der Rheinstraße zurückgesetzt, sodass eine Vor-Zone entstand, die die Synagoge aus der Reihe der gleichartigen Wohnhäuser heraushebt. Die Synagoge wurde am 7. August 1903 durch Rabbiner Dr. Marx aus Darmstadt eingeweiht.  

Das bisherige Synagogengebäude wurde am 13. August 1903 an Herrn Andreas Graf verkauft, der es zu einem Wohnhaus umbaute. 
 
Die Einweihung der neuen Synagoge (1903)         

Egelsbach FrfIsrFambl 07081903.jpg (23047 Byte)Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 7. August 1903: "Egelsbach. Heute Freitag findet hier die Einweihung der neuen Synagoge statt. Herr Rabbiner Dr. Marx, Darmstadt, wird die Festrede halten."       
  
Egelsbach FrfIsrFambl 14081903.jpg (207387 Byte)Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 14. August 1903: "Egelsbach. Klein, aber fein, kann man von der neuen Synagoge, deren Einweihung wir vorigen Freitag vollzogen, sagen. Der gesamte Ort hat unser Fest mitgefeiert, fast von jedem Hause wehte eine Fahne und legte Zeugnis ab von dem einträchtigen Zusammenwohnen der jüdischen und der christlichen Bevölkerung.   
Bisher hatten wir Egelsbacher eigentlich noch keine Synagoge, denn ein schmuckloses Zimmer in dem ersten Stocke eines Privathauses musste unserem gottesdienstlichen Bedürfnisse Genüge leisten. Jetzt haben wir nun eine Synagoge und zwar eine, die sich sehen lassen darf. Deswegen war auch die Freude an dem Gelingen des Werkes, zu dem ein jedes Mitglied unserer Gemeinde sein Scherflein beigetragen hat, allgemein sehr groß, deshalb bildet auch die Einweihungsfeier ein Denkstein in dem Leben eines jeden Einzelnen unserer Gemeinde. Eine große Anzahl Gäste aus der Umgegend von Egelsbach hatten sich zur Einweihungsfeier eingefunden. In der alten Synagoge fand um 1 Uhr ein Abschiedsgottesdienst statt, an den sich eine Predigt des Rabbiners Dr. Marx aus Darmstadt anschloss. Ein Zug, wie ihn Egelsbach noch nie gesehen hat, durchzog hierauf die Straußen. Voran die Schulkinder, hierauf die Damen, vier Torarollen und hinterher die Herren, alles festlich gekleidet und geschmückt. Nach Überreichung des Schlüssels zog man in das neue Gebäude ein, während eine Darmstädter Kapelle spielte. Nachdem der Chor Ma towu und Boruch habboh in meisterhafter Weise gesungen hatte, betrat dann Herr Rabbiner Dr. Marx die Kanzel und hielt in kernigen Worten die Einweihungsrede. Er dankte dem Baukomitee, insbesondere dem Vorsitzenden desselben, Herrn Hofmann und dem Architekten Eck für ihre Mühe und Sorgfalt, mit denen sie das Werk zu gutem Ende führten. Ferner sprach er den Gemeinden und dem Großherzog Ernst Ludwig, die das Unternehmen gefördert und unterstützt haben, seinen tief gefühlten Dank aus. Nach Beendigung der Einweihungsrede wurde im Hotel 'Zur Krone' ein Konzert gegeben, und abends wieder ein solches bei Rinnenthal. Zwei Festbälle im Hotel zum 'Heß' und im Hotel 'zur Krone' schlossen die Feier. 
Nicht unerwähnt wollen wir lassen, dass das Porauches (Vorhang am Toraschrein) mit schöner Goldstickerei und die Schulchandecke (Decke auf Vorlesepult), welche die Firma A. Rothschild, Hebräische Buchhandlung und Kunststickerei in Frankfurt für die neue Synagoge geliefert hat, durch ihre gediegene und künstlerische Ausführung allgemeinen Beifall fanden."   
   
Egelsbach FrfIsrFambl 04091903.jpg (211476 Byte)Artikel im "Frankfurter Israelitischen Familienblatt" vom 4. September 1903: "Egelsbach, 1. September (1903). Nachdem die neue Synagoge eingeweiht und ihrer Bestimmung übergeben, dürfte ein Rückblick auf die Entwicklung gewiss angebracht sein. Nachdem die hiesige israelitische Gemeinde lange Zeit zu der Nachbargemeinde Langen gehört hatte, wurde derselben in den 1840er-Jahren von Wolf Simon ein Betsaal zur Verfügung gestellt (später Simon Simon). Es war in dem jetzt Lazarus Simon'schen Wohnhause. Im Jahre 1850 erwarb sich die Gemeinde das seither innegehabte Betlokal, Mikwe und Lehrerwohnung. Es sei hierbei erwähnt, dass noch zwei Männer am Leben sind, die damals den Kauf abschließen halfen, nämlich Herr Lederhändler Moses Katz in Darmstadt und Herr Privatier Vogel Kahn in Worms, beide sind jetzt hoch betagt. Nach unermüdlichem Fleiße ist es der strebsamen Religionsgemeinde möglich gewesen, im vorigen Frühjahr den Grundstein zu der jetzigen Synagoge zu legen. Leider sollte einer der bei der Grundsteinlegung Mitwirkenden die Einweihung nicht mehr erleben. Herr Herz Katz starb anfangs dieses Jahres im Alter von 85 Jahren. Als Religionslehrer waren nacheinander hier tätig, die Herren Levy, Heinebach, Alumann, Stern, Zopf, Ehrmann, Bloch, Gorden, Mannheimer, Katz, Agulnik, Heilman, Schafheimer, Quittner, Ansbacher, Eisenberger und seit vorigem Jahre zum zweiten Male Herr Lehrer Heilmann. Bei Beginn des Baues waren Vorsteher Lazarus Simon, Max Katz und Simon Grünebaum; in die Baukommission wurden gewählt Daniel Katz, Ferdinand Lederer und Elias Levy. Bei der im vorigen Jahre notwendig gewordenen Neuwahl wurden in den Vorstand gewählt: Adolf Hofmann, Elisas Levy und Salomon Reis I. In die Baukommission neu: Daniel Katz. Max Katz und Ferdinand Lederer. Das unter Ersterem freudig angefangene Werk ist unter Letzterem glücklich vollende worden. Möge der wohltuende Frieden auch in das Gotteshaus eingezogen sein, insbesondere möge aber Friede und Eintracht unter den beiden hiesigen Einzelkonfessionen wohnen. Die neue Synagoge, eine Zierde unseres Ortes, in der unteren Rheinstraße gelegen, ist von Herrn Architekt Enk in Darmstadt erbaut. Auch die hiesige politische Gemeinde hat einen Beitrag in anerkennendster Weise zur Verfügung gestellt. Wir schließen unseren Bericht mit dem Wunsche, dass die Gemeinde sich weiter entwickeln möge zur Ehre des Judentums und zur Freude eines jeden aufrichtigen und begeisterten Bekenners desselben." 
 
Weitere Anzeigen/Dokumente zur neuen Synagoge in Egelsbach
(Quelle: Geschichtsverein Egelsbach, vgl. unten Website www.63329.info mit Informationen zu Egelsbach Nr. 27) 
 Anzeige: Vergebung von Bauarbeiten
für die neue Synagoge vom 9. Mai 1902
Bericht über die Grundsteinlegung
der Synagoge vom 27. Juni 1902
Anzeigen / Programm zur Einweihung der Synagoge am 7./8. August 1903 Programm zur Einweihung mit Innenansicht - Blick zum Toraschrein 
 

Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge durch SA-Leute (Brigade 50 Starkenburg, Männer der Standart 168) völlig verwüstet. Möglicherweise wurde auch Feuer gelegt. Die Inneneinrichtung, Ritualien und Gebetbücher wurden aus dem Fenster geworfen, auf den nahe gelegenen Sportplatz verbracht und dort verbrannt. Die steinernen Gebotstafeln auf dem Giebel der Synagoge wurden heruntergerissen und zertrümmert. 

Das Synagogengebäude wurde 1941 von der Gemeinde Egelsbach samt Grundstück für 5.000 Reichsmark von der schon nicht mehr bestehenden Israelitischen Gemeinde Egelsbach "gekauft", wobei der Betrag auf ein Sperrkonto bei der Bezirkssparkasse Langen eingezahlt wurde. Von Seiten der jüdischen Familien unterzeichneten Moses Reis und David Katz I., die damals nicht mehr in Egelsbach, sondern in Frankfurt am Main wohnten. Die Synagoge wurde danach als Unterbringungsort von ausländischen Zwangsarbeitern und Kriegsgefangenen zweckentfremdet. 
 
Nach 1945
kam das Gebäude - vermutlich nach Klärung des Restitutionsverfahrens - in Privatbesitz und wurde (Ende der 1950er-/Anfang der 1960er-Jahre) zu einem Wohnhaus umgebaut. 
  
  
Adressen/Standorte der Synagogen: Erster Betsaal (bis 1847): Schulstraße 12;    Alte Synagoge (1847): Langener Str. 1;    Neue Synagoge (1903): Rheinstraße 49  
 
 
Fotos
(Quelle: sw-Fotos erste und zweite Fotozeile und dritte Fotozeile rechts: Geschichtsverein Egelsbach; sw-Foto zweite Fotozeile links: Arnsberg Bilder S. 47; neuere Fotos: Hahn, Aufnahmedatum 3.8.2008)  

Haus der Familie Simon
 (Betraum vor 1847)
   
     
      
Das Gebäude der alten Synagoge
1847-1903 
  
     
     
Das Gebäude der ehemaligen Synagoge 
um 1970 
Egelsbach Synagoge 100.jpg (82102 Byte)    
          
      
Das Gebäude der ehemaligen Synagoge
 im Sommer 2008
Egelsbach Synagoge 170.jpg (82465 Byte) Egelsbach Synagoge 175.jpg (83424 Byte)
  Blick auf die ehemalige Synagoge von der Rheinstraße 
   
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  Hinweistafel mit der Inschrift (deutsch und hebräisch): "Ehemalige Synagoge. 
Feierlich eingeweiht am 28.1.1903. Geschändet und geplündert am 10.11. 1938." 
     
Gedenktafel 
auf dem Kirchplatz 
Egelsbach Gedenken 171.jpg (93109 Byte) Egelsbach Gedenken 170.jpg (88110 Byte)
  Tafel mit der Inschrift: "Zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus. 'Die Pflicht, 
sich zu erinnern, stehe über dem Verlangen zu vergessen. Karl Kraus'." 
      
Die "Judengasse" in Egelsbach - 
vermutlich jüdisches Wohngebiet 
im 18. Jahrhundert  
Egelsbach Judengasse 173.jpg (72329 Byte) Egelsbach Judengasse 170.jpg (75826 Byte)
    Blick entlang der "Judengasse"   Straßenschild 

   
    

Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte  

Oktober 2009: In Egelsbach werden "Stolpersteine" verlegt   
Artikel vom 9. Oktober 2009 in der "Offenbach-Post" (Artikel): 
"Egelsbach - Erste Aktion am 15. Oktober erinnert an Familien Bacharach, Eisemann, Katz und Reis -  Stolperstein-Premiere in Egelsbach. 
Egelsbach
- (hob) Es ist nie zu spät, eine gute Sache zu beginnen. Frei nach diesem Grundsatz erlebt nun auch die Gemeinde die erste Verlegung von Stolpersteinen im Gedenken an Egelsbacher Juden, die vom nationalsozialistischen Terror-Regime gequält und getötet wurden. Am Donnerstag, 15. Oktober, um 15 Uhr wird der Künstler Gunter Demnig die ersten Stolpersteine verlegen. Sie erinnern an die Familien Bacharach, Eisemann, Katz und Reis, die einst in der Ernst-Ludwig-Straße 39 beziehungsweise in der Woogstraße 5 gewohnt haben..."   
Der Arbeitskreis freut sich über weitere Mitarbeiter und über Paten, die bereit sind, 95 Euro für einen Stolperstein zu übernehmen. Spenden unter dem Stichwort Stolpersteine können aufs Konto 33 002 5 93 bei der Sparkasse Langen-Seligenstadt, BLZ 506 521 24, überwiesen werden. Kontakt zum Arbeitskreis über das evangelische Gemeindebüro, Tel.: 49076.
    
Oktober 2009: Nachkomme der jüdischen Familie Bacharach kommt zur Verlegung der Stolpersteine am 15. Oktober 2009
Artikel von Gaby Melk in der "Offenbach-Post" (Artikel online) vom 14. Oktober 2009: "Der Klang der Versöhnung
Egelsbach - Am morgigen Donnerstag verlegt der Künstler Gunter Demnig im Ort die ersten Stolpersteine zum Gedenken an jüdische Nazi-Opfer. 

Dieser lang ersehnten Premiere widmet die Egelsbacher Stolperstein-Initiative bereits heute eine Informations- und Gedenkveranstaltung mit einem ganz besonderen Gast: Dr. Laurence Sherr, Musikprofessor an der Kennesaw State University in Atlanta/ USA und Sohn der ehemaligen Egelsbacherin Alice Bacharach, ist zur Verlegung der Gedenksteine für seine Familie nach Egelsbach gekommen. Er wird ab 20 Uhr in der Kulturscheuer (Ernst-Ludwig-Straße 65) nicht nur über seine Familie erzählen, sondern auch musizieren – und damit Egelsbach zum Schauplatz einer Uraufführung im Zeichen von Erinnerung und Versöhnung machen..."   
Link: Website mit Seiten über Biographie und das Werk von Prof. Laurence Sherr     
 
Artikel in der "Offenbach-Post" (Artikel online) vom 16. Oktober 2009: "Erinnerung verblasst nicht
Egelsbach - (hob) Seit gestern 'stolpern' auch die Bürger von Egelsbach über die dunkelste Periode der Vergangenheit. Das 'Stolpersteine'-Projekt des Kölner Künstlers Gunter Demnig symbolisiert, dass die Erinnerung an die Opfer des Nazi-Terrors nicht verblasst..."   
 
Oktober 2010: In Egelsbach werden weitere "Stolpersteine" verlegt   
Artikel von Holger Borchard in "op-online.de" vom Oktober 2010 (Artikel): "Erst gequält und dann ermordet. 
Egelsbach ‐ Die Arbeitsgemeinschaft Stolpersteine erinnert am 13. Oktober mit einer weiteren Aktion ans Schicksal ehemaliger jüdischer Bürger während der Nazizeit. .
Das Haus in der Schulstraße 50 kennen viele Egelsbacher – während der Kerb vor Kurzem beherbergte es den 'Schoppepetzer-Hof'. Die Geschichte des Gebäudes und seiner Bewohner dürfte freilich nur den Wenigsten geläufig sein. Am Mittwoch, 13. Oktober, um 14 Uhr werden vor dem Haus Schulstraße 50 fünf Stolpersteine in den Gehweg eingesetzt. Sie erinnern an die Familie Simon sowie an Thekla Lehmann..." 
   

    
     
Links und Literatur

Links: 

bullet Website der Gemeinde Egelsbach 
bulletWebportal HS 010.jpg (66495 Byte)Webportal "Vor dem Holocaust" - Fotos zum jüdischen Alltagsleben in Hessen mit Fotos zur jüdischen Geschichte in Egelsbach 
bulletPrivate Website (Hans-Jürgen Rüster) zu Edelsbach: www.63329.info mit Informationen zu Egelsbach und Informationsblättern des Geschichtsvereins Egelsbach:
Nr. 016: Die jüdische Geschichte in Egelsbach (pdf-Datei) und ergänzend dazu: Nr. 027: Die Israelitische Gemeinde Egelsbach mit Informationen zur Synagogengeschichte (pdf-Datei).  

Literatur:  

bulletPaul Arnsberg: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang - Untergang - Neubeginn. 1971. Bd. I S. 149-150.
bulletders.: Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Bilder - Dokumente. S. 47.
bulletThea Altaras: Synagogen in Hessen. Was geschah seit 1945? 1988 S. 172-173. 
bulletdies.: Das jüdische Rituelle Tauchbad und: Synagogen in Hessen. Was geschah seit 1945 Teil II. 1994. S. 142 (keine weiteren Angaben zu 1988).
bulletStudienkreis Deutscher Widerstand (Hg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933-1945. Hessen I Regierungsbezirk Darmstadt. 1995 S. 274-275. 
bulletPinkas Hakehillot: Encyclopedia of Jewish Communities from their foundation till after the Holocaust. Germany Volume III: Hesse -  Hesse-Nassau - Frankfurt. Hg. von Yad Vashem 1992 (hebräisch) S. 39-40.
bulletChristine Wittrock: Egelsbach 1933-1945. Egelsbach 1988.
bulletBeate und Serge Klarsfeld: Die Kinder von Izieu. Eine jüdische Tragödie. Berlin 1991. 
In diesem Buch wird auch das Schicksal des 1928 in Egelsbach geborenen Theodor Reis beschrieben. Seine Mutter kam, nachdem die Familie von Egelsbach nach Wollenberg geflohen ist (von dort stammte der Vater von Theodor Reis) mit der Deportation der badischen Juden im Oktober 1940 nach Gurs, von hier später nach Auschwitz und wurde ermordet. Der Sohn Theodor konnte von einer französisch-jüdischen Kinderhilfsorganisation zunächst in einem Kinderheim in Palavas-les-Flots versteckt werden; nach dem deutschen Einmarsch wurde dieses Heim durch den Gestapochef von Lyon Klaus Barbie im April 1944 liquidiert. Die Kinder, darunter Theodor Reis wurden deportiert und bei einer Massenerschießung entweder in Kovno (Litauen) oder in Reval (Estland) ermordet. 
bulletEgelsbach usw Lit 020.jpg (149631 Byte)Andrea von Treuenfeld: In Deutschland eine Jüdin, eine Jeckete in Israel. Geflohene Frauen erzählen ihr Leben. Gütersloher Verlagshaus 2011.  
In diesem Buch findet sich S. 54-64 die Lebensgeschichte von Ahuva Salant, geboren als Lieselotte Liebe Kwiat (Tochter des Kultusbeamten Hirsch / Hermann Kwiat, s.o.), die am 7. September 1931 in Egelsbach geboren ist und in Jerusalem lebt (2011).  

      
       


 

Article from "The Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust". 
First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.

Egelsbach  Hesse.  This Orthodox community numbered ober 90 (3,2 % of the total) in 1905, declining to 60 in 1933. The Nazi boycott campaign drove Jews from the town and by December 1938, after Kristallnacht (9-10 November 1938), the remaining 44 had left - some emigrating to the United States and Palestine. 
      
       

                   
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Stand: 15. Oktober 2013