Baisingen Friedhof 154.jpg (62551 Byte)  Segnende Hände der Kohanim auf einem Grabstein in Baisingen


Eingangsseite

Aktuelle Informationen

Jahrestagungen von Alemannia Judaica

Die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft

Jüdische Friedhöfe 

(Frühere und bestehende) Synagogen

Übersicht: Jüdische Kulturdenkmale in der Region

Bestehende jüdische Gemeinden in der Region

Jüdische Museen

FORSCHUNGS-
PROJEKTE

Literatur und Presseartikel

Adressliste

Digitale Postkarten

Links

 

  
zurück zur Übersicht "Synagogen in der Region"  
zurück zur Übersicht "Synagogen in Thüringen"
      

Pößneck (Kreis Saale-Orla-Kreis, Thüringen)
Jüdische Geschichte 

Übersicht:

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  
Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde   
Zur Geschichte der Synagoge   
Fotos / Darstellungen
Links und Literatur   

   

Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde  

In Pößneck lebten Juden bereits im Mittelalter. Vom Anfang des 14. Jahrhunderts wird berichtet, dass die Juden der Stadt den Grafen von Schwarzburg als den damaligen Stadtherren (bis 1418) jährlich vier fette Gänse zu liefern hatten, bis die Grafen Heinrich XII. und Günther XV. um 1310 diese Abgabe dem Rat der Stadt überließen. 
Nach der Judenverfolgung in der Pestzeit (1348/49; von einer Verfolgung in Pößneck ist nichts bekannt) werden 1372 wiederum Juden in der Stadt genannt. Damals gaben die Erfurter und Pößnecker Juden den Markgrafen von Meißen und den Landgrafen von Thüringen ein größeres Darlehen. 1423 bis 1425 wird der Jude Abraham von Pößneck als einer der Gläubiger der Grafen von Orlamünde genannt.    
   
  
Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts werden keine jüdischen Einwohner in der Stadt genannt. Erst danach entwickelte sich durch Zuzüge die Zahl der jüdischen Einwohner wie folgt: 1880 20 jüdische Einwohner, 1895 Höchstzahl von 51, 1898 20, 1924/25 16. Eine eigentliche jüdische Gemeinde wurde nicht gegründet. Jüdische Gewerbetreibende eröffneten mehrere Einzelhandelsgeschäfte und Textilgewerbebetriebe; einzelne waren im Verlagswesen oder in der Steuerberatung tätig. David Binder hatte ein Kaufhaus inne.        
 
An religiösen Einrichtungen war vermutlich ein Betraum vorhanden (s.u.).     
  
1933 lebten noch 16 jüdische Personen in Pößneck (von insgesamt 14.625 Einwohnern). In den folgenden Jahren ist ein Teil von ihnen auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts, der zunehmenden Entrechtung und der Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert. Der Boykott richtete sich insbesondere gegen das Kaufhaus von David Binder. 1938 wurde er in das KZ Buchenwald verbracht, wo er umgekommen ist.   
  
Von den in Pößneck geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen (Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"): Alexander Benjamin (1883), Ilse Benjamin (1913), Sophie Benjamin geb. Franke (1884), Marja Bernsohn (1903), David Jakob Binder (), Esther Malke Binder (1924), Hedwig Binder geb. Ullmann (1881), Esther Falkenstein geb. Bernstein (1898), Harry Falkenstein (1887), Käthe Kanstein geb. Levy (1894), Dora Pleatschek geb. Bernsohn (1901), Hans Wittkowski (1902).     
   
Im Mai 2008 wurden in Pößneck "Stolpersteine" zur Erinnerung an die aus der Familie Binder umgekommenen Personen verlegt.  
  
    

Berichte aus der jüdischen Geschichte      

In jüdischen Periodika des 19./20. Jahrhunderts wurden noch keine Berichte zur jüdischen Geschichte in Pössneck gefunden. 

    

      
 
     
Zur Geschichte des Betraumes  

Eine Synagoge gab es zu keiner Zeit in Pößneck. Sehr wahrscheinlich gab es einen Betraum im Privathaus des Kaufmannes David Binder.   
   
  
Adresse/Standort des Betraumes  wahrscheinlich im Gebäude Breite Straße 2              

Fotos  

Fotos zur jüdischen Geschichte in Pößneck liegen noch nicht vor.   
      

   
   

Erinnerungsarbeit vor Ort - einzelne Berichte 

Mai 2008: Verlegung von "Stolpersteinen" in Pößneck   
Poessneck Stolpersteine 110.jpg (39810 Byte)Artikel von Marius Koity aus der "Ostthüringischen Zeitung" vom 9. Mai 2008, übernommen aus der Website des Aktionsbündnisses Courage (Artikel, von dieser Website auch das Foto links - Stolpersteine für Familie Binder): 
"Freude trotz aller Trauer. Stolpersteine-Künstler Gunter Demnig soll gestern nicht zum letzten Mal in Pößneck gewesen sein. Nach und nach soll allen Pößnecker Juden, die in der NS-Zeit ermordet, verfolgt oder in den Tod getrieben wurden, ein Stolperstein gesetzt werden. Drei Stolpersteine erinnern in der Breiten Straße an die Verfolgung der Pößnecker Juden. 
In Pößneck wurden gestern die ersten drei Stolpersteine im Saale-Orla-Kreis verlegt. Es handelt sich um jene Stolpersteine, die der Künstler Gunter Demnig seit 1995 in die Gehwege vor den letzten Wohnstätten jüdischer und anderer Opfer der Nationalsozialisten einlässt. Knapp 100 Menschen aus Pößneck und Umgebung wohnten der nur wenige Minuten dauernden Verlegung in der Ecke Straße des Friedens/Breite Straße bei, die der Höhepunkt der diesjährigen Gedenkaktionen zum 8. Mai, dem Tag der Befreiung, in Pößneck war.
Die Stolpersteine sind drei Mitgliedern der Familie Binder gewidmet, die in der Breiten Straße 2 wirkten und lebten. Die Mahnmale vor dem Wohn- und Geschäftshaus, das im Volksmund heute noch Kaufhaus Binder heißt, erinnern an: David Jakob Binder, 1938 nach Buchenwald verbracht und 1939 an den Folgen der KZ-Haft in Pößneck verstorben; an seine Frau Hedwig Binder geborene Ullmann, deren Spur sich nach der Deportation 1942 im Dunkel der nationalsozialistischen Juden-Vernichtung verliert; an die Tochter Esther Malke Binder, 1943 nach Auschwitz deportiert und dort im selben Jahr ermordet. Dem Sohn von Hedwig und David Binder, Adolf Milian Binder, soll zu einem späteren Zeitpunkt ein Stolperstein gewidmet werden, wenn mehr über sein Schicksal bekannt wird.
Stifter der ersten Pößnecker Stolpersteine sind Philipp Gliesing aus Jena und Jörg Reichmann aus Pößneck, Gabi und Hans Pensold aus Oppurg sowie Avraham Tavor aus Haifa (Israel). Angeschoben wurde das Projekt von Gliesing und Sebastian Klauder vom Aktionsbündnis Courage aus Pößneck. Die Evangelisch-Lutherische Kirchgemeinde Pößneck und die Stadt Pößneck gehören zur langen Reihe der Förderer.
Pößneck ist der 231. Ort auf der Deutschlandkarte der Stolpersteine. Etwa 13 000 solcher Betonwürfel mit einem Messingschild obendrauf hat Demnig im In- und Ausland verlegt. "Freude trotz aller Trauer" empfand der Künstler, dass sich auch in Pößneck Menschen gefunden haben, die auf diese Art und Weise an die Nazi-Opfer erinnern wollen. Tavor, Großneffe von Hedwig Binder, äußerte die Hoffnung, dass es nie wieder zu einem Terror wie jenem in der NS-Zeit komme.
Ein stiller Mahngang vom Ehrenhain Rudolf-Diesel-Straße in die Breite Straße hatte die Stolpersteine-Aktion eingeleitet. Ein Programm Langenorlaer Grundschüler, eine Ausstellung u. a. über die Familie Binder, Kostproben der jüdischen Küche und ein Konzert Pößnecker Musikschüler sorgten für Abwechslung. Und ein unüberhörbarer Gang der Erinnerung mit Trommlern der Gruppe Percussao Popular durch die Innenstadt zu einem Friedensgebet in die Stadtkirche schloss den Gedenktag ab."   
 
 


    
Links und Literatur   

Links:  

Website der Stadt Pößneck   
Seite auf der Website der Stadt Pößneck zu den "Stolpersteinen" in der Stadt  
Weitere Seite zu den "Stolpersteinen" auf der Website des "Aktionsbündnisses Courage"   

Literatur:  

Germania Judaica II,2 S. 658-659; III,2 S. 1114-1115. 
A. Human: Geschichte der Juden im Herzogtum Sachsen-Meiningen-Hildburghausen I. H. 1898 S. 5. 
Israel Schwierz: Zeugnisse jüdischer Vergangenheit in Thüringen. Eine Dokumentation - erstellt unter Mitarbeit von Johannes Mötsch. Hg. von der Landeszentrale für politische Bildung Thüringen ( www.lzt.thueringen.de) 2007. Zum Download der Dokumentation (interner Link). Zu  Pößneck S. 207-208. 
Studienkreis Deutscher Widerstand (Hg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933-1945. Band 8 Thüringen. Frankfurt am Main 2003. S. 226.     

    
    

 

n.e.

  

                   
vorherige Synagoge  zur ersten Synagoge nächste Synagoge    

             

 

Senden Sie E-Mail mit Fragen oder Kommentaren zu dieser Website an Alemannia Judaica (E-Mail-Adresse auf der Eingangsseite)
Copyright © 2003 Alemannia Judaica - Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum
Stand: 17. September 2011